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Death and Immortality
in the Light of Spiritual Science
GA 69d

31 March 1914, Munich

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Death and Immortality in the Light of Spiritual Science, tr. SOL
  1. Tod und Unsterblichkeit im Lichte der Geisteswissenschaft

19. Vom Todes

19. On Death

[ 1 ] Seit einer Reihe von Jahren habe ich in diesem Saale über elementare Dinge und in weiterhin aufbauender Weise über die Geisteswissenschaft gesprochen, und nur aus diesem Grunde gestatte ich mir, heute Abend diesen Vortrag zu halten, muss allerdings darauf aufmerksam machen, dass [der heutige Vortrag in gewissem Sinn ein Wagnis ist und] diejenigen [Zuhörer], die wenig oder gar nichts von den früheren Vorträgen gehört haben, leicht zu dem Urteil kommen werden, alles Gesagte [schwebe] mehr oder weniger in der Luft. Früher schon habe ich in verschiedenen Richtungen die Begründungen alles dessen vorgebracht, was zu solchen Erkenntnissen führt, und gezeigt, wie es für die menschliche Erkenntnis durchaus möglich ist, zu den Quellen vorzudringen, aus denen auch der heutige Vortrag geschöpft hat, sodass ich nicht immer wieder dasselbe zur Stütze vorzubringen brauche, um aus den über das heutige Thema angestellten speziellen Forschungen der Geisteswissenschaft, das ja einer jeden menschlichen Seele nahe liegt, einiges mitzuteilen. Die Begriffe hierfür liegen in anderen Vorträgen, doch will ich einleitend noch Verschiedenes vortragen, das den Übergang für denjenigen bilden kann, der sich noch wenig mit den Gegenständen der Geisteswissenschaft beschäftigt hat.

[ 1 ] For a number of years now, I have spoken in this hall about fundamental topics and, in an increasingly systematic manner, about the science of the spirit, and it is for this reason alone that I take the liberty of deliver this lecture this evening—though I must point out that [today’s lecture is, in a certain sense, a risk, and] those [listeners] who have heard little or nothing of the earlier lectures will easily come to the conclusion that everything said [hovers] more or less in the air. I have previously presented, from various angles, the justifications for everything that leads to such insights, and shown how it is entirely possible for human cognition to penetrate to the sources from which today’s lecture has also drawn, so that I do not need to keep repeating the same arguments in support of my points in order to share some insights from the specific research of spiritual science conducted on today’s topic—a topic that is, after all, close to every human soul. The concepts for this are found in other lectures, but by way of introduction I would like to present a few additional points that may serve as a bridge for those who have not yet engaged much with the subjects of spiritual science.

[ 2 ] Dass diese [Geisteswissenschaft] so ganz anders ist als die äußere Wissenschaft, obgleich sie durchaus als eine Fortsetzung der naturwissenschaftlichen Errungenschaften anzusehen ist, wurde schon öfter betont. Die Geisteswissenschaft stützt sich nicht auf die Naturwissenschaft, sondern auf ein Erkennen, das mit entwickelten Kräften der Seele erreicht wird, die zunächst im Unterbewusstsein der Seele schlummern, aber durch Meditation und Konzentration heraufgeholt werden können, sodass die Seele [so erstarkt, dass sie mit dem Worte einen Sinn verbinden kann: Ich erlebe mich als Seele außerhalb des Leibes], ich erfühle mich als geistiges Wesen so, dass ich hinblicke auf meinen Leib als auf etwas Fremdes. Das ist also eine Art geistiger Chemie, die durch Meditation und Konzentration am Menschen und durch ihn selbst getrieben wird. Durch diese geistige Chemie sondert sich das geistige Leben ab, wenn es durch diese Übungen von Meditation und Konzentration vorbereitet wird.

[ 2 ] It has often been emphasized that this [spiritual science] is so very different from external science, even though it can certainly be regarded as a continuation of the achievements of the natural sciences. Spiritual science does not rely on the natural sciences, but on a form of knowledge attained through the developed powers of the soul—powers that initially lie dormant in the soul’s subconscious but can be brought to the surface through meditation and concentration—so that the soul [becomes strengthened to the point where it can attach meaning to the words: I experience myself as a soul outside the body], I feel myself as a spiritual being in such a way that I regard my body as something foreign. This is, therefore, a kind of spiritual chemistry driven by meditation and concentration in the human being and through the human being himself. Through this spiritual chemistry, spiritual life is separated when it is prepared by these exercises of meditation and concentration.

[ 3 ] Dadurch entdeckt der Mensch, dass in ihm ein Wesen lebt, das sich gewöhnlich der Sinne als Werkzeug bedient, sich aber aus dem Leibe herausheben kann und dann nicht die Welt um sich hat, die durch die Sinne wahrgenommen wird, sondern eine Welt von geistigen Wesen und Vorgängen. Der Moment ist für den angehenden Geistesforscher bedeutungsvoll, wo der Mensch dahin gelangt, sich wirklich in der geistigen Welt erlebend zu wissen.

[ 3 ] Through this, a person discovers that a being lives within them who usually uses the senses as tools but can lift themselves out of the body and then find themselves not in the world perceived through the senses, but in a world of spiritual beings and processes. For the aspiring spiritual researcher, the moment is significant when a person reaches the point of truly knowing that they are experiencing themselves in the spiritual world.

[ 4 ] Dieser Moment kann erstehen aus dem wachen Tagesleben, ohne dass dieses gestört wird, oder mitten im Schlaf eintreten, [aus dem Schlaf heraus aber nicht zu einem Traum werden, sondern zu einem geistigen Erlebnis]. Man erlebt aber diese Loslösung vom Leib in erschütternder Weise. Das Typische dabei ist, dass – im Schlaf oder Wachleben – der Moment kommt, wo man fühlt: Jetzt geht etwas vor, was dich durchdringt wie eine [unwiderstehliche], elementare Gewalt, etwa so, wie wenn du in einem Hause wärest, wo der Blitz einschlägt. Du fühlst die Loslösung des Leibes, fühlst, dass du ihn außer dir [als etwas Fremdes] wahrnehmen kannst. – Dies Erlebnis ist das Eingangstor zu geistiger Forschung. Wenn man es erlebt hat, weiß man, was gemeint ist, wenn der Geistesforscher [von einem höheren Erkennen spricht und] dieses höhere Erkennen, dieses geistesforscherische Erkennen damit charakterisiert, dass er sagt: Es beginnt damit, dass man bis an die Pforte des Todes herantritt, denn man weiß dadurch, was es heißt, außerhalb des Leibes in der Seele zu leben. Man erlebt dieses Ereignis [nur im Bilde], aber in realer Imagination. Man weiß, was es heißt, den Tod erleben, drinstehen in der Welt, in der die Menschenseele drinsteht, wenn sie in Wirklichkeit durch die Pforte des Todes gegangen ist und den Leib der Erde übergeben hat, [wenn] die Seele in die geistige Welt eintritt.

[ 4 ] This moment can arise from waking daily life without disrupting it, or occur in the midst of sleep, [but it does not turn into a dream as it emerges from sleep; rather, it becomes a spiritual experience]. However, one experiences this detachment from the body in a deeply unsettling way. What is typical here is that—whether asleep or awake—the moment comes when one feels: Something is happening now that pierces you like an [irresistible], elemental force, much as if you were in a house struck by lightning. You feel the detachment from the body; you feel that you can perceive it outside of yourself [as something foreign]. – This experience is the gateway to spiritual research. Once you have experienced it, you know what is meant when the spiritual researcher [speaks of a higher form of knowledge and] characterizes this higher form of knowledge—this spiritual-research knowledge—by saying: It begins with approaching the very threshold of death, for through this you come to know what it means to live outside the body in the soul. One experiences this event [only figuratively], but in real imagination. One knows what it means to experience death, to stand in the world where the human soul stands when it has actually passed through the gate of death and surrendered the body to the earth, [when] the soul enters the spiritual world.

[ 5 ] Eine notwendige Eigentümlichkeit ist dabei. [Ich möchte nun die Seelenstimmung schildern, die notwendig ist, um sich richtig zu den dabei auftretenden Tatsachen zu stellen; denn] es ist eine andere Seelenstimmung, die der Geistesforscher entwickelt, als die Stimmung des Wissenschaftlers, wenn er sich in Vorstellungsarten der gewöhnlichen Wissenschaft, überhaupt im Alltagsleben, bewegt. Man hat da das Gefühl, dass man über alles urteilen kann. Diese Stimmung hört auf, während man sich in geistige Erkenntnisse hineinlebt. Man lernt immer mehr und mehr fühlen, wie die Wahrheit etwas ist, was in hehren Höhen über einem schwebt und auf dessen Annäherung man immer wiederum warten möchte. Man fühlt, wie notwendig es ist, sich vorzubereiten, um die Seele in die Sphäre zu bringen, wo sie reif wird, aus geistigen Welten wie durch eine Gnade zu empfangen das, was auf geistigem Gebiet Wahrheit genannt wird. Heilige Scheu [vor dem Zusammengehen der Seele mit der Wahrheit] bemächtigt sich der Seele. Man hat das Gefühl: Wenn ich vielleicht doch noch wartete, mir das, was ich jetzt forschen will, auf einen späteren Zeitpunkt verlegte, wo ich mich reifer gemacht. Dies Fühlen: Du musst erst reif werden, nicht urteilen, sondern dich anders gestalten, um Sphären zu erreichen, wo die Wahrheit an dich herankommt – diese Stimmung ergibt sich ganz natürlicherweise bei der Geistesforschung. Während man sonst sich viel erarbeiten will an dem, was Wissenschaft zusammenbringen kann, hat man in Geistesforschung das Bedürfnis, an sich selbst zu arbeiten, sich in eine Verfassung zu bringen, sodass man die heilige Scheu überwinden kann.

[ 5 ] There is one essential characteristic here. [I would now like to describe the state of mind that is necessary to properly relate to the facts that arise in this context; for] the state of mind that the spiritual researcher develops is different from that of the scientist when he operates within the modes of thought of ordinary science—or, indeed, in everyday life. There, one has the feeling that one can judge everything. This state of mind ceases as one immerses oneself in spiritual insights. One learns more and more to feel how truth is something that hovers in sublime heights above one, and one always wants to wait for it to draw near. One feels how necessary it is to prepare oneself to bring the soul into the sphere where it matures, so that it may receive—as if by grace—from spiritual worlds that which is called truth in the spiritual realm. A sacred reverence [for the union of the soul with truth] takes hold of the soul. One has the feeling: What if I were to wait a little longer, postponing what I now wish to explore to a later time, when I have made myself more mature? This feeling—that one must first become mature, not judge, but transform oneself in order to reach spheres where truth comes to you—arises quite naturally in spiritual research. Whereas in other fields one seeks to achieve much through what science can provide, in spiritual research one feels the need to work on oneself, to bring oneself into a state where one can overcome that sacred awe.

[ 6 ] Damit ist [nur mit trockenen, groben Worten] hingedeutet auf etwas, was jedem, der mit Geistesforschung sich beschäftigt, etwas unendlich Heiliges und Vertrautes ist. Ein solcher kennt den Moment, wo er sich sagt: Ja, da hast du noch etwas zu erkennen, aber warte lieber. — Man hat das Gefühl, nicht würdig zu sein für die Wahrheit. Diese eigentümliche Stimmung des in einem höheren Sinn Nicht-würdig-Seins für die Wahrheit, das ist etwas, woran man lernt, dass es einen durchdringt. Das sei gesagt, um gewissermaßen etwas anzudeuten über die Stimmung, die ich gern ausgegossen haben möchte über alles das, was heute vorgebracht werden soll.

