Death and Immortality
in the Light of Spiritual Science
GA 69d
4 October 1913, Oslo
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Death and Immortality in the Light of Spiritual Science, tr. SOL
16. Das Rätsel des Todes
16. The Mystery of Death
[ 1 ] Das [Rätsel des Todes] gehört einem Wissenschaftsgebiete an, das nicht nur unpopulär ist, sondern auch unbeliebt genannt werden darf. Mancher innere, scheinbar berechtigte Widerspruch erhellt sich da, erscheint voll verständlich dem, der innerhalb dieses Forschungsgebietes steht. Neben diesem gibt es auch noch einen anderen Grund, wodurch es schwierig ist, sich verständlich zu machen. Man hat gewöhnlich die Meinung, dass derjenige, welcher diese Sache in einer kurzen Betrachtung vorbringt, irgendjemanden zu einer Meinung überreden wolle. Die vor kurzer Zeit gegründete Anthroposophische Gesellschaft hat ein Forschungsgebiet, das weiter und umfangreicher ist als das anderer Forschungsgesellschaften. Daher kann nicht die Absicht sein, überzeugen oder überreden zu wollen, sondern nur: anzugeben, in welcher Richtung und Art die Untersuchungen gemacht werden und [wie] die Lösung der Lebensrätsel bekommen werden kann.
[ 1 ] The [mystery of death] belongs to a field of science that is not only unpopular but can also be described as unwelcome. Many an inner, seemingly justified contradiction becomes clear here and appears fully understandable to those within this field of research. In addition to this, there is another reason why it is difficult to make oneself understood. It is commonly believed that anyone who presents this subject in a brief discussion is trying to persuade someone to adopt a certain opinion. The recently founded Anthroposophical Society has a field of research that is broader and more comprehensive than that of other research societies. Therefore, the intention cannot be to convince or persuade, but only to indicate the direction and nature of the investigations and [how] the solution to life’s mysteries can be attained.
[ 2 ] Vieles steht dem unbefangenen Urteil gegenüber. Die Menschenseele mit all ihren Interessen und Aufmerksamkeiten ist an nichts so sehr beteiligt wie an dem Rätsel des Todes. Aber nichts kann die Wahrheitsforschung so trüben wie der ganz bestimmte Wunsch und ein Interesse daran, dass diese oder jene Lösung des Rätsels herauskommen soll. Findet jenes, was wir das Leben nennen, eine Fortsetzung nach dem Tode? Bei der Beantwortung dieser Frage kann man absolut wissenschaftlich vorgehen, doch ganz anders als mit dem, was man gewöhnlich als Wissenschaft bezeichnet. Wirklich objektiv vorgehen kann nur derjenige, der in Bezug auf die Frage des Todes verknüpft ist mit weiteren Interessen [als den eigenen]. Verknüpft mit dem Rätsel des Todes muss auch sein das Rätsel des Lebens. Wenn sie aus einer noch so begreiflichen Neugierde oder aus einem dem Menschen nahe liegenden Interesse gestellt ist, kann man die Frage nicht lösen.
[ 2 ] Many factors stand in the way of an unbiased judgment. The human soul, with all its interests and concerns, is engaged in nothing as deeply as in the mystery of death. But nothing can cloud the search for truth as much as a very specific desire and interest in seeing this or that solution to the mystery emerge. Does what we call life continue after death? One can approach the answer to this question in a strictly scientific manner, though quite differently from what is commonly referred to as science. Only those who, with regard to the question of death, are connected to interests beyond their own can proceed with true objectivity. The mystery of life must also be linked to the mystery of death. If the question is posed out of even the most understandable curiosity or out of an interest inherent to human nature, it cannot be resolved.
