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Spiritual Science
and the Future of Humanity
GA 69e

8 November 1913, Nuremberg

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Spiritual Science and the Future of Humanity, tr. SOL
  1. Geisteswissenschaft und die geistigen Ziele unserer Zeit

12. Die Geisteswissenschaft und die Geistigen Ziele unserer Zeit

12. Spiritual Science and the Spiritual Goals of Our Time

[ 1 ] Geisteswissenschaft will keine neue Religion sein und ist auch keine Sekte. Das Verhältnis zur Naturwissenschaft wird durch ein Bild zum Ausdruck gebracht: Der Geisteswissenschaftler verhält sich so zu den Ideen und Vorstellungen, wie sich der Landmann zu seiner Ernte verhält; einen Teil nimmt er als Saatgetreide, den anderen verbraucht er. Man kann die modernen naturwissenschaftlichen Vorstellungen und Ideen denken oder in einem anderen Fall auch leben. Wenn man mit einem Teil dessen, was die Naturwissenschaft gibt, lebt, es so nimmt, wie man physische Nahrung zu sich nimmt, dann kommt man dazu, die Geisteswissenschaft herauszustellen. Naturwissenschaft fordert Geisteswissenschaft. Beispiel von Wasser für die Frage: Ist Seelisch-Geistiges in der Natur zu erkennen? Es ist so darin wie Wasserstoff im Wasser. Man stellt sich vollständig auf den Boden der Geisteswissenschaft, wenn man sie eine geistige Chemie nennt; absondern will Geisteswissenschaft das GeistigSeelische vom Körperlichen.

[ 1 ] Spiritual Science does not seek to be a new religion, nor is it a sect. Its relationship to the natural sciences is expressed through an analogy: The spiritual scientist relates to ideas and concepts the way a farmer relates to his harvest; he sets aside a portion as seed grain and uses the rest. One can conceive of modern scientific concepts and ideas—or, in another sense, live by them. If one lives by a portion of what the natural sciences provide, taking it in the same way one consumes physical nourishment, then one comes to emphasize spiritual science. The natural sciences call for spiritual science. Consider the example of water in relation to the question: Can the soul-spiritual be recognized in nature? It is present in nature just as hydrogen is present in water. One stands firmly on the ground of spiritual science when one calls it “spiritual chemistry”; spiritual science seeks to separate the spiritual-soul aspects from the physical.

[ 2 ] Wer Interesse für die Dinge hat, die ihn angehen, der wird merken, dass er sie bewahrt, dass er dafür ein gutes Erinnerungsvermögen, ein Gedächtnis bekommt; von dem Gedächtnis hängt die Gesundheit des Seelenlebens ab. Dass wir unser Selbst überschauen bis in unsere Kindheit, das hängt von unserer Aufmerksamkeit ab; dies scheint zwar leicht, «doch ist das Leichte schwer». Diese Aufmerksamkeit kann bis ins Grenzenlose gesteigert werden; in der Kunst, diese Aufmerksamkeit immer weiter und weiter zu treiben, besteht ein Teil dessen, was der Geistesforscher zu tun hat. Konzentration der Seelenkraft nennt man das. Die Gegenstände, über die man nachdenkt, müssen durch eigene Kraft und Tätigkeit in den Mittelpunkt des Seelenlebens gestellt werden. Diese Konzentration muss mit äußerster Energie und äußerster Geduld betrieben werden. Der einzige Apparat ist die Menschenseele, und der einzige Experimentator ist der Geistesforscher selber. Ein konzentriertes Denken muss der Geistesforscher zuerst in sich selber entwickeln, der ganze Mensch muss ein Aufmerkender werden auf selbstgewählte Vorstellungen, und deshalb ist die geisteswissenschaftliche Strömung wie eine Fortsetzung der naturwissenschaftlichen.

[ 2 ] Anyone who takes an interest in the things that concern them will notice that they retain them, that they develop a good memory for them; the health of our inner life depends on this memory. The ability to look back on our own lives all the way to our childhood depends on our attention; though this may seem easy, “the easy is hard.” This attentiveness can be heightened to boundless degrees; the art of driving this attentiveness farther and farther lies at the heart of what the spiritual researcher must do. This is called the concentration of the soul’s power. The objects one reflects upon must be placed at the center of one’s inner life through one’s own strength and activity. This concentration must be pursued with the utmost energy and the utmost patience. The only instrument is the human soul, and the only experimenter is the spiritual researcher himself. The spiritual researcher must first develop concentrated thinking within himself; the whole person must become attentive to self-chosen ideas, and therefore the spiritual scientific movement is like a continuation of the natural scientific one.

