Spiritual Science
and the Future of Humanity
GA 69e
2 January 1913, Cologne
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Spiritual Science and the Future of Humanity, tr. SOL
8. Wahrheiten der Geistesforschung
8. Truths of Spiritual Research
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Nachdem ich in dieser Stadt zu wiederholten Malen sprechen durfte über Gegenstände der Geistesforschung, wird es nicht unangemessen sein, einmal die wichtige Frage zu behandeln, woher die Wahrheiten dieser Geistesforschung stammen und wo Quellen des Irrtums liegen. Dies muss ja als etwas Wichtiges gerade im Hinblick auf die übersinnlichen Forschungen anerkannt werden, da die Orientierung über Wahrheiten und Irrtümer auf jedem Gebiet des menschlichen Lebens von einer nicht zu bestreitenden Wichtigkeit ist, und da, wie leicht einzusehen ist, auf einem Gebiet, durch das man sich so sehr in unsichere und Irrtümer leicht herbeiführende Regionen begibt, diese Orientierung von ganz besonderer Notwendigkeit ist. Geistesforschung führt uns ja in diejenigen Gebiete, aus denen hervorgehen die allerwichtigsten Fragen und Rätsel des Lebens, zunächst weniger diejenigen Fragen und Rätsel des Lebens, welche sich ergeben aus den verschiedenen Gebieten der Wissenschaft – die liegen eigentlich, insofern wir es mit Wissenschaft im gewöhnlichen Sinne des Wortes zu tun haben, viel mehr abseits als die Fragen und Rätsel der Geistesforschung, die uns sozusagen begegnen auf jedem Schritt, den wir im Leben machen können. Gewissermaßen können uns diese Rätsel und Fragen des Lebens beschleichen in jedem Augenblick unseres Daseins. Wenn man Umschau hält über dasjenige, was Geistesforschung, allerdings aus einem weiten Umkreis her, für das Leben geben kann, so schließt sich dies zunächst in zwei wichtigen Lebensfragen zusammen. In der einen Frage, welche sich einschließt in das bedeutungsvolle Wort «Schicksal des Menschen», das andere schließt sich ein in jenes Wort, das so eng zusammenhängt mit allen Sehnsuchten – mit allen Sehnsuchten, mit allen Zweifeln, mit allen Hoffnungen des Menschen: in das Wort «Unsterblichkeit». Nicht, als ob Geistesforschung erschöpft sei mit der Beantwortung der beiden angedeuteten Fragen oder Rätsel, aber das weite Gebiet dieser Forschung interessiert weite Kreise vor allen Dingen darum, weil sich seine Ergebnisse zusammenziehen in eine sachgemäße Beantwortung dieser Fragen.
[ 1 ] Ladies and gentlemen! Since I have had the opportunity on several occasions to speak in this city about topics related to spiritual research, it is not inappropriate to address the important question of where the truths of this research originate and where the sources of error lie. This must indeed be recognized as a matter of great importance, particularly with regard to supersensible research, since guidance regarding truths and errors in every area of human life is of undeniable importance, and since—as is easy to see—in a field that leads one so deeply into uncertain regions where error is easily induced, such guidance is of particular necessity. Spiritual research, after all, leads us into those realms from which arise the most important questions and mysteries of life—initially, not so much those questions and mysteries of life that arise from the various fields of science—which are actually, insofar as we are dealing with science in the ordinary sense of the word—are far more remote than the questions and mysteries of spiritual research, which, so to speak, confront us at every step we take in life. In a sense, these mysteries and questions of life can creep up on us at every moment of our existence. If one surveys what spiritual science—albeit from a broad perspective—can offer to life, this initially boils down to two important questions of life. One question is encapsulated in the meaningful term “human destiny,” while the other is embodied in the term so closely connected with all longings—with all longings, all doubts, and all hopes of humankind: the term “immortality.” Not that spiritual research is limited to answering the two questions or mysteries mentioned, but the broad field of this research interests a wide audience above all because its findings converge into an appropriate answer to these questions.
[ 2 ] Menschliches Schicksal! Welche Fragen, welche Rätsel liegen doch in diesen Worten. Da schen wir einen Menschen hereingeboren in das Dasein. Wir können ihm voraussagen aus der wenig sorgenden Umgebung, die er um sich hat, dass Not und Elend sein Dasein begleiten werden. Und wenn wir ihn heranwachsen sehen mit nur geringen geistigen Fähigkeiten und seelischen Eigenschaften, so können wir sagen, dass er vielleicht ein recht wenig nützliches Mitglied der menschlichen Gesellschaft werden wird und dass er in vieler Beziehung vielleicht für sich selbst zur Last, seiner Seele zur Qual da sein wird. Auf der anderen Seite sehen wir einen Menschen so hereinkommen in das Leben, dass er von allem Anfang an von sorgenden Händen umgeben ist. Wir sehen vielleicht früh in ihm aufkeimen gewisse ganz besondere Gaben und Fähigkeiten, und wir können voraussagen, dass er sein Leben vielleicht in einem glücklichen Dasein verbringen wird, dass er zum nützlichen Glied der menschlichen Gesellschaft werden kann, dass er sein Leben vielleicht in Begeisterung und innerer Beseligung erleben kann, und das alles legt uns die Frage nach dem Warum nahe, die die äußere Wissenschaft so wenig beantworten kann.
[ 2 ] Human destiny! What questions, what mysteries lie within these words. Here we have a person born into this world. From the indifferent environment that surrounds him, we can predict that hardship and misery will accompany his existence. And when we see them grow up with only limited intellectual abilities and emotional qualities, we can say that they may become a rather unproductive member of human society and that, in many respects, they may be a burden to themselves and a torment to their own soul. On the other hand, we see a person enter life in such a way that, from the very beginning, they are surrounded by caring hands. We may see certain very special gifts and abilities begin to emerge in him early on, and we can predict that he may spend his life in happiness, that he may become a useful member of human society, that he may experience his life with enthusiasm and inner bliss—and all of this prompts us to ask the question of “why,” a question that external science is so unable to answer.
[ 3 ] Die andere Frage ist die nach der Unsterblichkeit. Sie tritt uns aus dem Leben heraus allerdings zunächst in einer egoistischen Weise vor die Seele: dass der Mensch begehrt das Fortleben nach diesem Leben aus seinen Hoffnungen, seinen Sehnsuchten, aus einem befriedigten oder unbefriedigten Leben heraus. Häufig wird diese Frage aus egoistischen Wünschen heraus aufgeworfen; das braucht aber nicht so zu sein. Sie kann so objektiv wissenschaftlich an uns herantreten wie irgendeine andere wissenschaftliche Frage. Wir sehen dies insbesondere dann, wenn wir bedenken, wie im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts immer mehr und mehr Menschen brechen mussten mit den alten Traditionen und Überlieferungen, denen nicht nur Zweifel kamen an einem Fortleben des menschlichen Wirkens nach dem Tode, sondern welche sogar glaubten, die Gewissheit zu haben, dass sich mit dem Tode das Bewusstsein über den Menschen für ewig schließt, das Seelenleben sich sozusagen darin aufgibt. Solche Menschen gehörten oftmals zu geistig hochstrebenden Wesen, solche Menschen sagten sich: Ich mache nicht Anspruch auf ein egoistisches Fortleben nach dem Tode; ich kann mich fügen in den Gedanken, dass dasjenige, was ich erarbeitet habe, nach meinem Tode überliefert werde der allgemeinen Menschheit. – Selbstlose Hingabe ihres Erarbeiteten und des erlebten Glückes war ihr Bestreben, wenn sich die Pforte des Todes vor ihnen schloss.
[ 3 ] The other question is that of immortality. It arises in our minds from life itself, though initially in a self-centered way: that human beings desire to live on after this life based on their hopes, their longings, and whether their life has been fulfilling or unfulfilling. This question is often raised out of selfish desires; but it need not be so. It can approach us as objectively and scientifically as any other scientific question. We see this particularly clearly when we consider how, in the course of the nineteenth century, more and more people had to break with the old traditions and customs—people who not only harbored doubts about the continuation of human activity after death, but who even believed they had the certainty that, with death, human consciousness closes forever, and the life of the soul, so to speak, ceases within it. Such people were often spiritually aspiring beings; they told themselves: I do not lay claim to a self-centered afterlife; I can resign myself to the thought that what I have achieved will be passed on to humanity at large after my death. – Selfless devotion to their life’s work and the happiness they had experienced was their aspiration as the gate of death closed before them.
[ 4 ] Gerade einer solchen Weltanschauung gegenüber tritt in einer wahrhaft wissenschaftlichen Weise die Frage der Unsterblichkeit an uns heran, denn wir können ja so sagen: Verträgt es sich mit alldem, was wir sonst als Gesetzmäßigkeit des Daseins kennen, dass sich also wirklich die menschliche Wesenheit einem Abschluss nähert im Arbeiten und Streben, wenn sich die Pforte des Todes schließt? Aus ethischen Gründen vielleicht könnte man sich einverstanden erklären mit solcher Hingabe, aber aus den gesetzmäßigen Betrachtungen der Weltökonomie ist es anders. Wir brauchen nur ein wenig Empfindung zu haben für das, was in der Welt durch Menschenseelen erarbeitet wird, und wir werden uns sagen: Im Laufe des Menschenlebens werden gerade durch die Kräfte der Seelen selbst wesenhaft substanzielle Tatsachen geschaffen, Tatsachen, die, da die Seelen individuell sind, einen individuellen Charakter annehmen. Solche individuellen Schöpfungen, wie sie aus der menschlichen Seele hervorgehen, die können wir nicht, ohne zugeben zu müssen, dass die Weltökonomie einen Bruch hat, ohne Weiteres aufgehen sehen in den allgemeinen Strom der Menschheitsentwicklung, denn das müssen wir fühlen: Das Beste, das Edelste, das Wichtigste, was sich unsere Seele erarbeiten kann, ist individuell, ist so, dass es nur die eine Seele in sich erarbeiten kann. Vieles mögen wir hingeben an die Allgemeinheit – unser Bestes aber würde ganz verschwinden aus der Welt, wenn die menschliche Wesenheit aufhören würde, wenn sich die Pforte des Todes schließt. Ohne Berücksichtigung unserer Wünsche, unserer Hoffnungen und Sehnsuchten stellt sich da vor uns hin die Notwendigkeit einer Betrachtung über das Unvergängliche in der Menschennatur gegenüber allem Vergänglichen.
[ 4 ] It is precisely in the face of such a worldview that the question of immortality confronts us in a truly scientific way, for we can indeed say: Is it compatible with everything we otherwise know as the laws of existence—that is, that the human being truly approaches a conclusion in its work and striving when the gate of death closes? Perhaps for ethical reasons one might agree with such a view, but from the perspective of the laws governing the world economy, the situation is different. We need only have a little sensitivity to what is created in the world through human souls, and we will say to ourselves: In the course of human life, it is precisely through the powers of the souls themselves that essentially substantial facts are created—facts which, since souls are individual, take on an individual character. Such individual creations, as they emerge from the human soul, we cannot—without having to admit that the global economy is flawed—simply see them merge into the general stream of human development, for we must feel this: The best, the noblest, the most important things that our soul can achieve are individual; they are such that only that one soul can achieve them within itself. We may give much to the community—but our very best would vanish entirely from the world if human existence were to cease, if the gate of death were to close. Regardless of our wishes, our hopes, and our longings, we are confronted with the necessity of reflecting on the imperishable in human nature in contrast to all that is perishable.