[ 3 ] Die Untersuchungen nach der Frage des Todes sind auch die nach der Unsterblichkeit. Um diese Fragen zu besprechen, ist eine gewisse Umwandlung des Menschen notwendig, eine «geistige Chemie». Dass es eine Geisteswissenschaft gibt, das wird nicht gerne zugegeben. Aber diesen Abend soll darauf aufmerksam gemacht werden. Wenn der Chemiker an die Untersuchung des Wassers herantritt, so zerspaltet er es in Wasserstoff und Sauerstoff. Aber wenn er nur phantasiert darüber, das weiß er, so kommt er nicht dazu, es zu zerlegen. Wenn er sich dem Dualismus hingibt, das Wasser besteht aus Wasserstoff und Sauerstoff, so verstößt er nicht gegen den Monismus. Durch die gewöhnliche Wissenschaft kann auch er nichts darüber gewinnen, was sein Schicksal ist. Was den physischen Leib überleben kann, das ist im gewöhnlichen Leben gar nicht [sichtbar] da. So wenig wie im Wasser sichtbar ist Wasserstoff und Sauerstoff, so wenig ist im gewöhnlichen Leben da, was im Menschen unsterblich ist. Durch eine Art geistiger Chemie muss erst abgetrennt werden, was göttlich-geistig ist. Durch Jahrhunderte hindurch hat der Mensch eine Art wissenschaftlicher Erziehung gehabt, nicht nur als Schule und Universität, sondern [durch] die allgemeine Bildung, die es unmöglich macht, dass der Mensch heute über die nächsten Angelegenheiten nicht bloß mit dem Glauben, sondern mit dem Wissen hinauskommt. Nicht bloß neugierige Persönlichkeiten, sondern ernste und ehrliche Forscher darüber gibt es. Aber die Art, wie man sich heute mit dem Problem befasst, zeigt, dass man vielfach die Wege nicht gefunden hat. Es ist nicht Zeit heute, hinzuweisen auf die Art, in welcher Naturforscher wie zum Beispiel Colonel Rochas in dieser Beziehung Bedeutsames geleistet haben, die Experimente anstellten nach der Methode des Laboratoriums. Interessant ist es, wie Rochas in gewisser Beziehung nahe kommt dem, was heute vorgebracht wird, aber er schlägt einen unmöglichen, unfruchtbaren Weg ein. Geisteswissenschaft darf und kann es nicht so machen. Rochas nimmt eine Versuchsperson wie andere Wissenschaften, nur keine äußeren Stoffe, sondern ein Medium. Die äußere Seelentätigkeit wird dabei eingeschläfert, unterdrückt, sodass alles ausgeschlossen wird, was an den äußeren Körper gebunden ist. Er nimmt an, dass jetzt nur die Seele, nur der Geist tätig ist. Durch gewisse Vorgänge wird das [weibliche] Medium, das dreißig Jahre alt war, versetzt in eine Art Schlafzustand; dann regt er ihr Bewusstsein so an, dass sie lebt wie in ihrem achtzehnten Jahre. Sie empfindet da die Schmerzen oder lernt, was sie damals lernte, bringt nur zustande, was sie damals konnte. Dann wird sie zurückversetzt in die Kindheit; da macht sie ungeübte Striche, wie im fünften oder sechsten Jahre. Auch ist Rochas in der Lage, diese Persönlichkeit in die Zeit vor ihrer Geburt zu versetzen. Solche Seelen stammeln dann von einer geistigen Umgebung, was trotz aller Unvollkommenheit höchst interessant sein würde, wenn es übereinstimmte mit der Geistesforschung. Immer weiter geht es zurück, zuletzt glaubt er, sie sei da, wo sie ein anderes Leben durchgemacht hatte. Mehrere Lebensläufe glaubt Rochas so erlangt zu haben. Das sind Experimente eines der ernsten Forscher, die fest auf dem Boden der Wissenschaft stehen wollen. Sie meinen, berechtigt sei einzig die Methode, wo man das Objekt äußerlich vor sich hat.
