Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

The Human Soul, Fate and Death
GA 70a

1 December 1914, Munich

Translate the original German text into any language:

Versions Available:

The Human Soul, Fate and Death, tr. SOL
  1. Menschenseele, Schicksal und Tod

1. Das «Barbarenvolk» Schillers und Fichtes

1. Schiller and Fichte’s “Barbarians”

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! In jedem Winter durfte ich in anderen Städten Europas, so auch hier in München, einige Vorträge halten aus dem Gebiete der Geisteswissenschaft. Es entspringt einer, wie ich glaube, berechtigten Empfindung, wenn die Vorträge, die ich in diesem Winter halten darf, ihren Ausgangspunkt nehmen am heutigen Abend von demjenigen, was uns in dieser Zeit, in diesen schicksalsschweren Tagen so naheliegen kann. Aus den Impulsen, die diese Tage [uns] in dem Herzen, in der Seele, erregen, soll dieser heutige einleitende Vortrag besprochen werden. Hat man denn nicht das Gefühl, dass in dieser unserer Prüfungszeit im Grunde genommen kein Wort gesprochen werden kann, das nicht von einem intensiven Gefühl begleitet ist, welches sich hinrichtet nach jenen Feldern im Osten und Westen, wo heute so gewaltig nicht durch Worte, sondern durch Taten mächtige Urteile in den Entwicklungslauf der Menschheit eingeschrieben werden. Sehen konnte man, wie hinzog wie ein mächtiger Geisteshauch seit den Augusttagen dasjenige, was lebt in den tiefsten Impulsen des deutschen Volkes, sehen konnte man, wie aus den Tiefen der Seelen in unserer Zeit herauswuchsen Opfermut, Selbstlosigkeit, Hingabe, wie unendlicher Liebessinn durch die Herzen zogen. Das alles brachte ein einheitliches Fühlen hervor, wie wir cs im Grunde genommen schon lange nicht gesehen haben. Nun kann es mir nicht obliegen, in diesen Betrachtungen etwa zu übertreten Bismarcks 1870 ausgesprochene Warnung für diejenigen, die das Schicksal zurückgelassen hat von den Feldern der Schlachten, dass sie vor allen Dingen den Ereignissen nicht vorzugreifen haben mit Worten und Betrachtungen, bis Entscheidendes geschehen ist. Nicht mit dem, was in den Impulsen des Tages liegt, werde ich mich zu beschäftigen haben, sondern mit dem, was durch diese Impulse des Tages hindurchzieht und was insbesondere den Geistesforscher beschäftigen kann, beschäftigen muss — allerdings im völligen Einklang mit dem Empfinden, das alle ergriffen hat.

[ 1 ] Ladies and gentlemen! Every winter, I have had the privilege of giving a series of lectures on the subject of the humanities in various European cities, including here in Munich. It stems from what I believe to be a justified sentiment that the lectures I am privileged to deliver this winter should, beginning this evening, take as their starting point what is so close to our hearts at this time, in these fateful days. Today’s introductory lecture will address the impulses that these days stir within our hearts and souls. Do we not have the feeling that, in this time of trial we are facing, fundamentally no word can be spoken that is not accompanied by an intense feeling directed toward those regions in the East and West where today—not through words but through deeds—powerful judgments are being inscribed into the course of human development? One could see how, since the days of August, a mighty breath of spirit has stirred that which lives in the deepest impulses of the German people; one could see how, from the depths of souls in our time, a spirit of sacrifice, selflessness, and devotion sprang forth, and how an infinite sense of love flowed through the hearts. All of this gave rise to a unified sense of feeling such as we have not witnessed in a very long time. Now, it is not my place in these reflections to transgress Bismarck’s warning, issued in 1870 to those whom fate had left behind on the battlefields, that above all they must not anticipate events with words and reflections until decisive action has taken place. I will not concern myself with what lies in the impulses of the day, but rather with what runs through these impulses of the day and what, in particular, can and must occupy the spiritual researcher—albeit in complete harmony with the sentiment that has gripped everyone.

[ 2 ] Sehr verehrte Anwesende! Man hat in der neueren Zeit in den Geistesrichtungen, die mehr oder weniger von dem Materialismus ergriffen sind, viel gesprochen von Vererbung. Man meint mit dieser Vererbung etwas für die geistige Betrachtung der Dinge und Wesenheiten im Grunde genommen recht Äußerliches: das Fortleben der Eigenschaften vorhergegangener Wesen in nachfolgenden Wesen. Ich will heute nicht das Wesen dieser Vererbungsidee auseinandersetzen; aber aufmerksam machen möchte ich darauf, wie etwas, dem diese Vererbung auf niedrigem Gebiete ähnlich ist, in dem ganzen Fortgang der Geistesentwicklung der Menschheit, insbesondere auch eines Volkslebens, wie eine Art geistige Vererbung — aber umfassender, universeller als das, was man gewöhnlich so nennt — vorhanden ist.

[ 2 ] Ladies and gentlemen! In recent times, there has been much talk of heredity in schools of thought that are more or less influenced by materialism. By this concept of heredity, people essentially mean something quite external to the spiritual contemplation of things and beings: the survival of the characteristics of preceding beings in subsequent ones. I do not intend to analyze the nature of this concept of heredity today; but I would like to draw attention to how something similar to this heredity—albeit on a lower level—exists throughout the entire course of humanity’s spiritual development, and particularly in the life of a people, as a kind of spiritual heredity—though more comprehensive and universal than what is usually referred to as such.

[ 3 ] Was ist das, was die Seelen eines Volkes zusammenhält, das, was in die Seelen eines Volkes Feuer gießen kann, wie es jetzt durch die seelischen Adern des Volkes geht? Man kann sagen: Es strömt herunter wie ein wirklicher, realer Strom, wie ein Strom [aus der] geistigen Welt; in diesem Strom leben die Impulse der besten Führergeister, der besten Führergenien eines Volkes. Nicht nur im Sinne des griechischen Märchens ist es für den Geistesforscher das Mitwirken der Genien aus der geistigen Welt heraus — die längst verstorben sind —, in den Handlungen der gegenwärtigen Menschen, sondern real ist es für den Geistesforscher, dass die Kräfte, die in den Führergenien verbunden waren mit einem Volk, bei diesem Volke bleiben, in diesem Volke fortleben, und dass man in wirklichem Sinne sprechen darf davon, dass draußen auf den Feldern im Osten und Westen dieselben Kräfte leben, bei denjenigen, die mit Blut und Seele auf dem Schauplatz der Ereignisse einzutreten haben, dieselben Kräfte leben, wie sie in den besten Führergenien des Volkes gelebt haben.

[ 3 ] What is it that binds the souls of a people together, that which can kindle a fire in the souls of a people, just as it is now flowing through the spiritual veins of the people? One might say: It flows down like a real, tangible stream, like a stream [from] the spiritual world; within this stream live the impulses of a people’s finest guiding spirits, their finest guiding geniuses. For the spiritual researcher, it is not merely in the sense of the Greek myth that the geniuses from the spiritual world—who have long since passed away—play a part in the actions of present-day human beings; rather, it is a reality for the spiritual researcher that the forces which were united with a people through its leading geniuses remain with that people, live on within that people, and that one may speak in a real sense of the fact that out in the fields to the east and west, the same forces live on—the same forces that lived in the people’s greatest guiding spirits live on in those who must step onto the stage of events with their blood and soul.

[ 4 ] Zwei dieser Führergenien seien heute herausgegriffen. «An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen», so sagt ein gewichtiges Wort, an den Früchten kann man auch erkennen, was in den tiefsten Kräften der Volksseele enthalten ist, und diese Früchte, diese höchsten Früchte, die aus Wurzeln und Stamm der Volksseele herauswachsen, das sind die Taten der Führergenien eines Volkes. Daher kann man sagen: Hin wehen über unsere Felder im Osten und Westen die Kräfte, die wir auch wahrnehmen können bei solchen Geistern, wie diejenigen sind, die heute herausgegriffen werden sollen aus der Kultur Mitteleuropas, bei Schiller und Fichte.

[ 4 ] Let us single out two of these leadership geniuses today. “By their fruits you shall know them,” says a weighty saying; by the fruits one can also recognize what is contained in the deepest forces of the national soul, and these fruits—these highest fruits—that grow out of the roots and trunk of the national soul are the deeds of a nation’s leading geniuses. Therefore, one can say: The forces that we can also perceive in spirits such as those we shall single out today from the culture of Central Europe—in Schiller and Fichte—blow across our fields in the east and west.

[ 5 ] Und ausgegangen sei bei der Betrachtung von einem Moment, der wohl gerade bei diesen beiden Führergenien geeignet ist, sie unseren Empfindungen nahezubringen. Wahrhaftig nicht um sentimentale Empfindungen heraufzubeschwören, möchte ich ausgehen von den letzten Augenblicken Schillers und Fichtes, von jenen Augenblicken, da sie durch die Pforte des Todes gingen, sondern weil ich glaube, dass in der Tat das Symbolische und symptomatisch Bedeutsame dieser Genien charakteristisch im Augenblick ihres Todes zum Ausdruck kommen.

[ 5 ] And let us begin our reflection with a moment that is particularly apt for bringing these two great minds closer to our own sensibilities. Truly, not to evoke sentimental feelings, I would like to begin with the final moments of Schiller and Fichte—those moments when they passed through the gates of death—but because I believe that the symbolic and symptomatically significant aspects of these geniuses are, in fact, characteristically expressed at the moment of their death.

[ 6 ] Da blicken wir hin zu Schiller. Es ist ja das Eigentümliche, dass uns Geister wie Schiller so ans Herz gewachsen sind, dass die Literatur uns zu unserer tiefen Befriedigung Mittel an die Hand gibt, das intimste Persönliche auch dieser Genien zu beobachten. Und so können wir aus den Mitteilungen des jüngeren Voß, des Freundes Schillers, geradezu hintreten vor Schillers Kranken- und Sterbebett und können auf uns wirken lassen die Tatsache, in der gerade in diesem Geist der Sieg der Seele über das äußerlich Leibliche zum Ausdrucke gekommen ist.

[ 6 ] Here we turn to Schiller. It is, after all, remarkable that figures like Schiller have grown so dear to our hearts that literature provides us, to our deep satisfaction, with the means to observe even the most intimate aspects of these geniuses’ personal lives. And so, through the accounts of the younger Voß, Schiller’s friend, we can virtually step right up to Schiller’s sickbed and deathbed and allow ourselves to be moved by the fact that, in this very spirit, the victory of the soul over the outwardly physical has found its expression.

[ 7 ] Wir können verfolgen die letzten Tage dieses Genius, können verfolgen, wie da ersichtlich sein Leib dem Tode geweiht war und sich nur aufrechterhielt durch die ungeheure Kraft seiner Seele. Dann begleiten wir ihn hinein in das Sterbezimmer, sehen, wie dieser Geist in der Todesstunde auf die höchsten Dinge gerichtet ist, sehen, wie er sich sein jüngstes Kind reichen lässt, wie er es nimmt und ihm tief in die Augen schaut, wie er es zurückgibt und sich abwendet. Wir ahnen, mit welchen Gedanken, der jüngere Voß deutet es an, wie etwa durch sein Herz gezogen sein mag die Vorstellung, wie viel er als Vater diesem Kinde noch hätte sein können und sein sollen. Und es ist wahrhaftig keine sentimentale Empfindung, wenn man sagt: Dieses Ins-Auge-Schauen dem Kinde, man fühlt es wie ein symbolisches Ins-Auge-Schauen dem deutschen Volke. Wenn man die ganze Persönlichkeit Schillers auf sich wirken lässt, dann sagt man sich: Er musste durch die Pforte des Todes gehen mit der Empfindung, wie vieles aus den Keimen, die er gesät hat im Kulturfeld des deutschen Volkes, noch hätte aufgehen sollen. Darum ist es, dass wir mit tiefem Anteil an der deutschen Kulturentwicklung gerade hinschauen auf den lebendigen, auf den heute noch lebendigen Schiller, auf jenen Schiller, von dem die Kräfte ausstrahlen, die heute noch in unserer Seele wirksam sein können.

[ 7 ] We can follow the last days of this genius; we can see how his body was clearly doomed to death and sustained itself only by the immense power of his soul. Then we accompany him into the deathbed room, see how, in the hour of death, his spirit is focused on the highest things, see how he has his youngest child brought to him, how he takes the child and looks deep into its eyes, how he returns the child and turns away. We can sense—as the younger Voß hints—what thoughts might have been running through his heart: how much more he, as a father, could and should have been to this child. And it is truly no sentimental sentiment to say: this looking into the child’s eyes feels like a symbolic looking into the eyes of the German people. When one allows Schiller’s entire personality to take hold, one says to oneself: He must have passed through the gates of death with the feeling of how much more was still to blossom from the seeds he had sown in the cultural field of the German people. That is why, with deep interest in the development of German culture, we look directly to the living Schiller—the Schiller who is still alive today—to that Schiller from whom radiate the forces that can still be at work in our souls today.

[ 8 ] Ein ähnlicher Augenblick ist der Todesaugenblick bei Fichte, bei Johann Gottlieb Fichte, dem großen deutschen Philosophen, man kann namentlich sagen, dem energischsten Philosophen, der jemals durch die Philosophiegeschichte gegangen ist. Als das deutsche Volk eine tiefste Erniedrigung erlebt hatte, da sprach Johann Gottlieb Fichte zu diesem Volke die erkräftigendsten Aussprüche in seinen «Reden an die deutsche Nation», und als dann die Zeit heranrückte, in der das deutsche Volk Befreiung suchte aus der Erniedrigung, da nahm Fichte innigsten Anteil, Anteil mit seiner ganzen Persönlichkeit, und wir verspüren diesen Anteil am besten, wenn wir auf seine letzte Zeit hinblicken. Seine Frau war Krankenpflegerin. Sie brachte sich das Lazarettfieber nach Hause. Sie genas, übertrug es aber auf den Philosophen selber. Und nun sehen wir ihn: eine Art Opfer des Krieges in seinen letzten Tagen und Stunden. Der Philosoph, der die energischsten Worte gefunden hatte, um des Menschen Seelenleben in seiner Kraft zu charakterisieren, der Philosoph, der in seinen «Reden an die deutsche Nation» das deutsche Wesen, wie er selber immer sagt, aus den «Wurzeln der Lebensregungen» heraus zu verstehen und zu verkündigen suchte, wo weilten in seinen letzten Stunden seine Gedanken? Oh, es ist sehr charakteristisch: Im Fieberwahn der letzten Stunden, er fühlte — Johann Gottlieb Fichte — seine Seele bei den Schlachtfeldern, beim Rheinübergang, der damals gerade unter Blücher stattfand. Seine Gedanken gingen in die Fieberphantasie der Teilnahme am Kriege hinein. Als sein Sohn ans Krankenbett trat, ihm eine Arznei reichte, sprach es Fichte aus, dass er nichts ihn Befriedigenderes hätte erleben können als diesen Aufschwung seines Volkes. Er schob die Arznei weg und sagte: Ich weiß, dass ich genese. Das waren seine letzten Augenblicke. Ein Philosoph, sehr verehrte Anwesende, man darf sagen eingedenk des Spruches: «An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.»

[ 8 ] A similar moment is the moment of death in Fichte—in Johann Gottlieb Fichte, the great German philosopher; one might even say, the most dynamic philosopher who has ever graced the history of philosophy. When the German people had suffered the deepest humiliation, Johann Gottlieb Fichte addressed them with the most inspiring words in his “Addresses to the German Nation,” and when the time drew near for the German people to seek liberation from that humiliation, Fichte took the deepest personal interest—an interest that encompassed his entire being—and we sense this interest most keenly when we look back on his final days. His wife was a nurse. She brought hospital fever home with her. She recovered, but passed it on to the philosopher himself. And now we see him: a kind of victim of the war in his final days and hours. The philosopher who had found the most powerful words to characterize the strength of the human soul, the philosopher who, in his “Addresses to the German Nation,” sought—as he himself always said—to understand and proclaim the German essence from the “roots of the impulses of life”—where did his thoughts dwell in his final hours? Oh, it is very characteristic: In the feverish delirium of his final hours, he—Johann Gottlieb Fichte—felt his soul on the battlefields, at the crossing of the Rhine, which was taking place at that very moment under Blücher. His thoughts were absorbed in the feverish fantasy of participating in the war. When his son approached his sickbed and handed him some medicine, Fichte expressed that he could not have experienced anything more satisfying than this resurgence of his people. He pushed the medicine away and said, “I know that I am recovering.” Those were his final moments. A philosopher, distinguished guests—one might say, bearing in mind the saying: “By their fruits you shall know them.”

