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Spiritual Science
and the Future of Humanity
GA 69e

27 November 1911, Stuttgart

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Spiritual Science and the Future of Humanity, tr. SOL
  1. Geisteswissenschaft und die geistigen Ziele unserer Zeit

2. Wie Widerlegt Man Theosophie?

2. How Does One Refute Theosophy?

[ 1 ] Das Thema unseres heutigen Vortrages kann zunächst überraschen. Aber Theosophie will nicht nur Mitteilungen übersinnlicher Forschung bringen, sondern sie will hineinfließen lassen in das menschliche Leben Kraft und Arbeitsfreudigkeit für das Leben. Sie will sein eine Art von Lebenskunst, allerdings unter gewissen Voraussetzungen. Sie ist nicht etwas, das sich rasch durchsetzen will, sondern Theosophie schöpft aus Quellen tiefer Erkenntnis. Daher kann sie nicht viele Menschen zu gewinnen suchen, es ist keine Lehre, die mit Fanatismus werbend in breite Kreise hineingetragen werden will. [Fernhalten muss so eine Strömung sich von Fanatismus.] Der Theosoph muss das Gegenteil des Fanatismus zu seiner wichtigsten Eigenschaft machen – [Menschenverständnis soll des Theosophen Charakteristikon sein.] Er muss eindringen können [in die anderen Seelen], in die Seele von Gegnern [und Verständnis gewinnen für die berechtigten Widerlegungen].

[ 1 ] The topic of today’s lecture may seem surprising at first. But Theosophy does not merely seek to convey findings from supersensory research; rather, it aims to infuse human life with strength and a zest for living. It aims to be a kind of art of living—albeit under certain conditions. It is not something that seeks to gain rapid acceptance; rather, theosophy draws from sources of deep insight. Therefore, it cannot seek to win over large numbers of people; it is not a doctrine that seeks to be propagated to broad circles through fanatical proselytizing. [Such a movement must keep itself aloof from fanaticism.] The theosophist must make the opposite of fanaticism his most important characteristic—[compassion for others should be the hallmark of the theosophist.] He must be able to penetrate [into the souls of others], into the souls of opponents [and gain an understanding of their justified objections].

[ 2 ] Und wer wollte leugnen, dass viel, in tief berechtigter Weise, gegen Theosophie vorzubringen ist? Spricht doch Theosophie oder Geisteswissenschaft von den heiligsten und würdigsten Angelegenheiten, und zwar zunächst mehr zum Herzen als zur Vernunft. Und das Herz ist leicht geneigt, sich hinzugeben Dingen, die von Erhöhung der Lebenskraft sprechen möchten. Um in die Tiefe dessen einzudringen, was Theosophie bedeutet, ist ein langer Weg nötig, den ja keineswegs alle diejenigen zurücklegen, die aus dem Herzen heraus dem theosophischen Leben zustimmen.

[ 2 ] And who would deny that there are many valid objections to be raised against Theosophy? After all, Theosophy, or spiritual science, speaks of the most sacred and worthy matters, appealing first and foremost to the heart rather than to reason. And the heart is easily inclined to surrender to things that speak of the elevation of the life force. To penetrate the depths of what Theosophy means requires a long journey—one that by no means all those who, from the heart, agree with the Theosophical way of life actually undertake.

[ 3 ] Wenn jemand in unserer Zeit herantritt an Theosophie, so muss zugegeben werden, dass das große Schwierigkeiten hat. Bedenken über Bedenken häufen sich auf. Daher kann gerade ein wissenschaftlich gebildeter Mensch nicht leicht zurechtkommen – bei echtem Wahrheitssinn. Dazu kommt auch, dass man heute mancherlei Theosophie nennt, womit wenig Staat zu machen ist. Daher seien zunächst die elementaren Grundzüge dessen bezeichnet, was wir Theosophie nennen möchten, [bevor zu den Bedenken übergegangen wird].

[ 3 ] If anyone today approaches Theosophy, it must be acknowledged that this presents great difficulties. Doubts upon doubts pile up. Consequently, a scientifically educated person in particular—if they possess a genuine sense of truth—cannot easily make sense of it. Added to this is the fact that today, all sorts of things are called “theosophy” that are of little substance. Therefore, let us first outline the basic principles of what we wish to call theosophy, [before moving on to the doubts].

[ 4 ] Zunächst müssen wir uns die Gliederung des menschlichen Wesens klarmachen. Der Mensch besteht nicht nur aus dem physischen Leibe, nicht nur aus dem, was wir mit unserem an das Gehirn gebundenen Verstand wahrnehmen können, sondern es muss behauptet werden, dass dem physischen Leibe eingegliedert sind eine Summe von höheren, übersinnlichen Gliedern, nämlich erstens dem Äther- oder dem Lebensleib, von dem der physische Leib überall durchdrungen ist: Der Ätherleib bewirkt, dass der physische Leib nicht den Kräften der äußeren, physischen Welt folgt. Diesen Kräften folgt er erst dann, wenn er im Tode vom Ätherleib verlassen wird. Da wirken die physischen Kräfte auf die Bestandteile des menschlichen Leibes und bringen sie eben dadurch zur Zersetzung und Auflösung. Das Vorhandensein dieses Ätherleibes kann festgestellt werden durch die hellseherische Forschung. Man kann aber auch einsehen, dass er notwendig ist, dass wir einen Kämpfer gegen den sonst unvermeidlichen physischen Zerfall brauchen. Auch andere Lebewesen sind mit einem Ätherleibe begabt, solange sie lebendige Wesen sind. Auch die Pflanzen besitzen ihn.

