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The Human Soul, Fate and Death
GA 70a

6 March 1915, Leipzig

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Menschenseele, Schicksal und Tod
  1. The Human Soul, Fate and Death, tr. SOL

7. Die tragenden Kräfte des Deutschen Geistes

7. Die tragenden Kräfte des Deutschen Geistes

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Durch eine Reihe von Jahren darf ich nun schon in dieser Stadt in jedem Winter geisteswissenschaftliche Vorträge halten. Auch für diese schicksalsschwere Zeit haben unsere Freunde der geisteswissenschaftlichen Bewegung gewünscht, dass ich diesen Vortrag heute halte. Nun wird es begreiflich erscheinen, dass in dieser Zeit, in der so Gewaltiges, aber auch so Schmerzliches geschieht, in der sich so unermesslich Bedeutsames für die europäische und für die Erdengeschichte vorbereitet, dass in dieser Zeit ich solche Betrachtungen anknüpfen will an das, was uns alle bewegt, an dasjenige, was verteidigen diejenigen, die in Ost und West stehen und die durch Blut und Tod einzutreten haben für das, was die große Pflicht der Zeit fordert. In einer solchen Zeit will auch das Wort dahin gerichtet sein, wo es die Empfindungen, die Gefühle hintragen, dahin, wo Blut und Tod verteidigen die großen Güter Mitteleuropas, dahin, wo sich Gewaltiges entscheiden muss. Und so seien denn heute meine Worte der Betrachtung gewidmet über dasjenige, was man in unserer Gegenwart zu verteidigen hat, was von allen Seiten her in dieser unserer Zeit so angegriffen, so beschimpft und geschmäht wird. Nur gestreift soll zunächst werden dasjenige, was, ich möchte sagen das Grundprinzip und die Grundbestrebung der Geisteswissenschaft ist, um dann zu zeigen, wie dieses Grundbestreben, dieser innerste Impuls der Geisteswissenschaft — die da sein will ein Motiv, das eindringt in die geistige Kulturbewegung der Gegenwart und in die Zukunft hinein —, wie diese geisteswissenschaftlichen Impulse fest verankert sind gerade in den tragenden Kräften des deutschen Geistes. Und dann sollen einige Streiflichter geworfen werden auf die Art, wie Deutschlands Feinde heute diesen deutschen Geist, dieses deutsche Wesen, das Deutschtum in Ost und West verunglimpfen, missverstehen und dergleichen mehr.

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Durch eine Reihe von Jahren darf ich nun schon in dieser Stadt in jedem Winter geisteswissenschaftliche Vorträge halten. Auch für diese schicksalsschwere Zeit haben unsere Freunde der geisteswissenschaftlichen Bewegung gewünscht, dass ich diesen Vortrag heute halte. Nun wird es begreiflich erscheinen, dass in dieser Zeit, in der so Gewaltiges, aber auch so Schmerzliches geschieht, in der sich so unermesslich Bedeutsames für die europäische und für die Erdengeschichte vorbereitet, dass in dieser Zeit ich solche Betrachtungen anknüpfen will an das, was uns alle bewegt, an dasjenige, was verteidigen diejenigen, die in Ost und West stehen und die durch Blut und Tod einzutreten haben für das, was die große Pflicht der Zeit fordert. In einer solchen Zeit will auch das Wort dahin gerichtet sein, wo es die Empfindungen, die Gefühle hintragen, dahin, wo Blut und Tod verteidigen die großen Güter Mitteleuropas, dahin, wo sich Gewaltiges entscheiden muss. Und so seien denn heute meine Worte der Betrachtung gewidmet über dasjenige, was man in unserer Gegenwart zu verteidigen hat, was von allen Seiten her in dieser unserer Zeit so angegriffen, so beschimpft und geschmäht wird. Nur gestreift soll zunächst werden dasjenige, was, ich möchte sagen das Grundprinzip und die Grundbestrebung der Geisteswissenschaft ist, um dann zu zeigen, wie dieses Grundbestreben, dieser innerste Impuls der Geisteswissenschaft — die da sein will ein Motiv, das eindringt in die geistige Kulturbewegung der Gegenwart und in die Zukunft hinein —, wie diese geisteswissenschaftlichen Impulse fest verankert sind gerade in den tragenden Kräften des deutschen Geistes. Und dann sollen einige Streiflichter geworfen werden auf die Art, wie Deutschlands Feinde heute diesen deutschen Geist, dieses deutsche Wesen, das Deutschtum in Ost und West verunglimpfen, missverstehen und dergleichen mehr.

[ 2 ] Ich habe ja schon öfter hier anführen dürfen, wie Geisteswissenschaft sein will die wahre Fortsetzerin der naturwissenschaftlichen Weltanschauung, aber dadurch wiederum der entgegengesetzte Pol dieser naturwissenschaftlichen Weltanschauung ist, dass sie mit wirklich wissenschaftlichem Charakter sich nahen will den Welten des geistigen Lebens. Für die geisteswissenschaftliche Weltanschauung ist Geist nicht nur etwas in Begriffen, Ideen, Vorstellungen abstrakt zu Fassendes, sondern für die Geisteswissenschaft ist Geist dasjenige, was in einer Welt waltet, die hinter dieser unserer Sinneswelt ist, die die Gründe, die treibenden Kräfte für alles das enthält, was unsere Sinneswelt und das Leben, auch das geschichtliche Werden uns darbieten, die innerhalb der Sinneswelt sich abspielen. Wie gesagt, ich kann das heute nur streifen und muss Sie auf die Lektüre verweisen.

[ 2 ] Ich habe ja schon öfter hier anführen dürfen, wie Geisteswissenschaft sein will die wahre Fortsetzerin der naturwissenschaftlichen Weltanschauung, aber dadurch wiederum der entgegengesetzte Pol dieser naturwissenschaftlichen Weltanschauung ist, dass sie mit wirklich wissenschaftlichem Charakter sich nahen will den Welten des geistigen Lebens. Für die geisteswissenschaftliche Weltanschauung ist Geist nicht nur etwas in Begriffen, Ideen, Vorstellungen abstrakt zu Fassendes, sondern für die Geisteswissenschaft ist Geist dasjenige, was in einer Welt waltet, die hinter dieser unserer Sinneswelt ist, die die Gründe, die treibenden Kräfte für alles das enthält, was unsere Sinneswelt und das Leben, auch das geschichtliche Werden uns darbieten, die innerhalb der Sinneswelt sich abspielen. Wie gesagt, ich kann das heute nur streifen und muss Sie auf die Lektüre verweisen.

[ 3 ] Geisteswissenschaft bereitet des Menschen Seele, wenn er sich dazu bereiten will, so vor, dass eine Erkenntnis, ein wirkliches Erleben dieses Seelischen stattfindet, das nicht gebunden ist an die Kräfte des Leibes, nicht gebunden ist an die Sinne, nicht gebunden ist, wie der gewöhnliche Verstand, an das Gehirn, sondern Geisteswissenschaft bereitet die Seele vor zu einem leibfreien Erkennen durch das, was auch hier öfter schon genannt worden ist: Meditation, Konzentration des Gedankenlebens. Sie finden das Nähere beschrieben in meinen Büchern «Wie erlangt man Erkenntnisse der höherer Welten?» oder im zweiten Teil des Buches «Die Geheimwissenschaft» oder in dem Buche «Theosophie». In diesen Büchern werden die Wege geschildert, die den Menschen dazu führen, in innerer Tätigkeit, in innerem Erleben das Seelisch-Geistige frei zu machen von der Gebundenheit an den Leib, sodass sie verweilen kann, die Seele, im Leben und Weben, im Walten und Wirken der geistigen Welt. Was heute noch für viele Menschen als Phantasterei, als Absurdität erscheint, das soll eben durch die Geisteswissenschaft der heutigen Kultur eingefügt werden. Begreiflich ist es, dass die Menschen sagen: Geisteswissenschaft widerspricht allem, was die fünf Sinne begreifen.

[ 3 ] Geisteswissenschaft bereitet des Menschen Seele, wenn er sich dazu bereiten will, so vor, dass eine Erkenntnis, ein wirkliches Erleben dieses Seelischen stattfindet, das nicht gebunden ist an die Kräfte des Leibes, nicht gebunden ist an die Sinne, nicht gebunden ist, wie der gewöhnliche Verstand, an das Gehirn, sondern Geisteswissenschaft bereitet die Seele vor zu einem leibfreien Erkennen durch das, was auch hier öfter schon genannt worden ist: Meditation, Konzentration des Gedankenlebens. Sie finden das Nähere beschrieben in meinen Büchern «Wie erlangt man Erkenntnisse der höherer Welten?» oder im zweiten Teil des Buches «Die Geheimwissenschaft» oder in dem Buche «Theosophie». In diesen Büchern werden die Wege geschildert, die den Menschen dazu führen, in innerer Tätigkeit, in innerem Erleben das Seelisch-Geistige frei zu machen von der Gebundenheit an den Leib, sodass sie verweilen kann, die Seele, im Leben und Weben, im Walten und Wirken der geistigen Welt. Was heute noch für viele Menschen als Phantasterei, als Absurdität erscheint, das soll eben durch die Geisteswissenschaft der heutigen Kultur eingefügt werden. Begreiflich ist es, dass die Menschen sagen: Geisteswissenschaft widerspricht allem, was die fünf Sinne begreifen.

[ 4 ] Es ist begreiflich, dass Menschen, die so sprechen, Geisteswissenschaft als Träumerei, als Phantasterei ansehen. Aber als Träumerei und Phantasterei haben die Menschen auch einstmals angesehen die kopernikanische Weltanschauung, die, wie man sagte, auch den fünf Sinnen und ihren Aussagen widersprechen sollte. Ebenso wie die Denkgewohnheiten der Menschen sich bequemt haben, die kopernikanische Weltanschauung anzunehmen, so werden sich die Denkgewohnheiten der Menschen auch dazu finden, immer mehr und mehr Seelenbefriedigung, ein notwendiges Seelenerleben, notwendige Seelenharmonie in dem Hinnehmen der Geisteswissenschaft zu finden, die da zeigt, wie die Seele wirklich in einem leibfreien Erkennen eindringen kann in eine geistige Welt, eine geistige Welt, die nicht bloß eine Summe von Begriffen und Ideen ist, sondern etwas ganz Konkretes, eine wirkliche geistige Welt, eine lebendige geistige Welt. So blickt man als Geistesforscher auf etwas, was da kommen muss, wie einstmals der Kopernikanismus in die Menschheitsentwicklung hereingekommen ist.

[ 4 ] Es ist begreiflich, dass Menschen, die so sprechen, Geisteswissenschaft als Träumerei, als Phantasterei ansehen. Aber als Träumerei und Phantasterei haben die Menschen auch einstmals angesehen die kopernikanische Weltanschauung, die, wie man sagte, auch den fünf Sinnen und ihren Aussagen widersprechen sollte. Ebenso wie die Denkgewohnheiten der Menschen sich bequemt haben, die kopernikanische Weltanschauung anzunehmen, so werden sich die Denkgewohnheiten der Menschen auch dazu finden, immer mehr und mehr Seelenbefriedigung, ein notwendiges Seelenerleben, notwendige Seelenharmonie in dem Hinnehmen der Geisteswissenschaft zu finden, die da zeigt, wie die Seele wirklich in einem leibfreien Erkennen eindringen kann in eine geistige Welt, eine geistige Welt, die nicht bloß eine Summe von Begriffen und Ideen ist, sondern etwas ganz Konkretes, eine wirkliche geistige Welt, eine lebendige geistige Welt. So blickt man als Geistesforscher auf etwas, was da kommen muss, wie einstmals der Kopernikanismus in die Menschheitsentwicklung hereingekommen ist.

[ 5 ] Wenn man diese Anschauung von dem lebendigen Geiste und von der Beziehung der Menschenseele zu ihm so recht ins Auge fast, und blickt dann hin auf dasjenige, was sich in der gesamten Entwicklung gerade des deutschen Volkes und des deutschen Wesens durch viele Jahrhunderte vorbereitet hat, so darf man sagen: Alle Kräfte, welche das deutsche Wesen angewendet hat im Laufe vieler Jahrhunderte, sie zielen alle dahin, in diese Geisteswissenschaft endlich einzumünden. Es gibt nichts, was Geisteswissenschaft nicht als einen Keim ihrer selbst finden könnte in dem, was durch Jahrhunderte der deutsche Geist angestrebt hat. Nur in einem charakteristischen Beispiel der neueren Zeit sei das zunächst vor Sie hingestellt.

[ 5 ] Wenn man diese Anschauung von dem lebendigen Geiste und von der Beziehung der Menschenseele zu ihm so recht ins Auge fast, und blickt dann hin auf dasjenige, was sich in der gesamten Entwicklung gerade des deutschen Volkes und des deutschen Wesens durch viele Jahrhunderte vorbereitet hat, so darf man sagen: Alle Kräfte, welche das deutsche Wesen angewendet hat im Laufe vieler Jahrhunderte, sie zielen alle dahin, in diese Geisteswissenschaft endlich einzumünden. Es gibt nichts, was Geisteswissenschaft nicht als einen Keim ihrer selbst finden könnte in dem, was durch Jahrhunderte der deutsche Geist angestrebt hat. Nur in einem charakteristischen Beispiel der neueren Zeit sei das zunächst vor Sie hingestellt.

[ 6 ] Das deutsche Wesen, das zum Beispiel in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts, als Lessing, als Herder den Horizont dieses deutschen Wesens betreten, es hat sich nicht zufriedengeben können mit einem Geiste, der nur ein Abstraktum, nur eine Summe von Ideen ist. Herder, der große Bahnbrecher des deutschen Geisteswesens, er hat einem Geiste, der eben nur den Geist als Abstraktum kannte, er hat einmal Voltaire zugerufen: Ideen können immer nur [Ideen bewirken].

[ 6 ] Das deutsche Wesen, das zum Beispiel in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts, als Lessing, als Herder den Horizont dieses deutschen Wesens betreten, es hat sich nicht zufriedengeben können mit einem Geiste, der nur ein Abstraktum, nur eine Summe von Ideen ist. Herder, der große Bahnbrecher des deutschen Geisteswesens, er hat einem Geiste, der eben nur den Geist als Abstraktum kannte, er hat einmal Voltaire zugerufen: Ideen können immer nur [Ideen bewirken].

[ 7 ] Das, um was es sich für Herder handelte, ist, dass der Mensch in seiner Seele den Weg finden kann, wie er durch Augen und Ohren in der Sinneswelt lebt, so durch innere Entwicklung eine wirklich lebendige, webende und lebende Geisteswelt zu erleben. Und Geschichte wollte Herder nicht so aufgefasst wissen, dass man sprechen könnte: Die Geschichte wird von Ideen beherrscht, sondern Geschichte war für ihn so, dass innerhalb des geschichtlichen Wirkens reale geistige Wesenheiten wirken, zu denen der Mensch hinaufschauen kann als zu Wesenheiten einer übersinnlichen Welt, wie er hinunterschaut in die unter ihm stehenden Reiche zu den sinnlichen Wesen der drei Naturreiche. Und so überzeugt war Herder, der große Vorgänger, ja, man kann sagen, der Lehrer Goethes, dass wahre Wissenschaft vom Geiste zu einem wirklichen Geiste kommt und dass die Menschheit hinzielt, eine solche Geisteswissenschaft zu finden, dass er selbst, Herder, mit schönen Worten ausspricht: [«Das Menschengeschlecht wird nicht vergehen, bis dass es alles geschehe! Bis der Genius der Erleuchtung die Erde durchzogen!»]

[ 7 ] Das, um was es sich für Herder handelte, ist, dass der Mensch in seiner Seele den Weg finden kann, wie er durch Augen und Ohren in der Sinneswelt lebt, so durch innere Entwicklung eine wirklich lebendige, webende und lebende Geisteswelt zu erleben. Und Geschichte wollte Herder nicht so aufgefasst wissen, dass man sprechen könnte: Die Geschichte wird von Ideen beherrscht, sondern Geschichte war für ihn so, dass innerhalb des geschichtlichen Wirkens reale geistige Wesenheiten wirken, zu denen der Mensch hinaufschauen kann als zu Wesenheiten einer übersinnlichen Welt, wie er hinunterschaut in die unter ihm stehenden Reiche zu den sinnlichen Wesen der drei Naturreiche. Und so überzeugt war Herder, der große Vorgänger, ja, man kann sagen, der Lehrer Goethes, dass wahre Wissenschaft vom Geiste zu einem wirklichen Geiste kommt und dass die Menschheit hinzielt, eine solche Geisteswissenschaft zu finden, dass er selbst, Herder, mit schönen Worten ausspricht: [«Das Menschengeschlecht wird nicht vergehen, bis dass es alles geschehe! Bis der Genius der Erleuchtung die Erde durchzogen!»]

[ 8 ] Mit der Erleuchtung meint er jene Erkenntnis, welche der deutsche Geist immer gesucht hat, die nicht aufgeht durch die äußeren Sinne und den Verstand, sondern durch das innere Erleben der Seele, die sich aber weiterbringt, als es im Alltagsleben geschieht. In seiner Art hat Herder wieder angeknüpft an dasjenige, was Jahrhunderte früher uns entgegentritt in dem deutschen Mystiker, der da stand in der Morgenröte der neueren Zeit. In dem Augenblick, da Angelus Silesius in seinen Bildern spricht, in denen er wie eine Anweisung zum Wege der Seele in eine geistige Welt hinein gibt. Er spricht aus in einem seiner Bilder: Ich bin es nicht, der lebt und stirbt, sondern in mir waltet die Gottgeistigkeit, die wird in mir geboren, die lebt und stirbt in mir.

[ 8 ] Mit der Erleuchtung meint er jene Erkenntnis, welche der deutsche Geist immer gesucht hat, die nicht aufgeht durch die äußeren Sinne und den Verstand, sondern durch das innere Erleben der Seele, die sich aber weiterbringt, als es im Alltagsleben geschieht. In seiner Art hat Herder wieder angeknüpft an dasjenige, was Jahrhunderte früher uns entgegentritt in dem deutschen Mystiker, der da stand in der Morgenröte der neueren Zeit. In dem Augenblick, da Angelus Silesius in seinen Bildern spricht, in denen er wie eine Anweisung zum Wege der Seele in eine geistige Welt hinein gibt. Er spricht aus in einem seiner Bilder: Ich bin es nicht, der lebt und stirbt, sondern in mir waltet die Gottgeistigkeit, die wird in mir geboren, die lebt und stirbt in mir.

[ 9 ] Solche Verbindung mit dem lebendigen Geiste suchte die deutsche Seele immer. Und so wurde intim gesucht diese Verbindung der Seele mit dem wirksamen Geiste, dass selbst die Unsterblichkeitsidee für Angelus Silesius unmittelbar folgt aus der geistigen Innenerkenntnis, dem geistigen Innenleben. Denn indem er sich bewusst war, in mir waltet der ewige Gott, wusste er auch, dieser ewige Gott ist in meiner Seele im Augenblick des Todes, da, wo der ewige Gott nicht sterben kann. Da das, was in der Seele lebt, von Gott zugleich erlebt wird, so ist damit aus dem Geistigen erlebt die Idee der Unsterblichkeit. Die Idee der Unsterblichkeit, das Aufgehen in einer geistigen Welt ist für Angelus Silesius Erlebnis.

[ 9 ] Solche Verbindung mit dem lebendigen Geiste suchte die deutsche Seele immer. Und so wurde intim gesucht diese Verbindung der Seele mit dem wirksamen Geiste, dass selbst die Unsterblichkeitsidee für Angelus Silesius unmittelbar folgt aus der geistigen Innenerkenntnis, dem geistigen Innenleben. Denn indem er sich bewusst war, in mir waltet der ewige Gott, wusste er auch, dieser ewige Gott ist in meiner Seele im Augenblick des Todes, da, wo der ewige Gott nicht sterben kann. Da das, was in der Seele lebt, von Gott zugleich erlebt wird, so ist damit aus dem Geistigen erlebt die Idee der Unsterblichkeit. Die Idee der Unsterblichkeit, das Aufgehen in einer geistigen Welt ist für Angelus Silesius Erlebnis.

[ 10 ] Indem sich die Seele bewusst wird des Gottes, der in ihr waltet, weiß sie, dass der Gott in einem nicht sterben kann, dass der Tod in die geistige Welt hineinführt.

[ 10 ] Indem sich die Seele bewusst wird des Gottes, der in ihr waltet, weiß sie, dass der Gott in einem nicht sterben kann, dass der Tod in die geistige Welt hineinführt.

[ 11 ] Und denken wir an den großen Mystiker am Anfang der Neuzeit deutschen Geisteslebens, an Jakob Böhme. Nicht um einen falschen sinnbildlichen Aktivismus zu predigen, sondern um hinzuweisen darauf, dass das Sinnesleben erst begriffen wird, wenn der Mensch erfasst dasjenige, was nicht nur lebendig ist zwischen Geburt und Tod, sondern was hindurchgeht durch die Pforte des Todes, möchte ich Jakob Böhme anführen. Ihm war es klar, dass der Mensch eindringen muss während des Lebens in die Geheimnisse des Todes. dass seine Kräfte angefacht werden, wenn er weiß, was im Sterben ihn zu einem neuen Leben ruft, dass diese Kräfte schon erkannt werden müssen in diesem Leben. Das will der wunderbare Spruch Jakob Böhmes bedeuten:

[ 11 ] Und denken wir an den großen Mystiker am Anfang der Neuzeit deutschen Geisteslebens, an Jakob Böhme. Nicht um einen falschen sinnbildlichen Aktivismus zu predigen, sondern um hinzuweisen darauf, dass das Sinnesleben erst begriffen wird, wenn der Mensch erfasst dasjenige, was nicht nur lebendig ist zwischen Geburt und Tod, sondern was hindurchgeht durch die Pforte des Todes, möchte ich Jakob Böhme anführen. Ihm war es klar, dass der Mensch eindringen muss während des Lebens in die Geheimnisse des Todes. dass seine Kräfte angefacht werden, wenn er weiß, was im Sterben ihn zu einem neuen Leben ruft, dass diese Kräfte schon erkannt werden müssen in diesem Leben. Das will der wunderbare Spruch Jakob Böhmes bedeuten:

Wer nicht stirbt, bevor er stirbt;
Der verdirbt, wenn er stirbt.

Wer nicht stirbt, bevor er stirbt;
Der verdirbt, wenn er stirbt.

