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Death and Immortality
in the Light of Spiritual Science
GA 69d

8 May 1914, Kassel

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Death and Immortality in the Light of Spiritual Science, tr. SOL
  1. Tod und Unsterblichkeit im Lichte der Geisteswissenschaft

20. Wie findet die Seele ihre wahre Wesenheit

20. How Does the Soul Find Its True Nature

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Wie findet die Seele ihre wahre Wesenheit? Es ist eine Frage, welche sich im Grunde genommen unablässig jede Seele stellt. Man braucht sich diese Frage ja gar nicht in so ausgesprochenen Worten zu stellen, wie sie jetzt gestellt worden ist. Im dunkelsten Gefühl, in den Untergründen der Seele ist zweifellos für jeden Menschen die Empfindung vorhanden, dass das tiefste Schicksal seiner Seele selbst mit dieser Frage etwas zu tun habe. Und man braucht auch nicht, sehr verehrte Anwesende, zu überlegen: Was nützt eine Antwort auf diese Frage? Was bedeutet eine Antwort auf diese Frage? Welchen wissenschaftlichen Wert hat sie? – und dergleichen, sondern man kann fühlen, dass innere Ruhe, inneres Gleichgewicht des Menschen davon abhängt, ob er wenigstens das Gefühl entwickeln kann, dass dieser Frage irgendeine Antwort zu finden sei. Vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft, wie sie der forschenden Menschenseele in der Gegenwart möglich ist, soll diese Frage heute besprochen werden.

[ 1 ] Ladies and gentlemen! How does the soul find its true essence? It is a question that, in essence, every soul asks itself ceaselessly. One need not even ask this question in such explicit terms as it has just been posed. In the darkest depths of feeling, in the recesses of the soul, there undoubtedly exists within every human being the sense that the deepest destiny of their soul itself has something to do with this very question. And one need not, ladies and gentlemen, ask: What good is an answer to this question? What does an answer to this question mean? What scientific value does it have?—and the like; rather, one can sense that a person’s inner peace and inner balance depend on whether they can at least develop the feeling that some answer to this question can be found. From the perspective of spiritual science, as it is accessible to the inquiring human soul in the present, this question will be discussed today.

[ 2 ] Dasjenige, was Geisteswissenschaft zu sagen hat über diese Frage, es ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Produkt, ein Ergebnis menschlichen Strebens in unserer Zeit und wird dies immer mehr und mehr werden, hoffentlich, in der Menschheitsentwicklung der Zukunft. Die Menschheit macht in ihrer Entwicklung verschiedene Stadien durch, durch die einzelnen Völker und Epochen hindurch, und wie dasjenige, was heute als Naturwissenschaft mit Recht so geschätzt wird, in einem bestimmten Zeitpunkt in die menschliche Entwicklung eingetreten ist und vorher nicht innerhalb derselben war, so ist es auch mit der hier gemeinten Geisteswissenschaft. Man kann sagen: Die Verhältnisse, die vor drei bis vier Jahrtausenden für die Entwicklung der Naturwissenschaft da waren, die sind nach der Meinung und «Erkennung» des Geistesforschers für die Geisteswissenschaft in unserer Zeit vorhanden.

[ 2 ] What spiritual science has to say about this question is, in the truest sense of the word, a product, a result of human endeavor in our time, and will, hopefully, become more and more so in the future development of humanity. Humanity passes through various stages in its development, across different peoples and epochs, and just as what is rightly so highly valued today as natural science entered human development at a specific point in time—and did not exist within it before—so it is also with spiritual science as referred to here. One might say: The conditions that existed three to four millennia ago for the development of natural science are, in the opinion and “insight” of the spiritual researcher, present for spiritual science in our time.

[ 3 ] Wenn aber vom Gesichtspunkte dieser Geisteswissenschaft aus die ausgesprochene Frage heute Abend besprochen werden soll, so ist damit nicht gemeint, sehr verehrte Anwesende, dass dasjenige, was Geisteswissenschaft zu sagen hat, etwas durchaus Neues sei. Im Gegenteil, man kann sagen: Das, was Geisteswissenschaft zu sagen hat, lebte immer in den menschlichen Seelen, lebt auf dunkle Weise in allen menschlichen Seelen, mit größerer und geringerer Klarheit gerade in den allerersten Seelen. Angeführt sei der Ausspruch eines hervorragenden Denkers der neueren Geistesentwicklung, ein Ausspruch, der uns gewissermaßen mitten in das Gebiet unserer Frage hineinführen kann. Johann Gottlieb Fichte, der große Philosoph, sagte einmal, als er über das Wesen des Gelehrten gerade sprach:

[ 3 ] However, if the question raised this evening is to be discussed from the perspective of this spiritual science, this does not mean, ladies and gentlemen, that what spiritual science has to say is something entirely new. On the contrary, one can say: What spiritual science has to say has always lived in human souls; it lives in a hidden way in all human souls, with greater or lesser clarity, especially in the very greatest souls. Let me quote a statement by an outstanding thinker of recent spiritual development—a statement that can, in a sense, lead us right into the heart of our question. Johann Gottlieb Fichte, the great philosopher, once said, while speaking specifically about the nature of the scholar:

Nicht erst,

Not just now,

[ 4 ] so sagte Fichte,

[ 4 ] as Fichte said,

Nicht erst, nachdem ich aus dem Zusammenhange der irdischen Welt gerissen sein werde, werde ich den Eintritt in die überirdische erhalten; ich bin und lebe schon jetzt in ihr, weit wahrer, als in der irdischen; schon jetzt ist sie mein einziger fester Standpunkt, und das ewige Leben, das ich schon längst in Besitz genommen, ist der einige Grund, warum ich das irdische noch fortführen mag. Das, was sie Himmel nennen, liegt nicht jenseits des Grabes; es ist schon hier um unsere Natur verbreitet, und sein Licht geht in jedem reine Herzen auf.

It is not only after I have been torn from the context of the earthly world that I will gain entry into the supernatural world; I am already in it and living there, far more truly than in the earthly world; even now it is my only firm foothold, and the eternal life that I have long since taken possession of is the sole reason why I may still continue my earthly existence. What they call heaven does not lie beyond the grave; it is already spread out here around our very nature, and its light dawns in every pure heart.

[ 5 ] Sehr verehrte Anwesende, wenn diesen Ausspruch auch ein tiefgründiger Geist getan hat, er hat ihn noch in einer Zeit getan, in der vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft nicht gesprochen werden konnte, wie es heute geschehen kann, und in der auch die Menschenseele noch nicht in einem ausgesprochenen Sinne jene Bedürfnisse in Bezug auf das überirdische Leben hatte, die sie heute hat. Man darf sagen: Schon jetzt ist für jede denkende Seele die Zeit gekommen, und sie wird immer mehr und mehr kommen, diese Zeit – nur Kurzsichtige können anderer Meinung sein über diesen Punkt –, es ist die Zeit gekommen und wird immer mehr kommen, wo die Seelen sich beunruhigt fühlen werden, wenn sie empfinden müssen: Ja, die eigentliche Heimat der Seele, dasjenige, was man die geistige Welt nennen muss, ist etwas, wovon die Vorstellung in jedem liebenden Herzen aufgehen muss, aber dasjenige, was wir als Wissenschaft schätzen, dasjenige, wovon die besten unserer Zeitgenossen sagen, dass es allein berechtigt ist, die Wahrheit zu begründen, das wendet sich entweder ab von jeglicher Erforschung der übersinnlichen Welten, oder aber es will sich wenigstens das Recht anmaßen, zu sagen, das menschliche Erkenntnisvermögen sei so beschränkt, so begrenzt, dass es nicht in die übersinnliche Welt eindringen könne und man daher alles Wissen, alle Erkenntnis über diese Welt dahingestellt sein lassen müsse.

[ 5 ] Dear friends, even though this statement was made by a profound thinker, it was made at a time when it was not yet possible to speak from the perspective of spiritual science as we can today, and when the human soul did not yet have, in a pronounced sense, the needs regarding the supernatural life that it has today. It can be said: The time has already come for every thinking soul—and it will come more and more—this time—only the short-sighted can disagree on this point—the time has come and will come more and more when souls will feel uneasy when they must realize: Yes, the soul’s true home—that which must be called the spiritual world—is something whose concept must dawn in every loving heart; but that which we value as science, that which the best of our contemporaries say is alone entitled to establish the truth, either turns away from any exploration of the supersensible worlds, or at the very least presumes to claim that human cognitive faculties are so limited and restricted that they cannot penetrate the supersensible world, and that therefore all knowledge and insight into this world must be set aside.

[ 6 ] Die Zeiten sind abgelaufen, sehr verehrte Anwesende, in denen die Seelen diese Disharmonie nicht fühlten, die sich darin ausdrückten, dass das Herz eine innere Gewissheit von einer übersinnlichen Heimat hat; und die Erkenntnis behauptet, nicht an diese Heimat herankommen zu können. Gerade aus diesem Grunde fühlt Geistesforschung in unserer Zeit, dass dasjenige in die allgemeine Kultur sich einleben muss, was wirklich mit den Kräften, die innerhalb der Menschheit gerade herangezogen worden sind durch die Arbeit über die Naturerscheinungen seit Jahrhunderten, dass diesen Kräften es möglich ist, wenn sie in der richtigen Weise gebraucht werden, wirklich einzudringen in die geistigen Welten, so wie die äußere Erkenntnis, die an Sinne und Gehirn gebunden ist, in die Weltennatur eindringen kann. Mit dieser Behauptung stößt man allerdings heute noch auf Gegner. Man stößt auf Missverständnisse. Ja, man darf sagen, man muss, wenn man von Geisteswissenschaft in dem Sinne, wie sie hier gemeint ist, sprechen will, in so ungewohnten Begriffen sprechen, dass es einem, gerade, wenn man selbst darinnen steht, ganz begreiflich erscheint, wie sich unzählige Menschen, die heute glauben, auf dem festen Boden wissenschaftlicher Vorstellungsart zu stehen, noch gegen diese Geisteswissenschaft wenden müssen. Aber, wie im Grunde genommen ein Umschwung in den Denkgewohnheiten eintreten musste vor drei bis vier Jahrhunderten, als die Naturwissenschaften ein ganz anderes Denken über die Raumeswelt heraufbrachten, so wird sich in den Menschenseelen jener Umschwung in den Denkgewohnheiten vollziehen, der notwendig ist, wenn immer mehr und mehr Verständnis sich verbreiten soll für die Wahrheiten, die skizzenhaft in diesem Vortrag ich anzudeuten mir erlauben werde.

[ 6 ] The times have passed, esteemed audience, when souls did not feel this disharmony, which manifested itself in the heart’s inner certainty of a supersensible homeland, while reason claimed to be unable to reach this homeland. Precisely for this reason, spiritual research in our time feels that what must become part of general culture is the realization that the forces within humanity—which have been cultivated over centuries through work on natural phenomena—are indeed capable, when used in the right way, of truly penetrating the spiritual worlds, just as external knowledge, which is bound to the senses and the brain, can penetrate the natural world. However, this assertion still meets with opposition today. It encounters misunderstandings. Indeed, one might say—indeed, one must say—that if one wishes to speak of spiritual science in the sense intended here, one must use terms so unfamiliar that, precisely when one is immersed in them, it seems entirely understandable why countless people who today believe they stand on the firm ground of scientific thinking must still turn against this spiritual science. But just as a fundamental shift in habits of thought had to take place three or four centuries ago, when the natural sciences brought about a completely different way of thinking about the spatial world, so too will that shift in the habits of thought take place within the human soul—a shift that is necessary if an ever-increasing understanding is to spread regarding the truths that I shall take the liberty of outlining in this lecture.

[ 7 ] Allerdings, sehr verehrte Anwesende, so sicher es wahr ist, dass Geisteswissenschaft doch das echte Kind der Naturwissenschaft ist, so muss zugegeben werden, dass man heute glauben kann, man sei von allen guten Geistern der Naturwissenschaft verlassen, wenn man auf dem Boden dieser Geisteswissenschaft stehen kann. Denn grundverschieden ist schon die ganze Stimmung in der Seele des Geistesforschers von der in der Seele des Naturforschers. Sehen wir uns einmal an, sehr verehrte Anwesende, wie der Naturforscher in Bezug auf die äußere Natur gestimmt ist. Er wendet seine Sinne, entweder unbewaffnet oder durch die entsprechenden Werkzeuge bewaffnet, auf die äußeren Dinge; er wendet das Denken an, um die Gesetze der Tatsachen der Natur zu erkennen. So wie der Mensch ist, so wie er gleichsam von selbst in diese Welt hineingestellt ist, so stellt sich der Mensch, indem er die Natur erkennen will, der Welt gegenüber. Er wendet seine Gedanken, seine Urteilskraft, seine Sinne, so wie sie ihm gegeben sind, an auf die Ergründung der Tatsachen des Daseins.

[ 7 ] However, distinguished guests, as certain as it is that spiritual science is indeed the true child of natural science, it must be admitted that today one might believe one has been abandoned by all the guiding spirits of natural science when standing on the ground of this spiritual science. For the entire mood in the soul of the spiritual researcher is fundamentally different from that in the soul of the natural scientist. Let us consider, ladies and gentlemen, the natural scientist’s attitude toward external nature. He directs his senses—either unarmed or armed with the appropriate tools—toward external things; he employs his thinking to discern the laws governing the facts of nature. Just as human beings are—just as they are, so to speak, placed in this world of their own accord—so do they confront the world in their quest to understand nature. They apply their thoughts, their power of judgment, and their senses, just as they are given to them, to the exploration of the facts of existence.

[ 8 ] Ganz anders muss der verfahren, der in die geistige Welt eindringen will. Deshalb will ich damit beginnen, ein wenig die Stimmung zu schildern, die dem Geistesforscher eignen muss. Dasjenige, womit der Naturforscher unmittelbar an äußere Dinge und an den Menschen selbst herangeht, seine Sinne, seine Urteilskraft, seine gewöhnlichen Erkenntniskräfte, die wendet der Geistesforscher zunächst nicht unmittelbar an. Alles dasjenige, was ihm so zu eigen ist, womit er sich sonst unmittelbar der Welt gegenüberstellt, das verwendet der Geistesforscher zunächst zur Vorbereitung für die eigentliche Forschung. Was er an Denken in dieser Seelenarbeit aufbringen kann, die Schärfe seines Denkens, die Stärke von Fühlen und Empfinden, alles wendet er an, um seine Seele in eine Entwicklung zu bringen, um sie nach und nach innerlich wie zu einem anderen Wesen zu machen, um sie erst reif zu machen für dasjenige, was er unternehmen will. Und indem man in der nachher zu schildernden Weise so an die Entwicklung seiner Seele geht, fühlt man ganz anders, als man dem äußeren Leben gegenüber fühlt. Man fühlt, dass in der Seele, wenn man ehrlich Geistesforschung betreibt, scheue Ehrfurcht vor der Wahrheit erwächst; etwas fühlt man, wie wenn die Wahrheit in Fernen über einem schwebe und man sich ihr erst nähern müsse. Ja, diese Stimmung steigert sich mehr und mehr, sodass man, gerade je weiter man kommt in der Geistesforschung, das Gefühl entwickelt: Du musst warten. So wie deine Seele jetzt ist, so kommt es dir besser zu, dich noch nicht zu nähern der Ergründung gewisser Fragen des geistigen Lebens. Arbeite weiter an deiner Seele, dann wirst du zu einem Standpunkt kommen, wo du reifer sein wirst, wo dir die Fragen, die du heute beantworten möchtest, beantwortet werden.