[ 3 ] In Wirklichkeit sind es Vorstellungen und Ideen, die die Naturwissenschaft gebracht hat. Sie müssen zum Sinnbild erhoben werden. Dadurch erreicht der Mensch, dass das Geistig-Seelische herausgehoben wird aus dem Physisch-Körperlichen, wie der Wasserstoff aus dem Wasser. Ich stelle dann nicht mehr in meinem Leibe vor, sondern im Geistigen. Man weiß dann, was es heißt, außer seinem Gehirn denken. Es ist ein Sich-Erfühlen außerhalb des Leibes, zunächst außerhalb des Gehirns. Man fühlt dann seinen Körper wie einen äußeren Gegenstand. Das gewöhnliche Denken ist ein robustes und nützt das Gehirn ab; gewöhnlich achtet man aber nicht darauf. Das Wiederuntertauchen in das physische Gehirn bringt eine gewisse Furcht mit sich. Durch Anwendung innerer Kräfte kann das Geistig-Seelische abgesondert werden von dem Körperlich-Leiblichen. Das vom Leibe abgesonderte Vorstellen wird zu einem inneren Mienenspiel, zu einer Mimik. Etwas Aktives, etwas Tätiges ist das Abgesonderte. Dieses innere Mienenspiel hat eine Bedeutung; es zeigt sich sonst nur andeutungsweise, wenn man eine Miene macht.

[ 3 ] In reality, it is concepts and ideas that the natural sciences have brought forth. They must be elevated to the status of symbols. Through this, human beings are able to separate the spiritual-soul aspect from the physical-bodily aspect, just as hydrogen is separated from water. I then no longer imagine within my body, but within the spiritual realm. One then knows what it means to think outside one’s brain. It is a sense of being outside the body, initially outside the brain. One then feels one’s body as an external object. Ordinary thinking is a strenuous process that wears down the brain; but usually one does not pay attention to this. The return to the physical brain brings with it a certain fear. Through the application of inner forces, the spiritual-soul aspect can be separated from the physical-bodily aspect. Imagination separated from the body becomes an inner play of facial expressions, a kind of mimicry. What is separated is something active, something dynamic. This inner play of facial expressions has meaning; otherwise, it reveals itself only hintingly when one makes a facial expression.

[ 4 ] Völlige Hingabe ist das Zweite. Alles, was im Menschen denkt, fühlt und will, muss er völlig auslöschen und untertauchen in den Strom eines Weltgeschehens. Bis ins Grenzenlose muss diese Hingabe gesteigert werden; so weit, dass der Mensch seinem sonstigen seelischen Leben völligen Stillstand gebietet.

[ 4 ] Complete devotion is the second step. A person must completely extinguish everything within himself that thinks, feels, and wills, and submerge himself in the flow of world events. This devotion must be intensified to the point of boundlessness—to such an extent that the person brings his ordinary spiritual life to a complete standstill.

[ 5 ] Dann erlebt er sich nicht nur in dem Seelisch-Geistigen, sondern er kommt dazu, dass er in der geistigseelischen Welt wahrnimmt und inmitten von geistigen Wesenheiten ist. In jedes Wesen, das man erkennen will, muss man in der geistigen Welt untertauchen. Sein eigenes Wesen muss man in diese Wesen hineintragen können. Den geistigen Vorgang muss ich als das Meinige erleben, und das geht hervor aus der Pflege der wirklichen Hingabe, getrieben bis ins Unermessliche. Das, was in ihnen vorgeht, muss man mit den Mienen nachmachen. Was die Wesen erleben, muss man mit ihnen erleben. Man kann nicht passiv erleben; im Erkennen muss man [es] ihnen nachmachen. Das drückt sich dann aus im Mienenspiel des eigenen Geisteslebens.

[ 5 ] Then he not only experiences himself in the soul-spiritual realm, but he also comes to perceive the spiritual-soul world and finds himself in the midst of spiritual beings. To understand any being, one must immerse oneself in the spiritual world. One must be able to carry one’s own being into these beings. I must experience the spiritual process as my own, and this arises from the cultivation of true devotion, driven to the point of the immeasurable. One must mimic with one’s facial expressions what is taking place within them. One must experience with them what they are experiencing. One cannot experience this passively; in the process of understanding, one must imitate them. This is then expressed in the nuances of one’s own spiritual life.

[ 6 ] Noch etwas wird durch Konzentration und Hingabe ausgebildet; man trennt wieder das Geistig-Seelische vom Körperlichen ab. Das, was man im gewöhnlichen Leben zum Sprechen verwendet, kann man in der Seele behalten, nicht zum Sprechen verwenden. Im Geistesleib kann man außerhalb des physischen Leibes innerlich sprechen lernen. Man darf nicht einmal das erregen, was im Gehirn erregt wird, geschweige denn, was im übrigen Sprachapparat beim Sprechen erregt wird. Der Mensch denkt immer so, dass das Sprechen anklingt; auch wenn er nur denkt, gehen innerlich die verborgenen Sprechbewegungen vor sich. Man verbinde mit den Vorstellungen gewisse Willensimpulse; man konzentriere sich zum Beispiel auf die Vorstellung eines leuchtenden Kreises. Man stelle sich vor, der leuchtende Kreis sei das Symbolum der in der Welt waltenden Weisheit. Nicht nur im Denken muss man sich konzentrieren, sondern auch mit seinen Affekten sich daran beteiligen. Dann lernt man das innerliche Sprechen und man kann untertauchen in geistige Wesen — und dann erst kann man untertauchen in sein wahres eigenes geistiges Wesen. Mit der von der Sprachkraft abgesonderten geistig-seelischen Kraft kann man untertauchen in das, was die Seele ist. Jetzt tritt das auf: eine Erweiterung des Erinnerungsvermögens über Geburt und Tod hinaus. Man steht dann vor der Lehre der wiederholten Erdenleben.

