Death and Immortality
in the Light of Spiritual Science
GA 69d
9 March 1913, Munich
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Death and Immortality in the Light of Spiritual Science, tr. SOL
14. Wie kann man von übersinnlichen Welten wissen?
14. How Can We Know About Supernatural Worlds?
Meine sehr verehrten Anwesenden!
Ladies and gentlemen!
[ 1 ] Der Gegenstand des heutigen Vortrages geht von einer Frage aus, welche begreiflicherweise oftmals von denjenigen gestellt wird, die in einer vielleicht äußerlichen Weise von Geisteswissenschaft und Geistesforschung gehört haben und sich aus den Denkgewohnheiten und Vorstellungsarten, die nun einmal in weiten Kreisen der Gegenwart herrschend sind, keinen Begriff davon machen können, wie es möglich ist, Erkenntnisse von den übersinnlichen Welten zu gewinnen. Es ist öfters hier betont worden, dass der Gesichtspunkt solcher Einwendungen gerade demjenigen am begreiflichsten ist, der selber auf dem Boden dieser Geistesforschung steht. Und man darf wohl sagen: Wenn es da Verwunderung geben würde, so müsste man sich mehr wundern darüber, wenn die vom Geistesforscher vertretenen Anschauungen heute in weiteren Kreisen schon Zustimmung fänden, als darüber, dass sie in den allerweitesten Kreisen den denkbar größten Widerspruch hervorrufen – den sie eben hervorrufen müssen. Die ganze Höhe der gegenwärtigen Kultur und die ganze Entwicklung des äußeren wirtschaftlichen Lebens in den letzten Jahrhunderten lässt das begreiflich erscheinen. Es ist ja auch schon öfter betont worden, dass Geisteswissenschaft jederzeit voll anerkennt, was Naturwissenschaft und naturwissenschaftliche Betrachtungsweise für die gesamte Menschheitskultur geleistet haben. Aber gerade die Höhe dieser naturwissenschaftlichen Betrachtungsweise hing davon ab, dass der Zeitgeist, wenn man dieses Wort gebrauchen darf, eine Weile und Weilen sind in der Menschheitsentwicklung ja lang, dauern Jahrhunderte – eine Weile abgezogen worden ist von der Hingabe an die geistige Welt. Es ist eben deshalb verständlich – weil der Mensch sich von der sinnlichen Welt zum Denken anregen lässt –, dass er die Denkgewohnheiten annimmt, solche Vorstellungsarten, denen die Anschauung der geistigen Welt ungewohnt ist. Aber es ist das nicht nur [so], dass dies allein zur Gegnerschaft führt gegenüber der Geisteswissenschaft, sondern es ist so, dass tiefere Ursachen dabei beteiligt sind, sodass das heutige Thema «Wie kann der Mensch von übersinnlichen Welten etwas wissen?» wohl angebracht erscheint.
[ 1 ] The subject of today’s lecture stems from a question that is understandably often asked by those who have perhaps heard about spiritual science and spiritual research in a superficial way and, due to the habits of thought and modes of imagination that happen to prevail in broad circles today, cannot conceive of how it is possible to gain insights into the supersensible worlds. It has often been emphasized here that the perspective behind such objections is most understandable to those who themselves stand on the ground of this spiritual research. And one may well say: If there were cause for surprise here, one would be more surprised if the views held by spiritual researchers were already finding acceptance in wider circles today than if they were provoking the greatest possible opposition in the very broadest circles—which they simply must do. The very height of contemporary culture and the entire development of external economic life over the past centuries make this seem understandable. It has, after all, been emphasized many times that spiritual science fully acknowledges at all times what natural science and the scientific approach have contributed to the culture of humanity as a whole. But the very height of this scientific approach depended on the fact that the spirit of the age—if one may use that term—had, for a time—and “a time” in the course of human development is indeed long, lasting centuries—been drawn away from devotion to the spiritual world. It is precisely for this reason—because human beings allow themselves to be inspired to think by the sensory world—that they adopt habits of thought and modes of imagination that are unaccustomed to perceiving the spiritual world. But it is not merely that this alone leads to opposition to spiritual science; rather, deeper causes are at work here, so that today’s topic—“How can human beings know anything about supersensible worlds?”—seems quite appropriate.
[ 2 ] Nun, das Allererste dazu ist, dass der Mensch durch seine Selbsterkenntnis sich selber als ein übersinnliches Wesen erkennt, sich seine eigene übersinnliche Natur zum Verständnis bringt. Und vieles im Seelenleben des Menschen ist da, was zusammenhängt mit Kulturerrungenschaften der Gegenwart und auch der ganzen Menschheit, was hindernd einer wirklichen Selbsterkenntnis in den Weg tritt. Der Mensch ist in seinem Seelenleben gewissermaßen niemals so richtig mit seiner Seele ganz allein, und er muss es zuwege bringen, mit seiner Seele ganz allein zu sein, wenn er sie in ihrer tiefsten Wesenheit erkennen will. Nämlich wissend [ist er] niemals ganz allein. Aber es gibt doch ein gewisses Alleinsein, das dann eintritt, wenn der Mensch in den Zustand übergeht, in dem er sich seiner äußeren Gliedmaßen nicht bedient, sondern sie der Schwere der Erde übergibt, dem Gedächtnis und dem an die Sinne gebundenen Verstand Stillstand gebietet — das ist ja jeden Tag der Fall, wenn er in den Schlafzustand übergeht. Und gegen die geisteswissenschaftliche Behauptung oder Erkenntnis, dass der Mensch in seiner Leiblichkeit, wenn er in den Schlaf übergegangen ist, nichts darbietet, was dasjenige erklärlich machen kann, was auf- und abflutet in der Seele bis zum Aufwachen, dass die Vorgänge des schlafenden Leibes nichts von dem verständlich machen, was in der Seele während des Schlafens vorgeht – das wird in verhältnismäßig kurzer Zeit schon die naturwissenschaftliche Erkenntnis rückhaltlos zugeben, [und] dass der Seeleninhalt mit dem Aufwachen untertaucht in die Leiblichkeit [und so] – wie beim Einatmen die eingeatmete Luft – ein Stück des eigenen Leibes wird. Ebenso ist es mit dem Einschlafen, da das, was Seeleninhalt ist, aus dem Leibe heraustritt, sodass man es zwischen Einschlafen und Aufwachen tatsächlich zu tun hat mit einer Wesenheit, die getrennt ist von der Leiblichkeit, die keine Werkzeuge darbietet, um das zu beobachten. Man kann also von der schlafenden Seele sagen, dass sie in einer gewissen Beziehung allein ist, das heißt, dass sie nicht so wie der wache Mensch mit der äußeren Welt in Zusammenhang steht durch Verstand und Sinne und Gedächtnis. Aber der schlafende Mensch verliert ja im normalen Leben das Bewusstsein beim Einschlafen; und so muss man sagen, dass [da], wo der Mensch allein ist, er nicht in der Lage ist, die in dem Leibe wohnende Seele zu beobachten. Das ist es auch, was eine wirkliche Selbsterkenntnis unmöglich macht für den gewöhnlichen Menschen.
[ 2 ] Well, the very first thing to note is that, through self-knowledge, a person comes to recognize themselves as a supersensible being and comes to understand their own supersensible nature. And there is much in human soul life that is connected to the cultural achievements of the present and of all humanity, which stands in the way of true self-knowledge. In their inner life, human beings are, so to speak, never truly alone with their soul, and they must manage to be completely alone with their soul if they wish to recognize it in its deepest essence. For, in a sense, they are never truly alone. Yet there is a certain kind of solitude that arises when a person enters a state in which they do not make use of their external limbs but surrender them to the gravity of the earth, and command the memory and the intellect bound to the senses to come to a standstill—this is, after all, the case every day when they fall asleep. And regarding the spiritual-scientific assertion or insight that, in his physicality, once a person has fallen asleep, he offers nothing that can explain what ebbs and flows in the soul until awakening—that the processes of the sleeping body do not make any of what occurs in the soul during sleep comprehensible— —this, scientific knowledge will unreservedly admit in a relatively short time, [and] that upon awakening, the soul’s content submerges into the physical body [and thus]—like the inhaled air when one breathes in—becomes a part of one’s own body. The same is true of falling asleep, since the content of the soul emerges from the body, so that between falling asleep and waking up one is in fact dealing with an entity that is separate from the physical body, which offers no means of observing it. One can therefore say of the sleeping soul that it is, in a certain sense, alone—that is, it is not connected to the external world through the intellect, the senses, and memory, as the waking person is. But in normal life, the sleeping person loses consciousness upon falling asleep; and so one must say that [since] the person is alone, he is not in a position to observe the soul dwelling within the body. This is also what makes true self-knowledge impossible for the ordinary person.
[ 3 ] Nun fragt es sich aber: Kann der Mensch zu dieser Selbsterkenntnis dennoch kommen? – Es wird uns helfen, wenn wir einen anderen Seelenzustand ins Auge fassen, nicht, um eine Analogie heranzuziehen, sondern um uns die Realität des Seelenzustandes zwischen Schlafen und Wachen vor Augen zu stellen. Also nicht als Analogie [ist das Folgende] gemeint, sondern als Verständigungsmittel, [um] auf das Tatsächliche hinzuweisen: Das ist der «Seelenzustand» des laufenden Jahres. Im Frühling sprießt hervor die uns erhebende, erfreuende Naturwelt, die Pflanzenwelt. Wir sehen sie im Frühling hervorsprießen, im Sommer gedeihen, im Herbst absterben, mit Ausnahme der Dauergewächse; während der Winterzeit [wird sie] in ihren Schoß aufgenommen, sodass sie als Pflanzenwachstum unwahrnehmbar bleibt. Nehmen wir nun an, der Mensch wäre so, dass er, wenn der Frühling eintritt, in der Lage wäre, eine Art anderes Bewusstsein zu erhalten, dass sein Bewusstsein herabgedämpft würde und er gegen den Sommer mehr unbewusst wäre und erst, wenn die Natur abgewelkt, abgestorben ist, wiederum erwachte; dass also auf derjenigen Seite der Erde, auf der jeweilig Sommer ist, das Bewusstsein des Menschen entschlummern würde, dann würde er niemals eine Erkenntnis von der sprießenden und sprossenden Pflanzenwelt haben können. Was zur Sommerzeit die Erde übersät, das würde für den Menschen oder für ein Wesen, das mit seinen Eigenschaften ausgestattet wäre, eine unbekannte Welt [sein], welche auf seine Sinne nicht wirken würde – eine übersinnliche Welt.
[ 3 ] But the question arises: Can a person nevertheless attain this self-knowledge? – It will help us if we consider another state of mind, not to draw an analogy, but to visualize the reality of the state of mind between sleeping and waking. So [what follows] is not meant as an analogy, but as a means of understanding, [to] point to what is actually the case: This is the “state of mind” of the current year. In spring, the uplifting, joyful natural world—the plant world—springs forth. We see it sprouting in spring, flourishing in summer, and dying off in fall, with the exception of perennial plants; during the winter months, it is taken back into its womb, so that it remains imperceptible as plant growth. Let us now suppose that human beings were such that, when spring arrives, they would be able to attain a different kind of consciousness—that their consciousness would be subdued and they would be more unconscious as summer approaches, only to awaken again once nature has withered and died; that is to say, if on that side of the Earth where it is summer, human consciousness were to fall asleep, then he would never be able to gain any insight into the sprouting and budding plant world. What covers the Earth during the summer would be, for a human being—or for a being endowed with his characteristics—an unknown world that would not affect his senses—a supersensible world.
