The Human Soul, Fate and Death
GA 70a
2 December 1914, Munich
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The Human Soul, Fate and Death, tr. SOL
2. Die Menschenseele, das Schicksal und der Tod vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft
2. The Human Soul, Destiny, and Death from the Perspective of Spiritual Science
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Wenn gewiss zu jeder Zeit die großen Rätselfragen, die sich auf Schicksal und Tod beziehen, die Menschen zu Betrachtungen anregen müssen, so ist dies in unseren schicksalsschweren Tagen doch ganz besonders der Fall, wo die Frage nach dem Schicksal und das Rätsel des Todes unmittelbar oder mittelbar in so unzähligen Seelen durch die unmittelbaren Ereignisse des Tages erweckt werden. Nun habe ich oftmals darauf aufmerksam gemacht in den Vorträgen, die ich vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft hier halten durfte, wie die Fragen, wie diejenigen nach dem Schicksal und nach dem Wesen des Todes in unserer Zeit nach allen Anzeichen dieser unserer Zeit aus einer alten Betrachtungs- und Empfindungsweise allmählich übergehen müssen in eine wirkliche wissenschaftliche Betrachtungs- und Anschauungsweise.
[ 1 ] Ladies and gentlemen! While it is certainly true that the great enigmatic questions concerning fate and death must always inspire people to reflection, this is especially the case in these fateful times, when the question of fate and the mystery of death are being stirred up—directly or indirectly—in so many souls by the immediate events of the day. Now, I have often pointed out in the lectures I have been privileged to give here from the perspective of spiritual science how questions—such as those concerning destiny and the nature of death—must, in our time and according to all signs of our era, gradually transition from an old way of thinking and feeling to a truly scientific way of thinking and perceiving.
[ 2 ] So wie vor zwei, drei Jahrhunderten über die Menschheitsentwicklung eine Welle hinzog, welche die neuere naturwissenschaftliche Anschauung brachte, so gewahren wir, wie es in den Impulsen der Zeit in der Gegenwart liegt, dass Geisteswissenschaft, Wissenschaft über die Fragen des geistigen Lebens, von unserer Zeit an in die Kulturentwicklung der Menschheit einzieht. Nun muss aber betont werden, dass allerdings gerade dann, wenn geistige Fragen, geistige Rätsel in ein wissenschaftliches Licht gerückt werden sollen, das wissenschaftliche Forschen, das wissenschaftliche Arbeiten einen ganz anderen Charakter in gewissem Sinne annehmen muss als dieses wissenschaftliche Arbeiten, dieses wissenschaftliche Forschen für das äußere Naturleben und für die äußeren Naturtatsachen.
[ 2 ] Just as a wave swept over the development of humanity two or three centuries ago, bringing with it the modern scientific worldview, so we perceive—as is evident in the spirit of our times—that spiritual science, the science of the questions of spiritual life, is now becoming an integral part of humanity’s cultural development. It must be emphasized, however, that precisely when spiritual questions and spiritual mysteries are to be examined in a scientific light, scientific research and scientific work must, in a certain sense, take on a completely different character than the scientific work and research conducted for the external natural world and for external natural facts.
[ 3 ] Und das ist es, sehr verehrte Anwesende, was in so vielen Kreisen, man kann sagen, allgemein heute noch die herbsten Vorurteile wachruft gegen das, was Geisteswissenschaft zu sagen hat. Nicht nur, dass die allgemeinen Vorurteile vorliegen, die sich gegen jede neue Kulturströmung geltend machen, die sich geltend gemacht haben ja auch in weitesten Kreisen als die Morgenröte der neuen Naturwissenschaft aufleuchtete, sondern es liegt noch etwas ganz Besonderes vor, dass in einem viel höheren Grade die Menschheit wird umlernen müssen in Bezug auf Geisteswissenschaft, wie sie das hat müssen in Bezug auf Naturwissenschaft. Und lag der Menschheit auch noch vor wenigen Jahrhunderten ganz fern, entgegen allem Sinnenscheine annehmen zu sollen, [nicht] dass die Erde stillstehe [und] dass die Sonne nicht stillstehe; sondern [dass] die Sonne stillstehe und die Erde sich um sie bewege, so liegt es noch ferner im Grunde genommen dieser Menschenseele, nach ihrem heutigen Entwicklungsgang anzunehmen, dass das Leben des Geistes, die Ergebnisse der Geisteswissenschaft im eminentesten Sinne im Grunde widersprechen müssen alledem, was der äußere Sinnenschein darbietet, und dass schon die ganze Art des Forschens über geistige Gebiete eine andere Form annehmen muss als die äußere naturwissenschaftliche Forschung.
[ 3 ] And that, ladies and gentlemen, is what—in so many circles, one might say—still arouses the harshest prejudices today against what spiritual science has to say. Not only do the general prejudices exist that arise against every new cultural movement—prejudices that have indeed arisen even in the broadest circles when spiritual science first dawned as the dawn of a new natural science—but there is also something quite special at play: humanity will have to relearn its understanding of spiritual science to a far greater degree than it has had to do so with regard to natural science. And even though, just a few centuries ago, it was still entirely inconceivable to humanity—contrary to all apparent common sense—to accept [not] that the Earth stands still [and] that the Sun does not stand still; but [rather] that the Sun stands still and the Earth moves around it, it is even further removed from the very nature of the human soul, given its current stage of development, to accept that spiritual life—the findings of spiritual science in the most eminent sense—must fundamentally contradict everything presented by outward sensory appearances, and that the very nature of research into spiritual realms must take a different form than outward scientific research.
[ 4 ] Versuchen wir einmal, den elementarsten, primitivsten Charakter des äußeren naturwissenschaftlichen Forschens und Anschauens uns vor die Seele zu rücken! Er besteht ja darin, dass der Mensch zunächst seine Sinne und auch seinen Verstand, insofern dieser an das Gehirn gebunden ist, auf die Außenwelt hinrichtet, die Eindrücke der Außenwelt empfängt und sich Ideen, Gedanken, Begriffe über diese Außenwelt bildet. In diesen Ideen, Gedanken, Begriffen, die er sich bildet, hat er dann das in sich zu erleben, was man gewöhnlich die Naturgesetze nennt. Auf zweierlei darf hingewiesen werden bei diesem äußeren Forschen, wenn man den Unterschied dieses Forschens hervorheben will von dem, was Geisteswissenschaft will.
[ 4 ] Let us try to bring to mind the most elementary, most primitive nature of external scientific research and observation! It consists, after all, in the fact that human beings first direct their senses—and also their intellect, insofar as it is bound to the brain—toward the external world, receive impressions from the external world, and form ideas, thoughts, and concepts about this external world. In these ideas, thoughts, and concepts that they form, they must then experience within themselves what is commonly called the laws of nature. Two points may be noted regarding this external research if one wishes to emphasize the difference between this research and what spiritual science seeks.
[ 5 ] Auf der einen Seite kann man sagen: Diesem Forschen liegt vor, äußerlich vor ihm ausgebreitet, das, was in Wirklichkeit ist; und von dieser äußeren Wirklichkeit schreitet fort der menschliche Geist, schreitet fort die menschliche Seelenanschauung zu dem, was sie haben will, zu dem, was sie erreichen will, sodass Wissenschaft dieser äußeren Natur gewissermaßen eine Konsequenz, eine Folge des Erlebens der äußeren realen Wirklichkeit auf diesem Gebiete ist. Das andere, das sich jedem aufdrängt, der ein wenig das Verhalten der Seele zu diesem äußeren Forschen ins Auge fasst, das ist, dass wir in diesem Forschen, in diesem Fortschreiten von dem Anschauen der Außenwelt zu den Begriffen, Vorstellungen, Ideen, die wir uns machen, gleichsam von dem vollsaftig Wirklichen, von der inhaltsvollen Realität fortschreiten zu demjenigen, was dann in unseren Gedanken, Vorstellungen, Begriffen gewissermaßen ätherisch, dünn ist gegenüber dem Vollsaftigen der äußeren Wirklichkeit. Wir fühlen es: Stehen wir mit unseren Sinnen der Wirklichkeit gegenüber, so stehen wir im vollen Leben darinnen. Indem wir uns das Wissen, die Erkenntnis über die äußere Wirklichkeit bilden, entfernen wir uns von dieser vollsaftigen Wirklichkeit. Oftmals ist es betont worden: Wir gehen zu einer Art grauen inneren Erlebens fort, zu einem dünnen «Ätherischen».
[ 5 ] On the one hand, one could say: Before this research, spread out before it externally, lies what is real; and from this external reality, the human spirit moves forward, the human soul’s perspective moves forward toward what it desires, toward what it seeks to attain, so that science of this external nature is, in a sense, a consequence, a result of the experience of external, real reality in this realm. The other point, which becomes evident to anyone who considers even briefly the soul’s attitude toward this external research, is that in this research—in this progression from the perception of the external world to the concepts, representations, and ideas we form—we proceed, as it were, from the full, rich reality, from reality rich in content, to that which is then, in our thoughts and representations, concepts is, so to speak, ethereal and thin compared to the full, rich reality of the external world. We feel it: When we face reality with our senses, we are fully immersed in it. As we form our knowledge and understanding of external reality, we distance ourselves from this full, rich reality. It has often been emphasized: We move toward a kind of gray inner experience, toward a thin “ethereal” state.
[ 6 ] Nun muss der Geistesforscher den gerade umgekehrten Weg machen, den der Forscher in der äußeren Natur in der charakterisierten Weise zu machen hat. Der Forscher über die äußere Natur hat diese Natur vorliegend und er gelangt zuletzt zu dem, was den Inhalt seines Wissens, seiner Wissenschaft bildet, was in seiner Seele lebt. Der Geistesforscher muss ausgehen von dem, was in der Seele lebt, und alles das, was man Wissen, Wissenschaft, inneres Vorstellen, inneres Erleben in Gedanken und Begriffen nennen kann, was Resultat, Konsequenz der äußeren Forschung ist, das ist Vorbereitung für den Geistesforscher. Der Geistesforscher kann nicht von etwas ausgehen, was ihm äußerlich gegeben ist, er muss vom inneren, kraftvollen Erleben ausgehen, und das, was sonst Inhalt der Wissenschaft ist, das ist nur Vorbereitung auf dasjenige, was der Geistesforscher in seiner Seele lebendig machen kann, wenn er den Blick abwendet, die Aufmerksamkeit abwendet von allen äußeren Sinnesanschauungen, von alldem, was der Verstand unter dem Einfluss der äußeren Wirklichkeit denken kann.
[ 6 ] Now the spiritual researcher must take the exact opposite path from the one the researcher of external nature must take in the manner described. The researcher of external nature has that nature before him and ultimately arrives at what constitutes the content of his knowledge, his science—that which lives within his soul. The spiritual researcher must start from what lives in the soul, and everything that can be called knowledge, science, inner imagination, or inner experience in thoughts and concepts—which is the result and consequence of external research—serves as preparation for the spiritual researcher. The spiritual researcher cannot start from something that is given to him externally; he must start from inner, powerful experience, and what is otherwise the content of science is merely preparation for that which the spiritual researcher can bring to life within his soul when he turns his gaze and attention away from all external sensory perceptions, from everything that the intellect can conceive under the influence of external reality.
[ 7 ] Was der Geistesforscher hier erlebt unter dem Ausschluss der äußeren Wirklichkeit, wenn er nur rein auf innere Gedanken und Vorstellungserlebnisse den Seelenblick lenkt, wenn er die Aufmerksamkeit nun ganz auf das Innere wendet, in dem liegt seine Vorbereitung für sein Forschen. Was da in seinem Inneren vorgeht, um das handelt es sich. Was da in seinem Inneren vorgeht, dieser Umfang der inneren Erlebnisse, man kann das alles charakterisieren, indem man sagt: Der Weg des Geistesforschers geht durch die Gedankenkonzentration. Aber unter dieser Gedankenkonzentration muss man sich etwas vorstellen, was allerdings gegenüber dem, was man im gewöhnlichen Leben konzentriertes Denken nennt, große Unterschiede aufweist. Nicht als ob es etwas anderes wäre, es ist im Grunde genommen nur eine Steigerung desjenigen, was wir sonst auch im äußeren Leben Aufmerksamkeit nennen; aber es ist eine unbegrenzte Steigerung dieser Aufmerksamkeit.
[ 7 ] What the spiritual researcher experiences here, with external reality set aside—when he directs his soul’s gaze purely toward inner thoughts and imaginative experiences, when he turns his attention entirely inward—is the foundation for his research. What is happening within him—that is what matters. What is happening within him—this scope of inner experiences—can be characterized by saying: The path of the spiritual researcher lies through concentration of thought. But one must understand this concentration of thought as something that differs greatly from what is commonly called concentrated thinking in everyday life. It is not that it is something else entirely; fundamentally, it is merely an intensification of what we otherwise call attention in our external life; but it is an unlimited intensification of this attention.
