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Death and Immortality
in the Light of Spiritual Science
GA 69d

24 February 1912, Munich

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Death and Immortality in the Light of Spiritual Science, tr. SOL
  1. Tod und Unsterblichkeit im Lichte der Geisteswissenschaft

9. Die Verborgenen Tiefen des Seelenlebens

9. The Hidden Depths of the Soul's Life

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Es sei mir am heutigen Abend gestattet, einiges von dem, was im Laufe der Vorträge, die ich hier von diesem Orte aus zu Ihnen halten durfte, in Bezug auf geisteswissenschaftliche Erkenntnis des Menschen gesagt worden ist, zusammenzufassen und unter einen besonderen Gesichtspunkt zu stellen, sodass es gelingen kann, im nächsten Vortrag, übermorgen, in einer fruchtbaren Weise über eine der wichtigsten Fragen unseres gegenwärtigen Geisteslebens zu sprechen: über den Ursprung des Menschen.

[ 1 ] Ladies and gentlemen! Allow me this evening to summarize some of what has been said regarding the spiritual-scientific understanding of the human being in the course of the lectures I have had the privilege of delivering to you here, and to present it from a particular perspective, so that in the next lecture, the day after tomorrow, we may successfully discuss one of the most important questions of our present spiritual life in a fruitful way: the origin of the human being.

[ 2 ] Der Mensch, der zuweilen einen Blick auf seine eigene Seele, auf sich selber wirft, der wird zweifellos in manchen Fällen den Eindruck haben müssen, er stehe nicht nur gegenüber seinem eigenen Wesen wie vor etwas Unbekanntem, sondern der Eindruck kann sich noch dahin vertiefen, dass dieses eigene Wesen dem Menschen wohl erscheinen kann als ein solches, das ihn manchmal mit Besorgnis erfüllt, vielleicht sogar wie Furcht vor etwas Unbekanntem anmutet. Dasjenige, was in unserem bewussten Seelenleben sich abspielt, dasjenige, was wir erleben vom Morgen, vom Aufwachen, bis abends zum Einschlafen – es nimmt sich wahrhaftig oftmals so aus, als ob alles das, was da in unserem Bewusstsein lebt, heraufkomme aus unbekannten Tiefen, wie Meereswellenspiel heraufstürmt und heraufkräuselt aus den unbekannten Tiefen des Meeres. Und wiewohl man, wenn man dieses Meeresstürmen und Meereswellenkräuselspiel ansieht, wohl ahnen kann, dass in den Tiefen dieses oder jenes vorgeht, so sagt man sich doch oftmals: Wie wenig verrät eigentlich das, was sich an der Oberfläche abspielt, die Vorgänge in der Tiefe. Und so ist es zuweilen mit dem eigenen Seelenleben. Das, was sich im Bewusstsein abspielt, ist wie ein Heraufschlagen von Wellen aus unbekannten Tiefen, und da wir selber der Schauplatz dieses ganzen Wirkens sind, deshalb nimmt zuweilen die Frage, was da unten vorgeht, einen bangen Charakter an. Ja, der Eindruck kann sich noch mehr vertiefen, wenn wir sehen, wie zuweilen aus den verborgenen Tiefen unseres Seelenlebens diese oder jene Gefühle heraufspielen, diese oder jene Leidenschaften oder Triebe, diese oder jene Willensimpulse, die wir nicht meistern können, die zu unserem Leidwesen da sind, vielleicht oftmals auch zu unserer Freude; da können wir uns auch so vorkommen, wie wenn wir auf der Erdoberfläche stünden und gleichsam, wie bei einem Erdbeben, die unterirdischen Tiefen zu beben anfangen. Es ist der Eindruck des Nichtwissens dessen, was da kommen wird, was unsere Gemütsstimmung bedrückt. Wir können oftmals diese Stimmung haben gegenüber dem, was da heraufkommt, worüber wir uns klar sind, dass wir es gar nicht in der Hand haben. Wir gewinnen am besten den Einlass in die verborgenen Seelentiefen, wenn wir von den bekannten Vorgängen im Seelenleben ausgehen, das heißt, wenn wir von dem ausgehen, was uns bewusst ist; und was wäre denn schließlich dem Menschen bewusster als dasjenige, was er begriffen, was er erkannt zu haben glaubt, in das er Einblick zu haben glaubt aus diesen oder jenen Erkenntniszweigen dieser oder jener Wissenschaft oder erkannt zu haben glaubt aus seiner Lebenserfahrung? Was wäre schließlich bewusster und bekannter in unserem Seelenleben als das, was wir unsere klaren Vorstellungen nennen? Ja, wenn wir aber diese Vorstellungen, dieses unser Wissen, diese unsere Erkenntnis überblicken, dann wird uns – wenn wir vorurteilslos der Sache gegenüberstehen – dann wird uns aufsteigen gegenüber dieser Erkenntnis ein Gefühl der Ohnmacht, sozusagen ein Gefühl des Abgeschlossenseins gegenüber der Welt in unserer Erkenntnis.

[ 2 ] A person who occasionally takes a look at his own soul—at himself—will undoubtedly, in some cases, have the impression that not only is he faced with his own being as if it were something unknown, but this impression may even deepen to the point that this very being may appear to him as something that sometimes fills him with anxiety—perhaps even evoking a fear of the unknown. What takes place in our conscious inner life—what we experience from morning, upon waking, until evening when we fall asleep—truly often seems as if everything that lives in our consciousness rises up from unknown depths, just as the play of ocean waves surges and ripples up from the unknown depths of the sea. And although, when one observes this surging of the sea and the play of the waves, one can well surmise that something is happening in the depths, one often says to oneself: How little does what takes place on the surface actually reveal about the processes in the depths. And so it is at times with one’s own inner life. What takes place in our consciousness is like waves surging up from unknown depths, and since we ourselves are the stage for all this activity, the question of what is happening down there sometimes takes on an anxious quality. Indeed, this impression can deepen even further when we see how, at times, this or that feeling, this or that passion or impulse, this or that impulse of the will—which we cannot control, which are there to our dismay, and perhaps often also to our joy—surge up from the hidden depths of our inner life; we may even feel as if we were standing on the earth’s surface and, as it were, just as in an earthquake, the underground depths were beginning to tremble. It is the feeling of not knowing what is to come that weighs heavily on our mood. We often experience this mood in the face of what is rising up—things we know full well are completely beyond our control. We gain the best access to the hidden depths of the soul when we start from the familiar processes of soul life—that is, when we start from what we are aware of; and what, after all, could be more conscious to a person than what they have grasped, what they believe they have recognized, what they believe they have insight into from this or that branch of knowledge in this or that science, or what they believe they have recognized from their life experience? After all, what could be more conscious and familiar in our inner life than what we call our clear ideas? Yes, but when we survey these ideas, this knowledge of ours, this insight of ours—if we approach the matter without prejudice—then a feeling of powerlessness will arise within us in the face of this insight, a feeling, so to speak, of being cut off from the world in our understanding.

[ 3 ] Aus der griechischen Geistesgeschichte ist uns zwar überliefert, dass einmal ein großer Philosoph gefragt worden wäre, wie eigentlich die Menschen sich hineinstellen in das Leben, und die Antwort gegeben habe: Diejenigen, die da erkennen wollen und auch wirklich dazu gelangen, die nehmen sich aus wie gewisse Leute auf irgendeinem Jahrmarkt. Während die einen auf einen Jahrmarkt kommen, um dieses oder jenes zu verkaufen, und ihr Interesse haben, ihre Ware abzusetzen, und die anderen ihr Interesse haben einzukaufen –, so gibt es ja überall auf Jahrmärkten auch diejenigen, die weder verkaufen noch kaufen wollen, welche einfach gekommen sind, um sich die Dinge, das Leben auf dem Jahrmarkt anzusehen.

[ 3 ] Greek intellectual history tells us that a great philosopher was once asked how people actually approach life, and he replied: Those who seek to understand—and who truly succeed in doing so—behave like certain people at a fair. Just as some people come to a fair to sell this or that, and their interest lies in selling their wares, while others are interested in buying—so too, at every fair, there are those who neither want to sell nor buy, who have simply come to look at the things and experience life at the fair.

[ 4 ] So verhält es sich auch mit den erkennenden Menschen. Sie treten da dem Jahrmarkt des Lebens gegenüber, nicht, um sich einzumischen in die widerstreitenden Interessen, sondern um ruhig das Leben einfach zu betrachten.

[ 4 ] The same is true of those who are discerning. They approach the marketplace of life not to interfere with conflicting interests, but to calmly and simply observe life.

[ 5 ] Nun könnte es anscheinend den Menschen, der im gewöhnlichen Leben drinnensteht, wenig interessieren, was eigentlich die universelle Aufgabe der besonderen Erkenntnismenschen ist, aber in gewissem Sinne müssen wir doch sagen, dass jeder Mensch, wo er auch stehe im Leben, einen Winkel hat, wo er Erkenntnismensch ist; und ohne Philosoph, ohne Erkenntnismensch zu sein, kann eigentlich niemand befriedigt durch dieses Leben schreiten. So sind wir für die Augenblicke, wo wir nur zuschauen, ohne uns in das «Jahrmarktsleben» zu verstricken, wo wir Philosophen sind, in der Lage, dass unsere Seele die Eigenschaften derjenigen hat, die bloß zuschauen. Und als Zuschauer, als ein wenig in der Ecke stehend, fühlt man sich eigentlich immer, wenn man ins Auge fasst dasjenige, was in Bezug auf Wissens- und Erkenntnisdrang die bedeutendsten Vorstellungen sind. Und was für Vorstellungen des Erkenntnislebens gilt, das gilt sozusagen für unser ganzes Vorstellungsleben. Es wird uns da etwas aufgehen von dem, was man die Ohnmacht des Erkenntnislebens nennt.

[ 5 ] Now, it might seem that people caught up in everyday life have little interest in what the universal task of the truly knowledgeable is, but in a certain sense we must nevertheless say that every person, no matter where they stand in life, has a corner where they are a person of knowledge; and without being a philosopher, without being a person of knowledge, no one can truly walk through this life with satisfaction. Thus, in those moments when we are merely observing without becoming entangled in the “fairground life”—when we are philosophers—our soul possesses the qualities of one who is merely watching. And as spectators, standing a little off to the side, we actually always feel that way when we take in what are the most significant ideas in terms of the thirst for knowledge and insight. And what applies to the ideas of the life of insight applies, so to speak, to our entire life of imagination. There we begin to grasp something of what is called the powerlessness of the life of insight.