[ 5 ] So stellt sich vor unsere Seele die Frage, aber wenn diese Frage beantwortet werden soll, so bedarf es einer Wissenschaft, die hinausgeht über das Sinnliche, über die äußere, physische Natur. Denn nichts kann uns Antwort geben, warum diese oder jene Tatsachen an uns herantreten, wenn wir ins Leben treten. Die Frage nach dem Schicksal beantwortet uns keine Physik und Naturwissenschaft. Diesen muss es gleichgültig bleiben, wenn sie ihre Tatsachen betrachten, wie diese Tatsachen an Menschenherzen, Menschenseelen herantreten. Das Warum kann nicht in den Bereich der äußeren Wissenschaft fallen, noch weniger kann die Frage nach der Unsterblichkeit hereinfallen, da die Wissenschaft von Verstandesbegriffen, die an das Instrument des Gehirns gebunden sind, abhängt. Was sie beobachten kann, geht mit dem Tode auf, entschwindet mit dem Tode; wenn sie nicht hereindringen kann in das [Lücke in der Mitschrift], so haben wir keine Hoffnung, die Frage nach der Unsterblichkeit von ihr beantwortet zu sehen.
[ 5 ] This is the question that arises in our souls, but if this question is to be answered, it requires a science that goes beyond the sensory realm, beyond external, physical nature. For nothing can give us an answer as to why this or that fact comes to us when we enter life. Physics and the natural sciences cannot answer the question of fate. They must remain indifferent, when observing their facts, to how these facts affect human hearts and souls. The “why” cannot fall within the realm of external science, nor can the question of immortality, since science depends on concepts of the intellect that are bound to the instrument of the brain. What it can observe perishes with death, vanishes with death; if it cannot penetrate the [gap in the transcript], then we have no hope of seeing the question of immortality answered by it.
[ 6 ] Die Art und Weise nun aber, wie in der Gegenwart [durch die Geisteswissenschaft] versucht wird, für solche Fragen die Beantwortung zu finden, erfreut sich allerdings eben in dieser Gegenwart keineswegs einer allgemeinen Beliebtheit. Vorurteil über Vorurteil kommt einer geistesforscherischen Betätigung entgegen; und vielleicht werden sich aus den Vorträgen selbst die Gründe ergeben, warum in den weiteren Kreisen der Gegenwart so viel Widerstand, man darf sagen, nicht nur theoretischer Widerstand, sondern sogar Gehässigkeit aufgebracht wird gegen das, was sich hereinstellt in wissenschaftlicher Weise als Geistesforschung, um die charakterisierten Lebensrätsel zur Lösung zu bringen, und manches andere zu finden, was damit zusammenhängt.
[ 6 ] However, the way in which attempts are currently being made [through spiritual science] to find answers to such questions is by no means enjoying widespread popularity at this very moment. Prejudice upon prejudice stands in the way of spiritual scientific endeavor; and perhaps the lectures themselves will reveal the reasons why, in broader contemporary circles, there is so much resistance—one might even say not merely theoretical resistance, but outright hostility—toward what presents itself in a scientific manner as spiritual research, seeking to solve the mysteries of life described above and to uncover many other related matters.
[ 7 ] Heute soll davon gesprochen werden, wie der Mensch in die Lage kommt, wirklich hereinzuschauen in die Welten, aus denen sich die Antwort auf solche Fragen ergibt. Mit den gewöhnlichen Kräften, mit denen wir die äußere Welt erkennen, ist in dieser Welt nicht durchzukommen; und würde der Mensch nicht fähig sein, andere Kräfte als die gewöhnlichen Erkenntniskräfte zu entwickeln, so gäbe es für ihn keine Möglichkeit, in solche Welten einzudringen. Alle Fragen drängen sich in der einen zusammen: Gibt es für den Menschen eine Möglichkeit, andere Erkenntniskräfte zu entwickeln, als die sind, deren sich die [äußere] Wissenschaft bedient, die also erschöpft sind in der Beobachtung der Sinne und des an das Gehirn gebundenen Verstandes? Wenn der Mensch nur ein Sinneswesen wäre, unmöglich könnte es solche Kräfte geben. Nur derjenige kann zur Annahme von solchen Kräften kommen, der da zugibt, dass dem Sinnesleib des Menschen, dem, was man mit Augen sehen, mit Händen greifen kann, eine andere Wesenheit, eine übersinnliche Wesenheit beigeordnet, durchsetzt ist, der da zugibt, dass durchdrungen ist die sinnliche Wesenheit des Menschen von einer übersinnlichen. Und im Grunde genommen gibt eine logische Gewissheit, dass es so ist, schon eine sehr alltägliche Betrachtung, jene Betrachtung, die nur so selten angestellt wird, weil der Mensch das, was er immer erlebt, nicht für wert hält, einer besonderen Beobachtung unterzogen zu werden.
[ 7 ] Today we will discuss how human beings can come to truly look into the worlds from which the answers to such questions arise. The ordinary faculties we use to perceive the external world are insufficient to penetrate this realm; and if human beings were not capable of developing faculties other than the ordinary faculties of cognition, there would be no way for them to penetrate such realms. All questions converge into one: Is there a possibility for human beings to develop powers of cognition other than those employed by [external] science—powers that are thus limited to the observations of the senses and the intellect bound to the brain? If human beings were merely sensory beings, such powers could not possibly exist. Only those who acknowledge that the human sensory body—that which can be seen with the eyes and grasped with the hands—is accompanied by and permeated with another entity, a supersensory entity, can come to accept the existence of such faculties; only those who acknowledge that the human sensory being is permeated by a supersensory one. And, strictly speaking, a very ordinary observation—one that is so rarely made because people do not consider what they experience every day to be worthy of special attention—already provides logical certainty that this is the case.
[ 8 ] Das Rätsel des Todes bleibt allerdings für den Menschen interessant, weil er unerwartet, plötzlich, erschreckend vor ihn tritt; das aber, was täglich in derselben Weise auftritt, der Wechselzustand zwischen Wachen und Schlafen, das wird weniger beachtet; da tritt nichts an den Menschen heran, was die Ungewissheit in ihm erweckt, weil ja in diesem Wechselzustand für ihn immer wieder dasselbe auftritt. Für den aber, der einer tieferen Lebensbeobachtung sich unterziehen will, für den wird gerade der Wechselzustand [zwischen Wachen und Schlafen] von besonderer Bedeutung. Da können wir sagen: Wäre es nicht schon logisch absurd, zu denken, dass das, was sich in der Seele abspielt an Leidenschaften, Trieben und Begierden, an Sehnsuchten und Hoffnungen, an Vorstellungen und Ideen vom Morgen bis zum Abend, dass dies alles mit dem Einschlafen ins Nichts hinuntersinkt und mit dem Aufwachen aus dem Nichts sich wiederum erschafft? Das wäre absurd; dennoch wird keine äußere Sinnesbeobachtung, kein Verstand, der an das Gehirn gebunden ist, in dem schlafenden Menschenleibe jemals dasjenige finden, was in der Seele während des Wachzustandes auf- und abwogt.
[ 8 ] The mystery of death, however, remains fascinating to human beings because it confronts them unexpectedly, suddenly, and terrifyingly; but that which occurs daily in the same way—the transition between waking and sleeping—is paid less attention to; nothing approaches the human being there that stirs uncertainty within him, because in this state of transition, the same thing occurs again and again for him. But for those who wish to engage in a deeper observation of life, it is precisely this state of transition [between waking and sleeping] that takes on special significance. Here we might say: Would it not already be logically absurd to think that what takes place in the soul—passions, drives, and desires; longings and hopes; images and ideas—from morning until evening—that all of this sinks into nothingness upon falling asleep and is recreated from nothingness upon waking? That would be absurd; yet no external sensory observation, no intellect bound to the brain, will ever find in the sleeping human body that which surges and ebbs within the soul during the waking state.
[ 9 ] So kann wenigstens zunächst die Hypothese hingestellt werden, dass ein Geistiges in der Menschennatur ist, das im Schlafe dieselbe verlässt und beim Aufwachen wieder hineinzieht, wenn dann die menschliche Leiblichkeit von dem Seelischen verlassen wird, diese innere Wahrheit hineinzieht in geistige Welten während des Schlafes. Wenn der Schlaf vorbei ist, kommt das Geistige wieder aus der geistigen Welt in die Leiblichkeit. Das kann nicht mit dem Verstand beobachtet werden, doch wird sich dies ergeben, wenn man nur logisch denkt. Nun kann natürlich eine solche Annahme nur dann gelten, nur dann überzeugen, wenn man jenem Unsichtbaren, was beim Schlaf aus dem Menschenleibe heraustritt, beikommen kann, wenn man seine reale Wirklichkeit nachweisen kann. Wie das geschieht, das soll uns nun beschäftigen.
[ 9 ] Thus, at least initially, the hypothesis can be put forward that there is a spiritual element in human nature which leaves the body during sleep and re-enters it upon waking; when the human physical body is abandoned by the soul, this inner truth is drawn into spiritual worlds during sleep. When sleep is over, the spiritual aspect returns from the spiritual world into the physical body. This cannot be observed with the intellect, but it becomes evident if one thinks logically. Now, of course, such an assumption can only hold true—and only be convincing—if one can grasp that invisible element which leaves the human body during sleep, if one can prove its actual reality. How this happens is what we shall now consider.
[ 10 ] Beobachten wir einmal den Menschen, wie er sich der Betrachtung darbietet, wenn er schläft. Wir werden unfähig, unsere äußeren Glieder zu bewegen. Alle Sinne ersterben, die Leiblichkeit wird von einer Schwere befallen, die Kräfte werden ihr entzogen, die sie im Wachzustande hat. Wir sehen beim Einschlafen sozusagen unseren Körper uns entfallen. Aber wir nehmen auch wahr, wie mit diesem Entfallen der Leiblichkeit das Bewusstsein erstirbt, wie es langsam herabdämmert und nachher von vollständiger Finsternis und Dunkelheit umgeben ist. Wenn es aber doch vorhanden ist, das Geistig-Seelische, das während des Tages das Leibliche durchzieht, dann müssen wir sagen, dieses Geistig-Seelische ist nicht befähigt, während des Schlafes innerliche Kräfte zu entwickeln, nicht einmal solche Kräfte, dass es ein inneres Wissen von sich selbst haben kann. Es ist so schwach im normalen Menschenleben, dass es sein Selbst nicht gewahr werden kann, wenn es nicht das Instrument der Leiblichkeit haben kann. Ist ein solches Geistig-Seelisches vorhanden, für das Reale vorhanden, dass es fühlt, dass ihm der Leib abhandenkommt, dann müssen wir sagen: Dieses ist von einer solchen Beschaffenheit, dass es das Werkzeug des [Leibes] braucht, um Bewusstes zu entwickeln, um Kräfte hervorzurufen. Und wenn es sich selbst überlassen ist, ist es nicht stark genug, ein inneres Leben zu entwickeln; es kann dies nur, wenn es dem Widerstand der Leiblichkeit sich entgegenstellt.