[ 6 ] This alludes [only in dry, blunt terms] to something that is infinitely sacred and familiar to anyone engaged in spiritual research. Such a person knows the moment when they say to themselves: Yes, there is still something you need to recognize here, but you’d better wait. — One has the feeling of being unworthy of the truth. This peculiar mood of, in a higher sense, being unworthy of the truth—that is something one learns to recognize as permeating one’s being. I mention this, so to speak, to hint at the mood I would like to evoke regarding everything that is to be discussed today.

[ 7 ] [In erzählender Form nur will ich heute aus der Geistesforschung und ihren Quellen heraus über das Problem des Todes sprechen und nehme dabei gleichzeitig Bezug auf meine Schrift über «Theosophie» und «Die Schwelle der geistigen Welt». Die Schilderung des Vortrags sol mehr so erfolgen, wie die Seele, die sich mit eigenen Kräften in die geistigen Welten versetzt hat, die Vorgänge erlebt; es geschieht das also von einem etwas anderen Gesichtspunkte als in jenen Büchern.]

[ 7 ] [Today I would like to speak about the problem of death in a narrative style, drawing on spiritual research and its sources, while also referring to my writings on “Theosophy” and “The Threshold of the Spiritual World.” The account of the lecture is intended to be presented more or less as a soul that has entered the spiritual worlds through its own powers experiences these events; it is thus presented from a slightly different perspective than in those books.]

[ 8 ] Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt, [also seine Seele von dem physischen Leibe losgelöst hat], tritt für ihn ein nur kurze Zeit dauerndes Ereignis ein, [mit dem der Geistesforscher vertraut ist durch da Miterleben eines eben Verstorbenen]. Dadurch, dass de Geistesforscher die Welt betreten kann, in die der Tot eintritt, sind ihm diese Erlebnisse vertraut. Die ganze innere Seelenverfassung wird dann eine andere. Im äußeren Leben, im Leibe, unterscheiden wir Denken, ode Vorstellen, Fühlen und Wollen. Diese Seelentätigkeiten werden nach dem Tode etwas anderes als im Leben, [sie kommen nach dem Tode in anderer Art zum Bewusst sein als mit jenen Worten, für die unsere irdische Sprache ihren Ausdruck geprägt hat]. Das Erleben ist ganz anders als im Leibe. Man kann nur versuchen, sich mi Worten zu nähern dem, was in der Geisteswelt geschaut wird, [wenn es auch ungelenk erscheint und im Sinne de gewöhnlichen Sprache ungewohnt sein wird].

[ 8 ] When a person passes through the gate of death—[that is, when his soul has separated from the physical body]—an event occurs that lasts only a short time, [with which the spiritual researcher is familiar through having witnessed the experience of someone who has just died]. Because the spiritual researcher can enter the world into which the deceased enters, these experiences are familiar to him. The entire inner state of the soul then changes. In outer life, within the body, we distinguish between thinking, or imagining, feeling, and willing. After death, these soul activities become something different from what they are in life; [after death, they come to consciousness in a different way than through the words for which our earthly language has coined expressions]. The experience is entirely different from that within the body. One can only attempt to approach with words what is perceived in the spiritual world, [even if it seems awkward and will be unfamiliar in the sense of ordinary language].

[ 9 ] Das Erste, was der Mensch nach dem Tode erlebt, ist dass er sich erlebt in seinen Gedanken so, dass diese Gedanken anfangen, ein selbstständiges Leben zu führer. Das ist für den Geistesforscher [bereits etwas Bekannten und tritt ihm schon ähnlich entgegen], wenn er aus dem Leibe herausgetreten ist. Er kann nicht sagen: Ich bewege meine Gedanken. – Sie werden wie eine innerlich selbstständige Wesenheit. Statt dass wir uns mit den Gedanken [im Leibe] eins fühlen, treten sie wie in die Umgebung hinaus, werden zu einer Außenwelt. So, wie die Sinnendinge und Vorgänge um uns herum vor dem Tode, so erblicken wir nach dem Tode die Gedanken, sodass es sich ausnimmt wie ein Erinnerungstableau des verflossenen Lebens.

[ 9 ] The first thing a person experiences after death is that they experience themselves in their thoughts in such a way that these thoughts begin to lead a life of their own. This is [already somewhat familiar to the spiritual researcher and presents itself to him in a similar way] when he has stepped out of his body. He cannot say, “I am moving my thoughts.” — They become like an inner, independent entity. Instead of feeling at one with our thoughts [within the body], they step out into the surroundings, as it were, and become an external world. Just as we perceived the objects and events around us before death, so do we perceive our thoughts after death, so that it appears like a tableau of memories from our past life.

[ 10 ] Jeder, der unbefangen den Blick richtet auf das Leben, weiß, dass er sich zwischen Geburt und Tod einen innerlichen Lebensreichtum anhäuft. Nur einen Teil dessen, worin wir reicher geworden sind, überblicken wir so, dass wir uns in den Gedanken drin wissen. Das, was wir uns errungen haben im letzten Leben, tritt wie eine Wesenheit von Gedanken, [ein lebendiges, aus Gedankenwesenheiten bestehendes Erinnerungsbild], ein Tableau vor unsere Seele hin. Das Erste ist also wie eine Rückschau auf das verflossene Erdenleben, das ist wie eine Außenwelt, in die Gedanken, die wir aufgenommen haben, [in voller Tätigkeit] verwoben sind.

[ 10 ] Anyone who looks at life with an open mind knows that between birth and death, they accumulate an inner wealth of life. We can grasp only a part of what has enriched us in such a way that we know we are present in those thoughts. What we have achieved in our last life appears before our soul like an entity of thoughts—[a living image of memory consisting of thought-entities], a tableau. The first is thus like a retrospective view of the past earthly life; it is like an external world into which the thoughts we have absorbed are woven [in full activity].

[ 11 ] Diese Rückschau dauert nur Tage. Die Länge ist verschieden, [je nach der Entwicklung der Individualität, und dem Geistesforscher ist beim Studium dieser Frage aufgefallen]: Ein Mensch mag ungefähr so lang den Blick nach dem Tod auf seine Lebenserrungenschaften, die in Gedanken umgesetzt sind, richten, als er die Kräfte gehabt haben würde, während seines Lebens vor dem Tode sich wach zu erhalten, [ohne dass die natürlichen Ermüdungskräfte ihn zum Schlafe zwangen]. Der eine kann dies viele Nächte hindurch, der andere nicht. Es ist nichts im moralischen Wert des Lebens von dieser Dauer abhängig.

[ 11 ] This retrospective review lasts only a few days. Its duration varies, [depending on the development of the individual, and the spiritual researcher has noticed the following while studying this question]: A person may reflect on his life’s achievements—which are transformed into thoughts—after death for approximately as long as he would have had the strength to remain awake during his life prior to death, [without the natural forces of fatigue forcing him to sleep]. One person may be able to do this for many nights, while another cannot. The moral value of life does not depend on this duration.

[ 12 ] Wenn diese Zeit des Rückblickens zu Ende [gegangen ist], dann ist es, wie wenn ein Extrakt, der GedankenExtrakt dessen, was wir uns im letzten Leben errungen, sich von uns «fernen» würde. Ein wichtiger Bestandteil dieses Tableaus geht wie von uns fort. Wir haben das Gefühl, dass unsere Lebenserfahrung in weite geistige Fernen geht. Dies Gefühl, das daraus entspringt: Das, was du vor dem Tode mit dir verbunden wusstest, geht in weite Fernen –, dies Gefühl ist das Aufleuchten eines neuen Bewusstseins nach dem Tode. Wir entwickeln unser Gegenstands-Bewusstsein im physisch-irdischen Leben vor dem Tode dadurch, dass wir uns mit unseren Sinnen und Urteilskräften sozusagen an den Dingen stoßen. Dadurch, dass die Außenwelt uns Widerstände bietet, entwickelt sich die Gegenkraft in uns. Das gibt uns Bewusstsein vor dem Tode. Nachher ist das Bewusstsein nicht dumpfer, aber ganz andersartig.

[ 12 ] When this time of reflection has come to an end, it is as if an essence—the essence of the thoughts we gained in our last life—were to “drift away” from us. An important part of this tableau departs from us. We have the feeling that our life experience is receding into vast spiritual distances. This feeling that arises from it—that what you knew to be connected to you before death is receding into vast distances—is the dawning of a new consciousness after death. We develop our awareness of objects in our physical, earthly life before death by, so to speak, coming into contact with things through our senses and powers of judgment. Because the external world offers us resistance, a counterforce develops within us. This gives us consciousness before death. Afterward, consciousness is not dulled, but is of an entirely different nature.

[ 13 ] [In dem Erfühlen: Es geht nun die ganze Errungenschaft, der Extrakt des letzten Erdenlebens von einem fort –, beginnt also das neue Bewusstsein, und] es schließen sich nun andere, viel innerlichere Erlebnisse an. Während wir unsere Gedanken in den ersten Zeiten nach dem Tode wie eine geistige Außenwelt um uns erlebt haben, erleben wir nun mehr durch innere Seelenkräfte, die ganz anders sind als vor dem Tode, einen Zusammenhang mit dem letzten Erdenleben, mit Seelenkräften, für die es kein Wort gibt, die man weder als Gefühl noch als Willen behandeln kann. Man könnte das bezeichnen [als etwas] wie ein Mittelding zwischen Fühlen und Wollen, [als ein fühlendes Wollen] oder [als ein] wollendes Fühlen. Es dämmert auf wie Gefühl, aber Wunsch ist in dem Gefühl. Die Seele steht unmittelbar in diesem Wunsch, und es richtet sich dieser Teil der Seelenkraft auf das letzte Erdenleben, sodass wir nun eine Zeit, die noch nach Jahren zu bemessen ist, so durchmachen. Man kann es charakterisieren wie folgt: Während des Erdenlebens befriedigen wir unsere Wünsche und Begierden, treten in gewisse Beziehungen zur Außenwelt, allein für niemand ist alles das, was er im Leben begehrt hat, Fühlen, Wollen, erschöpft, wenn er aus dem Leben tritt. Es behält das seelische Erleben, Erfühlen noch immer einen Rest, was man noch hätte genießen können. Das lebt jetzt in einer Art in der Seele auf, dass die Seele es wie wollend fühlt. Dadurch entsteht Begierde nach dem Zusammenhang mit dem letzten Erdenleben. Die Seele ist innerlich in ihrem wollenden Fühlen beschäftigt mit dem letzten Erdenleben. Dadurch, dass sie in geistiger Umgebung ist, lernt sie erkennen, dass zu jenem Fühlen und Wollen das Erdenleben notwendig ist und die Erdenverhältnisse, [und] dass sie das hier nicht befriedigen kann. Das Hinüberkommen darüber braucht Jahre [in der geistigen Welt]. Der Mensch ist da schon in der geistigen Welt drin, er nimmt sie wahr, aber er nimmt sie auf dem Umweg durch sein vorhergehendes Erdenleben wahr.