[ 4 ] First, we must understand the structure of the human being. The human being does not consist solely of the physical body, nor solely of what we can perceive with our intellect, which is bound to the brain; rather, it must be asserted that incorporated into the physical body is a series of higher, supersensible members, namely, first, the etheric or life body, which permeates the physical body everywhere: The etheric body prevents the physical body from succumbing to the forces of the external, physical world. It succumbs to these forces only when, at death, it is forsaken by the etheric body. Then the physical forces act upon the components of the human body, causing them to decompose and disintegrate. The existence of this etheric body can be established through clairvoyant investigation. However, one can also see that it is necessary—that we need a defender against the otherwise inevitable physical decay. Other living beings are also endowed with an etheric body as long as they are living beings. Even plants possess it.

[ 5 ] Der Mensch hat nun darüber hinaus noch eine Bewusstseinsseele oder einen astralischen Leib. Diesen haben wir mit der Tierwelt gemein. Er ist der Träger alles dessen, was wir an Trieben, Leidenschaften und Begierden in unserem Leben haben. Nicht mehr gemeinsam mit dem Tiere haben wir dasjenige, was wir unser menschliches Ichbewusstsein nennen. Dadurch, dass er zu sich «Ich» sagen kann, ist der Mensch die Krone der Schöpfung. Von dem Moment ab, wo das Kind fähig wird, zu sich «ich» zu sagen, fängt unser Menschheitsbewusstsein, unser Erinnern an. Wir unterscheiden also zwischen einem physischen Leib, Ätherleib, Astralleib und dem Ich.

[ 5 ] Human beings also possess a soul of consciousness, or an astral body. We share this with the animal kingdom. It is the vehicle for all the instincts, passions, and desires we experience in our lives. What we no longer share with animals is what we call our human sense of self. Because human beings can say “I” to themselves, they are the crown of creation. From the moment a child becomes capable of saying “I” to itself, our human consciousness—our memory—begins. We thus distinguish between a physical body, an etheric body, an astral body, and the “I.”

[ 6 ] Aber nicht nur dadurch allein unterscheidet sich Theosophie von der allgemein üblichen Auffassung, sondern weiter dadurch, dass sie den inneren Wesenskern des Menschen, das Ich, so ansieht, dass es nicht erschöpft ist in einem Erdendasein zwischen Geburt und Tod. Theosophie will zeigen, dass nicht nur in einem Leben all das, was sich durch das Ich im Menschen ausdrückt, veranlagt worden ist. Dieser zentrale Wesenskern des Menschen kommt vielmehr herüber aus früheren Daseinsstufen. Der Mensch formt in gewisser Weise seinen Leib selber, ehe er mit seinem Ichbewusstsein in ihn völlig einzieht. Dann behauptet Theosophie weiter: Nach dem Tode legt der Mensch seine leiblichen Hüllen nur ab, aber der Wesenskern lebt auch nach dem physischen Tode weiter, um dann später einzutreten in ein erneutes physisches Leben.

[ 6 ] But Theosophy differs from the generally accepted view not only in this respect, but also in that it regards the inner essence of the human being—the “I”—as not being limited to an earthly existence between birth and death. Theosophy seeks to show that everything expressed through the “I” in a human being was not merely predisposed in a single lifetime. Rather, this central core of the human being carries over from earlier stages of existence. In a certain sense, the human being shapes his or her own body before fully entering it with his or her sense of “I.” Theosophy further asserts that after death, the human being merely sheds his or her physical form, but the core of the being continues to live on even after physical death, only to enter into a new physical life later on.

[ 7 ] Das wechselvolle Schicksal der Menschen wird erst verständlich aus dem Begreifen der wiederholten Erdenleben desselben Menschenwesens. Den einen Menschen sehen wir elend und unglücklich im Leben, den anderen glücklich. Die Wissenschaft muss fragen nach den Ursachen dieser unerhörten Ungleichheit der Lebensschicksale. Geisteswissenschaft behauptet, der Mensch habe sich sein jeweiliges Schicksal selbst gezimmert in seinem früheren Leben; je nachdem, wie er jetzt lebt, wird sich sein folgendes Geschick im künftigen Leben gestalten.

[ 7 ] The vicissitudes of human fate can only be understood by recognizing the repeated earthly lives of the same human being. We see one person as miserable and unhappy in life, another as happy. Science must inquire into the causes of this unprecedented inequality in life’s destinies. Spiritual science asserts that human beings have fashioned their own destinies in their previous lives; depending on how they live now, their future fate in the next life will take shape.

[ 8 ] Dass es so sein kann, leuchtet ja schon in gewissem Grade aus dem Verlaufe seines jetzigen Lebensschicksals ein. Wenn jemand zum Beispiel nach Amerika auswandert, so wird sein Schicksal sich im Wesentlichen nach dem gestalten, was er früher in Europa gewesen ist. Was er hier gelernt hat, davon wird sehr wesentlich sein Weiterkommen und seine Lebensgestaltung drüben abhängig sein. Ob einer hier zum Beispiel Schuster oder Bankier gewesen ist, das wird, wenn er in Amerika ein neues Leben beginnt, die Ausgestaltung dieses Lebens sehr wesentlich beeinflussen. Er wird aber dann, wenn er in Amerika eine Zeit lang gewesen ist, Neues hinzugelernt haben, er wird ein anderer geworden sein. Um den Menschen heranzureifen, sind verschiedene Schicksale nötig; das kann unmöglich alles in einem einzigen Leben zwischen Geburt und Tod vor sich gehen. Die Früchte der vorhergegangenen Leben reifen uns im jetzigen Leben entgegen, und was wir jetzt dazulernen, kommt unserem späteren Leben zugute.

