A New Experience of Christ
GA 69c
6 May 1912, Cologne
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Neues Christus-Erleben
3. Christus und das Zwanzigste Jahrhundert
3. Christus und das Zwanzigste Jahrhundert
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Wer gegenwärtig über den Christus spricht, begegnet mancherlei Anschauungen, die [in der einen oder anderen Weise] vertreten werden. Diese können hauptsächlich unter zwei Gesichtspunkten eingeordnet werden, mit denen insbesondere derjenige rechnen muss, welcher über die Christus-Frage in einem solchen Sinne spricht, wie es am heutigen Abend geschehen soll, welcher spricht von dem Gesichtspunkt aus, der hier schon öfter von mir vertreten werden durfte in Bezug auf andere Fragen, auf andere Probleme des Lebens — gemeint ist der geisteswissenschaftliche oder theosophische Gesichtspunkt.
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Wer gegenwärtig über den Christus spricht, begegnet mancherlei Anschauungen, die [in der einen oder anderen Weise] vertreten werden. Diese können hauptsächlich unter zwei Gesichtspunkten eingeordnet werden, mit denen insbesondere derjenige rechnen muss, welcher über die Christus-Frage in einem solchen Sinne spricht, wie es am heutigen Abend geschehen soll, welcher spricht von dem Gesichtspunkt aus, der hier schon öfter von mir vertreten werden durfte in Bezug auf andere Fragen, auf andere Probleme des Lebens — gemeint ist der geisteswissenschaftliche oder theosophische Gesichtspunkt.
[ 2 ] Zunächst begegnet man demjenigen Standpunkt, der in seiner Art durchaus fest auf dem Boden der ChristusAnschauung steht, dem Standpunkt nämlich, für den der Christus eine wirkliche, reale Macht des Lebens ist. Es ist dies der religiöse Standpunkt, der Standpunkt der verschiedenen religiösen Bekenntnisse. Wenn wir diesen ins Auge fassen, dann finden wir, dass er zumeist, wenn er sich auch noch so sehr nach einer gewissen Richtung hin tolerant und liberal verhält, im Grunde nicht gelten lassen will, dass über den Christus in einer anderen Art gesprochen werden kann, als er selber von ihm spricht. Dass ein Fortschritt in Bezug auf Gedanken über den Christus möglich sei, das wird von dem religiösen Standpunkt der verschiedensten Schattierungen einfach nicht zugegeben.
[ 2 ] Zunächst begegnet man demjenigen Standpunkt, der in seiner Art durchaus fest auf dem Boden der ChristusAnschauung steht, dem Standpunkt nämlich, für den der Christus eine wirkliche, reale Macht des Lebens ist. Es ist dies der religiöse Standpunkt, der Standpunkt der verschiedenen religiösen Bekenntnisse. Wenn wir diesen ins Auge fassen, dann finden wir, dass er zumeist, wenn er sich auch noch so sehr nach einer gewissen Richtung hin tolerant und liberal verhält, im Grunde nicht gelten lassen will, dass über den Christus in einer anderen Art gesprochen werden kann, als er selber von ihm spricht. Dass ein Fortschritt in Bezug auf Gedanken über den Christus möglich sei, das wird von dem religiösen Standpunkt der verschiedensten Schattierungen einfach nicht zugegeben.
[ 3 ] Der andere Gesichtspunkt, dem man begegnet, ist derjenige, der auch von wahrhaftig ernsten Wahrheitssuchern in der Gegenwart vertreten wird; es ist der Standpunkt, der, von Gesichtspunkten einer gewissen wissenschaftlichen Richtung ausgehend, sagt: Untersucht man das Christus-Ereignis, untersucht man das, was im Beginne unserer Zeitrechnung geschehen sein soll in Palästina, mit denselben Mitteln streng geschichtlicher Forschung wie andere Ereignisse, so kann die Deutung des Christus-Ereignisses so, wie sie vertreten wird, nicht aufrechterhalten werden. – Man weiß, dass dieser Gesichtspunkt sich schon lange vorbereitet hat; man weiß, dass im Verlaufe der letzten Jahrhunderte die Menschen immer mehr zu einem Vergleichen der Evangelien gekommen sind, dass sie glaubten, aus den Widersprüchen [zwischen den verschiedenen Evangelien] schließen zu müssen, dass diese nicht historische Urkunden sein könnten.
[ 3 ] Der andere Gesichtspunkt, dem man begegnet, ist derjenige, der auch von wahrhaftig ernsten Wahrheitssuchern in der Gegenwart vertreten wird; es ist der Standpunkt, der, von Gesichtspunkten einer gewissen wissenschaftlichen Richtung ausgehend, sagt: Untersucht man das Christus-Ereignis, untersucht man das, was im Beginne unserer Zeitrechnung geschehen sein soll in Palästina, mit denselben Mitteln streng geschichtlicher Forschung wie andere Ereignisse, so kann die Deutung des Christus-Ereignisses so, wie sie vertreten wird, nicht aufrechterhalten werden. – Man weiß, dass dieser Gesichtspunkt sich schon lange vorbereitet hat; man weiß, dass im Verlaufe der letzten Jahrhunderte die Menschen immer mehr zu einem Vergleichen der Evangelien gekommen sind, dass sie glaubten, aus den Widersprüchen [zwischen den verschiedenen Evangelien] schließen zu müssen, dass diese nicht historische Urkunden sein könnten.
[ 4 ] Und nachdem man lange Zeit hindurch versucht hatte, etwas aus den Evangelien gleichsam herauszudestillieren, was sich wie ein Bild des Christus Jesus doch ergeben könnte, gibt es heute schon – nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern – viele Menschen, die geradezu glauben, es ihrem wissenschaftlichen Gewissen schuldig zu sein, zuzugeben, dass man eigentlich von einem historischen Jesus, von einem Christus-Ereignis im historischen Sinne, nicht reden dürfte. Mit einem Herausschälen des historischen Bodensatzes in den Evangelien, bis zum völligen Hinwegleugnen der historischen Gestalt des Christus Jesus, haben wir es zu tun, wenn wir die Stellungnahme der heutigen Zeit zur Christus-Frage ins Auge fassen.
[ 4 ] Und nachdem man lange Zeit hindurch versucht hatte, etwas aus den Evangelien gleichsam herauszudestillieren, was sich wie ein Bild des Christus Jesus doch ergeben könnte, gibt es heute schon – nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern – viele Menschen, die geradezu glauben, es ihrem wissenschaftlichen Gewissen schuldig zu sein, zuzugeben, dass man eigentlich von einem historischen Jesus, von einem Christus-Ereignis im historischen Sinne, nicht reden dürfte. Mit einem Herausschälen des historischen Bodensatzes in den Evangelien, bis zum völligen Hinwegleugnen der historischen Gestalt des Christus Jesus, haben wir es zu tun, wenn wir die Stellungnahme der heutigen Zeit zur Christus-Frage ins Auge fassen.
[ 5 ] So konnte [die Ansicht] entstehen, dass der Christus heute nur noch gefunden werden könne bei den religiösen Menschen, welche durch den Glauben sich zu erheben vermeinen zu dem Christus, dass aber die ChristusIdee, der Christus-Gedanke vor der immer mehr sich entwickelnden Wissenschaft verschwinden müsse. Und viele sind es, die heute schon davon träumen, dass ganz gewiss dasjenige, was Christus-Macht ist, in der Zukunft keine Rolle mehr spielen werde. Doch diese glauben durchaus nicht daran, dass Religion der Menschheit überhaupt jemals abhandenkommen könne.
[ 5 ] So konnte [die Ansicht] entstehen, dass der Christus heute nur noch gefunden werden könne bei den religiösen Menschen, welche durch den Glauben sich zu erheben vermeinen zu dem Christus, dass aber die ChristusIdee, der Christus-Gedanke vor der immer mehr sich entwickelnden Wissenschaft verschwinden müsse. Und viele sind es, die heute schon davon träumen, dass ganz gewiss dasjenige, was Christus-Macht ist, in der Zukunft keine Rolle mehr spielen werde. Doch diese glauben durchaus nicht daran, dass Religion der Menschheit überhaupt jemals abhandenkommen könne.
[ 6 ] Dennoch scheint gegenüber gewissen Tatsachen der Gegenwart dieser Glaube nicht aufrechterhalten werden zu können. Wir bemerken nämlich die eigentümliche Erscheinung, dass in unserer Gegenwart nicht nur Gläubige, nicht nur diejenigen, die aus ihrem Gemüt heraus die Evangelien wie ein Erbauungs- und Erziehungsmittel empfangen haben, von etwas sprechen, das doch der Christus-Idee entspricht, sondern dass ernste, gebildete, [nach Wahrheit strebende] Menschen hinweisen mit ihrem ganzen seelischen Empfinden auf etwas, was man nur mit dem Christus-Namen belegen könne. Immerhin bleibt es doch charakteristisch, dass ein Freidenker der Gegenwart, der nur ein Repräsentant von vielen ist, der Amerikaner Ferguson, zu sagen vermag:
[ 6 ] Dennoch scheint gegenüber gewissen Tatsachen der Gegenwart dieser Glaube nicht aufrechterhalten werden zu können. Wir bemerken nämlich die eigentümliche Erscheinung, dass in unserer Gegenwart nicht nur Gläubige, nicht nur diejenigen, die aus ihrem Gemüt heraus die Evangelien wie ein Erbauungs- und Erziehungsmittel empfangen haben, von etwas sprechen, das doch der Christus-Idee entspricht, sondern dass ernste, gebildete, [nach Wahrheit strebende] Menschen hinweisen mit ihrem ganzen seelischen Empfinden auf etwas, was man nur mit dem Christus-Namen belegen könne. Immerhin bleibt es doch charakteristisch, dass ein Freidenker der Gegenwart, der nur ein Repräsentant von vielen ist, der Amerikaner Ferguson, zu sagen vermag:
Christus ist wieder Pionier einer neuen Zeit geworden, der Amerika mit Europa in der Zukunft verbinden wird, der am tiefsten hineinzuschauen vermag in die Seele eines jeden Menschen. Er ist so recht der Mann der Gegenwart wie nur einer.
Christus ist wieder Pionier einer neuen Zeit geworden, der Amerika mit Europa in der Zukunft verbinden wird, der am tiefsten hineinzuschauen vermag in die Seele eines jeden Menschen. Er ist so recht der Mann der Gegenwart wie nur einer.
[ 7 ] Ein Mann, der sonst freidenkerische Ideen verbreitet, redet von Christus so, wie wenn dieser heute von Mensch zu Mensch herumginge, wie wenn der Christus unmittelbar unter uns wandeln würde. Sogar freidenkerische Menschen beginnen also die Christuswesenheit als etwas zu fühlen, das einen unmittelbaren Bezug zu den Menschen hat. Wenn es heute auch noch weniger beachtet wird: Bahn brechen wird sich ein solches Hinneigen zu einer Macht, ein solches Suchen nach der Macht, die man nur mit dem Christus-Namen bezeichnen kann. Der Mann, der sich die größten Verdienste erwarb um die Einführung des Darwinismus in Amerika, John Fiske, tat den Ausspruch:
[ 7 ] Ein Mann, der sonst freidenkerische Ideen verbreitet, redet von Christus so, wie wenn dieser heute von Mensch zu Mensch herumginge, wie wenn der Christus unmittelbar unter uns wandeln würde. Sogar freidenkerische Menschen beginnen also die Christuswesenheit als etwas zu fühlen, das einen unmittelbaren Bezug zu den Menschen hat. Wenn es heute auch noch weniger beachtet wird: Bahn brechen wird sich ein solches Hinneigen zu einer Macht, ein solches Suchen nach der Macht, die man nur mit dem Christus-Namen bezeichnen kann. Der Mann, der sich die größten Verdienste erwarb um die Einführung des Darwinismus in Amerika, John Fiske, tat den Ausspruch:
Alle Religionen behaupten zwei Wahrheiten. Die eine Wahrheit ist die, dass alle Dinge in einem Zusammenhange stehen – alle Religionen verkünden diese Wahrheit, die unleugbar ist für jedes Nachdenken. Die zweite Wahrheit ist die, dass das, was wir gut oder böse nennen, in irgendeinem Verhältnis zu einer außerhalb des menschlichen Geistes stehenden Macht steht.
