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Death and Immortality
in the Light of Spiritual Science
GA 69d

20 January 1913, Vienna

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Death and Immortality in the Light of Spiritual Science, tr. SOL
  1. Tod und Unsterblichkeit im Lichte der Geisteswissenschaft

12. Geisteswissenschaft und Naturwissenschaft in ihrem Verhältnis zu den Lebensrätseln

12. The Humanities and the Natural Sciences in Their Relationship to the Mysteries of Life

[ 1 ] Wenn über die Rätsel des Daseins von jenem Gesichtspunkte aus gesprochen wird, der gestern hier [charakterisiert] worden ist, so wird vor allen Dingen eine Frage jedem Menschen der Gegenwart aufstoßen müssen, der irgendwie solcher Betrachtung naherritt; es ist die Frage: Wie steht dasjenige, was [die] hier gemeinte Geisteswissenschaft zu sagen hat, zu den naturwissenschaftlichen Ergebnissen der Gegenwart, die im Laufe der letzten Jahrhunderte das geistige Leben der Menschheit von Triumph zu Triumph gebracht haben sowie dazu geführt haben, dass im Grunde genommen in der Gegenwart alles, was wir um uns herum haben, wie ein Resultat, wie eine Frucht der Naturwissenschaft erscheint. Nicht nur das äußere, materielle Dasein ist ganz durchtränkt von dem, was Naturwissenschaft uns gegeben hat, sondern auch in das menschliche Denken, Fühlen, Empfinden, in das ganze menschliche Geistesleben ist allmählich naturwissenschaftliches Denken eingedrungen, gibt ihm die Färbung, sodass man sagen kann: Demjenigen, der heute über die Frage des Geisteslebens sprechen will und in einen Widerspruch [sich] versetzen müsste mit den naturwissenschaftlichen Ergebnissen der Gegenwart, dem könnte von vornherein im Grunde nur wenig Glauben entgegengebracht werden. Die Naturwissenschaft hat eine Summe von Erkenntnissen geliefert, welche durch ihren inneren Wert, durch dasjenige, was sie als Verhältnis haben zum menschlich-natürlichen Wahrheitsgefühl, zum gesunden Menschenverstand, eindringen in unsere Seele, so eindringen, dass man eben mit Recht sagen muss: Irgendwo muss ein Fehler vorliegen, wenn eine Weltanschauung diesen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen zu widersprechen sich gedrängt fühlte. Dasjenige nun, was hier in Frage der Weltanschauung vertreten werden soll, das steht nun in vollem Einklang mit den berechtigten Ergebnissen der naturwissenschaftlichen Forschung der Gegenwart, obwohl es selbstverständlich fast in allen Punkten über dieses Ergebnis hinausgehen muss, wenn es sich darum handelt, die große Frage des Daseins, das bedeutsame Lebensrätsel, einer Lösung entgegenzuführen. Und welche sind denn diese großen Rätsel des Daseins? Es sind das nicht diejenigen, welche sich aufdrängen durch die eine oder andere naturwissenschaftliche Betrachtung; die größten Welträtsel drängen sich dem Menschen nicht auf aus der Wissenschaft heraus bloß, sondern sie drängen sich auf Schritt und Tritt im Leben [auf]; sie stehen sozusagen in jedem Augenblicke vor unserer Seele; und zusammenfassen können wir diese Rätsel des Daseins im Grunde genommen in zwei [Fragen]. Obwohl dasjenige, was hier als Geisteswissenschaft gemeint ist, sich nicht etwa erschöpft in diesen beiden Fragen, so muss doch gesagt werden, dass schließlich für das menschliche Interesse, für dasjenige, was der Mensch eigentlich haben will von der Geisteswissenschaft, alle diese geisteswissenschaftlichen Betrachtungen hinzielen [zuletzt] auf die zwei großen Rätselfragen, die man bezeichnen kann auf der einen Seite mit dem Worte: das Todesrätsel, das ja zugleich das Lebensrätsel ist, auf der anderen Seite das Schicksalsrätsel; das Todesrätsel, das zugleich das Schicksalsrätsel ist. Gewiss, meine verehrten Anwesenden, dieses Rätsel, [das Todesrätsel] wirft sich dem Menschen auf aus seinen Hoffnungen, aus seinen Wünschen, vielleicht auch aus seiner Angst und Furcht. [Bedrückend], dräuend steht es vor der Menschenseele, was da folgt, wenn die Seele durch die Pforte des Todes geschritten ist; es wirft sich die Frage auf, was das ist, was in ihr widerstehen kann dem vergänglichen Dasein seines Leibes, was etwa als ein Unvergängliches gegenüber dem Vorübergehenden bezeichnet werden kann. Wissenschaftlich wird allerdings diese Frage nicht aufgeworfen, wenn man sie aufwirft, wie sie meist aus der Seele ausfließt, wo in Sorge nach dem Schicksal der Seele nach dem Tode in gewisser Beziehung sich die Lösung der Frage gibt, wenn man es sich auch nicht eingesteht. [Der Mensch sagt sich]: Unerträglich wäre es, an eine Vernichtung des Daseins [nach dem Tode] zu denken, wo man sich alle möglichen sophistischen Gründe vormacht [für die Fortdauer der Seele] gegenüber dem Vergehen des Leibes. Demgegenüber darf allerdings betont werden, dass einen gewissen Respekt einflößen müssen diejenigen Menschen, welche im Verlaufe des neunzehnten Jahrhunderts es dazu gebracht haben, zu sagen, es sei eine besondere Art von Egoismus, dass der Mensch verlange, dasjenige, was er in der Seele habe als Inhalt, solle dauern über den Tod hinaus. Selbstloser finden es gewisse, wenn auch materiell denkende, edle Naturen, zu sagen: Was ich mir erarbeitet habe, was ich in meiner Seele aufgenommen habe, [das] übergebe ich dem allgemeinen Menschenleben, das opfere ich hin auf dem Altar der menschlichen Allgemeinheit. Und so muss in einem gewissen Sinne die [Gesinnung] edler angesehen werden als die, die aus Angst und Furcht heraus, aus Hoffnung und Wünschen heraus einen Glauben an eine Unsterblichkeit sich zimmert.

[ 1 ] When speaking of the mysteries of existence from the perspective that was [characterized] here yesterday, one question in particular must arise for every person of the present who has in any way come close to such a consideration; it is the question: How does what spiritual science—as understood here—has to say relate to the current findings of natural science, which over the course of the last few centuries have led humanity’s spiritual life from triumph to triumph and have resulted in the fact that, fundamentally speaking, everything around us today appears to be a result, a fruit of natural science? Not only is external, material existence completely permeated by what natural science has given us, but scientific thinking has also gradually penetrated human thought, feeling, and sensation—the entire human spiritual life—coloring it to such an extent that one can say: Anyone who today wishes to speak about the question of spiritual life and would thereby have to contradict the current findings of natural science could, from the outset, be accorded very little credence. Natural science has provided a body of knowledge which, through its intrinsic value—through its relationship to the human-natural sense of truth and to common sense—penetrates our soul so deeply that one must rightly say: There must be an error somewhere if a worldview felt compelled to contradict these scientific findings. Now, the worldview to be presented here is in full harmony with the well-founded findings of contemporary scientific research, although it must, of course, go beyond these findings in almost every respect when it comes to bringing the great question of existence—the profound mystery of life—closer to a solution. And what, then, are these great mysteries of existence? They are not the ones that impose themselves through one scientific observation or another; the greatest mysteries of the world do not impose themselves on human beings merely through science, but they present themselves at every turn in life; they stand, so to speak, before our soul at every moment; and we can essentially summarize these mysteries of existence in two [questions]. Although what is meant here by “spiritual science” is by no means exhausted in these two questions, it must nevertheless be said that, ultimately, for the sake of human interest—for what human beings actually seek from spiritual science—all these spiritual-scientific considerations ultimately point to the two great enigmatic questions, which can be described, on the one hand, by the term: the mystery of death, which is at the same time the mystery of life, and on the other hand, the mystery of fate; the mystery of death, which is at the same time the mystery of fate. Certainly, ladies and gentlemen, this mystery—[the mystery of death]—presents itself to human beings out of their hopes, their desires, and perhaps also out of their anxiety and fear. [Oppressive], looming, it stands before the human soul—what follows once the soul has passed through the gate of death; the question arises: what is it that within the soul can withstand the transitory existence of the body, what might be described as the imperishable in contrast to the transient? Scientifically, however, this question is not posed in the way it usually arises from the soul—where, in concern for the soul’s fate after death, the solution to the question presents itself in a certain sense, even if one does not admit it to oneself. [A person tells themselves]: It would be unbearable to think of the annihilation of existence [after death], when one conjures up all manner of sophistical arguments [for the survival of the soul] in the face of the body’s decay. In contrast, however, it must be emphasized that those people who, in the course of the nineteenth century, went so far as to say that it is a special kind of selfishness for a person to demand that the contents of their soul should endure beyond death deserve a certain respect. Certain noble souls, even if they think in material terms, find it more selfless to say: What I have earned, what I have absorbed into my soul, I surrender to human life as a whole; I sacrifice it on the altar of the human community. And so, in a certain sense, this [attitude] must be regarded as nobler than that which, out of fear and dread, out of hope and desire, constructs a belief in immortality.

