Spiritual Science
and the Future of Humanity
GA 69e
26 September 1912, Basel
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Spiritual Science and the Future of Humanity, tr. SOL
7. Die Geisteswissenschaft und das menschliche Leben
7. Spiritual Science and Human Life
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! In dem gestrigen Vortrag bemühte ich mich zu zeigen, dass die [Ziele] und das Wesen der Geistesforschung, wie sie hier gemeint ist, dem Drange und Sehnen der Zeit der Gegenwart entsprechen, dass sie im Wesentlichen entgegenkommen den Bedürfnissen der Menschenseelen, die sich seit langer Zeit bis in unsere Gegenwart hinein vorbereitet haben und die heute für jeden, der sehen will, für jeden, der nur sich selbst richtig verstehen will, deutlich wahrnehmbar sind. Man kann nun, gerade wenn man die Frage in Erwägung zieht, welche Bedeutung diese Geistesforschung oder Geisteswissenschaft für das Leben, für das unmittelbare, man möchte sagen, volltätige Leben des Menschen hat, anknüpfen an die gestrige Bemerkung, aus dem Grunde, weil man die Bedeutung einer Sache für das Leben am besten einsehen kann, wenn man erst sieht gewisse Triebe und Bedürfnisse hervorgehen aus dem Leben, die diese Sache verlangen. Es erwarten heute viele Menschen eine [befriedigende] Weltanschauung. Die Geistesforschung oder Geisteswissenschaft wird sie geben.
[ 1 ] Ladies and gentlemen! In yesterday’s lecture, I endeavored to show that the [goals] and the essence of spiritual research, as understood here, correspond to the urges and longings of the present age, and that they essentially meet the needs of human souls that have been preparing themselves for a long time, right up to the present, and which are clearly perceptible today to anyone who is willing to see, to anyone who simply wishes to understand themselves correctly. Now, especially when considering the question of what significance this spiritual research or spiritual science has for life—for the immediate, one might say, fully active life of the human being—one can build on yesterday’s remark, for the reason that one can best grasp the significance of a thing for life when one first sees certain impulses and needs emerging from life that call for this very thing. Many people today are looking for a [satisfying] worldview. Spiritual research or spiritual science will provide it.
[ 2 ] Dasjenige, was die Seele braucht, wenn ihr Ich den Charakter durchbilden will, das erwarten viele Leute heute von einer Art Schlussfolgerungen, die aus der so wahrhaft fortgeschrittenen Naturwissenschaft unserer Zeit hervorgeholt werden können. Für gewisse Dinge ist das ganz gewiss berechtigt; allein, eine aufmerksame Betrachtung dessen, was geschieht in unserer Zeit, zeigt uns deutlich, wie auf diesem Wege manches doch nicht zu erzielen ist, wie gerade das Leben der Gegenwart so sehnsüchtig, so stark nach einer Forschung, nach dem Geiste verlangt.
[ 2 ] What the soul needs when its “I” seeks to shape its character is something that many people today expect to find in a kind of conclusion that can be derived from the truly advanced natural sciences of our time. For certain things, this is certainly justified; however, a careful observation of what is happening in our time clearly shows us how much cannot be achieved in this way, and how contemporary life in particular yearns so strongly for research and for the spirit.
[ 3 ] Man könnte viele Tatsachen anführen; nur eine der neusten soll hier vorgeführt werden. Am 18. September auf der Naturforscher-Versammlung in Münster hat Professor von Wettstein einen Vortrag gehalten über die Bedeutung der Biologie, der Lebenslehre, für die Kultur und das Leben; das heißt, [er hat] mit vollständiger Berechtigung darauf hingewiesen, wie man im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts hat sehen können, dass in einer populären Art eine Weltanschauung gegeben werden sollte, die sich stützen sollte auf die Errungenschaften der Naturwissenschaft. Und er betont, wie die Naturwissenschaft einen ruhigen Fortschritt genommen hat, wie im Grunde gebrochen werden musste durch die Wissenschaft mit dem, was man im materialistischen Zeitalter hat zeigen wollen für die Menschenseele; und mit voller Berechtigung bemühte er sich, ruhig zu bleiben bei der Beobachtung der Tatsache und nicht voreilige Schlüsse zu ziehen über jene Weltanschauungsfragen, die gar sehr in das Gebiet hineinkommen können, wo sich menschliches Denken versteigt in allerdings Unberechtigtes.
[ 3 ] One could cite many examples; only one of the most recent will be presented here. On September 18, at the naturalists’ conference in Münster, Professor von Wettstein gave a lecture on the significance of biology—the study of life—for culture and life; that is to say, [he] quite rightly pointed out how, over the course of the nineteenth century, it became apparent that a worldview should be presented in a popular manner, one grounded in the achievements of the natural sciences. And he emphasized how natural science has made steady progress, how science essentially had to break with what people in the materialistic age sought to demonstrate regarding the human soul; and with full justification, he strove to remain calm in his observation of the facts and not to draw hasty conclusions about those questions of worldview that can venture quite deeply into the realm where human thinking strays into what is, admittedly, unwarranted.
[ 4 ] Eigentlich will Geisteswissenschaft nichts anderes, als in ihrer Art und auf ihrem Gebiete einen solchen Rat befolgen; nicht durch allerlei Schlussfolgerungen und Indizienbeweise der Weltanschauung aus den äußeren sinnlichen Tatsachen zu der Wahrheit des Lebens gelangen, sondern durch Erweckung der schlummernden Kräfte der Seele, dessen, was Goethe mit den Worten bezeichnet «geistige Augen», beobachten, was hinter der Sinnenwelt, hinter dem Sinnensein überhaupt ist und womit sich die Menschenseele verbunden denkt.
[ 4 ] In fact, the science of the spirit seeks nothing more than to follow such advice in its own way and within its own field; not to arrive at the truth of life through all sorts of conclusions and circumstantial evidence derived from external sensory facts, but rather by awakening the dormant powers of the soul—what Goethe refers to as “spiritual eyes”—to observe what lies beyond the sensory world, beyond sensory existence itself, and with which the human soul feels connected.
[ 5 ] Danach verlangt die Zeit und auch das Leben. Und wenn es bei der Geisteswissenschaft darauf ankommt, die Wahrheit zu ergründen, so wird die Art, wie [sie] sich stellen kann zu dem, was Leben befruchtend, Leben gesundend ist, so sein müssen, dass eine jede Seele Befriedigung findet. Daher darf wohl diese Forderung zur Beantwortung gestellt werden. Und da kann man eines sagen: Eines muss die Geisteswissenschaft erfüllen, soll sie den Lebensbedürfnissen entgegenkommen; sie muss die Macht haben, unabhängig von einer gewissen höheren Bildung, unabhängig von der Entwicklung dieser oder jener Tatsache der Wissenschaft, unabhängig selbst von einer gewissen Höhe philosophischer Weltanschauung, sich einzuleben auch in das einfachste Gemüt, das seine Tagesarbeit als Mensch verrichten muss und nicht Zeit hat, in eingehender Weise mit dieser oder jener einzelnen Wissenschaft sich zu befassen. Allgemein zugänglich muss Geistesforschung sein. Um nicht missverstanden zu werden, möchte ich hinzufügen, dass die Geistesforschung in allem Einklang sein muss mit der Wissenschaft der Zeit, dass sie deren gerechten Anforderungen nicht widersprechen darf. Der strengste Forscher mit seinen strengsten Forderungen mag kommen, und ihm muss die Geisteswissenschaft allerdings Rede stehen können. Und derjenige, der sich einlässt auf die ernste Literatur der Geisteswissenschaft, wird sehen, wie das sein kann.
[ 5 ] That is what the times—and life itself—demand. And if the purpose of spiritual science is to fathom the truth, then the way in which [it] relates to that which enriches and heals life must be such that every soul finds fulfillment. Therefore, this demand may well be posed as a question. And one thing can be said: Spiritual science must fulfill one requirement if it is to meet the needs of life; it must have the power—regardless of a certain level of higher education, regardless of the development of this or that scientific fact, and even regardless of a certain level of philosophical worldview—to make itself accessible even to the simplest mind, which must perform its daily work as a human being and has no time to engage in depth with this or that individual branch of science. Spiritual research must be accessible to all. To avoid being misunderstood, I would like to add that spiritual research must be in complete harmony with contemporary science and must not contradict its legitimate requirements. Let the most rigorous researcher with the strictest demands come forward—spiritual science must certainly be able to stand up to him. And anyone who engages with the serious literature of spiritual science will see how this can be the case.