[ 6 ] Something else is developed through concentration and devotion; once again, one separates the spiritual-soul aspect from the physical. What one uses for speaking in ordinary life can be retained in the soul, rather than used for speaking. In the spiritual body, one can learn to speak inwardly, outside of the physical body. One must not even stir up what is stirred up in the brain, let alone what is stirred up in the rest of the speech apparatus when speaking. A person always thinks in such a way that speech resonates; even when merely thinking, the hidden speech movements take place inwardly. One should associate certain impulses of will with the mental images; for example, one should concentrate on the image of a luminous circle. Imagine that the glowing circle is the symbol of the wisdom that reigns in the world. One must concentrate not only with one’s thinking but also engage with one’s emotions. Then one learns to speak inwardly and can immerse oneself in spiritual beings—and only then can one immerse oneself in one’s own true spiritual being. With the spiritual-soul power separated from the power of speech, one can immerse oneself in what the soul is. Now this occurs: an expansion of the power of memory beyond birth and death. One then stands before the teaching of repeated earthly lives.

[ 7 ] Noch ein Drittes kann als Seelisch-Geistiges vom Leibe ausgesondert werden. Das Kind kann noch nicht gehen, hat sich noch nicht in das kosmische Dasein eingefügt. Herder hat darauf hingewiesen, wie menschliches Seelenleben in seiner intimen Wesenheit davon abhängt, dass der Mensch in die vertikale Lage kommt und das Antlitz hinausrichtet in Himmelsfernen. Das geschieht durch eine innere Kraft, durch den Menschen selber. — Man kann die Kräfte in der menschlichen Seele finden, durch die sich der Mensch zum wahren, zum himmelaufblickenden Erdenmenschen macht, durch die sich der Mensch seinen moralischen und intellektuellen Charakter selbst gibt. Diese Kräfte können außerhalb eines Leibes gefunden werden; erlebt man sie abgesondert, so erlebt man die geistigen Wesenheiten; dann erlebt man, dass es in der geistigen Welt auch Wesenheiten gibt, die nicht zur Körperlichkeit kommen. Nur dadurch erlebst du sie, dass du die Kraft benutzt, die dich zum aufrecht gehenden Menschen macht. Die abgesonderte Richtkraft des Menschen erlebt der Mensch wie eine innere Physiognomik. In anderen Geistwesen zu sein, [das] erlebt er dadurch. — Indem sich der Mensch selbst aus seinem Leib herausholt, ergießt er sich in eine geistige Welt, in diejenige Region weiß er zu dringen, die früher nur mit dem Glauben durchmessen wurde.

[ 7 ] A third element can be distinguished from the body as a soul-spiritual entity. The child cannot yet walk; it has not yet integrated itself into cosmic existence. Herder pointed out how human soul life, in its most intimate essence, depends on the human being assuming an upright posture and turning their face toward the distant heavens. This occurs through an inner force, through the human being themselves. — One can find the forces within the human soul through which a person becomes a true, heaven-gazing earthly human being, through which a person gives themselves their own moral and intellectual character. These forces can be found outside a body; if one experiences them in isolation, one experiences the spiritual beings; then one experiences that there are also beings in the spiritual world who do not attain physicality. You experience them only by using the power that makes you a human being who walks upright. Human beings experience this distinct guiding power as an inner physiognomy. It is through this that one experiences being in other spiritual beings. — By withdrawing oneself from one’s body, one pours oneself into a spiritual world; one knows how to penetrate that region which was formerly traversed only by faith.

[ 8 ] Kann nun heute jeder Geistesforscher werden? Nein. Ebenso wenig, wie jeder Chemiker werden kann und soll. — Der Geistesforscher kann dieselbe Sprache sprechen wie ein anderer Naturforscher. Man muss das, was der Geistesforscher sagt, nicht bloß glauben — durch einen solchen Vortrag kann freilich nur angeregt werden. Das Verständnis beruht darauf, dass man die Sprache, die gesprochen wird, versteht. Geradeso, wie man die naturwissenschaftliche Welt verstehen kann, gerade so schildert der Geistesforscher. Was paradox erscheint, braucht nicht schon unwahr zu sein: Nach und nach wird es zum allgemeinen Verständnis erhoben. Der Geistesforscher steht vor den wirklichen geistigen Zielen der Gegenwart. Die Naturwissenschaft hat die geistigen Ziele unserer Zeit aus den Augen verloren.

[ 8 ] Can anyone become a researcher of the spirit today? No. Just as not everyone can or should become a chemist. — The researcher of the spirit can speak the same language as any other natural scientist. One need not merely believe what the spiritual scientist says—though such a lecture can, of course, only serve to inspire. Understanding is based on comprehending the language that is spoken. Just as one can understand the world of natural science, so too does the spiritual scientist describe it. What appears paradoxical need not necessarily be untrue: little by little, it is elevated to general understanding. The spiritual researcher stands before the true spiritual goals of the present. Natural science has lost sight of the spiritual goals of our time.