[ 13 ] [In this process of sensing—as the entire achievement, the essence of one’s last earthly life, now departs from one—the new consciousness begins, and] other, much more inner experiences now follow. Whereas in the early stages after death we experienced our thoughts as a spiritual external world around us, we now experience—through inner soul forces that are entirely different from those before death—a connection with our last earthly life, with soul forces for which there are no words, which cannot be treated as either feeling or will. One could describe this [as something] like a middle ground between feeling and willing, [as a feeling will] or [as a] willing feeling. It dawns like a feeling, but there is a desire within that feeling. The soul stands directly within this desire, and this aspect of the soul’s power is directed toward the last earthly life, so that we now go through a period—which can still be measured in years—in this way. It can be characterized as follows: During earthly life, we satisfy our desires and longings and enter into certain relationships with the outside world; yet for no one is everything they have desired in life—feeling and willing—exhausted when they depart from life. The soul’s experience and feeling still retain a remnant of what one could still have enjoyed. This now revives in the soul in such a way that the soul feels it as if it were still desiring it. This gives rise to a longing for a connection with the last earthly life. Inwardly, in its feeling of will, the soul is preoccupied with its last earthly life. Because it is in a spiritual environment, it comes to recognize that earthly life and earthly conditions are necessary for that feeling and will, [and] that it cannot satisfy them here. Coming to terms with this takes years [in the spiritual world]. The person is already in the spiritual world; they perceive it, but they perceive it indirectly through their previous earthly life.

[ 14 ] Nehmen wir an, ein Mensch sei durch den Tod gegangen, er habe jemand zurückgelassen, Freunde oder sonst jemand im Erdenleben. Er steht noch in Beziehung zu dem Wesen, das er zurückgelassen, aber sie stellt sich so her, dass der Tote in Rückschau auf sein eigenes Erdenleben schaut: “So hast du gefühlt über des anderen Wesen.” — Im Hinschauen auf dieses Fühlen schließt sich der Zusammenhang mit dem andern Wesen. Man gewinnt einen Einblick in die Wesenheit, die man zurückgelassen. So ist es auch gegenüber einer Wesenheit, die auch schon in der geistigen Welt ist und in Beziehung zu uns auf der Erde stand. Wir finden sie nicht unmittelbar, aber mittelbar durch die Beziehung, die uns gleichsam wie ein telegraphischer Anschluss zusammenschließt mit diese Wesen, das dann geistig in unserer Umgebung weilt. Wir werden nicht getrennt von den Wesen, an die wir uns angeschlossen haben. Es können Beziehungen hergestellt werden, aber, weil wir den Umweg durch unser Erdenleben brauchen, nur zu denen, mit denen wir im Erdenleben zusammengehangen haben. Wir brauchen als Vermittlungsglied das, was wir diesen Menschen gegenüber gefühlt und erlebt haben. [Die Welt des Toten besteht auf Menschen, die durch die Pforte des Todes gegangen sind und mit ihm auf Erden gelebt haben in freundlichen oder feindlichen Beziehungen.] Über diesen Kreis gehen in den ersten Jahren unsere Beziehungen nicht hinaus.

[ 14 ] Let us suppose that a person has passed away, leaving behind someone—friends or others—in earthly life. He still has a relationship with the being he left behind, but it takes the form of the deceased looking back on his own earthly life: “This is how you felt about the other being.” — By looking at this feeling, the connection with the other being is established. One gains insight into the being one has left behind. The same is true of a being who is already in the spiritual world and who was connected to us on Earth. We do not find them directly, but indirectly through the relationship that connects us—as it were, like a telegraphic link—to these beings, who then dwell spiritually in our surroundings. We are not separated from the beings to whom we have become connected. Relationships can be established, but—because we need the detour through our earthly life—only with those with whom we were connected during our earthly life. What we felt and experienced toward these people serves as the connecting link. [The world of the dead consists of people who have passed through the gate of death and lived with the deceased on Earth in friendly or hostile relationships.] In the first few years, our relationships do not extend beyond this circle.

[ 15 ] Man kann darum sagen: Es handelt sich um die Zeit die der Mensch durchlebt bis zu dem Zeitpunkt, wo in sich zurückerinnert — die ersten Kindheitsjahre, an welche man sich nicht zurückerinnert, kommen nicht in Betracht.

[ 15 ] One might therefore say: It refers to the period of time a person experiences up to the point when they begin to recall their past—the early years of childhood, which one does not remember, are not taken into account.

[ 16 ] Es ändert nichts an der Dauer dieses Erlebens, ob der Mensch fünfundzwanzig, sechsunddreißig oder fünfundfünfzig Jahre alt geworden. Wenn man die mittleren Jahre erreicht hat, wie lang man da noch lebte, trägt nicht viel bei zur Verlängerung dieses Erlebens nach dem Tod Etwa zwei Jahrzehnte ist die Zeit, während welcher sich dieses Herausringen aus dem Zusammenhang mit dem letzten Erdenleben, in Seelenkräften, die man «fühlendes Wollen», «wollendes Fühlen» nennen kann, vollzieht. Wenn diese Zeit vorüber ist, merkt man – man merkt es schon kommen während dieser Zeit –, dass eine neue Seelenkraft erwacht. Sie ist im Erdenleben nicht vorhanden; der Geistesforscher erkennt sie nur außerhalb des Leibes. Der Ausdruck kann dafür gebraucht werden: kreative, schöpferische Willensakte, Willenstätigkeit. Der Mensch gelangt dazu, nach und nach zu erfühlen: Aus dir ist etwas wie eine Seelenkraft ausströmend in deine geistige Umgebung. Man könnte diese Kraft auch als geistige Leuchtkraft bezeichnen, obwohl sie nicht dem physischen Licht ähnlich ist. Sie verbreitet sich von der Seele in die geistige Umgebung. Wir lernen durch sie erkennen, was an geistigen Vorgängen zwischen Geburt und Tod sich abspielt. Wir beleuchten uns gleichsam unsere Umgebung. Wenn man die Seelenverfassung ansieht, in der da der Mensch ist, wenn er so durch sein Seelenlicht sich seine Umgebung beleuchtet, die er als schöpferische Willenskraft erfühlt, könnte man sagen: Es ist ein unendliches, aber geistiges, edles Wohlsein in der Produktionskraft des geistigen Lichtes, wirklich etwas wie Seligkeit, die man erfühlt dadurch, dass man Wesen und Vorgänge in dieser Geisteswelt erkennt. Es ist das Heraustreten in ganz unmittelbare Wahrnehmung auch der Wesen, die durch die Pforte des Todes in die geistige Welt gegangen sind. Jetzt tritt geistiges Erkennen, geistiger Zusammenhang ein, der nicht mehr durch Zurückschauen auf unser letztes Erdenleben entstanden ist. [Vergleiche meine Schrift «Die Schwelle der geistigen Welt»]. Man hat das Gefühl: Man nimmt wahr, weil man sein Geisteslicht um sich verbreitet – sonst würde alles dunkel bleiben.

[ 16 ] Whether a person has lived to be twenty-five, thirty-six, or fifty-five years old makes no difference to the duration of this experience. Once one has reached middle age, the length of time one lives beyond that point does not contribute significantly to prolonging this experience after death. This process of breaking free from the connection to one’s last earthly life—which takes place in soul forces that can be called “feeling-willing” or “willing-feeling”—lasts about two decades. When this period is over—and one senses it coming even while it is still underway—one realizes that a new soul force is awakening. It is not present in earthly life; the spiritual researcher recognizes it only outside the body. The term “creative, formative acts of will” or “will activity” can be used to describe it. The human being gradually comes to sense that something like a soul force is streaming out from within oneself into one’s spiritual surroundings. One could also describe this force as a spiritual luminosity, although it is not similar to physical light. It spreads from the soul into the spiritual surroundings. Through it, we learn to recognize the spiritual processes that take place between birth and death. We illuminate our surroundings, as it were. When one observes the state of the soul in which a person finds themselves—as they illuminate their surroundings through their soul light, which they sense as a creative force of will—one might say: There is an infinite, yet spiritual, noble sense of well-being in the creative power of the spiritual light—truly something like bliss—which one experiences by recognizing beings and processes in this spiritual world. It is a stepping into a completely direct perception of even those beings who have passed through the gate of death into the spiritual world. Now spiritual insight and spiritual connection arise that are no longer derived from looking back on our last earthly life. [Compare my work *The Threshold of the Spiritual World*]. One has the feeling: One perceives because one radiates one’s spiritual light around oneself—otherwise everything would remain dark.

[ 17 ] Nun tritt etwas ein wie ein Wechsel in dem Erleben. Man kann das so sagen: Die Seele strahlt dieses Geisteslicht von sich aus, aber indem sie diese geistige Leuchtkraft entwickelt, fühlt die Seele, dass sich ihre Kraft erschöpft, sie fühlt sich schwächer werden, die schöpferische Kraft abdämmern. Es wird wie ein geistiges Dunkel in der Umgebung. Das hat aber nichts zu tun mit dem Dunkelwerden in physischem Sinn. Die Seele hat nun ein anderes Erleben, das abwechselt mit dem seelischen Sich-Erfühlen, wo wir uns fühlen wie inmitten der Dunkelheit, einsam. Man möchte sagen: Zeiten geistiger Geselligkeit, geistigen Zusammenseins wechseln mit Zuständen, wo die Seele sich allein mit sich fühlt, nur erlebt, was aus ihrem Innern aufquillt, was ist, was man nennen könnte: ein Nachklingen dessen, was man im Zustand der Ausstrahlung des Geisteslichtes durchgemacht. Man kann es nicht Erinnerung nennen. Man fühlt sich einsam in einer weiten geistigen Welt, die jetzt dunkel ist.

[ 17 ] Now something like a shift occurs in the experience. One could put it this way: The soul radiates this spiritual light of its own accord, but as it develops this spiritual luminosity, the soul feels its strength waning; it feels itself growing weaker, and the creative power begins to fade. It becomes like a spiritual darkness in the surroundings. But this has nothing to do with darkness in the physical sense. The soul now has a different experience, which alternates with a sense of being alone, where we feel as if we were in the midst of darkness, lonely. One might say: moments of spiritual fellowship and spiritual togetherness alternate with states in which the soul feels alone with itself, experiencing only what wells up from within—what one might call the lingering aftereffects of what one went through while radiating spiritual light. One cannot call it a memory. One feels lonely in a vast spiritual world that is now dark.

[ 18 ] Diese Zustände müssen abwechseln. Indem man mit sich allein ist, wird unendlich lebhaft das innere Erleben des Nachklanges. Man macht da das, was vorher Außenwelt war, zum Innenleben. Indem man so in der Einsamkeit wieder erlebt, was man vorher durchgemacht, bewirkt dies, dass diese schöpferische Kraft sich verstärkt, die andere Schwingung eintritt. Man fühlt sich dann wieder wie aufwachend, wieder mit andern geistigen Wesen zusammen. [Das sind Vorgänge, die sich mit dem alltäglichen Schlafen und Wachen vergleichen lassen, die aber ungleich länger dauern.] Ausstrahlen des Lichtes ist eine Art Wachzustand, das Einsam-Sein, bei dem man aber ganz helles Bewusstsein hat, ist eine Art Schlafzustand. Man lernt erkennen, dass diese zwei Zustände notwendig sind, dass während des einen sich die Kräfte für den andern erzeugen. So erlebt man verstärkt das, was eigenes Selbst ist, in den Zuständen der letzteren Art.