[ 2 ] Aber von einer ganz anderen Seite her kommt das Todesrätsel, und das ist so recht das menschliche Lebensrätsel, wo man nachdenkt über die Ökonomie der Welt, wo man nachdenkt darüber, wie es sich mit den in der Welt einmal zutage getretenen angehäuften Kräften verhält. Der Mensch erwirbt – man kann das ganz unpersönlich betrachten – im Verlaufe seines Lebens, von Jahr zu Jahr, von Woche zu Woche, einen gewissen [inneren] Seeleninhalt; wer könnte ableugnen, dass dieser bei einem normalen Menschen immer weiter wird [gegen das Alter zu, immer reicher], immer innerlicher wird, immer mehr von Energie durchsetzt wird. Denjenigen nun, die meinen, dass der Seeleninhalt abgegeben werden muss an das ganze [menschliche] Geschlecht, muss die Frage entgegengehalten werden: Ist das in Wahrheit [überhaupt] möglich, das Beste herzugeben, das, was der Mensch in sich geworden ist? Denn das, [was der Mensch aufnehmen muss, dass er ganz persönlich seine Seele weiterbringt], ist etwas, was mit dem individuellen Leben so zusammenhängt, dass es unmöglich ist, dies an die Allgemeinheit abzugeben. Wir können vieles an die Allgemeinheit hingeben, aber unmöglich kann man das Ureigenste abgeben, und gerade dieses Wesentlichste, was nur durch die Persönlichkeit, nur durch die Individualität errungen werden kann, das müsste hinschwinden, das müsste ins Nichts übergehen, wenn das Menschenseelenleben dort, wo sich das Tor des Todes schließt, verschwindet als individuelle Seelenwesenheit. Also, aus der Ökonomie des Lebens wirft sich diese Frage ganz objektiv auf.

[ 2 ] But the mystery of death comes from an entirely different angle, and this is truly the mystery of human life—where one reflects on the economy of the world, where one reflects on what becomes of the accumulated forces that have once come to light in the world. A person acquires—and one can view this quite impersonally—in the course of their life, from year to year, from week to week, a certain [inner] spiritual content; who could deny that in a normal person this content continues to grow [as one ages, becoming ever richer], becomes ever more inner, and is ever more permeated with energy. To those who believe that the content of the soul must be passed on to the entire [human] race, the following question must be posed: Is it truly [at all] possible to give away the very best—that which a person has become within themselves? For that [which a person must take in in order to develop his or her soul in a wholly personal way] is something so intimately connected with individual life that it is impossible to give it to the general public. We can give many things to the general public, but it is impossible to give away what is most intimately one’s own; and precisely this most essential element—which can be attained only through personality, only through individuality—would have to fade away, would have to pass into nothingness, if the life of the human soul were to vanish as an individual soul entity at the very moment the gate of death closes. Thus, from the perspective of the economy of life, this question arises quite objectively.

[ 3 ] Die zweite Frage, die sich aufwirft als ein Lebensrätsel, die auf Schritt und Tritt an uns herantritt, [ist die nach dem Schicksal], ist die: [Wir sehen], dass einen Menschen von der Wiege an Not und Elend umgibt, und dass es auch nicht anders werden wird; noch krasser wird dieses Schicksalsrätsel an uns herantreten, wenn wir jemanden mit geringen Fähigkeiten heranwachsen sehen und von ihm sagen müssen: Er wird nur wenig ein nützliches Mitglied der Gesellschaft sein. Ein anderer wird umgeben von der Wiege an von aller Sorge – [sodass wir voraussehen]: Er kann ein bedeutsames Mitglied der Gesellschaft werden. Das sind Fragen, die vielleicht den theoretischen Verstand wenig beschäftigen mögen, das sind Fragen, an welche in gewisser Beziehung die gewöhnliche Wissenschaft gar nicht heranreichen kann; aber sollte es nicht ebenso notwendig sein, diese Frage aufzuwerfen, so, wie andere Wissenschaften sie zu beantworten suchen? Diese Fragen beschäftigen nicht bloß den theoretischen Verstand, sondern das ganze Menschenleben. [Inneres Glück, innerer Halt], innere Sicherheit, innere Arbeitsfreudigkeit im Lebens hängen von der Antwort ab, die sich der Mensch hier geben kann. Derjenige, der glaubt, sie abweisen zu können, der wird die Bemerkung machen im Verlaufe seines Lebens, dass irgendetwas eintritt, das er gar nicht so erklärt, als ob es von dieser Frage käme; Unsicherheit, Nervosität, Haltlosigkeit kann kommen, wenn jemand nicht die Möglichkeit findet, Gesichtspunkte zu finden für eine Lösung dieser Frage. Geisteswissenschaft kann, wenn sie an diese Frage herantritt, nicht etwa bloß die naturwissenschaftlichen Ergebnisse anfassen, sie muss überall darüber hinausgehen; wir werden sehen, warum. Aber indem die Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, über diese naturwissenschaftlichen Ergebnisse hinausgeht, bewahrt sie sich – und das muss sie im Sinne der modernen Zeit – dieselbe Disziplin des Denken und Fühlens, [des Forschens], dieselbe Art, sich der Welt gegenüberzustellen, welche in der Naturwissenschaft sind. Oh, meine verehrten Anwesenden, diese hat uns als ihr Ergebnis noch ein anderes gezeigt, sie hat [im Verlaufe des letzten Jahrhunderts gezeitigt] eine gewisse Erziehung des menschlichen Denkens, und diese Erziehung greift um sich. Derjenige, der heute nach einer Weltanschauung sucht, der darf nicht sündigen gegen diese Erziehung des menschlichen Denkens. Wenngleich auch derjenige, der sich nicht bekümmern will um Naturwissenschaft, abseits stehen kann, muss der, der eindringen will in unsere Kultur, [dies] rechtfertigen können vor den berechtigten Forderungen der Naturwissenschaft. [Das, was ergreifen will unsere Kultur, muss bestehen können vor dem berechtigten Denken]. Andererseits sehen wir aber, wie Sehnsucht besteht, über alle Traditionen hinweg zu irgendetwas zu kommen in der angedeuteten Richtung [über diese Fragen], und gerade beim denkenden Naturforscher sehen wir, dass das, was man heute so vielfach berechtigt glaubt, keineswegs als hinlänglich angesehen wird. Viele hundert Beispiele könnten angeführt werden, [die zeigen], wie gerade die heutigen denkenden Naturforscher hindrängen nach einer Weltanschauung, die eben das geben kann, was die Menschen suchen.

[ 3 ] The second question that arises as a mystery of life, one that confronts us at every turn, [is that of fate]; it is this: [We see] that a person is surrounded by hardship and misery from the cradle onward, and that this will never change; this enigma of fate confronts us even more starkly when we see someone growing up with limited abilities and must conclude: He will be of little use to society. Another, surrounded by every kind of worry from the cradle onward—[so that we foresee]: He may become a significant member of society. These are questions that may not greatly occupy the theoretical mind; they are questions that, in a certain sense, ordinary science cannot even begin to address; but should it not be just as necessary to raise these questions as it is for other sciences to seek to answer them? These questions concern not merely the theoretical mind, but the whole of human life. [Inner happiness, inner stability], inner security, and an inner joy in working throughout life depend on the answer a person can give himself here. Anyone who believes he can dismiss these questions will observe, in the course of his life, that something occurs which he cannot explain as though it stemmed from this very question; Uncertainty, nervousness, and a sense of instability can arise if one fails to find perspectives for a solution to this question. When spiritual science approaches this question, it cannot merely draw on the findings of the natural sciences; it must go beyond them in every respect; we shall see why. But in going beyond these findings of natural science—as spiritual science, as understood here, does—it preserves—and this it must do in the spirit of the modern age—the same discipline of thought and feeling, [of research], the same way of approaching the world that is found in natural science. Oh, my esteemed audience, this has shown us yet another result: it has [brought about over the course of the last century] a certain education of human thought, and this education is spreading. Anyone seeking a worldview today must not sin against this education of human thought. Although even those who do not wish to concern themselves with the natural sciences may stand apart, anyone who wishes to penetrate our culture must be able to justify [this] in the face of the legitimate demands of the natural sciences. [Whatever seeks to take hold of our culture must be able to stand up to legitimate reasoning]. On the other hand, however, we see a longing to move beyond all traditions toward something in the direction indicated [regarding these questions], and we see, particularly among thinking natural scientists, that what is so widely and justifiably believed today is by no means regarded as sufficient. Many hundreds of examples could be cited [that show] how today’s thinking natural scientists, in particular, are striving toward a worldview that can provide precisely what people are seeking.

[ 4 ] Von vielen Beispielen eines: Wenn man ins Auge fasst eine Rede, die diejenige Persönlichkeit gehalten hat am 22. Juli 1909, welche durch vierzig Jahre der Präsident der Universität Harvard in Amerika war, ein Naturforscher, ein Chemiker, Charles Eliot, ein charaktervoller Mann er hat damals von der Notwendigkeit gesprochen, aufzurücken von der Naturwissenschaft zur Bezwingung der großen Seelenfrage, und wie etwas Selbstverständliches hat er es vor seine Hörer hingestellt, was er zum Ausdruck bringen wollte als das Dasein eines selbstständigen Seelischen neben dem leiblichen Leben. Er sagte: Der Mensch hat dem Menschen immer eine unabhängige Seele zugesprochen, einen Geist, der in sich selber sein Wesen hat, als der sich der Mensch erlebt, wenn er sich kennenlernen will, als der sich der Mensch selber weiß – [etwas von dem Körper Getrenntes]. – Aber gerade die Art und Weise, wie ein solcher Mann versucht, von den naturwissenschaftlichen Denkgewohnheiten aufzurücken in das Geistige, kann uns lehren, wie notwendig eine besondere Geisteswissenschaft eintreten muss für die angedeutete Frage. Wenn man Eliots Ausführungen verfolgt, kommt man eigentlich zu einem sonderbaren Gedanken. Trotzdem er es wie für selbstverständlich hält, dass ein vom Körper getrenntes Seelenwesen da ist, so spricht er davon [doch] nie anders [als]: Ja, es ist eben die Seele da. — Seele, Seele und immer wieder nur Seele. Wie wäre denn das, wenn er dieselbe Art auf das naturwissenschaftliche Gebiet übertragen würde? Da wäre es so, als wollte man nicht diese Pflanze, diese Gesetze, sondern als wollte man das ganze äußere Naturgeschehen konstruieren, indem man sagt: Es gibt eine Natur. – Der Naturforscher [begnügt sich nicht damit]; er geht auf [die Einzelheiten], die einzelnen Gesetze, auf das besondere konkrete Dasein derselben ein.

