The Human Soul, Fate and Death
GA 70a
12 March 1915, Nuremberg
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The Human Soul, Fate and Death, tr. SOL
9. Was ist am menschenwesen Unsterblich?
9. What is immortal about human beings?
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Wenn schon zu jeder Zeit der menschlichen Seele und dem menschlichen Gemüte es naheliegen muss, es zu seinen intimsten Angelegenheiten gehören muss, die Frage aufzuwerfen, die den Gegenstand der heutigen Betrachtung bilden soll in unserer Zeit, wo so viele, viele Menschen im blühenden Alter durch die Pforte des Todes zu gehen haben, muss es aber noch ganz besonders bedeutungsvoll für die Seele sein, die Empfindungen, die Gedanken hinzulenken nach demjenigen, was am Menschenwesen unsterblich ist.
[ 1 ] Ladies and gentlemen! While it must always be natural for the human soul and the human mind—and must surely be among their most intimate concerns—to raise the question that is the subject of today’s reflection, in our time, when so many, many people in the prime of life are called to pass through the gates of death, it must be all the more meaningful for the soul to direct its feelings and thoughts toward that which is immortal in the human being.
[ 2 ] Allerdings, in unserer Zeit stehen einer Betrachtung, wie die folgende es sein wird, Vorurteil über Vorurteil gegenüber, jene Vorurteile vor allen Dingen, welche kommen vonseiten derjenigen, die da glauben von ihrem festen Boden, wie sie sagen, der wissenschaftlichen Weltanschauung aus über diese Frage nichts ausmachen zu können, sie entweder so betrachten zu müssen, dass sie die Grenze der menschlichen Erkenntnis übersteigt oder dass doch alles dasjenige, was man über sie zu sagen hat, im klaren Widerspruch stehen müsse zu den Errungenschaften naturwissenschaftlicher Denkweise. Wenn nun irgendein Satz heute Abend gesprochen werden müsste, sehr verehrte Anwesende, welcher nicht voll bestehen könnte vor der strengsten Kritik naturwissenschaftlicher Weltanschauung, so würde ich diese Betrachtung lieber ungesprochen lassen.
[ 2 ] However, in our time, a line of reasoning such as the one that follows is met with prejudice upon prejudice—above all, those prejudices that come from those who, standing on what they call the firm ground of a scientific worldview, believe they have no say on this matter, believing they must either regard it as transcending the limits of human knowledge or that anything said about it must clearly contradict the achievements of the scientific way of thinking. If, then, there were any statement to be made this evening, distinguished guests, that could not fully withstand the strictest scrutiny of the scientific worldview, I would prefer to leave that consideration unsaid.
[ 3 ] Denn dasjenige, was Naturwissenschaft von ihrem Gesichtspunkte aus über diese Frage zu sagen hat, es muss von dem, der auf dem Standpunkt der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung steht, von dem aus hier gesprochen wird, von ihm muss im Grunde genommen nicht nur vorweggenommen sein, sondern es muss — sofern es sich in unserer Zeit nach dem Standpunkt der gegenwärtigen Wissenschaft als berechtigt erweist — auch durchaus als berechtigt anerkannt werden. Aber diejenigen, welche ihre Einwendungen gegen Darlegungen der folgenden Art von einem scheinbar naturwissenschaftlichen Weltanschauungsstandpunkt aus machen, die gehen eben immer davon aus, dass man auch noch in unserer Zeit gegenüber fortgeschrittener Geisteswissenschaft mit den Gedanken und Ideen, mit den Erkenntnissen, noch besser gesagt mit den Denkgewohnheiten einer Weltanschauung, die ihrem Ende zueilt, auskommen könne. Und das ist für die Menschen der Gegenwart heute noch außerordentlich schwierig verständlich, dass derjenige, der über solche Fragen geistiger Weltanschauung sprechen will, appellieren müsse an Erkenntnisse des menschlichen Herzens, der menschlichen Seele, des menschlichen Geistes, die hinausgehen über dasjenige, was Naturwissenschaft herzubringen vermag, die gewissermaßen den Boden eines ganz anderen Gebietes der Erkenntnisse betreten, die aber neben und über den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen als ebenso wissenschaftlich wie diese voll bestehen können. Geisteswissenschaftliche Weltanschauung will dasjenige, was sie zu sagen hat, einströmen lassen in den geistigen Entwicklungsgang der Menschheit, so wie eingeströmt ist in diesen Entwicklungsgang vor drei bis vier Jahrhunderten dasjenige, was wir heute naturwissenschaftliche Weltanschauung nennen. Und wie diese naturwissenschaftliche Weltanschauung dazumal einem weiten Kreise von Denkgewohnheiten und Vorurteilen widersprach und dennoch den Weg fand zum menschlichen Wahrheitsgefühl, zum menschlichen Wahrheitssinn, so wird Geisteswissenschaft diesen Weg zum menschlichen Wahrheitsgefühl und Wahrheitssinn nehmen, wenn sie auch heute noch in ganz begreiflicher Weise — ausdrücklich sage ich es Einwendungen über Einwendungen erfahren muss, und wenn so etwas, wie es heute gesagt werden muss, von vielen ganz begreiflicherweise als Träumerei, als Phantasterei angesehen werden muss.
[ 3 ] For what the natural sciences have to say about this question from their own perspective, must—from the standpoint of the spiritual-scientific worldview, from which we are speaking here—not only be anticipated in advance, but must also—insofar as it proves to be justified in our time according to the standpoint of current science—be recognized as entirely justified. But those who raise objections to arguments of the following kind from a seemingly scientific worldview always assume that, even in our time, one can still make do—in the face of advanced spiritual science—with the thoughts and ideas, with the insights, or better yet, with the habits of thought of a worldview that is drawing to a close. And it is still extraordinarily difficult for people today to understand that anyone who wishes to speak about such questions of spiritual worldview must appeal to insights of the human heart, the human soul, and the human spirit that go beyond what natural science is capable of providing—insights that, in a sense, tread the ground of an entirely different realm of knowledge, yet can stand fully alongside and above the findings of natural science as being just as scientific as those. The spiritual-scientific worldview seeks to allow what it has to say to flow into the spiritual development of humanity, just as what we today call the scientific worldview flowed into this development three to four centuries ago. And just as this scientific worldview at that time contradicted a wide range of habitual ways of thinking and prejudices and yet found its way to the human sense of truth, so will spiritual science take this path to the human sense of truth, even if today—quite understandably—it must still face objection after objection, and even if, as must be said today, such a thing is quite understandably regarded by many as daydreaming or fantasy.
[ 4 ] Denn dasjenige, was uns über die Frage: «Was ist am Menschenwesen unsterblich?» Antwort geben kann, das muss erst tief herausgeholt werden aus verborgenen Untergründen der menschlichen Seele. Eine Forschungsmethode ist notwendig, die auf intimer innerer Seelenarbeit beruht, die tief im Inneren der Menschenseele ruht, die zu nichts anderem greift, als was in jeder Menschenseele vorhanden ist, aber was eben im Alltagsleben dieser Menschenseele der Beobachtung, der Aufmerksamkeit dieser Menschenseele sich entzieht. Dasjenige, was der Mensch trägt durch die Pforte des Todes, das was er hinaufträgt in eine geistige Welt, in der er sich befindet, wenn er den Leib abgelegt hat, ist nicht mit Alltagskräften zu begreifen, nicht mit den Erkenntniskräften zu begreifen, die man für den Alltag als Weltbeobachtung hat. Eine intimere innere Arbeit der Seele ist dazu notwendig. Schon zu wiederholten Malen habe ich auch hier in dieser Stadt sprechen dürfen von diesem intimen inneren Wege, dem rein geistig-seelischen Wege, den der Mensch durchzumachen hat, wenn er betreten will das Feld der geistigen Wesenheiten und geistigen Wirklichkeiten. Von einem besonderen Gesichtspunkte aus sei dieser Weg der Seele zum Geistigen heute Abend wiederum beleuchtet.
[ 4 ] For whatever can provide an answer to the question, “What is immortal in the human being?” must first be drawn forth from the hidden depths of the human soul. A method of research is necessary that is based on intimate inner soul work, that lies deep within the human soul, that draws on nothing other than what is present in every human soul, but which, in the everyday life of that human soul, eludes its observation and attention. That which a human being carries through the gate of death—that which they carry up into a spiritual world where they find themselves after shedding the body—cannot be grasped by the forces of everyday life, nor by the powers of cognition one employs in everyday life for observing the world. A more intimate inner work of the soul is necessary for this. On repeated occasions, I have also had the opportunity to speak here in this city about this intimate inner path—the purely spiritual-soul path—that a person must traverse if they wish to enter the realm of spiritual beings and spiritual realities. From a particular perspective, let us once again shed light on this path of the soul toward the spiritual this evening.
[ 5 ] Man kann nicht an demjenigen, was vom Menschen vor uns steht im Alltagsleben, erkennen, was von diesem Menschen der geistigen Welt angehört. Ebenso wenig kann man dieses erkennen, wie man dem Wasser ansehen kann, dass der vom Wasser ganz verschiedene Wasserstoff in diesem Wasser enthalten ist. Da muss erst die Chemie kommen und muss durch ihre Laboratorium-Methode den Wasserstoff vom Wasser abtrennen; dann erhält man etwas, was aus dem Wasser herauskommen kann und was ganz andere Eigenschaften zeigt als das Wasser. Während das Wasser flüssig ist, ist der Wasserstoff gasförmig; während das Wasser Feuer löscht, brennt der Wasserstoff. Aber niemand kann, der nur Wasser vor sich hat, niemand kann wissen, welches die Eigenschaften, die Eigentümlichkeiten, die Wesenheit des Wasserstoffes sind. Da muss erst die Chemie kommen und abtrennen den Wasserstoff von dem Wasser. Ebenso wenig kann man erkennen an dem Menschen, der im Alltag vor uns steht, was in ihm lebt für die Ewigkeit, für die Unsterblichkeit. Die geisteswissenschaftliche Methode muss, man möchte sagen wie eine geistige Chemie kommen und dasjenige, was nicht erscheinen kann im Zusammenhang mit dem Leibe, so von dem Leibe abtrennen. Und so phantastisch und träumerisch, ja vielleicht so närrisch es heute noch manchem erscheinen mag, es wird eine Wissenschaft der Zukunft geben, welche sich klar darüber sein wird, dass es ebenso geistig-seelische Methoden gibt, welche das Geistig-Seelische des Menschen, das Unsterbliche des Menschen herausholen aus der Verbindung mit dem Leibe, sodass der Mensch wirklich wissen kann: «Ich lebe jetzt mit meiner Seele außerhalb meines Leibes, ich erlebe mich in der Seele außerhalb des Leibes!»
[ 5 ] One cannot discern, from what a person presents in everyday life, what aspects of that person belong to the spiritual world. Just as one cannot discern this, one cannot tell by looking at water that it contains hydrogen—a substance entirely different from water itself. First, chemistry must come along and, through its laboratory methods, separate the hydrogen from the water; only then does one obtain something that can be extracted from the water and that exhibits properties entirely different from those of water. While water is liquid, hydrogen is gaseous; while water extinguishes fire, hydrogen burns. But no one who has only water before them can know what the properties, the peculiarities, and the essence of hydrogen are. First, chemistry must come along and separate the hydrogen from the water. Similarly, one cannot discern in the human being who stands before us in everyday life what lives within them for eternity, for immortality. The spiritual-scientific method must—one might say—act like a spiritual chemistry and separate from the body that which cannot appear in connection with it. And as fantastical and dreamlike—perhaps even as foolish—as it may still seem to some today, there will be a science of the future that will be clear about the fact that there are also spiritual-soul methods capable of extracting the spiritual-soul aspect of the human being—the immortal part of the human being—from its connection with the body, so that the human being can truly know: “I am now living with my soul outside my body; I experience myself in the soul outside the body!”
[ 6 ] Und erst durch dieses Forschen, das zu einer Erkenntnis führt, wodurch sich die Seele erkennend erlebt außer dem Leibe, kann man das Reich betreten, in dem die Seele ihre unsterblichen Glieder hat. Aber nicht äußere Methoden, nicht handgreifliche Methoden, wie die äußere Naturwissenschaft sie gebraucht, können dazu dienen, die Seele gleichsam — wenn der grobe Ausdruck gebraucht werden darf —, die Seele gleichsam chemisch abzutrennen von dem sterblichen Leibe, sondern intime, seelische Methoden sind es, innere seelische Erlebnisse. Von diesen seelischen Methoden, diesen inneren seelischen Erlebnissen, von denen wollen wir hauptsächlich zwei heute vor unsere Seele hinstellen.
[ 6 ] And only through this inquiry, which leads to a realization whereby the soul experiences itself as separate from the body, can one enter the realm in which the soul possesses its immortal members. But it is not external methods, not tangible methods such as those used by the external natural sciences, that can serve to—if I may use such a crude expression—separate the soul, as it were, chemically from the mortal body; rather, it is intimate, spiritual methods—inner spiritual experiences. Of these spiritual methods, these inner spiritual experiences, we wish to present two in particular to our souls today.