[ 18 ] These states must alternate. When one is alone with oneself, the inner experience of the aftereffects becomes infinitely vivid. One transforms what was previously the external world into one’s inner life. By reliving in solitude what one has previously experienced, this creative power is strengthened, and a different vibration sets in. One then feels as if waking up again, reunited with other spiritual beings. [These are processes comparable to the everyday cycle of sleeping and waking, but they last much longer.] Radiating light is a kind of waking state, while being alone—yet possessing a very clear consciousness—is a kind of sleeping state. One learns to recognize that these two states are necessary, that during one the forces for the other are generated. Thus, one experiences one’s own self more intensely in the states of the latter kind.

[ 19 ] Wenn man weitergeht, fühlt man, je weiter man dem Mittelpunkt der Zeit zwischen Tod und Geburt zurückt: Immer mehr dämpft sich die Kraft, die aus der Einsamkeit wieder Seelenlicht schafft. Zeiten kommen, wo wir fühlen: Wir können immer weniger Licht ausstrahlen. Die einsamen Zeiten werden immer härter, weil einsamer; immer länger werden die Zeiten, in denen man in sich abgeschlossen. Immer mehr weiß man, eine Welt ist um einen, aber das Erleben ist ein inneres, einsames – bis die Zeit kommt, wo man in der Mitte zwischen Tod und Geburt ist. Ich habe das zu bezeichnen versucht mit [dem Ausdruck] «geistige Mitternacht», [vergleiche im Mysteriendrama «Der Seelen Erwachen» die Darstellung der geistigen Mitternachtsstunde].

[ 19 ] As we continue on, we sense that the farther we move back toward the midpoint of the time between death and birth, the more the power that creates the light of the soul out of loneliness is diminished. There come times when we feel that we are able to radiate less and less light. The lonely times become ever harder because they are lonelier; the periods during which one is withdrawn into oneself grow ever longer. One becomes increasingly aware that a world surrounds one, yet the experience is an inner, solitary one—until the time comes when one is at the midpoint between death and birth. I have tried to describe this with [the expression] “spiritual midnight,” [compare the depiction of the hour of spiritual midnight in the Mystery Drama *The Awakening of the Soul*].

[ 20 ] Man lebt wie in [einer dunklen] geistigen Umwelt [von der wir uns schon hier eine Vorstellung bilden können, wenn wir alle Eindrücke unserer Umwelt von uns ausschalten und uns völlig auf uns selbst konzentrieren] –, die in uns [sich] konzentriert, sodass alle Welt, die wir erleben, gleichsam nur wir selbst sind. Wenn die Seele so, nachdem sie die Seligkeit des Miterlebens mit geistigen Wesen und Vorgängen durchgemacht [hat] – nicht nur andere Menschenseelen, sondern auch geistige Wesenheiten kennenlernte, die in der Geisteswelt leben und weben, nachdem sie gleichsam in der Geisteswelt hierarchisch hinaufgestiegen von niederen Wesensformen zu höheren, das alles wird [dann] innerlich verarbeitet in den Zeiten der Einsamkeit.

[ 20 ] One lives as if in [a dark] spiritual environment [of which we can already form an idea here, if we shut out all impressions of our surroundings and concentrate entirely on ourselves]—which is concentrated within us, so that the entire world we experience is, as it were, nothing but ourselves. When the soul, having thus experienced the bliss of sharing in the lives of spiritual beings and processes [—not only getting to know other human souls, but also spiritual beings who live and act in the spiritual world, having, as it were, ascended hierarchically in the spiritual world from lower forms of being to higher ones—all of this is [then] processed inwardly during times of solitude.

[ 21 ] Dann kommt die Geister-Mitternacht. Jetzt sind die Seelenkräfte von ganz anderer Bedeutung. Wenn wir im gewöhnlichen Leben im Leib Sehnsucht haben, so ist das das Passivste in unseren Kräften. Die Sehnsucht kommt aus der Schwäche der Seele. Diese Seelenkraft hat eine ganz andere Bedeutung in der Zeit zwischen Tod und Geburt. Denn aus der Einsamkeit der Seele erwacht [in der geistigen Mitternachtsstunde] die Sehnsucht wiederum zu einer Welt, die außerhalb unser selbst ist, aber diese Sehnsucht ist eine schöpferische Kraft, und weil sie eine positive Kraft ist, stellt sie eine ganz eigentümliche äußere Welt vor uns hin, die ebenso gut eine Innenwelt ist. Es taucht vor unserem Blick auf, wie aus dem, was man die ferne Vergangenheit nennen könnte, das Bild unserer vergangenen Erdenleben. Es ist für jede Seele so, dass sie ihre vergangenen Erdenleben überschaut. Die Sehnsucht schärft den Blick. Die Seele nimmt in sich die Tendenzen auf. Diese Erdenleben waren so, und weil sie so waren, ist ein neues Erdenleben nötig, um die Unvollkommenheiten auszugleichen, damit die menschliche Harmonie vollständig in dir hergestellt werden kann. Ich habe Menschen kennengelernt, die konnten nicht an wiederholte Erdenleben glauben. Sie sagten: Mir ist ein Erdenleben genug! – In diesem Zeitpunkt glaubt nicht nur jede Seele daran, sondern entwickelt im Hinschauen darauf die Tendenz, neue, ausgleichende Erdenleben zu führen.

[ 21 ] Then comes the spiritual midnight. Now the soul’s powers take on a completely different significance. When we experience longing in our physical bodies during ordinary life, this is the most passive of our powers. Longing arises from the weakness of the soul. This soul force takes on a completely different significance in the time between death and birth. For out of the soul’s solitude, [at the spiritual hour of midnight] longing awakens once more for a world that lies outside ourselves; but this longing is a creative force, and because it is a positive force, it sets before us a very peculiar outer world that is just as much an inner world. The image of our past earthly lives emerges before our eyes, as if from what one might call the distant past. It is true for every soul that it surveys its past earthly lives. Longing sharpens the gaze. The soul takes these tendencies into itself. These earthly lives were as they were, and because they were so, a new earthly life is necessary to compensate for the imperfections, so that human harmony can be fully restored within you. I have met people who could not believe in repeated earthly lives. They said: “One earthly life is enough for me!”—At this point, not only does every soul believe in it, but by reflecting on it, it develops the tendency to lead new, balancing earthly lives.

[ 22 ] Das dauert einige Zeit, und es wird, indem wir diese Sehnsucht in uns haben, wieder heller. Das Nächste, was auftaucht, ist, dass wir nicht nur als geistige Wesen die Seelen um uns haben, die uns im Leben nah gestanden – sie treten jetzt in neuer Gestalt auf. Wir sehen die, die mit uns blutsverwandt oder in Freundschaft gelebt, wir fühlen: Du bist da noch das schuldig, hast noch das abzumachen. Man erlebt das Unausgeglichene, und es pflanzt sich in die Seele die Kraft, das auszugleichen. Aber diese Seelen erleben dasselbe wie wir; sie haben die Tendenz, auszugleichen, was in neuen Erdenleben ausgeglichen werden kann. Das bewirkt, dass sie mit uns zusammen ein neues Leben verbringen. Die Seelen streben so zusammen, dass sie sich in neuen Leben finden, um auszugleichen das, was unausgeglichen geblieben. Es taucht auf, was unsere nächste Umgebung war, ferner taucht das auf, was entferntere Umgebung war, [die persönlichen Beziehungen in Liebe und Abneigung treten auf]. Wir sind ja auch mit dem zusammen, mit dem wir zu einem Volk gehören, uns in dieser oder jener Gesellschaft zusammengeschlossen haben, ein gemeinschaftliches religiöses Bekenntnis gehabt haben. Innerhalb des Kreises, den wir so durchlebt haben, fühlen wir uns nun, wiederum zu einer späteren Zeit als der charakterisierten, und lernen kennen, welche Kräfte wir unserem fühlenden Wollen, wollenden Fühlen einpflanzen müssen, um weiterzukommen.

[ 22 ] This takes some time, and as we hold this longing within us, things begin to brighten again. The next thing that becomes apparent is that we are not only, as spiritual beings, surrounded by the souls who were close to us in life—they now appear in a new form. We see those who were related to us by blood or lived as friends; we feel: You still owe this to them, you still have this to settle. We experience this imbalance, and the strength to balance it out takes root in our soul. But these souls experience the same thing as we do; they have a tendency to balance out what can be balanced in new earthly lives. This causes them to spend a new life together with us. The souls strive together in such a way that they find one another in new lives to balance what has remained unbalanced. What was our immediate surroundings emerges, and furthermore, what was our more distant surroundings emerges [personal relationships based on love and aversion come to the fore]. After all, we are also united with those with whom we belonged to a people, with whom we have joined together in this or that society, and with whom we have shared a common religious creed. Within the circle we have thus lived through, we now find ourselves—again at a later time than the one described—and come to know what forces we must instill in our feeling will and willing feeling in order to move forward.

[ 23 ] So taucht nach und nach das auf, was in uns die Tendenz erweckt, ein neues Erdenleben in einer ganz bestimmten Weise zu verbringen. Es bildet sich etwas wie ein Urbild eines neuen Erdenlebens, wie eine schöpferische Imagination: Man fühlt ihr gegenüber Wollen, denn man begehrt diese Imagination. Man fühlt: So sollst du sein in einem weiteren Leben. Man erlebt dann in der Einsamkeit eine Befestigung der Tendenz gegenüber den Bilde, wie man seinen neuen Leib sich gestalten will Während man dies alles erlebt, tritt noch ein eigentümliches Gefühl auf, was wie ein eigenartiger Wille ist. Während wir beim Willen im physischen Leben fühlen: Wii tun etwas –, fühlen wir jetzt: Er strömt [von der Ferne in uns [ein], er webt sich ein in unser Wesen, durchströmt uns wie mit Wärmegefühlen. Ein in uns strömendes, fühlendes Wollen ist da. Wir fühlen: Das kommt da her, wohin sich unsere Gedanken «gefernt» haben. Wir fühlen Wir sind auf dem Weg zu den Gedanken, die fortgegangen sind. Man fühlt: Im richtigen Zeitpunkt wirst du ein Elternpaar aufsuchen, das dir die Hüllen geben kann zu dem, was du als Urbild für ein neues Erdenleben gestaltet. Man fühlt: Der Zeitpunkt, sich wieder einzukörpern ist der, wo wir wieder zusammentreffen mit den Gedanken, die uns verlassen haben. Wir nähern uns unserer Lebenserfahrung wieder, und wo sie sich mit uns vereinigt durchdringen wir dann das Urbild, und sind angezogen von einem Elternpaar, das uns den Vererbungsstoff für ein neues Leben gibt.