[ 12 ] Wenn solche Worte heraustönen aus dem deutschen Geistesleben, dann fühlt man, wie da walten durch die besten Seelen der deutschen Entwicklung hindurch lebendige Tragkräfte des Geistes. Denn es ist die Tragkraft des deutschen Geistes, durch die sich die Seele in ihrem höchsten Streben innerlich lebendig verbunden weiß mit dem Geiste, dass sie erfährt, was sie als Höchstes tun kann, das tut der Geist selbst in ihr. Getragen fühlt sich die Seele vom konkreten Geiste, nicht bloß von Ideen und Vorstellungen, die eine Abstraktion des menschlichen Verstandes und der Vernunft sind und die nicht lebendig den im Leben wirklich waltenden Geist darstellen. Dieser Geist entwickelt daher seine Tragkraft für das ganze deutsche Geistesleben.

[ 12 ] Wenn solche Worte heraustönen aus dem deutschen Geistesleben, dann fühlt man, wie da walten durch die besten Seelen der deutschen Entwicklung hindurch lebendige Tragkräfte des Geistes. Denn es ist die Tragkraft des deutschen Geistes, durch die sich die Seele in ihrem höchsten Streben innerlich lebendig verbunden weiß mit dem Geiste, dass sie erfährt, was sie als Höchstes tun kann, das tut der Geist selbst in ihr. Getragen fühlt sich die Seele vom konkreten Geiste, nicht bloß von Ideen und Vorstellungen, die eine Abstraktion des menschlichen Verstandes und der Vernunft sind und die nicht lebendig den im Leben wirklich waltenden Geist darstellen. Dieser Geist entwickelt daher seine Tragkraft für das ganze deutsche Geistesleben.

[ 13 ] Und wenn wir auf unsere besten Geistesgrößen hinblicken, man kann sagen, da tritt einem entgegen, wie diese tragende Kraft des deutschen Geistes in ihren Herzen, ihren Seelen wirkt, wie sie im Leben und in ihrem geistigen Streben und Schaffen diese tragende Kraft des deutschen Geistes allüberall zeigen.

[ 13 ] Und wenn wir auf unsere besten Geistesgrößen hinblicken, man kann sagen, da tritt einem entgegen, wie diese tragende Kraft des deutschen Geistes in ihren Herzen, ihren Seelen wirkt, wie sie im Leben und in ihrem geistigen Streben und Schaffen diese tragende Kraft des deutschen Geistes allüberall zeigen.

[ 14 ] Wahrhaftig nicht um sentimentale Empfindungen heraufzurufen in Ihnen, sehr verehrte Anwesende, sondern um zu zeigen, wie die tragende Kraft des deutschen Geistes in besten deutschen Geistern bis in das unmittelbare Leben hineinwirkt, seien zwei Geistesgrößen zum Ausgangspunkt genommen der heutigen Betrachtung. Und diese beiden Geistesgrößen, sie seien betrachtet gerade im Moment des Todes, Schiller sei der Erste.

[ 14 ] Wahrhaftig nicht um sentimentale Empfindungen heraufzurufen in Ihnen, sehr verehrte Anwesende, sondern um zu zeigen, wie die tragende Kraft des deutschen Geistes in besten deutschen Geistern bis in das unmittelbare Leben hineinwirkt, seien zwei Geistesgrößen zum Ausgangspunkt genommen der heutigen Betrachtung. Und diese beiden Geistesgrößen, sie seien betrachtet gerade im Moment des Todes, Schiller sei der Erste.

[ 15 ] Wir können durch einen Freund, den Sohn des Homer-Übersetzers Voß, den sogenannten jüngeren Voß, bis in die letzten Tage, bis in das Sterbezimmer unseres Schiller hineinblicken. Da sieht man, wie dieser Schiller, indem seine letzten Wochen heranrücken, man könnte sagen schon im Leben als ein fast Verstorbener am Leibe herumgeht, aber noch immer teilnimmt an alledem, was in seiner Weimarer Wohnstätte die geistigen Interessen genannt werden können. Man sieht förmlich, wie in ihm vorhandene feste Zusammenhaltekräfte mit dem geistigen Leben ihn durch seine letzten Wochen und Tage tragen. Dann werden wir hineingeführt in das Sterbezimmer. Wir erleben mit durch die Beschreibung des jungen Voß, wie Schiller kaum mehr aus seinem immer so wohlwollend, so liebevoll, so geistvoll blickenden Augen schauen kann. Er lässt zu sich bringen sein kleinstes Kind. Voß schildert, wie sich seine Augen, aus denen auf der einen Seite schon der Tod, aber auch noch die mächtige Feuerseele herausschaut, wie sich seine Augen groß hinrichten auf das Kind. Und glauben können wir es, dass Voß recht hat, wenn er in seiner Beschreibung sagt, aus diesen Augen sprach so etwas wie der Gedanke: © du mein Kind, das ich so klein zurücklassen muss, ich hätte dir noch in so vielem Vater sein müssen. Dann gab er das Kind wieder zurück, der sterbende Schiller, und wandte sich ab, der Wand zu.

[ 15 ] Wir können durch einen Freund, den Sohn des Homer-Übersetzers Voß, den sogenannten jüngeren Voß, bis in die letzten Tage, bis in das Sterbezimmer unseres Schiller hineinblicken. Da sieht man, wie dieser Schiller, indem seine letzten Wochen heranrücken, man könnte sagen schon im Leben als ein fast Verstorbener am Leibe herumgeht, aber noch immer teilnimmt an alledem, was in seiner Weimarer Wohnstätte die geistigen Interessen genannt werden können. Man sieht förmlich, wie in ihm vorhandene feste Zusammenhaltekräfte mit dem geistigen Leben ihn durch seine letzten Wochen und Tage tragen. Dann werden wir hineingeführt in das Sterbezimmer. Wir erleben mit durch die Beschreibung des jungen Voß, wie Schiller kaum mehr aus seinem immer so wohlwollend, so liebevoll, so geistvoll blickenden Augen schauen kann. Er lässt zu sich bringen sein kleinstes Kind. Voß schildert, wie sich seine Augen, aus denen auf der einen Seite schon der Tod, aber auch noch die mächtige Feuerseele herausschaut, wie sich seine Augen groß hinrichten auf das Kind. Und glauben können wir es, dass Voß recht hat, wenn er in seiner Beschreibung sagt, aus diesen Augen sprach so etwas wie der Gedanke: © du mein Kind, das ich so klein zurücklassen muss, ich hätte dir noch in so vielem Vater sein müssen. Dann gab er das Kind wieder zurück, der sterbende Schiller, und wandte sich ab, der Wand zu.

[ 16 ] Indem wir diese Augenblicke miterleben, fühlen wir als deutsche Nation, wie wenn wir ebenso zu Schiller uns verhalten könnten wie dieses Kind. Man fühlt, da lebt die tragende Kraft des deutschen Geistes, die Schiller in den Tod hineingetragen hat; und es lebt diese Kraft fort im deutschen Volke. Aber zu solchen Geistesgrößen hinblickend müssen wir sagen: Nicht nur viel Großes, viel Gewaltiges ist von ihnen erarbeitet worden, sondern viel Keimhaftes auch, das sich erst entwickeln muss. Auch dem deutschen Volke gelten Schillers Gedanken, dass er ihm noch vieles hätte geben können. Aber wie war auch Schiller verbunden mit dem, was genannt werden kann: die tragende Kraft des deutschen Geistes. Wir haben ein merkwürdiges Dokument, das erst lange, lange nachdem Schiller nicht mehr war, aufgefunden worden ist und in dem Schiller gewissermaßen aufgeschrieben hat dasjenige, was er wie ein Testament, als seine Anschauung vom deutschen Geiste der Menschheit hinterlassen hat. In diesem Dokument spricht Schiller die folgenden schönen Worte über denjenigen Geist aus, dessen tragende Kraft derjenige empfindet, der ihn kennenlernt.

[ 16 ] Indem wir diese Augenblicke miterleben, fühlen wir als deutsche Nation, wie wenn wir ebenso zu Schiller uns verhalten könnten wie dieses Kind. Man fühlt, da lebt die tragende Kraft des deutschen Geistes, die Schiller in den Tod hineingetragen hat; und es lebt diese Kraft fort im deutschen Volke. Aber zu solchen Geistesgrößen hinblickend müssen wir sagen: Nicht nur viel Großes, viel Gewaltiges ist von ihnen erarbeitet worden, sondern viel Keimhaftes auch, das sich erst entwickeln muss. Auch dem deutschen Volke gelten Schillers Gedanken, dass er ihm noch vieles hätte geben können. Aber wie war auch Schiller verbunden mit dem, was genannt werden kann: die tragende Kraft des deutschen Geistes. Wir haben ein merkwürdiges Dokument, das erst lange, lange nachdem Schiller nicht mehr war, aufgefunden worden ist und in dem Schiller gewissermaßen aufgeschrieben hat dasjenige, was er wie ein Testament, als seine Anschauung vom deutschen Geiste der Menschheit hinterlassen hat. In diesem Dokument spricht Schiller die folgenden schönen Worte über denjenigen Geist aus, dessen tragende Kraft derjenige empfindet, der ihn kennenlernt.

Dem, der den Geist bildet, beherrscht,
muss zuletzt die Herrschaft werden, denn
endlich an dem Ziel der Zeit, wenn anders die
Welt einen Plan, wenn des Menschen
Leben irgend nur Bedeutung hat, endlich
muss die Sitte und die Vernunft siegen,
die rohe Gewalt der Form erliegen
und das langsamste Volk wird alle
die schnellen Flüchtigen einholen.
[...]
Ihm

Dem, der den Geist bildet, beherrscht,
muss zuletzt die Herrschaft werden, denn
endlich an dem Ziel der Zeit, wenn anders die
Welt einen Plan, wenn des Menschen
Leben irgend nur Bedeutung hat, endlich
muss die Sitte und die Vernunft siegen,
die rohe Gewalt der Form erliegen
und das langsamste Volk wird alle
die schnellen Flüchtigen einholen.
[...]
Ihm

[ 17 ] — dem Deutschen —

[ 17 ] — dem Deutschen —

ist das Höchste bestimmt,
und so wie er in der Mitte von
Europens Völkern sich befindet,
so ist er der Kern der Menschheit,
jene sind die Blüte und das Blatt.
Er ist erwählt von dem Weltgeist, während
des Zeitkampfs
an dem ewigen Bau der Menschenbildung
zu arbeiten, zu bewahren, was die Zeit bringt,
daher hat er bisher Fremdes sich ange-
eignet und es in sich bewahrt.
Alles, was Schätzbares bei andern Zeiten
und Völkern aufkam, mit der Zeit
entstand und schwand, hat er aufbewahrt,
es ist ihm unverloren, die Schätze von
Jahrhunderten.
Nicht im Augenblick zu glänzen und
seine Rolle zu spielen, sondern den großen
Prozess der Zeit zu gewinnen. Jedes Volk
hat seinen Tag in der Geschichte, doch
der Tag des Deutschen ist die Ernte der
ganzen Zeit.

ist das Höchste bestimmt,
und so wie er in der Mitte von
Europens Völkern sich befindet,
so ist er der Kern der Menschheit,
jene sind die Blüte und das Blatt.
Er ist erwählt von dem Weltgeist, während
des Zeitkampfs
an dem ewigen Bau der Menschenbildung
zu arbeiten, zu bewahren, was die Zeit bringt,
daher hat er bisher Fremdes sich ange-
eignet und es in sich bewahrt.
Alles, was Schätzbares bei andern Zeiten
und Völkern aufkam, mit der Zeit
entstand und schwand, hat er aufbewahrt,
es ist ihm unverloren, die Schätze von
Jahrhunderten.
Nicht im Augenblick zu glänzen und
seine Rolle zu spielen, sondern den großen
Prozess der Zeit zu gewinnen. Jedes Volk
hat seinen Tag in der Geschichte, doch
der Tag des Deutschen ist die Ernte der
ganzen Zeit.

[ 18 ] So fühlte sich Schiller mit demjenigen verbunden, was man nennen kann die tragende Kraft des deutschen Geistes.

[ 18 ] So fühlte sich Schiller mit demjenigen verbunden, was man nennen kann die tragende Kraft des deutschen Geistes.

[ 19 ] Und wenn wir nun den Blick hinwenden auf eine andere Geistesgröße, auf eine Geistesgröße, die gewissermaßen alle Kraft des deutschen Geistes zusammengefasst hat, einen Philosophen, der aus einem starken Menschheitscharakter heraus eine Philosophie von dramatischer Klarheit geschaffen hat, wenden wir uns zu dem Sprecher der «Reden an die deutsche Nation», wenden wir uns an Johann Gottlieb Fichte.

[ 19 ] Und wenn wir nun den Blick hinwenden auf eine andere Geistesgröße, auf eine Geistesgröße, die gewissermaßen alle Kraft des deutschen Geistes zusammengefasst hat, einen Philosophen, der aus einem starken Menschheitscharakter heraus eine Philosophie von dramatischer Klarheit geschaffen hat, wenden wir uns zu dem Sprecher der «Reden an die deutsche Nation», wenden wir uns an Johann Gottlieb Fichte.

[ 20 ] Schauen wir auch bei ihm auf die tragenden Kräfte des deutschen Geisteslebens, mit dem sich Fichte so verbunden fühlte, dass er in einer der schwierigsten Zeiten Deutschlands durch seine Reden [die] deutschen Herzen in seltener Art anzufachen wusste. Sehen wir, wie bei ihm die tragende Kraft des Geistes bis in das unmittelbare, alltägliche Leben hineingewirkt hat. Als Deutschland zu seinen großen Kämpfen schritt gegen die westliche Fremdherrschaft, da ist Fichte mit sich zurate gegangen, ob er denn irgendwie mitzuhelfen berufen sei, und zuletzt hat er gewusst, dass er durch geistige Betätigung am meisten wirken könne. Seine Frau aber hat sich dem Krankendienst gewidmet. Sie war es, die von den Lazaretten das Fieber mit nach Hause brachte, aber wieder genas. Fichte aber wurde von dieser Krankheit seiner Frau angesteckt. Und als er krank dalag, da war es merkwürdig, wie übergingen in den letzten Tagen die philosophischen Gedanken, die zu den stärksten dieser Art in der Menschheitsentwicklung gehören, zu den leuchtendsten gehören, wie sie übergingen in die Fieberphantasien des Sterbenden. Und merkwürdig, Fichte, der gedankenklare, diamanthelle Philosoph, er leitete über in seiner Seele, die ganz. beschäftigt war mit dem Geiste, der durch das deutsche Wesen waltet, seine philosophischen Gedanken so, dass er sich glaubte draußen auf den Schlachtfeldern, mitten unter den Heeren, da sich Blüchers Rheinübergang vollzog.

[ 20 ] Schauen wir auch bei ihm auf die tragenden Kräfte des deutschen Geisteslebens, mit dem sich Fichte so verbunden fühlte, dass er in einer der schwierigsten Zeiten Deutschlands durch seine Reden [die] deutschen Herzen in seltener Art anzufachen wusste. Sehen wir, wie bei ihm die tragende Kraft des Geistes bis in das unmittelbare, alltägliche Leben hineingewirkt hat. Als Deutschland zu seinen großen Kämpfen schritt gegen die westliche Fremdherrschaft, da ist Fichte mit sich zurate gegangen, ob er denn irgendwie mitzuhelfen berufen sei, und zuletzt hat er gewusst, dass er durch geistige Betätigung am meisten wirken könne. Seine Frau aber hat sich dem Krankendienst gewidmet. Sie war es, die von den Lazaretten das Fieber mit nach Hause brachte, aber wieder genas. Fichte aber wurde von dieser Krankheit seiner Frau angesteckt. Und als er krank dalag, da war es merkwürdig, wie übergingen in den letzten Tagen die philosophischen Gedanken, die zu den stärksten dieser Art in der Menschheitsentwicklung gehören, zu den leuchtendsten gehören, wie sie übergingen in die Fieberphantasien des Sterbenden. Und merkwürdig, Fichte, der gedankenklare, diamanthelle Philosoph, er leitete über in seiner Seele, die ganz. beschäftigt war mit dem Geiste, der durch das deutsche Wesen waltet, seine philosophischen Gedanken so, dass er sich glaubte draußen auf den Schlachtfeldern, mitten unter den Heeren, da sich Blüchers Rheinübergang vollzog.

[ 21 ] So sehen wir da ein Zusammenwachsen höchster Gedankenentfaltung selbst noch in den Fieberphantasien eines dahinsterbenden Deutschen. Sein Sohn brachte ihm eine Arznei. Fichte fühlte sich wie verbunden mit der Kraft des deutschen Geistes, von der er die feste Hoffnung hatte, dass sie das deutsche Volk zum Siege führen müsste. Er schob hinweg die Arznei und sagte: «Ich brauche keine Arznei, denn ich fühle, ich werde genesen.» Dann starb er. Das waren gewissermaßen seine letzten Augenblicke. Das ist jener Fichte, aus dessen Seele die tragende Kraft des deutschen Geistes so spricht, dass man sieht, wie bei ihm unmittelbar das Erkennen von dem in seiner Seele waltenden Willen erfasst wird so, dass man sagen kann: In jedem Worte Fichtes fühlen wir hindurchdringen diese Kraft des deutschen Geistes, welche nicht anders kann als bekennen, dass der Geist nicht ein Abstraktum ist, sondern etwas, was die Welt durchwebt und durchwallt und durchwirkt und in welchem die Seele sich weiß, sich erleben kann. Wie schön spricht Fichte so etwas aus, wenn er sagt:

[ 21 ] So sehen wir da ein Zusammenwachsen höchster Gedankenentfaltung selbst noch in den Fieberphantasien eines dahinsterbenden Deutschen. Sein Sohn brachte ihm eine Arznei. Fichte fühlte sich wie verbunden mit der Kraft des deutschen Geistes, von der er die feste Hoffnung hatte, dass sie das deutsche Volk zum Siege führen müsste. Er schob hinweg die Arznei und sagte: «Ich brauche keine Arznei, denn ich fühle, ich werde genesen.» Dann starb er. Das waren gewissermaßen seine letzten Augenblicke. Das ist jener Fichte, aus dessen Seele die tragende Kraft des deutschen Geistes so spricht, dass man sieht, wie bei ihm unmittelbar das Erkennen von dem in seiner Seele waltenden Willen erfasst wird so, dass man sagen kann: In jedem Worte Fichtes fühlen wir hindurchdringen diese Kraft des deutschen Geistes, welche nicht anders kann als bekennen, dass der Geist nicht ein Abstraktum ist, sondern etwas, was die Welt durchwebt und durchwallt und durchwirkt und in welchem die Seele sich weiß, sich erleben kann. Wie schön spricht Fichte so etwas aus, wenn er sagt:

Es ist gar nicht zweifelhaft, sondern das Gewisseste, was es gibt, [ja der Grund aller andern Gewissheit, das einzige absolut gültige Objektive, dass es eine moralische Weltordnung gibt, dass jedem vernünftigen Individuum seine bestimmte Stelle in dieser Ordnung angewiesen und auf seine Arbeit gerechnet ist.]

Es ist gar nicht zweifelhaft, sondern das Gewisseste, was es gibt, [ja der Grund aller andern Gewissheit, das einzige absolut gültige Objektive, dass es eine moralische Weltordnung gibt, dass jedem vernünftigen Individuum seine bestimmte Stelle in dieser Ordnung angewiesen und auf seine Arbeit gerechnet ist.]

[ 22 ] Das ist das von der tragenden Kraft des deutschen Geistes abgelegte Bekenntnis zu der geistigen Welt. Und so fühlt sich Fichte verbunden mit dieser geistigen Welt, dass er in Worten, die ebenso Gedanken wie aus der ganzen Seele quellender Wille sind, einmal vor seinen Studenten das Folgende sprach: «Ihr Sterne, die über mir wandelt, ihr Berge all, ... wenn ihr alle einmal zusammenstürzet, wenn euch Blitze durchzucken, wenn euch die elementaren Kräfte zermalmen, sodass kein Stäubchen mehr von euch vorhanden ist, so sagt ihr mir nichts über meiner eigenen Seele Wesen. Dieses trotzt eurer Macht, dies ist nicht ewig, wie ihr nicht ewig seid.» So etwa sprach Fichte aus der unmittelbaren Kraft des Zusammenhanges mit der geistigen Welt in der eigenen Seele heraus. Das ist nicht bloß philosophische Spekulation, das sind nicht bloß Gedanken, sondern das ist inneres seelisches Leben, ein Zusammenfließen der Seele mit dem Geiste. Das ist das Ergebnis der tragenden Kräfte des deutschen Geistes.

[ 22 ] Das ist das von der tragenden Kraft des deutschen Geistes abgelegte Bekenntnis zu der geistigen Welt. Und so fühlt sich Fichte verbunden mit dieser geistigen Welt, dass er in Worten, die ebenso Gedanken wie aus der ganzen Seele quellender Wille sind, einmal vor seinen Studenten das Folgende sprach: «Ihr Sterne, die über mir wandelt, ihr Berge all, ... wenn ihr alle einmal zusammenstürzet, wenn euch Blitze durchzucken, wenn euch die elementaren Kräfte zermalmen, sodass kein Stäubchen mehr von euch vorhanden ist, so sagt ihr mir nichts über meiner eigenen Seele Wesen. Dieses trotzt eurer Macht, dies ist nicht ewig, wie ihr nicht ewig seid.» So etwa sprach Fichte aus der unmittelbaren Kraft des Zusammenhanges mit der geistigen Welt in der eigenen Seele heraus. Das ist nicht bloß philosophische Spekulation, das sind nicht bloß Gedanken, sondern das ist inneres seelisches Leben, ein Zusammenfließen der Seele mit dem Geiste. Das ist das Ergebnis der tragenden Kräfte des deutschen Geistes.