[ 8 ] That this might be the case is already evident to a certain extent from the course of his current life. If, for example, someone emigrates to America, his fate will essentially be shaped by what he was previously in Europe. What he has learned here will have a very significant impact on his progress and the course of his life over there. Whether he was, for example, a shoemaker or a banker here will, when he begins a new life in America, greatly influence the shape that this life takes. However, once he has been in America for a while, he will have learned new things; he will have become a different person. Various life experiences are necessary for a person to mature; it is impossible for all of this to take place in a single lifetime between birth and death. The fruits of our past lives ripen for us in this present life, and what we learn now will benefit our future lives.

[ 9 ] Theosophie lehrt also die Unsterblichkeit des zentralen Wesenskernes des Menschen. Zwischen Tod und neuer Geburt geht die Seele durch ganz anders geartete, rein geistige Zustände von längerer Dauer hindurch.

[ 9 ] Theosophy, therefore, teaches the immortality of the central core of the human being. Between death and rebirth, the soul passes through entirely different, purely spiritual states of a longer duration.

[ 10 ] Über den Schlafzustand sagt die Theosophie, dass in diesem der Mensch im Bette liegen lässt physischen und Ätherleib; der Astralleib und das Ich, also dasjenige, was Träger des Bewusstseins ist, tritt heraus und lebt während des Schlafes ein Dasein in übersinnlichen Welten.

[ 10 ] Theosophy states that during sleep, a person leaves their physical and etheric bodies in bed; the astral body and the “I”—that is, the bearer of consciousness—step out and live an existence in supersensible worlds during sleep.

[ 11 ] Das Ganze erscheint so als ein geschlossenes System. Wir werden sehen in gewisser Weise, aus welchen Quellen die Theosophie die Kenntnis dieses Systems schöpft. Es geschieht dies durch hellseherische Forschung. Wie erlangt man diese Fähigkeit? Darauf ist zu sagen, dass diese hellseherischen Kräfte durch das Mittel der Meditation im Menschen geweckt werden können. Dadurch kann die Seele zu einem Instrument der Forschung im Geistigen gemacht werden, und zwar zu einer ebenso exakten, methodischen Forschung, wie sie zum Beispiel der Chemiker, Physiker mit physischen Mitteln zur Erforschung der Materie anwendet. Es werden dadurch im Menscheninnern schlummernde Kräfte heraufgeholt. Wir erinnern dabei an das Goethe’sche Wort von den Geistesaugen und Geistesohren, die im Menschen eröffnet werden können.

[ 11 ] The whole thus appears as a closed system. We shall see, in a certain sense, from what sources theosophy draws its knowledge of this system. This is achieved through clairvoyant research. How does one acquire this ability? It must be said that these clairvoyant powers can be awakened in a person through meditation. Through this, the soul can be made into an instrument of research in the spiritual realm—a form of research that is just as precise and methodical as that employed, for example, by chemists and physicists who use physical means to investigate matter. In this way, powers lying dormant within the human being are brought to the surface. We recall here Goethe’s words about the spiritual eyes and spiritual ears that can be opened within the human being.

[ 12 ] Nachdem dies vorausgeschickt worden ist, wenden wir uns zu den Einwänden gegen Theosophie. Wir können natürlich nicht alle Einwände gegen die Theosophie erschöpfen. Es sollen nur einige herangezogen werden, welche ernste und große Schwierigkeiten für eine ehrliche Überzeugung bieten können. Wer ganz im Bann der modernen Wissenschaft steht, kann, wenn er sich zuerst mit Theosophie befasst, zu Folgendem kommen; er kann [mit Recht] sagen: Ja, ich glaube, dass Frauen, die nicht kritisch veranlagt sind, [die sich nicht kritisch auseinandersetzen mit Wissenschaft, sondern dem Herzensdrang folgen] und nicht logisch denken gelernt haben, sich durch diese Geisteswissenschaft ihre Welträtsel lösen lassen. Auch meinetwegen solche Männer, die die Wissenschaft eben nicht kennen. Beachtet nur das eine: Einen Ätherleib glaubt ihr als Träger der Lebenskräfte im Leibe nötig zu haben. Wisst ihr denn nicht, dass ihr damit ganz dilettantisch in die Zeit zurückgreift, wo man annahm, dass organisch gebildete Stoffe nicht im Laboratorium, sondern nur im lebendigen Organismus erzeugt werden können? Daher musste man dazumal annehmen, dass besondere Lebenskräfte in allem Lebendigen wirksam seien. Aber die fortschreitende Forschung hat [im neunzehnten Jahrhundert] gezeigt, dass im Laboratorium die einfachsten dieser Stoffe rein chemisch ebenso wie im lebendigen Organismus darzustellen sind. Damit ist die alte Lehre von der Lebenskraft – vis vitalis – oder Lebensäther aus dem Felde geschlagen, denn es ist damit erwiesen, wenn auch zunächst nur an den einfachsten Organismen, dass sich das organische Gefüge der Natur ebenso aufbaut wie das Unlebendige, Anorganische. Es ist durchaus ernst und würdig, so zu denken, dass, wenn einmal der Anfang mit der chemischen Erzeugung vom Organischen gemacht ist, es so weitergehen wird, [dass lebendige Wesen im Laboratorium erzeugt werden], wenn auch zurzeit noch wenig Stoffe so erzeugbar sind. Damit ist experimentell der Beweis gebracht, dass dieselben Gesetze im Unlebendigen wie im Lebendigen wirken. Es ist daher Laientum, wenn Theosophie noch davon spricht, dass das Leben in einem Körper nur zu erklären sei durch einen Lebensleib. – Solch ein Forscher kann sagen: Was die subtile Forschung nach und nach aufzuklären anstreben musste, wollt ihr Theosophen euch einfach leicht machen mit eurem phantastischen Lebensleib. Ihr behauptet zwar, dass er dem übersinnlichen Erkenntnisvermögen sichtbar sei, aber durch das oben Gesagte ist ja erwiesen, dass er gar nicht gebraucht wird, er ist ja gar nicht notwendig. Es muss aber eine ernste erste Forderung sein für ernsthafte Erkenntnis, dass sie keine unnötigen Voraussetzungen macht. – Wer die Dinge so wägt, wie Theosophen es tun sollten, der sollte fühlen, dass in solchem Einwand viel Ernst und Würde liegt.