[ 8 ] Dass man Vorstellungen, die zunächst nichts zu tun zu haben brauchen mit einer äußeren Wirklichkeit, dass man symbolische Vorstellungen, Ideen aufnimmt nur zu dem Zwecke, nicht um diese Ideen als solche ihrem Inhalt nachzudenken, sondern um alle inneren Kräfte der Seele, die sonst über die äußere Wirklichkeit zerstreut werden, zu konzentrieren auf einen inneren Punkt, auf den Punkt, den man mit einer Vorstellung in den Mittelpunkt des Seelenlebens gelenkt hat, darauf kommt es an. Da ist man dann ganz in sich; aber man ist nicht ruhig in sich. Da ist man innerlich tätig erlebend. Wer eine solche innere Gedankenkonzentration genügend lange — genügend lange bedeutet nicht ein paar Stunden, sondern wochen-, jahrelang, in wiederholter innerer Tätigkeit —, wer das genügend lange fortsetzt, der geht einen Weg in seiner Seele, der ihn zuletzt dazu führt, eine Wirklichkeit zu erleben. Wie man im gewöhnlichen Anschauen von der Wirklichkeit ausgeht und zum Seelenerleben fortschreitet, so geht man beim Geistesforschen von den konzentrierten inneren Erlebnissen aus und gelangt zu einer neuen geistigen Wirklichkeit. Diese neue geistige Wirklichkeit kann man nicht innerlich machen. Das, was man innerlich machen kann, ist lediglich Vorbereitung zum geistigen Anschauen. Diese geistige Wirklichkeit, die muss am Ende des Vorbereitungsweges an den Menschen herantreten. Während das Wissen also sonst als Folge erlangt wird des Hinschauens auf die äußere Wirklichkeit, wird bei der Geistesforschung die Wirklichkeit erlangt auf Grundlage des innerlich arbeitenden, des innerlich tätigen Wissens. Niemand kann das, wozu er dann kommt, irgendwie innerlich im Geiste machen. Was er im Geiste tun kann, ist, den Weg gehen, der dahin führt.
[ 8 ] That one should take in ideas—which at first need not have anything to do with external reality—that one should take in symbolic ideas, ideas—not for the purpose of reflecting on these ideas as such, but rather to concentrate all the inner forces of the soul—which would otherwise be scattered across external reality—onto a single inner point, the point that one has directed into the center of one’s inner life through a concept—that is what matters. Then one is entirely within oneself; but one is not at rest within oneself. One is inwardly active and experiencing. Whoever maintains such inner concentration of thought for a sufficiently long time—and “sufficiently long” does not mean a few hours, but weeks and years of repeated inner activity—whoever continues this for a sufficiently long time, walks a path within their soul that ultimately leads them to experience a reality. Just as in ordinary perception one proceeds from reality to a soul experience, so in spiritual research one proceeds from concentrated inner experiences and arrives at a new spiritual reality. This new spiritual reality cannot be created internally. What one can do inwardly is merely preparation for spiritual contemplation. This spiritual reality must come to the individual at the end of the path of preparation. Whereas knowledge is otherwise attained as a consequence of observing external reality, in spiritual research reality is attained on the basis of knowledge that works and acts inwardly. No one can, in any way, create internally in the spirit what they ultimately arrive at. What one can do in the spirit is to walk the path that leads there.
[ 9 ] Das, was ich damit charakterisiere, verspürte zum Beispiel ein solcher Geist wie derjenige, von dem ich gestern gesprochen habe, Johann Gottlieb Fichte, indem, was er schon wissen, erahnen konnte von dem Wissen wirklicher Geisteswissenschaft. Schöne Worte gerade in Bezug darauf hat er gesprochen:
[ 9 ] What I am describing here was felt, for example, by a thinker such as the one I spoke of yesterday, Johann Gottlieb Fichte, in that he was already able to know and intuit something of the knowledge of true spiritual science. He spoke beautiful words specifically in this regard:
Der natürliche Mensch vermag nicht durch eigene Kraft sich zum Übernatürlichen zu erheben, er muss durch die Kraft des Übernatürlichen selbst dazu erhoben werden.
Natural man cannot, by his own power, rise to the supernatural; he must be raised to it by the power of the supernatural itself.
[ 10 ] Das heißt, der Mensch muss dem Übernatürlichen entgegengehen, und dieses Übernatürliche muss ihn aufnehmen. Das ist es, um was es sich handelt. Von dem Ätherischen, von dem Dünnen des inneren Seelenerlebens gehen wir aus und hingelangen wir zu dem voll Inhaltlichen der geistigen Wirklichkeit.
[ 10 ] This means that human beings must reach out toward the supernatural, and the supernatural must receive them. That is what this is all about. We begin with the ethereal, with the subtle aspects of inner soul experience, and arrive at the full richness of spiritual reality.
[ 11 ] Gewiss, sehr verehrte Anwesende, die Einwände, die aus dem Zeitbewusstsein gemacht werden können gegen ein solches geisteswissenschaftliches Forschen, sind natürlich, sind, ich möchte sagen selbstverständlich; insbesondere der Einwand ist selbstverständlich, der immer wieder und wiederum erhoben werden wird, dass das, was also der Geistesforscher erlebt, ja keinen allgemeinen objektiven Wert haben könne, sondern dass das subjektive Erlebnisse seien, dass der Mensch, wenn er Erkenntnis haben will, im Grunde genommen darauf angewiesen sei, die Grenzen des Erkenntnisvermögens abzustecken und zu gestehen, dass das Übersinnliche beruhe auf subjektiven Erlebnissen. Dieser Einwand ist deshalb so sehr berechtigt, weil er wirklich gilt für den Anfang des Weges, weil wirklich der Anfang des Weges, solange diese Vorbereitung ist, innere Überwindungen, innere Kämpfe, innere Seelentragik in sich schließt, die subjektiv sind, die im Grunde genommen nur denjenigen persönlich angehen, der sie durchmacht. Aber etwas anderes ist das, wo man zuletzt ankommt, was man nicht aus seinem Inneren hervorruft, dem man begegnet, das einen hinnimmt. So wie man auf einen Berg die verschiedensten Wege hinaufgehen kann zum Gipfel, aber auf diesem zuletzt vom Gipfel aus nach allen Seiten sieht, so ist es beim Geistesforscher: Solange der Geistesforscher auf seinem Wege ist, gehen ihn gewissermaßen die Dinge nur persönlich an; dann aber, wenn er der geistigen Wirklichkeit entgegengetreten ist, dann steht er vor einem Objektiven, vor einem Realen, das übersinnlich so voll inhaltlich ist für den Geistesforscher, wie das Sinnliche voll inhaltlich für die äußere Beobachtung ist.
[ 11 ] Certainly, distinguished guests, the objections that can be raised from a temporal perspective against such spiritual scientific research are natural—I would even say self-evident; in particular, the objection that will be raised time and again—that what the spiritual researcher experiences cannot possibly have any general, objective value, but rather consists of subjective experiences; that if a person wishes to gain knowledge, they are fundamentally dependent on defining the limits of their cognitive capacity and acknowledging that the supersensible is based on subjective experiences—is self-evident. This objection is so very justified because it truly applies to the beginning of the path, because the beginning of the path—as long as it consists of this preparation—truly involves inner struggles, inner conflicts, and inner psychological turmoil that are subjective and, fundamentally, concern only the individual who goes through them. But what one ultimately arrives at is something else entirely—something one does not summon from within, but rather encounters, something that accepts one. Just as one can ascend a mountain by various paths to the summit, but from the summit one ultimately looks out in all directions, so it is with the spiritual researcher: As long as the spiritual researcher is on his path, things concern him, so to speak, only personally; but once he has encountered spiritual reality, he stands before something objective, before something real, which is as rich in content for the spiritual researcher in the supersensible realm as the sensible world is for external observation.
[ 12 ] Aber nun gibt es eines, das als besonders charakteristisch zu berücksichtigen ist, wenn der Geistesforscher den eben charakterisierten Weg durchmacht. Rufen wir uns noch einmal vor die Seele, worin dieser Weg besteht: Darin besteht er, dass man mit Ablenkung der Aufmerksamkeit von aller äußeren Sinneswelt, mit der gespanntesten, ins Unbegrenzte gesteigerten Aufmerksamkeit nur lebt in Vorstellungen, Begriffen, die die eigene Seele in sich erwecken kann. So lebt man sich hinein in ein allmählich in dieser Art gesteigertes, konzentriertes inneres Leben. Nun ist das Eigenartige: Je mehr es einem gelingt, diese innere Konzentration bis zu einem gewissen Punkt zu treiben, je mehr man dazu gelangt, innere Spannung zu erleben, in der man sich sagt: Du bist jetzt ganz darinnen in dem, was du dir vorgezeichnet hast, du hast vergessen deine ganze Leiblichkeit und Umgebung, du lebst nur in deinen konzentrierten Gedanken, desto mehr merkt man von einer gewissen Stufe an — denn vor dieser wird das innere Gedankenerleben immer stärker und stärker —, merkt man, dass dieses innere Gedankenleben wie in sich selber ein Erlöschen durchmacht, ein immer weniger und weniger Intensives wird. Und ein eigentümliches Erleben tritt auf, das man so beschreiben könnte, dass man sagt: Es ist, wie wenn der Gedanke, auf den man sich konzentriert hat, einen mit allen seinen Seelenkräften mitnähme und sich zerstreute in dem allgemeinen Äther der Welt. Das ist das Ergebnis dieser gespannten, gesteigerten, dieser, man möchte sagen technisch betriebenen inneren Konzentrations- und Aufmerksamkeitssteigerung.
[ 12 ] But there is one thing that must be taken into account as particularly characteristic when the spiritual researcher follows the path just described. Let us once again bring to mind what this path consists of: It consists in living—with one’s attention diverted from the entire external sensory world, with the most intense attention heightened to the infinite—solely within the images and concepts that one’s own soul can awaken within itself. In this way, one immerses oneself in an inner life that is gradually heightened and concentrated in this manner. Now here is the peculiar thing: The more one succeeds in driving this inner concentration to a certain point, the more one comes to experience an inner tension in which one says to oneself: “You are now completely immersed in what you have envisioned; you have forgotten your entire physicality and surroundings; you live only in your concentrated thoughts”—the more one reaches a certain stage—for before this, the inner experience of thought grows stronger and stronger—the more one notices that this inner life of thought undergoes a kind of extinction within itself, becoming less and less intense. And a peculiar experience arises that one could describe as follows: It is as if the thought on which one has concentrated were carrying one away with all one’s soul forces and dispersing into the general ether of the world. This is the result of this intense, heightened—one might say technically driven—internal concentration and increase in attention.
[ 13 ] Man kann das so ausdrücken, wenn man ein Bild gebrauchen will, dass man sagt: So weit muss die innere Gedankenkonzentration betrieben werden zum Behufe der Geistesforschung, dass der Gedanke erst stärker und stärker wird und dann, indem er sein Leben also in der Seele entfaltet, sich so weit steigert, dass er erstirbt und man mit ihm selber gewissermaßen seelisch fühlend dahinstirbt. Der Gedanke muss in der Seele erst ersterben — so könnte man es aussprechen —, wenn er den Menschen in die geistige Welt tragen soll.
[ 13 ] To put it this way, using an analogy: For the sake of spiritual research, one must pursue inner concentration of thought to such an extent that the thought first grows stronger and stronger and then, as it unfolds its life within the soul, intensifies to the point where it dies away, and one, so to speak, dies with it in a soulful sense. The thought must first die within the soul—so one might put it—if it is to carry the person into the spiritual world.
[ 14 ] Gelangt man so zu einer gewissen Stufe geistesforscherischer Tätigkeit, dann hat man gleichsam das erreicht, was man nennen könnte: ein inneres geistiges Fühlen und Tasten in der Welt. Das weiß der Geistesforscher in diesem Moment, wo der Gedanke anfängt zu ersterben, dass er nunmehr eintritt in eine Sphäre des Erlebens, des innerlich starken Erlebens, wo der Gedanke aufhört, wo aber die Lebenskräfte in sich gespannt erlebt werden. Das weiß der Geistesforscher, dass er in diesem Moment mit dem, was er innerlich erlebt, nicht innerhalb seines Gehirnwerkzeuges steht; das weiß er durch das unmittelbare Erlebnis. Er weiß: Du erlebst dich jetzt außerhalb deines Leibes. Und in diesem Erleben, das ein gespanntes wird, stirbt gewissermaßen das Bewusstsein. Und in diesem Ersterben tritt eine innere Erfahrung auf, eine innere Erfahrung, die außerordentlich bedeutsam ist, die erschütternd ist, wenn sie zum ersten Mal erlebt wird. Die Erfahrung, die da auftritt, das ist diese, dass man ein Gefühl bekommt: Das Hineinleben in die geistige Welt ist etwas ganz anderes als das in die äußere physische Welt.
[ 14 ] When one reaches a certain level of spiritual research, one has, as it were, attained what might be called an inner spiritual sensing and feeling one’s way through the world. The spiritual researcher knows at that very moment—when thought begins to fade—that he is now entering a sphere of experience, of intensely inner experience, where thought ceases, but where the life forces are experienced as a tension within oneself. The spiritual researcher knows that at this moment, what he experiences inwardly does not take place within the confines of his brain; he knows this through direct experience. He knows: You are now experiencing yourself outside your body. And in this experience, which becomes one of tension, consciousness, so to speak, dies away. And as consciousness begins to fade, an inner experience arises—an inner experience that is extraordinarily significant and deeply moving when experienced for the first time. The experience that arises is this: one gains the sense that living within the spiritual world is something entirely different from living within the outer physical world.