[ 6 ] Nun könnte man sagen: Ja, du stempelst die Erkenntnismenschen zu einer Art Gaffer des Lebens und machst Erkenntnis zu etwas, was nicht wirklich eingreift in das wirkliche Gewoge und Getriebe des Lebens. – Von dieser Ohnmacht des Lebens erhält man aber eine Erkenntnis erst recht, wenn man beobachtet, wie der Mensch einzusehen, zu erkennen sucht die verborgenen Kräfte, wie sie wirken im Leben, wie sie es vorwärts bringen und in Ordnung halten können. Und dennoch, auch wenn der Mensch ganz durchdrungen ist von dem Lichte, das, sagen wir, von moralischen oder sonstigen Vorstellungen ausgeht, es kann trotzdem sein, dass seine Triebe sprechen, seine Instinkte, die Leidenschaften sich geltend machen, und dass er in Wirklichkeit gar nicht demjenigen folgen kann, was ihm in seinen Vorstellungen aufgegangen ist. Wir müssen sagen: Die Vorstellungen haben keine Kraft, in unser Seelenleben einzugreifen, so zu wirken und zu weben, dass wir unsere seelische Wirklichkeit ganz und gar dem Vorstellungsleben anpassen würden. Die Kraft, die Stärke des Impulses, die fehlt den Vorstellungen in Bezug auf die Realität des Seelenlebens, und wir fühlen die Ohnmacht des Vorstellungslebens und der realen Impulse des Lebens als Zweiheit in uns selbst.

[ 6 ] Now one might say: Yes, you label those who seek knowledge as a sort of onlooker of life and make knowledge into something that does not truly intervene in the real turmoil and bustle of life. – But one gains an even deeper insight into this powerlessness of life when one observes how human beings seek to understand and recognize the hidden forces, how they operate in life, and how they can propel it forward and keep it in order. And yet, even when a person is completely permeated by the light that emanates, let’s say, from moral or other ideas, it may still be the case that their drives speak, their instincts and passions assert themselves, and that in reality they cannot at all follow what has dawned on them in their ideas. We must say: Ideas have no power to intervene in our inner life, to work and weave in such a way that we would align our inner reality entirely with our life of ideas. The power, the strength of the impulse—that is what ideas lack in relation to the reality of the inner life, and we feel the powerlessness of the life of ideas and the real impulses of life as a duality within ourselves.

[ 7 ] Wie glauben die Menschen da und dort, wie haben sie zu allen Zeiten geglaubt, wichtige Weltanschauungen, ja die ganze Welt zu begreifen – und siehe da: Wenn die Vorstellungen die Kraft hätten, dasjenige, was sie scheinbar enthalten, wirklich umzusetzen in Lebensimpulse, dann müsste es leichter sein, die Menschen von solchen Vorstellungen zu überzeugen. Jedes Mal, wenn es sich wieder darum handelt, merkt man die Ohnmacht der Vorstellungen gegenüber der Realität, gegenüber dem Leben.

[ 7 ] How do people here and there believe—as they have believed throughout the ages—that they can grasp important worldviews, indeed the whole world—and lo and behold: If these ideas had the power to truly transform what they seemingly contain into the impulses of life, then it would be easier to convince people of such ideas. Every time this issue arises again, one notices the powerlessness of these ideas in the face of reality, in the face of life.

[ 8 ] Man kann es nur zu gut begreifen, wenn insbesondere der Künstler, der ja aus der Gesamtheit seiner Seele heraus schaffen soll, der nüchtern und trocken würde, wenn er nicht mit dem ganzen Seelenwesen dabei wäre – wir können sehen, wie er Angst hat, aufzugehen in dem Seelenprozess, denn er fühlt: In dem Moment, wo statt der empfänglichen Seelenimpulse sich einmischen die nach einer gewissen logischen Gedankenfolge [aufgebauten Vorstellungen], in dem Moment wird das Seelenleben schwach. Daher spricht man von [der] Nüchternheit [des Vorstellungslebens]. Der Künstler weiß, dass die Kunst nicht wirken kann, wenn sie aus dem bloßen Vorstellungsleben genommen ist. Ja, man erkennt Kunstwerke daran, ob sie aus dem Seelenleben oder aus abstrakten Ideen heraus geschaffen sind.

[ 8 ] It is all too easy to understand why, especially for the artist—who is supposed to create from the very depths of his soul—he would become sober and dry if he were not fully engaged with his entire soul—we can see how he fears being absorbed into the soul’s process, for he feels: The moment [concepts built up] according to a certain logical sequence of thought interfere with the receptive impulses of the soul, the soul life grows weak. That is why one speaks of [the] dryness [of the life of the imagination]. The artist knows that art cannot have an effect if it is taken from the mere life of the imagination. Yes, one recognizes works of art by whether they are created from the life of the soul or from abstract ideas.

[ 9 ] Es liegt einem solchen Gefühl das Bewusstsein von der Ohnmacht des Vorstellungslebens zugrunde. Und da unsere Vorstellungen eigentlich dasjenige sind, was uns im Leben so recht zu bewussten Menschen macht, und wir einsehen, dass die Vorstellungen eigentlich tief in unser Seelenleben eingreifen, da fragt es sich nun: Ist es alles an diesen Vorstellungen, das, was sich sozusagen an der Oberfläche kräuselt und nicht herunterdringt in tiefere Regionen des Seelenlebens? Hier sind wir an der «primitivsten» Frage des verborgenen Seelenlebens. Dennoch wird man in Empfindung und Gefühl des tieferen Seelenlebens, in deren Wesen nur hineinkommen, wenn man von dem Alltäglichen ausgeht – von dieser «primitiven» Frage.

[ 9 ] Underlying such a feeling is the awareness of the powerlessness of the life of the imagination. And since our ideas are, in fact, what truly make us conscious human beings in life, and since we recognize that these ideas actually penetrate deeply into our inner life, the question now arises: Is that all there is to these ideas—what, so to speak, ripples on the surface without penetrating into the deeper regions of the inner life? Here we are faced with the “most primitive” question of the hidden life of the soul. Nevertheless, one can only enter into the essence of the deeper life of the soul—its sensations and feelings—by starting from the everyday—from this “primitive” question.

[ 10 ] Nun wissen wir alle, dass dasjenige, was wir im bewussten Wachzustande erleben, sich so abspielt: Derjenige, der einen Blick für das Eigentümliche seines Seelenlebens hat, wird sich klar sein, dass im Verlaufe dessen, was in seinen Vorstellungen lebt, verbunden sind die Gefühls-, die Gemütserlebnisse mit den Vorstellungen. Nur bei hervorragendsten Vorstellungen haben wir wirklich das Gefühl, dass wir uns an ihnen freuen oder Leid erleben. Dieses Mitklingen der Gemütsstimmungen beim Vorstellungsleben, es ist aber im Grunde genommen immer vorhanden. Kein Mensch kann sich sagen, dass irgendetwas in seinem bewussten Leben abläuft, das nicht einen, wenn auch geringen, Grad von Empfindung der Lust und des Leides, der Hoffnung und der Furcht und dergleichen mit sich bringt. Reines Vorstellen, bloßes Ideenleben im Bewusstsein haben wir eigentlich im alltäglichen Leben niemals, sondern immer ist mit dem, was sich im bewussten Leben abspielt, dasjenige verbunden, was wir Gemütsstimmung, Gefühl, Empfindung nennen können.

[ 10 ] Now we all know that what we experience in the conscious waking state unfolds as follows: Anyone who has an eye for the peculiarities of their inner life will realize that, in the course of what lives in their imagination, emotional and psychological experiences are intertwined with the images themselves. Only with the most remarkable images do we truly feel that we take pleasure in them or experience sorrow through them. This interplay of moods with the life of the imagination, however, is fundamentally always present. No one can say that anything takes place in their conscious life that does not entail some degree—however slight—of pleasure or suffering, hope or fear, and the like. We never actually experience pure imagination—a mere life of ideas in consciousness—in everyday life; rather, whatever takes place in our conscious life is always connected to what we might call a mood, a feeling, or a sensation.

[ 11 ] Im Verlauf des Lebens verhält sich aber dies Element des Vorstellungslebens ganz anders als dasjenige, was da wie eine Begleiterscheinung des Vorstellungslebens als Gemütsverfassung auftritt. Sie können das daran sehen, wenn Sie versuchen, nach zehn oder zwanzig Jahren sich an etwas, was Sie erlebt haben, mehr oder weniger klar vorstellungsmäßig so zu erinnern, dass Sie das Ereignis im Vorstellungsleben nachbilden können. Wenn da die Dinge verknüpft waren, die einen mit großem Schmerz, die anderen mit großer Freude – immer werden wir gewahr werden: Diese Freude, dieser Schmerz treten in der Erinnerung nicht mit derselben Kraft und Energie auf. Wenn jemand zum Beispiel einen Todesfall erlebt hat, dann weiß er, dass der Schmerz sich in der Erinnerung nicht mit der ursprünglichen Stärke im Gemütsleben wieder heraufleben kann. Ebenso ist es mit der Freude. In unserer Erinnerung spielen also die Vorstellungen eine ganz andere Rolle.

[ 11 ] Over the course of a person’s life, however, this element of the life of the imagination behaves quite differently from that which appears as a state of mind—as a kind of accompanying phenomenon of the life of the imagination. You can see this when you try, after ten or twenty years, to recall something you have experienced more or less clearly in your imagination, so that you can recreate the event in your imagination. If certain things were linked—some associated with great pain, others with great joy—we will always realize: this joy, this pain, do not arise in memory with the same intensity and energy. If, for example, someone has experienced a death, they know that the pain cannot be relived in memory with the same intensity as it originally had in their emotional life. The same is true of joy. In our memory, therefore, mental images play a completely different role.

[ 12 ] Die Frage kann aufgeworfen werden: Ja, wo bleiben denn nun, da ja doch die Bilder, die wir uns von schmerzlichen oder freudigen Ereignissen machen können, lebendig in der Erinnerung sind, wo bleiben denn die Gemütsstimmungen, wo bleibt das Gefühlsleben, das mit diesen Vorstellungen verbunden war? – Nun ist diese Frage, sosehr sie zu den «primitiven» gehört, nicht so ganz einfach. Und das werden viele Menschen noch bestreiten, dass man nach streng logischen Methoden eine Antwort auf solche Fragen geben kann. Aber vieles, was gesagt worden ist über elementare Fragen der Geistesforschung, setzt uns doch in den Stand, dass wir auch eine Anschauung bekommen können über das Schicksal der mit den Vorstellungen verbundenen Gemütsstimmungen. Während die Vorstellungen aus der Erinnerung wieder heraufgezaubert werden können, kann das mit den Gemütsstimmungen nicht geschehen. Wenn wir einmal das Leben so eindringlich, so gründlich betrachten, wie es zur Beantwortung einer solchen Frage nötig ist, so finden wir bei einem jeden Menschen, den wir längere Zeit kennen: Es ist das gesamte Befinden dieses Menschen, das sich darin ausdrückt, dass er ein mehr oder weniger froher Mensch ist, so, dass seine Frohheit sich nicht nur so ausdrückt, wie er die Außenwelt seelisch auffasst, sondern darin, wie er sich in seiner Organisation harmonisch, in seiner Organisation gesund fühlt. Wir dürfen, wenn wir von der Gesamtverfassung eines Menschen sprechen, seelisches Erleben da nicht trennen von dem, was wir Gesamtverfassung nennen, und dazu gehören auch diejenigen Stimmungen, die von unserer Körperverfassung abhängen, davon, wie unser Blut rinnt, wie der Gedankenablauf in unserem Gehirn und Nervensystem vor sich geht.