[ 9 ] Wilson, der Präsident der Nordamerikanischen Union, sagt in seinen verschiedenen Schriften und Betrachtungen immer wieder, und das geht durch viele Schriften wie ein Grundton: Wenn man sich so die Gegenwart ansieht, muss man immer bemerken, wie rasch sich das ganze Leben geändert hat. Der Arbeiter lernt vielleicht sein Leben lang seine Arbeitgeber nicht kennen. Was die Menschen einmal aufgestellt haben von Gesetzen und Verhältnissen und Betrachtungen zwischen Arbeitgeber und -nehmer, ist veraltet, und unsere Zeit ist darüber hinausgeschritten. — Als das Notwendigste betrachtet er es, dass das nachgeholt wird: Was der Mensch nachgedacht hat über das Zusammenleben, ist zurückgeblieben hinter dem, was die Zeit gebracht hat. Die Menschenseelen haben sich, namentlich im neunzehnten Jahrhundert, wesentlich geändert. — Das müssten diejenigen ins Auge fassen, die immer wieder sagen: Wir brauchen keine neue Art, uns zur geistigen Welt zu erheben, wir brauchen uns nur zu erheben zu dem, was einst war. Solche Menschen wollen sich nicht ihre Ziele stecken lassen von den Aufgaben der Zeit. Nicht durch Erneuerung alter Bekenntnisse kann die Menschheit harmonisiert werden. Neue innere Sehnsuchten, neue Lebensrätsel sind der Seele aufgegeben. Die Seelen leben in Welträtseln, die nicht mehr in alter Art gelöst werden, auch wenn diese alte Art in noch so vollendeter Weise an die Seelen herangebracht wird.

[ 9 ] Wilson, the President of the North American Union, repeatedly states in his various writings and reflections—and this theme runs like a common thread through many of his works—that when one looks at the present, one cannot help but notice how rapidly life as a whole has changed. A worker may go his entire life without ever getting to know his employers. The laws, conditions, and norms regarding the relationship between employers and employees that people once established are outdated, and our times have moved beyond them. — He considers it an absolute necessity that this be rectified: what people have conceived regarding coexistence has lagged behind what the times have brought about. Human souls have changed significantly, particularly in the nineteenth century. — Those who keep saying, “We don’t need a new way to rise to the spiritual world; we only need to rise to what once was,” should take this to heart. Such people do not want their goals dictated by the tasks of our time. Humanity cannot be harmonized by renewing old creeds. New inner longings and new mysteries of life are set before the soul. Souls live amid the mysteries of the world, which can no longer be solved in the old way—even if that old way is presented to the souls in the most perfect manner.

[ 10 ] Nach dem Muster der Naturwissenschaft können wir eindringen in die geistige Welt. Aber die Geisteswissenschaft stellt Anforderungen an die Menschen, die ihnen heute noch unbequem sind, sie setzt eine erhöhte Tätigkeit der Seele voraus. Der Mensch liebt es heute, die Dinge anzusehen und nicht mitzutun. Ein moderner Philosoph hat in einer Zeitschrift buchstäblich Folgendes ausgesprochen: Wenn ich mich so vertiefe in die Kant’sche und Spinoza’sche Philosophie, da fühle ich, dass mir die Begriffe durcheinandergehen. — Wie will er Abhilfe schaffen? Durch den Kinematographen, durch den Film! Wie sich zwei Begriffe in einem höheren vereinigen, will er so vorführen. Der Herausgeber dieses Aufsatzes in der Zeitschrift nimmt es ganz ernst, denn er leistet sich noch eine Fußnote, in der er sagt, dass es etwas Lobenswertes wäre, wenn uraltes menschliches Sehnen dadurch gestillt werden könnte. Man darf sich also nicht wundern, wenn nächstens über einem Kino steht: Hier wird Spinozas Ethik «gefilmt»!

[ 10 ] Following the model of the natural sciences, we can penetrate the spiritual world. But spiritual science places demands on people that are still uncomfortable for them today; it requires heightened activity of the soul. People today love to observe things rather than participate. A modern philosopher literally stated the following in a journal: “When I immerse myself in the philosophies of Kant and Spinoza, I feel that the concepts become jumbled for me.” — How does he intend to remedy this? Through the cinematograph, through film! He wants to demonstrate in this way how two concepts unite into a higher one. The editor of this magazine article takes it very seriously, for he even includes a footnote in which he says that it would be commendable if this could satisfy an ancient human longing. So one shouldn’t be surprised if a sign soon appears above a movie theater reading: “Spinoza’s Ethics is being ‘filmed’ here!”