[ 3 ] Investigations into the question of death are also investigations into immortality. To discuss these questions, a certain transformation of the human being is necessary—a “spiritual chemistry.” People are reluctant to admit that a spiritual science exists. But this evening, attention should be drawn to this fact. When the chemist sets out to analyze water, he breaks it down into hydrogen and oxygen. But if he merely fantasizes about it—and he knows this—he will not succeed in breaking it down. If he accepts the dualism that water consists of hydrogen and oxygen, he does not contradict monism. Through ordinary science, even he can gain nothing about what his destiny is. What can survive the physical body is not at all [visible] in ordinary life. Just as hydrogen and oxygen are not visible in water, so too is there nothing in ordinary life that is immortal in human beings. Through a kind of spiritual chemistry, what is divine and spiritual must first be separated out. For centuries, human beings have received a kind of scientific education—not only in schools and universities, but [through] general education—which makes it impossible for people today to move beyond the immediate concerns of life not merely through faith, but through knowledge. There are not merely curious individuals but serious and honest researchers in this field. Yet the way the problem is approached today shows that, in many cases, the right paths have not been found. This is not the time to point out the significant contributions made in this regard by natural scientists such as Colonel Rochas, who conducted experiments using laboratory methods. It is interesting how Rochas, in a certain respect, comes close to what is being proposed today, but he takes an impossible, fruitless path. Spiritual science must not and cannot proceed in this way. Rochas uses a test subject, as other sciences do, but instead of external substances, he uses a medium. In the process, the soul’s external activity is lulled to sleep and suppressed, so that everything connected to the physical body is excluded. He assumes that now only the soul, only the spirit, is active. Through certain procedures, the [female] medium, who was thirty years old, is placed into a kind of sleep-like state; then he stimulates her consciousness in such a way that she lives as if she were eighteen years old. She experiences the pains of that time or learns what she learned back then, and is able to do only what she could do at that age. Then she is transported back to childhood; there she makes unskilled scribbles, as she would at the age of five or six. Rochas is also able to transport this personality to the time before her birth. Such souls then stammer forth information from a spiritual realm, which—despite all its imperfections—would be highly interesting if it were consistent with spiritual research. The journey goes further and further back; finally, he believes she is where she had lived another life. Rochas believes he has obtained several life histories in this way. These are experiments by one of the serious researchers who wish to stand firmly on the ground of science. They believe that the only valid method is one in which the object is physically present before them.
[ 4 ] Auf diesem Boden kann die Geisteswissenschaft nicht stehen. Da sind die Methoden durchaus geistiger Art, rein innerlich, [es sind] rein geistig-seelische Vorgänge. Nie wird der Geistesforscher Gebrauch machen von einem rein äußerlichen Objekt im Raum. Aber innerhalb dieser Geistesforschung werden dieselben Methoden angewendet wie in der Wissenschaft. Man denkt: Wie ist das so einfach, primitiv, wie kann auf diesem Wege etwas erforscht werden? Aber es ist nicht so einfach; «zwar ist es leicht, doch ist das Leichte schwer». Es geht hervor aus durchaus seelischen Verrichtungen. Jahrelang hat man zu tun nur in der eigenen Seele, um einigermaßen befriedigende Resultate zu haben, durch jahrelange Übungen in das Schicksal hineinzukommen. Durch jahrelange entsagungsvolle Arbeit kommt man erstens dazu, die Aufmerksamkeit auf etwas zu lenken, und zweitens zu dem, was man bezeichnen kann als «Hingabe». Was Hingabe heißt im gewöhnlichen Leben, ist nur der allererste Anfang von einer Möglichkeit der Seele, in die geistige Welt sich einzuleben.
[ 4 ] Spiritual science cannot stand on this ground. Its methods are entirely of a spiritual nature, purely inner; [they are] purely spiritual-psychic processes. The spiritual researcher never makes use of a purely external object in space. But within this spiritual research, the same methods are applied as in science. One might think: How can this be so simple, so primitive? How can anything be researched in this way? But it is not that simple; “though it is easy, yet the easy is difficult.” It arises from processes that are entirely psychological. For years, one must work solely within one’s own soul in order to achieve reasonably satisfactory results—to enter into destiny through years of practice. Through years of self-sacrificing work, one first learns to direct one’s attention toward something, and second, to attain what can be described as “devotion.” What devotion means in everyday life is only the very first step toward the soul’s ability to acclimate itself to the spiritual world.