[ 12 ] The question may be raised: Yes, but now that the images we form of painful or joyful events remain vivid in our memory, where are the emotional states, where is the emotional life that was connected to these images? – Now, this question—as “primitive” as it may be—is not quite so simple. And many people will still dispute that an answer to such questions can be given using strictly logical methods. But much of what has been said about fundamental questions in spiritual research does enable us to gain some insight into the fate of the moods associated with these images. While ideas can be conjured up again from memory, the same cannot happen with moods. If we look at life as intently and thoroughly as is necessary to answer such a question, we find in every person we have known for a long time: It is this person’s entire state of being that is expressed in the fact that they are a more or less cheerful person, such that their cheerfulness is expressed not only in how they perceive the external world emotionally, but also in how they feel harmonious and healthy within their own constitution. When we speak of a person’s overall constitution, we must not separate their psychological experience from what we call their overall constitution; this also includes those moods that depend on our physical constitution—on how our blood flows and how thoughts proceed in our brain and nervous system.

[ 13 ] Betrachten wir diese Gesamtverfassung eines Menschen in einem gewissen Zeitpunkt, wo er in seinem ganzen Wesen nicht froh gestimmt ist, wo er melancholisch oder herabgestimmt ist oder überdrüssig dessen, was in seinem ganzen Wesen als Gesamtverfassung sich angibt; betrachten wir diese Verfassung eines Menschen und vergleichen wir sie mit dem, wie wir ihn gekannt haben in früheren Tagen seines Lebens, so werden wir [...] da die Stimmungen und Empfindungen und Gefühle finden, die nicht in die Erinnerungen eintreten. In jenen Regionen lebt er nicht, aus denen wir unsere Erinnerungen nehmen, sondern er ist in tiefe Untergründe des Lebens gestiegen, wo gearbeitet wird an der Verfassung, die unser Seelenleben ausmacht, die aber auch als Seelenstimmung mit unserer ganzen leiblichen Organisation zusammenhängt. Wie wir lebensfroh und hoffnungsreich, melancholisch und herabgestimmt sind, arbeitsfreudig, müde, erschöpft oder geeignet, ein jedes anzugreifen – das hat sich dadurch ergeben, dass die Gemütsstimmungen sich trennen vom Vorstellungsleben und hinuntertauchen in die tiefen Gründe des Seelenlebens. Wo sozusagen unser persönliches Lebensglück gezimmert wird, da sehen wir eine gewisse Linie sich absondern vom Vorstellungsleben, wir sehen jenen Teil, der dieses Vorstellungsleben begleitet, hinuntertauchen und in verborgenen Seelengründen arbeiten, wo unser Lebenswesen sich einwirkt in unsere persönliche Verfassung. Da haben wir ein Element, welches zwar aus den bewussten Erlebnissen kommt, aber immer untertaucht in diejenigen Regionen, in welchen es arbeiten kann an unserem gesamten Leben.

[ 13 ] Let us consider a person’s overall state of mind at a certain moment, when he is not in a cheerful mood in his entire being, when he is melancholic or downcast, or weary of what presents itself as his overall state of mind; if we consider this state of a person and compare it to how we knew him in earlier days of his life, we will [...] find there moods, sensations, and feelings that do not enter into our memories. They do not dwell in those realms from which we draw our memories, but have descended into the deeper strata of life, where work is being done on the constitution that constitutes our inner life, yet which, as a state of mind, is also connected to our entire physical constitution. Whether we are full of joy and hope, melancholic and downcast, eager to work, tired, exhausted, or ready to lash out at anyone—this has come about because these moods separate from the life of the imagination and plunge down into the deep foundations of the life of the soul. Where, so to speak, our personal happiness in life is forged, we see a certain thread separating itself from the life of the imagination; we see that part which accompanies this life of the imagination plunge downward and work in the hidden depths of the soul, where our very being interacts with our personal state of mind. There we have an element that, while it arises from conscious experiences, always submerges into those regions where it can work on our entire life.

[ 14 ] Zuweilen aber wird dasjenige, was so untertaucht in unser Gesamtbefinden, wieder hervorgeholt, doch hervorgeholt in einer gewissen Weise, hervorgeholt nicht bloß, wenn das gewöhnliche, alltägliche Bewusstsein, durch das wir mit dem äußeren Leben in Verbindung treten, gerade in gewisser Weise ausgeschaltet ist – was da untergetaucht ist, das sehen wir manchmal heraufsteigen in den halbbewussten Zuständen der Traumeswelt. Daher treten uns bedeutsam die Gebilde der Traumeswelt so auf, dass sie uns in ferne, vergangene Zeiten unseres Lebens versetzen. Hätten wir versucht, uns irgendwie auf dasjenige zu besinnen, was vorgefallen ist, hätten wir vielleicht ein klares Bild bekommen, vielleicht nicht. Dasjenige aber, was wir im Gefühle erlebt haben, können wir nicht heraufholen. Wer aber die Traumbilder prüft, findet: Es stellt sich heraus, dass jemand uralte Gemütsstimmungen in den Sinnbildern seiner Träume zum Ausdruck bringt. Es kann zum Beispiel durchaus sein, dass irgendjemand ein stattliches Alter erreicht und nicht mehr geneigt ist, mit einer Papierschaps oder einem Kindersäbel auf die Straße zu gehen und zu kommandieren, wie es die Kinder tun. Er wird die Vorstellung haben von dem, was da mit ihm vorgegangen ist, aber die Simmungen können nicht mehr die Gewalt haben im Tagesleben. Dafür nehmen sie sie im Traum an. Und Fälle sind nicht selten, wo einer in einem gewissen Alter jede Nacht einmal träumt, dass er eigentlich Major ist oder dass er im "Traum eine Reise macht. Er erinnert sich im äußeren Leben vielleicht, was er in Kinderbüchern gelesen, macht aber nicht mehr die Seligkeit durch, die er damals empfunden hat. Aber im Traum tut er es.

[ 14 ] At times, however, that which is so deeply submerged in our overall state of being is brought to the surface again, but brought to the surface in a certain way—not merely when our ordinary, everyday consciousness, through which we connect with external life, is temporarily suspended in a certain sense—what has been submerged there, we sometimes see rising up in the semi-conscious states of the dream world. That is why the images of the dream world appear to us in such a significant way that they transport us to distant, past times in our lives. Had we tried to recall in some way what had happened, we might have gotten a clear picture—or perhaps not. But what we experienced emotionally, we cannot bring to the surface. But anyone who examines these dream images will find that a person expresses ancient emotional states through the symbols of their dreams. For example, it may well be that someone has reached a respectable age and is no longer inclined to go out into the street with a paper cap or a toy sword and boss people around, as children do. They will have a recollection of what happened to them back then, but those moods can no longer exert their power in waking life. Instead, they take hold in dreams. And it is not uncommon for someone of a certain age to dream once every night that he is actually a major or that he is “traveling” in his dream. In his waking life, he may recall what he read in children’s books, but he no longer experiences the bliss he felt back then. Yet in his dreams, he does.

[ 15 ] Wo das Alltagsleben aufhört, wo der Mensch im Traum die Bilder seiner Vorstellungen fühlt, da finden wir, dass da die Gemütsverfassungen, die in den verborgenen Tiefen des Seelenlebens spielen und wirken, heraufkommen, wenn sie noch nicht verwendet worden sind – und das ist wichtig —, um an unserer Leibesorganisation zu arbeiten. Wenn sie noch in einem Winkel unseres verborgenen Seelenlebens wohnen, dann kommen sie im Traum herauf. Wenn jemand im Traum in frühere Gemütsstimmungen versetzt ist, dann verrät uns die ganze Art, wie sie im Traum heraufkommen: Da sind gewisse Empfindungen geblieben; sie haben ihre Kräfte noch nicht verbraucht, deshalb treibt sie das halbschlafende Leben des Traumes herauf in unser Halbbewusstsein – es stellen sich uns die Traumbilder vor. Da haben wir ein Beispiel, wie wir durch die Decke unseres alltäglichen [Bewusstseins-]Zustandes hindurchdringen können, wie in der Tat das, was im verborgenen Seelenleben lebt, zur Vorstellung kommen kann, wie aber dann diese Vorstellungen nicht kontrolliert werden an der Außenwelt, sondern ganz in dem leben, was an Gemütsstimmungen in unserem inneren Seelenleben vorhanden ist.

[ 15 ] Where everyday life ends, where a person feels the images of their imagination in a dream, there we find that the states of mind which play out and take effect in the hidden depths of the soul’s life rise to the surface—if they have not yet been used—and this is important—to work on our physical constitution. If they still dwell in a corner of our hidden inner life, then they surface in dreams. When someone is transported in a dream to earlier states of mind, the very way in which they emerge in the dream reveals to us: certain feelings have remained; they have not yet exhausted their power, which is why the half-asleep life of the dream brings them up into our half-consciousness—the dream images present themselves to us. Here we have an example of how we can penetrate the ceiling of our everyday [state of] consciousness, how, in fact, what lives in the hidden life of the soul can come to mind, but how these images are not governed by the external world; rather, they live entirely within the moods present in our inner soul life.

[ 16 ] Dieses ist etwas ganz Primitives, aber es kann unser Verständnis überleiten zu dem, was durch Geisteswissenschaft aus den verborgenen Seelentiefen erkundet werden kann. Wir sehen nämlich eine Eigenschaft der Gemütsstimmungen, die sich zurückziehen aus unserem Vorstellungsleben, wir schen eine Eigenschaft, die sie sich aneignen, und die außerordentlich wichtig ist: Dadurch, dass sie die Vorstellungen entlassen, gewinnen sie eine Macht. Und wir können uns sagen: Während wir früher von Ohnmacht der Erkenntnis des Vorstellungslebens im Bewusstsein sprachen, können wir gerade daran sehen, wie verbrauchte Gemütsstimmungen sich umsetzen oder Gemütsstimmungen ohne unser Zutun als Traumesvorstellungen sich so vor uns hinstellen, dass wir nicht die Macht haben, sie an der Logik zu korrigieren, [wir sehen], wie sich dieses Gemütsleben der äußeren Erfahrung durch die Sinne entreißt, entreißt dem äußeren Denken, das an das Gehirn gebunden ist. Da eignet sich dieses unterbewusste Seelenleben eine gewisse Macht an, eine gewisse Wirklichkeit.