[ 12 ] Having said that, let us turn to the objections raised against Theosophy. Of course, we cannot exhaustively address all objections to Theosophy. We will consider only a few that may present serious and significant difficulties for an honest conviction. Anyone who is completely under the spell of modern science may, when first encountering Theosophy, come to the following conclusion; they may [rightly] say: Yes, I believe that women who lack a critical disposition [who do not critically engage with science but follow the promptings of their hearts] and have not learned to think logically allow this spiritual science to solve the mysteries of the world for them. And, for all I care, men who simply do not know science. Just consider this one thing: You believe you need an etheric body as the carrier of the life forces within the body. Do you not know that in doing so you are quite amateurishly harking back to the time when it was assumed that organically formed substances could not be produced in the laboratory, but only in a living organism? That is why, back then, one had to assume that special life forces were at work in all living things. But advancing research [in the nineteenth century] has shown that the simplest of these substances can be produced in the laboratory through purely chemical means, just as they are in the living organism. This has disproved the old doctrine of the life force—vis vitalis—or life ether, for it has been demonstrated—albeit initially only in the simplest organisms—that the organic structure of nature is built up in the same way as the inanimate, inorganic world. It is entirely reasonable and legitimate to think that, once the first step toward the chemical production of organic matter has been taken, this process will continue [to the point where living beings are produced in the laboratory], even if, at present, only a few substances can be produced in this way. This provides experimental proof that the same laws operate in the inanimate as in the living. It is therefore a sign of ignorance when Theosophy still maintains that life in a body can only be explained by a “life body.” – Such a researcher might say: What subtle research has had to strive to elucidate step by step, you Theosophists simply seek to make easy for yourselves with your fanciful “life body.” You claim, to be sure, that it is visible to the supersensory faculty of perception, but the above has proven that it is not needed at all—it is simply not necessary. However, a fundamental requirement for serious knowledge must be that it makes no unnecessary assumptions. – Anyone who weighs matters as theosophists ought to do should sense that there is much seriousness and dignity in such an objection.

[ 13 ] Aber sehen wir weiter. Theosophie behauptet, zur Erklärung der Bewusstseinserscheinungen brauche man einen Astralleib und ein Ich. Man kann ja zugeben, was selbst strenge Forscher wie zum Beispiel Du Bois-Reymond sagen, dass dasjenige, was wir in uns als Innenleben erleben, aus rein stofflichen Vorgängen innerhalb des Gehirns nicht möglich ist. Nehmen wir also an, wir müssten da zunächst verzichten auf eine Erklärung und darunterschreiben das berühmte «Ignorabimus». Aber ist es denn berechtigt, zu sagen, dass, wenn aus dem Stoff etwas anderes, etwas Übersinnliches hervorgeht, dass dies ein Selbstständiges ist? So könnte ein Gegner der Theosophie mit einem gewissen Rechte sagen. Er könnte dabei verweisen auf die magnetischen Kräfte, die ja doch von einem Anorganischen, von dem Magneten ausströmen und an diesen Magneten gebunden sind. Es wird also doch aus Stofflichem eine so übersinnliche Kraft wie der Magnetismus hervorgebracht. Weiter ist es mit der Entfaltung der anderen Kräfte auch nichts anderes, so zum Beispiel mit der Schwerkraft, die an den Planeten gebunden ist. Warum sollte es da nicht mit dem, was wir wissenschaftlich als Erregungszustände des Gehirns kennen, und was sich im Bewusstsein und im Innenleben des Menschen abspielt, ebenso sein? Es liegt durchaus keine Nötigung vor, die Bewusstseinserscheinungen sich anders zu erklären. Auch noch nicht Erforschtes wird sich so erklären lassen. Jedenfalls ist das voreilige Annehmen eines Astralleibes zur Erklärung dieser Vorgänge dilettantisch. Auch da, wo wir jetzt noch zu einem «Ignorabimus» gezwungen sind, müssen wir ruhig warten, was ernste Forschung einmal darüber zu sagen haben wird.

[ 13 ] But let’s look further. Theosophy claims that to explain the phenomena of consciousness, one needs an astral body and a self. One can certainly concede what even rigorous researchers such as Du Bois-Reymond say—that what we experience within ourselves as inner life is not possible through purely material processes within the brain. So let us assume that we must for the time being forgo an explanation and add the famous “Ignorabimus.” But is it justified to say that if something else—something supernatural—emerges from matter, this is an independent entity? An opponent of theosophy might say this with some justification. He could point to magnetic forces, which, after all, emanate from an inorganic substance—the magnet—and are bound to that magnet. Thus, a supersensible force such as magnetism is indeed produced from the material world. Furthermore, the same applies to the manifestation of other forces, such as gravity, which is bound to the planets. Why should it not be the same with what we scientifically know as states of brain excitation, and with what takes place in human consciousness and inner life? There is absolutely no compulsion to explain phenomena of consciousness in any other way. Even phenomena not yet researched can be explained in this manner. In any case, the hasty assumption of an astral body to explain these processes is amateurish. Even where we are currently forced to say “Ignorabimus,” we must calmly wait to see what serious research will eventually have to say on the matter.