[ 7 ] Die erste, man nennt sie, ich möchte sagen mit einem technischen Ausdruck der Geisteswissenschaft: die Konzentration des Gedankenlebens, des Empfindungslebens, des Lebens der Willensimpulse. Wenn man sie so schildert, so scheint diese Konzentration des Gedankenlebens, des Empfindungslebens, des Lebens der Willensimpulse leicht; doch möchte man mit Goethes «Faust» sagen: «Doch ist das Leichte schwer.» Und was ich zu schildern habe, betrifft erschütternde, innerlich gewaltig wirkende Erlebnisse der Seele, Erlebnisse der Seele, vor denen wir stehen im Erkennen mit einer viel größeren inneren Tragik, möchte ich sagen, als man vor dem äußern physischen Tode jemals stehen kann. Daher haben diejenigen, die der Geisteswissenschaft zu allen Zeiten nahegestanden sind, stets betont, dass der Weg in die geistigen Welten hinein, der Weg in die geistige Erkenntnis, an die Pforte des Todes heranführt. Einfach — aber dieses Einfache muss in aller Intensität, mit aller Energie angefasst werden —, einfach erscheint dasjenige, was man zu tun hat, um die Seele loszulösen von dem Erleben mit dem Leibe zusammen. Einen Gedanken, eine Empfindung oder eine Reihe von Gedanken, eine Reihe von Empfindungen, sie muss man mit der Seele zunächst voll umfassen, sie sich ganz gegenwärtig machen in der Seele, dann sie in den Mittelpunkt des Bewusstseins stellen, sodass nichts anderes als diese willkürlich durch unsere Seele in den Mittelpunkt des Bewusstseins gestellten Empfindungen und Gedanken in diesem Bewusstsein stehen, dass gewissermaßen um uns herum die ganze Welt vergessen und versunken ist mit allen Sinneseindrücken, mit allen anderen Empfindungen und Gedanken. Und nur dasjenige, was wir durch unseren freien Willen in den Mittelpunkt unseres Bewusstseins stellen, das muss mit der Seele und ihren Kräften ganz, ich möchte sagen ganz verschmelzen, die Seele muss sich ganz eins wissen mit dem, was sie also in den Mittelpunkt des Bewusstseins rückt.
[ 7 ] The first—as it is called—I would like to describe, using a technical term from the humanities: the concentration of mental life, emotional life, and the life of volitional impulses. When described this way, this concentration of mental life, emotional life, and the life of volitional impulses seems easy; yet one is tempted to say, in the words of Goethe’s *Faust*: “Yet what is easy is hard.” And what I have to describe concerns shattering experiences of the soul that have a profound inner impact—experiences of the soul that, in our understanding, confront us with a far greater inner tragedy, I would say, than we can ever face in the face of outward physical death. That is why those who have been close to spiritual science throughout the ages have always emphasized that the path into the spiritual worlds—the path to spiritual knowledge—leads to the threshold of death. It seems simple—but this simplicity must be approached with the utmost intensity and energy—what one must do to detach the soul from its experiences linked to the body. A thought, a feeling, or a series of thoughts, a series of feelings—one must first fully embrace them with the soul, make them fully present in the soul, and then place them at the center of consciousness, so that nothing else remains in this consciousness but these sensations and thoughts—which we have deliberately placed at the center of our consciousness through our soul—so that, as it were, the whole world around us is forgotten and submerged, along with all sensory impressions, all other sensations, and all other thoughts. And only that which we place at the center of our consciousness through our free will must merge completely—I would say completely—with the soul and its powers; the soul must feel itself to be entirely one with that which it thus brings to the center of consciousness.
[ 8 ] Dies ist eine Aufgabe für lange, lange Zeiten. Je nachdem die Anlage des Menschen dazu mehr oder weniger geeignet ist, hat er Wochen, Monate, Jahre damit zu tun. Immer wieder und wieder, wenn er auch Minuten nur während des Tages darauf zu verwenden hat, lange hat er damit zu tun, um in der Seele jene innere Fähigkeit hervorzurufen, die imstande ist, abzuweisen alles übrige Denken und Empfinden, alles übrige Fühlen und Wollen auch und nur in den Mittelpunkt des Bewusstseins eine bestimmte Art von Gedanken zu rücken. Es kommt nicht so sehr darauf an, welches der Inhalt der Gedanken ist, sondern darauf kommt es an, dass sie durch eigene freie Willkür eine überschaubare Empfindung oder einen überschaubaren Gedanken so in den Mittelpunkt unseres Bewusstseins stellen, dass wir eigentlich nur in dem, was wir uns also denken oder empfinden, ganz darinnen leben, dass wir uns selbst vergessen dadurch, dass wir uns ganz eins damit wissen. Auf diese Weise konzentrieren wir zusammen alle, alle Seelenkräfte nur auf diese einzige Empfindung, diesen einzigen Gedanken. Zunächst muss der Mensch sich allerdings klar sein, dass, wie gesagt, dieses leicht scheint; «doch ist das Leichte schwer». Es kommt auf verschiedenerlei an, wenn man also Konzentration des Gedankens übt. Vor allen Dingen kommt es darauf an, dass wir einen solchen Gedanken in den Mittelpunkt unseres Bewusstseins rücken, den wir voll überschauen können. Bei den meisten Gedanken, die wir haben, da spielen allerlei innere Sympathien und Antipathien, spielen allerlei Empfindungen, Erinnerungsvorstellungen mit. Die färben uns den Gedanken, sodass wir zumeist gar nicht wissen, was alles in unserer Seele wirkt, wenn wir im Alltagsleben einen Gedanken haben und uns darauf konzentrieren.
[ 8 ] This is a task that takes a long, long time. Depending on how well a person is suited to it, it may take weeks, months, or even years. Again and again—even if they have only a few minutes to devote to it during the day—it takes them a long time to evoke within their soul that inner capacity which is capable of rejecting all other thoughts and sensations, all other feelings and desires, and of placing a specific kind of thought at the very center of their consciousness. It does not matter so much what the content of the thoughts is, but rather that, through our own free will, we place a manageable sensation or a manageable thought at the very center of our consciousness in such a way that we actually live entirely within what we are thinking or feeling—that we forget ourselves by knowing ourselves to be completely one with it. In this way, we all—every single one of us—concentrate all our soul’s powers solely on this one sensation, this one thought. First, however, one must be clear that, as I said, this seems easy; “yet what is easy is difficult.” Various factors come into play when one practices concentrating the mind. Above all, it is essential that we place at the center of our consciousness a thought that we can fully grasp. With most of the thoughts we have, all sorts of inner sympathies and antipathies, all sorts of feelings, and memories come into play. These color our thoughts, so that we usually have no idea what is actually at work in our soul when we have a thought in everyday life and concentrate on it.
[ 9 ] Derjenige, der heute auf dem Boden der Psychiatrie oder Psychologie oder moderner Naturwissenschaft steht, hat natürlich gegen das alles einen billigen Einwand. Er wird sagen: Wenn also der Geistesforscher sich auf einen Gedanken konzentriert, so kann er ja gar nicht wissen, was in diesem Gedanken alles aus den unterbewussten Untergründen seiner Seele heraufspielt und wie er sich dann in Selbstsuggestion und Phantasien hineinlebt. Gewiss ist es ganz begreiflich, dass man vom naturwissenschaftlichen Gesichtspunkt aus solche Einwände macht; und sie sind scheinbar in einer gewissen Weise voll begründet, diese Einwände, und der Geistesforscher kann gut einsehen, dass sie gemacht werden müssen. Allein, gewöhnlich wird das, was bei allen diesen Dingen beachtet werden muss, nicht beachtet. Sie finden das Nähere sorgfältig zusammengestellt in den beiden Büchern: «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und in meiner «Geheimwissenschaft». Man geht an dem vorüber, was da gerade verlangt wird, dass man es voll beachten soll. Darauf kommt es an, dass man einen Gedanken, eine Empfindung in den Mittelpunkt seines ganzen Seelenlebens stellt, den man leicht überschauen kann, der uns an nichts erinnern kann, der nichts aus den unterbewussten Untergründen der Seele heraufrufen kann. Daher ist es sogar besser, nicht eine Vorstellung in den Mittelpunkt seines Bewusstseins zu stellen, die von irgendeiner äußeren Wirklichkeit hergenommen ist, eine Vorstellung, die etwas abbildet, sondern eine Vorstellung, die rein sinnbildlich, rein symbolisch ist, bei der es darauf nur ankommt, dass wir die Seelenkräfte eben konzentrieren, zusammenfassen, dass wir alle Arbeit der Seelenkräfte darauf verwenden, uns abzuziehen von allem Übrigen, um uns rein auf diesen einen Punkt zu konzentrieren.
[ 9 ] Anyone today who bases their views on psychiatry, psychology, or modern science naturally has a facile objection to all of this. They will say: If the spiritual researcher concentrates on a thought, they cannot possibly know what is surfacing from the subconscious depths of their soul within that thought, or how they then become immersed in autosuggestion and fantasies. Certainly, it is quite understandable that such objections are raised from a scientific point of view; and these objections appear, in a certain sense, to be fully justified, and the spiritual researcher can well understand why they must be raised. However, what must be taken into account in all these matters is usually overlooked. You will find the details carefully compiled in the two books: *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?* and in my *The Secret Science*. People overlook precisely what is required there—that one should pay full attention to it. What matters is placing a thought or a feeling at the center of one’s entire soul life—one that is easy to grasp, that cannot remind us of anything, and that cannot evoke anything from the subconscious depths of the soul. Therefore, it is even better not to place at the center of one’s consciousness an image taken from any external reality—an image that depicts something—but rather an image that is purely symbolic, purely symbolic, where the only thing that matters is that we concentrate and focus our soul forces, that we devote all the work of our soul forces to withdrawing from everything else in order to concentrate purely on this one point.
[ 10 ] Ich will ein recht einfaches Beispiel nennen, wenn jemand sich in die Vorstellung vertieft:
[ 10 ] Let me give a fairly simple example of what happens when someone becomes deeply absorbed in an idea:
[ 11 ] «Im hellen Lichte wirkt die klare Weltenwahrheit.» oder: «Im hellen Lichte lebt die klare Weltenwahrheit.» Wenn er einen solchen Satz sich bildet, dann kann jeder selbstverständlich, wenn er auf dem Boden des äußerlich-sinnlichen Materialismus steht, sagen: Ja, solch ein Satz ist ja eine reine Träumerei, er bedeutet nichts, er bildet keine Wirklichkeit ab. Aber darauf kommt es nicht an, sondern darauf, was man tut beim Denken, Empfinden eines solchen Satzes, was die Seele verrichtet. Und dann, wenn man entweder lange über einen solchen Satz meditiert oder aber, wenn man mit einem solchen Satz abwechselt mit anderen, dann macht man eine sehr bedeutsame innere Erfahrung, eine Erfahrung, von der derjenige, der sie durchgemacht hat, voll weiß, dass sie in Bezug auf die menschliche Seele etwas so Wirkliches, so Reales darstellt wie nur irgendeine chemische oder physikalische Methode mit Bezug auf äußere, sinnliche Dinge etwas Reales darstellt. Man kommt dahin, zu erfahren, indem man sich also konzentriert auf einen bestimmten Bewusstseinsinhalt, man kommt dahin, immer stärker diejenigen Seelenkräfte zu fühlen, die man die vorstellenden, die denkenden Seelenkräfte nennen kann. Man fühlt sich gewissermaßen immer mehr und mehr, indem man sich damit identifiziert, innerlich stärker und stärker, und während man äußerlich mit Bezug auf die ganze Welt ruht mit seinen Sinnen, mit dem äußerlichen Verstand, innerlich fühlt man sich erstarkt. In tiefen Untergründen fühlt man etwas heraufströmen, was in der Seele verborgen liegt, was man nicht beobachtet hat, dessen man aber jetzt im unmittelbaren Erleben gewahr wird.
[ 11 ] “In the bright light, the clear truth of the world shines forth.” Or: “In the bright light, the clear truth of the world lives.” When one forms such a sentence, anyone who stands on the ground of external, sensory materialism can, of course, say: Yes, such a sentence is pure fantasy; it means nothing; it does not reflect reality. But that is not the point; rather, what matters is what one does when thinking about and feeling such a sentence—what the soul accomplishes. And then, whether one meditates at length on such a sentence or alternates it with others, one has a very significant inner experience—an experience of which the person who has gone through it knows full well that, in relation to the human soul, it represents something as real, as real as any chemical or physical method is in relation to external, sensory things. By concentrating on a specific content of consciousness, one comes to experience—one comes to feel ever more strongly those soul forces that can be called the imaginative and thinking soul forces. In a sense, by identifying with them, one feels oneself becoming stronger and stronger inwardly, and while outwardly one remains at rest with regard to the whole world—with one’s senses and the outer intellect—inwardly one feels oneself growing stronger. Deep within, one feels something welling up—something hidden in the soul, something one has not observed before, but of which one now becomes aware through immediate experience.
[ 12 ] Und indem man also immer stärker und stärker, immer innerlich lichtvoller und lichtvoller das Erleben fühlt, kommt man auf einen bestimmten Punkt. Wir werden gleich sehen, dass dieser Punkt durch eine regelrechte geistige Entwicklung eigentlich so nicht voll erreicht werden soll, wie ich dann gleich schildern werde, sondern durch etwas anderes modifiziert zu werden hat. Aber wenn man sich mehr und mehr konzentrieren würde, immer mehr und mehr alles das, was im Inneren der Seele ist, hinrichten würde auf das eine Erwählte, dann würde man endlich, indem man immer stärker anschwellen gefühlt hat seine innere Aktivität, seine innere Tätigkeit, man würde dazu kommen, diese Kraft wie sich ablähmen zu fühlen, wie schwinden zu fühlen. Das ist ein bedeutsames Erlebnis, zu dem man da kommt, ein Erlebnis, das für den, der es durchmacht, eine unendlich unvergessliche innere Erfahrung darstellt. Denn er hat ein ganz bestimmtes inneres Erlebnis dabei, das Erlebnis, das er fühlt: Jetzt ist der Moment, wo du nach Konzentrierung aller Seelenkräfte, nachdem du zusammengenommen hast alles, was sonst verborgen ist in der Seele, wo du das hineinfließen ließest in deine Denkkraft, in deine Vorstellungskraft und wo das aus dir herausgeht — aber in die Welt ausfließt dasjenige, was du aus den Tiefen deiner Seele heraufgeholt hast. Das entzieht sich dir, es verlässt deinen Leib, es flieht dich!