[ 4 ] To cite just one of many examples: Consider a speech delivered on July 22, 1909, by the man who served as president of Harvard University in the United States for forty years—a naturalist and a chemist, Charles Eliot—a man of great character—he spoke at that time of the necessity of moving beyond the natural sciences to address the great question of the soul, and he presented to his audience as a matter of course what he wished to express as the existence of an independent spiritual life alongside physical life. He said: “Human beings have always attributed to one another an independent soul, a spirit that has its essence within itself—as human beings experience themselves when they seek to know themselves, as human beings know themselves to be—[something separate from the body].” – But it is precisely the way in which such a man attempts to move beyond the habits of scientific thought toward the spiritual that can teach us how necessary a special spiritual science is for the question at hand. When one follows Eliot’s arguments, one actually arrives at a strange thought. Although he takes it for granted that there is a soul separate from the body, he [nevertheless] speaks of it [only] in this way: Yes, the soul is simply there. — Soul, soul, and always just soul. What would it be like if he were to apply the same approach to the field of natural science? It would be as if one were not concerned with this plant or these laws, but rather sought to construct the entire external natural process by saying: “Nature exists.”—The natural scientist [does not content himself with this]; he delves into [the details], the individual laws, and their specific, concrete existence.

[ 5 ] [Ebenso macht es die Geisteswissenschaft. Sie geht ein auf die Seele und will eindringen in die Geisteswelt und übersinnliche Wesenheiten und Tatsachen kennenlernen. ] Und das wird die Aufgabe der Geisteswissenschaft gegen die Zukunft hin sein, dass sie auf die Einzelheiten des Geisteslebens einzugehen vermag wie die Naturwissenschaft. Davon wollen viele Menschen heute noch nichts wissen, dass es möglich ist, in die geistige Welt einzudringen und dort übersinnliche Wesenheiten, die niemals zur leiblichen Verkörperung kommen, auch kennenzulernen. Das ist gerade die Aufgabe der Geisteswissenschaft; indem sie dies unternimmt, geht sie nach derselben Methode vor auf ihrem Gebiete wie die Naturwissenschaft auf dem ihren. Die Ähnlichkeit der Betrachtung, die ist es, worauf es ankommt. Nehmen wir zum Beispiel an, irgendjemand wollte das Leben der Pflanze betrachten, wie die Pflanze heranwächst, wie sie Blätter und Blüten und endlich die Frucht treibt. Begnügt sich der Mensch damit, wie das Pflanzenwachstum einen Abschluss findet? Nein, indem er dort ankommt, sagt er sich: Der Keim, der ist das Ende des Pflanzenwachstums und zugleich der Anfang einer neuen Pflanze. Ende und Anfang werden miteinander verknüpft, und wir sehen arbeiten dann das gesamte Leben, das eine, wenn wir in die Lage kommen, das Ende mit dem Anfang zu verbinden.

[ 5 ] [Spiritual science does the same. It focuses on the soul and seeks to penetrate the spiritual world and come to know supersensible beings and realities. ] And this will be the task of spiritual science in the future: to be able to delve into the details of spiritual life just as natural science does. Many people today still refuse to accept that it is possible to penetrate the spiritual world and come to know the supersensible beings there—beings that never take on a physical form. This is precisely the task of spiritual science; in undertaking this, it proceeds in its field using the same method as natural science does in its own. It is the similarity of the approach that matters. Let us take, for example, someone who wants to observe the life of a plant—how it grows, how it produces leaves and flowers, and finally the fruit. Is a person satisfied simply with seeing how plant growth comes to an end? No; upon reaching that point, they say to themselves: The seed is both the end of plant growth and, at the same time, the beginning of a new plant. End and beginning are linked together, and we then see the entire life—the one life—at work when we are able to connect the end with the beginning.

[ 6 ] Genauso, [nur auf das Seelische übertragen], macht es die Geisteswissenschaft. Es soll aufmerksam gemacht werden, wie im Grunde genommen dem reinen Alltagsleben gegenüber eine solche Betrachtung fruchtbar ist. Es kann einem die Fruchtbarkeit einer solchen Betrachtung durch nichts klarer entgegentreten, als wenn man etwas nachdenkt über den Ausspruch eines bedeutenden Mannes, der sich viel beschäftigt hat mit den Rätseln der heranreifenden Seele – mit einem Ausspruche Goethes. Goethe hat den Ausspruch getan: Im Alter wird man Mystiker. Er wollte nicht eine graue Theorie hinstellen, er wollte [eine Lebenserfahrung], eine Lebensführung damit hinstellen, er wollte sagen: Dasjenige, was man im Verlaufe seines Lebens sich angeeignet hat, gleichgültig, wo man gestanden ist, was Inhalt der Seele geworden ist, was man im Grunde genommen selber geworden ist, [sodass ich allmählich nicht nur reicher, sondern auch reifer geworden bin], das ist innerlich reif geworden, das hat eine innerliche Energie angenommen, [es] löst sich immer mehr so ab vom äußeren Leben, dass es immer mehr und mehr [an] Selbstständigkeit gewinnt. Wir sehen in einer noch verhältnismäßigen Jugend, wie alles, was in uns lebt, in Taten übergehen will; man weiß aber auch, wie immer mehr in der Seele sich etwas heranbildet, was die Seele als ihren in Einsamkeit zu erlebenden Inhalt betrachtet, durch den sie sich in einer gewissen Weise eine eigene Welt zimmert, abgesehen von der Außenwelt. Dieses vertiefte innerliche Leben, durch das Heranziehen eines höheren Menschen, der hereingreift in die äußere Betätigung, das meinte Goethe mit seinem Ausspruche. Innerlich, seelisch-geistig innerlich wird man. Da vollzieht sich innerhalb unseres Seelenlebens etwas Ähnliches, wie sich äußerlich-sinnlich in der Pflanze vollzieht, bei der die Blätter und Blüten allmählich welk werden und der Keim sich sondert. Was da sich physisch-sinnlich sondert und was da der Ausgangspunkt wird für ein neues Pflanzenleben, das hat seine Analogie in dem, was seelisch-innerlich sich löst, in dem, worauf Goethe aufmerksam machen wollte, dass der Mensch Mystiker wird, und dieses Geistig-Seelische ist eine angehäufte Kraft. Ganz nach naturwissenschaftlicher Methode verfährt man, wenn man sie verbindet mit dem Beginn des Menschenleibes, und wenn man das tut, dann muss es so geschehen, dass man sieht, wie beim Kinde, wenn es ins Dasein tritt, allmählich aus unbekannten Untergründen herausentwickelt wird, was dann später im Laufe des Lebens zutage tritt. Ich habe hier schon einmal gesagt, wie derjenige, der diesen von der Geburt aus heranwachsenden Menschen so betrachtet, dass er glaubt, dass alles, was sich entfaltet, hereinkommen würde in der Vererbungslinie, dass der ebenso ungenau vorgeht, wie die Menschen ungenau vorgegangen sind, sagen wir, im sechzehnten Jahrhundert, wo zahlreiche Menschen, auch Gelehrte, geglaubt haben, dass ein physisches Lebewesen – niedere Tiere, Regenwürmer – sich entwickeln können aus [dem bloßen] Flussschlamm heraus. Es war eine große Errungenschaft, dass Francesco Redi im siebzehnten Jahrhundert darauf hingewiesen hat, wie das auf einer ungenauen Beobachtung beruht und alles Lebendige nur aus Lebendigem hervorgeht.

[ 6 ] Spiritual science does exactly the same thing, [only applied to the soul]. It is important to note how fruitful such a perspective is, fundamentally speaking, in relation to ordinary everyday life. Nothing can illustrate the fruitfulness of such a perspective more clearly than reflecting on the words of a great man who devoted much of his life to the mysteries of the maturing soul—the words of Goethe. Goethe said: “In old age, one becomes a mystic.” He did not intend to present a dry theory; he wanted to present [a life experience], a way of life; he wanted to say: That which one has acquired in the course of one’s life—regardless of where one stood, what has become the content of the soul, what one has, in essence, become oneself [so that I have gradually become not only richer but also more mature]—that has matured inwardly; it has taken on an inner energy, [it] detaches itself more and more from external life, so that it gains more and more [in] independence. We see, even in relative youth, how everything that lives within us seeks to translate into action; but we also know how something is increasingly taking shape within the soul—something the soul regards as its own content to be experienced in solitude, through which it builds, in a certain sense, a world of its own, apart from the external world. This deepened inner life, brought about by the emergence of a higher human being who intervenes in external activity—that is what Goethe meant by his statement. One becomes inner, soul-spiritually inner. There, within our soul life, something similar takes place to what occurs externally and sensually in a plant, in which the leaves and flowers gradually wither and the seed separates. What separates physically and sensually there—and what becomes the starting point for a new plant life—has its analogy in what detaches itself soulfully and inwardly, in what Goethe wished to draw attention to: that the human being becomes a mystic, and this spiritual-soul aspect is an accumulated force. One proceeds entirely according to the scientific method when one connects this to the beginning of the human body, and when one does so, it must be done in such a way that one sees how, as with a child when it enters existence, what later comes to light in the course of life is gradually developed from unknown depths. I have already said here that anyone who observes a human being growing from birth in such a way as to believe that everything that unfolds comes from the hereditary line proceeds just as inaccurately as people did, say, in the sixteenth century, when many people—including scholars—believed that a physical living being —lower animals, earthworms—could develop from [mere] river mud. It was a great achievement that Francesco Redi pointed out in the seventeenth century how this was based on inaccurate observation and that all living things arise only from living things.

