A New Experience of Christ
GA 69c
22 February 1912, Stuttgart
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Neues Christus-Erleben
2. Christus und das zwanzigste Jahrhundert
2. Christus und das zwanzigste Jahrhundert
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Die Frage nach dem Christus erregt heute Interesse in den weitesten Kreisen. In unserem so aufgeklärten Zeitalter schickt sich diese Frage an, zu einer der bedeutsamsten zu werden. Sieht man auf das Gepräge unserer ganzen Kultur, so ist dieses Interesse begreiflich. Die Christusgestalt war eine solche, welche durch viele Jahrhunderte der abendländischen Kultur den tiefsten Impuls gegeben hat. In der Gegenwart scheint in gewissen Betrachtungen diese Gestalt wie zu entschwinden, wie aus den Händen zu fallen. Vor dem Blick der historischen Forschung zerflattert die Christusgestalt gleichsam. Demgegenüber steht [die Tendenz, bloß noch] ein tieferes Verständnis der Wesenheit des Jesus von Nazareth [zu suchen]. Aber diese Gestalt wird sogar in ihrer historischen Existenz angezweifelt. «Hat Jesus gelebt?» – So wird gegenwärtig oft gefragt. Solch eine Frage greift tief in alle Gemüter ein. Wie bei allen historischen Erscheinungen kann gefragt werden, ob der Christus Jesus eine historische Wesenheit gewesen sei. Aber die Evangelien sind keine Urkunden wie andere, [wie gewöhnliche historische Urkunden]. Vom Standpunkte der gegenwärtigen Geschichtsforschung muss mit gewissem Recht der Glaube an die Christusgestalt bei denen, die eine historische Stütze suchen, einfach erschüttert werden. Das ist mit ein Grund, warum [in der Vergangenheit] der Impuls so tief eingreifend war bei den Menschen und warum [heute dieser Forschung] ein so großes Interesse entgegengebracht werden muss: gerade durch die Angst [der Menschen] vor dem Verlust eines begründeten Glaubens an die Christusgestalt.
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Die Frage nach dem Christus erregt heute Interesse in den weitesten Kreisen. In unserem so aufgeklärten Zeitalter schickt sich diese Frage an, zu einer der bedeutsamsten zu werden. Sieht man auf das Gepräge unserer ganzen Kultur, so ist dieses Interesse begreiflich. Die Christusgestalt war eine solche, welche durch viele Jahrhunderte der abendländischen Kultur den tiefsten Impuls gegeben hat. In der Gegenwart scheint in gewissen Betrachtungen diese Gestalt wie zu entschwinden, wie aus den Händen zu fallen. Vor dem Blick der historischen Forschung zerflattert die Christusgestalt gleichsam. Demgegenüber steht [die Tendenz, bloß noch] ein tieferes Verständnis der Wesenheit des Jesus von Nazareth [zu suchen]. Aber diese Gestalt wird sogar in ihrer historischen Existenz angezweifelt. «Hat Jesus gelebt?» – So wird gegenwärtig oft gefragt. Solch eine Frage greift tief in alle Gemüter ein. Wie bei allen historischen Erscheinungen kann gefragt werden, ob der Christus Jesus eine historische Wesenheit gewesen sei. Aber die Evangelien sind keine Urkunden wie andere, [wie gewöhnliche historische Urkunden]. Vom Standpunkte der gegenwärtigen Geschichtsforschung muss mit gewissem Recht der Glaube an die Christusgestalt bei denen, die eine historische Stütze suchen, einfach erschüttert werden. Das ist mit ein Grund, warum [in der Vergangenheit] der Impuls so tief eingreifend war bei den Menschen und warum [heute dieser Forschung] ein so großes Interesse entgegengebracht werden muss: gerade durch die Angst [der Menschen] vor dem Verlust eines begründeten Glaubens an die Christusgestalt.
[ 2 ] Über dieses eben gekennzeichnete Problem soll nun vom geisteswissenschaftlichen Standpunkte aus einiges, wenn auch nur Skizzenhaftes, gesagt werden. [Aber was diese Geisteswissenschaft zu sagen hat, ist doch so, dass sich aus ihr die begründete Hoffnung ergibt: Der Christus, der den Menschen äußerlich unwiederbringlich genommen ward, kann ihnen wieder zurückgegeben werden.] Die Gestalt des Christus, wie sie sich aus der Geisteswissenschaft ergibt, ist etwas den allgemeinen Bekenntnissen und Urteilen «Zuwideres», ist ihnen geradezu widerwärtig. Das, was heute Abend zu sagen ist, wird nicht nur auf Widerspruch stoßen, sondern es wird auch aufgenommen werden als Träumerei, als Phantasterei. Im Rahmen eines einzigen Vortrages ist es nicht möglich, alles zu dieser Frage zusammenzutragen, aber durch die Mitteilung dessen, was die Geisteswissenschaft gefunden hat, wird vielleicht auch noch das eine oder andere nachher herauskommen. Eigentlich wird die Frage nur durchsichtig, wenn wir auf die verschiedenen Auffassungen der Menschen über den Christus im Laufe der Jahrhunderte zurückblicken.