[ 12 ] And as one experiences this feeling becoming stronger and stronger, and the inner light becoming brighter and brighter, one reaches a certain point. We will see shortly that this point is not actually meant to be fully attained through a straightforward spiritual development—as I will describe shortly—but must be modified by something else. But if one were to concentrate more and more, directing everything within the soul more and more toward that one chosen object, then finally—having felt one’s inner activity and inner energy swell ever more strongly—one would come to feel this power as if it were subsiding, as if it were fading away. This is a significant experience one arrives at—an experience that, for the one who goes through it, represents an infinitely unforgettable inner experience. For in doing so, one has a very specific inner experience—the experience one feels: Now is the moment when, after concentrating all your soul’s powers—after gathering together everything that is otherwise hidden in the soul—you have allowed it to flow into your power of thought, into your power of imagination, and where it flows out of you—but into the world flows that which you have drawn up from the depths of your soul. It eludes you, it leaves your body, it flees from you!
[ 13 ] Und man würde jetzt nicht mitkommen, man würde sich wie die-Seele-aus-dem-Leibe-geholt empfinden, und diese Seele mit dem allgemeinen Geiste vereinigt, der durch die Welt weht und wirkt. Man würde sich selbst entfremdet fühlen. Deshalb muss die Übung, die damit angedeutet ist, durch eine andere modifiziert werden, die mit ihr gleichzeitig ablaufen muss. Und jeder, der den Weg der Geistesforschung so geht, wie ich es geschildert habe in meinem Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», der bekommt die einzelnen Regeln dadurch, durch welche er wirklich das, was ich eben jetzt geschildert habe, modifiziert, sodass das nicht so eintritt, dass wir uns gleichsam mit dem besten Teil selbst uns entrissen fühlen. Da muss also etwas anderes hinzutreten. Das Erste also, was die Seele vom Leibe abtrennt, war die Gedankenkonzentration, die Verstärkung des Gedankenlebens. Durch diese Verstärkung des Gedankenlebens werden wir uns gleichsam selbst entrissen. Das Zweite widerspricht dem gleichsam; es ist etwas Entgegengesetztes, der andere Pol, aber das Leben verläuft polarisch, es verläuft so, dass es durch Gegensätze hindurchgeht. Wenn man daher eine Erkenntnis hat, eine Erkenntnis, die nicht eine Erkenntnis in abstrakten Begriffen sein soll, sondern eine Erkenntnis der Naturgesetze, des Lebens, so muss man sich durch Gegensätze hindurchbewegen.
[ 13 ] And one would not be able to keep up now; one would feel as if one’s soul had been torn from one’s body, and that this soul were united with the universal spirit that blows through the world and works within it. One would feel alienated from oneself. Therefore, the exercise implied here must be modified by another that must take place simultaneously with it. And anyone who follows the path of spiritual research as I have described it in my book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?* will thereby receive the individual rules through which one truly modifies what I have just described, so that we do not feel, as it were, as though the best part of ourselves has been torn away. So something else must be added. The first thing, then, that separates the soul from the body was the concentration of thought, the intensification of the life of thought. Through this intensification of the life of thought, we are, as it were, torn away from ourselves. The second factor, as it were, contradicts this; it is something opposite, the other pole, but life proceeds in a polar manner—it proceeds by passing through opposites. Therefore, if one has insight—an insight that is not to be merely an insight into abstract concepts, but an insight into the laws of nature and of life—one must move through opposites.
[ 14 ] Das Zweite ist das, was man nennen könnte eine völlige Ergebung des Willens in die waltenden, wesenden, wirkenden Weltenmächte. Sodass wir gewissermaßen, wie wir beim Ersten zum Stillstand bringen unser sinnliches Erkennen, den Verstand, der sonst nach Anleitung der äußeren Sinneswahrnehmung spielt, so wie wir das zum Stillstand bringen beim Ersten, so müssen wir beim Zweiten jedes innere eigensinnige Wollen zum Stillstand bringen, gewissermaßen alles, was in uns Wille ist, zum Stillstand bringen. Nun gibt es ein gewisses Mittel, wodurch man in sich die Kräfte entwickeln kann, das eigene Wollen wirklich radikal in sich ergeben zu machen dem allgemeinen Weltenweben: Das ist, wenn man eine ganz neue Stellung zu dem gewinnt, was man unser Schicksal nennt. Wie erleben wir doch im gewöhnlichen Dasein dieses unser Schicksal? Nun, dieses unser Schicksal erleben wir so, dass wir das, was uns als Schicksalsfall im Guten und Bösen zustößt, eben als etwas uns Zustoßendes betrachten, dass wir ihm mit Sympathie oder Antipathie begegnen, sodass wir so recht das, was gewissermaßen als die Schicksalszufälle angesprochen wird, was uns anfällt, dass wir das als etwas an uns Herankommendes ansehen; wir stehen außerhalb, wir sehen uns als die Ich-, die Selbst-Wesenheit, auf die das Schicksal wirkt, an die es herankommt.
[ 14 ] The second is what one might call a complete surrender of the will to the prevailing, essential, and active powers of the world. Just as, in the first stage, we bring our sensory cognition—the intellect, which otherwise operates under the guidance of external sensory perception—to a standstill, so too, in the second stage, we must bring every inner, self-willed desire to a standstill; in a sense, we must bring everything within us that is will to a standstill. Now there is a certain means by which one can develop the inner forces to truly and radically surrender one’s own will to the general weaving of the world: this is achieved by adopting an entirely new attitude toward what we call our fate. How do we experience this fate of ours in ordinary life? Well, we experience this fate of ours in such a way that we regard what befalls us as a stroke of fate—whether good or bad—simply as something that happens to us; we meet it with sympathy or antipathy, so that we truly view what is, so to speak, referred to as the “chances of fate”—what befalls us—as something approaching us; we stand outside of it; we see ourselves as the “I,” the self-essence, upon which fate acts, to which it approaches.
[ 15 ] Schon im gewöhnlichen Leben kann man durch ein wirklich vernunftgemäßes Nachdenken ersehen, dass wir im Grunde genommen so zum Schicksal gar nicht stehen können. Wenn man sich einmal betrachtet, was man in einem bestimmten Zeitpunkt eines späteren Erlebens ist, so wird man sich sagen: Das, was man da ist, was man in seiner inneren Wesenheit an sich erlebt, was man kann und vermag, das ist gar nicht denkbar ohne schon das gewöhnliche Schicksal des Lebens zwischen Geburt und Tod. Man denke nur einmal reiflich darüber nach. Alles das, was wir im gegenwärtigen Moment können, wenn wir es zurückverfolgen im gewöhnlichen Leben zwischen Geburt und Tod, müssen wir uns sagen: Das hängt zusammen, was wir jetzt können, mit irgendetwas, was wir früher einmal durchgemacht haben. Dass ich jetzt etwas kann, hängt vielleicht damit zusammen, dass der, der meine Erziehung zu besorgen hatte, mich einmal in diese oder jene Sphäre hineinbrachte. Das, was mir damals zustieß, das vereinigte sich mit mir, das wurde in mir zur Kraft; jetzt ist es meine Fähigkeit. Immer, wenn man wirklich intensiv nachdenkt: «Was bin ich denn eigentlich, was ist denn an mir?», so wird man sehen, dass das, was in mir oder anderen Menschen im gegenwärtigen Moment ist, in jedem Menschen ist, zusammengewoben wurde aus dem Schicksal. Und wenn man diesen Gedanken sachgemäß, man möchte sagen seelengemäß verfolgt, kommt man darauf, wie man gewissermaßen immer mehr zusammenwachsen muss mit seinem Schicksal, wie man gewissermaßen das, was man sein Ich nennt, als ein Gewebe erkennen muss des Schicksals. Das, was man sonst so anspricht als einen Zufall, das findet man jetzt verarbeitet in sich, verwoben in sich; sich findet man als Ergebnis des Schicksals. Man wächst damit zusammen, mit dem Schicksal, so wächst man zusammen, dass man sich identifiziert.
[ 15 ] Even in everyday life, one can see through truly rational reflection that, fundamentally speaking, we cannot really take that stance toward fate. If one considers what one is at a specific moment in a future experience, one will say to oneself: What one is there—what one experiences in one’s inner being, what one can and is capable of—is simply inconceivable without the ordinary course of life between birth and death. Just think about it carefully. Everything we are capable of in the present moment—when we trace it back to ordinary life between birth and death—we must admit: what we can do now is connected to something we went through in the past. The fact that I can do something now may be connected to the fact that the person responsible for my upbringing once introduced me to this or that sphere. What happened to me back then became part of me; it became a strength within me; now it is my ability. Whenever one truly reflects deeply: “What am I, really? What is it about me?”—one will see that what is within me or within other people at this very moment is present in every human being, woven together by destiny. And if one pursues this thought properly—one might say, in accordance with the soul—one comes to realize how, in a sense, one must grow ever more closely together with one’s destiny, how, in a sense, one must recognize what one calls one’s “I” as a fabric woven from destiny. What one otherwise refers to as a coincidence, one now finds processed within oneself, woven into oneself; one finds oneself to be the result of destiny. One grows together with it—with fate—and in this way, one grows together to the point of identifying with it.
[ 16 ] Wie man bei dem früheren Wege, dem früheren Mittel der Geistesforschung sagen muss: Man identifiziert sich mit einem Gedanken, mit einer Empfindung, so muss man sich jetzt durch die Sache selbst, durch die Verhältnisse selbst identisch erkennen mit seinem Schicksal. Das muss jetzt allerdings, was ich jetzt sage, nicht nur theoretisch bleiben, das muss nicht nur eine abstrakte Betrachtung sein, sondern das muss innerlich empfindend ganz durchlebt werden; es muss in alle Fasern unserer Seele übergehen. Dann fühlen wir, wie wir nach und nach unseren Willen selbst in unser Schicksal hinausströmen sehen, schauen, wie wir uns sagen: Du hast bisher etwas als einen Schicksalszufall betrachtet, aber du warst es selbst. Das, was in dir ist, das hat diesen Schicksalszufall an dich herangebracht, sonst wärest du dieses Wesen, dieses Ich nicht.
[ 16 ] Just as one must say of the earlier path, the earlier method of spiritual research—that one identifies with a thought, with a feeling—so now one must recognize oneself as one with one’s destiny through the thing itself, through the circumstances themselves. What I am saying now, however, must not remain merely theoretical; it must not be merely an abstract consideration, but must be lived through completely with inner feeling; it must permeate every fiber of our soul. Then we feel how, little by little, we see our own will flowing out into our destiny, and we realize: You have regarded something as a twist of fate up to now, but it was you yourself. That which is within you is what brought this twist of fate to you; otherwise, you would not be this being, this “I.”
[ 17 ] Im Wesentlichen ergibt sich dann, wenn man wiederum solches Meditieren über sein Schicksal wochen-, monate-, jahrelang durchführt, je nach den Anlagen, die man hat, ein gefühlsmäßiges Ergeben in das Schicksal. Man lernt erkennen, dass man mit sich selbst hinausgehen muss aus dem Kämmerlein, in das man sich selbst bisher eingeschlossen gefühlt hat. Man lernt sich im Strome seines Schicksals selbst dahinströmen. Wenn man also erkennt, wie das Selbst, das Ich, eigentlich außerhalb lebt, wie in dem, was wir «zustoßen» nennen, in Wahrheit unser Wille drinnen ruht, wie das Ich da im Schicksal dahinströmt, dann wird dieser Wille mit uns, indem wir uns selbst an unser Schicksal hingeben, aus uns wiederum losgerissen. Und das ist das Zweite. Aber es muss eben errungen werden, muss errungen werden in innerlichem gemüts- und gefühlsmäßigem Erleben. Es muss den ganzen Menschen erfüllen, also sich hinzugeben gefühlsmäßig an das Schicksal. Dann fühlt man, wie man mit dem Schicksal zugleich zusammenwächst mit geistig wirksamen Weltenkräften, die die Außenwelt durchwalten und durchwirken. Demjenigen, was mit uns zu entfliehen scheint in der Gedankenkonzentration, was uns unsere Selbstheit zu nehmen scheint, folgt dann nach — das heißt dem Gedanken folgt nach — ein Willenselement, ein gefühlsmäßiges Willenselement. Wir ziehen dann, während wir auf die früher angedeutete Art den Gedanken aus unserem Kopf herausströmen fühlen aus unserem ganzen Wesen etwas nach. Wir opfern den Willen hin an den Gedanken. Und dann, dann tritt das Seelische, das Gedankenmäßige, das Gefühls-, Empfindungs-, Willensmäßige zu den Gedanken heraus, und wir gehen mit.
[ 17 ] Essentially, when one engages in such meditation on one’s destiny for weeks, months, or years—depending on one’s natural disposition—an emotional surrender to destiny emerges. One learns to recognize that one must step out of the little room in which one has felt confined until now. One learns to let oneself flow along with the current of one’s destiny. So when one recognizes how the self, the “I,” actually lives outside of oneself—how, in what we call “events,” our will in truth resides within—how the “I” flows along in fate—then this will, as we surrender ourselves to our fate, is in turn torn away from us. And that is the second point. But it must be attained—it must be attained through an inner experience of the mind and emotions. It must fill the whole person—that is, one must surrender emotionally to destiny. Then one feels how, through destiny, one simultaneously grows together with spiritually active world forces that govern and permeate the external world. What seems to slip away from us in concentration of thought—what seems to take away our sense of self—is then followed—that is, the thought is followed—by an element of will, an emotional element of will. As we feel the thought flowing out of our head in the manner indicated earlier, we then, from our whole being, follow it somewhat. We offer our will to the thought. And then, then the soul, the thought, the feeling, the sensation, and the will emerge alongside the thoughts, and we go with them.