[ 4 ] Nun haben wir im Menschenleben etwas vor uns, was sich tatsächlich so verhält. Wer tiefer [darauf] eingeht, für den ist es nicht bloß Analogie, sondern Realität. Und — was dem Menschen so gegenübersteht, das ist tatsächlich die Gesamtnatur des Menschen selber. Denn was ist dieser schlafende Mensch, so wie er leiblich vor unseren Sinnen gegeben ist? Er ist, obwohl zwar äußerlich, substanziell von der Pflanze verschieden, innerlich von dem Wert einer Pflanze, die nur heraufkommt bis zum Leben zwar, aber nicht zum Bewusstsein, nicht einmal zu einem tierischen – also gleichsam eine Pflanze unter anderen Lebensbedingungen. Als Pflanzenwesen erscheint er uns gegenüber gewissen Kräften, die auf ihn wirken müssen [so], wie die Erde uns zur Sommerzeit erscheint, wenn die Sonne in einer gewissen Weise mit ihren Wärme- und Lichtkräften die Pflanzendecke hervorzaubert. Wir wissen auch, dass wir dann in den Schlaf sinken, wenn wir nach des Tages Arbeit unsere Kräfte ermüdet haben. Und wir wissen auch, dass der Schlaf den Sinn hat, dass die abgenutzten Kräfte [wieder erneuert] aus den Untergründen des Lebens heraus hervorgezaubert werden, denselben Prozess, wie wir ihn im Kosmos haben. Und man wird nach und nach sehen, wenn man von alten Denkgewohnheiten abgekommen ist, dass die Schlafenszeit nicht bloß als Analogie, sondern im realen Sinne des Wortes des Menschen Seelensommerzeit ist. Der Mensch erlebt seine Seelensommerzeit zwischen Einschlafen und Aufwachen. [...] Während des Wachzustandes werden durch des Tages Arbeit und die Anstrengung der Denk- und Seelenkraft des Menschen die pflanzlichen Hervorbringungen ausgetilgt. Verhält sich nicht der Wachzustand der Menschen so wie die Herbst- und Winterzeit, wo ausgetilgt wird von der Oberfläche der Erde, was während der Sommerzeit hervorgebracht worden ist? Die Wachenszeit ist die Seelenwinterzeit [des Menschen]. Das ist keine bloße Analogie. Es ist sehr leicht, die äußerliche Analogie so zu halten, dass man Ähnlichkeit findet, das ist sehr leicht zu machen. Aber das wäre eine äußerliche Betrachtungsweise.
[ 4 ] Now, in human life, we are faced with something that actually behaves this way. For those who explore [this] more deeply, it is not merely an analogy, but reality. And—what stands before us in this way is, in fact, the very essence of human nature itself. For what is this sleeping human being, as he physically presents himself to our senses? Although he is outwardly and substantially different from a plant, inwardly he has the value of a plant that has risen only to the level of life, but not to consciousness—not even to an animal level—that is, as it were, a plant under different conditions of life. As a plant-like being, he appears to us in relation to certain forces that must act upon him [just] as the earth appears to us in summertime, when the sun, in a certain way, conjures up the blanket of vegetation with its forces of warmth and light. We also know that we then sink into sleep when, after a day’s work, our forces have become exhausted. And we also know that the purpose of sleep is for the depleted forces to be conjured up anew from the depths of life—the very same process we observe in the cosmos. And one will gradually come to see, once one has moved away from old habits of thought, that bedtime is not merely an analogy but, in the true sense of the word, the “summer of the soul” for human beings. Human beings experience this “summer of the soul” between falling asleep and waking up. [...] During the waking state, the productive forces of the plant kingdom are depleted by the day’s work and the exertion of the human being’s powers of thought and soul. Is not the human waking state akin to the fall and winter seasons, when what has been produced during the summer is stripped away from the surface of the earth? The waking hours are [a person’s] soul’s winter. This is not merely an analogy. It is very easy to maintain the external analogy in such a way that one finds similarities; that is very easy to do. But that would be an external way of looking at things.
[ 5 ] Innerlich muss man das ansehen: Der Mensch kann in der Tat, wenn er sich selbst beobachten will, nicht in derselben Weise [in seiner Sommerzeit] zu sich kommen wie etwa während der Winterzeit, sondern er verliert, wenn er in seine Sommerzeit eintritt – wenn er beobachten könnte –, dasjenige, was an Kräften wirken muss, um ein sprießendes, sprossendes Leben hervorzubringen; [und] dann tritt der Mensch tatsächlich in die Bewusstlosigkeit ein. Er ist tatsächlich nicht in der Lage, seine Seele zu beobachten, sondern [es ist so], wie wenn er im Frühling sein Bewusstsein verlieren würde und [es] erst im Herbst wieder erhielte. So kann man sagen, dass Selbsterkenntnis nur möglich ist, wenn die verborgene Seite seines Daseins enthüllt werden kann.
[ 5 ] One must look at this from within: In fact, if a person wants to observe themselves, they cannot come to themselves in the same way [during their “summer season”] as they do, for example, during the “winter season”; rather, when they enter their “summer season”—if they were able to observe—they lose the very forces that must be at work to bring forth a sprouting, budding life; [and] then a person actually enters a state of unconsciousness. He is in fact unable to observe his soul, but [it is as if] he were to lose his consciousness in the spring and [regain it] only in the fall. Thus, one can say that self-knowledge is possible only when the hidden side of one’s existence can be revealed.
[ 6 ] Nun ist es aber natürlich, ein wenig die Eigentümlichkeiten der Seelenwinterzeit, also des Wachzustandes zu betrachten. Der ist ja so, dass die Seele angefüllt ist von Empfindungen, Vorsätzen, Ideen, Idealen und so weiter. Wenn wir dies alles überschauen, dann muss man sagen, dass der Mensch es eigentlich nur halb erlebt, nur teilweise erlebt. Denn betrachten wir nur das menschliche Denken [außerhalb] des Gesamtumrisses des menschlichen Seelenlebens: Wie erlebt sie der Mensch, wenn er die Aufgabe erfüllen will gegenüber dem Leben in der äußeren, physischen Welt, [diese] Seelenwinterzeit? Für seine Gedankenwelt, für alles, was ihm sein Denken gibt, ist es so, dass er sich nur so weit interessiert, dass er fragt: Was bilden die Gedanken von [den] äußeren Wirklichkeiten ab? Welchen Wert als Bilder von Wirklichkeiten haben die Gedanken? Das ist ja zunächst das Hauptinteresse. Und das ganze Seelenleben ist [davon] durchsetzt, vorzugsweise diese [Seite des] Seelenlebens zu entwickeln. Eine andere Frage kommt für dieses sogenannte normale Seelenleben viel weniger in Betracht. Das ist: Kann das Denken nicht einen anderen Wert bekommen als nur den, etwas abzubilden, etwas wie in einem Spiegel zur Repräsentation zu bringen? Wer den Gedanken nur [diesen] Wert zugestehen wollte – die meisten Menschen tun das —, der ist in der Lage wie ein Künstler, wenn er bei einem Werk nur das ansieht, was es abbildet. Da geht [doch] noch etwas ganz anderes vor als [bloßes Abbilden], [und das] geschieht in unserer Seele. Kunst hätte nicht die große Bedeutung für die Menschheit, wenn sie die Seele nicht ständig vorwärts tragen würde, nicht etwas wäre, das sich hineinsenkt in die Seele wie ein Keim, sodass sie ihre Erlebnisse hat, die sie zu etwas ganz anderem tragen, als sie vor der Betrachtung der Kunstwerke waren. Nicht einseitig pädagogisch-pedantische Betrachtung der Kunstwerke [ist das Fördernde], sondern [etwas] wie ein Gesetz der Menschheitsentwicklung in Bezug auf die Kunst. Derjenige, der Gedanken nur gelten lassen will in Bezug darauf, was sie abbilden, der gleicht einem Menschen, der ein Kunstwerk nur daraufhin anschaut, was es äußerlich abbildet. Aber die Seele ist gewöhnt, Gedachtes so zu nehmen, dass es den Wert des Abbildes hat. Der Wahrheitswert wird überall daraus gesucht, ob der Wirklichkeitswert durch die Gedanken getroffen wird. Gedanken, die nicht darauf ausgehen, denen wird ihr Wert größtenteils bestritten. Die Philosophie zum Beispiel, sie hat ihr gutes Recht darauf, sie muss so handeln. Aber fragen muss man, ob diese Begriffe wirklich eine Realität treffen, sich wirklich auf etwas beziehen.
[ 6 ] Now, of course, it is natural to consider the peculiarities of the soul’s wintertime—that is, the waking state—a little. This state is such that the soul is filled with feelings, intentions, ideas, ideals, and so on. If we take a broad view of all this, we must say that human beings actually experience it only halfway, only partially. For let us consider human thinking [outside] the overall framework of human soul life: How does a person experience this “soul winter” when they seek to fulfill their task in relation to life in the outer, physical world? As for their world of thought—for everything that their thinking provides—they are interested only to the extent that they ask: What do these thoughts represent of external realities? What value do these thoughts have as images of reality? That is, after all, the primary interest. And the entire life of the soul is permeated by the desire to develop this aspect of the soul’s life above all else. Another question is much less relevant to this so-called normal inner life. It is this: Can’t thinking have a value other than merely depicting something, presenting something as if in a mirror? Anyone who would grant thoughts only [this] value—and most people do—is in the same position as an artist who, when looking at a work of art, sees only what it depicts. Yet something quite different is at work here than [mere depiction], [and this] takes place within our soul. Art would not hold such great significance for humanity if it did not constantly propel the soul forward, if it were not something that sinks into the soul like a seed, so that the soul experiences things that carry it to something entirely different from what it was before contemplating works of art. It is not a one-sided, pedagogically pedantic view of works of art [that is the driving force], but [something] like a law of human development in relation to art. Anyone who wishes to accept thoughts only in relation to what they depict is like a person who looks at a work of art solely in terms of what it depicts externally. But the soul is accustomed to accepting thoughts in such a way that they possess the value of the image. The truth value is sought everywhere in whether the reality value is captured by the thoughts. Thoughts that do not aim at this are largely denied their value. Philosophy, for example, has every right to do so; it must act in this way. But one must ask whether these concepts truly correspond to reality, whether they truly refer to something.
[ 7 ] Aber es gibt noch eine andere Möglichkeit, die Gedanken nach ihrem Wert zu bemessen: als inneres Selbsterziehungsmittel der Seele. Da könnte es zum Beispiel so sein, dass sie im Abbild gar nicht [einer Wirklichkeit entsprechend] sind, aber dass sie sich erweisen als die Seele innerlich vorwärts bringend. Solche Gedanken oder solche, die in solcher Art verwendet werden, kommen in Betracht, wenn die Seele sich wirklich erziehen will zur Selbsterkenntnis.