[ 10 ] Let us observe how a person presents themselves to our gaze when they are asleep. We become unable to move our limbs. All the senses fade away; the body is overcome by a heaviness, and the strength it possesses while awake is drained from it. As we fall asleep, we see, so to speak, our body slipping away from us. But we also perceive how, with this slipping away of physicality, consciousness fades; how it slowly dims and is subsequently enveloped in complete darkness and gloom. But if the spiritual-soul aspect—which permeates the physical body during the day—does indeed exist, then we must say that this spiritual-soul aspect is not capable of developing inner forces during sleep, not even forces sufficient for it to possess an inner awareness of itself. It is so weak in normal human life that it cannot become aware of itself unless it has the instrument of the physical body. If such a spiritual-soul aspect exists—one that is real enough to feel that the body is slipping away from it—then we must say: This entity is of such a nature that it needs the instrument of the [body] to develop consciousness and to bring forth powers. And when left to itself, it is not strong enough to develop an inner life; it can do so only when it opposes the resistance of physicality.
[ 11 ] Damit ist aber nicht gesagt, dass ein Beweis erbracht sei für sein Dasein. Dieser Beweis wird erst erbracht, wenn der Mensch dazu gelangen könnte, dieses Innerliche, das sich sonst der Leiblichkeit bedient, dieses Innerliche so kräftig zu machen, dass es auch ohne das Leibliche inneres Leben, Bewusstes entwickeln kann. Sogar für den Beweis des Geistig-Seelischen hängt alles davon ab, dass der Mensch in die Lage kommen kann, ohne Zuhilfenahme dieser äußeren Leiblichkeit, der sinnlichen Wahrnehmungen ein Geistesleben zu entwickeln. Was wäre mit einem solchen Geistesleben gegeben? Es wäre damit etwas gegeben, was dem Schlaf ähnlich und doch wieder davon verschieden ist. Wenn wir einschlafen, dann fühlen wir, wie das innere Leben aufhört, wie das Bewusstsein hinschwindet. Es schwindet hin, weil die äußeren Sinneseindrücke schweigen. Wir müssten diesen Moment künstlich durch Willkür herbeirufen können, das heißt die äußeren Sinneseindrücke zum Schweigen bringen können und dennoch einen Zustand herbeirufen, der nicht Bewusstlosigkeit ist, sondern der Bewusstsein ist. So ist oder würde sein dieser Zustand ähnlich dem Schlaf dadurch, dass wir allen äußeren Sinnen und dem Gehirn Stillstand gebieten und dadurch doch nicht Bewusstlosigkeit eintritt. Diesen Zustand muss der Geistesforscher bei sich herbeiführen.
[ 11 ] However, this does not mean that proof of its existence has been provided. Such proof will only be provided when human beings are able to strengthen this inner aspect—which otherwise makes use of physicality—to such an extent that it can develop an inner life and consciousness even without the physical body. Even for the proof of the spiritual-soul aspect, everything depends on the human being being able to develop a spiritual life without the aid of this external physicality or sensory perceptions. What would such a spiritual life entail? It would entail something similar to sleep and yet distinct from it. When we fall asleep, we feel how inner life ceases, how consciousness fades away. It fades because the external sensory impressions fall silent. We would have to be able to artificially evoke this moment at will—that is, to silence the external sensory impressions and yet bring about a state that is not unconsciousness, but rather consciousness. Thus, this state is—or would be—similar to sleep in that we bring all external senses and the brain to a standstill, yet unconsciousness does not set in. The researcher of the mind must bring about this state within himself.
[ 12 ] Wir werden das am besten begreifen, wenn wir ihn vergleichen mit einem anderen Zustand, der ähnlich und doch wieder ganz verschieden ist. Wenn der Mensch fähig ist, außer seinem Leibe geistig-seelische Kräfte zu entwickeln, wahrzunehmen in einer geistigen Welt, dann dringt er ja in eine Welt hinein, die jenseits des an das Gehirn gebundenen Verstandes, jenseits der Sinne liegt; dann spricht zu ihm hinein in seine Wesenheit eine übersinnliche Welt, wie die Sinne in seine Wesenheit hineinsprechen, wenn er sich der Sinne bedient. Dadurch würde der Mensch ein Geistesforscher; und könnte eine solche Welt so erfahren werden, dann wäre das ein Eindringen des Menschen in die geistige Welt, dann wäre ein Beweis geliefert, dass allem äußerlich Sichtbaren ein Geistiges zugrunde liegt. Wenn dies aber der Fall ist, so muss dieses Geistige immer da sein, dann muss der sichtbaren Welt, die uns umgibt, ein Geistiges zugrunde liegen. Die Sache liegt nur daran, dass es sich nicht zeigt, weil wir es nicht wahrnehmen können. Es geht uns mit der unsichtbaren geistigen Welt wie dem Blinden mit den Farben.
[ 12 ] We can best understand this by comparing it to another state that is similar and yet entirely different. If a person is capable of developing spiritual and soul forces beyond their physical body and perceiving them in a spiritual world, then they are indeed entering a world that lies beyond the intellect bound to the brain, beyond the senses; then a supersensible world speaks to them within their very being, just as the senses speak to their being when they make use of the senses. Through this, a person would become a spiritual researcher; and if such a world could be experienced in this way, it would signify humanity’s penetration into the spiritual world, and it would provide proof that everything outwardly visible is based on a spiritual reality. But if this is the case, then this spiritual reality must always be present; the visible world that surrounds us must be founded on a spiritual reality. The only reason it does not reveal itself is that we cannot perceive it. Our relationship to the invisible spiritual world is like that of a blind person to colors.
[ 13 ] Nun gibt es einen Zustand, der für die Geisteswissenschaft nicht in Betracht kommt, der nicht angewendet wird von ihr, der aber in der Gegenwart uns zum Verständnis dienen kann des eigentlich geisteswissenschaftlichen Zustandes, das ist der Zustand, den man gewöhnlich bezeichnet mit dem Ausdruck «Mediumismus». Ich bitte, mich nicht misszuverstehen; der Mensch als Medium ist nicht etwa [das], wie der Geistesforscher wünscht, zu einem Ergebnis zu kommen. Wodurch wird die menschliche Natur zum Medium? Das mediale Erleben wird ja dadurch herbeigeführt, dass die gewöhnlichen Äußerungen der Seele, das Willensleben, das Empfindungsleben, durch irgendwelche Vorgänge zurückgedrängt werden, sodass der Mensch wie in eine Art Schlafzustand versetzt ist. Unter gewissen Verhältnissen kann aber dann doch die menschliche Natur veranlasst werden, ohne dass sie davon etwas weiß, ohne dass sie die Vorgänge mit Bewusstsein verfolgt, Äußerungen zu tun, sogar zu sprechen und zu schreiben. Es können also geistige Äußerungen erfolgen, die nur einer Wesenheit zuzuschreiben sind, deren Intelligenz herabgestiegen ist. Auch nicht anempfohlen soll werden, was man die Heranbildung mediumistischer Eigenschaften nennt. Sie sind ja bei manchen Persönlichkeiten auch ohne besondere Ausbildung vorhanden.
[ 13 ] Now there is a state that is not considered by spiritual science, that is not applied by it, but which can nevertheless serve us in the present to understand the true state of spiritual science—namely, the state commonly referred to by the term “mediumship.” Please do not misunderstand me; the human being as a medium is not, as the spiritual researcher might wish, the means to reach a certain conclusion. How does human nature become a medium? The mediumistic experience is brought about when the ordinary expressions of the soul—the life of the will and the life of feeling—are suppressed by certain processes, so that the person is placed in a sort of sleep-like state. Under certain circumstances, however, human nature can be induced—without the person’s knowledge, without their conscious awareness of the processes taking place—to make expressions, even to speak and write. Thus, spiritual expressions may occur that can be attributed only to a being whose intelligence has descended. Nor should one recommend what is known as the cultivation of mediumistic qualities. After all, these are present in some individuals even without special training.
[ 14 ] Betrachten wir noch einmal: Was geschieht also mit einem Menschen, der auf diese Weise als Medium zu geistigen Äußerungen kommt? Da wird sein eigenes Seelenleben herabgestimmt, ganz ausgelöscht, das heißt [sein] bewusstes Seelenleben; er weiß nichts von seinen Offenbarungen. Wir finden da etwas, das sonst nur aus der bewussten Seele kommen kann. Da können wir sagen, wir sehen es da, wie das, was die alltägliche Äußerung ist, wie das sozusagen sich wie ein Schleier breitet über die unterbewusste Seelentätigkeit, die ihrerseits verknüpft ist mit der Leiblichkeit und sich dann äußert, wenn die bewusste Seelentätigkeit unterdrückt wird. So ruht in der Tiefe der menschlichen Natur Seelentätigkeit; wir können sie herausholen, wenn wir die bewusste Seelentätigkeit ganz passiv machen.
[ 14 ] Let us consider this once more: What, then, happens to a person who, in this way, becomes a medium for spiritual manifestations? His own soul life is suppressed, completely extinguished—that is, [his] conscious soul life; he is unaware of these revelations. We find there something that can otherwise come only from the conscious soul. We can say that we see it there as that which is the everyday expression—as it were, spreading like a veil over the subconscious soul activity, which in turn is linked to the physical body and then manifests itself when the conscious soul activity is suppressed. Thus, soul activity lies dormant in the depths of human nature; we can bring it to the surface by rendering conscious soul activity entirely passive.
[ 15 ] Das ist nicht der Weg der Geisteswissenschaft; er zeigt uns aber, wie nicht allein da, wo Bewusstsein ist, Seelentätigkeit ist, sondern wie Geistig-Seelisches in der Menschennatur ist und sich zeigt, wenn wir das Bewusstsein herabdrücken. Dieser Vorgang, der das Medium hervorbringt, ist genau entgegengesetzt dem, was für den Geistesforscher eintreten muss. Während für das Medium herabgedämmt wird die Seelentätigkeit, die Bewusstheit, muss für den Geistesforscher gerade die Bewusstheit, die die innerlich regsame Tätigkeit erhöht, erkräftigt werden, und das geschieht dadurch, dass der Mensch intensive Seelenvorgänge hervorruft, Seelenvorgänge, welche man gewöhnlich bezeichnet mit dem Wort «Konzentration des Denkens», «Meditation» oder auch «Kontemplation». Diese Vorgänge, die wir näher erklären wollen, sie verlaufen in einem innerlich regen Geistesleben, und sie führen endlich gewisse Zustände in der Seele herbei, die drei Stufen darstellen, drei Stufen, über die man hinaufsteigt zum vollen Eintreten in die geistigen Welten.
[ 15 ] This is not the path of spiritual science; however, it shows us not only that wherever there is consciousness, there is soul activity, but also that the spiritual-soul aspect is present in human nature and reveals itself when we suppress consciousness. This process, which produces the medium, is exactly the opposite of what must occur for the spiritual researcher. While for the medium soul activity—that is, consciousness—is suppressed, for the spiritual researcher it is precisely this consciousness—which heightens and strengthens inner, active soul activity—that must be strengthened; and this is achieved by the person evoking intense soul processes, processes usually referred to as “concentration of thought,” “meditation,” or “contemplation.” These processes, which we shall explain in more detail, unfold within an inwardly active spiritual life, and they ultimately bring about certain states in the soul that represent three stages—three stages through which one ascends to full entry into the spiritual worlds.