[ 23 ] Und man darf sich als heutiger Geisteswissenschaftler wirklich auf Fichte berufen. Ein Beispiel für viele, das beweisen kann, wie man sich heute mit der heutigen Geisteswissenschaft auf Fichte berufen kann: In den «Reden an die deutsche Nation» steht es, und viele werden vielleicht darüber hinweglesen, aber wichtig ist es für denjenigen, der Fichte nicht bloß an der Oberfläche seiner Worte erfassen will, sondern in die Tiefe seiner Anschauungen dringen will. Fichte hielt vor seinem Volke, für sein Volk die «Reden an die deutsche Nation», durch die er den deutschen Geist in den deutschen Herzen anfachen wollte, damit deutsches Wesen zum Siege komme in Europa. Und das, was er als Mittel dazumal besonders zu empfehlen hatte, war eine ganz neuartige Erziehung. Man mag heute zu seinem Plane stehen, wie man will, man muss sagen, dass er dazumal groß und kühn gedacht war, so gedacht war, dass er wirklich etwas enthielt wiederum von dieser tragenden Kraft des deutschen Geistes. Aber Fichte wusste, indem er dieses aussprach vor Zuhörern, die allerdings willens waren, das Wort, das dem Dienste der Menschheit gewidmet war, entgegenzunehmen, indem er das aussprach, was seinen Plan charakterisierte, dass er etwas sagte, was alle Vorstellungen von der Erziehung und der Entwicklung des Menschen zu durchdringen hat. Er verlangte damit etwas ganz Neues von den Menschen. Und da machte er einen Vergleich zwischen dem, was er als Neuartiges sich dachte für die bisherigen Denkgewohnheiten, und dem, was sie als /Lücke im Text].

[ 23 ] Und man darf sich als heutiger Geisteswissenschaftler wirklich auf Fichte berufen. Ein Beispiel für viele, das beweisen kann, wie man sich heute mit der heutigen Geisteswissenschaft auf Fichte berufen kann: In den «Reden an die deutsche Nation» steht es, und viele werden vielleicht darüber hinweglesen, aber wichtig ist es für denjenigen, der Fichte nicht bloß an der Oberfläche seiner Worte erfassen will, sondern in die Tiefe seiner Anschauungen dringen will. Fichte hielt vor seinem Volke, für sein Volk die «Reden an die deutsche Nation», durch die er den deutschen Geist in den deutschen Herzen anfachen wollte, damit deutsches Wesen zum Siege komme in Europa. Und das, was er als Mittel dazumal besonders zu empfehlen hatte, war eine ganz neuartige Erziehung. Man mag heute zu seinem Plane stehen, wie man will, man muss sagen, dass er dazumal groß und kühn gedacht war, so gedacht war, dass er wirklich etwas enthielt wiederum von dieser tragenden Kraft des deutschen Geistes. Aber Fichte wusste, indem er dieses aussprach vor Zuhörern, die allerdings willens waren, das Wort, das dem Dienste der Menschheit gewidmet war, entgegenzunehmen, indem er das aussprach, was seinen Plan charakterisierte, dass er etwas sagte, was alle Vorstellungen von der Erziehung und der Entwicklung des Menschen zu durchdringen hat. Er verlangte damit etwas ganz Neues von den Menschen. Und da machte er einen Vergleich zwischen dem, was er als Neuartiges sich dachte für die bisherigen Denkgewohnheiten, und dem, was sie als /Lücke im Text].

[ 24 ] Und nun fragen wir uns: Wie könnte Geisteswissenschaft, die eine Wissenschaft ist vom geistigen Leben, wie könnte sie einen Vergleich nehmen, wenn sie das kennzeichnen wollte, was sie will, was sie anstrebt? Geisteswissenschaft will ja führen zu einer wirklichen inneren Erleuchtung, sodass die Seele außerhalb des Leibes den Leib mit seinen physischen Erlebnissen so ansieht, wie man sonst einen äußeren Gegenstand ansieht. Dadurch erringt der Geistesforscher die Erkenntnis, wie diese Seele sich nach dem Tode verhält, wie die Seele mit Geistesaugen schaut auf den Leib, wie sie ihn überschaut wie ein äußeres Element. Und so kommt dann der Geisteswissenschaftler heute, indem er sich fest auf den Boden dieser Geisteswissenschaft stellt, er kommt dazu, zu sagen: Dieses Neue verhält sich wie eine Seele, die den Leib verlässt und zurückblickt auf den Leib. Man würde ein Symbolum nehmen, das heute allerdings die Menschen noch wie eine Träumerei ansehen. Fragen wir aber, was für ein Sinnbild Fichte selbst gewählt hat, als er charakterisieren wollte das Neue seines Erziehungssystems im Verhältnis zum alten.

[ 24 ] Und nun fragen wir uns: Wie könnte Geisteswissenschaft, die eine Wissenschaft ist vom geistigen Leben, wie könnte sie einen Vergleich nehmen, wenn sie das kennzeichnen wollte, was sie will, was sie anstrebt? Geisteswissenschaft will ja führen zu einer wirklichen inneren Erleuchtung, sodass die Seele außerhalb des Leibes den Leib mit seinen physischen Erlebnissen so ansieht, wie man sonst einen äußeren Gegenstand ansieht. Dadurch erringt der Geistesforscher die Erkenntnis, wie diese Seele sich nach dem Tode verhält, wie die Seele mit Geistesaugen schaut auf den Leib, wie sie ihn überschaut wie ein äußeres Element. Und so kommt dann der Geisteswissenschaftler heute, indem er sich fest auf den Boden dieser Geisteswissenschaft stellt, er kommt dazu, zu sagen: Dieses Neue verhält sich wie eine Seele, die den Leib verlässt und zurückblickt auf den Leib. Man würde ein Symbolum nehmen, das heute allerdings die Menschen noch wie eine Träumerei ansehen. Fragen wir aber, was für ein Sinnbild Fichte selbst gewählt hat, als er charakterisieren wollte das Neue seines Erziehungssystems im Verhältnis zum alten.

[Die Zeit erscheint mir wie ein Schatten, der über seinem Leichname, aus dem soeben ein Heer von Krankheiten ihn herausgetrieben, steht und jammert und seinen Blick nicht loszureißen vermag von der ehedem so geliebten Hülle und verzweifelnd alle Mittel versucht, um wieder hineinzukommen in die Behausung der Seuchen. Zwar haben schon die belebenden Lüfte der anderen Welt, in die die abgeschiedene eingetreten, sie aufgenommen in sich und umgeben sie mit warmem Liebeshauche, zwar begrüßen sie schon freudig heimliche Stimmen der Schwestern, und heißen sie willkommen, zwar regt es sich schon und dehnt sich in ihrem Innern nach allen Richtungen hin, um die herrlichere Gestalt, zu der sie erwachsen soll, zu entwickeln; aber noch hat sie kein Gefühl für diese Lüfte oder Gehör für diese Stimmen oder, wenn sie es hätte, so ist sie aufgegangen in Schmerz über ihren Verlust, mit welchem sie zugleich sich selbst verloren zu haben glaubt.]

[Die Zeit erscheint mir wie ein Schatten, der über seinem Leichname, aus dem soeben ein Heer von Krankheiten ihn herausgetrieben, steht und jammert und seinen Blick nicht loszureißen vermag von der ehedem so geliebten Hülle und verzweifelnd alle Mittel versucht, um wieder hineinzukommen in die Behausung der Seuchen. Zwar haben schon die belebenden Lüfte der anderen Welt, in die die abgeschiedene eingetreten, sie aufgenommen in sich und umgeben sie mit warmem Liebeshauche, zwar begrüßen sie schon freudig heimliche Stimmen der Schwestern, und heißen sie willkommen, zwar regt es sich schon und dehnt sich in ihrem Innern nach allen Richtungen hin, um die herrlichere Gestalt, zu der sie erwachsen soll, zu entwickeln; aber noch hat sie kein Gefühl für diese Lüfte oder Gehör für diese Stimmen oder, wenn sie es hätte, so ist sie aufgegangen in Schmerz über ihren Verlust, mit welchem sie zugleich sich selbst verloren zu haben glaubt.]

[ 25 ] Das ist der lebendige Fichte! Müssen wir nicht sagen, dasjenige, was heute Geisteswissenschaft aus einer wirklichen Geist-Erkenntnis heraus entfalten und erkennen will, wir treffen es da, wo Fichte den tiefen Intentionen seines Geistes sich überlässt und einen Vergleich wählt, der tief wurzelt in den tragenden Kräften des deutschen Volkes. Es ist das Bekenntnis zu dem wirklichen, lebendigen, zu dem wallenden und webenden Geiste. Und so wurzelt es bei den besten Größen dieses deutschen Geisteslebens.

[ 25 ] Das ist der lebendige Fichte! Müssen wir nicht sagen, dasjenige, was heute Geisteswissenschaft aus einer wirklichen Geist-Erkenntnis heraus entfalten und erkennen will, wir treffen es da, wo Fichte den tiefen Intentionen seines Geistes sich überlässt und einen Vergleich wählt, der tief wurzelt in den tragenden Kräften des deutschen Volkes. Es ist das Bekenntnis zu dem wirklichen, lebendigen, zu dem wallenden und webenden Geiste. Und so wurzelt es bei den besten Größen dieses deutschen Geisteslebens.

[ 26 ] Und sehen wir nicht, wie diese tragenden Kräfte des deutschen Geistes auch wiederum in Goethe wirken? Ist es nicht dadurch schon zu sehen, dass Goethe schon in seiner Jugend sich unbefriedigt erklären musste mit alledem, was nur als Abbild der äußeren Sinneswelt durch Spekulation des Verstandes in die menschliche Seele als Begriffe und Ideen hereinkommen kann, dass er etwas fühlt wie jenen faustischen Drang, sich nicht nur in abstrakten Begriffen, in sinnlichen Vorstellungen zu ergehen, sondern sich mit den innersten Kräften der Seele zu vermählen mit dem in der Welt waltenden Geiste. Und aus solchem Drang, der sich dann künstlerisch gestalten wollte, ist bei Goethe entstanden dasjenige, was er in seinem «Faust» dargestellt hat; in jenem «Faust», der in seiner Ganzheit eine Dichtung darstellt, wie sie eben kein anderes Volk haben kann. Denn alles das, was der Mensch erstreben kann durch die tiefsten Kräfte seiner Seele auf dem Wege in die geistige Welt, es soll in diesem «Faust» zur Anschauung kommen. Sehen wir nicht, wie Faust, nachdem er sich unbefriedigt fühlt in der äußeren Welt der Sinne, zu den Quellen des Lebens hinkommen will? Wie er durch Irrtum und Überwindung, durch Versuchung und Verführung hindurchgeht, und wie er zunächst da steht und in dem Geiste, der ihn im innersten Selbst ergreift, zugleich das erkennt, was als Geistiges wallt und webt durch die Welt. So kommt Faust schon im ersten Teil des Dramas dazu, diesen Geist, der draußen in der Natur waltet, aber auch im menschlichen Innern waltet, zu finden. Diesem Geist, mit dem sich als einem lebendigen, der wirklich im deutschen Geistesleben Stehende verbunden fühlt, dem Geiste fühlt sich Faust in solchen Worten verbunden, die immer wieder angeführt werden können:

[ 26 ] Und sehen wir nicht, wie diese tragenden Kräfte des deutschen Geistes auch wiederum in Goethe wirken? Ist es nicht dadurch schon zu sehen, dass Goethe schon in seiner Jugend sich unbefriedigt erklären musste mit alledem, was nur als Abbild der äußeren Sinneswelt durch Spekulation des Verstandes in die menschliche Seele als Begriffe und Ideen hereinkommen kann, dass er etwas fühlt wie jenen faustischen Drang, sich nicht nur in abstrakten Begriffen, in sinnlichen Vorstellungen zu ergehen, sondern sich mit den innersten Kräften der Seele zu vermählen mit dem in der Welt waltenden Geiste. Und aus solchem Drang, der sich dann künstlerisch gestalten wollte, ist bei Goethe entstanden dasjenige, was er in seinem «Faust» dargestellt hat; in jenem «Faust», der in seiner Ganzheit eine Dichtung darstellt, wie sie eben kein anderes Volk haben kann. Denn alles das, was der Mensch erstreben kann durch die tiefsten Kräfte seiner Seele auf dem Wege in die geistige Welt, es soll in diesem «Faust» zur Anschauung kommen. Sehen wir nicht, wie Faust, nachdem er sich unbefriedigt fühlt in der äußeren Welt der Sinne, zu den Quellen des Lebens hinkommen will? Wie er durch Irrtum und Überwindung, durch Versuchung und Verführung hindurchgeht, und wie er zunächst da steht und in dem Geiste, der ihn im innersten Selbst ergreift, zugleich das erkennt, was als Geistiges wallt und webt durch die Welt. So kommt Faust schon im ersten Teil des Dramas dazu, diesen Geist, der draußen in der Natur waltet, aber auch im menschlichen Innern waltet, zu finden. Diesem Geist, mit dem sich als einem lebendigen, der wirklich im deutschen Geistesleben Stehende verbunden fühlt, dem Geiste fühlt sich Faust in solchen Worten verbunden, die immer wieder angeführt werden können:

[Erhabner Geist, du gabst mir, gabst mir alles,
Warum ich bat. Du hast mir nicht umsonst
Dein Angesicht im Feuer zugewender.
Gabst mir die herrliche Natur zum Königreich,
Kraft sie zu fühlen, zu genießen. Nicht
Kalt staunenden Besuch erlaubst du nur,
Vergönnest mir, in ihre tiefe Brust,
Wie in den Busen eines Freunds, zu schauen.
Du führst die Reihe der Lebendigen
Vor mir vorbei, und lehrst mich meine Brüder
Im stillen Busch, in Luft und Wasser kennen.
Und wenn der Sturm im Walde braust und knarrt,
Die Riesenfichte stürzend Nachbaräste
Und Nachbarstämme quetschend niederstreift
Und ihrem Fall dumpf hohl der Hügel donnert,
Dann führst du mich zur sichern Höhle, zeigst
Mich dann mir selbst, und meiner eignen Brust
Geheime tiefe Wunder öffnen sich.]

[Erhabner Geist, du gabst mir, gabst mir alles,
Warum ich bat. Du hast mir nicht umsonst
Dein Angesicht im Feuer zugewender.
Gabst mir die herrliche Natur zum Königreich,
Kraft sie zu fühlen, zu genießen. Nicht
Kalt staunenden Besuch erlaubst du nur,
Vergönnest mir, in ihre tiefe Brust,
Wie in den Busen eines Freunds, zu schauen.
Du führst die Reihe der Lebendigen
Vor mir vorbei, und lehrst mich meine Brüder
Im stillen Busch, in Luft und Wasser kennen.
Und wenn der Sturm im Walde braust und knarrt,
Die Riesenfichte stürzend Nachbaräste
Und Nachbarstämme quetschend niederstreift
Und ihrem Fall dumpf hohl der Hügel donnert,
Dann führst du mich zur sichern Höhle, zeigst
Mich dann mir selbst, und meiner eignen Brust
Geheime tiefe Wunder öffnen sich.]

[ 27 ] Wie ist in diesen erhabenen Worten ausgedrückt, wie der Mensch, wenn er die tragenden Kräfte in sich selbst gefunden hat, sie auch finden will in allem Sinnlichen. Und wie wird dann Faust zurückgeführt, nachdem er so den Geist erkannt hat zu dem Walten des Geistes in der eigenen Brust.

[ 27 ] Wie ist in diesen erhabenen Worten ausgedrückt, wie der Mensch, wenn er die tragenden Kräfte in sich selbst gefunden hat, sie auch finden will in allem Sinnlichen. Und wie wird dann Faust zurückgeführt, nachdem er so den Geist erkannt hat zu dem Walten des Geistes in der eigenen Brust.

Dann führst Du mich zur sichern Höhle, zeigst Mich dann mir selbst, und meiner eignen Brust Geheime tiefe Wunder öffnen sich.

Dann führst Du mich zur sichern Höhle, zeigst Mich dann mir selbst, und meiner eignen Brust Geheime tiefe Wunder öffnen sich.

[ 28 ] Das können wir nennen: Das Weben des Geistes in der Geistigkeit der Welt, in der Wesen sind übersinnlicher Art, wie in der Sinneswelt die Wesen sind des Mineralreiches, des Pflanzenreiches, des Tierreiches. Und so sehen wir, wie dieser Geist in unseren Größten waltet und wirkt und sie trägt.

[ 28 ] Das können wir nennen: Das Weben des Geistes in der Geistigkeit der Welt, in der Wesen sind übersinnlicher Art, wie in der Sinneswelt die Wesen sind des Mineralreiches, des Pflanzenreiches, des Tierreiches. Und so sehen wir, wie dieser Geist in unseren Größten waltet und wirkt und sie trägt.

[ 29 ] Aber wir sehen auch, wie in der deutschen Geisteskultur einsetzt das Bestreben, diesem Geiste sich wirklich zu einen, sich lebendig mit ihm zu durchdringen, sich mit ihm zu vermählen. Man könnte da auf Hunderte von wichtigen historischen Ereignissen hinweisen, um zu zeigen, wie im deutschen Geistesleben die Sehnsucht auftritt, mit dem Geiste, der in allen Jahrhunderten das deutsche Wesen trug, sich zu vereinigen; zu suchen, wie er wirkt nicht nur in der Gegenwart, sondern wie er gewirkt hat durch alle Zeiten der Entwicklung hindurch. Und wo der Deutsche etwas finden kann, wo ihm der Geist entgegentritt wie eine Gestalt, wo er ihm begegnet ist, da sieht man, wie der Deutsche mit Inbrunst den deutschen Geist, der ihn tragen kann, zu ergreifen imstande ist. Ein Beispiel möchte ich anführen, ein Ereignis zu Goethes Lebenszeit.

[ 29 ] Aber wir sehen auch, wie in der deutschen Geisteskultur einsetzt das Bestreben, diesem Geiste sich wirklich zu einen, sich lebendig mit ihm zu durchdringen, sich mit ihm zu vermählen. Man könnte da auf Hunderte von wichtigen historischen Ereignissen hinweisen, um zu zeigen, wie im deutschen Geistesleben die Sehnsucht auftritt, mit dem Geiste, der in allen Jahrhunderten das deutsche Wesen trug, sich zu vereinigen; zu suchen, wie er wirkt nicht nur in der Gegenwart, sondern wie er gewirkt hat durch alle Zeiten der Entwicklung hindurch. Und wo der Deutsche etwas finden kann, wo ihm der Geist entgegentritt wie eine Gestalt, wo er ihm begegnet ist, da sieht man, wie der Deutsche mit Inbrunst den deutschen Geist, der ihn tragen kann, zu ergreifen imstande ist. Ein Beispiel möchte ich anführen, ein Ereignis zu Goethes Lebenszeit.

[ 30 ] Es kam herauf eine Weltanschauung des deutschen Geisteslebens, die sogenannte Romantik; eine Anschauung, die zurückgehen wollte zu einer früheren Stufe des deutschen Geisteslebens, weil sozusagen etwas eintrat, wobei der deutsche Geist in einer Gestalt vor die deutsche Seele trat, in der sie den deutschen Geist mit religiöser Inbrunst erfassen wollte. Das war da, als, nachdem die republikanischen Herren des Westens, jenes Westens, der heute behauptet, dass er gegen die deutschen «Barbaren» kämpfen muss, als diese Herren, so wie heute die Herren des Westens — selbstverständlich, das taten sie dazumal nach ihrer Meinung und das tun sie auch heute für die Freiheit und für das Recht der Völker — in den Krieg zogen. Da zogen diese Herren in die Gegend des Niederrheins, in die niederländischen Gegenden ein. Da können wir diese Herren schauen, wie sie verwüstend hinzogen über Paläste, Kirchen, Stifte, über alles Mögliche, wie dazumal in ungeheurem, in unermesslichem Maße verwüstet wurde und in alle Welt zerstückt und zerstreut wurden die besten Kunstwerke dieser Gegenden. Selbstverständlich haben dazumal die Herren gesagt, dass sie für Freiheit, Recht und Menschlichkeit kämpfen. Und da konnte man dann sehen, wie die Reste dieser verwüsteten Kunstwerke sich auch wiederum einfanden, selbstverständlich nur spärliche Reste, Fragmente in den rheinischen Städten. Das Zerbrochene, Verwüstete, das kam dann in die Hände einer Reihe von Leuten, so auch in die Hände der Brüder Boisserée, welche sich zur Weltanschauung der jungromantischen Schule bekannten. Und dazumal tauchte auf in dieser Schule etwas, was man nennen kann /Lücke im Text]. Da trat etwas zutage für diese Deutschen der jüngeren Romantiker, was sie wie das göttliche Walten des deutschen Geistes selbst empfanden, was sie einzuführen versuchten in das Leben. Und wir könnten die Entwicklung der Kunst Mitteleuropas im neunzehnten Jahrhundert studieren, wir würden finden, wie das, was dazumal aus den verwüsteten Trümmern, aus den tragenden Kräften des deutschen Geistes fortwirkte in der Dichtung, in den besten Kunstwerken, wir könnten finden, wie es uns überall entgegentritt.

[ 30 ] Es kam herauf eine Weltanschauung des deutschen Geisteslebens, die sogenannte Romantik; eine Anschauung, die zurückgehen wollte zu einer früheren Stufe des deutschen Geisteslebens, weil sozusagen etwas eintrat, wobei der deutsche Geist in einer Gestalt vor die deutsche Seele trat, in der sie den deutschen Geist mit religiöser Inbrunst erfassen wollte. Das war da, als, nachdem die republikanischen Herren des Westens, jenes Westens, der heute behauptet, dass er gegen die deutschen «Barbaren» kämpfen muss, als diese Herren, so wie heute die Herren des Westens — selbstverständlich, das taten sie dazumal nach ihrer Meinung und das tun sie auch heute für die Freiheit und für das Recht der Völker — in den Krieg zogen. Da zogen diese Herren in die Gegend des Niederrheins, in die niederländischen Gegenden ein. Da können wir diese Herren schauen, wie sie verwüstend hinzogen über Paläste, Kirchen, Stifte, über alles Mögliche, wie dazumal in ungeheurem, in unermesslichem Maße verwüstet wurde und in alle Welt zerstückt und zerstreut wurden die besten Kunstwerke dieser Gegenden. Selbstverständlich haben dazumal die Herren gesagt, dass sie für Freiheit, Recht und Menschlichkeit kämpfen. Und da konnte man dann sehen, wie die Reste dieser verwüsteten Kunstwerke sich auch wiederum einfanden, selbstverständlich nur spärliche Reste, Fragmente in den rheinischen Städten. Das Zerbrochene, Verwüstete, das kam dann in die Hände einer Reihe von Leuten, so auch in die Hände der Brüder Boisserée, welche sich zur Weltanschauung der jungromantischen Schule bekannten. Und dazumal tauchte auf in dieser Schule etwas, was man nennen kann /Lücke im Text]. Da trat etwas zutage für diese Deutschen der jüngeren Romantiker, was sie wie das göttliche Walten des deutschen Geistes selbst empfanden, was sie einzuführen versuchten in das Leben. Und wir könnten die Entwicklung der Kunst Mitteleuropas im neunzehnten Jahrhundert studieren, wir würden finden, wie das, was dazumal aus den verwüsteten Trümmern, aus den tragenden Kräften des deutschen Geistes fortwirkte in der Dichtung, in den besten Kunstwerken, wir könnten finden, wie es uns überall entgegentritt.