Alle Religionen behaupten zwei Wahrheiten. Die eine Wahrheit ist die, dass alle Dinge in einem Zusammenhange stehen – alle Religionen verkünden diese Wahrheit, die unleugbar ist für jedes Nachdenken. Die zweite Wahrheit ist die, dass das, was wir gut oder böse nennen, in irgendeinem Verhältnis zu einer außerhalb des menschlichen Geistes stehenden Macht steht.
[ 8 ] Ausdrücklich führe ich Aussprüche von Persönlichkeiten an, die mit ihrem ganzen Denken und Empfinden völlig auf dem Boden der Gegenwart stehen, die sich aber hindurchgearbeitet haben von einer äußeren Anschauung zu den tieferen Kräften des Daseins. Die Mächte sind nicht nur Kräfte physischer und chemischer, sondern auch geistiger Art. Nur wie eine Morgenröte, wie eine Art Vorbereitung zu einem ganz anderen nimmt die Christus-Idee, die eben charakterisiert worden ist, sich für denjenigen aus, der auf dem Boden der theosophischen Weltanschauung steht. Nicht missverstanden möchte ich werden, wenn ich spreche von der Christus-Idee, wie sie sich voraussichtlich im zwanzigsten Jahrhundert gestalten wird. Geisteswissenschaft soll so weit wie möglich entfernt sein von aller Sektiererei, von alledem, was nicht in unsere Zeit gehört. Und nicht anders fühlt sich der Geisteswissenschafter, wenn er von dem spricht, was da kommen soll in der Menschheitsentwicklung, wie sich der Naturwissenschafter fühlt, wenn er eine Sonnenfinsternis oder einen Venusdurchgang voraussagt. Die Eigenschaft eines Propheten legt sich der Geisteswissenschafter nicht bei. Es spielen eben im Leben Kräfte, die geistig erforscht werden können, ebenso wie in der physischen Welt die Naturkräfte erforscht werden können. Allerdings muss man ein wenig den Blick werfen auf das Schicksal der Christus-Idee in der Vergangenheit. Wahrhaftig, diese Idee hat sich gewaltig gewandelt im Laufe der Jahrhunderte. Wenn wir zurückdenken bis zur Entstehung der Christus-Idee, so finden wir in den ersten Jahrhunderten eine merkwürdige Tatsache. Wir finden, wie auf der einen Seite das populäre Christentum sich verbreitet über das Römische Reich, und man kann sagen: Während die alte römische Kultur sich vor allem in der Oberschicht der Bevölkerung entwickelt und dann in eine Art Dekadenz kommt, sehen wir, wie sich gerade bei denjenigen, die vom Leben geprüft werden, die Schmerz erleiden müssen, langsam und allmählich ein populäres Christentum einbürgert und wie sich immer mehr herausschält die Idealisierung des Jesus von Nazareth; bis zu einer göttlichen Höhe wird diese Gestalt erhoben. Dieses populäre Christentum enthält in seinen Bekenntnissen mehr Empfindungen und Gefühle als Begriffe und Ideen. Aber neben diesem populären Christentum sehen wir nun auf der anderen Seite, wie die erleuchtetsten Geister der Zeit, die sich mit dem Christentum befassen, ihre höchsten Ideen, ihre bedeutsamsten Begriffe dazu verwenden, sich die Frage zu beantworten: Wer ist denn eigentlich dieser Christus? – Und aus der Fülle von Antworten, die von diesen erleuchteten Geistern gegeben worden sind, sollen nur einige hervorgehoben werden.
[ 8 ] Ausdrücklich führe ich Aussprüche von Persönlichkeiten an, die mit ihrem ganzen Denken und Empfinden völlig auf dem Boden der Gegenwart stehen, die sich aber hindurchgearbeitet haben von einer äußeren Anschauung zu den tieferen Kräften des Daseins. Die Mächte sind nicht nur Kräfte physischer und chemischer, sondern auch geistiger Art. Nur wie eine Morgenröte, wie eine Art Vorbereitung zu einem ganz anderen nimmt die Christus-Idee, die eben charakterisiert worden ist, sich für denjenigen aus, der auf dem Boden der theosophischen Weltanschauung steht. Nicht missverstanden möchte ich werden, wenn ich spreche von der Christus-Idee, wie sie sich voraussichtlich im zwanzigsten Jahrhundert gestalten wird. Geisteswissenschaft soll so weit wie möglich entfernt sein von aller Sektiererei, von alledem, was nicht in unsere Zeit gehört. Und nicht anders fühlt sich der Geisteswissenschafter, wenn er von dem spricht, was da kommen soll in der Menschheitsentwicklung, wie sich der Naturwissenschafter fühlt, wenn er eine Sonnenfinsternis oder einen Venusdurchgang voraussagt. Die Eigenschaft eines Propheten legt sich der Geisteswissenschafter nicht bei. Es spielen eben im Leben Kräfte, die geistig erforscht werden können, ebenso wie in der physischen Welt die Naturkräfte erforscht werden können. Allerdings muss man ein wenig den Blick werfen auf das Schicksal der Christus-Idee in der Vergangenheit. Wahrhaftig, diese Idee hat sich gewaltig gewandelt im Laufe der Jahrhunderte. Wenn wir zurückdenken bis zur Entstehung der Christus-Idee, so finden wir in den ersten Jahrhunderten eine merkwürdige Tatsache. Wir finden, wie auf der einen Seite das populäre Christentum sich verbreitet über das Römische Reich, und man kann sagen: Während die alte römische Kultur sich vor allem in der Oberschicht der Bevölkerung entwickelt und dann in eine Art Dekadenz kommt, sehen wir, wie sich gerade bei denjenigen, die vom Leben geprüft werden, die Schmerz erleiden müssen, langsam und allmählich ein populäres Christentum einbürgert und wie sich immer mehr herausschält die Idealisierung des Jesus von Nazareth; bis zu einer göttlichen Höhe wird diese Gestalt erhoben. Dieses populäre Christentum enthält in seinen Bekenntnissen mehr Empfindungen und Gefühle als Begriffe und Ideen. Aber neben diesem populären Christentum sehen wir nun auf der anderen Seite, wie die erleuchtetsten Geister der Zeit, die sich mit dem Christentum befassen, ihre höchsten Ideen, ihre bedeutsamsten Begriffe dazu verwenden, sich die Frage zu beantworten: Wer ist denn eigentlich dieser Christus? – Und aus der Fülle von Antworten, die von diesen erleuchteten Geistern gegeben worden sind, sollen nur einige hervorgehoben werden.
[ 9 ] So sehen wir im Gnostizismus — zu dem Theosophie durchaus nicht zurückkehren will, den sie aber studiert als eine Erscheinung der Vergangenheit — in mancherlei Schattierungen Gedankenansätze höchster Art über die Christus-Idee. Der Hauptsache nach könnte man ihn folgendermaßen charakterisieren: Dieser Gnostizismus, diese Sehnsucht, aus den höchsten Begriffen die Christus-Idee zu bilden, ist eine geistige Entwicklung der wunderbarsten Art. Allerdings ist für den Menschen, der aus der Gegenwart heraus sich die Idee gebildet hat, dass alles im Menschen sich einzig und allein aus untergeordneten Geschöpfen, aus den Tieren nach und nach entwickelt habe, aus immer niedereren Tieren bis hinunter zu den allerunvollkommensten – für einen solchen Menschen ist die gnostische Lehre nur eine Träumerei, eine Phantasterei.
[ 9 ] So sehen wir im Gnostizismus — zu dem Theosophie durchaus nicht zurückkehren will, den sie aber studiert als eine Erscheinung der Vergangenheit — in mancherlei Schattierungen Gedankenansätze höchster Art über die Christus-Idee. Der Hauptsache nach könnte man ihn folgendermaßen charakterisieren: Dieser Gnostizismus, diese Sehnsucht, aus den höchsten Begriffen die Christus-Idee zu bilden, ist eine geistige Entwicklung der wunderbarsten Art. Allerdings ist für den Menschen, der aus der Gegenwart heraus sich die Idee gebildet hat, dass alles im Menschen sich einzig und allein aus untergeordneten Geschöpfen, aus den Tieren nach und nach entwickelt habe, aus immer niedereren Tieren bis hinunter zu den allerunvollkommensten – für einen solchen Menschen ist die gnostische Lehre nur eine Träumerei, eine Phantasterei.
[ 10 ] Auch der Gnostiker verfolgt die Entwicklung zurück, aber weiter zurück als der gegenwärtige Naturforscher. In uralten Zeiten, so sagt er, finden wir eine solche Epoche, wo schon die Tierformen auf der Erde so vorhanden waren, dass, wenn es damals einen Menschen gegeben hätte, dieser die Tierformen – bis zu den höchsten herauf — hätte erblicken können. Der Gnostiker bezeichnet damit eine Epoche der Entwicklung, in der das Menschenreich noch gar nicht vorhanden war. Aber er folgert daraus nicht, dass sich das Menschenreich aus den Tieren entwickelt habe, sondern, dass es heruntergestiegen sei aus dem Geistigen. Auch das Tierische, Pflanzliche und Mineralische sei einmal heruntergestiegen aus dem Geistigen, habe sich verdichtet aus dem Geistigen, sodass wir annehmen müssen, dass [für den Gnostiker] auch Tier, Pflanze und Mineral im Geiste ihren Ursprung haben.
[ 10 ] Auch der Gnostiker verfolgt die Entwicklung zurück, aber weiter zurück als der gegenwärtige Naturforscher. In uralten Zeiten, so sagt er, finden wir eine solche Epoche, wo schon die Tierformen auf der Erde so vorhanden waren, dass, wenn es damals einen Menschen gegeben hätte, dieser die Tierformen – bis zu den höchsten herauf — hätte erblicken können. Der Gnostiker bezeichnet damit eine Epoche der Entwicklung, in der das Menschenreich noch gar nicht vorhanden war. Aber er folgert daraus nicht, dass sich das Menschenreich aus den Tieren entwickelt habe, sondern, dass es heruntergestiegen sei aus dem Geistigen. Auch das Tierische, Pflanzliche und Mineralische sei einmal heruntergestiegen aus dem Geistigen, habe sich verdichtet aus dem Geistigen, sodass wir annehmen müssen, dass [für den Gnostiker] auch Tier, Pflanze und Mineral im Geiste ihren Ursprung haben.
[ 11 ] [Und es sagt der Gnostiker weiter:] Aber es gab eine Zeit, wo der Mensch noch nicht physische Gestalt angenommen hatte, sondern wo er in der geistigen Welt wartete bis zu dem Zeitpunkte, an dem sich auf der Erde andere Lebensbedingungen zeigen würden. Nicht, als ob es den Menschen nicht gegeben hätte in jenen Zeiten: Es hat den Menschen gegeben, aber nicht als ein sichtbares, sondern als ein geistiges Wesen. Er lebte in der geistigen Umgebung der Erde; er war nicht auf sie heruntergestiegen, weil die Bedingungen der alten Zeiten solche waren, dass sie die menschliche Entwicklung noch nicht möglich gemacht hätten. So nimmt nun der Gnostiker denjenigen Zeitpunkt als den wichtigsten an, in dem der Mensch — später als die anderen Reiche – heruntergestiegen ist auf die Erde.
[ 11 ] [Und es sagt der Gnostiker weiter:] Aber es gab eine Zeit, wo der Mensch noch nicht physische Gestalt angenommen hatte, sondern wo er in der geistigen Welt wartete bis zu dem Zeitpunkte, an dem sich auf der Erde andere Lebensbedingungen zeigen würden. Nicht, als ob es den Menschen nicht gegeben hätte in jenen Zeiten: Es hat den Menschen gegeben, aber nicht als ein sichtbares, sondern als ein geistiges Wesen. Er lebte in der geistigen Umgebung der Erde; er war nicht auf sie heruntergestiegen, weil die Bedingungen der alten Zeiten solche waren, dass sie die menschliche Entwicklung noch nicht möglich gemacht hätten. So nimmt nun der Gnostiker denjenigen Zeitpunkt als den wichtigsten an, in dem der Mensch — später als die anderen Reiche – heruntergestiegen ist auf die Erde.