[ 8 ] One who wishes to penetrate the spiritual world must proceed quite differently. That is why I would like to begin by describing a little of the mindset that the spiritual researcher must possess. The natural scientist approaches external things and human beings themselves directly through his senses, his power of judgment, and his ordinary cognitive faculties; the spiritual researcher, however, does not initially apply these directly. Everything that is so characteristic of him—the very means by which he otherwise confronts the world directly—the spiritual researcher first uses as preparation for the actual research. Whatever capacity for thought he can muster in this inner work—the acuity of his thinking, the strength of his feelings and sensations—he applies it all to bring his soul into a state of development, to gradually transform it inwardly as if into a different being, to first ripen it for what he intends to undertake. And by approaching the development of one’s soul in the manner to be described later, one feels quite differently than one does in relation to external life. One feels that, when one engages honestly in spiritual research, a timid reverence for the truth arises within the soul; one feels as if the truth were hovering far above one and one must first draw near to it. Indeed, this mood intensifies more and more, so that—precisely the further one progresses in spiritual research—one develops the feeling: You must wait. Given the state of your soul at present, it is better for you not yet to attempt to fathom certain questions of spiritual life. Continue to work on your soul, and you will reach a point where you will be more mature, where the questions you wish to answer today will be answered.

[ 9 ] In heiliger Scheu abzuwarten, wozu die Seele gelangen mag, Ja, sich gleichsam selbst zurückzuhalten davor, an gewisse Fragen über die Untergründe des Daseins heranzutreten, das wird die Stimmung des Geistesforschers sein. Er lebt dann so, dass er vertrauensvoll wie hingegeben ist an die Strömung des Daseins, vertrauensvoll, dass Weisheit waltet im Dasein und dass ihn strömende Weisheit immer reifer und reifer machen werde. Mit solchen Worten etwa möchte ich zunächst die Stimmung andeuten, auf die es beim Geistesforscher ankommt. Dass er also eine heilige Scheu vor der Wahrheit hat, dass er fühlen kann, er müsse erst reifer und reifer werden, um sich ihr nähern zu dürfen, davon hängt vieles ab. Und es ergibt sich für ihn wie durch eine innere Notwendigkeit, einzutauchen alles das, was er mit seiner Seele auszuführen hat, in eine solche Stimmung, wie ich sie eben charakterisiert habe. Nicht, dass ich behaupten will, sehr verehrte Anwesende, solche Stimmung müsse künstlich erzeugt werden, sie solle anbefohlen werden demjenigen, der ein Geistesforscher werden will, nein, sie stellt sich ganz von selbst ein, wenn man das ausführt, was der Seele notwendig ist, um ihre wahre Wesenheit zu finden. Wie das auszuführen ist? — In kurzen Worten nur kann ich andeuten das Prinzipielle; ausführlich finden Sie ja die Einzelheiten in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnis der höheren Welten?» und «Geheimwissenschaft im Umriss» im zweiten Teil, oder in Bezug auf ganz bestimmte Einzelheiten in einer der letzterschienenen Schriften: «Die Schwelle der geistigen Welt».

[ 9 ] To wait with sacred reverence to see where the soul may lead, indeed, to refrain, as it were, from addressing certain questions about the depths of existence—such will be the spirit of the spiritual seeker. He then lives in such a way that he is trustingly and devotedly attuned to the flow of existence, confident that wisdom reigns in existence and that this flowing wisdom will make him ever more mature. With words like these, I would like to begin by suggesting the frame of mind that is essential for the spiritual researcher. Much depends on the fact that he has a sacred reverence for the truth, that he can sense he must first become more and more mature in order to be permitted to approach it. And it follows for him, as if by an inner necessity, to immerse everything he has to accomplish with his soul in the very mood I have just characterized. Not that I wish to claim, esteemed audience, that such a state of mind must be artificially created, or that it should be prescribed to anyone who wishes to become a spiritual researcher—no, it arises quite of its own accord when one carries out what is necessary for the soul to find its true essence. How is this to be carried out? — I can only briefly outline the fundamental principles here; you will find the details in my books *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds* and *An Outline of Esoteric Science* in the second part, or, with regard to very specific details, in one of my most recent writings: *The Threshold of the Spiritual World*.

[ 10 ] Leicht könnte man glauben, man müsse ganz besondere wunderbare Verrichtungen vollziehen, um in die geistige Welt einzudringen. So ist es nicht. Im Grunde genommen ist dasjenige, was die Seele braucht, um in die geistige Welt einzudringen, in jedem menschlichen Seelenleben vorhanden. Es vollzieht sich zwischen den anderen Erlebnissen des gewöhnlichen Daseins. Und es muss dasjenige, was sonst nur, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf, wie zwischen den Zeilen des Lebens sich vollzieht, das muss von dem Geistesforscher in unbegrenzter Stärke entwickelt werden. Und da ist es eines, was uns zunächst wie etwas ganz Unscheinbares im Seelenleben erscheint, das, was wir im gewöhnlichen Leben die Aufmerksamkeit nennen.

[ 10 ] It would be easy to believe that one must perform very special, wondrous deeds in order to enter the spiritual world. That is not the case. Essentially, what the soul needs to enter the spiritual world is already present in every human soul life. It takes place amidst the other experiences of ordinary existence. And what otherwise takes place—if I may use the expression—as it were, between the lines of life, must be developed by the spiritual researcher to an unlimited degree. And there is one thing that at first appears to us as something quite inconspicuous in the life of the soul: what we call “attention” in ordinary life.

[ 11 ] Wir wissen ja, sehr verehrte Anwesende, Aufmerksamkeit müssen wir schon im gewöhnlichen Leben entwickeln, wir müssen Interesse haben für die einzelnen Dinge, die uns entgegentreten; wir können nicht das Leben an uns vorbeifluten lassen, wie es sich den Sinnen und dem Verstand darstellt, sondern wir müssen herausgreifen einzelne Tatsachen und Wesenheiten und auf sie besonders hinschauen. Nur dadurch gestalten wir unser Seelenleben zu einem geordneten. Diese Aufmerksamkeit entwickeln wir ganz unwillkürlich. Bevor ich auf ihre Anwendung für die Geistesforschung eingehe, möchte ich an zwei Punkten zeigen, wie diese innere Aufmerksamkeit schon im gewöhnlichen Leben bedeutsam ist. Mit Recht hat ein gewisser Philosoph gesagt: Im Grunde genommen ist die Frage nach der Erinnerungsfähigkeit, nach dem Gedächtnis, eigentlich die Frage nach der Aufmerksamkeit der menschlichen Seele. – Und unendlich viel würde man gewinnen für die Erziehungsfragen und Maximen, wenn man wirklich erkennen wollte dasjenige, was gerade Geisteswissenschaft über den Zusammenhang von Aufmerksamkeit und Gedächtnis zu sagen hat.

[ 11 ] As we all know, distinguished guests, we must cultivate attentiveness even in our everyday lives; we must take an interest in the individual things that come our way; we cannot let life simply wash over us as it presents itself to the senses and the intellect; rather, we must single out individual facts and entities and look at them closely. Only in this way can we shape our inner life into an orderly one. We develop this attentiveness quite spontaneously. Before I discuss its application to spiritual science, I would like to illustrate in two points how this inner attentiveness is already significant in everyday life. A certain philosopher rightly said: “Fundamentally, the question of the capacity for recollection—of memory—is actually the question of the attentiveness of the human soul.” – And we would gain immeasurably in matters of education and educational principles if we were truly willing to recognize what spiritual science has to say about the connection between attention and memory.

[ 12 ] Wie viele Menschen, man darf fast sagen, alle Menschen, haben zu klagen über ein schwaches Gedächtnis, in einem gewissen Lebensalter über abnehmendes Gedächtnis! Wenn man zur rechten Zeit den Zusammenhang zwischen Aufmerksamkeit und Gedächtnis ins Auge fassen würde, so würde es damit besser stehen. Man kann allen Menschen Folgendes sagen: Je mehr sich der Mensch bemüht, die Kraft der Aufmerksamkeit zu entwickeln, das heißt, immer wieder sein Interesse zu konzentrieren auf einzelne Tatsachen des Lebens, je mehr er in innerer Anstrengung die Seele auf die Aufmerksamkeit konzentriert, desto stärker werden sein Gedächtnis und seine Erinnerungskraft. Nicht bloß, dass wir uns an das leichter erinnern, worauf wir Aufmerksamkeit verwendet haben, sondern die Kraft der Erinnerung, die Kraft des Gedächtnisses, wird umso stärker, je mehr wir erzogen werden oder uns selbst erziehen, immer wiederum die Tätigkeit des Aufmerksamseins zu entwickeln. Tätigkeit und Fähigkeit hängen hier zusammen. Nicht nur, was ja sehr leicht im Leben konstatierbar ist, dass wir uns an das leichter erinnern, worauf wir aufmerksam waren, sondern durch die Entfaltung der Aufmerksamkeitsbetätigung wird die Erinnerungskraft verstärkt. Das ist das eine.

[ 12 ] How many people—one might almost say, all people—complain of a poor memory, and, at a certain age, of a declining memory! If people were to recognize the connection between attention and memory at the right time, things would be better. One can say the following to everyone: The more a person strives to develop the power of attention—that is, to repeatedly focus their interest on individual facts of life—the more they concentrate their soul on attention through inner effort, the stronger their memory and their ability to recall will become. Not only do we remember more easily what we have paid attention to, but the power of recollection—the power of memory—becomes all the stronger the more we are trained, or train ourselves, to continually develop the activity of paying attention. Activity and ability are interconnected here. Not only—as is very easy to observe in life—do we remember more easily what we have paid attention to, but the power of memory is also strengthened through the development of the activity of attention. That is one point.

[ 13 ] Ein anderes ist, ich möchte sagen, etwas, was uns in ein trauriges Kapitel des menschlichen Seelenlebens hineinführen kann. Viele von Ihnen haben gewiss schon gehört, wie das menschliche Seelenleben in radikalen Fällen dadurch gestört werden kann, dass die Rückerinnerung an die eigenen Erlebnisse irgendwie unterbrochen wird. In ganz besonderen Fällen tritt ja ein, dass irgendein Mensch plötzlich sich aus seiner Tätigkeit herausgerissen fühlt; er weiß nicht mehr, was er tut; er hat sein früheres Seelenleben zum Teil oder ganz vergessen; er lebt wie in einem anderen Bewusstseinszustand. Er kann reisen, kann allerlei unternehmen, aber erst später taucht die ungestörte kontinuierliche Erinnerung an seine Erlebnisse wieder auf. Dann wird er urplötzlich gewahr, wer er ist, während er früher sein Ich vergessen hatte. Wenn das auch in dieser radikalen Weise einen Krankheitsfall des Menschen darstellt, so kommt doch die Störung des Erinnerungsvermögens in der menschlichen Seele in mehr oder weniger leichter Weise vor, und diese Dinge könnten viel weniger ins Leben hereintreten, wenn man beachten würde, dass auch diese Kontinuität des Bewusstseins, dieses Überschauen des eigenen Erlebens – so, dass man wirklich immer in starker Weise bei sich selbst ist, davon abhängt, dass man möglichst viel die Tätigkeit der Aufmerksamkeit entwickelt. Und man tut den Kindern für das spätere Alter etwas ungemein Gutes, wenn man sie anhält, das Interesse auf einzelne Vorgänge und Wesenheiten zu konzentrieren. Man stärkt ihre Willenskraft, insofern sie sich aus den zusammenhängenden Erfahrungen des Lebens ergibt, und auch ihre Urteilskraft durch die Aufmerksamkeit. Wenn man aber so ins gewöhnliche Seelenleben hineinsieht, so muss man doch sagen: Zwischen den Zeilen des Lebens vollzieht sich die Aufmerksamkeit.

[ 13 ] Another matter, I would say, is something that can lead us into a sad chapter of human psychological life. Many of you have certainly already heard how, in extreme cases, human psychological life can be disrupted when the recollection of one’s own experiences is somehow interrupted. In very special cases, it happens that a person suddenly feels torn away from what they are doing; they no longer know what they are doing; they have forgotten their former inner life, either partially or entirely; they live as if in a different state of consciousness. They can travel, can undertake all sorts of activities, but only later does the undisturbed, continuous memory of their experiences resurface. Then, all of a sudden, they become aware of who they are, whereas before they had forgotten their “I.” Even if this, in such a radical form, constitutes a medical condition in humans, the disturbance of memory in the human soul nevertheless occurs in more or less mild forms, and these issues would arise far less frequently in life if one were to bear in mind that this continuity of consciousness—this overview of one’s own experiences, such that one is truly and strongly present with oneself at all times—depends on developing the activity of attention as much as possible. And one does children an immense favor for their later years by encouraging them to focus their interest on individual processes and entities. One strengthens their willpower—insofar as it arises from the interconnected experiences of life—and also their power of judgment through attention. But when one looks into ordinary inner life in this way, one must say: Attention takes place between the lines of life.