[ 6 ] Aber ein anderes ist, dass sie Dinge zutage fördern muss, für die, unabhängig von jeder Bildung, jede Seele Verständnis finden kann. Und da möchte ich, nicht durch eine Theorie, sondern durch eine Art von Tatsache antworten, und nicht eine Tatsache möchte ich anführen, die zunächst der Geisteswissenschaft selbst entnommen ist, sondern eine Tatsache, die eigentlich noch hinweist auf etwas, das schon vor dem weiteren Hervortreten der Geisteswissenschaft geschehen ist, was aber zeigt, wie die Seelen, die sich sehnten nach einem Hinneigen zur geistigen Welt, in einer merkwürdigen Weise sich verstehen, unabhängig von dem sonstigen Bildungsgrad. Etwas, was für solches Verständnis Zeugnis abgibt, will ich anführen, und was in erhöhtem Maße eintreten wird, wenn Geisteswissenschaft mehr und mehr sich einleben wird in die Seelen, die ihrer bedürfen.
[ 6 ] But another matter is that it must bring to light things that every soul can understand, regardless of any education. And here I would like to respond—not with a theory, but with a kind of fact— and I do not wish to cite a fact drawn primarily from spiritual science itself, but rather a fact that actually points to something that occurred even before spiritual science came to the fore—something that demonstrates how souls who longed to turn toward the spiritual world understand one another in a remarkable way, regardless of their level of education. I would like to cite something that bears witness to such an understanding—something that will occur to an even greater extent as spiritual science becomes more and more established in the souls that need it.
[ 7 ] Einer der liebenswürdigsten und umsichtigsten Philosophen der Gegenwart, Moriz Carriere – nur darauf hingewiesen kann hier werden, dass er einer derjenigen war, der den Idealismus der Philosophie immer hochgehalten hat in einer Zeit, in der der Materialismus hereinbrach über die großen Weltanschauungsfragen –, hat, mit der Reinheit philosophischen Denkens durchdrungen, in seinem Werke über die Kulturentwicklung der Menschheit nicht nur dargestellt, wie das Geistige in der Menschheitsentwicklung wirkt, sondern, wie versöhnbar wahre Wissenschaft [ist] mit dem echten Bedürfnis der Seele über die großen Fragen des Daseins, über die Beziehungen von Weltanschauung zu Religion, [dies] ist aus seiner Feder geflossen. Nun erzählt uns Moriz Carriere selber ein merkwürdiges Erlebnis, das er gehabt hat, gerade, als er versuchte, zu zeigen, wie das Geistige im Verfolg der Menschenentwicklung wirkt, und wie sich namentlich die große Gestalt des Christus Jesus in die Menschheitsentwicklung hineinstellt. Da bekam er zugeschickt eine Reihe von Manuskriptblättern. Sie rührten her von einem einfachen Mann. Sein Name war auch niemals bekannt. Karl Zeuner heißt er. In den Zeiten, als die Wogen des revolutionären Lebens hoch gingen, hatte er sich irgendwie gegen das Gesetz vergangen und geriet in Gefangenschaft. In den Kerker geriet er. Und nun erzählt er, wie er verzweifelte an den Freunden, die mit ihm gestrebt hatten nach äußerlichen Zielen, an den Resten dessen selbst, was ihm übrig geblieben aus dem Religionsunterricht der Schule, wie er einsam war. Er erzählt, wie er dann in seinem Gefängnis hörte von fern einmal ein ihm bekanntes Lied. Er erzählt, wie das seine Seele befruchtete, wie da besondere Kräfte in seiner Seele sich regten. Er schrieb nieder Gedanken, die so allmählich der wieder aufblühenden Seele im Gefängnis kamen.
[ 7 ] One of the most amiable and judicious philosophers of our time, Moriz Carriere—it suffices to note here that he was among those who always upheld philosophical idealism at a time when materialism was taking hold of the great questions of worldview— imbued with the purity of philosophical thought, not only depicted in his work on the cultural development of humanity how the spiritual influences human development, but also how true science can be reconciled with the soul’s genuine need for answers to the great questions of existence and the relationship between worldview and religion—these ideas flowed from his pen. Now Moriz Carriere himself tells us of a remarkable experience he had, precisely as he was attempting to show how the spiritual works in the course of human development, and how, in particular, the great figure of Christ Jesus intervenes in human development. It was then that he received a series of manuscript pages in the mail. They came from a simple man. His name was never known either. His name is Karl Zeuner. In the days when the waves of revolutionary life were running high, he had somehow broken the law and was taken into custody. He ended up in prison. And now he recounts how he despaired of the friends with whom he had once strived toward external goals, of the remnants of what remained to him from his religious instruction in school, and how lonely he was. He recounts how, while in prison, he once heard from afar a song he knew. He describes how this enriched his soul and how special forces stirred within him. He wrote down the thoughts that gradually arose in his soul as it blossomed anew in prison.
[ 8 ] Gleich wenn man beginnt, diese Blätter zu lesen, da begegnet man merkwürdigen Sätzen, namentlich im Anfang. Da sagt er etwa so: «Wenn ich hinblicke auf meine eigene Seele und dann auf das, was mich umgibt, so fühle ich in meiner Seele dasselbe Wesen, das da draußen in allen Dingen lebt, und ich fühle mich in meiner eigenen Seele wie ein Teil der ganzen Weltenseele.» Und von da geht er aus, sich seine Ideen zu machen über den Gang der Weltgeschichte, schildert, wie der Geist in den Menschen, die sich nach und nach entwickelt haben, tätig ist.
[ 8 ] As soon as you begin reading these pages, you come across strange sentences, especially at the beginning. He says something like this: “When I look into my own soul and then at what surrounds me, I feel within my soul the same essence that lives out there in all things, and I feel within my own soul as if I were a part of the soul of the entire world.” And from there he proceeds to formulate his ideas about the course of world history, describing how the spirit is at work in human beings, who have developed gradually.
[ 9 ] Warum hat das Moriz Carriere so überrascht? Es ist überraschend, wenn man diese Blätter des einfachen Mannes vergleicht mit dem, was Moriz Carriere geschrieben hat auf Grundlage einer Erkenntnis der Wissenschaft der Gegenwart und Studien der Kulturentwicklung der Welt. Wenn man nimmt dessen Hauptideen – sie sind fast eine Übereinstimmung bis aufs Wort zwischen den beiden, dem einfachen Menschen und dem hochgebildeten Philosophen. Der einfache Mann in seiner Einsamkeit, der nur seine innersten Seelenkräfte aufruft, schreibt etwas hin, was gleich ist dem, was der Philosoph aus den Schachten der Gelehrsamkeit herausholt. Das heißt, wenn er zu den Fragen der Weltanschauung kommt, wenn der Mensch nur suchen will, da gibt es ein Verständnis zwischen dem, der sucht in seiner Seele, und dem, der diesen Weg auf Grundlage umfassender Gelehrsamkeit sucht.
[ 9 ] Why did this surprise Moriz Carriere so much? It is surprising when one compares these writings by the simple man with what Moriz Carriere wrote based on contemporary scientific knowledge and studies of the world’s cultural development. If one considers their main ideas—they are almost identical, word for word, between the two: the ordinary man and the highly educated philosopher. The ordinary man, in his solitude, drawing only on his innermost spiritual powers, writes something that is the same as what the philosopher draws from the depths of scholarship. That is to say, when it comes to questions of worldview—if a person is merely willing to seek—there is a common understanding between the one who searches within his own soul and the one who pursues this path on the basis of comprehensive scholarship.
[ 10 ] Das zeigt uns, wie über den Geist Verständigung möglich ist zwischen dem Allergebildetsten und der einfachsten, primitivsten Seele. Und wenn das damals in einem bestimmten Falle nur auf Grundlage bestimmter Begriffe und Ideen, schon ohne Geisteswissenschaft, möglich war, dann dürfen wir sagen: Erstens entspricht dieses Fördern einer solchen Übereinstimmung einem Drange unseres gegenwärtigen Lebens. Es entspricht dem Sinne und Geist unserer Zeit, dass die Seelen über die tiefsten Bedürfnisse über alle Stände hinaus, durch alle Bildungsgrade hindurch sich verständigen; und zweitens wird eine solche Verständigung umso mehr nötig sein, wenn die Seelen zu dem Geist nicht bloß zu kommen brauchen durch Begriffe und Ideen, die sie sich aus ihrem Innern herauspressen — die wie Schatten sind im Vergleich zu dem, was Geisteswissenschaft zu geben hat –, sondern es wird durch die Geisteswissenschaft dieses allgemein Verständliche, es wird durch Geisteswissenschaft umso mehr erreicht werden.