[ 23 ] Thus, little by little, what awakens within us the tendency to live a new earthly life in a very specific way begins to emerge. Something like an archetype of a new earthly life takes shape, like a creative imagination: one feels a desire for it, for one longs for this imagination. One feels: This is how you should be in a future life. One then experiences, in solitude, a strengthening of the inclination toward the image of how one wishes to shape one’s new body. While experiencing all this, a peculiar feeling arises, which is like a strange kind of will. Whereas in physical life we feel regarding the will: “We do something”—we now feel: It flows [into us from afar], it weaves itself into our being, flows through us as if with feelings of warmth. A feeling will flowing within us is present. We feel: This comes from where our thoughts have “drifted away.” We feel that we are on the way to the thoughts that have departed. We feel: At the right moment, you will seek out a pair of parents who can provide you with the physical form for what you are shaping as the archetype for a new earthly life. We feel: The moment to reincarnate is when we reunite with the thoughts that have left us. We are approaching our life experience once more, and where it unites with us, we then permeate the archetype and are drawn to a pair of parents who will provide us with the genetic material for a new life.

[ 24 ] Nur wenn alles normal verläuft, ist das so, aber das is in den seltensten Fällen. In den meisten Fällen entsteht die Tendenz, sich zu verkörpern, nicht genau an den Zeitpunkt, sondern andere Verhältnisse wirken dahin dass man schon früher heruntergeht. Dadurch entstehen die Erdenleben, die nicht voll wieder aufnehmen das, was wir uns früher erworben haben, die Leben, die einen Niedergang darstellen.

[ 24 ] That’s only true if everything goes normally, but that’s extremely rare. In most cases, the tendency to incarnate does not arise at exactly that moment; rather, other circumstances cause one to descend earlier. This results in earthly lives that do not fully restore what we had previously acquired—lives that represent a decline.

[ 25 ] Es stellt sich dann heraus, dass, wenn der Mensch zur Erde herabgehen muss und die Gedanken noch fern sind, wenn er sogar noch einmal und noch einmal heruntergeht, bevor er zu dem Zeitpunkt gekommen ist, wo er mit seinen errungenen Lebenserfahrungen zusammentrifft, dass er doch noch einmal ankommt bei den Gedanken, sich wieder ausgleichen muss mit dem, was er gleichsam vorzeitig durchgemacht hat.

[ 25 ] It then turns out that when a person must descend to Earth and those thoughts are still far off—even if he descends again and again before reaching the point where he encounters the life experiences he has gained—he still eventually arrives at the point where he must once more come to terms with what he has, as it were, gone through prematurely.

[ 26 ] Hier zeigt sich, wie aufklärend die Ergebnisse der Geistesforschung sind. Der Geistesforscher entwickelt auf naturgemäße Weise eine Innigkeit für alles, was auf Erden lebt und leidet und sich freut. Er entwickelt für jede Seele Verständnis. Nehmen wir an, man steht einer Verbrecherseele gegenüber – notwendige Bestrafung muss ja sein —, man kann aber mit tiefem Mitleid einer Verbrecherseele gegenüberstehen. Es entsteht der Trieb, sich Aufklärung zu schaffen, wie diese Seele sich so verkörperte. Man entdeckt: Das ist eine besondere geistige Frühgeburt. Sie ist veranlasst, viel früher herabzusteigen, als die Gedanken auf ihren Weg getroffen sind. Solche Seelen haben die Tendenz, sich in diesem Zeitpunkt zu verkörpern, aber indem sie sich nicht verkörpern können im Zeitpunkt, wo sie mit ihren Gedanken zusammentreffen, tragen sie trotzdem die Tendenz, ins Erdenleben zu gehen, tragen in sich, dadurch, dass sie nicht angekommen, wo sie hinsollten, eine Missachtung des Lebens im Unterbewusstsein. Es wird einem eine solche Seele erklärlich. Ich habe versucht, bis in die Verbrechersprache zu verfolgen die Eigentümlichkeit der Verbrecherseele. Es gibt ja schon Wörterbücher dieser Sprache. Die Verbrechersprache zeigt einen Charakter, der zusammenhängt mit dessen unbewussten Seelentendenzen. Man prüfe nur diese Sprache. Es drückt sich darin aus, man möchte sagen, eine gewisse Verachtung des Lebens. Verfolgt man diese Zusammenhänge, so sieht man, dass ein richtiges Sich-drin-Fühlen in der Verkörperung nur der Mensch hat, der sich im richtigen Augenblick verkörperte, [dessen Seele sich mit seinen gesamten Gedanken in dem richtigen Zeitpunkt zusammenfindet], der andere fühlt sich nicht harmonisch drin. Diese Seelen haben einen besonders starken oberbewussten Selbsterhaltungstrieb, in ihren unbewussten Tiefen ist Lebensverachtung. Das Zusammenwirken dieser Verachtung mit dem Selbsterhaltungstrieb gibt die verbrecherischen Naturen.

[ 26 ] This shows just how enlightening the findings of spiritual research are. The spiritual researcher naturally develops a deep affinity for everything that lives, suffers, and rejoices on Earth. He develops understanding for every soul. Let us suppose one is faced with the soul of a criminal—necessary punishment must, of course, be meted out— one can nevertheless face a criminal soul with deep compassion. The impulse arises to seek an understanding of how this soul came to incarnate in this way. One discovers: This is a special spiritual premature birth. It was compelled to descend much earlier than the thoughts had encountered it on its path. Such souls have a tendency to incarnate at this point in time, but because they cannot incarnate at the moment their thoughts catch up with them, they nevertheless carry within them a tendency to enter earthly life; and because they did not arrive where they were meant to go, they harbor a disregard for life in their subconscious. Such a soul becomes understandable to one. I have tried to trace the peculiarities of the criminal soul all the way down to the language of criminals. There are, after all, already dictionaries of this language. The language of criminals reveals a character that is connected to the unconscious tendencies of the soul. One need only examine this language. It expresses—one might say—a certain contempt for life. If one traces these connections, one sees that only the human being who incarnated at the right moment [whose soul, together with all his thoughts, came together at the right time] truly feels at home in his incarnation; the other does not feel in harmony within it. These souls possess a particularly strong superconscious instinct for self-preservation; in the depths of their unconscious lies a contempt for life. The interplay of this contempt with the instinct for self-preservation gives rise to criminal natures.

[ 27 ] Mancherlei erlebt man an Einzelheiten der Wiederverkörperungen, wenn man so betrachtet das, was die Seele erkunden kann, mit der richtigen geisteswissenschaftlichen Methode. Was ich erzähle, sind einzelne Fälle. Wenn ein Mensch durch ein Unglück vorzeitig stirbt, verlässt er einen Leib, den er nicht schon hätte verlassen brauchen. Er kommt in diese geistige Welt so, dass sie ihm in ganz anderer Art entgegentritt, [als wenn der Tod im hohen Alter eingetreten wäre]. Er schaut sie durch den Schleier der Kräfte, die noch im Leibe hätten wirken können. Dadurch entwickeln sich stärkere Kräfte, als wenn sie ohne diesen Schleier sich hätten entwickeln können. Man lernt als Geistesforscher Menschen kennen, die so stark geworden sind, die Kräfte haben, durch die sie mehr als andere ihren Leib beherrschen können, über das, was Ermüdung ist, hinausgehen. Sie sind durch ein Unglück gegangen – so findet man –, durch frühen Tod, haben sich etwas bewahrt, was ihnen viel Kraft gegeben hat.

[ 27 ] One can observe all sorts of details regarding reincarnations when one examines what the soul is capable of exploring using the proper spiritual-scientific method. What I am describing are individual cases. When a person dies prematurely due to an accident, they leave a body that they would not yet have needed to leave. They enter this spiritual world in such a way that it presents itself to them in a completely different manner [than if death had occurred at an advanced age]. They perceive it through the veil of the forces that could still have been active in the body. As a result, stronger forces develop than would have been possible without this veil. As a spiritual researcher, one meets people who have become so strong, who possess powers that allow them to control their bodies more than others can, transcending what is commonly called fatigue. They have gone through a tragedy—so one finds—through early death, and have preserved something that has given them great strength.

[ 28 ] Die Welten sind voneinander geschieden. Wir müssen sagen: Es ist unmöglich, wäre Unsinn zu sagen, dass ein Leben früher geendet werden soll, um [im Leben in der geistigen Welt und allenfalls auch im späteren Erdenleben] starke Kräfte zu bekommen. Diese Kräfte können ja schlechte sein. Oder auch gute. Wir müssen die Möglichkeiten dieses Lebens ausleben; soll das aber so sein, liegt [der frühere Tod] in unserem Schicksal, [so wird er ohne weiteres Zutun schon eintreten; erst auf höchster geistiger Erfahrungsstufe ist ein solcher vorauszusehen]. Das Leben wird hell, wenn man es durch derartige Forschungsergebnisse so anblickt, in das Leben, das zwischen Geburt oder Empfängnis und Tod, und das Leben zwischen Tod und Geburt hineinblickt. Das Urbild zu unserem Leben haben wir uns [ja in der geistigen Welt] selbst gebildet. In diesem höheren Sinn sind wir aus der Geisteswelt heraus die Former, die Gestalter unserer Leben, die Neuschöpfer, [Mitschöpfer an unserem Erdenleben].

[ 28 ] The worlds are separate from one another. We must say: It is impossible—indeed, it would be nonsense—to claim that a life should end prematurely in order to gain strong powers [in life in the spiritual world and, at most, also in a subsequent earthly life]. These powers could, after all, be evil. Or they could be good. We must live out the possibilities of this life; but if that is to be the case, and if [an early death] is part of our destiny, [it will occur without any further action on our part; only at the highest level of spiritual experience can such an event be foreseen]. Life becomes clear when we view it through such findings—looking into the life that lies between birth or conception and death, and the life between death and birth. We ourselves have formed the archetype of our life [indeed, in the spiritual world]. In this higher sense, we are, from within the spiritual world, the shapers, the creators of our lives, the re-creators, [co-creators of our earthly life].

[ 29 ] [Wenn mancher diese Darstellungen so auffassen sollte, dass nur die eine Seele zu der anderen ein Verhältnis habe, so kann ihm berichtigend gesagt werden, dass ja auch der Geistesforscher an der Pforte des Todes den entkörperten Seelen in ähnlicher Art wie diese untereinander gegenübersteht, und dadurch ist die Möglichkeit dazu gegeben, etwas über den Tod zu erfahren.

[ 29 ] [If anyone were to interpret these descriptions to mean that only one soul has a relationship with another, it can be said, by way of correction, that the spiritual researcher, too, stands before the disembodied souls at the gate of death in a manner similar to that in which they stand before one another, and this makes it possible to learn something about death.

[ 30 ] Das, was in uns lebt als Unsterbliches, lebt mit Eigenschaften, die im Leben gar nicht so herankommen, wie sie sind. Zwischen Tod und Geburt ist Fühlen und Wollen nicht wie hier, denn das fühlende Wollen, wollende Fühlen ist da viel lebhafter wie hier. Was wirklich unsterblich in der Seele lebt, entdeckt der Geistesforscher in sich.

[ 30 ] That which lives within us as immortal possesses qualities that do not fully manifest in life as they truly are. Between death and birth, feeling and willing are not as they are here, for the feeling that wills and the willing that feels are much more vivid there than here. The spiritual researcher discovers within himself what truly lives immortally in the soul.

