Spiritual Science
and the Future of Humanity
GA 69e
7 December 1913, Munich
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Spiritual Science and the Future of Humanity, tr. SOL
14. Die Geisteswissenschaft und die geistige Welt Ausblick in die Ziele unserer Zeit
14. Spiritual Science and the Spiritual World: A Look Ahead to the Goals of Our Time
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende, seit einer Reihe von Jahren nehme ich mir die Freiheit, von diesem Ort aus über den Gegenstand der Geisteswissenschaft, wie sie auch in einer Betrachtung des heutigen Abends gemeint sein wird, zu sprechen. Möge es mir gestattet sein, in einer gewissen Art die Grundlagen dieser Geisteswissenschaft, ich möchte sagen, übersichtlich darzustellen, um dann übermorgen in der nächsten Betrachtung über einige spezielle Gegenstände dieser Geisteswissenschaft näher zu sprechen.
[ 1 ] Ladies and gentlemen, for a number of years now, I have taken the liberty of speaking from this very place on the subject of spiritual science, as it will also be understood in tonight’s lecture. May I be permitted, in a certain sense, to present the foundations of this spiritual science—I would say—in a clear and concise manner, so that I may then speak in more detail about some specific topics within this spiritual science in the next lecture the day after tomorrow.
[ 2 ] Es ist das — und [das wurde] ja auch im Verlaufe der Jahre des Öfteren erwähnt — gerade demjenigen, der auf dem Boden dieser Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, steht, vollauf begreiflich, dass gerade in unserer Zeit von den verschiedensten Seiten her nicht nur die mannigfaltigsten Einwendungen, sondern, man möchte sogar sagen, Feindseligkeiten gegen diese Geisteswissenschaft sich geltend machen. Nicht nur, dass diese Geisteswissenschaft sich hereinstellt in das übrige Geistesleben der Gegenwart wie etwas diesem Geistesleben heute noch Fremdes — das hat sie ja gemein mit allem, was in gewisser Beziehung als eine neue Errungenschaft der menschlichen Geisteskultur sich einverleibt hat —, sondern gerade gegenüber den geistigen Zielen unserer Zeit muss diese Geisteswissenschaft auf der einen Seite wie etwas ganz Unverständliches, Phantastisches, Träumerisches erscheinen, obgleich es auf der anderen Seite etwas darstellt, was aus den tiefsten Sehnsuchten, und man darf sagen, aus den dringendsten Notwendigkeiten gerade des gegenwärtigen Seelenlebens hervorgeht; und damit möchte ich gewissermaßen das Thema des heutigen Abends bestimmt haben.
[ 2 ] It is precisely—and this has, after all, been mentioned frequently over the years—that those who stand on the ground of this spiritual science, as it is understood here, fully understand that, especially in our time, not only the most diverse objections but—one might even say—hostility toward this spiritual science are being voiced from all sides. Not only does this spiritual science present itself within the rest of contemporary spiritual life as something that is still foreign to that life today—which it has in common with everything that, in a certain sense, has been incorporated as a new achievement of human spiritual culture—but precisely in relation to the spiritual goals of our time, this spiritual science must, on the one hand, appear as something entirely incomprehensible, fantastical, and dreamlike, even though, on the other hand, it represents something that arises from the deepest longings—and one might say, from the most urgent necessities—of contemporary spiritual life; and with that, I would like to have defined, so to speak, the theme of this evening.
[ 3 ] Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, unterscheidet sich ja von vornherein gerade von dem in einer gewiss fundamentalen Weise, dessen Fortsetzung sie sein will, und es ist nur zu begreiflich, dass sie gerade von dieser Seite her Anfeindungen über Anfeindungen erfährt. Ich meine die naturwissenschaftliche Denkrichtung unserer Zeit, denn im Grunde genommen will Geisteswissenschaft, so, wie sie hier gemeint ist, im wahrsten, echten Sinne eine Fortsetzung sein des naturwissenschaftlichen Denkens für den Geist und seine Geheimnisse, seine Gesetze — eine Fortsetzung der naturwissenschaftlichen Denkweise, wie sie sich seit drei bis vier Jahrhunderten dem Geistesleben des Abendlandes eingeprägt hat.
[ 3 ] The humanities, as understood here, differ from the very outset—and in a truly fundamental way—from that which they seek to continue, and it is only too understandable that they face one hostility after another precisely from this quarter. I am referring to the scientific way of thinking of our time, for fundamentally, the humanities—as understood here—aim, in the truest and most genuine sense, to be a continuation of scientific thinking applied to the spirit and its mysteries, its laws—a continuation of the scientific way of thinking as it has shaped the intellectual life of the West for the past three to four centuries.
[ 4 ] Dennoch, obgleich gerade durch diese ihre Eigenschaft die Geisteswissenschaft in keinem Punkte genötigt ist, den berechtigten Ansprüchen der Naturwissenschaft entgegenzutreten, dennoch unterscheidet sie sich in einer gewissen Beziehung von dem, was man von Seite der naturwissenschaftlichen Vorstellungsart heute eigentlich Wissenschaft nennt. Sie ist ebenso Wissenschaft wie die Naturforschung, aber sie muss, weil sie die Gegenstände, Wesenheiten und Vorgänge des Geisteslebens betrachtet, notwendigerweise die naturwissenschaftlichen Methoden in anderer Weise ausbilden, als die auf das Sinnliche und auf den Verstand — der dieses Sinnliche zu seiner Grundlage hat — beschränkte Naturwissenschaft heute tun muss. Und so sei gleich die Aufmerksamkeit gelenkt auf diesen fundamentalen Unterschied des geisteswissenschaftlichen Forschens von dem naturwissenschaftlichen Forschen.
[ 4 ] Nevertheless, although it is precisely because of this characteristic that the science of the spirit is in no way compelled to oppose the legitimate claims of the natural sciences, it nevertheless differs in a certain respect from what is today actually called “science” from the perspective of the natural scientific way of thinking. It is just as much a science as natural science, but because it examines the objects, entities, and processes of spiritual life, it must necessarily develop scientific methods in a different way than natural science—which is limited to the sensory realm and to the intellect, which has this sensory realm as its foundation—must do today. And so let us immediately turn our attention to this fundamental difference between research in the humanities and research in the natural sciences.
[ 5 ] Das, was man heute gewöhnlich Wissenschaft nennt, geht aus von jener Verfassung, von jener Stimmung der menschlichen Seele, die ja im normalen Leben, im alltäglichen menschlichen Leben vorhanden ist. Man spricht von dem, was der Mensch vermöge seiner Seele, vermöge seines Körpers, vermöge seines Verstandes, der auf die Beobachtungen der Sinne und auf das Experiment angewendet wird, was der Mensch vermöge dieses alles kann, wo Grenzen des Erkennens liegen für das, was angedeutet worden ist; kurz, mit vollem Rechte darf man sagen, nimmt diese wissenschaftliche Richtung die menschliche Seele, wie sie ist, lässt sie die Umgebung dieser Seele beobachten und daraus die Gesetze des sinnlich-physischen Daseins gewinnen. Die wichtigste Arbeit also wird für diese Wissenschaft verrichtet in der Forschung stets innerhalb der Tätigkeit des Arbeitens selbst, und was bei dieser Tätigkeit herauskommt, ist Wissenschaft, ist wissenschaftliches Ergebnis.
[ 5 ] What is commonly called science today stems from that state, that mood of the human soul that is, after all, present in normal life, in everyday human life. We speak of what a person can do by virtue of their soul, their body, and their intellect—applied to sensory observations and experimentation—and of what a person can achieve through all of this, as well as where the limits of knowledge lie for what has been indicated; in short, one may rightly say that this scientific approach takes the human soul as it is, allows it to observe its surroundings, and derives from this the laws of sensory-physical existence. The most important work for this science, therefore, is carried out in research that is always conducted within the activity of working itself, and what emerges from this activity is science—it is a scientific result.
[ 6 ] Anders die Geistesforschung — die Geistesforschung, wie sie hier gemeint ist: Zwar sind es, wie wir gleich sehen werden, dieselben Verrichtungen im Seelenleben, die die Geistesforschung an sich vorzunehmen hat, welche auch beherrschen die äußere Wissenschaft, das äußere wissenschaftliche Erkennen, aber diese Verrichtungen des Geistesforschers sind für ihn Vorbereitungen seines Forschens, sind für ihn dazu da, die Seele erst dazu zu präparieren, damit sie zu dem gelangt, was man nennen kann das Schauen. Es ist natürlich alles geistig gemeint, aber wenn man voraussetzt diese geistige Meinung, dann kann man sagen: Die äußere Wissenschaft setzt die menschliche Seele voraus, und es werden diese Beobachtungen begründet auf die Beobachtung der Sinne, auf das, was der Verstand über die Gesetze des Daseins auszusagen hat.
[ 6 ] Spiritual research, on the other hand—spiritual research as it is understood here: Admittedly, as we shall soon see, the same mental processes that spiritual research must undertake are also those that govern external science and external scientific knowledge; but for the spiritual researcher, these mental processes serve as preparations for his research—they are meant to first prepare the soul so that it may attain what might be called “insight.” Of course, all of this is meant in a spiritual sense, but if one accepts this spiritual perspective, then one can say: External science presupposes the human soul, and these observations are grounded in sensory perception and in what the intellect has to say about the laws of existence.
[ 7 ] Geistesforschung verwendet alle menschlichen Seelenkräfte, ob sie nun Verstandes-, Willens- oder Empfindungskräfte sind, dazu, das, was man Sinne nennen könnte — natürlich in übertragener Bedeutung —, was erst zum Anschauen führt, um das vorzubereiten, sodass der Geistesforscher seine Arbeit, seine Betätigung darauf verwenden muss, sich erst vorzubereiten, um dann sozusagen durch sich selbst an sich herankommen zu lassen die Eindrücke der Wahrnehmungen aus der geistigen Welt.
[ 7 ] Spiritual research draws upon all the powers of the human soul—whether they be powers of the intellect, will, or feeling—to prepare what might be called the “senses”—in a figurative sense, of course—which lead to perception, so that the spiritual researcher must devote his work and activity to preparing himself first, in order then, so to speak, to allow the impressions of perceptions from the spiritual world to reach him through himself.
[ 8 ] Nun will ich nicht gerade, nicht in dieser Betrachtung, von Abstraktionen, von Begriffen, von Spekulationen, von einer Ideen-Philosophie sprechen, sondern ich möchte direkt in die Tatsachen des Seelenlebens führen, das zur Geistesforschung geeignet ist. Darauf beruht alle Geistesforschung, dass die menschliche Seele das auf sich selber anwenden kann, was heute stets als wissenschaftliches Schlagwort in aller Munde ist, dass die menschliche Seele auf sich anwenden kann, was in dem Wort «Entwicklung» liegt. Davon geht die Geistesforschung aus, dass diese menschliche Seele eine innere Entwicklung durchmachen kann, welche Verwandlung, Umänderung dieser Seelenkräfte hervorruft, sodass diese Seelenkräfte in gewissem Sinne andere werden. Alles also, was Ergebnisse dieser Geistesforschung sind, wird nicht gewonnen dadurch, dass man einfach die Seele in ihren Fähigkeiten hinnimmt, sondern es ergibt sich erst, wenn die Seele durch sorgfältige Vorbereitung sich so umgewandelt hat, dass sie nicht mehr in ihrer unmittelbar geistigen Wahrnehmung die sinnliche Welt um sich herum hat, sondern dass sie eine andere, eine höhere, eine geistige Welt so um sich herum hat, wie sie im gewöhnlichen Leben, das durch die Sinne betrachtet wird, die sinnlich-physische Welt um sich herum hat.
[ 8 ] Now, I do not wish—at least not in this discussion—to speak of abstractions, concepts, speculations, or a philosophy of ideas, but rather I would like to lead you directly into the facts of the life of the soul, which is suited to spiritual research. All spiritual research is based on the fact that the human soul can apply to itself what is constantly on everyone’s lips today as a scientific buzzword—that the human soul can apply to itself what is contained in the word “development.” Spiritual science proceeds from the premise that the human soul can undergo an inner development that brings about a transformation and alteration of these soul forces, so that, in a certain sense, these soul forces become something else. Thus, all the findings of this spiritual research are not obtained simply by accepting the soul as it is in its capacities, but arise only when the soul, through careful preparation, has transformed itself to such an extent that it no longer perceives the sensory world around it through its immediate spiritual perception, but instead has another, higher, spiritual world around it, just as in ordinary life—as perceived through the senses—it has the sensory-physical world around it.
[ 9 ] Nun könnte man leicht glauben, dass irgendwelche ganz besonderen Vornahmen nötig sind, um die Seele also umzugestalten. Das ist im Grunde genommen nicht der Fall. Dasjenige, was die Seele vorzunehmen hat, geht aus von Dingen, die eigentlich im alltäglichen Seelenleben immer vorhanden sind, die zu den allernotwendigsten Kräften dieses Seelenlebens gehören, die aber, damit sie für die Geistesforschung geeignet werden, ins Unbegrenzte, kann man sagen, ausgebildet werden müssen.
[ 9 ] Now, one might easily believe that some very special actions are necessary to transform the soul. That is not actually the case. What the soul must undertake stems from elements that are always present in everyday soul life—elements that belong to the very most essential forces of this soul life—but which, in order to be made suitable for spiritual research, must be developed, so to speak, to the infinite.
[ 10 ] Ich will jetzt von einer anderen Seite her, als ich das in den verflossenen Jahren öfters getan habe, zeigen, wie die menschliche Seele gleichsam über sich selbst, über ihren alltäglichen Standpunkt hinausgeht, um zu einer Beobachterin der geistigen Welt zu werden. Das, was sie im intimen inneren Leben vorzunehmen hat, hat zu seinen Elementen, zu seinem Ausgangspunkt eben durchaus Kräfte, die im alleralltäglichsten Leben notwendig sind. Die eine dieser Kräfte berührt man, wenn man ein Wort gebraucht, von dem leicht einzusehen ist, dass es sich auf etwas bezieht, das durchaus eine Notwendigkeit des alltäglichen Lebens ist. Es ist das, was wir in diesem alltäglichen Leben die Aufmerksamkeit, das Interesse für die Dinge der Umwelt nennen. Diese Aufmerksamkeit — von anderer Seite her habe ich auch schon in diesen Vorträgen von ihr gesprochen —, sie besteht darin, dass wir irgendeinen Gegenstand der Umwelt ins Auge fassen, dass er durch dieses Ins-Auge-Fassen gewissermaßen haften bleibt in unserem Seelenleben, erinnerungsmäßig weiterlebt.
[ 10 ] I now wish to show—from a different perspective than I have often taken in past years—how the human soul, as it were, transcends itself and its everyday perspective to become an observer of the spiritual world. What the soul must undertake in its intimate inner life includes, among its elements and as its starting point, forces that are absolutely necessary in the most ordinary of daily life. One of these forces is touched upon when we use a word that clearly refers to something that is an absolute necessity of everyday life. It is what we call, in this everyday life, attention—the interest in the things around us. This attention—which I have also spoken of from another perspective in these lectures—consists in our taking some object in our surroundings into our field of vision, so that through this act of taking it in, it, as it were, remains imprinted in our inner life and lives on in our memory.