[ 12 ] Nun aber sagt sich der Gnostiker: Wenn der Mensch in derselben Weise wie die übrigen Reiche der Natur seine physische Verkörperung durchgemacht hätte, dann hätte sich eines nicht entwickeln können, was sich aber entwickeln musste, nämlich das selbstständige, freie Denken des Menschen – überhaupt all dasjenige, was wir das eigentliche, das innere Ich des Menschen nennen, das aus dem Inneren heraus arbeitet, das zwischen Geburt und Tod eine Entwicklung durchmacht. Die Entwicklung eines Tieres ist innerhalb bestimmter Grenzen abgeschlossen. Der Mensch kann, durch Erziehung und Erlebnisse, in einer ganz anderen Weise fortschreiten als das Tier. — Der Gnostiker sagt nun: Damit der Mensch das konnte, ging er eine innigere Verbindung mit dem Materiellen ein, als er hätte eingehen müssen, wenn er unfrei hätte bleiben sollen, abhängig von seinen [Geburtsanlagen] wie die anderen Wesen, die ihn umgaben. Der Mensch ist tiefer hineingestiegen in die Materie, um unabhängiger zu werden von seinen Anlagen.
[ 12 ] Nun aber sagt sich der Gnostiker: Wenn der Mensch in derselben Weise wie die übrigen Reiche der Natur seine physische Verkörperung durchgemacht hätte, dann hätte sich eines nicht entwickeln können, was sich aber entwickeln musste, nämlich das selbstständige, freie Denken des Menschen – überhaupt all dasjenige, was wir das eigentliche, das innere Ich des Menschen nennen, das aus dem Inneren heraus arbeitet, das zwischen Geburt und Tod eine Entwicklung durchmacht. Die Entwicklung eines Tieres ist innerhalb bestimmter Grenzen abgeschlossen. Der Mensch kann, durch Erziehung und Erlebnisse, in einer ganz anderen Weise fortschreiten als das Tier. — Der Gnostiker sagt nun: Damit der Mensch das konnte, ging er eine innigere Verbindung mit dem Materiellen ein, als er hätte eingehen müssen, wenn er unfrei hätte bleiben sollen, abhängig von seinen [Geburtsanlagen] wie die anderen Wesen, die ihn umgaben. Der Mensch ist tiefer hineingestiegen in die Materie, um unabhängiger zu werden von seinen Anlagen.
[ 13 ] Und die Gnosis glaubte, dass dieses Tiefer-verstrickt-Werden [in die Materie] in der Urzeit, in uralten Zeiten, stattgefunden habe und dass dieses der Zeitpunkt sei, der in der Bibel in dem Bilde des Sündenfalls festgehalten ist. Der Gnostiker glaubte, dass mit diesem Bilde eben dieses Verstricktwerden [in die Materie] gemeint sei. Damals sei nun aber nicht alles, was an Impulsen mit der Menschenwesenheit verbunden ist, heruntergestiegen auf die Erde, sondern es habe sich etwas von übermenschlicher Art bewahrt in der geistigen Welt. Und während die Menschheit ihre Geschichte [auf der Erde] durchmachte, blieb oben in der geistigen Welt etwas, was zwar eigentlich zum Menschen gehörte, was aber zurückgeblieben war, weil der Mensch tiefer hineingestiegen war in die Physis. So war vom Menschen oben in der geistigen Welt noch etwas vorhanden von dem, was einmal der Mensch als Ganzes in der geistigen Welt war.
[ 13 ] Und die Gnosis glaubte, dass dieses Tiefer-verstrickt-Werden [in die Materie] in der Urzeit, in uralten Zeiten, stattgefunden habe und dass dieses der Zeitpunkt sei, der in der Bibel in dem Bilde des Sündenfalls festgehalten ist. Der Gnostiker glaubte, dass mit diesem Bilde eben dieses Verstricktwerden [in die Materie] gemeint sei. Damals sei nun aber nicht alles, was an Impulsen mit der Menschenwesenheit verbunden ist, heruntergestiegen auf die Erde, sondern es habe sich etwas von übermenschlicher Art bewahrt in der geistigen Welt. Und während die Menschheit ihre Geschichte [auf der Erde] durchmachte, blieb oben in der geistigen Welt etwas, was zwar eigentlich zum Menschen gehörte, was aber zurückgeblieben war, weil der Mensch tiefer hineingestiegen war in die Physis. So war vom Menschen oben in der geistigen Welt noch etwas vorhanden von dem, was einmal der Mensch als Ganzes in der geistigen Welt war.
[ 14 ] Nun, von diesen Voraussetzungen aus richtet der Gnostiker seinen Blick auf die Christus-Erscheinung, und für ihn wird besonders wichtig der Augenblick, der in der Bibel bezeichnet wird mit der Johannes-Taufe. Der Gnostiker sagt, dass sich bis zu diesem Augenblick [mit Jesus] zwar ein außerordentlicher Mensch entwickelt habe, aber eben nur ein Mensch. Als aber die Johannes-Taufe an ihm vorgenommen wurde, da trat etwas ein, was für die heutige Zeit schwierig zu begreifen ist. Man überlege sich aber Folgendes: Es gibt ja für manchen Menschen den Augenblick, wo er sich sagen muss: Da ist mir etwas in die Seele hereingekommen, durch das ich eine Umänderung meines ganzen Lebens erfahren habe. – Gar mancher Mensch kann sich sagen: [Wenn ich mein Leben von der Geburt bis zu einem gewissen Augenblick durchgehe, dann finde ich, dass in diesem Moment] etwas in meine Seele getreten ist, wodurch ich geistig wiedergeboren worden bin. – Wenn man dies, was bei einem jeden einzelnen Menschen geschehen kann, sich im höchsten Maße gesteigert denkt, als etwas Einzigartiges, dann denkt man das, was die Gnostiker dachten von der Johannes-Taufe im Jordan.
[ 14 ] Nun, von diesen Voraussetzungen aus richtet der Gnostiker seinen Blick auf die Christus-Erscheinung, und für ihn wird besonders wichtig der Augenblick, der in der Bibel bezeichnet wird mit der Johannes-Taufe. Der Gnostiker sagt, dass sich bis zu diesem Augenblick [mit Jesus] zwar ein außerordentlicher Mensch entwickelt habe, aber eben nur ein Mensch. Als aber die Johannes-Taufe an ihm vorgenommen wurde, da trat etwas ein, was für die heutige Zeit schwierig zu begreifen ist. Man überlege sich aber Folgendes: Es gibt ja für manchen Menschen den Augenblick, wo er sich sagen muss: Da ist mir etwas in die Seele hereingekommen, durch das ich eine Umänderung meines ganzen Lebens erfahren habe. – Gar mancher Mensch kann sich sagen: [Wenn ich mein Leben von der Geburt bis zu einem gewissen Augenblick durchgehe, dann finde ich, dass in diesem Moment] etwas in meine Seele getreten ist, wodurch ich geistig wiedergeboren worden bin. – Wenn man dies, was bei einem jeden einzelnen Menschen geschehen kann, sich im höchsten Maße gesteigert denkt, als etwas Einzigartiges, dann denkt man das, was die Gnostiker dachten von der Johannes-Taufe im Jordan.
[ 15 ] Eben dasjenige, was geblieben war in der geistigen Welt, was gewartet hatte, was aber vom Urbeginn an zum Menschen gehörte, das ging aus der geistigen Welt als eine Strömung hernieder, das senkte sich in diesen einzigen Menschen Jesus von Nazareth. Und jetzt ist drei Jahre hindurch dieser Jesus von Nazareth nicht ein verwandelter Mensch, sondern ein Mensch, der das in sich trägt, was von der ganzen Menschheit im Urbeginne zurückgeblieben war und was nun in diesen Jesus hineinsank, um befruchtend die Menschheit zu durchdringen: Für drei Jahre wurde der Jesus von Nazareth der Träger des übermenschlichen Christus. Und nun sagt der Gnostiker: Was bis dahin in der geistigen Welt war, das wurde einmal hineinversenkt in den Menschenleib, so wie wir das Samenkorn hineinversenken in die Erde. Und wie das Samenkorn zugrunde geht, so war es auch mit diesem geistigen Impuls; er musste hineinversinken in die Erde, er musste in ihr vergehen, um im ganzen Erdenprozess als Same hundert- und tausendfältig wieder aufzugehen. Dieses Geistige musste durch den Tod gehen, wie das Samenkorn durch den Tod gehen muss. Und es blieb nicht unfruchtbar, sondern ergoss sich in die geistigen Entwicklungsströmungen der Erde. Es ist da, es lebt weiter in vielfältiger Frucht.
[ 15 ] Eben dasjenige, was geblieben war in der geistigen Welt, was gewartet hatte, was aber vom Urbeginn an zum Menschen gehörte, das ging aus der geistigen Welt als eine Strömung hernieder, das senkte sich in diesen einzigen Menschen Jesus von Nazareth. Und jetzt ist drei Jahre hindurch dieser Jesus von Nazareth nicht ein verwandelter Mensch, sondern ein Mensch, der das in sich trägt, was von der ganzen Menschheit im Urbeginne zurückgeblieben war und was nun in diesen Jesus hineinsank, um befruchtend die Menschheit zu durchdringen: Für drei Jahre wurde der Jesus von Nazareth der Träger des übermenschlichen Christus. Und nun sagt der Gnostiker: Was bis dahin in der geistigen Welt war, das wurde einmal hineinversenkt in den Menschenleib, so wie wir das Samenkorn hineinversenken in die Erde. Und wie das Samenkorn zugrunde geht, so war es auch mit diesem geistigen Impuls; er musste hineinversinken in die Erde, er musste in ihr vergehen, um im ganzen Erdenprozess als Same hundert- und tausendfältig wieder aufzugehen. Dieses Geistige musste durch den Tod gehen, wie das Samenkorn durch den Tod gehen muss. Und es blieb nicht unfruchtbar, sondern ergoss sich in die geistigen Entwicklungsströmungen der Erde. Es ist da, es lebt weiter in vielfältiger Frucht.
[ 16 ] So hat man im Sinne der Gnosis eine Geschichte der Menschheit zu verzeichnen, die vor Christus liegt, und eine Geschichte, die dem Ereignis von Golgatha folgt eine Menschheitsgeschichte, in welcher der Christus-Impuls lebendig wirkt in der Weise, dass der Christus in die Seelen einzieht. Für die Gnostiker ist der ChristusImpuls Inhalt der Geschichte, des geschichtlichen Werdens geworden! Wenn dies auch befremdend für den heutigen Menschen klingen mag, so muss man doch sagen, dass wirklich gerade die naturwissenschaftlichen Ideen der Gegenwart, die ja nur an ihrem Ausgangspunkte einen materialistischen Charakter angenommen haben, immer mehr dahin drängen werden, eine solche gnostische Idee zu verstehen und dann auch in ihrer Realität zu erfassen. Um zu zeigen, dass man gerade aus der Gegenwart heraus sich dem nähert, was die Gnosis einstmals darbot, sei nur das Folgende angeführt.
[ 16 ] So hat man im Sinne der Gnosis eine Geschichte der Menschheit zu verzeichnen, die vor Christus liegt, und eine Geschichte, die dem Ereignis von Golgatha folgt eine Menschheitsgeschichte, in welcher der Christus-Impuls lebendig wirkt in der Weise, dass der Christus in die Seelen einzieht. Für die Gnostiker ist der ChristusImpuls Inhalt der Geschichte, des geschichtlichen Werdens geworden! Wenn dies auch befremdend für den heutigen Menschen klingen mag, so muss man doch sagen, dass wirklich gerade die naturwissenschaftlichen Ideen der Gegenwart, die ja nur an ihrem Ausgangspunkte einen materialistischen Charakter angenommen haben, immer mehr dahin drängen werden, eine solche gnostische Idee zu verstehen und dann auch in ihrer Realität zu erfassen. Um zu zeigen, dass man gerade aus der Gegenwart heraus sich dem nähert, was die Gnosis einstmals darbot, sei nur das Folgende angeführt.