[ 9 ] In dem, was Schiller und Fichte ihrem Volke sein können, drückt sich das aus, was auch heute lebt in diesem Volke, womit dieses Volk kämpft und blutet. Dasjenige, was in der Welt wirklich ist, macht sich in den verschiedensten Verwandlungsstadien äußerlich offenbar; erkennen aber dasjenige, was in den Volksinstinkten, in den unterbewussten Seelenregungen der Glieder dieses Volkes lebt, erkennen kann man es an den Früchten, da, wo es auf seinem höchsten Gipfel zum Ausdruck kommt.

[ 9 ] What Schiller and Fichte can be to their people expresses what still lives in this people today—that for which this people struggles and bleeds. That which truly exists in the world manifests itself externally in the most varied stages of transformation; but what lives in the instincts of the people, in the subconscious stirrings of the souls of the members of this people, can be recognized by its fruits, where it finds expression at its highest peak.

[ 10 ] Es war in tiefschwerer Zeit, als Fichte seinem niedergedrückten Volke die «Reden an die deutsche Nation» hielt. Drei Fragen warf er gleich im Beginne derselben auf, drei Fragen — man kann sagen: Diese drei Fragen, sie haben heute nur mehr eine eingeschränkte Bedeutung. Die erste Frage ist die: Gibt es in Wahrheit und Wirklichkeit eine deutsche Nation und ist deren Existenz in Gefahr? In Bezug auf die letzten Worte kann allerdings heute auch noch die Frage gestellt werden. Die zweite Frage ist die: Ist es der Mühe wert, dieser deutschen Nation die Mittel zu ersinnen, wie sie weiter existieren kann und soll? Nun, ich denke, man braucht nur den Blick auf Schiller und Fichte und die anderen ihnen Verwandten zu werfen, und man wird finden: Das neunzehnte Jahrhundert hat durch seine deutsche Kulturentwicklung diese Frage durch die Tatsachen beantwortet. Und die dritte Frage, die Fichte aufwirft, ist die: Welche Mittel sind geeignet dem deutschen Volke zu seiner ihm entsprechenden Zukunft zu verhelfen? Dasjenige soll uns heute insbesondere beschäftigen, was Fichte als die Quellen suchte, aus denen er damals über diese Mittel zu seinem Volke sprach, was ihn als die Quellen beschäftigte, aus denen er versuchte, das Wesen der Deutschheit, wie er sagte, anzudeuten.

[ 10 ] It was during a time of profound hardship that Fichte delivered his “Addresses to the German Nation” to his downtrodden people. Right at the beginning, he raised three questions—three questions that, one might say, have only limited significance today. The first question is this: Is there, in truth and in reality, a German nation, and is its existence in danger? With regard to the last part of that question, however, the same question can still be asked today. The second question is this: Is it worth the effort to devise ways for this German nation to continue to exist? Well, I think one need only look to Schiller and Fichte and their kindred spirits to find that the nineteenth century, through its development of German culture, has answered this question with facts. And the third question that Fichte raises is this: What means are suitable for helping the German people achieve a future befitting them? We should focus today in particular on what Fichte regarded as the sources from which he spoke to his people at that time about these means—the sources that preoccupied him as he sought to hint at the essence of Germanness, as he put it.

[ 11 ] Man muss gestehen: Das, was er damals sprach über Deutschland, das, was er als Mittel angab für die Entwicklung dieses Deutschtums, es hat seine Ausgestaltung im neunzehnten Jahrhundert nicht gefunden, und wir müssen heute anders über die Dinge denken als Fichte, anders über die Bedeutung, über die Sprache eines Volkes, als damals Fichte dachte, anders über die Wirksamkeit gerade einer solchen Erziehungsmethode wie sie Fichte angab, denn in dieser sah er das Mittel, dem deutschen Volke seine Zukunft zu sichern. Darauf kommt es nicht an, sondern darauf, aus welchen Seelenkeimen heraus Fichte damals seine kraftvollen Worte sprach; denn aus diesen Seelenkeimen heraus lebt das deutsche Volk auch heute noch.

[ 11 ] One must admit: What he said back then about Germany, what he identified as the means for the development of this German identity, did not take shape in the nineteenth century, and today we must think differently about these matters than Fichte did—differently about the significance of a people’s language than Fichte did at the time, and differently about the effectiveness of precisely the kind of educational method Fichte advocated, for in this he saw the means to secure the German people’s future. That is not what matters; what matters is the spiritual seeds from which Fichte spoke his powerful words back then; for it is from these spiritual seeds that the German people still draw their vitality today.

[ 12 ] Und ich glaube, nichts irgendwie Unberechtigtes zu sagen, wenn ich es ausspreche, dass insbesondere das, was von mir von diesem Orte aus als Geisteswissenschaft gemeint, oftmals besprochen worden ist, anknüpfen darf gerade an Johann Gottlieb Fichte; denn klingt auch das, was er zu seiner Zeit sprach, anders als heute die Ergebnisse der Geisteswissenschaft: Aus den gleichen Seelenkeimen ging für Fichtes Zeit Fichte’sche Wissenschaft, und für unsere Zeit, wie ich glaube, Geisteswissenschaft hervor. Man kann das im Einzelnen zeigen. Für diejenigen der verehrten Zuhörer, die in den verflossenen Jahren manches angehört haben, was von diesem Orte aus über Geisteswissenschaft gesagt worden ist, wird es ohne Weiteres klar sein, was ich kurz und allgemein verständlich über Geisteswissenschaft andeuten will.

[ 12 ] And I do not believe I am saying anything unjustified when I state that, in particular, what I have often discussed from this vantage point as “spiritual science” may be traced back precisely to Johann Gottlieb Fichte; for even though what he said in his time sounds different from the findings of spiritual science today: From the same spiritual seeds sprang Fichte’s philosophy in Fichte’s time, and, as I believe, spiritual science in our time. This can be demonstrated in detail. For those among the esteemed audience who have heard much over the past years about spiritual science as discussed from this place, it will be immediately clear what I wish to briefly and generally convey regarding spiritual science.

[ 13 ] Das Wesen der Geisteswissenschaft, worin besteht es denn? Es besteht in Bezug auf das Suchen der geistigen Ergebnisse darin, dass Geisteswissenschaft nicht so wie die anderen Wissenschaften, die äußeren Wissenschaften, bloß auf das geht, was sich den äußeren Sinnen darbietet und dem Verstand aufleuchtet, wenn er sich der äußeren Welt hingibt, was in der Seele aufsprießt, wenn sie sich passiv verhält zu den Dingen, sondern dass sie geht auf das, was nur in der Seele erkannt werden kann, erlebt werden kann, wenn die Seele — lassen sie mich dieses Wort Johann Gottlieb Fichtes gebrauchen — auf die tiefsten Wurzeln ihrer Lebensregungen geht, wenn sie innerlich aktiv tätig zu erkennen versucht, wenn sie nicht nur die Welt auf sich einfließen lässt, sondern im Aufrufen der tiefsten, in der Seele liegenden Kräfte die Welt in ihrem innersten Kern zu umfassen versucht.

[ 13 ] What, then, is the essence of spiritual science? With regard to the pursuit of spiritual results, it consists in the fact that spiritual science—unlike the other sciences, the external sciences—does not focus merely on what presents itself to the external senses and becomes clear to the intellect when it devotes itself to the external world, or on what springs up in the soul when it remains passive toward things; rather, it focuses on that what can only be recognized and experienced in the soul when the soul—let me use this term from Johann Gottlieb Fichte—delves into the deepest roots of its life impulses, when it actively strives to recognize from within, when it does not merely allow the world to flow into itself, but, by summoning the deepest forces lying within the soul, attempts to embrace the world in its innermost core.

[ 14 ] Und so — könnte man sagen, ohne Anmaßung gegenüber der gewöhnlichen Wissenschaft — ist Geisteswissenschaft eine Art Wissenschaft, welche auf die innere Tapferkeit der Seele angewiesen ist, auf das Innerlichrege-Sein, auf das Erfassen der Welt im Tätigsein. Und da dürfen wir sagen: In allen Impulsen der deutschen Kulturentwicklung — das zeigt sich insbesondere an Geistern wie Fichte und Schiller sind —, in allen diesen Impulsen der deutschen Kulturentwicklung liegt es keimhaft oder mehr oder weniger ausgesprochen angedeutet, dass der Mensch Welterkenntnis findet, indem er Seelenerkenntnis in seinem Innersten sucht. Wir brauchen nur uns zu erinnern an das, was uns in Goethes «Faust» so epigrammatisch entgegentritt, da, wo dieser Faust dem Geist entgegentritt und wo er zu ihm spricht:

[ 14 ] And so—one might say, without any presumption toward conventional science—spiritual science is a kind of science that depends on the inner courage of the soul, on inner activity, on grasping the world through action. And here we may say: In all the impulses of German cultural development—as is particularly evident in thinkers such as Fichte and Schiller—in all these impulses of German cultural development, it lies latent or is more or less explicitly suggested that human beings find knowledge of the world by seeking knowledge of the soul in their innermost being. We need only recall what confronts us so epigrammatically in Goethe’s *Faust*, in the scene where Faust encounters the Spirit and addresses him:

Erhabner Geist, du gabst mir, gabst mir alles,
Warum ich bat. Du hast mir nicht umsonst
Dein Angesicht im Feuer zugewendet.
Gabst mir die herrliche Natur zum Königreich,
Kraft sie zu fühlen, zu genießen. Nicht
Kalt staunenden Besuch erlaubst du nur,
Vergönnest mir, in ihre tiefe Brust,
Wie in den Busen eines Freunds, zu schauen.
Du führst die Reihe der Lebendigen
Vor mir vorbei, und lehrst mich meine Brüder
Im stillen Busch, in Luft und Wasser kennen.

Sublime Spirit, you gave me, gave me everything,
That I asked for. You did not in vain
Turn your face toward me in the fire.
You gave me magnificent nature as my kingdom,
The power to feel it, to enjoy it. You do not
do you merely allow me to gaze coldly as a visitor,
but you grant me to look into its deep bosom,
as into the bosom of a friend.
You lead the procession of the living
past me, and teach me to know my brothers
in the quiet bush, in air and water.

[ 15 ] Und dann, nachdem so angedeutet wird, wie der Geist — der Geist, der in allen Dingen lebt und webt — ihm die Geheimnisse der Natur enthüllt, dann macht Faust aufmerksam, wie diese Erkenntnis zusammenhängt mit dem lebendigen Erfassen der eigenen Seele.

[ 15 ] And then, after it is implied how the Spirit—the Spirit that lives and works in all things—reveals the mysteries of nature to him, Faust points out how this insight is connected to a living understanding of one’s own soul.

Und wenn der Sturm im Walde braust und knarrt,
Die Riesenfichte stürzend Nachbaräste
Und Nachbarstämme quetschend niederstreift
Und ihrem Fall dumpf hohl der Hügel donnert,
Dann führst du mich zur sichern Höhle, zeigst
Mich dann mir selbst, und meiner eignen Brust
Geheime tiefe Wunder öffnen sich.

And when the storm roars and creaks in the forest,
The giant spruce, crashing down, sweeps through
Neighboring branches and trunks, crushing them as it falls,
And the hill thunders with a dull, hollow roar at its fall,
Then you lead me to the safe cave, show me
Myself, and within my own breast
Secret, profound wonders unfold.

[ 16 ] Derjenige — das liegt ungefähr im Sinn der ganzen geistigen Kulturentwicklung Mitteleuropas drin —, derjenige, der sich in tiefster Seele selber als geistiges Wesen zu erkennen vermag, der lässt sich nicht ein auf das Abstecken von Erkenntnisgrenzen, denn er weiß: Wo er auch hinkommen mag, das Geistige seiner Seele geht mit. Und er wird überall die geistige Wesenheit finden. Und so entspringt denn — ich kann dies heute nur andeuten — aus dieser, in der Tätigkeit der Seele lebenden Geisteswissenschaft eine Erkenntnis des menschlichen Wesens, desjenigen menschlichen Wesens, das sein zeitliches Dasein im Leibe durchmacht zwischen Geburt und Tod, das aber der Ewigkeit angehört, das durch die Geburt ins physische Dasein tritt, das durch die Todespforte wieder hinaustritt in die geistige Welt und dort ihr weiteres Schicksal erfährt. Und nicht nur im theoretischen Sinn wird über das Wesen der Seele von Geisteswissenschaft gesprochen, sondern lebendig macht die tätig erkennende Geisteswissenschaft das, was im Menschen als ewiges Wesen lebt; erkennend macht sie dieses, indem diese Geisteswissenschaft zeigt, dass man hinblicken kann von dem leibfreien Geist auf das, was in der menschlichen Leiblichkeit zwischen der Geburt und dem Tode liegt.

[ 16 ] The one—and this is more or less the essence of the entire spiritual cultural development of Central Europe—the one who, in the depths of his soul, is able to recognize himself as a spiritual being, does not allow himself to be confined by the limits of knowledge, for he knows: Wherever he may go, the spiritual essence of his soul goes with him. And everywhere he will find the spiritual essence. And so there arises—I can only hint at this today — from this spiritual science, which lives in the activity of the soul, an understanding of the human being—that human being who undergoes his temporal existence in the body between birth and death, yet belongs to eternity; who enters physical existence through birth and, passing through the gate of death, steps back out into the spiritual world to experience his further destiny there. And spiritual science does not speak of the nature of the soul merely in a theoretical sense; rather, active, cognitive spiritual science brings to life that which lives within the human being as an eternal being; it brings this to life by showing that one can look from the bodyless spirit toward that which lies within human physicality between birth and death.

[ 17 ] Nicht bloß Theorien will Geisteswissenschaft geben, sondern Erweiterung der seelischen Erfahrung. Und so kommt sie zu dem Ergebnis, dass es möglich ist für denjenigen, der die geistesforscherische Methode auf die eigene Seele anwendet, den Moment zu erleben, den der Mensch erlebt im natürlichen Fortgang, wenn er durch die Todespforte geht: hinzublicken auf das, was Leib und leibliche Gesetze sind, von der Wesenheit, die außerhalb des Leibes ist. Der Rückblick auf das Leibliche und das Sich-Erfühlen im Geistigen als ein wirkliches inneres Erlebnis, es gehört zu den Fundamenten geisteswissenschaftlicher Erkenntnis.

[ 17 ] Spiritual science aims not merely to provide theories, but to expand spiritual experience. And so it comes to the conclusion that it is possible for those who apply the spiritual scientific method to their own soul to experience the moment that a human being experiences in the natural course of life when passing through the gate of death: to look upon what the body and physical laws are from the perspective of the being that exists outside the body. Looking back upon the physical and experiencing oneself in the spiritual realm as a genuine inner experience—this is one of the foundations of spiritual scientific knowledge.