[ 11 ] Wie sehr diese Aufmerksamkeit notwendig ist für das alltägliche Leben, kann eine ganz gewöhnliche Betrachtungsweise ergeben, die den Zusammenhang dieser Aufmerksamkeit mit dem Gedächtnis ins Auge fasst. Gar mancher Mensch wird sich zu beklagen haben darüber, dass sein Gedächtnis entweder schwächer wird oder dass es überhaupt in irgendeiner Weise Fehler aufweist, Mängel aufweist. Wenn man studieren würde — soweit ein solches Studium eben für das gewöhnliche Leben notwendig ist — den Zusammenhang der Aufmerksamkeit mit dem Gedächtnis, so würde man über mancherlei hinwegkommen, was man an sich so oft als Fehler bemerkt.
[ 11 ] Just how necessary this attention is for everyday life can be seen from a very ordinary perspective that considers the connection between this attention and memory. Many people will complain that their memory is either failing or that it exhibits errors or deficiencies of some kind. If one were to study—to the extent that such a study is necessary for everyday life—the connection between attention and memory, one would overcome many of the things that are so often perceived as errors.
[ 12 ] Ich will von einer sehr trivialen Sache ausgehen. Gar mancher findet des Morgens einen Gegenstand nicht, den er am Abend noch gehabt hat. Er hat ihn mit einem halben Bewusstsein hingelegt, nicht mit Aufmerksamkeit. Einen Manschettenknopf, den wir so hinlegen am Abend, dass wir willkürlich den Gedanken hegen: Du legst jetzt an diesen Ort — vielleicht denken wir noch dazu die Umgebung — in diese Umgebung diesen Knopf hin. Man wird sehen, wenn man am Abend diese Gedanken durch die Seele hat ziehen lassen, dass man am Morgen direkt an den Ort des Knopfes hingeht, und es ergibt sich, dass ein Zusammenhang besteht zwischen unserem Erinnerungsvermögen und dem, was man Aufmerksamkeit nennen kann. Gewissermaßen ist das Gedächtnisproblem ein Aufmerksamkeitsproblem, und wenn wir uns gewöhnen könnten, für Dinge, von denen wir wissen, sie müssen haften bleiben, willkürlich Aufmerksamkeit zu entfalten, würden wir dadurch unendlich vieles beitragen, nicht nur für die Erinnerung der betreffenden Dinge, sondern wir würden es überschauen, dass durch eine öftere Übung solcher Tätigkeit unser Gedächtnis wirklich gestärkt wird, das heißt, dass auch die hinter dem Gedächtnis liegenden Kräfte stark würden. So wahr es ist, dass zu äußerem, gesundem Seelenleben bis zu einem gewissen Grad ein gutes Gedächtnis gehört, so wahr ist es, dass die Beobachtung desjenigen, was man mit Aufmerksamkeit bezeichnet, im alltäglichen Leben sehr notwendig ist.
[ 12 ] I want to start with something very trivial. Many people find themselves unable to locate an object in the morning that they still had the night before. They set it down half-asleep, not with any real attention. A cufflink that we set down in the evening, thinking casually: “I’ll put this in this spot”—perhaps we even picture the surroundings as we do so—in this spot. You’ll see that if you let these thoughts pass through your mind in the evening, you’ll go straight to the button’s location in the morning, and it turns out that there’s a connection between our memory and what we might call attention. In a sense, the problem of memory is a problem of attention, and if we could get into the habit of paying attention to things we know must be retained, we would thereby contribute immensely—not only to remembering those specific things, but we would also come to realize that through frequent practice of such an activity, our memory is truly strengthened, that is, the powers underlying memory would also become stronger. Just as it is true that a good memory is, to a certain extent, part of an outwardly healthy mental life, so it is true that the practice of what is called “attention” is very necessary in everyday life.
[ 13 ] Aber noch in anderer Weise kann man sich von den Zusammenhängen des menschlichen Seelenlebens und der Aufmerksamkeit überzeugen. Jeder weiß — und insbesondere diejenigen wissen es, die ein wenig mit der Literatur des heutigen Seelenlebens bekannt sind —, wie ein gesundes Seelenleben ein in sich zusammenhängendes Seelenleben sein muss, sodass es, wenn wir zurückschauen bis zu dem Punkte der Kindheit, bis zu dem wir uns gewöhnlich erinnern, die Ereignisse, die an uns herangetreten sind, als die unsrigen erkennen muss. Ungesund wäre es, wenn das Gedächtnis so durchlöchert wäre, dass wir eigene Erlebnisse wie Erlebnisse eines fremden Wesens ansehen, wenn wir es nicht als unsere Erlebnisse erkennen würden. Wie ein anderes Ich treten bei kranken Seelen diese Erlebnisse hervor.
[ 13 ] But there are other ways to gain insight into the connections between human inner life and attention. Everyone knows—and this is especially true of those who are somewhat familiar with the literature on contemporary psychological life—that a healthy psychological life must be a coherent one, so that when we look back to the point in childhood as far as we can usually remember, we must recognize the events that have come to us as our own. It would be unhealthy if our memory were so riddled with gaps that we regarded our own experiences as those of a stranger, if we did not recognize them as our own. In unhealthy souls, these experiences emerge as if they belonged to another self.
[ 14 ] Viel würde getan werden können, wenn man durch die Geisteswissenschaft sich schon so weit geschult hätte, dass man aufmerksam wäre auf dieselben — man kann das erkennen —, dass man aufmerksam wäre auf Seelen, die Anlage zeigen zu einer solchen Durchlöcherung, sagen wir, ihres Ich, ihrer fortlaufenden Erinnerungen, und man würde dann so eingreifen, dass man das Interesse stärkte, systematisch stärkte. Man würde mancherlei Unheil solcher Seelen durch eine gewisse Erziehung schon bannen können, wenn man ins Auge fasste den Zusammenhang des Erinnerungslebens, des Gesamtseelenlebens überhaupt, mit dem, was man Aufmerksamkeit nennt.
[ 14 ] Much could be accomplished if, through spiritual science, one had already been trained to such an extent that one were attentive to them—one can recognize this—that one were attentive to souls who show a predisposition toward such a “perforation,” so to speak, of their “I,” of their continuous memories, and one would then intervene in such a way as to strengthen their interest, to strengthen it systematically. One could already avert many misfortunes befalling such souls through a certain kind of education, if one were to take into account the connection between the life of memory—and the life of the soul as a whole—and what is called attention.
[ 15 ] Das, was man Aufmerksamkeit nennen könnte, ist zwar nicht die Aufmerksamkeit auf dieses oder jenes, sondern die Tätigkeit der Aufmerksamkeit, die im Seelenleben entfaltete Tätigkeit, während man aufmerksam ist. Dies muss für die Ziele der Geistesforschung ins Unbegrenzte intensiver gestärkt werden, erhöht werden, und das geschieht in dem, was man die Konzentration des menschlichen Denkens, Empfindens, Wollens nennen könnte, überhaupt nennen kann die Konzentration des gesamten Seelenlebens.
[ 15 ] What one might call attention is not, in fact, attention to this or that, but rather the activity of attention—the activity that unfolds in the life of the soul while one is attentive. For the purposes of spiritual research, this must be intensified and heightened to an infinite degree, and this occurs in what might be called the concentration of human thinking, feeling, and willing—or, more generally, the concentration of the entire life of the soul.
[ 16 ] Im äußeren, im alltäglichen Leben entwickeln wir Aufmerksamkeit dadurch, dass wir angeregt werden durch die Eindrücke von außen, durch das, was, ich möchte sagen, glänzender, hervorragender auf unsere Seele wirkt als anderes. Das fordert unsere Aufmerksamkeit heraus. Wir kommen sehr selten dazu, diese Aufmerksamkeit durch reine Willkür zu erzeugen; das aber muss die Geistesforschung zur Vorbereitung: die Aufmerksamkeit durch innere Willkür, durch Trainierung der Seele, durch intime Übung — man darf schon sagen — ins Unbegrenzte steigern.
[ 16 ] In our outer, everyday life, we develop attention by being stimulated by external impressions—by what, I might say, has a more brilliant, more striking effect on our soul than other things. This challenges our attention. We very rarely have the opportunity to generate this attention through pure volition; but this is what spiritual research must prepare us to do: to increase attention to infinite levels through inner volition, through training the soul, through—one might even say—intimate practice.
[ 17 ] Eine Steigerung der Aufmerksamkeit wird so herbeigeführt: Haben wir gewisse Vorstellungen angeregt, vielleicht gerade Vorstellungen, welche nicht einem äußeren Tatbestand entsprechen, sinnbildliche Vorstellungen, die wir aber genau überschauen können, sodass wir wissen, es spielen nicht übernatürlich bewusste Vorstellungen hinein; dass wir dieselben nehmen, sie ganz willkürlich, ohne dass uns irgendein Vorgang zwingt, in den Mittelpunkt unseres Bewusstseins stellen, und dann ein solches Bewusstseinsleben herbeiführen, wie es sich im normalen menschlichen Dasein nur entwickelt im Schlaf.
[ 17 ] An increase in attention is brought about in the following way: Once we have stimulated certain ideas—perhaps ideas that do not correspond to any external reality, symbolic ideas that we can nevertheless grasp precisely, so that we know no supernaturally conscious ideas are at play; that we take these ideas and, entirely of our own volition—without being compelled by any external process—place them at the center of our consciousness, thereby bringing about a state of consciousness that, in normal human existence, develops only during sleep.
[ 18 ] Im Schlaf tritt ja das für uns ein, dass alle äußeren Sinne schweigen, dass alle Bewegung aufhört, dass der Mensch in Bezug auf seine Körperlichkeit ruhig daliegt. Auch die Sorgen, die [Affekte] des Lebens schweigen im Schlaf, nur tritt im normalen Leben während des Schlafes Bewusstlosigkeit ein. Ich kann hier wiederum nur das Prinzipielle schildern, nicht alles. Genaueres finden Sie in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und in meiner «Geheimwissenschaft». Aber die Seele kann eben durch ihre Trainierung, durch jahrelange Übungen, eine solche Stimmung in sich erzeugen, dass ihr Inneres willkürlich zum Schweigen bringt alles das in sich, was sonst nur während des Schlafes schweigt. Die Seele ist gewissermaßen in demselben Zustand im Verhältnis zur äußeren Tätigkeit und Wahrnehmung wie im Schlaf, nur dass sie wachend ist und so abgezogen von allem äußeren Leben. Es richtet sich die Seele einzig und allein auf die selbstgewählte Vorstellung in intensivster Aufmerksamkeit ihrer gesamten Tätigkeit. Dadurch wird alles, was die Seele sonst an Kräften aufbringt, um die mannigfaltigen Eindrücke des Tages aufzunehmen und zu verarbeiten, alles, was so die Seele an Kräften aufwendet, wird jetzt dazu gebraucht, um auf dieses eine Vorstellungsziel sich zu drängen. Das Seelenleben konzentriert sich, und erzeugt wird jetzt etwas mit demjenigen, was gar bedeutsame Geister der Menschheitsentwicklung immer als den würdigsten Apparat für alle Welterforschung angesehen haben. Gebraucht wird jetzt, was mit ist Apparat der menschlichen Seele, was man vergleichen kann — doch ich lege auf den Vergleich keinen besonderen Wert — mit etwas wie einer geistigen Chemie.
[ 18 ] During sleep, all our external senses fall silent, all movement ceases, and the human being lies still in terms of their physicality. Even the worries and [emotions] of life fall silent during sleep; it is simply that, in normal life, unconsciousness sets in during sleep. Here, too, I can only describe the general principles, not everything. You will find more detailed information in my book *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds* and in my *Esoteric Science*. But through training—through years of practice—the soul can create within itself such a state that its inner being can, at will, silence within itself everything that is otherwise silent only during sleep. In a sense, the soul is in the same state with regard to external activity and perception as it is during sleep, except that it is awake and thus withdrawn from all external life. The soul directs its entire activity, with the most intense attention, solely toward the self-chosen mental image. As a result, all the energy the soul would otherwise expend to take in and process the manifold impressions of the day—all the energy the soul would otherwise use for this purpose—is now directed toward this single mental objective. The life of the soul becomes concentrated, and something is now brought about through that which the most significant spirits in the development of humanity have always regarded as the most worthy instrument for all exploration of the world. What is now being used is the instrument of the human soul, which can be compared—though I do not attach any particular importance to the comparison—to something like spiritual chemistry.
[ 19 ] Um das zu verstehen, wieso der Mensch gleichsam ein Seelenexperiment ausführt — das aber nicht ein innerer Vorstellungsvorgang bloß ist, sondern ein realer Vorgang in der Seele, wodurch in der Wirklichkeit etwas geschieht —, um uns darüber zu verständigen, werde ich den Vergleich gebrauchen, der von der Chemie hergenommen ist. Es wird etwas bewirkt mit der Seele, was genannt werden könnte eine geistige Chemie. Wenn wir Wasser vor uns haben, so ist dieses Wasser notwendigerweise in seinen Bestandteilen äußerlich nicht zu erkennen. Der Chemiker zerlegt dieses Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff. Den Wasserstoff scheidet er ab von dem Wasser. Der Wasserstoff hat ganz andere Eigenschaften als das Wasser, Eigenschaften, die man im Wasser als solchem nicht vermuten kann. Ebenso, wie man den Wasserstoff in seinen Eigenschaften im Wasser vermuten kann, ebenso, wie man im Wasser die Eigenschaften des Wasserstoffs auch nur vermuten kann, ebenso kann man an dem Menschen, der vor uns steht im allgemeinen Leben, die Eigenschaften des wirklich seelisch-geistigen Erlebens auch nur vermuten; denn so, wie der Wasserstoff an das Wasser gebunden ist, so ist das Seelisch-Geistige an das Leiblich-Physische gebunden im alltäglichen Leben. Das, was ich Ihnen charakterisiert habe als eine ins Unbegrenzte gehende Steigerung der Aufmerksamkeit auf eine willkürliche Vorstellung oder Empfindung oder Idee, das konzentriert die Kräfte der Seele, sodass diese Seele sich heraushebt aus dem Physisch-Leiblichen. Nun muss allerdings gesagt werden, dass, wenn die Seele sich also präparieren will, sie dieses in Geduld und Energie tun muss und oft jahrelang braucht — das ist bei Einzelnen verschieden —, dann aber gelangt der, der seine Seele präpariert, wirklich dazu, einen Sinn zu verbinden mit etwas, wovon man ja sagen kann, dass es vielen Menschen der Gegenwart berechtigterweise wie unsinnig erscheinen muss. Es gelangt der Geistesforscher dazu, im unmittelbaren inneren Erleben einen Sinn zu verbinden mit dem Wort: Ich erlebe jetzt, ich fühle jetzt im reinen Geistig-Seelischen und weiß, dass in dem, was ich erlebe und erfühle, nichts mehr lebt, was mit dem Physisch-Sinnlichen zusammenhängt. Der Geistesforscher weiß jetzt, was das für das gewöhnliche Leben unsinnige Wort bedeutet, weil er diese Bedeutung durch unmittelbar reale Kraft erlebt, was es heißt: Ich bin mit meinem Geistig-Seelischen herausgetreten aus meinem physisch-sinnlichen Leib. So selbstständig und so mit anderen Eigenschaften ausgerüstet ist dann das Geistig-Seelische gegenüber dem Physisch-Leiblichen, wie der Wasserstoff mit anderen Eigenschaften ausgerüstet ist, wenn er aus dem Wasser herausgeholt ist. Es sind nicht äußere Vorgänge, die sich mit irgendeinem Äußeren experimentell vergleichen lassen, sondern ist ein Vorgang, welcher dahin führt, dass das Geistig-Seelische herausgezogen wird. Dann erst erweist es sich in seiner wirklichen Selbstständigkeit, dann zeigt es sich in dem, was es ist in seiner wahren, eigenen Natur und was sich verbindet für das alltägliche Leben mit dem Physisch-Sinnlichen, dessen es sich bedient, um die Wahrnehmungen der äußeren Welt zu machen und die Verrichtungen der äußeren Welt auszuführen.