[ 31 ] Aber es hat nicht nur eine solche Kraft in die Seele hineingeprägt dessen nur, was schon da war, die Seelen wurden vielmehr vorbereitet zu solchem Ergreifen. Und wenn auch nicht zur jüngeren, wenn auch zur älteren Romantik gehörend, einer derjenigen deutschen Dichter ist — man darf es glauben, immer mehr und mehr wird er in seiner wunderbaren Geistesart gewürdigt werden —, ich meine Novalis. Er ist einer derjenigen, in dem die tragende Kraft des deutschen Geistes sich so offenbart, dass wir in vielem von ihm, was er uns hinterlassen hat, zum Teil fragmentarisch hinterlassen hat, zu sehen haben wie etwas, was sich herausgestaltet aus dem Unbewussten seiner Seele, etwas, was aber nur entwickelt zu werden braucht, um in das hineinzuführen, was die Menschheit einmal als Geisteswissenschaft wird ergreifen müssen.

[ 31 ] Aber es hat nicht nur eine solche Kraft in die Seele hineingeprägt dessen nur, was schon da war, die Seelen wurden vielmehr vorbereitet zu solchem Ergreifen. Und wenn auch nicht zur jüngeren, wenn auch zur älteren Romantik gehörend, einer derjenigen deutschen Dichter ist — man darf es glauben, immer mehr und mehr wird er in seiner wunderbaren Geistesart gewürdigt werden —, ich meine Novalis. Er ist einer derjenigen, in dem die tragende Kraft des deutschen Geistes sich so offenbart, dass wir in vielem von ihm, was er uns hinterlassen hat, zum Teil fragmentarisch hinterlassen hat, zu sehen haben wie etwas, was sich herausgestaltet aus dem Unbewussten seiner Seele, etwas, was aber nur entwickelt zu werden braucht, um in das hineinzuführen, was die Menschheit einmal als Geisteswissenschaft wird ergreifen müssen.

[ 32 ] Und man kann sagen: Es ist doch schon einigermaßen dasjenige ergriffen worden von der Welt, was Novalis aus der tragenden Kraft des deutschen Geistes herausentwickelt hat. Dies wird begriffen sogar nicht bloß von den «barbarischen Deutschen», wie sich die feindlichen Völker jetzt ausdrücken, sondern begriffen sogar von einigen französischen Schriftstellern, die etwas verstehen von der Art, sogar unter denjenigen, die heute das deutsche Wesen so beschimpfen und es verschreien als «barbarisches Wesen». Wir wissen ja, wie nicht lange nach dem Kriegsausbruch Maurice Maeterlinck nicht genug Worte finden konnte zum Schmähen und Beschimpfen des deutschen «Barbarismus».

[ 32 ] Und man kann sagen: Es ist doch schon einigermaßen dasjenige ergriffen worden von der Welt, was Novalis aus der tragenden Kraft des deutschen Geistes herausentwickelt hat. Dies wird begriffen sogar nicht bloß von den «barbarischen Deutschen», wie sich die feindlichen Völker jetzt ausdrücken, sondern begriffen sogar von einigen französischen Schriftstellern, die etwas verstehen von der Art, sogar unter denjenigen, die heute das deutsche Wesen so beschimpfen und es verschreien als «barbarisches Wesen». Wir wissen ja, wie nicht lange nach dem Kriegsausbruch Maurice Maeterlinck nicht genug Worte finden konnte zum Schmähen und Beschimpfen des deutschen «Barbarismus».

[ 33 ] Nun möchte man Maeterlinck hinweisen auf einen anderen, vielleicht einen anderen französischen Geist, der sich vertieft hat in dasjenige, was Novalis von sich aus geben kann, der geschrieben hat über dasjenige, was Novalis in seiner Seele angeregt hat. Und dieser französische Dichter, Philosoph und Künstler, was hat er bei Novalis, bei dem jetzt so verachteten, sagen wir bei Maurice Maeterlinck, so verachteten deutschen «Barbarismus» gefunden? Er hat sich veranlasst gefühlt, zu sagen: Ja, was Sophokles, selbst Schiller und andere Dichter hervorgebracht haben, was die Gestalten der Dichter tun, Hamlet und so weiter miteinander zu schaffen haben und mit ihrer Umgebung zu schaffen haben, das sind gewiss Gefühle und Empfindungen, die Erdenseelen interessieren. Allein — so meint dieser französische Schriftsteller —, allein man müsse annehmen, dass, wenn aus dem Kosmos herunter Wesen schauen würden, sie sich nicht interessieren könnten für dasjenige, was diese Gestalten die Schiller, Sophokles und andere geschaffen haben, was die miteinander zu tun haben. Aber Novalis wäre ein Mensch — so meint dieser französische DichterPhilosoph —, der aus seiner Seele heraus etwas zu sagen hat über Dinge, die nicht nur Erdenmenschen interessieren könnten, sondern die selbst Geister interessieren müssten, die die Erde besuchen aus Himmelsphären heraus.

[ 33 ] Nun möchte man Maeterlinck hinweisen auf einen anderen, vielleicht einen anderen französischen Geist, der sich vertieft hat in dasjenige, was Novalis von sich aus geben kann, der geschrieben hat über dasjenige, was Novalis in seiner Seele angeregt hat. Und dieser französische Dichter, Philosoph und Künstler, was hat er bei Novalis, bei dem jetzt so verachteten, sagen wir bei Maurice Maeterlinck, so verachteten deutschen «Barbarismus» gefunden? Er hat sich veranlasst gefühlt, zu sagen: Ja, was Sophokles, selbst Schiller und andere Dichter hervorgebracht haben, was die Gestalten der Dichter tun, Hamlet und so weiter miteinander zu schaffen haben und mit ihrer Umgebung zu schaffen haben, das sind gewiss Gefühle und Empfindungen, die Erdenseelen interessieren. Allein — so meint dieser französische Schriftsteller —, allein man müsse annehmen, dass, wenn aus dem Kosmos herunter Wesen schauen würden, sie sich nicht interessieren könnten für dasjenige, was diese Gestalten die Schiller, Sophokles und andere geschaffen haben, was die miteinander zu tun haben. Aber Novalis wäre ein Mensch — so meint dieser französische DichterPhilosoph —, der aus seiner Seele heraus etwas zu sagen hat über Dinge, die nicht nur Erdenmenschen interessieren könnten, sondern die selbst Geister interessieren müssten, die die Erde besuchen aus Himmelsphären heraus.

[ 34 ] Solche Worte spricht er in Anknüpfung an Novalis, in Anlehnung an das, was er an Novalis erlebt hat. Diese Worte müssen wir uns einmal wörtlich vor die Seele rufen:

[ 34 ] Solche Worte spricht er in Anknüpfung an Novalis, in Anlehnung an das, was er an Novalis erlebt hat. Diese Worte müssen wir uns einmal wörtlich vor die Seele rufen:

Wenn er aber anderer Beweise bedürfte, so würde sie [ihn] unter die führen, deren Werke fast an Schweigen rühren. Sie würde die Pforte des Reiches öffnen, wo einige sie um ihrer selbst willen liebten, ohne sich um die kleinen Gebärden ihres Körpers zu bekümmern. Sie würden zusammen auf die einsamen Hochflächen steigen, wo das Bewusstsein sich [um eine Stufe erhebt] und wo alle, welche die Unruhe über sich selbst [erfüllt], aufmerksam den ungeheuren Ring umschweifen, der die Erscheinungswelt mit unseren höheren Welten verknüpft. Sie würde mit ihm zu den Grenzen der Menschheit gehen; denn an dem Punkte, wo der Mensch zu enden scheint, fängt er wahrscheinlich erst an, und seine wesentlichsten und unerschöpflichsten Teile befinden sich [nur] im Unsichtbaren, wo er unaufhörlich auf seiner Hut sein muss.

Wenn er aber anderer Beweise bedürfte, so würde sie [ihn] unter die führen, deren Werke fast an Schweigen rühren. Sie würde die Pforte des Reiches öffnen, wo einige sie um ihrer selbst willen liebten, ohne sich um die kleinen Gebärden ihres Körpers zu bekümmern. Sie würden zusammen auf die einsamen Hochflächen steigen, wo das Bewusstsein sich [um eine Stufe erhebt] und wo alle, welche die Unruhe über sich selbst [erfüllt], aufmerksam den ungeheuren Ring umschweifen, der die Erscheinungswelt mit unseren höheren Welten verknüpft. Sie würde mit ihm zu den Grenzen der Menschheit gehen; denn an dem Punkte, wo der Mensch zu enden scheint, fängt er wahrscheinlich erst an, und seine wesentlichsten und unerschöpflichsten Teile befinden sich [nur] im Unsichtbaren, wo er unaufhörlich auf seiner Hut sein muss.

[ 35 ] Er spricht also immer von Novalis. Er will sich an Gebiete wenden, wo Novalis wohnt, an Welten, für die menschliche Worte nicht mehr ausreichen, um sie zu charakterisieren. Darum sagt er «deren Werke fast an Schweigen rühren». Dann fährt er fort:

[ 35 ] Er spricht also immer von Novalis. Er will sich an Gebiete wenden, wo Novalis wohnt, an Welten, für die menschliche Worte nicht mehr ausreichen, um sie zu charakterisieren. Darum sagt er «deren Werke fast an Schweigen rühren». Dann fährt er fort:

Auf diesen Höhen allein gibt es Gedanken, welche die Seele billigen kann, und Vorstellungen, die ihr ähneln und die so gebieterisch sind wie sie selbst. Dort hat die Menschheit einen Augenblick geherrscht, und diese schwach erleuchteten Spitzen sind vielleicht die einzigen Lichter, welche die Erde im Geisterreiche ankündigen. Ihr Widerschein hat fürwahr die Farbe unserer Seele. Wir empfinden, dass die Leidenschaften des Geistes und des Körpers in den Augen einer [fremden] Vernunft den Klagen von Glocken gleichen würden; aber [die Menschen, von denen ich rede, sind] in ihren Werken aus dem kleinen Dorfe der Leidenschaften herausgekommen, und haben Dinge gesagt, die auch denen von Wert sind, die nicht zur irdischen Gemeinde zählen.

Auf diesen Höhen allein gibt es Gedanken, welche die Seele billigen kann, und Vorstellungen, die ihr ähneln und die so gebieterisch sind wie sie selbst. Dort hat die Menschheit einen Augenblick geherrscht, und diese schwach erleuchteten Spitzen sind vielleicht die einzigen Lichter, welche die Erde im Geisterreiche ankündigen. Ihr Widerschein hat fürwahr die Farbe unserer Seele. Wir empfinden, dass die Leidenschaften des Geistes und des Körpers in den Augen einer [fremden] Vernunft den Klagen von Glocken gleichen würden; aber [die Menschen, von denen ich rede, sind] in ihren Werken aus dem kleinen Dorfe der Leidenschaften herausgekommen, und haben Dinge gesagt, die auch denen von Wert sind, die nicht zur irdischen Gemeinde zählen.

[ 36 ] So dieser französische Dichter-Philosoph über Novalis, über dasjenige, was Novalis in ihm angeregt hat. Dieser Novalis, der ganz aus der Urkraft und dem Urschicksal des deutschen Genius heraus getragen ist. Würde dieser Dichter-Philosoph nicht einem Maurice Maeterlinck, wenn er jetzt kommt und von dem «Barbarismus» spricht, entgegenschleudern: Schau hin auf Novalis, dessen Werke so erhaben sind, dass sie «fast ans Schweigen rühren».

[ 36 ] So dieser französische Dichter-Philosoph über Novalis, über dasjenige, was Novalis in ihm angeregt hat. Dieser Novalis, der ganz aus der Urkraft und dem Urschicksal des deutschen Genius heraus getragen ist. Würde dieser Dichter-Philosoph nicht einem Maurice Maeterlinck, wenn er jetzt kommt und von dem «Barbarismus» spricht, entgegenschleudern: Schau hin auf Novalis, dessen Werke so erhaben sind, dass sie «fast ans Schweigen rühren».

[ 37 ] Man könnte glauben, dass diese Worte, die von dem philosophischen Dichter herrühren, Maurice Maeterlinck entgegengeschlaudert würden. Aber, die Sache verhält sich so, dass diese Worte, die ich eben vorgelesen habe, von Maurice Maeterlinck selber herrühren! Allerdings von dem Maurice Maeterlinck, der vor Jahren gelebt hat, der vor Jahren den deutschen Geist hat auf sich wirken lassen; nicht von dem Maurice Maeterlinck, der jetzt die Deutschen ein «Barbarenvolk» schimpft.

[ 37 ] Man könnte glauben, dass diese Worte, die von dem philosophischen Dichter herrühren, Maurice Maeterlinck entgegengeschlaudert würden. Aber, die Sache verhält sich so, dass diese Worte, die ich eben vorgelesen habe, von Maurice Maeterlinck selber herrühren! Allerdings von dem Maurice Maeterlinck, der vor Jahren gelebt hat, der vor Jahren den deutschen Geist hat auf sich wirken lassen; nicht von dem Maurice Maeterlinck, der jetzt die Deutschen ein «Barbarenvolk» schimpft.

[ 38 ] Solche Erfahrungen muss das Deutschtum, das wie in einer großen Festung belagert ist in der europäischen Kultur, solche Erfahrungen muss das Deutschtum heute machen. Man darf sagen: Dieses Deutschtum, das heute so verkannt wird, es war wahrhaftig nicht immer in dieser Weise in der Welt verkannt. Man hat schon die tragende Kraft des deutschen Geistes in der Welt empfunden. Und man kann Beweise vorbringen, wie dieser deutsche Geist in der Welt angesehen worden ist. Es ist ja etwas unangenehm, gewisse sympathische, ich möchte sagen Gefühlsurteile über den deutschen Geist abzugeben in deutscher Sprache. So sei denn ein anderer Weg gewählt. Dasjenige sei gewählt zunächst, was ein in Amerika führender englischer Denker des neunzehnten Jahrhunderts über das deutsche Wesen zu sagen hatte. Eine charakteristische, große Persönlichkeit, Emerson, hat das deutsche Wesen sich einmal vor die Seele geführt. Und um zu zeigen, wie die tragende Kraft des deutschen Geistes gefühlt und empfunden worden ist, sagt Emerson, indem er über Goethe spricht — und wir werden sehen aus den Worten selbst, wie er in Goethe geradezu den Repräsentanten des neueren deutschen Geistes sieht —, Emerson sagt:

[ 38 ] Solche Erfahrungen muss das Deutschtum, das wie in einer großen Festung belagert ist in der europäischen Kultur, solche Erfahrungen muss das Deutschtum heute machen. Man darf sagen: Dieses Deutschtum, das heute so verkannt wird, es war wahrhaftig nicht immer in dieser Weise in der Welt verkannt. Man hat schon die tragende Kraft des deutschen Geistes in der Welt empfunden. Und man kann Beweise vorbringen, wie dieser deutsche Geist in der Welt angesehen worden ist. Es ist ja etwas unangenehm, gewisse sympathische, ich möchte sagen Gefühlsurteile über den deutschen Geist abzugeben in deutscher Sprache. So sei denn ein anderer Weg gewählt. Dasjenige sei gewählt zunächst, was ein in Amerika führender englischer Denker des neunzehnten Jahrhunderts über das deutsche Wesen zu sagen hatte. Eine charakteristische, große Persönlichkeit, Emerson, hat das deutsche Wesen sich einmal vor die Seele geführt. Und um zu zeigen, wie die tragende Kraft des deutschen Geistes gefühlt und empfunden worden ist, sagt Emerson, indem er über Goethe spricht — und wir werden sehen aus den Worten selbst, wie er in Goethe geradezu den Repräsentanten des neueren deutschen Geistes sieht —, Emerson sagt:

Eine [Eigenschaft] vornehmlich, die Goethe mit seiner ganzen Nation gemein hat, macht ihn in den Augen des französischen wie des englischen Publikums zu einer ausgezeichneten Erscheinung: dass sich alles bei ihm nur auf die innere Wahrheit basiert. In England und Amerika

Eine [Eigenschaft] vornehmlich, die Goethe mit seiner ganzen Nation gemein hat, macht ihn in den Augen des französischen wie des englischen Publikums zu einer ausgezeichneten Erscheinung: dass sich alles bei ihm nur auf die innere Wahrheit basiert. In England und Amerika

[ 39 ] — bitte, es ist nicht in deutscher Sprache, sondern von einem Amerikaner, einem amerikanischen Engländer in englischer Sprache geschrieben —,

[ 39 ] — bitte, es ist nicht in deutscher Sprache, sondern von einem Amerikaner, einem amerikanischen Engländer in englischer Sprache geschrieben —,

in England und Amerika respektiert man das Talent, allein man ist zufriedengestellt, wenn es für oder gegen eine Partei seiner Überzeugung nach tätig ist. In Frankreich ist man schon entzückt, wenn man brillante Gedanken sieht, einerlei wohin sie wollen.

in England und Amerika respektiert man das Talent, allein man ist zufriedengestellt, wenn es für oder gegen eine Partei seiner Überzeugung nach tätig ist. In Frankreich ist man schon entzückt, wenn man brillante Gedanken sieht, einerlei wohin sie wollen.

[ 40 ] Also nicht ein Deutscher hat das gesagt, es ist von einem englischen Amerikaner zur Charakteristik der Deutschen gesagt, des deutschen Wesens!

[ 40 ] Also nicht ein Deutscher hat das gesagt, es ist von einem englischen Amerikaner zur Charakteristik der Deutschen gesagt, des deutschen Wesens!

In all diesen Ländern aber schreiben begabte Männer, soweit ihre Gaben reichen. Regt, was sie vorbringen, den verständigen Leser an und enthält es nichts, was gegen den guten Ton anstößt, so wird es für genügend angesehen. So viel Spalten, so viel angenehm und nützlich verbrachte Stunden. Der deutsche Geist besitzt weder die französische Lebhaftigkeit noch das für das Praktische zugespitzte Verständnis der Engländer noch endlich die amerikanische Abenteuerlichkeit, allein was er besitzt, ist eine gewisse Probität, die niemals beim äußerlichen Scheine der Dinge stehen bleibt, sondern immer wieder auf die Hauptfrage zurückkommt «Wo will das hin?»

In all diesen Ländern aber schreiben begabte Männer, soweit ihre Gaben reichen. Regt, was sie vorbringen, den verständigen Leser an und enthält es nichts, was gegen den guten Ton anstößt, so wird es für genügend angesehen. So viel Spalten, so viel angenehm und nützlich verbrachte Stunden. Der deutsche Geist besitzt weder die französische Lebhaftigkeit noch das für das Praktische zugespitzte Verständnis der Engländer noch endlich die amerikanische Abenteuerlichkeit, allein was er besitzt, ist eine gewisse Probität, die niemals beim äußerlichen Scheine der Dinge stehen bleibt, sondern immer wieder auf die Hauptfrage zurückkommt «Wo will das hin?»

[ 41 ] Man könnte glauben, es sei von einem Deutschen gesagt, es wäre eitel orientiert.

[ 41 ] Man könnte glauben, es sei von einem Deutschen gesagt, es wäre eitel orientiert.

Das deutsche Publikum verlangt von einem Schriftsteller, dass er über den Dingen stehe und sich einfach darüber ausspreche. Geistige Regsamkeit ist vorhanden, wohlan: Wofür tritt sie auf? Was ist des Mannes Meinung? Woher? [— woher] hat er alle diese Gedanken?

Die Engländer [...] sehen immer nur das Einzelne, sie wissen die Menschheit nicht nach höheren Gesetzen als ein Ganzes aufzufassen.

Die Deutschen denken für Europa.

Das deutsche Publikum verlangt von einem Schriftsteller, dass er über den Dingen stehe und sich einfach darüber ausspreche. Geistige Regsamkeit ist vorhanden, wohlan: Wofür tritt sie auf? Was ist des Mannes Meinung? Woher? [— woher] hat er alle diese Gedanken?

Die Engländer [...] sehen immer nur das Einzelne, sie wissen die Menschheit nicht nach höheren Gesetzen als ein Ganzes aufzufassen.

Die Deutschen denken für Europa.

[ 42 ] Bedenken Sie, nicht ein Deutscher sagt das!

[ 42 ] Bedenken Sie, nicht ein Deutscher sagt das!

Aus diesem Grunde sind die in der höheren Konversation gebräuchlichen Unterscheidungsbegriffe alle deutschen Ursprungs. Während die ihres Scharfsinns und ihrer Gelehrsamkeit wegen mit Auszeichnung genannten Engländer und Franzosen ihr Studium und ihren Standpunkt mit einer gewissen Oberflächlichkeit ansch’n und ihr persönlicher Charakter mit dem, was sie ergriffen haben, und mit der Art, wie sie sich darüber ausdrücken, in nicht allzu tiefem Zusammenhange steht, spricht Goethe, das Haupt und der Inhalt der deutschen Nation, nicht weil er Talent hat, sondern die Wahrheit konzentriert ihre Strahlen in seiner Seele und leuchtet heraus aus ihr. Er ist weise im höchsten Grade, mag auch seine Weisheit oftmals durch sein Talent verschleiert werden. Wie vortrefflich das ist, was er sagt, er hat etwas im Auge dabei, das noch besser ist. [...] Er hat jene furchterweckende Unabhängigkeit, welche aus dem Verkehr mit der Wahrheit entspringt.

Aus diesem Grunde sind die in der höheren Konversation gebräuchlichen Unterscheidungsbegriffe alle deutschen Ursprungs. Während die ihres Scharfsinns und ihrer Gelehrsamkeit wegen mit Auszeichnung genannten Engländer und Franzosen ihr Studium und ihren Standpunkt mit einer gewissen Oberflächlichkeit ansch’n und ihr persönlicher Charakter mit dem, was sie ergriffen haben, und mit der Art, wie sie sich darüber ausdrücken, in nicht allzu tiefem Zusammenhange steht, spricht Goethe, das Haupt und der Inhalt der deutschen Nation, nicht weil er Talent hat, sondern die Wahrheit konzentriert ihre Strahlen in seiner Seele und leuchtet heraus aus ihr. Er ist weise im höchsten Grade, mag auch seine Weisheit oftmals durch sein Talent verschleiert werden. Wie vortrefflich das ist, was er sagt, er hat etwas im Auge dabei, das noch besser ist. [...] Er hat jene furchterweckende Unabhängigkeit, welche aus dem Verkehr mit der Wahrheit entspringt.