[ 18 ] Nun blicken wir zu Fichte hin, gerade auf etwas, was er gegeben hat gleich im Beginne seiner «Reden an die deutsche Nation». Und daran, was er da gegeben hat, kann man erkennen, wie er das meinte, was er oft betonte: aus den innersten «Wurzeln der Lebensregungen» heraus menschliche Weisheit zu machen. Fichte will — ich muss dies sagen, damit seine Worte verständlich werden — anzeigen, wie es ihm vorkomme, wenn jemand ihm gegenüberträte und sagte: Ach, was du uns erzählst über eine besondere Erziehung, um die es sich da handelt, über eine Verjüngung der Nation, das kann nicht weiter Eindruck auf uns machen; denn das alles steht so sehr im Widerspruch mit dem, was wir bisher erlebt haben, dass uns die Möglichkeit fehlt, zu diesem ganz Andersartigen Vertrauen zu haben. Und da sagt Fichte, gleichsam als Einwand: Der also spreche, käme ihm vor wie ein Mensch, den er nun in der folgenden Weise charakterisiert. Fichte sagt:

[ 18 ] Now let us turn to Fichte, specifically to something he stated right at the beginning of his “Addresses to the German Nation.” And from what he said there, one can see what he meant by what he often emphasized: deriving human wisdom from the innermost “roots of the impulses of life.” Fichte wants—I must say this so that his words become understandable—to illustrate how he would feel if someone were to approach him and say: “Oh, what you’re telling us about a special kind of education—that’s what this is all about—and about a rejuvenation of the nation—that can’t make any real impression on us; for all of this stands in such stark contrast to what we have experienced so far that we lack the capacity to have any confidence in something so entirely different.” And then Fichte says, as it were in response: Anyone who speaks in this way strikes him as a person whom he now characterizes in the following manner. Fichte says:

Die Zeit

Die Zeit

[ 19 ] — er meint seine Zeit —

[ 19 ] — he means his time —

erscheint mir wie ein Schatten, der über seinem Leichname, aus dem soeben ein Heer von Krankheiten ihn herausgetrieben, steht und jammert und seinen Blick nicht loszureißen vermag von der ehedem so geliebten Hülle und verzweifelnd alle Mittel versucht, um wieder hineinzukommen in die Behausung der Seuchen. Zwar haben schon die belebenden Lüfte der andern Welt, in die die abgeschiedene eingetreten, sie aufgenommen in sich und umgeben sie mit [warmem Liebeshauche], zwar begrüßen sie [schon freudig heimliche] Stimmen der Schwestern und heißen sie willkommen, zwar [regt es] sich schon und dehnt sich [in ihrem Innern] nach allen Richtungen hin, um die herrlichere Gestalt, zu der sie erwachsen soll, zu entwickeln, aber noch hat sie kein Gefühl für diese [Lüfte] oder kein Gehör für diese Stimmen oder, wenn sie es hätte, so ist sie aufgegangen in Schmerz über ihren Verlust, mit [welchem] sie sich selbst verloren zu haben glaubt.

seems to me like a shadow standing over his corpse—from which an army of diseases has just driven him out—wailing and unable to tear his gaze away from the shell he once loved so dearly, and desperately trying every means to get back into the dwelling of the plagues. True, the life-giving breezes of the other world, into which the departed has entered, have already embraced her and surround her with [a warm breath of love]; true, they greet her [already joyfully secret] voices of the sisters and welcome her; though it is already stirring and expanding [within her] in all directions to develop the more magnificent form into which she is to grow, but she still has no sense of these [breezes] or no hearing for these voices; or, if she did, she is consumed by grief over her loss, believing [through which] she has lost herself.

[ 20 ] Einen Einwand schlägt Fichte aus und charakterisiert den, der also auf das Alte, das dem Neuen gegenübersteht, zurückblicken möchte, so wie den Geistesforscher, der zu der Gewissheit kommt: Wenn die Seele durch die Todespforte gegangen ist, so steht sie als ein wirklich beobachtendes Wesen ihrem Leichnam gegenüber und schaut ihn an wie ein äußeres Objekt.

[ 20 ] Fichte dismisses one objection and characterizes the person who thus wishes to look back at the old—which stands in opposition to the new—as akin to the spiritual researcher who arrives at the certainty: When the soul has passed through the gate of death, it stands as a truly observing being facing its corpse and regards it as an external object.

[ 21 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, ich glaube nicht, dass jemand zweifeln kann, dass Fichte zu einem solchen Symbolum nur dadurch hat kommen können, dass in ihm die Keime der Geisteswissenschaft ebenso schon lebten wie sie eben zu seiner Zeit in dem energischen Philosophen leben konnten. Und war es denn nicht Fichte, welcher immer wieder und wiederum bei jeder Gelegenheit versuchte, klarzumachen, wie alles Wesen des äußeren Sinnes wurzelt im Geistigen.

[ 21 ] Well, ladies and gentlemen, I do not believe that anyone can doubt that Fichte could have arrived at such a *symbolum* only because the seeds of spiritual science were already alive within him, just as they could be alive in the energetic philosopher of his time. And was it not Fichte who, time and again, at every opportunity, tried to make clear how all phenomena of the external senses are rooted in the spiritual?

[ 22 ] Nur charakteristische Worte aus seinen eindringlichen «Reden an die deutsche Nation» seien hier erwähnt:

[ 22 ] Only a few characteristic words from his powerful “Addresses to the German Nation” will be mentioned here:

Zeit und Ewigkeit und Unendlichkeit erblickt sie

She beholds time, eternity, and infinity

[ 23 ] —und er meint seine Philosophie —

[ 23 ] —and he means his philosophy —

in ihrer Entstehung aus dem Erscheinen und Sichtbarwerden jenes Einen, das an sich schlechthin unsichtbar ist, und nur in dieser seiner Unsichtbarkeit erfasst, richtig erfasst wird. (...]

Alles als nicht geistiges Leben erscheinende beharrliche Dasein

in their origin from the emergence and manifestation of that One, which is in itself utterly invisible and can only be grasped—truly grasped—in its very invisibility. (...]

Any persistent existence that does not appear to be spiritual life

[ 24 ] — sagt Fichte —

[ 24 ] — says Fichte —

ist nur ein aus dem Sehen hingeworfener, vielfach durch das Nichts vermittelter leerer Schatten, im Gegensatze mit welchem und durch dessen Erkenntnis als vielfach vermitteltes Nichts, das Sehen selbst sich erheben soll zum Erkennen seines eigenen Nichts und zur Anerkennung des Unsichtbaren als des einzigen Wahren.

is merely an empty shadow cast by vision, mediated in many ways by nothingness; in contrast to this, and through the recognition of it as a nothingness mediated in many ways, vision itself is to rise to the recognition of its own nothingness and to the acknowledgment of the invisible as the only truth.

[ 25 ] Man ergreift gewissermaßen Fichte im Innersten der «Wurzel seiner Lebensregungen» selber, wenn man solche Worte von ihm vernimmt, und wann kamen ihm solche Worte? Damals kamen sie ihm, als er über das Wesen der Deutschheit sprechen wollte, wie er das Wort prägte. Aber was ist ihm dasjenige, was dieses Wesen zum Ausdruck bringt? Das ist es ihm, das nicht zu einer Philosophie des Todes, nicht zu einer Philosophie der Materie, nicht zu einer Philosophie der äußeren Sinnlichkeit oder Sinnesbeobachtung führt, sondern das führt zur Erkenntnis jener Welt, in welcher wurzelt das in der Menschenseele Ewige als in dem universell kosmischen Ewigen. Und aus der Energie seines Wesens heraus, aus den tiefsten «Wurzeln der Lebensregungen» heraus versuchte Fichte, das zu erfassen in seiner Weltenbedeutung, was dem Menschen im Inneren Gewähr seines ewigen Seins gibt. Alldem, was sinnlich erkannt werden kann in seinen höchsten Formen, alldem, was in äußerer Sonne und Planeten und in anderen äußeren Wesen dem Menschen entgegentritt, alldem stellt sich Fichte entgegen; und dem stellt er entgegen das, was er glaubt zu wissen als das Wesen des im Menschen wurzelnden Selbstes, des durch die Geburt und den Tod gehenden ewigen Selbstes.

[ 25 ] In a sense, one grasps Fichte at the very core of the “root of his life’s impulses” when one hears such words from him, and when did such words come to him? They came to him back then, when he wanted to speak about the essence of Germanness, as he coined the term. But what is it to him that this essence expresses? It is that which does not lead to a philosophy of death, nor to a philosophy of matter, nor to a philosophy of external sensuality or sensory observation, but rather leads to the knowledge of that world in which the eternal in the human soul is rooted, just as it is in the universally cosmic eternal. And drawing upon the energy of his being, from the deepest “roots of the life forces,” Fichte sought to grasp, in its cosmic significance, that which gives human beings the inner assurance of their eternal existence. Fichte opposes everything that can be sensually perceived in its highest forms—everything that confronts human beings in the external sun and planets and in other external entities—and he sets against it what he believes he knows to be the essence of the self rooted in the human being, the eternal self that passes through birth and death.

[ 26 ] Und in seiner Schrift, die er genötigt war, wegen der Anklage des Atheismus zu verfassen, da sprach er in wunderbarer Weise über dieses energische Bewusstsein von dem ewigen Wesen der menschlichen Seele. Gleichsam anspricht er das, was äußere Wirklichkeit ist, und setzt im Gegensatz zu dieser äußeren Wirklichkeit das Geistige, das zu erfassen ist im eigensten inneren Menschenwesen. Es ist wie eine Ansprache an das, was als Sonne und Planeten an uns vorüberzieht, zu dem sagt Fichte:

[ 26 ] And in his writing, which he was compelled to compose because of the charge of atheism, he spoke in a wondrous way about this powerful awareness of the eternal nature of the human soul. He addresses, as it were, what is external reality, and sets in contrast to this external reality the spiritual, which is to be grasped in the innermost being of the human person. It is like an address to what passes before us as the sun and the planets, to which Fichte says:

Du bist wandelbar, nicht ich. Alle deine Verwandlungen sind nur mein Schauspiel, und ich werde stets unversehrt über den Trümmern deiner Gestalten schweben. Dass die Kräfte schon jetzt in Wirksamkeit sind, welche die innere Sphäre meiner Tätigkeit, [die ich meinen Leib nenne,] zerstören sollen, befremdet mich nicht; dieser Leib gehört zu Dir und ist vergänglich wie alles, was zu Dir gehört, aber dieser Leib ist nicht Ich. Ich selbst werde über seinen Trümmern schweben, und seine Auflösung wird mein Schauspiel sein. Dass die Kräfte schon in Wirksamkeit sind, welche meine äußere Sphäre, [die erst jetzt angefangen hat, es in den nächsten Punkten zu werden;] — welche euch, ihr leuchtenden Sonnen alle, und die Tausend mal Tausend Weltkörper, [die euch umrollen,] zerstören werden, kann mich nicht befremden; ihr [seid durch eure Geburt dem] Tode geweiht. Aber [wenn unter den Millionen Sonnen, die über meinem Haupte leuchten, die Jüngstgeborne ihren letzten Lichtfunken längst wird ausgeströmt haben,] dann werde ich noch unversehrt und unverwandelt derselbe sein, der ich jetzt bin; und wenn [aus euren Trümmern so viele Male neue Sonnensysteme werden zusammengeströmt sein, als eurer alle sind, ihr über meinem Haupte leuchtende Sonnen, und die] Jüngste unter allen ihren [letzten] Lichtfunken [längst wird ausgeströmt haben,] dann werde ich noch sein, unversehrt und unverwandelt, derselbe, der ich heute bin.

You are changeable, not I. All your transformations are merely a spectacle for me, and I will always hover unscathed above the ruins of your forms. The fact that the forces are already at work to destroy the inner sphere of my activity—[which I call my body]—does not unsettle me; this body belongs to You and is transitory like everything that belongs to You, but this body is not Me. I myself will hover above its ruins, and its dissolution will be my spectacle. That the forces are already at work which will destroy my outer sphere—[which has only now begun to take shape in the next points;]—which will destroy you, all you shining suns, and the thousand times thousand celestial bodies [that revolve around you], cannot surprise me; you [are, by your very birth,] doomed to death. But [when, among the millions of suns shining above my head, the most recently born have long since exhausted their last spark of light,] then I will still be, unharmed and unchanged, the same as I am now; and when [from your ruins, new solar systems will have coalesced as many times as there are of you all—you suns shining above my head—and the] youngest among them all [will have long since exhausted its] last spark of light, then I will still be, unharmed and unchanged, the same as I am today.

[ 27 ] Sehr verehrte Anwesende, das sind Worte, von denen schon gesagt werden darf — so wie der Geistesforscher das meinen darf —, man möchte behaupten, dass diese Seele Fichtes sich den Leib innerhalb des mitteleuropäischen Volkes suchte, um mit dieser Leiblichkeit die Sprache zu finden, also von der Ewigkeit des menschlichen Selbstes, von seinem Triumph über die äußere Sinneswelt zu sprechen. Alles das, was Fichte gerade, man möchte sagen aus diesem Bewusstsein heraus auch in seine «Reden an die deutsche Nation» hineinverlegte als deren tiefste innere Kräfte, alles das, es ist im Grunde genommen für Fichte immer die Grundlage zur Beantwortung einer anderen Frage, jener Frage, die etwa charakterisiert werden kann als die Frage: Wie findet der Mensch das, was er im höchsten Sinn des Wortes sein soll? Und da stehen wir, man möchte sagen vor der Eigentümlichkeit, wie deutsche Kultur dieses Menschensein eigentlich auffassen will.

[ 27 ] Ladies and gentlemen, these are words about which one may already say—as a researcher of the spirit is entitled to do— one might assert that Fichte’s soul sought a body among the Central European people in order to find, through this corporeality, the language to speak of the eternity of the human self and of its triumph over the external sensory world. Everything that Fichte—one might say, drawing precisely from this consciousness—also incorporated into his “Addresses to the German Nation” as its deepest inner forces—all of that, for Fichte, is fundamentally always the basis for answering another question, the question that might be characterized as: How does a human being find what he is meant to be in the highest sense of the word? And there we stand, one might say, faced with the peculiarity of how German culture actually seeks to conceive of this human existence.

[ 28 ] Fichte, er hat mit kraftvollen Worten hingedeutet, wie es im Grunde genommen im Wesen der Deutschheit liegt, gerade durch Deutschheit über die Deutschheit hinauszukommen, das Menschentum in seiner Allgemeinheit darzustellen, dasjenige aufzusuchen in der menschlichen Seele, was erhaben ist über alle Nationalität, über alle Eingeschränktheit des Raumes und der Zeit. Daher kann man sagen: der Engländer ist Engländer, der Franzose ist Franzose; für den Deutschen kann man ein Gleiches nicht sagen, im Grunde genommen, wenn man das Wesen seiner Deutschheit erfassen will an dem Geiste solcher Genien wie Fichte und Schiller es waren. Der Engländer ist Engländer, der Franzose ist Franzose, der Deutsche hat im Innersten das Bewusstsein: Wie werde ich Deutscher? Und immerdar steht dieses Deutsche vor ihm wie ein Ideal, dem er sich nähern will, das er erst werden will. Und wenn er es erfasst zu haben glaubt, was in den innersten Lebensregungen des Menschen liegt, um also zu werden, dann wächst er gerade durch seine Deutschheit über das eng Nationale hinaus.

[ 28 ] Fichte, with powerful words, pointed out how it is, in essence, inherent in the nature of Germanness to transcend Germanness precisely through Germanness, to represent humanity in its universality, and to seek out in the human soul that which is sublime above all nationality, above all limitations of space and time. Therefore, one can say: the Englishman is English, the Frenchman is French; but one cannot say the same of the German—at least not if one wishes to grasp the essence of his Germanness through the spirit of geniuses such as Fichte and Schiller. The Englishman is English, the Frenchman is French, but deep down the German has this awareness: How do I become German? And this “German-ness” always stands before him like an ideal toward which he seeks to draw closer, which he first must become. And when he believes he has grasped what lies in the innermost stirrings of human life—that is, to become such—then it is precisely through his German-ness that he rises above narrow nationalism.

[ 29 ] Charakteristisch ist in dieser Beziehung Fichtes Ausspruch:

[ 29 ] A characteristic statement in this regard is Fichte's remark:

Der Grundsatz, nachdem sie

The principle according to which they

[ 30 ] — er meint die deutsche Philosophie —

[ 30 ] — he is referring to German philosophy —

diesen zu schließen hat, ist ihr vorgelegt, was an Geistigkeit und Freiheit [dieser Geistigkeit glaubt], und die ewige Fortbildung dieser Geistigkeit durch Freiheit will, dass, wo es auch geboren sei und in welcher Sprache es rede, ist unsers Geschlechts, es gehört uns an und es wird sich zu uns tun.

must conclude this: what has been presented to her—that which is spiritual and free [and believes in this spirituality]—and the eternal development of this spirituality through freedom demands that, wherever it may be born and whatever language it may speak, it is of our kind, it belongs to us, and it will turn toward us.

[ 31 ] Man darf wohl glauben, dass berechtigt ist in unseren Tagen gerade auf dieses Ideal des Deutschwerdens hinzuweisen, da, wo von allen Seiten der Windrose das Wort vom deutschen «Barbarismus» aufgetaucht ist und wo, wie es scheint und wie wir gleich zeigen werden, die Urteile, die über Deutschheit heute gefällt werden, auf nichts anderem beruhen als auf dem notwendigen Missverständnis, das eintreten muss, wenn keine Empfindung vorhanden ist für das, was zum Beispiel gerade Schiller und Fichte als das Wesen ihres Volkes verstanden.

[ 31 ] One may well believe that it is justified in our day to point specifically to this ideal of becoming German, at a time when the term “German barbarism” has emerged from all directions of the compass and when, as it seems and as we shall show shortly, the judgments passed on Germanness today are based on nothing other than the inevitable misunderstanding that arises when there is no sense of what, for example, Schiller and Fichte understood to be the essence of their people.

