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Death and Immortality
in the Light of Spiritual Science
GA 69d

3 December 1910, Kassel

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Death and Immortality in the Light of Spiritual Science, tr. SOL
  1. Tod und Unsterblichkeit im Lichte der Geisteswissenschaft

21. Menschenseele und Tierseele

21. The Human Soul and the Animal Soul

[ 1 ] [Anfang fehlt] Von Gehirn, Lunge und Herz hängt das Leben ab, sagt Huxley. Sinnenfällig, äußerlich hat er recht. Er meint, das Gehirn könne man ausschalten, und Lunge und Herz genügten allein zum Leben. Schönes Leben! Ich glaube, jeder von Ihnen würde sich bedanken für ein solches Leben ohne Gehirn hier in der physischen Welt.

[ 1 ] [Beginning missing] Life depends on the brain, lungs, and heart, says Huxley. On the surface, he is right. He believes that the brain can be shut down, and that the lungs and heart alone are sufficient for life. What a wonderful life! I believe each of you would be grateful for such a life—without a brain—here in the physical world.

[ 2 ] So steht es mit vielen, vielen Vorstellungen, die heute in der Wissenschaft herrschen. Intelligentes Leben sieht man bei den Tieren, auch bei den niedersten. Daraus hat man den Schluss gezogen, dass der Mensch nur eine Fortsetzung des Tierreichs sei. Aber die Geisteswissenschaft, was sagt sie? Man muss nur richtig hinschauen. Man muss auch einmal hinschauen, hinweisen auf den Nachteil im Seelenleben des Menschen gegenüber dem Tiere. Die Tiere haben von Anfang an das, was ihnen nötig ist zum Fortbestehen ihres individuellen und Gattungswesens, während die Menschen sich das erst aneignen müssen: Biber – Deichbau; Wespe – Papier. So könnte man wohl sprechen von einer Minderwertigkeit des Menschen gegenüber den Tieren. Es ist widerspruchsvoll, nur zu sprechen von dem geistigen Leben des Menschen. Er muss sich Vorstellungen machen von allem, was ihn umgibt, und dieses geistig verarbeiten. Es passt dem Menschen von heute nicht, dass auch in allem Übrigen Geist ist, nicht nur in ihm.

[ 2 ] This is the case with many, many ideas that prevail in science today. Intelligent life can be observed in animals, even the most primitive ones. From this, people have concluded that humans are merely an extension of the animal kingdom. But what does spiritual science say? One need only look closely. One must also take a closer look and point out the disadvantage in human soul life compared to that of animals. From the very beginning, animals possess what they need for the survival of their individual and species-specific nature, whereas humans must first acquire these abilities: beavers—dike-building; wasps—paper-making. Thus, one could well speak of a inferiority of humans compared to animals. It is contradictory to speak only of the human spiritual life. Human beings must form concepts of everything that surrounds them and process these mentally. It does not sit well with people today that spirit is present in everything else as well, not just within themselves.

[ 3 ] Das Tier wird durch seine Organe belehrt, der Mensch auch; aber der Mensch belehrt auch wiederum seine Organe, sagt Goethe bedeutungsvoll – Brief an W. v. Humboldt, 17. März 1832.

[ 3 ] “Animals are taught by their organs, and so are humans; but humans, in turn, also teach their organs,” Goethe says meaningfully—Letter to W. von Humboldt, March 17, 1832.

[ 4 ] Zell schreibt ein kleines, sehr gutes Büchlein: «Ist das Tier unvernünftig?» Er zeigt da: Der Hund hat Angst vor dem Wasser, nicht nur, wenn man ihn übergießt, sondern überhaupt vor Wasser, und je reiner es ist, desto mehr fürchtet er sich. Weshalb? Er ist auf den Geruch hin organisiert. Reines Wasser riecht nicht; es ist für den Hund dasselbe wie für ein Kind, das in ein ganz dunkles Zimmer gehen soll, wo seine Organe keine Wahrnehmungen mehr machen können. Das Tier ist ganz und gar hineingebaut in seine Organe mit seiner Organisation. Beim Menschen bleibt etwas sehr Beträchtliches offen. Der Zwischenkieferknochen, das ist das kleine Stückchen, in dem die oberen Schneidezähne sitzen, den haben die höheren Tiere. Diesen Zwischenkieferknochen hätten die Menschen nicht, bei ihm säßen die Schneidezähne im Oberkiefer, so sagte man im achtzehnten Jahrhundert und konstruierte damit eine Kluft zwischen den Tieren und den Menschen. Goethe überbrückte diese Kluft. Er findet durch emsige Studien, dass beim Menschen vor der Geburt dieser Zwischenkieferknochen vorhanden ist, der dann nach der Geburt verwächst. Nicht ein Geistesblitz war es, der ihn das finden ließ. Entzückt war er über diese Entdeckung.