[ 16 ] This is something quite primitive, but it can lead our understanding to what can be explored through spiritual science from the hidden depths of the soul. For we see a characteristic of the moods that withdraw from our life of imagination; we observe a characteristic that they acquire, and one that is extraordinarily important: by letting go of the images, they gain a power. And we can say to ourselves: Whereas we previously spoke of the powerlessness of conscious cognition regarding the life of imagination, we can see precisely in this how spent moods transform themselves, or how moods—without any intervention on our part—present themselves to us as dream images in such a way that we lack the power to correct them through logic, [we see] how this emotional life breaks free from external experience through the senses, breaks free from external thinking, which is bound to the brain. Thus, this subconscious life of the soul acquires a certain power, a certain reality.

[ 17 ] Zunächst ist diese Wirklichkeit eine solche, welche uns nur in uns selber, in unsere eigene Wirklichkeit führt. Solche Träume, die wie die eben besprochenen geartet sind, sind ein Abbild dessen, was wir aufgespeichert haben an Furcht und Hoffnung, an Angst und Zuversicht im Leben. Aber wir kommen da an etwas, was in unsere innere Verfassung hineinwirkt und was im Traumleben zum Ausdruck kommt. Wir kommen dabei aus uns selber nicht heraus, aber wir lernen ein Reales kennen und müssen sagen: Die Gemütsstimmungen mussten sich loslösen, um in uns real zu werden.

[ 17 ] To begin with, this reality is one that leads us only within ourselves, into our own reality. Dreams such as those just discussed are a reflection of what we have stored up in terms of fear and hope, anxiety and confidence in life. But we arrive at something that affects our inner state and finds expression in our dream life. In doing so, we do not step outside ourselves, but we come to know a reality and must say: These emotional states had to detach themselves in order to become real within us.

[ 18 ] Wie die Verfassungen, diese Gemütsstimmungen da unten wirken, wie das, was sich von den Vorstellungen loslöst, wirkt, das kann man sehen, wenn man die öfter besprochene Schulung ins Auge fasst, die der durchmachen muss, welcher wirklich zu einem Erkenner der geistigen Welt werden will. Sie finden — das kann natürlich heute nicht ausführlich besprochen werden –, Sie finden die Vorschriften dafür, wie man eindringen kann in das, was da heruntergestiegen ist in die Seelentiefen und was uns gesund oder krank erscheinen lässt und nur in flüchtigen Traumbildern sich zeigt, in der Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?».

[ 18 ] How these constitutions—these states of mind down there—work, and how that which detaches itself from the ideas works, can be seen when one considers the training—often discussed—that one must undergo if one truly wishes to become a knower of the spiritual world. You will find—though this, of course, cannot be discussed in detail today—you will find the instructions on how to penetrate into what has descended into the depths of the soul and what causes us to appear healthy or sick, and which reveals itself only in fleeting dream images, in the book *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds*.

[ 19 ] Durch die Schulung, durch Imagination, [Inspiration] und Intuition, wenn die Seele lebendig untertaucht – nicht in solch unbestimmter Weise, wie in den beiden Fällen, die angeführt worden sind –, wenn die Seele lebendig untertaucht, dann lernt der Mensch, allerdings auch nur als Erstes, was ihm entgegentritt, sich selber kennen. Alle Methoden der Meditation, der Konzentration, sie gehen in gewisser Weise durch das Studium einer tiefen Selbsterkenntnis. Sie führen nicht zu der Selbsterkenntnis, von der man meint, man habe sie erschöpft, wenn der Mensch einen gewöhnlichen Blick tut in die Kräfte, mit denen er im alltäglichen Leben wirkt, sondern sie führen den Menschen dahin, wo jene tiefe Individualität in ihm ist, in welcher jene Gemütsstimmungen sind. Er lernt kennen, was in seinen verborgenen Seelentiefen schlummert, wie unter einer Decke bewahrt bleibt. Und da muss der Mensch sich bekannt machen damit, dass, wenn aus dem Seelischen heraus die Kräfte herauftauchen für seine Gesundung oder Erkrankung, dass er da völlig neue Erkenntnisse sich aneignen kann über die Eigentümlichkeiten dieses verborgenen Selbstes.

[ 19 ] Through training, through imagination, [inspiration], and intuition—when the soul immerses itself fully—not in such an indefinite way as in the two cases mentioned—when the soul immerses itself fully, then the human being learns, albeit only as a first step, to know himself. All methods of meditation and concentration, in a certain sense, involve the study of deep self-knowledge. They do not lead to the kind of self-knowledge that one thinks one has exhausted by merely casting a casual glance at the forces with which one acts in everyday life; rather, they lead the person to that place within them where that deep individuality resides, in which those moods are found. One comes to know what lies dormant in the hidden depths of the soul, preserved as if under a blanket. And here one must become acquainted with the fact that when forces emerge from the soul—whether for one’s healing or illness—one can gain entirely new insights into the peculiarities of this hidden self.

[ 20 ] Es können ja nur wirkliche Ergebnisse der Geistesforschung angeführt werden. Namentlich lernt der Mensch kennen, wie auf sein Gesamtwesen wirken Stimmungen der Freude, Entzücken, Seligkeit, Stimmungen der Traurigkeit und Melancholie, Eindrücke des Hässlichen oder Eindrücke des Schönen, Eindrücke des Irrtums, Täuschungen, Eindrücke der Wahrheit oder Weisheit. Ja, da lernt man erkennen, dass alles das, was jetzt genannt wurde, die Eindrücke, die wir über Freudiges oder über Trauriges, über Schönes oder Hässliches empfinden, zusammenhängen mit dem Werden und Vergehen von etwas, was da tiefer im Menschen verborgen ist, sodass wir anfangen, wenn wir zu dieser Erkenntnis übergehen, nicht mehr so gleichgültig der Außenwelt gegenüberzustehen, sondern wissen lernen: Gewisse Dinge, die in der Welt spielen, wirken reell vernichtend, nehmen etwas weg; andere wirken so befruchtend, dass sie uns fördern.

[ 20 ] After all, only genuine findings from spiritual research can be cited. In particular, a person comes to understand how moods of joy, rapture, and bliss; moods of sadness and melancholy; impressions of ugliness or beauty; impressions of error and delusion; and impressions of truth or wisdom affect their entire being. Indeed, one comes to recognize that all of the above—the impressions we experience regarding joy or sadness, beauty or ugliness—are connected to the arising and passing away of something hidden deep within the human being, so that when we come to this realization, we no longer remain indifferent to the external world, but rather come to understand: Certain things that take place in the world have a truly destructive effect, taking something away; others are so enriching that they nurture us.

[ 21 ] Wir können nicht sagen, dass in dem Augenblicke, wo wir — bewusst oder unbewusst – Lügen ausführen, dass wir da wirklich etwas vernichten. Wir können nicht sagen, dass das, was in Lügen als vernichtend in unserem Wesen wirkt, was als Wahrheit befruchtend wirkt, dass das dasselbe sei wie draußen die Kräfte des Entstehens und Vergehens, aber etwas Verwandtes.

[ 21 ] We cannot say that at the very moment we—consciously or unconsciously—tell lies, we are actually destroying something. We cannot say that what in lies has a destructive effect on our being—and what in truth has a life-giving effect—is the same as the forces of becoming and passing away in the external world, but rather something akin to them.

[ 22 ] Der nicht seine Erkenntnis bildet an dem Punkt, wo die Seele sich fördert oder vernichtet durch das, was in seinem Gemüte sich abspielt, der verfolgt nicht den rechten Weg. Die Selbsterkenntnis, die sich abspielt in den verborgenen Untergründen der Seele, ist daher nicht das, was der Menschheit übergeben werden durfte in einer Zeit, wo die Menschheit noch nicht herangereift war, diese Selbsterkenntnis, die verwandt ist mit den Kräften des Entstehens und Vergehens, zu [erlangen]; sie muss erst jetzt der Menschheit einverleibt werden. Die schwache Menschheit wurde davor bewahrt, einzusehen, wie vernichtend Lügen, Täuschen, wie aufbauend Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit wirken. Gewöhnlich ist es so, dass man glaubt, Lügen und Täuschen oder Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit seien etwas, was man nur mit Vorstellungen beurteilen kann. Was aber da ist, ohne dass man es beurteilen kann, das dringt herunter in unser tiefstes Seelenleben und wirkt da als reale Kraft.

[ 22 ] He who does not base his understanding on the point where the soul is either nurtured or destroyed by what takes place within his mind is not following the right path. Self-knowledge, which takes place in the hidden depths of the soul, is therefore not something that could have been entrusted to humanity at a time when humanity had not yet matured enough to [attain] this self-knowledge, which is connected to the forces of becoming and passing away; it must only now be incorporated into humanity. Weak humanity was spared from realizing how devastating lies and deception are, and how uplifting honesty and sincerity are. It is usually the case that people believe lies and deception—or honesty and sincerity—are things that can be judged only through concepts. But what exists without being subject to such judgment penetrates deep into our innermost soul life and acts there as a real force.

[ 23 ] Das Selbsterkennen ist der wahre Ausgangspunkt für alle höhere Erkenntnis. Ein Mensch, der erkennen will, was da draußen lebt hinter dem Sinnlichen der Außenwelt, der muss untertauchen in sein Selbst und wird einsehen, dass moralische und Gemütskräfte nicht nur etwas Abstraktes sind, sondern etwas, das heruntertaucht und nicht nur für unseren ganzen Menschenwert, sondern für das ganze Menschensein das Maßgebende ist. Wie wir mit unserem Körper, den wir als Kleid unseres Selbstes tragen und der die Sinnesorgane hat, wie wir mit dem hineinwachsen in die äußere Sinneswelt, wie wir mit den Augen des Leibes diese Sinneswelt sehen, mit den Ohren diese Sinneswelt hören, mit dem Verstand, der im Gehirn sein Werkzeug hat, mit dieser Sinneswelt eine Verbindung herstellen, ein innerliches Nacherleben dessen entwickeln, was in der Sinneswelt außer uns ist, wie wir also durch unseren äußeren Menschen in Beziehung zur sinnlichen Außenwelt kommen, so kommen wir durch den Menschen, den wir — wie hier bezeichnet – in uns ausbilden, in Berührung mit geistigen Kräften und Impulsen der äußeren Umwelt.