[ 43 ] Nun könnte man ja allerdings sagen: Emerson ist schon lange tot, und das ist eine Charakteristik, die schon vor einem Jahrzehnt über das deutsche Wesen gegeben worden ist. Werden doch solche Geister wie derjenige, der als der heute bedeutendste französische Philosoph angesehen wird [Lücke im Text], nach der Rede die er gehalten hat, in der er die Deutschen von heute als bar alles dessen, was in ihrer großen Zeit in ihnen lebte, darstellte. Man findet auch bei ihm, bei diesem französischen Philosophen mit dem so schön französisch klingenden, wenigstens bis vor dem Kriege getragenen Namen, man findet bei ihm auch betont, wie diese Deutschen so anders geworden seien in der letzten Zeit.

[ 43 ] Nun könnte man ja allerdings sagen: Emerson ist schon lange tot, und das ist eine Charakteristik, die schon vor einem Jahrzehnt über das deutsche Wesen gegeben worden ist. Werden doch solche Geister wie derjenige, der als der heute bedeutendste französische Philosoph angesehen wird [Lücke im Text], nach der Rede die er gehalten hat, in der er die Deutschen von heute als bar alles dessen, was in ihrer großen Zeit in ihnen lebte, darstellte. Man findet auch bei ihm, bei diesem französischen Philosophen mit dem so schön französisch klingenden, wenigstens bis vor dem Kriege getragenen Namen, man findet bei ihm auch betont, wie diese Deutschen so anders geworden seien in der letzten Zeit.

[ 44 ] Und so sei es denn, dass wir auch einmal hinblicken wiederum auf [etwas, was nicht auf] deutscher Seite gesagt wird, sondern hören wir wiederum auf eine englische Stimme. Und jetzt wollen wir sogar kritische Stimmen wählen, die vor nicht langer Zeit abgegeben worden sind, und zwar kaum zwei Jahre vor dem Kriege; Stimmen zur Charakteristik des deutschen Wesens. Es wurden in Manchester Vorträge gehalten unter dem Titel «Deutschland im neunzehnten Jahrhundert».

[ 44 ] Und so sei es denn, dass wir auch einmal hinblicken wiederum auf [etwas, was nicht auf] deutscher Seite gesagt wird, sondern hören wir wiederum auf eine englische Stimme. Und jetzt wollen wir sogar kritische Stimmen wählen, die vor nicht langer Zeit abgegeben worden sind, und zwar kaum zwei Jahre vor dem Kriege; Stimmen zur Charakteristik des deutschen Wesens. Es wurden in Manchester Vorträge gehalten unter dem Titel «Deutschland im neunzehnten Jahrhundert».

[ 45 ] In der Vorrede wird betont, warum diese Vorträge in Manchester gehalten worden sind über das deutsche Wesen. Da wird gesagt, es sollten die Zeitungsleute in England über das deutsche Wesen etwas erfahren. Zweierlei kann man vielleicht aus dieser Anführung, dieser Vorrede ersehen, dass dazumal diejenigen, die als gelehrte Engländer diese Vorträge gehalten haben, die Zeitungsleute für bedürftig gehalten haben einer solchen Aufklärung. Aber das andere wird man auch ersehen können; das kann ich ja Ihrem Urteil überlassen, ob das viel genützt hat, was den Zeitungsleuten gesagt worden ist, nach den heutigen Erfahrungen. Aber was ist dazumal den englischen Zeitungsleuten gesagt worden? Wie gesagt, nicht in deutscher Sprache sind die Vorträge gehalten worden in Leipzig oder Berlin oder Hamburg, sondern englisch für die englischen Ausländer. Da wurde gesagt:

[ 45 ] In der Vorrede wird betont, warum diese Vorträge in Manchester gehalten worden sind über das deutsche Wesen. Da wird gesagt, es sollten die Zeitungsleute in England über das deutsche Wesen etwas erfahren. Zweierlei kann man vielleicht aus dieser Anführung, dieser Vorrede ersehen, dass dazumal diejenigen, die als gelehrte Engländer diese Vorträge gehalten haben, die Zeitungsleute für bedürftig gehalten haben einer solchen Aufklärung. Aber das andere wird man auch ersehen können; das kann ich ja Ihrem Urteil überlassen, ob das viel genützt hat, was den Zeitungsleuten gesagt worden ist, nach den heutigen Erfahrungen. Aber was ist dazumal den englischen Zeitungsleuten gesagt worden? Wie gesagt, nicht in deutscher Sprache sind die Vorträge gehalten worden in Leipzig oder Berlin oder Hamburg, sondern englisch für die englischen Ausländer. Da wurde gesagt:

Der hochbegünstigten Auslese unter Descartes’ und Newtons Landsleuten war der Geist der Wissenschaft fraglos bekannt; aber der leidenschaftliche Drang nach Wissen wur de dem modernen Europa, falls überhaupt, vor allem durch Tausende von deutschen Forschern gelehrt.

Der hochbegünstigten Auslese unter Descartes’ und Newtons Landsleuten war der Geist der Wissenschaft fraglos bekannt; aber der leidenschaftliche Drang nach Wissen wur de dem modernen Europa, falls überhaupt, vor allem durch Tausende von deutschen Forschern gelehrt.

[ 46 ] Wie gesagt, nicht in Berlin oder Leipzig gesprochen, sondern in Manchester!

[ 46 ] Wie gesagt, nicht in Berlin oder Leipzig gesprochen, sondern in Manchester!

Die Einbildungskraft, das Gefühl, der Wille machten ihr Recht neben der Vernunft oder über sie hinaus gehört zu werden, geltend, und unter ihrem umgestaltenden Druck wurde das Weltall tiefer, weiter und wundervoller. Das Irrationale wurde als eine Quelle der Erleuchtung anerkannt; Weisheit wurde vom Kinde und der Blume geholt; Wissenschaft, Philosophie und Dichtung kamen einander nahe.

Die Einbildungskraft, das Gefühl, der Wille machten ihr Recht neben der Vernunft oder über sie hinaus gehört zu werden, geltend, und unter ihrem umgestaltenden Druck wurde das Weltall tiefer, weiter und wundervoller. Das Irrationale wurde als eine Quelle der Erleuchtung anerkannt; Weisheit wurde vom Kinde und der Blume geholt; Wissenschaft, Philosophie und Dichtung kamen einander nahe.

[ 47 ] So wurde das deutsche Wesen in Manchester charakterisiert.

[ 47 ] So wurde das deutsche Wesen in Manchester charakterisiert.

Bei uns in England schuf diese Wiederbelebung der Einbildungskraft eine edle Dichtung, ließ jedoch die Wissenschaften und die Philosophie fast unberührt. Einer der Schlüssel zum Verständnis der ganzen Periode ist die Tatsache, dass, während in England und Frankreich die poetischen, philosophischen und wissenschaftlichen Bewegungen größtenteils in getrennt liegenden Kanälen dahinflossen, sie in Deutschland einander berührten oder völlig ineinander aufgingen. Wordsworth sang und Bentham rechnete; Hegel aber fing den Genius der Dichtung im Netz seiner Logik; und der Gedanke, welcher entdeckt und erklärt, und die Einbildungskraft, welche Neues hervorbringt, sie wirkten in fruchtbarer Harmonie zusammen in dem Genius Goethes.

Im Faust, am Schluss seines vielbewegten Lebens sehen wir das heutige Deutschland vorgebildet, das Deutschland rastlos-kühnen Wollens und Handelns, und wir können umso besser verstehen, weshalb der große Weltbürger, in dessen Augen Staat und Volkstum untergeordnete und manchmal schädliche Ideale waren, dennoch seine unangreifbare Stelle als der höchste Dichter des Deutschen Reiches neben Bismarck, seinem Schöpfer, behauptet.

Bei uns in England schuf diese Wiederbelebung der Einbildungskraft eine edle Dichtung, ließ jedoch die Wissenschaften und die Philosophie fast unberührt. Einer der Schlüssel zum Verständnis der ganzen Periode ist die Tatsache, dass, während in England und Frankreich die poetischen, philosophischen und wissenschaftlichen Bewegungen größtenteils in getrennt liegenden Kanälen dahinflossen, sie in Deutschland einander berührten oder völlig ineinander aufgingen. Wordsworth sang und Bentham rechnete; Hegel aber fing den Genius der Dichtung im Netz seiner Logik; und der Gedanke, welcher entdeckt und erklärt, und die Einbildungskraft, welche Neues hervorbringt, sie wirkten in fruchtbarer Harmonie zusammen in dem Genius Goethes.

Im Faust, am Schluss seines vielbewegten Lebens sehen wir das heutige Deutschland vorgebildet, das Deutschland rastlos-kühnen Wollens und Handelns, und wir können umso besser verstehen, weshalb der große Weltbürger, in dessen Augen Staat und Volkstum untergeordnete und manchmal schädliche Ideale waren, dennoch seine unangreifbare Stelle als der höchste Dichter des Deutschen Reiches neben Bismarck, seinem Schöpfer, behauptet.

[ 48 ] So wurde das deutsche Wesen charakterisiert durch englische Gelehrte in Manchester.

[ 48 ] So wurde das deutsche Wesen charakterisiert durch englische Gelehrte in Manchester.

[ 49 ] Sie werden einem Namen begegnet sein, der nach dem Kriegsausbruch für die hohe Moralität, die die britische Regierung geleitet hat bei der Kriegserklärung an das Deutsche Reich, [der] nicht Worte genug finden konnte, um diese hohe Moralität zu kennzeichnen: Haldane. Er hat die Vorrede geschrieben zu den Vorträgen, die gesammelt worden sind und in denen das steht, was ich eben verlesen habe. Und jener Lord Haldane, er hat in der Vorrede das Folgende geschrieben, es war allerdings einige Zeit vor dem Kriege:

[ 49 ] Sie werden einem Namen begegnet sein, der nach dem Kriegsausbruch für die hohe Moralität, die die britische Regierung geleitet hat bei der Kriegserklärung an das Deutsche Reich, [der] nicht Worte genug finden konnte, um diese hohe Moralität zu kennzeichnen: Haldane. Er hat die Vorrede geschrieben zu den Vorträgen, die gesammelt worden sind und in denen das steht, was ich eben verlesen habe. Und jener Lord Haldane, er hat in der Vorrede das Folgende geschrieben, es war allerdings einige Zeit vor dem Kriege:

Die Quelle des Stromes seines

Die Quelle des Stromes seines

[ 50 ] — Deutschlands —

[ 50 ] — Deutschlands —

geistigen wie politischen Lebens liegt in der Reformation. Am Ende des achtzehnten und zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts aber begann eine in der Weltgeschichte einzige Strömung in einer Weise zu fließen, die seit jener Zeit so ununterbrochen wie charakteristisch gewesen ist. Seit den Tagen des alten Griechenlands hat die Welt kein solches Schauspiel engster Verschmelzung des Lebens des Staatsmannes mit dem des Denkers gesehen. Der Geist des heutigen Deutschlands ist in hohem Maße konkret und praktisch. [..] Der Einfluss wahrer Kenntnis kann allein des Misstrauens Wolken verscheuchen und uns von der Last befreien, uns gegen Angriffe zu rüsten, die in Wirklichkeit keiner unter uns im Sinne hat.

geistigen wie politischen Lebens liegt in der Reformation. Am Ende des achtzehnten und zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts aber begann eine in der Weltgeschichte einzige Strömung in einer Weise zu fließen, die seit jener Zeit so ununterbrochen wie charakteristisch gewesen ist. Seit den Tagen des alten Griechenlands hat die Welt kein solches Schauspiel engster Verschmelzung des Lebens des Staatsmannes mit dem des Denkers gesehen. Der Geist des heutigen Deutschlands ist in hohem Maße konkret und praktisch. [..] Der Einfluss wahrer Kenntnis kann allein des Misstrauens Wolken verscheuchen und uns von der Last befreien, uns gegen Angriffe zu rüsten, die in Wirklichkeit keiner unter uns im Sinne hat.

[ 51 ] So sprach dieser führende englische Geist. Sie wissen, wie er nach Ausbruch des Krieges gesprochen hat. Derselbe Gelehrte, der die vorgelesenen Worte gesprochen hat, hat noch ganz andere Worte dazumal in Manchester zur Aufklärung der Zeitungsleute gesprochen. Er sagte:

[ 51 ] So sprach dieser führende englische Geist. Sie wissen, wie er nach Ausbruch des Krieges gesprochen hat. Derselbe Gelehrte, der die vorgelesenen Worte gesprochen hat, hat noch ganz andere Worte dazumal in Manchester zur Aufklärung der Zeitungsleute gesprochen. Er sagte:

Im Ganzen und Großen ist es außer Frage, dass die Errichtung des Deutschen Reiches dem Frieden der Welt förderlich gewesen ist.

Im Ganzen und Großen ist es außer Frage, dass die Errichtung des Deutschen Reiches dem Frieden der Welt förderlich gewesen ist.

[ 52 ] In Manchester gesprochen.

[ 52 ] In Manchester gesprochen.

Diese Erklärung wird denen seltsam erscheinen, die von nichts etwas wissen als von den Ereignissen der Gegenwart und für welche die Geschichte nichts anderes ist als ein ewig sich verändernder blendender Kinematograf. Die Geschichte sollte aber doch etwas mehr sein. Ihr ziemt es, das Licht der Vergangenheit auf der Gegenwart wirres Getriebe scheinen zu lassen, und in jenem höheren Licht werden Dinge, welche verletzend erscheinen, ein natürliches Ansehen gewinnen. Denn wenn wir in die Vergangenheit blicken, so finden wir, dass unsere Vorfahren Frankreich mit weit größerer Furcht betrachteten, als die wildesten Lärmschläger heute Deutschland fürchten. Und die Furcht unserer Voreltern hatte ihren guten Grund. [...]

Es lässt sich also, um alles zusammenzufassen, zeigen, dass die Gründung des Deutschen Reiches ein Gewinn für Europa gewesen ist und deshalb auch für Großbritannien. Denn die Ereignisse der Jahre 1866–1871 machten ein für alle Mal der Möglichkeit, Raubkriege gegen die bis dahin unbeschützte Mitte von Europa zu unternehmen, ein Ende und beseitigten damit eine Lockung zum Kriege, welche in früheren Jahrhunderten Frankreich so oft auf falsche Bahnen gelockt hatte; sie setzten das deutsche Volk instand, seine bis dahin verkümmerten politischen Fähigkeiten zu entwickeln, und sie halfen dazu, auf sicherer Grundlage ein neues europäisches System zu errichten, welches vierzig Jahre lang den Frieden erhalten hat. Dieser Segen ergab sich aus der Tatsache, dass die deutsche Einheit auf einen Schlag zustande brachte, was Großbritannien trotz all seines Aufwandes von Blut und Geld nie hatte bewirken können, nämlich das Gleichgewicht der Kräfte in so entschiedener Weise zu sichern, dass ein großer Krieg zum gefährlichsten aller Wagnisse wurde.

Diese Erklärung wird denen seltsam erscheinen, die von nichts etwas wissen als von den Ereignissen der Gegenwart und für welche die Geschichte nichts anderes ist als ein ewig sich verändernder blendender Kinematograf. Die Geschichte sollte aber doch etwas mehr sein. Ihr ziemt es, das Licht der Vergangenheit auf der Gegenwart wirres Getriebe scheinen zu lassen, und in jenem höheren Licht werden Dinge, welche verletzend erscheinen, ein natürliches Ansehen gewinnen. Denn wenn wir in die Vergangenheit blicken, so finden wir, dass unsere Vorfahren Frankreich mit weit größerer Furcht betrachteten, als die wildesten Lärmschläger heute Deutschland fürchten. Und die Furcht unserer Voreltern hatte ihren guten Grund. [...]

Es lässt sich also, um alles zusammenzufassen, zeigen, dass die Gründung des Deutschen Reiches ein Gewinn für Europa gewesen ist und deshalb auch für Großbritannien. Denn die Ereignisse der Jahre 1866–1871 machten ein für alle Mal der Möglichkeit, Raubkriege gegen die bis dahin unbeschützte Mitte von Europa zu unternehmen, ein Ende und beseitigten damit eine Lockung zum Kriege, welche in früheren Jahrhunderten Frankreich so oft auf falsche Bahnen gelockt hatte; sie setzten das deutsche Volk instand, seine bis dahin verkümmerten politischen Fähigkeiten zu entwickeln, und sie halfen dazu, auf sicherer Grundlage ein neues europäisches System zu errichten, welches vierzig Jahre lang den Frieden erhalten hat. Dieser Segen ergab sich aus der Tatsache, dass die deutsche Einheit auf einen Schlag zustande brachte, was Großbritannien trotz all seines Aufwandes von Blut und Geld nie hatte bewirken können, nämlich das Gleichgewicht der Kräfte in so entschiedener Weise zu sichern, dass ein großer Krieg zum gefährlichsten aller Wagnisse wurde.

[ 53 ] Man kann wohl sagen, dass diese Worte zum Preise der tragenden Kraft des deutschen Geistes gesprochen wurden, ja, man möchte sogar sagen der für Europa seelentragenden Kraft des deutschen Geistes. Kann man mehr sagen, als dieser Engländer in Manchester den Zeitungsleuten gesagt hat, bei denen das dann so gut angeschlagen hat!

[ 53 ] Man kann wohl sagen, dass diese Worte zum Preise der tragenden Kraft des deutschen Geistes gesprochen wurden, ja, man möchte sogar sagen der für Europa seelentragenden Kraft des deutschen Geistes. Kann man mehr sagen, als dieser Engländer in Manchester den Zeitungsleuten gesagt hat, bei denen das dann so gut angeschlagen hat!

[ 54 ] Und bis in die jüngsten Tage hinein können wir solche Erscheinungen verfolgen. Wir haben ja gesehen, wie Emerson ausdrücklich betonte, wie wenig die Engländer eigentlich verstehen können von dem, was die tragende Kraft des deutschen Wesens ist. Aber wenn sie sich wirklich einmal auf die Beine gemacht haben und kennengelernt haben diesen deutschen Geist, dann haben sie doch anders über ihn denken gelernt. Nur ein paar Worte seien noch erwähnt, welche eine Engländerin niedergeschrieben hat ganz kurz vor Ausbruch des Krieges, nachdem sie acht Jahre zugebracht hat in Deutschland. Sie hat es allerdings nicht so kennengelernt wie Engländer zumeist Deutschland kennenlernen, sondern sie war in Schulen, Kliniken, sie hat philosophische und andere Hörsäle kennengelernt. Ich könnte Ihnen nun mancherlei Worte anführen, die tief charakteristisch sind, aber ich will nur eine Stelle vorlesen, die also von einer englischen Kennerin des deutschen Wesens hingeschrieben sind. Die folgenden Worte schreibt Miss Wylie:

[ 54 ] Und bis in die jüngsten Tage hinein können wir solche Erscheinungen verfolgen. Wir haben ja gesehen, wie Emerson ausdrücklich betonte, wie wenig die Engländer eigentlich verstehen können von dem, was die tragende Kraft des deutschen Wesens ist. Aber wenn sie sich wirklich einmal auf die Beine gemacht haben und kennengelernt haben diesen deutschen Geist, dann haben sie doch anders über ihn denken gelernt. Nur ein paar Worte seien noch erwähnt, welche eine Engländerin niedergeschrieben hat ganz kurz vor Ausbruch des Krieges, nachdem sie acht Jahre zugebracht hat in Deutschland. Sie hat es allerdings nicht so kennengelernt wie Engländer zumeist Deutschland kennenlernen, sondern sie war in Schulen, Kliniken, sie hat philosophische und andere Hörsäle kennengelernt. Ich könnte Ihnen nun mancherlei Worte anführen, die tief charakteristisch sind, aber ich will nur eine Stelle vorlesen, die also von einer englischen Kennerin des deutschen Wesens hingeschrieben sind. Die folgenden Worte schreibt Miss Wylie:

Vor vierzig Jahren kämpfte Deutschland um seine Existenz. Und es kämpft noch heute darum. Es ist völlig falsch, zu glauben, Deutschland [sei] schon auf seinem Höhepunkt. Es kämpft einen stillen, aber entschlossenen Kampf gegen mächtige Rivalen, deren Macht und Erfahrung schon vor Generationen gewonnen wurde. (...]

An jeder Grenze und über dem Wasser sitzen die Gegner kommerziell und politisch und warten gespannt auf den Moment, wo Deutschland nur ein wenig nachlässt, um darüber herzufallen und es unterzukriegen. Deutschland weiß das [auch] ganz genau.

Vor vierzig Jahren kämpfte Deutschland um seine Existenz. Und es kämpft noch heute darum. Es ist völlig falsch, zu glauben, Deutschland [sei] schon auf seinem Höhepunkt. Es kämpft einen stillen, aber entschlossenen Kampf gegen mächtige Rivalen, deren Macht und Erfahrung schon vor Generationen gewonnen wurde. (...]

An jeder Grenze und über dem Wasser sitzen die Gegner kommerziell und politisch und warten gespannt auf den Moment, wo Deutschland nur ein wenig nachlässt, um darüber herzufallen und es unterzukriegen. Deutschland weiß das [auch] ganz genau.

[ 55 ] Man braucht wahrhaftig nicht selbst zu rühmen die tragende Kraft des deutschen Geistes, man braucht sozusagen nur einmal herumzuhören in den Zeiten, wo die Menschen aus der Besinnung heraus sprachen, und nicht aus der Besinnungslosigkeit heraus sprachen, wenn das von den Ländern gesagt wird, deren Objektivität sich doch erwiesen hat. Man wird, wenn man sich umschaut, viele Urteile, die diesen ähnlich sind, über das deutsche Wesen und seine tragende Kraft finden können. Diese tragende Kraft des deutschen Geistes, sie erweist sich gerade dadurch, dass dieser deutsche Geist in jeder Seele des deutschen Wesens, die den Weg zum Geiste sucht, sozusagen wie hineinleuchtend in diese Seelen wirkt, sodass in der Tat gesagt werden kann: In dem, was als deutscher Idealismus auftrat an der Wende des achtzehnten, neunzehnten Jahrhunderts, liegen die Keime zu einem Immer-Lebendiger-und-lebendiger-Machen der geistigen Erfahrung. Und so kam es denn, dass nicht nur im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts durch Geister, die in der späteren Zeit einmal eine große Rolle spielen werden, Troxler und Gotthilf Heinrich von Schubert, großartige Anfänge der heutigen Geisteswissenschaft zu finden sind; desjenigen, was wir selbst wieder aus der geistigen Welt herausholen können. Es finden sich diese tragenden Kräfte des deutschen Geistes in der ganzen Entwicklung des deutschen Geisteslebens. Und da sei wiederum ein Fall angeführt, der Fall eines der besten, der tiefsten, der deutschesten Deutschen aus der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts: Herman Grimm.