[ 7 ] Gerade so, wie Redi dazumal sich verhalten hat, verhält sich der Geistesforscher in Beziehung auf das Geistig-Seelische. Er zeigt, dass es ein Irrtum ist, nur das Physische, die Vererbungslinie anzunehmen, sondern dass man in Wahrheit ein Geistig-Seelisches sich entfalten sehen muss in das Geistig-Seelische hinein. Man sieht dann, wie in der Tat Seelisch-Geistiges Bedeutsameres zu arbeiten hat in den ersten Kindheitstagen als im späteren Leben. Man mag als Mensch noch so stolz sein auf das, was man sich als Verstand und als geistige Fähigkeit ausbildet; so gescheit ist man nicht [mehr] im späteren Verlaufe des Lebens, dass man das vermag, was in den ersten Kindheitszeiten geschehen muss. Das Gehirn muss erst plastisch gemacht werden; da muss das Ich ungeheuer viel mehr arbeiten an der Herausbildung einer ganz bestimmten Fähigkeit. [Ein geistig-seelischer Kern arbeitet an der Herausbildung von Fähigkeiten.] Da sieht man: Wie man die neue Pflanze sich entwickeln sieht aus dem Keime, so kann man heranreifen sehen dasjenige, was in einem neuen Menschenleben neue Fähigkeiten herauskristallisiert aus der noch plastischen Materie. [Es ist das die ganz gleiche Anschauungsweise wie in der Naturwissenschaft.] Da ergibt sich – durch eine sinnvolle Anschauung des Lebens – das wiederholte Erdenleben. [Ein innerer Kern arbeitet an dem körperlichen Leibeswesen.] Wir sehen den geistig-seelischen Kern des Menschen durch die Pforte des Todes hindurchschreiten, entzogen sein dem menschlichen Anschauen, wieder hervortreten mit Arbeiten an seinem körperlich-leiblichen Wesen, bis er es dazu gebracht hat, was dann nur zu sein? Was ist dann dieses? Der Materialist wird sagen: Es ist eine Summe von materiellen Vorgängen, aus denen sich dann das Geistig-Seelische herausentwickelt. Der so denkt, dass der geistige Mensch sich aus Vorgängen entwickeln könne, die sich ergeben aus leiblichen, hat keinen Sinn für die Betrachtung dessen, was innerliches Seelenleben ist. Wer dafür Sinn hat, [wer das charakterisieren will], der wird vielleicht zunächst zu einem Bild greifen müssen, um das Verhältnis des Seelischen zum Leiblichen zu konstruieren. Dieses Bild könnte das Folgende sein: Wenn wir eine Wand entlanggehen und wir finden da an einzelnen Stellen der Wand Spiegel hängen, so gehen wir dahin und wir sehen uns immer im Spiegel selber darin, wir können uns nicht sehen, wenn wir uns nicht im Spiegel selber erblicken. Aber niemandem wird einfallen, dies Spiegelbild für sein ureigenstes Wesen zu erklären, und es hängt sehr vom Spiegel ab, ob und was gesehen wird. Ebenso, wie der Mensch vor seinem Spiegel steht, wo das Äußere des Spiegels nur zurückwirft, was er ist, so verhält sich das geistig-seelische Leben zum leiblich-körperlichen. Das Leiblich-Körperliche ist kein toter Spiegel, sondern ein lebendiger Spiegel, aber es ist wie ein Spiegel, der möglich macht, dass wir etwas wissen vom Geistig-Seelischen. Aber wenn wir abends in dem Schlafe sind, da schauen wir uns nicht in diesem Spiegel. Je weiter man eindringt in eine ganz alltägliche Betrachtung des Seelenlebens, umso mehr wird man wahrnehmen, wie das Geistig-Seelische, wenn es selbstständig geworden ist, seiner gewahr wird wie im Spiegel. Solange wir aber zu dieser Selbstständigkeit nicht gekommen sind, in den ersten Kindheitsjahren, solange wir dessen unbewusst sind, arbeitet unser Geistig-Seelisches gerade an unserem Physisch-Materiellen, macht es erst plastisch, damit wir uns erkennen können. So sehen wir, dass wir durch das, was wir uns in einem früheren Leben erarbeitet haben, die Baumeister werden unseres gegenwärtigen Lebens.

[ 7 ] Just as Redi behaved back then, so does the spiritual researcher behave in relation to the spiritual-soul realm. He shows that it is a mistake to assume only the physical, the hereditary line, but that in truth one must see a spiritual-soul aspect unfolding into the spiritual-soul realm. One then sees how, in fact, the spiritual-soul aspect plays a more significant role in the early days of childhood than in later life. No matter how proud a person may be of the intellectual and spiritual abilities they have developed, they are not [any longer] wise enough later in life to accomplish what must take place in early childhood. The brain must first be made malleable; the “I” must work immensely harder to develop a very specific ability. [A spiritual-soul core works on the development of abilities.] There one sees: just as one watches a new plant develop from a seed, so one can watch what crystallizes into new abilities in a new human life emerge from the still malleable substance. [This is exactly the same perspective as in the natural sciences.] From a meaningful view of life, this leads to the concept of repeated earthly lives. [An inner core works on the physical body.] We see the spiritual-soul core of the human being pass through the gate of death, withdrawn from human perception, and then re-emerge, working upon its physical body until it has brought it to a certain state—but what is that state? What is this? The materialist will say: It is a sum of material processes from which the spiritual-soul aspect then develops. Anyone who thinks that the spiritual human being can develop out of processes arising from the physical has no sense for contemplating what inner soul life is. Anyone who does have this sense, [who wishes to characterize it], may first have to resort to an image in order to construct the relationship between the soul and the body. This image could be the following: When we walk along a wall and find mirrors hanging at various points on it, we go there and always see ourselves in the mirror; we cannot see ourselves unless we look at our reflection in the mirror. But it would never occur to anyone to regard this mirror image as their very own being, and it depends very much on the mirror whether and what is seen. Just as a person stands before a mirror, where the mirror’s surface merely reflects what the person is, so too does spiritual and soul life relate to physical and bodily life. The physical and bodily is not a dead mirror, but a living mirror; yet it is like a mirror that enables us to know something of the spiritual and soul life. But when we are asleep at night, we do not look at ourselves in this mirror. The deeper one delves into an everyday observation of the life of the soul, the more one will perceive how the spiritual-psychic realm, once it has become independent, becomes aware of itself as in a mirror. But as long as we have not yet attained this independence—in the early years of childhood—and as long as we remain unconscious of it, our spiritual-soul aspect works specifically on our physical-material aspect, first making it malleable so that we can recognize ourselves. Thus we see that through what we have worked out in a previous life, we become the architects of our present life.

[ 8 ] Eine andere Betrachtung aus dem Leben kann über die Schicksalsfrage aufklären. Der Mensch, der den rechten Sinn hat für die Selbstbetrachtung, der wird, wenn er zurückschaut in sein Leben, sich sagen: Wärest du denn das geworden, was du bist, wenn dich nicht dieses oder jenes Schicksal getroffen hätte? Nur eine oberflächliche Lebensbetrachtung kann einen trennen von dem, was an einem als Schicksal gearbeitet hat, und wenn man das Leben zurückverfolgt [bis zur Geburt], wird man, da man doch nicht annehmen kann, dass das, was sich selber bewusst wird, [die innere Ichheit], im Kindheitsalter damals angefangen hat, sich sagen: So muss das eben viel früher der Fall sein. – Man gelangt hinaus über sein bewusst erlebtes Schicksal in frühere Zeiten; man erkennt sich als den Schmied seines Schicksals und man wird nicht mehr weit sein vom Gedanken, dass man auch das Schicksal ebenso gebracht hat in seinen Ursachen aus früheren Leben.

[ 8 ] Another perspective on life can shed light on the question of fate. A person who has the right sense of self-reflection will, when looking back on their life, ask themselves: Would you have become who you are if this or that fate had not befallen you? Only a superficial view of life can separate one from what has shaped one as fate, and when one traces one’s life back [to birth], one will—since one cannot assume that what becomes self-aware [the inner self] began in childhood—say to oneself: “So it must have been the case much earlier.” – One reaches back beyond one’s consciously experienced destiny into earlier times; one recognizes oneself as the architect of one’s destiny, and one is not far from the thought that one has also brought about one’s destiny in its causes from previous lives.