[ 7 ] But there is another way to gauge the value of thoughts: as an inner means of self-education for the soul. It could be, for example, that they do not at all correspond to reality in their representation, but that they prove to advance the soul inwardly. Such thoughts—or those used in this way—are worth considering when the soul truly wishes to educate itself toward self-knowledge.
[ 8 ] Schon öfter wurde hier gesagt, dass, wenn man sich so übt, man es bezeichnet als Meditation, als Konzentration, Kontemplation. Was heißt das alles? Nichts anderes, als einen Zustand der Seele herbeizuführen, welcher ähnlich ist dem Schlafzustand, dass die Seele erst, in Bezug auf ihre äußeren Gliedmaßen, dieser sich nicht bedient, nicht durch die Sinne Anregungen empfängt, sondern wo sie durch starke Willenskraft – durch negative Aufmerksamkeit, möchte man sagen – das abweist, was der Alltag gibt.
[ 8 ] It has often been said here that when one practices in this way, it is referred to as meditation, concentration, or contemplation. What does all this mean? Nothing other than bringing about a state of the soul that is similar to the state of sleep—a state in which the soul, with regard to its external faculties, does not make use of them, does not receive stimuli through the senses, but rather, through strong willpower—through “negative attention,” one might say—rejects what everyday life offers.
[ 9 ] Dieser Zustand unterscheidet sich aber dadurch radikal von dem Schlafzustand, dass die Seele sich ihrer selbst voll bewusst bleibt und doch einen Gedankeninhalt ins Bewusstsein stellt; dann ist die Seele konzentriert auf diesen Gedankeninhalt, dann ist die Seele in Konzentration oder Kontemplation. Dieser Zustand ist nicht leicht herbeizuführen. Lange, sorgfältige, systematische Übungen sind nötig, um diesen Zustand herbeizuführen. Der bewirkt aber in der Seele das Heraufleuchten eines ganz neuen Lebens. Wenn er seine Früchte getragen hat, dann fühlt die Seele, dass jetzt Kräfte erwacht sind, die früher schlummerten. Deshalb kommt es nicht darauf an, was der Meditant in den Mittelpunkt stellt; im Prinzip kommt es darauf an, dass mit der ganzen Anstrengung diese Konzentrierung auf den Inhalt vorgenommen wird. Es ist nun so, wie wenn der Mensch äußerlich durch Tätigkeit seine Muskeln übt; sie werden stärker dadurch. [Um] die Seelenkräfte, die gewöhnlichen handelt es sich nicht [bei] diesen Übungen. Aber weil es sich darum handelt, andere Kräfte aus der Seele herauszuholen, die zum Beispiel darauf abzielen, die Seele energischer, regsamer zu machen, den Teil der Seele zum Beispiel, der im wachen Tagesleben nur schwach anklingt – also nicht auf den Gedankeninhalt kommt es an, sondern darauf, dass die Seele etwas tut, und durch diese Tätigkeit etwas in sich weckt, was zwar auch sonst vorhanden ist, aber in ihr schlummert. Dadurch, durch diese Erziehung zeigt die Seele, dass sie auch allein sein kann, unangewiesen auf ihre Leiblichkeit – ähnlich dem Schlafzustande, aber wieder radikal verschieden.
[ 9 ] This state, however, differs radically from the state of sleep in that the soul remains fully conscious of itself and yet brings a thought into consciousness; the soul is then focused on this thought, and is thus in a state of concentration or contemplation. This state is not easy to achieve. Long, careful, systematic practice is necessary to bring about this state. Yet it causes a completely new life to dawn within the soul. Once it has borne fruit, the soul feels that powers which previously lay dormant have now awakened. Therefore, it does not matter what the meditator focuses on; in principle, what matters is that this concentration on the content is undertaken with all one’s effort. It is like when a person exercises their muscles externally through physical activity; they become stronger as a result. These exercises do not concern the ordinary powers of the soul. But because the aim is to draw out other powers from the soul—powers that, for example, seek to make the soul more energetic and active, such as the part of the soul that is only faintly present in waking daily life—it is not the content of thought that matters, but rather that the soul is doing something and, through this activity, awakens within itself something that is indeed present but lies dormant. Through this training, the soul demonstrates that it can exist on its own, independent of its physicality—similar to the state of sleep, yet radically different.
[ 10 ] Warum ist der Schlafzustand im gewöhnlichen Leben bewusstlos? Weil das innere Leben so schwach, so «verhuschelt» ist, dass die Kraft der Seele dieses innerliche Leben nicht wahrnehmen kann. Wenn aber Kräfte geweckt werden, dann erfühlt sich die Seele, auch wenn sie von ihrer Leiblichkeit absieht. Und jetzt erlebt man, dass die Seele in der Tat bewusst ihrer Sommerzeit gegenübertreten kann, denn jetzt erlebt man in der Tat den Inhalt der Gedanken in ganz anderer Weise. Sie sind im Alltag wie Weizenkörner, die der Bauer auf dem Feld holt in der bekannten Weise. Sie kommen in der Entwicklung nur [bis] zu einem gewissen Grade, wenn sie als Nahrungsmittel dienen. Wenn sie eingeheimst werden, unterscheiden sie sich nicht davon, von denen, die zur Aussaat verwendet werden.
[ 10 ] Why is the state of sleep unconscious in ordinary life? Because inner life is so weak, so “subdued,” that the soul’s power cannot perceive this inner life. But when these powers are awakened, the soul becomes aware of itself, even when it turns its attention away from its physicality. And now one experiences that the soul can indeed consciously face its “summertime,” for now one truly experiences the content of thoughts in a completely different way. In everyday life, they are like grains of wheat that the farmer harvests in the field in the familiar way. They develop only to a certain degree when they serve as food. When they are harvested, they are no different from those used for sowing.
[ 11 ] So sind die gewöhnlichen Gedanken, die der Mensch in seiner Winterzeit so erlebt: Der Mensch bedient sich dieser Gedanken, um der Seele geistigen Inhalt zu geben, die Seele auszufüllen – so wie die Weizenkörner verwendet werden, um Nahrung zu geben. Die Gedanken aber, die für Meditation und Konzentration verwendet werden, sie gleichen den Weizenkörnern, die ausgesät werden, aus denen schlummernde Kräfte herausgeholt werden, die zum Aufsprießen, Aufsprossen gebracht werden. Der Mensch hat von seinen Gedanken nur ihre teilweise Wirksamkeit kennengelernt. Durch die Meditation und Konzentration bewirken wir, dass die Gedanken in unser Seelenleben eingesenkt werden, dass sie eine ganz andere Wesenheit in sich haben; sie sprießen und sprossen auf, und der Mensch erlebt dann, was er sonst in seiner Seelensommerzeit bewusstlos erlebt, jetzt bewusst: eine neue Welt, die sogenannte imaginative Welt. Es tritt vor seiner Seele in der Tat die Frucht seiner Anstrengung auf. Er hat zwar nicht in ganz gleicher Weise wie im normalen Leben die Seelensommerzeit zum Bewusstsein erhoben, aber das, was in der Seelensommerzeit ins Unbewusste hinuntertritt, das hat er zum Aufsprießen, zum Aufsprossen gebracht, wie wenn der Mensch zur Winterszeit aus einzelnen Weizenkörnern eine Vegetation hervorrufen würde. Das ist aber notwendig für den Menschen, dass er die andere Seite seiner Wesenheit kennenlernt, in der das Seelenwesen in seiner Fruchtbarkeit, in seinem sprießenden, sprossenden Leben erscheint. Sonst [wirkt der] Gedanke nur als Bild; jetzt keimt und sprosst es, wenn wir sie, [die Gedanken], so behandeln, nicht bloß als Bild, sondern sie einstreuen und wirklich zum Aufkeimen bringen. Dann führt man wirklich durch Selbsterkenntnis die Seelensommerzeit herbei. Und wie [wir] vorhin hypothetisch [annahmen], dass im Frühling das Bewusstsein entschwunden ist und jetzt eine unbekannte Welt im Sommer [erlebt wird], so überschaut [nun] die Seele eine ihr unbekannte Welt. In der Tat hat unserer Seele Wesensgrund die Fähigkeit, hervorsprießen zu lassen, was sonst unbekannt bleibt, wenn sie nicht auf halbem Wege stehen bleibt, sondern gewissermaßen die Gedanken als Saatkörner verwendet. Nichts anderes ist Meditation, Konzentration, Kontemplation als [das], was sonst unbekannt ruht, mit Gedanken, Gefühlen – auch mit diesen kann es gemacht werden – zur Entfaltung zu bringen, [und] dadurch eine neue Welt.
[ 11 ] Such are the ordinary thoughts that a person experiences during their “winter” period: A person uses these thoughts to provide the soul with spiritual content, to fill the soul—just as grains of wheat are used to provide nourishment. But the thoughts used for meditation and concentration are like grains of wheat that are sown, from which dormant powers are drawn forth and brought to sprout and grow. Human beings have come to know only a part of the effectiveness of their thoughts. Through meditation and concentration, we cause thoughts to sink into our soul life, so that they take on an entirely different essence; they sprout and grow, and the human being then experiences consciously what he or she otherwise experiences unconsciously during the soul’s summer: a new world, the so-called imaginative world. Indeed, the fruit of his effort appears before his soul. Although he has not raised the “soul’s summer” to consciousness in quite the same way as in normal life, he has caused that which descends into the unconscious during the “soul’s summer” to sprout and bud, just as a person might cause vegetation to grow from individual grains of wheat during the winter. But it is necessary for a person to get to know the other side of their being, in which the soul-being appears in its fruitfulness, in its sprouting, budding life. Otherwise, the thought functions only as an image; now it germinates and sprouts when we treat them—the thoughts—not merely as images, but sow them and truly bring them to germination. Then, through self-knowledge, one truly brings about the soul’s summertime. And just as [we] hypothetically [assumed] earlier that consciousness had vanished in spring and now an unknown world is [experienced] in summer, so [now] the soul surveys a world unknown to it. In fact, the very essence of our soul has the ability to bring forth what would otherwise remain unknown, provided it does not stop halfway but, so to speak, uses thoughts as seeds. Meditation, concentration, and contemplation are nothing other than bringing to fruition—through thoughts and feelings (for this can also be done with them)—that which otherwise lies unknown, thereby creating a new world.
[ 12 ] Nun wirken immer viele Dinge gegen den Menschen, wenn er diese Welt im alltäglichen Leben zur Produktion zu bringen bemüht ist. Es ist begründet in seinem Wesen, wenn er in die Seelensommerzeit eintritt, dass der Mensch, wenn er ein tüchtiges Wesen im Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft haben will, also in der Winterzeit, gerade im Denken eine gewisse Seelenverfassung hat. Das darf nicht fehlen im äußeren Leben, sonst würde er sich als untüchtig erweisen. Und wir müssen Vertrauen haben zum Denken. Wir kommen wirklich nicht aus in der Welt, wenn wir als Ausgangspunkt nicht das Vertrauen, das heißt den Glauben haben, dass unser Denken uns führen kann, das heißt uns anvertrauen können dem Denken. Würde es wirklich Welten geben, in denen dies möglich [wäre] – bitte, sich den Zustand auszumalen –, es wäre so erschütternd, dass es alle Tüchtigkeit nehmen würde. Der Mensch ist angewiesen auf dieses Vertrauen, diesen Glauben, wohin er auch kommen mag mit seinem Denken. Nun hat aber alles seine Licht- und Schattenseiten. Wo wir aber das Licht brauchen, da kommt die Schattenseite nicht in Betracht.