[ 14 ] In unbegrenzter Art muss die Tätigkeit der Aufmerksamkeit der Geistesforscher steigern, beziehungsweise derjenige, der ein Geistesforscher werden will. Während wir sonst doch durch äußere Veranlassung dazu kommen, unser Interesse für dieses oder jenes zu entwickeln, muss der Geistesforscher in innerlicher, kunstgerechter Weise Konzentration entwickeln. Willkürlich, durch starkes inneres Betätigen der Seelenkraft, muss der Geistesforscher alles, was in seiner Seele vorhanden ist, zusammenziehen und es möglichst auf etwas wenden, wozu er nicht von außen veranlasst ist, sei es auf Vorstellungen, die man in der Seele selbst bildet, sei es auf solche, die man sich von kundigen Geistesforschern raten lässt. Man lässt diese Vorstellungen willkürlich in bestimmten Momenten in seiner Seele aufsteigen; im Übrigen versucht man, sich in einen Zustand zu versetzen, dass die äußeren Sinne nichts wahrnehmen, wie im Schlafe, dass das gewöhnliche Denken stillsteht, wie im Schlafe, mit Ausnahme dessen, dass die ganze Seele mit allen Kräften gerichtet ist auf die einzige Vorstellung, die man festhält, so lange man kann. Das nennt man Konzentration. Das Nähere können Sie in den vorgenannten Büchern nachlesen. Es ist umso besser, je mehr man solche Vorstellungen verwendet, die gewissermaßen kein Vorbild in der äußeren Welt haben, je mehr man sinnbildliche Vorstellungen in den Mittelpunkt des Bewusstseins rückt. Und nun handelt es sich darum, dass der Geistesforscher diese Übung immer und immer wieder macht; der eine, je nach seinen Fähigkeiten, erreicht in kurzer Zeit etwas, der andere erst nach Jahren, aber so, wie es uns vorgesetzt ist, erreichen wir sozusagen — die Gegenwartsentwicklung der Menschheit macht das möglich –, die Fähigkeit, in der Seele etwas zu steigern, indem wir uns so verhalten. Kräfte, die sonst in der Seele wie in ihren Tiefen schlummern, werden die Oberfläche heraufgetragen, wenn wir immer wieder und wiederum in geduldiger, ausdauernder Anstrengung solche Übungen der Konzentration machen. Nicht auf äußere, tumultuarische Weise wird man ein Geistesforscher, sondern durch solche Vorgänge in der Seele, wie [sie] in der Aufmerksamkeitssteigerung ins Unbegrenzte geschildert [sind].

[ 14 ] The spiritual researcher—or anyone who wishes to become one—must continually increase the activity of their attention. Whereas we are usually prompted by external factors to develop an interest in this or that, the spiritual researcher must develop concentration in an inner, artful manner. At will, through a strong inner exertion of the soul’s power, the spiritual researcher must gather together everything present in his soul and direct it as far as possible toward something to which he is not prompted from without—whether toward ideas formed within the soul itself or toward those suggested by knowledgeable spiritual researchers. One allows these images to arise arbitrarily in one’s soul at specific moments; otherwise, one attempts to place oneself in a state in which the external senses perceive nothing, as in sleep, and in which ordinary thinking comes to a standstill, as in sleep—with the exception that the entire soul, with all its powers, is directed toward the single image one holds onto for as long as possible. This is called concentration. You can read more details in the books mentioned above. The more one uses such images—which, in a sense, have no counterpart in the external world—and the more one places symbolic images at the center of one’s consciousness, the better the results. And now it is a matter of the spiritual researcher performing this exercise over and over again; some, depending on their abilities, achieve something in a short time, while others only after years, but as it is set before us, we attain—so to speak—the ability to cultivate something within the soul by behaving in this way—a development made possible by the current state of human progress. Forces that otherwise slumber in the depths of the soul are brought to the surface when we repeatedly perform such exercises in concentration with patient, persevering effort. One does not become a spiritual researcher in an external, tumultuous way, but through such processes in the soul as [those] described in *The Expansion of Attention into the Infinite*.

[ 15 ] Dann tritt in einem geeigneten Zeitpunkt etwas ein was man jetzt nennen kann – ich bemerke ausdrücklich dass auf den Ausdruck selbst kein besonderer Wert gelegt wird, dass damit nichts bewiesen werden soll —, man erlangt etwas, was man nennen kann einen «Vorgang der geistigen Chemie». Und indem ich diesen Vorgang der geistigen Chemie besprechen werde, werden Sie sehen, dass allerdings die moderne Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, die wahre Wesenheit der Seele auf eine ähnlichen — aber nur auf einem ähnlichen — Wege sucht wie die Naturwissenschaft die Geheimnisse der Natur zu erlauschen versucht. Nur, weil die Geisteswissenschaft in das geistige Gebiet sich hineinbegibt, muss sie anders sein in ihren Methoden und Vorbereitungsarbeiten als die Naturwissenschaft.

[ 15 ] Then, at an appropriate moment, something occurs that one might now call—and I expressly note that no particular importance is attached to the term itself, nor is it intended to prove anything—one experiences what might be called a “process of spiritual chemistry.” And as I discuss this process of spiritual chemistry, you will see that modern spiritual science, as it is understood here, does indeed seek the true essence of the soul in a similar—but only in a similar—way to how natural science attempts to unravel the mysteries of nature. However, precisely because spiritual science enters the spiritual realm, its methods and preparatory work must differ from those of natural science.

[ 16 ] Geistige Chemie! Nun, wenn wir den Ausdruck gebrauchen wollen als einen solchen, der uns die Sache begreiflich machen soll: Wenn man Wasser ansieht, so sieht man ihm nicht an, dass der Chemiker Wasserstoff von diesem Wasser abtrennen kann, denn Wasserstoff kann man im Wasser nicht sehen. Das Wasser löscht das Feuer, der Wasserstoff brennt. So wenig nun das Wesen des Wasserstoffes gesehen werden kann, wenn man das Wasser vor sich hat, so wenig kann im Menschen, der im Leibe vor uns steht, das Wesen der Seele gesehen werden. So aber, wie der Chemiker den Wasserstoff absondert von dem Wasser als etwas, was ganz andere Eigenschaften als das Wasser hat, so sondert der Geistesforscher, allerdings, indem er seine eigene Seele zum Werkzeug seiner Forschung macht, seine Seele ab von dem Leibe durch Konzentration, sein Geistig-Seelisches sondert er aus dem Physisch-Leiblichen heraus. Wenn eine abstrakte, nicht die Tatsachen berücksichtigende monistische Naturwissenschaft oder Weltanschauung das einen Dualismus nennt, kann man einen solchen Vorwurf ruhig ertragen. Ebenso gut könnte man sagen, im Wasser sei Dualismus; das Wasser ist nicht bloß eine Einheit, ein Monos, sondern damit man es kennenlernt, muss man herausziehen den Wasserstoff. So wie der Wasserstoff durch physische Chemie herausgehoben werden kann aus dem Wasser, so wird das Geistig-Seelische durch Vorgänge, wie der geschilderte einer ist – andere solche Vorgänge finden wir in den genannten Büchern –, so wird das Geistig-Seelische abgetrennt vom PhysischLeiblichen. Und der Geistesforscher erlebt dann den bedeutsamen, den großen Augenblick, dass er wirklich mit den Worten einen Sinn verbinden kann, mit denen man, wenn man nichts weiß von den Tatsachen des geistigen Erlebens, keinen Sinn verbinden kann: Ich erlebe mich als seelisch-geistiges Wesen unabhängig von meinem Leibe außerhalb meines Leibes. – Und da ich nicht in Abstraktionen sprechen will, sondern von den Tatsachen des geistigen Erlebens, von den Tatsachen der Auffindung der wahren Wesenheit der Seele, will ich auch nicht damit zurückhalten, einzelne Erlebnisse, die der Geistesforscher durchmacht, zur Darstellung zu bringen.

[ 16 ] Spiritual chemistry! Well, if we want to use the term as a way to help us understand the matter: When you look at water, you cannot tell that a chemist can separate hydrogen from it, because hydrogen cannot be seen in water. Water extinguishes fire; hydrogen burns. Just as the nature of hydrogen cannot be seen when one has water before one, so too the nature of the soul cannot be seen in the human being standing before us in the flesh. But just as the chemist separates hydrogen from water as something that has entirely different properties from water, so the spiritual researcher—though by making his own soul the instrument of his research—separates his soul from the body through concentration; he extracts his spiritual-soul aspect from the physical-bodily aspect. If an abstract, monistic natural science or worldview that disregards the facts calls this “dualism,” one can calmly endure such a charge. One might just as well say that there is dualism in water; water is not merely a unity, a “monos,” but in order to come to know it, one must extract the hydrogen. Just as hydrogen can be extracted from water through physical chemistry, so too is the spiritual-soul aspect separated from the physical-bodily through processes such as the one described here—we find other such processes in the books mentioned—and thus the spiritual-soul aspect is separated from the physical-bodily. And the spiritual researcher then experiences that momentous, that great moment when he can truly attach meaning to words to which, if one knows nothing of the facts of spiritual experience, one cannot attach any meaning: I experience myself as a soul-spiritual being independent of my body, outside of my body. – And since I do not wish to speak in abstractions but rather of the facts of spiritual experience, of the facts of discovering the true nature of the soul, I shall not hesitate to describe individual experiences that the spiritual researcher undergoes.

[ 17 ] Steht man im gewöhnlichen Leben darinnen, wo so, wie Wasserstoff an Sauerstoff, das Seelisch-Geistige an das Leibliche gebunden ist, dann, sehr verehrte Anwesende, dann sieht man die Welt so an, dass man weiß: Die Kraft deiner Seele entwickelst du durch die Werkzeuge deines Leibes; du bedienst dich deiner Sinne, deines Gehirns; du lebst in diesem deinem Leibe darinnen. — Das Erste, für welches man weiß, man lebe nach den angedeuteten Übungen mit seinem Seelisch-Geistigen außerhalb seines Leibes, das ist das, was man die Denkkraft nennen kann. Von dieser Denkkraft weiß man ja im gewöhnlichen Leben: Man kann sie dadurch gebrauchen, dass man mit dem Denken an das Gehirn gebunden ist. Nun aber erlebt man sich in Gedanken webend und seiend außerhalb seines Gehirns. Das ist kein Märchen, keine Hypothese, was ich Ihnen da erzähle, sondern es ist etwas, was derjenige erleben kann, der die betreffenden Übungen macht; er kommt dazu, zu wissen: Jetzt lebst du in deinem Gedankenleben wie dein eigenes Gehirn umschwebend; außerhalb des Leibes entwickelt sich die Kraft deines Denkens. – Namentlich den Moment erlebt man als besonders prägnant, man möchte sagen, als besonders erschütternd. Strengt man sich eine Zeit lang an, die Übungen zu machen, dann kommt die Zeit, wo man noch nicht recht erleben kann das Denken außerhalb des Gehirns. Es ist etwas, was eine wie traumhafte Dämmerung ausbreitet, als Erfolg der Konzentration; aber den Moment, wo man wiederum untertaucht in das Gehirn, wo das außer dem Leibe sich vollziehende Denken in das Denken im Leibe übergeht, den merkt man dann eigentlich zuerst ganz genau. Man fühlt, wie man mit dem Wesen, das man außerhalb seines Leibes erlebt hat, wiederum untertaucht, wie etwas, was man schwer durchdringt, und wie in wohligen Strömungen fühlt man sich mit seinem denkenden Wesen in seinen Leib einziehen und das Gehirn durchsetzen, um es wiederum zu gebrauchen zum äußeren Denken. Diese Tatsachen sind solche, dass man begreiflich findet, dass heute zahlreiche Menschen sagen müssen: Der redet Unsinn, der das sagt, das sind Phantastereien eines Halbwahnsinnigen. – Aber das sind die Tatsachen, durch die die Menschen erkennen werden, wie man das wahre Wesen der Seele erkennen lernt. Das sind Tatsachen, die sich verbreiten werden in der Kultur der Zukunft, denn die Seelen lechzen danach, wenn es ihnen auch noch nicht zum Bewusstsein kommt. Verbreiten werden sich diese Tatsachen ebenso, wie sich einst verbreitet hat die kopernikanische Weltanschauung, dass die Erde sich mit großer Geschwindigkeit durch den Weltenraum bewegt.

[ 17 ] When one stands in ordinary life, where the soul-spiritual is bound to the physical just as hydrogen is bound to oxygen, then, my dear friends, one views the world in such a way that one knows: You develop the power of your soul through the instruments of your body; you make use of your senses and your brain; you live within this body of yours. — The first thing one knows—after performing the exercises I have described—is that one lives with one’s soul and spirit outside one’s body; this is what one might call the power of thought. In ordinary life, we know this about the power of thought: we can use it only by being bound to the brain through our thinking. Now, however, one experiences oneself weaving and existing in thought outside one’s brain. What I am telling you is no fairy tale, no hypothesis, but something that anyone who performs the relevant exercises can experience; one comes to realize: Now you are living in your thought life as if hovering around your own brain; the power of your thinking unfolds outside the body. — One experiences this moment in particular as especially vivid—one might even say, as particularly overwhelming. If one makes an effort to do the exercises for a while, there comes a time when one cannot yet fully experience thinking outside the brain. It is something that spreads like a dreamlike twilight, as a result of concentration; but the moment when one plunges back into the brain—when the thinking taking place outside the body merges with the thinking within the body—that is actually the first thing one notices very clearly. One feels oneself sinking back into the being one has experienced outside one’s body, as if penetrating something dense, and, as in soothing currents, one feels one’s thinking being draw back into one’s body and permeate the brain, in order to use it once more for external thinking. These facts are such that one can understand why so many people today feel compelled to say: “Anyone who says that is talking nonsense; these are the fantasies of a half-mad person.”—But these are the facts through which people will come to recognize how one learns to perceive the true nature of the soul. These are facts that will spread throughout the culture of the future, for souls yearn for them, even if they are not yet conscious of it. These facts will spread just as the Copernican worldview—that the Earth moves at great speed through space—once spread.