[ 11 ] Man will nicht im Unsichtbaren walten, um sich zum Geiste zu erheben, man will nicht innerlich arbeiten; nur anschauen möchte man. Geisteswissenschaft stellt die entgegengesetzten Anforderungen. Sie verlangt, dass die Seele innerlich aktiv ist, dass sie den Begriff mitzuerleben sucht. Innerlich schöpferisch müssen Sie sich am Schöpfen und Schaffen des Weltengeistes beteiligen. Das moderne Leben fordert von der Seele jedes Einzelnen, dass sie innere Tätigkeit und Regsamkeit entfaltet, sonst wird die Seele vom modernen Leben erdrückt. Nur eine solche Seele wird dem Leben gegenüber der Zukunft gerecht werden können. Der Gegenpol gegen das Äußere muss in dem liegen, was in der Seele durch Erforschung des Geistes lebt. So hängt Geisteswissenschaft mit den Zielen unserer Zeit zusammen.

[ 11 ] People do not wish to act in the unseen realm in order to elevate themselves to the level of the spirit; they do not wish to work inwardly; they merely wish to observe. Spiritual science sets forth the opposite requirements. It demands that the soul be inwardly active, that it seek to experience the concept firsthand. You must participate creatively within yourselves in the creation and work of the World Spirit. Modern life demands that the soul of every individual develop inner activity and vitality; otherwise, the soul will be crushed by modern life. Only such a soul will be able to do justice to the life of the future. The counterbalance to the external world must lie in what lives within the soul through the exploration of the spirit. Thus, spiritual science is connected to the goals of our time.

[ 12 ] Von welchem Gesichtspunkt aus ist unsere Zeit eine Übergangszeit? — Es fiel einmal das Wort:

[ 12 ] From what perspective is our era a time of transition? — Someone once said:

Ihr werdet sein wie Gott und unterscheiden das Gute und das Böse!

You will be like God and know the difference between good and evil!

[ 13 ] Damit hängt auch zusammen, was der Mensch als Freiheit erlangt hat. In dem Analogen [Analogon?] für unsere Zeit liegt etwas Paradoxes. Auf den Impuls kommt es an, der in den folgenden Worten lebt: Wenn die Naturwissenschaft allein bliebe, was für eine Vorstellung würde der Mensch in sich aufnehmen? Wollte man nur auf dem naturwissenschaftlichen Boden stehen bleiben, auf dem, was heute viele für Naturwissenschaft halten wollen, dann würde man sagen, dass der Mensch nur auf einer höheren Stufe der Tiere stehe, dass er nur tierischen Instinkt höher entwickelt habe. Wenn aber der Mensch nur das höchstentwickelte Tier wäre, dann verwandelte sich das zitierte Wort in das andere: «Du wirst sein wie das Tier.» Wenn in unseren moralischen Dingen nur erhöhte Instinkte sind, dann gibt es zuletzt nur Monon: «Du wirst nicht unterscheiden das Gute und das Böse.» Das wäre der umgekehrte Sündenfall. Das ist es, wovor wir stehen. Die Naturwirkung bleibt gegenüber Gut und Böse neutral und dürfte nicht damit zusammengeworfen werden, sonst wäre Moral nur Konvention.

[ 13 ] This is also connected to what humanity has attained as freedom. There is something paradoxical about the analogue [analogon?] for our time. It all comes down to the impulse embodied in the following words: If natural science were to remain alone, what kind of conception would humanity internalize? If one were to remain solely on the ground of natural science—on what many today wish to regard as natural science—then one would say that humanity stands only on a higher level than animals, that it has merely developed animal instincts to a higher degree. But if humanity were merely the most highly developed animal, then the quoted phrase would be transformed into this: “You will be like the animal.” If our moral matters consist only of heightened instincts, then ultimately there is only one thing left: “You will not distinguish between good and evil.” That would be the reverse of the Fall. This is what we are facing. Natural processes remain neutral with regard to good and evil and must not be conflated with them; otherwise, morality would be nothing more than convention.

[ 14 ] Ein Lebenselixier, innere Harmonie brauchen wir gegen das Verlieren der Seele, die innere Gesundheit, die innere Stimmung, die innere Kraft der Seele, die kommen soll, das ist die Hauptsache. Aus einer neuen Erkenntnis, aus einer neuen Liebe zu den Taten, die das Erdendasein von uns verlangt, muss das kommen. Die in der Entwicklung der Erde liegenden Ziele sind diejenigen, die die Geisteswissenschaft im Auge hat.

[ 14 ] We need an elixir of life and inner harmony to prevent the loss of the soul; inner health, inner mood, and the inner strength of the soul that is to come—that is the main thing. This must come from a new understanding, from a new love for the deeds that our earthly existence demands of us. The goals inherent in the development of the Earth are those that spiritual science has in mind.

Verachte nur Vernunft und Wissenschaft,
Des Menschen allerhöchste Kraft, [...]
So hab’ ich dich schon unbedingt.

Just despise reason and science,
Man’s greatest power, [...]
Then I’ve already got you for sure.

[ 15 ] Äußere Wissenschaft lässt Mephisto gewiss gelten, Geisteswissenschaft ist getroffen. «Versucher» ist er genannt in der Bibel. Der darf ein solcher genannt werden, der nicht bloß versucht, sondern in das Sklaven-Joch der bloßen Naturwirkung treiben will, der den Menschen der Freiheit berauben will, in das Geistige zu kommen.