[ 31 ] Wenn man einem Ding gegenübersteht in der physischen Welt, hat man dessen Eigenschaften, [die man durch die Sinne vielfach wahrnehmen kann], nicht zu beweisen, zum Beispiel die Röte der Rose. Die philosophischen Untersuchungen über die Unsterblichkeit ergeben sich nur als möglich, so lang man nicht dem, was in uns lebt, gegenübersteht mit andern Eigenschaften, als wir sie sehen. Der Geistesforscher weiß: Dies Seelenwesen hat ein anderes Schicksal als der Leib, es trägt die Unsterblichkeit in sich. Der Verkehr mit der Außenwelt pflanzt etwas ein in die Seele, was der Keim ist, der ein neu« Erdenleben gestaltet. So wahr aus dem Keim der Pflanze, der schon da ist, während die Pflanze lebt, [nach der Verwelken] sich eine neue Pflanze entwickelt, so wahr ist, dass sich zwischen Tod und Geburt der Keim zu dem neuen Leben entwickelt; er muss nur durch das Lebe zwischen Tod und Geburt durchgehen. Etwas ist ab anders als bei der Pflanze. Dass sich in der Seele ein Kern entwickelt, der durch geistige Welten geht, der da is wird bald klar, wenn man mit Geistesforschung bekannt wird, aber die Sorge kann man noch haben: Ja, der Pflanzenkeim kann aber gegessen werden, kann verderben. Es kann die Möglichkeit da sein, Neues zu werden; kann es aber auch nicht werden. — Das ist nur in der physische Welt der Fall, in der geistigen Welt nicht. [Für den Geistesforscher ergibt keine seiner Beobachtungen etwas was den Seelenkern abhalten könnte, nach den in ihn im Leben zwischen Tod und neuer Geburt eingesenkte Kräften wieder in einem neuen Leben zu erscheinen.

[ 31 ] When one encounters an object in the physical world, one does not need to prove its properties—[which can be perceived in many ways through the senses]—such as the redness of a rose. Philosophical inquiries into immortality are only possible as long as one does not confront what lives within us with qualities other than those we perceive. The spiritual researcher knows: This soul-being has a different destiny than the body; it carries immortality within itself. Interaction with the external world implants something in the soul that serves as the seed from which a new earthly life takes shape. Just as a new plant develops from the seed that is already present while the plant is alive [after it withers], so it is true that between death and birth the seed develops into the new life; it need only pass through the period between death and birth. There is one difference, however, compared to the plant. That a core develops within the soul—one that passes through spiritual worlds—soon becomes clear when one becomes acquainted with spiritual research; but one might still have this concern: Yes, but the plant seed can be eaten; it can rot. The possibility may exist for it to become something new; but it may also fail to do so. — This is true only in the physical world, not in the spiritual world. [For the spiritual researcher, none of his observations reveal anything that could prevent the soul kernel from reappearing in a new life, based on the forces absorbed into it during the life between death and rebirth.

[ 32 ] So wird erst das Leben im Leibe klar, wenn man es so betrachtet, dass es die Folge ist des Lebens außer dem Leibe und wieder der Keimesgrund für ein neues Leben auf der Erde. Man kann sehr gut wissen, dass in unserer Gegenwart überall feindliche Stimmen gegen solche Ergebnisse, die mit aller Vorsicht der Geistesforschung gewonnen sind, erhoben werden müssen. Es weicht das sehr ab von den Denkgewohnheiten der Zeit. Aber auch bei dem Herankommen der kopernikanischen Weltanschauung, [als Kopernikus auftrat und den damaligen Menschen sozusagen die Erde unter den Füßen weggezogen wurde, indem er lehrte, die Erde bewege sich mit rasender Geschwindigkeit durch den Weltenraum, aber ihr gegenüber stehe gewissermaßen die Sonne still, ganz entgegen der früheren Denkgewohnheit], musste der Mensch umlernen, etwas anderes anschauen lernen. Die Menschen gewöhnen sich nur allmählich an neue Denkgewohnheiten. Für den Geistesforscher ist in den Tiefen der Seelen schon die Sehnsucht zu schauen nach Erkenntnis dessen, was außerhalb von Geburt und Tod, [außerhalb des Erdenlebens vor sich geht]; die Seelen streben, ohne es zu wissen, danach, diesen «geistigen Kopernikus» zu erreichen.

[ 32 ] Thus, life within the body only becomes clear when viewed as the consequence of life outside the body and, in turn, the seed from which a new life on Earth springs. One can be well aware that, in our present time, hostile voices must be raised everywhere against such conclusions, which have been reached with the utmost caution by spiritual research. This deviates greatly from the prevailing ways of thinking of the time. But even with the emergence of the Copernican worldview—[when Copernicus appeared and, so to speak, pulled the ground out from under people’s feet by teaching that the Earth moves at breakneck speed through space, while the Sun, as it were, stands still in relation to it, completely contrary to earlier ways of thinking]—humanity had to relearn and learn to view things differently. People only gradually become accustomed to new ways of thinking. For the spiritual researcher, there is already, in the depths of the soul, a longing to gain insight into what lies beyond birth and death, [beyond earthly life]; souls strive, without knowing it, to reach this “spiritual Copernicus.”

[ 33 ] Derjenige, der sich darauf einlassen muss, weil ihn sein Schicksal dazu bestimmt, über diese Dinge zu sprechen, muss sich eben durchaus verlassen darauf, was sich doch immer als das Richtige im Lauf der Menschheitsentwicklung ergeben hat. Rückschrittliche Geister konnten auch damals oft nicht mit. [Die Naturwissenschaft wollte zu den Zeiten des Kopernikus sich in rückschrittlicher Weise in dessen Anschauungen nicht vertiefen, dessen Werke waren lange Zeit auch von der Kirche verpönt], aber man hat an ihm gesehen, wie die Wahrheit ihren Weg findet, und müsste sie sich durch die dünnsten Spalten durchzwängen. Darauf verlässt sich der Geistesforscher. Wie Kopernikus, Giordano Bruno sich in die widerstrebenden Denkgewohnheiten der Menschen einlebten, deren Blick in den unendlichen Weltenraum führt, so wird sich geistige Anschauung einleben, die zeigt, dass das geistige Firmament, das zwischen Geburt und Tod liegt, nur durch die menschliche Erkenntnis gemacht wird, und dass der Blick sich in eine zeitliche Unendlichkeit erweitern wird. Solches möchte man als einen innerlich erkraftenden Trost charakterisieren, gegenüber den Stimmen, die begreiflicherweise heute noch gegen die Geistesforschung sprechen, besonders von der Seite, die fest auf dem Boden der Wissenschaft zu stehen meint. Der Geistesforscher erkennt die Triumphe der Wissenschaft, sieht ihre Notwendigkeit ein. Wenn von religiöser Seite, aus einem gewissen Triebe, das geistige Gebiet dem Glauben zu erhalten, Einwände gemacht werden, möchte man sagen: Als Kopernikus mit der neuen Weltanschauung kam, sagten viele: Das kann man nicht glauben, das steht nicht in der Bibel. – Sie glaubten die Religion gefährdet. Die Zeit ging darüber hinweg. Religion fand sich ab mit Kopernikus. Religion kann nicht gefährdet werden dadurch, dass neue Wahrheiten gefunden werden. Wie schwachmütig muss eine Gottesvorstellung sein, [die es nicht ertragen könnte, wenn neue Erkenntnisse in sie hineingetragen würden]. Nehmen wir an, Kolumbus hätte Amerika entdecken wollen und andere hätten ihn abhalten wollen zu fahren, denn man könne nicht wissen, ob die Sonne auch dort scheine. Auf derselben Höhe stehend nimmt sich der Glaube aus, der sagt, es könne religiöses Empfinden und Gottesglaube gefährdet werden dadurch, dass neue geistige Gebiete der Seele erschlossen werden. Wie man weiß, dass die Sonne auch dort im neuen Land scheinen wird, so weiß der Geistesforscher, welche Welten der Seele und des Geistes jemals erschlossen werden. Deine Gottesvorstellung ist eine starke, innere Sonne, die in alles das hineingetragen werden kann. Da kann das religiöse Empfinden nicht gefährdet werden. – Jemand erwiderte mir darauf: Ja, aber du verwechselst die kopernikanische Weltanschauung mit der neuen angeblichen Geisteswissenschaft. Du siehst nicht, dass Kopernikus Tatsachen entdeckte. Geisteswissenschaft bringt bloß Behauptungen. – Man möchte sagen: [Armer Geistesschlucker], wie wenig ahnst du, was du sagst. [Was weißt du von den Tatsachen der kopernikanischen Weltanschauung, was hast du je von diesen selbst wirklich erfahren?] Würdest du nicht unter der Suggestion leben, sondern die Sache studieren, so würdest du sehen, dass damals [beim Eintritt jener umwälzenden Gedanken über die kosmische Gestaltung und Bewegung unseres Planetensystems] dasselbe vorlag wie jetzt durch die Anschauung für die geistigen Welten. – Derselbe hätte gewiss vor der Entdeckung der kopernikanischen neuen Anschauung gesagt: Es ist doch eine Tatsache, dass die Erde stillsteht [und die Sonne sich – wie es der Augenschein ergibt – um die Erde bewegt]. – So sagt er jetzt: Es ist eine Tatsache, dass der Mensch nur einmal auf der Erde lebt. – Er wird erkennen, [dass verschiedene Erdenleben auch Tatsachen sind]. Die Geisteswissenschaft kann heute [trotz unserer logisch so stolzen Zeit] den [materialistisch aufgewachten] Menschen nicht leicht einleuchten. In einem [neueren] Buch «Gedanken über den Tod» von [Brausewetter ist zu lesen]:

[ 33 ] Anyone who must engage with these matters—because fate has destined him to speak of them—must simply rely on what has always proven to be the right course in the course of human development. Even back then, reactionary minds often could not keep up. [In Copernicus’s time, the natural sciences were reluctant to delve into his views; his works were long frowned upon by the Church as well], but his example showed how truth finds its way, even if it must force its way through the narrowest of cracks. This is what the spiritual researcher relies on. Just as Copernicus and Giordano Bruno broke through the resistant patterns of human thought to offer a view into the infinite expanse of the cosmos, so too will a spiritual perspective take root—one that shows that the spiritual firmament lying between birth and death is created solely through human knowledge, and that our vision will expand into a temporal infinity. One might characterize this as a source of inner strength and comfort in the face of the voices that, understandably, still speak out against spiritual research today—especially from those who believe they stand firmly on the ground of science. The spiritual researcher recognizes the triumphs of science and acknowledges its necessity. When objections are raised from the religious side—out of a certain impulse to preserve the spiritual realm for faith—one might say: When Copernicus came forward with his new worldview, many said, “That is unbelievable; it is not in the Bible.”—They believed religion was in danger. Time moved on. Religion came to terms with Copernicus. Religion cannot be endangered by the discovery of new truths. How feeble must a conception of God be [that could not bear having new insights incorporated into it]. Let’s suppose Columbus had wanted to discover America and others had tried to stop him from sailing, arguing that one could not know whether the sun would shine there as well. The belief that religious sentiment and faith in God could be endangered by the opening up of new spiritual realms of the soul is just as absurd. Just as we know that the sun will shine there in the new land, so does the spiritual researcher know which worlds of the soul and spirit will eventually be opened up. Your conception of God is a powerful, inner sun that can be carried into everything. Thus, religious sentiment cannot be endangered. – Someone replied to me: “Yes, but you’re confusing the Copernican worldview with this new, so-called spiritual science. You don’t see that Copernicus discovered facts. Spiritual science merely makes assertions.” – One might say: [Poor spiritual swallower], how little you realize what you’re saying. [What do you know about the facts of the Copernican worldview; what have you ever truly experienced of them yourself?] If you were not living under the influence of suggestion but were to study the matter, you would see that back then [when those revolutionary ideas about the cosmic structure and motion of our planetary system first emerged] the situation was the same as it is now with regard to the perception of the spiritual worlds. – The same person would certainly have said before the discovery of the new Copernican view: “It is, after all, a fact that the Earth stands still [and the Sun—as appears to the eye—moves around the Earth].” – So he says now: “It is a fact that a human being lives only once on Earth.” – He will come to realize [that multiple earthly lives are also facts]. Spiritual science today [despite our age of such pride in logic] cannot easily make sense to people [who have awakened to materialism]. In a [recent] book, *Thoughts on Death* by [Brausewetter], we read:

[ 34 ] Die Unsterblichkeit zu beweisen ist unmöglich. Weder Plato noch dem auf ihm fußenden Mendelssohn ist es gelungen, sie aus der Einfachheit und Unzerstörbarkeit der Seele zu erhärten. Mögen wir auch der Seele eine einfache Natur einräumen, so bleibt doch ihre Beharrlichkeit als bloßer Gegenstand des inneren Sinnens unerwiesen und unerweislich.