[ 17 ] Allerdings muss gesagt werden, dass dies sich nur wie ein Elementares ausnimmt, wie ein erster Schritt. Nicht wahr, wie lange hat die Naturwissenschaft geglaubt, auf festem Boden zu stehen? Wie lange hat sie auf Grundlage des wahrhaftig als groß zu bezeichnenden Darwinismus geglaubt, behaupten zu müssen, alles beim Menschen habe sich aus tierischen Anfängen entwickelt, und das eigentlich Treibende sei so etwas wie zum Beispiel der Kampf ums Dasein? So wurde gesagt, alle möglichen Wesen seien gleichsam zum Leben ausgeschickt, aber es entstehe der Kampf ums Dasein, und da sei es gar kein Wunder, dass nach einer gewissen Zeit die Vollkommeneren die Unvollkommeneren überwunden hätten. So hätten sich die Wesen immer mehr vervollkommnet, bis endlich die Stufe des Menschen erreicht worden sei. «Kampf ums Dasein» wurde zum Losungswort. Heute aber gibt es eine andere Idee, die anzunehmen gewisse Forscher sich aus reinem, ehrlichem Wahrheitsempfinden gezwungen sehen. Sie sagen: Wenn wir heute den Menschen betrachten und ihn vergleichen mit den vollkommensten Tieren, dann können wir gar nicht annehmen, dass der Mensch sich aus diesen Tieren in gerader Linie entwickelt habe. Wir müssen vielmehr annehmen, dass der Mensch zurückgehe auf eine Urform, die sich heute nicht mehr findet. – Und nun nehmen diese Forscher an, dass es eine solche Urform gegeben habe, aus der sich auf der einen Seite der Mensch, auf der anderen die Tiere entwickelt hätten. Und noch eine andere Tatsache fügen diese bedeutenden Forscher hinzu. Sie fragen: Wie konnte der Mensch sich in dieser ganz anderen Art entwickeln, während sich die Tiere doch auch entwickelten? – Und da kommen sie merkwürdigerweise gar nicht auf den Kampf ums Dasein. Sie vertreten die Ansicht, dass der Mensch in seiner Form an einem besonders geschützten Orte war, wo er die Bedingungen der Urform beibehalten konnte, während die anderen Wesen in den Niedergang kamen. So haben wir heute schon die Zurückführung des Menschen auf eine nicht mehr sichtbare Urform, die sich nur dadurch entwickeln konnte, dass sie geschützt war an einem Orte, wo der Mensch nicht einzutreten brauchte in den Kampf ums Dasein. Einzwängen lassen sich diese Forscher nur noch von einer einzigen Fiktion, nämlich dass sie diesen geschützten Ort suchen im Bereiche des sinnlich-wirklichen Daseins. Auch der Gnostizismus nimmt eine Urform an, versetzt sie aber nicht in die sinnliche Welt, sondern dahin, wo sie tatsächlich am besten geschützt ist: in die geistige Welt. Und wenn man schon die Idee hat, dass der Mensch später in das Leben eingetreten ist, dann kann man auch die andere haben, dann kann man nämlich auch sagen: Wenn wir den geschichtlichen Verlauf beobachten, dann sehen wir, wie die gesamte Menschheit gewissermaßen gespalten ist in einzelne Nationen und Rassen; wir sehen, wie es viele religiöse Bekenntnisse gibt, die sich gestalten nach den verschiedenen Stämmen. Früher war es so, dass die Menschheit nur dasjenige entwickeln konnte, was in einem Stamme eingepflanzt war, was dem einzelnen Menschen eingepflanzt worden ist durch seine Stammeszugehörigkeit. Diejenige geistige Kraft und Wesenheit aber, die den Menschen überhaupt erst zum Menschen macht, die bewirkt, dass der Mensch im Menschen den Menschen findet, und nicht das [Stammesmäßige], was durch eine geschlechtliche Vererbung zu ihm gehört diese Kraft musste dem Menschen wieder zuteilwerden. Die Menschheit konnte diesen Impuls erst aufnehmen, als sie reif wurde dazu. Wir begegnen also in den ersten christlichen Jahrhunderten Entwicklungsideen besonderer, hoher Art, sodass wir sagen müssen: Das, was wir heute in der Naturwissenschaft wie an einem Anfang sehen, der erst die Puppenhülle abstreifen muss, das war in der Gnosis schon in grandiosen Gedankenkonzeptionen vorweggenommen. Dies konnte nur dadurch sein, dass eben Evolution, Entwicklung [tatsächlich da] ist in der menschlichen Geschichte.
[ 17 ] Allerdings muss gesagt werden, dass dies sich nur wie ein Elementares ausnimmt, wie ein erster Schritt. Nicht wahr, wie lange hat die Naturwissenschaft geglaubt, auf festem Boden zu stehen? Wie lange hat sie auf Grundlage des wahrhaftig als groß zu bezeichnenden Darwinismus geglaubt, behaupten zu müssen, alles beim Menschen habe sich aus tierischen Anfängen entwickelt, und das eigentlich Treibende sei so etwas wie zum Beispiel der Kampf ums Dasein? So wurde gesagt, alle möglichen Wesen seien gleichsam zum Leben ausgeschickt, aber es entstehe der Kampf ums Dasein, und da sei es gar kein Wunder, dass nach einer gewissen Zeit die Vollkommeneren die Unvollkommeneren überwunden hätten. So hätten sich die Wesen immer mehr vervollkommnet, bis endlich die Stufe des Menschen erreicht worden sei. «Kampf ums Dasein» wurde zum Losungswort. Heute aber gibt es eine andere Idee, die anzunehmen gewisse Forscher sich aus reinem, ehrlichem Wahrheitsempfinden gezwungen sehen. Sie sagen: Wenn wir heute den Menschen betrachten und ihn vergleichen mit den vollkommensten Tieren, dann können wir gar nicht annehmen, dass der Mensch sich aus diesen Tieren in gerader Linie entwickelt habe. Wir müssen vielmehr annehmen, dass der Mensch zurückgehe auf eine Urform, die sich heute nicht mehr findet. – Und nun nehmen diese Forscher an, dass es eine solche Urform gegeben habe, aus der sich auf der einen Seite der Mensch, auf der anderen die Tiere entwickelt hätten. Und noch eine andere Tatsache fügen diese bedeutenden Forscher hinzu. Sie fragen: Wie konnte der Mensch sich in dieser ganz anderen Art entwickeln, während sich die Tiere doch auch entwickelten? – Und da kommen sie merkwürdigerweise gar nicht auf den Kampf ums Dasein. Sie vertreten die Ansicht, dass der Mensch in seiner Form an einem besonders geschützten Orte war, wo er die Bedingungen der Urform beibehalten konnte, während die anderen Wesen in den Niedergang kamen. So haben wir heute schon die Zurückführung des Menschen auf eine nicht mehr sichtbare Urform, die sich nur dadurch entwickeln konnte, dass sie geschützt war an einem Orte, wo der Mensch nicht einzutreten brauchte in den Kampf ums Dasein. Einzwängen lassen sich diese Forscher nur noch von einer einzigen Fiktion, nämlich dass sie diesen geschützten Ort suchen im Bereiche des sinnlich-wirklichen Daseins. Auch der Gnostizismus nimmt eine Urform an, versetzt sie aber nicht in die sinnliche Welt, sondern dahin, wo sie tatsächlich am besten geschützt ist: in die geistige Welt. Und wenn man schon die Idee hat, dass der Mensch später in das Leben eingetreten ist, dann kann man auch die andere haben, dann kann man nämlich auch sagen: Wenn wir den geschichtlichen Verlauf beobachten, dann sehen wir, wie die gesamte Menschheit gewissermaßen gespalten ist in einzelne Nationen und Rassen; wir sehen, wie es viele religiöse Bekenntnisse gibt, die sich gestalten nach den verschiedenen Stämmen. Früher war es so, dass die Menschheit nur dasjenige entwickeln konnte, was in einem Stamme eingepflanzt war, was dem einzelnen Menschen eingepflanzt worden ist durch seine Stammeszugehörigkeit. Diejenige geistige Kraft und Wesenheit aber, die den Menschen überhaupt erst zum Menschen macht, die bewirkt, dass der Mensch im Menschen den Menschen findet, und nicht das [Stammesmäßige], was durch eine geschlechtliche Vererbung zu ihm gehört diese Kraft musste dem Menschen wieder zuteilwerden. Die Menschheit konnte diesen Impuls erst aufnehmen, als sie reif wurde dazu. Wir begegnen also in den ersten christlichen Jahrhunderten Entwicklungsideen besonderer, hoher Art, sodass wir sagen müssen: Das, was wir heute in der Naturwissenschaft wie an einem Anfang sehen, der erst die Puppenhülle abstreifen muss, das war in der Gnosis schon in grandiosen Gedankenkonzeptionen vorweggenommen. Dies konnte nur dadurch sein, dass eben Evolution, Entwicklung [tatsächlich da] ist in der menschlichen Geschichte.
[ 18 ] Wenn wir zurückgehen zu den Zeiten, zu den Epochen, als der Mensch herunterstieg in das Leben, da kommen wir zu einem ganz anderen Seelenleben. Wollen wir es vergleichen mit dem heutigen Seelenleben, so müssen wir sagen: Dieses ist darauf angewiesen, mit den Sinnen aufzunehmen; [es kann nur mit den Sinnen] erleben, nur das erfahren, was an das Gehirn gebunden ist. Aus alten Zeiten sind uns wunderbare Erkenntnisse in Bildern überliefert. Das ist auch äußerlich ein Bild für das, was Geisteswissenschaft mit ihren Mitteln erkennt, nämlich dass die Seele des Menschen nicht immer so ihre Umgebung wahrnahm wie heute, sondern dass ein Hellsehen vorhanden war. Der Mensch fühlte sich noch nicht so in seinem Ich drinnen; er fühlte sich noch mit den Dingen verwachsen — traumhafte Bewusstseinszustände führten ihn in den Untergrund der Dinge. Das traumhafte Hellsehen war diejenige Erkenntnisart, durch die sich dem Urmenschen die Geheimnisse der Dinge enthüllten. Das war ein Erlebnis – ähnlich demjenigen, das man heute hat, wenn man einen Traum erlebt. So erlebte der Urmensch, der heruntergestiegen war aus geistigen Höhen, die Geheimnisse der geistigen Welt als hellseherische Träume. Der Fortschritt der Entwicklung war aber nun, dass die Menschen immer tiefer herunterstiegen in das physische Dasein und so immer mehr das alte Hellsehen verloren. Das braucht man nicht als etwas Trauriges zu bezeichnen, denn hätte der Mensch das alte Hellsehen nicht verloren, so wäre er niemals zum freien Selbstbewusstsein gekommen. Nur dadurch war es möglich, dass der Mensch Erleber seines eigenen Lebens werden konnte. Langsam und allmählich vollzog sich der Verlust dieses alten, hellsichtigen Erkennens, mit dem man in die Geheimnisse der geistigen Welt eingedrungen war.
[ 18 ] Wenn wir zurückgehen zu den Zeiten, zu den Epochen, als der Mensch herunterstieg in das Leben, da kommen wir zu einem ganz anderen Seelenleben. Wollen wir es vergleichen mit dem heutigen Seelenleben, so müssen wir sagen: Dieses ist darauf angewiesen, mit den Sinnen aufzunehmen; [es kann nur mit den Sinnen] erleben, nur das erfahren, was an das Gehirn gebunden ist. Aus alten Zeiten sind uns wunderbare Erkenntnisse in Bildern überliefert. Das ist auch äußerlich ein Bild für das, was Geisteswissenschaft mit ihren Mitteln erkennt, nämlich dass die Seele des Menschen nicht immer so ihre Umgebung wahrnahm wie heute, sondern dass ein Hellsehen vorhanden war. Der Mensch fühlte sich noch nicht so in seinem Ich drinnen; er fühlte sich noch mit den Dingen verwachsen — traumhafte Bewusstseinszustände führten ihn in den Untergrund der Dinge. Das traumhafte Hellsehen war diejenige Erkenntnisart, durch die sich dem Urmenschen die Geheimnisse der Dinge enthüllten. Das war ein Erlebnis – ähnlich demjenigen, das man heute hat, wenn man einen Traum erlebt. So erlebte der Urmensch, der heruntergestiegen war aus geistigen Höhen, die Geheimnisse der geistigen Welt als hellseherische Träume. Der Fortschritt der Entwicklung war aber nun, dass die Menschen immer tiefer herunterstiegen in das physische Dasein und so immer mehr das alte Hellsehen verloren. Das braucht man nicht als etwas Trauriges zu bezeichnen, denn hätte der Mensch das alte Hellsehen nicht verloren, so wäre er niemals zum freien Selbstbewusstsein gekommen. Nur dadurch war es möglich, dass der Mensch Erleber seines eigenen Lebens werden konnte. Langsam und allmählich vollzog sich der Verlust dieses alten, hellsichtigen Erkennens, mit dem man in die Geheimnisse der geistigen Welt eingedrungen war.