[ 16 ] Ich bitte, sich nicht an Worten zu stoßen. Die Worte, die hier gebraucht werden, werden nicht in dem Sinne gebraucht wie im gewöhnlichen Leben, wo sie nicht gern gehört werden. Man darf also nichts anderes darunter verstehen als was ich nachher erklären werde.
[ 16 ] Please do not take offense at the words used here. The words used here are not used in the same sense as in everyday life, where they are not welcome. Therefore, you should understand them only in the sense that I will explain later.
[ 17 ] Wir können die drei Stufen bezeichnen mit Imagination, Inspiration und Intuition. Alle drei Stufen werden erreicht durch eine Erhöhung des seelischen Lebens, durch eine innerliche Erstarkung. Wenn der Mensch im gewöhnlichen, alltäglichen Leben mit der Natur und anderen Menschen zusammenlebt, dann bekommt er seine Eindrücke durch die Sinne und verarbeitet sie dann mit dem Verstand. Dann ist der Mensch vor allen Dingen darauf bedacht, dass das, was er sich vorstellt, empfindet, fühlt, den äußeren Dingen entspricht; er bildet sich solche Vorstellungen, denen er beilegen kann das Kennzeichen der Wahrheit durch Übereinstimmung mit der Außenwelt. Solange er in diesem Zustand bleibt, kann sich ein innerliches, seelisches Leben allerdings nicht herausbilden. Es muss eine gewisse Konzentration, Meditation, das heißt Versenkung, Vertiefung eintreten.
[ 17 ] We can describe these three stages as imagination, inspiration, and intuition. All three stages are attained through an elevation of the spiritual life, through an inner strengthening. When a person lives in ordinary, everyday life alongside nature and other people, they receive their impressions through the senses and then process them with the intellect. In this state, the person is primarily concerned with ensuring that what they imagine, perceive, and feel corresponds to external reality; they form such ideas that they can attribute the mark of truth to them through correspondence with the external world. As long as they remain in this state, however, an inner, spiritual life cannot develop. A certain degree of concentration, meditation—that is, absorption and deepening—must take place.
[ 18 ] Damit wir nicht im Abstrakten herumreden, soll möglichst bestimmt kurz charakterisiert werden, wie ein solches innerliches Erregen höherer Geisteskräfte erzielt wird. [Es sei] verwiesen auf [meine Schrift] «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Das, was in diesem Buch geschildert ist, soll hier angedeutet werden. Das konzentrierte Denken verläuft so, dass man zunächst versucht, frei zu werden von allen äußeren Sinneseindrücken, dass man starke Kräfte entwickelt, die Augen zu bewahren von Farben und Licht. Alle Sinneseindrücke müssen unterdrückt werden, sodass man ganz unaufmerksam und interesselos wird für die Außenwelt. Dann bringt man durch besondere Schulung des Willens alles das zum Schweigen, was sich im Laufe des Lebens an Erinnerungsvorstellungen aufgespeichert hat. Man versucht, frei zu werden von allen Sorgen und Leid, man versucht, mit einem Wort, in sich zu sein. Welche Übung des Willens dazu gehört, einen solchen Zustand zu finden, ersehen Sie ebenfalls aus meinem Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten ?».
[ 18 ] So that we do not get bogged down in abstract discussion, we should briefly and as precisely as possible describe how such an inner arousal of higher spiritual powers is achieved. [Please] refer to [my work] “How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?” What is described in that book will be briefly outlined here. Concentrated thinking proceeds in such a way that one first attempts to free oneself from all external sensory impressions, developing strong powers to shield the eyes from colors and light. All sensory impressions must be suppressed so that one becomes completely inattentive and disinterested in the external world. Then, through special training of the will, one silences everything that has been stored up as memories over the course of one’s life. One tries to free oneself from all worries and suffering; in a word, one tries to be within oneself. You can also find out from my book *How Does One Gain Insight into the Higher Worlds?* what exercises of the will are necessary to attain such a state.
[ 19 ] Es ist möglich, den Willen so stark zu machen, dass die äußere Sinnestätigkeit und auch der Verstand schweigen. Ebenso, wie man im gewöhnlichen Leben lernen kann, die Aufmerksamkeit abzuwenden von Gegenständen, so kann man durch Erstarkung der Willenskräfte willkürlich alle Eindrücke von außen unterdrücken. Dann hat man auf der einen Seite einen Moment herbeigeführt, der ähnlich ist dem Einschlafen; es darf aber nicht zur Bewusstlosigkeit kommen. Das wird dadurch erreicht, dass man durch die Kraft der Seele in die eigene [Seele] hineinnimmt Vorstellungen, die man sich selbst zubereitet hat. Am besten sind solche Vorstellungen, die keinen äußeren Vorgängen, keinen äußeren Dingen entsprechen.
[ 19 ] It is possible to strengthen the will to such an extent that external sensory activity and even the intellect fall silent. Just as one can learn in ordinary life to turn one’s attention away from objects, so too can one, by strengthening the powers of the will, arbitrarily suppress all external impressions. One has then, on the one hand, brought about a moment similar to falling asleep; however, one must not lose consciousness. This is achieved by using the power of the soul to take into one’s own [soul] images that one has prepared for oneself. The best such images are those that correspond to no external events or external things.
[ 20 ] Wir werden gleich eine solche besondere Vorstellung vor unsere Seelen hinstellen, eine Vorstellung, die eine von vielen Tausenden ist, die der Geistesforscher bei sich anwendet, die aber das Prinzipielle zeigen kann: dass der Mensch sich denke, er habe zwei Gläser vor sich, das eine gefüllt mit Wasser, das andere leer. Er gießt, so wollen wir uns vorstellen, aus dem gefüllten Glase in das leere etwas Wasser, aber dadurch würde das gefüllte Glas nicht immer leerer und leerer, sondern immer voller und voller, und je mehr wir ausgießen, desto voller wird es. Es ist eine absurde Vorstellung, aber es kann eine sinnbildliche Vorstellung sein für etwas, was uns rätselhaft im Leben entgegentritt. Das, was hier gemeint ist, ist, was wir die Liebe nennen. Die liebende Seele, die liebevoll hingibt dem Bedürftigen, die sozusagen aus sich selbst gibt, was in ihr enthalten ist, wird sie deshalb leerer? Nein, das, was aus Liebe gegeben ist, macht uns immer voller und reicher. Das ist die Eigenschaft der Liebe, dass wir unser eigenes Wesen hingeben und doch immer reicher und reicher werden.
[ 20 ] We will now present such a special mental image to our souls—one that is just one of many thousands used by the spiritual researcher, but which can illustrate the fundamental principle: Imagine that you have two glasses in front of you, one filled with water and the other empty. Let us imagine that he pours some water from the full glass into the empty one; yet this would not cause the full glass to become emptier and emptier, but rather fuller and fuller—and the more we pour out, the fuller it becomes. It is an absurd idea, but it can serve as a symbolic illustration of something that presents itself to us as a mystery in life. What is meant here is what we call love. Does the loving soul—which lovingly gives to those in need, which, so to speak, gives from itself what is contained within it—become emptier as a result? No, what is given out of love always makes us fuller and richer. That is the nature of love: that we give of our very being and yet become ever richer and richer.
[ 21 ] Wenn wir uns diese Eigenschaft der Liebe vorstellen durch das eben charakterisierte Symbol der Wassergläser, dann haben wir etwas Ähnliches getan wie in der Geometrie. Betrachten wir eine kreisförmige Medaille; wir können sie aus der Hand legen und uns dann doch danach eine Kreisform vorstellen. Man kann also mit dem substanziellen Inhalt eines Dinges ganz unbekannt sein, aber man kann die Kreisnatur ins Auge fassen und aufzeichnen und ganz davon absehen, was man vor sich hat. In dem Kreis wird einem alles klar, was sich auf die Kreisnatur bezieht. Sinnbildlich hat man etwas, was an diesem Ding ist, herausgeholt. Man stellt sich so in der Geometrie Dinge vor, und dies macht man auch in der Geistesforschung in einem höheren Sinn.
[ 21 ] If we imagine this quality of love using the symbol of the water glasses just described, we have done something similar to what we do in geometry. Consider a circular medal; we can set it down and still imagine a circular shape afterward. So one can be completely unfamiliar with the substantial content of a thing, but one can grasp the circular nature of it in one’s mind’s eye and depict it, while completely disregarding what one actually has before one. Within the circle, everything related to the circular nature becomes clear. Symbolically, one has extracted something that is inherent in this thing. This is how one conceives of things in geometry, and this is also done in spiritual science in a higher sense.
[ 22 ] Man holt heraus aus einem Vorgang, wie die Liebe [einer] ist, die so Geheimnisvolles und Unergründliches in sich schließt, dass kein menschliches Wesen es ausschöpfen kann, man nimmt heraus die Eigenschaft des Immer-reicher-Werdens und man richtet die Seele auf das Sinnbild. Man kann auch andere Sinnbilder sich bilden. Solche Sinnbilder sind besser für das meditative Leben als Vorstellungen, die aus der äußeren Welt genommen sind; in ihnen hängt die Seele noch immer an der äußeren Welt: Wenn wir uns aber solche Sinnbilder wählen, die mit der äußeren Welt nichts zu tun haben, dann können wir mit Ablenkung von allem Äußeren in unserm Innern leben. Wir leben dort, wenn wir alle unsere Seelenkräfte eine Weile auf das eine Sinnbild hinlenken. Wir können zu einer solchen inneren Arbeit auch andere Sinnbilder verwenden, und der Geistesforscher hat eine solche Übung tausend Mal zu machen. Weisheit als solche ist nicht leuchtend, aber vorstellen können wir sie uns unter dem Bild einer leuchtenden Sonne und uns dem Sinnbild hingeben, das ausdrückt die Idee der innerlichen Wärme. Wir können dabei etwas erleben, was wir auch bei der innerlichen Vorstellung der Weisheit empfinden. Wir können uns für die in der Welt sich ausbreitende Wärme auch die Liebe vorstellen.
[ 22 ] One extracts from the experience of love—which contains within itself something so mysterious and unfathomable that no human being can fully comprehend it—the quality of ever-increasing richness, and one directs the soul toward the symbol. One can also form other symbols. Such symbols are better suited to the meditative life than images taken from the external world; in the latter, the soul remains attached to the external world. But when we choose symbols that have nothing to do with the external world, we can live within ourselves, detached from all that is external. We live there when we direct all our soul’s powers toward that one symbol for a while. We can also use other symbols for such inner work, and the spiritual seeker must perform this exercise a thousand times. Wisdom as such is not luminous, but we can imagine it as a shining sun and surrender to the symbol, which expresses the idea of inner warmth. In doing so, we can experience something similar to what we feel when we mentally visualize wisdom. We can also imagine love as the warmth spreading throughout the world.