[ 32 ] Wenden wir den Blick weg von Fichte nun zu Schiller! Man könnte ja vieles von Schiller anführen, man könnte in diese oder jene seiner Dichtungen und Schriften eingehen! Aber um zu erfassen, was ihn ja auch mit Fichte verbindet und was ihn wiederum knüpft an das Wesen der deutschen Kultur, muss man hinweisen auf eine Schrift Schillers, die leider recht wenig, im Grunde genommen gewürdigt wird, die aber, wenn sie recht gewürdigt wird, zeigt, wie dieses Streben nach dem Deutschwerden, was identisch ist für Schiller mit Menschwerden, wie dieses Streben in Schiller zum Ausdruck gekommen ist. Und diese Schrift ist diejenige, wo Schiller ganz allgemein menschlich, nicht philosophisch, sich ausspricht: die «Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen». Was will er in diesen Briefen vor seinen Mitmenschen hinstellen?

[ 32 ] Let us now turn our attention away from Fichte and toward Schiller! One could, of course, cite many examples from Schiller; one could delve into this or that one of his poems or writings! But to grasp what connects him to Fichte—and what, in turn, ties him to the essence of German culture—one must point to a work by Schiller that, unfortunately, receives very little recognition; yet when properly appreciated, it reveals how this striving to become German—which for Schiller is identical to becoming human—found expression in Schiller. And this work is the one in which Schiller expresses himself in a thoroughly human, rather than philosophical, manner: the “Letters on the Aesthetic Education of Man.” What does he seek to present to his fellow human beings in these letters?

[ 33 ] Oh, Schiller ist tief überzeugt davon, dass der äußere Mensch, der vor uns steht, der durch Geburt und Tod geht, nur die äußere Hülle des Menschen ist, und dass es des Menschen Bestreben sein muss, den höheren Menschen im Menschen zu suchen. Schiller sucht es auf seine Art, gemäß den Eigentümlichkeiten seiner eigenen Zeit, er sucht es aber charakteristisch. Er sagt sich auf der einen Seite: Da draußen ist die Sinneswelt, Sinneskräfte, die wirken auf den Menschen ein. Alles, was so im Menschen bewirkt wird, fasst Schiller unter den Begriff der äußeren Naturnotwendigkeit, auch im Menschen, zusammen. Kann der Mensch wahrhaftig Mensch sein, wenn er dieser Naturnotwendigkeit unterworfen ist, fragt er. Nein, lautet die Antwort, dann ist er ein Sklave dieser Naturnotwendigkeit. Da gibt es noch etwas anderes, da gibt es den starren Vernunftbegriff; alles, was man unter Theorie begreifen kann, alles, was die Vernunft ausdenken kann, kann der Mensch, wenn er sich dem hingibt, im vollsten Sinne Mensch sein? Nein, sagt Schiller, denn da steht der Mensch unter dem Zwang der Vernunftnotwendigkeit, ist ihr Sklave. Wie löst man aus sich gleichsam los den wahren Menschen? Dann löst man ihn los, wenn man dazu kommt, das, was uns die Vernunft eingibt, so zu empfinden, wie wir die Lieblichkeit eines sinnlichen Eindruckes empfinden, wenn man das, was die höhere Geistigkeit ist, mit derselben inhaltsvollen Weise liebevoll empfindet, wie man liebevoll empfinden kann durch die Sinne, was auf sie einen angenchmen Eindruck macht. Was sinnlich ist, sucht Schiller in die Sphäre der Geistigkeit zu erheben, und was geistig ist, mit der Frische und Lebendigkeit der Sinne zu erfassen. Dann wird der Mensch in diesem mittleren Zustande frei. Wenn man diesen Gedanken andeutet, kann er nicht gleich den Eindruck machen, den er macht, wenn sich die Menschenseele vollständig in ihn vertieft. Das ist ein Gedanke, der die Antwort geben will auf die Frage, was der Mensch als seinen Entwicklungspfad antreten soll, wenn er über sich hinauswachsen will, wenn er den Menschen, der in ihm verborgen ist, erlösen will und der zu einer höheren Auffassung der Wirklichkeit kommen will.

[ 33 ] Oh, Schiller is deeply convinced that the outward person standing before us, who passes through birth and death, is merely the outer shell of the human being, and that it must be humanity’s aspiration to seek the higher human being within the human being. Schiller seeks it in his own way, in accordance with the characteristics of his own time, but he seeks it in a distinctive manner. On the one hand, he tells himself: Out there is the sensory world, the sensory forces that act upon human beings. Schiller summarizes everything that is thus brought about in human beings under the concept of external natural necessity, even within human beings. Can a human being truly be human if he is subject to this natural necessity, he asks. No, is the answer; then he is a slave to this natural necessity. There is something else as well: there is the rigid concept of reason; can a person—if he devotes himself to everything that can be understood as theory, to everything that reason can conceive—truly be human in the fullest sense? No, says Schiller, for then the person is under the compulsion of the necessity of reason and is its slave. How does one, as it were, liberate the true human being from within oneself? One liberates him when one comes to perceive what reason dictates to us in the same way that we perceive the loveliness of a sensory impression—when one perceives what constitutes higher spirituality with the same rich, loving intensity with which one can lovingly perceive through the senses whatever makes a pleasant impression on them. Schiller seeks to elevate what is sensual into the sphere of spirituality, and to grasp what is spiritual with the freshness and vitality of the senses. Then, in this middle state, the human being becomes free. When this idea is merely hinted at, it cannot immediately make the same impression as it does when the human soul is fully immersed in it. This is a thought that seeks to answer the question of what path of development a person should embark upon if they wish to transcend themselves, if they wish to liberate the human being hidden within them, and if they wish to attain a higher understanding of reality.

[ 34 ] Man kann sagen: Auf dem Gipfel der Menschheitsbildung sind solche Gedanken entstanden. Und wie sucht Schiller seine Gedanken nun zu verweben mit alldem, was ihm als das Wesen seines Volkes bewusst ist? In unseren Tagen sind oft die Worte angeführt worden — schön sind die Worte —, in denen Schiller gleichsam des deutschen Volkes Wesen als das erschaut, was er selbst als höchstes Menschentum in seinen ästhetischen Briefen zu ergründen sucht.

[ 34 ] One might say: Such thoughts arose at the pinnacle of human culture. And how does Schiller now seek to weave his thoughts together with all that he perceives as the essence of his people? In our own day, the words have often been quoted—beautiful words they are—in which Schiller, as it were, perceives the essence of the German people as that which he himself seeks to fathom as the highest form of humanity in his Aesthetic Letters.

Dem

The

[ 35 ] — sagt Schiller —,

[ 35 ] — says Schiller —,

der den Geist bildet, beherrscht,
muss zuletzt die Herrschaft werden, denn
endlich an dem Ziel der Zeit, wenn anders die
Welt einen Plan, wenn des Menschen
Leben irgend nur Bedeutung hat, endlich
muss die Sitte und die Vernunft siegen,
die rohe Gewalt der Form erliegen
und das langsamste Volk wird alle
die schnellen Flüchtigen einholen.
[...]
Ihm ist das Höchste bestimmt,
und so wie er in der Mitte von
Europens Völkern sich befindet,
so ist er der Kern der Menschheit,
jene sind die Blüte und das Blatt.
Er ist erwählt von dem Weltgeist, während
des Zeitkampfs
an dem ewigen Bau der Menschenbildung
zu arbeiten, zu bewahren, was die Zeit bringt,
daher hat er bisher Fremdes sich angeeignet
und es in sich bewahrt.
Alles, was Schätzbares bei andern Zeiten
und Völkern aufkam, mit der Zeit entstand
und schwand, hat er aufbewahrt,
es ist ihm unverloren, die Schätze von
Jahrhunderten.
Nicht im Augenblick zu glänzen und
seine Rolle zu spielen, sondern den großen
Prozess der Zeit zu gewinnen. Jedes Volk
hat seinen Tag in der Geschichte, doch
der Tag des Deutschen ist die Ernte der
ganzen Zeit.

which shapes and controls the mind,
must ultimately take dominion, for
at the end of time, if the
world has a plan, if human
life has any meaning at all, ultimately
morality and reason must prevail,
the raw force of form must yield
and the slowest people will catch up to all
the swift and fleeting ones.
[...]
The highest destiny is reserved for him,
and just as he finds himself in the midst of
the peoples of Europe,
so he is the core of humanity,
while they are the blossom and the leaf.
He is chosen by the World Spirit, while
in the struggle of time
he works on the eternal edifice of human development
to preserve what time brings,
therefore he has thus far appropriated what is foreign
and preserved it within himself.
Everything of value that arose in other times
and among other peoples—which came into being
and faded away over time—he has preserved;
it remains his own: the treasures of
centuries.
Not to shine for a moment and
play its part, but to win the great
process of time. Every people
has its day in history, yet
the day of the German is the harvest of
all of time.

[ 36 ] Und so darf man sagen, wenn man gerade auf diese zwei Genien, Fichte und Schiller, hinblickt, dass des Deutschen tiefstes Suchen und Streben dahin geht, das allgemeinste Menschliche, das höhere Selbst im Menschen — wie Geisteswissenschaft sagen würde — zu suchen und zu ergründen, wie man sich in dasselbe hineinleben kann. Damit stehen sie da, man möchte sagen in der Morgenröte der Entwicklung, für die wir suchen die Sonne, jener Entwicklung, welche eine Kultur zu schaffen vermag, die, was sie auch Äußeres unternehmen will, zu welcher Blüte sie auch im Äußeren kommen will, die an diesem Äußeren nur suchen will den Leib für eine Seele, für jene Seele, die wir am besten charakterisieren können, wenn wir eben auf solche Genien wie Schiller und Fichte blicken.

[ 36 ] And so, when we look specifically at these two geniuses, Fichte and Schiller, we may say that the German people’s deepest quest and striving is directed toward seeking and fathoming what is most universally human—the higher self within the human being, as spiritual science would put it—and toward discovering how one can live one’s life in harmony with it. Thus they stand there—one might say in the dawn of a development for which we seek the sun—that development capable of creating a culture which, whatever it may undertake outwardly, whatever outward flowering it may seek to achieve, seeks in that outward form only a body for a soul—for that soul which we can best characterize precisely by looking to geniuses such as Schiller and Fichte.

[ 37 ] Man darf nun die Frage aufwerfen: Lebte in dem Volke Schillers und Fichtes, als diese Genien hinweggegangen waren von der physischen Welt, etwas nach von ihnen? Ist es bestreitbar, dass der Geist, der auf einer Blüte, auf einem Gipfel sich in Schiller und Fichte auslebte, dass der auch in den Ebenen des deutschen Geisteslebens fortschreitet?

[ 37 ] One might now ask: Did something of Schiller and Fichte live on among their people after these geniuses had departed from the physical world? Is it disputable that the spirit, which reached its full expression in Schiller and Fichte—like a flower or a mountain peak—continues to advance even in the plains of German intellectual life?

[ 38 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, über diese Frage zu sprechen widerstrebte mir, wenn ich sollte irgendwie deutsches Urteil selber aufrufen. Das könnte sehr leicht genommen werden wie eine Art Selbstüberhebung, wie eine Art Selbsttäuschung. So sei denn ein anderer Weg gewählt, um zu charakterisieren, inwiefern der Glaube berechtigt sein kann, dass in dem Verlauf der Geisteskultur nach Fichte und Schiller bis in unsere Zeit herein etwas von diesem Fichte und Schiller und all den Genien lebte, die mit ihnen verwandt sind, vor allen Dingen auch von Goethe, ob etwas davon lebte. Es sei nicht hingewiesen auf das, was Deutsche denken können über dieses Fortleben des Seelischen in Fichte und Schiller und Goethe; es sei zunächst hingewiesen auf einen Mann, der nicht in deutscher Sprache gedacht und geschrieben hat, der aber auf den Höhen der Kulturentwicklung des neunzehnten Jahrhunderts gestanden hat: Emerson.

[ 38 ] Well, ladies and gentlemen, I was reluctant to speak on this question if it meant I would in any way have to invoke my own German judgment. That could very easily be taken as a kind of self-aggrandizement, as a kind of self-deception. Let us therefore choose another approach to characterize the extent to which the belief may be justified that, in the course of intellectual culture from Fichte and Schiller down to our own time, something of Fichte and Schiller—and of all the geniuses related to them, above all Goethe—has lived on, if indeed anything of it has. Let us not focus here on what Germans might think about this survival of the spiritual in Fichte, Schiller, and Goethe; let us first turn to a man who did not think or write in German, but who stood at the pinnacle of nineteenth-century cultural development: Emerson.

[ 39 ] Das, was ich also anführen will als eine Meinung über das, was fortlebte von Schillers, Fichtes, Goethes Seele, das sei angeführt mit Worten, die ursprünglich in englischer Sprache geschrieben worden sind von dem englischen Amerikaner Emerson. Er — also nicht ein Deutscher, sondern ein englisch sprechender Amerikaner sagt:

[ 39 ] What I wish to present as an opinion on what lived on from the souls of Schiller, Fichte, and Goethe should be quoted in words originally written in English by the English-speaking American Emerson. He—that is, not a German, but an English-speaking American—says:

Eine Eigenschaft vornehmlich, die Goethe mit seiner ganzen Nation gemein hat, macht ihn in den Augen des französischen wie des englischen Publikums zu einer ausgezeichneten Erscheinung: dass sich alles bei ihm nur auf die innere Wahrheit basiert. In England und Amerika respektiert man das Talent, allein man ist zufriedengestellt, wenn es für oder gegen eine Partei seiner Überzeugung nach tätig ist. In Frankreich ist man schon entzückt, wenn man brillante Gedanken sieht, einerlei wohin sie wollen. In all diesen Ländern aber schreiben begabte Männer, soweit ihre Gaben reichen. Regt, was sie vorbringen, den verständigen Leser an und enthält es nichts, was gegen den guten Ton anstößt, so wird es für genügend angesehen. So viel Spalten, so viel angenehm und nützlich verbrachte Stunden.

There is one quality in particular that Goethe shares with his entire nation, and which makes him an exceptional figure in the eyes of both French and English audiences: that everything about him is based solely on inner truth. In England and America, talent is respected, but people are satisfied only when it works for or against a party in accordance with their own convictions. In France, people are delighted simply to see brilliant ideas, no matter where they lead. In all these countries, however, gifted men write to the best of their ability. If what they present stimulates the discerning reader and contains nothing that offends good taste, it is considered sufficient. So many columns, so many hours spent pleasantly and usefully.

[ 40 ] Er sagt weiter:

[ 40 ] He goes on to say:

Der deutsche Geist besitzt weder die französische Lebhaftigkeit noch das für das Praktische zugespitzte Verständnis der Engländer noch endlich die amerikanische Abenteuerlichkeit, allein was er besitzt, ist eine gewisse Probität, die niemals beim äußerlichen Scheine der Dinge steh’n bleibt, sondern immer wieder auf die Hauptfrage zurückkommt: «Wo will das hin?». Das deutsche Publikum verlangt von einem Schriftsteller, dass er über den Dingen stehe und sich einfuch.darüberausspreche: Geistige Regamkeitistvorhanden, wohlan: Wofür tritt sie auf? Was ist des Mannes Meinung? Woher? — Woher hat er alle diese Gedanken?

The German mind possesses neither the French vivacity nor the English penchant for practicality, nor, finally, the American spirit of adventure; what it does possess, however, is a certain integrity that never stops at the outward appearance of things, but always returns to the central question: “Where is this leading?” The German public demands that a writer rise above things and simply speak about them: Intellectual activity is present, all right—but what is its purpose? What is the man’s opinion? Where does it come from? — Where does he get all these thoughts?

[ 41 ] An einer anderen Stelle sagt er:

[ 41 ] Elsewhere, he says:

Die Engländer [...] sehen nur das Einzelne, sie wissen die Menschheit nicht nach höheren Gesetzen als ein Ganzes aufzufassen.

Die Deutschen denken für Europa.

Die Engländer ermessen die Tiefe des deutschen Geistes nicht.

The English [...] see only the individual; they do not know how to view humanity as a whole according to higher laws.

Germans think for Europe.

The English do not appreciate the depth of the German spirit.