[ 23 ] Self-knowledge is the true starting point for all higher knowledge. A person who wishes to understand what lies beyond the sensory realm of the external world must delve deep into their own self and will come to realize that moral and emotional forces are not merely abstract concepts, but something that reaches down to the core and is decisive not only for our entire human worth but for the very essence of human existence. Just as we grow into the external sensory world through our body—which we wear as a garment of our self and which possesses the sense organs—just as we see this sensory world with the eyes of the body, hear it with the ears, and establish a connection with it through the intellect, which has its instrument in the brain, develop an inner re-experiencing of what exists in the sensory world outside of us—in other words, just as we enter into a relationship with the external sensory world through our outer human being, so too do we come into contact with the spiritual forces and impulses of the external environment through the human being whom we—as described here—develop within ourselves.

[ 24 ] Wenn der Mensch mit den Augen hinausschaut in die Welt, so nimmt er Farben und Formen wahr. Wenn er sein in den tieferen Seelenkräften ruhendes Selbst entdeckt hat, dann taucht das, was in der äußeren Sinnenwelt ist, allerdings nicht in gewöhnlicher Weise auf, sondern es steigen auch die Realitäten der äußeren Außenwelt auf, und dann lernen wir einen neuen Zusammenhang der Dinge kennen, dasjenige, was zwischen den Wesen der Außenwelt steht.

[ 24 ] When a person looks out into the world with their eyes, they perceive colors and shapes. Once they have discovered their true self, which lies within the deeper powers of the soul, what exists in the external sensory world no longer appears in the usual way; rather, the realities of the external world also rise up, and we come to know a new connection between things—that which stands between the beings of the external world.

[ 25 ] Während wir nun mit dem ersten Schritt in diejenigen Qualitäten der Seelenkräfte kommen, die zerstörend und aufbauend wirken, so lernen wir dann kennen, dass das innere Selbst sich erweitert, sodass wir es nicht nur in seinem Entstehen und Vergehen haben, sondern dass wir es zusammenwirken fühlen mit der äußeren Wirklichkeit, mit der geistigen Wirklichkeit der äußeren Welt. Daher entstehen dann in diesen verborgenen Seelentiefen die Bilder der geistigen Umwelt.

[ 25 ] As we now take the first step into those qualities of the soul’s powers that have both destructive and constructive effects, we come to realize that the inner self expands, so that we experience it not only in its coming into being and passing away, but also as interacting with outer reality—with the spiritual reality of the outer world. Thus, images of the spiritual environment arise in these hidden depths of the soul.

[ 26 ] Der Mensch lernt auf dem Umwege durch sein Selbst die geistige Welt kennen. Mancherlei von dem, was einfach für die gewöhnliche Anschauung, die nur auf die äußere Sinneswelt beschränkt bleibt, manches, was da als undurchdringlich erscheint oder gar als Zufall, das enthüllt sich uns vor einer solchen Erkenntnis, innerhalb welcher das Selbst zusammenwächst in seinen verborgenen Tiefen mit der Umwelt. Das Eigentümliche hierbei ist: Je tiefer wir hinunterdringen in unser eigenes Selbst, umso mehr erweitert sich der Horizont, mit dem wir als äußere Welt zusammenhängen; je mehr wir in unsere Untergründe tauchen, desto mehr Geistiges der Außenwelt erkennen wir. Untertauchen in Seelenkräfte bedeutet, über den Glauben hinauszuschreiten, Wissenlernen von der geistigen Welt. Denn da unten sind wir viel tiefer verbunden mit dem Wesen der Dinge, als wir verbunden sein können mit den Sinnen und dem Verstand, der an das physische Gehirn gebunden ist. Wenn man sagen kann, das Bewusstsein hat sich einen größeren Horizont geschaffen, so ist zugleich eine Verbreitung des eigenen Selbstes und ein Eindringen in die geistigen Welten errungen. Man gelangt in verborgene Seelentiefen nicht anders, als dass damit nach und nach ein Eindringen in die geistige Außenwelt verbunden ist. Dabei tritt für denjenigen, welcher in regelrechter Schulung da hineindringt durch Beobachtung alles dessen, was wir durch die Erkenntnisse der höheren Welt erreichen können, eine wirkliche Erkenntnis der geistigen Untergründe des Daseins auf. Es tritt das auf, was durch Geisteswissenschaft beschrieben wird und was Sie in den theosophischen Büchern finden können.

[ 26 ] Human beings come to know the spiritual world indirectly through their own selves. Much of what appears simple to ordinary perception—which remains confined to the external sensory world—and much of what seems impenetrable or even random there is revealed to us through such insight, within which the self merges, in its hidden depths, with the external world. What is peculiar here is this: The deeper we penetrate into our own self, the more the horizon with which we are connected as an outer world expands; the more we dive into our inner depths, the more of the spiritual in the outer world we recognize. Diving into the powers of the soul means going beyond faith to gain knowledge of the spiritual world. For down there we are connected much more deeply to the essence of things than we can be through the senses and the intellect, which is bound to the physical brain. If one can say that consciousness has created a broader horizon for itself, then at the same time an expansion of one’s own self and a penetration into the spiritual worlds has been achieved. One reaches the hidden depths of the soul only by gradually penetrating the spiritual world outside oneself. In the process, for those who penetrate these depths through proper training—by observing all that we can attain through the insights of the higher world—a true understanding of the spiritual foundations of existence emerges. What emerges is what is described by spiritual science and what you can find in theosophical books.

[ 27 ] Aber es ist möglich – obgleich man in unserer Zeit einen unanfechtbaren Blick in die geistige Welt nur durch Schulung gewinnen kann –, dass gewisse Individualitäten Einblicke bekommen, die da kommen aus alten Erbstücken, durch Vererbung hellseherischer Eigenschaften, Einblicke, die nichts anderes sind als das Heruntersteigen in die verborgenen Seelentiefen, sodass da eine Erweiterung des verborgenen menschlichen Wesens über die Außenwelt hinaus eintritt, durch die der Mensch das wahrnimmt, was sonst dem äußeren Sinnen- und Verstandesleben verschlossen bleibt. Es kommen dann Ahnungen zustande, alles dasjenige, was der Mensch ohne die regelrechte Schulung erkennen kann – auch über das Schicksal der Seele, über das Schicksal der Seele zwischen Tod und neuer Geburt im Sinne der Reinkarnation. Auf der einen Seite kann das also durch regelrechte Schulung geschehen, auf der anderen Seite können diese verborgenen Seelentiefen sich selbst «heraufpressen». Wie Träume kann sich das entladen, was in den tieferen Untergründen ist und was nicht durch die Sinne oder den Verstand wahrgenommen werden kann; durch ein «zweites Gesicht» oder [Deuteroskopie] kann es zutage gefördert werden. Es können Erkenntnisse zutage gefördert werden auch über die Schicksale der menschlichen Seele, selbst wenn sie nicht im Leibe verkörpert ist.

[ 27 ] But it is possible—even though in our time an unquestionable insight into the spiritual world can be gained only through training— that certain individuals gain insights stemming from ancient hereditary traits—through the inheritance of clairvoyant qualities—insights that are nothing other than a descent into the hidden depths of the soul, so that an expansion of the hidden human being beyond the external world takes place, through which the human being perceives what otherwise remains hidden from the external life of the senses and the intellect. This gives rise to intuitions—all that a person can perceive without formal training—including the destiny of the soul, the destiny of the soul between death and rebirth in the sense of reincarnation. On the one hand, this can occur through formal training; on the other hand, these hidden depths of the soul can “push their way up” on their own. Like dreams, what lies in the deeper recesses and cannot be perceived by the senses or the intellect can be released; it can be brought to light through “second sight” or [deuteroscopy]. Insights can also be brought to light regarding the destinies of the human soul, even when it is not embodied in a physical body.

[ 28 ] Nur müssen wir uns klarmachen, in welcher Beziehung das eine oder andere für den Menschen förderlich ist oder nicht, müssen uns klarmachen, dass ein greifbarer Unterschied ist zwischen dem Schauen durch geistige Schulung und demjenigen Schauen, das sich gleichsam von selbst heraufpresst aus dem Verborgenen in die bekannten Seelentiefen hinein. Da besteht ein gründlicher Unterschied. Wenn der Mensch durch regelrechte Schulung, wie sie zum Beispiel in der «Geheimwissenschaft» angegeben ist, in die geistige Welt gelangt, so geschieht das so, dass der Mensch, nachdem er eingedrungen ist in die Seelentiefen, bewusst die dort verborgenen Kräfte heraufbringt. Es können jedoch auch Visionen mit der vollen Lebhaftigkeit eines Farben- und Tonspieles auftreten, entsprechend dem, was wir als Sinneseindrücke erhalten. Aber während wir diese so erhalten, dass wir wissen, wir müssen uns der Kontrolle der Außenwelt ergeben, lassen wir jene Farben und Töne der Visionen so auf uns wirken, dass wir nichts dazu tun – und dann werden wir zu Phantasten, zu Träumern. Solche Visionen sind unserer inneren Willkür, unserer Erzeugungskraft, der geistigen Willenskraft entzogen.

[ 28 ] We simply need to realize in what way one thing or another is beneficial or not for human beings; we need to realize that there is a tangible difference between seeing through spiritual training and the kind of seeing that, as it were, surges up of its own accord from the hidden realm into the known depths of the soul. There is a fundamental difference. When a person enters the spiritual world through proper training, such as that described, for example, in *The Secret Science*, it happens in such a way that, after penetrating the depths of the soul, the person consciously brings up the forces hidden there. However, visions can also arise with the full vividness of a play of colors and tones, corresponding to what we receive as sensory impressions. But while we receive these impressions in such a way that we know we must submit to the control of the external world, we allow the colors and sounds of the visions to affect us without doing anything about them—and then we become fantasists, dreamers. Such visions are beyond our inner volition, our creative power, and our spiritual willpower.

[ 29 ] Umgekehrt – bei der Schulung müssen wir in den verborgenen Untergründen unserer Seele das so erleben, dass wir wissen: Was da ist, das ist durch unsere freie Willkür, durch unsere Erzeugungskraft hervorgebracht. Nur wenn man weiß: Das ist von dir gemacht, was du wahrnimmst [Lücke in der Mitschrift], denn du musst — weil du ein Geistiges erlebst, das sonst in der äußeren Welt nicht wahrnehmbar ist —, das, was du erlebst, erfüllen mit Farben und Tonklängen, dann bleibt der Mensch vor Täuschung bewahrt. Wenn ihm die Visionen mit der vollen Lebhaftigkeit eines Farbenspieles entgegentreten, dann ist er einer, der halluziniert. In dem Augenblick, wo sich ihm das Erschaute hinstellt wie eine Sinneswahrnehmung, ist es eine Halluzination; so lange gehört es noch nicht in das Gebiet regelrechter Hellsichtigkeit, sondern dies gehört in das Gebiet, wo die verborgenen Seelenkräfte ohne des Menschen bewusste Willenskräfte, ohne willkürliche Schulung hervortreten.