[ 5 ] Die Aufmerksamkeit muss ganz allein hingewendet werden auf einen Gegenstand, in den das ganze Leben der Seele sich hinkonzentriert. Diese Aufmerksamkeit besteht auch im gewöhnlichen Leben, denn ohne diese könnte der Mensch nicht zum Ichbewusstsein kommen, und das Gedächtnis hängt innig zusammen mit der Aufmerksamkeitsfähigkeit. Der Gedanke kann schwach sein, aber man vergisst immer weniger, wenn man die wiederholte Aufmerksamkeit auf etwas hinlenkt. Der Gedanke ist Folge der Aufmerksamkeit, der Konzentration. Vom Gedächtnis hängt es ab, dass der Mensch mit einem gewissen Selbstgefühl sich in das Leibliche versenkt. Dadurch sind wir in der Lage, unser inneres Leben zu erhöhen. Aufmerksamkeit entwickelt der Mensch im gewöhnlichen Leben so, dass er sich von irgendetwas äußerlich anregen lässt. Damit beginnt es, worin die Tätigkeit der Seele besteht, die man Aufmerksamkeit nennt. Selbstbeobachtung ist notwendig; diese wird unterstützt durch ganz bestimmte Seelenübungen. Damit man lernt, worin sie bestehen, muss man sich unabhängig machen von jeder äußeren Erregung der Aufmerksamkeit, ablenken das Seelenleben von allem Übrigen, es lenken auf einen selbst gewählten Seeleninhalt. Nicht worauf man konzentriert [ist], kommt es an, sondern was man tut, darauf kommt es an. Immer wieder, lange Zeit hindurch, immer wieder und wieder, [konzentriert man sich] auf den Inhalt, den man selbst gewählt hat. Dann hat man nach und nach ein inneres Erlebnis, dann entdeckt man, was die Seele verrichtet, wenn sie aufmerksam ist. Und dann ist sie aufmerksam ohne Inhalt, aufmerksam, ohne auf irgendetwas aufzumerken; das ist das, was man als innere Tätigkeit entwickelt. Den Inhalt austilgen, ganz unterdrücken, an nichts mehr denken und dennoch denselben Zustand in der Seele haben – dann weiß man, was Aufmerksamkeit ist. Die wahre hellseherische Methode, die in die Geistesforschung hineinführt, beruht auf einem Steigern derjenigen Seelenfähigkeiten, die in jeder Seele vorhanden sind. Immer stärker wird die Aufmerksamkeit. Dadurch verwandelt sich das ganze Seelenleben. Dann verspürt der Mensch, wie das Seelenleben in dem zentralen und dem anderen Nervensystem ist. Dann spürt er eine Wesenheit, die abgesehen vom Leibe im Menschen ist. So trennt man allmählich das Seelenleben innerlich von dem Leibe ab. Endlich fühlt man: Man ist eine Zweiheit. Man meinte erst, es [man] sei ein Ergebnis des Leibes. Der Ätherleib des Menschen ist [es] dann, was beobachtet werden kann. Man trennt ihn ab vom physischen Leibe. Dann erst kann man Beobachtungen machen am Ätherleib. Man erlebt etwa das Folgende. Es kann sein im Alltagsleben oder wenn man aus dem Schlafe erwacht. Dieses Erlebnis kann auf hunderterlei verschiedene Weisen vorkommen, aber im Wesentlichen ist es so: Mitten im Tagesleben kann man es erleben oder mitten aus dem Schlafe heraus. Die gewöhnlichen Worte dazu sind nur stammelnd. Es ist ja, wie wenn in diesem Augenblick etwas geschehe, wie wenn der Blitz einschlüge und den Leib zerstörte. Wenn der Leib abgetrennt ist, wird das Seelenleben verselbstständigt. In diesem Augenblick weiß man, was die Geistesforscher aller Zeiten genannt haben: Man komme nahe auf dem Wege der Geistesforschung dem Tode. Man lernt die Selbstständigkeit des Seelenlebens kennen, und jetzt ist man angekommen auf jener Stufe, wo man seelisch lebt im Ätherleibe. Was man dann erlebt, kann nur als krankhaftes Seelenleben bezeichnet werden, als Halluzination und so weiter, wenn man es nicht kennt. Davon spricht mein Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Es ist nicht zu vergleichen mit bloßer Phantasie. Was da so in das Seelenleben einfließt, ist wie Bilder, eine Art Traumbilder. Aber es kommt nicht darauf an, dass man sie so nennt, sondern dass man lesen lernt in der Welt, in die man nun eintritt. Es ist wie bei einem Brief, worin zwar alles an Buchstaben bekannt ist, aber was man kennenlernt durch die Schrift, das kann Neues sein. Der Geistesforscher hat eine Bilderwelt vor sich, aber er lernt sie lesen, die geistige Welt, die dahinter steht. Mit einem Schein von Recht nur kann gesagt werden von den gegenwärtigen Traumforschern, man könne dabei Wirklichkeiten vor sich haben von früher und die für neue Bilder halten. Aber die Seelenverfassung, die Seelenstimmung ist eine andere. Sie weiß, worin die gesamte Erinnerung des gewöhnlichen Lebens besteht: in einer Überschau vom Erdenleben bis zu einem Moment, wo man allem Erdenleben oder persönlichen Leben gegenübersteht. Dann erkennt man: Das Leben hat den Drang, sich hinaufzulösen in das allgemeine Ätherleben.