[ 2 ] Über dieses eben gekennzeichnete Problem soll nun vom geisteswissenschaftlichen Standpunkte aus einiges, wenn auch nur Skizzenhaftes, gesagt werden. [Aber was diese Geisteswissenschaft zu sagen hat, ist doch so, dass sich aus ihr die begründete Hoffnung ergibt: Der Christus, der den Menschen äußerlich unwiederbringlich genommen ward, kann ihnen wieder zurückgegeben werden.] Die Gestalt des Christus, wie sie sich aus der Geisteswissenschaft ergibt, ist etwas den allgemeinen Bekenntnissen und Urteilen «Zuwideres», ist ihnen geradezu widerwärtig. Das, was heute Abend zu sagen ist, wird nicht nur auf Widerspruch stoßen, sondern es wird auch aufgenommen werden als Träumerei, als Phantasterei. Im Rahmen eines einzigen Vortrages ist es nicht möglich, alles zu dieser Frage zusammenzutragen, aber durch die Mitteilung dessen, was die Geisteswissenschaft gefunden hat, wird vielleicht auch noch das eine oder andere nachher herauskommen. Eigentlich wird die Frage nur durchsichtig, wenn wir auf die verschiedenen Auffassungen der Menschen über den Christus im Laufe der Jahrhunderte zurückblicken.
[ 3 ] Es muss zugegeben werden: Die Christus-Auffassung der ersten Jahrhunderte hat etwas Befremdendes für [uns] gegenwärtig[e Menschen]; [das war schon damals so, und ein Verständnis zu erringen] wird später [im Laufe der Zeit] immer unmöglicher. So hat sich der gegenwärtige Standpunkt entwickelt: Die Geisteswissenschaft kommt in Bezug auf den Christus zu Ähnlichem, wie [einst] die gnostische Wissenschaft der ersten Jahrhunderte. Die Gnostiker werden gerne Sekten genannt, [doch] sie erhoben sich zu den höchsten Höhen des Menschendenkens und -Empfindens, wofür der heutige Mensch nicht viel Interesse haben kann. Weit entfernt waren die Bekenner der Gnosis, monistische Auffassungen anzunehmen – ein vornehmes Wort für «materialistisch». Der Gnostiker findet den Urmenschen nicht im Tierreich, sondern [er ist für ihn] ein noch geistiges, ein spirituelles Wesen; dieses hat nicht äußerlich einen fleischlichen Leib im Tierreich angenommen, sondern es hat sich als geistiges Menschenwesen mehr und mehr in Zusammenfügung gebracht mit den Gesetzen des physischen Leibes. Die Verleiblichung hat den Menschen in diejenige Lage gebracht, in der er jetzt ist.
[ 3 ] Es muss zugegeben werden: Die Christus-Auffassung der ersten Jahrhunderte hat etwas Befremdendes für [uns] gegenwärtig[e Menschen]; [das war schon damals so, und ein Verständnis zu erringen] wird später [im Laufe der Zeit] immer unmöglicher. So hat sich der gegenwärtige Standpunkt entwickelt: Die Geisteswissenschaft kommt in Bezug auf den Christus zu Ähnlichem, wie [einst] die gnostische Wissenschaft der ersten Jahrhunderte. Die Gnostiker werden gerne Sekten genannt, [doch] sie erhoben sich zu den höchsten Höhen des Menschendenkens und -Empfindens, wofür der heutige Mensch nicht viel Interesse haben kann. Weit entfernt waren die Bekenner der Gnosis, monistische Auffassungen anzunehmen – ein vornehmes Wort für «materialistisch». Der Gnostiker findet den Urmenschen nicht im Tierreich, sondern [er ist für ihn] ein noch geistiges, ein spirituelles Wesen; dieses hat nicht äußerlich einen fleischlichen Leib im Tierreich angenommen, sondern es hat sich als geistiges Menschenwesen mehr und mehr in Zusammenfügung gebracht mit den Gesetzen des physischen Leibes. Die Verleiblichung hat den Menschen in diejenige Lage gebracht, in der er jetzt ist.
[ 4 ] [Und so fragten die Gnostiker:] Wie finden wir den [Ur-]Menschen? Ein jeder [in] sich selber? Auf der einen Seite finden wir das, was wir auch in Bezug auf das Seelenleben geworden sind, auf der anderen ein Streben, einen Glauben an eine höhere Menschennatur. Dadurch kann der Mensch gewisse Kräfte in seinem Innern entfesseln, sodass er sich selbst erheben kann. Er entdeckt [s]eine höhere Natur. So ist eine Summe von Kräften in der höheren Menschennatur verborgen. Das ist die Anschauung der Gnostiker: Der Mensch ist bestimmt für ein Leben in höheren Sphären; sein Leben auf der Erde ist niedriger, liegt unter dem, was er seinem Geiste nach sein könnte. Das [leibliche] Leben des Menschen stimmt nicht zusammen mit seiner höheren Natur; aber es geht nicht verloren; es ist nur wichtig für den physischen Fortschritt [auf der Erde]. Das Höhere hat sich in der geistigen Welt bewahrt. Schließlich konnte dieses Übermenschliche heruntersteigen und in der Menschennatur wirken; zu einem gewissen Zeitpunkte konnte gleichsam ein urmenschliches Wesen heruntersteigen und in der Menschennatur wirken, das sich bis dahin in der geistigen Welt bewahrt hatte. Diese Wesenheit stellte sich die Gnosis als den Christus vor. Er birgt in sich den Impuls zum Höchsten, was der Mensch erreichen kann. Dieser Zeitpunkt [des Heruntersteigens] fällt – sinnbildlich gesprochen – zusammen mit der Johannes-Taufe.