[ 15 ] Und hier ist es, wo man betonen muss, dass über die geistige Welt es deshalb so schwierig ist richtige Begriffe zu verbreiten, weil die meisten Menschen nach dem gegenwärtig üblichen Vorstellen eigentlich notwendigerweise sich diese Welt anders vorstellen müssen, als sie ist. Während man der physisch-sinnlichen Welt so gegenübersteht, dass man sagen kann: Da draußen ist sie, man schaut sie an, man nimmt sie auf durch seine Sinne und den Verstand, ist es mit der geistigen Welt und allem, was solcher Art ist, so, dass es vor einem steht, gleichsam alles Denken versinkt und etwas anderes auftritt. Das tritt auf, dass man sich selber wie hingenommen fühlt von einer Welt, dass man sich selber gegenüber dieser Welt so erfühlt, wie sich die Pflanze, der Stein draußen erfühlen müssten in dem Moment, wo sie erkennen könnten: Du wirst jetzt aufgenommen von einem Wissen, von einem Vorstellen eines Menschen. Wie die Gedanken etwa, die von der Außenwelt einströmen, sich hingenommen fühlten von uns, so fühlt sich derjenige, der wirklich geistesforscherisch mit seinem ganzen Wesen — indem er das Vorstellen in sich ersterben fühlt — aufgeht in dem Neuen, hingenommen von einer Welt. Das ist es, worauf es ankommt.
[ 15 ] And this is where it must be emphasized that it is so difficult to disseminate accurate concepts about the spiritual world because, given the ideas currently in common use, most people are, in fact, bound to imagine this world differently than it actually is. While one approaches the physical, sensory world in such a way that one can say, “There it is out there; one looks at it, one takes it in through one’s senses and intellect,” with the spiritual world and everything of that nature, it is as though, the moment it stands before one, all thinking subsides and something else emerges. What happens is that one feels as if one is being taken in by a world; one feels toward this world just as a plant or a stone out there would have to feel at the moment when they could recognize: “You are now being taken in by a human being’s knowledge, by a human being’s conception.” Just as the thoughts that flow in from the outer world feel absorbed by us, so too does the person who, through spiritual research, merges with the New with their entire being—as they feel their own imagination dying within them—feel absorbed by a world. That is what matters.
[ 16 ] Wie wir unsere Gedanken erfassen und sie hinnehmen und sie dann in uns sind, so erleben wir gleichsam das Schicksal von Gedanken. Wir werden selber Gedanken, können wir sagen, und fühlen, wie wenn wir ein Gedanke wäre und von übersinnlichen Wesenheiten erfasst würden, wie sonst unsere Gedanken von uns erfasst werden und wie wenn wir nun ruhten in diesen übersinnlichen Wesenheiten. Wir sind darinnen in diesen Wesenheiten. Da gewahren wir, wenn wir auf diese Stufe kommen, dass eine unsichtbare Welt über uns ist, aber dass wir sie nicht so erleben können, wie es sich manche vorstellen; sondern so muss sie erlebt werden, dass alles [Gedankenmäßige] aufhört und wir erlebend eingehen in eine übersinnliche Welt. Einen Moment ist es so, wie es etwa bei einem Menschen wäre, der stärker und stärker sein Gesicht und Gehör anstrengte, und mit verstärktem Gesicht und Gehör er blind und taub würde. So wird man gleichsam blind und taub für das Gedankenvorstellen, weil man fühlt: Du bist jetzt hingenommen von der geistigen Welt. Nicht: man erlebt, sondern man fühlt, man wird erlebt. Es muss immer und immer wieder betont werden: Das Hinaufdringen in die geistige Welt hat einen entgegengesetzten Charakter als das Hineindringen in die äußere, sinnliche Welt.
[ 16 ] Just as we grasp our thoughts, accept them, and allow them to become part of us, so we experience, as it were, the fate of thoughts. We ourselves become thoughts, so to speak, and feel as if we were a thought and were being grasped by supersensible beings—just as our thoughts are otherwise grasped by us—and as if we were now resting within these supersensible beings. We are within these beings. When we reach this stage, we perceive that there is an invisible world above us, but that we cannot experience it as some people imagine; rather, it must be experienced in such a way that all [thought-related activity] ceases and we enter, through experience, into a supersensible world. For a moment, it is as it would be, for example, with a person who strained his sight and hearing more and more, and who, with heightened sight and hearing, would become blind and deaf. In the same way, one becomes, as it were, blind and deaf to mental imagery, because one feels: You are now absorbed by the spiritual world. It is not that one experiences, but rather that one feels—one is being experienced. It must be emphasized again and again: The ascent into the spiritual world has a character opposite to that of the descent into the outer, sensory world.
[ 17 ] Nicht um ein Eindringen in eine gespenstige Welt, sondern um ein Erleben in einem anderen Sinne, als das gewöhnliche Erleben ist, um das handelt es sich. So ist man drinnen, — das ist alles, was man auf dieser Stufe nun weiß —, so ist man drinnen in einer geistigen Welt. So weiß man: Über dieser sinnlichen Welt schweben gleichsam geistige Wesenheiten, und du kannst von ihnen aufgenommen werden, wie dein Gedanke von dir aufgenommen wird. Aber man fühlt sich wie blind und taub, denn erstorben ist das Denken, das Wissen. Die gewöhnliche Wissenschaft muss erst ersterben, bevor man eindringen kann in die geistige Welt. Man fühlt sich wie blind und taub, aber tastend in der geistigen Welt. Die Lebenskräfte, die man in sich erfühlt, sind angespannt, und man fühlt sich tastend.
[ 17 ] This is not about entering a ghostly world, but about an experience that is different in nature from ordinary experience. So one is inside—that is all one knows at this stage—one is inside a spiritual world. So one knows: Spiritual beings, as it were, hover above this sensory world, and you can be received by them, just as your thought is received by you. But one feels as if one were blind and deaf, for thinking and knowledge have died away. Ordinary science must first die away before one can enter the spiritual world. One feels as if one were blind and deaf, but groping one’s way through the spiritual world. The life forces one senses within oneself are strained, and one feels one’s way forward.
[ 18 ] Man weiß aber, was es heißt, außerhalb seines Leibes zu sein. Damit, dass man das weiß, tritt eine Veränderung im ganzen menschlichen Erleben ein. Und diese Veränderung kann am besten charakterisiert werden, indem man auf etwas aufmerksam macht, auf das von diesem Orte aus schon oftmals hingewiesen worden ist, auf das wechselnde Bewusstseinserleben des Menschen — für jeden normalen Menschen wohl innerhalb 24 Stunden —, auf das wechselnde Bewusstseinserleben von Schlafen und Wachen. Indem der Geistesforscher das durchmacht, was geschildert worden ist, lernt er erkennen durch unmittelbares inneres Erleben, dass des Menschen eigentliche, innere Wesenheit über allem Leiblichen erlebt werden kann in sich, und er lernt erkennen — dadurch, dass er, wenn er diese Kraft, die damit angedeutet ist, in sich erlebt hat —, er lernt erkennen, dass er die Erlebnisse, die sonst im Schlaf vollständig unbewusst bleiben, die unbewusst in der menschlichen Seele erlebt werden, dass er diese durchleben kann mit der Kraft, die er sich also errungen hat.
[ 18 ] But one knows what it means to be outside one’s body. The very fact of knowing this brings about a change in the entire human experience. And this transformation can best be characterized by drawing attention to something that has often been pointed out from this perspective: the changing experience of consciousness in human beings—for every normal person, within a 24-hour period—namely, the shifting experience of consciousness between sleep and wakefulness. As the spiritual researcher goes through what has been described, he learns to recognize through direct inner experience that the human being’s true, inner being—which transcends all that is physical—can be experienced within himself; and he learns to recognize—once he has experienced within himself the power to which this refers— he comes to realize that he can live through the experiences that otherwise remain completely unconscious during sleep—those experienced unconsciously in the human soul—with the power he has thus attained.
[ 19 ] Nicht als ob der Geistesforscher den Schlaf nicht bräuchte, er braucht ihn; er kann aber künstlich herbeiführen Zustände, in denen er in die Lage kommt, so zu erleben, wie sonst der Mensch nur erlebt vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Denn der Geistesforscher weiß, indem er also erlebt: Du bist außerhalb deines Leibes, du entwickelst eine Tätigkeit, die nicht angewiesen ist auf Gehirn und Nervensystem, gelangt er dazu, auch zu erfassen durch wirkliche Erfahrung, was da durchgemacht wird vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Er gelangt dazu, zu erkennen, dass da in der Tat des Menschen eigentliche, geistig-seelische Wesenheit außerhalb des Leibes ist, dass beim Einschlafen der Mensch mit seiner geistig-seelischen Wesenheit seinen Leib verlässt und beim Aufwachen die geistig-seelische Wesenheit wiederum in den Leib untertaucht.
[ 19 ] It is not that the spiritual researcher does not need sleep—he does need it—but he can artificially induce states in which he is able to experience what a person otherwise experiences only from the moment of falling asleep until waking up. For the spiritual researcher knows that by experiencing—‘You are outside your body; you are carrying out an activity that does not depend on the brain and nervous system’—he comes to grasp through actual experience what is undergone from falling asleep to waking up. He comes to recognize that the human being’s true spiritual-soul entity is indeed outside the body, that when falling asleep, the human being leaves the body with his spiritual-soul entity, and that upon waking, the spiritual-soul entity re-enters the body.
[ 20 ] Aber nun kann der Geistesforscher, indem er gewissermaßen erfahrend erkennt, was da eigentlich außerhalb des Leibes ist im Schlafe, er kann auch aus diesem durchleuchteten Geistig-Seelischen, aus diesem gleichsam vor den Geistesaugen offenliegenden Geistig-Seelischen, er kann erkennen, warum die Seele vom Einschlafen bis zum Aufwachen unbewusst ist, warum sich Finsternis und Dunkelheit um sie ausbreitet. Es lebt dann von diesem Einschlafen bis zum Aufwachen in der Seele, etwas, wie gesagt, was wahrnehmbar wird für den Geistesforscher und was man nennen kann die in dem ganzen physischen Erleben zwischen Geburt und Tod immer in der Seele vorhandene Begierde, in den physischen Leib unterzutauchen. Dieses Begierdeleben, das erfüllt immer die Seele im gewöhnlichen Erleben zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen. Immer will die Seele — und durchfühlt sich mit diesem Willen — zurück in ihren Leib, und dieses Erleben, dieses Entwickeln dieser Begierde trübt dasjenige, was sonst im geistig-seelischen Erleben zwischen Einschlafen und Aufwachen da ist. Und erst wenn die Seele untertaucht in den physischen Leib, wenn diese Begierde erfüllt ist, dann kann sie ihre übersinnliche Tätigkeit entfalten und dann regt sie den physischen Leib an, dass der ihr wird zum Spiegel des äußerlichen Darlebens.
[ 20 ] But now the spiritual researcher, by recognizing—as it were, through experience—what actually lies outside the body during sleep, he can also perceive, from this illuminated spiritual-soul aspect—this spiritual-soul aspect that lies, as it were, open before the eyes of the spirit—why the soul is unconscious from the moment of falling asleep until awakening, and why darkness and gloom spread around it. From the moment of falling asleep until waking, there lives within the soul—as I said—something that becomes perceptible to the spiritual researcher and that can be called the desire, always present in the soul throughout the entire physical experience between birth and death, to immerse itself in the physical body. This life of desire always fills the soul in the ordinary experience between falling asleep and waking. The soul always wants—and feels this will within itself—to return to its body, and this experience, this unfolding of this longing, clouds what is otherwise present in the spiritual-soul experience between falling asleep and waking up. And only when the soul immerses itself in the physical body—when this longing is fulfilled—can it unfold its supersensory activity; only then does it stimulate the physical body so that it becomes a mirror of external life.
[ 21 ] Indem nun der Geistesforscher also erkennen lernt, was eigentlich in der Seele, in der leibfreien Seele, erlebt werden kann, nimmt er also unmittelbar wahr das, was sonst im Schlafe auslöscht. Er aber ist mit der Kraft, die er sich errungen hat, in der Lage zu durchhellen, zu durchklären das Geistig-Seelische von seinem Inhalt. Wenn der Mensch dieses Durchhellen und Durchklären aber bewirken will, so muss noch etwas anderes beim Geistesforscher eintreten, was das charakterisiert. Denn wir haben gesehen: Im Grunde genommen schwindet die Intensität des Denkens hinunter, im Grunde genommen fühlt sich der Mensch gedanklich blind und taub und nur wie tastend in der geistigen Welt. Das, was hinzutreten muss, damit er wiederum in ein geistiges Schauen und Hören übergehen kann, das liegt nun auf einem anderen Gebiete. Da muss etwas entwickelt werden, das ist das zweite Element der Geistesforschung, das sonst im Leben gleichsam schläft. Und um sich klarzumachen, was da entwickelt werden muss, kann man auf Folgendes den geistigen Blick richten.