[ 5 ] Attention must be directed solely toward an object in which the entire life of the soul is concentrated. This attention also exists in everyday life, for without it, a person could not attain self-awareness, and memory is intimately connected with the capacity for attention. A thought may be weak, but one forgets less and less when one repeatedly directs one’s attention to something. Thought is the result of attention and concentration. It is through memory that a person, with a certain sense of self, immerses themselves in the physical world. This enables us to elevate our inner life. In everyday life, a person develops attention by allowing themselves to be stimulated by something external. This is the beginning of the soul’s activity known as attention. Self-observation is necessary; it is supported by very specific soul exercises. In order to learn what these consist of, one must become independent of any external stimulation of attention, divert one’s inner life from everything else, and direct it toward a subject of one’s own choosing. It is not what one concentrates on that matters, but what one does—that is what matters. Again and again, over a long period of time, again and again, [one concentrates] on the content one has chosen for oneself. Then, little by little, one has an inner experience; then one discovers what the soul does when it is attentive. And then it is attentive without content, attentive without paying attention to anything at all; this is what one develops as inner activity. To eradicate the content, to suppress it entirely, to think of nothing at all, and yet to have the same state within the soul—then one knows what attention is. The true clairvoyant method, which leads into spiritual research, is based on enhancing those soul capacities that are present in every soul. Attention grows ever stronger. As a result, the entire life of the soul is transformed. Then a person senses how the life of the soul exists within the central nervous system and the other nervous system. Then one senses an entity that is present within the human being apart from the body. In this way, one gradually separates the life of the soul inwardly from the body. Finally, one feels: one is a duality. At first, one thought it was a product of the body. The human etheric body is then what can be observed. One separates it from the physical body. Only then can one make observations of the etheric body. One experiences something like the following. It can happen in everyday life or upon waking from sleep. This experience can occur in a hundred different ways, but essentially it is like this: one can experience it in the midst of daily life or right out of sleep. Ordinary words to describe it are merely stammering. It is as if something were happening at that very moment, as if lightning were striking and destroying the body. When the body is separated, the life of the soul becomes independent. At that moment, one realizes what spiritual researchers of all times have described: on the path of spiritual research, one comes close to death. One comes to know the independence of the soul life, and now one has reached that stage where one lives spiritually in the etheric body. What one then experiences can only be described as a pathological state of the soul, as a hallucination, and so on, if one is unfamiliar with it. My book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?* discusses this. It cannot be compared to mere imagination. What flows into one’s soul life there is like images, a kind of dream imagery. But what matters is not that one calls them that, but that one learns to read the world into which one is now entering. It is like a letter in which, although all the letters are familiar, what one comes to know through the writing can be something new. The spiritual researcher has a world of images before him, but he learns to read the spiritual world that lies behind it. It can only be said with a semblance of justification by today’s dream researchers that one might be confronted with realities from the past and mistake them for new images. But the state of the soul, the soul’s mood, is different. It knows what the entirety of ordinary life’s memory consists of: a panoramic view of earthly life up to the moment when one stands face to face with all earthly life or personal life. Then one recognizes: Life has the urge to dissolve upward into the general etheric life.