[ 14 ] Das, was früher in der Wissenschaft der Schreck aller Schrecken war, die sogenannte Vermögenslehre [in der Psychologie], liegt hinter uns. Da hatte man ein System darauf gebaut, dass man sagte: Die Seele kann denken, also hat sie das Vermögen, zu denken. Sie kann fühlen, also hat sie das Vermögen, zu fühlen. Danach war die Seele also ein System von lauter eingeschachtelten Vermögensbegriffen, ohne dass man einsah, dass man damit nichts erklärt hatte, sondern nur Worte gesetzt hatte an die Stelle von etwas, dass man damit nichts erklärt hatte. Nun kann der Gegner sagen: Ist nicht euer Astral- und Ätherleib ebenso etwas Eingeschachteltes, Unbegriffenes, wie es die alte Vermögenslehre war? Derartiges kann mit Recht eingewendet werden.

[ 14 ] What used to be the bane of science—the so-called “theory of faculties” [in psychology]—is now behind us. A system had been built on the premise that: The soul can think, therefore it has the faculty of thinking. It can feel, therefore it has the faculty of feeling. According to this view, the soul was thus a system of nothing but nested concepts of faculties, without anyone realizing that this explained nothing, but merely substituted words for something that had not been explained. Now the opponent might say: Aren’t your astral and etheric bodies just as nested and incomprehensible as the old theory of faculties was? Such an objection can rightly be raised.

[ 15 ] Also Theosophie ist nichts für jemanden, der auf dem Boden eingehender moderner wissenschaftlicher Erkenntnis steht. Es erscheint einem solchen die Theosophie als etwas Dilettantisches gegenüber den Forderungen einer strengen Forschung. Weiter sagt die Theosophie: Im Schlaf verlässt der Astralleib und das Ich mit dem Bewusstsein den menschlichen Körper. Da sie nicht vorhanden seien bei dem, was im Bette liegen bleibt, so müssen sie doch irgendwo zu finden – irgendwo sein. Wo sollten sie anders vorhanden sein als in einer geistigen Welt? Dagegen fragt ernste Wissenschaft: Ist es denn nötig, herbeizurufen eine besondere, übersinnliche Erklärung für diesen Schlafzustand, wenn die wissenschaftlich gegebenen Erklärungen ausreichen? Es ist durchaus möglich, den Schlaf einfach zu erklären. Die wissenschaftlich angewendete Methode fasst die Sache ganz anders auf, sie sagt: Wenn wir wachen, wird der Organismus abgenutzt. Durch die Tätigkeit, die im Wachzustand vom erregten Gehirn ausgeübt wird, bilden sich Giftstoffe. Wenn sich nun so viele Giftstoffe eingelagert haben, so töten sie durch mechanische oder chemische Wirkung das Bewusstsein ab, das heißt eben, es stellt sich der Schlafzustand ein. Jetzt wirken nicht die Organe, die sonst das Bewusstsein erzeugen, sondern andere Organe wirken im Menschen weiter, die wieder zerstören die Gifte im Körper, welche die Tätigkeit der Bewusstseinsorgane erzeugt hat, und so weiter. Eine solche Selbstregulatorhypothese ist durchaus möglich. Wenn das aber möglich ist, damit den Wechsel von Schlaf und Wachen zu erklären, dann ist es unstatthaft, etwas anderes darüber zu sagen. Die theosophische Theorie ist zum Mindesten eine waghalsige Annahme. Der wahre Tatbestand wird erst nach und nach erklärt werden können, und so lange muss man sich an das Nächstliegende und an die einfachste Erklärung dieser Phänomene halten.

[ 15 ] Thus, theosophy is not for someone grounded in in-depth modern scientific knowledge. To such a person, theosophy appears amateurish in light of the demands of rigorous research. Theosophy further states: During sleep, the astral body and the “I,” along with consciousness, leave the human body. Since they are not present in what remains in bed, they must surely be found somewhere—they must be somewhere. Where else could they be found but in a spiritual world? In contrast, serious science asks: Is it really necessary to invoke a special, supernatural explanation for this state of sleep when the scientifically established explanations are sufficient? It is entirely possible to explain sleep simply. The scientific method approaches the matter quite differently; it states: When we are awake, the organism becomes worn down. Toxins are produced as a result of the activity carried out by the stimulated brain during the waking state. Once a sufficient amount of these toxins has accumulated, they suppress consciousness through mechanical or chemical action—in other words, the state of sleep sets in. At this point, it is not the organs that normally generate consciousness that are active, but rather other organs in the human body that continue to function; these, in turn, break down the toxins in the body that were produced by the activity of the organs of consciousness, and so on. Such a self-regulatory hypothesis is entirely plausible. But if this is a valid way to explain the alternation between sleep and wakefulness, then it is unacceptable to propose any other explanation. The theosophical theory is, at the very least, a bold assumption. The true facts of the matter will only gradually become clear, and until then, one must stick to the most obvious and simplest explanation of these phenomena.

[ 16 ] Wie steht es nun weiter mit der Behauptung der Theosophie von der Wiederholung der Erdenleben? Die Theosophie zeigt, wie sich der Mensch vom Kinde an entwickelt; das könne unmöglich alles durch bloße Vererbung erklärt werden. Kinder derselben Eltern seien grundverschieden und so weiter. Daher müsste etwas dazutreten, was nicht ererbt sei, was bereits vorhanden sei im Lebenskeime des neugeborenen Menschen, also etwas, das nur durch wiederholte Erdenleben zu erklären sei. Zum Beispiel Zwillinge könnten doch verschieden sein, trotz der gleichzeitigen Vererbung.

[ 16 ] What, then, of theosophy’s claim regarding the repetition of earthly lives? Theosophy shows how human beings develop from childhood onward; this cannot possibly be explained entirely by mere heredity. Children of the same parents are fundamentally different, and so on. Therefore, there must be something else at play—something that is not inherited, something already present in the life-germ of the newborn human—in other words, something that can only be explained by repeated earthly lives. For example, twins can still be different, despite sharing the same genetic makeup.