[ 4 ] Zell has written a short, excellent little book: “Is the Animal Irrational?” In it, he demonstrates that dogs are afraid of water—not just when it’s poured over them, but of water in general—and the purer it is, the more they fear it. Why? They are wired to respond to smell. Pure water has no smell; for the dog, it is the same as for a child who is asked to enter a completely dark room where his senses can no longer perceive anything. The animal is entirely bound up in its organs and its physiological organization. In humans, however, something very significant remains open. The intermaxillary bone—that small piece in which the upper incisors are set—is present in higher animals. It was believed in the eighteenth century that humans lacked this intermaxillary bone, and that their incisors were set in the upper jaw; this belief created a divide between animals and humans. Goethe bridged this gap. Through diligent study, he discovered that this intermaxillary bone is present in humans before birth but fuses shut after birth. It was not a flash of inspiration that led him to this discovery. He was delighted by this finding.

[ 5 ] Nicht im Einzelnen kann der Unterschied zwischen Mensch und Tier gefunden werden. Nur von dem kann er gefunden werden, der sich erheben kann vom Sichtbaren zum Unsichtbaren. Suchet nicht in etwas Materiellem den Unterschied zwischen Mensch und Tier – so wollte Goethe sagen.

[ 5 ] The difference between humans and animals cannot be found in the details. It can be found only by those who are able to rise from the visible to the invisible. Do not seek the difference between humans and animals in anything material—that is what Goethe meant to say.

[ 6 ] Das, was die Menschen denken, das hängt von der Mode ab. Heute in der Theosophie denken viele noch materialistisch, so zum Beispiel, wenn man sagt, dass der Ätherleib nur ein feinerer physischer Körper sei. Im Augenblick, wo man zum Beispiel von Seelenschwingungen spricht, da spricht man von schwingendem Stoff, nicht von schwingendem Geist. Darauf kam es Goethe an, dass nichts Materielles liegen solle in dem, was er als den Unterschied zwischen Mensch und Tier angab.

[ 6 ] What people think depends on the prevailing trends. Even today, many in theosophy still think materialistically; for example, when they say that the etheric body is merely a finer physical body. The moment one speaks, for example, of soul vibrations, one is speaking of vibrating matter, not of vibrating spirit. This was precisely Goethe’s point: that there should be nothing material in what he identified as the difference between humans and animals.

[ 7 ] Wenn ein Kind auf eine menschenleere Insel käme – es würde nicht sprechen und denken lernen, es würde sich nicht als Mensch fühlen. Das Tier ist für eine gewisse Gleichgewichtslage organisiert, der Mensch muss sich erst in die Gleichgewichtslage hineinbringen, er muss sein Selbstbewusstsein erst erlangen. Der Mensch erwirbt sich erst nach seiner Geburt das Gleichgewicht. Das Organ der Phantasie, der Vorstellungskraft ist unmittelbar nach der Geburt noch nicht voll ausgebildet vorhanden, das muss sich erst an der Umwelt entwickeln. Da ist etwas offen gelassen beim Menschen. Der Mensch baut an seiner Organisation aus seinem Geiste heraus.

[ 7 ] If a child were to end up on a deserted island—it would not learn to speak or think; it would not feel like a human being. Animals are organized to maintain a certain state of equilibrium, whereas humans must first bring themselves into that state of equilibrium; they must first attain self-awareness. Humans only acquire this equilibrium after birth. The faculty of imagination is not yet fully developed immediately after birth; it must first develop in response to the environment. There is something left open in human beings. Humans build their organization from within their own spirit.