[ 21 ] As the spiritual researcher thus comes to recognize what can actually be experienced in the soul—in the bodyless soul—he directly perceives that which is otherwise extinguished during sleep. But with the power he has attained, he is able to purify and clarify the spiritual-soul aspect of its content. But if a person wishes to bring about this purification and clarification, something else must occur within the spiritual researcher that characterizes this process. For we have seen: Essentially, the intensity of thought diminishes; essentially, the person feels intellectually blind and deaf, merely groping in the spiritual world. What must come into play so that the person can once again transition into spiritual seeing and hearing lies in a different realm. Something must be developed there—this is the second element of spiritual research, which otherwise lies dormant in life, as it were. And to understand clearly what must be developed there, one can direct one’s spiritual gaze to the following:
[ 22 ] Man betrachte einmal das, was man gewöhnlich Schicksal nennt. Dieses Schicksal, wie stehen wir in seinem Strom darinnen? Wir stehen so darinnen, dass — nun, wie wir eben oftmals sagen — wie als Zufall die Ereignisse des Schicksals an uns herantreten und von uns erlebt werden. Wir fühlen uns getrennt in unserer Innerlichkeit von dem, was uns da als Erlebnisse vom Schicksal zufällt. Gegenüber diesen Schicksalserlebnissen muss, um das zweite Element zu erfüllen, der Geistesforscher eine ganz andere Stelle einnehmen als der gewöhnliche Mensch eben einnimmt. Um das zu verstehen, sehe man einmal zurück auf das, was man etwa in der Jugend erlebt hat an diesen und jenen Wechselfällen des Schicksals, und man betrachte sich heute, betrachte das, was man in Bezug auf sein eigentliches Ich eigentlich ist. Man kann sich klarmachen, dass man das, was man ist, nicht wäre, bis in die Einzelheiten hinein nicht wäre, wenn man nicht diesen oder jenen Schicksalsschlag im Guten oder Bösen schon in diesem gewöhnlichen Leben erlebt hätte. Dass man in einem gewissen Augenblick dieses oder jenes so ‚oder so anfasst, sich so oder so dazu verhält, das hängt davon ab, dass man dieses oder jenes in seinem Schicksal erlebt hat. Wenn man nur wirklich unbefangen nachfragt: Was ist man denn eigentlich? Dann muss man sich sagen: Man ist das Ergebnis dieses seines Schicksals. Der Inhalt der Seele, das, was man kann oder wollen kann, ist das Ergebnis des Schicksals.
[ 22 ] Let us consider what is commonly called fate. This fate—how do we stand within its flow? We stand within it in such a way that—well, as we often say—the events of fate approach us and are experienced by us as if by chance. We feel separated in our inner being from what befalls us as experiences of fate. In the face of these experiences of fate, in order to fulfill the second element, the spiritual researcher must take a completely different stance than the ordinary person does. To understand this, let us look back on what we experienced in our youth—the various vicissitudes of fate—and consider ourselves today, consider what we actually are in relation to our true self. One can realize that one would not be what one is—not even down to the smallest detail—if one had not already experienced this or that stroke of fate, whether good or bad, in this ordinary life. The fact that at a certain moment one approaches this or that in such-and-such a way, or reacts to it in such-and-such a manner, depends on having experienced this or that in one’s destiny. If one simply asks with true impartiality: What is one, actually? Then one must admit: One is the result of one’s own destiny. The content of the soul—what one is capable of or can will—is the result of destiny.
[ 23 ] Man kann nun das, was in diesen Gedanken liegt, gewissermaßen zu einer anderen Seelenübung verwenden. Die erste Seelenübung hat uns stark gemacht im konzentrierten Denken, die zweite ist eine solche, die sich auf das fühlende Wollen, auf die inneren Seelenimpulse bezieht, auf das, was man eigentlich als ein Ich ist. Und man kann das, was als solche zweite Übung der Geistesforscher durchmachen muss, zunächst nennen die Meditation über die Wechselfälle, nun, sagen wir zunächst des eigenen Schicksals. Nicht theoretisch, sondern im wirklichen inneren Erleben sich klarmachen, wie man eigentlich das, was man jetzt ist, aus sich gemacht hat, dadurch, dass man dieses oder jenes durchgemacht hat, da wächst man hinein in sein Schicksal, wächst man zusammen mit ihm. Man wächst aus seinem gewöhnlichen Ich, das an Zufall glaubt, heraus, man verwebt sich mit dem Strom des Schicksals, entfremdet sich gleichsam seinem eigenen Inneren, geht in das Schicksal auf und weiß sich fortströmend mit dem Schicksal.
[ 23 ] One can now, in a sense, use what lies at the heart of these thoughts as another spiritual exercise. The first spiritual exercise has strengthened us in concentrated thinking; the second is one that relates to feeling-volition, to the inner impulses of the soul—to what one actually is as an “I.” And what the spiritual researcher must undergo as this second exercise can initially be called meditation on the vicissitudes—well, let us say, for now, of one’s own destiny. Not theoretically, but through real inner experience, one must realize how one has actually fashioned what one is now out of oneself by having gone through this or that; in this way, one grows into one’s destiny, growing together with it. One grows out of one’s ordinary “I,” which believes in chance; one interweaves oneself with the current of destiny, becomes estranged, as it were, from one’s own inner self, merges into destiny, and knows oneself to be flowing onward with destiny.
[ 24 ] Wenn diese innere Meditation Früchte trägt, dann tritt in dem Gemüt des Geistesforschers etwas ganz Besonderes ein. Der Geistesforscher kann nämlich bemerken, wenn er diesen Weg durchgemacht hat des konzentrierten Denkens, durchgemacht hat das Ersterben des Denkens, das Erfühlen in höheren übersinnlichen Wesenheiten — die ihn gleichsam aufnehmen, wie wir einen Gedanken —, wenn der Geistesforscher das alles durchgemacht hat, dann erlebt er in sich oder beobachtet vielmehr in sich, dass er erlebt etwas wie einen innerlichen Protest, wie eine innerliche Opposition gegen das, was er selber also mit seinem ganzen geistesforscherischen Weg getan hat. Und dieser Protest kann so ausgedrückt werden, dass man sagt: Der Geistesforscher kommt durch sein konzentriertes Denken an einem Punkt an, wo er sich fühlt, dass er sich wie aufgelöst hat mit seinem Seelenleben. Und er sträubt sich gegen dieses Auflösen. Dieser innerliche Protest, der wiederum ein erschütterndes Erlebnis ist, er mildert sich, er hört auf, er wird überwunden, wenn jene Übung gemacht wird mit dem Ergreifen des Schicksals, wenn man in das Schicksal sich einlebt. Und kann man sagen, dass der Gedanke erstirbt im konzentrierten Denken, wenn er seine höchste Energie erreicht hat, so kann man sagen: Man nimmt wahr, indem man in den Schicksalsstrom einzieht, man nimmt wahr, wie der Wille selber, der sonst im Innern des Menschen ist, ergriffen wird vom Schicksalsstrom. Während wir sonst die Außenwelt des Schicksals sehen wie etwas uns Gegenüberstehendes und unseren Willen im Innern, so erleben wir in dem, was uns als Schicksal trifft, unseren eigenen Willen, lernen wir das in unserem Willen sehen, wodurch wir uns selber im Leben formen. Unser Wille wird auferweckt und ergießt sich über unser ganzes Schicksal nach und nach. Wenn man eine solche Übung längere Zeit durchgemacht hat, dann erlebt man das im vollsten Umfang, was das zweite Element der geistesforscherischen Entwicklung ist. Das zweite Element ist die Auferweckung des schlafenden Willens in unserem Schicksal. Wir wachen selber auf außerhalb [von] uns in dem Strome unseres Schicksals, wir gehen ein mit dem, was wir sind, in das, was wir sonst das Äußerliche nennen.
[ 24 ] When this inner meditation bears fruit, something quite special occurs in the mind of the spiritual researcher. For the spiritual researcher may notice—once he has gone through this path of concentrated thinking, has experienced the dying away of thought, and has sensed higher supersensible beings — who, as it were, take him in just as we take in a thought — when the spiritual researcher has gone through all of this, he then experiences within himself, or rather observes within himself, something like an inner protest, an inner opposition to what he himself has accomplished through his entire spiritual research journey. And this protest can be expressed as follows: Through his concentrated thinking, the spiritual researcher reaches a point where he feels as if he has dissolved into his soul life. And he resists this dissolution. This inner protest—which is, in turn, a shattering experience—subsides, ceases, and is overcome when one performs the exercise of embracing destiny, when one immerses oneself in destiny. And just as one might say that the thought dies out in concentrated thinking once it has reached its highest energy, so one can say: By drawing into the current of fate, one perceives how the will itself—which is otherwise within the human being—is seized by the current of fate. Whereas we usually see the external world of destiny as something standing opposite us and our will as something within, in what befalls us as destiny we experience our own will; we learn to see this in our will, through which we shape ourselves in life. Our will is awakened and gradually pours out over our entire destiny. When one has undergone such an exercise for a long time, one experiences to the fullest extent what constitutes the second element of spiritual-scientific development. The second element is the awakening of the dormant will within our destiny. We awaken outside of ourselves in the flow of our destiny; we merge with what we are into what we otherwise call the external world.
[ 25 ] Indem wir so außer uns hinausgehen, erwachsen uns neue Seelenkräfte. Dies kann man so charakterisieren, dass man sagt: Während wir uns früher durch konzentriertes Denken das Gedankenleben ersterbend machten und uns dann blind und taub im geistigen Leben fühlten und nur tastend uns aufgenommen fühlten im Schweben übersinnlicher Welten, beginnen wir nun als ein Selbst in diesen Welten drinnen zu leben, beginnen wir ein kräftiges, ein höheres Bewusstsein in höheren Wesenheiten zu empfinden. Wir fühlen uns nun nicht bloß aufgenommen wie ein Gedanke sich in uns aufgenommen fühlte, der in uns bewusstlos bleibt, sondern wir gehen in eine Welt, in übersinnliche Wesenheiten, werden wie deren Gedanken, aber so, dass wir in ihnen lebendige Gedankenwesen sind, Selbstbewusstsein in ihnen entwickeln.
[ 25 ] As we step outside ourselves in this way, new spiritual powers arise within us. This can be characterized as follows: Whereas we used to stifle our inner life through concentrated thinking, leaving us feeling blind and deaf to spiritual life and only groping our way into the floating, supersensory worlds, we now begin to live within these worlds as a self; we begin to experience a powerful, higher consciousness within higher beings. We no longer feel merely absorbed—as a thought might feel absorbed within us while remaining unconscious—but rather we enter a world of supersensible beings, becoming like their thoughts, yet in such a way that we are living, thinking beings within them, developing self-awareness within them.
[ 26 ] Und mit diesem höheren Bewusstsein tritt etwas ein, was nun genannt werden darf eine Erweiterung einer Seelenkraft, die im gewöhnlichen Leben auch schon vorhanden ist, die aber im gewöhnlichen Leben sich nur erstreckt über die gewöhnlichen Erlebnisse der Erinnerung. Wir erinnern uns an das, was wir von einem gewissen Zeitpunkt aus nach unserer Geburt im gewöhnlichen Leben erfahren haben; wir können diese Erlebnisse in unserer Seele wieder heraufrufen, wir können uns auch sagen: Könnten wir uns nicht erinnern, so wären wir nicht, was wir sind. Unserer Erinnerung verdanken wir, was wir uns erscheinen. Wir müssen zurückblicken können auf unser Leben. Diese Fähigkeit, zurückblicken zu können auf unser Leben, die wird erweitert, die wird gesteigert durch die angeführte Meditation über das Schicksal, die aber so weit getrieben werden muss, dass wir wirklich so, wie wir sonst im Leibe fühlen, wir uns in den Taten unseres Schicksals fühlen. Dann erwächst uns außerhalb unseres Leibes eine neue Seelenkraft, die hinter unsere Geburt zurückgeht. Wir fassen jetzt, wie wir durch die Erinnerung die Ereignisse seit einem gewissen Punkte nach der Geburt ins Auge fassen, Ereignisse ins Auge, die vor der Geburt liegen, die wir durchlebt haben in einem geistigen Leben, das unserer Geburt vorangegangen ist, und wir wissen, dass, wie wir uns machen zu dem, was wir sind im gewöhnlichen Leben, durch das, was wir schon in diesem Leben durchgemacht haben, dass wir uns durch jene vorgeburtlichen Erlebnisse zu dem ganzen Schicksalsmenschen und Temperamentsmenschen, der wir sind, aus der geistigen Welt heraus gemacht haben.
[ 26 ] And with this higher consciousness comes something that may now be called an expansion of a soul power that is already present in ordinary life, but which in ordinary life extends only as far as the ordinary experiences of memory. We remember what we have experienced in ordinary life from a certain point in time after our birth; we can recall these experiences in our soul, and we can also say to ourselves: If we could not remember, we would not be who we are. It is thanks to our memory that we are who we appear to be. We must be able to look back on our lives. This ability to look back on our lives is expanded and intensified by the aforementioned meditation on destiny; however, it must be taken so far that we truly feel—just as we otherwise feel within our bodies—that we are present in the events of our destiny. Then a new soul force arises within us, outside our body, one that extends back beyond our birth. We now grasp how, through memory, we take in the events from a certain point after birth—events that lie before birth, which we have lived through in a spiritual life that preceded our birth— and we know that just as we become who we are in ordinary life through what we have already experienced in this life, so too have we, through those prenatal experiences, shaped ourselves from the spiritual world into the whole being of destiny and temperament that we are.