[ 15 ] Mephisto certainly acknowledges the external sciences; the spiritual sciences are under attack. He is called the “Temptor” in the Bible. He may be called such because he not only tempts, but seeks to drive people into the yoke of slavery to mere natural forces, seeking to rob them of the freedom to enter into the spiritual realm.

[ 16 ] Geisteswissenschaft darf sich mit dem Besten, was in früherer Zeit als Ahnung ausgesprochen ist von den Besten, in eine Reihe stellen. Stark und liebevoll und pflichtvoll kann sich die Seele durch die Geisteswissenschaft fühlen, weil sie sich im Geiste darin weiß; das Ewigkeitsbewusstsein gibt sie der Seele. Dasjenige, was einer von der Geisteswissenschaft ausgesprochen hat, ist in dem Folgenden gefühlsmäßig zusammengefasst. Wie abschließend für den Vortrag, empfindungsgemäß soll es angeführt werden, was Herder in seinen «Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit» ausspricht: Schreite ich durch die Pforte des Todes aus dem Leben hinaus in die geistige Welt, so darf ich den Wandel meines Lebens beim Durchgang durch den Tod als etwas betrachten, was ich so ruhig und sicher erwarte, wie ich erlebe den Lauf des Seins in dem Erlebnis des Übergangs vom Wachen zum Schlafen.

[ 16 ] Spiritual science may be ranked alongside the best of what was once expressed as an intuition by the greatest minds of earlier times. Through spiritual science, the soul can feel strong, loving, and duty-bound, because it knows itself to be present in the spirit; spiritual science bestows upon the soul a sense of eternity. What one scholar of spiritual science has expressed is summarized below in terms of feeling. As a concluding thought for this lecture, let us quote, in accordance with our feelings, what Herder expresses in his *Ideas on the Philosophy of the History of Mankind*: “As I step through the gate of death from life into the spiritual world, I may regard the transformation of my life during the passage through death as something I anticipate as calmly and confidently as I experience the course of existence in the transition from waking to sleeping.”

Fragenbeantwortung I

Question and Answer I

Frage: Was ist absolut gut oder böse?

Question: What is absolutely good or evil?

[ 17 ] Rudolf Steiner: Das Böse besteht in einer Steigerung des Egoismus. Der betreffende Mensch weiß sein Handeln nicht in Einklang zu bringen mit dem Lauf der Welt. Woher dieser Egoismus kommt, ist gezeigt in der Schrift «Die Schwelle der geistigen Welt». In der geistigen Welt ist der Egoismus ein Organ, durch das der Mensch wahrnehmen kann. Die Möglichkeit des Bösen beruht darauf, dass der Mensch dasjenige, was in einer höheren Welt dem Menschen verknüpft sein muss wie hier das Auge, dass er das herunterträgt in die physische Welt, wohin es nicht gehört. Das Böse in der Sinnenwelt entsteht dadurch, dass menschliche Geisteskräfte missbraucht werden. Durch das Erdenschicksal wird der Mensch zum Guten erzogen werden in den wiederholten Erdenleben. — Mineral und Pflanze und Tier können nicht böse sein im moralischen Sinne. Der Mensch kann seine niederen Triebe und Leidenschaften umwandeln in edle Kräfte. Die Wut des Löwen kann dagegen nicht so ohne Weiteres umgesetzt werden. Der Tod bedeutet für das Tier etwas ganz anderes als für den Menschen; es muss auf die Tatsache gegangen werden und nicht auf Begriffe und Vorstellungen. Dadurch, dass es an einer gewissen Stelle steht, ist etwas das, was es in der Welt ist; es darf aber nicht anderswohin gestellt werden. Frage: Was ist unter den geistigen Wesen zu verstehen, in die das vom Leibe getrennte Denken untertaucht?

[ 17 ] Rudolf Steiner: Evil consists in an intensification of selfishness. The person in question is unable to bring his or her actions into harmony with the course of the world. The origin of this selfishness is explained in the book *The Threshold of the Spiritual World*. In the spiritual world, egoism is an organ through which a person can perceive. The possibility of evil rests on the fact that a person takes what, in a higher world, must be connected to the person—just as the eye is here—and brings it down into the physical world, where it does not belong. Evil in the sensory world arises from the misuse of human spiritual powers. Through earthly destiny, human beings will be educated toward goodness in their repeated earthly lives. — Minerals, plants, and animals cannot be evil in the moral sense. Human beings can transform their lower instincts and passions into noble powers. The lion’s rage, on the other hand, cannot be transformed so readily. Death means something entirely different for an animal than it does for a human being; one must base one’s understanding on facts rather than on concepts and ideas. By virtue of occupying a certain place, a thing is what it is in the world; however, it must not be placed elsewhere. Question: What is meant by the spiritual beings into whom thought, separated from the body, immerses itself?