[ 19 ] In den Zeiten, als die Menschheit eigentlich schon ganz mit der Außenwelt verbunden war, wurde diese hellsichtige Erkenntnis noch immer in Stätten bewahrt, die aus der Schülerschaft uralter Mysterien herrührten. Sie hatten dieses uralte Weisheitsgut behütet, das als Überlieferung vorhanden war. Und nachdem das Christus-Ereignis eingetreten war in die Erdenentwicklung, bewahrten die Gnostiker immer noch jenes uralte überlieferte Weisheitsgut aus der hellsichtigen Erkenntnis der Menschheit und bildeten aus diesen alten Erkenntnissen die Christus-Idee. Sie ist also eine Reminiszenz aus der Vorzeit – eine Erkenntnis, die nicht durch ein freies Selbstbewusstsein erworben war. Die Gnostiker wendeten das, was die Urväter gewusst hatten, an auf die Erscheinung des Christus und erklärten ihn daraus. Die Zeit, in der die Gnosis lebte, war die Abenddämmerung der alten hellsichtigen Erkenntnis. So kam es, dass in den folgenden Zeiten, im Mittelalter, es den Menschen nicht mehr möglich war, mit dem uralten Weisheitsgut der Gnosis weiterzuarbeiten und dadurch den Christus zu begreifen. Da trat dann etwas anderes an die Stelle der Gnosis.
[ 19 ] In den Zeiten, als die Menschheit eigentlich schon ganz mit der Außenwelt verbunden war, wurde diese hellsichtige Erkenntnis noch immer in Stätten bewahrt, die aus der Schülerschaft uralter Mysterien herrührten. Sie hatten dieses uralte Weisheitsgut behütet, das als Überlieferung vorhanden war. Und nachdem das Christus-Ereignis eingetreten war in die Erdenentwicklung, bewahrten die Gnostiker immer noch jenes uralte überlieferte Weisheitsgut aus der hellsichtigen Erkenntnis der Menschheit und bildeten aus diesen alten Erkenntnissen die Christus-Idee. Sie ist also eine Reminiszenz aus der Vorzeit – eine Erkenntnis, die nicht durch ein freies Selbstbewusstsein erworben war. Die Gnostiker wendeten das, was die Urväter gewusst hatten, an auf die Erscheinung des Christus und erklärten ihn daraus. Die Zeit, in der die Gnosis lebte, war die Abenddämmerung der alten hellsichtigen Erkenntnis. So kam es, dass in den folgenden Zeiten, im Mittelalter, es den Menschen nicht mehr möglich war, mit dem uralten Weisheitsgut der Gnosis weiterzuarbeiten und dadurch den Christus zu begreifen. Da trat dann etwas anderes an die Stelle der Gnosis.
[ 20 ] Wir sehen nun, wie in den nächsten Jahrhunderten, nachdem die Gnosis den Menschen abhandengekommen war, die Menschen die Christus-Erscheinung auch begreifen wollten, aber von dem eigentlich [äußeren] menschlichen Wissen und Erkennen aus, von der menschlichen Wissenschaft aus. Da sehen wir, wie die erleuchtetsten Geister des Mittelalters anstelle der Gnosis die Lehre des alten Philosophen Aristoteles anwendeten, um den Christus zu begreifen. Sie kamen dazu, dass sie sich sagen mussten: Wenn wir das Weltgebäude des Aristoteles nehmen, dann kommen wir nur zu einem bestimmten Punkte; das wirkliche geistige Erkennen des Christus liegt über dem, was der Mensch erkennen kann. — In einem Punkte aber beruht die Weltanschauung des Mittelalters auf einer Hauptidee des Aristoteles. Aristoteles ist es ja nicht eingefallen, bis zur Anschauung des modernen Materialismus zu schreiten. Wenn wir die Anschauung des Aristoteles über das Zusammenwirken der Seele mit dem Leibe untersuchen, so ist er weit entfernt davon zu glauben, dass das, was der Mensch als sein Innenleben fühlt, bloß ein Resultat der Vererbung sei, hineinversenkt in den Menschen durch die Eltern, Großeltern und so weiter. Er kommt vielmehr zu der Idee, dass jedem Menschen, der durch die Geburt ins Dasein tritt, gleichsam aus der allgemeinen Geistsubstanz, aus der Gottheit heraus, ein Tropfen abgeschnürt wird und sich vereint mit seiner Leiblichkeit. So tritt jedes Mal bei der Geburt ein geistig-seelischer Kern aus dem Allgemein-Geistigen zum [leiblichen] Menschen hinzu.
[ 20 ] Wir sehen nun, wie in den nächsten Jahrhunderten, nachdem die Gnosis den Menschen abhandengekommen war, die Menschen die Christus-Erscheinung auch begreifen wollten, aber von dem eigentlich [äußeren] menschlichen Wissen und Erkennen aus, von der menschlichen Wissenschaft aus. Da sehen wir, wie die erleuchtetsten Geister des Mittelalters anstelle der Gnosis die Lehre des alten Philosophen Aristoteles anwendeten, um den Christus zu begreifen. Sie kamen dazu, dass sie sich sagen mussten: Wenn wir das Weltgebäude des Aristoteles nehmen, dann kommen wir nur zu einem bestimmten Punkte; das wirkliche geistige Erkennen des Christus liegt über dem, was der Mensch erkennen kann. — In einem Punkte aber beruht die Weltanschauung des Mittelalters auf einer Hauptidee des Aristoteles. Aristoteles ist es ja nicht eingefallen, bis zur Anschauung des modernen Materialismus zu schreiten. Wenn wir die Anschauung des Aristoteles über das Zusammenwirken der Seele mit dem Leibe untersuchen, so ist er weit entfernt davon zu glauben, dass das, was der Mensch als sein Innenleben fühlt, bloß ein Resultat der Vererbung sei, hineinversenkt in den Menschen durch die Eltern, Großeltern und so weiter. Er kommt vielmehr zu der Idee, dass jedem Menschen, der durch die Geburt ins Dasein tritt, gleichsam aus der allgemeinen Geistsubstanz, aus der Gottheit heraus, ein Tropfen abgeschnürt wird und sich vereint mit seiner Leiblichkeit. So tritt jedes Mal bei der Geburt ein geistig-seelischer Kern aus dem Allgemein-Geistigen zum [leiblichen] Menschen hinzu.
[ 21 ] Nun aber denkt Aristoteles weiter. Er hat eine Eigenschaft, die man in der Gegenwart eigentlich recht selten findet: Er zieht nämlich die wirklichen Konsequenzen seines Forschens und Sinnens. Er sagt sich: Wenn nun die Seele durch die Pforte des Todes tritt, dann ist sie doch ein für sich bestehendes reales Wesen; dann steigt sie auf in die geistige Welt. Während sie vor der Geburt nicht ein besonderes Wesen war, bleibt sie nach dem Tode als ein individuelles, selbstständiges Wesen in der geistigen Welt vorhanden. Was kann sie nun nach dem Tode erleben? Erleben kann sie da nichts mehr, denn dann müsste sie mit einem Leibe umhüllt sein; sie hat als ihren Inhalt einzig die Rückschau auf ihr Erdenleben. In Ewigkeit lebt die menschliche Seele; sie blickt zurück auf ihr Erdenleben, auf das Gute oder Böse, das sie getan, sie lebt in diesem Bilde ihres eigenen Erdenlebens. – Hier haben wir eigentlich durch Aristoteles die Lehre von der Ewigkeit der Höllenstrafe begründet; von dieser Stelle aus hat sie sich hineingefunden in die katholische Lehre des Mittelalters. Es sei hier gleich gesagt, dass Aristoteles nicht anders konnte, als die Seele so gleichförmig zu lassen durch alle ewigen Zukünfte hindurch, in der Anschauung dessen, was sie im Erdenleben vollbracht hat.
[ 21 ] Nun aber denkt Aristoteles weiter. Er hat eine Eigenschaft, die man in der Gegenwart eigentlich recht selten findet: Er zieht nämlich die wirklichen Konsequenzen seines Forschens und Sinnens. Er sagt sich: Wenn nun die Seele durch die Pforte des Todes tritt, dann ist sie doch ein für sich bestehendes reales Wesen; dann steigt sie auf in die geistige Welt. Während sie vor der Geburt nicht ein besonderes Wesen war, bleibt sie nach dem Tode als ein individuelles, selbstständiges Wesen in der geistigen Welt vorhanden. Was kann sie nun nach dem Tode erleben? Erleben kann sie da nichts mehr, denn dann müsste sie mit einem Leibe umhüllt sein; sie hat als ihren Inhalt einzig die Rückschau auf ihr Erdenleben. In Ewigkeit lebt die menschliche Seele; sie blickt zurück auf ihr Erdenleben, auf das Gute oder Böse, das sie getan, sie lebt in diesem Bilde ihres eigenen Erdenlebens. – Hier haben wir eigentlich durch Aristoteles die Lehre von der Ewigkeit der Höllenstrafe begründet; von dieser Stelle aus hat sie sich hineingefunden in die katholische Lehre des Mittelalters. Es sei hier gleich gesagt, dass Aristoteles nicht anders konnte, als die Seele so gleichförmig zu lassen durch alle ewigen Zukünfte hindurch, in der Anschauung dessen, was sie im Erdenleben vollbracht hat.
[ 22 ] Die moderne Geisteswissenschaft oder Theosophie erkennt nun, dass die Seele nach dem Tode in sich die Möglichkeit hat, zurückzuschauen auf das Erdenleben – wie in einem gedächtnismäßigen Erinnern –, aber sie muss nicht in diesem Zustand verbleiben; vielmehr nimmt der Mensch aus diesem Leben als schönste Frucht die Möglichkeit mit in die geistige Welt, dasjenige, was er hier an guten oder bösen Taten vollbracht hat, auszubauen oder umzuwandeln. So muss er nicht für alle Ewigkeit in der geistigen Welt bleiben, sondern er kann also, indem er in ein neues Leben tritt, wieder durch die Geburt ins Dasein tritt, im karmischen Ausgleich selber dasjenige überwinden, was er vorher in früheren Leben tat oder versäumte. Die Seele tritt also durch die Todespforte und nimmt mit sich die Impulse, immer wieder in das Dasein zu treten, um einen Ausgleich zu schaffen in folgenden Leben.
[ 22 ] Die moderne Geisteswissenschaft oder Theosophie erkennt nun, dass die Seele nach dem Tode in sich die Möglichkeit hat, zurückzuschauen auf das Erdenleben – wie in einem gedächtnismäßigen Erinnern –, aber sie muss nicht in diesem Zustand verbleiben; vielmehr nimmt der Mensch aus diesem Leben als schönste Frucht die Möglichkeit mit in die geistige Welt, dasjenige, was er hier an guten oder bösen Taten vollbracht hat, auszubauen oder umzuwandeln. So muss er nicht für alle Ewigkeit in der geistigen Welt bleiben, sondern er kann also, indem er in ein neues Leben tritt, wieder durch die Geburt ins Dasein tritt, im karmischen Ausgleich selber dasjenige überwinden, was er vorher in früheren Leben tat oder versäumte. Die Seele tritt also durch die Todespforte und nimmt mit sich die Impulse, immer wieder in das Dasein zu treten, um einen Ausgleich zu schaffen in folgenden Leben.