[ 6 ] Geht man immer weiter in der Steigerung der Aufmerksamkeit, zu beobachten, wie das Leben sich auflöst, den Drang hat, sich aufzulösen in das Allgemeine, dann erkennt man, was dem Menschen zunächst eigentümlich ist, wenn er durch die Pforte des Todes tritt. Durch eine weitere innere Ausbildung erkennt man nicht nur das eigene Ätherleben, sondern lernt in der Umgebung unterscheiden. Dieser Weg führt, wenn auch nur kurze Zeit und in der Dauer verschieden für den Einzelnen, dazu, dass er überschaut dieses Leben wie ein Panorama. Um weiterzukommen, ist die geistige Chemie immer weiter zu verfolgen.
[ 6 ] If one continues to heighten one’s awareness, observing how life dissolves and feels the urge to dissolve into the universal, then one recognizes what is initially unique to the human being when he passes through the gate of death. Through further inner development, one not only recognizes one’s own etheric life but also learns to discern the surroundings. This path leads—albeit for only a short time and with varying duration for each individual—to a view of this life as a panorama. To progress further, one must continue to explore spiritual chemistry.
[ 7 ] Aber nicht nur die Aufmerksamkeit soll ausgebildet werden, sondern auch die völlige Hingabe des Seelenlebens. Die Hingabe besteht darin, dass der Mensch verzichtet auf alles. Was im Schlafzustand von selber erstarrt: Willkürlich muss er [es] herbeiführen – die Hingabe aller Muskeltätigkeit, der Sprachtätigkeit, der Denktätigkeit, der Urteilstätigkeit, was auch im Schlafzustand eintritt. Gesteigert kann die Hingabe werden, wenn sie jahrelang geübt wird, wenn jahrelang alles, was willkürlich ist, unterdrückt wird. Auch was nicht willkürlich ist, kann unterdrückt werden: Herztätigkeit, Atmungstätigkeit, die sonst dem Bewusstsein entzogen sind. In absolute Untätigkeit kann man bringen den physischen Leib. Dann fühlt man sich nicht entrückt in eine Außenwelt, in etwas, was heranziehen, [herausziehen] will, sondern man fühlt, man ist hineingestiegen in die Tiefen des eigenen Seelenlebens. Was der Mensch dann kennenlernt, ist der Astralleib des Menschen. Das Ichbewusstsein, alles Denken, Fühlen, Wollen erscheint dann wie Spiegelbilder. Jetzt dringt man vor zu dem, was sie spiegeln, man dringt in den Astralleib ein. Was der Mensch auf diesem Weg erlebt, hat mit dem gewöhnlichen Wünschen und so weiter nichts zu tun, [das] merkt man. Der Weg führt einen in voller Selbstbeobachtung hinaus über Geburt und Tod, zeigt uns wie eine auftauchende Vorstellungswelt die Erinnerung als etwas, was früher nicht da war. Damit ist verknüpft ein Abgewöhnen der Begierden, die mit dem Erdenleben zusammenhängen: Befriedigung, Freude, Lust zu leben durch das, was am äußeren Leibe hängt. Die Begierde bleibt noch einige Zeit. Aber durch die Erfahrung, die man macht, dass die Begierde nur durch den Leib befriedigt werden kann, zum Beispiel Gaumenbegierden, lernt man, was der Astralleib nach dem Tode für Aufgaben hat. Dann gewinnt man die Möglichkeit, den Zeitraum zu übersehen, nach Jahrzehnten, verschieden für verschiedene Menschen; dann lernt man, was man nach vorwärts durchschaut, nun auch nach rückwärts erkennen. Im Leben ist vieles, was uns schmerzt, man würde sich diesen Schmerz ersparen wollen. So träumt der Geistesforscher nicht, wenn er hineinschaut in die Welt vor der Empfängnis und sieht, dass der Mensch sich selbst diesen Schmerz zubereitet hat, was man nennt, sich selbst sein Karma gemacht hat, dass wir uns dieses böse Schicksal, die schmerzlichen Enttäuschungen selbst bereitet haben. Das entspricht nicht unseren Wünschen von jetzt. Man könnte kritisch und überkritisch sein und dennoch nicht auskommen mit dem Gewöhnlichen, bis man zurückkommt in einen Zeitraum, wo ein früheres Erdenleben auftritt, wo wir waren in einer anderen Sprache, in einer anderen Umgebung, in ganz anderen Verhältnissen. So unwahrscheinlich und unbeliebt es auch sein möge, man kommt auch dazu, mehr wie ein früheres Erdenleben zu durchschauen. Nur unter zwei Bedingungen kann