[ 10 ] This shows us how, through the spirit, understanding is possible between the most highly educated and the simplest, most primitive soul. And if, back then, this was possible in a specific case solely on the basis of certain concepts and ideas—even without spiritual science—then we may say: First, fostering such harmony corresponds to an impulse in our present-day life. It is in keeping with the spirit and essence of our time that souls communicate with one another regarding their deepest needs, transcending all social classes and across all levels of education; and second, such understanding will be all the more necessary when souls no longer need to approach the spirit merely through concepts and ideas that they squeeze out of their innermost being—which are like shadows compared to what spiritual science has to offer—but rather, this universally comprehensible understanding will be achieved all the more through spiritual science.
[ 11 ] Damit ist aber eine Lebensforderung gerade unserer Zeit nach allgemeiner Verständigung über die Grundfragen des Daseins gegeben, und wir sind an der Pforte ihrer praktischen Lösung durch die Geisteswissenschaft angekommen.
[ 11 ] This, however, presents a challenge for our time in particular—the need for a general understanding of the fundamental questions of existence—and we have now reached the threshold of their practical solution through spiritual science.
[ 12 ] Das heißt: Geisteswissenschaft ist in der Lage, in das Leben unmittelbar hineinzugreifen. Es gibt allerdings, und das wird von manchen Seiten auch betont, einen Einwand gegen diese Geisteswissenschaft, gerade, wenn es darauf ankommt, dieses allgemein Verständliche in das rechte Licht zu stellen. Man sagt: Ja, da wird aber erst gelehrt, dass der, der da hineindringt in die geistige Welt, die schlummernde Seele weckt. Und das, was gesagt ist in meiner «Erkenntnis der höheren Welten», das verlangt einen weiten Weg, bis man selber Einsicht nehmen kann von diesem geistigen Leben. Wie kann man da, so könnte man fragen, von allgemeiner Verständlichkeit sprechen, wenn erst einer, der seine Seele umgewandelt hat, in diese eindringen kann?
[ 12 ] This means that spiritual science is capable of directly influencing life. However, as some have pointed out, there is an objection to this spiritual science, particularly when it comes to placing this universally understandable concept in the proper light. People say: Yes, but it is first taught that the one who penetrates the spiritual world awakens the slumbering soul. And what is stated in my *Knowledge of the Higher Worlds* requires a long journey before one can gain insight into this spiritual life for oneself. One might ask, then, how can we speak of general comprehensibility if only someone who has transformed their soul can enter into it?
[ 13 ] Dieser Einwand ist begreiflich und doch nicht ganz berechtigt; denn notwendig ist diese Forderung für den Geistesforscher, für das eigene Feststellen der Tatsachen der geistigen Welt. Der Geistesforscher, er kann geistige Tatsachen, die für das Leben wichtig sind, erforschen. Er kann sie dann formulieren, in Worte, Begriffe, Ideen bringen und der Allgemeinheit mitteilen. Zum Erforschen ist geistige Schulung nötig; wenn aber diese Tatsachen da sind und, formuliert in Begriffe, Worte, Ideen vor uns treten, dann kann sie das einfachste Gemüt verstehen, dann kann jeder das verstehen. Es ist nichts weiter nötig, als dass man unbefangen diesen Ideen, Begriffen und Worten sich hingibt; denn bei diesen geistigen Tatsachen ist es so, dass, wenn wir diese Ideen auf uns wirken lassen, sie sich selber beweisen. Sie können uns alles dasjenige geben, was wir von ihnen bedürfen für die Zwecke des praktischen Lebens — was wir von ihnen bedürfen an Aufrichtung, Stärkung, Gesundung des Lebens. Was treue Geistesforscher der Welt geben können, kann jederzeit von der Wissenschaft geprüft werden! Vor der leichten, seichten Kritik freilich werden diese Dinge vielleicht nicht bestehen, vor einer wahren können sie bestehen. Dasjenige aber, was mehr oder weniger ausgesprochen viele sagen, fühlen, das ist, dass sie ja zugeben müssen ein allgemeines Hinlenken der menschlichen Erkenntnis [auf die] höhere Welt, aber sobald man auf Einzelheiten der Geistesforschung eingeht, sobald man beginnt, aus den Beobachtungen der geistigen Welt zu schildern, zu schildern, was zwischen Tod und neuer Geburt ist, was man die Entwicklung der Menschheit nennt, nach den Impulsen, die von der Geisteswissenschaft gegeben werden, kurz, wenn Einzelheiten angeführt werden, dann zucken unsere Zeitgenossen noch vielfach zurück. Einen allgemeinen Hinweis suchen sie, ohne diesen – gestehen sie – könnte das menschliche Leben, das stärkende, gesunde, nicht bestehen. Aber wenn man auf Einzelheiten eingeht, wenn man schildert Wesen und Dinge der geistigen Welt, dann kommt gleich der Einwand: Da hinauf kann keiner dringen, davon können wir nichts wissen. Hier stehen wir auf dem Punkte, verehrte Anwesende, wo Geisteswissenschaft sich erst wird verständlich machen müssen dem, was zwar ausgesprochene Lebensbedürfnisse sind, was man aber nur in der Allgemeinheit haben will.
[ 13 ] This objection is understandable, yet not entirely justified; for this requirement is essential for the spiritual researcher in order to ascertain the facts of the spiritual world for himself. The spiritual researcher can investigate spiritual facts that are important for life. He can then formulate them—expressing them in words, concepts, and ideas—and communicate them to the general public. Spiritual training is necessary for this investigation; but once these facts are present and appear before us, formulated into concepts, words, and ideas, even the simplest mind can understand them—anyone can understand them. All that is needed is to open oneself to these ideas, concepts, and words with an open mind; for with these spiritual facts, the more we allow these ideas to take effect within us, the more they prove themselves. They can give us everything we need from them for the purposes of practical life—what we need from them to uplift, strengthen, and heal our lives. What faithful researchers of the spiritual world can offer the world can be verified by science at any time! Admittedly, these things may not stand up to superficial, shallow criticism, but they can stand up to genuine criticism. What, however, many people say or feel—to a greater or lesser extent—is that they must admit a general turning of human consciousness [toward] the higher world, but as soon as one delves into the details of spiritual research, as soon as one begins to describe, based on observations of the spiritual world, what lies between death and rebirth—what is called the evolution of humanity—according to the impulses provided by spiritual science; in short, when details are cited, our contemporaries still often recoil. They seek a general indication; without it—they admit—human life, the strengthening, healthy kind, could not exist. But when one goes into details, when one describes beings and things of the spiritual world, the objection immediately arises: No one can penetrate that realm; we can know nothing about it. Here, esteemed audience, we stand at the point where spiritual science must first make itself understood to those who, while they have what are indeed fundamental needs of life, wish to have them only in general terms.
[ 14 ] Wiederum sei ein konkretes Beispiel angeführt, wie sozusagen die Menschheit nach einer neuen Antwort sucht über die Bedürfnisse der Seele. Der gewesene Präsident der Harvard-Universität, USA, sprach das aus, nannte es das Bedürfnis nach einer neuen Religion. Geisteswissenschaft will keine neue Religion gründen, Geisteswissenschaft hat nichts mit Sektenbildung zu tun; sie will die alten verstehen, will im Geistigen erforschen, was die Menschenseele braucht. Unsere Zeitgenossen glauben, dass dieses Drängen, das nach Geistesforschung geht, ein Drängen nach einer neuen Religion sei. Dr. Eliot hat darauf hingewiesen, wie ihre Lebensbedürfnisse hindrängen nach Geisteswissenschaft. Dr. Eliot, der lange Zeit an der Spitze der Wissenschaft, der Präsident einer Universität war, der hat dem Sinne nach Folgendes ausgesprochen: Die Menschen haben immer eine vom Körper verschiedene, obgleich ihm innewohnende Seele angenommen. Jedermann glaubt, dass es im Menschen ein lebendiges, herrschendes, eigenartiges Wesen oder einen Geist gibt, der er selber ist. Dieser ist etwas im Grunde so Wirkliches wie der Körper. Er ist der wirksamste Teil des menschlichen Wesens und wird als solcher anerkannt: Und das war immer der Fall und wird immer der Fall sein.