[ 18 ] Das, was ich geschildert habe, ist ein realer Prozess, ein wirkliches Heraussteigen der Seele aus der Leibeshülle. Das ist etwas, was ebenso wahr und intensiv und wirklich, man möchte sagen experimentell zu erleben ist wie das Herausgehen des Wasserstoffes aus dem Wasser, das Ablösen des Wasserstoffes von dem Wasser. Es ist so wie das Ablösen des Seelischen vom Leiblichen, das dann so zurückbleibt, dass das Leibliche mit dem ganzen äußeren Erleben ein äußerer Gegenstand wird; die Seele ist aus dem Leibe herausgestiegen. Sie betrachtet dann, wie man sonst in der Sinneswelt betrachtet den Tisch oder den Stuhl betrachtet, so betrachtet sie ihren Leib, den sie verlassen hat.
[ 18 ] What I have described is a real process, a genuine emergence of the soul from the physical body. This is something that can be experienced just as truly, intensely, and realistically—one might even say experimentally—as the release of hydrogen from water, the separation of hydrogen from water. It is like the separation of the soul from the body, which is then left behind in such a way that the body, together with the entire external experience, becomes an external object; the soul has stepped out of the body. It then regards its body—which it has left behind—in the same way one otherwise regards a table or a chair in the sensory world.
[ 19 ] Und was das Wichtige ist, sie erlebt sich nicht bloß im Abstrakten, sondern so wahr, wie sie im Leibe ein innerliches Erleben entwickelt, so wahr entwickelt sie außerhalb des Leibes ein innerliches Erleben, von dem sie weiß, es ist ein geistig-seelisches Erleben. Vollinhaltlich im inneren Erlebnis, so erlebt sich die Seele. Und wirklich, wie die Menschen lange nichts davon wussten, dass man Sauerstoff von Wasserstoff abtrennen kann, aber es lernen mussten, so wird die Geisteskultur der Menschheit lernen, dass das Geistig-Seelische abzusondern ist von dem Leiblichen, so barock, so töricht, so närrisch der gegenwärtigen Menschheit das heute noch erscheinen mag.
[ 19 ] And what is important is that the soul does not experience itself merely in the abstract; rather, just as it develops an inner experience within the body, so too does it develop an inner experience outside the body—one that it knows to be a spiritual-soul experience. It is in this inner experience, rich in content, that the soul experiences itself. And truly, just as people long remained unaware that oxygen could be separated from hydrogen but had to learn it, so too will humanity’s spiritual culture learn that the spiritual-soul aspect must be separated from the physical—no matter how baroque, how foolish, how absurd this may still seem to present-day humanity.
[ 20 ] Eine wirkliche Geisteswissenschaft ist dasjenige, was die Zukunft haben wird — und wodurch die Zukunft der Menschenseele jenes Wissen bringen wird, dessen die Menschenseele bedarf, wenn in ihr die Kräfte, die von alters her da waren, für solche Dinge reif geworden sind. Einer solchen Zeit harren wir entgegen. Derjenige nur kann es leugnen, der die Zeichen der Zeit verkennt, der nicht kennt die tiefsten Sehnsuchten, die heute schon in zahlreichen Seelen bewusst, in anderen unbewusst leben und die die ganze Menschheit ergreifen wird: die Sehnsucht, zu wissen von dem Geistigen. Dann aber, wenn also die Seele sich im wirklichen leibfreien Erleben erfasst, dann lernt sie in sich Kräfte kennen, welche man nicht hat im Alltagsleben, welche man im Leibe nicht entfalten kann. Eine Kraft lernt man kennen, sie sei auf folgende Weise geschildert.
[ 20 ] A true spiritual science is that which the future will bring—and through which the future of the human soul will provide the knowledge the human soul needs when the forces that have existed since time immemorial have matured within it to receive such things. We are awaiting such a time. Only those who fail to recognize the signs of the times can deny this—those who are unaware of the deepest longings that already live consciously in many souls today, and unconsciously in others, and that will eventually take hold of all humanity: the longing to know about the spiritual. But then, when the soul experiences itself in a truly bodyless state, it comes to know within itself forces that one does not possess in everyday life—forces that cannot be developed while in the body. One comes to know a force that can be described as follows:
[ 21 ] Wenn wir unser alltägliches Leben durchleben, so kommen wir, da die Seele entwickelt die Kraft des Vorstellens, des Fühlens und des Wollens — wir kommen im alltäglichen Erleben zu dem, was man zuletzt die Erinnerung nennt. Und derjenige, der ein wenig nachdenkt über die Erinnerung, der weiß, was diese Erinnerung, dieses Gedächtnis bedeutet für die ganze in sich zusammenhaltende Wesenheit des Menschen. Wir könnten kein Ich-Bewusstsein entwickeln, wenn wir uns nicht darin an die Erlebnisse, die wir durchgemacht haben, erinnerten seit einem bestimmten Zeitpunkt nach der Geburt. Nur dadurch, dass der Strom der Erinnerungen nicht abreißt, dass wir wissen, wir sind es eben gewesen, die diesen Strom durchlebt haben, dadurch sind wir ein Ich, ein Selbst. Selbst Weltanschauungen können nur mit Erinnerungen arbeiten, die die Seele in sich aufspeichert, und können diese Erinnerungen dann in einen harmonischen oder logischen Zusammenhang bringen, sodass wir das, was die Seele im Alltagsleben als ihr Enderlebnis vor sich hat, als Erinnerung, als Gedächtnis auffassen können. Worauf beruht nun das Erinnern, das Gedächtnis? Nun, äußerlich betrachtet, können wir sagen, wenn Erlebnisse durchgemacht werden, wir bilden uns Vorstellungen, wir empfinden dieses oder jenes an den Erlebnissen. Dann bleibt uns ein Bild, das wird aufgespeichert in der Seele, und wenn wir lange über das Erlebnis hinausgekommen sind, wissen wir auf das Bild im inneren Erleben zurückzuschauen; das Erlebnis ist nicht da, sondern nur das innere Bild ist da, etwas ist da, was unsere Seele nur webt. Um diesem Bild, um dem Wesen des Gedächtnisses überhaupt uns nähern zu können, können wir nun Folgendes überlegen, ich kann es nur in groben Strichen, gleichsam mit Kohlestrichen anführen, was Sie dann in der Literatur der Geisteswissenschaft ausführlich verfolgen können.
[ 21 ] As we go about our daily lives, and as the soul develops the powers of imagination, feeling, and will—we arrive, in our everyday experience, at what is ultimately called memory. And anyone who reflects a little on memory knows what this memory means for the entire, cohesive being of the human person. We could not develop a sense of self if we did not recall, within that sense of self, the experiences we have gone through since a certain point in time after birth. Only because the stream of memories does not break off—because we know that it was we ourselves who lived through this stream—only through this are we an “I,” a self. Even worldviews can only work with memories that the soul stores within itself, and can then place these memories in a harmonious or logical context, so that we can perceive what the soul experiences in everyday life as its final experience—as a memory, as recollection. On what, then, is remembering—memory—based? Well, viewed from the outside, we can say that when we go through experiences, we form mental images; we feel this or that in response to the experiences. Then an image remains with us, which is stored in the soul, and even long after the experience has passed, we know how to look back upon that image in our inner experience; the experience itself is no longer there; only the inner image remains—something that our soul simply weaves. In order to approach this image—and the very essence of memory—we can now consider the following. I can only outline it in broad strokes, as it were, with charcoal sketches, which you can then explore in detail in the literature of spiritual science.
[ 22 ] Wenn wir diesem Gedächtnis nähertreten wollen, finden wir: In der ersten Zeit, die der Mensch durchlebt nach seiner Geburt, nachdem er die Welt betreten hat, da ist diese Erinnerung noch nicht lebendig. Diese Erinnerung tritt im zartesten Kindesalter erst auf; bis zu einem bestimmten Punkt des zarten Kindesalters erinnern wir uns später zurück. Was vorher ist, darüber muss uns berichtet werden von unserer Umgebung, aber wir erinnern uns nicht zurück. Worauf beruht denn das, dass wir uns zurückerinnern? Das beruht auf bestimmten Kräften, die die Seele anwenden kann, um die Bilder zu behalten, auf Kräften, die die Seele fähig machen, diese Bilder aufzuspeichern in sich. Diese Kräfte waren schon da, bevor die Erinnerung da war, sie waren schon unmittelbar nach der Geburt vorhanden, aber sie hatten da eine andere Aufgabe. Sie hatten die Aufgabe, noch zu arbeiten an den zarten Organen des Menschen, an dem Nervensystem und dem Gehirn des Menschen; an dem Nervensystem und Gehirn haben sie plastisch zu arbeiten. Sie waren da noch Bildekräfte des menschlichen Organismus, desjenigen, was gleichsam noch weich ist — grob gesprochen, aber es bedeutet eine Realität —, was erst so geformt werden muss, dass der Mensch dieser bestimmte Mensch ist. Das läuft als Bildekräfte noch in die leibliche Organisation hinein im zarten Kindesalter.
[ 22 ] If we wish to examine this memory more closely, we find that in the earliest period of a person’s life after birth, once they have entered the world, this memory is not yet active. This memory first emerges in early childhood; later on, we recall events up to a certain point in early childhood. What came before must be recounted to us by those around us, but we do not remember it ourselves. On what, then, does our ability to recall the past depend? It depends on certain powers that the soul can employ to retain images—powers that enable the soul to store these images within itself. These forces were already present before memory existed; they were already present immediately after birth, but they had a different task at that time. Their task was to continue working on the delicate organs of the human being—on the nervous system and the brain—and to shape them plastically. They were still formative forces of the human organism, of that which is, as it were, still soft—to put it crudely, but it describes a reality—which must first be shaped in such a way that the human being becomes this particular human being. These formative forces continue to flow into the physical organization during the tender years of childhood.
[ 23 ] Und wenn diese Organisation verhärtet ist — das ist wiederum bildlich gesprochen —, so weit verhärtet ist, dass diese Bildekräfte nicht mehr in das Leibliche hineinströmen können, dann wirkt das Leibliche so, dass diese Bildekräfte nicht in es hineinströmen, sondern von dem Leiblichen zurückgeworfen werden ins Seelische. Das Leibliche wirkt wie ein Spiegel. Und das, was wir dann seelisch erleben, besonders das, was in unseren Erinnerungen aufgespeichert wird, das sind Spiegelbilder, die von unserem Leibesleben zurückgeworfen werden. In Wahrheit erinnern wir uns deshalb, weil unser Leib ein Spiegelungsapparat ist. Das wird gerade die Naturwissenschaft voll einsehen, wenn sie auf ihren Wegen noch weitergehen wird, auf denen das alles angedeutet ist. Dann wird sie auch durchschauen die Widersprüche, die sie aufbringt, wenn solche Dinge vorgebracht werden. Wie wenn da an der Wand ein Spiegel nach dem andern hängen würde und wir gingen vorbei, so würden wir uns nur sehen, wenn wir eben vor den Spiegeln stehen. Der Spiegel wirft unser eigenes Bild zurück. So ist es mit unserem innerlich-seelischen Erleben. Der Leib ist ein Spiegelungsapparat; er wirft zurück, was die Seele erlebt. Die Seele erlebt dadurch selbst dasjenige, was früher im zartesten Kindesalter Bildekräfte waren, was verwendet wurde gleichsam, um den Spiegel erst aufzubauen.
[ 23 ] And when this organization has hardened—again, figuratively speaking—to the point where these formative forces can no longer flow into the physical body, then the physical body acts in such a way that these formative forces do not flow into it but are reflected back from the physical body into the soul. The physical body acts like a mirror. And what we then experience in our soul—especially what is stored in our memories—are mirror images reflected back from our physical life. In truth, we remember because our body is a mirroring apparatus. Natural science will come to fully understand this as it continues along the paths on which all this is already hinted at. Then it will also see through the contradictions it raises when such things are brought up. It is as if one mirror after another were hanging on the wall, and as we walked past, we would see ourselves only when we stood directly in front of the mirrors. The mirror reflects our own image back to us. So it is with our inner, soul-level experience. The body is a mirroring apparatus; it reflects back what the soul experiences. Through this, the soul itself experiences what were once formative forces in the earliest childhood—forces that were, as it were, used to construct the mirror in the first place.
[ 24 ] Eine weitere Stufe ist dann die: Denken Sie sich einmal etwa Folgendes — als Vergleich will ich es vor Sie hinstellen, aber es bedeutet etwas ganz Reales —, denken Sie sich, Sie stehen vor einem Spiegel, der gibt Ihnen die Möglichkeit an, sich zu sehen, das zu sehen, was Sie selbst als Lichtstrahl zum Spiegel senden. Sie sehen sich, weil der Spiegel Ihr leibliches Bild zurückwirft. So wirft Ihr Leib dasjenige, was in der Seele ist, zurück. Aber denken Sie nun, Sie bekämen — im Seelischen findet das statt —, Sie bekämen die Kräfte, den Spiegel nicht zu brauchen; so starke Kräfte würden Sie entwickeln, dass Sie gleichsam das, was sonst der Spiegel zurückwirft als Ihr eigenes Abbild, hinschauen würden in den Raum. Das aber geschieht durch die Seelenübungen, die ich anführte: Konzentration der Gedanken, Versenkung in den Willen, die Ergebung in die Weltenordnung, könnte man auch sagen.