[ 9 ] Nur dann, wenn man das Leben nicht gründlich betrachtet, kann man unzufrieden sein mit einer solchen Anschauung. Man kann sagen: Da macht die Weltanschauung dasjenige, was dem Menschen solche Schmerzen und Leiden bereitet, noch zu etwas, was man selber gezimmert hat. – Aber man ist nur dann unzufrieden, wenn man die Oberfläche betrachtet; je mehr man weiß, dass man [sich] sein Schicksal selber gezimmert hat, desto mehr findet man sich mit seinem Schicksal zurecht, [desto zufriedener ist man]. Man ist nur nicht immer ein richtiger Betrachter seines Schicksals. [Das schlimme Schicksal ist oft eine Notwendigkeit zum Vorwärtskommen.] Nehmen wir an, jemand hat bis zum achtzehnten Jahre ganz allein von der Tasche seines Vaters leichtsinnig gelebt, da verliert der Vater sein Vermögen, der junge Mann muss dann arbeiten, um sich zu erhalten, er wird genötigt, ein anderes Leben zu führen. Das wird er als ein schlechtes Schicksal mit Recht betrachten; wenn aber der Mann erst fünfzig Jahre alt geworden ist, wird er sagen: Gott sei Dank; ich wäre ein Taugenichts geworden; mein Elend von dazumal hat mich zu einem ordentlichen Menschen gemacht. Das zeigt, dass das Schicksal ein notwendiger Grad unserer Fortentwicklung ist. So könnte das, was man als Vorwurf empfindet vielleicht gegen diese Weltanschauung, sich sozusagen dahin zusammenfassen lassen, dass man sagt: Wenn man einmal objektiver Beurteiler sein kann, was es bedeuten kann, sich Not und Elend gezimmert zu haben, [so wird man nicht unzufrieden sein], nicht nur Elend darin sehen, sondern [notwendige] Entwicklungsfaktoren [darin] sehen.

[ 9 ] Only if one does not examine life thoroughly can one be dissatisfied with such a view. One might say: This worldview turns the very thing that causes people such pain and suffering into something they have crafted for themselves. – But one is dissatisfied only when one looks at the surface; the more one realizes that one has crafted one’s own fate, the more one comes to terms with it, [the more satisfied one is]. It’s just that one isn’t always a true observer of one’s own fate. [A harsh fate is often a necessity for progress.] Let’s suppose someone has lived recklessly, relying entirely on his father’s pocket money until the age of eighteen; then the father loses his fortune, and the young man must work to support himself—he is forced to lead a different life. He will rightly regard this as a bad fate; but once the man has reached the age of fifty, he will say: Thank God; I would have become a good-for-nothing; my misery back then made me a decent person. This shows that fate is a necessary stage in our development. Thus, what one might perceive as a criticism of this worldview could perhaps be summarized, so to speak, by saying: Once one is able to judge objectively what it means to have brought hardship and misery upon oneself, [one will not be dissatisfied], one will not see only misery in it, but will see [necessary] factors of development [in it].

[ 10 ] Gibt es denn aber auch, noch immer abgesehen von eigentlich geisteswissenschaftlichen Ergebnissen, [eine Möglichkeit], sich vorzustellen, dass ein Zusammenhang besteht zwischen dem tiefsten menschlichen Seelenkern, [dem, was man ist], und dem, [was man erlebt als] Schicksal? Auch eine solche Analogie kommt naturwissenschaftlich vor. Man braucht sich nur vorzustellen: Kann eine Gebirgspflanze in der Ebene gedeihen? Sie wird [durch ihr Wesen] in die passende Umgebung versetzt. [Es besteht eine gewisse Anziehungskraft zwischen den Gebirgspflanzen und ihrer Umgebung.] So wird der Mensch in sein Schicksal hineinversetzt, denn das ist das, worin er zu gedeihen hat. So ist immer ein inneres Anziehungsband zwischen dem, was er mitbringt aus einem früheren Leben, und dem folgenden Leben. Wir bleiben überall [immer] innerhalb der Denkgewohnheiten der Naturwissenschaft, auch innerhalb der Geisteswissenschaft, wenn wir uns das Rätsel des Todes beantworten, dass der Mensch durch die Todespforte hindurchgeht, ein rein geistiges Leben führt, bis er wieder durch die Geburt in das Leben eintritt; [wir sehen in dem gegenwärtigen Leben einen geistig-seelischen Kern sich ausbilden und sich vervollkommnen in der geistigen Welt]. So betrachten wir die Unsterblichkeit nicht wie eine unendliche Linie, sondern wir sehen die Unsterblichkeit gleichsam zusammengesetzt aus einzelnen Gliedern und wir sehen aus der Wesenheit des Geistig-Seelischen, wie das Schicksal des Menschen herauserklärt wird aus diesem Durchgehen des geistig-seelischen Kernes durch die verschiedenen Leben, [Erdenleben und Geistesleben]. Das ergibt schon eine rein äußerliche Lebensbetrachtung. Dann aber, wenn zu der reinen geisteswissenschaftlichen Methode geschritten wird, bestätigt sich voll das, was man als einen Glauben betrachten könnte, wenn es so, wie es eben entwickelt wurde, aufgefasst worden ist.

[ 10 ] But is there—still setting aside findings from the humanities proper—[a possibility] to imagine that a connection exists between the deepest core of the human soul, [what one is], and [what one experiences as] fate? Such an analogy also occurs in the natural sciences. One need only ask: Can a mountain plant thrive on the plain? It is placed [by its very nature] in the appropriate environment. [There is a certain force of attraction between the mountain plants and their environment.] In the same way, the human being is placed within his destiny, for that is where he is meant to flourish. Thus, there is always an inner bond of attraction between what he brings with him from a previous life and the life that follows. We remain [always] within the patterns of thought of the natural sciences—and even within the spiritual sciences—when we answer the riddle of death: that the human being passes through the gate of death, leads a purely spiritual life until he re-enters life through birth; [we see a spiritual-soul core forming in the present life and perfecting itself in the spiritual world] . Thus, we do not view immortality as an infinite line, but rather we see immortality, as it were, composed of individual links, and we perceive from the very nature of the spiritual-soul aspect how the destiny of the human being is explained by this passage of the spiritual-soul core through the various lives, [earthly life and spiritual life]. This is already evident from a purely external view of life. But when one proceeds to the pure spiritual-scientific method, what might be regarded as a belief—if understood as it has just been expounded—is fully confirmed.

[ 11 ] Gestern ist gezeigt worden, wie der Geistesforscher höhere Kräfte in sich zu entwickeln in der Lage ist. [Derjenige nur kann ein Geistesforscher werden, der seine Seele entwickelt hat.] Da gibt es verschiedene Momente. Einzelne sind schon gestern angegeben worden. Es kann natürlich im Verlaufe eines Vortrages auch nicht einmal skizzenhaft erschöpft werden, was der Mensch da erlebt; aber Einzelnes kann angedeutet werden, und auf ein Wichtiges kann hingewiesen werden, das ich auch schon zu beschreiben versuchte in [meinem] Buche [«Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und in] «Ein Weg zur Selbsterkenntnis des Menschen». Da ist hingewiesen worden auf eine Entdeckung, die derjenige macht, der sich geistig fortbildet, [auf die Entwicklung, die der Mensch durchmacht]. Das, was er [da] erlebt, erlebt er zwar [zunächst] bildlich; aber dieses Erlebnis ist der Ausdruck für eine bedeutsame Realität, für das, was sich in Wirklichkeit vollzieht. Ich versuche da in meinem Buche so anschaulich als möglich zu schildern das, was wie ein Bild oftmals unverhofft herantritt; wenn man genügend lang und energisch seine Seele fortentwickelt hat, dann kommt der Moment, das, was in hunderterlei Arten sich abspielen kann, das aber auch so sich abspielen kann, dass man fühlt: Jetzt geht mit dir etwas vor, wovon du noch niemals eine Erfahrung, ein Erlebnis gehabt hast. Es kann so sein, als ob man sich innerhalb eines Kräftekomplexes fühlt, wie wenn der Blitz [einschlägt], durch einen hindurchgeht und alles Materielle zersprengt hätte. Von diesem Moment an fühlt man, [wie man in ein anderes Verhältnis mit dem Leib gekommen ist], wie man frei und unabhängig im inneren Erleben geworden ist von jenem, was leiblich-physisch an einem hängt. Man fühlt sich gleichsam bewusst herausgetrieben und man fühlt sich so, wie man sich nur so fühlen kann, wenn man das Abfallen des Leibes im Tode erlebte. Deshalb wurden im mystischen Leben die Worte gebraucht: Man dringt heran an die Grenze des Todes.

[ 11 ] Yesterday it was shown how the spiritual researcher is capable of developing higher powers within himself. [Only those who have developed their souls can become spiritual researchers.] There are various aspects to this. Some were already mentioned yesterday. Of course, what a person experiences in this process cannot be fully covered—even in outline form—during the course of a single lecture; but specific aspects can be hinted at, and attention can be drawn to an important point that I have already attempted to describe in [my] book [*How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?* and in] *A Path to Self-Knowledge for Humanity*. Reference has been made to a discovery made by those who pursue spiritual development—[to the development that a person undergoes]. What they experience [there] is, admittedly, [at first] experienced in the form of images; but this experience is the expression of a significant reality, of what is actually taking place. In my book, I try to describe as vividly as possible what often approaches unexpectedly, like a vision; when one has developed one’s soul long enough and with sufficient energy, the moment arrives—a moment that can unfold in a hundred different ways, but which can also unfold in such a way that one feels: Something is happening to you now that you have never before experienced. It can be as if one feels oneself within a complex of forces, as if lightning were striking, passing right through one, and shattering all that is material. From that moment on, one feels [how one has entered into a different relationship with the body], how one has become free and independent in one’s inner experience from that which is physically attached to one. One feels, as it were, consciously driven out, and one feels in a way that one can only feel when experiencing the shedding of the body in death. That is why the following words were used in the mystical life: “One approaches the threshold of death.”