[ 18 ] Rudolf Steiner: Eliot an der Harvard-Universität sagte etwa im Juni 1909: Zu allen Zeiten wäre es selbstverständlich gewesen für die menschliche Seele, dass sie anerkannt hat, dass sie etwas ist, was unterschieden ist von der bloßen Körperlichkeit.

[ 18 ] Rudolf Steiner: Eliot, speaking at Harvard University in approximately June 1909, said: “In all ages, it would have been self-evident to the human soul that it is something distinct from mere physicality.”

[ 19 ] Anerkenntnis des Geistes ist noch nicht Erkenntnis des Geistes, denn diese ist Erkenntnis der einzelnen Wesenheiten. Die Natur lernt man kennen, wenn man sie in einzelnen Wesenheiten kennenlernt, zum Beispiel einzelne Blumen: Veilchen, Schlüsselblumen, Maiglöckchen und so weiter. — Ebenso gibt es einzelne Wesenheiten, die nicht zur physischen Körperlichkeit heruntersteigen, die sich als die Fortsetzung der gesamten Sinnenwelt ausnehmen. Von konkreten geistigen Wesenheiten sprechen wir. Ein Kind, das noch kein lebendiges Ross gesehen hätte, würde behaupten: Das Ross muss immer hölzern sein. Sobald man auf die einzelnen Wesenheiten hinter der Geschichte, hinter den Naturwesen eingeht, will man das nicht glauben, man sagt: Das gibt es nicht. Was die Besten der Menschheit immer gefühlt haben, wird zur Wahrheit durch die Geisteswissenschaft. Herder sagt in seinen «Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit»: Der Mensch ist ein Mittelgeschöpf zwischen der sinnlichen und der geistigen Welt. Er wächst mit dem Tode in die geistige Welt hinein mit den Kräften, die er sich in der physisch-sinnlichen Welt errungen hat.

[ 19 ] Recognition of the spirit is not yet knowledge of the spirit, for the latter is knowledge of individual entities. One comes to know nature by getting to know it through individual entities—for example, individual flowers: violets, primroses, lilies of the valley, and so on. — Likewise, there are individual entities that do not descend to the level of physical corporeality, which present themselves as the continuation of the entire sensory world. We are speaking of concrete spiritual entities. A child who had never seen a living horse would claim: “A horse must always be made of wood.” As soon as one delves into the individual entities behind history, behind the beings of nature, one refuses to believe this; one says: “That doesn’t exist.” What the best of humanity have always sensed becomes truth through spiritual science. Herder says in his *Ideas on the Philosophy of the History of Humanity*: “Man is an intermediate being between the sensory and the spiritual worlds. With death, he grows into the spiritual world with the powers he has acquired in the physical-sensory world.”

Fragenbeantwortung II

Question and Answer II

Frage: Was ist absolut gut und böse?

Question: What is absolutely good and evil?

[ 20 ] Rudolf Steiner: Diese Frage berührt den Schluss des Vortrags nicht. Es ist eine ganz andere Frage. Was gut und böse [ist], ist aus der geistigen Welt heraus zu bestimmen, nicht aus bloßen Naturwirkungen heraus, da kann man nicht von absolut gut und böse reden. Mit gut und böse kommt man nicht zurecht, wenn man nur von einer sinnlichen Welt sprechen will, nicht von einer geistigen Welt, die hinter der physisch-sinnlichen Welt [steht], aber natürlich diese durchdringend, mit ihr ein Eins ausmachend. Die bösen Handlungen des Menschen — was man berechtigt Böses nennen kann — hängen immer zusammen mit einer Steigerung des Egoismus; wenn der Mensch sich nicht in Einklang bringen will mit dem Ganzen der Welt, sondern nur sich folgen will, dann kommt er immer mehr in das Böse hinein. In der geistigen Welt ist der Egoismus ein höheres Sinnesorgan, dort führt er nicht zum Bösen; man würde sonst auslöschen, gar nicht zum Wahrnehmen kommen in der geistigen Welt, denn durch die Egoität nimmt man in der geistigen Welt wahr, dort ist sie etwas ganz anderes. Man soll nicht einen Begriff so ohne Weiteres auf das andere übertragen, dadurch entstehen so viele Missverständnisse und Irrtümer. Zum Beispiel ist für den Menschen der Tod etwas ganz anderes, als für das Tier der Tod ist. — [Ein] Messer ist nicht bloß [ein] Messer, es kann zum Rasieren da sein [und] nicht zum Fleisch schneiden. — Man muss überall auf die Tatsachen zugehen und nicht auf die Begriffe und Vorstellungen. Eine Eigenschaft ist nicht absolut gut oder böse, sondern nur an der Stelle das und das. Zum Beispiel wenn gefragt wird: Ist die Wutkraft des Löwen gut oder böse? — so muss geantwortet werden: Wenn diese Wut in anderen Wesen auftritt, kann sie zu den edelsten Handlungen verwendet werden, während sie dort verwüstet. In der Natur kann die Kraft des Löwen nicht so ohne Weiteres auf ein edles Wesen übertragen werden, aber der Mensch kann das, er kann die Kräfte umwandeln in edle Kräfte. Man muss das anwenden, was Schiller an Goethe schrieb: Es ist nötig, dass man die ganze Natur zusammennimmt, um über das Klarheit zu erhalten, um was es sich handelt. Das gilt auch für die geistige Natur. Geisteskräfte müssen missbraucht werden, um böse zu sein. Der Stein kann nicht böse sein, die Pflanze auch noch nicht, wenn man nicht symbolisch sprechen will. Der Mensch soll durch das Erdenschicksal gerade zum Guten erzogen werden.