[ 18 ] Das Erste also, was man von dem physischen Leibe lostrennen kann, ist die Denkkraft, und man kann im Grunde genommen, wenn man Ausdauer hat, die beschriebenen Übungen länger fortzusetzen, diese Emanzipation vom physischen Denkorgan als erstes übersinnliches Erlebnis haben. Es handelt sich nur darum, dass man gewissermaßen einzelne Hindernisse überwinden muss, um solche Erlebnisse haben zu können. Menschen zum Beispiel, deren Interesse sich in dem erschöpft, was das physische Dasein allein ausmacht, die nicht weitherzige Interessen entwickeln können, die werden allerdings sehen, dass sich ihnen schwere Hindernisse entgegensetzen, wenn sie den Versuch wie eben geschildert machen. Weitherzigkeit der Interessen, Eingehen-Können auf dasjenige, was auch in der physischen Welt jedes Wesen schon an Schönheit, an Erhabenheit darbietet, de muss der Seele eignen. Wer nur für sich selbst sich interessiert, der wird merken, dass in demselben Maße, in dem er die Übungen macht – es kann sie ja jeder machen es handelt sich darum, dass er sie richtig macht –, wer so recht mit seinem gewöhnlichen Denken im Egoismus aufgeht, der wird schon merken, dass, indem er allerdings fortschreitet, durch die charakterisierten Übungen etwas über seine Seele kommt, was man nennen kann eine gewisse innere Furcht vor der Welt, die man betreten soll die man erlebt außer dem Leibe. Diese Furcht, die ist im Grunde genommen immer in der Seele vorhanden, nur weiß man nichts davon. Man spricht in der Geisteswissenschaft von der Schwelle, welche die sinnliche Welt von der geistigen, die irdische von der überirdischen trennt. Man spricht davon, dass man sie überschreiten muss, diese Schwelle, ja sogar davon spricht man, dass diese Schwelle bewacht wird durch einen Hüter, womit man selbstverständlich eine geistige Kraft meint. Das heißt: Wahr ist, und durch die Geisteswissenschaft wird es bewahrheitet, dass, wie Fichte sagt, die geistige Welt immer um uns herum ist und dass wir auch den Weg hinein finden können. Warum tritt diese geistige Welt nicht immer vor der Menschenseele auf wie die physische Welt? Weil dasjenige, was der angehende Geistesforscher durch Erlebnisse wie die eben geschilderten erleben kann, das Auftreten der Furcht in der Seele bewirkt, weil diese Furcht in der Seele ist; und diese Furcht ist ein gutes Heilmittel gegen ein unreifes Eindringen in die geistige Welt. Sie ist immer da, in den Seelen, diese Furcht, aber sie zeigt sich nicht als Furcht, sondern sie zeigt sich darin, dass die Menschen eben erlahmen in den Anstrengungen, die sie machen könnten, um in die geistige Welt hineinzukommen. Sie werden scheinbar lässig, es interessiert sie nicht mehr, die Übungen weiter zu machen; in Wahrheit aber ist es die Furcht, die sie nicht spüren, weil sie sie nicht als Furcht wahrnehmen. Sogar das kann man sagen, dass durch die Geistesforschung mit Sicherheit bewiesen wird, woher eigentlich die materialistische Gesinnung der Menschheit kommt. Es gibt ja in unserer Zeit materialistisch gesinnte Seelen, die da sagen, entweder, man könne nicht von einer geistigen Welt sprechen, oder, man solle sich nicht darum kümmern, weil das menschliche Erkenntnisvermögen nur auf die sinnliche Welt gerichtet sei. Sie sagen auch, es sei unwissenschaftlich, von einem Leben im Geiste zu sprechen. Ja, es dünken sich solche Menschen – man nennt sie heute vornehm «Monisten», früher sagte man «Materialisten» –, sie dünken sich ganz besonders wissenschaftlich, wenn sie die geistige Welt gänzlich ablehnen, wenn sie sagen, die Wissenschaft habe nichts zu tun mit der geistigen Welt. Gewiss, es ist nicht gerade geeignet, unter diesen Menschen Anhänger zu finden, die da, ich möchte sagen, Stockmonisten sind, wenn man die Wahrheit über diese Tatsachen ausspricht, aber diese Wahrheit ist doch eben wahr. Nicht logische Gründe, nicht irgendetwas, was man beweisen kann, halten die Seele im Materialismus oder Monismus gefangen, sondern die Furcht, die die Menschen nicht als Furcht erkennen, die sie sich nicht als Furcht gestehen. Sie treibt Vorstellungen herauf wie, es sei unwissenschaftlich, die geistige Welt einzusehen. Derjenige, der die Dinge durchschaut, weiß, dass in den Materialisten-Versammlungen die Seelen versammelt sind, weil in ihnen allen die Furcht vor der geistigen Welt waltet. Es ist nicht angenehm, den Menschen zu sagen, dass sie im Grunde genommen Angstseelen sind, dass sie diese Angst kleiden in eine Scheinlogik, als ob sie beweisen könnten, dass nur die Tatsachen der physischen Welt Berechtigung haben.

[ 18 ] The first thing, then, that can be separated from the physical body is the power of thought, and—if one has the perseverance to continue the exercises described for a longer period—one can, in essence, experience this emancipation from the physical organ of thought as one’s first supersensory experience. It is simply a matter of having to overcome certain obstacles, so to speak, in order to have such experiences. People, for example, whose interests are limited to what physical existence alone entails—who are unable to develop broad-minded interests—will certainly find that serious obstacles stand in their way when they make the attempt as just described. A broad-mindedness of interests—the ability to respond to the beauty and sublimity that every being already offers even in the physical world—must be inherent in the soul. Anyone who is interested only in themselves will notice that, to the very extent that they perform the exercises —anyone can do them; the point is to do them correctly—who is so completely absorbed in selfishness with their ordinary thinking will already notice that, as they do indeed make progress through the exercises described, something comes over their soul that can be called a certain inner fear of the world they are to enter—a world they experience outside the body. This fear is, in essence, always present in the soul; one is simply unaware of it. In spiritual science, one speaks of the threshold that separates the sensory world from the spiritual, the earthly from the super-earthly. It is said that one must cross this threshold; indeed, it is even said that this threshold is guarded by a guardian—by which, of course, a spiritual force is meant. That is to say: It is true—and spiritual science confirms this—that, as Fichte says, the spiritual world is always around us and that we can also find our way into it. Why does this spiritual world not always appear to the human soul in the same way as the physical world? Because what the aspiring spiritual researcher may experience through encounters such as those just described causes fear to arise in the soul—because this fear is within the soul; and this fear is a good remedy against an immature intrusion into the spiritual world. It is always there, in the souls—this fear—but it does not manifest as fear; rather, it manifests in the fact that people simply lose heart in the efforts they could make to enter the spiritual world. They seem to become indifferent; they are no longer interested in continuing the exercises; but in truth, it is fear that they do not feel, because they do not perceive it as fear. One can even say that spiritual research proves with certainty where humanity’s materialistic mindset actually comes from. After all, there are materialistically minded souls in our time who say either that one cannot speak of a spiritual world, or that one should not concern oneself with it because human cognitive faculties are directed solely toward the sensory world. They also say that it is unscientific to speak of a life in the spirit. Yes, such people—who are now elegantly called “monists,” though they used to be called “materialists”—consider themselves particularly scientific when they completely reject the spiritual world, when they say that science has nothing to do with the spiritual world. Certainly, it is not exactly easy to find followers among these people—who are, I might say, die-hard monists—when one speaks the truth about these facts, but this truth is, after all, the truth. It is not logical reasons, nor anything that can be proven, that keep the soul captive to materialism or monism, but rather a fear that people do not recognize as fear, a fear they do not admit to themselves. It gives rise to notions such as the idea that it is unscientific to acknowledge the spiritual world. The one who sees through these things knows that souls gather in materialist assemblies because the fear of the spiritual world reigns within them all. It is not pleasant to tell people that they are, at heart, souls driven by fear, that they cloak this fear in a semblance of logic, as if they could prove that only the facts of the physical world are valid.

[ 19 ] Damit hätten wir auf die Hindernisse hingedeutet, die die Seele abhalten, einzudringen in die geistige Welt, in die sie mit ihrer wahren Wesenheit gehört.

[ 19 ] We have thus pointed out the obstacles that prevent the soul from entering the spiritual world, where it belongs by virtue of its true nature.

[ 20 ] Zu den charakterisierten Übungen müssen nun andere treten, aber nicht so, dass die Seele die eine mit der anderen verbindet, sondern abwechselnd. Wie das Pendel einer Uhr abwechselnd nach der einen und der anderen Seite geht und nicht zugleich nach beiden Seiten, so kann die Seele nicht verschiedene Übungen zu gleicher Zeit machen, aber abwechselnd soll sie sie machen, dann unterstützen sie einander.

[ 20 ] The exercises already described must now be supplemented by others, but not in such a way that the soul combines one with the other, but rather alternately. Just as the pendulum of a clock swings alternately to one side and then the other—and not to both sides at the same time—so the soul cannot perform different exercises at the same time, but should perform them alternately; then they will support one another.

[ 21 ] Wir haben gesprochen von einer Steigerung der Aufmerksamkeit. Etwas anderes noch, was auch zwischen den Zeilen des Lebens vorhanden ist, können wir ins Unbegrenzte steigern; das ist das, was wir die Hingabe nennen – Hingabe, wie wir sie erleben, wenn wir so recht vollständig von irgendetwas in Anspruch genommen werden, wo wir alles andere, was um uns ist, vergessen und einzig mit dem nur leben, das uns diese Hingabe abfordert. Passiv müssen wir uns hingeben, während wir bei der Aufmerksamkeit aktiv sein müssen. Aber diese Hingabe, sie muss gewissermaßen eine universelle werden, wenn wir zum Geistesforscher werden wollen. Es muss sich dies so vollziehen, dass wir wieder eine Seelenstimmung entwickeln, die dem Schlafe gleicht, ihm aber doch entgegengesetzt ist. Aller Wille ruht, selbst jener Wille, der sich in der geringsten Regsamkeit der Glieder ausspricht. Alles willkürliche Denken ruht – das Wahrnehmen ruht –, aber wach ist die Seele und wach ist sie so, dass sie ganz hingegeben ist an den Strom des Daseins, dass sie jene Stimmung in absoluter Ruhe entwickle, die vielleicht der Religiöse kennt, wenn er so recht innig fromm im Gebete ist, aber selbst an den Inhalt eines Gebetes gibt man sich in der Geistesforschung nicht hin – er würde die Seele in eine bestimmte Stimmung versetzen —, sondern, ich möchte sagen, bloß hingegeben sein mit seinem ganzen Wesen an die ewige Macht des Daseins, das bewirkt in der Seele, dass andere Kräfte als die bloßen Denkkräfte aus der Seele heraufgetragen werden. So will ich gleich eine zweite Kraft charakterisieren, die wir aus dem Umkreis des seelischen Erlebens herausholen können. Wenn ich so zu Ihnen spreche, entwickle ich meine Worte dadurch, dass meine Gedanken im Gehirn lenken, dass sie ergreifen das Sprachorgan. Mit physischen Organen drücke ich dasjenige aus, was ich zu Ihnen sagen will. Gerade so, wie man durch Konzentration die Denkkraft von dem physischen Gehirnorgan emanzipieren kann, so kann man die Kraft, die im gewöhnlichen Leben in die Sprachorgane sich hineinergießt, von dem Sprachorgan losreißen, auch vom Gehirn, und sie bloß seelisch entwickeln in vollständiger äußerer, ich möchte sagen, Stummheit. Wenn man das, was sonst in das Sprechen ausfließt, in der Seele behält, nur innerlich entwickelt, wird rege das unausgesprochene innere Wort, das Wort, das man nicht mit einem physischen Organ hören kann, das Wort, das man innerlich, durch inneres Zuhören gegenüber dem eigenen Selbst hört. Und dieses Wort, dieses stumme, aber darum umso deutlicher geistig sprechende Wort, zu dem gelangt man durch Emanzipation der Sprachkraft von dem physischen Sprachorgan — dieses innere Wort, in das ergießt sich das, was man «geistige Außenwelt» nennen kann. So wie man in der physischen Welt umgeben ist von Wesenheiten des Mineral-, Pflanzen-, Tier- und Menschenreiches, so gelangt man, wenn man die Denkkraft und die Sprachkraft vom Leibe loslöst, in seelisch-geistigem innerlichen Erleben in eine Welt hinein, in der man umgeben ist von geistigen Wesenheiten, geistigen Kräften und Vorgängen.

[ 21 ] We have spoken of an increase in awareness. There is something else, too, that exists between the lines of life, which we can increase to infinite proportions; that is what we call devotion—devotion as we experience it when we are so completely absorbed by something that we forget everything else around us and live solely for that which demands our devotion. We must surrender passively, whereas with attention we must be active. But this devotion must, in a sense, become universal if we are to become spiritual researchers. This must take place in such a way that we once again develop a state of mind that resembles sleep, yet is its opposite. All will is at rest, even that will which expresses itself in the slightest movement of the limbs. All arbitrary thinking is at rest—perception is at rest—but the soul is awake, and it is awake in such a way that it is wholly surrendered to the flow of existence, so that it develops that state of absolute stillness which the religious person perhaps knows when he is deeply and devoutly engaged in prayer; but in spiritual research, one does not even surrender to the content of a prayer —for that would put the soul into a specific state of mind—but, I would say, simply to be wholly surrendered with one’s entire being to the eternal power of existence, which causes forces other than mere powers of thought to rise up from within the soul. So I will now characterize a second force that we can draw from the realm of soul experience. When I speak to you in this way, I form my words by directing my thoughts in the brain so that they take hold of the speech organ. I use physical organs to express what I wish to say to you. Just as one can, through concentration, emancipate the power of thought from the physical organ of the brain, so one can tear away from the speech organs—and indeed from the brain—the power that in ordinary life pours into them, and develop it purely in the soul in a state of complete outward, I might say, silence. When one retains within the soul what would otherwise flow into speech, developing it only inwardly, the unspoken inner word becomes alive—the word that cannot be heard with a physical organ, the word that one hears inwardly, through inner listening to one’s own self. And this word—this silent word, which speaks all the more clearly in a spiritual sense—is attained through the emancipation of the power of speech from the physical organ of speech; into this inner word pours what one might call the “spiritual outer world.” Just as one is surrounded in the physical world by beings of the mineral, plant, animal, and human kingdoms, so too, when one detaches the power of thought and the power of speech from the body, one enters—through a soul-spiritual inner experience—into a world in which one is surrounded by spiritual beings, spiritual forces, and spiritual processes.

[ 22 ] Von dieser Welt zu sprechen wird einem sozusagen ja heute noch nicht so recht verziehen; einzelne Philosophen erlauben einem zwar ja heute schon, von einer geistigen Welt im Allgemeinen zu sprechen, weil sie den Widersinn der Ableugnung einer solchen schon einsehen, aber sie sagen: Hinter der Sinneswelt ist eine geistige Welt. – Und gewisse Geister dünken sich schon hoch zu stehen, wenn sie einem sogenannten «Pantheismus» huldigen. Für denjenigen, der die Dinge durchschaut, ist das nicht mehr wert als jener Pannaturalist, der da sagen würde, wenn er über eine Wiese geht: Was interessieren mich gelbe oder rote Blumen, diese Wälder, jene Berge und Täler und Flüsse – es ist alles Natur, Natur, Natur. Es interessiert mich nicht, dass es einzelne physische Vorgänge gibt, die man beobachten kann. – Gerade wie ein solcher Mensch im Pannaturalismus nur alles Natur nennen wollte, so steht derjenige, der nur gestatten will, dass man im pantheistischen Sinne, in pantheistischer Weise von Geist spricht, der geistigen Welt gegenüber. Dem steht die wahre Geistesforschung gegenüber, die wirklich das Seelisch-Geistige vom Physisch-Leiblichen abtrennt, wie der Wasserstoff verschieden ist vom Wasser. Diese Geisteswissenschaft gelangt in die geistige Welt so, dass sie unterscheidet die einzelnen konkreten Vorgänge und Wesenheiten der geistigen Welt, von der wir sagen müssen: So, wie wir hier in der physischen Welt als Menschen stehen und auf Wesen des Mineral-, des Pflanzen-, Tier- und Menschenreiches schauen, so stehen wir durch Geistesforschung der geistigen Welt gegenüber; da sind wir aber jetzt nicht mehr auf der höchsten Stufe, sondern auf der untersten, und über uns beginnt, wie unsere Seele selbst sich als geistiges Wesen in die geistige Welt hineinlebt, die Hierarchie der übergeordneten Geister. Man steigt hinauf zu der Stufenfolge der geistigen Wesenheiten, der wir angehören mit dem Seelisch-Geistigen, wie wir angehören dem physisch-mineralischen Reiche durch den physischen Leib.