diese Behauptung gemacht werden: Entweder hat derjenige, der solches behauptet, keinen Wahrheitssinn, oder er muss einen solchen Wahrheitssinn haben wie in der strengsten Mathematik. Viel Unfug ist auf diesem Wege getrieben worden. Man kann öfter hören, dass ein Mensch dieser oder jener in einem früheren Leben gewesen sei. Aber wenn die wirkliche Rückerinnerung eintritt, dann ist ausgeschlossen, dass man durch Wünsche eine Vorstellung von früheren Erdenleben haben könnte. Ein Bild kann eintreten: Das bist du gewesen, aber so, dass niemand da Einwendungen machen könnte. So lösen sich die Lebensrätsel: Das bist du gewesen, so hast du ausgesehen, das hast du gekonnt.
[ 7 ] But it is not only attention that must be cultivated, but also the complete surrender of the soul’s life. This surrender consists in a person renouncing everything. What naturally ceases during sleep: One must bring [it] about voluntarily—the surrender of all muscular activity, speech, thought, and judgment, which also occurs during sleep. This surrender can be intensified if it is practiced for years, if everything that is voluntary is suppressed for years. Even what is not voluntary can be suppressed: the activity of the heart, the activity of breathing—which are otherwise beyond the reach of consciousness. One can bring the physical body into a state of absolute inactivity. Then one does not feel transported into an external world, into something that seeks to draw one in or pull one out, but rather one feels that one has descended into the depths of one’s own soul life. What one then comes to know is the human astral body. Self-awareness—all thinking, feeling, and willing—then appears as mirror images. Now one penetrates to what they reflect; one enters the astral body. What one experiences on this path has nothing to do with ordinary desires and the like; one realizes this. The path leads one, in full self-observation, beyond birth and death, revealing to us—like an emerging world of imagination—memory as something that was not there before. Linked to this is a weaning away from the desires associated with earthly life: satisfaction, joy, and the lust for life derived from what is attached to the physical body. These desires remain for some time. But through the experience of realizing that desire can only be satisfied through the body—for example, culinary desires—one learns what tasks the astral body has after death. Then one gains the ability to survey the span of time—decades, varying from person to person—and comes to recognize not only what lies ahead but also what lies behind. In life, there are many things that cause us pain; one would want to spare oneself this pain. Yet the spiritual researcher does not dream when he looks into the world before conception and sees that the human being has brought this pain upon himself—what is called “creating one’s own karma”—that we have brought this evil fate and these painful disappointments upon ourselves. This does not correspond to our present desires. One could be critical and even overly critical and still not be satisfied with the ordinary until one goes back to a period when a previous earthly life occurred—when we were in a different language, a different environment, and entirely different circumstances. As improbable and unpopular as it may be, one also comes to gain insight into what a previous earthly life was like. This claim can be made only under two conditions: Either the person making such a claim has no sense of truth, or they must possess a sense of truth akin to that found in the most rigorous mathematics. Much nonsense has been perpetrated in this way. One often hears that a person was this or that in a past life. But when true recollection occurs, it is impossible to form a conception of past earthly lives based on mere wishes. An image may emerge: “That was you”—but in such a way that no one could raise any objections. This is how the mysteries of life are solved: “That was you; this is what you looked like; this is what you were capable of.”