[ 19 ] To understand why human beings, as it were, carry out a “soul experiment”—which is not merely an inner process of imagination, but a real process in the soul through which something actually happens—and to help us grasp this, I will use a comparison drawn from chemistry. Something takes place within the soul that could be called a spiritual chemistry. When we have water before us, the components of this water are necessarily not discernible from the outside. The chemist breaks this water down into hydrogen and oxygen. He separates the hydrogen from the water. Hydrogen has entirely different properties than water—properties that one cannot suspect exist in water as such. Just as one can only suspect the properties of hydrogen in water—just as one can only suspect the properties of hydrogen in water—so, too, can one only suspect the properties of genuine soul-spiritual experience in the human being standing before us in everyday life; for just as hydrogen is bound to water, so too is the soul-spiritual bound to the physical-bodily in everyday life. What I have described to you as an infinite intensification of attention focused on an arbitrary image, sensation, or idea concentrates the powers of the soul, so that this soul lifts itself out of the physical-bodily. Now, however, it must be said that if the soul wishes to prepare itself in this way, it must do so with patience and energy, and it often takes years—this varies from person to person—but then the one who prepares their soul truly succeeds in attaching meaning to something that, it must be said, must rightly appear nonsensical to many people today. The spiritual researcher comes to associate a meaning with the word in his or her immediate inner experience: I am now experiencing, I am now feeling in the purely spiritual-soul realm, and I know that in what I experience and feel, nothing lives anymore that is connected to the physical-sensory realm. The spiritual researcher now knows what this word—which seems nonsensical in ordinary life—means, because he experiences this meaning through an immediately real power: I have stepped out of my physical-sensory body with my spiritual-soul aspect. The spiritual-soul aspect is then as independent and endowed with different properties in relation to the physical-bodily aspect as hydrogen is endowed with different properties when it is extracted from water. These are not external processes that can be experimentally compared to anything in the external world, but rather a process that leads to the spiritual-soul aspect being drawn out. Only then does it reveal itself in its true independence; only then does it manifest itself in what it is in its true, inherent nature—and in what connects it, in everyday life, to the physical-sensory realm, which it utilizes to perceive the external world and carry out the activities of the external world.
[ 20 ] Das Erste, was der Mensch also gleichsam aus seinem Physisch-Sinnlichen erfahren kann, das ist das Denken, das Vorstellen, und da ich nicht, wie gesagt, in Abstraktionen sprechen will, sondern in konkreten Tatsachen des inneren Erlebens des Geistesforschers, so möchte ich auch nicht scheuen, auf dieses Erlebnis bestimmt hinzudeuten, auch auf die Gefahr hin, die mir ganz begreiflich ist, von manchen Menschen, die glauben, auf dem festen Boden der Wissenschaft zu stehen, nicht ernst genommen zu werden. Wenn der Geistesforscher in jahrelanger entsagungsvoller Arbeit seiner Seele dahin gelangt ist, einen Sinn zu verbinden mit dem Wort: Du erlebst, du erfährst außerhalb deines Leibes, dann erlebte er dieses erst in Bezug auf das Denken, das, wovon man schon im gewöhnlichen Leben ahnen kann, was man durch die Geisteswissenschaft weiß. Dass man sich für das Denken des Gehirnes bedienen muss, das hört auf. Man fühlt, dass man im Vorstellen drinnen webt, und man fühlt sich nicht mit diesem inneren Erlebnisinhalt des Gehirns und Nervensystems, sondern man fühlt — wie gesagt, ich sage das auf die Gefahr hin, von manchem nicht ernst genommen zu werden —, dass man mit dem, was man jetzt erlebt, sich selbst wie einen äußeren Gegenstand, wie ein einen außer seines Selbst befindlichen Leib umkreisendes Inneres fühlt, wenn man dem Selbstständigkeit gegeben hat, und erlebt sich wie seinen eigenen Körper, sein eigenes Gehirn umkreisend, und ein wichtiges Erlebnis tritt dann auf. Man lernt erkennen, wie das gewöhnliche Denken geschieht, denn man muss ja, um im wirklichen Geistesforschen vorwärtszukommen, stufenweise vorwärtsdringen. Zuerst ist es oftmals ein dumpfes Erlebnis. Wenn man aber so weit vorgedrungen ist, dass man einen vollen Sinn mit dem Wort verbinden kann: Du lebst jetzt in einem Denken, das außerhalb deines Gehirnes geschieht, so ist das menschliche Leben ja zwischen Geburt und Tod — so muss man zu einer bestimmten Zeit wiederum zurückkehren.
[ 20 ] The first thing a person can experience, as it were, through their physical-sensory nature is thinking and imagining, and since, as I have said, I do not wish to speak in abstractions but in concrete facts drawn from the inner experience of the spiritual researcher, I do not wish to shy away from pointing specifically to this experience—even at the risk, which I fully understand, of not being taken seriously by some people who believe they stand on the firm ground of science. When the spiritual researcher, through years of self-sacrificing work on his soul, has reached the point where he can attach meaning to the words: “You experience, you perceive outside your body,” then he first experienced this in relation to thinking—that which one can already sense in ordinary life and which one knows through spiritual science. The need to rely on the brain for thinking ceases. One feels that one is weaving within one’s imagination, and one does not feel connected to this inner experiential content of the brain and nervous system; rather, one feels—as I said, I say this at the risk of not being taken seriously by some—that with what one is now experiencing, one feels oneself as an external object, as an inner being encircling a body located outside of oneself, once one has granted it independence, and one experiences oneself as encircling one’s own body, one’s own brain, and an important experience then occurs. One learns to recognize how ordinary thinking takes place, for in order to make progress in genuine spiritual research, one must advance step by step. At first, it is often a vague experience. But once one has advanced far enough to fully grasp the meaning of the words, “You are now living in a thought process that takes place outside your brain”—for human life is, after all, the time between birth and death—one must return to that specific time once again.
[ 21 ] Man kann die Gedanken, die man außerhalb des Leibes hat, man kann sie, wenn man zurückkehrt, dann nur mit dem Gehirn ausgestalten. Das bewirkt ein ganz anderes Gefühl als das gewöhnliche, denn man nimmt den Vorgang mit wahr, man taucht unter in sein Gehirn. Man beginnt, sein Gehirn als Instrument zu gebrauchen, man weiß, dass man im Gehirn etwas hat, das einem Widerstände entgegenbringt, in das man gewaltsam hineindrängen muss, was man außerhalb erlebt hat. Ein eigenartiges Gefühl ist bei einem Übergang des Vorstellens außerhalb und des Gehirn-Vorstellens, ein Gefühl, das sich nur vergleichen lässt mit einer gewissen Furcht, jetzt wiederum denken zu müssen durch das Instrument des Gehirns, weil man eben dem Leben jetzt außerhalb gegenübersteht. Man hat sich sozusagen zum ersten Mal von außen kennengelernt, hat gelernt, zurückzuschauen auf sein Physisch-Leibliches von außen her, und das Untertauchen, das legt einem die Notwendigkeit auf, die sozusagen schwere Materie, schweren Stoffe, plastisch zu bearbeiten, dass da drinnen sich nun ausdrücken können jene Erlebnisse, die man zuerst außerhalb dieses Gehirns vorgenommen hat.
[ 21 ] The thoughts one has outside the body—when one returns, one can give them form only with the brain. This produces a feeling quite different from the usual one, for one is aware of the process as it unfolds; one plunges into one’s own brain. One begins to use one’s brain as an instrument; one knows that there is something within the brain that offers resistance, into which one must force one’s way—what one has experienced outside. A peculiar feeling arises during the transition from external imagination to mental imagination—a feeling that can only be compared to a certain fear of now having to think again through the instrument of the brain, precisely because one is now facing life from the outside. One has, so to speak, come to know oneself from the outside for the first time; one has learned to look back at one’s physical body from the outside, and this immersion imposes upon one the necessity of working with—so to speak—heavy matter, dense substances, in a plastic way, so that those experiences one first undertook outside this brain can now find expression within it.
[ 22 ] So kann eintreten gewissermaßen eine Art Emanzipation des Verstandeslebens vom physisch-leiblichen Leben. Wenn diese Emanzipation eintritt, dann hat man um sich herum nicht die physisch-sinnliche Welt. Diese physisch-sinnliche Welt verschwindet in demselben Augenblicke, in dem das Heraustreten aus dem physischen Leib geschieht. Man hat um sich herum eine neue Welt, eine Welt, die man bezeichnen kann als die Welt geistiger Zustände. Jetzt erst kann man durch unmittelbare Anschauung durchschauen, was geistige Zustände sind. Etwas tritt da ein, was ich auch diesmal erwähnen möchte, weil ich immer bei diesen Betrachtungen aus dem Abstrakten ins Konkrete vorschreiten möchte; man stellt sich falsch vor dieses Einleben in die geistige Welt, wenn man es sich nach dem Muster der äußeren Wahrnehmungen vorstellt. Hier steht der Betrachter da und der Gegenstand dort. Bei dem Wahrnehmen dessen, was geistige Zustände sind, was jetzt bei einem Geistesforscher eintritt, wenn er sich vorbereitet hat, da muss man in gewisser Weise mit seinem ganzen Wesen untertauchen in den Gegenstand oder in das Wesen, das man wahrnimmt, und so, wie man, wenn man in der eigenen Seele im alltäglichen Leben etwas erlebt, diese oder jene Stimmung erlebt, diesen oder jenen inneren [Affekt] erlebt, wie man das zum Ausdruck bringt in dem, was man die Entwicklung des Gesichtskreises nennt, so kann man auch nur erleben das, was Geisteszustände sind, wenn man mit dem von dem Leibe befreiten Geist, untertauchend in das, was man wahrnimmt, gleichsam nachahmt, wirklich nachahmt in einem inneren Mienenspiel die Zustände der geistigen Außenwelt.
[ 22 ] In a sense, this can lead to a kind of emancipation of intellectual life from physical, bodily life. When this emancipation occurs, one is no longer surrounded by the physical-sensory world. This physical-sensory world disappears at the very moment one steps out of the physical body. One is surrounded by a new world, a world that can be described as the world of spiritual states. Only now can one see through direct perception what spiritual states are. Something comes into play here that I would like to mention again, because I always wish to proceed from the abstract to the concrete in these reflections; one misconstrues this immersion into the spiritual world if one imagines it according to the pattern of external perceptions. Here, the observer stands here and the object there. In perceiving what spiritual states are—what now occurs within a researcher of the spiritual realm once they have prepared themselves—one must, in a certain sense, immerse one’s entire being into the object or into the being one is perceiving; and just as, in one’s own soul in everyday life, when one experiences something—this or that mood, this or that inner [emotion], just as one expresses this in what is called the “development of the field of vision”—so, too, one can only experience what mental states are by immersing oneself with the spirit liberated from the body into what one perceives, imitating—truly imitating—in an inner play of expressions the states of the outer spiritual world.
[ 23 ] Es ist also ein inneres Mienenspiel, in das man sich hineinlebt, und man kann nicht sagen, wenn man ganz richtig spricht: Ich habe einen Gegenstand oder ein Wesen der geistigen Welt so wahrgenommen wie ein Wesen der sinnlichen Welt —, sondern nur: Ich habe erlebt an diesem Wesen das, was in mir bewirkt, dass ich mich mit meinem Geistig-Seelischen so und so selber ausdrücke. Ich mache in meinem inneren Ausdruck nach, was Eigentümlichkeit des betreffenden Wesens ist. — Man lernt ein inneres Mienenspiel kennen, in dem Empfangen chiffreartiger Vorstellungen, man wird in gewissem Sinne eins mit dem Wesen der geistigen Welt. Sie aber erfordert den Geist in sich so sensitiv, dass Geist ihre eigenen Zustände ausdrückt, wie man sonst ausdrückt die Zustände der eigenen Seele. Ein Erleben, im Gegensatz zum bloßen Wahrnehmen, ist das Schauen der Geisteswelt, ein Eins-Werden mit deren Zuständen. Dadurch unterscheidet sich eben dieses Sich-Hineinleben in die geistige Welt von dem Erleben der alltäglichen Wirklichkeit, das letztlich etwas Passives ist, woneben man gewissermaßen steht, währenddem das, was sich vom Willen emporführen lässt, in die geistigen Erscheinungen einlebt, durchaus in Tätigkeit, in Aktivität sein muss — dieser inneren Aktivität, welche in sich selber Ausdruck, Formen schafft. Für die Zustände der geistigen Welt muss sich die Seele umgestalten, wenn sie in die geistige Welt eindringen will.
[ 23 ] It is, therefore, an inner interplay of expressions into which one immerses oneself, and one cannot say—if one is speaking quite correctly—that one has perceived an object or a being of the spiritual world in the same way as a being of the sensory world—but only: I have experienced in this being that which causes me, through my spiritual-soul life, to express myself in such and such a way. In my inner expression, I imitate what constitutes the distinctive character of the being in question. — One becomes acquainted with an inner play of expressions in which one receives cipher-like impressions; in a certain sense, one becomes one with the being of the spiritual world. But this requires the spirit within oneself to be so sensitive that the spirit expresses its own states just as one otherwise expresses the states of one’s own soul. An experience—in contrast to mere perception—is the beholding of the spiritual world, a becoming-one with its states. This is precisely what distinguishes this immersion into the spiritual world from the experience of everyday reality, which is ultimately something passive—something one stands beside, as it were—whereas that which allows itself to be led upward by the will and immerses itself in spiritual phenomena must be entirely active—this inner activity that creates expression and forms within itself. The soul must transform itself to accommodate the states of the spiritual world if it wishes to penetrate it.