[ 22 ] Even today, one is not really forgiven, so to speak, for speaking of this world; although some philosophers already allow one to speak of a spiritual world in general—because they already recognize the absurdity of denying such a world—they say: Behind the sensory world lies a spiritual world. – And certain intellectuals already consider themselves superior when they espouse so-called “pantheism.” To those who see through these things, this is no better than the pan-naturalist who, walking across a meadow, would say: What do I care about yellow or red flowers, these forests, those mountains and valleys and rivers—it’s all nature, nature, nature. I am not interested in the fact that there are individual physical processes that can be observed. – Just as such a person, in pannenaturalism, would call everything merely “nature,” so too does the one who is willing only to permit speaking of the spirit in a pantheistic sense, in a pantheistic manner, stand opposed to the spiritual world. This stands in contrast to true spiritual science, which truly separates the soul-spiritual from the physical-bodily, just as hydrogen is distinct from water. This spiritual science enters the spiritual world in such a way that it distinguishes the individual concrete processes and entities of the spiritual world, of which we must say: Just as we stand here in the physical world as human beings and look upon beings of the mineral, plant, animal, and human kingdoms, so do we face the spiritual world through spiritual research; there, however, we are no longer on the highest level, but on the lowest, and above us, as our own soul lives itself into the spiritual world as a spiritual being, begins the hierarchy of higher spirits. One ascends to the hierarchy of spiritual beings to which we belong through the soul-spiritual, just as we belong to the physical-mineral kingdom through the physical body.

[ 23 ] Und vor allen Dingen gelangt man dazu, sehr verehrte Anwesende, wenn man die Sprachkraft emanzipiert, wenn man das, was sonst sich ausgießt in die körperlichen Sprachorgane und dadurch mit dem Leibe sich verbindet, wenn man das innerlich erhält, dann gelangt man dazu, zu erweitern dasjenige, was man «Erinnerung» im gewöhnlichen Leben nennen kann. Wie sie sich in der Seele so zeigt, dass wir zurückblicken auf die Erlebnisse des Daseins bis zu der Zeit, bis zu der wir uns zurückerinnern können, wie da die Erlebnisse heraufsteigen in Form von Bildern und Gedanken des Vergangenen aus Untergründen der Seele, so kommt, wenn die Seele fortschreitet wie geschildert, auch die Zeit, wo aus unbestimmten Untergründen der Seele Vorstellungen heraufsteigen, die nicht solche sind, die ausdrücken, was wir erlebt haben in diesem Leben, sondern die hinausführen aus dieser Welt in eine rein geistige Welt, und es erweitert sich die Seelenkraft der Erinnerung so, dass diese unsere Seele wirklich einen Sinn mit den Worten verbindet: Ich war, bevor ich geboren oder empfangen worden bin von der physischen Materie durch meine Eltern, in einer geistigen Welt; ich habe dort Erlebnisse durchgemacht und ich war weiter zurück in vorhergehenden Erdenleben und ich werde, wenn ich durch die Pforte des Todes schreite, durch eine geistige Welt schreiten; und das, was ich mir in diesem Leben entwickle, ist der Keim zu den folgenden Erdenleben, die ich mit derselben Sicherheit durchleben werde, wie ich dieses Erdenleben durchlebe. – Als eine Tatsache des inneren Erlebens, als Ergebnis des Suchens nach ihrer wahren Wesenheit findet die Seele die wiederholten Erdenleben und die dazwischen liegenden Daseinsformen zwischen Tod und neuer Geburt. Als eine innerliche Tatsache findet die Seele dieses.

[ 23 ] And above all, esteemed audience, one arrives at this by emancipating the power of speech; by retaining inwardly that which otherwise pours out through the physical organs of speech and is thereby connected to the body—then one arrives at expanding what we might call “memory” in ordinary life. Just as it manifests in the soul in such a way that we look back on the experiences of our existence as far back as we can remember—as those experiences rise up in the form of images and thoughts of the past from the depths of the soul— so, as the soul progresses as described, the time also comes when images rise from the indefinite depths of the soul—not those that express what we have experienced in this life, but those that lead us out of this world into a purely spiritual world—and the soul’s power of memory expands to such an extent that our soul truly connects a meaning to the words: Before I was born or conceived from physical matter through my parents, I was in a spiritual world; I had experiences there, and I existed even further back in previous earthly lives, and when I pass through the gate of death, I will pass through a spiritual world; and what I develop in this life is the seed for the following earthly lives, which I will live through with the same certainty as I am living through this earthly life. – As a fact of inner experience, as a result of the search for its true nature, the soul discovers the repeated earthly lives and the forms of existence in between, between death and new birth. The soul discovers this as an inner fact.

[ 24 ] Man kann das innere Erleben, das man hat, wenn man die Denkkraft losgelöst hat, vergleichen mit einem inneren, rein seelischen Mienenspiel. Denn so passiv, wie wir mit unseren Sinnen der äußeren Welt gegenüberstehen, können wir der geistigen Welt nicht gegenübertreten. In dem Augenblick, wo wir uns mit der Denkkraft außerhalb des Leibes erleben, muss sie immer in Tätigkeit erhalten werden. Das ist der Unterschied des geistigen Wahrnehmens vom physischen Wahrnehmen. Im physischen Wahrnehmen können wir denken und uns dem Denken hingeben; sobald wir in die geistige Welt mit der emanzipierten Denkkraft hineintreten, müssen wir immer aktiv sein; wir müssen hinüberschlüpfen in die geistigen Wesenheiten, die wir wahrnehmen wollen. Wir müssen immer tätig sein. Wenn wir aufhören, tätig zu sein, hört auch das geistige Wahrnehmen auf. Man kann dieses Wahrnehmen ein inneres Mienenspiel nennen. Man muss immer, willkürlich, das ausdrücken, was die Wahrnehmung ist, was man von dem anderen Wesen dadurch wissen kann, dass man das eigene emanzipierte Denken anpasst den Vorgängen und Wesenheiten, die man wahrnimmt.

[ 24 ] The inner experience one has when one has detached the power of thought can be compared to an inner, purely spiritual play of expressions. For just as passively as we face the external world with our senses, we cannot face the spiritual world. The moment we experience ourselves outside the body through the power of thought, that power must always be kept active. This is the difference between spiritual perception and physical perception. In physical perception, we can think and give ourselves over to thinking; as soon as we enter the spiritual world with our emancipated power of thought, we must always be active; we must slip into the spiritual beings we wish to perceive. We must always be active. If we cease to be active, spiritual perception also ceases. One might call this perception an inner play of expressions. One must always, at will, express what perception is—what one can learn about the other being by adapting one’s own emancipated thinking to the processes and beings one perceives.

[ 25 ] So kann das emanzipierte Sprechen, das Leben im inneren Wort, genannt werden eine innere Gebärde, eine innere Geste. So, wie man im äußeren Leben, wenn man lebendig in einer Sache darinnen steht, Gesten braucht — manchmal zu viel, wie ich beim Vortrage –, dann drückt man in Tätigkeit dasjenige aus, was man erlebt; wie man so im physischen Leben in der Geste in Bewegung ist und dadurch ausdrückt, was in einem ist, so muss man bei dem Emanzipieren der Sprachkraft, beim Übergehen in die geistige Welt und in die Vorgänge der geistigen Welt das, was den anderen Wesen gehört, durch innerliche Geste zum Ausdruck bringen. Daraus ersehen Sie den großen Unterschied des wirklichen geistigen Erkennens zum sinnlichen Erkennen. Das sinnliche Erkennen ist passiv, das geistige Erkennen ist aktiv.

[ 25 ] Thus, emancipated speech—life in the inner word—can be called an inner gesture, an inner sign. Just as in external life, when one is fully engaged in a matter, one needs gestures—sometimes too many, as I do during a lecture—one expresses through action what one is experiencing; just as in physical life one is in motion through gestures and thereby expresses what is within oneself, so too, in the emancipation of the power of speech, in the transition into the spiritual world and into the processes of the spiritual world, one must express through inner gesture that which belongs to other beings. From this you can see the great difference between true spiritual knowledge and sensory perception. Sensory perception is passive; spiritual knowledge is active.

[ 26 ] Wenn man nun die Übungen immer weiter fortsetzt, dann kommt man noch zu etwas anderem. Hinweisen will ich, um das auszudrücken, was ich klarmachen will, auf die Entwicklung des Kindes. Der Mensch kommt ja – das lässt sich auch naturwissenschaftlich begründen – in das physische Leben so hinein, dass er sich die Richte- und Lagekraft für das äußere Leben erst erwerben muss. Das Tier kommt in einer anderen Weise in das physische Leben; die Gründe dagegen sind nur Scheingründe. Der Mensch kommt herein in das Leben so, dass er zuerst ein kriechendes unbehilfliches Wesen ist und sich die Richtekraft erst aneignen muss. Und bedeutsame Geister haben immer darauf hingewiesen, was es für den Menschen bedeutet, dass er aufrecht dasteht und in Himmelsweiten zu schauen vermag. Das erwirbt sich der Mensch in der Kindheit. Da werden die Kräfte in ihm wach, durch die er dieses aufrechte Wesen werden kann. Da gibt er seinem ganzen Leibe die äußere Physiognomie; das, was er als Geist ist, das steckt er in seinen Leib hinein, der ihm durch die Vererbungsfolge gegeben wird; der Geist richtet diesen Leib auf durch Kräfte, die beim Menschen dem Geiste eigen sind – das lässt sich auch naturwissenschaftlich erweisen, doch würde das heute zu weit führen –, die nicht bloß Kräfte des Leibes sind, sondern im GeistigSeelischen stecken, den Leib durchdringen und ihm die aufrechte Richtung geben. Das, was wir da in den Leib anlegen in der ersten Kindheit, was wir hineingießen in den Leib, damit wir ein aufrechtes Wesen werden, das können wir auch von dem Leibe emanzipieren, wie wir die Denk- und Sprachkraft emanzipieren. Das ist allerdings am schwierigsten zu verrichten, aber man erlangt allmählich die Möglichkeit, wirklich dasjenige, was dem Menschen in der Kindheit die Richtung gibt, herauszuholen aus dem Leibe, sodass man außerhalb des Leibes sich jede beliebige Richtung geben kann. Namentlich kann man kennenlernen den großen Unterschied zwischen Hinauf und Hinunter; nicht räumliche Richtungen sind das, sondern die Richtung hinauf ist ein inneres Erlebnis. Hat man die Aufrichtekraft vom Leibe emanzipiert, so hebt sich in der Seele dann etwas hinaus, außerhalb seines Leibes, was die Seele tief moralisch erlebt, etwas, wovon sie sagen kann: Es ist wie ein der Schwerkraft Entgegenarbeiten. Es ist aber nicht richtungsgemäß, nicht räumlich gemeint, sondern, was die Seele erlebt, kann man etwa so ausdrücken: Die Seele fühlt sich, indem sie dieses «Hinauf» erlebt, immer einsamer und einsamer. Und man macht dann, indem man dies in der Seele wirklich erlebt, alle jene Stimmungen durch, die eben durchgemacht werden können unter dem Eindruck, immer mehr und mehr allein zu sein. So allein zu sein, dass man weiß: Außerhalb deiner ist eine Welt, aber du nimmst jetzt auch geistig nichts von dieser Welt wahr. Du entschwindest gleichsam dieser Welt und bist immer mehr und mehr in dir. – So weit geht das, dass, wenn die Seele nicht in der Art gestimmt wird für diese Einsamkeit, wie Sie es in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» nachlesen können, diese Einsamkeit so über den Menschen kommt, dass er eine ganze Welt in sich fühlt, dass er immer mehr und mehr nur sich fühlt im Aufsteigen gleichsam, und die Welt ihm wie entsinkt. Diese Stimmung, wo allerdings die Seele eine Welt in sich fühlt, kann wiederum mit Furcht vor sich selbst verbunden sein, dass man nun durchmacht alle tragischen und alle beseligenden Konflikte, dass man gewahr wird, was alles in dem Untergrund einer Menschenseele ist.

[ 26 ] If one continues with the exercises, one eventually arrives at something else. To express what I wish to make clear, I would like to refer to the development of the child. Human beings—and this can also be substantiated scientifically—enter physical life in such a way that they must first acquire the power of orientation and positioning for external life. Animals enter physical life in a different way; the arguments against this are merely spurious. Human beings enter life in such a way that they are at first crawling, helpless beings who must first acquire the power of orientation. And significant thinkers have always pointed out what it means for human beings to stand upright and be able to gaze into the vastness of the heavens. Human beings acquire this in childhood. That is when the forces within him awaken, through which he can become this upright being. That is when he gives his entire body its outward form; what he is as a spirit, he instills into his body, which is given to him through the process of heredity; the spirit erects this body through forces that are unique to the spirit in human beings—this can also be proven scientifically, though that would take us too far afield today—forces that are not merely physical, but lie within the spiritual-soul realm, permeate the body, and give it its upright orientation. What we instill in the body in early childhood—what we pour into the body so that we may become upright beings—we can also emancipate from the body, just as we emancipate the powers of thought and speech. This is, admittedly, the most difficult thing to accomplish, but one gradually gains the ability to truly extract from the body that which gives a person direction in childhood, so that one can give oneself any direction one wishes outside the body. In particular, one can come to know the great difference between “up” and “down”; these are not spatial directions, but the direction “up” is an inner experience. Once one has emancipated the upward-striving force from the body, something then rises up in the soul, outside of the body, which the soul experiences profoundly on a moral level—something about which it can say: It is like working against gravity. However, this is not meant in a directional or spatial sense; rather, what the soul experiences can be expressed something like this: As the soul experiences this “upward movement,” it feels increasingly lonely. And then, by truly experiencing this within the soul, one goes through all those states of mind that can be experienced under the impression of being more and more alone. To be so alone that one knows: There is a world outside of you, but you now perceive nothing of this world, even spiritually. You vanish, as it were, from this world and are more and more within yourself. – It goes so far that, if the soul is not attuned to this solitude in the manner described in the book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*, this solitude overwhelms the person to such an extent that they feel a whole world within themselves, that they feel, as it were, more and more only themselves as they ascend, while the world seems to sink away from them. This state of mind, in which the soul does indeed feel a world within itself, can in turn be linked to a fear of oneself—that one is now experiencing all the tragic and all the blissful conflicts, that one becomes aware of everything that lies in the depths of the human soul.