[ 34 ] It is impossible to prove immortality. Neither Plato nor Mendelssohn, who based his views on Plato, succeeded in substantiating it on the grounds of the soul’s simplicity and indestructibility. Even if we concede that the soul has a simple nature, its persistence as a mere object of inner contemplation remains unproven and unprovable.

[ 35 ] Der Rose kann man ihre Röte nicht beweisen. Für den, der das geistige Leben auffassen kann, kündigt sich [aus solcher Probe, die aber symptomatisch ist], die fadenscheinige Logik von vielem Heutigen an. [Zum Schluss möge es gestattet sein, das heute Abend Vorgetragene wie in einer Empfindung zusammenzufassen: Man fühlt die Geisteswissenschaft als etwas, das neu in unserer Zeit an die Menschen herantritt, eins mit den Ahnen, den hervorragendsten Führern der geistigen Menschheit.] Nur auf ein schönes Wort von Goethe sei hingewiesen, das wir nicht flüchtig hinnehmen dürfen, das nicht nur eine Bekräftigung ist von Goethes Glauben an die Unsterblichkeit der Seele, das auch tief verwandt ist mit den Forschungen der Geisteswissenschaft über das Leben außerhalb des Leibes. Goethe sagt:

[ 35 ] One cannot prove the rose’s redness. For those who can grasp spiritual life, [such a test—which is, however, symptomatic] foreshadows the flimsy logic of much of what is happening today. [In conclusion, may I be permitted to summarize what has been presented this evening as a kind of feeling: One senses spiritual science as something that is approaching people anew in our time, united with the ancestors, the most outstanding leaders of spiritual humanity.] Let us point out just one beautiful statement by Goethe that we must not dismiss lightly—one that is not merely a reaffirmation of Goethe’s belief in the immortality of the soul, but is also deeply connected to the research of spiritual science into life beyond the body. Goethe says:

[ 36 ] Ich möchte keineswegs das Glück entbehren, an eine künftige Fortdauer zu glauben; ja ich möchte mit Lorenzo von Medici sagen, dass alle diejenigen auch für dieses Leben tot sind, die kein anderes hoffen; allein solch unbegreifliche Dinge liegen zu fern, um ein Gegenstand täglicher Betrachtung und gedankenzerstörender Spekulation zu sein. Geistesforschung zeigt uns, dass ja das, was von uns lebt, wenn wir durch die Pforte des Todes geschritten sind, dass das in uns als Seelenkern lebt zwischen Geburt und Tod in den Tiefen der Seele und fortwährend heraufwirkt. Wir leben von dem Kern, der sich für künftige Leben entwickelt. Von dem, worauf wir hoffen, leben wir, [sonst könnten wir nicht seelisch leben, ohne die gefühlsmäßige, tiefinnerliche Überzeugung von dem, was wir für ein geistiges Leben erwarten könnten]. Unsere Lebenskraft ist unsere Hoffnung auf ein geistiges Leben. Das ahnt, fühlt Goethe. Er sagt darum nicht bloß, er fühle sich überzeugt von der Unsterblichkeit der Seele, er sagt:

[ 36 ] I have no desire whatsoever to be deprived of the joy of believing in a future life; indeed, I would say, along with Lorenzo de’ Medici, that all those who hope for no other life are dead even in this one; yet such incomprehensible matters lie too far beyond our reach to be the subject of daily contemplation or mind-numbing speculation. Spiritual research shows us that what lives on after we have passed through the gate of death—that which lives within us as the core of the soul—exists between birth and death in the depths of the soul and continually exerts its influence. We live from this core, which develops for future lives. We live from that in which we hope; [otherwise we could not live spiritually without the emotional, deeply inner conviction of what we might expect from a spiritual life]. Our life force is our hope for a spiritual life. Goethe senses and feels this. That is why he does not merely say that he feels convinced of the immortality of the soul; he says:

[ 37 ] Ich fühle, dass der Mensch lebt von dem, was er sich erhoffen kann.

[ 37 ] I feel that people live on what they can hope for.

[ 38 ] Dies Wort bekräftigt die Geisteswissenschaft, die sagt, dass wir von der Hoffnung auf künftige Leben schon in der Gegenwart leben.

[ 38 ] This statement reinforces the spiritual science that teaches that we already live in the present through our hope for future lives.

Fragenbeantwortung

Q&A

Frage: Ich war Missionar und hatte [eine] schwere Malaria, lag in Agonie. Dabei erlebte ich, wie mein ganzes Leben in schnellen, aber nicht unruhigen Bildern an mir vorüberzog, so etwa wie Bilder ohne Rahmen an einer langen Wand.

Question: I was a missionary and had [a] severe case of malaria; I was in agony. As this was happening, I saw my entire life flash before my eyes in rapid but calm images, much like unframed pictures along a long wall.

[ 39 ] Rudolf Steiner: Dieses Erlebnis ist nicht [ein] Ausnahmefall, sondern [es ist] ganz naturgemäß im seelischen Leben begründet. Dieses Vorüberziehen hat man nicht nur dann, wenn man stirbt, sondern jedes Mal, wenn man mit seinen Seelenkräften außerhalb seines Leibes weilt. Der Geistesforscher kann es willkürlich herbeiführen. Man findet einen solchen Fall geschildert bei dem Kriminal-Anthropologen Moritz Benedikt, [der als Kind] ins Wasser gefallen [war]. Jedes Mal, wenn das seelische Erleben sich loslöst, tritt diese Rückerinnerung ein. Man kann also die Sache nicht anders erwarten, als [wie] sie hier geschildert wurde. Es schaut aus wie Kinematographie, weil es so schnell geht, dass es fast gleichzeitig erscheint. Durch den Vergleich mit dem Kinematographen soll nur die Schnelligkeit des Bildablaufes zum Ausdruck kommen.

[ 39 ] Rudolf Steiner: This experience is not [an] exceptional case, but [it is] quite naturally rooted in the life of the soul. One experiences this passing-by not only when one dies, but every time one dwells outside one’s body with one’s soul forces. The spiritual researcher can induce it at will. Such a case is described by the criminal anthropologist Moritz Benedikt, [who as a child] fell into the water. Every time the soul experience detaches itself, this flashback occurs. One cannot, therefore, expect the phenomenon to be any different from [how] it has been described here. It resembles cinematography because it happens so quickly that it appears almost simultaneously. The comparison with cinematography is intended only to convey the speed at which the images unfold.

Frage: Kann man seine Eltern und seine neue Existenz wählen?

Question: Can you choose your parents and your new life?

[ 40 ] Rudolf Steiner: Der Mensch kann im geistigen Dasein seine Begriffe nicht so auf seine Wünsche beziehen wie vor dem Tode. Nur wenn man ein wirksames Ideal – aber es muss ein wirksames sein — seines kommenden Erdenlebens sein will, so kann man das Elternpaar wählen.

[ 40 ] Rudolf Steiner: In the spiritual realm, a person cannot relate their concepts to their desires in the same way as before death. Only if one wishes to have an effective ideal—and it must be an effective one—for one’s coming earthly life can one choose one’s parents.

Frage: Kann man eine Rückerinnerung an seine vorige Existenz haben?

Question: Is it possible to have a memory of one's previous existence?

[ 41 ] Rudolf Steiner: Das ist nur eine Frage [der] Reife. Es besagt nichts gegen die Rückerinnerung, dass die meisten Menschen sie heute nicht haben. Das wäre so, wie wenn man sagen würde: Du behauptest, der Mensch kann rechnen. Ich bringe dir einen Menschen, der nicht rechnen kann, also kann der Mensch nicht rechnen. – Man kann ein sehr berühmter Mann in einem Erdenleben sein, und dadurch kann gerade bedingt sein, dass im nächsten Erdenleben ganz andere Bedingungen eintreten. Diese Rückerinnerung tritt eigentlich nur als eine Art Erkenntniserhöhung ein.

[ 41 ] Rudolf Steiner: That is simply a matter of maturity. The fact that most people today do not have this recollection does not mean it does not exist. That would be like saying: You claim that human beings can do arithmetic. I’ll bring you a person who cannot do arithmetic, so human beings cannot do arithmetic. – One can be a very famous person in one earthly life, and that very fact may be the reason why entirely different conditions arise in the next earthly life. This recollection actually occurs only as a kind of deepening of insight.

Frage: Wie ist Reinkarnation möglich? Die Völkerzahl [Bevölkerungszahl] vergrößert sich doch.

Question: How is reincarnation possible? After all, the population is growing.

[ 42 ] Rudolf Steiner: Das ist eine Frage, die fast nach jedem zweiten, oft nach jedem Vortrag auftaucht. Das eine schließt aber das andere nicht aus.

[ 42 ] Rudolf Steiner: This is a question that comes up after almost every other lecture, and often after every lecture. But one does not preclude the other.

Frage: Gehen die wiederholten Erdenleben in infinitum? Und wenn nicht, was kommt nachher?

Question: Do repeated lives on Earth go on indefinitely? And if not, what comes next?

[ 43 ] Rudolf Steiner: Sie gehen ungefähr so lange, wie die physische Erde dauert. Man kann in einem Vortrag nicht immer alle Dinge vorbringen, vom Anfange der Welt bis zu ihrem Ende. Man soll in seinem Vorstellen überhaupt nicht solche übereinandergeschichteten Etagen, nicht solche erspekulierten Gedankenetagen haben. Jedenfalls wird sich das schon ergeben, was dann weiter folgen soll. Ein Redner soll einmal auf die Frage, was denn Gott getan habe vor der Erschaffung der Welt, geantwortet haben: Ruten geschnitten für die unnützen Fragensteller. – Ich hätte das nicht gesagt, denn ein Vortragender hat ja in gewisser Beziehung höflich zu sein, nicht wahr, aber die Meinung, dass man «letzte Fragen» aufstellen kann, entspringt einer Denkgewohnheit.