[ 8 ] Aber es tritt auf in einem Lebensalter, wo man nichts damit machen kann. Es ist nichts daraus zu gewinnen, als dass man Erkenntnis hat. Jenes bequeme «Das bist du gewesen» gibt es nicht. Man weiß dann: Eine gewisse Vergeltung ist notwendig, aber in diesem Augenblicke ist es unmöglich, auszugleichen.
[ 8 ] But it happens at an age when there’s nothing one can do about it. There’s nothing to be gained from it except the realization. There’s no such thing as that comforting “That was you.” One knows then: A certain form of retribution is necessary, but at that moment, it’s impossible to make amends.
[ 9 ] Die Wege und die Ergebnisse der Geistesforschung sind hier versucht worden anzugeben in kurz sein müssender Form. Nicht sensationell, um zu überzeugen, sondern es kommt nur darauf an, anzuregen. Diese Erlebnisse stellen sich so dar, dass der Mensch anerkennt, dass er einen geistig-seelischen Lebenskern hat, der wiederholte Erdenleben hat als Folge von früheren Erdenleben; und so ist sein Schicksal das Ergebnis von früheren Erdenleben. Das gegenwärtige Leben richtet sich danach, um in gewissen Taten auszugleichen, was man diesem oder jenem zugefügt hat. Der Geistesforscher sucht erst, was im Menschen unsterblich ist, und er findet das, wenn er die Methoden dazu anwendet. Dieses erkennt er in einem durchaus wichtigen Zusammenhang; er erkennt das Erdenleben so, dass es sich wie eine Schale über das tiefere Kernleben legt. Man muss dazu das Gedächtnis ausbilden, sich erinnern zum Beispiel an das, was man seit der Geburt erlebt hat. Der Mensch kommt aus einem rein geistigen Zustand und geht ein in einen rein geistigen Zustand. Wir sind in einem mittleren Zustand im physischen Leib. Nicht fragen soll man: Ist der Mensch unsterblich? –, sondern die Unsterblichkeit aufsuchen. Was der materialistische Denker erschaut von der Seele, ist nicht unsterblich. So ist die Geistesforschung [anzusehen] als der Weg in die Unsterblichkeit des Menschen hinein, sie macht aufmerksam auf Gefühls- und Gemütsergebnisse, auf das Beseligende in religiöser Innerlichkeit. Aber sie ist auch das, was das Leben stark macht und kraftvoll für den äußeren Schauplatz.
[ 9 ] An attempt has been made here to outline the paths and findings of spiritual research in a form that must be brief. Not in a sensational way to convince, but simply to inspire. These experiences reveal that human beings recognize they have a spiritual-soul core that undergoes repeated earthly lives as a consequence of previous earthly lives; and thus their destiny is the result of past earthly lives. The present life is guided by this, so that through certain actions one may make amends for what one has inflicted upon this or that person. The spiritual researcher first seeks what is immortal within the human being, and finds it when he applies the appropriate methods. He recognizes this within a thoroughly significant context; he perceives earthly life as something that envelops the deeper core life like a shell. To do this, one must train one’s memory to recall, for example, what one has experienced since birth. Human beings come from a purely spiritual state and return to a purely spiritual state. We exist in an intermediate state within the physical body. One should not ask, “Is the human being immortal?”—but rather seek out immortality. What the materialistic thinker perceives of the soul is not immortal. Thus, spiritual research [should be viewed] as the path into human immortality; it draws attention to the results of feeling and mood, to the bliss found in religious inner life. But it is also what makes life strong and powerful for the outer world.
[ 10 ] Unkeuschheit wäre es, zu sprechen über die Wirkungen des Seelenlebens; aber der Weg muss verkündigt werden. Gerade die Menschen, die ganz durchdrungen sind vom Geist, können oft den Weg doch nicht erkennen.
[ 10 ] It would be indecent to speak of the effects of the life of the soul; but the path must be proclaimed. It is precisely those people who are completely imbued with the Spirit who often fail to recognize the path.
[ 11 ] Was die Naturwissenschaft über die Vererbung sagt, ist gleich dem, was die Geisteswissenschaft über die wiederholten Erdenleben sagt.
[ 11 ] What the natural sciences say about heredity is the same as what the spiritual sciences say about repeated earthly lives.