[ 23 ] Viele, viele Beispiele solcher Sinnbilder könnten genannt werden. Da könnte nun leicht jemand kommen und könnte sagen: Da will also der Geistesforscher sich hingeben Vorstellungen, die nicht wahr sind! – Sie sind aber auch nicht da, um etwas Äußerliches abzubilden; sie wollen das nicht, sondern sie wollen das Seelenleben in sich zur Regsamkeit bringen. Während wir sonst im Alltagsleben, oder beschäftigt mit wissenschaftlichen Dingen, in unserer Seele vielleicht Inhalt haben, den wir nicht überschauen können, während da unser Seelenleben verteilt ist über vieles, ziehen wir all unsere Kräfte unserer Seele in der Meditation zusammen, heften sie auf diese eine Vorstellung; dadurch wird sie besonders stark, wenn wir uns bemühen, an dieser Vorstellung haften zu bleiben, längere Zeit nichts anderes in die Seele einzulassen.
[ 23 ] Many, many examples of such symbols could be cited. Now, someone might easily come along and say: “So the spiritual researcher wants to give himself over to ideas that are not true!”—But they are not there to represent something external; that is not their purpose. Rather, they are meant to awaken the life of the soul within. Whereas in everyday life, or when engaged in scientific pursuits, our soul may contain elements we cannot fully grasp—with our inner life scattered across many things—in meditation we draw all the forces of our soul together and focus them on this single image; this makes it particularly powerful when we strive to remain attached to this image and allow nothing else to enter our soul for an extended period of time.
[ 24 ] Zur wirklichen Ausführung der Sache sind umfassende innere Maßnahmen nötig, die Sie auch in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» finden. Besonders wirksam sind moralische Empfindungen, Willensimpulse, welche die Seele sich sinnbildlich vergegenwärtigt und denen sie sich hingibt mit derselben Liebe, demselben Enthusiasmus, die sonst durch Dinge erweckt werden, die von außen uns anregen und Eindruck auf uns machen. Alle Schulung zur wahren Geistesforschung beruht auf diese Art in einer Erstarkung des inneren Lebens, [in einer] Zusammensammlung alles Seelischen in eine einzige Vorstellung; zeitweise schafft man an dieser Vorstellung. Das ist Meditation. Und diese Meditation erhebt sich zur Kontemplation, wenn wir in die Lage kommen, längere Zeit lebensvoll in einem solchen inneren Seeleninhalt sozusagen uns aufzuhalten, wie wir sonst in einem behaglichen Raum mit der Leiblichkeit sind. Wenn wir dazu kommen, ebenso bewusst uns in einen solchen willkürlich herbeigeführten Seelenzustand zu bringen, dann leben wir in innerlicher Kontemplation. Dadurch wird dasjenige, was in der menschlichen Natur nicht angewiesen ist auf das Werkzeug der Leiblichkeit, innerlich regsam gemacht.
[ 24 ] To truly carry this out, comprehensive inner practices are necessary, which you will also find in my book *How to Gain Insight into the Higher Worlds*. Particularly effective are moral feelings and impulses of the will, which the soul symbolically brings to mind and to which it surrenders itself with the same love and enthusiasm that are otherwise aroused by things that stimulate us from the outside and make an impression on us. All training in true spiritual research is based in this way on a strengthening of inner life, [in a] gathering of all that is soulful into a single idea; at times one works on this idea. This is meditation. And this meditation rises to contemplation when we are able to dwell for a longer period of time, as it were, in such an inner state of the soul with full vitality, just as we otherwise dwell in a comfortable room with our physical body. When we reach the point where we can just as consciously bring ourselves into such a deliberately induced state of the soul, then we are living in inner contemplation. Through this, that which in human nature does not depend on the instrument of physicality is made inwardly active.
[ 25 ] Damit ist der reale Beweis geliefert, dass es ein solches innerlich Geistiges gibt, und damit nähert man sich dem Beweis, dass es etwas Reales ist, was sich im Schlaf zurückzieht, dass es nur im gewöhnlichen Leben zu schwach ist, sich aber innerlich belebt zeigt, wenn wir es durch solche Übungen wie die geschilderten zu innerer Regsamkeit bringen.
[ 25 ] This provides concrete proof that such an inner, spiritual reality exists, and thus brings us closer to proving that what withdraws during sleep is a real entity—one that is merely too weak to manifest itself in ordinary life, but reveals its inner vitality when we stimulate it through exercises such as those described.
[ 26 ] Wenn dies der Mensch eine Weile geübt hat, dann kommt es so weit, dass er auch dann, wenn er nicht künstlich solche Bilder hervorruft, nicht künstlich sich hinzaubert die Sinnbilder, sein inneres Leben so zubereitet findet, dass es sozusagen aus dem Untergrund heraus solche Bilder erzeugt. Das ist der wichtige Moment, das ist wie eine Wiedergeburt des Seelenlebens, wenn wir, ohne dass wir es künstlich herbeiführen, aus dem Untergrund unserer Seele heraufsteigen sehen Bilder über Bilder, die wie eine zweite Welt, eine Welt außerhalb der Welt, vor uns erstehen.
[ 26 ] Once a person has practiced this for a while, the point is reached where—even when they are not deliberately conjuring up such images, not artificially conjuring up these symbols—their inner life is so prepared that it generates such images, as it were, from deep within. This is the crucial moment—it is like a rebirth of the soul’s life—when, without our having to bring them about artificially, we see images upon images rising from the depths of our soul, emerging before us like a second world, a world outside the world.
[ 27 ] Jetzt aber beginnt das, was wichtig ist, damit der Mensch zu Wahrheiten und nicht zu Irrtümern der Geistesforschung geführt werde. Es steigt eine Welt von Bildern auf aus dem Untergrund der Seele, eine Welt von Bildern, die derjenige, der nicht bekannt ist mit diesen Dingen, wohl aber mit der heutigen Anschauung solcher Verhältnisse, als Visionen, Halluzinationen, als Wahnvorstellungen nehmen wird. Die heutige Weltanschauung glaubt in solchen Dingen, die über das gewöhnliche Leben hinausgehen, eben nur Pathologisches wahrnehmen zu können. Darin besteht aber der Weg zur Wahrheit der Geistesforschung, dass diese nur hervorgehen kann aus einem geübten Seelenleben, das zu unterscheiden weiß zwischen Wahnvorstellungen und Wirklichkeiten auch auf seelischem Gebiet. Daher muss eine jede wirkliche Schulung zur Geistesforschung dahin führen, dass in dem Moment, wo das Geschilderte eintritt, ein kräftiger innerer Willensentschluss in dem Menschen gefasst werden kann, der ein Geistesforscher werden will, ein Entschluss, der gerade dann nicht vorhanden sein wird, wenn der Zustand krankhaft auftritt.
[ 27 ] But now begins what is important, so that human beings may be led to the truths—and not to the errors—of spiritual research. A world of images rises up from the depths of the soul—a world of images that those unfamiliar with these matters, but well-acquainted with today’s view of such phenomena, will likely interpret as visions, hallucinations, or delusions. Today’s worldview believes that in such matters, which transcend ordinary life, it can perceive nothing but pathological phenomena. Yet the path to the truth of spiritual research lies precisely in the fact that it can arise only from a trained inner life capable of distinguishing between delusions and realities, even in the realm of the soul. Therefore, any genuine training in spiritual research must lead to the point where, at the very moment the described experience occurs, a person who wishes to become a spiritual researcher can make a strong inner resolution—a resolution that will be absent precisely when the state manifests as a pathological condition.
[ 28 ] Das kann man schon bei Beobachtung des gewöhnlichen Lebens sehen. Viele von Ihnen werden es schon bemerkt haben, wie Menschen von krankhaftem Seelenleben, wenn sie Wahnvorstellungen haben, gerade von der Wahrheit, von der Wirklichkeit ihrer eigenen Vorstellungen weit mehr überzeugt sind als von der Wirklichkeit der Außenwelt. Es ist oftmals leicht, Menschen abzubringen von einer Überzeugung; bei jemandem aber, dessen Seelenleben ein krankhaftes ist, wäre das eine vergebliche Mühe. Was tritt da ein? Da tritt etwas ein: Was der Mensch durch die Kraft seines eigenen Seelenlebens vor sich hingestellt hat, das liebt er aus einem energischen Gefühl heraus; er bringt in seiner Vorstellung auch die Sehnsucht mit, dass das Realität sei, und so baut sich vor ihm eine Welt auf, die er aber nur selbst aufgestellt hat. Sobald der Mensch eine solche Welt als Wahrheit nimmt, kann er nicht Geistesforscher sein. Ein solch starker Willensentschluss ist notwendig, wenn durch Meditationsschulung die Bilder auftauchen, die wir Imaginationen nennen; ein starker Entschluss ist nötig, der gerade kranken Vorstellungen entgegengesetzt ist, der nun sich sagt: Alles das, was du als eine Welt von Bildern auch ohne dein Zutun da in dir aufsteigen fühlst, ist nichts anderes als ein Spiegelbild deines eigenen Seelenlebens. Was du in dir hast, hast du durch deine Anstrengung hervorgeholt, das stellt sich vor dich hin. Es sind nichts als Schattenbilder deiner eigenen Wesenheit. – Und nicht nur die Fähigkeit gehört zum Geistesforscher, dass man es bis dahin zu bringen vermag, dass Imagination auftritt, wichtiger ist die starke Willensschulung gegenüber dieser Welt, auch den Bildern von berückender Schönheit gegenüber immer festzuhalten, dass sie nur Schattenbilder unseres eigenen Selbst sind.
[ 28 ] This can be seen simply by observing everyday life. Many of you will have already noticed how people with a pathological mental state, when they have delusions, are far more convinced of the truth—of the reality of their own ideas—than of the reality of the outside world. It is often easy to dissuade people from a conviction; but in the case of someone whose inner life is pathological, this would be a futile effort. What happens there? Something happens: whatever the person has created before them through the power of their own inner life, they love out of a powerful feeling; they also bring with them in their imagination the longing for it to be reality, and so a world takes shape before them—a world, however, that they themselves have created. As soon as a person accepts such a world as truth, they cannot be a researcher of the spiritual realm. Such a strong resolve is necessary when, through meditation training, the images we call imaginations arise; a strong resolve is needed—one that is directly opposed to such delusions—that says to itself: Everything you feel rising up within you as a world of images, even without your active involvement, is nothing other than a reflection of your own inner life. What you have within you, you have brought forth through your own effort; that is what stands before you. They are nothing but shadows of your own being. – And it is not merely the ability to bring about the emergence of imagination that belongs to the spiritual researcher; more important is the rigorous training of the will in the face of this world—even in the face of images of enchanting beauty—to always hold fast to the fact that they are merely shadows of our own self.
[ 29 ] Dieser Fehler wird von denjenigen, die nicht durch eine richtige Schulung gegangen sind und durch irgendwelche Veranlassung zu einem gewissen innerlichen Schauen von Bildern kommen, immer wieder gemacht: Sie halten diese Welt für eine reale Welt, weil sie eine schöne sein kann, weil der Mensch sich in ihr beglückt fühlt. Auf eine solche Vorstellungsart muss der Geistesforscher verzichten können. Das, was sich heranbilden muss im Verlauf der Schulung, ist der starke Entschluss, und wenn dann dieser Entschluss selbst zu einer Art Meditation gemacht wird, wenn man immer wieder in diesen Entschluss sich versenkt, und alle Seelenkräfte darauf verwendet, dies alles als Schattenbilder anzusehen, dann verstärkt sich dieser Entschluss, und man bekommt die Fähigkeit, die imaginative Welt wieder auszutilgen, man kann sie wieder auslöschen durch eine innere Kraft; dann hat man eine wichtige Stufe des Geistesforschers erreicht.