[ 23 ] Aristoteles konnte eine solche Idee nicht annehmen, weil er von vorneherein sagte, die Seele werde jedes Mal vor der Geburt abgeschnürt aus der geistigen Substanz. Die Geisteswissenschaft muss dagegen sagen: Das jetzige Leben hat andere Leben zur Voraussetzung. Aristoteles hat seinem Erkennen gleichsam selbst die Kehle zugehalten. – Diese Idee der Wiederverkörperung war also nicht vorhanden bei Aristoteles, den die mittelalterlichen Weisen den «Vorläufer des Herrn in Bezug auf Naturerkenntnis» — den «praecursor domini in rebus naturalibus» – nannten. Wir sehen also, wie weit Aristoteles in der Unsterblichkeitsfrage kam und wie er die Frucht des Lebens in eine ewige Beschaulichkeit der Seele hineinverlegte. Dadurch ergab sich wie von selbst die Unmöglichkeit, hinaufzuschauen in die geistige Welt und die Natur des Christus zu erkennen. Dem mittelalterlichen Denken wird der Christus entrückt, in das Gebiet des Glaubens, wo das Erkennen nicht hineinragen kann. Die uralte Tradition der Gnosis war eben verloren gegangen; Aristoteles reichte nicht bis zum geistigen Erkennen des Christus. Daher machte man einen Strich zwischen dem, was erkannt werden kann, und dem, was nur geglaubt werden muss. Die eine Konsequenz der aristotelischen Idee blieb: Die Kirche betonte die Ewigkeit der Höllenstrafen.
[ 23 ] Aristoteles konnte eine solche Idee nicht annehmen, weil er von vorneherein sagte, die Seele werde jedes Mal vor der Geburt abgeschnürt aus der geistigen Substanz. Die Geisteswissenschaft muss dagegen sagen: Das jetzige Leben hat andere Leben zur Voraussetzung. Aristoteles hat seinem Erkennen gleichsam selbst die Kehle zugehalten. – Diese Idee der Wiederverkörperung war also nicht vorhanden bei Aristoteles, den die mittelalterlichen Weisen den «Vorläufer des Herrn in Bezug auf Naturerkenntnis» — den «praecursor domini in rebus naturalibus» – nannten. Wir sehen also, wie weit Aristoteles in der Unsterblichkeitsfrage kam und wie er die Frucht des Lebens in eine ewige Beschaulichkeit der Seele hineinverlegte. Dadurch ergab sich wie von selbst die Unmöglichkeit, hinaufzuschauen in die geistige Welt und die Natur des Christus zu erkennen. Dem mittelalterlichen Denken wird der Christus entrückt, in das Gebiet des Glaubens, wo das Erkennen nicht hineinragen kann. Die uralte Tradition der Gnosis war eben verloren gegangen; Aristoteles reichte nicht bis zum geistigen Erkennen des Christus. Daher machte man einen Strich zwischen dem, was erkannt werden kann, und dem, was nur geglaubt werden muss. Die eine Konsequenz der aristotelischen Idee blieb: Die Kirche betonte die Ewigkeit der Höllenstrafen.
[ 24 ] Die Neuzeit machte einen dritten Schritt. Nach und nach kam die Hingabe an den Glauben den Menschen immer mehr abhanden. Sie warfen sich immer mehr auf das bloß Sinnlich-Greifbare. Wir sehen nun: Für die Christus-Idee war das Ergebnis, dass der Christus immer mehr in den Hintergrund trat und die Christus-Anschauung immer materialistischer wurde. An die Stelle des geistigen Prinzips der Gnostiker, an die Stelle des Christus des Mittelalters, der im reinsten Glaubensgefühl erlebt werden konnte, setzte die neuere Zeit nicht einen Menschen, der von etwas Kosmischem durchseelt war, an den Ausgangspunkt unserer Zeitrechnung, sondern immer mehr den «schlichten Mann von Nazareth» – einen Menschen, gleich den anderen Menschen. Es wurde nicht mehr gewusst, was die Gnostiker schon erfasst hatten. Materiell, wie jede andere gewöhnliche geschichtliche Erscheinung, wollte man den Christus begreifen. Und indem man ihn nur menschlich auffasste, war man ja auch genötigt, seine Erscheinung mit den Mitteln der gewöhnlichen Historie zu untersuchen. Dabei hätte man doch bedenken können: Die ganze Sache historisch zu nehmen ist nämlich das Leichteste, was es gibt, denn was kann leichter sein, als die Evangelien vorzunehmen und nachzuweisen, dass darinnen Widersprüche sind. Der Kern dieser Forschung ist das Elementarste, was es nur geben kann. Auch musste man eigentlich doch annehmen, dass alle, die früher gelebt haben, so große Tröpfe gewesen seien, dass sie nicht einmal die so auffälligen Widersprüche gesehen haben. Man fasste die Evangelien nicht auf als eine Erziehung der Seele, durch die sie sich hinaufschwingen kann zu der geistigen Anschauung des Christus. Kein Wunder also, dass man an die Evangelien den Maßstab der Historie anlegte, kein Wunder, dass eine Bewegung entstand, die sich in Deutschland an den Namen Drews knüpft und die zur völligen Leugnung des Christus gekommen ist. Das geschieht nun in derselben Zeit, in derselben Gegenwart, in der die Geisteswissenschaft auftritt! Und der Geisteswissenschaft zeigt sich eben, was schon charakterisiert worden ist, nämlich dass der Mensch mit demjenigen, was er in seinem Inneren trägt, nicht bloß in dem einen Leben lebt, sondern dass er dieses mitgebracht hat aus anderen Leben, die verflossen sind. Einstmals lebte der Mensch in einer geistigen Welt. Dann stieg er herunter aus dieser geistigen Welt, war aber nicht nur einmal in einem physischen Leibe, sondern stieg, nachdem er die Früchte des Einzellebens in einem geistigen Zwischenzustand verarbeitet hatte, immer wieder in das physische Dasein herunter. Dieses Gesetz ist schon öfters hier an diesem Orte angeführt worden. Es zeigt uns, wie der Mensch im ganzen geschichtlichen Werden der Welt lebt. Dann aber hat das Leben offenbar erst einen Sinn, wenn wir annehmen, dass wir alle auf der Erde gelebt haben, um uns anzueignen, was uns die Urzeit geben konnte, um uns weiterzuentwickeln in den späteren, vollkommeneren Zeitaltern. Wenn man dies genauer untersucht, dann ergibt sich etwas recht Eigentümliches, es ergibt sich nämlich geradezu das, was man nennen könnte: die Mission des Menschen auf der Erde.
[ 24 ] Die Neuzeit machte einen dritten Schritt. Nach und nach kam die Hingabe an den Glauben den Menschen immer mehr abhanden. Sie warfen sich immer mehr auf das bloß Sinnlich-Greifbare. Wir sehen nun: Für die Christus-Idee war das Ergebnis, dass der Christus immer mehr in den Hintergrund trat und die Christus-Anschauung immer materialistischer wurde. An die Stelle des geistigen Prinzips der Gnostiker, an die Stelle des Christus des Mittelalters, der im reinsten Glaubensgefühl erlebt werden konnte, setzte die neuere Zeit nicht einen Menschen, der von etwas Kosmischem durchseelt war, an den Ausgangspunkt unserer Zeitrechnung, sondern immer mehr den «schlichten Mann von Nazareth» – einen Menschen, gleich den anderen Menschen. Es wurde nicht mehr gewusst, was die Gnostiker schon erfasst hatten. Materiell, wie jede andere gewöhnliche geschichtliche Erscheinung, wollte man den Christus begreifen. Und indem man ihn nur menschlich auffasste, war man ja auch genötigt, seine Erscheinung mit den Mitteln der gewöhnlichen Historie zu untersuchen. Dabei hätte man doch bedenken können: Die ganze Sache historisch zu nehmen ist nämlich das Leichteste, was es gibt, denn was kann leichter sein, als die Evangelien vorzunehmen und nachzuweisen, dass darinnen Widersprüche sind. Der Kern dieser Forschung ist das Elementarste, was es nur geben kann. Auch musste man eigentlich doch annehmen, dass alle, die früher gelebt haben, so große Tröpfe gewesen seien, dass sie nicht einmal die so auffälligen Widersprüche gesehen haben. Man fasste die Evangelien nicht auf als eine Erziehung der Seele, durch die sie sich hinaufschwingen kann zu der geistigen Anschauung des Christus. Kein Wunder also, dass man an die Evangelien den Maßstab der Historie anlegte, kein Wunder, dass eine Bewegung entstand, die sich in Deutschland an den Namen Drews knüpft und die zur völligen Leugnung des Christus gekommen ist. Das geschieht nun in derselben Zeit, in derselben Gegenwart, in der die Geisteswissenschaft auftritt! Und der Geisteswissenschaft zeigt sich eben, was schon charakterisiert worden ist, nämlich dass der Mensch mit demjenigen, was er in seinem Inneren trägt, nicht bloß in dem einen Leben lebt, sondern dass er dieses mitgebracht hat aus anderen Leben, die verflossen sind. Einstmals lebte der Mensch in einer geistigen Welt. Dann stieg er herunter aus dieser geistigen Welt, war aber nicht nur einmal in einem physischen Leibe, sondern stieg, nachdem er die Früchte des Einzellebens in einem geistigen Zwischenzustand verarbeitet hatte, immer wieder in das physische Dasein herunter. Dieses Gesetz ist schon öfters hier an diesem Orte angeführt worden. Es zeigt uns, wie der Mensch im ganzen geschichtlichen Werden der Welt lebt. Dann aber hat das Leben offenbar erst einen Sinn, wenn wir annehmen, dass wir alle auf der Erde gelebt haben, um uns anzueignen, was uns die Urzeit geben konnte, um uns weiterzuentwickeln in den späteren, vollkommeneren Zeitaltern. Wenn man dies genauer untersucht, dann ergibt sich etwas recht Eigentümliches, es ergibt sich nämlich geradezu das, was man nennen könnte: die Mission des Menschen auf der Erde.
[ 25 ] Wie schon öfter muss ich auch heute darauf hinweisen, dass dasjenige, was herausgekommen ist als das gegenwärtige – [gewöhnliche] – Bewusstsein des Menschen, nicht etwas ist, was das alleinige Bewusstsein sein kann. Der Mensch kann sich eben wirklich entwickeln, er kann sich durch eine regelrechte geistige Schulung zum Hellsehen heraufschwingen – er kann das, wenn er auf seine Seele anwendet die [Methode der] Meditation. So wie wir, wenn wir einen hellglänzenden Gegenstand anschauen und dadurch in einen Zustand kommen können, der das ganze übrige Leben ausschließt – das sei aber nicht zur Nacheiferung gesagt –, so bringen wir uns in einen – allerdings nicht so unfreien – Zustand, wenn wir durch selbsteigenen Willen nur Geistig-Seelisches, das wir uns erworben haben, in den Mittelpunkt unseres Bewusstseins stellen und von allem übrigen absehen. Dann strahlen in unsere Seele Kräfte hinein, durch die für uns wirklich wird, was man etwa so ausdrücken kann: Der Mensch wird frei von seinem Leibe. Der Mensch erlebt wirklich, was sich so aussprechen lässt: Ich nehme nicht mehr wahr durch das Auge, denke nicht mehr durch das Gehirn, sondern erfahre als geistiges Wesen, das unabhängig ist von seinem Leibe; ich nehme wahr, was in einer geistigen Welt lebt und webt. Diese Erhebung zum Geistigen kann durch Schulung erlangt werden, und ihre strengen Gesetze findet man in einigen meiner Werke geschildert.
[ 25 ] Wie schon öfter muss ich auch heute darauf hinweisen, dass dasjenige, was herausgekommen ist als das gegenwärtige – [gewöhnliche] – Bewusstsein des Menschen, nicht etwas ist, was das alleinige Bewusstsein sein kann. Der Mensch kann sich eben wirklich entwickeln, er kann sich durch eine regelrechte geistige Schulung zum Hellsehen heraufschwingen – er kann das, wenn er auf seine Seele anwendet die [Methode der] Meditation. So wie wir, wenn wir einen hellglänzenden Gegenstand anschauen und dadurch in einen Zustand kommen können, der das ganze übrige Leben ausschließt – das sei aber nicht zur Nacheiferung gesagt –, so bringen wir uns in einen – allerdings nicht so unfreien – Zustand, wenn wir durch selbsteigenen Willen nur Geistig-Seelisches, das wir uns erworben haben, in den Mittelpunkt unseres Bewusstseins stellen und von allem übrigen absehen. Dann strahlen in unsere Seele Kräfte hinein, durch die für uns wirklich wird, was man etwa so ausdrücken kann: Der Mensch wird frei von seinem Leibe. Der Mensch erlebt wirklich, was sich so aussprechen lässt: Ich nehme nicht mehr wahr durch das Auge, denke nicht mehr durch das Gehirn, sondern erfahre als geistiges Wesen, das unabhängig ist von seinem Leibe; ich nehme wahr, was in einer geistigen Welt lebt und webt. Diese Erhebung zum Geistigen kann durch Schulung erlangt werden, und ihre strengen Gesetze findet man in einigen meiner Werke geschildert.