[ 24 ] So erlebt man gleichsam die Zustände der geistigen Welt, wie man erlebt Formen in der physisch-sinnlichen Welt. Aber man kann nicht nur die Zustände der geistigen Welt erleben, sondern auch die Vorgänge, die Geschehnisse der geistigen Welt. Das geschieht, indem man noch andere Kräfte des Seelischen emporführt von dem Leiblich-Physischen. Nicht nur die Vorstellungskraft kann emporgeführt werden, sondern auch noch eine andere Kraft. Dann muss aber eine andere alltägliche Tätigkeit der Seele wiederum ins Unbegrenzte gesteigert werden, und das ist das, was man mit einem Wort, das im alltäglichen Leben eine Notwendigkeit darstellt, bezeichnen kann, mit dem Wort «Hingabe». Wenn es einem gelingt, eben bewusst jene Hingabe gleichsam an dem allgemeinen Weltprozess zu entwickeln, die wir sonst nur entwickeln unbewusst im Schlaf, wenn man sozusagen ganz hingegeben ist, ohne selbst etwas zu tun, an das Allgemeingeschehen, wie im Schlaf, wenn man so lernt, hingegeben zu werden völlig bewusst wachend an die geistige Welt, dann gelangt man dazu, noch eine andere Seelentätigkeit unseres Innenlebens gleichsam herauszureißen, herauszuziehen aus dem Physisch-Sinnlichen. Diese Tätigkeit ist die, durch welche wir — so sonderbar das klingt, es ist eben doch so — die Frucht im äußeren Physischen erleben: [das] Sprechen, die Sprachkraft. Diese Sprachkraft, sie wurzelt ja, wie genügend bekannt sein wird, im Tätig-Sein des Gehirns, im Tätig-Sein der Organe, die zuletzt zum Kehlkopf führen und so fort. Diese Sprachkraft, sie spielt noch eine ganz andere Rolle, als man gewöhnlich glaubt. Das meiste menschliche Denken verfließt doch im Grunde genommen in Worten, sodass die Worte gleichsam innerlich ablaufen, sodass für den — und das gibt heute die äußere Wissenschaft zu —, der die Dinge genauer betrachtet, alles auch sprachlose Denken bei den Menschen so abläuft, dass sie in feiner Weise innerlich mitvibrieren. Der Körper ist eigentlich in fortwährender innerer Tätigkeit, wenn er denkt. Diese Tätigkeit sagt sozusagen lautlos das nach, was sonst robuster in den Bewegungen der Sprachorgane und des Nervensystems ausgedrückt wird.
[ 24 ] In this way, one experiences the states of the spiritual world, so to speak, just as one experiences forms in the physical-sensory world. But one can experience not only the states of the spiritual world, but also the processes and events of the spiritual world. This happens by elevating other powers of the soul from the physical-bodily realm. It is not only the power of imagination that can be raised up, but also another power. Then, however, another everyday activity of the soul must in turn be elevated into the boundless, and this is what can be described with a word that represents a necessity in everyday life: the word “surrender.” If one succeeds in consciously developing precisely that devotion—as it were—to the general world process that we otherwise develop only unconsciously in sleep, when one is, so to speak, completely devoted to general events without doing anything oneself, as in sleep—if one learns to devote oneself in this way, while fully conscious and awake, to the spiritual world, then one succeeds in, so to speak, tearing another soul activity of our inner life away, drawing it out of the physical-sensory realm. This activity is the one through which we—as strange as it may sound, it is nevertheless true—experience its fruit in the outer physical realm: [the] speaking, the power of speech. This power of speech, as is well known, is rooted in the activity of the brain, in the activity of the organs that ultimately lead to the larynx, and so on. This power of speech plays a very different role than is commonly believed. Most human thinking, after all, essentially flows into words, so that the words unfold, as it were, inwardly; so that for those—and this is acknowledged today by external science—who observe things more closely, even all wordless thinking in human beings proceeds in such a way that they subtly resonate inwardly. The body is actually in a state of constant inner activity when it thinks. This activity silently echoes, so to speak, what is otherwise expressed more robustly in the movements of the speech organs and the nervous system.
[ 25 ] Wenn man nun durch sorgfältige Übungen, gesteigerte Aufmerksamkeit, das heißt durch Konzentration, gesteigerte Hingabe, das heißt Meditation, dazu gelangt, die Tätigkeit, die die Seele aufwenden muss, wenn sie spricht im alltäglichen Leben, wenn man dazu gelangt, diese Tätigkeit aufzuwenden, ohne dass man diese Tätigkeit auslebt im äußeren Sprechen, dann hat man eine zweite Seelenkraft emporgeführt von dem Leiblich-Physischen. Dieses Emporziehen ist schon etwas schwieriger als das andere, aber es kann in [robustem], energischem Üben erlangt werden.
[ 25 ] If, through careful practice, increased attention—that is, through concentration—and increased devotion—that is, through meditation— one comes to direct the activity that the soul must expend when speaking in everyday life—if one comes to direct this activity without acting it out in outward speech—then one has raised a second soul force from the physical-bodily realm. This elevation is somewhat more difficult than the other, but it can be achieved through [robust], energetic practice.
[ 26 ] Wenn ich zu Ihnen spreche, so ist ja meine Seele spontan in Tätigkeit, und das, was da in Tätigkeit vollzogen wird, das prägt sich aus im äußeren Wort. Wenn es nun gelingt, zurückzuhalten die Tätigkeit, die sonst im Wort ausklingt, sodass sie ohne Wort und ohne jene Vibration, rein innerlich seelisch, vollzogen wird, wenn also sozusagen das Wort «Stärke» innerlich in der Seele erlebt wird, dann erkräftigt sich, erstarkt sich innerlich das seelische Leben noch weit mehr als bei der bloßen Operation [Separation?] des Gedankens von dem Physisch-Sinnlichen, und man zieht dann, durch eine ähnliche geistige Chemie sozusagen, das Sprachvermögen, die Sprachkraft aus dem physischen Leib heraus, erlebt sie bloß in der Seele. Man weiß wiederum, was es heißt: Du bist in deinem seelisch-geistigen Erleben außerhalb deines physischen Leibes und erlebst jetzt, wo du dich nicht des Kehlkopfes bedienen kannst, um zu sprechen, wo du diese Tätigkeiten außerhalb deines Leibes entfaltest, wie sonst bei dem Sprechen, du erlebst jetzt das Sprachvermögen innerlich. Du erlebst jetzt das innerliche Wort. Rein geistig erlebst du das innerliche Wort.
[ 26 ] When I speak to you, my soul is, of course, spontaneously at work, and what is accomplished in that activity is expressed in the outward word. If one succeeds in holding back the activity that otherwise finds its expression in the word—so that it is carried out purely inwardly in the soul, without a word and without that vibration—if, so to speak, the word “strength” is experienced inwardly in the soul, then the soul life is strengthened and fortified inwardly even more than in the mere operation [separation?] of the thought from the physical-sensory realm, and one then, through a kind of spiritual alchemy, so to speak, draws the power of speech out of the physical body and experiences it solely within the soul. One knows once again what it means: You are outside your physical body in your soul-spiritual experience, and now—since you cannot use your larynx to speak, since you are unfolding these activities outside your body, as you normally do when speaking—you now experience the power of speech inwardly. You now experience the inner word. You experience the inner word in a purely spiritual way.
[ 27 ] Sehr verwandt ist dieses Erleben des inneren Wortes mit dem Erleben der Gedächtniskraft. Selbstverständlich aber, wenn ich sage, mit dem Erleben der Gedächtniskraft, so meine ich nicht das, was sich äußert in dem Erinnerungsvermögen, sondern ich meine das, was hinter diesem Erinnerungsvermögen steht, was im Alltäglichen nicht bewusst lebt, was wirkt und halb unbewusst bleibt. Wenn wir einen Gedanken dem Gedächtnis einverleiben, so üben wir eine Seelentätigkeit, und diese ist verwandt mit der Sprachkraft. Das ist also etwas, was wir nennen die unterseelische Erinnerungskraft, ebenso, wie wir sagen können, die unterseelische Sprachkraft, welche wir herausziehen aus dem gewöhnlichen Sprechen und worin wir dann als Geistesforscher leben. Rein geistig-seelisch im Worte, im Erinnerungsvermögen, leben wir, wenn im gewöhnlichen täglichen Leben verwandelt wird die Erinnerung, sodass wir uns an die alltäglichen Erlebnisse eben erinnern, an die mit, wo ja alles Gedächtnis schweigt, wie im Schlaf. Jetzt ist sozusagen übrig das, was sonst verwendet wird auf die Erinnerung. Immer wird im alltäglichen Leben etwas zum Erinnern verwendet, innerliche Kraft wird aufgewendet, um das, was vorgeht, haften zu machen im Seelenleben. Jetzt, wo wir ein Seelenleben herbeigeführt haben, welches die gewöhnliche Erinnerung tilgt, jetzt wird diese Kraft, die sonst zum Erinnern verwendet wird, sie wird verwandt rein geistig-seelisch, sie pulst in dem innerlich rein Geistigen erkennend wörtlich.
[ 27 ] This experience of the inner word is very closely related to the experience of the power of memory. Of course, when I say “the experience of the power of memory,” I do not mean what manifests itself in the ability to recall, but rather what lies behind this ability—that which does not live consciously in everyday life, that which acts and remains semi-unconscious. When we incorporate a thought into our memory, we are engaging in a soul activity, and this is related to the power of speech. This is therefore something we call the “sub-soul” power of memory, just as we can speak of the “sub-soul” power of speech, which we draw out of ordinary speech and in which we then live as researchers of the spirit. We live purely in the spiritual-soul realm—in speech and in the power of memory—when, in ordinary daily life, memory is transformed so that we simply recall everyday experiences, even those during which all memory is silent, as in sleep. Now, so to speak, what remains is that which is otherwise devoted to memory. In everyday life, something is always used for remembering; inner energy is expended to make what is happening take root in the life of the soul. Now that we have brought about a life of the soul that erases ordinary memory, this energy—which is otherwise used for remembering—is now employed purely in a spiritual-soul context; it pulses, so to speak, in the inner, purely spiritual realm, recognizing it literally.
[ 28 ] Wenn wir also die Sprachkraft emporführen von dem Physisch-Leiblichen, da gelangen wir dazu, nicht nur Zustände zu erleben, sondern wir können untertauchen in die Wesenheiten der geistigen Welt, sodass wir das, was in ihnen geschieht, miterleben. Wir entwickeln jetzt nicht bloß ein Mienenspiel, sondern das, was man nennen könnte eine innere geistige Kraft der Geste, [eine innere Gebärde]. Das muss immer betont werden — das, worauf Aktivität als geistiges Erlebnis beruht. Will man ein Geisteswesen erleben, so muss man in dasselbe untertauchen und seine Vorgänge miterleben, wie wir unsere eigenen inneren Erlebnisse mit Gesten begleiten, das, was in unserer Seele selbst vorgeht, in der Geste zum Ausdruck bringen. Mancher Mensch — zum Beispiel ich selber — verwendet viel zu viel an Gesten, um das, was inneres Seelenleben ist, zum Ausdruck zu bringen. So, wie das Seelenleben sich, ausfließend, abzweigt, so muss es zu innerer Geste des geistig-seelischen Erlebens führen. Dann erlebt man Vorgänge, nicht bloß Zustände; diese erlebt man durch die emporgeführten Gedanken, die Vorgänge durch das emporgeführte Sprachvermögen und Erinnerungsvermögen. Dann erlebt man, wenn man also Zustände der geistigen Welt erlebt, auch die eigenen inneren Zustände, und dieses führt nun schon tief in das Wesen der menschlichen Seele hinein.
[ 28 ] So when we elevate the power of language beyond the physical and bodily, we come to not only experience states of being, but we can also immerse ourselves in the beings of the spiritual world, so that we witness what is happening within them. We are now developing not merely a play of facial expressions, but what one might call an inner spiritual power of gesture, [an inner gesture]. This must always be emphasized—that upon which activity as a spiritual experience is based. If one wishes to experience a spiritual being, one must immerse oneself in it and witness its inner processes, just as we accompany our own inner experiences with gestures, expressing in the gesture what is taking place within our own soul. Some people—myself, for example—use far too many gestures to express what constitutes inner soul life. Just as soul life flows out and branches off, so must it lead to an inner gesture of spiritual-soul experience. Then one experiences processes, not merely states; one experiences these through thoughts that are raised to a higher level, and the processes through the elevated faculties of speech and memory. Then, when one experiences states of the spiritual world, one also experiences one’s own inner states, and this already leads deep into the very essence of the human soul.
[ 29 ] Indem der Geistesforscher beginnt, innere Zustände zu erleben, verbindet er mit Folgendem einen sinnvollen Begriff: Er weiß, worauf es beruht, dass die materialistische Anschauung der Gegenwart von einem rein idealistischen Standpunkt aus so schwer zu widerlegen ist — deshalb, weil allerdings das alltägliche Denken ganz richtig, wie die materialistische Vorstellungsweise behauptet, aus dem Nervensystem, aus dem Gehirn hervorspringt. Denn das, was man im gewöhnlichen Bewusstsein an Inhalt hat, als Seelisches erlebt, ist durchaus im Grunde genommen nur ein Bild des Seelischen.
[ 29 ] As the spiritual researcher begins to experience inner states, he comes to understand the following: He knows why the materialistic worldview of the present is so difficult to refute from a purely idealistic standpoint—namely, because everyday thinking does indeed, as the materialistic view asserts, spring from the nervous system, from the brain. For what is experienced as a mental content in ordinary consciousness is, at its core, merely an image of the mental.
[ 30 ] Gerade auf die Auseinandersetzungen in Bezug auf die Bildhaftigkeit einzugehen, ist nicht Zeit genug. Nur andeuten will ich, dass für den Geistesforscher, der es so weit gebracht hat, durchaus klar ist, was das gewöhnliche Empfinden, der Wille und das Vorstellungsleben wollen. So verlaufen sie in Bildern, die hervordringen aus dem Leiblichen. Sie dringen hervor wie die Spiegelbilder unseres eigenen Selbstes, wenn wir vor einen Spiegel treten. Der Leib bildet durchaus das, was man einen Spiegel nennen könnte für das geistig-seelische Erleben. Nur ist das Bild, wie jedes Bild, nicht eigentlich vollständig. Nur dann wäre das Bild vollständig, wenn wir im gewöhnlichen Leben vor einen Spiegel tretend, von uns Kräfte aussenden müssten, um den Spiegel so zu gestalten, dass seine materielle Beschaffenheit so wird, dass er uns die Bilder zurücksendet. Denn das vollbringen wir tatsächlich an unserem Leibe, dass wir diesen Leib mit unserem tieferen Geistig-Seelischen erst in die Fähigkeit versetzen, das uns zurückzuwerfen, was wir unser alltägliches Leben nennen. Wir machen ihn erst zum Spiegel in Wahrheit, muss man sagen, und darauf beruht das Geheimnis des menschlichen Seelenlebens.
[ 30 ] There is not enough time here to go into detail about the debates concerning pictoriality. I will merely suggest that for the spiritual researcher who has advanced this far, it is perfectly clear what ordinary perception, the will, and the life of the imagination are seeking. Thus, they unfold in images that emerge from the physical body. They emerge like the mirror images of our own selves when we step in front of a mirror. The body is, in a sense, what one might call a mirror for spiritual and soul experiences. However, the image—like any image—is not actually complete. The image would only be complete if, in ordinary life, when stepping in front of a mirror, we had to send out forces from ourselves to shape the mirror in such a way that its material nature would be such that it reflects the images back to us. For what we actually accomplish with our body is this: we first endow this body, through our deeper spiritual and soul life, with the capacity to reflect back to us what we call our everyday life. We are the ones who truly make it a mirror, one must say, and upon this rests the mystery of human soul life.