[ 29 ] This mistake is made time and again by those who have not undergone proper training and who, for whatever reason, come to experience a certain inner vision of images: They regard this world as a real world because it can be a beautiful one, because people feel happy in it. The spiritual researcher must be able to renounce this way of thinking. What must develop in the course of training is a strong resolve; and when this resolve itself becomes a kind of meditation—when one repeatedly immerses oneself in this resolve and devotes all one’s soul forces to viewing all of this as shadow images—then this resolve is strengthened, and one gains the ability to erase the imaginative world once more; one can extinguish it through an inner force; then one has reached an important stage in the path of the spiritual researcher.
[ 30 ] Das, was man da erreichen kann, ist Folgendes: Man kann sagen, es lässt sich vergleichen mit dem, was man im gewöhnlichen Leben das Vergessen unserer Gedanken nennt. Sie wissen, dass alles, was Sie erfahren haben, in Ihrem Bewusstsein ruht. Wie könnte der Mensch auch leben, wenn alle seine Erfahrungen, Schmerz und Freude, dem Gedächtnis immer gegenwärtig wären? Aber Sie wissen, dass längst Vergessenes von Zeit zu Zeit wieder heraufgerufen werden kann in die Seele. Wie eine Vorstellung des gewöhnlichen Lebens, die ins Vergessen hinuntertaucht, so muss durch den besprochenen starken Willensentschluss die ganze Imagination ins Vergessen, ins Unbewusste gedrängt werden. Dies bedarf einer starken Herrschaft des Menschen über sich selbst, denn der Mensch ist innig verwachsen mit dem, was er durch seine Kraft hervorgebracht hat. Er hat einen starken Sieg über sich vermocht, wenn er alles das, was er auf der ersten Stufe der geistigen Erkenntnisse hervorgebracht hat, wieder auszulöschen vermag.
[ 30 ] What one can achieve there is this: One could say it is comparable to what we call, in everyday life, the forgetting of our thoughts. You know that everything you have experienced remains in your consciousness. How could a person live if all their experiences—pain and joy alike—were always present in their memory? But you know that things long forgotten can be recalled from time to time into the soul. Just as an image from everyday life sinks into oblivion, so too must the entire imagination be pushed into oblivion, into the unconscious, through the strong act of will we have discussed. This requires a strong mastery of the self, for human beings are intimately intertwined with what they have brought forth through their own power. They have achieved a great victory over themselves when they are able to erase everything they have produced on the first stage of spiritual knowledge.
[ 31 ] Dann erst leben wir in unserem wahren Selbst, dann haben wir stärkere Kräfte als vorher in uns entwickelt. Wenn wir das nicht können, wissen wir, dass wir noch zu schwach sind, um wirklich in geistige Welten einzudringen. Wahrheiten in der geistigen Welt zu erleben ist nur möglich, wenn die Erlebnisse anhand einer geisteswissenschaftlichen Schulung herbeigeführt werden. Wenn uns dies gelungen ist, dann kommen in einer ganz anderen Weise diejenigen Bilder wieder herauf – wie vergessene Vorstellungen wieder heraufkommen, aber in gleicher Art, wie sie waren –, so kommen verändert die Imaginationen wieder herauf. Vorher waren sie Bilder, wie visionäre oder phantastische Bilder, nachher kommen sie herauf so, dass wir wissen, wir haben es jetzt mit einer realen Welt zu tun, mit einer übersinnlichen Welt. Vorher waren es Bilder, jetzt sind es Vorgänge, die real sind, wie die Vorgänge der Sinneswelt.
[ 31 ] Only then do we live in our true selves; only then have we developed greater powers within ourselves than before. If we are unable to do this, we know that we are still too weak to truly penetrate the spiritual worlds. Experiencing truths in the spiritual world is only possible if these experiences are brought about through training in spiritual science. Once we have succeeded in this, those images resurface in a completely different way—just as forgotten ideas resurface, but exactly as they were—so, too, do the imaginations resurface, transformed. Before, they were images—like visionary or fantastical images; afterward, they emerge in such a way that we know we are now dealing with a real world, with a supersensible world. Before, they were images; now they are processes that are real, just like the processes of the sensory world.
[ 32 ] Nun könnte jemand sagen, man könne sich ja jetzt erst recht einer Selbstsuggestion hingeben. Was gibt uns Gewähr, dass die Dinge real sind, wenn wir so Herr über uns geworden sind? – Ja, die Art, wie wir die Dinge erleben – nichts anderes kann uns Gewähr geben, aber es ist dies die gleiche Art, die uns Beweis gibt für die Wirklichkeiten des äußeren, sinnlichen Lebens. Es gibt keine anderen Beweise! Man kann dies am besten ermessen, wenn man auf den Hauptfehler bei Schopenhauer aufmerksam macht. – Man kann einen Geist wie Schopenhauer voll anerkennen, auch wenn man auf seinen Hauptfehler aufmerksam macht. – Wenn er davon spricht, dass die Welt um uns nur in unserer Vorstellung sei, dann macht er diesen Fehler, denn man kann wohl unterscheiden in der Welt – aber nur, wer das Leben unterscheidet –, ob irgendetwas Vorstellung oder Wirklichkeit sei. Man stelle sich einmal glühendes Eisen vor. Man wird sich daran nicht verbrennen. Aber wenn man das wirkliche glühende Eisen in der Wahrnehmung hat und berührt, so verbrennt man sich daran. Beweisen kann uns nichts die Wirklichkeit als das Erleben. Volles Erleben, dies allein gibt den Beweis der Wirklichkeit. Es ist einmal gesagt worden: Warum soll das, was einem vor die Seele tritt, nicht Suggestion sein, da der Mensch sich doch so leicht Suggestionen hingibt? Man kann sich denken, Limonade zu trinken, da liegt keine Wirklichkeit vor, aber der Mensch genießt den Geschmack der Limonade wie Wirklichkeit. – Man kann das zugeben, aber es handelt sich ja nicht um ein teilweises Erleben, sondern um ein volles Erleben. Den Geschmack kann man in seiner Vorstellung erleben, aber der Durst wird davon nicht gelöscht! Das volle Erleben, das Durstlöschen setzt die Wirklichkeit voraus, nicht die Vorstellung.
[ 32 ] Now, one might say that this is precisely the time to give in to self-suggestion. What assurance do we have that things are real if we have become so much in control of ourselves? — Yes, the way we experience things—nothing else can give us assurance—but this is the very same way that provides us with proof of the realities of external, sensory life. There is no other proof! This can best be appreciated by pointing out Schopenhauer’s main error. – One can fully acknowledge a thinker like Schopenhauer even while pointing out his main error. – When he speaks of the world around us existing only in our imagination, he commits this error, for one can indeed distinguish in the world—but only those who distinguish in life—whether something is imagination or reality. Imagine a red-hot piece of iron. You will not burn yourself on it. But if one perceives and touches the actual red-hot iron, one will burn oneself on it. Nothing can prove reality to us except experience. Full experience—this alone provides the proof of reality. It has been said: Why should what appears before the soul not be suggestion, since human beings so easily succumb to suggestions? One can imagine drinking lemonade—there is no reality to it—yet one enjoys the taste of the lemonade as if it were real. – One can admit that, but this is not a matter of a partial experience, but of a full experience. One can experience the taste in one’s imagination, but it does not quench one’s thirst! The full experience—the quenching of thirst—presupposes reality, not imagination.
[ 33 ] Wie der Mensch in der äußeren Sinneswelt nur durch das Erleben die Beweise der Wirklichkeit erhalten kann, so erhält er nur durch strenge geisteswissenschaftliche Schulung die Fähigkeit, zu unterscheiden zwischen Wirklichkeit und Täuschung in der geistigen Welt. Auf die geschilderte Art und Weise kommt der Geistesforscher auf eine Stufe, wo er gegenübersteht einer neuen Art von Wesenheit, von Tatsachen, die hinter der Sinneswelt stehen. Durch eine Kräftigung des Seelenlebens werden in dem eigenen Seelenleben ihm wirklich geistige Augen geschaffen, damit der Mensch eine neue Welt finde.
[ 33 ] Just as human beings can only obtain proof of reality in the outer sensory world through experience, so too can they only acquire the ability to distinguish between reality and illusion in the spiritual world through rigorous training in spiritual science. In the manner described, the spiritual researcher reaches a stage where he encounters a new kind of being, of facts that lie beyond the sensory world. Through a strengthening of the soul life, true spiritual eyes are created within his own soul life, so that he may discover a new world.
[ 34 ] Auch in Bezug auf sein eigenes Leben kann der Mensch nur auf solche Art von Imagination zur Wirklichkeit kommen. Wenn der Mensch zunächst solche Imaginationen, wie sie geschildert worden sind, sich bildet mit Bezug auf sein eigenes Leben, wenn er sich sinnbildlich vorstellt dieses oder jenes, was er erlebt hat, wenn er sich meditativ vertieft in sein eigenes bisheriges Leben, so kann dieses Leben in einer Art von Bildern vor seine Seele treten. Wenn er dann in der Lage ist, über diese Bilder Herr zu werden, wenn er gerade dadurch, dass er sein Leben vor die Seele zaubert, dieses Leben auslöschen kann, hat er den Sieg über sich selbst gewonnen. Geradeso, wie er [nun] äußerlich etwas auftreten sieht, was real ist, aber er alles ausgelöscht hat, was mit seinem jetzigen Leben zusammenhängt – wenn er diesen Vorgang verfolgt, kommt er zu etwas, was zu ihm gehört, aber nicht zu seinem gegenwärtigen Leben. Da steigt er tatsächlich zu dem empor, was wir sein früheres Erdenleben nennen, und er gelangt zu der Erkenntnis seiner früheren Erdenleben. Denn dazu führt uns Geisteswissenschaft, dass sie uns führt zu unseren früheren Erdenleben und dadurch uns den Beweis liefert, dass unser gesamtes Leben in wiederholten Erdenleben und in den Zwischenzeiten im rein Geistigen verläuft. Diese Idee mag dem Geistesbewusstsein unsympathisch sein, sie ist aber etwas, was [in der Zukunft] eindringen wird in unsere Kultur.
[ 34 ] Even with regard to his own life, a person can only come to a sense of reality through this kind of imagination. When a person first forms such imaginations—as have been described—in relation to his own life, when he symbolically envisions this or that experience he has had, when he meditates deeply on his own life up to this point, then this life can appear before his soul in a series of images. If he is then able to master these images—if, precisely by conjuring his life before his soul, he can erase that life—he has won the victory over himself. Just as he [now] sees something external that is real, yet has erased everything connected to his present life—when he follows this process, he arrives at something that belongs to him but not to his present life. There he truly ascends to what we call his earlier earthly lives, and he comes to the realization of his past earthly lives. For this is what spiritual science leads us to: it leads us to our past earthly lives and thereby provides us with proof that our entire life unfolds in repeated earthly lives and, in the intervals between them, in the purely spiritual realm. This idea may be unappealing to the spiritual consciousness, but it is something that will [in the future] find its way into our culture.