[ 4 ] [Und so fragten die Gnostiker:] Wie finden wir den [Ur-]Menschen? Ein jeder [in] sich selber? Auf der einen Seite finden wir das, was wir auch in Bezug auf das Seelenleben geworden sind, auf der anderen ein Streben, einen Glauben an eine höhere Menschennatur. Dadurch kann der Mensch gewisse Kräfte in seinem Innern entfesseln, sodass er sich selbst erheben kann. Er entdeckt [s]eine höhere Natur. So ist eine Summe von Kräften in der höheren Menschennatur verborgen. Das ist die Anschauung der Gnostiker: Der Mensch ist bestimmt für ein Leben in höheren Sphären; sein Leben auf der Erde ist niedriger, liegt unter dem, was er seinem Geiste nach sein könnte. Das [leibliche] Leben des Menschen stimmt nicht zusammen mit seiner höheren Natur; aber es geht nicht verloren; es ist nur wichtig für den physischen Fortschritt [auf der Erde]. Das Höhere hat sich in der geistigen Welt bewahrt. Schließlich konnte dieses Übermenschliche heruntersteigen und in der Menschennatur wirken; zu einem gewissen Zeitpunkte konnte gleichsam ein urmenschliches Wesen heruntersteigen und in der Menschennatur wirken, das sich bis dahin in der geistigen Welt bewahrt hatte. Diese Wesenheit stellte sich die Gnosis als den Christus vor. Er birgt in sich den Impuls zum Höchsten, was der Mensch erreichen kann. Dieser Zeitpunkt [des Heruntersteigens] fällt – sinnbildlich gesprochen – zusammen mit der Johannes-Taufe.
[ 5 ] [Aus der Sicht der Gnosis] sind die Menschen teils mehr, teils weniger fortgeschritten. Als den höchsten, als den hervorragendsten Menschen in der Erdenentwicklung verehrte die Gnosis Jesus von Nazareth. Was bei ihm im dreißigsten Jahre geschehen ist, können wir charakterisieren, ohne die Menschen zu schockieren: Ein Mensch wächst heran, zeigt diese oder jene Entwicklung, bis zu einem gewissen Zeitpunkt im Leben, wo ein Bruch, etwas ganz Neues ins Seelenleben eintritt, was gar nicht vorbereitet schien. Manche stellen das als etwas Unmögliches dar, aber es gibt im Menschenleben Umschwünge, radikale Brüche. Solch einen Umschwung – im höchsten Maße gesteigert – denke man sich. Auch wenn [nur] im Kleinsten dieser Umschwung gemacht wird, fühlt sich der Mensch wie ein neues Wesen, das er vorher nicht war. [Von einem solchen Umschwung gehen die Gnostiker aus, wenn sie davon sprechen, was bei Jesus von Nazareth im dreißigsten Jahre aufgetreten ist.]
[ 5 ] [Aus der Sicht der Gnosis] sind die Menschen teils mehr, teils weniger fortgeschritten. Als den höchsten, als den hervorragendsten Menschen in der Erdenentwicklung verehrte die Gnosis Jesus von Nazareth. Was bei ihm im dreißigsten Jahre geschehen ist, können wir charakterisieren, ohne die Menschen zu schockieren: Ein Mensch wächst heran, zeigt diese oder jene Entwicklung, bis zu einem gewissen Zeitpunkt im Leben, wo ein Bruch, etwas ganz Neues ins Seelenleben eintritt, was gar nicht vorbereitet schien. Manche stellen das als etwas Unmögliches dar, aber es gibt im Menschenleben Umschwünge, radikale Brüche. Solch einen Umschwung – im höchsten Maße gesteigert – denke man sich. Auch wenn [nur] im Kleinsten dieser Umschwung gemacht wird, fühlt sich der Mensch wie ein neues Wesen, das er vorher nicht war. [Von einem solchen Umschwung gehen die Gnostiker aus, wenn sie davon sprechen, was bei Jesus von Nazareth im dreißigsten Jahre aufgetreten ist.]
[ 6 ] Der Urmensch hat in der Seele des Jesus von Nazareth Einzug gehalten. Dieser war wie ein äußeres Gefäß; er wird im Sinne der Gnostiker als der Christusträger angesehen. So kann man also nicht davon sprechen, dass der Christus mit dem Jesus von Nazareth identisch sei. Aber es war keine neue Entwicklungsepoche im Leben des Jesus von Nazareth: Was in den Himmelshöhen immer da war, was von Anfang an aufbewahrt wurde, das stieg herunter auf die Erde und lebte drei Jahre lang im Leibe des Jesus. Das ist die unendliche geistige Tiefe des Gedankens: Die Menschheitsentwicklung ist bis zum Allerhöchsten aufgestiegen mit dem Gotte, ist wie gesättigt worden von dieser Kraft des Allerhöchsten. Ein kleiner Kreis der Gnostiker konnte [die große Bedeutung des Geschehens] erfassen, dass der Menschheit zurückgegeben wurde, was aufbewahrt worden war.