[ 42 ] Und nun noch ein anderes Urteil Emersons über dieses deutsche Wesen:

[ 42 ] And now another of Emerson's observations on this German character:

Aus diesem Grunde

For this reason

[ 43 ] —sagt er —

[ 43 ] —he says—

sind die in der höheren Konversation gebräuchlichen Unterscheidungsbegriffe alle deutschen Ursprungs. Während die ihres Scharfsinns und ihrer Gelehrsamkeit wegen mit Auszeichnung genannten Engländer und Franzosen ihr Studium und ihren Standpunkt mit einer gewissen Oberflächlichkeit ansch’n und ihr persönlicher Charakter mit dem, was sie ergriffen haben, und mit der Art, wie sie sich darüber ausdrücken, in nicht allzu tiefem Zusammenhange steht, spricht Goethe, das Haupt und der Inhalt der deutschen Nation, nicht weil er Talent hat, sondern die Wahrheit konzentriert ihre Strahlen in seiner Seele und leuchtet heraus aus ihr. Er ist weise im höchsten Grade, mag auch seine Weisheit oftmals durch sein Talent verschleiert werden. Wie vortrefflich das ist, was er sagt, er hat etwas im Auge dabei, das noch besser ist. [...] Er hat jene furchterweckende Unabhängigkeit, welche aus dem Verkehr mit der Wahrheit entspringt.

The terms of distinction commonly used in high-level conversation are all of German origin. Whereas the English and French—who are celebrated for their acumen and erudition—view their studies and their standpoint with a certain superficiality, and their personal character bears only a shallow connection to what they have grasped, and the way they express themselves is not deeply connected; Goethe, the head and heart of the German nation, speaks not because he has talent, but because truth concentrates its rays in his soul and shines forth from it. He is wise to the highest degree, even if his wisdom is often veiled by his talent. As excellent as what he says is, he has something in mind that is even better. [...] He possesses that awe-inspiring independence that springs from communion with the truth.

[ 44 ] So urteilt, sehr verehrte Anwesende, ein englisch schreibender Schriftsteller des neunzehnten Jahrhunderts, einer der größten, über die, die man heute die deutschen «Barbaren» nennt. Was als Selbstüberhebung oder anderes charakterisiert werden könnte, wenn es nur aus deutschen Urteilen herausgeholt werden könnte, das muss anders aufgefasst werden, wenn es von solcher Stelle herrührt.

[ 44 ] This, esteemed audience, is the judgment of a nineteenth-century English-language writer—one of the greatest—on those whom we today call the German “barbarians.” What might be characterized as arrogance or something else—if it could be taken out of context from German judgments alone—must be understood differently when it comes from such a source.

[ 45 ] Aber nun, sehr verehrte Anwesende, ist solches Urteil nur erhört auf solchen Höhen der Menschheit, auf denen Emerson steht, und haben vielleicht andere doch im Allgemeinen ein anderes Urteil? Da darf hingewiesen werden auf ein allerjüngstes Urteil, gleichsam es hinstellend neben jenes Urteil über die Deutschheit. Derjenige, der nicht Zeit oder Gelegenheit hat das Buch «Eight years in Germany» zu lesen von Miss Wylie, der kann auch die sehr schönen Auszüge, die Hofmiller davon gemacht hat, sich nehmen und kann [darin] wichtige Aussprüche aus jenem Buche finden, sich verschaffend einen Überblick über ein englisch geschriebenes Urteil über das deutsche Wesen, wenige Monate vor dem Ausbruch des Krieges geschrieben. Aber wann, wie geschrieben? Nicht so geschrieben, wie heute viele schreiben, die von den deutschen «Barbaren» sprechen, sondern so geschrieben, dass die Schreiberin zuerst sich acht Jahre lang in Deutschland aufhielt, alles kennenlernte, sich tiefer einließ auf das Wesen, das sie beschreiben wollte. Da schrieb sie, nachdem sie Krankenhäuser, Schulen, medizinische und andere Anstalten besucht hatte, da schrieb sie englisch Geschriebenes über deutsches Wesen:

[ 45 ] But now, distinguished guests, is such a judgment heard only at those heights of humanity where Emerson stands, and do others perhaps generally hold a different view? Here we may point to a very recent judgment, setting it, as it were, alongside that judgment on Germanness. Those who do not have the time or opportunity to read Miss Wylie’s book *Eight Years in Germany* can also consult the very fine excerpts that Hofmiller has compiled from it and find [in them] important statements from that book, thereby gaining an overview of an English-language assessment of the German character, written just a few months before the outbreak of the war. But when and how was it written? Not written the way many write today, speaking of the German “barbarians,” but written in such a way that the author first spent eight years in Germany, got to know everything, and delved deeply into the nature she wished to describe. It was then—after she had visited hospitals, schools, medical institutions, and other facilities—that she wrote in English about the German character:

Wir lesen viel [...] vom neuen Deutschland und seinem neuen Geiste. Aber es gibt kein neues Deutschland und keinen neuen Geist. Das Bestehende ist das gereifte Werk von Generationen, das, was von jeher war. Geblendet durch den plötzlichen Glanz von Deutschlands Wohlstand, sind wir geneigt zu vergessen, dass es selten, außer eben an Wohlstand, einen anderen als einen der allervordersten Plätze unter den Nationen eingenommen hat. In Religion und Philosophie hat Deutschland geleuchtet zu einer Zeit, wo ringsum alles dunkel war; in der Literatur hat es einen epochemachenden Impuls gegeben; in der Musik hat es von jeher dominiert [...].

Deutsche Literatur, deutsche Religion, deutsche Philosophie sind uns

We read a lot [...] about the new Germany and its new spirit. But there is no new Germany and no new spirit. What exists is the matured work of generations, that which has always been. Dazzled by the sudden splendor of Germany’s prosperity, we are inclined to forget that, except in terms of prosperity, it has rarely occupied anything other than one of the very foremost places among the nations. In religion and philosophy, Germany shone at a time when everything around it was dark; in literature, it provided an epoch-making impetus; in music, it has always dominated [...].

German literature, German religion, and German philosophy are to us

[ 46 ] — den Engländern —

[ 46 ] — the English —

Bücher mit sieben Siegeln. Was wir wissen, ist, wie viele Dreadnaughts Deutschland besitzt und um wie viel sein Handel gestiegen ist. Was wirklich wichtig ist, ist nicht der Dreadnaught, sondern das Hirn seines Erbauers, Mut und Begabung seines Kommandeurs. Was wirklich wichtig ist, ist nicht das Mehr an Umsatz, sondern die menschlichen Eigenschaften, die es veranlassten. Vor vierzig Jahren kämpfte Deutschland um seine Existenz, und es kämpft noch heute darum. Es ist völlig falsch, zu glauben, Deutschland [sei] schon auf seinem Höhepunkt. Es kämpft einen stillen, aber entschlossenen Kampf gegen mächtige Rivalen, deren Macht und Erfahrung schon vor Generationen gewonnen wurde. [...]

An jeder Grenze und über dem Wasser sitzen die Gegner, kommerziell und politisch und warten gespannt auf den Moment, wo Deutschland nur ein wenig nachlässt, um darüber herzufallen und es unterzukriegen. Deutschland weiß das [auch] ganz genau.

Books sealed with seven seals. What we do know is how many dreadnoughts Germany possesses and by how much its trade has increased. What really matters is not the dreadnought itself, but the mind of its builder and the courage and talent of its commander. What really matters is not the increase in sales, but the human qualities that brought it about. Forty years ago, Germany was fighting for its very existence, and it is still fighting for it today. It is completely wrong to believe that Germany has already reached its peak. It is waging a quiet but determined struggle against powerful rivals whose power and experience were gained generations ago. [...]

At every border and across the water, Germany’s adversaries—both commercial and political—lie in wait, eagerly anticipating the moment when Germany shows even the slightest sign of weakness so they can pounce and bring it down. Germany knows this [as well] all too well.

[ 47 ] Viele Urteile, sehr verehrte Anwesende, welche heute gelesen werden, wo werden sie gelesen? Nun in Zeitungen, unter anderem auch in englischen Zeitungen. Es ist noch nicht lange her, 1912 war es, da haben eine Anzahl von Gelehrten in Manchester Vorträge gehalten über deutsches Wesen, die deutsche Politik, deutsche Geschichte, deutsches Erziehungswesen, deutsche Volkswirtschaft, deutsche Literatur. In der Vorrede zu dem Buch, das auch ins Deutsche übersetzt wurde und das heißt: «Deutschland im neunzehnten Jahrhundert», von Herford herausgegeben, wird uns angedeutet, warum diese Vorträge gehalten worden sind. Sie sind gehalten worden — so sagt man uns —, um den Presseleuten einigermaßen richtige Vorstellungen beizubringen über deutsches Wesen.

[ 47 ] Many court rulings, ladies and gentlemen, are read today—but where are they read? Well, in newspapers, including English newspapers. It was not long ago—in 1912, to be precise—that a number of scholars in Manchester gave lectures on the German character, German politics, German history, the German educational system, the German economy, and German literature. In the preface to the book—which has also been translated into German and is titled *Germany in the Nineteenth Century*, published by Herford—we are given an indication of why these lectures were delivered. They were delivered—so we are told—to provide members of the press with a reasonably accurate understanding of the German character.

[ 48 ] Nur ganz weniges, einzelne Stellen [von] Herford in England gesprochenen, englisch gesprochene Worte über deutsches Wesen, seien angeführt:

[ 48 ] Let us cite just a few isolated instances of English-spoken words—spoken by Herford in England—regarding the German character:

Im Ganzen und Großen ist es außer Frage, dass die Errichtung des Deutschen Reiches dem Frieden der Welt förderlich gewesen ist. Diese Erklärung wird denen seltsam erscheinen, die von nichts etwas wissen als von den Ereignissen der Gegenwart und für welche die Geschichte nichts anderes ist als ein ewig sich verändernder blendender Kinematograf. Die Geschichte sollte aber doch etwas mehr sein. Ihr ziemt es, das Licht der Vergangenheit auf der Gegenwart wirres Getriebe scheinen zu lassen, und in jenem höheren Licht werden Dinge, welche verletzend erscheinen, ein natürliches Ansehen gewinnen. Denn wenn wir in die Vergangenheit blicken, so finden wir, dass unsere Vorfahren Frankreich mit weit größerer Furcht betrachteten, als die wildesten Lärmschläger heute Deutschland fürchten. Und die Furcht unserer Voreltern hatte ihren guten Grund. [...]

Es lässt sich also, um alles zusammenzufassen, zeigen, dass die Gründung des Deutschen Reiches ein Gewinn für Europa gewesen ist und deshalb auch für Großbritannien. Denn die Ereignisse der Jahre 1866–1871 machten ein für alle Mal der Möglichkeit, Raubkriege gegen die bis dahin unbeschützte Mitte von Europa zu unternehmen, ein Ende und beseitigten damit eine Lockung zum Kriege, welche in früheren Jahrhunderten Frankreich so oft auf falsche Bahnen gelockt hatte; sie setzten das deutsche Volk instand, seine bis dahin verkümmerten politischen Fähigkeiten zu entwickeln, und sie halfen dazu, auf sicherer Grundlage ein neues europäisches System zu errichten, welches vierzig Jahre lang den Frieden erhalten hat. Dieser Segen ergab sich aus der Tatsache, dass die deutsche Einheit auf einen Schlag zustande brachte, was Großbritannien trotz all seines Aufwandes von Blut und Geld nie hatte bewirken können, nämlich das Gleichgewicht der Kräfte in so entschiedener Weise zu sichern, dass ein großer Krieg zum gefährlichsten aller Wagnisse wurde.

On the whole and in the grand scheme of things, there is no question that the establishment of the German Empire has been conducive to world peace. This statement will seem strange to those who know nothing but the events of the present and for whom history is nothing more than an ever-changing, dazzling movie. But history should be something more than that. It is fitting that the light of the past should shine upon the chaotic turmoil of the present, and in that higher light, things that appear offensive will take on a natural appearance. For when we look to the past, we find that our ancestors regarded France with far greater fear than even the wildest rabble-rousers today fear Germany. And our ancestors’ fear had good reason. [...]

To sum it all up, it can be shown that the founding of the German Empire was a boon for Europe and therefore also for Great Britain. For the events of the years 1866–1871 put an end, once and for all, to the possibility of waging wars of plunder against the hitherto unprotected heart of Europe, thereby eliminating a temptation to war that had so often led France astray in earlier centuries; they enabled the German people to develop their political capabilities, which had hitherto been stunted, and they helped to establish, on a secure foundation, a new European system that has maintained peace for forty years. This blessing stemmed from the fact that German unity achieved in one fell swoop what Great Britain, despite all its expenditure of blood and money, had never been able to accomplish—namely, securing the balance of power so decisively that a major war became the most dangerous of all ventures.

[ 49 ] 1912 sind diese Worte englisch in England gesprochen, für die Presseleute gesprochen, damit sie sich besser über deutsches Wesen auskennen. Ich überlasse jedem Einzelnen zu entscheiden, was diese Presseleute aus diesen Vorträgen gelernt haben. Zu diesen Vorträgen hat, als sie gedruckt wurden sind, ein Mann, dessen Namen Ihnen vielleicht in diesen Tagen auch etwas entgegengetreten ist, eine Vorrede geschrieben. In dieser Vorrede, die Lord Haldane geschrieben hat, stehen die Worte:

[ 49 ] In 1912, these words were spoken in English in England, addressed to members of the press so that they might gain a better understanding of the German character. I leave it up to each individual to decide what these members of the press learned from these lectures. When these lectures were published, a man whose name you may have come across recently wrote a preface to them. In this preface, written by Lord Haldane, the following words appear:

Die Quelle des Stromes seines

The source of the stream of his

[ 50 ] —Deutschlands —

[ 50 ] —Germany’s —

geistigen wie politischen Lebens liegt in der Reformation. Am Ende des achtzehnten und zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts aber begann eine in der Weltgeschichte einzige Strömung in einer Weise zu fließen, die seit jener Zeit so ununterbrochen wie charakteristisch gewesen ist. Seit den Tagen des alten Griechenlands hat die Welt kein solches Schauspiel engster Verschmelzung des Lebens des Staatsmannes mit dem des Denkers geschen. Der Geist des heutigen Deutschlands ist in hohem Maße konkret und praktisch.

intellectual and political life lies in the Reformation. At the end of the eighteenth and the beginning of the nineteenth century, however, a movement unique in world history began to take shape in a way that has been as uninterrupted as it has been distinctive ever since. Since the days of ancient Greece, the world has not witnessed such a spectacle of the closest fusion of the life of the statesman with that of the thinker. The spirit of present-day Germany is, to a high degree, concrete and practical.

[ 51 ] Und weiter:

[ 51 ] And further:

Der Einfluss wahrer Kenntnis kann allein des Misstrauens Wolken verscheuchen und uns von der Last befreien, uns gegen Angriffe zu rüsten, die in Wirklichkeit keiner unter uns im Sinne hat.

Only the influence of true knowledge can dispel the clouds of mistrust and free us from the burden of having to arm ourselves against attacks that, in reality, none of us intends to launch.

[ 52 ] Sehr verehrte Anwesende, in diesem Buche, da steht noch etwas höchst, höchst Merkwürdiges, etwas ganz einzig Merkwürdiges. Also etwas, was auch in englischer Sprache in Manchester 1912 gesprochen worden ist: «Keine deutschen Wörter sind tiefer mit dem Saft nationaler Ethik durchtränkt als die, welche diese Dinge bezeichnen: wahr, gründlich, treu.»

[ 52 ] Ladies and gentlemen, in this book there is something else that is most, most remarkable—something truly unique. It is something that was also spoken in English in Manchester in 1912: “No German words are more deeply imbued with the essence of national ethics than those that denote these things: true, thorough, faithful.”

[ 53 ] Ich möchte nicht dieses aussprechen als etwas, was nur aus der deutschen Seele herausklänge, aber wir haben es über den Kanal herübergehört, vom Kanal: «wahr, gründlich, treu» seien Worte, die mehr als alle anderen Worte von dem «Saft nationaler Ethik durchtränkt» sind.

[ 53 ] I do not wish to present this as something that springs solely from the German soul, but we have heard it from across the Channel: “true, thorough, faithful” are words that, more than any others, are “imbued with the essence of national ethics.”

[ 54 ] Nun, wir wollen einmal — selbstverständlich ohne dass Tagespolitik getrieben werden soll oder unberechtigterweise über die Ereignisse gesprochen werden soll —, wir wollen das, was wir in unseren Tagen erleben, an diese Worte gerade anknüpfen. Es ist ja in diesen unseren Wochen jetzt oftmals hingewiesen worden mit Recht, wie die gegenwärtigen Kriegsereignisse ihren Ursprung genommen haben vom Südosten Europas, wie verknüpft ist mit diesen Kriegsereignissen Österreichs Mission — so kann man ja sagen — mit Bezug auf Bosnien und die Herzegowina nach dem Balkan hinunter.