[ 8 ] Dass Hornissen aus Pferdekadavern und Wespen aus Eselskadavern entstünden, das ist bis in das siebzehnte Jahrhundert hinein ganz wissenschaftlich-systematisch ausgeführt und dargelegt worden. Francesco Redi sagte dann den Satz: Lebendiges kann nur aus Lebendigem kommen. — Das war damals im siebzehnten Jahrhundert eine große Ketzerei: Galilei, Giordano Bruno, Francesco Redi – auf deren Ideen einzugehen war den Menschen dazumal nicht möglich. In derselben Lage, wie damals Redi war, ist heute die Geisteswissenschaft. Ein geistig-seelischer Kern ist im Menschen, und dieser Kern führt uns nicht zurück auf die physische Welt, sondern er führt uns zurück auf frühere Leben. So kommen wir zu dem Satze: Geistig-Seelisches kann nur aus Geistig-Seelischem stammen. Es ist das eine ungenaue Beobachtung, wenn man meint, alles könne man aus der Umgebung erklären, so am Kinde wie am erwachsenen Menschen. In ihrer unendlichen Gescheitheit lächeln die Menschen über den Satz: Geistig-Seelisches kann nur aus GeistigSeelischem entstammen. – Und mit diesem Satze wird es ebenso gehen wie mit dem Satze Francesco Redis: Lebendiges kann nur aus Lebendigem kommen. Heute gelten diejenigen noch für Ketzer, die solche Grundsätze vertreten müssen.

[ 8 ] The idea that hornets arise from horse carcasses and wasps from donkey carcasses was expounded and presented in a thoroughly scientific and systematic manner well into the seventeenth century. Francesco Redi then stated: “Life can only come from life.” — Back then, in the seventeenth century, this was considered major heresy: Galileo, Giordano Bruno, Francesco Redi—it was impossible for people at that time to grasp their ideas. Today, spiritual science finds itself in the same situation as Redi did back then. There is a spiritual-soul core within the human being, and this core does not lead us back to the physical world, but rather to past lives. This brings us to the statement: Spiritual-psychic phenomena can only originate from spiritual-psychic phenomena. It is a misguided observation to believe that everything can be explained by the environment, whether in a child or an adult. In their infinite self-importance, people smile at the statement: Spiritual-psychic phenomena can only originate from spiritual-psychic phenomena. – And this statement will fare just as Francesco Redi’s did: “Life can only come from life.” Even today, those who must uphold such principles are still regarded as heretics.

[ 9 ] Dasjenige, was zuerst am Menschen gearbeitet hat, um das Gleichgewicht zu erlangen, das bringt später die Geste hervor. Das, was zuerst in der Eigenbewegung wirkt, wirkt sich später aus in der Mimik, in dem, was das Seelische ausspricht.

[ 9 ] What first works within a person to achieve balance is what later gives rise to gesture. What first acts within one’s own movement later manifests itself in facial expressions—in what expresses the soul.

[ 10 ] Die Entwicklung des Schädels beim Tiere ist sehr lehrreich zu beobachten. Das spricht eine besondere Sprache. Aber bei den Menschen ist jeder einzelne Schädel verschieden. Die Phrenologie kann nur das herausfinden, was das Allgemeine ist. Es müsste für jeden Menschen eine eigene Phrenologie ausgearbeitet werden. In dem Schädel hat gewirkt, was von dem vorhergehenden Leben im Menschen wirkt. Der Schädel des Menschen ist eigentlich ein Beweis für die Wiederverkörperung. Das ist ärgerlich zu hören für die heutigen Menschen, aber [das] macht nichts, es ist schon so. Die Phrenologie darf nicht verallgemeinern; nur ein Künstler kann da an jedem einzelnen Schädel das Richtige herausfinden.

[ 10 ] Observing the development of the skull in animals is very instructive. It speaks a language all its own. But in humans, every single skull is different. Phrenology can only identify what is general. A separate system of phrenology would have to be developed for each individual. The skull bears the imprint of what remains from a person’s previous life. The human skull is, in fact, proof of reincarnation. This is unpleasant to hear for people today, but [that] doesn’t matter; it is simply the way it is. Phrenology must not generalize; only an artist can discern the truth in each individual skull.

[ 11 ] Eine besondere Art von Gebärde ist die Sprache des Menschen; durch die Sprache sind wir in das Volksmäßige hineingestellt. – Eine krächzende Stimme ist beim Manne viel unangenehmer als bei der Frau, denn das, was in der Stimme sich auslebt, ist beim Manne viel inniger verbunden mit dem Seelenleben als bei der Frau.

[ 11 ] Human language is a special kind of gesture; through language, we are placed within the realm of the people. – A hoarse voice is much more unpleasant in a man than in a woman, for what is expressed in the voice is much more intimately connected with the life of the soul in a man than in a woman.

[ 12 ] Ein Zurückschauen auf frühere Tatsachen ist die Erinnerung beim Menschen, nicht ein Denken von einer Tat bis zu der nächsten. Wenn man sagen wollte: Hätte der Mensch wirklich mehrere Erdenleben gehabt, so müsste er sich doch an sie erinnern –, so wäre dies ebenso, als wenn man ein vierjähriges Kind nähme und sagte: Dies Kind kann nicht rechnen, also kann der Mensch nicht rechnen. — So ist es auch mit der Erinnerung an die früheren Erdenleben. Man wird sich ihrer später einmal erinnern, man muss es nur erst lernen, wie man auch das Rechnen erst lernen muss.