[ 26 ] Derjenige bringt seine Seele leichter hinauf in die geistige Welt, der mit seinem Gefühl etwas durchgemacht hat, was sich etwa so beschreiben lässt: Wer leicht in Aufregung kommt, wer viel sich seinen Affekten und Empfindungen hingibt, der wird nicht leicht hinaufsteigen können in die geistige Welt; wer aber mit einem gewissen Gleichmaß von Ruhe und innerer Gelassenheit der äußeren Welt gegenübersteht, in dem lebt gleichsam eine Ersparnis, ein Reservoir von Empfindungen und Gefühlen – und gerade da hinein strahlt das Geisteslicht, das wir durch die Meditation in uns entzünden. Ein Mensch, der viel für sich in Anspruch nimmt, der kann nicht leicht zum geschulten Hellseher werden. Aber wer leicht mitfühlen kann mit den anderen, wer selbstlose Liebe entwickeln kann, wer nicht nur seinen Empfindungen lebt, ein solcher Mensch hat ein Mehr der Seele, das er durchdringen kann mit Kräften, die er durch die geistige Schulung erringt. Aus einem Gefühl, das nicht im Egoismus sich auslebt, leuchtet die hellseherische Kraft des Menschen auf.
[ 26 ] Derjenige bringt seine Seele leichter hinauf in die geistige Welt, der mit seinem Gefühl etwas durchgemacht hat, was sich etwa so beschreiben lässt: Wer leicht in Aufregung kommt, wer viel sich seinen Affekten und Empfindungen hingibt, der wird nicht leicht hinaufsteigen können in die geistige Welt; wer aber mit einem gewissen Gleichmaß von Ruhe und innerer Gelassenheit der äußeren Welt gegenübersteht, in dem lebt gleichsam eine Ersparnis, ein Reservoir von Empfindungen und Gefühlen – und gerade da hinein strahlt das Geisteslicht, das wir durch die Meditation in uns entzünden. Ein Mensch, der viel für sich in Anspruch nimmt, der kann nicht leicht zum geschulten Hellseher werden. Aber wer leicht mitfühlen kann mit den anderen, wer selbstlose Liebe entwickeln kann, wer nicht nur seinen Empfindungen lebt, ein solcher Mensch hat ein Mehr der Seele, das er durchdringen kann mit Kräften, die er durch die geistige Schulung erringt. Aus einem Gefühl, das nicht im Egoismus sich auslebt, leuchtet die hellseherische Kraft des Menschen auf.
[ 27 ] Wenn der Mensch nun so weit gekommen ist, dass es ihm möglich ist, in der geistigen Welt zu leben, dann kann er nach und nach das, was er dort erlebt, herunterholen in die gewöhnlichen Begriffe und kann dies dann so mitteilen, dass es durch den gesunden Menschenverstand begriffen werden kann. Geradeso wie nicht alle Menschen in ein Laboratorium gehen müssen, um sich von dem, was die äußere Wissenschaft sagt, selbst zu überzeugen, so brauchen auch nicht alle Menschen Hellseher zu werden. Wer Ergebnisse aus seiner hellsichtigen Forschung mitzuteilen hat, der hat keine Furcht vor dem gesunden Menschenverstand. Wer [in diesem Sinne] nur recht gesund ist, der gibt dem Geistesforscher Recht; nicht Recht gibt ihm nur, wer vorurteilsvoll an die geistigen Wahrheiten herangeht. So verhält es sich mit der Geisteswissenschaft [und ihren Ergebnissen], die gewonnen werden durch hellsichtige Forschung, und auf diese Weise kann der Mensch hinaufkommen in eine Welt des geistigen Erlebens.
[ 27 ] Wenn der Mensch nun so weit gekommen ist, dass es ihm möglich ist, in der geistigen Welt zu leben, dann kann er nach und nach das, was er dort erlebt, herunterholen in die gewöhnlichen Begriffe und kann dies dann so mitteilen, dass es durch den gesunden Menschenverstand begriffen werden kann. Geradeso wie nicht alle Menschen in ein Laboratorium gehen müssen, um sich von dem, was die äußere Wissenschaft sagt, selbst zu überzeugen, so brauchen auch nicht alle Menschen Hellseher zu werden. Wer Ergebnisse aus seiner hellsichtigen Forschung mitzuteilen hat, der hat keine Furcht vor dem gesunden Menschenverstand. Wer [in diesem Sinne] nur recht gesund ist, der gibt dem Geistesforscher Recht; nicht Recht gibt ihm nur, wer vorurteilsvoll an die geistigen Wahrheiten herangeht. So verhält es sich mit der Geisteswissenschaft [und ihren Ergebnissen], die gewonnen werden durch hellsichtige Forschung, und auf diese Weise kann der Mensch hinaufkommen in eine Welt des geistigen Erlebens.
[ 28 ] Das, was vom Geisteswissenschafter im Überbewusstsein heute erreicht wird, das wird in der Zukunft bis zu einem gewissen Grade von allen Menschen erreicht werden können. Und das eben steht dem zwanzigsten Jahrhundert bevor: zu begreifen, dass die Seele sich entwickelt, im Verlaufe des Erdendaseins von Leben zu Leben geht und dasjenige auf sich wirken lässt, was aus der Zeitkultur auf sie wirken soll.
[ 28 ] Das, was vom Geisteswissenschafter im Überbewusstsein heute erreicht wird, das wird in der Zukunft bis zu einem gewissen Grade von allen Menschen erreicht werden können. Und das eben steht dem zwanzigsten Jahrhundert bevor: zu begreifen, dass die Seele sich entwickelt, im Verlaufe des Erdendaseins von Leben zu Leben geht und dasjenige auf sich wirken lässt, was aus der Zeitkultur auf sie wirken soll.
[ 29 ] Betrachtet man nun mit einem weiten Blick den Menschen über die Erde hin, dann treten an ihm zwei Eigenschaften hervor, die in uralten Zeiten bei ihm nicht vorhanden waren. Man braucht nur zu prüfen, um zu sehen, dass sie nicht vorhanden waren. Diese zwei Eigenschaften sind das Mitleid und das Gewissen. Diese beiden Eigenschaften werden sich nach und nach immer mehr ausbilden, indem der Mensch eine Schulung des Seelenlebens durchmacht. Mitleid und Gewissen treten erst im Laufe der Entwicklung auf. Allerdings ist vieles, was man über das Mitleid hört, bloß Phrase. In Wahrheit ist Mitleid etwas, was der Mensch dann fühlt, wenn er von sich selbst loskommt, wenn er hinübertritt in ein anderes Wesen, wenn er dessen Leid mit dessen Gefühl wahrnimmt. Im Mitgefühl vergisst der Mensch sein eigenes Ich, lebt in dem anderen darinnen. Man stelle sich nur einmal vor, es wäre von der Natur so eingerichtet, dass der Mensch in dem Augenblick, wo er sich von seinem eigenen, engen Selbst lostrennt in moralischer Weise, dasselbe erlebte, was er jeden Tag erlebt im Schlafe: Wenn also der Mensch seine Glieder nicht mehr beherrschen kann, wenn das Gehirn nicht mehr Werkzeug der Seele bleiben kann, wenn der Mensch einschläft, dann verliert er sein Bewusstsein. Der Mensch kann ja tatsächlich auch im Gefühl sein Bewusstsein verlieren – da wird er ohnmächtig: Er kann dann sein Ich nicht hingeben an die Gefühle des anderen Wesens. Das ist höchster Egoismus, das ist ein sittlicher Defekt!
[ 29 ] Betrachtet man nun mit einem weiten Blick den Menschen über die Erde hin, dann treten an ihm zwei Eigenschaften hervor, die in uralten Zeiten bei ihm nicht vorhanden waren. Man braucht nur zu prüfen, um zu sehen, dass sie nicht vorhanden waren. Diese zwei Eigenschaften sind das Mitleid und das Gewissen. Diese beiden Eigenschaften werden sich nach und nach immer mehr ausbilden, indem der Mensch eine Schulung des Seelenlebens durchmacht. Mitleid und Gewissen treten erst im Laufe der Entwicklung auf. Allerdings ist vieles, was man über das Mitleid hört, bloß Phrase. In Wahrheit ist Mitleid etwas, was der Mensch dann fühlt, wenn er von sich selbst loskommt, wenn er hinübertritt in ein anderes Wesen, wenn er dessen Leid mit dessen Gefühl wahrnimmt. Im Mitgefühl vergisst der Mensch sein eigenes Ich, lebt in dem anderen darinnen. Man stelle sich nur einmal vor, es wäre von der Natur so eingerichtet, dass der Mensch in dem Augenblick, wo er sich von seinem eigenen, engen Selbst lostrennt in moralischer Weise, dasselbe erlebte, was er jeden Tag erlebt im Schlafe: Wenn also der Mensch seine Glieder nicht mehr beherrschen kann, wenn das Gehirn nicht mehr Werkzeug der Seele bleiben kann, wenn der Mensch einschläft, dann verliert er sein Bewusstsein. Der Mensch kann ja tatsächlich auch im Gefühl sein Bewusstsein verlieren – da wird er ohnmächtig: Er kann dann sein Ich nicht hingeben an die Gefühle des anderen Wesens. Das ist höchster Egoismus, das ist ein sittlicher Defekt!
[ 30 ] Das Mitleid ist eines von den zwei Dingen, durch die der Mensch aus sich herauskommt, ohne dass er das Bewusstsein verliert; das Gewissen ist das andere. Es spricht in uns hinein. Der Mensch unterwirft sich einer Stimme, die in sein Ich hineinspricht; da unterwirft er sein Selbst einem anderen, das weiter reicht als sein Selbst. Mitleid und Gewissen sind die Kräfte, die der Mensch entwickelt. Und das Bewusstsein wird auf der Grundlage der Formen, die Mitleid und Gewissen angenommen haben, dasjenige entwickeln, was sonst nur im abnormen Bewusstsein möglich war: die Hellsichtigkeit. Das ist keine Prophetie, das ist etwas, was aus strenger Wissenschaftlichkeit hervorgeht.
[ 30 ] Das Mitleid ist eines von den zwei Dingen, durch die der Mensch aus sich herauskommt, ohne dass er das Bewusstsein verliert; das Gewissen ist das andere. Es spricht in uns hinein. Der Mensch unterwirft sich einer Stimme, die in sein Ich hineinspricht; da unterwirft er sein Selbst einem anderen, das weiter reicht als sein Selbst. Mitleid und Gewissen sind die Kräfte, die der Mensch entwickelt. Und das Bewusstsein wird auf der Grundlage der Formen, die Mitleid und Gewissen angenommen haben, dasjenige entwickeln, was sonst nur im abnormen Bewusstsein möglich war: die Hellsichtigkeit. Das ist keine Prophetie, das ist etwas, was aus strenger Wissenschaftlichkeit hervorgeht.