[ 6 ] Der Urmensch hat in der Seele des Jesus von Nazareth Einzug gehalten. Dieser war wie ein äußeres Gefäß; er wird im Sinne der Gnostiker als der Christusträger angesehen. So kann man also nicht davon sprechen, dass der Christus mit dem Jesus von Nazareth identisch sei. Aber es war keine neue Entwicklungsepoche im Leben des Jesus von Nazareth: Was in den Himmelshöhen immer da war, was von Anfang an aufbewahrt wurde, das stieg herunter auf die Erde und lebte drei Jahre lang im Leibe des Jesus. Das ist die unendliche geistige Tiefe des Gedankens: Die Menschheitsentwicklung ist bis zum Allerhöchsten aufgestiegen mit dem Gotte, ist wie gesättigt worden von dieser Kraft des Allerhöchsten. Ein kleiner Kreis der Gnostiker konnte [die große Bedeutung des Geschehens] erfassen, dass der Menschheit zurückgegeben wurde, was aufbewahrt worden war.
[ 7 ] Wir können nicht alle einzelnen Etappen der ChristusAnschauungen [durchgehen], aber einzelne nennen, zum Beispiel bei tiefen Denkern des Mittelalters. Bei ihnen herrschte der intensivste Glaube, aber die Erhebung zu gnostischen Vorstellungen war ihnen nicht möglich. Unmöglich war es im Mittelalter, über die christliche Gnosis nachzudenken. Solch ein Denken wäre als Phantasterei erschienen. Im Mittelalter beschränkte sich der Blick auf das, was unterhalb der Sphäre der Gnostiker liegt. Aus Aristoteles, [aus dessen] vierhundert Jahre vor Christus [geschaffenen Gedankenwelt] schöpften sie; Aristoteles war damals der «Tonangeber». Der spirituelle Flug wurde dem [Gebiet des] Glauben[s] zugeschrieben. Aristoteles sagte: Alles, was den Reichen der Natur zugrunde liegt, ist Geistiges; nur nahm er die Reinkarnation des menschlichen Seelenkerns nicht an. Ihn interessierte, was gesetzmäßig zu erkennen ist, ihn interessierte nur ein einheitlicher Gott. [Nach seiner Auffassung] löst sich bei jeder Geburt das menschliche Seelenwesen aus der einheitlichen göttlichen Substanz. Aber nach dem Tode kehrt die Seele nicht in das Göttliche zurück, sondern bleibt als einzelner Mensch in der geistigen Welt vorhanden. Für Aristoteles ist die ganze übersinnliche Welt rein erkenntnismäßig. Der Mensch blickt [nach seinem Tode] zurück auf sein Erdenleben und findet dann seinen Lohn oder seine Qual, ewige Strafe und Belohnung. Das hängt mit der Wissenschaft des Aristoteles zusammen — Franz Brentano, [ein großer Kenner des Aristoteles, hat sich in seinen Werken ausführlich darüber geäußert]. Die mittelalterlichen Gelehrten wiesen zwar auf ein Wissen über die geistige Welt hin, aber bei ihnen war [der erkenntnismäßige Zugang zum Geistigen] ausgeschlossen — das Gebiet der Gnosis, zu welchem man [durch] Erkenntnis [einen Zugang] gewinnen kann.
[ 7 ] Wir können nicht alle einzelnen Etappen der ChristusAnschauungen [durchgehen], aber einzelne nennen, zum Beispiel bei tiefen Denkern des Mittelalters. Bei ihnen herrschte der intensivste Glaube, aber die Erhebung zu gnostischen Vorstellungen war ihnen nicht möglich. Unmöglich war es im Mittelalter, über die christliche Gnosis nachzudenken. Solch ein Denken wäre als Phantasterei erschienen. Im Mittelalter beschränkte sich der Blick auf das, was unterhalb der Sphäre der Gnostiker liegt. Aus Aristoteles, [aus dessen] vierhundert Jahre vor Christus [geschaffenen Gedankenwelt] schöpften sie; Aristoteles war damals der «Tonangeber». Der spirituelle Flug wurde dem [Gebiet des] Glauben[s] zugeschrieben. Aristoteles sagte: Alles, was den Reichen der Natur zugrunde liegt, ist Geistiges; nur nahm er die Reinkarnation des menschlichen Seelenkerns nicht an. Ihn interessierte, was gesetzmäßig zu erkennen ist, ihn interessierte nur ein einheitlicher Gott. [Nach seiner Auffassung] löst sich bei jeder Geburt das menschliche Seelenwesen aus der einheitlichen göttlichen Substanz. Aber nach dem Tode kehrt die Seele nicht in das Göttliche zurück, sondern bleibt als einzelner Mensch in der geistigen Welt vorhanden. Für Aristoteles ist die ganze übersinnliche Welt rein erkenntnismäßig. Der Mensch blickt [nach seinem Tode] zurück auf sein Erdenleben und findet dann seinen Lohn oder seine Qual, ewige Strafe und Belohnung. Das hängt mit der Wissenschaft des Aristoteles zusammen — Franz Brentano, [ein großer Kenner des Aristoteles, hat sich in seinen Werken ausführlich darüber geäußert]. Die mittelalterlichen Gelehrten wiesen zwar auf ein Wissen über die geistige Welt hin, aber bei ihnen war [der erkenntnismäßige Zugang zum Geistigen] ausgeschlossen — das Gebiet der Gnosis, zu welchem man [durch] Erkenntnis [einen Zugang] gewinnen kann.