[ 17 ] Der wissenschaftliche Einwand dagegen ist Folgender: Das, was das Wesen des Menschen ausmacht, ist nicht etwas, was nur von einem einzelnen Vater oder Mutter vererbt wurde, sondern von einer lang vermischten Kette von Vorfahren. Wenn Theosophie nun weiter sagt: Wenn ihr alles so auf Vererbung zurückführt, warum gibt es dann überhaupt ein Individuelles in der Entwicklung des einzelnen Menschen? So lautet der Einwand: Die Menschen müssen daher verschieden sein, weil so viel verschiedene Einwirkungen auf jeden Einzelnen im Leben einströmen, [was umformend wirkt auf den Menschen von der frühesten Kindheit an]. Das Genie ist hierfür ein besonders gutes Beispiel. Es tritt auf, mit besonderen Eigenschaften ausgestattet, die wir aber in den verschiedenen Vorfahren bereits veranlagt finden können. Beim Genie sind sie dann als große Endsumme vereinigt. Brentano erklärt die Seelenarbeit beim Genie so, dass es vermag, die Gedanken rasch zusammenzufügen, also nur in einer gewissen Steigerung gegenüber der gewöhnlichen menschlichen Denktätigkeit. Diese leichtere Bewegungsfähigkeit in den Gehirnmolekülen kann aber nur vererbt sein. Der Geistesforscher sagt dagegen: Das ist eigentlich wenig logisch. Das Genie steht ja am Ende einer Vererbungslinie; es müsste doch am Anfange derselben stehen, wenn es sich vererben sollte auf die Nachkommen. Der Einwand [dagegen] von der leichteren Erregbarkeit im Gehirn des Genies muss gelten, und es kann daher von Seiten der Wissenschaft gefolgert werden: Durch diese leichtere Erregbarkeit wird das Gehirn mehr abgenutzt, ist es dann wunderbar, wenn in dem genialen Organismus, weil er sich stärker abnutzt, dann die Fortpflanzung beeinträchtigt wird? Das ist ein berechtigter Einwand. Ganz besonders misstrauisch ist aber die moderne Wissenschaft gegenüber dem, was man mit hellseherischer Begabung bezeichnet. Dass es übersinnliche Erfahrungen an sich gibt, muss ja zugestanden werden. Solche Wahrnehmungen unterscheiden sich ja von natürlichem Wahrnehmen. Das kommt ja auch pathologisch vor in alledem, was man zum Beispiel als Halluzinationen zu bezeichnen pflegt. Es ist daher nicht zu verwundern, wenn der Wissenschaftler sagt: Wo ist die Möglichkeit, da die Wahrheit zu erkennen und objektive Tatsachen festzustellen? Woher wissen wir, dass das nicht einfach subjektive Erfahrungen sind? Der strenge Forscher ist bemüht, nur objektiv Nachprüfbares wissenschaftlich zu nennen. Aber die streng wissenschaftlichen erkenntnistheoretischen Methoden sind nicht auf die Ergebnisse der geisteswissenschaftlichen Schulung anwendbar. Was sich da dem Hellseher angeblich zeigt, ist doch nur eine Bilderwelt. Auch bei pathologischen Zuständen handelt es sich doch nur um Reminiszenzen des Wirklichen. Es zeigt sich zum Beispiel, dass die Hellseher eine Eisenbahn erst sehen können, seit es solche gibt. In Büchern über hellseherische Erfahrungen finden wir immer nur das wirklich zu der Zeit auch Vorhandene wiedergegeben, nur ein wenig anders kombiniert. Es ist schließlich aus Wärme und Kälte, Licht und Schatten des wirklichen Lebens zusammenkombiniert. Zum Beispiel heißt es, der Astralleib sei blau, rot, gelb und so weiter, also ebenso, wie die bekannten physischen Malfarben. Es sind Malfarben wie im Physischen, die da angeblich gesehen werden, also nichts Neues. Solche Erscheinungen haben einen pathologischen Untergrund, sind nur Halluzinationen und bringen unserer Erkenntnis wirklich nichts Neues hinzu. Die bloße Fähigkeit des Kombinierens äußerer Eigenschaften reicht völlig zur Erklärung aus.

[ 17 ] The scientific objection to this is as follows: What constitutes the essence of a human being is not something inherited solely from a single father or mother, but from a long, intermingled chain of ancestors. If Theosophy then goes on to ask: If you attribute everything to heredity, why is there any individuality at all in the development of a single human being? The objection is this: Human beings must therefore be different because so many different influences flow into each individual throughout life, [which have a formative effect on the person from earliest childhood onward]. Genius is a particularly good example of this. It manifests, endowed with special qualities that we can, however, already find predisposed in the various ancestors. In the case of genius, these qualities are then united as a grand sum total. Brentano explains the workings of the soul in a genius as the ability to rapidly piece thoughts together—that is, merely as a certain intensification of ordinary human thought activity. However, this greater mobility of the brain molecules can only be inherited. The researcher of the mind, on the other hand, says: This is actually not very logical. After all, the genius stands at the end of a line of inheritance; surely he would have to stand at the beginning of that line if it were to be passed down to descendants. The objection [to this], based on the greater excitability in the genius’s brain, must be accepted, and science can therefore conclude: Since this greater excitability causes the brain to wear out more quickly, is it any wonder that, in the genius’s organism—because it wears out more rapidly—reproduction is subsequently impaired? That is a valid objection. Modern science, however, is particularly skeptical of what is referred to as clairvoyant ability. It must be conceded that extrasensory experiences do exist. Such perceptions do, after all, differ from natural perception. This also occurs pathologically in all that is commonly referred to, for example, as hallucinations. It is therefore not surprising when the scientist asks: Where is the possibility of recognizing the truth and establishing objective facts here? How do we know that these are not simply subjective experiences? The rigorous researcher strives to call only what is objectively verifiable “scientific.” But strictly scientific epistemological methods are not applicable to the results of training in the humanities. What supposedly reveals itself to the clairvoyant is, after all, merely a world of images. Even in pathological states, these are merely reminiscences of reality. It is evident, for example, that clairvoyants have only been able to “see” a railroad since such things have existed. In books about clairvoyant experiences, we always find only what actually existed at the time being described—merely combined in a slightly different way. Ultimately, it is a combination of the warmth and cold, light and shadow of real life. For example, it is said that the astral body is blue, red, yellow, and so on—in other words, just like the familiar physical colors. These are colors just as in the physical world that are supposedly seen there; in other words, nothing new. Such phenomena have a pathological basis; they are merely hallucinations and truly add nothing new to our understanding. The mere ability to combine external characteristics is entirely sufficient as an explanation.