[ 14 ] Once again, let us cite a concrete example of how humanity, so to speak, is searching for a new answer to the needs of the soul. The former president of Harvard University in the United States expressed this, calling it the need for a new religion. Spiritual science does not seek to found a new religion; it has nothing to do with the formation of sects; rather, it seeks to understand the old ones and to explore, in the spiritual realm, what the human soul needs. Our contemporaries believe that this urge toward spiritual research is an urge for a new religion. Dr. Eliot has pointed out how their life needs drive them toward spiritual science. Dr. Eliot, who for a long time was at the forefront of science and served as a university president, expressed the following in essence: People have always assumed the existence of a soul that is distinct from the body, yet inherent in it. Everyone believes that there is within a human being a living, governing, distinctive being—or a spirit—that is the person themselves. This is, in essence, as real as the body. It is the most active part of the human being and is recognized as such: And this has always been the case and always will be.
[ 15 ] Wenn man solche Worte hört, so kann man daraus den Schluss ziehen, dass auch die Leute, die umfassende Bildung haben, dies Drängen und Streben haben.
[ 15 ] When one hears such words, one can conclude that even people with a broad education share this drive and ambition.
[ 16 ] Man könnte viele Beispiele anführen; man wird überall sehen, dass überall auf den Geist hingedeutet wird aus dem Lebensbedürfnis heraus, nicht aus der Erkenntnis, aber in einer eigenartigen Weise, die zeigt, welche Abneigung noch besteht gegen die Einzelheiten, wie sie durch die Geisteswissenschaft vorzubringen sind.
[ 16 ] One could cite many examples; one will see everywhere that references are made to the spirit out of a need for life, not out of knowledge, but in a peculiar way that reveals the aversion that still exists toward the details as presented by spiritual science.
[ 17 ] Wenn jemand so, wie Dr. Eliot, hinweist auf die Bedürfnisse der Zeit, dann ist dieser Hinweis etwa so, als wenn man in Bezug auf Naturwissenschaft sagen würde: Niemand kann leugnen, dass es eine Natur gibt, eine Natur, die im Raume draußen Wesen hervorbringt, eine Natur, welche in der Zeit Geschehnisse hervorruft, welche ein Anfang und ein Ende haben, und so weiter. Jemand, der so auf die Natur hinweisen würde, lässt sich vergleichen mit jemand, der so hinweist auf den Geist wie Dr. Eliot. Aber kann jemand damit Befriedigung geben, dass man sagt: Es gibt eine Natur mit verschiedenen Lebewesen und Geschehnissen?
[ 17 ] When someone, like Dr. Eliot, points out the needs of the times, this observation is roughly equivalent to saying, with regard to the natural sciences: No one can deny that there is a nature—a nature that brings forth beings in the external world, a nature that brings about events in time that have a beginning and an end, and so on. Someone who would point to nature in this way can be compared to someone who points to the spirit in the same way as Dr. Eliot. But can anyone be satisfied with simply saying: There is a nature with various living beings and events?
[ 18 ] Das Befriedigende liegt darin, dass der Mensch hinausgehen kann und die einzelnen konkreten Wesenheiten wahrnehmen kann. Nicht das Abstrakte genügt den Menschen, sondern die Einzelheiten; Tatsachen müssen vor unsere Seele treten. Was niemand befriedigen könnte in Bezug auf die Natur, das ist das, was noch viele befriedigen soll in Bezug auf das Geistige – ein leeres Allgemeines, Abstraktes.
[ 18 ] The satisfaction lies in the fact that a person can go out and perceive individual, concrete entities. It is not the abstract that satisfies people, but the details; facts must present themselves to our soul. What could never satisfy anyone with regard to nature is precisely what is still supposed to satisfy many with regard to the spiritual—an empty generality, an abstraction.
[ 19 ] Aber man lehnt es noch ab, auf Teile, auf Einzelheiten einzugehen, auf die Einzelheiten, die Tatsachen der geistigen Welt, die aus der Geisteswissenschaft ebenso hervorleuchten wie in der Naturwissenschaft die einzelnen Tatsachen der Natur.
[ 19 ] But people still refuse to go into the specifics, the details—the details and facts of the spiritual world that shine forth from spiritual science just as the individual facts of nature do in the natural sciences.
[ 20 ] Geisteswissenschaft steht heute auf dem Boden, wo die Naturwissenschaft vor vier Jahrhunderten stand, als sie begann, aus ihren Mitteln heraus die Natur zu beschauen. Konnte gestern darauf hingewiesen werden, dass man in den naturwissenschaftlichen Dingen ins Einzelne geht, so muss heute darauf hingewiesen werden, wie man sich erst gewöhnen muss, über die Einzelheiten des geistigen Lebens so zu denken wie über die Einzelheiten der Naturvorgänge; und wie es nicht genügt, zu wissen, dass es allgemeine Naturprodukte gibt, wie der Naturforscher unterscheiden muss zum Beispiel zwischen Hafer und Weizen, so wird der Mensch auch immer mehr brauchen die Einzelheiten der geistigen Tatsachen. Ebenso, wie man nicht den natürlichen Bedürfnissen in derselben Weise mit Weizen und Hafer nahen kann, ebenso kann man nicht mit allgemeinen Hinweisen auf die geistige Welt den geistigen Bedürfnissen sich nahen. Wenn dieser oder jener Trost gebraucht wird oder wenn dieser oder jener Charakterzug sich eingießen soll in die Seele, dann müssen Einzelheiten, Tatsachen gegeben werden. Das ist der Weg, den Geisteswissenschaft einzuschlagen hat. Und weil dieser Zug nach dem Allgemeinen heute die Welt beherrscht, deshalb sieht man auch an den einzelnen Dingen, die gefordert werden, wie man zwar aus dem heutigen Leben heraus das Sehnen nach dem Geiste zugibt, der befruchtend wirkt auf die Seele, die er erfüllt, wenn es befriedigt wird, niemand aber über die wesentlichsten Dinge ein Zutreffendes sagen muss, weil man so allgemein widerstrebt dem Einzelnen.
[ 20 ] The humanities today stand where the natural sciences stood four centuries ago, when they began to observe nature using their own methods. Just as it was pointed out yesterday that in the natural sciences one delves into the details, so it must be pointed out today that one must first accustom oneself to thinking about the details of spiritual life in the same way as one thinks about the details of natural processes; and just as it is not enough to know that there are general natural products—just as the natural scientist must distinguish, for example, between oats and wheat—so too will human beings increasingly need the details of spiritual facts. Just as one cannot approach natural needs in the same way with wheat and oats, so too one cannot approach spiritual needs with general references to the spiritual world. When this or that comfort is needed, or when this or that character trait is to be instilled in the soul, then details and facts must be provided. This is the path that spiritual science must take. And because this tendency toward the general dominates the world today, one can see even in the specific things that are demanded how, while people acknowledge—out of their present-day lives—a longing for the spirit, which has a fertilizing effect on the soul and fills it when satisfied, no one has to say anything accurate about the most essential things, because there is such a general aversion to the particular.
[ 21 ] Aus dieser Rede des Eliot können wir auch einen anderen Satz herausnehmen, in dem er davon spricht, wie die geistige Weltanschauung, die sich aufbaut, scheint auf alle wissenschaftlichen Errungenschaften der neuen Zeit, sich beschäftigen wird mit Freude und Leben.
[ 21 ] From this speech by Eliot, we can also single out another sentence in which he speaks of how the emerging spiritual worldview seems set to engage with all the scientific achievements of the modern era, with joy and vitality.