[ 24 ] The next step is this: Imagine the following—I’m presenting it as a comparison, but it represents something very real—imagine that you are standing in front of a mirror, which allows you to see yourself, to see what you yourself send to the mirror as a beam of light. You see yourself because the mirror reflects your physical image. In the same way, your body reflects what is in the soul. But now imagine that you were to acquire—this takes place in the soul—the power to do without the mirror; you would develop such strong powers that you would, as it were, project into space what the mirror otherwise reflects as your own image. But this is achieved through the soul exercises I mentioned: concentration of thought, immersion in the will, and—one might also say—surrender to the order of the worlds.
[ 25 ] Dadurch werden die Seelenkräfte so verstärkt, dass das, was sonst zurückgeworfen wird vom Leibe, was wie ein Spiegelbild nur ist, als eigenes inneres, seelisches Erlebnis auftaucht, dass es durch die eigene Kraft der Seele selbst innerlich lebendig wird. Daher ist dasjenige, was der Geistesforscher innerlich erlebt, wenn er seine Seele abgetrennt hat vom Leibe, ein höher entwickeltes, ein tätiges Erinnerungswerk. Während wir im gewöhnlichen Leben es nur bis zur Erinnerung bringen, durch die wir angewiesen sind auf Spiegelung des Leibes, erhalten wir durch die angedeuteten Übungen nun die Fähigkeit, innere seelische Kräfte zu entwickeln, um unser seelisches Inneres aktiv tätig zu machen, sodass es eine innere Wirklichkeit gleichsam strahlend von sich aussendet.
[ 25 ] This strengthens the soul’s powers to such an extent that what is otherwise reflected back by the body—which is merely a mirror image—emerges as the soul’s own inner experience, coming to life within the soul through its own power. Therefore, what the spiritual researcher experiences inwardly when he has separated his soul from the body is a more highly developed, active process of recollection. While in ordinary life we manage only to reach the stage of memory—in which we are dependent on the body’s reflection—through the exercises described here we now acquire the ability to develop inner soul forces, to make our inner soul life actively operative, so that it radiates an inner reality, as it were, from within itself.
[ 26 ] Gelangt die Seele dahin, dass sie so ihre innerlichen Kräfte gleichsam erschafft, die Seele, in Wahrheit aber sie aus dem tiefsten Innern herausholt, dann wird sie aber merken, dass sie nicht nur diese Kräfte entfaltet, sondern dass mit der Entfaltung dieser Kräfte, mit dem Verschaffen gleichsam des inneren Spiegelbildes noch etwas anderes stattfindet, dass stattfindet, was wir nennen können: Wahrnehmen, unmittelbares Ergreifen einer geistigen Welt. Allerdings ist dieses Wahrnehmen ein ganz anderes als das Wahrnehmen der äußeren, sinnlichen Wirklichkeit. Wenn wir die äußerlich-sinnliche Wirklichkeit wahrnehmen, schauen wir auf die Gegenstände mit unseren Augen hin, wir hören hin auf die Töne mit den Ohren, greifen mit der Hand die äußeren Gegenstände an. Da ist der Gegenstand, dem wir uns nahen, der von außen auf uns wirkt, wenn aber das auflebt, wenn wir das entwickeln, was ich als innere Kräfte der Seele geschildert habe, was wirklich auflebt, sodass die Seele sich außerhalb des Leibes weiß in einem System von innerlichen Kräften, dann strömt in diese Kräfte hinein das, was geistige Wesenheit, geistige Wirklichkeit ist.
[ 26 ] When the soul reaches the point where it, as it were, creates its inner powers—though in truth it draws them forth from its deepest core—it will realize that it is not only unfolding these powers, but that along with the unfolding of these powers, along with the creation, as it were, of the inner reflection, something else takes place—something we might call: perception—the immediate grasping of a spiritual world. However, this perception is entirely different from the perception of external, sensory reality. When we perceive external, sensory reality, we look at objects with our eyes, listen to sounds with our ears, and touch external objects with our hands. There is the object we approach, which acts upon us from the outside; but when that comes to life—when we develop what I have described as the inner forces of the soul, what truly comes to life so that the soul knows itself to be outside the body within a system of inner forces—then what is spiritual essence, spiritual reality, flows into these forces.
[ 27 ] Ich will wiederum einen Vergleich gebrauchen: Wenn ich mit der Hand anfasse diese Ecke hier, durch sinnliche Wahrnehmung, so ist die Ecke außer mir; die Ecke berührt meine Hand von außen. So ist es nicht in der geistigen Wahrnehmung, sondern so, dass, wenn dies eine Seelenkraft wäre, was jetzt die Hand darstellt, wenn ich sie nicht wirken lasse, so strömt gleichsam von rückwärts in die Hand das Geistige ein. Während das Physische die Dinge berührt von außen her, berührt das Geistige nicht von außen her, strömt das Geistige in die Seelenkräfte ein, sodass wir ganz neue Begriffe uns aneignen müssen, wenn wir von diesem geistigen Erkennen und Wahrnehmen sprechen wollen. Die äußeren Dinge nehmen wir wahr; dass wir zum Geistigen in ein Verhältnis kommen, dazu ist notwendig, dass wir Kräfte entwickeln, in welche hineinströmt diese geistige Welt. Das heißt, wir müssen sagen: Wir erleben das Große, Gewaltige durch Seelenentwicklung, dass die geistige Welt uns wahrnimmt, dass wir etwas werden wie ein Gedanke, wie ein Willensimpuls höherer geistiger Wesenheiten, die unsichtbar, übersinnlich über uns stehen. Von diesen geistigen Wesenheiten, die unsichtbar, übersinnlich sind gegenüber den eben besprochenen Erkenntniskräften der Seele, muss der Geistesforscher so sprechen, wie der Naturforscher spricht von Mineral-, Pflanzen-, Tierreich, physischem Menschenreich als den vier Naturreichen, die außer uns sind. Und wie wir, wenn wir diesen Wesen der vier Reiche gegenüberstehen, sagen: Wir nehmen wahr, wir machen uns Gedanken von diesen Wesenheiten, sie sind draußen, und wir machen uns sinnliche Abbilder, so müssen wir sagen: Indem wir mit der Seele aus unserem Leib herausgehen, werden wir selbst — aber in einer viel höheren, in einer innerlichen Lebendigkeit und Wesenhaftigkeit —, werden wir selbst Gedanken, Empfindungen, Willensimpulse der höheren geistigen Wesenheiten; wir werden wahrgenommen, wir erleben uns wahrgenommen durch die höheren geistigen Wesenheiten.
[ 27 ] Let me use another analogy: When I touch this corner here with my hand, through sensory perception, the corner is outside of me; the corner touches my hand from the outside. It is not like that in spiritual perception; rather, if this were a power of the soul—which the hand now represents—and if I did not allow it to act, then the spiritual would, as it were, flow into the hand from behind. While the physical touches things from the outside, the spiritual does not touch from the outside; rather, the spiritual flows into the powers of the soul, so that we must adopt entirely new concepts if we wish to speak of this spiritual cognition and perception. We perceive external things; in order to enter into a relationship with the spiritual, it is necessary that we develop powers into which this spiritual world flows. That is to say, we must say: We experience the great and mighty through the development of the soul—that the spiritual world perceives us, that we become something like a thought, like a volitional impulse of higher spiritual beings who stand above us, invisible and supersensible. Of these spiritual beings—who are invisible and supersensible in relation to the soul’s powers of cognition just discussed—the spiritual researcher must speak in the same way that the natural scientist speaks of the mineral, plant, and animal kingdoms, and the physical human kingdom, as the four kingdoms of nature that exist outside of us. And just as we, when we encounter the beings of these four kingdoms, say: We perceive these beings, we form concepts of them; they are outside of us, and we create sensory images of them—so we must say: As we step out of our bodies with our soul, we ourselves—but in a much higher, inner vitality and essential nature—become the thoughts, feelings, and impulses of will of the higher spiritual beings; we are perceived; we experience ourselves being perceived by the higher spiritual beings.
[ 28 ] Daraus ersehen Sie, sehr verehrte Anwesende, dass derjenige, der herantritt an die Frage: «Was ist am Menschenwesen unsterblich?», dass der nicht so sich zu der Frage stellen kann, wie sich so häufig die Menschen heute noch dazu stellen. Sie kommen an eine solche Frage heran und sagen: Nun, ich habe diesen oder jenen Begriff mir angeeignet. Wie kann man mir die Unsterblichkeit der Seele beweisen?
[ 28 ] From this, esteemed audience, you can see that anyone who approaches the question, “What is immortal in the human being?” cannot approach it in the way that people still so often do today. They approach such a question and say: Well, I have adopted this or that concept. How can anyone prove to me the immortality of the soul?
[ 29 ] Ja, mit diesen Begriffen, die man sich angeeignet hat im äußeren Leben und in der Wissenschaft, die man heute so nennt, kann man das nicht beweisen; denn diese Begriffe beziehen sich auf das, was die Seele im Alltagsleben erlebt und was nur ein inneres Spiegelbild ist. Ebenso wenig wie das Spiegelbild bleibt, wenn der Spiegel nicht mehr da ist, bleibt dasjenige, was die Seele im Alltagsleben denkt, fühlt und will, weil es nur ein Spiegelbild des Leibes ist; selbst die Erinnerung, in der das aufgespeichert wird, ist ein Spiegelbild der Seele. Wer aus Denken, Fühlen und Wollen die Unsterblichkeit der Seele beweisen will, der ist auf dem Wege wie einer, der das Bleibende des Spiegelbildes beweisen will aus dem Bilde im Spiegel. Alles das, was das Spiegelbild ist, muss eben dem Naturforscher zugegeben werden, und etwas anderes liegt ihm nicht vor. Alles dasjenige, was man im gewöhnlichen Leben «Seele» nennt, geht nicht durch die Pforte des Todes hindurch, aber darin ist etwas enthalten, in der Seele ist etwas enthalten — denn das, was Geisteswissenschaft heraufholt, ist in der Seele enthalten —, was durch die Pforte des Todes geht, und so durch die Pforte des Todes geht, dass es in Begriffen, in Ideen nur erfasst werden kann, die man gar nicht hat, wenn man sie nicht erst entwickelt.
[ 29 ] Yes, one cannot prove this using the concepts one has acquired in external life and in what is today called “science”; for these concepts refer to what the soul experiences in everyday life, which is merely an inner reflection. Just as the reflection does not remain when the mirror is no longer there, so too does what the soul thinks, feels, and wills in everyday life not remain, because it is merely a reflection of the body; even the memory in which this is stored is a reflection of the soul. Anyone who seeks to prove the immortality of the soul through thinking, feeling, and willing is on the same path as one who seeks to prove the permanence of the reflection from the image in the mirror. The natural scientist must be granted everything that constitutes the reflection, and nothing else is available to him. Everything that is commonly called the “soul” in everyday life does not pass through the gate of death, but there is something contained within it—there is something contained within the soul—for what spiritual science brings to light is contained within the soul—that passes through the gate of death, and does so in such a way that it can be grasped only in concepts and ideas that one does not possess at all unless one first develops them.
[ 30 ] Während man für das gewöhnliche Erleben sagen muss, die Menschenseele nehme wahr, muss man für das geistige Erleben sagen: Die Seele wird wahrgenommen von höheren Wesen. Während man im sinnlichen Erleben selbst wahrnimmt, muss man für das geistige Erleben sagen: Nach dem Tode wird der Mensch hingenommen von den höheren geistigen Wesenheiten. Wenn der Mensch seine Gedanken von den äußeren Naturdingen einverleibt seiner Seele, so verleibt sich ihm ein diejenige Wesenheit, die übersinnlich über ihm waltet; er wird gedacht, er wird fortgetragen in die geistige Welt hinein. Deshalb kann man so schwer die Frage beantworten: «Was ist am Menschenwesen unsterblich?», wenn man sie mit den gewöhnlichen Begriffen des Tages beantworten will, die gar nicht auf sie passen.
[ 30 ] While in ordinary experience one must say that the human soul perceives, in spiritual experience one must say: The soul is perceived by higher beings. While in sensory experience one perceives oneself, in spiritual experience one must say: After death, the human being is received by the higher spiritual beings. When a human being incorporates thoughts of external natural objects into his soul, the being that reigns supersensibly over him incorporates himself into the human being; he is thought of, he is carried away into the spiritual world. This is why it is so difficult to answer the question, “What is immortal in the human being?” if one tries to answer it using the ordinary, everyday concepts that do not apply to it at all.
[ 31 ] Und alle Philosophen, welche versucht haben, der Unsterblichkeit der Menschenseele sich zu nähern, sich die Frage nach der Unsterblichkeit der Seele zu beantworten, sind doch immer wieder darauf gekommen, zu sagen: Da muss irgendetwas feines Substanzielles sein, was da über den Tod hinausgeht. Wir haben gesehen, sehr verehrte Anwesende, dass von dem Substanziellen gar nichts bleibt, dass aber das, was die Seele an Kräften hat, selbst ein höher entwickeltes Erinnerungsleben ist, dass es ein Wahrgenommenwerden, ein Geborgenwerden in der geistigen Welt ist. Sie wissen alle, dass solche Prozesse im Sinnenleben sogar schon ihre Sinnbilder, ihre Analogien haben. Wenn man eine Billardkugel gegen eine andere stößt, so sagt der Physiker: In die zweite Kugel geht der Bewegungszustand der ersten hinüber. Was ist hinübergegangen von einer Kugel zur anderen? Nicht die Substanz von der ersten ist in die zweite hinübergegangen, sondern nur die Kraft geht hinüber.