[ 31 ] Der Geistesforscher wird geführt zu einem geistig-seelischen Erleben, das außer und hinter dem LeiblichPhysischen steht, und er schaut es an, wie das eigentlich wahre Geistig-Seelische den Leib erst bearbeitet, sodass dann aus dem Leib heraus die Inhalte des alltäglichen Seelenerlebens dringen. So unmöglich ist es zu denken für den Geistesforscher, der das durchschaut, dass nur wie eine Funktion des Gehirnes das geistig-seelische Erleben ist, so unmöglich, wie der Gedanke wäre, dass aus dem Spiegel aufsteigt als eine Wirklichkeit das Bild, das wir vor uns haben. Mit demselben Rechte könnte man behaupten: Wenn man sich im Spiegel sieht, so kommt aus dem Spiegel heraus das, was hineinschaut —, so, dass aus dem Nervensystem das Geistig-Seelische herauskomme. Das Geistig-Seelische in seiner Wirklichkeit liegt hinter dem Leiblichen, und in Wahrheit ist der Leib zwischen dem wahrhaft Geistig-Seelischen, das sein aktiver Bearbeiter, plastischer Gestalter ist, und dem Alltäglichen, auf die Sinneswelt beschränkten Erleben, das in Wirklichkeit nur in Bildern verläuft. So gelangt man zu dem, was als wahrhaft GeistigSeelisches hinter dem Leiblichen steht. Wenn man dazu gelangt, dann steht allerdings dieses, was man so als Zustand erlebt, ganz anders da, als was man durch äußere Spekulation als das Geistig-Seelische ansprechen möchte, denn man steht dem unmittelbaren Schauen gegenüber, dem, was das Ich geistig-seelisch in der menschlichen Natur ist. Dann hört die Lehre von den wiederholten Erdenleben auf, eine bloße theoretische Erkenntnis zu sein. Dann beginnt eine Erweiterung, man möchte sagen, des Gedächtnisses, welche sich dann erstrecken kann über die wiederholten Erdenleben. Das vollständige menschliche Erleben wird durchschaut, wie es verläuft nicht bloß zwischen Geburt und Tod, sondern durch viele irdische Leben hindurch und durch die geistigen Erlebnisse hindurch zwischen Tod und Geburt. Das, was man die wiederholten Erdenleben nennen kann, wird ein unmittelbares Erleben. Dadurch, dass man die Erinnerung und Sprachkraft emporgeführt hat, zu einer Erkenntnis- und Erlebenskraft gemacht hat, tauchen aus den Fluten des Geisteslebens auf als Wirklichkeit die vergangenen Erdenleben, und die Gewissheit taucht auf, dass auch das gegenwärtige die Ursache ist für folgende, und dass zwischen Tod und einer neuen Geburt ein viel längeres Leben ist als das Erdenleben.
[ 31 ] The spiritual researcher is led to a spiritual-soul experience that lies beyond and behind the physical body, and he observes how the truly spiritual-soul aspect first works upon the body, so that the contents of everyday soul experience then emerge from the body. It is just as impossible for the spiritual researcher who sees through this to conceive of the spiritual-soul experience as merely a function of the brain as it would be to think that the image we see before us rises from the mirror as a reality. One might just as well claim: When one sees oneself in the mirror, what looks into the mirror comes out of it—as if the spiritual-psychic were emerging from the nervous system. The spiritual-psychic, in its reality, lies behind the physical, and in truth the body stands between the truly spiritual-psychic—which is its active agent and formative shaper—and everyday experience, limited to the sensory world, which in reality unfolds only in images. In this way, one arrives at what stands behind the physical as the truly spiritual-psychic. When one arrives at this, however, what one experiences as a state appears quite differently from what one might seek to address as the spiritual-psychic through external speculation; for one is faced with direct perception—that which the “I” is, spiritually and psychically, within human nature. Then the teaching of repeated earthly lives ceases to be a mere theoretical insight. Then an expansion begins—one might say, of memory—which can then extend across the repeated earthly lives. One gains insight into the entirety of human experience, not merely as it unfolds between birth and death, but through many earthly lives and through the spiritual experiences between death and birth. What one might call “repeated earthly lives” becomes a direct experience. By elevating memory and the power of speech—transforming them into a power of insight and experience—past earthly lives emerge as reality from the depths of spiritual life, and the certainty arises that the present life, too, is the cause of those that follow, and that between death and a new birth there is a life far longer than the earthly life.
[ 32 ] Durch das Zurückdrängen der gewöhnlichen Erinnerungskraft wird die höhere Erinnerungskraft erweckt. Wenn die Erinnerungskraft, die uns sonst nur zurückblicken lässt bis zur Geburt, wenn diese getilgt wird, dann erwacht sie zu einer erhöhten Kraft, die sich jetzt erstreckt zu einer Erkenntnis wiederholter Erdenleben! Diese Erkenntnis hat nicht nötig, eine moderne Geisteswahrheit aus alten Religionssystemen aufzunehmen. Die Menschen, die nichts wissen von den Methoden der Geistesforschung und die oberflächlich etwas davon aufgenommen haben, dass diese Geisteswissenschaft sprechen muss von wiederholten Erdenleben, können sehr leicht zum Glauben kommen, dass irgendeine alte buddhistische Wahrheit damit aufgewärmt wird. So unzukömmlich ist eine solche Behauptung, wie wenn man behaupten wollte, dass heute nur einer den pythagoreischen Lehrsatz beweisen könnte dadurch, dass er sich in das [Lücke in der Mitschrift].
[ 32 ] By suppressing the ordinary power of memory, the higher power of memory is awakened. When the power of memory—which otherwise allows us to look back only as far as birth—is erased, it awakens to a heightened power that now extends to an awareness of repeated earthly lives! This insight does not need to incorporate a modern spiritual truth from ancient religious systems. People who know nothing about the methods of spiritual research and who have only superficially grasped that this spiritual science must speak of repeated earthly lives can very easily come to believe that some ancient Buddhist truth is being recycled. Such a claim is as preposterous as if one were to assert that today only one person could prove the Pythagorean theorem by [gap in the transcript].
[ 33 ] Geisteswissenschaft hat nichts zu tun mit irgendetwas historisch Überkommenem, sondern lediglich mit dem, was der Geist durch die angegebenen Mittel in sich selber jederzeit erforschen kann. Wie man durch äußeres Experimentieren zu den Ergebnissen der Wissenschaft kommt, so kommt man durch inneres Experimentieren zu den Ergebnissen dieser Geistesforschung. Dass die Ergebnisse dieser Geisteswissenschaft heute träumerisch erscheinen, nun, es kann am wenigsten den wundernehmen, der die Natur dieser Geisteswissenschaft kennt, der weiß, wie sie sich hineinstellen lässt in das Geistesleben der Gegenwart. In diesem Sinn muss immer wieder betont werden: So befremdend, wie die kopernikanische Anschauung gewirkt hat, so paradox mag selbstverständlich für das moderne Gemüt das, was geisteswissenschaftliche Ergebnisse sind, wirken. Aber ebenso, wie die kopernikanische Weltanschauung sich einverleibt hat der modernen Kultur, so wird sich einverleiben das, was diese Geistesforschung zu sagen hat. Gewiss, ebenso, wie man heute dieser Geistesforschung gegenübertritt, ist man entgegengetreten der kopernikanischen Weltanschauung; und würde man dazumal schon in Vorträgen sich vorgenommen haben, so etwas wie die kopernikanische Weltanschauung, die dazumal auch als etwas ganz Phantastisches erscheinen musste, zu vertreten, so würde man vielleicht dazumal einen solchen Vortrag angekündigt haben: die kopernikanische Weltanschauung als Surrogat für das Christentum; namentlich aus dem Grunde, weil man hätte glauben können, dass die kopernikanische Weltanschauung das Christentum gefährde. Man hat sich erst allmählich darauf eingelassen, einzusehen, dass die Sache anders ist, und in unserer Gegenwart kann man schon aus den echten Zielen der Gegenwart tatsächlich andere Erfahrungen machen.
[ 33 ] Spiritual science has nothing to do with anything handed down historically, but solely with what the spirit can explore within itself at any time through the specified means. Just as one arrives at the findings of science through external experimentation, so one arrives at the findings of this spiritual research through inner experimentation. That the findings of this spiritual science seem fanciful today—well, this can hardly surprise anyone who knows the nature of this spiritual science, who knows how it can be integrated into the spiritual life of the present. In this sense, it must be emphasized again and again: Just as the Copernican view seemed strange at the time, so, of course, the findings of spiritual science may seem paradoxical to the modern mind. But just as the Copernican worldview has become an integral part of modern culture, so too will what this spiritual research has to say become an integral part of it. Certainly, just as people today approach this spiritual research, so too did they approach the Copernican worldview; and if, back then, one had set out in lectures to advocate something like the Copernican worldview—which at the time must also have seemed utterly fantastical—one might perhaps have announced such a lecture as follows: “The Copernican Worldview as a Surrogate for Christianity”; namely because one might have believed that the Copernican worldview endangered Christianity. It was only gradually that people came to realize that the matter is different, and in our present time, one can indeed gain different insights simply from the genuine goals of the present.
[ 34 ] Gegenüber den Erfahrungen, die ich hier zu machen habe, muss es einen in sympathischer Weise berühren, wie man hören konnte, wie ein katholischer Theologe, der ein tief fühlender Philosoph ist, sagte: Gewiss trat einstmals eine vorurteilsvolle Welt so entgegen der kopernikanischen Weltanschauung, wie wenn diese gefährden könne das religiöse Leben; heute — so sage nicht ich, so sagt dieser katholische Theologe —, heute wird der wahre Katholik sogar wissen, dass das, was erforscht wird an Geheimnissen des Daseins, was erkannt wird von der Größe der Welt, niemals beitragen kann zur Befriedigung des religiösen Lebens, sondern allein dazu, die Größe des göttlichen Schöpfers umso mehr zu bewundern, je mehr man seine Taten in der Weltentwicklung kennenlernt. — Auch die Zeit wird kommen, wo man in den wiederholten Erdenleben eine Beförderung des christlichen Standpunktes erkennen wird, wie heute in der kopernikanischen Weltanschauung eine Beförderung der christlichen Anschauung. So habe ich Ihnen gesprochen gewissermaßen von zwei Seelenkräften, die emporgeführt werden können von dem Erleben mit dem physischen Leib.
[ 34 ] In light of the experiences I have had here, one cannot help but be moved by the words of a Catholic theologian—who is also a deeply sensitive philosopher—as he said: Certainly, there was once a prejudiced world that opposed the Copernican worldview as if it could endanger religious life; today—and this is not my own statement, but that of this Catholic theologian—today, the true Catholic will even know that what is explored regarding the mysteries of existence, what is recognized about the grandeur of the world, can never contribute to the fulfillment of religious life, but only to admiring the greatness of the divine Creator all the more as one comes to know His deeds in the development of the world. — The time will also come when people will recognize, in repeated earthly lives, an advancement of the Christian point of view, just as today the Copernican worldview represents an advancement of the Christian perspective. Thus I have spoken to you, so to speak, of two spiritual forces that can be elevated through experience with the physical body.
[ 35 ] Es gibt noch eine dritte Seelenkraft, die spontan auf dem Weg zur Geistesforschung hin emporgeführt werden muss, und durch diese dritte Seelenkraft gelangt man jetzt nicht bloß zu den Zuständen und Vorgängen, sondern zu den Wesenheiten der geistigen Welt selber, sodass diese geistige Welt auf einer anderen Stufe etwas wird, wie die Naturwelt ist — nicht etwas, wovon man im Allgemeinen spricht, sondern wie man auch von der Natur nicht im Allgemeinen, sondern von einzelnen Tieren, Pflanzen, Steinen, einzelnen Wolken, Bergen, Flüssen und so weiter spricht.
[ 35 ] There is still a third soul force that must be spontaneously developed on the path to spiritual research, and through this third soul force one now gains access not merely to the states and processes, but to the beings of the spiritual world itself, so that on another level this spiritual world becomes something like the natural world — not something one speaks of in general terms, but rather as one speaks not of nature in general, but of individual animals, plants, stones, individual clouds, mountains, rivers, and so on.
[ 36 ] Wo der Geist nicht als eine Summe von wirklichen geistigen Wesenheiten vor die Augen seelisch tritt, da muss noch etwas anderes allerdings emporgeführt werden von dieser menschlichen Wahrheit, wie sie im Alltag vor uns steht. Wir müssen uns erinnern, wie wir als Menschen in das Leben hereintraten. Dadurch unterscheiden wir uns als Mensch von den anderen sinnlichen Erscheinungen der Erde, dass wir gewissermaßen schon in der ersten Zeit das, was unsere Bestimmung am schönsten charakterisiert, aus uns selbst machen müssen. Wir treten gewissermaßen als Vierfüßer in die Welt, — das Gleichgewicht, aufrecht zu stehen und zu gehen, eignen wir uns erst an. Ich bemerke von vornherein, damit kein Missverständnis entstehen kann, wie an einem andern Ort, dass ich selbstverständlich weiß, dass auch andere Erscheinungen auf zwei Beinen gehen, wie zum Beispiel die Hühner, aber das ist der Unterschied, dass diese von vornherein daraufhin organisiert sind, während der Mensch durch Anwendung einer inneren Kraft überwindet, die Schwere überwindet, eine rein im Materiellen wirkende Kraft. Der Mensch macht sich in den ersten Jahren seines sinnlichen Daseins zu dem aufrechten Wesen, zu dem, von dem ja doch immer tiefer Angelegte gewusst haben, was es heißt, aufrecht zu stehen, das Auge hinausrichten zu vermögen in das All. Dazu aber macht sich der Mensch selber. Eine innerliche Kraft wird aufgewendet, durch die eigentlich der Mensch das wird, wozu er vorbestimmt ist.
[ 36 ] Where the spirit does not appear to the soul as a sum of real spiritual entities, something else must certainly be drawn upward from this human truth as it stands before us in everyday life. We must remember how we, as human beings, entered into life. What distinguishes us as human beings from the other sensory phenomena of the earth is that, in a sense, we must already in the earliest stages bring forth from within ourselves that which most beautifully characterizes our destiny. We enter the world, so to speak, as four-legged creatures—we must first acquire the balance needed to stand upright and walk. I note from the outset, so that no misunderstanding may arise—as has happened elsewhere—that I am, of course, aware that other beings also walk on two legs, such as chickens; but the difference is that they are organized for this purpose from the very beginning, whereas human beings overcome gravity—a force acting purely in the material realm—by applying an inner power. In the first years of his sensory existence, human beings develop into upright beings—beings of whom those with a deeper insight have always known what it means to stand upright and to be able to cast their gaze out into the cosmos. But human beings bring this about themselves. An inner force is exerted, through which human beings actually become what they are destined to be.