[ 22 ] Er stellt sich damit entgegen dem Alter, Tod, und so weiter. Da haben wir vor Augen ein Fern-sich-Halten von Tod und Trauer, Tod und Sünde seitens derer, die dem Menschen erzählen, was das Leben der Seele sein soll, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geschritten ist. Dass man das alles nicht braucht, das fordert Dr. Eliot von der neuen Weltanschauung, dass man in ihr sich beschäftigen soll mit Leben und Freude. Es entspricht das ganz der Anschauungsweise unserer Zeit, welche den Blick auf die lebendige Tat richtet und Gründe sieht, das Leben stark, freudig zu machen. Das ist vollberechtigt. Vollberechtigt ist es auch, wenn man sagt, die neue Lebensanschauung muss sich befassen mit Leben und Freude; und demgegenüber klingt der Satz doch wunderbar, dass sich die neue Weltanschauung hinwegsetzen soll über Tod und Trauer. Einen gewichtigen Einwand gibt es doch: Wenn sich noch so sehr das menschliche Denken nicht damit befassen will – Tod und Trauer werden sich schon mit dem Menschen befassen und ihr Dasein dem Menschen zeigen, und das Leben wird schon immer verlangen, damit man es begreifen kann, über den Tod und seine Rätsel etwas zu wissen, und die Freude wird verlangen nach Kräften, die wieder emporrichten, wenn die Trauer uns niederdrückt.
[ 22 ] In doing so, he sets himself against old age, death, and so on. Here we see a distancing from death and mourning, death and sin, on the part of those who tell people what the life of the soul is supposed to be like once a person has passed through the gates of death. Dr. Eliot demands of the new worldview that none of this is necessary—that it should focus instead on life and joy. This is entirely in keeping with the outlook of our time, which focuses on living action and sees reasons to make life strong and joyful. That is entirely justified. It is also entirely justified to say that the new outlook on life must concern itself with life and joy; and in contrast, the statement that the new worldview should set aside death and grief sounds truly wonderful. There is, however, one weighty objection: No matter how much human thought may wish to avoid dealing with them—death and grief will still engage with human beings and reveal their existence to us; and life will always demand, in order for us to understand it, that we know something about death and its mysteries; and joy will demand the strength to lift us up again when grief weighs us down.
[ 23 ] Das ist aber gerade das Streben der Geisteswissenschaft, im Innern der Seele das im Menschen zu erwecken, was sie zur berechtigten, zur sicheren Überzeugung bringt, wie das, was des Menschen wahres Sein ist, nicht teilnimmt an dem äußeren Sinnlichen, sondern von ewiger Art ist, von Leben zu Leben geht. Und dieses Gewahrwerden des tiefsten Lebendigen in seinen Einzelleben, das wird erst die von Eliot geforderte Erkenntnis des wahren Lebens bringen, weil sie als Erkenntnis weiß, wie das wahrhaft Lebendige über den Tod stets siegt. Und diese Erkenntnis wird hervorzuholen wissen aus den Tiefen der Seele Kräfte, die dem Geistigen entspringen und die uns wieder aufzurichten wissen, wenn das äußere Leben uns herabstimmt durch Trauer oder etwas anderes.
[ 23 ] But this is precisely the aim of spiritual science: to awaken within the soul that which leads a person to the justified, certain conviction that what constitutes a person’s true being does not participate in the external sensory world, but is of an eternal nature, passing from life to life. And this becoming aware of the deepest life force in one’s individual lives is what will ultimately bring about the recognition of true life that Eliot called for, because as a form of knowledge it understands how the truly living always triumphs over death. And this insight will know how to draw from the depths of the soul forces that spring from the spiritual and that know how to lift us up again when external life brings us down through grief or something else.
[ 24 ] Wir können eine Tatsache aus dem menschlichen Leben entnehmen, eine Tatsache aus dem Geiste unserer Zeit, und dann unsere Schlüsse ziehen, was das Leben des Einzelnen bekommen kann durch die Resultate der Geistesforschung.
[ 24 ] We can draw on a fact from human life, a fact from the spirit of our times, and then draw our own conclusions about what the life of the individual can gain from the results of spiritual research.
[ 25 ] Ein jeder erlebt es ja, dass sein Leben eine Jugend hat, fortschreitet, und dass endlich ein Kulminationspunkt erreicht wird, und dass er dann wiederum zum Abstieg gelangt. Er erlebt es, wie allmählich verdorrt, vergeht dasjenige, was er sein Physisches, das Körperliche, nennt. Eine oberflächliche Wissenschaft hat gerade von dieser Tatsache auf die Abhängigkeit des Geistigen vom Körperlichen geschlossen. Weil das Gehirn verwelkt, sodass eine äußere Regung des Intellekts nicht möglich ist, zieht man den Schluss, dass das Seelisch-Geistige hinwelkt mit dem Körperlichen. Das ist, als wenn man aus der Unbrauchbarkeit eines Klaviers schließt, dass der Spieler nicht mehr da wäre.
[ 25 ] Everyone experiences that their life has a youth, progresses, and eventually reaches a culmination point, after which it begins to decline. They experience how what they call their physical, bodily self gradually withers and fades away. A superficial science has concluded, precisely from this fact, that the spiritual depends on the physical. Because the brain withers away, making any outward activity of the intellect impossible, the conclusion is drawn that the soul and spirit wither away along with the physical body. This is like concluding, from the fact that a piano is no longer playable, that the pianist is no longer there.
[ 26 ] Wenn einmal Geisteswissenschaft wird einfließen lassen, was sie weiß aus der geistigen Welt, dann wird die Seele gegen das Alter hin Kräfte haben, die gesundend in das Leben eingreifen. In meiner kleinen Schrift über die Erziehung des Kindes können Sie sehen, wie die Geisteswissenschaft auch in das Einzelne der praktischen Erziehung eingreift. Wie oft hört man Leute allerlei pädagogische Maßregeln geben. Dem, der das Leben kennt, wird oft bange bei solchen allgemeinen Sätzen und Regeln, und wer aufmerksam die Literatur verfolgt, wird sehen, wie ungenügend dem heranwachsenden Menschenleben diese Reformgedanken von heute sind. Wenn man aber weiß aus der Geistesforschung, wie unter ganz anderen Bedingungen der Mensch heranwächst in den verschiedenen Jahren und Perioden seines Lebens, wie bis zum siebten Jahr der physische Leib sich entwickelt, wie dann ganz anders wirken die Erziehungsmaßregeln im siebten bis vierzehnten Jahre, wo der Ätherleib sich herausbildet, und vom vierzehnten bis einundzwanzigsten Jahre, wo der Astralleib sich entwickelt –, erst, wenn man weiß, wie differenziert sich diese Epochen im Menschenleben ausnehmen, wie der Mensch in genau differenzierten Stufen fortschreitet, erst dann ist man imstande, aus der Natur des Menschen heraus solche Grundsätze aufzustellen, welche wirklich das heraufholen, was in der Seele liegt. Die Zukunft wird zeigen, wie durch solche Pädagogik, die aus der Geisteswissenschaft genommen wird, das Leben befruchtet werden kann; denn wer so sich zum Leben stellt, dass uns die Bedingungen hergestellt werden, dass der Seele gegeben werden können zu bestimmten Zeiten die Kräfte, die das Leben wecken, der muss dann ja immer selbst sehen, was Geisteswissenschaft für alle Menschen werden kann. Wo auch der Mensch steht – er kann sich nicht nur theoretische Erkenntnisse erwerben, sondern Geisteswissenschaft gibt der menschlichen Seele wahrhaft geistige Substanz, geistige Nahrung, die in der Seele arbeitet und verdaut wird, wenn ich den trivialen Ausdruck brauchen darf, die die Seele immer weich, innerlich tätig, inhaltvoll, ihrer selbst bewusst erhält. Das ist ein Wissen, das braucht das Leben und wird es immer mehr brauchen.
[ 26 ] Once spiritual science begins to incorporate what it knows from the spiritual world, the soul will possess powers as it approaches old age that will have a healing effect on life. In my short treatise on child rearing, you can see how spiritual science also influences the specific details of practical child-rearing. How often do we hear people offering all sorts of pedagogical prescriptions? Those who know life often feel uneasy about such general statements and rules, and anyone who follows the literature closely will see how inadequate today’s reform ideas are for the developing human being. But when one knows from spiritual research how the human being grows up under entirely different conditions during the various years and periods of life—how the physical body develops up to the age of seven, how educational guidelines then take effect quite differently between the ages of seven and fourteen, when the etheric body is forming, and between the ages of fourteen and twenty-one, when the astral body is developing— only when one knows how distinctly these epochs manifest in human life, how the human being progresses in precisely differentiated stages—only then is one able to formulate principles based on human nature that truly bring forth what lies within the soul. The future will show how such a pedagogy, drawn from spiritual science, can enrich life; for whoever approaches life in such a way that the conditions are created for the soul to be given, at specific times, the forces that awaken life—such a person must then always see for themselves what spiritual science can become for all human beings. No matter where a person stands—they can acquire more than just theoretical knowledge; spiritual science provides the human soul with truly spiritual substance, spiritual nourishment that works within the soul and is digested—if I may use that trivial expression—keeping the soul ever supple, inwardly active, rich in content, and self-aware. This is a kind of knowledge that life needs and will need more and more.