[ 54 ] Well, let us—without, of course, engaging in day-to-day politics or speaking unduly about current events—relate what we are experiencing today directly to these words. After all, it has been rightly pointed out many times in recent weeks how the current events of the war have their origins in southeastern Europe, and how Austria’s mission—so to speak—regarding Bosnia and Herzegovina and extending down into the Balkans is linked to these events of the war.

[ 55 ] Ich habe, sehr verehrte Anwesende, in der Zeit, die unter den Nachwirkungen stand des Übergehens dieser Mission vonseiten Österreichs, in Österreich gelebt. Denjenigen, die damals in Österreich gelebt und versucht haben, in den Gang der Ereignisse hineinzuschauen in den Achtzigerjahren, denen ertönte oftmals ein Wort an das Ohr, das geistreich und mit großem Humor von Bismarck geprägt worden war, aber, man möchte sagen etwas, was mit einem Schicksal zusammenhängt, ausdrückte. «Herbstzeitlosen gibt es in Österreich», sagte er. Herbstzeitlosen! Die österreichischen Liberalen hatten nämlich einen Führer, der hieß [Eduard] Herbst. Er war ein großer, bedeutender Mann. Diese Liberalen, die unter der Führung Herbstens standen, hatten sich widersetzt dem, was Bismarck ansah als von der Zeit und ihrem Sinn gefordert, dem Vorgehen Österreichs gegen Osten. Daher nannte sie Bismarck «Herbstzeitlose». Nun, man braucht nicht überall menschliche Urteile anzuführen, die entspringen sehr leicht aus Gefühlen und Leidenschaften, die aus Sympathien und Antipathien kommen; aber die Geschichte ist eigentlich die wirkliche Lehrmeisterin der Dinge.

[ 55 ] Ladies and gentlemen, I lived in Austria during the period marked by the aftermath of Austria’s withdrawal from this mission. To those who lived in Austria at that time and tried to make sense of the course of events in the 1880s, a phrase often rang in their ears—one coined by Bismarck with wit and great humor, yet expressing, one might say, something tied to fate. “There are autumn crocuses in Austria,” he said. Autumn crocuses! The Austrian Liberals, in fact, had a leader named [Eduard] Herbst. He was a great, important man. These Liberals, under Herbst’s leadership, had opposed what Bismarck regarded as demanded by the times and their spirit: Austria’s advance toward the East. That is why Bismarck called them “autumn crocuses.” Now, one need not cite human judgments everywhere, for they arise very easily from feelings and passions stemming from sympathies and antipathies; but history is, in fact, the true teacher of things.

[ 56 ] Was hat denn im Grunde Österreich zu denjenigen Ereignissen gebracht, die innig zusammenhängen mit dem, was heute geschieht, mit allem, was heute geschieht? Das alles geht ja als auf seinen letzten Anfang zurück, eben auf die Mission, die Österreich auf dem Berliner Kongress übertragen worden ist, gegen den Balkan vorzudringen. Wer war es denn, der damals auf dem Berliner Kongress gegen die Intentionen Russlands eintrat für diese Mission Österreichs? Die englische Politik war es. Vor allem diejenigen, die damals die englische Politik vertreten haben, die übertrugen Österreich diese Mission. Das hat Deutschland in schwierige Verhältnisse zu Russland gebracht.

[ 56 ] What, after all, led Austria to those events that are so closely connected to what is happening today—to everything that is happening today? All of this can be traced back to its very beginning, namely to the mission entrusted to Austria at the Congress of Berlin: to advance into the Balkans. Who, then, was it at the Congress of Berlin who, against Russia’s intentions, advocated for this Austrian mission? It was British policy. Above all, those who represented British policy at the time were the ones who entrusted Austria with this mission. This placed Germany in a difficult position vis-à-vis Russia.

[ 57 ] Alles, was weiter geschehen ist bis zu der Ermordung des Erzherzogs, ist nur die Konsequenz desjenigen, was damals auf dem Berliner Kongress Österreich übertragen worden ist, für denjenigen, der den geschichtlichen Blick verständlich nach rückwärts führt. Heute muss Deutschland und Österreich eintreten auf den großen Schauplatz der Ereignisse für das, was England dazumal Österreich übertragen hat, und England ist unter den Gegnern Deutschlands und Österreichs.

[ 57 ] Everything that happened thereafter, up to the assassination of the Archduke, is merely the consequence of what was imposed on Austria at the Congress of Berlin, for those who look back at history with a clear perspective. Today, Germany and Austria must take the stage in the great arena of events to fulfill what England entrusted to Austria at that time, and England is among the adversaries of Germany and Austria.

[ 58 ] Das ist, sehr verehrte Anwesende, Konsequenz der Geschichte. Es gibt, wenn man von Treue redet, auch eine Treue zu dem, was man einmal getan hat. Man kann schon nicht anders, wenn man von englischer Seite charakterisiert wird, dadurch, dass gesagt wird: «Keine Worte sind so tief mit dem «Saft nationaler Ethik» durchtränkt als die, welche diese Dinge bezeichnen: «wahr, gründlich, treu» — man kann nicht anders, als diese Worte dann ernst zu nehmen, und man möchte sagen: Ist es innere Wahrhaftigkeit, 1914 gegen das zu handeln, was man Jahrzehnte vorher eingeleitet hat? Ist es gründlich, und ist es vor allem Dingen treu? Solche Fragen dürfen heute aufgeworfen werden.

[ 58 ] This, ladies and gentlemen, is the consequence of history. When one speaks of loyalty, there is also a loyalty to what one has once done. One simply cannot help but take these words seriously when one is characterized by the English side as follows: “No words are so deeply imbued with the ‘essence of national ethics’ as those that describe these things: ‘true, thorough, faithful’—one cannot help but take these words seriously, and one might ask: Is it true to one’s inner convictions to act in 1914 against what one had set in motion decades earlier? Is it thorough, and above all, is it faithful? Such questions may be raised today.

[ 59 ] Und wenn man dieses alles sich vor die Seele rückt, ja dann, dann muss man sagen: Kann man denn im Ernste wirklich erkennen aus dem, was in den allerjüngsten Tagen geschehen ist, wie das deutsche Wesen, so wie es zusammenhängt mit seinen großen Genien, wie dieses deutsche Wesen sich zu den heutigen Ereignissen stellen muss? Man kann es wahrhaftig nicht — und wenn noch so viele Zusammenstellungen gemacht werden über die allerjüngsten Ereignisse —, man kann es nicht aus diesem Letzteren ersehen. Man muss es ersehen aus dem, was in den tieferen Kräften Europas waltete und was zuletzt zu den heutigen Ereignissen führte. Etwas waltete aber in diesen Kräften Europas, das ist das, was fortlebte von Fichte, Schiller, Goethe und den anderen im deutschen Volke, in den Völkern Mitteleuropas.

[ 59 ] And when one brings all of this to mind, well then, one must ask: Can one really, in all seriousness, discern from what has happened in the very recent days how the German spirit—as it is connected to its great geniuses—must relate to today’s events? One truly cannot—no matter how many analyses are made of the most recent events—one cannot discern it from these events alone. One must discern it from what was at work in the deeper forces of Europe and what ultimately led to today’s events. But something was at work in these forces of Europe—that is, what lived on from Fichte, Schiller, Goethe, and the others within the German people and the peoples of Central Europe.

[ 60 ] Ein Mann, den ich immer nennen möchte den Statthalter Goethes, Herman Grimm, er versuchte, aus seiner Seele heraus das in schönen Kunstworten auszudrücken, was er in sich aufgenommen hatte aus der großen deutschen Zeit, was eine Weltanschauung geworden ist. Und diese Worte Herman Grimms, die eine Empfindung ausdrücken, nicht ein Urteil, deshalb aus dem deutschen Wesen selber genommen werden dürfen — selber im Gegensatz zu den angeführten Urteilen von Nichtdeutschen —, seien angeführt zum Zeugnis dafür, wie die Keime der geistgemäßen Denkungsart Fichtes, Schillers, Goethes in den Menschen aufgegangen sind. Wie schön drückte sich das aus in Herman Grimms Worten, die er in seinem Homer-Buch geschrieben hat:

[ 60 ] Herman Grimm, a man I would always like to call Goethe’s successor, attempted—from the depths of his soul—to express in beautiful, artistic words what he had absorbed from the great German era, which had become a worldview. And these words of Herman Grimm—which express a feeling, not a judgment, and may therefore be drawn from the German essence itself—in contrast to the cited judgments of non-Germans—are cited as testimony to how the seeds of the spiritual way of thinking of Fichte, Schiller, and Goethe have blossomed within people. How beautifully this was expressed in Herman Grimm’s words, which he wrote in his book on Homer:

Die Solidarität der sittlichen Überzeugungen aller Menschen ist heute die uns alle verbindende Kirche. Wir suchen leidenschaftlicher als jemals nach einem sichtbaren Ausdrucke dieser Gemeinschaft. Alle wirklich ernsten Bestrebungen der Massen kennen nur dies eine Ziel. Die Trennung der Nationen existiert hier [bereits] nicht mehr. Wir fühlen, dass der ethischen Weltanschauung gegenüber kein nationaler Unterschied walte. Wir alle würden für unser Vaterland uns opfern; den Augenblick aber herbeizuschnen oder her[bei] zuführen, wo dies durch Krieg geschehen könne, sind wir weit entfernt. Die Versicherung, dass Friede zu halten unser [aller] heiligster Wunsch sei, ist keine Lüge. «Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen» durchdringt uns.

The solidarity of all people’s moral convictions is today the church that unites us all. We are searching more passionately than ever for a visible expression of this community. All truly serious aspirations of the masses have only this one goal. The division among nations no longer exists here. We feel that no national distinction prevails when it comes to the ethical worldview. We would all sacrifice ourselves for our fatherland; but we are far from bringing about or hastening the moment when this could be achieved through war. The assurance that maintaining peace is our [all] most sacred wish is no lie. “Peace on earth and goodwill toward men” permeates us.

[ 61 ] So Herman Grimm 1895 — seit 1901 ist er tot—, und dann wie die Aufschau in die geistige Welt Herman Grimms Worte:

[ 61 ] As Herman Grimm wrote in 1895—he had been dead since 1901—and then, like a glimpse into the spiritual world, Herman Grimm’s words:

Die Menschen als Totalität anerkennen, sich als einem wie in den Wolken thronenden unsichtbaren Gerichtshofe unterworfen, vor dem nicht bestehen zu dürfen, sie als ein Unglück erachten, und dessen gerichtlichem Verfahren sie ihre inneren Zwistigkeiten anzupassen suchen. Mit ängstlichem Bestreben suchen sie hier ihr Recht. Wie sind die heutigen Franzosen bemüht, den Krieg gegen Deutschland, den sie vorhaben, als eine sittliche Forderung hinzustellen, deren Anerkennung sie von den anderen Völkern, ja von den Deutschen selber fordern.

To recognize humanity as a totality, to submit to it as if it were an invisible court of justice enthroned in the clouds, before which one is not permitted to stand; to regard this as a misfortune; and to seek to conform their inner conflicts to its judicial proceedings. With anxious earnestness, they seek justice here. How hard today’s French people strive to portray the war against Germany they are planning as a moral imperative, the recognition of which they demand from other nations—indeed, from the Germans themselves.

[ 62 ] Wer das deutsche Wesen kennt, weiß, dass diese Worte aus dem innersten Wesen des deutschen Volkes herausgeholt sind, dass diese wahrhaftig in der Stimmung des deutschen Wesens keine Lüge waren. Aber niemals haben sich die Deutschen einer Meinung hingegeben, die anders war, die Herman Grimm 1895 ausgesprochen hat:

[ 62 ] Anyone familiar with the German spirit knows that these words spring from the very core of the German people, that they were truly no lie in the spirit of the German people. But the Germans have never subscribed to an opinion different from the one expressed by Herman Grimm in 1895:

Wie sind die heutigen Franzosen bemüht den Krieg gegen Deutschland, den sie vorhaben, als eine sittliche Forderung hinzustellen, deren Anerkennung sie von den anderen Völkern, ja von den Deutschen selber fordern.

How hard today’s French are trying to portray the war against Germany they are planning as a moral imperative, the recognition of which they demand from other nations—and even from the Germans themselves.

[ 63 ] Sehr verehrte Anwesende, gegenüber dem, was man wissen könnte, wenn man in die treibenden Kräfte Europas schaute mit dem Blick, der gestärkt ist an dem Wesen, das in Schiller, Fichte, Goethe die höchste Blüte getrieben hat — schauen in diese Kräfte heißt erkennen, dass wahrhaftig in ganz anderer Weise die Antwort gegeben werden muss auf das, was jüngst wiederum von jenseits des Rheines herübergetönt hat: Wer hat diesen Krieg gewollt, als die meinen, die sich selber die Antwort geben wollen auf diese Frage. Ich glaube, dass es gegenüber dem, was an tieferen Kräften im europäischen Leben liegt, gewiss gesagt werden kann, wenn man mit einer gewissen äußeren Sophistik vorgehen will: Diese oder jene haben den Krieg nicht gewollt. Man kann sagen vielleicht: Alle haben ihn nicht gewollt — es lässt sich das sophistisch beweisen. Man kann aber eine andere Frage stellen, denn von der richtigen Fragestellung hängt es ab, ob die Antwort richtig wird. Wem wäre es möglich gewesen, den Krieg zu vermeiden? Und da wird nur die eine Antwort möglich sein: Nur der Petersburger Politik wäre es möglich gewesen, den Krieg zu vermeiden. Auch dies braucht man aber nicht aus den jüngsten Ereignissen, aus Blau- und Gelbbüchern zu erweisen, man kann es erweisen aus den wirksamen Kräften in den letzten Jahrzehnten innerhalb des europäischen Völkerlebens. Und ich werde versuchen, in einer eigenartig vielleicht empfundenen Weise aufmerksam darauf zu machen, wie man die Sache finden kann, die heute in diesem furchtbaren Krieg zum Ausdruck gekommen ist als miteinander in Konkurrenz stehende wirksame Kräfte.

[ 63 ] Ladies and gentlemen, compared to what one might know if one were to look at the driving forces of Europe with a vision strengthened by the essence that reached its highest flowering in Schiller, Fichte, and Goethe—to look at these forces is to realize that the answer to what has recently resounded once again from across the Rhine must truly be given in an entirely different way: Who wanted this war, if not those who wish to provide the answer to this question themselves? I believe that, in light of the deeper forces at work in European life, it can certainly be said—if one wishes to proceed with a certain degree of external sophistry—that this or that party did not want the war. One might say, perhaps: None of them wanted it—this can be proven through sophistry. But one can ask a different question, for the correctness of the answer depends on the correct formulation of the question. Who would have been able to avoid the war? And there can be only one answer to that: Only the St. Petersburg government would have been able to avoid the war. Yet this, too, need not be demonstrated by recent events or by Blue and Yellow Books; it can be demonstrated by the active forces at work within European political life over the past few decades. And I will attempt—in a way that may seem somewhat unusual—to draw attention to how one can identify the issue that has manifested itself today in this terrible war as competing effective forces.

[ 64 ] Nehmen wir an, es hätte sich jemand damit befasst, zu beobachten, wie in diesem Frühling von Russland herüber aufreizende Pressezeugnisse kamen, wie diese eine gewisse Stimmung, die immer heftiger und heftiger wurde im Frühjahr, andeuteten. Es hätte dann derselbe verfolgt die Ereignisse des Juli, der letzten Tage des Juli, und er hätte versucht auch mit einigen gutmeinenden russischen Freunden dann zu sprechen, die die besseren Seiten des russischen Volkes sehen und die hinwegsehen möchten über das, was da gespielt hat als ein wirkliches Wollen, das sich richtete gegen den Frieden. Was hätte ein solcher, der so vorgegangen wäre, heute, das heißt in diesem Sommer, sagen können? Etwa so könnte er unseren heurigen Sommer charakterisieren: Er könnte schildern, wie allmählich eine Art von Presskampagne von Petersburg anfing, durch welche die deutsche Politik angegriffen wurde. Diese Angriffe steigerten sich zu starken Forderungen eines Druckes, den Deutschland auf Österreich ausüben sollte in Sachen, wo Deutschland das österreichische Recht nicht ohne Weiteres angreifen konnte. Man könnte dazu seine Hand nicht bieten; denn wenn man von Deutschland aus sich Österreich entfremdete, so geriete man in Deutschland notwendig in Abhängigkeit von Russland. Wäre eine solche Abhängigkeit erträglich gewesen? Man hätte es früher glauben können, indem man sich sagte, man habe mit Russland keine streitigen Interessen, man könnte selbst russische Freunde fragen, die einem dieses oder jenes auseinandersetzen, und man könnte ihnen nicht widersprechen. Der Vorgang betreffs des allen zeigt aber, wenn man in Betracht zieht, was in Russland geschieht, dass selbst ein vollständiges Indienststellen Deutschlands für Russland nicht schützen kann gegen unser Bestreben mit Russland nicht in Streit zu geraten. Man kann mit diesen Worten das, was spielte zwischen Europas Mitte und Osten charakterisieren; die Worte passen auf unsere heutige Situation.