[ 12 ] Memory in humans is a looking back on past events, not a sequence of thoughts from one action to the next. If one were to say, “If a person had truly lived through several earthly lives, he would surely remember them”—this would be just as if one were to take a four-year-old child and say: “This child cannot do math, so humans cannot do math.” — The same applies to memories of past Earth lives. One will remember them someday; one simply has to learn how first, just as one must first learn to do math.

[ 13 ] Von dem Zeitpunkte an, wo das Kind den Ich-Gedanken erfasst, tritt auch die Erinnerung ein.

[ 13 ] From the moment the child grasps the concept of the self, memory also begins.

[ 14 ] Wollen wir den Blick in die geistige Welt erringen, dann müssen wir mit absolutem Gleichmut, mit absoluter Gelassenheit zu allem, was der Strom der Zukunft an uns heranbringt, schweigen können, müssen alles begründet finden können in der geistigen Vorsehung. Wenn die Seele ruhig bleiben kann gegenüber Furcht und Schmerz, bis ins Physische, auch gegenüber äußeren Ereignissen — starke Hammerschläge zum Beispiel und so weiter —, wenn die Seele so gleichmütig der Zukunft gegenüber ist, dann eröffnet sich ihr allmählich der Blick in die geistigen Welten.

[ 14 ] If we wish to gain insight into the spiritual world, we must be able to remain silent with absolute equanimity and absolute serenity toward everything that the current of the future brings our way; we must be able to find a reason for everything in spiritual providence. If the soul can remain calm in the face of fear and pain—even physical pain—and in the face of external events—such as loud hammer blows, for example—and if the soul is so equanimous toward the future, then a view into the spiritual worlds will gradually open up to it.

[ 15 ] Man kann nur dadurch etwas wissen, ob es richtig ist, wenn man sich in die Sache hineinbegibt – so ist das bei der Mathematik, so auch bei den geistigen Tatsachen.

[ 15 ] The only way to know whether something is correct is to delve into the matter—this is true of mathematics, and it is also true of intellectual facts.

[ 16 ] Beim Menschen ist der Geist nur lose verbunden mit den Organen, beim Tier ergießt sich der Geist in die Organe. Der Mensch steht mit seinem Selbstbewusstsein mittendrinnen, das ist der Fundamentalunterschied.

[ 16 ] In humans, the spirit is only loosely connected to the organs; in animals, the spirit flows into the organs. Humans stand right in the middle with their self-awareness—that is the fundamental difference.

[ 17 ] Wenn Karlchen einen Regenwurm zerschneidet, so ist das aufrichtig [?], doch die Gouvernante sagt, er solle das nicht tun, denn «es fühlt wie du den Schmerz». Einige Tiere ergänzen sich aber in glücklicher Weise gleich wieder, so schadet zum Beispiel dem Regenwurm das Zerschneiden nicht. Deswegen kann man da nicht sagen: «Denn es fühlt wie du den Schmerz.» Das ist nicht wahrheitsgemäß. Und wahr muss man sein, bei der Erziehung vor allem. Die höheren Tiere empfinden einen viel intensiveren Schmerz als der Mensch, auch das kleine Kind empfindet den körperlichen Schmerz viel stärker.

[ 17 ] When Karlchen cuts a earthworm in half, he does so in all sincerity [?], but the governess tells him not to do that, because “it feels the pain just like you do.” However, some animals recover just as quickly, so cutting up the earthworm, for example, does not harm it. That is why one cannot say, “Because it feels pain just like you do.” That is not true. And one must be truthful, especially when it comes to raising children. Higher animals experience pain much more intensely than humans do, and even a small child feels physical pain much more strongly.

Es drängt sich in den Menschensinn (an die Menschenseele)
Aus Weltentiefen rätselvoll
Des Stoffes reiche Fülle.
Es strömt in Seelengründen
Aus Weltenhöhen inhaltsvoll
Des Geistes klärend Licht.
Sie treffen sich im Menschen-Innern
Zu weisheitsvoller Wirklichkeit.

It presses upon the human mind (upon the human soul)
Mysteriously from the depths of the world
The rich abundance of matter.
It flows into the depths of the soul
Meaningfully from the heights of the world
The clarifying light of the spirit.
They meet within the human being
To become a reality of wisdom.