[ 8 ] [Und so kann man fragen:] Was fehlt dem Glauben des mittelalterlichen Menschen? Nun, was ihm fehlt, das ist das Bewusstsein, [die bewusste Erkenntnis], dass der Mensch [auch intellektuell] einen Sündenfall gemacht hat. Aus diesem [Unbewussten] will die Geisteswissenschaft ihn erheben; dies ist dann ein [neues] Christusbewusstsein, abgesehen von allem Mythologischen und Legendarischen. Die Durchdringung [des Jesus von Nazareth] mit dem waltenden Geiste war nur Glaube, nicht aber Erkenntnis. So kam die Menschheit dazu, sich nicht mehr vorstellen zu können, was es bedeutet, wenn der Christus Besitz von dem Jesus ergreift; es ist Unsinn für das materialistische Denken der neuen Zeit, dass aus geistigen Höhen [die Christuswesenheit als] etwas Reales heruntergestiegen ist zu den Menschen. Da bleibt nur noch der Jesus von Nazareth als ausgezeichneter Mensch.
[ 8 ] [Und so kann man fragen:] Was fehlt dem Glauben des mittelalterlichen Menschen? Nun, was ihm fehlt, das ist das Bewusstsein, [die bewusste Erkenntnis], dass der Mensch [auch intellektuell] einen Sündenfall gemacht hat. Aus diesem [Unbewussten] will die Geisteswissenschaft ihn erheben; dies ist dann ein [neues] Christusbewusstsein, abgesehen von allem Mythologischen und Legendarischen. Die Durchdringung [des Jesus von Nazareth] mit dem waltenden Geiste war nur Glaube, nicht aber Erkenntnis. So kam die Menschheit dazu, sich nicht mehr vorstellen zu können, was es bedeutet, wenn der Christus Besitz von dem Jesus ergreift; es ist Unsinn für das materialistische Denken der neuen Zeit, dass aus geistigen Höhen [die Christuswesenheit als] etwas Reales heruntergestiegen ist zu den Menschen. Da bleibt nur noch der Jesus von Nazareth als ausgezeichneter Mensch.
[ 9 ] Nun, mit Leichtigkeit ergaben sich Widersprüche, als man in den vier Urkunden, [den Evangelien], Aufschluss suchte und Unterschiedliches fand. Es ist wirklich kinderleicht nachzuweisen, dass sie [in vielem] nicht übereinstimmen. [Und man fragt sich:] Hat man das denn früher nicht bemerkt? Den Vorfahren mutet man leicht jede Torheit zu, [man tut so,] als ob sie die Evangelien nie gelesen hätten. So ist Jesus von Nazareth immer mehr zerflattert, [für viele in der modernen Zeit] ist er nur noch ein besonders guter Mensch. Das ist schmeichelhaft für den modernen Menschen; [für ihn] ist Jesus von Nazareth ein Mensch wie alle anderen, nur etwas höher: [wie] Plato, Sokrates. So wurde Jesus zum «schlichten Mann von Nazareth». Je einfacher, je allgemeiner [sein Bild wurde], desto lieber, desto mehr glaubte man, dass es der historischen Wahrheit entspreche. Das heißt [man] «vorurteilslose Forschung». Objektiv wird da nur, was man eben [scheinbar] als objektiv erkennt. Die größten Theologen meinten, man müsse vorurteilslos herangehen, nichts für wahr annehmen, aber [was tun sie?] Sie gehen hin und streichen einfach [was ihnen in den Evangelien nicht einsichtig ist]. Daher [kommt dann] die Frage: «Hat Jesus gelebt?» Kein anderes Ergebnis war [einer solchen Denkweise] möglich. Äußerlich, historisch, ist die Existenz des Jesus nicht beweisbar. [Professor] Drews cum suis hat durchaus Recht mit der Art, wie er es vorbringt. [Er ist nämlich in seinem Denken konsequent]. Alles andere wäre wie ein Zappeln um etwas, was man doch nicht beweisen kann.