[ 12 ] Now, many things always work against a person when he strives to make this world productive in his everyday life. It is rooted in human nature that, when a person enters the “summer of the soul”—that is, when they wish to be a capable being in life and in the ordinary sciences, which corresponds to the “winter” of the soul—they possess a certain state of mind precisely in their thinking. This must not be lacking in their outer life; otherwise, they would prove to be incapable. And we must have trust in thinking. We truly cannot get by in the world if we do not have, as a starting point, that trust—that is, the belief—that our thinking can guide us; in other words, that we can entrust ourselves to our thinking. If there were truly worlds in which this were possible—please imagine such a state of affairs—it would be so unsettling that it would rob us of all competence. Human beings depend on this trust, this faith, no matter where their thinking may take them. But everything has its light and dark sides. Where we need the light, however, the dark side does not come into consideration.
[ 13 ] Der Mensch erzieht sein Denken an der Sinneswelt, sie ist seine Lehrerin. Dadurch hat er nicht Vertrauen zum Denken als solchem, sondern [zu] einem, das einen Halt an der äußeren Sinneswelt hat. Der Mensch gewöhnt sich dadurch von Anfang an gar nicht daran, an seinem Denken ein solches Instrument zu haben, das ihn durch alle Gebiete seines Lebens zu führen vermag. Dadurch verliert er die Sicherheit; er kommt ins Unsichere, wenn er an etwas kommt, das nicht im gewöhnlichen Alltag an ihn herankommt. Und dadurch ist er gegen die Geisteswissenschaft [eingestellt]. Das ist begreiflich, darüber lässt sich, wie gesagt, nichts sagen. Im Gegenteil, unsere Zeitgenossen können nichts davon machen. Das rührt aber davon [her], dass dieses Denken an der Sinneswelt geschult ist. Es ist, wie wenn der Mensch eintreten wollte in eine Welt, die nicht Sinneswelt ist. Nun wird der Mensch gerade tüchtig an der Sinneswelt, die sein äußeres Denken schult. Das ist deshalb begreiflich, wenn Gebiete auftreten, die auf einem anderen Felde liegen, als was im äußeren Denken [erfahren wird]. Das eine, das Vertrauen in sein Denken, das er fühlt, das Vertrauen wird wankend vor der übersinnlichen Welt.
[ 13 ] Human beings train their thinking through the sensory world; it is their teacher. As a result, they do not place their trust in thinking as such, but rather in a form of thinking that finds its foundation in the external sensory world. As a result, from the very beginning, human beings do not become accustomed to having in their thinking an instrument capable of guiding them through all areas of their lives. Consequently, they lose their sense of security; they become uncertain when confronted with something that does not come to them in ordinary everyday life. And as a result, they are [disenchanted] with spiritual science. This is understandable; as I said, there is nothing to be said about it. On the contrary, our contemporaries cannot make sense of it. But this stems from the fact that this thinking is trained in the sensory world. It is as if a person were trying to enter a world that is not the sensory world. Now, a person becomes proficient precisely through the sensory world, which trains their outer thinking. It is therefore understandable that when realms arise that lie in a different sphere than what is [experienced] in outer thinking, that confidence in their own thinking—the confidence they feel—begins to waver in the face of the supersensory world.
[ 14 ] Und ein anderes kommt dazu, das ebenso die Seelenwinterzeit, das gewöhnliche Wachen, charakterisiert. Wir wissen ja, dass die Denkgewohnheiten der letzten Jahrhunderte den Materialismus [hervorgebracht haben], nobler [gesprochen, aber] das Wort missbrauchend, [den] Monismus. Diese Weltanschauung hat nur einen Wert bei dem Leben, das äußerlich zu konstatieren ist. Geisteswissenschaft zeigt, dass hinter alledem der Geist lebt, und [dass] man nur tief genug in die Dinge hineinkriechen muss, um hinter alledem den Geist zu finden. Wenn die Seele sich im Ernste so erzieht, wie [es] eben charakterisiert [worden ist], dann kommt sie zu einem Punkt, der außerordentliche Seelenerlebnisse darstellt, und der zeigt, warum der Mensch zum Materialismus, Monismus und so weiter kommt. Dann also — wie in meiner Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» geschrieben ist –, wenn er eine neue Welt aufsprießen fühlt, dann kommt ein gewisser Moment, wo die Seele ein Ähnliches gegenüber dieser neuen Welt fühlen muss, wie sie [es] fühlt gegenüber dieser sinnlichen Welt. Demgegenüber ist notwendig, dass der Mensch, wenn er Dinge beobachtet, in vollster freier Willkür die Fähigkeit entfalten kann, dass er den Blick hinrichten kann und ihn auch wiederum abzulenken vermag. Man bedenke nur einmal, [wie es wäre], wenn der Mensch ihn [den Blick] nicht willkürlich wieder wegzulenken vermöchte, sondern fasziniert, zwangsmäßig [ihn] nicht wieder weglenken könnte von den Dingen der sinnlichen Welt. In derselben Lage wäre eine Seele, die [das], was durch ihre Übungen vor ihr erscheint, einfach vor sich stehen lassen müsste. Denn das ist nicht [bloß], wie wenn man in der sinnlichen Welt den Blick wegwendet — damit ist es nicht getan. Das muss in Betracht kommen, dass der Geistesforscher imstande ist, alles, was an neuem Seeleninhalt herbeigeführt worden ist, auszulöschen, wegzulöschen. Das entspricht dem Weglenken eines Blicks in der sinnlichen Welt.
[ 14 ] And there is another factor that likewise characterizes the winter of the soul—ordinary wakefulness. We know, after all, that the habits of thought of the past centuries have [given rise to] materialism—or, to put it more nobly [though] misusing the term, monism. This worldview has value only for the life that can be observed externally. Spiritual science shows that the spirit lives behind all of this, and [that] one need only delve deeply enough into things to find the spirit behind it all. If the soul seriously educates itself as [has] just been characterized, then it reaches a point that constitutes extraordinary spiritual experiences, and which reveals why human beings turn to materialism, monism, and so on. Then—as is written in my treatise *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?* —when one feels a new world springing forth, there comes a certain moment when the soul must feel toward this new world something similar to what it feels toward this sensory world. In contrast, it is necessary that when a person observes things, they be able to develop, with the fullest freedom of will, the capacity to direct their gaze and also to divert it again. Just consider for a moment [what it would be like] if a person were unable to turn [his gaze] away at will, but were instead so fascinated and compelled that he could not look away from the things of the sensory world. A soul would be in the same situation if it were simply forced to let [that which] appears before it through its exercises remain there. For this is not [merely] like turning one’s gaze away in the sensory world—that is not enough. One must take into account that the spiritual researcher is capable of erasing, of wiping out, everything that has been brought about as new content of the soul. This corresponds to diverting one’s gaze in the sensory world.
[ 15 ] Dadurch ist der Geistesforscher radikal verschieden von denen, bei denen Halluzinationen, Visionen, Wahnvorstellungen auftreten, die sie mit Hartnäckigkeit für objektive Dinge nehmen wollen. Das darf der Geistesforscher gar nicht eintreten lassen. Er muss wissen, dass er nur Schattenbilder heraufgeholt hat, dass er sie wieder aus dem geistigen Blick verschwinden lassen muss. Das gehört zu einer gewissen Stufe, dass man die Fähigkeit hat, die [Bilder] wieder auszulöschen. Ja, das Auslöschen – man kann ja sehen, wie habgierig die Seele an ihren Wahnvorstellungen hängt –, dieses Auslöschen gehört zum Allerallerschwierigsten. Warum? Weil nicht nur die Kräfte wachsen, von denen wir gesprochen haben, sondern auch andere, die sonst nur schwach vorhanden sind. Eine Kraft verstärkt sich nämlich mit der Verstärkung der anderen Kraft, das ist der Selbstsinn, die Eigenliebe, die Selbstliebe im gewöhnlichen Leben, der wächst heran wie eine Naturkraft. Im gewöhnlichen Leben wird die Selbstliebe durch moralische Stärke überwunden; Blitz und Donner aber nicht. So aber, wie Naturelemente und Naturkräfte, tritt die verstärkte Selbstliebe, der Selbstsinn, in unserer Seele auf. Daher muss die zur Geistesforschung führende Seelenentwicklung auch dies mit sich bringen, dass der Mensch den verstärkten Selbstsinn in sich überwinden kann, was jetzt wie eine Naturkraft im Menschen ist, [so] dass die Seele sich wie ausgeliefert glaubt. Die gewöhnliche Kraft reicht dazu nicht aus.
[ 15 ] In this respect, the spiritual researcher is radically different from those who experience hallucinations, visions, and delusions, which they stubbornly insist on taking for objective realities. The spiritual researcher must not allow this to happen at all. He must know that he has merely conjured up shadows, and that he must make them vanish again from his spiritual vision. It is part of reaching a certain level to possess the ability to erase these [images] again. Yes, this erasure—for one can see how greedily the soul clings to its delusions—is among the very, very most difficult things. Why? Because not only do the forces we have spoken of grow, but so do others that are otherwise only weakly present. For one force intensifies with the intensification of the other—that is, self-centeredness, self-love, the self-love of everyday life, which grows like a force of nature. In everyday life, self-love is overcome by moral strength; but lightning and thunder are not. Just as with natural elements and forces, this intensified self-love—this self-centeredness—manifests itself in our soul. Therefore, the development of the soul leading to spiritual research must also enable the human being to overcome this intensified self-centeredness within themselves—which now exists within them like a natural force—[so] that the soul feels as if it were at the mercy of this force. Ordinary strength is not sufficient for this.
[ 16 ] Und hier [tritt] ein Ereignis [auf], das erschütternd [wirkt], weil es eines der ersten ist. Es kann [in veränderter Form auftreten], aber immer hat man es [mit Recht genannt]: das Herantreten bis an die Pforte des Todes. Der Mensch fühlt, wie wenn das, was er bisher sein Ich, seine Seele genannt hat, wie wenn das wie von einem Blitz durchfahren würde, wie wenn ihm das genommen würde. Alles, womit er sich verbunden glaubte, was er war, das ist jetzt wie von ihm losgelöst worden. Seine Eigenheit wird wie ein Wesen außer ihm, er steht sich gegenüber wie bisher nur einem Ding außer ihm. Geschildert ist das leicht, erlebt – gehört es zu den erschütterndsten Dingen, die erlebt werden können, denn es ist, wie wenn der Boden schwindet. Alles, was er bisher gedacht, gefühlt, empfunden hat, das gibt [der Mensch] mit weg. Das bringt ihn – wenn der Mensch sich die Fähigkeit erworben hat, dabei sich noch aufrecht zu halten, wenn er sich wie losgelöst von allem fühlt – wie über einen Abgrund, das erzeugt die Verstärkung eines Gefühls, das er bisher auch nur in geringem Maße hatte [und] das er nun kennenlernen muss: die Furcht vor dem Unbekannten.