[ 27 ] Die Geistesforschung kann feststellen, dass die Seele zwischen dem Tod und einer neuen Geburt in der rein geistigen Welt immer wieder in solchen Stimmungen lebt, abwechselnd mit den anderen Stimmungen, die ich gleich schildern werde. Und der Moment, der unmittelbar in der Mitte zwischen Tod und neuer Geburt eintritt — ich habe mir erlaubt, ihn in dem Mysteriendrama «Der Seelen Erwachen» «die geistige Mitternachtsstunde des Daseins» zu nennen, weil da die Seele in der Tat mitten zwischen den Seligkeiten des geistigen Lebens vor der nächsten Geburt einen Augenblick durchmacht, wo sie ganz nur bei sich ist, nur sich erlebt, aber recht bange werden kann in dem Bewusstsein: Um dich ist eine Welt, aber sie ist außerhalb deines Bewusstseins, du weißt nichts von ihr; eine Welt, ja Welten steigen auf aus der eigenen Innern. Mit diesen Welten bist du in Einsamkeit beisammen.

[ 27 ] Spiritual research has found that, between death and a new birth, the soul repeatedly experiences such states of mind in the purely spiritual world, alternating with the other states of mind that I will describe shortly. And the moment that occurs exactly midway between death and a new birth—I have taken the liberty of calling it, in the Mystery Drama *The Awakening of the Soul*, “the spiritual midnight hour of existence,” because there, in the midst of the bliss of spiritual life before the next birth, the soul indeed experiences a moment when it is entirely within itself, experiencing only itself, yet can become quite anxious in the realization: There is a world around you, but it lies outside your consciousness; you know nothing of it; a world—indeed, worlds—arise from your own inner being. With these worlds, you are alone.

[ 28 ] Der Geistesforscher lernt sie kennen, diese Stimmung. Und er lernt kennen eine andere, die man mit einem «Hinunter» bezeichnen kann, die Stimmung, wo die Seele fühlt, wie wenn sie sozusagen ihr eigenes Seelen licht ausstrahlte. Wie wir im physischen Leben dadurch dass die Sonne die Dinge bescheint, die Dinge sehen und wahrnehmen, so müssen wir in der geistigen Welt das Geisteslicht selbst über die Dinge strömen lassen. Und die Momente der Einsamkeit strömen dann in uns ein wenn wir erlahmen, die innere Sonne leuchten zu lassen. Wenn das Licht der inneren Sonne leuchtet, dann breiten wir uns gleichsam über die Welt der anderen Wesen aus. Das, was man «geistige Geselligkeit», «geistiges Zusammensein» nennen könnte mit den Seelen, die vor oder nach uns dahingestorben sind, mit denen wir zusammen gelebt haben, oder denen, die auf der Erde sind – denn vom Geisterland aus nehmen wir wahr die Seelen, die noch auf der Erde verkörpert sind –, dieser Zustand, geistig-seelisch wahrzunehmen, darin zu leben, der wechselt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt ab mit dem Zustand der Einsamkeit. Mit derselben Regelmäßigkeit wechseln die beiden Zustände ab, wie Tag und Nacht für unser physisches Leben abwechseln. So erwirbt man sich die Fähigkeit, sich gleichsam vereinsamt, aber mit einer inneren Welt zu fühlen, sich ausgegossen zu fühlen über die geistige Welt und ihre Wesenheiten und Vorgänge. Aber noch andere Kräfte, die mit rechts und links, vorne und hinten sich vergleichen lassen, lernt man kennen. Dadurch aber, dass man sich in diese Kräfte einlebt, dass die Seele diese Kräfte, von denen man im gewöhnlichen Leben nichts weiß, sondern die im Unterbewussten zustande kommen, wenn die Seele sich die erste Physiognomie für die Welt gibt, wenn man alle diese Kräfte, von denen die Aufrichtekraft die eine ist, entwickelt, dann erlangt man die Fähigkeit, weiter sich hineinzuleben in die geistige Welt, in die Welt der geistigen Wesenheiten, die um uns sind, dann kommen wir ganz aus uns heraus. Wir schauen unseren Leib außer uns und wir können eingehen in die anderen geistigen Wesenheiten, wir können ihre Physiognomie annehmen. Denn während wir hier die erste Physiognomie, unseren aufrechten Gang, ausbilden, müssen wir in der geistigen Welt die innere Konstitution der geistigen Wesen annehmen. So verbindet sich gleichsam die Seele mit der Welt, in der ihre geistige Wesenheit wirklich wurzelt.

[ 28 ] The spiritual researcher becomes acquainted with this state of mind. And he becomes acquainted with another one, which can be described as a “descending” state—the state in which the soul feels as if it were, so to speak, radiating its own soul light. Just as in physical life we see and perceive things because the sun shines upon them, so too in the spiritual world we must allow the light of the spirit itself to stream over things. And moments of loneliness then flow into us when we grow weary of letting the inner sun shine. When the light of the inner sun shines, we spread out, as it were, over the world of other beings. What one might call “spiritual fellowship” or “spiritual togetherness” with the souls who have passed away before or after us, with those with whom we lived together, or with those who are on Earth—for from the spirit realm we perceive the souls who are still incarnated on Earth— this state—of perceiving spiritually and soulfully, of living within it—alternates between death and a new birth with the state of solitude. These two states alternate with the same regularity as day and night alternate in our physical life. In this way, one acquires the ability to feel, as it were, isolated yet connected to an inner world, to feel immersed in the spiritual world and its beings and processes. But one also comes to know other forces that can be compared to right and left, front and back. But by immersing oneself in these forces—by allowing the soul to develop these forces, of which one knows nothing in ordinary life but which arise in the subconscious when the soul forms its first perception of the world—and by developing all these forces, of which the uplifting force is one, one then attains the ability to to delve even further into the spiritual world, into the world of the spiritual beings that surround us; then we step completely out of ourselves. We view our body as external to ourselves and can enter into the other spiritual beings; we can assume their form. For just as we develop our first form here—our upright gait—so must we assume the inner constitution of the spiritual beings in the spiritual world. In this way, the soul connects, as it were, with the world in which its spiritual being is truly rooted.

[ 29 ] Das alles, was ich versuchte darzustellen, es ist wirklich – ich muss es etwas trivial ausdrücken – eine Art geistiger Chemie. Die Seele wird frei vom PhysischLeiblichen und geht eine neue Verbindung ein, wie der Wasserstoff, wenn er aus dem Wasser herausgenommen wird. Diese neue Verbindung, das ist die Verbindung mit der Welt, in der eigentlich die Seele als in ihrer wahren Heimat wurzelt. Natürlich kann nun jemand sagen: Nun ja, dann ist es ja nur der Geistesforscher, der etwas von der geistigen Welt wissen kann! Man müsste also ein Geistesforscher werden, um wirklich in diese geistige Welt sich einzuleben. — So ist es nicht, sehr verehrte Anwesende. Geradeso wenig, wie man ein Maler zu sein braucht, um ein Bild zu verstehen, das ein Maler gemacht hat, geradeso wenig braucht man ein Geistesforscher zu sein, um dasjenige begreiflich und verständlich zu finden, was der Geistesforscher erkundet. Obwohl, wie Sie aus meinen Büchern entnehmen können, es in unserer Zeit einem jeden Menschen möglich ist, bis zu einem gewissen Grad ein Geistesforscher zu werden, man braucht es nicht zu werden. Ein Maler muss man sein, wenn man Bilder malen will; ein Geistesforscher muss man sein, um in die geistige Welt einzudringen; wird aber das, was in dieser geistigen Welt erkundet wird, geschildert, gelingt es wirklich, die richtigen Worte in der physischen Welt für diese geistige Welt zu finden, dann kann dasjenige, was der Geistesforscher zu sagen hat, von jeder Seele verstanden werden. Und dann ist wahrhaftig dasjenige, was der Geistesforscher zu sagen hat, nicht so wie irgendeine andere Lehre Theorie, sondern es verhält sich ganz anders zum Leben. Man kann sagen: Nicht, einmal das nur gilt, dass man zwar selbst Chemiker sein muss, um chemische Vorgänge zu untersuchen, aber nicht, um das zu verstehen, was der Chemiker erforscht hat; sondern, wie man nicht selbst den Acker zu bebauen braucht und doch davon lebt, wie man nicht zu wissen braucht, was da alles zu geschehen hat zur Gewinnung der Nahrungsmittel, und nicht die Arbeit selbst tun muss, und doch den Genuss der Nahrungsmittel hat, so dringt das, was der Geistesforscher zu sagen hat – wenn es in der Wahrheit wurzelt, was der Geistesforscher sagt –, zu einer in jeder Seele vorhandenen, wirklich in jeder Seele vorhandenen geheimnisvollen Sprache. Diese Sprache ist in jeder Seele vorhanden. Und wenn heute noch viele Menschen glauben, es sei absurd, es sei wahnwitzig, was der Geistesforscher sagt, so ist es nur deshalb, weil sich diese Menschen nicht Urteilsfähigkeit, sondern Vorurteile angeeignet haben. Wird man einmal wirklich die Bedeutung auch der äußeren Wissenschaft richtig erkennen, dann werden diese Vorurteile verschwinden, und dann werden diese geheimnisvollen Verständniskräfte, die in den Seelen heute schon vorhanden sind, sich hervordrängen, und man wird Geisteswissenschaft verstehen, weil sie geheime Saiten in der menschlichen Seele anschlägt, die ertönen müssen, so wahr ertönen müssen, wie unsere Geschmacksnerven den Geschmack entwickeln, wenn Nahrungsmittel darauf gebracht werden.

[ 29 ] Everything I have tried to describe is really—I must put it somewhat trivially—a kind of spiritual chemistry. The soul is freed from the physical body and enters into a new connection, just as hydrogen does when it is removed from water. This new connection is the connection with the world in which the soul is actually rooted as in its true home. Of course, someone might now say: Well, then it is only the spiritual researcher who can know anything about the spiritual world! So one would have to become a spiritual researcher to truly settle into this spiritual world. — That is not the case, dear friends. Just as one does not need to be a painter to understand a painting created by a painter, so too does one not need to be a spiritual researcher to find what the spiritual researcher explores comprehensible and understandable. Although, as you can see from my books, it is possible for anyone in our time to become a spiritual researcher to a certain extent, one does not need to become one. One must be a painter if one wants to paint pictures; one must be a spiritual researcher to penetrate the spiritual world; but if what is explored in this spiritual world is described—and if one truly succeeds in finding the right words in the physical world to express this spiritual world—then what the spiritual researcher has to say can be understood by every soul. And then what the spiritual researcher has to say is truly not like any other doctrine or theory, but relates to life in an entirely different way. One might say: It is not merely the case that, while one must be a chemist oneself to investigate chemical processes, one need not be one to understand what the chemist has discovered; rather, just as one need not cultivate the field oneself and yet lives off it, just as one need not know everything that must happen to produce food, and need not do the work oneself, yet still enjoy the food—so what the spiritual researcher has to say—if what the spiritual researcher says is rooted in truth—penetrates a mysterious language present in every soul, truly present in every soul. This language is present in every soul. And if many people today still believe that what the spiritual researcher says is absurd or insane, it is only because these people have acquired prejudices rather than the ability to judge. Once the significance of even the external sciences is truly recognized, these prejudices will disappear, and then these mysterious powers of understanding, which are already present in souls today, will come to the fore, and people will understand spiritual science because it strikes secret chords in the human soul that must resound—just as surely as our taste buds develop the sense of taste when food is placed upon them.

[ 30 ] Die Zeit wird kommen, sehr verehrte Anwesende, wo man nicht mehr über Geisteswissenschaft sprechen wird wie heute, sondern wo die Worte der Geisteslehrer [so] erklingen werden, dass die Seelen sie aufnehmen, auch wenn sie nicht Geistesforscher sind. Wie man die Früchte des Ackers genießt, ohne ihn selbst zu bebauen, wie man das Korn genießt, ohne die Mühle selbst zu treiben, so wird man, was zur Seele gehört, geistig «ersaugen», geistig «erschmecken» durch die Geisteswissenschaft. Die Zeit wird kommen, wenn wir auch heute noch weit entfernt davon sind, wo die in jeder Seele lebende geheimnisvolle Sprache in der Seele rege werden wird, sodass der Geistesforscher nicht mehr ein Prediger in der Wüste sein wird, sondern wo er so zu den Leuten wird sprechen können, dass die Leute sagen: Das, was er sagt, der Geistesforscher, das ruft ja nur dasjenige hervor, was in allen Seelen ohnedies sitzt. – Dann aber wird die Zeit da sein, wo man wissen wird, dass es eine Erkenntnis über die geistige Welt gibt, die nicht nur so sicher ist wie die Naturwissenschaft, sondern viel, viel sicherer; und bewahrheiten wird sich echt wissenschaftlich, was Fichte geahnt hat: Man kann leben nicht nur nach dem Tode in einer geistigen Welt, sondern schon hier in der physischen Welt kann man in der geistigen Welt leben und sie verstehen, ja, wahrer leben in der geistigen Welt als in der physischen Welt. – Verstehen wird man, dass das physische Dasein gerade dadurch seinen Wert, seine Sicherheit, seine Bewahrheitung erhält, dass man versteht, wie die Seele ihre wahre Wesenheit in der geistigen Welt findet.

[ 30 ] The time will come, dear friends, when people will no longer speak of spiritual science as they do today, but when the words of the spiritual teachers will resonate in such a way that souls will take them in, even if they are not spiritual researchers. Just as one enjoys the fruits of the field without cultivating it oneself, just as one enjoys the grain without operating the mill oneself, so will one spiritually “absorb” and spiritually “savour” what belongs to the soul through spiritual science. The time will come—even though we are still far from it today—when the mysterious language living within every soul will come alive in the soul, so that the spiritual researcher will no longer be a preacher in the wilderness, but will be able to speak to people in such a way that they say: “What the spiritual researcher says merely brings forth what is already present in all souls.” – But then the time will come when people will know that there is a knowledge of the spiritual world that is not only as certain as natural science, but much, much more certain; and what Fichte intuited will be proven true in a genuinely scientific sense: Not only can one live in a spiritual world after death, but even here in the physical world, one can live in and understand the spiritual world—indeed, live more truly in the spiritual world than in the physical world. – People will come to understand that physical existence derives its value, its security, and its validity precisely from the fact that one understands how the soul finds its true essence in the spiritual world.