[ 35 ] Dann aber löst sich die Frage nach dem Schicksal in einer sehr merkwürdigen Weise auf, dadurch, dass wir ja wissen: Wir leben nicht zum ersten Mal mit diesem Leben und wir haben noch viele Erdenleben vor uns. Damals, [in früheren Erdenleben], haben wir uns selbst zubereitet, was jetzt unser Schicksal bestimmt. Und es gewinnt die Frage nach der Unsterblichkeit ihre richtige Beleuchtung, wenn wir hinschauen auf die Pforte des Todes so, dass wir sie durchschreiten, dann in einer rein geistigen Welt leben, um mit alledem, was wir uns angeeignet haben, wieder in ein neues Erdenleben einzutreten, das uns die Früchte der früheren Leben zeitigt. Dann reden wir nicht im Allgemeinen von Unsterblichkeit, die sich Glied für Glied zusammensetzt. Wir gewinnen aus der Sicherheit, dass wir das eigene Leben sehen, gewisse Fähigkeiten, die einsehen lehren, dass sich ein anderes und wieder ein anderes Leben anschließen müssen. So führt uns die echte geisteswissenschaftliche Geistesforschung zur Wahrheit, aber es muss der rechte Weg im angedeuteten Sinne eingeschlagen werden.
[ 35 ] But then the question of destiny resolves itself in a very strange way, because we know that this is not the first time we have lived this life, and we still have many earthly lives ahead of us. Back then, [in previous earthly lives], we ourselves prepared what now determines our destiny. And the question of immortality is properly illuminated when we look upon the gateway of death in such a way that we pass through it, then live in a purely spiritual world, so that—with all that we have acquired—we may reenter a new earthly life that bears for us the fruits of our past lives. Then we do not speak in general terms of immortality, which is composed of one link after another. From the certainty that we see our own life, we gain certain abilities that teach us to understand that one life must be followed by another, and yet another. Thus, genuine spiritual scientific research leads us to the truth, but the right path must be taken in the sense indicated.
[ 36 ] Alle solche Erkenntnis führt dann weiter zu jener Stufe, wo wir nicht bloß das, was in Bildern aufstieg, schauen, sondern uns auch die Fähigkeit erwirken, sozusagen unbildlich zu erleben: Inspiration. Durch sie dringen wir in den Sinn der Dinge und Wesenheiten ein, und durch die Intuition, die nächsthöhere Stufe des inneren Lebens, werden wir eins mit den Dingen, erleben wir das, was als geistig Unsichtbares in den Dingen selbst liegt.
[ 36 ] All such insight then leads us further to that stage where we not only behold what has risen up in images, but also acquire the ability to experience things, so to speak, without images: inspiration. Through it, we penetrate to the essence of things and beings, and through intuition—the next higher stage of inner life—we become one with things and experience what lies within things themselves as the spiritually invisible.
[ 37 ] Man kann einer solchen Auseinandersetzung gegenüber sagen: Ja, wenn nun der Geistesforscher hineingelangt in eine geistige Welt, sich sagen kann aus dieser geistigen Welt heraus, wie das Schicksalsrätsel zu lösen ist, sich sagen kann: Ja, in dir lebt ein Unvergängliches –, so gilt das nur für den Geistesforscher. – Das ist nicht so. Auch die Wahrheit über diese Natur der Geistesforschung muss klar werden, wenn sie ein Faktor in unserer Kultur werden soll.
[ 37 ] One might respond to such a debate by saying: Yes, if a spiritual researcher enters a spiritual world and, from within that spiritual world, can tell himself how to solve the riddle of destiny—if he can say to himself, “Yes, something imperishable lives within you”—then that applies only to the spiritual researcher. – That is not the case. The truth about this nature of spiritual research must also become clear if it is to become a factor in our culture.
[ 38 ] Was gewinnt der Geistesforscher, wenn er in höhere Welten kommt? Er kommt dazu, dass er seinen seelischen Wesenskern erkennt, dass er sich sagen kann: Wenn das Haar erbleicht, wenn der Körper nach und nach verwelkt, dann webt in meinem Innern ein seelischer Kern, den ich immer stärker und stärker werden fühle, der sich im Leben die Kräfte erwirbt, dann in einem Zwischenleben lebt [zwischen Tod und neuer Geburt], um dann wieder aufzuleben in einem neuen Erdenleben. Man kann sagen: Diese Sicherheit kann nur der Geistesforscher erleben, was haben dann die andern Menschen davon, die nur ihren Verstand gebrauchen können? – Wenn wir dies erkennen wollen, so müssen wir uns klarmachen, dass alles, was der Geistesforscher bringt, nichts anderes ist als das Erleben der geistigen Welt. Aber es macht sich in ihm sofort ein Drang und Trieb geltend; es ist der, alles das, was man erlebt in der geistigen Welt, herunterzuholen in die Vorstellungen der wirklichen Welt. Der wahre Geistesforscher ist von seinem Gang in die geistigen Welten nicht früher befriedigt, bis er in logische Formen kleiden kann das, was er aus den geistigen Welten weiß — so kleiden kann, dass sein Erleben verständlich ist allen Menschen. Und Sicherheit über die Unsterblichkeit, Sicherheit über das Schicksal hat der Geistesforscher nicht eher, bis er sein Erleben in allgemeine Vorstellungen und Begriffe bringen kann.
[ 38 ] What does the spiritual researcher gain when he enters higher worlds? He comes to recognize the core of his soul, so that he can say to himself: When my hair turns gray, when my body gradually withers away, a spiritual core weaves within me—one that I feel growing stronger and stronger, one that acquires strength throughout life, then lives in an intermediate life [between death and a new birth], only to come to life again in a new earthly existence. One might say: Only the spiritual researcher can experience this certainty—so what benefit do other people derive from it, who can use only their intellect?—If we wish to understand this, we must realize that everything the spiritual researcher brings is nothing other than the experience of the spiritual world. But an urge and impulse immediately assert themselves within him; namely, to bring down everything experienced in the spiritual world into the concepts of the real world. The true spiritual researcher is not satisfied with his journey into the spiritual worlds until he can clothe what he knows from the spiritual worlds in logical forms—clothe it in such a way that his experience is understandable to all people. And the spiritual researcher will not have certainty about immortality or destiny until he can express his experiences in general ideas and concepts.
[ 39 ] Wie verhält er sich dann zu seinen Ideen? Er verhält sich so, wie ein Maler, der malen lernt, der die Farben behandeln lernt, der alles lernt, was zur Kunst des Malens gehört, sich verhält zu dem Bild, das er auf die Leinwand bringt. Was der Maler lernt, ist alles zunächst seine Sache. Dann aber ist das Bild vor uns. Es können zwei Menschen vor diesem Bild stehen. Der eine kann veranlagt sein, alles zu vergeistigen, dann wird er die Geheimnisse, die der Mensch in das Bild gelegt hat, verstehen. Der andere würde in dem Bild nur die Farbenzusammenstellungen betrachten. So, wie sich der Maler zu dem Bilde verhält und nicht eher zufrieden ist, bis sein Können im Bilde liegt, so verhält sich der Geistesforscher seinem Erleben gegenüber, wenn er es in verständlicher Weise anderen Menschen übermittelt hat. Dieses Bild, wenn es vom wahren Geistesforscher gemalt ist, ist so, dass jeder verständnisvolle Beschauer, der davorsteht, es verstehen kann – Erklärungen würden nur stören, denn das Bild muss innerlich ergriffen werden. Wenn der Mensch nur Unbefangenheit und freie Urteilskraft genug hat – er kann es hinnehmen als Gedankenbild, was er aufnimmt und in das er sich versenken kann; er hat dann alles, was der Geistesforscher ergründen konnte in der geistigen Welt. Darüber muss man sich klar sein, dass darin, [in dem], was der Geistesforscher in sein Bild legt, nichts ist, was nicht mit dem Verstand begriffen, mit den Mitteln gesunden Denkens begriffen werden kann.
[ 39 ] How, then, does he relate to his ideas? He relates to them the same way a painter who is learning to paint—who is learning to handle colors, who is learning everything that belongs to the art of painting—relates to the image he brings to the canvas. What the painter learns is, at first, entirely his own business. But then the painting is before us. Two people can stand before this painting. One may be inclined to spiritualize everything; then he will understand the mysteries that the artist has embedded in the painting. The other would look only at the color combinations in the painting. Just as the painter relates to the painting and is not satisfied until his skill is reflected in it, so does the spiritual researcher relate to his experience once he has conveyed it to others in an understandable way. This painting, if created by a true spiritual researcher, is such that any discerning viewer standing before it can understand it—explanations would only interfere, for the painting must be grasped inwardly. If a person possesses sufficient open-mindedness and free judgment—they can accept it as a mental image, something they can take in and immerse themselves in; they then possess everything the spiritual researcher was able to fathom in the spiritual world. One must be clear about this: there is nothing in what the spiritual researcher incorporates into his painting that cannot be grasped by the intellect, using the tools of sound thinking.
[ 40 ] Alles, was wir für das Kraftvolle des Lebens brauchen, alles, was wir überhaupt brauchen, kann uns nicht kommen durch die Forschungen der Wissenschaft, sondern durch die Geisteswissenschaft – durch das, was wir aufnehmen, wenn der Geistesforscher seine Wahrnehmungen in Ideen darstellt. Das ist das Eigentümliche, dass der Geistesforscher das, was er für sein Leben braucht, nicht [erhält durch seine Forschung], sondern [durch das], was er mit dem einfachen Menschen gemeinsam haben kann: Erst wenn der Geistesforscher verständlich gemacht hat anderen Menschen das Erschaute, gewinnt er Sicherheit des Lebens, Orientierung in Bezug auf das Schicksal und Zufriedenheit. Durch die Geistesforschung gewinnt man Anschauungen über die gesamten Welten; das aber, was die Forschungen sein können, dem Geistesforscher können sie auch nichts sein, wenn er sie nicht in verständlichen Formen darstellen kann. Und dem Geistesforscher kann mit nichts gedient sein als mit dem, was er dienstbar machen kann dem Nicht-Geistesforscher. Es muss Geistesforscher geben; und Sie werden aus meinem Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» ersehen, dass jeder Mensch bis zu einer gewissen Stufe dieser Erkenntnisse kommen kann. Um das sich anzueignen, was die Seele braucht zur Sicherheit des Lebens, zur Arbeitsfreudigkeit des Lebens, zur Sicherheit ihres Wurzelns im Unvergänglichen, was die Seele braucht, damit der Mensch dem Alter ruhig entgegensehen kann, das alles kann durch die Ergebnisse der Geistesforschung erkannt werden, und darin erlangt der Geistesforscher nichts mehr als der andere; und erst dann hat der Geistesforscher etwas von seinen Ideen, wenn er sie in den Formen des gesunden Menschenverstandes dargestellt hat.