[ 27 ] Dann haben wir, wenn das Leben beginnt, seinen Abstieg anzutreten, wenn Runzeln in unser Gesicht sich hineingraben, wenn unsere Haare zu bleichen beginnen, dann haben wir nicht bloß theosophisches Wissen, sondern tragen durch eine geisteswissenschaftliche Auffassung des Lebens in uns einen lebendigen Kern, der inhaltvoll ist, [der] sich erlebt, je mehr das Äußere abfällt, und es fühlt in sich der Mensch: Die Hülle und den Leib, das Physische, legst du ab, aber in dir trägst du die Kräfte, um durch die geistige Welt zu gehen, dir da zu holen neue Kräfte für den Aufbau eines neuen Lebens. Das innerlich sich sagen gibt Sicherheit.
[ 27 ] Then, when life begins its descent—when wrinkles etch themselves into our faces, when our hair begins to turn gray—then we possess not merely theosophical knowledge, but, through a spiritual-scientific understanding of life, we carry within us a living core that is rich in meaning, [one] that becomes more vivid the more the outer shell falls away, and the human being feels within themselves: You shed the outer shell and the body, the physical, but within you carry the powers to journey through the spiritual world, to draw from it new powers for building a new life. Saying this to oneself brings inner security.
[ 28 ] Das gilt im Allgemeinen für alle Menschen. In einer gewissen Weise wird Geisteswissenschaft den Menschen immer mehr hinweghelfen über das, was naturgemäßerweise sich ergeben muss, wenn man nicht fühlt den lebendigen Geist.
[ 28 ] This applies in general to all human beings. In a certain sense, spiritual science will increasingly help people transcend what naturally must result when one does not feel the living Spirit.
[ 29 ] Eine andere Tatsache, die insbesondere in unserer Zeit sehr wichtig ist, ist die der Nervosität. In einer gewissen Weise fühlt heute jeder, was gemeint ist mit dem Zeitalter der Nervosität, denn das hängt innerlich zusammen mit gewissen Begriffen, die man sich gebildet hat. Wie häufig fühlt der Mensch diese oder jene Ohnmacht, diesen oder jenen Fehler, diese oder jene Untugend ganz im Sinne der materialistischen Weltanschauung so, dass der Mensch hinblickt auf seine Vorfahren, auf seine Vererbungslinie.
[ 29 ] Another fact that is particularly important in our time is that of nervousness. In a certain sense, everyone today feels what is meant by the “age of nervousness,” for this is intrinsically linked to certain concepts that people have formed. How often does a person experience this or that powerlessness, this or that fault, this or that vice—entirely in keeping with the materialistic worldview—in such a way that they look to their ancestors, to their hereditary lineage.
[ 30 ] In der Dichtkunst wird oft dargestellt, wie der Mensch, der sich beladen fühlt im Hinblick auf seine Vorfahren, sich sagt: Das ist vererbte Anlage, das ist nicht zu ändern. Erzeugnis solcher Seelenstimmung ist Schwäche, Trostlosigkeit – keinem Beobachter sollte es entgehen, wie dadurch tatsächlich die Menschen schwach gemacht werden.
[ 30 ] In poetry, it is often depicted how a person who feels burdened by their ancestors tells themselves: “This is an inherited disposition; it cannot be changed.” The result of such a state of mind is weakness and despair—no observer should fail to notice how this actually renders people weak.
[ 31 ] Man macht heute merkwürdige Erfahrungen. Gerade bei materialistischen Forschern sieht man, wie sie sprechen von dieser Nervosität unserer Zeit, wie sie materialistische Erklärungen getan. Erst jetzt ist von einem österreichischen Gelehrten ein Buch erschienen, der merkwürdigerweise die ganze Veranlagung mit einem Ausdruck belegt: dass alles beim Menschen beruhe auf der physikalisch-chemischen Komposition seines Organismus, sogar sein Charakter. Und wenn man das Buch weiter verfolgt, zeigt sich etwas Sonderbares: Der Betreffende gibt Ratschläge. Man sollte allerdings denken, man könnte erwarten, dass irgendein Heilmittel, das man verschluckt, angewendet würde, um der verfehlten chemisch-physikalischen Komposition aufzuhelfen; der betreffende Herr empfiehlt nicht, wenigstens für viele Fälle nicht, irgendein Pülverchen, sondern empfiehlt Stärkung des Charakters durch moralische Mittel, durch allerlei Seelendinge!
[ 31 ] We are having strange experiences these days. Especially among materialist researchers, one sees how they speak of this nervousness of our time and offer materialist explanations. Only now has a book been published by an Austrian scholar who, strangely enough, sums up the entire mindset with a single statement: that everything in human beings is based on the physical-chemical composition of their organism—even their character. And as one reads on, something peculiar becomes apparent: the author offers advice. One might think, however, that one could expect some kind of remedy to be swallowed or applied to correct this flawed chemical-physical composition; yet this gentleman does not recommend—at least not in many cases—any sort of little powder, but rather advocates strengthening the character through moral means, through all sorts of spiritual matters!
[ 32 ] Wir wollen nicht rechten mit unserer Zeit auf solchem Gebiete. Wir wollen unsere Aufmerksamkeit richten auf die Frage: Woher sollen die Dinge genommen werden, die einen Menschen, der trostlos dasteht mit diesem oder jenem Gebrechen – physisch-chemische Bedingungen, die seinen Charakter ausmachen –, woher sollen die Mittel genommen werden, die ihn zum Kämpfer machen gegen seine Nervosität, gegen seine Neurasthenie?
[ 32 ] We do not wish to argue with our contemporaries on such matters. We want to focus our attention on the question: Where should the resources come from—for a person who stands there desolate with this or that affliction—physical and chemical conditions that shape his character—where should the means come from that will turn him into a fighter against his nervousness, against his neurasthenia?
[ 33 ] Geisteswissenschaft wird antworten: Wenn der Mensch wissen wird, dass es ebenso ein Fehler war, wenn man hinwies, dass der Komplex von Eigenschaften des Kindes bloß sich ergibt aus der Vererbung von den EItern, wenn man so schließt, ist das ebenso gut ein Beobachtungsfehler, wie es einst ein Beobachtungsfehler war, als man im sechzehnten Jahrhundert, ja auch im siebzehnten, sagte, und zwar nicht nur Laien, sondern gelehrte Forscher glaubten es, dass höhere Tiere, sogar Fische, aus unlebendiger Substanz hervorgehen können.
[ 33 ] The humanities will respond: When people come to realize that it was just as much a mistake to claim that a child’s set of characteristics arises solely from inheritance from the parents—when one draws such a conclusion—it is just as much an observational error as it once was in the sixteenth century, and indeed in the seventeenth, —and not only laypeople, but learned researchers believed it—that higher animals, even fish, could arise from inanimate matter.
[ 34 ] Und es gab eine große Revolution, als der italienische Naturforscher Francesco Redi den Satz aufstellte: Aus Unlebendigem kann nie Lebendiges entstehen. Das Lebendige kann nur aus dem Lebendigen entstehen. Mit [knapper] Not ist Francesco Redi dem Schicksal des Giordano Bruno entgangen.
[ 34 ] And a great revolution took place when the Italian naturalist Francesco Redi formulated the principle: Life can never arise from non-living matter. Life can only arise from life. Francesco Redi narrowly escaped the fate of Giordano Bruno.
[ 35 ] Für Geistig-Seelisches muss dasselbe gesagt werden: Geistig-Seelisches geht nur aus geistig-Seelischem hervor, wir blicken zurück zum Geistig-Seelischen, das der Keim ist in früheren Zeiten zu unserem jetzigen Leben. Wir fühlen das Unrecht, dass das, was wir als Schicksal, als Anlagen, als geistig-seelischen Besitz in uns tragen, nur ein Vererbtes der Vorfahren sein soll, und erkennen, dass es in dem Geistigen, wie wir es vorher, in früheren Zeiten erworben haben, begründet ist. Da wird der Mensch sich bewusst, dass noch etwas außer den vererbten Merkmalen in ihm ist. Und in dem Maße, als er das erkennt, braucht er nicht hinzublicken auf seine ererbten Merkmale und nicht sich zu sagen: Die muss ich tragen; nein, der Geistesforscher muss, wenn er seinen Seelenkern erkannt, suchen, seine Kräfte zu stärken, der Entwicklung voranzuhelfen.