[ 18 ] Solche Einwände müssen begreiflich für Theosophen werden als aus tiefster, ernster Erwägung gerade der ernstesten Zeitgenossen heraus entstanden. Wer alt geworden ist in wissenschaftlichen Vorstellungen, der ist nicht leichter Hand von theosophischen Einwänden zu überzeugen.

[ 18 ] Theosophists must understand that such objections arise from the deepest, most serious deliberations of even the most serious-minded contemporaries. Those who have grown accustomed to scientific concepts are not easily persuaded by theosophical objections.

[ 19 ] Aber die Theosophie kommt ja auch mit religiösen, moralischen und ethischen Gesinnungen und Impulsen. Kann denn das bestehen?

[ 19 ] But theosophy also involves religious, moral, and ethical attitudes and impulses. Can that really be the case?

[ 20 ] Da gilt ja zunächst ein Einwand: Wenn die Theosophie das Leben so auffasst, dass das gegenwärtige Leben als das Resultat früherer Erlebnisse betrachtet wird, dann schwindet ja das Interesse am Leben. Eine derartige Anschauung läuft also auf eine Erziehung zum Fatalismus heraus. Es ist eine Lähmung des Lebens, wenn man denken kann: Ich habe ja Zeit, viele Leben liegen vor mir. – Der Einwand ist ja eigentlich trivial zu nehmen, ist aber doch praktisch richtig, denn die Menschen sind ja einmal lässig von Natur.

[ 20 ] There is, of course, an initial objection: If theosophy views life in such a way that the present life is regarded as the result of past experiences, then interest in life fades away. Such a view therefore amounts to an education in fatalism. It is a paralysis of life when one can think: “I have plenty of time; many lives lie ahead of me.”—The objection is, in fact, trivial, but it is nevertheless practically correct, for people are, after all, naturally careless.

[ 21 ] Und die Aussicht auf eine übersinnliche Welt, wie äußert sich diese ethisch? Notwendig so, dass das Interesse für das praktische Leben geringer wird. Man kann das ja zum Beispiel am Künstler sehen, der nicht dem Praktischen sich gern hingeben will. Eine solche Auffassung des Lebens macht asketisch, lebensfeindlich, und lähmt, statt anzureizen. Man sieht ja auch oft unter den Theosophen wunderbare Leute, die in einer Art Wolkenkuckucksheim leben. Frauen besonders findet man leicht schwelgerisch und lebensfremd geworden. Dies ist nicht logisch widerlegbar, sondern nur durch das Leben selbst.

[ 21 ] And how does the prospect of a supernatural world manifest itself ethically? Necessarily in such a way that interest in practical life diminishes. One can see this, for example, in the artist, who is reluctant to devote himself to practical matters. Such a view of life makes one ascetic, hostile to life, and paralyzes rather than inspires. Indeed, one often sees among theosophists wonderful people who live in a sort of cloud-cuckoo land. Women, in particular, are easily found to have become indulgent and out of touch with reality. This cannot be refuted logically, but only by life itself.

[ 22 ] Weiter könnte man sagen: Ihr habt die Ethik zu einem Ergebnis des Egoismus gemacht. Wer Gutes tut, rechnet nach eurer Anschauung auf Belohnung im karmischen Ausgleich. Wer Böses tut, respektive tun will, der unterlässt es aus Furcht vor dem entsprechenden Übel im nächsten Leben. Also ist die Karmalehre eigentlich eine Erziehungslehre? Ein höherer Egoismus! Was der Mensch sät, das muss er ernten – [dies] ist letzten Endes ein egoistischer Lebensgrundsatz. Also ist Theosophie auch ethisch und moralisch lebensgefährdend.

[ 22 ] One could go on to say: You have turned ethics into a consequence of selfishness. According to your view, whoever does good expects a reward through karmic balance. Those who do evil—or intend to do so—refrain from it out of fear of the corresponding misfortune in the next life. So is the doctrine of karma actually a doctrine of education? A higher form of selfishness! What a person sows, he must reap—[this] is, in the final analysis, a selfish principle of life. Thus, Theosophy is also ethically and morally life-threatening.

[ 23 ] Weiter verlegt ihr die göttliche Weltgerechtigkeit dadurch in den Menschen selbst hinein, dass ihr ihn in verschiedenen Erdenleben sein Schicksal sich selbst auswirken lasst. Ihr verlegt dadurch das in den Menschen hinein, was sonst in der Gottheit außer uns als strafender oder belohnender Gott lebt. Der Mensch selbst wird dadurch vergottet. Wo bleibt da eine freie Gottesliebe, wenn das Göttliche in das eigene Innere verlegt wird? Ins Innere des Menschen? – Der Gegner kann so sagen: Es steht im Widerspruch mit wirklich religiöser Weltanschauung, wenn man das Selbstopfer Gottes, die Erlösung des Menschen aus göttlicher Gnade, in das Innere des Menschen selbst verlegt.