[ 31 ] Der Mensch wird im zwanzigsten Jahrhundert durch die Erkenntnis dessen, was Mitleid und Gewissen in den Menschenseelen bewirken, schon in seinem gewöhnlichen Bewusstsein zu einem unmittelbaren [geistigen] Erlebnis kommen können. Er wird etwas ergreifen können, von dem er sich sagen wird: Wir sehen auf der einen Seite, wie der Mensch, wenn er durch die Geburt ins Dasein tritt, etwas erbt von seinen Vorfahren; er muss als geistiges Wesen hineingehen in eine Familie, wird umkleidet mit Eigenschaften, die vererbt sind. Von dieser Vererbung haben die Menschen lange vor unserer Naturwissenschaft gewusst, sie gaben ihr nur einen anderen Namen, nämlich «Erbsünde». Wer die [Bedeutung der] Erbsünde im Alten Testament kennt, der weiß, dass sie viel weiter gefasst werden muss, als es heute noch die Naturwissenschaft tut, dass sie nämlich auch auf die moralischen Eigenschaften angewendet werden muss. Derjenige aber, bei dem Mitleid und Gewissen Früchte getragen haben, wird sich sagen: Ebenso wie ich durch meine Geburt gebunden bin an Anlagen, aus denen ich nicht herauskomme, ebenso gibt es in mir etwas, wodurch ich nicht an die Materie gebunden bin, wodurch ich über mich selbst hinauskommen kann, in eine geistige Welt. – Auf einem Gebiete wird es ein unmittelbares Hellsehen geben: auf dem Gebiete der eigenen Seele. Der Mensch wird sich sagen: Wie mich etwas an die äußere Materie kettet, so geht mir auf der anderen Seite ein lichtvoller Helfer in der Seele auf, der mich über mich selbst erheben kann. Dieses Gefühl könnte man etwa mit Folgendem vergleichen: Glaubt jemand nicht, dass die Luft, die außen vorhanden ist, einströmen kann in einen leeren Raum, so braucht er janur den Raum leer zu machen: Es wird dann schon die Luft hineinfahren, sodass er es sehr wohl wissen kann. Durch Mitleid und Gewissen aber, die ja beide unser Ich von uns selbst trennen, wird in der Seele der leere Raum erzeugt, und da hinein strömt nun das Geistige, dasjenige, was wir nennen die Christuswesenheit. Dann wird der Mensch durch Eigenerlebnis wissen, dass er den Christus in sich aufnehmen kann, welcher in der geistigen Atmosphäre da ist, wie die Luft da ist in der physischen Atmosphäre und einströmt in alle leeren Räume, die sie findet.
[ 31 ] Der Mensch wird im zwanzigsten Jahrhundert durch die Erkenntnis dessen, was Mitleid und Gewissen in den Menschenseelen bewirken, schon in seinem gewöhnlichen Bewusstsein zu einem unmittelbaren [geistigen] Erlebnis kommen können. Er wird etwas ergreifen können, von dem er sich sagen wird: Wir sehen auf der einen Seite, wie der Mensch, wenn er durch die Geburt ins Dasein tritt, etwas erbt von seinen Vorfahren; er muss als geistiges Wesen hineingehen in eine Familie, wird umkleidet mit Eigenschaften, die vererbt sind. Von dieser Vererbung haben die Menschen lange vor unserer Naturwissenschaft gewusst, sie gaben ihr nur einen anderen Namen, nämlich «Erbsünde». Wer die [Bedeutung der] Erbsünde im Alten Testament kennt, der weiß, dass sie viel weiter gefasst werden muss, als es heute noch die Naturwissenschaft tut, dass sie nämlich auch auf die moralischen Eigenschaften angewendet werden muss. Derjenige aber, bei dem Mitleid und Gewissen Früchte getragen haben, wird sich sagen: Ebenso wie ich durch meine Geburt gebunden bin an Anlagen, aus denen ich nicht herauskomme, ebenso gibt es in mir etwas, wodurch ich nicht an die Materie gebunden bin, wodurch ich über mich selbst hinauskommen kann, in eine geistige Welt. – Auf einem Gebiete wird es ein unmittelbares Hellsehen geben: auf dem Gebiete der eigenen Seele. Der Mensch wird sich sagen: Wie mich etwas an die äußere Materie kettet, so geht mir auf der anderen Seite ein lichtvoller Helfer in der Seele auf, der mich über mich selbst erheben kann. Dieses Gefühl könnte man etwa mit Folgendem vergleichen: Glaubt jemand nicht, dass die Luft, die außen vorhanden ist, einströmen kann in einen leeren Raum, so braucht er janur den Raum leer zu machen: Es wird dann schon die Luft hineinfahren, sodass er es sehr wohl wissen kann. Durch Mitleid und Gewissen aber, die ja beide unser Ich von uns selbst trennen, wird in der Seele der leere Raum erzeugt, und da hinein strömt nun das Geistige, dasjenige, was wir nennen die Christuswesenheit. Dann wird der Mensch durch Eigenerlebnis wissen, dass er den Christus in sich aufnehmen kann, welcher in der geistigen Atmosphäre da ist, wie die Luft da ist in der physischen Atmosphäre und einströmt in alle leeren Räume, die sie findet.
[ 32 ] Auf diesem hohen Gebiete kann also schon das normale Bewusstsein hellsichtig werden. Und der Mensch wird dann dieses Erlebnis nicht als ein bloß subjektives ansehen, sondern er wird erkennen, dass dieses als ein Wirkliches da sein muss. Er wird erkennen, dass dieses einmal nicht da war, dass es sich einmal der Menschheit einverleibt hat, das heißt, er wird wissen, dass dasjenige, was er erlebt, einmal herniedergestiegen ist auf die Erde und sich als Christus-Impuls mit ihr verbunden hat. Der Christus-Impuls wird für den Menschen des zwanzigsten Jahrhunderts etwas werden müssen, was einst in die Erdenentwicklung eingetreten ist als ein wirkliches, historisches Ereignis. Dann wird die Zeit kommen, wo es keinen Sinn haben wird zu sagen, der Christus sei bloß eine Idee, sondern wo man sagen wird: Man könnte ja annehmen, dass dieses Erlebnis nur in der Seele des Einzelnen sich darlebte – wie gewisse Philosophen behaupten: ohne Auge keine Farbe. Aber nicht dadurch kann eine äußere Farbe da sein, weil Augen da sind, sondern das Auge ist aus der Lichtwelt geschaffen. Also müsste man sagen: Ohne Licht kein Auge, also ohne historischen Christus kein innerer Christus, keine innere Christuskraft im Menschen! — Deshalb wird der Mensch den Christus als geistiges Wesen erkennen; er wird wissen, dass dieses selbe Wesen einmal historisch auf der Erde war und sich durch sein Opfer mit ihr verbunden hat. Überhaupt wird man in die geistige Welt eindringen können und wird dann auch den Christus entdecken.
[ 32 ] Auf diesem hohen Gebiete kann also schon das normale Bewusstsein hellsichtig werden. Und der Mensch wird dann dieses Erlebnis nicht als ein bloß subjektives ansehen, sondern er wird erkennen, dass dieses als ein Wirkliches da sein muss. Er wird erkennen, dass dieses einmal nicht da war, dass es sich einmal der Menschheit einverleibt hat, das heißt, er wird wissen, dass dasjenige, was er erlebt, einmal herniedergestiegen ist auf die Erde und sich als Christus-Impuls mit ihr verbunden hat. Der Christus-Impuls wird für den Menschen des zwanzigsten Jahrhunderts etwas werden müssen, was einst in die Erdenentwicklung eingetreten ist als ein wirkliches, historisches Ereignis. Dann wird die Zeit kommen, wo es keinen Sinn haben wird zu sagen, der Christus sei bloß eine Idee, sondern wo man sagen wird: Man könnte ja annehmen, dass dieses Erlebnis nur in der Seele des Einzelnen sich darlebte – wie gewisse Philosophen behaupten: ohne Auge keine Farbe. Aber nicht dadurch kann eine äußere Farbe da sein, weil Augen da sind, sondern das Auge ist aus der Lichtwelt geschaffen. Also müsste man sagen: Ohne Licht kein Auge, also ohne historischen Christus kein innerer Christus, keine innere Christuskraft im Menschen! — Deshalb wird der Mensch den Christus als geistiges Wesen erkennen; er wird wissen, dass dieses selbe Wesen einmal historisch auf der Erde war und sich durch sein Opfer mit ihr verbunden hat. Überhaupt wird man in die geistige Welt eindringen können und wird dann auch den Christus entdecken.
[ 33 ] Wie Goethe oftmals das richtige Wort in einer Sache ausgesprochen hat, so könnte man jetzt an eines seiner Worte anknüpfen, indem man das, was er ausdrücken will, als ein Gleichnis nimmt für das, was wir heute ausdrücken wollten – ein Wort, das uns wie eine Direktive sein kann. Goethe hat gesagt: Das Auge hat sich am Licht für das Licht gebildet. – Aus ursprünglich gleichgültigen Organen habe das Licht das Auge hervorgezaubert. Und nun weist Goethe in einem anderen Worte hin auf den inneren Impuls, den Gott in sich zu sehen:
[ 33 ] Wie Goethe oftmals das richtige Wort in einer Sache ausgesprochen hat, so könnte man jetzt an eines seiner Worte anknüpfen, indem man das, was er ausdrücken will, als ein Gleichnis nimmt für das, was wir heute ausdrücken wollten – ein Wort, das uns wie eine Direktive sein kann. Goethe hat gesagt: Das Auge hat sich am Licht für das Licht gebildet. – Aus ursprünglich gleichgültigen Organen habe das Licht das Auge hervorgezaubert. Und nun weist Goethe in einem anderen Worte hin auf den inneren Impuls, den Gott in sich zu sehen:
Wär nicht das Auge sonnenhaft,
Die Sonne könnt es nie erblicken;
Läg nicht in uns des Gottes eigne Kraft,
Wie könnt uns Göttliches entzücken?
Wär nicht das Auge sonnenhaft,
Die Sonne könnt es nie erblicken;
Läg nicht in uns des Gottes eigne Kraft,
Wie könnt uns Göttliches entzücken?
[ 34 ] Wie das Auge vom Lichte hervorgezaubert ist, so ist auch im Menschen die Kraft, den Gott zu schauen, von dem webenden und lebenden Gotte selbst hervorgezaubert worden. Wer in seinem inneren Christushaften den Christus wird erleben können aus den schönsten Empfindungen, Gefühlen und Erkenntnissen seiner Seele heraus, der wird wissen, dass dies nur sein kann, weil der Christus einmal herniedergestiegen ist auf die Erde, weil einmal der historische Christus gelebt hat. Wie die Sonne mit ihrem Lichte das Auge aus dem Menschenleibe hervorgezaubert hat, so hat der geschichtliche Christus aus den Menschenseelen das [innere] Christus-Leben hervorgezaubert. Wäre die Seele nicht «christushaft», wie könnte sie den Christus erleben! Hätte Christus nicht historisch gelebt, wie könnte die Seele diese schönste Empfindung, die Christus-Empfindung haben! – So wird man im zwanzigsten Jahrhundert sprechen. In der Zeit, in der die äußere Wissenschaft dahin gekommen ist, den historischen Christus zu leugnen, wird Geisteswissenschaft ohne Urkunden dazu kommen zu sagen: Weil der Mensch den Christus erleben kann, weiß er, dass er historisch gelebt hat als lebenspendende Kraft, als die Sonne im Geistesreich der Menschheitsentwicklung.
[ 34 ] Wie das Auge vom Lichte hervorgezaubert ist, so ist auch im Menschen die Kraft, den Gott zu schauen, von dem webenden und lebenden Gotte selbst hervorgezaubert worden. Wer in seinem inneren Christushaften den Christus wird erleben können aus den schönsten Empfindungen, Gefühlen und Erkenntnissen seiner Seele heraus, der wird wissen, dass dies nur sein kann, weil der Christus einmal herniedergestiegen ist auf die Erde, weil einmal der historische Christus gelebt hat. Wie die Sonne mit ihrem Lichte das Auge aus dem Menschenleibe hervorgezaubert hat, so hat der geschichtliche Christus aus den Menschenseelen das [innere] Christus-Leben hervorgezaubert. Wäre die Seele nicht «christushaft», wie könnte sie den Christus erleben! Hätte Christus nicht historisch gelebt, wie könnte die Seele diese schönste Empfindung, die Christus-Empfindung haben! – So wird man im zwanzigsten Jahrhundert sprechen. In der Zeit, in der die äußere Wissenschaft dahin gekommen ist, den historischen Christus zu leugnen, wird Geisteswissenschaft ohne Urkunden dazu kommen zu sagen: Weil der Mensch den Christus erleben kann, weiß er, dass er historisch gelebt hat als lebenspendende Kraft, als die Sonne im Geistesreich der Menschheitsentwicklung.