[ 29 ] Conversely—during our training, we must experience this in the hidden depths of our soul in such a way that we know: What is there has been brought forth by our free will, by our creative power. Only when one knows: “What you perceive is created by you” [gap in the transcript], for you must—because you are experiencing something spiritual that is otherwise imperceptible in the outer world—fill what you experience with colors and sounds; only then is a person protected from delusion. If the visions appear to him with the full vividness of a play of colors, then he is someone who is hallucinating. The moment what is seen presents itself as a sensory perception, it is a hallucination; as long as that is the case, it does not yet belong to the realm of true clairvoyance, but rather to the realm where the hidden powers of the soul emerge without the person’s conscious willpower and without deliberate training.

[ 30 ] Wenn die Dinge, die der geschulte Hellseher kontrollieren kann in Bezug darauf, wie sie sich vor ihn hinstellen, wenn sie sich ohne solche bewusste Willenskraft hineinstellen in die seelische Vorstellung, ohne dass die durch Schulung erzeugte innere Selbsttätigkeit hinzutritt, dann befindet man sich auf Gebieten ungeschulten Hellsehens, und dann ist der Mensch den Kräften hingegeben, die hineinspielen in seine verborgenen Seelentiefen, dann ist er unfrei. Dann ist er mit allen Gefahren verknüpft, mit denen er verknüpft sein muss, wenn er ohne bewusste Willenskraft mit der übersinnlichen Wirklichkeit in Verbindung steht. In der sinnlichen Welt entpuppt sich jedes Phantasma von selbst. In der geistigen Welt aber ist in dem Augenblicke, wo sich die Dinge von selber hinstellen, nicht mehr in objektiver Weise zu unterscheiden zwischen Wirklichkeit und Phantasie, und da ist die Gefahr gegeben, dass die menschliche Willenssphäre in irgendeiner Weise berührt wird und der Mensch – statt als Individualität der geistigen Welt gegenüberzustehen – hingegeben ist den Dingen, die in den verborgenen Untergründen seiner Seele spielen; so wie sonst das unbewusste Seelenleben heraufspielt, wie das Meereswellengekräusel über Meerestiefen, so spielt das Ich, die eigene Persönlichkeit, [wird] wie aufgeschlagen und wieder herabgestürzt, [und er wird von anderer Seite gelenkt, durch] Halluzinationen [und Visionen], [...] getragen von verborgenen Seelentiefen, und es kann zwar eintreten, [dass das] dem Außenstehenden, dem, der wissenschaftlich untersuchen will, als Phänomen, als Bestimmtes geboten wird, [sodass dieser] unterscheiden [kann], was da von dem, was er sieht, wirkliche objektive Realität ist, und was Phantasterei; aber es kann da nur zu einer fruchtbaren Beobachtung kommen, wenn ein geschultes Hellsehen die Kritik übt.

[ 30 ] When the things that a trained clairvoyant can control—in terms of how they present themselves to him—enter his mental imagination without such conscious willpower, and without the inner autonomy developed through training coming into play, then one is in the realm of untrained clairvoyance, and then the person is at the mercy of the forces that play a role in the hidden depths of their soul; then they are not free. Then they are subject to all the dangers they must face when they are in contact with the supersensible reality without conscious willpower. In the sensory world, every phantasm reveals itself for what it is. In the spiritual world, however, at the very moment when things present themselves of their own accord, it is no longer possible to distinguish objectively between reality and fantasy, and there lies the danger that the sphere of human will will be affected in some way, and that the human being—instead of facing the spiritual world as an individual—will be at the mercy of the forces at work in the hidden depths of his soul; just as the unconscious life of the soul otherwise surges upward, like the rippling of ocean waves over the ocean depths, so the “I,” one’s own personality, [is] as if tossed up and then plunged back down, [and one is guided from another direction, by] hallucinations [and visions], [...] carried by hidden depths of the soul, and it may indeed happen [that this] is presented to the outsider—to the one who wishes to investigate scientifically—as a phenomenon, as something definite, [so that the latter] can distinguish [between] what, of what he sees, is true objective reality, and what is fantasy; but fruitful observation can only arise when a trained clairvoyant exercises critical judgment.

[ 31 ] Es kann eine fruchtbaren Beobachtung sich daraus ergeben, auf diese Weise Erkenntnisse herauszuholen aus den Seelentiefen, und da die Wissenschaft [als Gegenstand alles] nehmen darf, von wo es auch kommen mag, was sie [dann] in rechte Erkenntnis aufnehmen muss, kann nicht als von etwas Unerlaubtem gesprochen werden, [wenn] diese Dinge geprüft werden, die auch der ungeschulte Hellseher sieht [und die] auf richtigem, brauchbaren Wahrnehmen [dessen] beruhen können, was ungeheuer tief in die verborgenen Untergründe der Seele führt. Es kann gerade heute in außerordentlicher Weise fruchtbar sein das, was der objektive, kritische Hellseher in Bezug auf die Tatsachen, die sich durch das ungeschulte Hellsehertum ergeben, vorbringen kann. Ich darf da immer wiederum und wiederum auf den Umstand hinweisen, dass wir jetzt ein schönes Buch haben – wie ich schon öfter hingewiesen habe –, das neben der sogenannten esoterischen Hellsichtigkeit auch von dieser Seite das Hellsehen beleuchtet: «Das Mysterium des Menschen», von Ludwig Deinhard geschrieben.

[ 31 ] It can be a fruitful exercise to draw insights in this way from the depths of the soul, and since science is permitted to take [as its subject] everything, no matter where it may come from—which it must [then] incorporate into true knowledge—there can be no question of anything impermissible, [if] these things—which even the untrained clairvoyant perceives [and which] may be based on correct, useful perception—are examined, as they lead incredibly deep into the hidden recesses of the soul. What the objective, critical clairvoyant can contribute regarding the facts that arise through untrained clairvoyance can be extraordinarily fruitful, especially today. I would like to point out again and again that we now have a wonderful book—as I have mentioned on several occasions—that sheds light on clairvoyance from this perspective as well as from the so-called esoteric perspective: *The Mystery of Man*, written by Ludwig Deinhard.

[ 32 ] So also muss man nicht außer Acht lassen, wenn bei Besprechungen der verborgenen Tiefen des Seelenlebens die Rede ist von dem Unterschied der regelrechten Schulung und demjenigen Hellsehen, das mit elementarer Gewalt sich loslöst und aus dem Unterbewussten in das Bewusste hinaufsteigt, dass hier mit kritischen Mitteln untersucht werden muss, während derjenige, der sein Bewusstsein erweitert hat in sich selbst, die Kritik übernimmt und die Kontrolle selbst ausüben kann. Da wird in unserer Kultur ein Zeitalter kommen, in dem die Individualität mehr ihr Selbst herauskehren wird, wo die Menschheit «einlaufen» wird in das, was durch regelrecht geschultes Hellsehen erlangt werden kann, wo das eingeführt sein wird in die Kultur. Wenn ihm das klargelegt wird, kann der Mensch das dann an dem Leben selbst, an den gewöhnlichen Dingen des Lebens prüfen.

[ 32 ] Thus, when discussing the hidden depths of the soul’s life and distinguishing between proper training and that form of clairvoyance which breaks free with elemental force and rises from the subconscious into the conscious, one must not overlook the fact that the latter must be examined with critical methods, whereas the one who has expanded his consciousness within himself can take on the role of the critic and exercise control themselves. A time will come in our culture when individuality will express itself more fully, when humanity will “enter” into what can be attained through properly trained clairvoyance, and when this will be integrated into culture. Once this is made clear to them, people will then be able to test it in life itself, in the ordinary things of life.

[ 33 ] Es ist nun noch ein anderer Unterschied zwischen dem geschulten Hellseher und demjenigen, der durch elementare, primitive Kräfte sein Hellsehen «bloßgelegt» hat, nämlich der, dass der geschulte Hellseher zunächst zu den Erkenntnissen kommt, die allgemein sind; und er kommt dazu, einzusehen, wie sich der sichtbare menschliche Leib von dem übersinnlichen menschlichen Wesen unterscheidet, einzusehen, wie der Mensch als mehrgliedriges Wesen mit sichtbaren und unsichtbaren Gliedern begabt ist, einzusehen, was da ist zwischen Geburt und Tod, nicht bloß in einem Leben, sondern in mehreren. Er kommt zum Begreifen alles dessen, was sich als Erlebnisse ergibt in diesem Leben innerhalb von Geburt und Tod und zwischen Tod und neuer Geburt, auch zum Begreifen dessen, was des Menschen Ursprung ist, was der Gang der großen Weltordnung wurde, wovon wir übermorgen hier im Vortrag ein Beispiel darlegen werden. Zur Erkenntnis der alle Menschen angehenden Dinge kommt der Hellseher, und er arbeitet sich so durch, dass er jeden Schritt mit einer großen Vorsicht durchmacht, sodass er erst die eigenen intellektuellen Vorgänge kennenlernt und nicht leichtsinnig Mitteilung macht über die Schicksale irgendeiner entkörperten Seele. Er kann sich dahin durcharbeiten, auch solche individuelle Verhältnisse wahrzunehmen, das in den Alltag hineinspielende Geistige zu erleben, aber er dringt aus dem Allgemeinen und mit Mühe erst zum Individuellen vor. Er erkennt zuerst, dass der Mensch überhaupt einen ätherischen Leib hat, aber erst später den einzelnen Ätherleib.

[ 33 ] There is yet another difference between the trained clairvoyant and the one who has “unleashed” his clairvoyance through elemental, primitive forces, namely that the trained clairvoyant first arrives at insights that are general; and he comes to understand how the visible human body differs from the supersensible human being, to understand how the human being, as a multi-part being, is endowed with visible and invisible parts, to understand what lies between birth and death—not merely in one life, but in many. He comes to understand everything that arises as experiences in this life—within the span of birth and death and between death and new birth—as well as to understand the origin of the human being and the course of the great world order, an example of which we will present here in the lecture the day after tomorrow. The clairvoyant arrives at an understanding of matters that concern all human beings, and he works his way through this process by taking each step with great caution, so that he first becomes acquainted with his own intellectual processes and does not recklessly make statements about the fates of any disembodied soul. He can work his way toward perceiving such individual circumstances and experiencing the spiritual forces at play in everyday life, but he advances from the general to the individual only with great effort. He first recognizes that human beings have an etheric body in general, but only later does he recognize the individual etheric body.