[ 64 ] Let us suppose that someone had taken it upon himself to observe how provocative press reports were coming from Russia this spring, and how these indicated a certain mood that was growing increasingly intense as the spring progressed. That same person would then have followed the events of July—the last days of July—and would have tried to speak with some well-meaning Russian friends who see the better sides of the Russian people and who would like to overlook what was happening there as a genuine intent directed against peace. What could such a person, who had proceeded in this way, have said today—that is, this summer? He might characterize our summer this year something like this: He could describe how a kind of press campaign gradually began in St. Petersburg, through which German policy was attacked. These attacks escalated into strong demands that Germany exert pressure on Austria in matters where Germany could not readily challenge Austrian law. One could not go along with this; for if one were to alienate oneself from Austria from within Germany, one would inevitably fall into dependence on Russia within Germany. Would such dependence have been bearable? One might have believed so earlier, telling oneself that one had no conflicting interests with Russia; one could even ask Russian friends who would explain this or that to one, and one could not contradict them. However, the course of events regarding all of this shows—when one considers what is happening in Russia—that even Germany’s complete submission to Russia cannot protect us against our desire to avoid conflict with Russia. These words can be used to characterize what was taking place between the center and the east of Europe; they apply to our situation today.

[ 65 ] Nun habe ich aber etwas Sonderbares getan; ich habe Worte nur ein wenig umgeändert; denn diese Worte habe ich nicht selber gemacht, nicht für unsere heutige Situation; sie sind umgeändert aus Worten, die Bismarck 1888 im Deutschen Reichstag gesprochen hat. Bismarck sagte 1888:

[ 65 ] But now I have done something unusual; I have altered the words just a little, for I did not create these words myself, nor did I adapt them to our current situation; they are adapted from words that Bismarck spoke in the German Reichstag in 1888. Bismarck said in 1888:

[...] wie allmählich eine Art von Presskampagne in Petersburg anfing, durch welche die deutsche Politik angegriffen, ich persönlich in meinen Absichten verdächtigt wurde. Diese Angriffe steigerten sich während des darauffolgenden Jahres bis 1879 zu starken Forderungen eines Druckes, den wir auf Österreich üben sollten in Sachen, wo wir das österreichische Recht nicht ohne Weiteres angreifen konnten. Ich konnte dazu meine Hand nicht bieten; denn wenn wir uns Österreich entfremdeten, so gerieten wir, wenn wir nicht ganz isoliert sein wollten in Europa, notwendig in Abhängigkeit von Russland. Wäre eine solche Abhängigkeit erträglich gewesen? Ich hatte früher geglaubt, sie könnte es sein, in‚dem ich mir sagte: Wir haben gar keine streitigen Interessen, es ist gar kein Grund, warum Russland je die Freundschaft uns kündigen sollte. Ich hatte wenigstens meinen russischen Kollegen, die mir dergleichen auseinandersetzten, nicht geradezu widersprochen. Der Vorgang betreffs des Kongresses enttäuschte mich, der sagte mir, dass selbst ein vollständiges Indienststellen unserer Politik (für gewisse Zeit) in die russische uns nicht davor schützte, gegen unsern Willen und gegen unser Bestreben mit Russland in Streit zu geraten.

[...] how a sort of press campaign gradually began in St. Petersburg, through which German policy was attacked and I personally was suspected of ulterior motives. Over the course of the following year, up until 1879, these attacks escalated into strong demands that we exert pressure on Austria in matters where we could not simply challenge Austrian law. I could not go along with this; for if we alienated Austria, we would—unless we wished to be completely isolated in Europe—necessarily fall into dependence on Russia. Would such dependence have been tolerable? I had previously believed it might be, telling myself: We have no conflicting interests at all; there is absolutely no reason why Russia should ever sever its friendship with us. At the very least, I had not outright contradicted my Russian colleagues who had explained this to me. The events surrounding the Congress disappointed me; they showed me that even a complete subordination of our policy (for a certain time) to Russia’s would not protect us from entering into conflict with Russia against our will and against our best efforts.

[ 66 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, ich denke, wenn man genau dieselben Worte auf 1914 anwenden kann, die prägnant angewendet werden von Deutschlands größtem Staatsmann 1888, so liegt darin außerordentlich viel Beweisendes für die Zündstoffe, die immer vorhanden waren; dass man anders als bloß durch die allerjüngsten Ereignisse das suchen muss, was in diesem Kriege spielt, das ist durch dieses bewiesen. Und sagen nur solche Menschen, die in einer gewissen Geistigkeit aufgehen, sagen nur diese, dass dem Deutschen eigen ist «Friede auf Erden und dem Menschen ein Wohlgefallen»? Ich sagte, wer in das deutsche Wesen hineinsieht, der kann das nicht empfinden wie etwa eine Lüge. Aber derjenige, der glauben möchte, dass solches nur gelebt habe innerhalb der geistigen Höhen, auf denen Herman Grimm stand, der sehe auf die Worte, mit denen Bismarck dazumal in derselben Sitzung des Reichstages von 1888 charakterisierte, wie er stand zu jener deutschen Stimmung, die Herman Grimm zum Ausdruck brachte, indem er sagte: «Friede auf Erden und dem Menschen ein Wohlgefallen». Das ist das, was in unseren tiefsten Seelen wurzelt.

[ 66 ] Well, distinguished guests, I believe that if one can apply exactly the same words to 1914—words that were so succinctly used by Germany’s greatest statesman in 1888—then this provides extraordinary evidence of the combustible elements that have always been present; the fact that one must look beyond merely the most recent events to understand what is at stake in this war is proven by this. And is it only those people who are absorbed in a certain spirituality—is it only they—who say that “peace on earth and goodwill toward men” is inherent to the German character? I said that anyone who looks into the German nature cannot perceive this as a lie. But anyone who wishes to believe that such a sentiment existed only within the spiritual heights on which Herman Grimm stood should look to the words with which Bismarck, at that time in the same session of the Reichstag in 1888, characterized his stance toward that German sentiment which Herman Grimm expressed when he said: “Peace on earth and goodwill toward men.” That is what is rooted in the deepest recesses of our souls.

[ 67 ] Merkwürdige Worte sind es, die dazumal Bismarck sprach; er sagte ungefähr: «In einer solchen Maschinerie, wie wir sie haben, macht man keine Angriffskriege. Und er schließt die Betrachtung, die er in diesem Sinne anstellt, indem er sagt: Man nehme einmal an, ich würde vor Sie hintreten — im Reichstage war das — und Ihnen auseinandersetzen, dass es besser ist, wir greifen an, und forderte von Ihnen die Bewilligung von soundso viel Millionen Mark, würden Sie zu mir das Vertrauen haben, sie zu bewilligen?» Bismarck sagte: «Ich hoffe nicht.»

[ 67 ] Bismarck spoke some remarkable words back then; he said something to the effect of: “In a system like the one we have, one does not wage wars of aggression.” And he concludes his line of reasoning along these lines by saying: “Suppose I were to stand before you—this was in the Reichstag—and explain to you that it would be better for us to attack, and ask you to approve such-and-such a number of millions of marks; would you have enough confidence in me to approve it?” Bismarck said, “I hope not.”

[ 68 ] Man muss auf die Stimmungen, auf die innerhalb der Seele waltenden Kräfte hinsehen, wenn man das Wahre, das Tatsächliche in dieser Beziehung erkennen will. Allerdings, Bismarck erkannte das Wahre; er wusste, dass, weil er sich selber damals einsetzte beim Berliner Kongress für die Forderungen Englands an Österreich, den Balkan betreffend, er heraufbeschwor den Gegensatz Russlands zu Deutschland, wusste aber auch, dass er alles getan hatte, was diesen Gegensatz abschwächen konnte, so stark — sagte er selber —, dass er hätte glauben können, dass er dazumal für seine Verdienste um Russland den höchsten russischen Orden hätte kriegen können, wenn er ihn nicht schon gehabt hätte. Aber gerade das war ja Bismarcks fortwährendes Bestreben, so lang als möglich hinauszuschieben das, was vom Osten herüber drohte.

[ 68 ] One must look to the moods and the forces at work within the soul if one wishes to recognize the truth, the reality, in this regard. Admittedly, Bismarck recognized the truth; he knew that, because he himself had advocated at the Congress of Berlin for England’s demands on Austria regarding the Balkans, he had provoked Russia’s opposition to Germany, but he also knew that he had done everything possible to mitigate that opposition—so much so, as he himself said, that he could have believed he might have received the highest Russian order for his services to Russia at that time, had he not already possessed it. But that was precisely Bismarck’s constant aim: to postpone as long as possible the threat looming from the East.

[ 69 ] Dies nur als einige Proben, sehr verehrte Anwesende, über das, was die Geschichte spricht, was die Geschichte spricht für denjenigen, der eingeht auf die Grundlagen, die wirkliche Antworten liefern können auf das, wer diesen Krieg gewollt hat.

[ 69 ] These are just a few examples, distinguished guests, of what history reveals—what history reveals to those who delve into the fundamentals that can provide real answers as to who wanted this war.

[ 70 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, in dem deutschen Geistesleben, wie es ausstrahlt von solchen Genien wie Fichte, Schiller, Goethe, liegt vieles, vieles, das uns gewissermaßen einen Hinweis darauf geben kann, wie aufzufassen ist das, was uns jetzt so vielfach als Charakteristik dessen, was man deutsche «Barbaren» nennt, entgegentritt. Dann könnte man manche sehr eigentümliche Probe finden.

[ 70 ] Well, ladies and gentlemen, in German intellectual life—as embodied by such geniuses as Fichte, Schiller, and Goethe—there is much, much that can, in a sense, give us a clue as to how to understand what we now so often encounter as a characteristic of those referred to as German “barbarians.” One might then find many very peculiar examples.

[ 71 ] Es gibt einen europäischen Geist, der auch in Deutschland großen Eindruck gemacht hat. Er hat einmal über das gesprochen in einer seiner Schriften, in denen er insbesondere über seine Hinneigung zum geistigen Leben, zur Mystik sich ausgesprochen hat; er hat über das gesprochen, was er den drei größten Mystikern verdankt, die er anführt und als deren dritten er einen deutschen Geist angibt, Novalis; er spricht über Novalis und was er ihm gewesen ist. Novalis sagt er, ist wie ein Geist, der hinaufführt in Höhen, die wirkliche Höhen der Menschheit sind. Es ist im Grunde genommen eine sehr, sehr schöne und intime Charakteristik des deutschen Geistes Novalis. Wenn ein Engel — so sagt er — oder ein Genius aus dem Kosmos herunterstiege auf die Erde und auf der Erde erfahren wollte, was eigentlich auf der Erde besonders wichtig ist für den Kosmos — man möchte ihm vorführen alles, was Shakespeare gedichtet, was vorgeht zwischen Hamlet und Ophelia und anderen —, so mag das für die Erde sehr wichtig sein, sagt er, aber wenn es auch für die Erde wichtig ist: Etwas, was auch wichtig ist zu erfahren für einen Genius, der von einem anderen Planeten auf die Erde herunterstiege, um hier noch etwas Besonderes zu erlernen, für ihn bräuchte es nicht wichtig zu sein. Noch vieles andere führt dieser Charakteristiker an, was unwichtig wäre für denjenigen, der herunterstiege aus dem Kosmos auf die Erde. Aber was in Novalis’ Seele lebt, was also — für den, der Novalis kennt, ist dieses unbedingt klar — aus den tiefsten Tiefen des deutschen Volksgeistes herausgeholt ist, das charakterisiert dieser Charakteristiker mit schönen Worten; er sagt:

[ 71 ] There is a European spirit that has also made a great impression in Germany. He once spoke about this in one of his writings, in which he expressed himself in particular about his inclination toward the spiritual life and mysticism; he spoke of what he owed to the three greatest mystics, whom he names, and as the third of these he identifies a German spirit, Novalis; he speaks of Novalis and what he meant to him. Novalis, he says, is like a spirit who leads us up to heights that are the true heights of humanity. It is, in essence, a very, very beautiful and intimate characterization of the German spirit by Novalis. If an angel—he says—or a genius were to descend from the cosmos to Earth and wish to experience here what is actually of particular importance to the cosmos—one might show him everything Shakespeare wrote, what transpires between Hamlet and Ophelia and others—that may be very important for Earth, he says, but even if it is important for Earth: Something that is also important for a genius descending to Earth from another planet to learn something special here—for him, it need not be important. This characterizer cites many other things that would be unimportant to one who descended from the cosmos to Earth. But what lives in Novalis’s soul—that which, as is absolutely clear to anyone who knows Novalis, is drawn from the deepest depths of the German national spirit—this characterizer describes with beautiful words; he says:

Wenn er aber anderer Beweise bedürfte, so würde [sie ihn] unter die führen, deren Werke fast ans Schweigen rühren.

But if he needed further proof, [she] would count him among those whose works border on silence.

[ 72 ] Weil das, was man sprechen kann, nicht das tiefste menschliche Wesen zum Ausdruck bringt, so findet er in Novalis:

[ 72 ] Because what can be spoken does not express the deepest essence of human nature, he finds in Novalis:

Sie würde die Pforte des Reiches öffnen, wo einige sie um ihrer selbst willen liebten, ohne sich um die kleinen [Gebärden] ihrer Körper zu bekümmern. [Sie würden zusammen auf die einsamen Hochflächen steigen, wo das Bewusstsein sich um eine Stufe erhebt] und wo alle, welche die Unruhe über sich selbst [erfüllt], aufmerksam den ungeheuren Ring umschweifen, der die Erscheinungswelt mit unseren [höheren] Welten verknüpft. Sie würden mit ihm zu den Grenzen der Menschheit gehen; denn an dem Punkte, wo der Mensch zu enden scheint, fängt er wahrscheinlich [erst] an [und seine wesentlichsten und unerschöpflichsten Teile befinden sich nur im] Unsichtbaren, wo er unaufhörlich auf seiner Hut sein muss. Auf diesen Höhen allein gibt es Gedanken, welche die Seele billigen kann, und Vorstellungen, [die ihr ähneln und die so] gebieterisch sind [wie sie selbst.] Dort hat die Menschheit einen Augenblick geherrscht, und diese schwach erleuchteten Spitzen sind vielleicht die einzigen Lichter, welche die Erde im Geisterreiche ankündigen: Ihr Widerschein hat fürwahr die Farbe unserer Seele. Wir empfinden, dass die Leidenschaften des Geistes und des Körpers in den Augen einer fremden Vernunft den Klagen von Glocken gleichen würden; aber die Menschen, von denen ich rede, sind in ihren Werken aus dem kleinen Dorfe der Leidenschaften herausgekommen und haben Dinge gesagt, die auch denen von Wert sind, die nicht [zur] irdischen Gemeinde zählen.

She would open the gates of the realm where some loved her for her own sake, without concerning themselves with the small [gestures] of their bodies. [Together they would ascend to the lonely highlands, where consciousness rises to a higher level] and where all those [filled] with restlessness about themselves attentively survey the immense ring that links the phenomenal world with our [higher] worlds. They would go with him to the boundaries of humanity; for at the point where man seems to end, he probably [only] begins [and his most essential and inexhaustible parts lie solely in] the invisible, where he must be constantly on his guard. Only at these heights are there thoughts that the soul can approve of, and ideas [that resemble it and are as] commanding [as the soul itself]. There, humanity has reigned for a moment, and these dimly lit peaks are perhaps the only lights that herald the earth in the spiritual realm: their reflection truly bears the color of our soul. We sense that the passions of the mind and the body would resemble the tolling of bells in the eyes of an alien reason; but the people of whom I speak have, through their works, emerged from the small village of passions and have spoken words that are of value even to those who do not belong to the earthly community.