[ 23 ] Furthermore, you transfer divine justice into human beings themselves by allowing them to shape their own destiny through various earthly lives. In doing so, you transfer into human beings that which otherwise exists in the divinity outside of us as a punishing or rewarding God. Human beings themselves are thereby deified. Where, then, is there room for free love of God when the divine is transferred into one’s own inner being? Into the inner being of human beings?—The opponent might say: It contradicts a truly religious worldview to transfer God’s self-sacrifice—the redemption of humanity through divine grace—into the inner being of human beings themselves.

[ 24 ] Solche Einwände könnten vielfach vermehrt werden. Die Hingabe an einen äußeren Gott ist eine Grundbedingung der Ethik und Religion, und das findet in der Theosophie keine Begründung. – So kann gesprochen werden; und das müssen wir Theosophen vollständig verstehen lernen, nur dann können wir uns von Fanatismus frei halten. Es konnten hier nur die wichtigsten Richtlinien angegeben werden. Sie sollen uns Toleranz auch gegenüber dem Gegner lehren. Wir sollen nicht ihre Gründe aus dem Felde zu schlagen suchen, sondern vor allem sie verstehen zu lernen trachten.

[ 24 ] Such objections could be multiplied many times over. Devotion to an external God is a fundamental prerequisite of ethics and religion, and this finds no basis in Theosophy. – This is how it can be put; and we Theosophists must learn to understand this fully—only then can we keep ourselves free from fanaticism. Only the most important guidelines could be outlined here. They are meant to teach us tolerance, even toward our opponents. We should not seek to refute their arguments, but above all strive to understand them.

[ 25 ] Es soll nun noch an einem Beispiel gezeigt werden, wie das zu verstehen ist. Der Philosoph Eduard von Hartmann hat im Jahr 1868 ein Buch geschrieben «Die Philosophie des Unbewussten». Wenn auch manches darin unmethodisch und mangelhaft und für uns nicht zu brauchen ist, so beruht es doch auf gewissen geistigen Grundlagen und rührt an tiefe Probleme des Daseins. Dieses Buch machte bei seinem Erscheinen viel Aufsehen. Es war ja die Zeit der Herrschaft des krassesten Materialismus. Sonderbar berührt dieses Buch die fanatischen Materialisten wie zum Beispiel Haeckel und andere Darwinisten. Sie fanden das Buch außerordentlich dilettantisch. Es kamen viele Gegenschriften gegen das Buch heraus. Eine anonyme Gegenschrift aber erregte besonders viel Aufsehen. Sie brachte in besonders scharfsinniger Weise alles, was gegen das Buch des Eduard von Hartmann einzuwenden war, so methodisch und vollständig, dass zum Beispiel Oscar Schmidt sagte: Schade, dass der unbekannte Verfasser sich nicht genannt hat. — Haeckel selbst meinte: Er nenne sich, und wir werden ihn als einen der Unsern betrachten. – Bald war die zweite Auflage dieser Schrift nötig. Da nannte sich nun dieser Anonymus, es war – Eduard von Hartmann! Diese zweite Auflage hatte nun nicht mehr so viel Erfolg bei den Gegnern Hartmanns – [da verstummten die Lobpreisungen bald.]

[ 25 ] Let us now use an example to illustrate how this is to be understood. In 1868, the philosopher Eduard von Hartmann wrote a book titled *The Philosophy of the Unconscious*. Although some aspects of it are unmethodical and flawed—and of no use to us—it is nonetheless based on certain intellectual foundations and touches on profound problems of existence. This book caused quite a stir upon its publication. After all, it was a time when the most extreme form of materialism reigned supreme. Strangely enough, this book particularly upset fanatical materialists such as Haeckel and other Darwinists. They found the book extraordinarily amateurish. Many counter-writings were published in response to it. One anonymous counter-writing, however, caused a particularly great stir. It presented, in a particularly incisive manner, every objection that could be raised against Eduard von Hartmann’s book—so methodically and comprehensively that, for example, Oscar Schmidt remarked: “It is a pity that the unknown author did not reveal his name.” — Haeckel himself remarked: “Let him reveal his name, and we will consider him one of our own.” — Soon a second edition of this work was necessary. It was then that this anonymous author revealed his identity—it was Eduard von Hartmann! This second edition was no longer as successful among Hartmann’s opponents—[the praise soon fell silent.]

[ 26 ] Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass man den Gegner überschaut und richtiger im Sinne des Gegners urteilt als dieser selbst.

[ 26 ] This is a good example of how one can understand one's opponent better and judge their intentions more accurately than they do themselves.

[ 27 ] Es könnte noch vieles vorgebracht werden, aber wir müssen uns für heute an dem Gesagten genügen lassen. Es brauchen nicht die Schlechtesten zu sein, die Schlimmes aus der Theosophie heraussprießen sehen. Wir müssen uns daher bemühen, unsere Gegner vor allem verstehen zu lernen.

[ 27 ] Much more could be said, but we must be content with what has been said for today. It need not be the worst among us who see evil sprouting from theosophy. We must therefore strive, above all, to learn to understand our opponents.

[ 28 ] Ich habe versucht, zu zeigen, wie man Theosophie widerlegen kann. Übermorgen soll sich zeigen, ob die Widerlegung endgültig ist oder ob dennoch Gründe vorgebracht werden können, die gegen diesen Kampf – der, wie wir gesehen haben, mit einem gewissen Recht geführt werden kann – dennoch stichhaltig sein werden.

[ 28 ] I have tried to show how theosophy can be refuted. The day after tomorrow will reveal whether this refutation is conclusive or whether arguments can still be put forward that will prove valid against this battle—which, as we have seen, can be waged with some justification.