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The Rudolf Steiner Archive

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Death and Immortality
in the Light of Spiritual Science
GA 69d

6 March 1914, Stuttgart

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Death and Immortality in the Light of Spiritual Science, tr. SOL
  1. Tod und Unsterblichkeit im Lichte der Geisteswissenschaft

17. Inneres Wesen des Menschen und Leben zwischen Tod und neuer Geburt

17. The Inner Nature of Human Beings and Life Between Death and Rebirth

Frage: Was soll man machen, wenn man Gott verloren hat?

Question: What should you do if you've lost God?

[ 1 ] Rudolf Steiner: Man kann eigentlich nicht Gott verlieren, sondern bloß seine Gottesvorstellung. Man soll danach streben, seine Gottesvorstellung zu vertiefen, man könnte auch sagen: zu erhöhen. Jede Gottesvorstellung nähert sich nur dem Gott, keine kann ihn umfassen. Die Menschen reden zum Beispiel von Pantheismus und Theismus, als ob das eine das andere ausschließe; in Wirklichkeit ist man aber beides, denn bei Tag ist der Mensch Pantheist, bei Nacht mehr Theist. Pantheismus heißt die Gottheit tätig in der Welt erleben. [Im] Theismus erlebt man wie im hellseherischen Weltenschlafe, wie die Gottheit über der Welt wacht. Man kann sich nicht auf Beweise stützen, sondern «wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen». Man soll nur nicht stehen bleiben wollen, [soll] über jeden Standpunkt hinauskommen wollen. Die Wahrheit ist zwar eine, aber sie ist vielfältig in ihren Offenbarungen. Vor allem ist nötig innere Ruhe, Sicherheit, Lebenskraft, die man sich durch die Geisteswissenschaft erwirbt. Die Antwort lautet also im Grunde: Vertiefung in die Geisteswissenschaft, nicht eine abstrakte Antwort.

[ 1 ] Rudolf Steiner: One cannot actually lose God, but only one’s conception of God. One should strive to deepen one’s conception of God—one could also say: to elevate it. Every conception of God merely approaches God; none can encompass Him. People speak, for example, of pantheism and theism as if one were mutually exclusive with the other; in reality, however, one is both, for by day a person is a pantheist, and by night more of a theist. Pantheism means experiencing the deity as active in the world. [In] theism, one experiences—as in a clairvoyant slumber—how the deity watches over the world. One cannot rely on proof, but “whomever strives with all their might, we can redeem.” One must simply not wish to remain stagnant, but [must] strive to transcend every point of view. Although there is only one truth, it is manifold in its manifestations. Above all, one needs inner peace, security, and vitality, which are acquired through spiritual science. So the answer is essentially this: deepening one’s understanding of spiritual science, not an abstract answer.

Frage: Ist die Praxis des Tischrückens zu billigen, und können Botschaften aus der geistigen Welt dadurch vermittelt werden?

Question: Is the practice of table turning acceptable, and can messages from the spirit world be conveyed through it?

[ 2 ] Rudolf Steiner: Da ist zu sagen, dass es in der Welt der Geister geistig zugeht. Wer durch Tischrücken die geistige Welt kennenlernen will, der gleicht demjenigen, der Mathematik lernen will und nicht zum Mathematiker geht, sondern zum Papagei.

[ 2 ] Rudolf Steiner: It must be said that the spirit world is a realm of the spirit. Anyone who wants to learn about the spirit world through table-turning is like someone who wants to learn mathematics but goes to a parrot instead of a mathematician.

Frage: Muss der Mensch in jedem Leben eine Wiedergeburt in geistig-göttlicher Beziehung erfahren?

Question: Must a person experience spiritual-divine rebirth in every life?

[ 3 ] Rudolf Steiner: Die Wiedergeburt, die man in einem Leben erfahren hat, bleibt Frucht für die nächsten Erdenleben, braucht aber nicht gleich ihrem Samen zu sein. Was die Mystiker «geistige Wiedergeburt» nennen, wandelt sich vielleicht um in dichterische oder [andere] künstlerische Fähigkeiten im nächsten Leben.

[ 3 ] Rudolf Steiner: The rebirth one has experienced in one lifetime bears fruit for subsequent earthly lives, but need not be the same as its seed. What mystics call “spiritual rebirth” may be transformed into poetic or [other] artistic abilities in the next life.

Frage: Kommen Geist und Materie beide aus einem Geistigen?

Question: Do both spirit and matter originate from a spiritual source?

[ 4 ] Rudolf Steiner: Darüber lese man meine Bücher, wie zum Beispiel «Wahrheit und Wissenschaft», «Philosophie der Freiheit» und so weiter. Frage: Gehören Neptun und Uranus zu unserem Planetensystem oder zu einem anderen?

[ 4 ] Rudolf Steiner: Read my books on this subject, such as *Truth and Science*, *The Philosophy of Freedom*, and so on. Question: Do Neptune and Uranus belong to our planetary system or to another one?

[ 5 ] Rudolf Steiner: Sie gehören nicht in demselben Sinne zu unserem Planetensystem wie die anderen Planeten, sondern sie sind gleichsam zugewandert.

[ 5 ] Rudolf Steiner: They do not belong to our planetary system in the same sense as the other planets, but have, as it were, migrated here.

Frage: Wo befinden sich die Toten?

Question: Where are the dead?