[ 27 ] Wir erweitern mit anderen Worten durch die Meditation über das Schicksal unsere Seelenkraft in die Kraft der Erinnerung an ein Leben, das wir außerhalb des Leibes erlebt haben. Und mit diesem Erleben, das wir außerhalb des Leibes erlebt haben, erwerben wir uns zu gleicher Zeit die Einsicht in die ganze Natur dieses Lebens außerhalb des Leibes, das wir vor der Geburt durchgemacht haben. Es gehört einfach zu den Erfahrungen, die diese erweiterte Erinnerung macht, dass sie durchschaut, warum sie dieses Erdendasein durch die Geburt aufgesucht hat. Sie hat es aufgesucht, weil sie dieses Seelenleben angliedern muss als eine Wirkung früherer Erdenerlebnisse an diese, und es ergibt sich als unmittelbare innere Erfahrung, die von dem gekennzeichneten Punkt der Entwicklung an ebenso erlebt ist wie für den Sinnesmenschen die Farbe, es ergibt sich das, was man nennen kann: die Erkenntnis von den wiederholten Erdenleben, jene Erkenntnis von dem vollständigen Leben des Menschen, die ihn so dargestellt werden lässt, dass er durchmacht wiederholte Erdenleben und zwischen Tod und neuer Geburt immer wieder und wiederum Leben in der geistigen Welt, in denen verarbeitet wird dasjenige, was auf der Erde erlebt wird.
[ 27 ] In other words, through meditation on destiny, we expand our soul’s power into the power of remembering a life we experienced outside the body. And through this experience—which we had outside the body—we simultaneously gain insight into the entire nature of that life outside the body that we lived before birth. It is simply part of the experience that this expanded memory has that it comes to understand why it sought out this earthly existence through birth. It sought it out because it must link this soul life to this one as an effect of earlier earthly experiences, and it arises as an immediate inner experience that, from that specific point of development onward, is experienced just as color is for the sensory human being, what emerges is what one might call: the realization of repeated earthly lives—that realization of the human being’s complete life, which reveals him as one who undergoes repeated earthly lives and, between death and a new birth, time and again lives in the spiritual world, where what is experienced on Earth is processed.
[ 28 ] Man kann nicht sagen, dass dieses geistige Erleben, von dem hier gesprochen ist, diese geistige Wissenschaft, nicht immer gerade in besten Geistern der Menschheitsentwicklung schon geschlummert hätte; unsere Zeit scheint nur dazu berufen zu sein, das, was in den besten Geistern geschlummert hat, zu einem wirklichen Wissen herauszuheben. Man kann, wenn man ein ganz aufgeklärter Mensch sein will, auf einen Menschen wie Lessing hinblicken, ihn bewundern und sagen: Nun ja, er hat außerordentlich Großes geschaffen, aber da hat er auch noch am Ende seines Lebens wie sein geistiges Testament «Die Erziehung des Menschengeschlechts» geschrieben, und in dieser «Erziehung des Menschengeschlechts» hat er auch von sich aus als Hypothese vertreten, dass der Mensch nicht nur einmal auf der physischen Erde lebt, sondern in wiederholten Erdenleben dieses Leben durchläuft. Da ist [er] eben alt geworden, kann man sagen, da ist er schon schwach geworden. Gewiss, man kann sich sehr aufgeklärt fühlen in einer solchen Beurteilung; aber so natürlich solch eine Beurteilung für unsere Zeit noch sein mag, sie ist gegenüber dem Fortschritt der Menschheit doch nicht anders als jenes Urteil, das man vor Kopernikus gehabt hat: die Erde stehe still, die Sonne bewege sich um sie und müsse sich bewegen, und das man als Vorurteil entgegengebracht hat dem Kopernikus.
[ 28 ] One cannot say that this spiritual experience, of which we are speaking here—this spiritual science—has not always been lying dormant in the finest minds of human development; our time simply seems destined to bring to light, as true knowledge, what has been lying dormant in those finest minds. If one wishes to be a truly enlightened person, one can look to a man like Lessing, admire him, and say: Well, he created something extraordinarily great, but toward the end of his life he also wrote *The Education of the Human Race* as his spiritual testament, and in this *Education of the Human Race* he also put forward, of his own accord, the hypothesis that human beings do not live on the physical earth just once, but pass through this life in repeated earthly existences. One might say that [he] had simply grown old by then; that he had already become frail. Certainly, one can feel very enlightened in making such a judgment; but however natural such a judgment may still be for our time, in light of humanity’s progress it is no different from the judgment held before Copernicus: that the Earth stood still, that the Sun moved around it and had to move, and that this was met with prejudice against Copernicus.
[ 29 ] Nicht anders als dieses Vorurteil, das lange, lange geschlummert hat in den Menschen, ist das Vorurteil, das gegen die wiederholten Erdenleben heute geltend gemacht wird. Und ebenso, wie besiegt hat der naturwissenschaftliche Fortschritt alle Vorurteile gegen denselben, wird besiegen der geisteswissenschaftliche Fortschritt alle Vorurteile, die sich dagegen geltend machen. Recht wird man Lessing geben mit seinem Werk, wenn er sagt: Sollte denn diese Hypothese von den wiederholten Erdenleben — für die Geisteswissenschaft ist sie keine Hypothese mehr, sondern etwas in dem Sinne der heutigen Auseinandersetzungen Erlebbares, aber Lessing spricht sie noch als Hypothese an —, sollte sie deshalb, weil man sie findet im Grunde der Erkenntnisse der ältesten der Urvölker, weil sie dem menschlichen Verstand aufgegangen ist, bevor er durch die Sophisterei der Schule verdüstert und zerstreut worden ist, sollte sie deshalb weniger wertvoll sein als eine andere? Man wird erkennen, dass das, was Lessing gesagt hat — wirklich das, was ich gestern tapfere [Wissenschaft] genannt habe —, dass sich das wirklich zum Range echter Wissenschaft wird erheben lassen.
[ 29 ] The prejudice held today against the idea of repeated earthly lives is no different from this prejudice that has long, long lain dormant within people. And just as scientific progress has overcome all prejudices against the natural sciences, so too will spiritual-scientific progress overcome all prejudices that are raised against it. One must agree with Lessing in his work when he says: Should this hypothesis of repeated earthly lives—for spiritual science it is no longer a hypothesis, but something that can be experienced in the context of today’s debates, though Lessing still refers to it as a hypothesis— should it therefore—simply because it is found at the very foundation of the knowledge of the oldest indigenous peoples, simply because it dawned on the human mind before it was clouded and scattered by the sophistry of formal education—should it therefore be any less valuable than any other? One will recognize that what Lessing said—truly what I yesterday called “courageous [science]”—can indeed be elevated to the rank of genuine science.
[ 30 ] Dann wenn das, was hier angedeutet worden ist, wirklich von den Menschen erfasst werden wird, dann werden die Menschen über die Schicksalsfrage anders denken als heute, dann werden sie das, was das Schicksal bringt, als mit ihrem Wesen innig verwandt nehmen, dann werden sie wissen, dass sie durch das Schicksal als bewusste Wesen in die höhere geistige Welt hineingestellt sind. Mit dem Schicksal werden die Menschen in ihrer ganzen Weltanschauung — man kann so sagen — zusammenwachsen; das Schicksal wird als etwas angesehen werden, was dazu da ist, dem Menschen ein höheres Selbst zu leihen, wie uns unser Leib das gewöhnliche Selbst des Alltags, das wir brauchen, um Persönlichkeit zu sein, verleiht.
[ 30 ] Then, when what has been hinted at here is truly grasped by people, they will think differently about the question of destiny than they do today; they will accept what destiny brings as something intimately connected to their very being; they will know that, through destiny, they are placed as conscious beings within the higher spiritual world. People will, so to speak, grow together with destiny in their entire worldview; destiny will be regarded as something that exists to lend human beings a higher self, just as our physical body lends us the ordinary, everyday self that we need in order to be a personality.
[ 31 ] Und dann, wenn der Mensch also mit seinem Schicksal zusammenwächst, dann wird ihm auch nach und nach nicht mehr unbegreiflich erscheinen das, was die Geisteswissenschaft über den Tod und seine Rätsel zu sagen hat. Man hat nicht umsonst — ich habe es schon öfters hier erwähnt — das Erlebnis, bei dem der Geistesforscher anlangt, wenn er auf der einen Seite ergreift das konzentrierte Denken und es ersterben fühlt und wenn er auf der andern Seite das Aufwachen desjenigen findet, was sonst als wirklich nur im Menschen lebt in dem ganzen Schicksalsstrom — man hat das Erlebnis, das er da durchmacht, nicht umsonst genannt in den wahren mystischen Weltanschauungen: das Herankommen an die Pforte des Todes.
[ 31 ] And then, as a person grows into their destiny, what spiritual science has to say about death and its mysteries will gradually cease to seem incomprehensible to them. It is not for nothing—as I have mentioned here many times before—that the spiritual researcher arrives at the experience in which, on the one hand, he grasps concentrated thought and feels it fade away, and on the other hand, he finds the awakening of that which otherwise lives truly only within the human being in the entire stream of destiny — it is not for nothing that the experience he undergoes there has been called, in the true mystical worldviews, “approaching the gate of death.”
[ 32 ] Denn in der Tat ist das, was der Geistesforscher also erlebt, wenn auch nicht als unmittelbare Wirklichkeit, so doch im Bilde, das Erfahren des Todes. Wenn der Geistesforscher sich, indem er durch seine zwei elementaren Vorbereitungserlebnisse dazukommt, das Geistig-Seelische in sich zu durchklären, zu durchleuchten, erlebt so, dass er sich sagen muss: Du hast dein Leibliches verlassen, du schaust auf dieses Leibliche, du weißt, was es heißt, außerhalb des Leibes zu leben. Was da nur im Bilde erlebt wird vom Geistesforscher, wenn er an die Pforte des Todes erkennend herantritt, das wird eben von jedem Menschen erlebt, wenn er durch die Pforte des Todes geht, dann nimmt sich der Leib gleichsam hinweg von dem Geistig-Seelischen; und durch dieses Erlebnis wird ausgelöscht das, was sonst immer im Geistig-Seelischen vorhanden ist.
[ 32 ] For in fact, what the spiritual researcher experiences—even if not as immediate reality, then at least in a symbolic sense—is the experience of death. When the spiritual researcher, having arrived at the point of clarifying and illuminating the spiritual-soul aspect within himself through his two elementary preparatory experiences, experiences it in such a way that he must say to himself: You have left your physical body behind; you are looking upon this physical body; you know what it means to live outside the body. What the spiritual researcher experiences there only in a figurative sense when he approaches the threshold of death with insight is precisely what every human being experiences when he passes through the threshold of death; then the physical body, as it were, withdraws from the spiritual-soul aspect; and through this experience, that which is otherwise always present in the spiritual-soul aspect is extinguished.
[ 33 ] Denn der Geistesforscher erkennt: Wenn der Mensch vom Einschlafen bis zum Aufwachen außerhalb seines Leibes ist, so lebt in ihm die Begierde nach seinem Leibe. Er erkennt zugleich, indem er in dem angedeuteten Sinne an die Pforte des Todes herantritt, wie durch das wirkliche Erleben beim Durchschreiten der Todespforte, wie durch dieses wirkliche Erlebnis des Todes, durch diese Auflösung, durch dieses Hingenommen-Werden des Leibes ausgetilgt wird in der Seele nach und nach diese Begierde nach dem Leibe. Und indem sie ausgelöscht wird, ist es so, wie wenn ein den Leib durchsetzender Nebel aus dem Leibe heraustreten würde und es hell würde. Der Mensch wird wirklich aufgenommen in die Sphäre der Wesenheiten, die sonst übersinnlich und unsichtbar sind; der Mensch wird hingenommen wie die Gedanken vom Menschen, und Sterben heißt hingenommen werden von den geistigen Wesenheiten.
[ 33 ] For the spiritual researcher recognizes that when a person is outside their body from the moment they fall asleep until they wake up, the longing for their body lives within them. At the same time, as he approaches the gate of death in the sense described, he recognizes how—through the actual experience of passing through the gate of death, through this real experience of death, through this dissolution, through this surrender of the body—this longing for the body is gradually eradicated from the soul. And as it is extinguished, it is as if a mist pervading the body were to emerge from it, and light were to shine forth. The human being is truly received into the sphere of beings that are otherwise supersensible and invisible; the human being is received just as thoughts are received by the human being, and dying means being received by the spiritual beings.
[ 34 ] Aber dieser Moment des Todes, in dem er so erlebt wird, dass der Mensch zurückschaut auf das Weggenommen-Werden des Leibes, das ist ein Erlebnis, das eine Konsequenz hat. So wie der Geistesforscher erlebt dadurch, dass er in sein Schicksal hineinwächst, eine Erweiterung seiner Erinnerung, erlebt der Mensch im Allgemeinen, wenn er durch die Pforte des Todes geht, eine Erweiterung seiner Erinnerung, indem er zurückblickt auf sein im Leibe durchgemachtes Leben. Das, was sich darbietet im Moment des Todes, ist auslösend für gewisse Seelenkräfte, die in ihm ausgelöst werden, wenn er hingenommen wird von den höheren ihn erfassenden Wesenheiten.