[ 9 ] Nun, mit Leichtigkeit ergaben sich Widersprüche, als man in den vier Urkunden, [den Evangelien], Aufschluss suchte und Unterschiedliches fand. Es ist wirklich kinderleicht nachzuweisen, dass sie [in vielem] nicht übereinstimmen. [Und man fragt sich:] Hat man das denn früher nicht bemerkt? Den Vorfahren mutet man leicht jede Torheit zu, [man tut so,] als ob sie die Evangelien nie gelesen hätten. So ist Jesus von Nazareth immer mehr zerflattert, [für viele in der modernen Zeit] ist er nur noch ein besonders guter Mensch. Das ist schmeichelhaft für den modernen Menschen; [für ihn] ist Jesus von Nazareth ein Mensch wie alle anderen, nur etwas höher: [wie] Plato, Sokrates. So wurde Jesus zum «schlichten Mann von Nazareth». Je einfacher, je allgemeiner [sein Bild wurde], desto lieber, desto mehr glaubte man, dass es der historischen Wahrheit entspreche. Das heißt [man] «vorurteilslose Forschung». Objektiv wird da nur, was man eben [scheinbar] als objektiv erkennt. Die größten Theologen meinten, man müsse vorurteilslos herangehen, nichts für wahr annehmen, aber [was tun sie?] Sie gehen hin und streichen einfach [was ihnen in den Evangelien nicht einsichtig ist]. Daher [kommt dann] die Frage: «Hat Jesus gelebt?» Kein anderes Ergebnis war [einer solchen Denkweise] möglich. Äußerlich, historisch, ist die Existenz des Jesus nicht beweisbar. [Professor] Drews cum suis hat durchaus Recht mit der Art, wie er es vorbringt. [Er ist nämlich in seinem Denken konsequent]. Alles andere wäre wie ein Zappeln um etwas, was man doch nicht beweisen kann.
[ 10 ] Die Geisteswissenschaft stellt sich in die Kultur hinein; [sie kommt durch gewisse Methoden zu Erkenntnissen über den geistigen Gang der Menschheitsentwicklung], wie auseinandergesetzt worden ist in dem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache». Dieser Titel ist nicht beliebig gewählt: Es ist nicht christliche Mystik [gemeint], sondern [es geht darum, dass] der ChristusImpuls als treibende Kraft desjenigen zu begreifen ist, was in der äußeren, physischen Wirklichkeit gefunden wird. Der wichtigste Impuls in der Erdenentwicklung ist der Christus-Impuls; er ist der Schwerpunkt dieser ganzen geschichtlichen Entwicklung. Die Geisteswissenschaft knüpft wieder an [dasjenige, was] die Gnosis [wollte], aber [sie tut es aus sich heraus, ganz] unabhängig davon. Die Menschenseele wirkte in den vorchristlichen Zeiten ganz anders als heute. Es ist eine Unart, dass man das nicht anerkennen will, dass die Menschenseele anders war. [...] Früher war das traumhafte Hellsehen ein dritter Zustand zwischen dem Schlafen und dem Wachen. Der Mensch wusste da, es gibt geistige Wesen, wie er heute weiß, dass es Pflanzen und Tiere gibt. Die alten Sagen und Mythen sind Bilder für das, was der Mensch geschaut hat. Die Mythen sind umgesetzte alte hellseherische Erlebnisse. [Aber dieses Hellsehen musste verloren gehen, denn dieses war ein Vorspiel für die Herausbildung des Ichs in der Menschheitsentwicklung, für die Herausbildung des vollen Ichs des Menschen in der physischen Welt, des auf sich selbst gebauten Seins des Menschen.]
[ 10 ] Die Geisteswissenschaft stellt sich in die Kultur hinein; [sie kommt durch gewisse Methoden zu Erkenntnissen über den geistigen Gang der Menschheitsentwicklung], wie auseinandergesetzt worden ist in dem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache». Dieser Titel ist nicht beliebig gewählt: Es ist nicht christliche Mystik [gemeint], sondern [es geht darum, dass] der ChristusImpuls als treibende Kraft desjenigen zu begreifen ist, was in der äußeren, physischen Wirklichkeit gefunden wird. Der wichtigste Impuls in der Erdenentwicklung ist der Christus-Impuls; er ist der Schwerpunkt dieser ganzen geschichtlichen Entwicklung. Die Geisteswissenschaft knüpft wieder an [dasjenige, was] die Gnosis [wollte], aber [sie tut es aus sich heraus, ganz] unabhängig davon. Die Menschenseele wirkte in den vorchristlichen Zeiten ganz anders als heute. Es ist eine Unart, dass man das nicht anerkennen will, dass die Menschenseele anders war. [...] Früher war das traumhafte Hellsehen ein dritter Zustand zwischen dem Schlafen und dem Wachen. Der Mensch wusste da, es gibt geistige Wesen, wie er heute weiß, dass es Pflanzen und Tiere gibt. Die alten Sagen und Mythen sind Bilder für das, was der Mensch geschaut hat. Die Mythen sind umgesetzte alte hellseherische Erlebnisse. [Aber dieses Hellsehen musste verloren gehen, denn dieses war ein Vorspiel für die Herausbildung des Ichs in der Menschheitsentwicklung, für die Herausbildung des vollen Ichs des Menschen in der physischen Welt, des auf sich selbst gebauten Seins des Menschen.]