[ 16 ] And here [occurs] an event that [has] a shattering [effect], because it is one of the first. It may [occur in a different form], but it has always been [rightly called]: the approach to the gates of death. The person feels as if what he has hitherto called his “self,” his “soul,” were struck by a bolt of lightning, as if it were being taken from him. Everything to which he believed himself connected, everything he was—all of that has now been torn away from him. His individuality becomes like a being outside himself; he stands face to face with it, as he has hitherto stood only before an external object. This is easy to describe, but to experience it—it is one of the most shattering things that can be experienced, for it is as if the ground were vanishing beneath one’s feet. Everything that he has thought, felt, and sensed up to this point, he lets go of. This leads him—if he has acquired the ability to remain upright even as he feels detached from everything—as if over an abyss; this intensifies a feeling that he had previously experienced only to a small degree [and] that he must now come to know: the fear of the unknown.
[ 17 ] Die geistige Welt, sie ist ja immer da, aber sie ist dem Menschen etwas so Unbekanntes, dass er ihr in diesem Momente wie dem Nichts gegenübersteht. Das erzeugt Furcht. Es darf aber niemand glauben, dass er geschädigt werde, wenn er regulär im genannten Sinne verfahren ist; das gehört zur Selbsterziehung, dass er zugleich gestärkt und gekräftigt ist, sie zu ertragen, er ist zugleich gefestigt, sie zu ertragen. Für gewöhnlich ist er davor behütet. Wir sprechen von einem «Hüter der Schwelle». Was aber nicht im Bewusstsein waltet, das ist deshalb nicht etwa in der Seele gar nicht vorhanden. Die Seele ist eine zweifache Wesenheit. In den Tiefen ist oft ganz anderes als [das], wovon sie weiß. Zum Beispiel können wir ein Menschenwesen bewusst hassen, und der Hass kann sein die Decke für eine Liebe. Weil wir die Liebe nicht ausleben, betäuben wir uns selber. Nicht bloß in Fausts Natur [sind] zwei Seelen, sondern jede Menschenseele ist eigentlich durchaus eine solche, die zwei hat. Nun ergibt sich für den Seelenkenner das Folgende: Wenn der Mensch im gewöhnlichen Leben ist, dann sucht er seinen Halt, seine Bestimmtheit, dadurch zu erreichen, dass er das Unterbewusstsein zurückdrängt, nämlich die Furcht. Bei dem Geistesforscher stellt sich ja nichts anderes ein, als was immer in den Untergründen ist. Sie sind immer da. Wenn nun der Fall eintritt, dass das überwunden wird, [so] tritt der Mensch in die geistige Welt ein. Wenn sie aber heraufsteigt und doch nicht bewusst wird, also gleichsam nur anklopft, der Mensch aber sie überbrückt —.
[ 17 ] The spiritual world is always there, but it is something so unknown to human beings that, at that moment, they face it as if it were nothing. This creates fear. However, no one should believe that they will be harmed if they have proceeded properly in the sense described; it is part of self-education that they are simultaneously strengthened and fortified to endure it—they are at the same time fortified to endure it. Usually, they are protected from it. We speak of a “Guardian of the Threshold.” But what does not reign in consciousness is not, for that reason, entirely absent from the soul. The soul is a dual entity. In its depths lies often something quite different from [what] it is aware of. For example, we may consciously hate another human being, and that hatred may serve as a veil for love. Because we do not live out that love, we numb ourselves. It is not merely in Faust’s nature that there are two souls; rather, every human soul is, in fact, one that possesses two. Now, the following becomes clear to the connoisseur of the soul: When a person is living an ordinary life, they seek to achieve stability and certainty by repressing the subconscious—namely, fear. For the spiritual researcher, nothing else arises than what is always present in the depths. They are always there. When the time comes that this is overcome, the person enters the spiritual world. But if it rises to the surface and yet does not become conscious—that is, if it merely knocks, so to speak—and the person bridges over it—.
[ 18 ] Wodurch kann er das? Indem er die geistige Welt leugnet; dadurch stößt er die geistige Welt hinunter, sodass der Materialist und Monist in ihrem Seelengrund Furcht vor der geistigen Welt haben und dadurch sich in ihrem Materialismus betäuben. [Eine] ganz sonderbare Erscheinung, doch wahr [ist es], dass der Materialismus auf unerkannter, ungenannter Furcht beruht. Gewiss ist es unbequem, wenn der Seelenkenner behauptet, wenn in einer Monistenversammlung so gesprochen werde, wie es eben geschieht, dass das [deshalb] ist, weil die Bekenner von Furcht und Angst gequält sind. Materialismus und Angstmeierei stellt sich für die wirkliche Beobachtung so dar.
[ 18 ] How is he able to do this? By denying the spiritual world; in doing so, he pushes the spiritual world down, so that materialists and monists, deep in their souls, fear the spiritual world and thereby numb themselves with their materialism. [It is] a very strange phenomenon, yet it is true that materialism is based on an unrecognized, unnamed fear. Certainly, it is uncomfortable when the connoisseur of the soul asserts—as is often the case in monist gatherings—that this is [therefore] because the adherents are tormented by fear and anxiety. Materialism and timidity present themselves in this way to the true observer.
[ 19 ] Und so ist es im Grunde genommen: Was den Menschen für die äußere physische Welt stark macht, dass er sein Denken schult an der äußeren Welt, dadurch Vertrauen zum Denken hat und dadurch die Furcht ebenso überbrückt — das verhindert seinen Eintritt in die übersinnliche Welt. Daher ist es so notwendig, wenn er in die übersinnliche Welt eintreten will, dass er in freier Weise in seiner Seele eine Zweiheit entwickeln kann, einerseits sich erhebt zu Zuständen, die in der übersinnlichen Welt sind, und andererseits sie wieder vergisst oder sie zurückzudrängen wieder in der Lage ist — das, was sein Beobachtungsgebiet in der übersinnlichen Welt ausmacht –, wenn er in die physische Welt zurückkehrt. Sonst wird er ein Schwärmer, [ein] falscher Mystiker oder alles Mögliche, nur kein’ Geistesforscher, [wenn er] das hineinmischt. Das muss er mit starker Seele auseinanderhalten und andererseits doch wieder auf das Übersinnliche beziehen, weil dort im Übersinnlichen die Gründe für alles Sinnliche liegen. Das macht den Geistesforscher aus. Und deshalb [ist es] so notwendig, dass [durch] die Sommerzeit und die Winterzeit [ihm das zum Bewusstsein] gebracht wird, was der Schlaf verhüllt. Wenn er das nicht täte, würde er jederzeit die Furcht hervorbringen, die eben angedeutet wurde.
[ 19 ] And this is essentially how it is: What makes a person strong in relation to the outer physical world—the fact that they train their thinking through the outer world, thereby gaining confidence in their thinking and thus overcoming fear as well—is precisely what prevents them from entering the supersensible world. That is why, if a person wishes to enter the supersensible world, it is so necessary that they be able to freely develop a duality within their soul: on the one hand, to rise to states that exist in the supersensible world, and on the other hand, to forget them again or be able to push them back—that which constitutes his field of observation in the supersensible world—when he returns to the physical world. Otherwise, he becomes a dreamer, a false mystic, or anything else—but certainly not a spiritual researcher—if he mixes that in. He must keep these things separate with a strong soul, while at the same time relating them back to the supersensible, because there, in the supersensible, lie the reasons for everything sensible. That is what defines the spiritual researcher. And that is why it is so necessary that, through the summer and winter seasons, what sleep veils be brought to his consciousness. If he did not do this, he would constantly give rise to the fear that was just alluded to.
[ 20 ] Wenn der Mensch so eintritt in die Geisteswelt, dann sieht er nicht bloß ein Geistig-Seelisches im Allgemeinen, sondern Dinge, Tatsachen und Wesenheiten, die so geschieden, so gesondert voneinander sind wie die Dinge und Tatsachen in der physischen Welt. Nur wird einem gerade diese Tatsache am allerwenigsten verziehen, es wird ihm nicht verziehen, dass der Geistesforscher eine Wirklichkeit vielfacher geistiger Wesenheiten schaut.
[ 20 ] When a person enters the spiritual world in this way, they do not merely perceive the spiritual-soul realm in general, but rather things, facts, and beings that are as distinct and separate from one another as the things and facts in the physical world. Yet it is precisely this fact that is least forgiven; the spiritual researcher is not forgiven for perceiving a reality of manifold spiritual entities.
[ 21 ] Eine bedeutende geistige Persönlichkeit wie Charles Eliot von der Harvard-Universität betont, dass er hinter dem Physisch-Sinnlichen ein Geistiges finde, dass der Mensch sich immer von dem Leibe unterscheide. Wenn dann aber der Geistesforscher sagt, nach der geschilderten Selbsterziehung komme man dazu, einzelne geistige Wesenheiten zu sehen, die einen Kosmos ausmachen, wie die physischen Dinge einen physischen Kosmos [ausmachen], dann wird das abgelehnt. Wenn man Charles Eliot sagen würde bei der Betrachtung der Pflanzenwelt, bei jeder Pflanze oder bei jedem Stoff im Laboratorium sagen würde: Das ist Natur, das ist Natur, das ist Natur –, nichts würde dadurch erreicht. Man verzeiht der Geisteswissenschaft höchstens, dass man Geist im Allgemeinen zugibt, nicht aber einzelne Wesenheiten und Dinge der geistigen Welt. Aber wie die Welt spezifiziert ist durch die Sinnesorgane der Menschen, so sind in der geistigen Welt Wesenheiten, die allerdings keinen physischen Körper haben, so steht die geistige Welt vor dem Menschen, wenn er sie erst erkannt hat.
[ 21 ] A prominent intellectual figure such as Charles Eliot of Harvard University emphasizes that he finds a spiritual aspect behind the physical and sensory, and that human beings are always distinct from the body. But when the spiritual researcher then says that, following the self-education described, one comes to see individual spiritual beings that constitute a cosmos, just as physical things constitute a physical cosmos, this is rejected. If one were to say to Charles Eliot, when observing the plant world—or looking at every plant or every substance in the laboratory—“This is nature, this is nature, this is nature”—nothing would be achieved by doing so. At most, people forgive spiritual science for acknowledging the existence of spirit in general, but not for acknowledging individual beings and things in the spiritual world. But just as the world is specified through human sensory organs, so too are there beings in the spiritual world—beings that, admittedly, have no physical body—and thus the spiritual world stands before the human being once he has recognized it.
[ 22 ] Wie gesagt: Das, was notwendig ist zum Beobachten, zum Erkennen, ja sogar nur zum Zugeben der geistigen Welt, zum Anerkennen, das ist Selbsterleben der geistigen Welt. Und wenn [der Mensch] durch die erschütternde Erfahrung das herbeiführt, was eben dargestellt wurde, dass alles abgesondert [wird], was sonst sein Ich war, dann wird in ihm regsam, lebendig, was sonst stumm, schweigsam und schlummernd ist. Was geistig-seelische Wesenheit ist und den Körper mit aufbaut, sich verbindet mit der Vererbungslinie, mit dem, was von Vater und Mutter kommt, was man sich erarbeitet, das sieht man losgelöst, und das ist das Erschütternde, das Bedeutsame. Wenn man aber in einer neuen Wesenheit erwacht ist, dann ist das diejenige, die durch Geburt und Tod hindurchgeht, nicht, was man sonst als sein Selbst betrachtet hat. Was man jetzt erlebt, das ist das, wovon die Geisteswissenschaft spricht, wenn sie von dem spricht, was durch die wiederholten Erdenleben hindurchgeht.