[ 34 ] But this moment of death—experienced as the human being looking back on the taking away of the body—is an experience that has consequences. Just as the spiritual researcher, by growing into his destiny, experiences an expansion of his memory, so too does the human being in general, when passing through the gate of death, experience an expansion of his memory by looking back on the life he has lived in the body. What presents itself at the moment of death triggers certain soul forces within the person, which are set in motion when he is received by the higher beings who take hold of him.
[ 35 ] Und jetzt tritt etwas Besonderes ein. Um das einzusehen, müssen wir auf etwas aufmerksam machen. Wodurch haben wir denn im gewöhnlichen Leben dieses unser Selbstbewusstsein, diese Art des Bewusstseins, wodurch wir uns als Ich ansprechen? Vom Einschlafen bis zum Aufwachen sprechen wir uns nicht als Ich an; wir müssen untertauchen in unseren Raumesleib, um uns als Ich anzusprechen. Im Grunde genommen ist es so, dass wir jeden Morgen, wenn wir untertauchen in unseren Leib und unsere Augen, Ohren und anderen Sinne gebrauchen, erst gewahr werden: Wir sind ein Ich. In unserem Raumesleib erlangen wir unser Selbstbewusstsein. Der Geistesforscher kann das in sich selbst konstatieren, indem er außerhalb seines Leibes all den Kampf durchzumachen hat, um abzutöten und hinzudämpfen die Begierde nach dem Leibe; er weiß, was er anwenden muss an höheren Erinnerungskräften, um ein Selbst zu sein, wie er mit seinem Schicksal zusammenwachsen muss. Das, was er also erlebt, wird sonst erlebt durch den Anblick des Leibesverlassens.
[ 35 ] And now something special happens. To understand this, we need to draw attention to something. In our everyday lives, what is the source of our self-awareness—this kind of consciousness through which we address ourselves as “I”? From the moment we fall asleep until we wake up, we do not address ourselves as “I”; we must immerse ourselves in our physical body to address ourselves as “I.” Essentially, every morning when we immerse ourselves in our body and use our eyes, ears, and other senses, we first become aware: We are an “I.” In our physical body, we attain our self-awareness. The spiritual researcher can observe this within himself by having to endure, from outside his body, the entire struggle to suppress and quell the craving for the body; he knows what higher powers of memory he must employ to be a self, and how he must grow together with his destiny. What he thus experiences is otherwise experienced through the sight of leaving the body.
[ 36 ] Und eine andere Kraft tritt auf: Wir können nicht mehr in einen Leib eintreten. Das, was aber jetzt eintritt, ist die Erinnerung, dass wir im Leibe waren. Das ist das Bedeutsame. Wir würden in dem Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt nicht zu einem Ich[-Bewusstsein] kommen, wenn wir gleichsam Gedanken der höheren Wesenheiten bloß wären; nur dadurch, dass wir immer zurückschauen können in unser vergangenes Erdenleben, dass wir statt des Raumesleibes im gewöhnlichen Leben nach dem Tode einen Zeitenleib haben, dadurch haben wir Selbstbewusstsein. In immerwährendem Zurückschauen auf das Zeitenleben erinnern wir uns an dieses Zeitenleben und entzünden dadurch unser Selbstbewusstsein. Während unser Selbstbewusstsein entzündet wird im gewöhnlichen Leben durch den Raumesleib, wird es entzündet nach dem Tode durch das, was wir die gesteigerte Erinnerung nennen an das, was wir in der Zeit zwischen der Geburt und dem Tode waren. Statt des Raumes tritt die Zeit ein für die geschilderten Verhältnisse nach dem Tode. So sehen wir, wie der Tod seinem Wesen nach eine weckende Kraft hat für des Menschen übersinnliche Wesenheit, wie das, was wir im Tode erleben, uns die Fähigkeit verleiht, nach dem Tode Selbstbewusstsein zu entwickeln. Wie der Gedanke in uns erstirbt, und unser Selbst entzündet werden muss durch das Aufgehen im Schicksal, so wird der Mensch nach dem Tode sein Selbstbewusstsein entzünden durch das Zurückblicken auf sein Erdenleben.
[ 36 ] And another force comes into play: We can no longer enter a body. But what does come into play now is the memory that we were in a body. That is what is significant. In the life between death and a new birth, we would not attain a sense of self if we were, as it were, merely thoughts of higher beings; it is only because we can always look back on our past earthly life—because, instead of the spatial body of ordinary life, we have a temporal body after death—that we possess self-awareness. In our ceaseless looking back upon our temporal life, we recall this temporal life and thereby kindle our self-consciousness. Whereas our self-consciousness is kindled in ordinary life through the spatial body, after death it is kindled through what we call the heightened memory of what we were in the time between birth and death. Time takes the place of space in the conditions described after death. Thus we see how death, by its very nature, possesses an awakening power for the human supersensible being, and how what we experience in death grants us the ability to develop self-consciousness after death. Just as thought dies within us and our self must be kindled through immersion in destiny, so too will the human being, after death, kindle their self-consciousness by looking back on their earthly life.
[ 37 ] So erhalten wir eine sehr reale Vorstellung von dem, was man sonst im Menschen seelisch-geistiges Inneres nennt, so kommen wir zu einem Erfühlen des lebendigen, seelisch-geistigen Wesenskerns des Menschen, desjenigen Wesenskerns, den schon Johann Gottlieb Fichte, soweit er das in seiner Zeit konnte, so erfühlte, wie [ich das gestern von ihm mitgeteilt habe]. Zu der gestrigen Stelle sei heute die andere gefügt, wo er in seiner Schrift über die Bestimmung des Gelehrten davon spricht, wie die Seele sich erfühlt, wenn sie ihre geistig-seelische Wesenheit, begründet im ewigen Übersinnlichen, wirklich zu erfassen vermag. Da sagt Fichte: «Und wenn ihr alle, Felsen und Berge, die ihr aufgetürmt seid, auf mich herunterstürzt ...» /Lücke im Text].
[ 37 ] In this way, we gain a very real sense of what is otherwise called the soul-spiritual inner life of the human being; in this way, we come to feel the living, soul-spiritual core of the human being—the very core that Johann Gottlieb Fichte, to the extent that he was able to do so in his time, already sensed, as [I mentioned yesterday regarding him]. To yesterday’s passage, let us add another today, where, in his treatise on the Vocation of the Scholar, he speaks of how the soul feels when it is truly able to grasp its spiritual-soul essence, grounded in the eternal supersensible. There Fichte says: “And if all of you—rocks and mountains—who have piled yourselves up, were to come crashing down upon me…” /gap in the text].
[ 38 ] Das, was also von besten Geistern erfühlt ist, das zum Range des wissenschaftlichen Erkennens zu erheben, hat die Geisteswissenschaft zur Aufgabe. Nun kann man sagen: Gewiss, es kann in unserer Zeit noch nicht jeder solche Erlebnisse durchmachen, welche ihn zum unmittelbaren Erfassen der geistigen Welt führen, wie geschildert. Aber das ist durchaus nicht nötig. Diese inneren Erlebnisse sind notwendig, damit das, was über die geistige Welt zu sagen ist, heraufgeholt wird aus dem Abgrund, in dem es sonst versenkt ist. Zum Heraufholen sind diese Kräfte nötig; wenn aber das, was also über den Zusammenhang des menschlichen Schicksals und des Todes gesagt ist, in Ideen geformt ist, hineingebracht ist in die Sprache der menschlichen Vorstellungen, dann brauchen diese Seelenerlebnisse nicht gemacht zu werden, sondern man sieht ungefähr das, was so zutage gebracht worden ist durch den Geistesforscher, so durch die innere Fähigkeit zur Wahrheit als richtig ein, wie man einsicht die mathematischen Urteile, wenn sie durch jemand formuliert an uns herantreten. Denn das muss immer wieder und wiederum gesagt werden: Zwar ist jeder Mensch, ausnahmslos jeder Mensch dazu berufen, wenn er das in sich durchmachen will, was heute geschildert worden ist, die geistige Welt unmittelbar anzuschauen, das menschliche Wesen in seiner Ewigkeit zu erkennen, aber es braucht nicht jeder Mensch. Jeder Mensch aber kann, wenn er sich nur nicht selber Hindernisse und Vorurteile in den Weg wirft, das, was die Geistesforschung sagt, wirklich erkennen und richtig einsehen. Dem widerspricht nicht, dass heute noch die Mehrzahl der Menschen von den Ergebnissen der Geistesforschung sagt: Das ist eitel Phantasterei, der reine Blödsinn, das sind Hirngespinste von einigen Denkern, das widerspricht dem nicht. Der Mensch entscheidet nicht nach Gründen in Wirklichkeit, beweist in Wirklichkeit nicht, sondern der Mensch entscheidet nach Denkgewohnheit. Und die heutigen Denkgewohnheiten sind das Ergebnis jenes Denkens, jenes Vorstellens, das gerade den Beruf hatte, in die äußere, sinnliche Wirklichkeit einzudringen, das sich daran gewöhnte, an dieser äußeren Sinnlichkeit zu haften.
[ 38 ] The task of spiritual science is to elevate to the level of scientific knowledge that which is perceived by the finest minds. Now one might say: Certainly, not everyone in our time can yet undergo the kinds of experiences described here that lead to a direct perception of the spiritual world. But that is by no means necessary. These inner experiences are necessary so that what can be said about the spiritual world may be brought up out of the abyss into which it is otherwise sunk. These powers are necessary for this retrieval; but once what has been said about the connection between human destiny and death has been shaped into ideas and expressed in the language of human concepts, then these soul experiences need not be undergone—instead, one perceives roughly what has been brought to light by the spiritual researcher, and one accepts it as true through the inner capacity for truth, just as one understands mathematical propositions when they are presented to us by someone who has formulated them. For this must be said again and again: Although every human being—without exception—is called upon, if they wish to undergo within themselves what has been described today, to gaze directly upon the spiritual world and to recognize the human being in its eternity, not every human being needs to do so. Every human being, however, can—provided they do not place obstacles and prejudices in their own way—truly recognize and correctly understand what spiritual research says. This is not contradicted by the fact that even today the majority of people say of the findings of spiritual research: “That is mere fantasy, pure nonsense; those are the figments of the imagination of a few thinkers”—that does not contradict it. In reality, people do not make decisions based on reasons, nor do they actually prove anything; rather, they make decisions based on habits of thought. And today’s habits of thought are the result of that very thinking, that very imagination, which had the specific task of penetrating external, sensory reality and which became accustomed to clinging to this external sensibility.
[ 39 ] Es ist heute natürlich, dass die Mehrzahl der Menschen, gerade indem sie sich aufgeschwungen hat zu diesem naturgemäßen Denken, gar nicht herankann an das Entwicklungsgesetz. Aber so naturgemäß das ist, so liegt doch die Zeit vor, in der der Bogen des materialistischen Denkens auf der einen Seite so sehr gespannt ist, dass er auf der andern reißen muss. Und überall sind die Zeichen vorhanden, dass die Menschheit darangeht, so wie sie sich enthusiastisch dem naturwissenschaftlichen Denken zugewendet hat, zu ergreifen das geisteswissenschaftliche Denken. Heute hat man noch alle möglichen so und so gearteten Einwände gegen dieses geisteswissenschaftliche Denken; allein auch darüber haben, ich möchte sagen die besten Geister der Menschheitsentwicklung das richtige Gefühl gehabt. Und Johann Gottlieb Fichte wiederum, den ich gestern wie einen vorbildlichen Führergenius darzustellen versuchte, er hat, soweit er es in seiner Zeit konnte, einen Einwand, den man so leicht macht gegen das Darstellen und Betrachten der geistigen Welt, mit folgenden Worten widerlegt. Er sagt: «Die Lehre von einem durchaus nicht willkürlich angenommenen Geist, in dessen höherer Kraft wir alle leben, welchen unverständige Menschen sattsam geschlagen zu haben glauben, wenn sie sie Mystizismus nennen, dieses ist keineswegs Schwärmerei; denn sie geht auf das Gründliche, und zwar auf den intimsten Geist, welcher alles Handeln beleben soll. Schwärmerei würde sie werden nur dadurch, wenn dem Hervorgehen hinzugefügt würde, dass diese Ansicht aus einem geheimnisvollen Licht quelle, welches nur wenigen Auserwählten erteilt sei. In welchem Vorgehen der eigentliche Mystizismus besteht. Wenn dieses Vorgeben Hochmut auf sinnliche [Lücke im Text].»