[ 11 ] Das ist der Entwicklungsgang der Menschheit: Von dem dumpfen Hellsehen soll sie kommen zum klaren, bewussten Hellsehen, das in der Zukunft fest gegründet sein wird. In alten Zeiten gab es kein Wissen von den Gründen des Daseins, das anders erworben war als durch Hellsehen. [Obwohl] Deussen [das Gegenteil behauptet, muss man sagen]: Erst seit der griechischen Zeit trat das [verstandesmäßige] Wissen von der Außenwelt auf, eigentlich erst mit Thales; Thales war der Erste. Was aus atavistischem Hellsehertum stammt, ist nicht [Philosophie]. Die Orte, wo der Mensch über den gewöhnlichen Zustand hinauskam, waren im Altertum die Mysterienstätten, [aus heutiger Sicht ein Zwischending zwischen Hochschule und Kirche. In diesen Mysterienstätten konnten die Menschen sich die Einweihung erringen]. Die Eingeweihten erkannten: Der Geist offenbart sich nur im Ich, nicht in den Seelenkräften; das Ich ist der Mittelpunkt des Seelenwesens. Aber erst offenbarte sich der Geist nur als Gott, der im ganzen Volk lebte, wie bei den alten Hebräern. Des Menschen tiefstes Wesen ist unmittelbar göttlich; Leib und Seele sind es nur mittelbar. Durch gewisse Vorschriften und Übungen kann das Seelenleben unabhängig werden vom Leibe. Das Göttliche lebt im gewöhnlichen Menschen, so wie er im Leben ist; es offenbart sich aus seinem Wesenskern, dem Ich. Es gab verschiedene Einweihungsvorschriften, im Wesentlichen vier. Die Mysterien werden zur historischen Tatsache im Mysterium von Golgatha – das war der Christus-Impuls! Der Christus ist der universelle Geist; sein Leben spielte sich vor der ganzen Menschheit auf dem physischen Plane ab, wird nicht im Kleinen dargelebt – wie unbedeutend, vor Einzelnen, vor den Aposteln und anderen –, sondern repräsentativ vor der ganzen Menschheit. So gab es einen Ersatz der alten Mysterien durch den Einen. Im Ich, im innersten Wesen der Seele, liegt die höchste Kraft der Menschheit. So können wir uns wieder aus dem Sündenfall erheben.
[ 11 ] Das ist der Entwicklungsgang der Menschheit: Von dem dumpfen Hellsehen soll sie kommen zum klaren, bewussten Hellsehen, das in der Zukunft fest gegründet sein wird. In alten Zeiten gab es kein Wissen von den Gründen des Daseins, das anders erworben war als durch Hellsehen. [Obwohl] Deussen [das Gegenteil behauptet, muss man sagen]: Erst seit der griechischen Zeit trat das [verstandesmäßige] Wissen von der Außenwelt auf, eigentlich erst mit Thales; Thales war der Erste. Was aus atavistischem Hellsehertum stammt, ist nicht [Philosophie]. Die Orte, wo der Mensch über den gewöhnlichen Zustand hinauskam, waren im Altertum die Mysterienstätten, [aus heutiger Sicht ein Zwischending zwischen Hochschule und Kirche. In diesen Mysterienstätten konnten die Menschen sich die Einweihung erringen]. Die Eingeweihten erkannten: Der Geist offenbart sich nur im Ich, nicht in den Seelenkräften; das Ich ist der Mittelpunkt des Seelenwesens. Aber erst offenbarte sich der Geist nur als Gott, der im ganzen Volk lebte, wie bei den alten Hebräern. Des Menschen tiefstes Wesen ist unmittelbar göttlich; Leib und Seele sind es nur mittelbar. Durch gewisse Vorschriften und Übungen kann das Seelenleben unabhängig werden vom Leibe. Das Göttliche lebt im gewöhnlichen Menschen, so wie er im Leben ist; es offenbart sich aus seinem Wesenskern, dem Ich. Es gab verschiedene Einweihungsvorschriften, im Wesentlichen vier. Die Mysterien werden zur historischen Tatsache im Mysterium von Golgatha – das war der Christus-Impuls! Der Christus ist der universelle Geist; sein Leben spielte sich vor der ganzen Menschheit auf dem physischen Plane ab, wird nicht im Kleinen dargelebt – wie unbedeutend, vor Einzelnen, vor den Aposteln und anderen –, sondern repräsentativ vor der ganzen Menschheit. So gab es einen Ersatz der alten Mysterien durch den Einen. Im Ich, im innersten Wesen der Seele, liegt die höchste Kraft der Menschheit. So können wir uns wieder aus dem Sündenfall erheben.
[ 12 ] Der Zeitpunkt, seit dem das Ich auf sich selbst angewiesen ist, ging dem Christus-Impuls nur um sechshundert Jahre voran. Von diesem Zeitpunkte an ist der Mensch ganz hineingestellt in die Welt, welche allein durch die äußeren Sinne wahrgenommen wird. In der natürlichen Entwicklung haben wir es überall mit Sprüngen zu tun, und das gilt auch für die Menschheitsentwicklung. So ist jede Zeit eine Übergangszeit und unsere Zeit ganz besonders.