[ 35 ] The same must be said of the spiritual-soul aspect: The spiritual-soul aspect arises only from the spiritual-soul aspect; we look back to the spiritual-soul aspect that was the seed in earlier times of our present life. We sense the injustice in the idea that what we carry within us as fate, as predispositions, as spiritual-soul possessions, is supposed to be merely something inherited from our ancestors, and we recognize that it is rooted in the spiritual, as we acquired it previously, in earlier times. Then the human being becomes aware that there is something else within them besides their inherited traits. And to the extent that they recognize this, they need not look to their inherited traits nor say to themselves, “I must bear these”; no, once the spiritual researcher has recognized the core of their soul, they must seek to strengthen their powers and help advance their development.
[ 36 ] So wird Geisteswissenschaft hineinwirken in das Leben, es gesund machen, und der Einzelne wird sich kräftig in das Leben hineinstellen.
[ 36 ] In this way, spiritual science will influence life, making it healthy, and the individual will engage vigorously with life.
[ 37 ] Damit ist im Grunde angedeutet das andere Lebensergebnis der Geistesforschung: das Soziale. Unsere Zeit hat zunächst – allerdings berechtigt – nur die Tendenz, die äußere Anordnung zu studieren, wie man diese oder jene Einrichtung treffen soll, damit die Menschen ihre Existenz finden sollen. Die innere Tendenz bringt die Geisteswissenschaft, wie die Menschen ihr Inneres herausbringen sollen, um, dem Leben gewachsen, sich in das Leben hineinzustellen.
[ 37 ] This essentially points to the other outcome of spiritual research: the social aspect. Our age initially has—albeit justifiably—only the tendency to study external structures, such as how to establish this or that institution so that people may find their place in life. Spiritual science, however, reveals the inner tendency: how people should bring forth their inner selves so that, ready to face life, they may step into it.
[ 38 ] Zu all diesem wird gehören, dass diese Zeit sich bewusst werden muss, dass sie es in der Geistesforschung nicht mit toter Theorie zu tun hat, sondern damit, dass Lebenskräfte selbst geweckt werden. Dadurch wird es — das Zeitalter – die Realität dessen, was aus der Geisteswissenschaft kommt, erkennen, sie erleben, weil Geisteswissenschaft sich am Leben begreifen wird. Dadurch wird der Mensch, der Geisteswissenschaft in sich trägt, sich in anderer Weise ins Leben stellen, was ohne Geisteswissenschaft unmöglich ist, was aber das Leben immer mehr und mehr fördern wird. Wenn der Geist, die Seele, die Realität, von allen begriffen wird, wenn begriffen wird, dass die Seele die Realität ist, dann wird man nicht mehr Unverständnis der ernsten Lebenstatsache entgegenbringen, dass aus dem gesunden, kraftvollen Erfassen des Seelenkerns auch Kräfte ausströmen, die das äußere Körperliche vor Schädigungen, Schwächen, ja vor Krankheit bewahren können.
[ 38 ] All of this will entail that our time must become aware that spiritual science is not about dead theory, but rather about awakening the life forces themselves. As a result, this age will recognize the reality of what comes from spiritual science and experience it, because spiritual science will be understood in relation to life. Consequently, the person who carries spiritual science within will approach life in a different way—something that is impossible without spiritual science, but which will increasingly enrich life. When the spirit, the soul, and reality are understood by all—when it is understood that the soul is reality—then people will no longer meet with incomprehension the serious fact of life that from a healthy, powerful grasp of the soul’s core, forces also radiate that can protect the outer physical body from harm, weakness, and even illness.
[ 39 ] In dieser Beziehung zeigt die Auffassung unserer Zeit in dem gewöhnlichen Gebrauch eines Sprichwortes ihren Charakter, der aber immer mehr im Absterben ist: «In einem gesunden Körper wohnt eine gesunde Seele», womit man meinen will, wenn man den Körper nur gesund macht, dann wohnt in dem Körper eine gesunde Seele. Das wird man in der Geisteswissenschaft ganz anders auffassen, dass eine gesunde Seele in einem gesunden Körper wohnt, weil die innerste Seele in ihrer Gesundheit in dem Körper das physische Leben formt. Die heilenden Kräfte, die Geisteswissenschaft hineintröpfelt in die Seele, die werden die Menschen erkennen. Freilich mit den Mitteln, die man heute zum Erkennen anwenden will, nicht, denn man wird heute hinsehen und sagen: Da ist ein Mensch, der sich mit Geisteswissenschaft beschäftigt hat, doch krank geworden. — Dagegen lässt sich antworten: Die Geisteswissenschaft oder Geistesforschung ist noch nicht sehr weit in Bezug auf ihre Verbreitung gediehen, und zweitens kann ja selbstverständlich gegen äußere Schädigungen des physischen Körpers nichts direkt ausgeführt werden, wenn diese Schädigungen nur vom Physischen kommen, wie man denn ein gebrochenes Bein nicht vom Seelischen aus heilen kann.
[ 39 ] In this regard, the prevailing view of our time reveals its character in the common use of a proverb that is, however, increasingly falling into disuse: “A healthy soul dwells in a healthy body,” by which it is meant that if one merely makes the body healthy, then a healthy soul will dwell within it. In spiritual science, this is understood quite differently: a healthy soul dwells in a healthy body, because the innermost soul, in its health, shapes physical life within the body. People will come to recognize the healing powers that spiritual science instills in the soul. Of course, not with the means people today seek to use for understanding, for today people will look and say: Here is a person who has studied spiritual science, yet has become ill. — To this one can reply: Spiritual science, or spiritual research, has not yet advanced very far in terms of its dissemination; and secondly, it goes without saying that nothing can be done directly against external damage to the physical body if this damage stems solely from the physical realm—just as one cannot heal a broken leg through spiritual means.
[ 40 ] Es gibt wiederum aber auch etwas, das wir erkennen durch die eigentümliche Art, wie die Erkenntnisse der Geistesforschung wirken, dass die Seele sich zurückverwandelt zu einem äußeren Zusammenleben mit dem Dasein, wie sie es hatte vor der Entfremdung von der Natur. Wir sehen beim Kinde, auch beim Tier, noch ein instinktives Zusammenwachsen mit dem Dasein der geistigen Welt. Wir sehen, wie das Tier nicht zu viel frisst, wie der Instinkt gesund ist, wir sehen aber, wie beim Kulturmenschen gewisse Dinge bedingt werden dadurch, dass er sich entfremdet von der Natur. Man kann das manchmal mit Schaudern ansehen, wie die Menschheit sich von diesem unmittelbaren Erleben und Zusammenleben mit dem Dasein entfernt. Erst neulich sah ich einen Menschen, der wog sich ab ein gewisses Quantum von Speisen für jede Mahlzeit. Bei der jetzigen Verwandlung in rein mechanische Wissenschaft sehen wir sogar den menschlichen Magen und die Verdauungswerkzeuge behandelt wie Retorten. Da bleibt es – das Mechanische – nicht bloß bei der Wissenschaft, da geht es über in die Behandlung des menschlichen Lebens. Dem gegenüber steht der Strom der Geistesforschung. Mit dem Wissen geht der Mensch wieder über zu dem Dasein, sodass er sich instinktiv im höheren Sinne bewahrt vor dem, was nicht sein soll. Und man wird dann allerdings die gesundende Wirkung der Geistesforschung etwas anders beurteilen müssen, als man es heute tut.
[ 40 ] There is, however, something else we recognize through the distinctive way in which the insights of spiritual research take effect: that the soul is transforming back into an outer coexistence with existence, as it had before its alienation from nature. We still see in children, and even in animals, an instinctive fusion with the existence of the spiritual world. We see how an animal does not eat too much, how its instinct is healthy; but we also see how, in civilized human beings, certain things are brought about by their alienation from nature. It is sometimes a chilling sight to witness how humanity is distancing itself from this direct experience of and coexistence with existence. Just the other day I saw a person who weighed out a specific amount of food for each meal. In the current shift toward purely mechanical science, we even see the human stomach and digestive organs treated like test tubes. This mechanistic approach is not confined to science alone; it extends into the treatment of human life. Opposing this is the current of spiritual research. Through this knowledge, human beings return to existence in such a way that they instinctively—in a higher sense—protect themselves from what should not be. And one will then, of course, have to assess the healing effect of spiritual research somewhat differently than one does today.