[ 37 ] Diese Kraft, sie tritt uns überhaupt im Verlauf des Lebens weiter nicht mehr zum Bewusstsein. In einer Zeit, wo unser Bewusstsein noch im Traumhaften ist, erleben wir das, was sozusagen uns die Lage, das Gleichgewicht in der Welt gab, wodurch wir Menschen sind. Aber wir können sie wiederfinden, und der Geistesforscher muss sie wiederfinden, diese Kräfte. Diese Kräfte bleiben in der Seele. Sie werden nur im normalen Leben einzig und allein dazu verwendet, dem Menschen seine aufrechte Lage zu geben, aber dann ruhen sie. Sie werden wiederum heraufgeholt, und diese innere Seelenkraft, emporgeführt, ist etwas, wenn es erlebt wird, das sich zeigt von einem zugleich emporgeführten Willen, durchflossen von jenem Willen, der unser geistig-seelisches Erleben außerhalb des physischen Leibes sich in verschiedene Lagen bringen lässt zu den verschiedenen Wahrheiten des Weltalls. Dadurch erlangt man nun das Folgende: Wie der Mensch sich selber in der physischen Welt zu dem macht, was einzig er ist durch sein aufrechtes Gleichgewicht, wie er sozusagen da sein Ich-Wesen in seiner inneren Tätigkeit und Zubereitungskraft erfasst für die Erde, so erfasst er, wenn er diese innere Tätigkeit, durch die er sich zum Menschen macht, wenn er die Tätigkeit in ihrer Organisation erfasst, so erfasst er die innere Wahrheit anderer Geistwesen, erfasst die innere Wesenheit wirklicher Geister, erlebt mit, wie andere Wesenheiten sich zu ihrer Wesenheit machen, wie er auf Erden durch das Angeführte sich zu einer Wesenheit macht.
[ 37 ] This power—it no longer comes to our consciousness at all as we go through life. At a time when our consciousness is still in a dreamlike state, we experience what, so to speak, gave us our upright posture—the balance in the world—through which we become human beings. But we can rediscover these forces, and the spiritual researcher must rediscover them. These forces remain in the soul. In ordinary life, they are used solely to give the human being an upright posture, but then they rest. They are brought forth again, and this inner soul force, when raised up, is something that—when experienced—reveals itself as a will that is simultaneously lifted up, permeated by that will which allows our spiritual-soul experience, outside the physical body, to be attuned to the various truths of the universe. Through this, one now attains the following: Just as a human being makes himself in the physical world into what he alone is through his upright balance, just as he grasps, so to speak, his I-being in its inner activity and preparatory power for the Earth, so, when he grasps this inner activity through which he becomes a human being—when he grasps this activity in its organization—he grasps the inner truth of other spiritual beings, grasps the inner essence of real spirits, and shares in the experience of how other beings become their own essence, just as he becomes a being on Earth through the process described above.
[ 38 ] Allerdings, alle diese Dinge sind nur zu erlangen durch eine gewisse Resignation, durch eine gewisse innere tragische Stimmung. Vieles ist zu überwinden, und die Überwindungen sind in gewisser Beziehung eine Art Leiden. Aber wenn der Geistesforscher mutig durchgeht durch dieses Erleiden, dann gelangt er dazu, aus diesem Leiden loszulösen die innere Aktivität, die jetzt vermag nicht nur die Lage uns zu bilden, die dem Menschen auf Erden seine wahre äußere Bestimmung gibt, die den Menschen dazu macht, dass er den Blick hinauswenden kann in das All, sondern dazu, unterzutauchen in andere Wesen, deren Bestimmung zu ergreifen, indem er sich in sie einlebt, und das zu erleben, wodurch sie in ihren Welten in anderer Weise das werden, was sie sind, wie der Mensch auf Erden. Jetzt erlebt man nicht nur Zustände und Vorgänge, sondern das innere Leben der Geistwesen selber. Man birgt sich hinein, indem man in innerer Beweglichkeit, in innerer richtiger Kraft eins wird mit diesen Wahrheiten. Jetzt ist es eine gewisse, aber innerlich bewegliche Physiognomie. Wie der Mensch sich seine Gesamt-Physiognomie auf der Erde erwirbt, so taucht er unter in die Physiognomien der anderen Wahrheiten auf dieser dritten Stufe.
[ 38 ] However, all these things can only be attained through a certain resignation, through a certain inner sense of tragedy. Much must be overcome, and these struggles are, in a certain sense, a kind of suffering. But when the spiritual researcher courageously perseveres through this suffering, he succeeds in drawing from it the inner activity that is now capable not only of shaping the situation that gives human beings on Earth their true external purpose—the one that enables them to turn their gaze out into the cosmos—but also of immersing himself in other beings, grasping their purpose, by empathizing with them, and to experience how, in their own worlds, they become what they are in a different way than human beings on Earth do. Now one experiences not merely states and processes, but the inner life of the spiritual beings themselves. One immerses oneself in them by becoming one with these truths through inner flexibility and true inner strength. Now it is a certain, yet inwardly flexible, physiognomy. Just as a human being acquires his or her overall physiognomy on Earth, so too does he or she immerse oneself in the physiognomies of the other truths on this third stage.
[ 39 ] So steigt man auf zu geistigem Miterleben der Geistwesen durch inneres Mienenspiel, durch innere Gebärde und Geste, dann durch innere Physiognomie, durch das Kennen der inneren Wesenheit anderer Geistwesen. So wird stufenweise die geistige Welt zu einer wahren Wirklichkeit, und immer zeigt sich, dass dieses Werden der geistigen Welt zu einer wahren Wirklichkeit sich unterscheidet von dem Erleben der äußeren physischen Welt. Diese wird in Passivität erlebt. Eine geistige Welt kann nur erlebt werden in Aktivität, und damit stehen wir an dem Punkt, der uns so recht zeigt, wie diese Geisteswissenschaft sich hereinstellen muss in das geistige Kulturleben der Gegenwart.
[ 39 ] In this way, one ascends to a spiritual sharing in the experiences of spiritual beings through inner facial expressions, through inner gestures and movements, then through inner physiognomy, and through the knowledge of the inner essence of other spiritual beings. In this way, the spiritual world gradually becomes a true reality, and it always becomes apparent that this process of the spiritual world becoming a true reality differs from the experience of the outer physical world. The latter is experienced passively. A spiritual world can only be experienced actively, and this brings us to the point that truly shows us how this spiritual science must be integrated into the spiritual cultural life of the present.
[ 40 ] Wie gesagt, ich wollte heute aufzeigen, wie der Geistesforscher gelangt zu seinen Erlebnissen. Spezielle Erlebnisse werde ich übermorgen entwickeln. Dasjenige aber kann hervorgehen aus dem heutigen, dass der Geistesforscher appelliert an die Aktivität der Seele, an das, was die Seele nur in un- [Lücke in der Mitschrift] Tätigkeit alles vom Physisch-Leiblichen emporführt, rein geistig-seelische Tätigkeit erleben kann. In dem Untertauchen, das aber rein geistig-seelisch ist, in die anderen Wahrheiten werden die Zustände, Vorgänge und das Wesen dieser Wahrheiten selber erlebt.
[ 40 ] As I said, today I wanted to show how the spiritual researcher arrives at his experiences. I will elaborate on specific experiences the day after tomorrow. What can be gleaned from today’s discussion, however, is that the spiritual researcher appeals to the activity of the soul—to that which the soul can experience only in a purely spiritual-soul activity that transcends the physical-bodily realm. [gap in the transcript] activity—can experience purely spiritual-soul activity. In this immersion—which is, however, purely spiritual-soul in nature—into the other truths, the states, processes, and the very essence of these truths are experienced firsthand.
[ 41 ] Alle diese Dinge sind nicht zu erleben, ohne dass man auf das gesamte Seelische ausdehnt das, was im Grunde genommen sonst nur im Moralischen erlebt wird. Wenn der Mensch im Moralischen innerlich erlebt: Das willst du tun, das ist ein Gutes, so ist ja doch das Erleben der inneren Pflicht, die äußere Tat werden muss, das Erleben gerade des höchsten Moralischen. Dieses Erleben ist ein inneres, ist ein solches, dass der Mensch von sich absehen muss, denn im Grunde genommen kommt alles Unsittliche aus dem Egoismus. Das Sittliche aber kommt von dem Absehen von dem engbegrenzten Ich, das der Mensch in den Vordergrund stellt. Wie der Mensch im Sittlichen wenigstens durch sein Fühlen frei wird von dem, wodurch er sich sonst in das alltägliche Leben hineinstellt, so wird er im Gesamtleben der Seele frei im Erleben der höheren Welten. In gewisser Beziehung ist das sittliche Leben das dunkle Vorbild für das höhere Erkenntnisleben.
[ 41 ] None of these things can be experienced without extending to the entire spiritual realm what is otherwise, in essence, experienced only in the moral realm. When a person experiences inwardly in the moral realm: “You want to do this; it is a good thing”—then the experience of inner duty, which must become an outward act, is precisely the experience of the highest moral reality. This experience is an inner one, one that requires the person to look beyond themselves, for, fundamentally, everything immoral stems from selfishness. What is moral, however, arises from turning away from the narrowly defined “I” that a person places in the foreground. Just as a person, in the moral realm, becomes free—at least through their feelings—from that which otherwise anchors them in everyday life, so too do they become free in the experience of the higher worlds within the soul’s overall life. In a certain sense, the moral life is the obscure prototype for the higher life of knowledge.
[ 42 ] Ich wollte nicht durch Worte, sondern durch Schilderung von Seelenvorgängen zeigen, worin Geisteswissenschaft besteht, und wie das Verhältnis des Geisteslebens zur Geistes-Wissenschaft ist. Wenn wir dagegen das Leben der Gegenwart ansehen, so dürfen wir wahrlich sagen: Dieses Erleben ist nicht angelegt auf Tätigkeit des Inneren der Seele. Insbesondere, wenn der Mensch erkennen soll die Welt, dann ist er heute passiv. Man könnte durch geradezu groteske Beispiele erhärten, wie gerne heute der Mensch passiv ist. Es ist sehr erfreulich, dass Sie in so zahlreicher Weise heute, wo nicht [Lücke in der Mitschrift] sind mit Lichtbildern, erschienen sind. Aber Sie werden alle zugeben, dass die Darstellungen, die mit Lichtbildern verknüpft sind, lieber besucht werden als die, bei denen solche Versprechungen nicht gegeben werden. Der Geistesforscher appelliert an das Übersinnliche, Unsichtbare, und wenn er sich auch der Lichtbilder bedienen würde, so nur, um etwas außerordentlich zu versinnlichen. Aber die heutige Menschheit ist bis zu einem hohen Grade angelegt, nicht für den Geist oder etwas Erforschbares gewonnen zu werden dadurch, dass appelliert wird an die Tätigkeit der Seele, sondern an das Anschauen.
[ 42 ] I wanted to show—not through words, but through a description of psychological processes—what spiritual science consists of and what the relationship is between spiritual life and spiritual science. When we look at life today, however, we can truly say: This experience is not oriented toward inner activity of the soul. In particular, when it comes to understanding the world, people today are passive. One could illustrate just how willing people are to be passive today with downright grotesque examples. It is very gratifying that so many of you have come here today—where there are [gap in the transcript]—with photographs. But you will all admit that presentations accompanied by photographs are more popular than those that do not offer such attractions. The spiritual researcher appeals to the supernatural, the invisible, and even if he were to make use of photographs, it would be only to make something extraordinarily tangible. But humanity today is, to a high degree, predisposed not to be won over to the spirit or to anything that can be explored by appealing to the activity of the soul, but rather by appealing to the sense of sight.
[ 43 ] Gewiss, auf den geistigen Gebieten, die die bewunderungswürdigsten Errungenschaften hervorgebracht haben, ist dieses Anschauen notwendig; aber der Geist kann nicht in äußerer Anschauung erfasst werden. Was sinnlich ist, ist nicht geistig. Das ist trivial, wird aber nicht eingesehen. Ich erzähle keine Märchen. Es konnte vorkommen, dass ein sonst sehr verdienstvoller Philosoph der Gegenwart neulich einmal eine [monistische] Sache erzählte und dargestellt hat. Er sagte in einer Einleitung, in der er von einer Evolution in der Philosophie schreiben wollte, dass, wenn man Kant und so weiter liest, man sich einliest in Begriffe, aber dem könnte doch abgeholfen werden, man hätte ja heute — und wiederum sei bemerkt, dass nichts gegen die technischen Errungenschaften der Jetztzeit angeführt werden soll, gesagt werden soll, diese technischen Errungenschaften haben ihr Bedeutsames, haben ihr Berechtigtes; aber das ist doch charakteristisch, was da ausgesprochen worden ist — der Philosoph sagt, wenn man sich in Spinozas Ethik einleben will, da ist es schwierig, in die unfassbaren Begriffe sich hineinzuleben. Also nehme man den Film zu Hilfe! Man stelle dar, wie Spinoza spontan dasitzt, wenn ein Gedanke ihm auftaucht, wie die Gedankenausdehnung dann demselben auftaucht. Dann mache man auf der einen Seite die Kraft, welche die Ausdehnung darstellt, dann mache man den übrigen ordentlichen Begriff, wie im Allgemeinen Begriffe gebildet werden.
[ 43 ] Certainly, in the intellectual realms that have produced the most admirable achievements, this contemplation is necessary; but the mind cannot be grasped through external observation. What is sensory is not spiritual. This is trivial, yet it is not understood. I am not telling fairy tales. It so happened that a contemporary philosopher—otherwise very distinguished—recently recounted and presented a [monistic] idea. In an introduction in which he intended to write about an evolution in philosophy, he said that when one reads Kant and so on, one becomes immersed in concepts, but this could be remedied, after all, today we have—and again, let it be noted that nothing is to be said against the technical achievements of the present age; these technical achievements have their significance, their justification; but what was said there is indeed characteristic—the philosopher says that if one wants to immerse oneself in Spinoza’s *Ethics*, it is difficult to immerse oneself in those incomprehensible concepts. So let us turn to film for help! Imagine Spinoza sitting there spontaneously when a thought occurs to him, and how the extension of that thought then presents itself to him. Then, on the one hand, consider the force that constitutes the extension; on the other hand, formulate the rest of the concept in the usual way, as concepts are generally formed.
[ 44 ] Der Betreffende hat nichts Geringeres in Aussicht genommen, als die spinozistische Ethik durch den Film darzustellen. So könnte man hoffen, zu sehen, abgeschlossen Spinozas Ethik kinematographisch anzuschauen, oder Kants «Reine Vernunft». Wie gesagt, es soll nichts gegen diese Künste gesagt werden, obwohl es einen eigentümlichen Eindruck macht, wenn der Herausgeber sagt, dass auf diese Weise uraltem metaphysischem Sehnen der Menschenseele Genüge geschafft werden könne durch eine Kunst, die der Oberflächenverstand gewöhnlich nur als etwas Spielerisches ansieht. So könnte durch Anwendung dieser Filmkunst uraltem metaphysischem Sehnen Genüge getan werden.