[ 55 ] Man braucht wahrhaftig nicht selbst zu rühmen die tragende Kraft des deutschen Geistes, man braucht sozusagen nur einmal herumzuhören in den Zeiten, wo die Menschen aus der Besinnung heraus sprachen, und nicht aus der Besinnungslosigkeit heraus sprachen, wenn das von den Ländern gesagt wird, deren Objektivität sich doch erwiesen hat. Man wird, wenn man sich umschaut, viele Urteile, die diesen ähnlich sind, über das deutsche Wesen und seine tragende Kraft finden können. Diese tragende Kraft des deutschen Geistes, sie erweist sich gerade dadurch, dass dieser deutsche Geist in jeder Seele des deutschen Wesens, die den Weg zum Geiste sucht, sozusagen wie hineinleuchtend in diese Seelen wirkt, sodass in der Tat gesagt werden kann: In dem, was als deutscher Idealismus auftrat an der Wende des achtzehnten, neunzehnten Jahrhunderts, liegen die Keime zu einem Immer-Lebendiger-und-lebendiger-Machen der geistigen Erfahrung. Und so kam es denn, dass nicht nur im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts durch Geister, die in der späteren Zeit einmal eine große Rolle spielen werden, Troxler und Gotthilf Heinrich von Schubert, großartige Anfänge der heutigen Geisteswissenschaft zu finden sind; desjenigen, was wir selbst wieder aus der geistigen Welt herausholen können. Es finden sich diese tragenden Kräfte des deutschen Geistes in der ganzen Entwicklung des deutschen Geisteslebens. Und da sei wiederum ein Fall angeführt, der Fall eines der besten, der tiefsten, der deutschesten Deutschen aus der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts: Herman Grimm.

[ 56 ] Herman Grimm ist ein außerordentlicher Kunsthistoriker, der mit innerem Miterleben über viele Künstler und Kunstwerke geschrieben hat. Man hat oft das Gefühl: Woher kommt das, was Herman Grimm nicht durch gewöhnliche Beweise, sondern durch unmittelbares Herauserleben des ästhetischen Urteilens zu sagen hat über Kunst und Kunstwerke? Dann muss man gehen zu den künstlerisch-dichterischen Werken, die er hervorgebracht hat. Da findet man in seinen Novellen, dass sich auch darin erweist die tragende Kraft des deutschen Geistes, die sich da, wenn auch nicht als Geisteswissenschaft, sondern ins Künstlerische überträgt. Man kann selbstverständlich nicht künstlerische Produkte anführen als Beweise für die Ergebnisse der Geisteswissenschaft. Wenn aber der Geisteswissenschaftler sagen kann, dass in dem Kunstwerk die Aussprüche geradezu fachmännisch richtig sind für die geschilderten geistigen Erlebnisse, so darf hingedeutet werden auf solch eine Erscheinung, wie es heute geschehen soll.

[ 56 ] Herman Grimm ist ein außerordentlicher Kunsthistoriker, der mit innerem Miterleben über viele Künstler und Kunstwerke geschrieben hat. Man hat oft das Gefühl: Woher kommt das, was Herman Grimm nicht durch gewöhnliche Beweise, sondern durch unmittelbares Herauserleben des ästhetischen Urteilens zu sagen hat über Kunst und Kunstwerke? Dann muss man gehen zu den künstlerisch-dichterischen Werken, die er hervorgebracht hat. Da findet man in seinen Novellen, dass sich auch darin erweist die tragende Kraft des deutschen Geistes, die sich da, wenn auch nicht als Geisteswissenschaft, sondern ins Künstlerische überträgt. Man kann selbstverständlich nicht künstlerische Produkte anführen als Beweise für die Ergebnisse der Geisteswissenschaft. Wenn aber der Geisteswissenschaftler sagen kann, dass in dem Kunstwerk die Aussprüche geradezu fachmännisch richtig sind für die geschilderten geistigen Erlebnisse, so darf hingedeutet werden auf solch eine Erscheinung, wie es heute geschehen soll.

[ 57 ] Herman Grimm will immer hinweisen darauf, dass man die Welt nur verstehen kann, wenn man in der Lage ist, nicht nur auf das hinzuschauen, was [Lücke im Text], sondern wenn man auch das betrachtet, was aus dem Übersinnlichen in das Sinnliche hineinragt. Er stellt dann geistige Vorgänge dar, welche zeigen, wie er das Bestreben hat, darzustellen, dass die Welt weiter ist als die bloße sinnliche Welt. Da hat er geschrieben eine Novelle: «Die Sängerin». Er schildert das Schicksal einer etwas koketten, aber doch mit einer tiefen Seele ausgestatteten Sängerin. Da ist ein Mann, der die Sängerin liebt, den sie aber zurückstößt. In ungeheuer bedeutungsvoller Weise ist die Novelle fortgesetzt bis zum Tode der Sängerin. Die Sängerin wird geführt durch einen Freund gerade in das Haus, wo ihr Geliebter, den sie zurückgestoßen hat, Selbstmord beging. In dem Moment, wo sie eintritt, wird der Selbstmord begangen. Sie kann von der Stunde ab schuldbeladen nicht mehr schlafen. Der Freund, der Hausherr, muss bei ihr wachen. Da stellt nun Herman Grimm dar, wie diese Sängerin sieht im Bette sich aufrichten den Geist des Verstorbenen, der an sie herankommt. Und Herman Grimm stellt das in einer Weise dar, dass man aus dieser Darstellung sieht: Er will nicht reflektieren auf eine Einbildung; sondern in einem GeistErlebnis, das die schuldbeladene Sängerin hat, will er etwas darstellen, wie über den Tod hinaus Kräfte wirksam sind, will hinweisen auf das Schicksal, das über den Tod hinaus wirkt. Die Sängerin stirbt dem Geliebten nach, sie wird gleichsam geholt. Geisteswissenschaft würde sagen: Vor der Seele der Sängerin tritt auf dasjenige, was als die nächste Erscheinung an den Menschen verkündet werden kann, wenn er durch die Pforte des Todes geschritten ist, die Erscheinung des Ätherleibes, welcher das Schicksal, das über den Tod hinaus zu tragen ist, eben zu tragen hat.

[ 57 ] Herman Grimm will immer hinweisen darauf, dass man die Welt nur verstehen kann, wenn man in der Lage ist, nicht nur auf das hinzuschauen, was [Lücke im Text], sondern wenn man auch das betrachtet, was aus dem Übersinnlichen in das Sinnliche hineinragt. Er stellt dann geistige Vorgänge dar, welche zeigen, wie er das Bestreben hat, darzustellen, dass die Welt weiter ist als die bloße sinnliche Welt. Da hat er geschrieben eine Novelle: «Die Sängerin». Er schildert das Schicksal einer etwas koketten, aber doch mit einer tiefen Seele ausgestatteten Sängerin. Da ist ein Mann, der die Sängerin liebt, den sie aber zurückstößt. In ungeheuer bedeutungsvoller Weise ist die Novelle fortgesetzt bis zum Tode der Sängerin. Die Sängerin wird geführt durch einen Freund gerade in das Haus, wo ihr Geliebter, den sie zurückgestoßen hat, Selbstmord beging. In dem Moment, wo sie eintritt, wird der Selbstmord begangen. Sie kann von der Stunde ab schuldbeladen nicht mehr schlafen. Der Freund, der Hausherr, muss bei ihr wachen. Da stellt nun Herman Grimm dar, wie diese Sängerin sieht im Bette sich aufrichten den Geist des Verstorbenen, der an sie herankommt. Und Herman Grimm stellt das in einer Weise dar, dass man aus dieser Darstellung sieht: Er will nicht reflektieren auf eine Einbildung; sondern in einem GeistErlebnis, das die schuldbeladene Sängerin hat, will er etwas darstellen, wie über den Tod hinaus Kräfte wirksam sind, will hinweisen auf das Schicksal, das über den Tod hinaus wirkt. Die Sängerin stirbt dem Geliebten nach, sie wird gleichsam geholt. Geisteswissenschaft würde sagen: Vor der Seele der Sängerin tritt auf dasjenige, was als die nächste Erscheinung an den Menschen verkündet werden kann, wenn er durch die Pforte des Todes geschritten ist, die Erscheinung des Ätherleibes, welcher das Schicksal, das über den Tod hinaus zu tragen ist, eben zu tragen hat.

[ 58 ] Aber nicht nur diesen einen Fall gibt es bei Herman Grimm. Er hat einen kulturhistorischen Roman geschrieben: «Unüberwindliche Mächte».

[ 58 ] Aber nicht nur diesen einen Fall gibt es bei Herman Grimm. Er hat einen kulturhistorischen Roman geschrieben: «Unüberwindliche Mächte».

[ 59 ] Was das Wichtigste ist: Dargestellt wird die junge Heldin Emmy. Auch Emmy wird dadurch, dass ihr Geliebter erschossen wird, in die Lage gebracht, wo das Schicksal des geliebten Toten auf die Lebende wirkt, aber nicht bloß wirkt aus den inneren Kräften der Seele, sondern so wirkt, dass mit diesem Wirken gemeint sind die noch von der Seele — nachdem sie durch die Todespforte geschritten ist —, real ins Leben hineinwirkenden Kräfte. Herman Grimm stellt dar, wie Emmy ihrem Geliebten gleichsam nachstirbt. Und eine wunderschöne Szene finden wir am Schluss des Romans «Unüberwindliche Mächte». Emmy stirbt, und Herman Grimm schildert, wie sich erhebt aus der sterbenden Emmy, aus dem physischen Leibe heraus eine Gestalt, eine Gestalt mit Armen ähnlich den physischen Armen, mit einem Antlitz ähnlich dem Antlitz Emmys, das hinüberentschwindet und verschwindet in der geistigen Welt. Herman Grimm vermag es künstlerisch zu erfassen den Moment des Todes, so wie ihn in lebendiger Schau die Geisteswissenschaft erfassen kann.

[ 59 ] Was das Wichtigste ist: Dargestellt wird die junge Heldin Emmy. Auch Emmy wird dadurch, dass ihr Geliebter erschossen wird, in die Lage gebracht, wo das Schicksal des geliebten Toten auf die Lebende wirkt, aber nicht bloß wirkt aus den inneren Kräften der Seele, sondern so wirkt, dass mit diesem Wirken gemeint sind die noch von der Seele — nachdem sie durch die Todespforte geschritten ist —, real ins Leben hineinwirkenden Kräfte. Herman Grimm stellt dar, wie Emmy ihrem Geliebten gleichsam nachstirbt. Und eine wunderschöne Szene finden wir am Schluss des Romans «Unüberwindliche Mächte». Emmy stirbt, und Herman Grimm schildert, wie sich erhebt aus der sterbenden Emmy, aus dem physischen Leibe heraus eine Gestalt, eine Gestalt mit Armen ähnlich den physischen Armen, mit einem Antlitz ähnlich dem Antlitz Emmys, das hinüberentschwindet und verschwindet in der geistigen Welt. Herman Grimm vermag es künstlerisch zu erfassen den Moment des Todes, so wie ihn in lebendiger Schau die Geisteswissenschaft erfassen kann.

[ 60 ] Man sieht, die tragende Kraft des deutschen Geistes, sie wirkt auch in dieser Dichterseele, die aus dem deutschen Idealismus heraus zum Ergreifen des lebendigen Geisterlebens kommt. Dass Herman Grimm die Sache in romanhafter Weise, aber in vollster Realität darstellen kann, dass er dazu in der Lage ist, das ist die durch den deutschen Geist waltende Kraft geistigen Lebens. Herman Grimm fühlte sich — er war ja ganz aufgewachsen in dem, was aus Goethe’schem Geistesleben in das deutsche Geistesleben eingegangen ist —, er fühlte sich mit seiner ganzen Seele drinnen im Strome des deutschen Geisteslebens. Er kannte dieses deutsche Geistesleben, weil jede Phase dieses deutschen Geisteslebens eine Phase seines eigenen Lebens war. Und wie charakterisiert 1895 kurz vor seinem Tode Herman Grimm diese Stimmung des deutschen Wesens? Wer deutsches Leben kennt, weiß, dass diese Schilderung wahr ist; wahr ist dasjenige, was ich nun vorzulesen habe von Herman Grimm als Worte, die die Stimmung des deutschen Wesens darstellen sollen. Er will ausdrücken — er, der so oft hingewiesen hat, wie ihm die wiederholten Erdenleben ein lieber Gedanke sind —, er will ausdrücken, wie das deutsche Geistesleben dahinzielt, die geistige Welt anzuerkennen, aber nicht in einseitiger Weise eine Nationalität zu entwickeln, sondern dahin, das allgemeinste Menschliche in sich aufzunehmen. Schön sind die Worte, aber auch tief bedeutsam für die Charakteristik des deutschen Geisteslebens, die Herman Grimm 1895 gesprochen hat.

[ 60 ] Man sieht, die tragende Kraft des deutschen Geistes, sie wirkt auch in dieser Dichterseele, die aus dem deutschen Idealismus heraus zum Ergreifen des lebendigen Geisterlebens kommt. Dass Herman Grimm die Sache in romanhafter Weise, aber in vollster Realität darstellen kann, dass er dazu in der Lage ist, das ist die durch den deutschen Geist waltende Kraft geistigen Lebens. Herman Grimm fühlte sich — er war ja ganz aufgewachsen in dem, was aus Goethe’schem Geistesleben in das deutsche Geistesleben eingegangen ist —, er fühlte sich mit seiner ganzen Seele drinnen im Strome des deutschen Geisteslebens. Er kannte dieses deutsche Geistesleben, weil jede Phase dieses deutschen Geisteslebens eine Phase seines eigenen Lebens war. Und wie charakterisiert 1895 kurz vor seinem Tode Herman Grimm diese Stimmung des deutschen Wesens? Wer deutsches Leben kennt, weiß, dass diese Schilderung wahr ist; wahr ist dasjenige, was ich nun vorzulesen habe von Herman Grimm als Worte, die die Stimmung des deutschen Wesens darstellen sollen. Er will ausdrücken — er, der so oft hingewiesen hat, wie ihm die wiederholten Erdenleben ein lieber Gedanke sind —, er will ausdrücken, wie das deutsche Geistesleben dahinzielt, die geistige Welt anzuerkennen, aber nicht in einseitiger Weise eine Nationalität zu entwickeln, sondern dahin, das allgemeinste Menschliche in sich aufzunehmen. Schön sind die Worte, aber auch tief bedeutsam für die Charakteristik des deutschen Geisteslebens, die Herman Grimm 1895 gesprochen hat.

Die Solidarität der sittlichen Überzeugungen aller Menschen ist heute die uns alle verbindende Kirche. Wir suchen leidenschaftlicher als jemals nach einem sichtbaren Ausdrucke dieser Gemeinschaft. Alle wirklich ernsten Bestrebungen der Massen kennen nur dies eine Ziel. Die Trennung der Nationen existiert hier [bereits] nicht mehr. Wir fühlen, dass der ethischen Weltanschauung gegenüber kein nationaler Unterschied walte.

Die Solidarität der sittlichen Überzeugungen aller Menschen ist heute die uns alle verbindende Kirche. Wir suchen leidenschaftlicher als jemals nach einem sichtbaren Ausdrucke dieser Gemeinschaft. Alle wirklich ernsten Bestrebungen der Massen kennen nur dies eine Ziel. Die Trennung der Nationen existiert hier [bereits] nicht mehr. Wir fühlen, dass der ethischen Weltanschauung gegenüber kein nationaler Unterschied walte.

[ 61 ] Dann sagt er weiter:

[ 61 ] Dann sagt er weiter:

Wir alle würden für unser Vaterland uns opfern; den Augenblick aber herbeizusehnen oder herbeizuführen, wo dies durch Krieg geschehen könne, sind wir weit entfernt. Die Versicherung, dass Friede zu halten unser [aller] heiligster Wunsch sei, ist keine Lüge. «Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen» durchdringt uns.

Wir alle würden für unser Vaterland uns opfern; den Augenblick aber herbeizusehnen oder herbeizuführen, wo dies durch Krieg geschehen könne, sind wir weit entfernt. Die Versicherung, dass Friede zu halten unser [aller] heiligster Wunsch sei, ist keine Lüge. «Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen» durchdringt uns.

[ 62 ] So schildert Herman Grimm die Stimmung in Mitteleuropa. Dann aber zeigt er, dass er nicht ein Träumer ist, sondern dass er die Verhältnisse gut beurteilen kann. Denn er sagt weiter:

[ 62 ] So schildert Herman Grimm die Stimmung in Mitteleuropa. Dann aber zeigt er, dass er nicht ein Träumer ist, sondern dass er die Verhältnisse gut beurteilen kann. Denn er sagt weiter:

Die Menschen als Totalität anerkennen sich als einem wie in den Wolken thronenden unsichtbaren Gerichtshofe unterworfen, vor dem nicht bestehen zu dürfen, sie als ein Unglück erachten, und dessen gerichtlichem Verfahren sie ihre inneren Zwistigkeiten anzupassen suchen. Mit ängstlichem Bestreben suchen sie hier ihr Recht. Wie sind die heutigen Franzosen bemüht, den Krieg gegen Deutschland, den sie vorhaben, als eine sittliche Forderung hinzustellen, deren Anerkennung sie von den anderen Völkern, ja von den Deutschen selber fordern.

Die Menschen als Totalität anerkennen sich als einem wie in den Wolken thronenden unsichtbaren Gerichtshofe unterworfen, vor dem nicht bestehen zu dürfen, sie als ein Unglück erachten, und dessen gerichtlichem Verfahren sie ihre inneren Zwistigkeiten anzupassen suchen. Mit ängstlichem Bestreben suchen sie hier ihr Recht. Wie sind die heutigen Franzosen bemüht, den Krieg gegen Deutschland, den sie vorhaben, als eine sittliche Forderung hinzustellen, deren Anerkennung sie von den anderen Völkern, ja von den Deutschen selber fordern.

[ 63 ] Jeder, der die mitteleuropäische Stimmung kennt, wird wissen, dass Herman Grimm dazumal die Wahrheit gesprochen hat. Und er wird dann beurteilen können, was es eigentlich heißen soll, wenn von links und rechts, von West und Ost denjenigen, die heute diese Wahrheit von Mitteleuropa her geltend machen wollen, immer wieder zugerufen wird: «Wer hat den Krieg gewollt!» Man muss schon sagen, dieses «Wer hat den Krieg gewollt» das kommt einem so vor, als wenn sich eine Anzahl von Menschen mit drohender Gebärde um ein Haus herum stellen und der Hausherr sieht, dass sie das Haus überfallen wollen, und er geht dann hinaus und kann sich nicht anders helfen, als die da draußen durchzuprügeln. Und dann würde gefragt: «Wer hat diese Prügelei gewollt?». Es ist dieselbe Logik. Ja, man kann sogar über diese Logik, die heute durch die Welt waltet, mancherlei sagen. Man kann sogar sagen: Diese Logik ist — man geniert sich fast, es auszusprechen, denn es ist so fadenscheinig, wenn gesagt wird: «Wir haben den Krieg nicht gewollt, sondern in Mitteleuropa ist er gewollt worden.» —, es ist dieselbe Logik, wie wenn gesagt würde: «Ja, wir könnten ja nicht Krieg führen, wenn die Deutschen nicht das Pulver erfunden hätten, denn dann gäbe es ja keinen Krieg; also wer hat den Krieg gewollt? Die gleiche Logik wäre es auch, wenn die Leute uns die Schuld geben wollten in Mitteleuropa, dass sie mit Druckerschwärze auf Papier das deutsche Wesen als «Barbarenwesen» anklagen. Die Deutschen haben ja auch das Verfahren, mit Druckerschwärze auf Papier zu drucken, erfunden. Aber mit diesem Wollen sieht es in der Tat sonderbar aus für denjenigen, welcher nicht bloß auf das hinblickt, was in den letzten Monaten vor dem Krieg sich abgespielt hat, sondern hinblickt auf das, was sich wie die treibenden Impulse durch Jahrzehnte hindurch vorbereitet hat. Diejenigen, die wirklich offenen Auges haben schauen können, was in Europa vorgeht, die das haben schauen wollen, die haben schon gesehen, wie sich dieser Krieg sozusagen in seinen Grundimpulsen gerade von Osten her vorbereitet hat. Und derjenige, der heute die Frage richtig stellen würde: Wer hätte den Krieg verhindern können?, der wird selbstverständlich auf Russland hinweisen müssen. Aber diejenigen, die klar gesehen haben, haben das gewusst. Wir sehen das an Worten, die lange vor dem Kriege gesprochen worden sind.

[ 63 ] Jeder, der die mitteleuropäische Stimmung kennt, wird wissen, dass Herman Grimm dazumal die Wahrheit gesprochen hat. Und er wird dann beurteilen können, was es eigentlich heißen soll, wenn von links und rechts, von West und Ost denjenigen, die heute diese Wahrheit von Mitteleuropa her geltend machen wollen, immer wieder zugerufen wird: «Wer hat den Krieg gewollt!» Man muss schon sagen, dieses «Wer hat den Krieg gewollt» das kommt einem so vor, als wenn sich eine Anzahl von Menschen mit drohender Gebärde um ein Haus herum stellen und der Hausherr sieht, dass sie das Haus überfallen wollen, und er geht dann hinaus und kann sich nicht anders helfen, als die da draußen durchzuprügeln. Und dann würde gefragt: «Wer hat diese Prügelei gewollt?». Es ist dieselbe Logik. Ja, man kann sogar über diese Logik, die heute durch die Welt waltet, mancherlei sagen. Man kann sogar sagen: Diese Logik ist — man geniert sich fast, es auszusprechen, denn es ist so fadenscheinig, wenn gesagt wird: «Wir haben den Krieg nicht gewollt, sondern in Mitteleuropa ist er gewollt worden.» —, es ist dieselbe Logik, wie wenn gesagt würde: «Ja, wir könnten ja nicht Krieg führen, wenn die Deutschen nicht das Pulver erfunden hätten, denn dann gäbe es ja keinen Krieg; also wer hat den Krieg gewollt? Die gleiche Logik wäre es auch, wenn die Leute uns die Schuld geben wollten in Mitteleuropa, dass sie mit Druckerschwärze auf Papier das deutsche Wesen als «Barbarenwesen» anklagen. Die Deutschen haben ja auch das Verfahren, mit Druckerschwärze auf Papier zu drucken, erfunden. Aber mit diesem Wollen sieht es in der Tat sonderbar aus für denjenigen, welcher nicht bloß auf das hinblickt, was in den letzten Monaten vor dem Krieg sich abgespielt hat, sondern hinblickt auf das, was sich wie die treibenden Impulse durch Jahrzehnte hindurch vorbereitet hat. Diejenigen, die wirklich offenen Auges haben schauen können, was in Europa vorgeht, die das haben schauen wollen, die haben schon gesehen, wie sich dieser Krieg sozusagen in seinen Grundimpulsen gerade von Osten her vorbereitet hat. Und derjenige, der heute die Frage richtig stellen würde: Wer hätte den Krieg verhindern können?, der wird selbstverständlich auf Russland hinweisen müssen. Aber diejenigen, die klar gesehen haben, haben das gewusst. Wir sehen das an Worten, die lange vor dem Kriege gesprochen worden sind.