[ 34 ] Beim ungeschulten Hellseher nur ist bei dem SichLosringen der verborgenen Seelentiefen das Umgekehrte der Fall; der beginnt bei Visionen, die eigentlich scharf kontrolliert werden müssen; er beginnt mit Einzelnem, mit Alltäglichem. Eigentümlich ist, dass er im Grunde wenig Interesse hat für das, was allgemeine große Erkenntnisse sind. Gerade bei denjenigen, die sich noch ein altes, atavistisches Hellsehen bewahrt haben, kann man konstatieren, dass sie für die Dinge wenig Interesse haben, [die durch die Geisteswissenschaft als für alle Menschen bedeutsam sich erweisen müssen]. Und keinerorts findet man so hochnäsige Menschen unter den Hellsehern als diejenigen, die ein auf naturgemäße Weise überkommenes Hellsehen ihr Eigen nennen.

[ 34 ] Only in the case of the untrained clairvoyant is the opposite true when it comes to delving into the hidden depths of the soul; he begins with visions that actually need to be strictly controlled; he begins with the particular, with the everyday. What is peculiar is that, deep down, he has little interest in what are generally considered great insights. It is precisely among those who have retained an ancient, atavistic form of clairvoyance that one can observe a lack of interest in the things [that spiritual science must prove to be significant for all human beings]. And nowhere among clairvoyants are there people as haughty as those who claim to possess a form of clairvoyance handed down in a natural way.

[ 35 ] So sehen wir dasjenige, was uns in die verborgenen Tiefen unseres Seelenlebens führt und was uns da gesund und krank macht, sehen das, was uns mit der geistigen Welt verbindet. Nun ist es natürlich, dass das nicht erst dadurch da ist, dass man es erkennt, dann erst da ist, wenn der Mensch hinuntertaucht und es erschaut; es ist ebenso wahr schon vor der Erkenntnis da gewesen, wie ebenso wahr der Walfisch da gewesen ist, bevor der Mensch ihn gesehen hat.

[ 35 ] Thus we see that which leads us into the hidden depths of our inner life—and what makes us healthy or sick there—and we see that which connects us to the spiritual world. Now, it is natural that this does not come into being only through recognition—that it does not exist only when a person delves down and beholds it; it is just as true that it existed even before recognition as it is true that the whale existed before a person saw it.

[ 36 ] Wir hängen also mit unserem verborgenen Seelenleben tief mit der geistigen Welt zusammen, die da ist. Da spielen die geistigen Untergründe hinein, und nicht verwundern darf es uns, wie da unten ein viel tieferes Wesen liegt, als heraufdringt und uns zum Bewusstsein kommt. Wir sehen da, in den verborgenen Untergründen eigentlich die Basen liegen, die uns an die geistige Welt anschließen, und dass da hineinwirken die Kräfte, die aus den geistigen Welten kommen. Nur ein Teil tritt in unser Bewusstsein, sodass unser Bewusstsein nur ein Teil dessen ist, was wir eigentlich sind. Aber dieses Bewusstsein des Menschen ist doch dadurch da, dass der Mensch in die Lage kommt, dass das, was aus seinen verborgenen Seelentiefen heraufdringen kann, auf eine höhere Stufe heraufgehoben werden kann. Denn wir sehen in mannigfacher Weise diese Dinge heraufdringen — das könnte verzerrt oder verschönt heraufdringen, wovon wir sonst nichts wissen —, was aber aus den geistigen Welten hineindringt in unsere Seelentiefen und nach oben strebt, das macht sich geltend in dem Erhabenen, in dem Schönen, was das Bewusstsein kontrollieren kann.

[ 36 ] Thus, through our hidden inner life, we are deeply connected to the spiritual world that exists. Spiritual undercurrents come into play here, and we should not be surprised that a much deeper essence lies beneath than what rises to the surface and enters our consciousness. We see that the foundations that connect us to the spiritual world actually lie there, in the hidden depths, and that forces originating from the spiritual worlds are at work there. Only a part enters our consciousness, so that our consciousness is only a part of what we actually are. But this human consciousness exists precisely because the human being is able to elevate to a higher level that which can rise up from the hidden depths of the soul. For we see these things emerging in manifold ways—they might emerge distorted or embellished, things of which we otherwise know nothing—but what penetrates from the spiritual worlds into the depths of our soul and strives upward asserts itself in the sublime and the beautiful, which consciousness can control.

[ 37 ] Was tritt dann ein, wenn das, was aus den geistigen Welten eindringt in die verborgenen Tiefen des Seelenlebens, verändert wird auf dem Wege ins Bewusstsein hinauf? Dann ist es so, dass die Eindrücke sich ausleben können als künstlerische Phantasie, als dasjenige, über das uns niemand als die Künstler sagen können: Die Dinge sind da, sie dringen aus der Tiefe der Seele herauf. – Und dann begreifen wir die Ohnmacht des gewöhnlichen Bewusstseins, begreifen, wie der Künstler seine Seelentiefen bloßlegen will, wenn er sie auch nicht so wie der Hellseher vor sich hat, dass ihm wichtiger scheint, wie die Dinge sich durchdringen.

[ 37 ] What happens, then, when that which penetrates from the spiritual worlds into the hidden depths of the soul’s life is transformed on its way up into consciousness? Then it is the case that these impressions can find expression as artistic imagination—as that which no one but the artists can tell us about: “These things are there; they well up from the depths of the soul.”—And then we grasp the powerlessness of ordinary consciousness; we grasp how the artist seeks to lay bare the depths of his soul, even though he does not have them before him as the clairvoyant does, and how it seems more important to him to see how things interpenetrate one another.

[ 38 ] Alles, was der Mensch in seinem Bewusstsein haben kann, ohne dass die Außenwelt es anregt, kommt aus den verborgenen Tiefen des Seelenlebens. Auch das, was ein jeder braucht, um dieses Leben zu einem fruchtbaren zu machen, muss aus den verborgenen Tiefen des Seelenlebens heraufsteigen. Nicht nur der Dichter braucht das, nicht nur der Künstler braucht das, auch der Kaufmann, der Ingenieur — ein jeder braucht diese befruchtende Anregung aus diesen verborgenen Tiefen der Seele. Wir sehen schon, worin diese Tiefen in Wahrheit wurzeln, wenn das, was da unten liegt, heraufsteigt in das Bewusstsein. Wenn es ihn durchdringt und sich so hinstellt, dass es wahrnehmbar, auffassbar, erlebbar ist, dann wird es abhängig von der Art und Weise, wie der Mensch es aufnehmen kann. Wenn einer Anlage hat, nicht nur das aufzunehmen, was durch äußere Sinne und durch den an die Sinne gebundenen Verstand wahrzunehmen ist, sondern Anlage hat, in Bildern, in schöner Phantasie aufzunehmen, was in den verborgenen Tiefen seiner Seele lebt, dann kann er das in Bildern geben, was er nicht aus der Natur schöpfen kann, was aber in den verborgenen Tiefen seiner Seele lebt.

[ 38 ] Everything a person can have in their consciousness without being stimulated by the outside world comes from the hidden depths of the soul. Even what each person needs to make this life a fruitful one must rise up from the hidden depths of the soul’s life. It is not only the poet who needs this, nor only the artist; the businessman and the engineer as well—everyone needs this enriching inspiration from these hidden depths of the soul. We can already see where these depths are truly rooted when what lies down there rises into consciousness. When it permeates a person and presents itself in such a way that it is perceptible, comprehensible, and experiential, then it depends on the way in which the person can receive it. If a person has the capacity not only to take in what can be perceived through the external senses and the intellect bound to the senses, but also has the capacity to take in—through images and beautiful imagination—what lives in the hidden depths of his soul, then he can express in images what he cannot draw from nature, but which lives in the hidden depths of his soul.

[ 39 ] Wenn aber der Mensch so angelegt ist, dass er lügenhaft ist, dann wirken allerdings auch die verborgenen Tiefen herauf, aber so, dass auf dem Wege aus den verborgenen Tiefen in das Offenbare [der Mensch durch dasjenige aus den verborgenen Seelenkräften, was er nicht kontrollieren kann an der äußeren Wirklichkeit, den Charakter annimmt und auftritt als ein Lügner, als ein Täuscher oder dergleichen]. So können wir sehen, wie diese verborgenen Seelenkräfte den einen zum Künstler, den anderen zum Lügner machen können. Das ist dasjenige, was nötig ist zu erkennen, um einzudringen in das, was der Mensch in seinen verborgenen Seelenkräften hat.

[ 39 ] But if a person is inherently prone to lying, then the hidden depths do indeed exert their influence, but in such a way that, on the path from the hidden depths to the manifest [the person, through that aspect of the hidden soul forces which he cannot control in relation to external reality, takes on the character and appears as a liar, a deceiver, or the like]. Thus we can see how these hidden soul forces can make one person an artist and another a liar. This is what one must recognize in order to penetrate into what a person possesses in his hidden soul forces.

[ 40 ] Nur das sollte heute zunächst erreicht werden: zu erkennen, dass alles, was sich im bewussten Seelenleben abspielt, wurzelt in Untergründen der Seele, in den Untergründen, die wir noch in so mancher anderen Art finden.

[ 40 ] That is all we should aim to achieve for now: to recognize that everything that takes place in conscious soul life is rooted in the depths of the soul—depths that we find in so many other forms as well.

[ 41 ] Zum Schluss will ich nur noch sagen – denn es drängt die Zeit —, dass wir im gewöhnlichen Leben gerade in unserem Bewusstsein, im Zusammenleben mit der Außenwelt, im Wahrnehmen durch die Sinne und den Verstand, verschmelzen mit dieser Außenwelt, dass wir in den wichtigsten Dingen das, was wir im Innern haben, was unseres Wesens Kern ist, nicht unterscheiden können vom Äußeren. Der Mensch ist nicht geeignet, seinen Seelenkern loszulösen von dem, mit dem er äußerlich verwachsen ist. Darum muss er den Weg nehmen in sein Inneres. Ihn kann er nehmen, wenn er sich vorstellt, wie aus der Morgenröte sich heraushebt der Sonnenball dasjenige, was wir [dabei] im Innern erleben, können wir am besten daran erkennen, dass es bei dem einen ist, bei dem anderen nicht. Und wenn wir im Mitleid sind für irgendetwas, was der Mitmensch erlebt, dann können wir das, was in verborgenen Tiefen lebt, nicht trennen von dem Anblick des Mitleids und des Schmerzes; wir wachsen damit zusammen.

[ 41 ] In closing, I would just like to say—since time is pressing—that in our everyday lives, precisely in our consciousness, in our interaction with the external world, and in our perception through the senses and the intellect, we merge with this external world; that in the most important matters, we cannot distinguish what we have within—the core of our being—from the external world. Human beings are not capable of detaching the core of their soul from that with which they are outwardly intertwined. That is why they must take the path inward. They can take this path when they imagine how the sun rises from the dawn; what we experience inwardly in that moment can best be recognized by the fact that it is present in one person but not in another. And when we feel compassion for something our fellow human beings are experiencing, we cannot separate what lives in hidden depths from the sight of that compassion and pain; we become one with it.