[ 12 ] Erst von diesem Momente weiß man, was es heißt, sich innerlich erleben und zugleich wissen: Es ist nicht verknüpft mit der innerlichen Körperlichkeit, von der fühlt man sich befreit; jetzt weiß man, was es heißt, dem Spiegel gegenüberzustehen. [Gedanken sind nicht Hirnprodukte]; man kennt jetzt die geistig-seelische Realität; aber man ist von noch etwas losgelöst in diesem Augenblick, und das ist das Wesentliche dabei. Man weiß, dass man losgelöst ist von der Leiblichkeit, aber man ist auch in hohem Grade losgelöst von dem, was man als GeistigSeelisches gekannt hat, worin man war, worin man sich erlebt hat, [von dem, was man als sich angesprochen hat]. Die Mystiker, die es gekannt haben, haben so gesprochen, dass man herantritt an die äußere Notwendigkeit des Daseins. [Man versteht erst die Mystiker, wenn man das selber kennt]; ja, diese Erfahrung macht man in diesem Momente – [es ist] eine bedeutsame Entdeckung. Wie man einem fremden Körper gegenübersteht und man nur Zuschauer sein kann, so fühlt man, dass man nur Zuschauer sein kann in dem, wo man sich früher als Akteur gefühlt hat; [man fühlt sich als Zuschauer einem geistig-seelischen Leben gegenüber]. Man fühlt es selber als eine Art Leiblichkeit außer sich, fühlt, dass darin Vorgänge sind, denen gegenüber man keine Willkür hat. Man fühlt sich gleichsam gefesselt, angeschmiedet an ein Wesen, an dem man bleiben muss bis zur Pforte des Todes und dem gegenüber man sich doch äußerlich als Zuschauer fühlt. Man fühlt einen neuen Denker in sich erwachen, den alten Willen fühlt man sich entrissen, sich ihm gegenüberstehen. Es kommt viel mehr als auf ein sensationelles Ergebnis darauf an, dass er – ein sich so entwickelnder Mensch – wirklich solche Erlebnisse machen kann, dass er sich selber also wissen kann in einer geistigen Welt; und wenn er sich dort weiß, da wird ihm eines klar. Es wird ihm klar, dass er mit dem neuen Wesen, das er jetzt herausgeschält hat aus seinem bisherigen Seelenleben, der äußeren Körperlichkeit viel näher steht, als er ihr früher gestanden hat. Wir stehen der äußeren Körperlichkeit nahe. Der heutige Materialist kennt die Erscheinung des Erblassens, des Errötens; wir haben da körperlich-physische Vorgänge erfahren; die können noch gesteigert gedacht werden; man kann auch auf Verhältnisse verweisen, die zutage treten, wenn man beobachtet einen Menschen durch eine längere Zeit seines Lebens hindurch. Wir finden bei ihm, wenn er ein Innenleben hat, das nicht bloß theoretisch bleibt, dass er der Beherrscher seines Lebens wird; [die Seele wirkt auf den Körper; die Gesichtszüge ändern sich]. Das aber sind alles Kleinigkeiten gegenüber dem, dass man fühlt in dem Momente, wenn man sich sozusagen losgelöst hat von seinem Geistig-Seelischen, dass man in sich die Kräfte hat, körperlich zu schaffen. [Man fühlt das, was die Kräfte hat, Körperliches zu gestalten], dann fühlt man nämlich die Kräfte, die im Kinde vorhanden sind, wenn es den plastischen Leib herausgestaltet, [körperlich ausgestaltet die Fähigkeiten]. Dieses Erlebnis ist nicht leicht, es ist ziemlich schwierig zu tragen. Man kann diesen Körper nicht ändern, aber man fühlt: Man hat durch sein Leben Kräfte gesammelt, die einen anderen Körper zimmern können. Man fühlt gleichsam den Vorgeschmack der Kräfte, die in einem folgenden Leben an seinem Schicksal arbeiten. Man fühlt sich wie herausgelöst, aber man hat auch die Gewissheit erlangt über das geistig-seelische Erleben, [den geistig-seelischen Kern]. So gewiss, wie man Sauerstoff und Wasserstoff trennt, so erkennt man durch die Trennung, die man durch dieses bedeutungsvolle Selbstexperiment anstellt, dass dem Menschen beigemischt ist im Menschenleibe das Geistig-Seelische, ein geistig-seelischer Kern, und dass der Mensch hinausragt in ein neues Leben, indem er die Anlage dazu in sich trägt. Gewissheit geht uns auf, wenn wir die Dinge so machen. Es gibt allerdings keine Experimente, die wir im Laboratorium machen können; das einzige Experiment ist Selbstentwicklung, Selbstbeseelung, und das einzige Experiment, um einzudringen in die übersinnlichen Welten, ist das Geistig-Seelische selber. Er muss sich selber zum Werkzeug des Eindringens machen. Dann erlangt er tatsächlich Erkenntnis über den Zusammenhang seines Schicksals im jetzigen Leben und im früheren Leben. Gerade so, wie der Mensch im Irrtum ist, der glaubt, dass er ein Produkt der Natur ist, [der glaubt, er wäre es selbst im Spiegel, so ist derjenige im Irrtum, der im Körperlichen sein Ich sucht], ist auch einer im Irrtum, dem das Folgende passiert: Es passiert ihm, dass er die Gegenstände nicht findet, die Knöpfe zum Beispiel, die er zum Anziehen braucht; er wird ärgerlich und er nimmt an, es habe sie ihm jemand verlegt. [Er fragt]: Wer hat mir den Tort angetan, wo soll ich suchen? – Dann sieht er genauer nach und findet, dass er selber der Veranlasser ist, dass er hat suchen müssen. Dasjenige, was er jetzt zu tun hat, ist das Ergebnis dessen, was er selbst getan hat am vorhergehenden Tage. [So ist es mit unserem Schicksal.] An uns stellt sich unser Schicksal heran; wir stellen uns ihm gegenüber in Liebe und Hass; wir beziehen es nicht auf uns, weil wir vergessen haben, dass wir es [selbst] verursacht haben. Aber eine wahrhafte Lebensbetrachtung dehnt unser Gedächtnis aus, und wir finden, dass es von uns selbst gezimmert ist.

[ 12 ] Only from this moment on does one know what it means to experience oneself inwardly and to know at the same time: It is not linked to inner physicality; one feels liberated from that; now one knows what it means to stand before a mirror. [Thoughts are not products of the brain]; one now knows the reality of the spirit and soul; but one is detached from something else at this moment, and that is the essential point here. One knows that one is detached from physicality, but one is also, to a high degree, detached from what one has known as the spiritual-soul aspect—that in which one was, in which one experienced oneself, [that which one addressed as “self”]. The mystics who have known this have spoken of approaching the outer necessity of existence. [One understands the mystics only when one knows this oneself]; indeed, one has this experience in that very moment—[it is] a significant discovery. Just as one stands before a foreign body and can only be a spectator, so one feels that one can only be a spectator in that which one previously felt oneself to be an active participant in; [one feels oneself to be a spectator facing a spiritual-soul life]. One feels it oneself as a kind of physicality outside of oneself, feels that there are processes taking place within it over which one has no control. One feels, as it were, bound, chained to a being to which one must remain attached until the gates of death, and toward which one nevertheless feels oneself to be an external spectator. One feels a new thinker awakening within oneself; one feels the old will has been snatched away, and finds oneself standing opposed to it. What matters far more than any sensational result is that he—a human being developing in this way—can truly have such experiences, that he can thus know himself to be in a spiritual world; and when he knows himself to be there, one thing becomes clear to him. It becomes clear to him that with the new being he has now distilled from his previous soul life, he stands much closer to external physicality than he did before. We are close to outward physicality. Today’s materialist is familiar with the phenomena of turning pale and blushing; we have experienced physical processes in this regard; these can be conceived of as even more intense; one can also point to conditions that come to light when observing a person over a longer period of their life. We find that when a person has an inner life that does not remain merely theoretical, he becomes the master of his own life; [the soul acts upon the body; the facial features change]. But these are all trifles compared to what one feels in the moment when one has, so to speak, detached oneself from one’s spiritual and soul life—that one possesses within oneself the powers to create physically. [One feels that which possesses the powers to shape the physical], for then one feels the powers present in the child as it shapes out its physical form, [physically manifesting its abilities]. This experience is not easy; it is quite difficult to bear. One cannot change this body, but one feels: Through one’s life, one has gathered powers capable of fashioning another body. One feels, as it were, a foretaste of the forces that will work on one’s destiny in a future life. One feels as if detached, yet one has also attained certainty regarding the spiritual-soul experience, [the spiritual-soul core]. Just as surely as one separates oxygen from hydrogen, so through the separation one effectes through this meaningful self-experiment, one recognizes that the spiritual-soul aspect—a spiritual-soul core—is blended into the human being within the human body, and that the human being reaches out into a new life by carrying within oneself the potential for it. Certainty dawns upon us when we approach things in this way. There are, however, no experiments we can conduct in a laboratory; the only experiment is self-development, self-enrichment, and the only experiment for penetrating the supersensible worlds is the spiritual-soul aspect itself. One must make oneself the instrument of this penetration. Then he truly gains insight into the connection between his destiny in this life and in past lives. Just as the person is mistaken who believes that he is a product of nature—[who believes he is that very thing he sees in the mirror—so too is the one mistaken who seeks his “I” in the physical body]—and just as the person is mistaken to whom the following happens: It happens to him that he cannot find the objects—the buttons, for example—that he needs to get dressed; he becomes annoyed and assumes that someone has misplaced them. [He asks]: “Who has done this to me? Where should I look?”—Then he looks more closely and discovers that he himself is the cause, that he had to search. What he now has to do is the result of what he himself did the previous day. [So it is with our fate.] Our fate comes upon us; we face it with love and hate; we do not relate it to ourselves because we have forgotten that we [ourselves] caused it. But a true contemplation of life expands our memory, and we find that it is of our own making.