[ 12 ] Der Zeitpunkt, seit dem das Ich auf sich selbst angewiesen ist, ging dem Christus-Impuls nur um sechshundert Jahre voran. Von diesem Zeitpunkte an ist der Mensch ganz hineingestellt in die Welt, welche allein durch die äußeren Sinne wahrgenommen wird. In der natürlichen Entwicklung haben wir es überall mit Sprüngen zu tun, und das gilt auch für die Menschheitsentwicklung. So ist jede Zeit eine Übergangszeit und unsere Zeit ganz besonders.
[ 13 ] Manche alten Formen schwinden dahin, sittliche wie intellektuelle. Der Mensch ist auf die Spitze der eigenen Persönlichkeit gestellt. Bis heute war es eine Zeit der Vorbereitung, [man konnte es beherzigen oder nicht]; aber jetzt müssen erhöhte Kräfte in der Menschennatur spielen. Die Seelen durchleben eine Erhöhung ihrer Kräfte. Das letzte Mal geschah das in der griechischen [Zeit], sechshundert Jahre vor Christus; da stellte [dieser Impuls] sich herein in die Menschheitsentwicklung [als der Beginn des selbstständigen Denkens]. Heute stehen wir an einem ähnlichen Zeitpunkt wie sechshundert Jahre vor Christus. Aber dazumal wurde die Menschenseele nach außen in die physische Welt geleitet, jetzt ist ihr Halt allein das Ich; und in dieses Ich des Menschen muss sich hereinstellen die Christuswesenheit. Es ist eine [Art] Wiederholung, aber nun nach innen, verinnerlicht.
[ 13 ] Manche alten Formen schwinden dahin, sittliche wie intellektuelle. Der Mensch ist auf die Spitze der eigenen Persönlichkeit gestellt. Bis heute war es eine Zeit der Vorbereitung, [man konnte es beherzigen oder nicht]; aber jetzt müssen erhöhte Kräfte in der Menschennatur spielen. Die Seelen durchleben eine Erhöhung ihrer Kräfte. Das letzte Mal geschah das in der griechischen [Zeit], sechshundert Jahre vor Christus; da stellte [dieser Impuls] sich herein in die Menschheitsentwicklung [als der Beginn des selbstständigen Denkens]. Heute stehen wir an einem ähnlichen Zeitpunkt wie sechshundert Jahre vor Christus. Aber dazumal wurde die Menschenseele nach außen in die physische Welt geleitet, jetzt ist ihr Halt allein das Ich; und in dieses Ich des Menschen muss sich hereinstellen die Christuswesenheit. Es ist eine [Art] Wiederholung, aber nun nach innen, verinnerlicht.
[ 14 ] In diesem Ich ist der Mittelpunkt der Welt. Mit unserer Verinnerlichung werden die höchsten Impulse, die überhaupt im Menschen leben [können], auftreten – [es ist] ein geistiges Wiederkommen des Christus im Innern; [es werden] Seelenkräfte [entwickelt], die den Christus in einer neuen Gestalt erfassen können; [erlebbar] für die geistige Anschauung, nicht in der physischen Welt. [Dieses Erlebnis ist nicht identisch mit dem Erfahren des inneren, mystischen Christus, also mit etwas, was schon da war.] Die Geisteswissenschaft zeigt uns den inneren, mystischen Christus und den historischen Christus. Wer nur an den inneren, mystischen Christus glauben will, nicht an den historischen Christus, der geht fehl. Man braucht auch den historischen Christus, denn es gäbe keinen inneren, mystischen Christus ohne den historischen Christus. Das Christusfühlen in uns ist abhängig von der Geistessonne wie das Auge von dem Licht: Es ist abhängig von dem historischen Christus. Ohne diesen besteht keine Möglichkeit des inneren Christus – es ist der historische Christus, der das Organ für die ChristusErfahrung in den Herzen der Menschen erschuf.
[ 14 ] In diesem Ich ist der Mittelpunkt der Welt. Mit unserer Verinnerlichung werden die höchsten Impulse, die überhaupt im Menschen leben [können], auftreten – [es ist] ein geistiges Wiederkommen des Christus im Innern; [es werden] Seelenkräfte [entwickelt], die den Christus in einer neuen Gestalt erfassen können; [erlebbar] für die geistige Anschauung, nicht in der physischen Welt. [Dieses Erlebnis ist nicht identisch mit dem Erfahren des inneren, mystischen Christus, also mit etwas, was schon da war.] Die Geisteswissenschaft zeigt uns den inneren, mystischen Christus und den historischen Christus. Wer nur an den inneren, mystischen Christus glauben will, nicht an den historischen Christus, der geht fehl. Man braucht auch den historischen Christus, denn es gäbe keinen inneren, mystischen Christus ohne den historischen Christus. Das Christusfühlen in uns ist abhängig von der Geistessonne wie das Auge von dem Licht: Es ist abhängig von dem historischen Christus. Ohne diesen besteht keine Möglichkeit des inneren Christus – es ist der historische Christus, der das Organ für die ChristusErfahrung in den Herzen der Menschen erschuf.