[ 31 ] And all philosophers who have attempted to approach the immortality of the human soul—to answer the question of the soul’s immortality—have time and again come to the conclusion that there must be some subtle, substantial entity that transcends death. We have seen, distinguished audience, that nothing of the substantial remains at all, but that the soul’s powers are themselves a higher form of memory, that they consist of being perceived and finding a sense of security in the spiritual world. You all know that such processes even have their symbols and analogies in sensory life. When one billiard ball is struck against another, the physicist says: The state of motion of the first ball is transferred to the second. What has been transferred from one ball to the other? It is not the substance of the first ball that has been transferred to the second, but only the force.
[ 32 ] Diejenigen, die über die Unsterblichkeit der Seele gedacht haben, haben immer gedacht wie über etwas, was im gewöhnlichen Leben ist und durch die Pforte des Todes geht; während man das, was durch die Pforte des Todes geht, eben erst suchen muss, denn es liegt so tief verborgen in der Seele, dass es gar nicht beachtet wird, dass die Aufmerksamkeit im gewöhnlichen Leben nicht darauf gerichtet ist; aber es ist eben doch da. Und wenn derjenige, der so wirklich, gleichsam chemisch, abtrennt das Geistig-Seelische vom Leiblichen, wenn er dieses GeistigSeelische dann erlebt, wie es geborgen wird in einer über ihm stehenden, übersinnlichen Welt von geistigen Wesenheiten, dann weiß er auch, dass er in diesem, sich im gewöhnlichen Leben Verbergenden der Seele — so wie der Wasserstoff im Wasser verborgen ist —, dass er in dem etwas hat, was ganz im Geheimen arbeitet, sozusagen zwischen den Zeilen des Lebens; was so die feinsten Kräfte der Seele, der Erfahrung, der moralischen Fähigkeiten des Menschen in sich aufnimmt, wie der kleine Pflanzenkeim aufnimmt aus der ganzen Pflanze die Kräfte, um sie zu konzentrieren. Und nach dem Abwelken, nachdem die Blätter abwelken und die Blüte erstirbt, die Pflanze als kleinen Keim hinüberträgt das, was in der vorigen Pflanze gelebt hat, hinüberträgt in die folgende Pflanze das, was die Pflanze als Keim hinübergerettet hat — so ist es in der Menschenseele. Wenn man sie herausdestilliert so, so merkt man: Unablässig arbeitet in jedem Augenblick des Lebens, wachend und schlafend, diese Menschenseele in den Untergründen des alltäglichen Lebens, arbeitet heraus alles das, was wir uns an Fähigkeiten aneignen, wird durchdrungen, tief durchdrungen von dem, was sie getan hat an Unrecht und Recht, Schön und Hässlich; das trägt sie in sich, wie der Pflanzenkeim in sich trägt den Keim der ganzen neuen Pflanze.
[ 32 ] Those who have reflected on the immortality of the soul have always thought of it as something that exists in ordinary life and passes through the gate of death; whereas what passes through the gate of death is precisely what one must first seek, for it lies so deeply hidden within the soul that it goes entirely unnoticed—attention in ordinary life is not directed toward it; yet it is indeed there. And when the person who so truly—as it were, chemically—separates the spiritual-soul aspect from the physical body, when he then experiences this spiritual-soul aspect as it is sheltered in a supersensible world of spiritual beings that stands above him, then he also knows that in this aspect of the soul, which is hidden in ordinary life — just as hydrogen is hidden in water — that he possesses something that works entirely in secret, so to speak, between the lines of life; something that takes in the finest forces of the soul, of experience, and of a person’s moral capacities, just as the tiny plant seed takes in the forces from the entire plant in order to concentrate them. And after withering—after the leaves wither and the flower dies—the plant, as a small seed, carries over what lived in the previous plant; it carries over into the next plant what the plant has preserved as a seed—so it is in the human soul. If one distills it out in this way, one realizes: In every moment of life, whether awake or asleep, this human soul works ceaselessly in the depths of everyday life, working out all the abilities we acquire; it is permeated, deeply permeated by what it has done—right and wrong, beautiful and ugly; it carries this within itself, just as a plant seed carries within itself the seed of the entire new plant.
[ 33 ] Und dann weiß man, dass das so verborgen in der Seele Lebende ein Leben durchmacht zwischen Tod und neuer Geburt und wiederum zurückkehrt zum Erdenleben. In dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt sammelt aus einer geistigen Welt heraus dann der Mensch diejenigen Kräfte, die aber Bildekräfte werden, sodass er sich durch eine neue Geburt vereinigen kann mit dem, was ihm gegeben wird von Vater und Mutter, von der Vorfahrenreihe, [um], wenn es soweit erstarrt ist, dass es spiegeln kann, ihm ein neues inneres Seelenleben zu geben. So durchlebt die Menschenseele nicht ein Erdenleben, sondern aufeinanderfolgende Erdenleben.
[ 33 ] And then one knows that what lives so hidden within the soul undergoes a life between death and new birth and returns once more to earthly life. In this life between death and new birth, the human being gathers from the spiritual world those forces that become formative forces, so that through a new birth he can unite with what is given to him by his father and mother, by the line of ancestors, [in order]—once it has solidified to the point where it can reflect—to give him a new inner soul life. Thus, the human soul does not experience a single earthly life, but rather successive earthly lives.
[ 34 ] So ist das vollständige Erdenleben bestehend aus einer Folge von Leben, die verlaufen zwischen Geburt und Tod, und vom Leben zwischen Tod und neuer Geburt, die länger sind als die Erdenleben, wo die Seele in rein geistigen Sphären weilt, wo sie dort tätig, beschäftigt ist, wo sie ebenso zusammengewachsen ist mit der geistigen Welt wie hier mit der physischen Welt. Dies, dass die Menschenseele in ihrem Universellen wiederholte Erdenleben durchlebt, dass jedes folgende Erdenleben dann Wirkung von früheren Erdenleben ist, das ist dasjenige, was die Geisteswissenschaft allmählich der geistigen Menschheitskultur einverleiben wird, so wie einverleibt worden ist der äußeren Kultur das, was die kopernikanische Weltanschauung ist. Gewiss, es ist heute wirklich noch so, dass der Mensch oft sagt: Ja, was du mir da erzählst, widerspricht ja dem, was die fünf Sinne für wahr halten! Ja nun, der Mensch hat sogar ganz anderes erfahren müssen, was seinen fünf Sinnen widerspricht. Der Mensch hat durch Jahrtausende geglaubt nach seinen fünf Sinnen, dass sich die Sonne und der Sternenhimmel bewege um die Erde. Dass es umgekehrt ist, dass sich die Erde bewegt um die Sonne, das hat er glauben müssen trotz des Widerspruches gegen die fünf Sinne. So wird das, was jetzt den fünf Sinnen widersprechen muss, dass der Mensch durch wiederholte Erdenleben geht, ebenso in die Denkgewohnheiten der Menschen hineingehen. Dann aber wird der Mensch aus einer wirklichen Wissenschaft heraus sprechen von dem, was am Menschenwesen unsterblich ist. Er wird dieses Unsterbliche suchen gewissermaßen zwischen den Zeilen der gewöhnlichen Erlebnisse, wird in sich wissen ein innerlich arbeitendes Wesen, welches geborgen ist in einer geistigen Welt, wie sich denkend birgt die sinnliche Außenwelt in unseren Vorstellungen und Gedanken und Empfindungen. Dann wird sich der Mensch verbunden wissen mit seinem Ewigen, seinem Unsterblichen, verbunden wissen mit der geistigen Welt. Solches steht der Menschheitsentwicklung bevor. Und wir dürfen uns wirklich daran erinnern in dieser unserer Zeit, in der Zeit der schweren, aber auch glorreichen Prüfungen, wir dürfen uns erinnern, wie gerade deutsches Geistesleben — Sie werden es nicht ungereimt empfinden, wenn ich dieses in dem letzten Teil meiner Auseinandersetzungen erwähne —, wie gerade deutsches Geistesleben seit Langem hinarbeitet, eine solche Wissenschaft zu gewinnen.
[ 34 ] Thus, the complete earthly life consists of a succession of lives that unfold between birth and death, and of the life between death and a new birth, which is longer than the earthly lives—a time when the soul dwells in purely spiritual spheres, where it is active and engaged, and where it has become just as intertwined with the spiritual world as it is here with the physical world. The fact that the human soul, in its universal nature, experiences repeated earthly lives, and that each subsequent earthly life is the result of earlier ones—this is what spiritual science will gradually incorporate into humanity’s spiritual culture, just as the Copernican worldview has been incorporated into external culture. Certainly, it is still very much the case today that people often say: “Yes, but what you’re telling me contradicts what my five senses hold to be true!” Well, people have even had to experience something entirely different that contradicts their five senses. For millennia, people believed—based on their five senses—that the sun and the starry sky revolved around the Earth. That the opposite is true—that the Earth moves around the Sun—is what they had to believe despite the contradiction with their five senses. Thus, what must now contradict the five senses—namely, that human beings go through repeated earthly lives—will likewise become part of people’s habits of thought. But then human beings will speak, based on true science, of what is immortal in the human being. They will seek this immortality, so to speak, between the lines of ordinary experiences; they will know within themselves an inner, active being that is sheltered in a spiritual world, just as the sensory outer world is sheltered in our ideas, thoughts, and feelings. Then human beings will know themselves to be connected to their eternal, their immortal self, and to the spiritual world. Such things lie ahead for the development of humanity. And we may truly remember this in our own time—a time of difficult yet glorious trials—we may remember how German spiritual life in particular—you will not find it incongruous if I mention this in the final part of my remarks—how German spiritual life in particular has long been striving to attain such a science.
[ 35 ] Wir brauchen uns nur zu erinnern an Lessing, den großen Bannerträger des neueren deutschen Geisteslebens, was er in seiner Seele versammelt hat an ihn und die Menschheit aufklärenden Gedanken. Er hat es wie in einem Lebenstestament zusammengefasst in seiner so wunderschönen Schrift «Die Erziehung des Menschengeschlechts». Freilich, viele Menschen, besonders die ganz gescheiten, sagen heute: Nun ja, der Lessing! Sein ganzes Leben hat er ja vieles geschrieben und vieles gesagt, dann ist er alt geworden, seine Geisteskraft wurde schwach, dann hat er auch solch vertracktes Zeug geschrieben, wo er auch so etwas durchgefochten hat wie die Lehre von den wiederholten Erdenleben, von Zwischenleben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt in der geistigen Welt! Für eine verschrobene Idee halten es die Menschen, und sie verzeihen es den großen Geistern, wenn sie auch einmal zu solch vertrackten Ideen kommen, die man im gewöhnlichen Leben nicht als solche ansieht, die man mit den fünf Sinnen erfassen kann. Aber Lessing hat sehr bedeutsam am Schlusse des Werkes gesagt: Es hat ja immer in den ältesten Zeiten Menschen gegeben, aus altem Hellsehen heraus, aus alten, durch gewisse Kräfte den geistigen Weltenkräften noch näher stehenden Fähigkeiten der Menschenseele heraus, haben die Menschen in Urzeiten etwas gewusst von den wiederholten Erdenleben. Und Lessing sagt: Soll denn das, worauf die Menschenseele gekommen ist durch ursprüngliche Kräfte, was sie geleistet hat, bevor sie durch die Sophistereien der Schule verdorben war, soll das, gerade das unwahr sein?
[ 35 ] We need only recall Lessing, the great standard-bearer of modern German intellectual life, and all the thoughts he gathered in his soul—thoughts that enlightened both him and humanity. He summarized them, as if in a testament to his life, in his exquisite work *The Education of the Human Race*. Of course, many people today—especially the very intelligent ones—say: “Well, Lessing!” He wrote and said so much throughout his life; then he grew old, his mental powers waned, and he ended up writing such convoluted stuff, in which he even grappled with concepts like the doctrine of repeated earthly lives and the intermediate states between death and a new birth in the spiritual world! People consider it a quirky idea, and they forgive great minds when they too occasionally arrive at such convoluted ideas—ideas that, in ordinary life, are not regarded as such and cannot be grasped by the five senses. But Lessing made a very significant statement at the end of the work: There have, after all, always been people in the most ancient times who, through ancient clairvoyance—through ancient abilities of the human soul that, by certain powers, were even closer to the spiritual forces of the world—knew something in primeval times about repeated earthly lives. And Lessing says: “Should that which the human soul attained through its original powers—what it accomplished before it was corrupted by the sophistry of the school—should that, precisely that, be untrue?”
[ 36 ] Recht hat Lessing gehabt. Geisteswissenschaft wird der Menschheit zeigen, dass das, was gewissermaßen auf einer primitiven Stufe der Entwicklung da war, auf der höchsten Stufe einer wirklich herausgebildeten wissenschaftlichen Erkenntnis kommen wird, wenn allerdings die Wissenschaft so weit sein wird, dass sie nicht nur äußerlich handgreifliche Methoden, die mit den fünf Sinnen erfasst werden können, zu ihren Hilfsmitteln wählt; sondern wenn sie als solche Methoden geistig-seelische Experimente gelten lässt — was eben geschildert worden ist als eine Art geistiger Chemie. Und gerade das deutsche Geistesleben ist es, welches auf diese Intimität des Seelenlebens ja immer hingewiesen hat, durch welche die Seele über sich hinauskommt in ein höheres Empfindungsleben, das kein bloßes Erinnerungsleben ist, sondern ein Eintauchen in die geistige Wirklichkeit ist. Ein höheres Gedankenleben, ein höheres Gefühlsleben, ein höheres Willensleben. Dass die Seele also ihre Kräfte verstärkt und also aus ihrem Leibe herauskommen kann, dieses zu erreichen, dahin hat das deutsche Geistesleben von jeher gestrebt; und das gehört zu den Keimen des deutschen Geisteslebens, auf die ich gestern hingewiesen habe, die noch aufgehen müssen als Blüten und Früchte dieses deutschen Geisteslebens.