[ 22 ] As I said: What is necessary for observing, for recognizing, indeed even for merely acknowledging the spiritual world—for accepting it—is the personal experience of the spiritual world. And when [a person], through a shattering experience, brings about what has just been described—that everything that was otherwise his “I” is set apart—then what is otherwise mute, silent, and slumbering becomes active and alive within him. What constitutes the spiritual-soul being—which helps build the body, connects with the hereditary line, and encompasses what comes from father and mother as well as what one acquires through one’s own efforts—is seen as detached; and that is what is so shattering and significant. But when one has awakened to a new being, it is this being that passes through birth and death, not what one has otherwise regarded as one’s self. What one now experiences is what spiritual science refers to when it speaks of that which passes through repeated earthly lives.
[ 23 ] Und jetzt hat der Mensch die Aussicht, die Unendlichkeitsfrage seines Wesens im Konkreten zu lösen; sonst hat er nur die unüberschaubare Unendlichkeitslinie vor sich. [Er erkennt], wie er immer neue Leben sich aufbaut; die Unendlichkeit setzt sich zusammen aus den einzelnen Erdenleben. Einsehen, Wissen gibt es gegenüber diesen Welten nur auf dem geschilderten Wege. Und wer glaubt, zu einem wirklich befriedigenden Wissen auf einem anderen Wege zu kommen, der geht eben fehl, der sucht auf falschem Wege. Das führt dann sehr leicht dazu, dass man die erschütternden Seelenerlebnisse, die geschildert worden sind, vermeiden will. Viele Menschen wollen [solche] übersinnlichen Erkenntnisse, die eigentlich dem Sinnlichen angehören. Dadurch kommen sie nicht zu einer wirklichen Erkenntnis der Wahrheit. Und man sieht, wie schwierig es für den Menschen der Gegenwart ist, zur Wahrheit zu kommen, auch an den Allerbesten unseres Zeitraums. Da kann man sich nur auf den Standpunkt Schopenhauers stellen, wo er sagt, dass die Wahrheit zunächst paradox erscheint, dass das zu aller Zeit ihr Los gewesen ist. – Heute hat man gegenüber der Geisteswissenschaft einen ähnlichen Standpunkt wie einst gegenüber Galilei, Giordano Bruno, Kopernikus; es muss begriffen werden, dass Geisteswissenschaft heute notwendigerweise denselben Widerständen begegnen muss. Giordano Bruno – der sagte, dass das blaue Himmelsgewölbe nicht Grenze sei, wie man bisher angenommen hatte. Durch dieses Erkennen machte damals die Naturwissenschaft den ungeheuren Schritt vorwärts. Jetzt ist Geisteswissenschaft in derselben Lage: [Eine] Grenze von Geburt oder meinetwegen Empfängnis und Tod [gibt es ebenso wenig] wie einst [die] blaue Grenze des Himmels. Wie Giordano Bruno gezeigt [hat], dass, wenn man sich dieser Beschränktheit des menschlichen Erkenntnisvermögens bewusst wird, man in eine Unendlichkeit hinausschaut und [in] unendliche Welten, eingebettet in dieses Unendlichkeits-Firmament, so [muss es] jetzt der Geistesforscher [tun]. So erlangt man Erkenntnisse der übersinnlichen Welten. Aber schwierig ist es für unsere Zeitgenossen. Sie begreifen, dass diese wiederholten Erdenleben eigentlich die Schicksalsschläge des Menschen aufklären, und gleichzeitig sehen unsere Zeitgenossen ein, wie diese Anschauung uns Mut und Kraft und Zuversicht gibt, weil wir nicht ausgelöscht sind, sondern uns wiederfinden in kommenden Erdenleben. Das sehen manche gerade der Besten unserer Zeit ein. Weil sie aber erwarten, dass die Beweise auf andere Art gegeben werden sollen, als wie geschildert, so verkennen sie gerade, was auf diesem Felde eintritt.
[ 23 ] And now humankind has the prospect of resolving the question of infinity in its very being in concrete terms; otherwise, it faces only the unfathomable line of infinity. [It recognizes] how it continually builds up new lives; infinity is composed of individual earthly lives. Insight and knowledge regarding these worlds can only be attained through the path described. And anyone who believes they can arrive at truly satisfying knowledge by another path is simply mistaken; they are searching along the wrong path. This then very easily leads to a desire to avoid the shattering soul experiences that have been described. Many people desire [such] supersensible insights that actually belong to the realm of the sensory. As a result, they do not attain a true understanding of the truth. And one can see how difficult it is for people today to arrive at the truth, even among the very best of our time. One can only adopt Schopenhauer’s standpoint, where he says that truth initially appears paradoxical, and that this has always been its fate. — Today, people take a similar stance toward spiritual science as they once did toward Galileo, Giordano Bruno, and Copernicus; it must be understood that spiritual science today necessarily faces the same resistance. Giordano Bruno—who said that the blue vault of the sky was not a boundary, as had previously been assumed. Through this realization, natural science took a tremendous step forward at that time. Now spiritual science is in the same position: [There is] no more a boundary at birth—or, for that matter, at conception and death—than there once was [the] blue boundary of the sky. Just as Giordano Bruno showed that, when one becomes aware of this limitation of human cognitive capacity, one looks out into infinity and [into] infinite worlds embedded in this firmament of infinity, so [must] the spiritual researcher [do] now. This is how one gains insight into the supersensible worlds. But it is difficult for our contemporaries. They understand that these repeated earthly lives actually shed light on the trials and tribulations of human existence, and at the same time, our contemporaries recognize how this view gives us courage, strength, and confidence, because we are not annihilated but will find ourselves again in future earthly lives. Some of the very best among us today recognize this. But because they expect the evidence to be presented in a different way than described here, they fail to understand precisely what is happening in this field.
[ 24 ] Ein Geist der Gegenwart, der tatsächlich gezeigt hat, wie er überall versucht, ins Übersinnliche zu dringen, auch durch manche seiner Schriften gezeigt hat, wie ernst er es meint, hat in der letzten Zeit unter anderem sich auch befasst mit dem, was hier als die Lehre von den wiederholten Erdenleben bezeichnet worden ist: Maurice Maeterlinck – eine Stelle, die ich dann wörtlich zitieren will. Er hat keine Ahnung, wo die Beweise liegen, daher nennt er das bloßen Glauben. Geisteswissenschaft hat es mit keinem Glauben zu tun, sondern, wie es die Weltanschauung des Kopernikus mit jedem Glauben zu tun hat, weil sie Wissenschaft ist, wie der Kopernikanismus; sie kommt nicht dem Glauben ins Gehege. Aber Maeterlinck hält sie für einen Glauben, und die Lehre von den wiederholten Erdenleben, das sei dasselbe, was in bestimmten Glaubenslehren man als die Seelenwanderung kenne – was aber das hier Gemeinte nicht ist, sondern es ist [eben] die Lehre von den wiederholten Erdenleben –, dies sei lebendig. In seinem Buch «Vom Tode» schreibt Maeterlinck:
[ 24 ] A contemporary thinker who has indeed demonstrated how he strives everywhere to penetrate the supersensible realm—and who has also shown through some of his writings just how seriously he takes this—has recently, among other things, addressed what has been referred to here as the doctrine of repeated earthly lives: Maurice Maeterlinck—a passage I will now quote verbatim. He has no idea where the evidence lies, which is why he calls it mere belief. Spiritual science has nothing to do with belief; rather, just as Copernicus’s worldview has to do with every form of belief—because it is science, like Copernicanism—it does not encroach upon belief. But Maeterlinck regards it as a belief, and the doctrine of repeated earthly lives—which he claims is the same as what is known in certain religious doctrines as the transmigration of souls—though that is not what is meant here, but rather [precisely] the doctrine of repeated earthly lives—is, he says, alive. In his book *On Death*, Maeterlinck writes:
Denn nie gab es einen Glauben, der schöner, gerechter, reiner, moralischer, fruchtbarer, tröstlicher und in gewissem Sinne wahrscheinlicher ist, als der ihre. Er allein gibt mit seiner Lehre von der allmählichen Sühne und Läuterung allen körperlichen und geistigen Ungleichheiten, allem sozialen Unrecht, allen empörenden Ungerechtigkeiten des Schicksals einen Sinn. Aber die Güte eines Glaubens ist kein Beweis für seine Wahrheit, obwohl sechshundert Millionen Menschen dieser Religion huldigen, obwohl sie den in Dunkel gehüllten Ursprüngen am nächsten steht, obwohl sie die einzige nicht gehässige und von allen am wenigsten abgeschmackt ist, hätte sie das tun müssen, was die anderen nicht taten: uns unverwerfliche Zeugnisse bringen. Denn was sie uns bisher gab, ist nur der erste Schatten vom Anfang eines Beweises.
For there has never been a faith more beautiful, more just, more pure, more moral, more fruitful, more comforting, and—in a certain sense—more plausible than theirs. It alone, with its doctrine of gradual atonement and purification, gives meaning to all physical and mental inequalities, all social injustice, and all the outrageous injustices of fate. But the goodness of a faith is no proof of its truth; even though six hundred million people adhere to this religion, even though it is closest to origins shrouded in darkness, even though it is the only one that is not hateful and the least insipid of all, it would have had to do what the others did not: provide us with irrefutable evidence. For what it has given us so far is only the first shadow of the beginning of a proof.
[ 25 ] Dazu ist zu sagen: Erstens hat Geisteswissenschaft nichts mit Religion zu tun, sondern sie ist, wie der Kopernikanismus, Weltanschauung. Keine Religion, die sich richtig versteht, wird durch die Geisteswissenschaft erschüttert. Aber Maeterlinck zeigt in seinem neuen Buche, wo er neben vielem anderen auch mit dieser modernen Geistesforschung rechnet, dass er nicht einsieht, wie sie auf ganz andere Weise zu ihren Ergebnissen gelangt als durch äußeres Erkennen. Daher findet er, dass keine Beweise gegeben seien. – Worin sollen denn diese Beweise bestehen? Gerade in solchen Maßnahmen, die abgelöst werden müssen, wenn der Mensch in die geschilderten Welten eintritt. Daher steht Maeterlinck diesen Tatsachen gegenüber, wie man bis vor kurzer Zeit der Quadratur des Zirkels gegenübergestanden hat. Bis vor kurzer Zeit hat sich fast jedes Jahr der Versuch, dass man wirklich einen Kreis in ein gleichflächiges Quadrat verwandeln kann, als nicht stichhaltig erwiesen. Die Pariser Akademie hat ergeben, dass dies zu nichts führen kann: Alles muss in den Papierkorb! Man habe nicht die viele Zeit, das alles durchzurechnen, und wenn sich wirklich einmal die Wahrheit dabei finde, so würde diese sich schon von selbst durchringen. Heute würde jeder ein Dilettant genannt werden, der sich noch mit der Quadratur des Zirkels beschäftigt, weil ja mit mathematischen Mitteln erwiesen ist, dass sie zu bemeistern nicht möglich ist. Und so muss man sagen, dass es heute unbedingt unsinnig ist, die Quadratur des Zirkels zu suchen. Geisteswissenschaft wird allerdings viel schneller beweisen können, dass man nichts anderes will, als auf anderem Gebiet die Quadratur des Zirkels zu suchen.