[ 39 ] It is only natural today that the majority of people, precisely because they have risen to this natural way of thinking, cannot even begin to grasp the law of development. But as natural as this is, the time is approaching when the arc of materialistic thinking will be stretched so far on one side that it must snap on the other. And everywhere there are signs that humanity is about to embrace spiritual-scientific thinking just as enthusiastically as it has turned to natural-scientific thinking. Today, people still raise all sorts of objections of one kind or another against this spiritual-scientific thinking; yet even regarding this, I would say that the finest minds in the development of humanity have had the right intuition. And Johann Gottlieb Fichte, in turn—whom I tried to portray yesterday as an exemplary guiding genius—refuted, as far as he could in his time, an objection that is so easily raised against the description and contemplation of the spiritual world with the following words. He says: “The doctrine of a Spirit—by no means arbitrarily posited—in whose higher power we all live, which unwise people believe they have thoroughly defeated when they call it mysticism—this is by no means fanciful; for it is grounded in substance, namely, in the innermost Spirit that is meant to animate all action. It would become fanaticism only if it were claimed that this view springs from a mysterious light granted only to a select few. This is the very essence of mysticism. If this claim were based on arrogance toward the sensory [gap in the text].“
[ 40 ] Wie gesagt: Fichte hatte noch nicht Geisteswissenschaft, aber er hatte die Keime, und indem diese Keime zur Entwicklung gebracht werden, entsteht — eben durch eine Wissenschaft, die nicht appelliert an die bloß passive äußere Beobachtung, sondern an die innerlich tätigen Seelenkräfte, durch eine Wissenschaft, die erlebte Wissenschaft sein will —, entsteht Geisteswissenschaft. Dasjenige aber, was diese Geisteswissenschaft der Menschheit bringen will, das soll auch für der Menschen Zukunft und Fortschritt eine reale Kraft sein, eine wirklich reale Kraft. Schicksal und Tod, sie werden sich durch die Geisteswissenschaft ins Leben hineinstellen als zu dem gesamten Erleben des Menschen gehörig. Wie wir ansehen die Vorgänge der äußeren Natur und erblicken, wie auf dem höchsten Gipfel dieser Vorgänge sich das heranbildet, was Menschengestalt und Menschenwesen in dieser äußeren Natur ist, so wird die Menschheit allmählich gerade durch Geisteswissenschaft einsehen, dass das, was der Mensch in seinem innersten, geistig-seelischen Wesenskern ist, was er in dem ist, wodurch er mit dem Ewigen zusammenhängt, dass das ruht in den Kräften, die uns sonst äußerlich unverständlich im Schicksal und im Rätsel des Todes entgegentreten.
[ 40 ] As I said: Fichte did not yet have spiritual science, but he had the seeds of it, and as these seeds are brought to fruition—precisely through a science that does not appeal to mere passive external observation but to the inwardly active powers of the soul, through a science that seeks to be a lived science—spiritual science emerges. But what this spiritual science seeks to bring to humanity is also meant to be a real force for humanity’s future and progress—a truly real force. Fate and death will, through spiritual science, take their place in life as integral parts of the total human experience. Just as we observe the processes of external nature and see how, at the very summit of these processes, that which is the human form and human being in this external nature takes shape, so humanity will gradually come to realize, precisely through spiritual science, that what lies at the innermost, spiritual -soul core, what he is in that through which he is connected to the Eternal—that this rests in the forces that otherwise confront us, incomprehensible from the outside, in fate and in the mystery of death.
[ 41 ] Und man blickt dann auf diesen geistig-seelischen Wesenskern des Menschen als auf ein Reales; man erblickt das äußere Leben nicht als die Ursache, sondern als das Geschöpf dieses realen geistig-seelischen Wesenskerns im Innern des Menschen. Man blickt hin, wie das, was den Menschen mit dem Ewigen verbindet, sein körperlich Äußerliches bildet, alles das formt, was man im äußeren Leben erblickt. Und dann stellen sich auch jene Rätsel des Lebens, die sonst so schwierig auflösbar sind, durch die Geisteswissenschaft nicht wie Rätsel hin, sondern wie etwas, was das Leben trägt, was Kraft gibt in den beseligenden Momenten des Lebens, aber auch Trost gibt in den herben Momenten des Lebens. Daher, weil das so ist, möchte ich in diesem Augenblick nicht zurückschrecken davor, gewissenmaßen ein spezielles Ergebnis der Geistesforschung anzugeben, das uns jetzt besonders interessieren darf.
[ 41 ] And one then regards this spiritual-soul core of the human being as a reality; one perceives outer life not as the cause, but as the creation of this real spiritual-soul core within the human being. One observes how that which connects the human being to the eternal forms his physical exterior and shapes everything one perceives in outer life. And then even those mysteries of life that are otherwise so difficult to unravel appear, through spiritual science, not as mysteries, but as something that sustains life, that gives strength in life’s blissful moments, but also offers comfort in life’s bitter moments. Therefore, because this is the case, I do not wish to shy away at this moment from presenting, so to speak, a specific finding of spiritual research that may be of particular interest to us now.
[ 42 ] Wir sehen Menschen und Menschen hinsterben in der Blüte ihres Daseins; wir sehen, wie der äußere Leib sich von dem Menschen loslöst — heute zusammengedrängt in einem kurzen Zeitpunkt —, wie der äußere Leib sich loslöst von der Seele, von der wir voraussetzen müssen, dass sie sonst noch Jahre Kraft gehabt hätte zu durchsetzen dieses physische Leben. Und indem wir hinblicken auf das, als was uns durch diese geisteswissenschaftliche Darstellung der menschliche Wesenskern entgegengetreten ist, sagen wir uns: Wie verhält es sich für einen Menschen, der in der Blüte der Jahre seinen physischen Leib ablegt, also in der geistigen Welt, wo das Selbsterlebnis durch die Erinnerung zustande kommt? Der Eintritt für einen menschlichen Wesenskern, der noch die Kraft gehabt hätte, für viele Jahre das physische Leben zu durchdringen, was bedeutet dieses frühe Sterben? Wie stellt sich da das Schicksal ein? Ich glaube, dass wir am besten zurechtkommen, wenn wir vergleichen den also für sein Vaterland sich Opfernden — was die Zeitereignisse fordern —, wenn wir den seinen Leib Hinopfernden vergleichen mit einem Asketen, der auch das Leibliche in gewisser Weise opfert.
[ 42 ] We see people dying one after another in the prime of their lives; we see the outer body detach itself from the human being—today compressed into a brief moment—how the outer body detaches itself from the soul, which we must assume would otherwise have had the strength to sustain this physical life for years to come. And as we contemplate what has been revealed to us through this spiritual-scientific description of the human core, we ask ourselves: What is the situation for a person who sheds their physical body in the prime of life—that is, in the spiritual world, where self-experience arises through memory? For a human essence that would still have had the strength to permeate physical life for many years, what does this early death signify? How does fate unfold in this case? I believe we can best make sense of this by comparing the one who sacrifices himself for his homeland—as current events demand—to an ascetic who, in a certain sense, also sacrifices the physical aspect of his being.
[ 43 ] Ich habe oftmals hier darauf aufmerksam gemacht, dass Geisteswissenschaft, wenn sie richtig verstanden wird, nicht eine Feindin des Lebens ist, nicht vom Leben hinwegführt, sondern gerade dadurch, dass sie die volle Wirklichkeit ergreift, lebensfördernd ist, dass der Geistesforscher gerade dadurch, dass er auf die geistige Welt hinweist, sagen will: In diesen geistigen Quellen liegen Kräfte, die das Leben reicher machen, als es ohne diese Kräfte und ohne Hinlenkung der Gedanken an sie wäre. Die Geistesforschung führt nicht den Menschen dazu, das Leibesleben zu verachten, aber es zu durchgeistigen, den Leib zu beherrschen. Damit ist sie aber durchaus auch in der Lage, das Schiefe einer falschen Asketik anzudeuten, jener Asketik, die da glaubt in das Geistige sich hinaufzuleben durch eine von gewissen Kräften des Geistig-Seelischen ausgehende Ertötung, Erlähmung des Leibes. Gewiss, man erlangt allerlei dadurch, dass man also den Leib ertötet oder erlähmt, wie ja alles, was als Tatsache in der Welt geschieht, Konsequenz hat. Man erlangt allerlei; was erlangt man durch solche Asketik? Das wirklich geistige Erleben sucht hinaufzudringen in die geistigen Welten; falsche Asketik verarmt das Leben, indem sie nur zur Entfaltung bringt, was schon im geistig-seelischen Wesenskern vorhanden ist, weil sie nicht zu neuen Kräften hinaufsteigt, sondern durch schon vorhandene Kräfte das Leibliche ertötet und erlähmt. Was erlangt man dadurch? Dadurch erlangt man eine gewisse Verstärkung innerer Kräfte, die Möglichkeit, den seelisch-geistigen Wesenskern reicher, inhaltsvoller zu erleben. Aber man erlangt das ja im Leibe und durch den Leib, wenn man es auch erlangt dadurch, dass man den Leib ertötet und erlähmt, aber eben durch Überwindung dieser Leibeskräfte im Leibe. Dadurch aber stellt sich die Sache so, dass das, was der im gewissen Sinne falsche Asket erlangt, sich bezieht auf sein persönliches, individuelles Leben, dass er, wenn er durch die Pforte des Todes geht, dann im gewissen Sinne einen stärkeren seelisch-geistigen Wesenskern hat, dass er alle die Kräfte, die er sich angeeignet hat, dazu verwendet, um in persönlich individueller Weise immerfort hinzublicken auf das, was sein Erdenleben war. Ein verstärktes Selbstbewusstsein für seine eigene Persönlichkeit erwirbt er, gleichsam einen übersinnlichen Egoismus züchtet er durch seinen Asketismus.
[ 43 ] I have often pointed out here that spiritual science, when properly understood, is not an enemy of life, nor does it lead one away from life; rather, precisely because it grasps reality in its entirety, it promotes life—and that the spiritual researcher, precisely by pointing to the spiritual world, intends to say: In these spiritual sources lie forces that enrich life more than it would be without these forces and without directing one’s thoughts toward them. Spiritual research does not lead people to despise physical life, but rather to spiritualize it and to master the body. In doing so, however, it is also fully capable of pointing out the fallacy of a false asceticism—that asceticism which believes one can rise to the spiritual realm through the killing or numbing of the body, a process emanating from certain forces of the spiritual-soul realm. Certainly, one gains all sorts of things by killing or numbing the body in this way, just as everything that happens as a fact in the world has consequences. One gains all sorts of things; but what does one gain through such asceticism? True spiritual experience seeks to ascend into the spiritual worlds; false asceticism impoverishes life by bringing to fruition only what is already present in the spiritual-soul core of one’s being, because it does not ascend to new powers, but rather kills and numbs the physical body through powers that already exist. What does one gain from this? One gains a certain strengthening of inner forces, the possibility of experiencing the soul-spiritual core of one’s being in a richer, more meaningful way. But one gains this in the body and through the body—even if one gains it by killing and paralyzing the body—precisely by overcoming these bodily forces within the body. As a result, however, the situation is such that what the—in a certain sense—false ascetic attains relates to his personal, individual life; that when he passes through the gate of death, he possesses, in a certain sense, a stronger soul-spiritual core; and that he uses all the forces he has acquired to continually look back, in a personally individual way, upon what his earthly life was. He acquires a strengthened self-awareness of his own personality; through his asceticism, he cultivates, as it were, a supersensory egoism.
[ 44 ] Betrachten wir dagegen — ich kann nicht anders sagen als, ich möchte ganz ohne Sympathie und Antipathie auf die objektiven Ergebnisse der Geistesforschung aufmerksam machen —, betrachten wir denjenigen, der kein Asket ist, der aber seinen Leib opfert, opfert für sein Land und Volk, opfert in der Blüte der Jugend und in sich trägt in die geistige Welt einen geistig-seelischen Wesenskern, der noch lange leben könnte im Leibe; er erlebt durch all die Verhältnisse, unter denen sich sein Tod abspielt, namentlich durch die Verhältnisse, durch die sein Tod zu einem bewussten Tod des Opfers wird, eine Verstärkung auch dieser innerlichen Kräfte, die zum Selbstbewusstsein hinführen; aber jetzt wird dieses, was an Kräften verstärkt wird, nach dem Tode nicht eine Verstärkung im Zurückblicken auf den eigenen Leib, nicht eine Verstärkung des persönlichen Selbstbewusstseins bloß, sondern eine Verstärkung der Kräfte, die weniger hinneigen zu der Gebundenheit an das Leibesleben; gleichsam abgelenkt werden die verstärkten Kräfte vom Leibesleben. Das Selbstbewusstsein, das beim Asketen mehr in Bezug auf das Übersinnlich-Egoistische verstärkt wird, wird bei dem sich auf dem Kampffeld für eine große Sache Hinopfernden so verstärkt, dass die Willensimpulse, die strömenden Gefühlsimpulse verstärkt werden. Alles, was weniger selbstisch ist, wird verstärkt. Und so kommt es, dass diejenigen Kräfte, die ein solcher durchbringt durch die Pforte des Todes, das Selbstlose in [ihm verstärkt haben, und diese bleiben] bei der Volksgemeinschaft, für die der Betreffende sich geopfert hat, oder bei der Sache, für die der Betreffende sich geopfert hat. Der Asket gibt im Grunde genommen das, was er an verstärkten Kräften erlangt, für sich selber aus; der sich in der Blüte der Jugend auf dem Kampffeld oder sonst für die große Sache Opfernde, der gibt das, was ihm das Schicksal abfordert, für ein allgemein Menschliches hin, für eine Menschengemeinschaft hin.