[ 42 ] Aber es gibt einen Weg, der von diesem bewussten Seelenleben hineinführt in etwas, was man aus dem Glauben eines so großen Menschen wie Goethe entnehmen kann: dass nicht das, was in der Außenwelt, sondern das, was in der geistigen Umwelt lebt, das Bedeutungsvolle ist, und hierzu sind im Grunde genommen alle Sternenwelten, alles, was in der Außenwelt wirkt, zu rechnen.

[ 42 ] But there is a path that leads from this conscious inner life into something that can be gleaned from the faith of a man as great as Goethe: that what is significant is not what exists in the outer world, but what lives in the spiritual realm—and fundamentally, all the starry worlds, everything that is active in the outer world, must be included in this.

[ 43 ] Wenn es nicht in der menschlichen Seele ein eigenes Leben erweckt, wenn wir nur in demjenigen stecken bleiben, was uns mit der Außenwelt verbindet, wenn wir nur in dem Bewusstsein bleiben, dann werden wir nicht in das Geistige eindringen. Aber wir können den Weg in die geistige Welt finden.

[ 43 ] If it does not awaken a life of its own within the human soul, if we remain stuck only in what connects us to the outside world, if we remain only in consciousness, then we will not penetrate into the spiritual realm. But we can find the path into the spiritual world.

[ 44 ] Wenn wir in die Vergangenheit zurückblicken und sehen: Davon können uns bis zu einem gewissen Zeitpunkt Eltern und Geschwister erzählen; wenn wir aber zurückgehen bis zu dem Punkt, wo unser Erinnerungsleben erwacht –, dann sehen wir, dass wir nicht nur äußere Erlebnisse durchgemacht haben, sondern dass mit diesen Erlebnissen noch etwas anderes verbunden ist: der Träger unserer Erlebnisse, dasjenige, was wir unser Ich nennen. Durch die Rückblicke auf unser Leben können wir unsere eigene Entwicklung anschauen. Da fühlen wir, wie wir reifer und immer reifer geworden sind, denn wir fühlen, wir haben zugenommen an Lebenserfahrung. Eines ist es, was wir uns da sagen müssen: Das Wichtigste, was wir gelernt haben, ist eigentlich ein solches, dass wir es im Leben nicht verwerten können. Unsere schönste Lebensreife haben wir erlangt durch die Fehler, die wir gemacht haben. Wir wissen erst, wenn wir etwas gemacht haben, wie wir es besser machen können. Das Wichtigste lernt der Mensch durch das, was unwiederholbar ist, am meisten an dem, was vergangen ist. Gerade mit dem Intimsten, was in unserer Seele ist, empfindet man, dass in uns etwas entstanden ist, wovon der Materialist sagt: Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geht, verschwindet es, oder höchstens wird es der menschlichen Gattung übergeben, dem Kulturleben. – Der Geistesmensch aber weiß, dass das, was er im tiefsten Innern erlebt hat, er keinem anderen übergeben kann. Da zeigt sich, wenn er sich in die verborgenen Tiefen begibt, da zeigt sich, dass unmittelbar in uns erfüllt werden kann, was wir in uns ausreifen lassen. Wenn wir unser Leben verfolgen und finden, du bist [...] hineingeboren in gewisse Familienverhältnisse, in eine gewisse Umgebung, dann tritt so etwas ein – wenn wir unser Schicksal erkenntnismäßig nicht mit dem gewöhnlichen Bewusstsein auffassen, sondern an Kräfte appellieren, die dem gewöhnlichen Bewusstsein gegenüber ein wenig verborgen sind –, etwas, was nicht so sehr Erkenntnis werden kann, sondern was Willensimpuls werden kann, indem wir rückläufig unser Leben betrachten und unser Schicksal, wie es war, als wir hineingestellt wurden ins Leben, dann aber den Entschluss fassen, abzugehen von den Erfahrungen de: gewöhnlichen Bewusstseins. Wer sich mit gewöhnlichem Bewusstsein dem Schicksal gegenüberstellt, wer sagt, es hat uns alles durch Zufall betroffen, der wird grollen mit dem Schicksal, der wird Groll empfinden. Wenn wir von diesen Eigentümlichkeiten wie Antipathie und Sympathie gegenüber dem Schicksal abgehen und appellieren an eine Kraft, die wir in uns entwickeln können, an die Kraft der Nichteigenwilligkeit – den eigenen Willen eine Weile schweigen lassen, gelassen uns diesem Schicksal gegenüberstellen und uns einmal der Vorstellung hingeben: Wie kommt es denn, dass dieses Schicksal da ist? Es setzt sich ja fort durch unser Ich. War unser Ich früher nicht da?

[ 44 ] When we look back on the past and see: Our parents and siblings can tell us about this up to a certain point; but when we go back to the point where our memory awakens—then we see that we have not only gone through external experiences, but that something else is connected to these experiences: the bearer of our experiences, that which we call our “I.” By looking back on our lives, we can observe our own development. There we feel how we have become more and more mature, for we sense that we have gained life experience. There is one thing we must tell ourselves: The most important thing we have learned is actually something we cannot put to use in life. We have attained our greatest maturity through the mistakes we have made. It is only after we have done something that we know how to do it better. People learn the most important things through what cannot be repeated—most of all from what has passed. It is precisely through the most intimate aspects of our soul that we sense something has emerged within us, about which the materialist says: When a person passes through the gate of death, it disappears, or at most is handed over to the human race, to cultural life. – The spiritual person, however, knows that what he has experienced in his innermost being, he cannot pass on to anyone else. When he ventures into the hidden depths, it becomes clear that what we allow to mature within us can be fulfilled directly within us. When we trace our lives and realize that we were [...] born into certain family circumstances, into a certain environment, then something happens—when we do not perceive our destiny through ordinary consciousness, but appeal to forces that are somewhat hidden from ordinary consciousness— something that cannot so much become knowledge, but rather can become an impulse of the will, as we look back on our life and our destiny as it was when we were placed into life, but then resolve to turn away from the experiences of ordinary consciousness. Anyone who confronts destiny with ordinary consciousness, anyone who says that everything has befallen us by chance, will resent destiny; they will feel resentment. If we move away from these tendencies—such as antipathy and sympathy toward fate—and appeal to a force we can develop within ourselves, to the force of self-effacement—allowing our own will to be silent for a while, facing this fate with equanimity, and surrendering for a moment to the thought: How is it that this fate exists? After all, it continues through our “I.” Wasn’t our “I” there before?

[ 45 ] Suchen wir unser Ich, indem wir gelassen unser Schicksal ansehen, und verfolgen wir jetzt unser Ich weiter zurück, so finden wir, dass durch eine solche tiefere Lebensbetrachtung unser Ich mit dem Schicksal zusammenwächst, und wir begreifen unser Schicksal so, als wäre unser Ich in dieses Schicksal beschlossen und in ihm bewirkt, bevor wir da waren. Dann kommen wir dahin, zu sehen, dass wir mit dem Besten, was in uns ist und das wir haben heranreifen lassen, hindurchgehen durch die Pforte des Todes, und dass das, was wir in früheren Leben erlebt haben, als Schicksal in unserem nächsten Leben mit unserem Ich wieder zusammentrifft. Wir sehen, dass es in den tiefen Seelengründen wirkt, und wenn wir diesen Leib verlassen, dann arbeitet das in uns fort, was wir uns als Kräfte angeeignet haben, um uns ein neues Leben zu zimmern. So sehen wir unsere eigene verborgene Wesenheit dieses Seelenlebens ein Neues aufbauen, sehen sie da unten real werden, im verborgenen Seelenleben zu aufbauenden Kräften werden.

[ 45 ] If we seek our true self by calmly contemplating our destiny, and if we now trace our true self further back, we find that through such a deeper contemplation of life, our true self merges with destiny, and we come to understand our destiny as if our true self were already contained within it and brought about by it before we even existed. Then we come to see that, with the best that is within us—and which we have allowed to mature—we pass through the gate of death, and that what we have experienced in previous lives rejoins our “I” as destiny in our next life. We see that it is at work in the depths of the soul, and when we leave this body, what we have acquired as forces continues to work within us to shape a new life for us. Thus we see our own hidden essence of this soul life building a new existence, see it becoming real down there, becoming constructive forces within the hidden life of the soul.

[ 46 ] Wenn wir so die Welt betrachten, so wachsen wir aus den verborgenen Tiefen herauf in die geistige Welt. Und die Erkenntnis, die herunterdringt in diese Tiefen, ist so wahr mit den geistigen Welten verbunden, wie Denken, Fühlen und Wollen die Kräfte unserer Seele sind, woran die Seele hängt als den Banden, die aus der geistigen Welt eindringen. Der Mensch findet, indem er da hineindringt, seinen Zusammenhang mit dem Makrokosmos, es wachsen die Kräfte aus dem Mikrokosmos, [es wächst der Mensch so] in den Makrokosmos hinein, wie [es dargestellt ist] in dem Drama «Die Prüfung der Seele», [und jede] Seele kann zu sich selber sagen:

[ 46 ] When we view the world in this way, we rise from the hidden depths into the spiritual world. And the insight that penetrates into these depths is as truly connected to the spiritual worlds as thinking, feeling, and willing are the forces of our soul—to which the soul clings as to the bonds that penetrate from the spiritual world. By penetrating into these depths, the human being finds his connection with the macrocosm; the forces grow out of the microcosm, [and the human being grows] into the macrocosm, just as [it is depicted] in the drama *The Trial of the Soul*, [and every] soul can say to itself:

In deinem Denken leben Weltgedanken,
In deinem Fühlen weben Weltenkräfte,
In deinem Willen wirken Weltenwesen.
Verliere dich in Weltgedanken,
Erlebe dich durch Weltenkräfte,
Erschaffe dich aus Willenswesen.
Bei Weltenfernen ende nicht
Durch Denkenstraumesspiel ---;
Beginne in den Geistesweiten,
Und ende in den eignen Seelentiefen: —
Du findest Götterziele,
Erkennend dich in dir.

Worldly thoughts dwell in your mind,
Worldly forces weave within your feelings,
Worldly beings act through your will.
Lose yourself in worldly thoughts,
Experience yourself through worldly forces,
Create yourself from beings of will.
Do not end in the distances of the worlds
Through the dream-like play of thought ---;
Begin in the expanses of the spirit,
And end in the depths of your own soul: —
You will find divine goals,
Recognizing yourself within yourself.