[ 36 ] Lessing was right. The humanities will show humanity that what existed, so to speak, at a primitive stage of development will emerge at the highest level of truly mature scientific knowledge—provided, of course, that science has advanced to the point where it does not limit itself to outwardly tangible methods that can be grasped by the five senses; but when it accepts as such methods experiments of the mind and soul—which has just been described as a kind of spiritual chemistry. And it is precisely German spiritual life that has always pointed to this intimacy of the soul’s life, through which the soul transcends itself into a higher life of feeling that is not merely a life of memory, but an immersion into spiritual reality. A higher life of thought, a higher life of feeling, a higher life of will. That the soul may thus strengthen its powers and thereby emerge from its body—this is what German spiritual life has always striven to achieve; and this belongs to the seeds of German spiritual life to which I referred yesterday, which have yet to blossom and bear fruit as the flowers and fruits of this German spiritual life.
[ 37 ] Wir sehen ja, wie ganz merkwürdig verinnerlichte deutsche Geister wie zum Beispiel der ganz wunderbare Novalis, wie diese deutschen Geister immer wieder und wiederum durch die innere lebendige Betrachtung, das betrachtende Erleben ihres Seelischen, erfassen dieses Seelischen und es in unmittelbarem Anschauen so bekommen, dass sie wissen: Das geht als Unsterbliches der Seele durch die Pforte des Todes hindurch; und wie sie dann zu Begriffen kommen, die für das gewöhnliche Erleben närrische Begriffe sind, die aber, weil sie für das gewöhnliche Erleben nicht passen, gerade passen für ein Erleben, das über das gewöhnliche Erleben hinausgeht. Derjenige, der finden will in der Geisteswissenschaft nur die gewöhnlichen Begriffe, der kann nicht dazu kommen. Es erfordert diese Geisteswissenschaft eine innere Beweglichkeit, eine Elastizität des Geistes, sodass man zu neuen Begriffen kommen kann. Die meisten Menschen möchten sich das ersparen aus innerer Bequemlichkeit. Sie glauben, die geistige Welt müsse sein etwas wie eine feinere Kopie der sinnlichen Welt; sie stellen sich die geistige Welt wiederum materiell vor, substanziell vor. Wenn man aber die Welt geistig erlebt, bleibt nichts ihr Gewohntes in ihr; dagegen erwacht etwas ganz Neues, was man noch nicht gekannt hat, womit man aber seine Seele bereichern muss, um in sich zu erleben, was in der Menschenseele unsterblich ist.
[ 37 ] We see, after all, how remarkably introspective German minds—such as the truly wonderful Novalis, for example—how these German minds, time and again through inner, living contemplation, through the contemplative experience of their soul life, grasp this soul life and perceive it in such a direct way that they know: This passes through the gate of death as the immortality of the soul; and how they then arrive at concepts that are foolish to ordinary experience, but which, precisely because they do not fit ordinary experience, are well-suited to an experience that transcends ordinary experience. Anyone who seeks only ordinary concepts in spiritual science cannot attain this. This spiritual science requires an inner flexibility, an elasticity of the mind, so that one can arrive at new concepts. Most people would like to spare themselves this out of inner complacency. They believe the spiritual world must be something like a finer copy of the sensory world; they, in turn, imagine the spiritual world as material, as substantial. But when one experiences the world spiritually, nothing of the familiar remains in it; instead, something entirely new awakens—something one has not yet known—but with which one must enrich one’s soul in order to experience within oneself what is immortal in the human soul.
[ 38 ] Indem also von der geistigen Welt, der die Seele im Unsterblichen angehört, solche Menschen reden, müssen sie erst die Worte, die Begriffe formen. Daher war es auch, warum ich gewissermaßen Sie bei dem heutigen Vortrag um Entschuldigung bitten muss. Bei einem solchen Vortrag, wo man von der geistigen Welt spricht, in Worten, die für das gewöhnliche Leben geprägt sind, muss man mit den Worten ringen. Man muss beanspruchen, dass man, wenn man Worte formuliert, die aus den gewöhnlichen Worten herausgehen, zu Worten greift, die unbequem sind für den, der am Gewöhnlichen haften will. Man erlebt immer wiederum, dass Kritiker kommen, die sagen: Das was du gesagt hast, das gibt es ja gar nicht. Ich weiß das. Ich weiß, nun ja, gewiss, die Herren wissen ja viel, unendlich viel, aber wenn sie ihre alten Begriffe anwenden auf das, was ganz neue Begriffe haben muss, dann kann ihre Kritik nicht passen zu dem, was sie charakterisieren wollen. Aber wir haben im deutschen Geistesleben Geister — Novalis ist einer von diesen —, die zu sprechen wissen in einer Sprache, die zwar die deutsche Sprache ist, aber doch wie etwas ist, wie ein wunderbar lebendiger Extrakt, der herausdestilliert wird aus der deutschen Sprache, um etwas zu zeigen, was so real ist wie die Sinneswelt, was die Realität ist, in die die Seele geht, wenn sie durch die Pforte des Todes schreitet. Was solche Menschen sprechen, es kann schon wirken auf die, die dafür empfänglich sind.
[ 38 ] So when such people speak of the spiritual world—to which the soul belongs in its immortal state—they must first formulate the words and concepts. That is also why I must, so to speak, ask for your forgiveness regarding today’s lecture. In a lecture like this, where one speaks of the spiritual world using words shaped by ordinary life, one must wrestle with the words. One must accept that when formulating words that go beyond the ordinary, one resorts to words that are uncomfortable for those who wish to cling to the ordinary. Time and again, one finds that critics come along who say: “What you’ve said doesn’t even exist.” I know that. I know—well, certainly, these gentlemen know a great deal, an infinite amount—but when they apply their old concepts to what must be described in entirely new terms, then their criticism cannot fit what they are trying to characterize. But we have, in German intellectual life, minds — Novalis is one of them — who know how to speak in a language that, while it is the German language, is nonetheless like a wonderfully vivid essence distilled from the German language to reveal something as real as the sensory world—the reality into which the soul enters when it passes through the gate of death. What such people say can indeed have an effect on those who are receptive to it.
[ 39 ] Und nun will ich Ihnen ein merkwürdiges Beispiel geben; es ist zu schön, als dass ich es Ihnen vorenthalte, wie Novalis gewirkt hat. Ich suche absichtlich, Ihnen seine Wirkung auf einen belgisch-französischen DichterPhilosophen anzuführen, einen belgisch-französischen Dichter-Philosophen, der Novalis studiert hat, der sich mit seiner Seele, wie er vorgibt, ganz vertieft hat in diesen Novalis, der einen Eindruck bekommen hat, den er in der folgenden Weise schildert.
[ 39 ] And now I would like to give you a remarkable example; it is too wonderful for me to withhold from you—it shows the influence Novalis had. I am deliberately seeking to illustrate his influence on a Belgian-French poet-philosopher—a Belgian-French poet-philosopher who studied Novalis, who, as he claims, immersed himself completely in Novalis with his soul, and who formed an impression that he describes as follows.
[ 40 ] Ich muss sagen, bevor ich das vorbringe, dass ja ein anderer vielleicht, Sie werden gleich hören, dass ja ein anderer belgisch-französischer Dichter-Philosoph, Maurice Maeterlinck, gleich nach Kriegsausbruch und immer wieder und wiederum über die deutschen «Barbaren» besondere Schmähworte gefunden hat, über diese «barbarische Kultur» losgezogen ist in ungeheurer Weise. Das ist Maurice Maeterlinck, für dessen Bekanntwerden in der Welt allerdings das deutsche Geistesleben mehr getan hat als das französische. Nun, aber Dankbarkeit braucht in der heutigen Zeit nicht gefordert zu werden. Er hat wirklich recht sehr diese deutschen «Barbaren» beschimpft und geschmäht nach dem Muster der andern, die ich gestern angeführt habe.
[ 40 ] I must say, before I bring this up, that perhaps another—as you will hear in a moment—another Belgian-French poet-philosopher, Maurice Maeterlinck, immediately after the outbreak of the war and time and again thereafter, found particularly scathing words to describe the German “barbarians” and lashed out against this “barbaric culture” in an outrageous manner. This is Maurice Maeterlinck, though German intellectual life did more than French intellectual life to make him known to the world. Well, but gratitude need not be demanded in this day and age. He really did revile and denounce these German “barbarians” quite severely, following the pattern of the others I mentioned yesterday.
[ 41 ] Dagegen gibt es einen andern belgisch-französischen Dichter-Philosophen, der hat Novalis, einen der deutschesten der deutschen Dichter-Philosophen, mit alledem, was er zu sagen hat über das, was am Menschenwesen unsterblich ist, auf sich wirken lassen, und er erzählt dann von dieser Wirkung. Er kann nicht anders als sagen: Wenn man so Sophokles, Shakespeare liest, wenn man sieht, was die Figuren des Sophokles, was die Personen des Shakespeare, was Hamlet sogar erleben, so ist das durchaus irdisches Geschehen, was diese Personen handeln und erleiden; es interessiert nur den Erdenmenschen. Aber, so meint der belgisch-französische Dichter-Philosoph, wenn ein Geist von einem andern Planeten oder ein englisches Wesen — verzeihen Sie den Ausdruck, ich meine ein Wesen, das ein Engel ist, so meint ja der belgisch-französische Dichter; man kann sich dabei nicht auf Goethes Wort im «Faust», das etwas zweideutig ist [berufen]: «Sie lispeln englisch, wenn sie lügen», das sei in Parenthese eingefügt —, dieser belgischfranzösische Dichter-Philosoph sagt: Wenn ein Geist aus anderen Welten heruntersteigen würde, so würde er sich nicht interessieren können für das, was die Personen des Sophokles und Shakespeare erleben; das sind doch nur Erdenangelegenheiten.
[ 41 ] In contrast, there is another Belgian-French poet-philosopher who has allowed Novalis—one of the most “German” of the German poet-philosophers—to influence him with everything he has to say about what is immortal in human nature, and he then describes the effect this has had on him. He cannot help but say: When one reads Sophocles or Shakespeare, when one sees what Sophocles’ characters, what Shakespeare’s characters, and even what Hamlet experience, what these characters do and suffer is entirely earthly; it is of interest only to earthly human beings. But, according to the Belgian-French poet-philosopher, if a spirit from another planet or an English being—forgive the expression; I mean a being that is an angel, as the Belgian-French poet puts it—one cannot rely on Goethe’s words in *Faust*, which are somewhat ambiguous: “They lisp in English when they lie”—that is inserted in parentheses—this Belgian-French poet-philosopher says: If a spirit were to descend from other worlds, it could not be interested in what the characters of Sophocles and Shakespeare experience; after all, those are merely earthly matters.
[ 42 ] Aber in Novalis findet dieser belgisch-französische Dichter-Philosoph eine Seele, welche etwas zu erleben hat, etwas zu sagen hat, was selbst interessieren würde Geister, die einmal vom Weltenall heruntersteigen würden, um der Erde einen Besuch abzustatten; weil Novalis vom Ewigen der Menschenseele redet, was nicht bloß interessieren muss die Menschenseelen, insoferne sie im Leibe leben, sondern interessieren muss das, was der ganzen außerirdischen Welt auch angehört. Und in schönen Worten spricht dieser belgisch-französische Dichter-Philosoph von dem, was er an Novalis, dem deutschen Dichter-Philosophen, erlebt hat:
[ 42 ] But in Novalis, this Belgian-French poet-philosopher finds a soul that has something to experience, something to say—something that would even interest spirits who might one day descend from the cosmos to pay a visit to Earth; because Novalis speaks of the eternal nature of the human soul, which must interest not only human souls insofar as they live within the body, but must also interest that which belongs to the entire extraterrestrial world. And in beautiful words, this Belgian-French poet-philosopher speaks of what he experienced in Novalis, the German poet-philosopher:
Wenn er aber anderer Beweise bedürfte, so würde sie ihn unter die führen, deren Werke fast ans Schweigen rühren.
But if he needed further proof, she would count him among those whose works border on silence.
[ 43 ] Er meint, die gewöhnliche Sprache des Tages ist ja für das, was zeitlich vergänglich ist, was aber unsterblich ist, man könnte sagen, dass man eigentlich schweigen müsse darüber oder eine andere Sprache finden müsse.
[ 43 ] He believes that everyday language is meant for what is fleeting in time, but when it comes to what is immortal, one might say that one must actually remain silent about it or find a different language.
Sie würde die Pforte des Reiches öffnen, wo einige sie um ihrer selbst willen liebten, ohne sich um die kleinen Gebärden ihres Körpers zu bekümmern. Sie würden zusammen auf die einsamen Hochflächen steigen, wo das Bewusstsein sich um [eine Stufe erhebt] und wo alle, welche die Unruhe über sich selbst [erfüllt], aufmerksam den ungeheuren Ring umschweifen, der die Erscheinungswelt mit unseren höheren Welten verknüpft. Sie würde mit ihm zu den Grenzen der Menschheit gehen; denn an dem Punkte, wo der Mensch zu enden scheint, fängt er wahrscheinlich erst an, und seine wesentlichsten und unerschöpflichsten Teile befinden sich nur im Unsichtbaren, wo er unaufhörlich auf seiner Hut sein muss. Auf diesen Höhen allein gibt es Gedanken, welche die Seele billigen kann, und Vorstellungen, die ihr ähneln und die so gebieterisch sind wie sie selbst. Dort hat die Menschheit einen Augenblick geherrscht, und diese schwach erleuchteten Spitzen sind vielleicht die einzigen Lichter, welche die Erde im Geisterreiche ankündigen. Ihr Widerschein hat fürwahr die Farbe unserer Seele. Wir empfinden, dass die Leidenschaften des Geistes und des Körpers in den Augen einer fremden Vernunft den Klagen von Glocken gleichen würden; aber die Menschen, von denen ich rede, sind in ihren Werken aus dem kleinen Dorfe der Leidenschaften herausgekommen und haben Dinge gesagt, die auch denen von Wert sind, die nicht zur irdischen Gemeinde zählen.