Was mich [nun] betrifft, so bin ich keinen Augenblick im Zweifel, dass ein Konflikt zwischen der germanischen und slawischen Welt bevorsteht, dass derselbe sich entweder [durch] den Orient, speziell die Türkei, oder durch den Nationalitätenstreit in Österreich, vielleicht durch beide, entzünden und dass Russland in demselben die Führerschaft auf der einen Seite übernehmen wird. Diese Macht bereitet sich schon jetzt auf die Eventualität vor; die nationalrussische Presse speit Feuer und Flamme gegen Deutschland. [...] Die deutsche Presse lässt schon jetzt ihre Warnungsrufe erschallen. Seitdem nach dem Krimkriege Russland sich sammelte, ist eine lange Zeit verflossen, und wie es scheint, wird es jetzt in [Petersburg] zweckmäßig gefunden, die orientalische Frage wieder einmal aufzunehmen. Wenn das Mittelmeer einst nach dem mehr pompösen als wahren Ausdruck «ein französischer See» werden sollte, so hat Russland die noch viel positivere Absicht, aus dem Schwarzen Meere einen russischen See und aus dem Marmarameer einen russischen Teich zu machen. Dass Konstantinopel eine russische Stadt, Griechenland ein direkter Vasallenstaat Russlands werden müsse, ist ein feststehender Zielpunkt der russischen Politik, die ihren Unterstützungshebel in der gemeinsamen Religion und in dem Panslawismus findet. Die Donau würde dann am Eisernen Tor etwa von dem russischen Schlagbaum geschlossen werden.

Was mich [nun] betrifft, so bin ich keinen Augenblick im Zweifel, dass ein Konflikt zwischen der germanischen und slawischen Welt bevorsteht, dass derselbe sich entweder [durch] den Orient, speziell die Türkei, oder durch den Nationalitätenstreit in Österreich, vielleicht durch beide, entzünden und dass Russland in demselben die Führerschaft auf der einen Seite übernehmen wird. Diese Macht bereitet sich schon jetzt auf die Eventualität vor; die nationalrussische Presse speit Feuer und Flamme gegen Deutschland. [...] Die deutsche Presse lässt schon jetzt ihre Warnungsrufe erschallen. Seitdem nach dem Krimkriege Russland sich sammelte, ist eine lange Zeit verflossen, und wie es scheint, wird es jetzt in [Petersburg] zweckmäßig gefunden, die orientalische Frage wieder einmal aufzunehmen. Wenn das Mittelmeer einst nach dem mehr pompösen als wahren Ausdruck «ein französischer See» werden sollte, so hat Russland die noch viel positivere Absicht, aus dem Schwarzen Meere einen russischen See und aus dem Marmarameer einen russischen Teich zu machen. Dass Konstantinopel eine russische Stadt, Griechenland ein direkter Vasallenstaat Russlands werden müsse, ist ein feststehender Zielpunkt der russischen Politik, die ihren Unterstützungshebel in der gemeinsamen Religion und in dem Panslawismus findet. Die Donau würde dann am Eisernen Tor etwa von dem russischen Schlagbaum geschlossen werden.

[ 64 ] Das ist aber nicht vor Kurzem gesagt, sondern 1870 während des Deutsch-Französischen Krieges; allerdings von denjenigen, die nicht so ins Blaue hineinreden, sondern die wussten, wie von Osten her sich die Kräfte allmählich sammelten, wie da durchdrungen wurde die österreichische Volksseele mit demjenigen, was verzerrter Slawophilismus war, um endlich zu dem zu führen, was heute zum Krieg geführt hat und dem die Westmächte auf den Leim gegangen sind.

[ 64 ] Das ist aber nicht vor Kurzem gesagt, sondern 1870 während des Deutsch-Französischen Krieges; allerdings von denjenigen, die nicht so ins Blaue hineinreden, sondern die wussten, wie von Osten her sich die Kräfte allmählich sammelten, wie da durchdrungen wurde die österreichische Volksseele mit demjenigen, was verzerrter Slawophilismus war, um endlich zu dem zu führen, was heute zum Krieg geführt hat und dem die Westmächte auf den Leim gegangen sind.

[ 65 ] Ich möchte Ihnen noch eine Stelle vorlesen, die Ihnen zeigen kann, wie der Zusammenhang mit den wirkenden Kräften und Impulsen sich dem ergibt, der sie wirklich schauen will. Konnte man nicht, wenn man hinblickt auf dasjenige, was sich im Sommer 1914 abgespielt hat und was dann zum Krieg geführt hat von der Seite, die im Osten liegt, konnte man da nicht etwa folgende Worte gebrauchen — Ich will Worte vorlesen, die man prägen könnte für die Zeit der ersten Hälfte des Jahres 1914:

[ 65 ] Ich möchte Ihnen noch eine Stelle vorlesen, die Ihnen zeigen kann, wie der Zusammenhang mit den wirkenden Kräften und Impulsen sich dem ergibt, der sie wirklich schauen will. Konnte man nicht, wenn man hinblickt auf dasjenige, was sich im Sommer 1914 abgespielt hat und was dann zum Krieg geführt hat von der Seite, die im Osten liegt, konnte man da nicht etwa folgende Worte gebrauchen — Ich will Worte vorlesen, die man prägen könnte für die Zeit der ersten Hälfte des Jahres 1914:

[——. wie allmählich eine Art von Presskampagne in Petersburg anfing, (...] ich persönlich in meinen Absichten verdächtigt wurde. Diese Angriffe steigerten sich während des darauffolgenden Jahres bis 1879 zu starken Forderungen eines Druckes, den wir auf Österreich üben sollten in Sachen wo wir das österreichische Recht nicht ohne Weiteres angreifen konnten. Ich konnte dazu meine Hand nicht bieten; denn wenn wir uns Österreich entfremdeten, so gerieten wir, wenn wir nicht ganz isoliert sein wollten in Europa, notwendig in Abhängigkeit von Russland. Wäre eine solche Abhängigkeit erträglich gewesen? Ich hatte früher geglaubt, sie könnte es sein, indem ich mir sagte: Wir haben gar keine streitigen Interessen; es ist gar kein Grund, warum Russland je die Freundschaft uns kündigen sollte. Ich hatte wenigstens meinen russischen Kollegen, die mir dergleichen auseinandersetzten, nicht geradezu widersprochen. Der Vorgang betreffs des Kongresses enttäuschte mich, der sagte mir, dass selbst ein vollständiges Indienststellen unserer Politik (für gewisse Zeit) in die russische uns nicht davor schützte, gegen unseren Willen und gegen unser Bestreben mit Russland in Streit zu geraten.]

[——. wie allmählich eine Art von Presskampagne in Petersburg anfing, (...] ich persönlich in meinen Absichten verdächtigt wurde. Diese Angriffe steigerten sich während des darauffolgenden Jahres bis 1879 zu starken Forderungen eines Druckes, den wir auf Österreich üben sollten in Sachen wo wir das österreichische Recht nicht ohne Weiteres angreifen konnten. Ich konnte dazu meine Hand nicht bieten; denn wenn wir uns Österreich entfremdeten, so gerieten wir, wenn wir nicht ganz isoliert sein wollten in Europa, notwendig in Abhängigkeit von Russland. Wäre eine solche Abhängigkeit erträglich gewesen? Ich hatte früher geglaubt, sie könnte es sein, indem ich mir sagte: Wir haben gar keine streitigen Interessen; es ist gar kein Grund, warum Russland je die Freundschaft uns kündigen sollte. Ich hatte wenigstens meinen russischen Kollegen, die mir dergleichen auseinandersetzten, nicht geradezu widersprochen. Der Vorgang betreffs des Kongresses enttäuschte mich, der sagte mir, dass selbst ein vollständiges Indienststellen unserer Politik (für gewisse Zeit) in die russische uns nicht davor schützte, gegen unseren Willen und gegen unser Bestreben mit Russland in Streit zu geraten.]

[ 66 ] Das, was vorgegangen ist, es zeigt allerdings, dass sich vor einem solchen Überfall die europäische Mitte retten kann. Die Worte, die ich Ihnen vorgelesen habe, sie könnten eine Charakteristik sein der Kräfte, die 1914 gespielt haben. Aber ich habe in der Tat, nur etwas verändert, Worte Ihnen vorgelesen, die gar nicht 1914 geschrieben oder gesprochen worden sind, sondern die 1888 am 6. [Februar] von Bismarck im deutschen Reichstag gesagt worden sind. Und ich werde sie Ihnen jetzt in ihrer wahren Gestalt vorlesen. Sie werden sehen, wie sie übereinstimmen mit dem, was ich Ihnen vorgelesen habe als für das Frühjahr 1914 passend. Bismarck sagte diese Worte als er im Reichstag gegen die Militärvorlage sprach:

[ 66 ] Das, was vorgegangen ist, es zeigt allerdings, dass sich vor einem solchen Überfall die europäische Mitte retten kann. Die Worte, die ich Ihnen vorgelesen habe, sie könnten eine Charakteristik sein der Kräfte, die 1914 gespielt haben. Aber ich habe in der Tat, nur etwas verändert, Worte Ihnen vorgelesen, die gar nicht 1914 geschrieben oder gesprochen worden sind, sondern die 1888 am 6. [Februar] von Bismarck im deutschen Reichstag gesagt worden sind. Und ich werde sie Ihnen jetzt in ihrer wahren Gestalt vorlesen. Sie werden sehen, wie sie übereinstimmen mit dem, was ich Ihnen vorgelesen habe als für das Frühjahr 1914 passend. Bismarck sagte diese Worte als er im Reichstag gegen die Militärvorlage sprach:

[... wie allmählich eine Art von Presskampagne in Petersburg anfing, durch welche die deutsche Politik angegriffen, ich persönlich in meinen Absichten verdächtigt wurde. Diese Angriffe steigerten sich während des darauffolgenden Jahres bis 1879 zu starken Forderungen eines Druckes, den wir auf Österreich üben sollten in Sachen, wo wir das österreichische Recht nicht ohne Weiteres angreifen konnten. Ich konnte dazu meine Hand nicht bieten; denn wenn wir uns Österreich entfremdeten, so gerieten wir, wenn wir nicht ganz isoliert sein wollten in Europa, notwendig in Abhängigkeit von Russland. Wäre eine solche Abhängigkeit erträglich gewesen? Ich hatte früher geglaubt, sie könnte es sein, indem ich mir sagte: Wir haben gar keine streitigen Interessen, es ist gar kein Grund, warum Russland je die Freundschaft uns kündigen sollte. Ich hatte wenigstens meinen russischen Kollegen, die mir dergleichen auseinandersetzten, nicht geradezu widersprochen. Der Vorgang betreffs des Kongresses enttäuschte mich, der sagte mir, dass selbst ein vollständiges Indienststellen unserer Politik (für gewisse Zeit) in die russische uns nicht davor schützte, gegen unsern Willen und gegen unser Bestreben mit Russland in Streit zu geraten.]

[... wie allmählich eine Art von Presskampagne in Petersburg anfing, durch welche die deutsche Politik angegriffen, ich persönlich in meinen Absichten verdächtigt wurde. Diese Angriffe steigerten sich während des darauffolgenden Jahres bis 1879 zu starken Forderungen eines Druckes, den wir auf Österreich üben sollten in Sachen, wo wir das österreichische Recht nicht ohne Weiteres angreifen konnten. Ich konnte dazu meine Hand nicht bieten; denn wenn wir uns Österreich entfremdeten, so gerieten wir, wenn wir nicht ganz isoliert sein wollten in Europa, notwendig in Abhängigkeit von Russland. Wäre eine solche Abhängigkeit erträglich gewesen? Ich hatte früher geglaubt, sie könnte es sein, indem ich mir sagte: Wir haben gar keine streitigen Interessen, es ist gar kein Grund, warum Russland je die Freundschaft uns kündigen sollte. Ich hatte wenigstens meinen russischen Kollegen, die mir dergleichen auseinandersetzten, nicht geradezu widersprochen. Der Vorgang betreffs des Kongresses enttäuschte mich, der sagte mir, dass selbst ein vollständiges Indienststellen unserer Politik (für gewisse Zeit) in die russische uns nicht davor schützte, gegen unsern Willen und gegen unser Bestreben mit Russland in Streit zu geraten.]

[ 67 ] Also man kann sagen: Das Kräfteverhältnis zwischen dem europäischen Osten und der Mitte musste 1888 genau so charakterisiert werden wie für das Jahr 1914. Da wage man noch einmal zu sagen, dass in Mitteleuropa 1914 Menschen gelebt haben sollen, die diesen Krieg herbeigeführt haben. Wer einen gesunden Sinn hat für Tatsachen, wird eine solche Behauptung nicht hinstellen können. Man muss allerdings einen gesunden Sinn für Tatsachen haben. Wie ist vorbereitet worden in diesem europäischen Osten die Stimmung, die dann dazu führte, dass jener Feuerbrand durch die Verbindung des Ostens mit dem Westen endlich zu der heutigen Belagerung der europäischen Mitte geführt hat — was hat sich da im europäischen Osten vorbereitet?

[ 67 ] Also man kann sagen: Das Kräfteverhältnis zwischen dem europäischen Osten und der Mitte musste 1888 genau so charakterisiert werden wie für das Jahr 1914. Da wage man noch einmal zu sagen, dass in Mitteleuropa 1914 Menschen gelebt haben sollen, die diesen Krieg herbeigeführt haben. Wer einen gesunden Sinn hat für Tatsachen, wird eine solche Behauptung nicht hinstellen können. Man muss allerdings einen gesunden Sinn für Tatsachen haben. Wie ist vorbereitet worden in diesem europäischen Osten die Stimmung, die dann dazu führte, dass jener Feuerbrand durch die Verbindung des Ostens mit dem Westen endlich zu der heutigen Belagerung der europäischen Mitte geführt hat — was hat sich da im europäischen Osten vorbereitet?

[ 68 ] Wir sahen im neunzehnten Jahrhundert herauskommen unter anderem die Stimmung des Slawophilismus. Unter diesen Slawophilen gibt es Idealisten, es gibt aber auch Leute, die später die Stimmung des Slawophilismus umgebildet haben in ein vollständiges Aufgehen und Vergöttern dessen, was in Russland jetzt vorhanden ist; die nicht gesehen haben die Mission Russlands im Verfolgen der inneren Seelenkräfte des russischen Volkes, sondern in dem, was jetzt an Gewalt und Macht dort waltet. Und diejenigen, die die besten sind unter diesen Slawophilen, sie haben so gewirkt, dass sich weit ausgebreitet hat die Überzeugung, dass die Kultur des europäischen Westens, namentlich auch Deutschlands, eine Verfallskultur ist und dass vom europäischen Osten eine Wiedergeburt des europäischen Lebens kommen müsse. Das ist ein Glaubenssatz geworden. Und dieser Glaubenssatz hat sich langsam und allmählich eingebürgert in das, was man nennen kann das russische Leben. Gewisse Empfindungen dieses russischen Lebens sind vollständig durchdrungen davon. Die besten Geister sind, indem sie mit dem russischen Leben verwoben sind, auch verwoben mit dieser Idee des Slawophilismus.

[ 68 ] Wir sahen im neunzehnten Jahrhundert herauskommen unter anderem die Stimmung des Slawophilismus. Unter diesen Slawophilen gibt es Idealisten, es gibt aber auch Leute, die später die Stimmung des Slawophilismus umgebildet haben in ein vollständiges Aufgehen und Vergöttern dessen, was in Russland jetzt vorhanden ist; die nicht gesehen haben die Mission Russlands im Verfolgen der inneren Seelenkräfte des russischen Volkes, sondern in dem, was jetzt an Gewalt und Macht dort waltet. Und diejenigen, die die besten sind unter diesen Slawophilen, sie haben so gewirkt, dass sich weit ausgebreitet hat die Überzeugung, dass die Kultur des europäischen Westens, namentlich auch Deutschlands, eine Verfallskultur ist und dass vom europäischen Osten eine Wiedergeburt des europäischen Lebens kommen müsse. Das ist ein Glaubenssatz geworden. Und dieser Glaubenssatz hat sich langsam und allmählich eingebürgert in das, was man nennen kann das russische Leben. Gewisse Empfindungen dieses russischen Lebens sind vollständig durchdrungen davon. Die besten Geister sind, indem sie mit dem russischen Leben verwoben sind, auch verwoben mit dieser Idee des Slawophilismus.

[ 69 ] Selbst der große Solowjow, er hat eine Zeit in seinem Leben gehabt, wo er Slawophile war, wo er in der Tat geglaubt hat, allerdings in anderer Weise als [Aksakow, Katkow und Danilewski], dass schon jetzt im russischen Leben etwas sein könne, was die Mission habe, ganz Europa sozusagen mit einer neuen Kultur zu überziehen. Aber dann lernte er immer mehr kennen dasjenige, was aus dem Slawophilentum im gegenwärtigen Russland geworden ist. Er lernte betrachten, wie wirken müsste das, was aus dem Slawophilentum im jetzigen Russland geworden ist, auf die europäische Mitte, auf den europäischen Westen. Und da war es, in der Zeit, in der er sich das Folgende sagte — es sind Solowjows, des russischen Philosophen eigene Worte; er sagt, dass aus dem Slawophilentum eine «Ware des Jahrmarkthandels geworden» ist, «der mit wildem, tierischem Geschrei alle schmutzigen Straßen, Plätze und Winkelgassen des russischen Lebens anfüllte». Das sind Solowjows eigene Worte. In der Zeit, in der sich vor Solowjow die Gewissensfrage stellte, die es einmal wichtig ist, sich vor das geistige Auge zu stellen; jene Gewissensfrage, die dahingeht, dass er sagt: «Warum liebt uns Europa nicht?»

[ 69 ] Selbst der große Solowjow, er hat eine Zeit in seinem Leben gehabt, wo er Slawophile war, wo er in der Tat geglaubt hat, allerdings in anderer Weise als [Aksakow, Katkow und Danilewski], dass schon jetzt im russischen Leben etwas sein könne, was die Mission habe, ganz Europa sozusagen mit einer neuen Kultur zu überziehen. Aber dann lernte er immer mehr kennen dasjenige, was aus dem Slawophilentum im gegenwärtigen Russland geworden ist. Er lernte betrachten, wie wirken müsste das, was aus dem Slawophilentum im jetzigen Russland geworden ist, auf die europäische Mitte, auf den europäischen Westen. Und da war es, in der Zeit, in der er sich das Folgende sagte — es sind Solowjows, des russischen Philosophen eigene Worte; er sagt, dass aus dem Slawophilentum eine «Ware des Jahrmarkthandels geworden» ist, «der mit wildem, tierischem Geschrei alle schmutzigen Straßen, Plätze und Winkelgassen des russischen Lebens anfüllte». Das sind Solowjows eigene Worte. In der Zeit, in der sich vor Solowjow die Gewissensfrage stellte, die es einmal wichtig ist, sich vor das geistige Auge zu stellen; jene Gewissensfrage, die dahingeht, dass er sagt: «Warum liebt uns Europa nicht?»

[ 70 ] Er wollte eigentlich die Frage aufwerfen: Was muss Europa sehen, wenn es uns ansieht? Und darauf antwortet Solowjow, der große Philosoph, in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, aus russischem Geiste heraus auf die Frage: Was muss Europa in uns sehen?:

[ 70 ] Er wollte eigentlich die Frage aufwerfen: Was muss Europa sehen, wenn es uns ansieht? Und darauf antwortet Solowjow, der große Philosoph, in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, aus russischem Geiste heraus auf die Frage: Was muss Europa in uns sehen?:

Europa [...] schaut auf uns mit Befürchtung und mit Unwillen, [da die elementare Kraft des russischen Volkes dunkel und rätselhaft, seine geistigen und kulturellen Kräfte minderwertig, seine Ansprüche dagegen] deutlich, bestimmt und groß sind.

Europa [...] schaut auf uns mit Befürchtung und mit Unwillen, [da die elementare Kraft des russischen Volkes dunkel und rätselhaft, seine geistigen und kulturellen Kräfte minderwertig, seine Ansprüche dagegen] deutlich, bestimmt und groß sind.

[ 71 ] Das sagt nicht ein Deutscher, sondern ein Russe über das, was als Kräfte waltet Jahrzehnte lang und was jetzt mit dem Feuerbrand zum Ausdruck kam. Solowjow sagt weiter:

[ 71 ] Das sagt nicht ein Deutscher, sondern ein Russe über das, was als Kräfte waltet Jahrzehnte lang und was jetzt mit dem Feuerbrand zum Ausdruck kam. Solowjow sagt weiter:

[Laut ertönt in Europa das Geschrei unseres Nationalismus, der die Türkei und Österreich vernichten, die Deutschen schlagen, Konstantinopel und, wenn es gelänge, auch Indien an sich reißen möchte. Wollte man uns aber fragen, womit wir nach Einnahme und Vernichtung alles dessen die Menschheit beglücken werden, so können wir nur schweigen oder sinnlose Phrasen herplappern.»

«Somit [...] besteht jene wesentlichste, ja die einzig wichtige Frage, deren sich ein ehrlicher und vernünftiger Patriotismus annehmen sollte, nicht in der Macht und Sendung Russlands, sondern in dessen Sünden.]

[Laut ertönt in Europa das Geschrei unseres Nationalismus, der die Türkei und Österreich vernichten, die Deutschen schlagen, Konstantinopel und, wenn es gelänge, auch Indien an sich reißen möchte. Wollte man uns aber fragen, womit wir nach Einnahme und Vernichtung alles dessen die Menschheit beglücken werden, so können wir nur schweigen oder sinnlose Phrasen herplappern.»