[ 44 ] Let us consider, on the other hand—I can say nothing other than, I wish to draw attention to the objective findings of spiritual research entirely without sympathy or antipathy—let us consider the one who is no ascetic, yet who sacrifices his body, sacrifices for his country and people, sacrifices in the prime of his youth, and carries within himself into the spiritual world a spiritual-soul core that could live on for a long time in the body; through all the circumstances surrounding his death—namely, through the circumstances that make his death a conscious death of sacrifice—he experiences a strengthening of these inner forces as well, forces that lead to self-awareness; but now, after death, this strengthening of the forces does not become a strengthening in looking back upon one’s own body, nor merely a strengthening of personal self-awareness, but rather a strengthening of the forces that are less inclined toward attachment to bodily life; the strengthened forces are, as it were, diverted from bodily life. The self-awareness that is strengthened in the ascetic more in relation to the supersensory-egoistic aspect is strengthened in the one who sacrifices himself on the battlefield for a great cause in such a way that the impulses of the will and the surging emotional impulses are strengthened. Everything that is less self-centered is strengthened. And so it comes to pass that those forces which such a person carries through the gate of death have strengthened the selfless aspect within him, and these remain with the community for which the individual has sacrificed himself, or with the cause for which the individual has sacrificed himself. The ascetic, in essence, spends what he has gained in strengthened powers on himself; the one who, in the prime of youth, sacrifices himself on the battlefield or otherwise for the great cause—he gives what fate demands of him for the common good of humanity, for the human community.
[ 45 ] Das ist auch etwas, was uns in einem konkreten Falle Antworten gibt auf Schicksals- und Todesrätsel, und das wird überhaupt die Geisteswissenschaft bringen, dass sie erzeugen wird in dem Bewusstsein der Menschen eine Weltanschauung, welche sich zurechtfindet mit den Ereignissen, zwischen denen heute die Menschenseele, als aus dunkeln Weltenrätseln ausströmend, wandeln muss. Gewiss, alles das, was der Mensch erfahren kann über das Rätsel des Todes, des Schicksals, er erlebt es ja im Gesamtleben. Alle leben in der geistigen, in der übersinnlichen Welt, wenn sie durch die Pforte des Todes gehen; aber so wie in der Natur draußen alles geschieht und geschehen würde, auch wenn der Mensch nichts davon wüsste, so ist doch für den Menschheitsfortschritt notwendig, dass das, was draußen in der Natur geschieht, hereingenommen wird in die Erkenntnis; denn das bringt den Menschen vorwärts. Vorgänge, objektive Realitäten, Tatsachen sind das alles, was der Geistesforscher erkundet, aber das, was sich also in der geistigen Welt abspielt, es muss Erkenntnis werden. Und wie in einem Moment der Entwicklung die Natur eingetreten ist in den Fortschritt, so muss von unserer Zeit ab Geisteserkenntnis in die Kulturentwicklung eintreten.
[ 45 ] This is also something that provides us with answers in specific cases to the mysteries of fate and death, and this is precisely what spiritual science will achieve: it will create within human consciousness a worldview that can make sense of the events amidst which the human soul must now navigate, as if emerging from the dark mysteries of the world. Certainly, everything that a person can experience regarding the mystery of death and fate is something they experience in the course of their entire life. Everyone lives in the spiritual, in the supersensible world, when they pass through the gateway of death; but just as everything in the external natural world happens and would happen even if human beings knew nothing of it, so it is nevertheless necessary for the progress of humanity that what happens out there in nature be brought into our understanding; for that is what moves humanity forward. Processes, objective realities, and facts—these are all things the spiritual researcher explores, but what takes place in the spiritual world must become knowledge. And just as, at a certain stage of development, nature became part of progress, so too must spiritual knowledge become part of cultural development from our time onward.
[ 46 ] Wenn der Mensch aufnimmt in seine Erkenntnis das, was ohne ihn da ist, bringt er sein Geschlecht vorwärts. Da kann man sagen, dass jeder, der eine Empfindung hat für solche Geisteserkenntnis, ganz von selbst das Seinige dazu tun wird, dass gefördert werde der Fortschritt im Sinne dieser Geisteswissenschaft. Ich sagte mit den ersten Worten unserer heutigen Betrachtung, dass ja durch das, was jetzt im Osten und Westen geschieht, uns ganz besonders naheliegen kann, zu fragen nach dem Schicksalsund dem Todesrätsel. Und wenn wir so hinblicken, dass wir eben dies sagen konnten über den Zusammenhang von Schicksal und Tod mit dem Opferleben des SichHinopfernden, dann können wir ja sagen: Wir leben in einer Zeit, in der eine große Anzahl an seelisch-geistigen Wesenskernen, die noch Leben erweckend sein könnten, physisches Leben fördernd sein könnten, hinaufgehen in die geistige Welt. Da werden sie sein.
[ 46 ] When a person incorporates into their understanding that which exists independently of them, they advance their own kind. One can say, then, that anyone who has a sense for such spiritual understanding will, quite naturally, do their part to promote progress in the spirit of this spiritual science. I said at the very beginning of our reflection today that, given what is now happening in the East and West, it is particularly natural for us to ask about the mystery of fate and death. And if we look at it in such a way that we could say precisely this about the connection between fate and death in relation to the sacrificial life of the One who sacrifices Himself, then we can indeed say: We are living in a time when a great number of soul-spiritual essences—which could still be life-awakening and could still promote physical life—are ascending into the spiritual world. There they will be.
[ 47 ] Man spricht in der physischen Wissenschaft von einer Erhaltung der Kräfte, davon, dass keine Kraft verloren geht; man wird durch die Geisteswissenschaft immer mehr und mehr auch von einer Erhaltung, von einem Unverlorensein der geistigen Kräfte sprechen. Diese Kräfte sind da, diese Kräfte gehören zu den Weltwirksamkeiten. Nicht nur die Seelen derer, die durch die Todespforte im Opfertode gehen, leben in der übersinnlichen Welt weiter, sondern das lebt weiter als Summe von besonderen Kräften, was an Seelenkernen herausgegangen ist aus den Leibern und was noch hätte leben können in diesen Leibern. Und wenn wir gestern sprachen von dem Fortleben der Führergenien nicht bloß durch die Tradition, sondern im realen Sinn, so als ob diese Führergenien etwas ausströmten bei den Nachkommen ihres Volkes, das in den Reihen dieses Volkes lebt, wenn dieses Volk zu Taten aufgerufen wird, so können wir es auch sagen von all diesen geistig-seelischen Wesenskernen, die das Leben vorzeitig unter den Anforderungen der Zeit vollenden mussten.
[ 47 ] In the physical sciences, one speaks of the conservation of forces—of the fact that no force is lost; through spiritual science, one will increasingly speak of a conservation of spiritual forces as well—of their indestructibility. These forces exist; they are part of the forces at work in the world. Not only do the souls of those who pass through the gate of death in a sacrificial death continue to live in the supersensible world, but what has emerged from the bodies as soul kernels—and what could still have lived on in these bodies—also lives on as a sum of specific forces. And when we spoke yesterday of the continued existence of the guiding spirits—not merely through tradition, but in a real sense, as if these guiding spirits were radiating something to the descendants of their people who live among the ranks of that people when that people is called to action—we can say the same of all these spiritual-soul essences that had to end their lives prematurely under the demands of the times.
[ 48 ] Erscheint es uns nicht auch sonst so, als ob die Ereignisse der unmittelbaren Gegenwart, als ob dieser furchtbarste Kampf, den die Menschheit erlebt hat, nicht ein Anfang wäre von etwas ganz Neuem? Ich glaube, derjenige, der das, was gegenwärtig geschieht, in seiner Kraft und in seiner Gewalt auf sich wirken fühlt, der wird sich sagen müssen: Es ist die Einleitung von etwas, was als ganz Neues kommen muss, zu dem mitwirken werden in der Zukunft diejenigen, die nicht genötigt waren, Leben und Erfahrung zu verlassen für die physische Welt, die in die Zukunft hineingehen, ohne den Tod und ohne den Schmerz des Verwundetseins erlangt zu haben. Diese Zeit, die da kommen wird, sie wird aber auch im Zeichen stehen von all den Kräften, die in der eben geschilderten Weise in die geistige Welt übergegangen sind. Da wird man sagen müssen: Was da kommen mag, die Kräfte, die unverbraucht aus der physischen Welt in die übersinnliche hinaufgestiegen sind, werden bei den Überlebenden und Nachgeborenen in deren Seelen so sprechen, dass sie wie Aufforderungen dastehen.
[ 48 ] Doesn’t it seem to us, even in other respects, as if the events of the immediate present—as if this most terrible struggle humanity has ever experienced—were not the beginning of something entirely new? I believe that anyone who feels the full force and intensity of what is currently happening will have to say to themselves: It is the prelude to something that must come as something entirely new, in which those who were not compelled to leave behind life and experience for the physical world—those who enter the future without having experienced death or the pain of being wounded—will play a part. This time that is to come, however, will also be marked by all the forces that have passed into the spiritual world in the manner just described. Then one will have to say: Whatever may come, the forces that have ascended, unspent, from the physical world into the supersensible world will speak within the souls of the survivors and those born afterward in such a way that they will stand as calls to action.
[ 49 ] In gewissem Sinne wird man sagen müssen: Wer hinaufblickt zu diesen Kräften, wird fordern ein ganz neues Leben, und wer die Zeichen der Zeit, das, was gerade aus den Empfindungen der Geistesforschung über die Zeichen der Zeit gesagt werden kann, wenn man das recht ins Auge fasst, dann wird man sagen: Das, was nach dem allgemeinen Fortgang der Menschheitsentwicklung für die nächste Zukunft gefordert wird von Lebenden und Toten, das ist, dass zu dem Materialistischen, zu der rein naturalistischen Anschauung über die Welt, die lebendige Erfassung des Geistes trete und das Durchsetztsein der Menschentaten mit dem Geiste, und das, was so an unverbrauchten Menschenkernen in die geistige Welt hinaufgeht, verstehen wird diese Kräfte, das, was unten geschieht. Nur wenn dieses, was unten geschieht, die Pflicht fühlt, den Geist zu pflegen, nur das wird verstanden werden von denjenigen, die gewissermaßen das Feld, auf dem die Überlebenden zu wirken haben, neu befruchtet haben mit ihrem Blut, neu belebt haben durch ihren Tod.
[ 49 ] In a certain sense, one must say: Whoever looks up to these forces will demand a completely new life, and whoever considers the signs of the times—that is, what can be said about the signs of the times based on the insights of spiritual research, if one truly takes this to heart—will say: What is required of the living and the dead for the near future, according to the general course of human development, is that the materialistic, purely naturalistic view of the world be complemented by a living grasp of the spirit and an understanding of how human actions are permeated by the spirit, and that which thus ascends into the spiritual world as fresh human essences will understand these forces—what is happening below. Only when what is happening below feels the duty to nurture the spirit—only that will be understood by those who, in a sense, have newly fertilized the field on which the survivors are to work with their blood, and have newly enlivened it through their death.
[ 50 ] Und ich meine mehr als ein Bild, wenn ich sage: Geisteswissenschaft wird [in der Zukunft eine Auseinandersetzung sein] mit diesen hingeopferten Kräften, wird als eine Verpflichtung empfunden werden können gegenüber den Opfern, die jetzt gebracht werden und die ja nur einen Sinn haben werden, wenn sie ein neues Zeitalter einleiten. Deshalb ist es, als ob alle diejenigen, die jetzt durch den Opfertod in die andere Welt hinaufgehen, in einer ganz besonderen Form das Wort aussprechen wie eine Mahnung an eine geistige Erweckung der Menschheit, das einmal, vielleicht bei viel geringeren Anlässen, Robert Prutz zu Jacob Grimm gesprochen hat mit Bezug auf [Lücke im Text] Verhältnisse /Lücke im Text] — jetzt ist es, wie wenn es als eine Mahnung erklänge derjenigen Kräfte, die durch den Opfertod verfrüht in die geistige Welt übergegangen sind und zur Pflichterfüllung in Bezug auf geistiges Leben anspornen dürfen, erklingen lassen dürfen [Lücke im Text].
[ 50 ] And I mean more than just a metaphor when I say: Spiritual science will [in the future be a reckoning] with these sacrificed forces; it will be experienced as a duty toward the sacrifices that are being made now—sacrifices that will have meaning only if they usher in a new age. That is why it is as if all those who are now ascending to the other world through sacrificial death are, in a very special way, uttering the words—as a call for a spiritual awakening of humanity—that Robert Prutz once spoke to Jacob Grimm, perhaps on much lesser occasions, with reference to [gap in the text] circumstances /[gap in the text]—now it is as if it were resounding as a warning from those forces that have passed prematurely into the spiritual world through sacrificial death and are permitted to spur us on to fulfill our duty with regard to spiritual life, are permitted to let it resound [gap in the text].
Es gilt dem kommenden Geschlechte,
Es gilt dem künft’gen Morgenrot.
Es gilt der Freiheit und dem Rechte,
Es gilt dem Leben und dem Tod.
It is for the coming generation,
It is for the dawn of tomorrow.
It is for freedom and justice,
It is for life and death.
[ 51 ] Jawohl, was in der Gegenwart durch Geisteswissenschaft errungen werden kann, es gilt dem künftigen Morgenrot, und das, was durch die Geisteswissenschaft erkundet werden kann über das Schicksals- und Todesrätsel, es gilt nicht allein dem sinnlich wahrnehmbaren Leben, es gilt dem Leben und dem Tode und dem Leben, das aus dem Tod hervorgeht, und dem Tod, der selbst lebenserweckend ist.
[ 51 ] Indeed, what can be achieved in the present through spiritual science applies to the dawn of the future, and what spiritual science can uncover about the mysteries of fate and death, applies not only to life as perceived by the senses, but to life and death, to the life that emerges from death, and to death itself, which gives rise to life.