[ 6 ] Rudolf Steiner: Ich habe im Vortrag absichtlich vermieden, über Raum und Zeit in dieser Beziehung zu sprechen, denn diese [Kategorien] gehören nur der Sinneswelt an; in der geistigen Welt wird die Zeit in ganz anderer Weise erlebt. Im neunzehnten Jahrhundert sagten sogar die Materialisten: Wenn alle Seelen nach dem Tode in den Raum hinaus versetzt werden, wird die Welt bald überfüllt sein. Das ist aber ein Unsinn, denn das Gesetz der Undurchdringlichkeit gehört nur der physischen Welt an.

[ 6 ] Rudolf Steiner: In my lecture, I deliberately avoided speaking about space and time in this context, for these [categories] belong solely to the sensory world; in the spiritual world, time is experienced in an entirely different way. In the nineteenth century, even the materialists said: If all souls are transported into space after death, the world will soon be overcrowded. But that is nonsense, for the law of impenetrability belongs only to the physical world.

Frage: Wie verträgt sich das im Vortrag Gesagte mit der Lehre von der Auferstehung und dem Weltgericht?

Question: How does what was said in the lecture relate to the doctrine of the Resurrection and the Last Judgment?

[ 7 ] Rudolf Steiner: Mancher glaubt, so und so heißt eine Stelle in der Bibel, aber darum handelt es sich hier nicht, sondern [es geht] um unmittelbare geistige Forschung.

[ 7 ] Rudolf Steiner: Some people believe that a passage in the Bible says this or that, but that is not the point here; rather, [the point is] direct spiritual research.

Frage: Kann Seelen nach dem Tode geholfen werden? Wie steht es mit Selbstmördern?

Question: Can souls be helped after death? What about people who have committed suicide?

[ 8 ] Rudolf Steiner: Darüber kann bloß in mehr mündlichen [in persönlichen] Gesprächen etwas gesagt werden.

[ 8 ] Rudolf Steiner: This is something that can only be discussed in more oral [in-person] conversations.

Frage: Mein Bruder Theodor Schmidt ging am [Lücke in der Mitschrift] 1898 weg. In vierzehn Tagen war er irrsinnig.

Question: My brother Theodor Schmidt left on [gap in the transcript] 1898. Within fourteen days, he had gone mad.

[ 9 ] Rudolf Steiner: Das Ich ist ja nicht tot zwischen Einschlafen und Aufwachen während der Nacht. [In] Ruhe lassen, Anstaltsbehandlung.

[ 9 ] Rudolf Steiner: The “I” is not dead between falling asleep and waking up during the night. [In] Leave It Alone, Institutional Treatment.

Frage: Wenn Mann und Frau sich sehr lieben, wird der eine dem anderen bald nachfolgen?

Question: If a man and a woman love each other very much, will one of them soon follow the other?

[ 10 ] Rudolf Steiner: In [einem] solchen Falle hat man schon vor der Verkörperung verlangt nach einer Verkörperung, die nicht länger dauert als die des anderen. Sie werden auch nicht bestreiten, dass mancher Mann und manche Frau nach dem Tode des anderen noch lange lebt. Ich will gar nicht von Blaubart sprechen, aber es gibt doch Menschen, die sich schnell getröstet haben mit anderer Liebe. Innere Zusammenhänge sind zwischen allen Menschen vorhanden in gutem und bösem Sinne, in Liebe und Hass, in verständigem und unverständigem Sinne. Unser Streben soll sein, seelische Bande herzustellen im physischen Leib, die seelische Kräfte sind. Unsere Stärke wird größer, unsere Kraft wird stärker, wenn wir im Leibesleben mit einer anderen Person uns verbinden in Liebe, Freundschaft oder in anderer Zusammengehörigkeit. Streift man ab die Formen, die bloß dem Irdischen angehören, dann bleiben übrig die Kräfte, die hier und in der geistigen Welt weiterleben. Das Bewusstsein nach dem Tode ist ein viel stärkeres, mit Ausnahme der Periode, wo das Bewusstsein die Außenwelt gleichsam ablehnt; dafür ist das Innere umso stärker. Auch das Erleben in der «Mitternachtsstunde des Daseins» ist viel stärker, wie das Bewusstsein im Leib sein kann, wenn es auch ein innerliches ist. Alle Früchte offenbaren sich in Ewigkeit: Was wir in Einsamkeit erleben, und [was wir erleben] in Gemeinsamkeit mit anderen.

[ 10 ] Rudolf Steiner: In [such] a case, even before incarnation, one has already asked for an incarnation that does not last longer than that of the other. Nor will you dispute that some men and women live on for a long time after the death of their partner. I don’t want to speak of Bluebeard at all, but there are indeed people who have quickly found comfort in another love. Inner connections exist between all people—in both a good and an evil sense, in love and hate, in an understanding and an un understanding sense. Our aim should be to establish spiritual bonds within the physical body—bonds that are spiritual forces. Our strength grows, our power becomes greater, when we unite with another person in physical life through love, friendship, or other forms of togetherness. If one strips away the forms that belong solely to the earthly realm, what remains are the forces that live on here and in the spiritual world. Consciousness after death is much stronger, with the exception of the period when consciousness, as it were, rejects the outer world; in return, the inner world is all the more powerful. The experience during the “midnight hour of existence” is also much more intense than consciousness can be within the body, even when it is an inner one. All fruits reveal themselves in eternity: what we experience in solitude, and [what we experience] in communion with others.