[ 44 ] The person in question has set his sights on nothing less than portraying Spinozist ethics through film. Thus, one might hope to see Spinoza’s *Ethics*—or Kant’s *Pure Reason*—brought to life on the screen. As mentioned, nothing is to be said against these arts, although it makes a peculiar impression when the editor states that, in this way, the ancient metaphysical longings of the human soul can be satisfied by an art that superficial reason usually regards as merely playful. Thus, through the application of this cinematic art, ancient metaphysical longings could be satisfied.
[ 45 ] Ich wollte das anführen, weil es zeigt, wie der Mensch heute das Bedürfnis hat, nicht seine Seele in Tätigkeit überzuführen, nicht zu appellieren an das, was aus aller Passivität heraus in die vollste Aktivität gehen muss, sowie was der Mensch sich heute alles bieten lassen will, das heißt, wie er nicht kühn das Sein in eigener Tätigkeit erreichen will, nicht sich das Sein beweisen will, indem er in eigener Tätigkeit diese Tätigkeit heraufführt zu einem Beweis für das Sein, sondern er will sich das Sein beweisen lassen von außen. Entgegenkommen müssen die Gründe, warum man etwas als seiend annimmt. Das ist für die Denkgewohnheiten der ganzen Philosophie da: immer näher ahnbar aus dem Standpunkt, dass alles Denken, das nicht nachweisen kann, es sei gefußt auf Grundlagen von irgendetwas, wozu man nichts getan hat, dass alles dieses Denken als bloße Phantasie aufgefasst wird.
[ 45 ] I wanted to mention this because it shows how people today feel no need to translate their soul into action, no need to appeal to that which must emerge from complete passivity into the fullest activity, as well as everything that people today are willing to accept, that is to say, how they do not boldly seek to attain Being through their own activity, do not seek to prove Being to themselves by raising this activity—through their own activity—to a proof of Being, but rather want to have Being proven to them from the outside. The reasons why one accepts something as existing must be accommodating. This is what the habits of thought in all of philosophy are for: it becomes increasingly apparent from the standpoint that all thinking which cannot demonstrate that it is grounded in the foundations of something to which one has contributed nothing is regarded as mere fantasy.
[ 46 ] Nach und nach tendieren die Ziele der Gegenwart dahin, alles Denken für Phantasie zu erklären, das nicht nachweisen kann, dass es herausgesogen ist aus dem stofflichen Dasein, das sich von außen darbietet. Ich habe vor[hin] diesen Grundcharakter in den Zielen der Gegenwart angegeben. Dieser Grundcharakter war notwendig, denn dadurch allein, dass der Mensch Erziehung genossen hat durch die Naturwissenschaften, sind die großen, gewaltigen Erkundungen der Naturwissenschaft gekommen, ist das [gekommen], was kommerziell, technisch den Erdball umgestaltet hat, das auch die Erkenntnis in großartiger Weise gehoben hat. Dazu, dass das so kam, ist notwendig gewesen, dass der Mensch sich passiv der Außenwelt gegenübergestellt hat. Die Kühnheit, die der Mensch entwickeln muss für das innere Erleben, die fließt gewissermaßen heute ein in das äußere Tun.
[ 46 ] Gradually, the goals of the present tend to dismiss as mere fantasy any thought that cannot prove it is derived from the material reality that presents itself from the outside. I have [previously] described this fundamental characteristic of contemporary goals. This fundamental characteristic was necessary, for it is solely through humanity’s education in the natural sciences that the great, monumental discoveries of natural science have come about—that which has transformed the globe commercially and technically, and which has also elevated human knowledge in a magnificent way. For this to come about, it was necessary for human beings to adopt a passive stance toward the external world. The boldness that human beings must develop for inner experience flows, so to speak, into their external actions today.
[ 47 ] Es ist im menschlichen Leben einmal ein Gesetz, dass, was auf der einen Seite groß wird, auf der anderen Seite in gewisser Weise verkümmern muss. Die letzten drei bis vier Jahrhunderte haben es dahin gebracht, dass so ungeheuer Kühnes von der Menschheit vorgenommen werden konnte wie die Errungenschaften bis hinauf zur Luftschifffahrt. Dadurch, dass die Kühnheit entwickelt wurde für die äußeren Errungenschaften, dadurch hat sich in der Menschheit ergeben eine Erziehung, die ja innere Kühnheit für eine gewisse Zeit lang gegeben hat, wo notwendig ist, ein Geistiges zu erfassen, das nicht erfasst werden kann, wenn man sich positiv hingibt, sondern nur, wenn man in der Lage ist, sich hinzugeben an dieses Geistige mit seiner Tätigkeit, sodass man auf dem Standpunkt steht: Was du selber in dir erlebst, das ist keine Wirklichkeit. Man kann niemals zu einer wirklichen Erkenntnis des Geistes kommen, denn der Geist lässt uns nur aktiv in seine Sphären hinein.
[ 47 ] There is a law in human life that whatever grows great on one side must, in a certain sense, wither away on the other. The last three to four centuries have made it possible for humanity to undertake such immensely bold endeavors as the achievements leading up to air travel. Because this boldness was developed for external achievements, a form of education has emerged within humanity that, for a certain time, fostered inner boldness—necessary for grasping a spiritual reality that cannot be grasped through positive effort alone, but only when one is able to surrender to this spiritual reality through one’s own activity, so that one stands on the following position: What you yourself experience within yourself is not reality. One can never arrive at a true understanding of the spirit, for the spirit allows us to enter its spheres only through active engagement.
[ 48 ] So ist allerdings spontan das, was die Grundanforderung für das Anerkennen der Geisteswissenschaft ist, den Zielen der Gegenwart wie entgegengesetzt. Allein, auch das stellt sich für den Verlauf des gesamten Werdens heraus, dass, wenn irgendetwas auf das Höchste gespannt ist — wie ein elastischer Körper, wenn er genügend zusammengedrückt ist, seine Gegenkraft geltend macht —, so, wenn irgendetwas getrieben ist bis zu einem gewissen Punkt, so macht sich die entgegengesetzte Kraft, die Reaktion geltend, und der, der unser Zeitalter betrachten kann, der weiß, wie in unserer Zeit bereits durchaus in den Seelen, ohne dass sie es tief selber wissen, jene entgegengesetzte Sehnsucht vorhanden ist — nachdem bis zu einem gewissen hohen Punkte es die Erziehung in der äußeren Naturwissenschaft gebracht hat —, lechzt die Seele, wie gesagt, ohne dass sie es heute oftmals selber weiß, nach einer Erkenntnis desjenigen, was hinter den Sinnen als die eigentliche Grundlage alles menschlichen Lebens vorhanden ist. Den Vergleich darf ich nochmals gebrauchen: Geisteswissenschaft ist heute gegenüber den Zielen unserer Zeit auf demselben Punkte, auf dem Naturwissenschaft war etwa in der Zeit des Giordano Bruno, der erkennend durchbrach das, was man wie eine blaue Himmelskugel, als blaues Gewölbe gedacht hat. Das war das Bedeutsame, dass Bruno sagt: Das, was da oben ist, ist keine wirkliche Grenze, ist nur hervorgerufen durch die Grenze, die sich der Mensch selber setzt. Das, was das Menschlein erkennt, als Grenze setzen muss, das breitet sich da aus. Durchbrochen wurde dazumal die begrenzte Welt, hinauserweitert der Blick in unbegrenzte Fernen des Raumes.
[ 48 ] Thus, however, what is the fundamental requirement for the recognition of spiritual science appears, at first glance, to be at odds with the goals of the present. Yet it also becomes evident in the course of the entire process of becoming that, just as something stretched to its limit—like an elastic body that, when compressed sufficiently, exerts a counterforce—so, when something is driven to a certain point, the opposing force, the reaction, asserts itself; and anyone who can observe our age who knows how that opposing longing is already quite present in people’s souls—without their being deeply aware of it themselves—because education in the external natural sciences has taken them to a certain high point—the soul, as I said, often without realizing it today, yearns for a knowledge of that which lies beyond the senses as the actual foundation of all human life. Let me use the comparison once more: Spiritual science today stands, in relation to the goals of our time, at the same point where natural science stood in the time of Giordano Bruno, who, through his insight, broke through what had been conceived as a blue celestial sphere, as a blue vault. What was significant was that Bruno said: What is up there is not a real boundary; it is merely brought about by the boundary that human beings set for themselves. What the little human being perceives and must set as a boundary—that is what spreads out there. At that time, the limited world was broken through, and the gaze was expanded outward into the boundless distances of space.
[ 49 ] Ein solches Firmament aber — jetzt ein zeitliches Firmament — ist für die bloße Naturwissenschaft da, und wenn sie es geltend macht auf ihrem Standpunkt, ist das berechtigt; nur sollte sie ihre Grenzen anerkennen. Ein solches zeitliches Moment ist das, was sich geltend macht für die äußere Welt in Geburt und Tod. So wahr als das physische Firmament nur durch den Menschen selber in den Raum versetzt ist und das Wissen neu erweitert werden konnte in Bezug auf räumliche Unendlichkeit, so wird Geisteswissenschaft das für den Geist tun, [wie] was dazumal das zeitliche Firmament durchbrochen [hat], das für Geburt und Tod gegeben ist, und hineinschauen lehren in eine zeitliche Unendlichkeit, das heißt in die Ewigkeit, in die Unsterblichkeit der Menschenseele. Die Gegnerschaften [Lücke in der Mitschrift] werden das neu Erweiterte des Geistesblickes heute noch finden müssen.
[ 49 ] Such a firmament, however—now a temporal firmament—exists for the natural sciences alone, and when they assert it from their own standpoint, they are justified in doing so; they should, however, acknowledge their limits. Such a temporal moment is what asserts itself for the outer world in birth and death. Just as the physical firmament was placed in space only by human beings themselves, and knowledge could be newly expanded with regard to spatial infinity, so spiritual science will do the same for the spirit, [just as] what once broke through the temporal firmament—which is given for birth and death—and taught us to look into a temporal infinity, that is, into eternity, into the immortality of the human soul. The opponents [gap in the transcript] will still have to discover this new expansion of the spiritual gaze today.
[ 50 ] Aber gerade wenn man so gewissermaßen die Ziele der Gegenwart ins Auge fasst, da sieht man, dass auf der einen Seite dastehen müssen die Menschen, denen es ganz unerhört unsinnig erscheint, dass solche Dinge gesagt werden können, wie sie die Geisteswissenschaft sagt. Auf der anderen Seite aber kann schon wahrgenommen werden, wie in den Seelen immer der Durst entsteht, wirklich die Welt so kennenzulernen, wie die Geisteswissenschaft sie zu erforschen als ihre Aufgabe anerkennt. Vieles, das später klar und deutlich in der Seele hervortritt, ist zuerst als dunkler Drang vorhanden. Sie sieht der Geistesforscher, er weiß, dass die allernächste Zukunft Seelen finden wird, die zur Anerkennung des geistigen Forschens kommen werden auf dem Wege der Geisteswissenschaft.
[ 50 ] But precisely when one, so to speak, takes a close look at the goals of the present, one sees that on the one hand there must be those people to whom it seems utterly absurd that such things could be said as spiritual science does. On the other hand, however, one can already perceive how a thirst arises in people’s souls to truly come to know the world as spiritual science recognizes it as its task to explore. Much of what later emerges clearly and distinctly in the soul is initially present as a vague impulse. The spiritual researcher sees this; he knows that the very near future will find souls who will come to recognize spiritual research through the path of spiritual science.
[ 51 ] So spricht oberflächlich alles gegen die Geisteswissenschaft. Wenn man [aber] das, was in den Tiefen der Seele sich geltend macht, ins Auge fasst, dann gibt es eine Gewähr dafür, dass die Geisteswissenschaft sich wirklich die Herzen, die Seelen der Menschen erwerben wird. Man [zieht] heute nur aus dem, wovon man oftmals sagt, dass es aufgebaut ist auf den wahren Zielen der Wissenschaft, man zieht nicht die richtigen Konsequenzen, sonst könnte man zu etwas kommen, was jetzt zu unserer Verständigung gesagt werden soll durch eine Art Metapher.
[ 51 ] On the surface, everything seems to speak against the spiritual sciences. [But] if one considers what asserts itself in the depths of the soul, then there is assurance that the spiritual sciences will truly win over the hearts and souls of human beings. Today, people draw conclusions only from what is often said to be based on the true goals of science; they do not draw the right conclusions. Otherwise, they might arrive at something that I will now explain to you through a kind of metaphor.
[ 52 ] Nicht will ich mich befassen mit der Bedeutung des großen bedeutenden Wortes, das am Anfang der Bibel steht. Inwiefern es einer Tatsache entspricht im Menschenleben auf Erden, das kann bei einer anderen Gelegenheit auseinandergesetzt werden. Aber mit einem gewaltigen Hinblick auf die Entwicklung des menschlichen Erlebens steht dieses Bibelwort vor uns, dieses Bibelwort, das dem Widersacher der Menschheit sozusagen in den Mund gelegt wird:
[ 52 ] I do not wish to dwell on the meaning of the great and significant word that appears at the beginning of the Bible. To what extent it corresponds to a reality in human life on earth is a matter that can be discussed on another occasion. But with a profound perspective on the development of human experience, this biblical passage stands before us—this passage that is, so to speak, placed into the mouth of the adversary of humanity:
Ihr werdet sein wie die Götter und unterscheiden das Gute und das Böse.
You will be like gods and know the difference between good and evil.
[ 53 ] Und angedeutet wird damit sowohl für den religiösen Menschen wie auch den wissenschaftlich erkennenden Menschen, wenn die Sache nur in ihren Tiefen betrachtet wird, wie der Mensch in gewisser Beziehung versucht worden ist, über das Maß, das ihm in Urzeiten zuerteilt, hinauszugehen. Auch hier ist schon auseinandergesetzt worden, wie dieses Wort, respektive das, was dahintersteht, zusammenhängt mit der Möglichkeit des Bösen und der Tatsache der menschlichen Freiheit.
[ 53 ] And this implies—for both the religious person and the scientifically minded person—that, if the matter is considered in its depth, humanity has, in a certain sense, been tempted to go beyond the limits assigned to it in primeval times. Here, too, it has already been discussed how this word—or rather, what lies behind it—is connected to the possibility of evil and the reality of human freedom.
[ 54 ] So könnte man sagen, dass eine Weltanschauung, die durch die Tradition geheiligt ist, die gewiss die Geisteswissenschaft ebenso anerkennt wie nur irgendjemand, dass eine solche Weltanschauung an den Eingang der menschlichen Entwicklung das Wort setzt von der Versuchung, über den Menschen hinauszuwollen im inneren Erleben. Man kann von jeder Zeit sagen, dass sie eine Übergangszeit ist. Man spricht oft ein triviales Wort damit aus, aber es kommt nur darauf an, auch wenn jede Zeit eine Übergangszeit ist, dass man die Übergangsmomente in der richtigen Weise charakterisiert, und dass der, der versucht, in die Ziele der Zeit einzudringen, sie selbst da erkennt, wo sie den Seelen noch unbewusst bleiben. Wer sie sich aber enthüllen wird, wer so eindringen wird, bemerkt, dass heut in der Tat — wenn jetzt auch nichts Abergläubiges gemeint ist — etwas wie ein böser Geist lauernd an des Menschen Seite steht. Gestatten Sie, dass ich mit einem starken Ausdruck das sage, was ich sagen will. [Lücke in der Mitschrift.]