[ 20 ] Rudolf Steiner: This question does not pertain to the conclusion of the lecture. It is an entirely different question. What is good and evil must be determined from within the spiritual world, not from mere natural phenomena; one cannot speak of absolute good and evil in that context. One cannot make sense of good and evil if one wishes to speak only of the sensory world, not of the spiritual world that lies behind the physical-sensory world—but which, of course, permeates it and forms a unity with it. Human beings’ evil deeds—what one can justifiably call evil—are always connected with an increase in selfishness; when a person does not wish to bring themselves into harmony with the whole of the world, but only wants to follow their own will, they slip further and further into evil. In the spiritual world, selfishness is a higher sense organ; there it does not lead to evil; otherwise one would be cut off, unable to perceive anything in the spiritual world at all, for it is through egoity that one perceives in the spiritual world; there, it is something entirely different. One should not simply transfer one concept to another; this gives rise to so many misunderstandings and errors. For example, death is something entirely different for a human being than it is for an animal. — [A] knife is not merely [a] knife; it may be used for shaving [rather than] for cutting meat. — One must always approach the facts themselves, not the concepts or ideas. A quality is not absolutely good or evil, but only this or that in a given context. For example, if one asks: Is the lion’s ferocity good or evil? — the answer must be: When this ferocity appears in other beings, it can be used for the noblest of actions, whereas in humans it wreaks havoc. In nature, the lion’s power cannot simply be transferred to a noble being, but humans can do so; they can transform these powers into noble ones. One must apply what Schiller wrote to Goethe: It is necessary to take all of nature into account in order to gain clarity about what is at stake. This also applies to the spiritual realm. Spiritual powers must be misused in order to be evil. A stone cannot be evil, nor can a plant—unless one is speaking symbolically. Human beings are meant to be educated toward goodness precisely through their earthly destiny.

Frage: Wie kann durch Konzentration die Kraft der Seele gesteigert werden?

Question: How can concentration be used to increase the power of the soul?

[ 21 ] Rudolf Steiner: Im vorangehenden Vortrag wurde ja hingewiesen auf mein Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Ich müsste Ihnen mein ganzes Buch hier vorlesen, das wäre selbst den willigsten Zuhörern zu lang.

[ 21 ] Rudolf Steiner: In the previous lecture, reference was made to my book *How Does One Gain Insight into the Higher Worlds?*. I would have to read my entire book to you here, but that would be too long even for the most willing listeners.

Frage: Was ist leibfreies Denken, in das die Seele untertaucht?

Question: What is body-free thinking, into which the soul immerses itself?

[ 22 ] Rudolf Steiner: Nun, dann ist man eben aus dem Leibe gelöst!

[ 22 ] Rudolf Steiner: Well, then you are simply detached from the body!

Frage: Wie hat man sich geistige Wesenheiten vorzustellen?

Question: How should one imagine spiritual beings?

[ 23 ] Rudolf Steiner: Indem man sich Geistiges überhaupt vorstellt. Es ist so, wie mit dem Satz: Lebendiges kann nur von Lebendigem stammen. Vor dreieinhalb Jahrhunderten hat noch kein Mensch daran gedacht, das anzuerkennen. Das Gefühl für das Geistige kann aus dem Gedanken zunächst herausglimmen. Anerkenntnis des Geistes ist noch nicht Erkenntnis des Geistes. Wenn jemand bei allen Erscheinungen bloß sagen würde; das ist Natur, Natur, Natur, Natur, Natur; würde er sie kennen? Die Möglichkeit der geistigen Erkenntnis anzweifeln, das ist so, wie wenn ein Kind sagen würde: Mein Ross war immer hölzern; kein Ross aus Muskelfleisch kann es geben. Immer, wenn auch in den verschiedensten Variationen, hört man durchklingen: So etwas gibt es ja gar nicht, denn so etwas kann man sich ja gar nicht vorstellen.

[ 23 ] Rudolf Steiner: Simply by imagining the spiritual at all. It is like the saying: “That which is alive can only come from that which is alive.” Three and a half centuries ago, no one had yet thought to acknowledge this. A sense of the spiritual can first begin to glimmer from thought. Recognition of the spiritual is not yet knowledge of the spiritual. If someone were to say of every phenomenon, “That is nature, nature, nature, nature, nature,” would he truly know it? To doubt the possibility of spiritual knowledge is like a child saying, “My horse has always been made of wood; there can be no horse made of muscle and flesh.” Time and again, albeit in the most varied forms, one hears the underlying sentiment: “Something like that doesn’t even exist, because one cannot even imagine such a thing.”