[ 73 ] Solche Worte findet der Charakteristiker von Novalis in Novalis. Derjenige, der über Novalis gesprochen hat, der so einstmals in Novalis das deutsche Gemüt charakterisiert hat als selbst noch Erlebnisse gebend dem Genius, der aus kosmischen Höhen herunterstieg, das ist Maurice Maeterlinck.

[ 73 ] Such words are found in Novalis by the one who characterized him. The one who spoke of Novalis, who once characterized the German spirit in Novalis as itself still providing experiences for the genius who descended from cosmic heights—that is Maurice Maeterlinck.

[ 74 ] Sehr verehrte Anwesende, ich brauche zu dem, was Maurice Maeterlinck heute sagt, zu dem, was ich angeführt habe, nichts weiter hinzuzufügen, möchte aber sagen, dass aus wahrhaftig deutscher Seele heraus Novalis ein wunderbar schönes Wort gesprochen hat. «Der einzig wahre Tempel» — sagt Novalis — «ist die menschliche Körperform. In ihr liegt ein einzig Himmlisches an Gestalt. Es heißt den Himmel berühren, wenn man den menschlichen Körper getastet.» So Novalis an einer vielleicht antastbaren Stelle.

[ 74 ] Ladies and gentlemen, I have nothing further to add to what Maurice Maeterlinck said today or to what I have cited, but I would like to say that, speaking from a truly German soul, Novalis uttered a wonderfully beautiful statement. “The only true temple,” says Novalis, “is the human body. In it lies a form that is uniquely heavenly. To touch the human body is to touch heaven.” So says Novalis at a point that may perhaps be tangible.

[ 75 ] Es ist dasselbe, was Goethe spricht: «Was wären all die Sonnen, all die am Himmel ziehen, was wäre alles das Herrliche, was an Sternen leuchtet, wenn das nicht alles einmal im menschlichen Auge leuchtete, in menschliche Herzen hereinströmte und eine Menschenseele sich daran bewundernd erfreuen könnte.»

[ 75 ] It is the same thing Goethe says: “What would all the suns be, all those that traverse the sky; what would all that splendor be, all those stars that shine, if all of that did not once shine in the human eye, pour into human hearts, and allow a human soul to delight in it with admiration?”

[ 76 ] Das empfanden diejenigen, die wie Goethe, wie Novalis also sprachen — sie empfanden aus der Geistigkeit heraus, dass es ein höchstes Kunstwerk gibt, ein höheres Kunstwerk als alle menschlichen Kunstwerke: die menschliche Gestalt, das Götterkunstwerk. Allerdings werden nur diejenigen wie Goethe über die menschliche Gestalt sprechen, die die Welt durchdrungen wissen von geistigen Wesen und die im Menschenwesen das größte Götterkunstwerk sehen. Das darf vielleicht erinnert werden in einer Zeit, wo der Deutsche angeklagt wird besonderer «Barbarei», weil es geschehen sein soll, dass einige Kanonenkugeln auch auf die Kathedrale von Reims gefallen sind. Nun ich weiß es ganz gewiss, nachdem ich 1906 diese Kathedrale gesehen, dass ich niemandem nachstehe in der Bewunderung dieses Kunstwerkes — allerdings habe ich auch den Eindruck gewonnen, dass es brüchig ist, sodass nicht lange mehr die Zeit währen wird, dass es durch natürliche Ursachen geschädigt sein müsste, aber es kommt bei manchem Urteil nicht nur auf das an, wie man sich zu diesem Urteil stellt, wie man etwas auffasst, sondern ob man dieses Urteil überhaupt fällt oder nicht fällt.

[ 76 ] This is what those who spoke like Goethe and Novalis felt—they sensed, from a spiritual perspective, that there is a supreme work of art, a work of art higher than all human works of art: the human form, the work of art created by the gods. However, only those like Goethe will speak of the human form—those who know the world to be permeated by spiritual beings and who see in the human being the greatest work of divine art. This is perhaps worth recalling at a time when the Germans are accused of particular “barbarism” because it is said that a few cannonballs also fell on the Cathedral of Reims. Now, I know for certain—having seen this cathedral in 1906—that I am in no way inferior to anyone in my admiration for this work of art; however, I have also gained the impression that it is fragile, so that it will not be long before it is damaged by natural causes, but with some judgments, it depends not only on how one approaches that judgment—how one perceives something—but also on whether one makes that judgment at all or not.

[ 77 ] Da fragt es sich, ob auf dem Hintergrund unserer schicksalsschweren Ereignisse, wo in unzähligen Fällen, durch das Schicksal herausgefordert, das Götterkunstwerk, die menschliche Gestalt, zerstört werden muss — oh, da darf das Urteil gefällt werden, dass ein Menschenkunstwerk auch beschossen werden kann. Ich weiß, es gibt nur einen Einwand, es könnte jemand sagen: Die Kathedrale ist nur einmal vorhanden, der Mensch ist so und so oft Mal vorhanden. Ich mag andere streiten lassen, was auf diesem Felde «Barbarei» ist, aber ich glaube, derjenige, der Goethes, Schillers, Fichtes Denkweise versteht, wird darüber nicht streiten, dass dieses Urteil — es gibt so und so viel Menschen und nur eine Kathedrale und deshalb müsse die Kathedrale geschont werden, wenn auch die Menschen erschossen werden —, dass dieses Urteil in Wahrheit die roheste «Barbarei» ist. Es gibt ein ganz bestimmtes Gepräge, das man als das Gepräge des deutschen Geistes bezeichnen kann.

[ 77 ] This raises the question: Against the backdrop of our fateful events—where, in countless instances, challenged by fate, the divine work of art, the human form, must be destroyed—oh, then the judgment may be passed that a human work of art, too, may be fired upon. I know there is only one objection; someone might say: The cathedral exists only once, while human beings exist so many times over. I’ll let others argue about what constitutes “barbarism” in this context, but I believe that anyone who understands the way of thinking of Goethe, Schiller, Fichte will not dispute that this judgment—that there are so many people and only one cathedral, and therefore the cathedral must be spared even if the people are shot—is, in truth, the crudest form of “barbarism.” There is a very specific character that can be described as the character of the German spirit.

[ 78 ] Und ich glaube, es geht schon etwa aus dem hervor, was ich ja nur andeuten konnte, dass mit dem Suchen der Menschheit nach der Geistigkeit, nach dem Unsichtbaren, zusammenhängt dieses deutsche Wesen, innig, innig zusammenhängt, und dass mit diesem Suchen, das sich in den deutschen Führergenien ausgesprochen hat, im Grunde genommen auch das zusammenhängt, wenn auch noch so unbewusst, was da fühlen — dass sie es als ein Heiligstes, nicht bloß als ein Persönliches zu verteidigen haben — diejenigen, die mit Blut und Seele heute in unseren schicksalsschweren Tagen die Opfer bringen müssen, die gebracht werden müssen zur Fortentwicklung der Menschheit. Und nicht wird man einwenden können, wenn man sich einlässt auf das Wesen Mitteleuropas, wie es zum Ausdruck in solchen Genien, wie wir sie angeführt haben, kommt; nicht wird man bezweifeln können, dass dieses Mitteleuropa ein Leib ist für eine Seele, die unsichtbare Kraft in sich birgt, welch unsichtbare Kraft eine in ihrem eigenen Wesen fühlbare Impulsivität für ein Höheres haben muss.

[ 78 ] And I believe it is already evident from what I could only hint at—that this German essence is intimately, intimately connected to humanity’s search for spirituality, for the invisible, and that this quest—which has found expression in the German leadership geniuses—is fundamentally connected, however unconsciously, to what those who, in these fateful days, must make the sacrifices required for the further development of humanity feel—that they must defend it as something most sacred, not merely as something personal. And no one will be able to object, once they engage with the essence of Central Europe as expressed in such geniuses as we have cited; no one will be able to doubt that this Central Europe is a body for a soul that harbors an invisible power within itself—an invisible power that must possess an impulsiveness toward something higher, palpable in its very nature.

[ 79 ] Und gerade wenn man so die Dinge betrachtet, dann kann man fühlen, was da auch kommen mag: Vertrauen, Kraft, Zuversicht darf man fühlen, wenn wieder einmal die deutsche Welt vor die Frage gestellt ist: Sein oder Nichtsein. Nicht eine Hamlet-Antwort, eine Faust-Antwort vermag das deutsche Wesen zu geben: «Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen.» Deutscher wird man immerzu. Wenn Deutschland alt geworden ist, es kann wieder jung werden. Goethe lässt eines der Symbole in seinem «Faust» sein den Verjüngungstrank.

[ 79 ] And it is precisely when one views things in this way that one can feel—whatever may come: one may feel trust, strength, and confidence when, once again, the German world is faced with the question: To be or not to be. The German spirit is capable of giving not a Hamlet-like answer, but a Faust-like one: “Whoever strives with all their might, we can redeem.” One becomes more German all the time. When Germany has grown old, it can become young again. Goethe makes the elixir of youth one of the symbols in his “Faust.”

[ 80 ] Und wo er über Goethe spricht, da sagt nicht ein Deutscher, wiederum der englisch sprechende Emerson mit Bezug auf das, was in Goethe geworden ist, die Worte:

[ 80 ] And when he speaks of Goethe, not a single German—but rather the English-speaking Emerson, referring to what Goethe had become—uttered these words:

Die Welt ist jung, große Männer der Vergangenheit rufen uns zu mit freundlicher Stimme. Wir müssen heilige Schriften schreiben, um die irdische und himmlische Welt miteinander zu verbinden. Das Geheimnis des Genius ist, nicht zu dulden, dass eine Lüge für uns bestehen bleibe, [alles, dessen wir bewusst sind,] zu einer Wahrheit zu machen, in den Büchern und in den Menschen Bestimmtheit und Vertrauen zu erwecken und zu Anfang wie am Schluss wie für endlose Zeiten jede Wahrheit dadurch zu ehren, dass wir sie zu einer Richtschnur unseres Handelns machen.

The world is young; the great men of the past call out to us with a friendly voice. We must write sacred texts to connect the earthly and heavenly worlds. The secret of genius is not to tolerate a lie remaining for us, to turn [everything of which we are aware] into truth, to inspire certainty and trust in books and in people, and to honor every truth—at the beginning, at the end, and for all eternity—by making it a guiding principle for our actions.

[ 81 ] So Emerson in Bezug auf Goethe, den er als das Haupt und den Inhalt der Nation bezeichnet. Und man kann eingedenk der Worte des amerikanischen Engländers sein, dass es gerade in der Mission liegen kann des Volkes Goethes, Schillers, Fichtes, etwas zu tun von dem, worauf Emerson deutet: «Wir müssen heilige Bücher schreiben, um den Himmel und die irdische Welt aufs Neue zu verbinden. Das Geheimnis des Genius ist, nicht zu dulden, dass eine Lüge für uns bestehen bleibt.»

[ 81 ] So says Emerson regarding Goethe, whom he describes as the head and the substance of the nation. And one can bear in mind the words of the “American Englishman” that it may well be the mission of the people of Goethe, Schiller, and Fichte to do something of what Emerson alludes to: “We must write sacred books to reconnect heaven and the earthly world. The secret of genius is not to tolerate a lie remaining for us.”

[ 82 ] Inwiefern das mit dem heutigen Vortrag zusammenhängt, das überlasse ich wiederum Ihnen zu beurteilen. Aber ich glaube das Eine, wenigstens stammelnd in diesem Vortrage angedeutet zu haben, was uns über Mitteleuropas Wesen, über diese Kultur, die nach Schillers Worten Europas Herz ist — das andere ist Blatt und Blüte —, was über diese Kultur «große Männer der Vergangenheit» uns empfinden lassen.

[ 82 ] As for how this relates to today’s lecture, I’ll leave that up to you to judge. But I believe I have at least stammeringly hinted at one thing in this lecture: what the “great men of the past” have made us feel about the essence of Central Europe, about this culture, which, in Schiller’s words, is the heart of Europe—the rest is merely leaves and blossoms.

[ 83 ] Emerson sagt: «Sie rufen uns zu mit freundlicher Stimme». Wir haben etwas vernehmen wollen von diesen freundlichen Stimmen, weil das vielleicht gebraucht werden kann in unserer heutigen Zeit. Wie man hinkommen kann auf das, was für unsere Gegenwart angeregt werden kann, wenn man wirklich das Lebendige dieser Geister hört, davon soll dann morgen einiges gesprochen werden. Heute wollte ich als Einleitung auf das hinweisen, nicht so sehr was in meinen Worten lag, sondern was ausströmt von gewissen deutschen Genien und einströmen kann in unsere Herzen als Trost, Hoffnung, Zuversicht, als Tragkraft im seelischen und physischen Leben für die Gegenwart. Denn es kann, wenn man lebendig fühlt das, was herüberströmt von den Geistern, deren Wesen im deutschen Volksgeist fortlebt, es kann, was da herüberströmt, in der Seele zu einer Hoffnung, zu einer Zuversicht, aber auch zu etwas zusammendichten, was man als die tiefste Wahrheit in Mitteleuropa empfinden kann.

[ 83 ] Emerson says: “They call out to us with a friendly voice.” We wanted to listen to these friendly voices, because perhaps they can be of use in our present time. Tomorrow we will discuss how one might arrive at what can inspire our present moment by truly hearing the vitality of these spirits. Today, by way of introduction, I wanted to point out not so much what was contained in my words, but rather what radiates from certain German geniuses and can flow into our hearts as comfort, hope, confidence, and as a source of strength in our spiritual and physical lives for the present. For if one feels vividly what flows over from the spirits whose essence lives on in the German national spirit, what flows over can coalesce in the soul into hope, into confidence, but also into something that can be perceived as the deepest truth in Central Europe.

[ 84 ] Und eigentümlich ist es, dass als aus demselben Geiste heraus, aus dem Goethe, Schiller, Fichte gewirkt haben, der deutschgesinnte Schleiermacher prägen wollte sein Wort über den Zusammenhang alles menschlichen Strebens mit dem Unsichtbaren, der auch verfiel darauf, man kann sagen, des deutschen Wesen Tiefstes anzudeuten, indem er auf das Unsichtbare dieses deutschen Wesens hinwies. Und dieses Unsichtbare, dieses im Geist zu Erfassende, das Fichte so energisch in Zeiten, als das deutsche Volk darniederlag, zur Aufmunterung sprach, es klingt uns auch heute noch in der rechten Weise, wenn auch nicht in Zeiten der Erniedrigung, sondern in Zeiten, in denen wir ein Höchstes, ein Wunderbarstes erleben, wir können eben gerade hinweisen auf das, was das deutsche Volk immer als sein Teuerstes erstrebt hat. Wir können heute wie aus der Seele dieses deutschen Volkes heraus und zu unserem eigenen Trost mit Schleiermacher sagen, mit ihm sagen, heute noch unsere Empfindungen aussprechend in Europas Mitte, in Europas Herz: «Deutschland ist noch da und seine unsichtbare Kraft ist noch ungeschwächt.» Und heute dürfen wir hinzufügen, nach allem, was sich aus deutscher Kraft herausentwickelt hat, darf es begründeter Weise hoffen: Diese unsichtbare Kraft des deutschen Volkes, sie ist nicht nur heute ungeschwächt, sie ist für unübersehbare Zeiten auch unverwüstlich.

[ 84 ] And it is peculiar that, drawing from the same spirit that inspired Goethe, Schiller, and Fichte, the German-minded Schleiermacher sought to shape his words on the connection between all human striving and the invisible—and that he, too, was led, one might say, to hint at the deepest essence of the German spirit by pointing to the invisible aspect of that German spirit. And this invisible realm, this reality to be grasped in the spirit—which Fichte so forcefully invoked to offer encouragement during times when the German people were downcast—still resonates with us today in just the right way, even if not in times of humiliation, but in times when we are experiencing something supreme and wondrous, we can point precisely to what the German people have always strived for as their most precious possession. Today, as if speaking from the very soul of this German people and for our own comfort, we can say with Schleiermacher—speaking with him, still expressing our feelings today in the midst of Europe, in the heart of Europe: “Germany is still here, and its invisible power remains undiminished.” And today we may add, after all that has developed out of German strength, that there is good reason to hope: This invisible strength of the German people is not only undiminished today; it is also indestructible for the foreseeable future.