[ 31 ] Nur wie in einer Zwischenbemerkung möchte ich erwähnen – ohne mit der Sache zu renommieren, sondern weil sie als Tatsache jetzt schon erwähnt werden darf –, dass doch schon einiges Verständnis vorhanden ist für diese Welt, die sich den Menschen als Wissenschaft vom Geiste erschließen soll als eigentlich göttlich-geistige Welt, in der die Seele in Wahrheit wurzelt. Dass beginnt, ein Verständnis sich zu regen in der Welt, das bezeugt doch die Tatsache, dass mit verhältnismäßig großen Mitteln an einem Punkte der Schweiz, in Dornach bei Basel, nun dieser Wissenschaft schon eine Stätte, wir nennen sie eine «Hochschule für Geisteswissenschaft», erbaut werden kann, eine Stätte, die mehr als aus irgendeinem anderen Grunde erbaut werden soll, damit man auch in Bezug auf den Stil, das Künstlerische, einmal einen Bau habe, der auch in seinen äußeren Formen dasjenige ausdrückt, was in die Seele von göttlich-geistigem Leben hineinfließt, wenn sie ihre wahre Wesenheit ergründet. Er steht schon in seiner Form da, der Bau, muss nur äußerlich und innen vollendet werden, als ein zweikuppeliger Holzbau, und er wird äußerlich, künstlerisch zum Ausdruck bringen das, was Geisteswissenschaft will. Eine Anzahl von Freunden der Geisteswissenschaft hat sich zusammengetan, um die immerhin nicht ganz geringen Mittel zu diesem Bau aufzubringen. Wünschenswert wäre es nur, dass man diesen Bau nicht so verstehen würde, wie es ein eben in Paris erschienener Zeitungsartikel, der durch alle Welt geht, schildert, sondern dass er verstanden werde als eine erste Stätte, die der Wissenschaft des Geistes, der Wissenschaft von dem göttlichen Ursprung der Seele, der Wissenschaft von der Seele wahrer Wesenheit, gewidmet wird, so wie der Geistesforscher nach seiner Erkenntnis glauben muss, dass diese Wissenschaft heute schon ersehnt wird von den Seelen, von zahlreichen Seelen, die es noch nicht wissen, die sie aber doch ersehnen, so wie es immer mehr und mehr ersehnt werden muss und ersehnt werden wird in der Zukunft von der Menschenseele. Man darf mit einer gewissen Befriedigung auch auf dieses äußere Wahrzeichen, den imposanten Bau, den wir aufrichten durften, hinweisen für den Eindruck, der doch durch die Geisteswissenschaft schon auf einzelne Seelen hat gemacht werden können, wenn man auch heute noch Missverständnis auf Missverständnis begegnet, wenn man von dieser Geisteswissenschaft redet.

[ 31 ] Just as an aside, I would like to mention—not to dwell on the matter, but because it may already be stated as a fact—that there is indeed already some understanding of this world, which is to be revealed to humanity through the science of the spirit as a truly divine-spiritual world in which the soul is truly rooted. The fact that an understanding is beginning to take root in the world is evidenced by the fact that, with relatively substantial resources, a site dedicated to this science— we call it a “School of Spiritual Science”—a place that is to be built, more than for any other reason, so that, in terms of style and artistic expression, we may one day have a building that, even in its outward forms, expresses what flows into the soul from divine-spiritual life when it fathoms its true essence. The building already exists in its form; it only needs to be completed both externally and internally as a two-domed wooden structure, and it will artistically express, in its outward appearance, what spiritual science seeks to convey. A number of friends of spiritual science have joined forces to raise the funds—which are by no means insignificant—for this building. It would only be desirable that this building not be understood as described in a newspaper article that has just appeared in Paris—and is now circulating around the world—but rather that it be understood as a first sanctuary dedicated to spiritual science, the science of the divine origin of the soul, the science of the soul as true being—just as the spiritual researcher, based on his insight, must believe that this science is already being longed for today by souls—by numerous souls who do not yet know it, but who nevertheless long for it—just as it must be and will be longed for more and more in the future by the human soul. One may also point with a certain satisfaction to this outward symbol—the imposing building we have been privileged to erect—as evidence of the impression that spiritual science has already been able to make on individual souls, even though one still encounters misunderstanding after misunderstanding today when speaking of this spiritual science.

[ 32 ] Aber auch heute darf ich wohl einen Vergleich aussprechen in Bezug auf die Gesinnung, die den Geistesforscher beseelt, auch wenn er sieht, wie eine Welt von Vorurteilen sich gegen die Geisteswissenschaft auftürmt. Da muss der Geistesforscher denken: Es gab einmal eine Zeit, wo die Menschen hinaufschauten, so weit ihre Augen reichten; da sahen sie das blaue Himmelsgewölbe und sie sagten, indem sie ihren Sinnen vertrauten: Da oben ist das Himmelsgewölbe, da ist der Mond, die Sterne, die Sonne, die wandern an diesem Himmelsgewölbe hin und her. – Dann kam Kopernikus, kam Giordano Bruno, einsam standen sie vor ihren Zeitgenossen da und verkündeten ihnen: Das, was ihr glaubt mit euren Augen zu sehen, das ist nicht im Raum. Dieses blaue Himmelsgewölbe ist das Erzeugnis eures beschränkten Schauvermögens; da ist keine Grenze; in die Unendlichkeit des Raumes hinaus weitet sich die Welt und unendliche Welten sind eingebettet in diese Weiten. Das Firmament macht ihr nur selbst durch die Beschränktheit eures Erkennens.

[ 32 ] But even today, I think I can draw a comparison regarding the spirit that animates the spiritual researcher, even as he sees a world of prejudices piling up against spiritual science. The spiritual researcher must then think: There was once a time when people looked up as far as their eyes could see; there they saw the blue vault of heaven, and trusting their senses, they said: Up there is the vault of heaven; there is the moon, the stars, and the sun, moving back and forth across this vault of heaven. — Then came Copernicus, then came Giordano Bruno; standing alone before their contemporaries, they proclaimed to them: What you believe you see with your eyes is not in space. This blue vault of heaven is the product of your limited powers of perception; there is no boundary; the world extends out into the infinity of space, and infinite worlds are embedded within these vast expanses. You yourselves create the firmament through the limitations of your cognition.

[ 33 ] Der Geistesforscher weiß heute, dass, so wie einstmals für die Leute, die nur den Sinnen vertraut haben, das Firmament als eine reale Grenze der Welt da war, nicht, weil es da war, sondern weil das Erkenntnisvermögen es hinsetzte, ebenso das Eingeschlossensein zwischen Geburt oder Empfängnis und Tod ein zeitliches Firmament ist, das der Mensch sich selbst macht. Und die Geistesforschung muss heute vor dieses zeitliche Firmament von Geburt oder Empfängnis und Tod hintreten, wie Giordano Bruno hintrat vor das räumliche Firmament, und sagen: Hinter Geburt und Tod liegt die geistige Welt, liegt ausgegossen in der Zeit das Leben, das in unendliche Wiederholungen des Erdenlebens eingebettet ist, nach vorwärts und rückwärts, wie die unendlichen Welten, auf die Giordano Bruno einst hinwies. – Und so wahr sich die Menschen gewöhnt haben, das räumliche Firmament nicht mehr als Grenze zu sehen, so wahr werden die Menschen sich gewöhnen, das Hineinziehen in den Leib, das Hinausgehen aus dem Leib, anzusehen als ein zeitliches Firmament, jenseits dessen die geistige Welt ist, in der wir mit Kräften leben, die uns die Geisteswissenschaft offenbart.

[ 33 ] The spiritual researcher knows today that, just as the firmament once appeared to people who trusted only their senses as a real boundary of the world—not because it was there, but because their cognitive faculties posited it—so too is the confinement between birth or conception and death a temporal firmament that human beings create for themselves. And spiritual research today must step before this temporal firmament of birth or conception and death, just as Giordano Bruno stepped before the spatial firmament, and say: Beyond birth and death lies the spiritual world; there, poured out into time, lies life, embedded in infinite repetitions of earthly existence—moving forward and backward—like the infinite worlds to which Giordano Bruno once pointed. – And just as people have become accustomed to no longer seeing the spatial firmament as a boundary, so too will people become accustomed to viewing the entering into the body and the leaving of the body as a temporal firmament, beyond which lies the spiritual world, in which we live with forces that spiritual science reveals to us.

[ 34 ] Sehr verehrte Anwesende, ich machte darauf aufmerksam, dass der Mensch, wenn er sein Seelisches durch Konzentration, Meditation frei macht vom Leibe, etwas erlebt, was man nennen kann: inneres Mienenspiel, innere Gebärde, innere Physiognomie. Indem der Mensch solches erlebt, erlebt er schon in diesem Dasein dasjenige, was dann die Seele in der geistigen Welt nach dem Tode ganz und gar umgibt. Es ragt herein in diese Welt das Wissen von der geistigen Welt, und die Seele erkennt sich selbst, indem sie sich findet in ihrer wahren Wesenheit wurzelnd in der geistigen Welt. Man darf sagen: Begreiflich ist es, dass nur wenig Verständnis zu finden ist für diese Auseinandersetzungen in unserer Gegenwart; wenn wir auf unsere Gegenwart hinschauen, so begreifen wir das. Ja, worauf sehen heute die Menschen am meisten? Einen trivialen Vergleich will ich gebrauchen: An einer Anschlagsäule steht angekündigt «Ein Vortrag mit Lichtbildern». Daneben wird angezeigt ein Vortrag ohne Lichtbilder. Zu welchem Vortrag fühlen die Menschen am meisten Lust? Nun, zu dem, wo sie sich passiv hingeben können, wo sie nicht tätig zu sein brauchen, wo alles so schön in Bildern vorgeführt wird. Geisteswissenschaft kann nicht so vorgehen. Obwohl das, was im Geiste geschaut wird, auch in Bildern vorgeführt werden könnte, habe ich nur versucht, durch das bloße Wort zu wirken, das auf das Denken und Fühlen wirken kann. Geisteswissenschaft kann nur mit einem aktiven Mitarbeiten der Seele rechnen. Haben wir es doch in unserer Zeit erleben müssen, dass in einer bedeutsamen Wochenschrift ein Artikel erschien, in dem ungefähr Folgendes gesagt wird: Wenn man Spinoza und Kant liest, ja, da gehen einem die Begriffe durcheinander. Da kommt man nicht zurecht. – Das gilt für viele Menschen der Gegenwart. Der Philosoph macht aber nun einen Vorschlag: Warum sollen wir nicht auch hier eine neue technische Errungenschaft verwerten? Man macht einen Film! – Man stellt sich einem Film gegenüber, dann kann man sich Spinoza vorführen lassen, zuerst wie er beginnt, Gläser zu schleifen, dann, wie Gedanken in ihm auftauchen, wie seine Philosophie entsteht und so weiter, und so weiter. Man braucht sich nur passiv hinzugeben, die Gedanken wirbeln nicht mehr in einem herum. Das ist im Geschmack unserer Zeit! Man würde in einem Lichtbildervortrag sehen, wie Spinozas «Ethik», wie Kants «Kritik der reinen Vernunft» entsteht. Die Leute würden in einen solchen Vortrag hingehen.

[ 34 ] Ladies and gentlemen, I pointed out that when a person, through concentration and meditation, frees their soul from the body, they experience something that can be called: inner facial expressions, inner gestures, inner physiognomy. By experiencing this, a person already experiences in this life what will then completely surround the soul in the spiritual world after death. Knowledge of the spiritual world reaches into this world, and the soul recognizes itself by finding itself rooted in its true essence within the spiritual world. One might say: It is understandable that there is little appreciation for these discussions in our present time; when we look at our present, we understand this. Indeed, what do people focus on most today? Let me use a trivial example: A notice on a bulletin board announces “A lecture with slides.” Next to it is an announcement for a lecture without slides. Which lecture do people feel most drawn to? Well, the one where they can passively surrender themselves, where they do not need to be active, where everything is so beautifully presented in pictures. Spiritual science cannot proceed in this way. Although what is perceived in the spirit could also be presented in pictures, I have only attempted to work through the mere word, which can affect thinking and feeling. Spiritual science can only count on the active participation of the soul. After all, we have had to witness in our time the publication of an article in a prominent weekly magazine that said something along these lines: When one reads Spinoza and Kant, well, one’s concepts get all mixed up. One can’t make sense of it. – This is true for many people today. But the philosopher now makes a suggestion: Why shouldn’t we make use of a new technological achievement here as well? Let’s make a film! – You sit down to watch a film, and then you can have Spinoza presented to you—first how he begins grinding glass, then how thoughts arise within him, how his philosophy takes shape, and so on and so forth. You just need to passively let yourself be carried away; the thoughts no longer swirl around inside you. That’s right up our alley these days! In a slide lecture, you’d see how Spinoza’s *Ethics* and Kant’s *Critique of Pure Reason* come into being. People would go to such a lecture.

[ 35 ] So kann man sagen, dass auf der einen Seite in unserer Zeit die Bequemlichkeit vorliegt, alles passiv auf sich wirken zu lassen. Geisteswissenschaft aber muss das Entgegengesetzte beanspruchen. Die Seele muss sich dieselbe aktiv erarbeiten. Dadurch aber wird in die Seelen der Gegenwart dasjenige hineingegossen, was sie am meisten zur geistig-seelischen Gesundheit brauchen: Aktivität, Stärkung des Willens, Erstarkung der Denkens- und Fühlenskräfte. Und sie brauchen die innere Stärkung von etwas anderem noch. Wenn man sich in die Welt der Einsamkeit hineinlebt, so kommt man zu großen Hindernissen. Jede Empfindung der Lieblosigkeit, die man jemals begangen hat gegen Menschen und Tiere, die ist wie eine Barriere. Ein ganz liebloser Mensch stößt sich, wenn er die Kräfte entwickelt, die ich Richtekräfte nannte, an dieser Lieblosigkeit, die er überall findet wie eine Außenwelt, die ihn umgibt. So wird Geisteswissenschaft dem Menschen die Notwendigkeit nahelegen, die tiefste, die lebensvollste Liebeskraft in immer erhöhterem Maße zu entwickeln. Und wer da weiß, wie am meisten das Leben der Zukunft brauchen wird Liebe, der weiß auch, was Geisteswissenschaft für das gesamte Leben der Zukunft und der Gegenwart bedeuten muss, der weiß, wie in der Verstärkung der Kräfte der Liebe das liegen muss, wodurch die Seele ihre wahre Wesenheit findet, weil sie sich durch Lieblosigkeit eine Barriere aufrichtet in der geistigen Welt.