[ 41 ] Wenn Fragen nun kommen müssen, wie: Vor wie vielen Krankheiten bewahrt uns denn eigentlich das Heilende der Geisteswissenschaft? —, das ist schwer zu beantworten, weil sie nicht kommen, die Krankheiten; trotzdem ist es vernünftig[er], dass der Mensch, durch Einleben in das Instinktleben, durch die Geisteswissenschaft bewahrt wird vor Krankheiten, als dass er [sich] nachher heilen muss. Gott sei Dank, man kann es nicht nachweisen, denn es ist der Erfolg, dass diese Schädigungen nicht mehr eintreten.
[ 41 ] If questions now arise, such as: From how many illnesses does the healing power of spiritual science actually protect us? —that is difficult to answer, because the illnesses do not occur; nevertheless, it is more reasonable to assume that, by becoming attuned to instinctual life through spiritual science, a person is protected from illness than to assume that they must be healed afterward. Thank God, it cannot be proven, for the success lies in the fact that these ailments no longer occur.
[ 42 ] So sehen wir, wie die Rückkehr zur Natur, im ganz modernen Sinne, durch Geisteswissenschaft für das Leben bewirkt wird. Vieles könnte noch angeführt werden; alles würde zuletzt klar darauf hinweisen, dass durch Geisteswissenschaft Gesundung, Förderung des Lebens, rechtes Hineinstellen in das Leben, in den natürlichen Zusammenhang des Lebens bewirkt wird.
[ 42 ] Thus we see how a return to nature—in the very modern sense—is brought about in life through spiritual science. Much more could be cited; ultimately, everything would clearly point to the fact that spiritual science brings about healing, the promotion of life, and a proper alignment with life—with the natural context of life.
[ 43 ] So wird nicht nur Erkenntnis, das wertvollste Gut, sondern es werden bedeutsame Folgen für das Leben hervorgerufen aus der Geisteswissenschaft, Folgen, von denen man sich bloß eine Vorstellung machen kann, wenn man sie so betrachtet, wie, allerdings nur in flüchtiger Weise, heute angedeutet werden konnte. Alles das aber wird eintreten dadurch, dass der Mensch eindringen wird in die geistigen Welten, nicht nur im Allgemeinen, sondern dadurch, dass er erkennen wird die einzelnen geistigen Tatsachen. Wie er in der Natur nicht nur von der allgemeinen Natur spricht, sondern erkennt die Einzelheiten, die einzelnen Mineralien, die einzelnen Pflanzen und die einzelnen Tiere, so wird er auch die geistige Welt in ihren Einzelheiten erkennen. Dann wird die geistige Natur um ihn herum sein, wie die Natur selbst das physische Leben zu fördern, zu befruchten, ja zu erhalten bestimmt ist.
[ 43 ] Thus, spiritual science not only brings about knowledge—the most precious of all goods—but also gives rise to significant consequences for life, consequences of which one can only form an idea by considering them as they have been hinted at today, albeit only in a fleeting way. All of this, however, will come about as a result of human beings penetrating the spiritual worlds—not merely in a general sense, but by coming to recognize individual spiritual realities. Just as in nature we do not merely speak of nature in general but recognize the details—the individual minerals, the individual plants, and the individual animals—so, too, will we come to recognize the spiritual world in its details. Then the spiritual nature will surround him, just as nature itself is destined to promote, enrich, and indeed sustain physical life.
[ 44 ] Dann wird der Mensch sich fühlen dem Geist gegenüber eingebettet in ihn, wie er sonst im Physischen sich fühlt eingebettet in die Stoffe der Natur. Man wird fühlen lernen, im Geiste zu leben wie im Physischen. Wie man im physischen Organismus fühlt die Vorgänge, die sich draußen im Universum vollziehen, so wird man fühlen die geistigen Beziehungen, zu Trauer und Freude, zu Leiden und Lust, zu Begehren und Anschauen in ihrer eigenen Welt, und das Leben wird finden dasjenige, was aus dem Geiste heraus das Leben fördert und gesundet.
[ 44 ] Then human beings will feel embedded in the spirit, just as they otherwise feel embedded in the physical world, within the materials of nature. People will learn to feel as though they are living in the spirit just as they do in the physical world. Just as one feels, within the physical organism, the processes taking place outside in the universe, so will one feel the spiritual connections—to sorrow and joy, to suffering and pleasure, to desire and contemplation—in their own world, and life will discover that which, emanating from the spirit, nurtures and heals life.
[ 45 ] Das ist, was von Geisteswissenschaft zu erhoffen ist, weil diese Geisteswissenschaft erfüllen soll die Forderung der Seele, sich eins zu fühlen mit allem, was im universellen Geistigen vorgeht. Wenn der Mensch nicht mehr denken wird, dass alles nur ein Geschehen, ein Leben ist, was in ihm vorgeht, und sein Wollen wie eine Kraft, die keine Bedeutung für die Umwelt hat, wenn er wissen wird, dass, was in ihm vorgeht, so zusammenhängt mit dem Geistigen wie mit dem Physischen der physische Körper, dann wird der Mensch durch solche Wissenschaft Kraft und Stärke, Lebensgesundheit erhalten; dann wird der Mensch finden das, was ich in meinem Drama «Die Prüfung der Seele» anzudeuten suchte, wie eine Seele dieses Geborgensein im Geistigen ausdrückt, dass der Mensch sich im Geiste weiß, im Geiste sich erlebt, im Geiste denkt und darin wirklich atmet und in diesem wirklichen Lebensatem ein lebenskräftiges Dasein erlangt.
[ 45 ] This is what we can hope for from spiritual science, because this spiritual science is meant to fulfill the soul’s need to feel at one with everything that takes place in the universal spiritual realm. When human beings no longer think that everything within them is merely an event, a life, and that their will is a force that has no significance for the environment—when they come to know that what takes place within them is as closely connected to the spiritual realm as the physical body is to the physical world—then, through such a science, human beings will gain power, strength, and vitality; then a person will discover what I sought to suggest in my play *The Trial of the Soul*—how a soul expresses this sense of security in the spiritual realm, that a person knows themselves to be in the spirit, experiences themselves in the spirit, thinks in the spirit, and truly breathes within it, and in this true breath of life attains a vital existence.
[ 46 ] Diese Seelengesundheit wird ausgehen von der Geisteswissenschaft, wenn erfüllt wird, wenn durch Geisteswissenschaft gegeben wird, was in jenen Worten ausgedrückt ist, wo gesagt ist, was in einer suchenden Seele vorgehen kann. Zusammengefasst kann werden dasjenige, was heute gesagt worden ist, in dem, was eine Seele, die sich im Geiste fühlt, zu sich sagen kann:
[ 46 ] This spiritual health will flow from spiritual science when what is expressed in those words—which describe what can take place within a seeking soul—is fulfilled and provided through spiritual science. What has been said today can be summarized in what a soul that feels itself in the spirit can say to itself:
In deinem Denken leben Weltgedanken
Global ideas live in your mind
[ 47 ] — wohnen nicht bloß vorübergehend im Menschen, sondern sind ewige Weltgedanken –,
[ 47 ] — do not merely dwell temporarily within human beings, but are eternal universal ideas —
In deinem Fühlen weben Weltenkräfte,
In deinem Willen wirken Weltenwesen.
Verliere dich in Weltgedanken,
Erlebe dich durch Weltenkräfte,
Erschaffe dich aus Willenswesen.
Bei Weltenfernen ende nicht,
Durch Denkens Traumesspiel – –;
Beginne in den Geistesweiten,
Und ende in den eignen Seelentiefen: —
Du findest Götterziele,
Erkennend dich in dir.
World forces weave within your feelings,
World beings work through your will.
Lose yourself in thoughts of the world,
Experience yourself through world forces,
Create yourself from beings of will.
Do not end with the distances of the worlds,
Through the dreamlike play of thought – –;
Begin in the expanses of the spirit,
And end in the depths of your own soul: —
You will find divine goals,
Recognizing yourself within yourself.