[ 43 ] Rudolf Steiner: They last about as long as the physical Earth itself. One cannot always cover everything in a single lecture, from the beginning of the world to its end. One should not have such layered levels in one’s imagination at all—not such speculative levels of thought. In any case, what is to follow will become clear in due course. A speaker is said to have once answered the question of what God had done before the creation of the world by saying: “I cut rods for those who ask useless questions.” – I wouldn’t have said that, because a speaker has to be polite in a certain sense, doesn’t he? But the idea that one can pose “ultimate questions” stems from a habit of thought.

Frage: [Gibt es] einen Unterschied für das Leben nach dem Tode, wenn ein Selbstmörder sich im Wahnsinn das Leben genommen hat?

Question: [Is there] a difference in the afterlife if a person commits suicide while in a state of insanity?

[ 44 ] Rudolf Steiner: Da liegen schon andere Verhältnisse vor; man muss auf das gesamte Schicksal schauen.

[ 44 ] Rudolf Steiner: The circumstances are different here; one must look at the overall course of events.

Frage: Hat es [einen] Zweck, für unsere Verstorbenen zu beten, Messen zu lesen? Leben die Toten mit uns in Fühlung?

Question: Is there a purpose to praying for our deceased loved ones and having Masses said for them? Do the dead remain in contact with us?

[ 45 ] Rudolf Steiner: Mit dem Tode fällt alles ab, was physisch ist, aber alles andere bleibt bestehen, der Geist der Verhältnisse, Freundschaft und so weiter. Lebendiges Gedenken ist das Beste; das kann auch ohne Messe sein, es ist eben verschieden nach den Religionsbekenntnissen. Jedes Sich-Sammeln, jedes In-sich-, Bei-sich-Sein nähert [einen] den geistigen Welten und kommt auch den Toten zugute.

[ 45 ] Rudolf Steiner: With death, everything physical falls away, but everything else remains: the spirit of relationships, friendship, and so on. A living remembrance is best; this can also take place without a memorial service—it simply varies according to one’s religious beliefs. Every act of gathering oneself, every moment of being within oneself and at peace with oneself brings [one] closer to the spiritual worlds and also benefits the dead.

Frage: Stellt Hodler den Anfang oder das Ende einer Kunst dar?

Question: Does Hodler represent the beginning or the end of a form of art?

[ 46 ] Rudolf Steiner: Das hängt vom Standpunkt ab! Alles ist ein Anfang von etwas und ein Ende von etwas anderem.

[ 46 ] Rudolf Steiner: It depends on your point of view! Everything is the beginning of one thing and the end of another.

Frage: Wie ist es bei Geisteskrankheit: [bei] übermenschlichen Zerstörungskräften [oder] Starre, innerlich erregtem Eindruck [oder beim] Stimmenhören?

Question: What about mental illness: [in cases of] superhuman destructive forces [or] rigidity, intense inner agitation [or] hearing voices?

[ 47 ] Rudolf Steiner: Hier ist ein ganzes Bündel von Fragen. Es gibt eigentlich nicht eine Erkrankung des Geistes. Was man «Geisteskrankheiten» nennt, ist eigentlich auch nichts anderes als eine körperliche Anomalität. Wenn Sie sich in einem schlecht konstruierten Spiegel ansehen, kann Ihnen ein Gesicht entgegenglotzen, das man nicht gern haben möchte. In der Wechselwirkung des SeelischGeistigen mit dem erkrankten Leib ist die Ursache zu suchen für die sogenannten Geisteskrankheiten. Ich bemerke ausdrücklich, dass daraus nicht folgt, dass die Kur nur eine rein physische zu sein brauchte. Häufig ist es so, dass [ein] Körper, der in Unordnung ist, die Seelenäußerung verzerrt; wird der Körper geheilt, dann tritt dadurch Beruhigung, in vielen Fällen Besserung ein.

[ 47 ] Rudolf Steiner: Here is a whole bundle of questions. There is not really such a thing as a disease of the spirit. What we call “mental illnesses” are actually nothing other than physical abnormalities. If you look at yourself in a poorly constructed mirror, a face may stare back at you that you would rather not see. The cause of so-called mental illnesses is to be found in the interaction between the soul-spirit and the diseased body. I would like to expressly note that it does not follow from this that the treatment need be purely physical. It is often the case that a body that is out of balance distorts the expression of the soul; when the body is healed, this brings about a sense of calm and, in many cases, an improvement.

Frage: Ist Geburteneinschränkung erlaubt?

Question: Is birth control permitted?

[ 48 ] Rudolf Steiner: Na, da haben wir’s ja!

[ 48 ] Rudolf Steiner: Well, there we have it!

Frage: Wie ist es mit einer Inkarnation, wo der Mensch kurz nach der Geburt verstorben ist?

Question: What about an incarnation in which a person died shortly after birth?

[ 49 ] Rudolf Steiner: Da ist diese Inkarnation zum vorigen Erdenleben hinzuzurechnen. Der Mensch hat vielleicht in seinem letzten Erdenleben nicht alles aus sich heraussetzen können, was er wollte. Dann stückelt er noch so ein kurzes Leben an. Das gehört dann karmisch noch zum vorhergehenden Leben, nicht zur folgenden Verkörperung, besonders, wenn der Tod schon vor der Geburt eintritt. Zuweilen wenigstens ist es so, zuweilen auch anders. Zum Beispiel will man mit bestimmten Menschen zusammentreffen, die gerade verkörpert sind. Das kann sich in frühester Kindheit abspielen. Hundertfältig können die Verhältnisse sein.

[ 49 ] Rudolf Steiner: This incarnation must be added to the previous earthly life. Perhaps the person was not able to express everything they wanted to in their last earthly life. Then they add on another short life like this. Karmically, this still belongs to the previous life, not to the subsequent incarnation—especially if death occurs before birth. At least sometimes it is so; at other times, it is different. For example, one may wish to meet certain people who are currently incarnated. This can take place in early childhood. The circumstances can vary a hundredfold.

Frage: Wie ist es, wenn der Mensch als Irrsinniger verstorben ist? [Die weitere Fragestellung war so, dass die Zuhörer anfingen zu lachen.]

Question: What happens when a person dies while insane? [The rest of the question was such that the audience began to laugh.]

[ 50 ] Rudolf Steiner: Es war neulich auch einer, der über eine Frage spottete; ich musste erwähnen, dass ich das wenig christlich finde, und da es ein Pfarrer war, war es eine eigentümliche Erscheinung.

[ 50 ] Rudolf Steiner: The other day there was also someone who mocked a question; I had to point out that I find that hardly Christian, and since he was a pastor, it was a peculiar occurrence.

[ 51 ] Man soll über solche Fälle nicht spekulieren, sondern nur konkrete Beispiele nehmen. So war einmal ein Mensch als Idiot geboren, der viel unter der Lieblosigkeit seiner Mitmenschen zu leiden hatte. In der Rückschau nach dem Tode erlebte er, dass er dadurch große Kräfte entwickeln konnte. Kräfte wandeln sich ja in der mannigfaltigsten Weise um. Dieser Mensch wurde als ein Genie der Philanthropie wiedergeboren.

[ 51 ] One should not speculate about such cases, but rather consider only concrete examples. For instance, there was once a person born with intellectual disabilities who suffered greatly from the lack of compassion shown by those around him. Looking back after death, he realized that this had enabled him to develop great powers. Powers, after all, transform in the most diverse ways. This person was reborn as a genius of philanthropy.

Frage: Wie ist es, wenn der Geistesforscher kein Heiliger ist?

Question: What if the spiritual researcher isn't a saint?

[ 52 ] Rudolf Steiner: Vielleicht ist er es nur in den Augen seiner Mitmenschen nicht. Lichtenberger sagt: Wenn ein Buch und ein Kopf zusammenschlagen und es klingt hohl, muss dann die Schuld gerade am Buch liegen? Frage: [Wie ist es bei] hereditärer Belastung? Rudolf Steiner: [Keine Antwort vorliegend.]

[ 52 ] Rudolf Steiner: Perhaps he is not so only in the eyes of those around him. Lichtenberger says: If a book and a mind collide and it sounds hollow, must the fault lie with the book? Question: [What about] hereditary predisposition? Rudolf Steiner: [No answer available.]

Frage: Es müssten, nach dem letzten Vortrag zu urteilen, Menschen mit bösen Instinkten geistig am reichsten begabt sein.

Question: Judging by the last lecture, people with evil instincts must be the most intellectually gifted.

[ 53 ] Rudolf Steiner: Im letzten Vortrag war nicht eine Glorifikation des Bösen gemeint. Man darf nicht sagen, das Böse sei etwas, was wertvoll ist in der geistigen Welt. Wird es aber heruntergetragen, wo es eben nicht hingehört, dann ist es das Böse. Auch begabte Menschen mit bösen Instinkten zeigen da, dass sie das, was sie haben, nicht in höheren Welten gelassen, sondern es zu Unrecht in die physische Welt heruntergetragen haben.

[ 53 ] Rudolf Steiner: The last lecture was not intended to be a glorification of evil. One must not say that evil is something of value in the spiritual world. But when it is brought down where it does not belong, then it is evil. Even gifted people with evil instincts demonstrate that they have not left what they possess in the higher worlds, but have wrongly brought it down into the physical world.

Frage: Ist das lange Wachhalten besonders wünschenswert?

Question: Is keeping them awake for a long time particularly desirable?

[ 54 ] Rudolf Steiner: Nein, durch solche Dinge erreicht man gar nichts.

[ 54 ] Rudolf Steiner: No, you won't achieve anything through things like that.

Frage: Ich sehe bei geschlossenen Augen oft das Antlitz meiner vor fünf Jahren verstorbenen Mutter; sie öffnet müde die Augen, die sich oft mit Trauer füllen. Was kann ich für sie tun?

Question: When I close my eyes, I often see the face of my mother, who passed away five years ago; she opens her eyes wearily, and they are often filled with sadness. What can I do for her?

[ 55 ] Rudolf Steiner: Das ist eine ganz spezielle Frage, und es müsste bei der Antwort berücksichtigt werden, dass wir hier einen speziellen Fall vor uns haben. Die mannigfaltigsten Erscheinungen können die verschiedensten Ursachen haben, zum Beispiel kann Affizierung des Ätherleibes vorliegen. Mit Liebe an einen solchen Toten denken und sich mit ihm in Gedanken beschäftigen ist jedenfalls gut, denn was man in Gedanken tut, gehört der geistigen Welt, also dem Toten an.

[ 55 ] Rudolf Steiner: This is a very specific question, and any answer would have to take into account that we are dealing with a special case here. The most diverse phenomena can have a wide variety of causes; for example, the etheric body may be affected. In any case, it is good to think of such a deceased person with love and to engage with them in thought, for what one does in thought belongs to the spiritual world—and thus to the deceased.

Frage: Was versteht man unter Anthroposophie?

Question: What is anthroposophy?

[ 56 ] Rudolf Steiner: Das ist in Worten nicht so leicht zu sagen. Anthroposophie ist das, was der Mensch über sich erfahren kann, wenn nicht nur der Verstand – dadurch nur ein Teil des Menschen –, sondern wenn der ganze Anthropos Antwort gibt.

[ 56 ] Rudolf Steiner: It is not so easy to put this into words. Anthroposophy is what a person can learn about themselves when not only the intellect—which is only a part of the human being—but the whole human being provides the answer.