«Somit [...] besteht jene wesentlichste, ja die einzig wichtige Frage, deren sich ein ehrlicher und vernünftiger Patriotismus annehmen sollte, nicht in der Macht und Sendung Russlands, sondern in dessen Sünden.]

[ 72 ] So der große Russe über russisches Wesen. Darf dann nicht von der Mitte Europas an den Osten hin die Frage gerichtet werden: «Was wollt ihr? Wenn ihr die Mitte von Europa irgendwie in eure Hand bekommen könntet, was wollt ihr? Der beste, der bedeutendste, der segensreichste Russe des neunzehnten Jahrhunderts antwortet darauf:

[ 72 ] So der große Russe über russisches Wesen. Darf dann nicht von der Mitte Europas an den Osten hin die Frage gerichtet werden: «Was wollt ihr? Wenn ihr die Mitte von Europa irgendwie in eure Hand bekommen könntet, was wollt ihr? Der beste, der bedeutendste, der segensreichste Russe des neunzehnten Jahrhunderts antwortet darauf:

Wollte man uns fragen, [womit wir nach Einnahme und Vernichtung alles dessen die Menschheit beglücken werden, so können wir nur schweigen oder sinnlose Phrasen herplappern.]

Wollte man uns fragen, [womit wir nach Einnahme und Vernichtung alles dessen die Menschheit beglücken werden, so können wir nur schweigen oder sinnlose Phrasen herplappern.]

[ 73 ] Da sehen wir, was zu verteidigen ist, was die Kräfte, die unter Blut und Tod nach links und nach rechts das deutsche Wesen zu verteidigen haben, was diese Kräfte in Wirklichkeit zu verteidigen haben.

[ 73 ] Da sehen wir, was zu verteidigen ist, was die Kräfte, die unter Blut und Tod nach links und nach rechts das deutsche Wesen zu verteidigen haben, was diese Kräfte in Wirklichkeit zu verteidigen haben.

[ 74 ] Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, man darf sich nicht wundern, wenn dieses deutsche Wesen, diese tragende Kraft des deutschen Geistes in der Tat überall missverstanden wird. Sie geht ja hervor, möchte man sagen aus einem intimen Umgang des einzelnen Deutschen mit dem deutschen Geiste, den der einzelne Deutsche als einen lebendigen empfinden muss. Und daraus entstehen jene Missverständnisse, die uns überall begegnen, wenn wir andere als gerade so Aufgeklärte fragen unter den anderen Völkern, als wir sie heute kennengelernt haben. Wir hören zuweilen, dass wahr sind solche Worte, wie sie Herman Grimm, der deutsches Wesen, der auch Goethe gut kannte, mit Bezug auf die Biografie Goethes von Lewes gesprochen hat, geschrieben hat; wahr ist, was Herman Grimm über dieses Buch ausgesagt hat: Lewes hat ein Buch über Goethe geschrieben, das heißt, er hat ein Buch über einen Mann geschrieben, der in Frankfurt geboren ist, dem er zuschreibt Goethes Werke, von dem er behauptet, dass er 1832 gestorben ist. Aber wie er ihn schildert, was er als Seele in dem Buche darstellt, das hat keine Ähnlichkeit mit dem, was der empfindet, der im deutschen Geistesleben sich mit Goethe verbunden fühlt.

[ 74 ] Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, man darf sich nicht wundern, wenn dieses deutsche Wesen, diese tragende Kraft des deutschen Geistes in der Tat überall missverstanden wird. Sie geht ja hervor, möchte man sagen aus einem intimen Umgang des einzelnen Deutschen mit dem deutschen Geiste, den der einzelne Deutsche als einen lebendigen empfinden muss. Und daraus entstehen jene Missverständnisse, die uns überall begegnen, wenn wir andere als gerade so Aufgeklärte fragen unter den anderen Völkern, als wir sie heute kennengelernt haben. Wir hören zuweilen, dass wahr sind solche Worte, wie sie Herman Grimm, der deutsches Wesen, der auch Goethe gut kannte, mit Bezug auf die Biografie Goethes von Lewes gesprochen hat, geschrieben hat; wahr ist, was Herman Grimm über dieses Buch ausgesagt hat: Lewes hat ein Buch über Goethe geschrieben, das heißt, er hat ein Buch über einen Mann geschrieben, der in Frankfurt geboren ist, dem er zuschreibt Goethes Werke, von dem er behauptet, dass er 1832 gestorben ist. Aber wie er ihn schildert, was er als Seele in dem Buche darstellt, das hat keine Ähnlichkeit mit dem, was der empfindet, der im deutschen Geistesleben sich mit Goethe verbunden fühlt.

[ 75 ] Und so finden wir überall, wo es sich darum handelt, ein Verhältnis zu finden zum deutschen Geisteswesen, nur Missverständnisse. Wie eine mehr oder weniger belanglose, aber doch vielleicht interessante Episode möchte ich zum Schlusse noch etwas anführen.

[ 75 ] Und so finden wir überall, wo es sich darum handelt, ein Verhältnis zu finden zum deutschen Geisteswesen, nur Missverständnisse. Wie eine mehr oder weniger belanglose, aber doch vielleicht interessante Episode möchte ich zum Schlusse noch etwas anführen.

[ 76 ] Diejenige Bewegung, der wir angehören, hatte ja einige Verbindung mit derjenigen Bewegung, die von Adyar ausgeht. [Da konnten unsere Freunde aus der Verwobenheit mit dem deutschen Geistesleben und seinen tragenden Kräften nicht mehr mitgehen], als englischer Materialismus, der sich als Theosophie gebärdet, es so weit brachte, dass die Absurdität von manchen geglaubt wurde, dass der Geist Christi sich geoffenbart habe in einem kleinen Hinduknaben. Wir wissen, unter welchen Verbrämungen das alles getrieben worden ist. Da war es, dass aufstieg deutsches Wahrheitsgefühl, dass deutscher Sinn sich abwenden musste von jenem theosophisch sich nennenden Treiben. Allein jetzt findet die Präsidentin jener Bewegung Folgendes aus englischem Geiste heraus über den Zusammenhang der Abtrennung der deutschen geisteswissenschaftlichen Bewegung, die in der Anthroposophischen Gesellschaft vereinigt ist, zu sagen. Das Folgende ist wahrhaftig in England geschrieben worden. Verzeihen Sie, dass ich meine unbedeutende Person hineinbringe in den ganzen Zusammenhang, aber das ist geschrieben worden Monate nachdem der Krieg ausgebrochen war.

[ 76 ] Diejenige Bewegung, der wir angehören, hatte ja einige Verbindung mit derjenigen Bewegung, die von Adyar ausgeht. [Da konnten unsere Freunde aus der Verwobenheit mit dem deutschen Geistesleben und seinen tragenden Kräften nicht mehr mitgehen], als englischer Materialismus, der sich als Theosophie gebärdet, es so weit brachte, dass die Absurdität von manchen geglaubt wurde, dass der Geist Christi sich geoffenbart habe in einem kleinen Hinduknaben. Wir wissen, unter welchen Verbrämungen das alles getrieben worden ist. Da war es, dass aufstieg deutsches Wahrheitsgefühl, dass deutscher Sinn sich abwenden musste von jenem theosophisch sich nennenden Treiben. Allein jetzt findet die Präsidentin jener Bewegung Folgendes aus englischem Geiste heraus über den Zusammenhang der Abtrennung der deutschen geisteswissenschaftlichen Bewegung, die in der Anthroposophischen Gesellschaft vereinigt ist, zu sagen. Das Folgende ist wahrhaftig in England geschrieben worden. Verzeihen Sie, dass ich meine unbedeutende Person hineinbringe in den ganzen Zusammenhang, aber das ist geschrieben worden Monate nachdem der Krieg ausgebrochen war.

Jetzt, wenn ich rückwärts blicke im Lichte der deutschen Methoden, wie der Krieg sie uns offenbart, erkenne ich, dass die lang andauernden Bemühungen, die theosophische Organisation einzufangen und einen Deutschen an ihre Spitze zu setzen — der Zorn gegen mich, als ich diese Bemühungen vereitelte, die Klage, dass ich über den verstorbenen König Eduard VII. als den Beschützer des europäischen Friedens gesprochen hatte, statt dem Kaiser diese Ehre zu geben —, dass alles das ein Teil war der weit ausgebreiteten Kampagne gegen England, und dass die Missionare Werkzeuge waren, geschickt gebraucht durch den deutschen Agenten hier, um ihre Pläne durchzusetzen. Wenn sie hätten verwandeln können die Theosophische Gesellschaft in Indien mit ihrer großen Anzahl von Verwaltungsbeamten in eine Waffe gegen die britische Regierung und sie hätten dazu erziehen können, emporzuschauen zu Deutschland als zu ihrer geistigen Führerin, statt einzustehen, wie sie es immer getan hat, für den gleichwertigen Bund zweier freier Nationen, so hätte sie allmählich ein Kanal für Gift in Indien werden können. Um dieses zu erreichen, war es erst notwendig, ihren Präsidenten zu stürzen, der, wie bekannt, für das Bündnis der beiden Völker in den letzten zwanzig Jahren eingetreten ist.

Jetzt, wenn ich rückwärts blicke im Lichte der deutschen Methoden, wie der Krieg sie uns offenbart, erkenne ich, dass die lang andauernden Bemühungen, die theosophische Organisation einzufangen und einen Deutschen an ihre Spitze zu setzen — der Zorn gegen mich, als ich diese Bemühungen vereitelte, die Klage, dass ich über den verstorbenen König Eduard VII. als den Beschützer des europäischen Friedens gesprochen hatte, statt dem Kaiser diese Ehre zu geben —, dass alles das ein Teil war der weit ausgebreiteten Kampagne gegen England, und dass die Missionare Werkzeuge waren, geschickt gebraucht durch den deutschen Agenten hier, um ihre Pläne durchzusetzen. Wenn sie hätten verwandeln können die Theosophische Gesellschaft in Indien mit ihrer großen Anzahl von Verwaltungsbeamten in eine Waffe gegen die britische Regierung und sie hätten dazu erziehen können, emporzuschauen zu Deutschland als zu ihrer geistigen Führerin, statt einzustehen, wie sie es immer getan hat, für den gleichwertigen Bund zweier freier Nationen, so hätte sie allmählich ein Kanal für Gift in Indien werden können. Um dieses zu erreichen, war es erst notwendig, ihren Präsidenten zu stürzen, der, wie bekannt, für das Bündnis der beiden Völker in den letzten zwanzig Jahren eingetreten ist.

[ 77 ] Also, wir sollen uns darüber geärgert haben, dass sie nicht den deutschen Kaiser, sondern Eduard VII. als Friedenshort hingestellt hat, und uns deshalb abgetrennt haben, während die Abtrennung erfolgte, weil wir nicht mitgehen konnten in dem, was von jener Seite über die Christuswesenheit ausgesagt wurde. Aber dann gibt sie uns allzu viel Ehre, indem sie anführt, was alles die deutsche Bewegung der Geisteswissenschaft zur Einleitung des gegenwärtigen Krieges getan haben soll; also diejenigen, die drüben gesprochen haben über unsere geisteswissenschaftliche Bewegung. Jetzt erfahren wir etwas über ihre Pläne in englischer Beleuchtung. Es ist merkwürdig, was wir alles getan haben sollen, was alles in unserer Absicht gelegen haben soll. Man sieht, wie von dieser Seite das aufgefasst wird, was notwendigerweise hat geschehen müssen um des Deutschen Wahrheitsgefühls, des Deutschen Wahrheitssinnes wegen, um dessentwillen, was sich fühlt als innerhalb der tragenden Kraft des deutschen Geistes stehend. Dann muss man sagen: Wenn man das sieht, wie dieser deutsche Geist mit seiner tragenden Kraft in Hunderten und Tausenden gewirkt hat, wie er den deutschen Idealismus gebracht hat, der die Keime enthält, [um] zum Erfassen und Erleben des lebendigen Geistes zu kommen, dann muss man sagen, tief wahr ist das Goethe-Wort, das auch Friedrich Lienhard in seiner Broschüre «Deutschlands europäische Sendung» anführt, das Wort, das Goethe 1813 in einem Gespräch mit Luden aussprach, indem er sagte:

[ 77 ] Also, wir sollen uns darüber geärgert haben, dass sie nicht den deutschen Kaiser, sondern Eduard VII. als Friedenshort hingestellt hat, und uns deshalb abgetrennt haben, während die Abtrennung erfolgte, weil wir nicht mitgehen konnten in dem, was von jener Seite über die Christuswesenheit ausgesagt wurde. Aber dann gibt sie uns allzu viel Ehre, indem sie anführt, was alles die deutsche Bewegung der Geisteswissenschaft zur Einleitung des gegenwärtigen Krieges getan haben soll; also diejenigen, die drüben gesprochen haben über unsere geisteswissenschaftliche Bewegung. Jetzt erfahren wir etwas über ihre Pläne in englischer Beleuchtung. Es ist merkwürdig, was wir alles getan haben sollen, was alles in unserer Absicht gelegen haben soll. Man sieht, wie von dieser Seite das aufgefasst wird, was notwendigerweise hat geschehen müssen um des Deutschen Wahrheitsgefühls, des Deutschen Wahrheitssinnes wegen, um dessentwillen, was sich fühlt als innerhalb der tragenden Kraft des deutschen Geistes stehend. Dann muss man sagen: Wenn man das sieht, wie dieser deutsche Geist mit seiner tragenden Kraft in Hunderten und Tausenden gewirkt hat, wie er den deutschen Idealismus gebracht hat, der die Keime enthält, [um] zum Erfassen und Erleben des lebendigen Geistes zu kommen, dann muss man sagen, tief wahr ist das Goethe-Wort, das auch Friedrich Lienhard in seiner Broschüre «Deutschlands europäische Sendung» anführt, das Wort, das Goethe 1813 in einem Gespräch mit Luden aussprach, indem er sagte:

Das Schicksal der Deutschen ist noch nicht erfüllt. Hätten sie keine andere Aufgabe gehabt, als das Römische Reich zu zerbrechen und eine neue Welt zu schaffen und zu ordnen, sie würden längst zugrunde gegangen sein. Da sie aber fortbestanden sind, und in solcher Kraft und Tüchtigkeit, so müssen sie nach meinem Glauben noch eine große Bestimmung haben.

Das Schicksal der Deutschen ist noch nicht erfüllt. Hätten sie keine andere Aufgabe gehabt, als das Römische Reich zu zerbrechen und eine neue Welt zu schaffen und zu ordnen, sie würden längst zugrunde gegangen sein. Da sie aber fortbestanden sind, und in solcher Kraft und Tüchtigkeit, so müssen sie nach meinem Glauben noch eine große Bestimmung haben.

[ 78 ] Dieses Gespräch Goethes gilt auch noch heute. Und wenn wir jetzt in dieser schicksalsschweren Zeit leben, so fühlen wir, sehr verehrte Anwesende, wie alles dasjenige, was im Zusammenhang mit dem großen historischen Werden deutschen Wesens zu tun hat, das als ein Organismus vor uns steht, schauen wir zu dem, was in deutschen Geistern gelebt hat, was gelebt hat in einem Wolfram von Eschenbach, in Herder, Lessing, Goethe, Schiller, Fichte, was in Herman Grimm bis an die Grenze des Erfassens des lebendigen Geistes gelangt ist, bis an die Geisteswissenschaft herangelangt ist, so sehen wir, was an seelisch-geistigen Kräften wie aus einer einzigen Quelle hervorgeht aus dem deutschen Geiste. Das ist die tragende Kraft des deutschen Geistes.

[ 78 ] Dieses Gespräch Goethes gilt auch noch heute. Und wenn wir jetzt in dieser schicksalsschweren Zeit leben, so fühlen wir, sehr verehrte Anwesende, wie alles dasjenige, was im Zusammenhang mit dem großen historischen Werden deutschen Wesens zu tun hat, das als ein Organismus vor uns steht, schauen wir zu dem, was in deutschen Geistern gelebt hat, was gelebt hat in einem Wolfram von Eschenbach, in Herder, Lessing, Goethe, Schiller, Fichte, was in Herman Grimm bis an die Grenze des Erfassens des lebendigen Geistes gelangt ist, bis an die Geisteswissenschaft herangelangt ist, so sehen wir, was an seelisch-geistigen Kräften wie aus einer einzigen Quelle hervorgeht aus dem deutschen Geiste. Das ist die tragende Kraft des deutschen Geistes.

[ 79 ] Jetzt hat der deutsche Geist eine andere Aufgabe. Er muss hineinfließen in die opferwilligen Taten, die durch Tod und Blut zur Verteidigung desjenigen vollbracht werden müssen, was wir mit diesen allerdings ungenügenden Worten heute haben betrachten wollen. Was uns aber zeigt, dass deutsches Wesen, so wie es aufgetreten ist, noch nicht vollendet hat seine Aufgabe in der Welt, dass es zu verteidigen ist, weil es eine Sendung hat für die Welt, die es noch hinführen muss zum völligen Erfassen des lebendigen Geisteslebens. Und so entspringt aus der Betrachtung der tragenden Kraft des deutschen Geistes Hoffnung und Zuversicht für die deutsche Zukunft. So spricht aber auch alles das in unseren Empfindungen und Gefühlen, welches uns auf der einen Seite wehmütig, aber auch trostreich, aber auch wiederum wie in größter Bewunderung hinschauen lässt auf das, was Deutschland jetzt in dieser schicksalsschweren Zeit zu tun hat. Unsere Gefühle und Empfindungen sind gerade dann bei alledem, was da blutet und leidet, was aber Großtaten vollbringt in West und Ost, wenn wir sehen in alledem nur einen anderen Ausdruck des deutschen Wesens. Und diejenigen, die als Mütter und Väter, als Brüder und Schwestern verlieren einen teuren Angehörigen, sie wissen, dass sie ihn verlieren für dasjenige, was erarbeitet werden muss als deutscher Geist, als deutsche Zukunft, als das ganze deutsche Wesen, das noch etwas zu tun hat in der Welt, auf das man hinblicken muss als auf ein Wesen, das noch nicht vollendet hat.

[ 79 ] Jetzt hat der deutsche Geist eine andere Aufgabe. Er muss hineinfließen in die opferwilligen Taten, die durch Tod und Blut zur Verteidigung desjenigen vollbracht werden müssen, was wir mit diesen allerdings ungenügenden Worten heute haben betrachten wollen. Was uns aber zeigt, dass deutsches Wesen, so wie es aufgetreten ist, noch nicht vollendet hat seine Aufgabe in der Welt, dass es zu verteidigen ist, weil es eine Sendung hat für die Welt, die es noch hinführen muss zum völligen Erfassen des lebendigen Geisteslebens. Und so entspringt aus der Betrachtung der tragenden Kraft des deutschen Geistes Hoffnung und Zuversicht für die deutsche Zukunft. So spricht aber auch alles das in unseren Empfindungen und Gefühlen, welches uns auf der einen Seite wehmütig, aber auch trostreich, aber auch wiederum wie in größter Bewunderung hinschauen lässt auf das, was Deutschland jetzt in dieser schicksalsschweren Zeit zu tun hat. Unsere Gefühle und Empfindungen sind gerade dann bei alledem, was da blutet und leidet, was aber Großtaten vollbringt in West und Ost, wenn wir sehen in alledem nur einen anderen Ausdruck des deutschen Wesens. Und diejenigen, die als Mütter und Väter, als Brüder und Schwestern verlieren einen teuren Angehörigen, sie wissen, dass sie ihn verlieren für dasjenige, was erarbeitet werden muss als deutscher Geist, als deutsche Zukunft, als das ganze deutsche Wesen, das noch etwas zu tun hat in der Welt, auf das man hinblicken muss als auf ein Wesen, das noch nicht vollendet hat.

[ 80 ] Und so seien denn zusammengefasst, empfindungs- und gefühlsmäßig zusammengefasst die Impulse, die aus dieser Betrachtung hervorgehen wollen, in die Worte: Ja, dieses deutsche Wesen, man sieht es im Werden wachsen, und nur Unverständnis kann sprechen von einem Niedergang dieses deutschen Wesens. Wahr ist vielmehr etwas anderes. Wahr ist dasjenige, was ich, empfindungsgemäß zusammenfassend die Gedanken des heutigen Abends zum Schlusse nun in die Worte kleiden möchte, die ausdrücken sollen, wie das, was man betrachten kann am deutschen Wesen, zuletzt zusammentrifft, zusammenklingen kann in unserem Gemüt in einer Hoffnung, einer Zuversicht, in einer Gewissheit der Fortentwicklung des deutschen Wesens:

[ 80 ] Und so seien denn zusammengefasst, empfindungs- und gefühlsmäßig zusammengefasst die Impulse, die aus dieser Betrachtung hervorgehen wollen, in die Worte: Ja, dieses deutsche Wesen, man sieht es im Werden wachsen, und nur Unverständnis kann sprechen von einem Niedergang dieses deutschen Wesens. Wahr ist vielmehr etwas anderes. Wahr ist dasjenige, was ich, empfindungsgemäß zusammenfassend die Gedanken des heutigen Abends zum Schlusse nun in die Worte kleiden möchte, die ausdrücken sollen, wie das, was man betrachten kann am deutschen Wesen, zuletzt zusammentrifft, zusammenklingen kann in unserem Gemüt in einer Hoffnung, einer Zuversicht, in einer Gewissheit der Fortentwicklung des deutschen Wesens:

Der deutsche Geist hat nicht vollendet,
Was er der Welt erbringen soll.
Er lebt in Zukunftsorgen hoffnungsvoll,
Er hofft auf Zukunfttaten lebensvoll; —
In seines Wesens Tiefen fühlt er mächtig
Verborg’nes, das noch reifend wirken muss.
Wie darf in Feindesmacht verständnislos
Der Wunsch nach seinem Ende sich beleben:
So lang das Leben sich ihm offenbart,
Das ihn in Wesenswurzeln schaffend hält?

Der deutsche Geist hat nicht vollendet,
Was er der Welt erbringen soll.
Er lebt in Zukunftsorgen hoffnungsvoll,
Er hofft auf Zukunfttaten lebensvoll; —
In seines Wesens Tiefen fühlt er mächtig
Verborg’nes, das noch reifend wirken muss.
Wie darf in Feindesmacht verständnislos
Der Wunsch nach seinem Ende sich beleben:
So lang das Leben sich ihm offenbart,
Das ihn in Wesenswurzeln schaffend hält?