[ 13 ] Das ist die wahre Ausdehnung der wahren menschlichen Selbstbetrachtung. Gewiss, in vieles kann die Naturwissenschaft eindringen, aber nicht in die Gebiete des Geistig-Seelischen. Gerade der vorangeführte Charles Eliot sagte, die alte Weltanschauung habe sich befasst mit dem Leide des Menschen und habe gesagt: Du wirst einen Ausgleich finden nach dem Tode. - Nach Charles Eliot soll sich die neue Weltanschauung nicht befassen mit Tod und Elend, sondern mit Freude und Leben. Das müssen wir zweifellos zugeben. Aber kann man so einfach sagen, man solle sich von der Naturwissenschaft ausgehend eine Weltanschauung zurechtzimmern, die sich nur mit Freude und Leben befasst? Man mag es sagen, schön, man [mag es ablehnen, sich mit Leid und Tod zu befassen], mag die Augen abwenden von Leid und Tod - aber Leid und Tod befassen sich mit uns, die kommen schon an uns heran, und erst derjenige, der Leid betrachten kann als Entwicklungsfaktoren, der im Grunde genommen sagen kann auf die Frage: Du hast Glück und Freude, Schmerz und Leid erfahren. Was würdest du lieber hingeben von dem, was du erfahren hast: [Leiden oder Freuden]? - Ich würde Freude hingeben gegen Schmerz und Leid, denn denen verdanke ich eigentlich meine Erkenntnis -, der würde richtig sprechen, weil er sich wahre Erkenntnis erworben hat. Was uns Erkenntnis als Entwicklungsfaktor begreiflich macht, den Tod, aus dem sich ein neuer Lebenskeim heranentwickelt, der abstößt die Hülle wie die welken Blätter, das lässt uns gerade den Tod als dasjenige Ereignis betrachten, das uns die Gewähr gibt für ein neues Leben. [Im Tode reift ein neuer Lebenskeim heran.] Wir könnten nicht verwenden, was wir für ein neues Leben verwenden sollen, [den Keim], wenn wir den Tod nicht hätten, [wenn wir nicht durch den Tod gingen]. Das wird eine Lebenspraxis, so eine Art Lebenssaft werden, wenn einmal die Erziehung gestellt wird in diese Weltanschauung; man wird sich versinnbildlichen können durch den Vorgang, das Welken der Pflanze, wie der geistig-seelische Kern immer energischer wird, in dem neue Lebenskräfte wirken wollen. Das wird Lebensmut geben. Diese Erkenntnis wird ein Lebenselixier sein. Auf einen Einwand, der da gemacht wird, habe ich immer schon hingewiesen. Die systematischen Untersuchungen zeigen uns, wie in der Familie Bernoulli sich mathematische Talente vererbt haben, wie in der Familie Bach das Musikalische. Die Frage ist nun diese: Wird irgendetwas von allen diesen naturwissenschaftlichen Ergebnissen verneint? Braucht etwas verneint zu werden? Durch einen einfachen Vergleich können wir uns klarmachen, wie alles zugegeben werden kann, was berechtigterweise von der Naturwissenschaft gesagt wird. [Durch die Geisteswissenschaft wird nichts verneint, was Naturwissenschaft sagt.] Der Geistesforscher ist kein abergläubischer Mensch, er ist ein Mensch, der [keine willkürlichen] Einwände machen will, der nicht Berechtigtes zurückzuweisen braucht. Dass in den Vererbungstatsachen Berechtigung liegt, wird durchaus zugegeben, [aber neben der materialistischen Ursache gibt es auch eine geistige]. Nehmen wir an, es stünde jemand vor uns und eine andere Persönlichkeit sagte: Ich will einmal die Frage beantworten, warum die Persönlichkeit eigentlich lebt, die da vor mir steht. Nun, weil sie eine Lunge innen hat und Luft außen ist, weil sie atmet. - Ganz gewiss, er hat recht. Aber ein anderer kommt, der sagt: Ja, aber ich weiß noch etwas anderes, warum er lebt; ich bin einmal dazugekommen, wie er sich aufgehängt hat, ich habe ihn abgeschnitten. Mein Abschneiden ist die Ursache, dass er heute noch lebt! - Durch diesen Vergleich ist alles das klargemacht, was das Verhältnis der Geisteswissenschaft zur Naturwissenschaft ausmacht. Wenn irgendjemand auftritt, der sagt: Wir sehen in einem großen Feldherrn deshalb seine Talente, weil seine, [Napoleons], Mutter, als sie ihn trug, die Neigung hatte, sich gerne auf Schlachtfeldern zu bewegen -, so können wir ihm das zugeben, aber das schließt nicht aus, dass zugleich auch das andere wahr ist, [dass auch seelisch-geistige Zusammenhänge vorhanden sind]. Wenn man sich nur umfänglich genug klarmacht diese Beziehung der Geisteswissenschaft zur Naturwissenschaft, dann wird man nicht mehr die Einwände machen, wie man sie sonst hört.

[ 13 ] This is the true scope of genuine human self-reflection. Certainly, natural science can penetrate many areas, but not the realms of the spiritual and the soul. Charles Eliot, whom I mentioned earlier, said that the old worldview dealt with human suffering and declared: “You will find compensation after death.”—According to Charles Eliot, the new worldview should not concern itself with death and misery, but with joy and life. We must undoubtedly concede this. But can one so simply say that, based on the natural sciences, one should cobble together a worldview that deals only with joy and life? One may say so—fine, one [may refuse to deal with suffering and death], may turn one’s eyes away from suffering and death—but suffering and death deal with us; they are already approaching us, and only the one who can view suffering as a factor in development—who, when it comes down to it, can answer the question: “You have experienced happiness and joy, pain and suffering”— Which of the things you have experienced would you rather give up: [suffering or joy]?—“I would give up joy in exchange for pain and suffering, for it is actually to them that I owe my insight”—such a person would speak the truth, because he has gained true insight. What insight makes us understand death as a factor in our development—from which a new seed of life grows, shedding its shell like withered leaves—is precisely what allows us to view death as the event that guarantees us a new life. [In death, a new seed of life matures.] We could not use what we are meant to use for a new life—[the seed]—if we did not have death, [if we did not pass through death]. This will become a way of life, a kind of life-giving force, once education is grounded in this worldview; one will be able to visualize, through the process of a plant’s withering, how the spiritual-soul core becomes ever more energetic, within which new life forces seek to act. This will give courage to face life. This insight will be an elixir of life. I have always pointed out an objection that is raised here. Systematic studies show us how mathematical talents were inherited in the Bernoulli family, and musical talents in the Bach family. The question now is this: Is any of these scientific findings denied? Does anything need to be denied? Through a simple comparison, we can see how everything that is legitimately stated by the natural sciences can be acknowledged. [Spiritual science does not deny anything that the natural sciences state.] The spiritual researcher is not a superstitious person; he is someone who does not wish to raise [arbitrary] objections, who has no need to reject what is justified. It is certainly acknowledged that there is validity in the facts of heredity, [but alongside the materialistic cause, there is also a spiritual one]. Let’s suppose someone were standing before us and another person said: “I want to answer the question of why the person standing before me actually lives.” Well, because they have lungs inside and air outside, because they breathe. - Certainly, he is right. But another person comes along and says: “Yes, but I know something else about why he lives; I once came upon him as he was hanging himself, and I cut him down. My cutting him down is the reason he is still alive today!” - This comparison clarifies everything that defines the relationship between spiritual science and natural science. If someone were to claim: “We see the talents of a great military commander because his [Napoleon’s] mother, while she was carrying him, had a penchant for moving about on battlefields”—we can concede that point, but it does not preclude the other being true as well [that psychological and spiritual connections also exist]. If one only makes this relationship between spiritual science and natural science sufficiently clear to oneself, then one will no longer raise the objections that are otherwise commonly heard.