[ 35 ] Thus, one could say that, on the one hand, our age is characterized by the convenience of passively letting everything take its course. Spiritual science, however, must demand the opposite. The soul must actively work to attain it. Through this, however, what the souls of the present need most for their spiritual and psychological well-being is poured into them: activity, the strengthening of the will, and the fortification of the powers of thought and feeling. And they need inner strengthening from something else as well. When one immerses oneself in the world of solitude, one encounters great obstacles. Every act of unkindness one has ever committed toward people and animals is like a barrier. A completely unloving person, when developing the forces I have called “judging forces,” comes up against this lack of love, which they find everywhere, like an external world surrounding them. Thus, spiritual science will impress upon people the necessity of developing the deepest, most life-filled force of love to an ever-greater degree. And whoever knows how much the life of the future will need love also knows what spiritual science must mean for the entire life of the future and the present; such a person knows that it is in the strengthening of the forces of love that the soul finds its true essence, because through a lack of love it erects a barrier for itself in the spiritual world.

Überall kann man sehen, wie auf der einen Seite die Seelen sich noch vor der Geisteswissenschaft sträuben, weil die Geisteswissenschaft Ansprüche an die Denkgewohnheiten macht, die die Seele noch nicht kennt, wie aber auf der anderen Seite die Seelen mehr oder weniger unbewusst nach Geisteswissenschaft lechzen. Da tritt einem etwas entgegen, was oft ausgesprochen wird, was man aber nur richtig verstehen muss. Eine Übergangszeit hat man unsere Zeit genannt. Darauf kommt es aber nicht an, dass man sie so nennt, sondern darauf kommt es an, worin unsere Zeit denn eigentlich ihren Übergang zu suchen hat. Worin hat sie ihn zu suchen? Sie hat den Übergang zu suchen von dem passiven Hingegebensein an die rein sinnliche Wissenschaft, wo die Seele ihre wahre Wesenheit nicht finden kann, zur Geisteswissenschaft, wo sie sie finden kann. Aufmerksam werden kann man darauf, dass am Beginn unserer religiösen Urkunde des Abendlandes ein Bild steht; wir wollen das Bild hier nicht erörtern, man mag es nehmen, wie man will, eines aber wird einem jeden klar sein: dass es zusammenhängt mit dem Guten und dem Bösen. Es stehen da die Worte:

Everywhere one can see how, on the one hand, souls still resist spiritual science because it places demands on habits of thought that the soul does not yet know; yet, on the other hand, souls more or less unconsciously yearn for spiritual science. Here one encounters something that is often spoken of, but which one must simply understand correctly. Our time has been called a period of transition. But what matters is not that it is called that, but rather in what our time must actually seek its transition. In what must it seek it? It must seek the transition from passive devotion to purely sensory science—where the soul cannot find its true essence—to spiritual science, where it can find it. One may notice that at the beginning of the West’s earliest religious document there is an image; we shall not discuss the image here—one may interpret it as one wishes—but one thing will be clear to everyone: that it is connected with good and evil. The words there read:

Ihr werdet sein wie die Götter und unterscheiden das Gute von dem Bösen.

You will be like gods and distinguish good from evil.

[ 36 ] Mag man das als ein Sinnbild oder was immer ansehen, gemeint ist zweifellos dasjenige, was mit menschlicher Freiheit, mit Hochmut und Überhebung und dem Verfall des Menschen in das Böse zusammenhängt – ich will das heute nicht weiter ausführen –, aber wir leben heute, wenn das, was ich sage, auch radikal ausgesprochen das heutige Leben charakterisiert, wir leben heute in einer Zeit, wo man raunen hört ein ähnliches Versucherwort. Wenn man bedenkt, was die sinnliche Wissenschaft — nicht, wenn man sie richtig versteht, sondern wenn man sie missversteht –, hervorbringt, braucht man nur zu charakterisieren, wie so manche Menschen heute glauben, dass der Mensch mit allen seinen auch geistig-seelischen Eigenschaften nichts anderes sei als ein höheres Produkt der tierischen Entwicklungsreihe; und manche Menschen sind stolz darauf, zu sagen: Die Elemente, die im Menschen vorhanden sind, sind auch schon in der Tierheit vorhanden. Moralische Elemente sind nur höher entwickelte tierische Triebe. – Dann müsste etwas eintreten als Konsequenz dieser Weltanschauung, die die Menschen nicht ziehen, aber sie sollten es tun, aber weil sie die Konsequenz nicht ziehen, so merken sie nicht, dass, wenn es so wäre, wenn Naturwissenschaft das wirklich lehrte, was eben angedeutet worden ist, dass der Mensch hervorgegangen wäre aus der tierischen Entwicklungsreihe, dass der Mensch nicht in seinem Moralischen, seinem inneren Seelenleben etwas hätte, was einer ganz anderen Welt entstammt, dann müsste wahr sein das Wort, was man wie von einem neuen Versucher geraunt hören kann, wenn man hinzuhorchen versteht auf die Stimmen der Zeit. Den Versucher kann man ablehnen, denn

[ 36 ] Whether one regards this as a symbol or whatever, what is undoubtedly meant is that which is connected with human freedom, with pride and arrogance, and with humanity’s descent into evil—I do not wish to elaborate on this further today—but we live today, if what I am saying, even when expressed in radical terms, characterizes contemporary life, we live today in an age where one hears a similar whisper of temptation. When one considers what the sensory sciences—not when they are properly understood, but when they are misunderstood—produce, one need only point out how many people today believe that human beings, with all their spiritual and soul qualities, are nothing more than a higher product of the animal evolutionary chain; and some people are proud to say: The elements present in human beings are already present in the animal kingdom. Moral elements are merely higher-developed animal instincts. — Then something would have to follow as a consequence of this worldview, a conclusion that people do not draw, though they should; but because they do not draw this conclusion, they fail to realize that, if this were the case, if natural science truly taught what has just been suggested—that human beings have emerged from the animal evolutionary line, that human beings possess nothing in their moral nature or inner soul life that originates from an entirely different world—then the words one can hear whispered, as if by a new tempter, would have to be true, if one knows how to listen closely to the voices of the times. One can reject the tempter, for

Den Teufel spürt das Völkchen nie,
Und wenn er sie beim Kragen hätte.

This little crowd never senses the devil,
Even if he had them by the collar.

Raunen hört man das Wort:

You can hear the word being whispered:

Ihr werdet sein wie die Tiere und das Gute und Böse wie Naturgesetze. Wie die Sonne über Gute und Böse scheint, so auch die Naturgesetze. Ihr werdet nicht mehr unterscheiden das Gute von dem Bösen!

You will be like animals, and good and evil will be like the laws of nature. Just as the sun shines on both the good and the evil, so do the laws of nature. You will no longer be able to distinguish good from evil!

[ 37 ] Das Wort wird nicht ausgesprochen, weil man die Konsequenz nicht zieht, die man ziehen müsste. So sehen wir die entgegengesetzte Versuchung hereinschauen in unsere Übergangszeit. Nicht mehr spricht der Versucher: «Ihr werdet sein wie die Götter und unterscheiden das Gute von dem Bösen!», sondern: «Ihr werdet sein gleich den Tieren und gleich den Tieren ohne Unterschied verrichten das Gute und das Böse!»

[ 37 ] The word is not spoken because people fail to draw the conclusion they ought to. Thus, we see the opposite temptation rearing its head during our transitional period. The tempter no longer says, “You will be like gods and distinguish between good and evil!” but rather, “You will be like animals and, like animals, do good and evil without distinction!”

[ 38 ] Dass die Seele ihre wahre Wesenheit erkenne, dass die Menschen diesem Wort nicht verfallen, auch nicht in ihrem Gemüt, in ihrer Empfindung nicht verfallen, wenn sie auch nicht sich getraut, es auszusprechen, dazu wird die Geisteswissenschaft wirken, mag sie heute noch so viele Gegner haben. Wenn es auch der Fall ist, dass man heute noch viele Vorurteile gegen Geisteswissenschaft anschlägt, so ist auf der anderen Seite doch wahr: Was Sicherheit, innere Ruhe in Bezug auf das Fortwirken der Geisteswissenschaft, in Bezug auf das «Finden der Seele ihrer eigenen Wesenheit» geben kann, in Worte dieser Sicherheit, dieser Ruhe gegenüber den Zielen der Geisteswissenschaft sei das gekleidet, was ich zum Schlusse noch zu sagen habe, indem ich wie in einem Gefühl zusammenziehen möchte den ganzen Sinn dessen, was ich versuchte am heutigen Abend vor Ihnen auszuführen.

[ 38 ] Spiritual science will work to ensure that the soul recognizes its true nature, and that people do not fall prey to this idea—not even in their minds or in their feelings—even if they do not dare to voice it, no matter how many opponents it may have today. Even if it is true that many prejudices against spiritual science still exist today, it is nevertheless true on the other hand that: Whatever assurance and inner peace spiritual science can offer regarding its continued influence—and regarding the “soul’s discovery of its own essence”—let what I have to say in conclusion be clothed in the words of this assurance and this peace with regard to the goals of spiritual science, as I seek to distill, as if in a single feeling, the entire meaning of what I have attempted to present to you this evening.

[ 39 ] Geisteswissenschaft als wirkliche Wissenschaft, wie sie hier geschildert worden ist, ist ein Produkt erst der heutigen Zeit. Die Seelen der Menschen mussten durch ihre früheren Erdenleben gehen; jetzt werden sie reif und immer reifer, um die Kräfte zu entwickeln, die zur Geistesforschung führen. Aber im Einklang fühlt man sich, wenn man dieser Geistesforschung lebt, mit dem, was auch vor ihrem Bestehen die Menschen immer ausgesprochen haben, was aus den tiefsten Ahnungen, dem Reifsten ihrer Seele heraus ausgesprochen haben die führenden Geister der Menschheitsentwicklung. Zwei Aussprüche seien angeführt, die im Einklang stehen mit dem, was heute hier gesagt wurde. Der Arzt und Seelenforscher Feuchtersleben, dem wir das Buch «Die Diätetik der Seele» verdanken, er prägte ein wunderschönes Wort, das ganz, ganz übereinstimmt mit dem, was Geisteswissenschaft über das Finden der Seele gegenüber ihrer wahren Wesenheit zu sagen hat:

[ 39 ] Spiritual science as a true science, as described here, is a product of the present age. Human souls had to pass through their earlier earthly lives; now they are maturing and becoming ever more ready to develop the powers that lead to spiritual research. But when one lives this spiritual research, one feels in harmony with what people have always expressed—even before its existence—what the leading spirits of human development have expressed from the deepest intuitions and the most mature parts of their souls. Let me cite two sayings that are in harmony with what has been said here today. The physician and soul researcher Feuchtersleben, to whom we owe the book *Die Diätetik der Seele* (*The Dietetics of the Soul*), coined a beautiful phrase that is entirely, entirely in accord with what spiritual science has to say about the soul’s discovery of its true nature:

Die menschliche Seele kann es sich nicht verhehlen, dass ihr Glück doch zuletzt nur in der Erweiterung ihres innersten Wesens und Besitzes bestehe.

The human soul cannot deny that its happiness ultimately lies only in the expansion of its innermost being and possessions.

[ 40 ] Geisteswissenschaft sucht die Seele hinzuweisen auf diese Erweiterung und diesen Besitz ihres innersten Erlebens, in ihrer geistigen Heimat, in der geistigen Welt selbst.

[ 40 ] The humanities seek to draw the soul's attention to this expansion and this possession of its innermost experience, in its spiritual home, in the spiritual world itself.

[ 41 ] Wenn der Versucher heute raunt: «Ihr werdet sein gleich den Tieren, aus denen ihr euch entwickelt habt, und nicht mehr unterscheiden das Gute und das Böse, sondern nur glauben an Naturgesetze», dann kann man sich als Geistesforscher trösten und erheben, wiederum im Einklang sich fühlend mit einem der Geister, welche aus ihren Ahnungen heraus immer schon ausgesprochen haben ihre Harmonie, ihre Einstimmigkeit mit dem, was Geisteswissenschaft zu geben hat. In den folgenden Worten Schillers seien zum Schluss zusammengefasst die Gedanken, die aus der Geisteswissenschaft in der Seele aufsteigen können gegenüber den neuen Worten des Versuchers: «Ihr werdet sein wie die Tiere, die nicht unterscheiden das Gute und das Böse.» Demgegenüber bekräftigt die Geisteswissenschaft, die Seele ausfüllend mit dem Worte wie mit einer sie ganz durchdringenden Empfindung, das, was Schiller gesagt hat, und in das ausklingen mag dasjenige, was am heutigen Abend ich mir erlaubte, zu Ihnen zu sagen:

[ 41 ] When the Tempter whispers today: “You will be like the animals from which you evolved, and will no longer distinguish between good and evil, but will believe only in the laws of nature,” then, as a spiritual researcher, one can take comfort and be uplifted, once again feeling in harmony with one of the spirits who, based on their intuitions, have always expressed their harmony and unanimity with what spiritual science has to offer. In conclusion, let Schiller’s following words summarize the thoughts that can arise in the soul from spiritual science in response to the Tempter’s new words: “You will be like the animals, which do not distinguish between good and evil.” In contrast, spiritual science—filling the soul with the word as with a feeling that permeates it entirely—affirms what Schiller said, and this may serve as a fitting conclusion to what I took the liberty of saying to you this evening:

Jetzt fiel der Tierheit dumpfe Schranke,
Und Menschheit trat auf die entwölkte Stirn,
Und der erhab’ne Fremdling, der Gedanke,
Sprang aus dem staunenden Gehirn.

Now the dull barrier of animality fell,
And humanity emerged upon the cloudless brow,
And the sublime stranger, the thought,
Leapt from the astonished mind.

[ 42 ] Worte waren das, die prophetisch von Schiller gesprochen wurden. Und Geisteswissenschaft fügt dazu die Tatsache, dass der Gedanke sich nicht bloß aus der ahnenden Seele herausdrängt, sondern wirklich herausdringen kann aus der Seele, sich erleben kann außerhalb des Leibes und die Seele zu ihrer wahren Wesenheit führen kann.

[ 42 ] These were words spoken prophetically by Schiller. And spiritual science adds to this the fact that the thought does not merely strive to emerge from the intuitive soul, but can truly emerge from the soul, experience itself outside the body, and lead the soul to its true essence.

[ 43 ] Der Gedanke sprang aus dem staunenden Gehirn und gab dem Menschen seine wahre Wesenheit und Würde; so sagte Schiller; so muss erkennen die sich richtig verstehende Geisteswissenschaft, die sich richtig verstehende Menschenseele.

[ 43 ] Thought sprang from the marveling mind and gave humankind its true nature and dignity; so said Schiller; this is how a properly understood spiritual science—and a properly understood human soul—must recognize it.