[ 54 ] One could say, then, that a worldview sanctified by tradition—one that certainly recognizes spiritual science just as much as anyone else does—places at the very beginning of human development the idea of the temptation to seek to transcend the human being in inner experience. One can say of every age that it is a time of transition. This is often a trite expression, but what matters—even if every age is a time of transition—is that one characterizes the moments of transition correctly, and that the one who attempts to penetrate the goals of the age recognizes them even where they remain unconscious to souls. But whoever uncovers them, whoever penetrates them in this way, will notice that today, in fact—though I do not mean this in a superstitious sense—something like an evil spirit stands lurking at humanity’s side. Allow me to use a strong expression to convey what I wish to say. [Gap in the transcript.]
[ 55 ] Es kann der Ausspruch manchem paradox erscheinen; aber es soll mit einem scheinbaren [Paradoxon] das, was ausgesprochen werden soll, möglichst deutlich gesagt werden. Wenn man die Übergangsmomente unserer Zeit in Betracht zieht, da zeigt sich: Vieles, was heute geglaubt wird — da ist wiederum eine Art von Verführer zu bemerken, nicht im abergläubischen Sinne gemeint. Allein, wenn man so etwas ausspricht, mit übersinnlichen Worten, dann muss man an das Wort erinnern:
[ 55 ] This statement may seem paradoxical to some; but the purpose of this apparent [paradox] is to express what needs to be said as clearly as possible. When one considers the transitional moments of our time, it becomes apparent that much of what is believed today—here, too, a certain kind of seducer can be observed, though not in the superstitious sense. However, when one expresses such things using supernatural language, one must recall the words:
Den Teufel spürt das Völkchen nie,
Und wenn er sie beim Kragen hätte.
This little crowd never senses the devil,
even if he had them by the collar.
[ 56 ] Wiederum ist so etwas wie ein Versucher da, und nur schwer ist [es], über ihn klar zu werden, weil man nicht die Konsequenzen zieht aus dem, was in den Zielen der Welt schlummert. Weil man diese Konsequenz nicht zieht, darum scheint es paradox, wenn [man] Ihnen die Konsequenz zeigt. Wenn es wahr wäre, was mancher materialistisch Gesinnte aus der gegenwärtigen Wissenschaft herauszieht, dann müsste man sagen: Der Mensch wird durch das, was man heute als Entwicklungslehre auffasst, hineingestellt in das bloße Tierreich. Man fühlt sich ja heute nur [nun?] recht gescheit, und man meint, dass man den entl. Absatz [?] für dumm halten kann, wenn man sagen kann: Das, was der Mensch an Moralischem und an Intellekt erlebt, ist nur eine höhere Ausbildung dessen, was in dem Tierreich zum Vorschein kommt, und je mehr man den Menschen angliedern kann an das Tierreich, desto mehr glaubt man heute wissenschaftlich zu sein.
[ 56 ] Once again, there is something like a tempter at work, and it is difficult to gain clarity about him because people do not draw the necessary conclusions from what lies dormant in the world’s goals. Because people do not draw these conclusions, it seems paradoxical when someone points out the consequences to them. If what some materialistically minded people derive from contemporary science were true, then one would have to say: Human beings are placed within the mere animal kingdom by what is today understood as the theory of evolution. People today simply feel quite clever, and they think they can dismiss the aforementioned paragraph [?] as foolish if they can say: “What human beings experience in terms of morality and intellect is merely a higher development of what appears in the animal kingdom, and the more one can link human beings to the animal kingdom, the more one believes oneself to be scientific today.”
[ 57 ] Wenn auch eine Philosophie heute den etwas schwachen Versuch macht, daneben eine Wertlehre aufzubringen, so ist diese selber etwas Unvollkommenes, denn sagen muss man, wenn wirklich die Konsequenz gezogen würde aus dem, was heute als echte wissenschaftliche Vorstellungsart angesehen wird, dann würde sie darin bestehen, dass das Unterscheiden zwischen Gut und Böse hinauskäme auf dasselbe, was wir empfinden gegenüber den Naturgesetzen. Gutes und Böses würde mit naturgesetzlicher Notwendigkeit hervorsprießen aus der Menschenseele. Da man, wenn man sich so, wie man es oft tut, auf den Boden der Wissenschaft stellen will, der eng begrenzten Wissenschaft stellen will, so ist es inkonsequent, wenn man nicht die Folgerung zieht, dass der Mensch eigentlich begriffen werden soll bloß als eine Umwandlung des Tierischen, und dass das Moralische eingereiht werden soll in das, was als Naturgesetze, als naturgesetzliche Notwendigkeit erkannt wird. Dann aber ergibt es, wie es im Naturgesetz gegenüber Gut und Böse nicht zu unterscheiden gibt, dann gibt es keine Unterscheidung von Gut und Böse.
[ 57 ] Even if a philosophy today makes a somewhat feeble attempt to establish a theory of values alongside it, this theory itself is somewhat imperfect; for it must be said that if the logical conclusion were truly drawn from what is today regarded as a genuine scientific mode of thought, it would follow that the distinction between good and evil would amount to the same thing we feel toward the laws of nature. Good and evil would spring forth from the human soul with the necessity of a natural law. Since, when one wishes to stand on the ground of science—as is often done—specifically on the ground of narrowly defined science, it is inconsistent not to draw the conclusion that human beings should in fact be understood merely as a transformation of the animal realm, and that morality should be classified among what is recognized as the laws of nature, as a necessity of nature. But then it follows that, just as there is no distinction between good and evil in natural law, there is no distinction between good and evil.
[ 58 ] Paradox, wie gesagt, klingt es, aber wahr ist es doch; der Versucher steht wieder da, nur aus Inkonsequenz sieht man ihn nicht, der Versucher, der jetzt das Entgegengesetzte sagt wie jener Versucher, der durch die Bibel an die Spitze gestellt wird. Jetzt spricht er: Ihr werdet sein wie die Tiere und nicht mehr unterscheiden das Gute und das Böse. Mag das heute manchem lächerlich erscheinen; es erscheint nur dem lächerlich, der nicht versteht, die Konsequenzen zu ziehen, die in mancher rein materialistisch gefärbten Anschauung der Gegenwart liegen. So könnte man sagen, spricht heute der Versucher das Entgegengesetzte wie dort. Damals sprach er:
[ 58 ] Paradoxical, as I said, as it may sound, it is nonetheless true; the tempter stands there once more, but out of inconsistency we do not see him—the tempter who now says the opposite of that tempter whom the Bible places at the forefront. Now he says: “You will be like animals and will no longer be able to distinguish between good and evil.” This may seem ridiculous to some today; it seems ridiculous only to those who fail to grasp the consequences inherent in certain purely materialistic views of the present. One could say, then, that today the tempter speaks the opposite of what he did back then. Back then he said:
Ihr werdet sein wie die Götter und unterscheiden das Gute und das Böse.
You will be like gods, able to distinguish between good and evil.
[ 59 ] Der Mensch sollte über sich selbst hinausgehoben werden. Dadurch steht er heute da, sprechend: Ihr werdet sein wie die Tiere, ihr werdet auch erkennen als Tiere und nicht mehr unterscheiden das Gute und das Böse. — So, wie jenes ein Versucherwort war, so ist dieses ein Versucherwort, auch wenn es aus Inkonsequenz nicht ausgesprochen wird. Je mehr man erkennen wird — es ruht in den Zielen der Gegenwart — wie die Seele, wenn sie gewahr wird dieses Versucherwortes, dass die Seele dann die Sehnsucht entwickeln wird, den Geist wiederum zu erkennen in seiner unmittelbaren Gestalt, der ihn heraushebt aus dem, was die [Lücke in der Mitschrift].
[ 59 ] Humanity should be elevated beyond itself. As a result, it stands here today, saying: You will be like animals; you will perceive as animals do and will no longer be able to distinguish between good and evil. — Just as that was a word of temptation, so is this a word of temptation, even if it is not spoken due to inconsistency. The more one comes to realize—it lies in the goals of the present—how the soul, when it becomes aware of this word of temptation, will then develop the longing to recognize the spirit once again in its immediate form, which lifts it out of what the [gap in the transcript].
[ 60 ] So mag sie [die Geisteswissenschaft] auf der einen Seite als Träumerin, als etwas Unsinniges empfunden werden. Man kann das begreifen. Aber auf der anderen Seite kann sie auch als gefordert von den in den Seelen ruhenden tiefsten Zielen unserer Zeit angesehen werden. Weil sie so innig verwachsen ist mit allen Zielen der Menschenseele, darum fühlt man, wenn man auf ihrem Boden steht, wie man im Einklang steht mit dem, was Geisteswissenschaft mit Klarheit aussprechen will, im Einklang steht mit den Ahnungen der Geister, die für Geisteswissenschaft immer gewirkt haben. Diese Geister der Vergangenheit, sie haben, weil Geisteswissenschaft etwas ist, was erst unserer Zeit zuerteilt werden soll, haben in klarer Weise [noch] nicht zum Ausdruck zu bringen versucht, was heute Geisteswissenschaft zu sagen hat. Aber wie das, was in einer Zeit geklärt zum Ausdruck kommen kann [Lücke in der Mitschrift], so haben die führenden Geister immer empfunden das, was Geisteswissenschaft ist.
[ 60 ] On the one hand, [spiritual science] may be perceived as the realm of dreamers, as something nonsensical. That is understandable. But on the other hand, it can also be viewed as a response to the deepest goals of our time, which lie dormant within the soul. Because it is so intimately intertwined with all the goals of the human soul, one feels—when standing on its ground—that one is in harmony with what spiritual science seeks to articulate with clarity, in harmony with the intuitions of the spirits who have always worked for spiritual science. These spirits of the past—because spiritual science is something that is only now to be bestowed upon our time—have not [yet] attempted to express clearly what spiritual science has to say today. But just as that which can be clearly expressed in a given era [gap in the transcript], so have the leading spirits always sensed what spiritual science is.
[ 61 ] In klarer Weise zum Ausdruck zu bringen hatte ich manches, was heute sozusagen folgen musste aus dem, was man oftmals Wissenschaft nennt, was nur nicht befolgt wird, weil man nicht konsequent genug ist; [das] hat die mit dem Geist und seiner Entwicklung vertraute Seele immer empfunden. Auch wenn Entwicklung voll anerkannt wird, als durchgehenden Pol unserer Leben, so tritt mit der Menschenseele etwas ein in dieses menschliche Erleben, das hinausgeht über alles das, was äußerlich auch als äußerliche Entwicklung betrachtet werden kann, und Geistesforschung zeigt nur, man möchte sagen — wenn ich das gegenüber diesen Dingen ja trocken, pedantisch klingende Wort gebrauchen darf — zeigt nur durch das geistige Experiment, dass wirklich in Loslösung vom Physischen erlebt werden kann das, was wir die unsterbliche, die ewige, die wahrhaft geistige Menschenseele nennen.
[ 61 ] I had to clearly express many things that today, so to speak, were bound to follow from what is often called science—which is simply not followed because people are not consistent enough; [this] is what the soul, familiar with the spirit and its development, has always sensed. Even if evolution is fully recognized as the central axis of our lives, something enters into this human experience through the human soul that transcends everything that can be regarded externally as external evolution, and spiritual research merely shows— one might say—if I may use this word, which does indeed sound dry and pedantic in this context—shows only through spiritual experimentation that what we call the immortal, the eternal, the truly spiritual human soul can indeed be experienced in detachment from the physical.
[ 62 ] So wird hinblicken gerade durch Geisteswissenschaft der Mensch immer auf das, was des Menschen Würde, des Menschen Bestimmung im Erdenleben wirklich ist. Wir fühlen, wenn der Versucher naht, wenn auch noch so im Unterbewussten, wenn auch noch so nicht eingestanden naht, und uns sagen will: Die Entwicklung zeigt den Menschen nur als letztes Glied dieser tierischen Entwicklung — wenn er sagt: Ihr werdet sein wie die Tiere und nicht mehr unterscheiden das Böse von dem Guten —, da wird Geisteswissenschaft sich einig wissen im Guten mit den nach dem Geistigen lichtvoll strebenden Persönlichkeiten aller Zeiten, entgegenhalten jetzt als Wissen diesem Versucher das, was aus tiefen dichterischen Ahnungen heraus zart Schiller gesagt hat, und worin zusammengefasst werden soll, was betrachtet worden ist. Als Schiller gewahr wurde, wie durch Herder, durch Goethe der ähnliche Gedanke auftauchte, der Mensch [sei] an die Spitze der tierischen Organisation gestellt, da war Schiller klar, dass eine solche Lehre nur richtig erfasst werde, wenn zugleich der Geist voll anerkannt wird in seiner selbstständigen, gegenüber dem Physischen unabhängigen Bedeutung. Deshalb sagt Schiller nicht dasjenige, was so viele heute sagen, und was zu seiner letzten Konsequenz doch dem Versucher Sprache gibt, sondern es sagte Schiller dasjenige — und erblickend zugleich der Menschheit wahre Bestimmung —, er sagte gegenüber der Menschwerdung auf Erden das, worin ich hier gestehe [Lücke in der Mitschrift] im Augenblick, da der Mensch ins Dasein tritt:
[ 62 ] Thus, it is precisely through spiritual science that human beings come to focus on what truly constitutes human dignity and the human purpose in earthly life. We sense when the tempter approaches—even if only in the subconscious, even if he approaches without being acknowledged—and seeks to tell us: Evolution shows humanity merely as the final link in this animalistic chain of development—when he says: ‘You will be like the animals and will no longer distinguish evil from good’—then spiritual science will know itself to be united in goodness with the personalities of all ages who strive luminously toward the spiritual, and will now counter this tempter with knowledge—that which Schiller delicately expressed out of deep poetic intuitions, and in which what has been considered is to be summarized. When Schiller became aware that, through Herder and Goethe, a similar idea was emerging—that human beings [are] placed at the pinnacle of the animal kingdom—it was clear to Schiller that such a teaching could only be properly understood if, at the same time, the spirit is fully recognized in its autonomous significance, independent of the physical. That is why Schiller does not say what so many say today—and what, taken to its ultimate conclusion, ultimately gives voice to the tempter—but rather, Schiller said this—and at the same time perceiving humanity’s true destiny—he said, regarding the incarnation of humanity on earth, that which I confess here [gap in the transcript] at the very moment when the human being enters into existence:
Jetzt fiel der Tierheit dumpfe Schranke,
und Menschheit tritt auf die entwölkte Stirn,
und der erhab’ne Fremdling, der Gedanke,
sprang aus dem staunenden Gehirn.
Now the dull barrier of animality fell,
and humanity stepped onto the cloudless brow,
and the sublime stranger, the thought,
leapt from the astonished brain.