[ 40 ] Everything we need for the vitality of life—everything we need at all—cannot come to us through scientific research, but through spiritual science—through what we take in when the spiritual scientist expresses his perceptions as ideas. This is what is peculiar about it: the spiritual researcher does not [gain] what he needs for his life [through his research], but rather [through] what he can share with ordinary people. Only when the spiritual researcher has made what he has perceived understandable to others does he gain a sense of security in life, orientation in relation to destiny, and contentment. Through spiritual research, one gains insights into the entire cosmos; yet whatever these insights may be, they are of no use to the spiritual researcher if he cannot present them in understandable forms. And nothing can serve the spiritual researcher more than what he can make useful to the non-spiritual researcher. There must be spiritual researchers; and you will see from my book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?* that every human being can reach a certain level of this knowledge. To acquire what the soul needs for security in life, for a joy in life’s work, for the security of its roots in the imperishable—what the soul needs so that a person can face old age with serenity—all of this can be understood through the findings of spiritual research, and in this regard the spiritual researcher gains no more than anyone else; and only then does the spiritual researcher gain anything from his ideas when he has presented them in the forms of common sense.
[ 41 ] Das ist die Wahrheit über die Geistesforschung; das ist die Wahrheit über das Verhältnis der Geistesforschung zum Leben, und das muss festgehalten werden, dass aus dieser Geistesforschung heraus selbst nur das Wert hat, was sich so hineinstellen kann in das Leben. Der Geistesforscher, der in der geistigen Welt leben kann, der mag vieles sehen — das, was er da schaut, hat aber nur einen Wert, wenn er es auch beurteilen kann. Es können wohl manche Menschen durch Übungen zu Visionen kommen, wenn sie nicht alles das durchmachen, was heute als der wahre Weg gekennzeichnet wurde; sie können dazu kommen, vieles zu schauen — was für einen Wert, was für eine Bedeutung das Geschaute hat; ob es einen Wahrheitswert hat, kann ihnen persönlich ganz unbekannt sein. Das, was man schaut, muss man erst beurteilen können, man muss es erst in seiner Bedeutung für das Leben schätzen können. Woher aber gewinnt man diese Möglichkeit? Durch nichts anderes als das, was man an Urteilskraft und an Moralität schon im gewöhnlichen Leben, bevor man die geistige Welt betritt, gewonnen hat. Der, welcher einen moralischen Sinn hat, wird mit ihm in die geistige Welt eintreten und die Dinge recht beurteilen können. Derjenige, der ein Tor ist, oder unmoralisch, der wird über das, was er schaut, nur verkehrt urteilen können. Daher wird der Wert eines Menschen noch nicht erhöht, wenn er durch allerlei Mittel in die Lage kommt, Übersinnliches zu schauen. Auch der Geistesforscher hat nur einen Wert durch das, wodurch der Mensch einen Wert hat, durch gesundes Urteil und durch moralische Kraft. Was aber ungesundes Urteil und Unmoralität anrichten, wenn der Geistesforscher mit ihnen in die geistigen Welten eintritt, das wird sich uns morgen zeigen, wenn wir von den Irrtümern der Geisteswissenschaft sprechen.
[ 41 ] This is the truth about spiritual research; this is the truth about the relationship between spiritual research and life, and it must be emphasized that, within this spiritual research itself, the only thing of value is that which can be integrated into life. The spiritual researcher who can live in the spiritual world may see many things—but what he sees there has value only if he is also able to judge it. Some people may indeed attain visions through exercises, even if they do not undergo everything that has been described today as the true path; they may come to see many things—but what value, what significance the things they see have; whether they possess any truth value may remain entirely unknown to them personally. One must first be able to judge what one sees; one must first be able to assess its significance for life. But where does this ability come from? From nothing other than the power of judgment and morality one has already acquired in ordinary life, before entering the spiritual world. Those who possess a moral sense will enter the spiritual world with it and be able to judge things correctly. Those who are foolish or immoral will be able to judge what they see only incorrectly. Therefore, a person’s value is not yet enhanced simply because they are enabled, through various means, to perceive the supersensible. Even the spiritual researcher has value only through the very things that give a person value: sound judgment and moral strength. But what unsound judgment and immorality bring about when the spiritual researcher enters the spiritual worlds with them will become clear to us tomorrow when we discuss the errors of spiritual science.
[ 42 ] Es könnte die Frage aufgeworfen werden: Ja, was sind dann Wahrheiten der Geistesforschung? – So wenig man in einer Stunde aufzählen kann Wahrheiten einer anderen Wissenschaft, so wenig kann man in einer Stunde aufzählen Wahrheiten der Geisteswissenschaft. Es sollte gezeigt werden, wie der Mensch zur Wahrheit kommt in der Geistesforschung und nicht zum Irrtum, wie der Mensch durch Entwicklung der in ihm schlummernden Kräfte Geistesaugen und Geistesohren, um mit Worten Goethes zu reden, sich schafft, um in eine geistige Welt zu schauen. Nun kann man nicht sagen, das ist Regel als Wahrheit, das ist Regel als Irrtum –, man kann nur sagen, die Seele des Menschen wird auf diesem Weg reifen, Wahrheiten und nicht Irrtum zu sehen. Von diesem Weg sollte heute gesprochen werden. Morgen sollen die Quellen des Irrtums klargelegt werden. Zusammen gehören der heutige und morgige Vortrag. Der heutige Vortrag sollte zeigen, wie die menschliche Seele sich geistig erkräftigen kann, um die geistige Welt wahrzunehmen, wie sein Auge und Verstand die sinnliche Welt wahrnehmen kann. Dadurch nimmt er alles wahr. Dass er herausgeboren ist aus der äußeren Sinneswelt und zugleich im geistigen Sein [ist], sagt uns ein Goethe’scher Spruch:
[ 42 ] One might ask: Well, what, then, are the truths of spiritual research? — Just as it is impossible to list the truths of any other science in an hour, so it is impossible to list the truths of spiritual science in an hour. The aim is to show how a person arrives at truth in spiritual science rather than at error, and how, by developing the powers that lie dormant within—the “spiritual eyes” and “spiritual ears,” to use Goethe’s words—a person creates the capacity to gaze into a spiritual world. Now, one cannot say, “This is a rule as truth; that is a rule as error”—one can only say that the human soul will mature along this path to see truths and not error. Today we should speak of this path. Tomorrow, the sources of error will be clarified. Today’s and tomorrow’s lectures belong together. Today’s lecture is intended to show how the human soul can strengthen itself spiritually to perceive the spiritual world, just as its eyes and intellect perceive the sensory world. Through this, it perceives everything. That the soul is born out of the outer sensory world and at the same time exists in the spiritual realm is expressed in a saying by Goethe:
Wär’ nicht das Auge sonnenhaft,
Wie könnten wir das Licht erblicken?
Lebt’ nicht in uns des Gottes eigne Kraft,
Wie könnt’ uns Göttliches entzücken?
If the eye were not like the sun,
How could we see the light?
If God’s own power did not live within us,
How could the divine delight us?
[ 43 ] Wahr ist es, in uns selbst muss das Auge sein, mit all seiner Kraft, dass wir das Licht erblicken; sonnenhaft muss das Auge sein. Und dem Menschen muss Leben innerliche Regsamkeit Gottes sein, damit er Gott wahrnehmen kann.
[ 43 ] It is true that the eye must be within us, with all its power, so that we may behold the light; the eye must be like the sun. And for a person to perceive God, their life must be filled with God’s inner vitality.
[ 44 ] Aber ein solcher Ausspruch im Goethe’schen Sinne, er ist nicht so gemeint, wie ihn etwa [Schopenhauer] sagen würde: Welt ist Vorstellung. – Wir würden weit weg sein von dem Sinn des Goethe’schen Ausspruches, wenn wir glauben würden, dass wir uns nur wie einen Abklatsch der inneren Welt die ganze Außenwelt erschaffen sollen, wie manche Philosophen behaupten. Dies muss gesagt werden, wie Goethe sagt: Der Mensch hätte keine Augen, wenn nicht das Sonnenlicht den Raum durchdränge. Und so wahr es ist, dass wir das Licht nur durch das Auge erkennen, so wahr haben wir ein Auge nur, weil das Licht den Raum durchflutet, denn das Licht hat erst das Auge herausgeholt. Wesen, die Augen hatten, aber durch viele Generationen in Höhlen wohnen, verlieren das Organ des Auges, die Augen verkümmern. Das Auge ist ein Geschöpf des Lichtes. So ist die Tatsache, dass wir Organe haben für das Licht, durch die wir es haben können, zugleich ein Beweis für das Licht. Die Tatsache, dass der Mensch Geistiges in sich erleben kann, dass er in sich regsam machen kann ein Übersinnliches, das ist ein Beweis dafür, dass das Übersinnliche nicht nur in ihm ist und dass er es nicht erträumt, sondern dass das allen Raum und Zeit durchwebende Geistige in uns das Geistige erst hervorgebracht hat, wie das Licht das Auge.
[ 44 ] But such a statement, in the Goethean sense, is not meant in the way that [Schopenhauer], for example, would say it: “The world is a representation.” – We would be far removed from the meaning of Goethe’s statement if we believed that we are to create the entire external world merely as a pale imitation of the inner world, as some philosophers claim. This must be said, as Goethe says: Man would have no eyes if sunlight did not penetrate space. And just as it is true that we perceive light only through the eye, so too is it true that we have an eye only because light floods through space, for it is light that first brought the eye into being. Beings that once had eyes but have lived in caves for many generations lose the organ of sight; their eyes atrophy. The eye is a creation of light. Thus, the fact that we have organs for light, through which we can perceive it, is at the same time proof of light’s existence. The fact that human beings can experience the spiritual within themselves—that they can awaken the supersensible within themselves—is proof that the supersensible is not merely within them and that they do not merely dream it, but rather that the spiritual, which permeates all of space and time, has brought forth the spiritual within us, just as light has brought forth the eye.
[ 45 ] So können wir den schönen Ausspruch Goethes, der uns auf unser inneres Licht- und Sonnenhaftes, auf unser inneres Göttliches hinweist, wir diesen schönen Ausspruch ergänzen durch einen solchen, der aus der inneren Geistigkeit des Menschen [Lücke in der Mitschrift] ist für die äußere Realität des Geistigen. Zusammenfassen können wir das Ergebnis unserer Betrachtung für eine Überzeugung von der Wirklichkeit jenes Geistigen, in dem wir ruhen, wie wir als Sinneswesen ruhen in der Stoffeswelt; wir können es zusammenfassen, indem wir Goethes Ausspruch an die Seite stellen den anderen Spruch:
[ 45 ] Thus, we can supplement Goethe’s beautiful saying—which points us to our inner light and sun-like nature, to our inner divinity—with a saying that arises from the inner spirituality of the human being [gap in the transcript] and relates to the outer reality of the spiritual. We can summarize the result of our reflection as a conviction of the reality of that spiritual realm in which we rest, just as we, as sensory beings, rest in the material world; we can summarize it by placing Goethe’s saying alongside this other saying:
Wäre die Welt nicht [sonnenbegabt],
Wie könnten Augen dem Wesen erblühen?
Wäre das Dasein nicht Gottes Enthüllung,
Wie kämen Menschen zur Geisteserfüllung?
If the world were not [blessed with sunlight],
How could eyes blossom into being?
If existence were not God’s revelation,
How could people attain spiritual fulfillment?