[ 14 ] Aber auch sonst haben diese Einwände nicht genügend Logik. Wir sehen: Das Genie ist immer am Ende der Vererbungslinie. Gewiss können wir sehen, dass die äußeren leiblichen Werkzeuge von den Vorfahren abstammend sind, aber die Individualität musste die leiblichen Werkzeuge suchen. [Das ist ein Beweis gegen die Vererbung]. Wenn aber jemand darauf die Behauptung stützt, dass alles nur in der Vererbungslinie geschieht, wenn man sagt, der hat diese und jene Eigenschaft von seinen Vorfahren geerbt, denn die Vorfahren haben sie auch gehabt, das kann eigentlich im wirklichen Sinne kein Beweis sein. Es ist nämlich im logischen Sinne kein Beweis, wie wenn man sagt, dass, wenn jemand ins Wasser gefallen ist, er nass ist. Ein äußerer, wirklicher Beweis könnte höchstens noch gefunden werden auch logisch, wenn man das Genie nicht am Ende, sondern am Anfange der Vererbungslinie hätte, sodass man zeigen könnte, wie das Genie übergeht - aber das wird man schier bleiben lassen zu tun. Man sieht, dass die Behauptungen nicht auf Logik, sondern auf gewissen Denkgewohnheiten aufgebaut sind, die dahin gehen, die Gründe für alles im Leiblich-Körperhaften zu suchen, und so muss man sagen: Naturwissenschaft hat die Aufgabe, zu zeigen, was am Menschen vergänglich ist, und damit auch ihre Aufgabe zu beschließen; denn womit muss denn die Naturwissenschaft eigentlich vorgehen? Sie bedient sich der Sinne, die aber gerade mit dem Tode des Menschen abfallen. Wie will man denn mit den Werkzeugen, die man im Tode verliert, das gewinnen, was hineinleuchtet in die übersinnliche Welt? Wie will man das mit dem Verstande vollbringen, wenn das Gehirn, an das der Verstand gebunden ist, mit dem Tode verloren geht? Einzig und allein, wenn es möglich ist, an solche Seelenkräfte zu appellieren, welche nicht gebunden sind an die Sinne, an das physische Gehirn, ist es möglich, einzudringen in die geistigen, übersinnlichen Welten. Und so wahr es berechtigt ist und von niemandem angefochten werden kann, wenn einmal Du Bois-Reymond gesagt hat, dass man den schlafenden Menschen versteht, dass man ihn aber vom naturwissenschaftlichen Standpunkte nicht mehr versteht, wenn der Strahl des Bewusstseins in ihn hineinfährt - [was Freude und Leid ausmacht, das kann man nicht mehr erforschen] —, so muss man doch auch zugestehen, dass auf diesem Wege die Lösung des Lebensrätsels nicht gefunden werden kann, der von da ab eine Möglichkeit der Lösung offen lässt, wo die Naturwissenschaft aufhört. Tut man das nicht, dann muss man verzweifeln, dieses Lebensrätsel zu lösen.

[ 14 ] But even apart from that, these objections lack sufficient logic. We see that genius is always at the end of the line of inheritance. Certainly, we can see that the external physical tools are derived from our ancestors, but individuality had to seek out those physical tools. [This is proof against heredity]. But if someone bases a claim on this—that everything happens solely through the line of inheritance, saying that a person has inherited this or that trait from their ancestors because the ancestors also possessed it—that cannot actually be proof in the true sense. For it is, in a logical sense, no more proof than saying that if someone has fallen into water, they are wet. An external, real proof—and one that is also logical—could at most be found if genius were placed not at the end but at the beginning of the hereditary line, so that one could show how genius is transmitted—but one will hardly bother to do that. One can see that these assertions are not based on logic but on certain habits of thought that tend to seek the reasons for everything in the physical and corporeal realm; and so one must say: The task of natural science is to show what is transitory in human beings, and thereby to conclude its task; for with what, after all, must natural science actually proceed? It makes use of the senses, which, however, cease to function precisely with a person’s death. How, then, can one use the tools that are lost in death to gain insight into the supersensible world? How can one accomplish this with the intellect, when the brain—to which the intellect is bound—is lost at death? Only if it is possible to appeal to those powers of the soul that are not bound to the senses or to the physical brain is it possible to penetrate the spiritual, supersensible worlds. And as true as it is—and as no one can dispute—that Du Bois-Reymond once said that we understand a sleeping person, but that from a scientific standpoint we no longer understand them once the ray of consciousness enters them—[what constitutes joy and suffering can no longer be investigated] —, one must nevertheless concede that the solution to the riddle of life cannot be found in this way, which leaves open the possibility of a solution where natural science ends. If one does not do so, then one must despair of solving this riddle of life.

[ 15 ] [Wo Naturwissenschaft aufhört, fängt Geisteswissenschaft an.] Daher muss es eine Geisteswissenschaft geben, die in keinem Punkte das Berechtigte der Naturwissenschaft leugnen will, die aber in derselben [strengen] Weise zu forschen hat durch Entwicklung der Seelenkräfte. Dann kommt im Menschen eine Kenntnis zustande, die zugleich Leben ist; das ist etwas, was sich wie ein geistigseelisches Lebenselixier ergießt, wodurch wir Mut und Sicherheit im Leben gewinnen, wodurch wir erst wissen, was wir als Menschen sind, und uns so fühlen als Geist selber, wie wir uns fühlen innerhalb der physisch-materiellen Welt, als dasselbe, was da lebt da draußen. Erkennen wir das Wesen des Geistig-Seelischen, dann fühlen wir uns ebenso mit diesem Geistig-Seelischen als ein Stück, als ein Glied des Geistig-Seelischen, das überall die Welt durchlebt und durchwebt, [sodass wir uns sagen: Das, was in Gesetzen in uns ist, lebt auch draußen, wir sind ein Stück der Welt]. Leben, wissendes Leben, nicht bloß gläubiges Leben soll die Geisteswissenschaft der modernen Kultur bringen, und das braucht der moderne Mensch. Der alte Glaube kann ihm nicht mehr genügen aus dem einfachen Grunde, weil der Mensch durch die Erziehung gegangen ist, die ihm die Naturwissenschaft geben kann, und weil er verlangen wird, dass das, was über den Geist gesprochen wird, im selben Stile gehalten wird, wie über die Naturwissenschaft gesprochen wird. Und das führt uns endlich dazu, dass wir anerkennen, wie auf der einen Seite durchaus berechtigt ist, was Goethe sagt, dass, weil wir in uns tragen die Fähigkeit, Licht zu empfinden, wir auch äußeres Licht erkennen, weil wir in uns ein göttliches Licht tragen, wir auch das Göttliche erkennen können. Goethe sagt:

[ 15 ] [Where natural science ends, the science of the spirit begins.] Therefore, there must be a science of the spirit that in no way denies the validity of natural science, but which must conduct research in the same [rigorous] manner through the development of the powers of the soul. Then a knowledge arises within the human being that is, at the same time, life itself; this is something that pours forth like a spiritual-soul elixir of life, through which we gain courage and security in life, through which we first come to know what we are as human beings, and thus feel ourselves to be spirit itself—just as we feel ourselves within the physical-material world—as the very same thing that lives out there. When we recognize the essence of the spiritual-soul realm, we feel ourselves to be just as much a part of this spiritual-soul realm—a member of it—which permeates and weaves through the entire world, [so that we say to ourselves: What is within us as laws also lives out there; we are a part of the world]. Spiritual science is meant to bring life—knowing life, not merely a life of faith—to modern culture, and this is what modern humanity needs. The old faith can no longer satisfy them for the simple reason that people have undergone the education that the natural sciences can provide, and because they will demand that what is said about the spirit be expressed in the same style as what is said about the natural sciences. And this finally leads us to acknowledge how, on the one hand, what Goethe says is entirely justified: that because we carry within us the ability to perceive light, we also recognize external light; because we carry a divine light within us, we can also recognize the divine. Goethe says:

Wär’ nicht das Auge sonnenhaft,
Die Sonne könnt’ es nicht erblicken,
Läg’ nicht in uns des Gottes eigene Kraft,
Wie könnt’ uns Göttliches entzücken?

If the eye were not like the sun,
It could not behold the sun;
If God’s own power did not dwell within us,
How could the divine delight us?

[ 16 ] Da wird von Goethe darauf hingewiesen, wie wir in uns [immer] ein Geistig-Seelisches haben und dadurch, dass wir es in uns haben, es gleichsam versetzt wird hinaus in die Welt, und wir es draußen wieder sehen können; wenn wir kein Auge hätten — wahr ist es -, dann wäre alles finster; wahr ist es, wenn wir nicht ein geistiges Auge hätten, könnten wir das Göttliche nicht außer uns bewundern. Aber Goethe hat sich nicht nur auf die Seite jener vielen Menschen gestellt, die nur im Menschen selber das Geistig-Seelische anerkennen wollen, sondern er hat sich gestellt auf die Seite jener, die wussten, dass, weil das Licht den Raum durchmisst, wir das Auge haben; [weil das Auge sonnenhaft ist, sehen wir die Sonne. Dass das Licht den Raum durchflutet, ist die Ursache des Auges]. Wäre nicht Licht außer uns, so hätte in unserem Leben das Auge sich nicht festsetzen können! Und so können wir die Betrachtungen des heutigen Abends, die uns zeigen sollten, wie der Mensch durch Belebung der in ihm liegenden Kräfte geistige Erkenntnis erlangen kann, damit beschließen, dass wir sagen: Nicht allein in uns ist das Geistig-Seelische, sondern es ist eine Bürgschaft dafür, dass wir, ebenso wie wir aus dem Leiblichen der Welt heraus geboren sind, wir auch herausgeboren sind aus dem Geistig-Seelischen, [das die Welt durchlebt].

[ 16 ] Goethe points out here how we [always] possess a spiritual-soul aspect within ourselves, and that by virtue of having it within us, it is, as it were, projected out into the world, where we can see it again; if we had no eyes—and this is true—then everything would be dark; it is true that if we did not have a spiritual eye, we could not admire the divine outside of ourselves. But Goethe did not merely side with those many people who wish to recognize the spiritual-psychic aspect only within human beings themselves; rather, he sided with those who knew that, because light traverses space, we have the eye; [because the eye is sun-like, we see the sun. The fact that light floods through space is the cause of the eye]. If there were no light outside of us, the eye could not have taken root in our lives! And so we can conclude this evening’s reflections—which were meant to show us how human beings can attain spiritual knowledge by enlivening the forces within them—by saying: The spiritual-soul aspect is not only within us; rather, it is a guarantee that, just as we are born out of the physical world, we are also born out of the spiritual-soul aspect [that lives through the world].

Wäre die Welt nicht sonnenbegabt,
Wie könnten Augen den Wesen erblühen;
Wäre das Dasein nicht Gottesenthüllung,
Wie kämen Menschen zur Gotteserfüllung?

If the world were not blessed with the sun,
How could eyes blossom in living beings?
If existence were not a revelation of God,
How would people come to fulfill God?