[ 25 ] It should be noted that, first of all, spiritual science has nothing to do with religion; rather, like Copernicanism, it is a worldview. No religion that truly understands itself is shaken by spiritual science. But Maeterlinck shows in his new book—in which, among many other things, he also addresses this modern spiritual research—that he does not understand how it arrives at its conclusions in a manner entirely different from external cognition. Therefore, he finds that no evidence has been provided. – What, then, should this evidence consist of? Precisely in such measures, which must be set aside when a person enters the worlds described. Therefore, Maeterlinck faces these facts in the same way that, until recently, people faced the problem of squaring the circle. Until recently, the attempt to actually transform a circle into a square of equal area proved untenable almost every year. The Paris Academy has concluded that this can lead nowhere: Everything must go in the trash! They do not have the time to calculate all of this, and even if the truth were to be found in the process, it would assert itself on its own. Today, anyone who still preoccupies themselves with squaring the circle would be called a dilettante, because it has been proven by mathematical means that it is impossible to master. And so one must say that it is utterly nonsensical today to seek to square the circle. The humanities, however, will be able to prove much more quickly that one wants nothing more than to seek to square the circle in another field.
[ 26 ] Man wird also nicht nur die Fragen, wie in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» behandelt, einsehen müssen, sondern auch das «Wie» des Beweises in gehöriger Weise [zu] verstehen [haben]. Sonst ist es so, wie wenn man die Quadratur des Zirkels sucht. «Tröstlicher, gerechter und wahrscheinlicher» kann man die Lehre von den wiederholten Erdenleben ja jetzt schon finden, aber sich nicht durchringen zu ihrer Anerkennung. Dazu wird man sich aber durchringen, wenn man einsehen wird, dass man nicht bloß zum Geistesforscher so sprechen kann. Wohl müssen diese Dinge vom Geistesforscher erforscht werden, aber wenn sie erforscht sind, [dann] sind sie so, dass der physische Verstand sie verstehen kann; nicht Beweise mit seinen Mitteln [gelten hier], sondern Beweise, wie man ein Bild verstehen kann, ohne selbst Maler zu sein. Es ist mit der geistigen Welt so, dass man mit dem physischen Verstand ihre Eigenart vergleichen kann: Unter der Erde die Bergwerke, die Erze, die könnten sich nicht ausgestalten an der Oberfläche der Erde, wo die Sonne unmittelbar die Erze berührt. So [werden] die Ergebnisse der Geistesforschung sich nicht durch gewöhnliches Denken und gewöhnliche Wissenschaft finden. Dazu [sind] die Seelenkräfte [nötig], die geschildert worden sind. Aber wenn erforscht und dann geschildert [wird], kann [das] eintreten, was eintreten würde, wenn das Sonnenlicht in die Erdentiefen hinunterscheinen würde auf das Erz, das erst dann in seinem Glanz und seiner Schönheit würde erscheinen können. So kann der physische Verstand wirklich verstehen, was die Geisteswissenschaft bringt. Erforscht werden muss es aber durch die Seele, die so erzogen worden ist wie geschildert. [Das], was so verstanden wurde, das bildet eine Kraft in der Seele, nicht nur Erkenntnis, denn diese Erkenntnis verwandelt sich sogleich in eine ganz bestimmte Sicherheit der Seele, die ihr inneren Halt gibt. Sie trägt so Früchte, die sich in einem ganz bestimmten Denken, einem ganz bestimmten Fühlen, einem ganz bestimmten Wollen gegenüber sich selbst und der Welt ausnehmen.
[ 26 ] One must therefore not only examine the questions as discussed in “How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?”, but also properly understand the “how” of the proof. Otherwise, it is like trying to square the circle. One may indeed already find the doctrine of repeated earthly lives “more comforting, more just, and more plausible,” yet still be unable to bring oneself to accept it. However, one will bring oneself to accept it once one realizes that one cannot speak this way merely to a researcher of the spirit. These things must indeed be investigated by the spiritual researcher, but once they have been investigated, they are such that the physical mind can understand them; it is not proof by means of the physical mind that applies here, but proof akin to understanding a painting without being a painter oneself. The spiritual world is such that one can compare its nature to that of the physical world: underground, the mines and the ores could not form on the earth’s surface, where the sun directly touches the ores. Thus, the results of spiritual research will not be discovered through ordinary thinking and ordinary science. For this, the powers of the soul that have been described are necessary. But when these are explored and then described, what would happen if sunlight were to shine down into the depths of the earth onto the ore—which would only then be able to reveal its radiance and beauty—can come to pass. In this way, the physical mind can truly understand what spiritual science brings. But it must be explored by the soul that has been trained as described. [That] which has been understood in this way forms a power within the soul—not merely knowledge—for this knowledge immediately transforms into a very specific certainty within the soul that gives it inner stability. It thus bears fruit that manifests itself in a very specific way of thinking, a very specific way of feeling, and a very specific way of willing toward oneself and the world.
[ 27 ] Wir haben heute reichlich gesehen, was die Seele zu überwinden hat, um in die Gebiete eintreten zu können, wo die geistige Welt sich verbürgt. Aber wenn auch durch Finsternisse [hindurch], sie gibt, was durch das Empfindungswort ausgesprochen werden kann, in das der heutige Vortrag ausklingen kann:
[ 27 ] Today we have seen abundantly what the soul must overcome in order to enter the realms where the spiritual world manifests itself. But even if it is [through] darkness, it offers what can be expressed through the word of feeling, with which today’s lecture can conclude:
Ringt sich die Seele durch
durch Geistesfinsternis,
sie kommt zuletzt zur ernsten Klarheit,
zur lichten Wahrheit.
As the soul struggles through
the darkness of the mind,
it ultimately arrives at solemn clarity,
at luminous truth.
Fragenbeantwortung
Question and Answer
Frage: Hängt der Ausdruck «Maja» mit der indischen Göttin oder Buddhas Mutter zusammen?
Question: Is the term “Maja” related to the Indian goddess or to Buddha’s mother?
[ 28 ] Rudolf Steiner: Man kann das schon [so] zusammen finden, aber nur eigentlich dadurch aufrechterhalten, dass man sich klar darüber ist, [wie] in der Erzählung solcher Dinge immer die Methode befolgt ist, die in meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache» geschildert ist. Wer die Welt materialistisch betrachtet, sieht so den gewöhnlichen Verlauf als Aufeinanderfolge von Ursache und Wirkung; er wird die Dinge, die sich aneinanderreihen, als gleichwertig betrachten. Wer eingeht auf die Realitäten, [der] merkt, dass an gewissen Punkten der Weltentwicklung etwas Besonderes sich zuträgt, an anderen Stellen läuft sie so fort, dass sie ohne «tiefere Punkte», [Einschläge] erscheint. An einer solchen Individualität wie Buddha, einer sehr bedeutsamen Wesenheit, [ersehen wir] nicht nur die gewöhnliche Bedeutung, sondern noch eine ganz andere im Weltenzusammenhang. Da wird dann in den Schriften, die wissen, worauf es ankommt, die also nicht so vorgehen wie die gegenwärtige Wissenschaft, da wird tatsächlich auf die tieferen Kräfte hingedeutet, mit denen die tiefere Seelenwesenheit zusammenhängt, sodass bei Buddha im tieferen Sinne — natürlich wird seine irdische Mutter nicht dadurch geleugnet – [es so ist], dass er aus gleichsam väterlichem Seelenimpuls hervorgegangen ist aus der Maja, der großen Täuschung. Der väterliche Ursprung: das Aktive seines Wesens; die Maja: was zur Beleuchtung seines Wesens dient. Frage: Kann der Redner vielleicht einige höhere Erlebnisse schildern, zu denen einer gelangt aus der Naturwissenschaft, vielleicht über den Halley’schen Kometen?
[ 28 ] Rudolf Steiner: One can certainly piece this together [in this way], but it can only truly be sustained if one is clear about [how] the method described in my book *Christianity as a Mystical Fact* is always followed in the narration of such things. Anyone who views the world materialistically sees the ordinary course of events as a succession of cause and effect; they will regard the things that follow one another as equivalent. Those who delve into the realities notice that at certain points in the world’s development something special occurs, while at other points it proceeds in such a way that it appears to lack “deeper points” or “significant events.” In a figure as unique as the Buddha—a highly significant being—we perceive not only the ordinary significance but also an entirely different one within the context of the world. In the scriptures that understand what really matters—that is, those that do not proceed in the same way as modern science—there are indeed references to the deeper forces with which the deeper soul essence is connected, so that in the case of the Buddha, in a deeper sense—though this does not, of course, deny his earthly mother— [it is the case] that he emerged, as it were, from a fatherly soul impulse out of Maya, the great illusion. The paternal origin: the active aspect of his being; Maya: that which serves to illuminate his being. Question: Could the speaker perhaps describe some higher experiences that one attains through the natural sciences, perhaps concerning Halley’s Comet?
[ 29 ] Rudolf Steiner: In einem Vortrag kann man nicht alles sagen. Und das ist schon keine sinnliche Erkenntnis, das erschütternde Erlebnis, das geschildert wurde. Wer sich in die Geisteswissenschaft einlässt, findet schon, dass konkrete Schilderungen von Tatsachen und Wesenheiten der geistigen Welt vorliegen. Man braucht ja nur meine «Geheimwissenschaft» aufschlagen, darin sind gerade auf diese Frage Antworten in Hülle und Fülle.
[ 29 ] Rudolf Steiner: You can’t say everything in a single lecture. And the harrowing experience that was described is certainly not a sensory perception. Anyone who delves into spiritual science will find that there are concrete descriptions of facts and entities in the spiritual world. One need only open my *Secret Science*; it contains answers to this very question in abundance.
Frage: Die nächste Frage ist eine solche, [ein Wunsch], dass mehr Vorträge zu halten wären über diese Frage: Ist Hellfühlen und Hellsehen anomal oder ein Beweis der Weiterentwicklung unserer Organe?
Question: The next question is one that [I hope] will lead to more lectures on this topic: Are clairvoyance and clairsentience anomalies, or are they evidence of the further development of our senses?
[ 30 ] Rudolf Steiner: [Es ist] nicht scharf ins Auge gefasst [worden], was heute, und auch sonst in den früheren Vorträgen gemeint ist, wenn von Hellsehen gesprochen wurde. [Es handelt sich] nicht so sehr [um einen] Zustand, sondern [um das] Ziel der Selbsterziehung der Seele. Vor allem geht die Geisteswissenschaft darauf hinaus, die Selbsterziehung so zu vollziehen, dass der Mensch imstande ist, das Nötige auch zu tun, so zum Beispiel das Auslöschen der Imagination — dass später erst die geistige Welt auftritt. Das Auslöschen kann nicht vollzogen werden durch anomale Spiegelbilder von inneren Eigenschaften, Halluzinationen, Visionen, Wahnvorstellungen. Inhalt der Geisteswissenschaft kann überhaupt nur dasjenige werden, was auf dem geschilderten Wege, wobei die Seele sich immer selber kontrolliert und kontrollieren kann, erreicht ist. Dann kann man allerdings ebenso gut von Hellfühlen und von Hellsehen reden, weil diese Ausdrücke hier alle nicht mehr zutreffen. Es ist, genau gesprochen, dann auch nicht Hellsehen, kein Sehen, sondern ein anderer seelischer Prozess. Aber weil Imagination [wirkt] wie [eine] Vorstellung, um das Physische zu erkennen, kann imaginatives Schauen immerhin genügend mit Hellsehen bezeichnet werden. Und [so] kann man immerhin auch von Hellfühlen sprechen. Hellsehen [ist aber] mehr treffend als das gewöhnliche Fühlen.
[ 30 ] Rudolf Steiner: [It has] not been clearly defined what is meant today—and also in earlier lectures—when speaking of clairvoyance. [It is] not so much [a] state as [the] goal of the soul’s self-education. Above all, spiritual science aims to carry out this self-education in such a way that the human being is able to do what is necessary—such as, for example, the extinguishing of imagination—so that the spiritual world may appear only later. This extinguishing cannot be accomplished through anomalous reflections of inner qualities, hallucinations, visions, or delusions. The content of spiritual science can, in fact, consist only of that which is attained through the path described—in which the soul always controls itself and is capable of doing so. Then, however, one might just as well speak of “clair-sensing” and “clairvoyance,” because none of these terms apply here anymore. Strictly speaking, it is then not clairvoyance, nor is it seeing, but rather a different psychological process. But because imagination [functions] like [a] mental image for perceiving the physical, imaginative perception can still be sufficiently described as clairvoyance. And [thus] one can also speak of “clair-feeling.” Clairvoyance, however, is a more accurate term than ordinary feeling.
Frage: Können sich die Verstorbenen durch Klopfen, Seufzen, Krachen der Möbel und so weiter bemerkbar machen?
Question: Can the deceased make their presence known by knocking, sighing, making furniture rattle, and so on?
[ 31 ] Rudolf Steiner: [Das] kann durchaus auftreten, aber ohne wirklich heimisch zu sein in der wahren Geistesforschung, ist es so, dass man sich hier den allerallerärgsten Irrtümern aussetzen kann. Nur die richtigen Methoden, wie [sie] heute geschildert [wurden], führen dazu – zu dem, was von Inkarnation zu Inkarnation schreitet, [was] bewusst und lebendig ist, nicht, was sich gleichsam schält, abschält von [der] geistigen Natur; das kann solche Dinge hervorbringen; [so] dass, wenn darauf gefußt wird, [manches] durchaus berechtigt [erscheint, was zum Beispiel] Deinhard [in seinem] «Mysterium vom Menschen» berichtet. Dadurch [glaubt man den] Beweis [zu haben], dass hinter dem Sinnlichen ein Geistiges [ist]. Aber erst die wahre Geistesforschung beweist das, was sich auflöst. Hier [ist] Maeterlinck gescheitert, weil er sich da nicht auskennt, Abwelkendes, Absterbendes leicht für ein Wirkendes, Werdendes nimmt. [Das ist] sehr leicht möglich. Hier schaltet man das Falsche aus, [das] in der geistigen Welt nicht so ohne Weiteres möglich [ist], da ist es durchaus möglich, dass man etwas für etwas nimmt, was eigentlich ein anderes ist; darin die meisten Irrtümer, dadurch – nicht dadurch, dass man es mit Halluzination und Schwindel zu tun hat.
[ 31 ] Rudolf Steiner: [That] can certainly happen, but without being truly grounded in genuine spiritual research, one can expose oneself to the very, very worst errors. Only the correct methods, as [they] have been described today, lead to what progresses from incarnation to incarnation—[that which] is conscious and alive—and not to what, as it were, peels away or flakes off from [the] spiritual nature; that can give rise to such things; [so] that, when one bases one’s understanding on this, [certain things] appear entirely justified—[such as] what Deinhard reports [in his] *The Mystery of Man*. As a result, [one believes one has] proof [that] behind the sensible realm there is a spiritual realm. But only true spiritual research proves that which dissolves. Here Maeterlinck failed, because he is unfamiliar with this realm, easily mistaking what is withering and dying for what is active and becoming. [This is] very easily possible. Here one rules out the false, [which] is not so readily possible in the spiritual world; there it is entirely possible to mistake one thing for another; therein lie most errors—not because one is dealing with hallucinations and delusions.
Fragen: Muss man beim Beten eines Mantrams den Namen nennen? Sind die Toten immer um uns, wenn wir ihrer gedenken?
Questions: Do you have to say the name when chanting a mantra? Are the dead always with us when we remember them?
[ 32 ] Rudolf Steiner: [Antworten nicht überliefert.]
[ 32 ] Rudolf Steiner: [Answers not recorded.]
Frage: Wenn man einem Toten etwas zuleide tut: Fühlt er das Weh?
Question: If you hurt a dead person, do they feel the pain?
[ 33 ] Rudolf Steiner: [Das ist] in vielen Fällen möglich.
[ 33 ] Rudolf Steiner: [That is] possible in many cases.
Frage: Welcher Prozentsatz von Theosophen, oder jetzt Anthroposophen, kommt wirklich zur Erkenntnis der übersinnlichen Welten? Was erreichen die Durchschnittstheosophen?
Question: What percentage of Theosophists—or, as they are now called, Anthroposophists—truly attain knowledge of the supersensible worlds? What do the average Theosophists achieve?
[ 34 ] Rudolf Steiner: Wenn wir diese Frage eben doch beantworten wollen, so müssen wir sagen, dass zuerst einige Menschen da sein müssen, [um] in der übersinnlichen Welt zu forschen. Ebenso, wie [es] Maler [geben muss], wenn Bilder [gemalt werden sollen]. Aber wie [das] Verständnis der Bilder nicht auf die Maler beschränkt ist, so sind [auch] die Früchte der Geistesforschung nicht auf die Geistesforscher beschränkt. Ich betone es fast jedes Mal, wenn ich spreche, dass ich sage, dass man durch vorurteilsfreies Denken, wenn man sich nicht Hindernisse in den Weg legt, durch Nachdenken die Früchte [davon] haben kann. So ist der Prozentsatz der Geistesforscher und derer, die die Früchte genießen, nicht zu berechnen, wie [auch] nicht berechnet werden kann, wie viele Leute Stiefel machen und wie viele Stiefel anziehen und wissen, ob sie ihnen passen. So gibt es viele Seelen, die wissen, was sie an der Geistesforschung haben. In gewissem Sinn kann jeder ein Geistesforscher werden, wenn er [so] wie in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» vorgeht.
[ 34 ] Rudolf Steiner: If we do want to answer this question, we must say that there must first be some people [who] explore the supersensible world. Just as [there must be] painters [if] pictures are to be painted. But just as the appreciation of paintings is not limited to painters, the fruits of spiritual research are not limited to spiritual researchers either. I emphasize this almost every time I speak, saying that through unbiased thinking—if one does not put obstacles in one’s own way—one can reap the fruits [of it] through reflection. Thus, the percentage of spiritual researchers and those who enjoy the fruits cannot be calculated, just as it cannot be calculated how many people make boots and how many wear them and know whether they fit. So there are many souls who know what they gain from spiritual research. In a certain sense, anyone can become a spiritual researcher if they proceed as described in “How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?”
[ 35 ] Was die Theosophen erreichen, das hängt ja von jedem Einzelnen ab; und Geistesforschung ist ja nicht da, überhaupt Durchschnittsstandpunkte zu machen, sondern das zu geben, was jede Individualität finden kann. Einen Durchschnittsstandpunkt [zu erreichen ist] ja auch im gewöhnlichen Leben recht wenig fruchtbringend, und bei der Geistesforschung ist es damit so, dass man gar nicht davon sprechen kann, aber dass jeder Sicherheit und Kraft dadurch erreichen kann. Man würde sich sehr verwundern, wenn nicht, wie im Anfang gesagt, die Zweifel [da] wären. Aber es kommt einer mit ein paar gefundenen, hingepfahlten Begriffen und glaubt zu wissen, dass das der Geistesforschung widerspräche: Da kann nur das genaue Eingehen auf die Sache helfen. Die meisten Einwendungen kommen von solchen, die die Sache nicht kennen. Wer sie etwas kennt, [der] macht diese Einwendungen nicht, zum Beispiel [über das], was geschieht [als] die Wirkung von vorhergehenden Erdenleben. Man könne doch nachweisen, dass vererbt [Vererbung vorliegt], und die Wissenschaft habe das doch nachgewiesen. Paungarten [schreibt darüber in seinem Buch]: «Werdende Wissenschaft». Die Ursache der Vererbung liegt übrigens auf dem geistigen Gebiete. Warum lebt der Mensch, der vor mir steht? Weil er inwendig eine Lunge hat und außen Luft ist. [So sieht es auch mit den] Eigenschaften [aus, die man] vom Vater [her hat]. Ein anderer kann sagen: [Da hat sich einer] vor vierzehn Tagen erhängt ich habe ihn abgeschnitten, deshalb lebt er. Auch das ist richtig. Beide haben recht. [So habe ich schon Vorträge gehalten mit dem Thema] «Wie widerlegt man Geisteswissenschaft?». Der Geistesforscher kennt schon die Standpunkte, die möglich sind. Vielleicht [ist es] gerade dadurch, dass man sich in die verschiedenen Standpunkte einlebt, dass man zur Wahrheit kommt.
[ 35 ] What the Theosophists achieve depends, of course, on each individual; and the purpose of spiritual research is not to establish general averages, but to provide what each individual can discover. Reaching an average standpoint is, after all, of very little benefit even in ordinary life, and in spiritual research, it is such that one cannot speak of it at all—but rather, that each person can attain certainty and strength through it. One would be very surprised if, as stated at the beginning, doubts were not present. But someone comes along with a few preconceived, rigid concepts and believes they know that this contradicts spiritual research: Only a precise examination of the matter can help here. Most objections come from those who are unfamiliar with the subject. Anyone who knows anything about it does not raise these objections, for example, regarding what happens as the effect of previous earthly lives. Surely one could prove that heredity exists, and science has indeed proven it. Paungarten writes about this in his book, *Werdende Wissenschaft*. Incidentally, the cause of heredity lies in the spiritual realm. Why is the person standing before me alive? Because he has a lung inside and air outside. [The same applies to the] traits [one] inherits from one’s father. Someone else might say: [There was a man who] hanged himself fourteen days ago—I cut him down, which is why he’s alive. That, too, is correct. Both are right. [I have already given lectures on the topic] “How Does One Refute Spiritual Science?” The spiritual researcher is already familiar with the possible points of view. Perhaps [it is] precisely by immersing oneself in the various points of view that one arrives at the truth.