She would open the gates of the realm where some loved her for her own sake, without concerning themselves with the subtle gestures of her body. Together they would ascend to the lonely highlands, where consciousness rises [to a higher level] and where all those [filled] with restlessness about themselves attentively survey the immense ring that links the world of phenomena with our higher worlds. She would go with him to the very limits of humanity; for at the point where man seems to end, he probably only begins, and his most essential and inexhaustible parts lie only in the unseen, where he must be constantly on guard. Only at these heights are there thoughts that the soul can approve of, and ideas that resemble it and are as commanding as the soul itself. There, humanity reigned for a moment, and these dimly lit peaks are perhaps the only lights that herald the Earth in the spiritual realm. Their reflection truly bears the color of our soul. We sense that the passions of the mind and the body would resemble the tolling of bells in the eyes of an alien reason; but the people of whom I speak have, in their works, emerged from the small village of passions and have spoken words that are of value even to those who do not belong to the earthly community.
[ 44 ] Solche Worte spricht der belgisch-französische DichterPhilosoph. Würde der nicht, wenn er jetzt Maurice Maeterlinck hört, wie der über die «Barbaren» schimpft, [was aus dem «Barbarentum»] hervorgegangen ist, worüber der belgisch-französische Dichter-Philosoph so spricht, wie ich Ihnen vorgelesen habe, würde er einem Maurice Maeterlinck nicht sagen:
[ 44 ] Such are the words of the Belgian-French poet-philosopher. Wouldn’t he, if he were to hear Maurice Maeterlinck now railing against the “barbarians”—[what has emerged from “barbarism”]—about which the Belgian-French poet-philosopher speaks as I have read to you—wouldn’t he say to a Maurice Maeterlinck:
In Wahrheit ist es schwer, seine Seele zu befragen und ihre schwache Kinderstimme inmitten der unnützen Schreier zu vernehmen, die sie umgeben.
In truth, it is difficult to listen to one’s soul and hear its faint, childlike voice amid the useless clamor that surrounds it.
[ 45 ] Zweifellos würde der belgisch-französische Dichter-Philosoph, von dem ich Ihnen vorgelesen habe, den Maurice Maeterlinck einen solch unnützen Schreier nennen mit seinem «Barbaren-Geschwätz». Ja, aber die Sache hat allerdings einen Haken, denn das vielleicht, das ich vorhin gesagt habe, war sehr berechtigt, denn die Worte sind von Maurice Maeterlinck selbst — allerdings vor dem Ausbruch des Krieges geschrieben!
[ 45 ] No doubt the Belgian-French poet-philosopher, from whom I read to you—Maurice Maeterlinck—would call such a person a useless loudmouth with his “barbaric drivel.” Yes, but there’s a catch, because what I said earlier was actually quite justified—those words were written by Maurice Maeterlinck himself—though they were written before the outbreak of the war!
[ 46 ] Solche Dinge sind es, die man heute erlebt; deshalb sagte ich gestern: Es ist wie ein charakteristisches Kapitel der Psychiatrie, was wir heute in der Welt erleben. Denn was folgt aus der unglaublich paradoxen Tatsache, dass derselbe Maurice Maeterlinck diese Worte über den deutschen Novalis zustande bringt — und nachher das ganze deutsche Volk ein «Barbarenvolk» schmäht und schimpft? Was folgt daraus, dass dasjenige, was er vor Jahren gesagt hat und was ich Ihnen vorgelesen habe, tief innerlich unwahr und verlogen ist? Das ist ja das Eigentümliche unserer gegenwärtigen Kultur, sehr verehrte Anwesende, dass — weil diese Kultur gewissermaßen strotzt von dem, was schon durch die Sprache und durch das Äußere aufgespeichert ist — auch die unwahre Seele sehr schöne Worte, schön klingende Worte hervorbringen kann, Worte, die aber innerlich verlogen sein können. Aber es gehört gerade zu den Wegen der Seele, die zu dem Geiste auf die Art führen, wie ich es geschildert habe, dass all das, was die Seele in sich vorbringt, durchmacht, dass all das im tiefsten Innern wahr ist, erschütternd wahr ist.
[ 46 ] These are the kinds of things we experience today; that is why I said yesterday: What we are experiencing in the world today is like a characteristic chapter in psychiatry. For what follows from the incredibly paradoxical fact that the very same Maurice Maeterlinck could utter these words about the German Novalis—and then go on to revile and denounce the entire German people as a “barbarian people”? What follows from the fact that what he said years ago—and what I have read to you—is, deep down, untrue and hypocritical? That is, in fact, the peculiarity of our present-day culture, ladies and gentlemen, that—because this culture, so to speak, is brimming with what has already been stored up through language and outward appearances—even a false soul can produce very beautiful words, words that sound lovely, words that may, however, be inwardly hypocritical. But it is precisely one of the paths of the soul that lead to the spirit in the way I have described—that everything the soul brings forth and experiences is, in its deepest core, true, shockingly true.
[ 47 ] Wenn nur etwas Phrase, nur etwas verlogen ist im Innern der Seele auf dem Wege in die geistige Welt hinein, so kann man diesen Weg in die geistige Welt hinein nicht finden. Eine Nachfolge desjenigen, der da gesagt hat: «Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.» — das heißt die Verbindung der drei —, ein solcher Weg der Nachahmung desjenigen, der dies gesagt hat, ist dieser Wahrheitsweg. Und wenn er nur Phrase ist, wenn auch noch so schön klingende Phrase —, er findet die Wahrheit nicht; er findet eben nur die große Täuschung, die auch bis in die Seele hineindringen kann, da, wo die Seele finden will dasjenige, womit sie verbunden ist als mit ihrem unsterblichen Teil. Innere Wahrheit allein bringt die Seele in Verbindung mit dem, was als Göttliches die Welt durchwebt und durchwest.
[ 47 ] If there is even a hint of empty rhetoric or insincerity within the soul on the path into the spiritual world, one cannot find this path into the spiritual world. Following the One who said, “I am the Way, the Truth, and the Life”—that is, the union of the three—such a path of imitating the One who said this is the path of truth. And if it is merely a phrase—no matter how beautiful it may sound—one will not find the truth; he finds only the great deception, which can also penetrate deep into the soul, precisely where the soul seeks that with which it is connected as its immortal part. Inner truth alone brings the soul into connection with that which, as the Divine, interweaves and permeates the world.
[ 48 ] Und wenn wiederum aus dem deutschen Geistesleben heraus wunderschön und tief Meister Eckhart, der Philosoph, spricht, dass in dem Gemüt das Fünklein ist, in dem entzündet wird dasjenige, was von dem Göttlichen in der einzelnen Menschenseele leben kann, so muss man sagen, die Menschenseele kann aber das, was also wie ein Fünklein im Gemüt sich entzünden soll, nur in Echtheit erleben, wenn sie tief innerlich wahr ist.
[ 48 ] And when, again, drawing from German intellectual life, the wonderful and profound Master Eckhart, the philosopher, speaks from German intellectual life, saying that within the mind there is a spark in which that which can live from the Divine in the individual human soul is kindled, then one must say that the human soul can experience what is to be kindled like a spark in the mind only in authenticity if it is profoundly true within itself.
[ 49 ] Dazu gehört allerdings Selbsterkenntnis. Aber diese Selbsterkenntnis, sie ist schwer im Leben zu erreichen. Das, was wir erreichen — was ich auseinandersetzte —, dass der Mensch mit seinem Seelisch-Geistigen heraussteigt aus dem Leiblichen, dann hat er seinen gewöhnlichen Erdenmenschen vor sich, wie er sonst die äußeren Dinge vor sich hat. Aber er muss seinen Erdenmenschen sehen können und, bevor er diesen Geistesweg antritt, sich Selbsterkenntnis als innerliche Gewohnheit aneignen können.
[ 49 ] This does, however, require self-knowledge. But this self-knowledge is difficult to attain in life. What we achieve—as I have explained—is that when a person steps out of the physical realm with their soul and spirit, they then have their ordinary earthly self before them, just as they otherwise have external things before them. But they must be able to see their earthly self and, before embarking on this spiritual path, must be able to cultivate self-knowledge as an inner habit.
[ 50 ] Wie schwer sie aber ist, dafür gewissermaßen ein vergleichendes Beispiel: Ein recht berühmter Professor der Gegenwart, der Wiener Philosoph — früher war er in Prag — Dr. Ernst Mach, der verschiedene Bücher geschrieben hat, die heute sehr geschätzt werden, er hat auf der dritten Seite seines Buches «Analyse der Empfindungen» ein Pröbchen gegeben, wie man es schwer hat, schon in Bezug auf die physische Gestalt, zur Selbsterkenntnis zu kommen. Er erzählt da: «Als junger Mensch erblickte ich einmal, als ich über die Straße ging, in einer Auslage, in der zwei Spiegel einander gegenüberstanden, ein Gesicht im Profil. Ich dachte: Was begegnet mir da für ein Mensch mit einem widerwärtigen, ja abstoßenden Gesicht; und ich war nicht wenig überrascht, als ich entdeckte, dass ich mein eigenes Bild vor mir hatte, das sich mir zeigte dadurch, dass die Spiegel so angeordnet waren.» Und als zweites Beispiel erzählt derselbe Professor gleich darunter auf Seite drei seines Buches: «Als ich einmal recht ermüdet von einer Reise kam, stieg ich in einen Omnibus. Da sah ich von der andern Seite auch einen Mann einsteigen, und ich dachte», so sagt er, er gesteht es, er ist ganz aufrichtig, «welch ein herabgekommener, unsympathischer Schulmeister steigt denn da ein. Und wiederum sah ich: Ich war es selbst.» Und er fügt hinzu: «Also kannte ich den Gattungshabitus besser als den eigenen.»
[ 50 ] But to illustrate just how difficult this is, here is a comparative example, so to speak: A rather famous contemporary professor, the Viennese philosopher—who used to be in Prague—Dr. Ernst Mach, who has written various books that are highly regarded today, provided a small example on the third page of his book *Analysis of Sensations* of how difficult it is—even in terms of one’s physical form—to attain self-knowledge. He recounts: “As a young man, I once saw—while walking down the street—a face in profile in a store window where two mirrors faced each other. I thought: What kind of person is this before me, with such a repulsive, indeed repugnant face; and I was quite surprised when I discovered that I was looking at my own reflection, which was revealed to me by the way the mirrors were arranged.” And as a second example, the same professor recounts immediately below that on page three of his book: “Once, when I arrived quite exhausted from a journey, I boarded a bus. There I saw a man getting on from the other side as well, and I thought,” he says—he admits it, he is completely sincere—“what a shabby, unsympathetic schoolmaster is getting on there. And once again I saw: it was myself.” And he adds: “So I was more familiar with the typical appearance of the species than with my own.”
[ 51 ] Eine Dame, die das gehört hat, nachdem ich es in anderen Vorträgen gesagt habe, erzählt ein Beispiel von einer solch mangelnden Selbsterkenntnis in Bezug auf das Äußere, das sie an einer Verwandten erlebt hat. Die ging in einer fremden Stadt in ein Restaurant. Sie kannte sich nicht recht aus. Da sah sie denn, indem sie auf die Wand zuging, von der anderen Seite eine Dame sich entgegenkommen. Nun, was ist denn das für eine hässliche Landpomeranze?, so dachte sie. Sie war eine sehr elegante Stadtfrau. Erst als sie die Dame ansprach und die ihr keine Antwort gab, erkannte sie sich selbst.
[ 51 ] A woman who heard this after I had mentioned it in other lectures recounts an example of such a lack of self-awareness regarding one’s appearance, which she observed in a relative. She went into a restaurant in a city she wasn’t familiar with. She wasn’t quite sure of her way around. As she walked toward the wall, she saw a woman coming toward her from the other side. “Well, what kind of ugly country bumpkin is that?” she thought. She was a very elegant city woman. It wasn’t until she spoke to the woman—and the woman didn’t answer—that she recognized herself.
[ 52 ] Das sind solche Beispiele, die, ich möchte sagen vom gröbsten Äußerlich-Sinnlichen hergenommen sind. Aber wenn schon der Mensch so wenig Anschauung hat von seinem Äußerlich-Physisch-Sinnlichen, von dem Seelischen hat er noch weniger eine Anschauung im gewöhnlichen Leben. Aber es gehört diese Möglichkeit, auf sich selbst hinzuschauen, sich als ein äußeres Objekt zu wissen, es gehört zum wirklichen Erfassen desjenigen, was am Menschenwesen unsterblich ist.
[ 52 ] These are examples that, I would say, are taken from the coarsest external-sensory realm. But if human beings have so little insight into their outer, physical, and sensory nature, they have even less insight into the soul in everyday life. Yet this ability to look at oneself, to recognize oneself as an external object, is part of truly grasping what is immortal in the human being.
[ 53 ] Und derjenige, wer sich wirklich hineinlebt in die geistige Welt und der dann auch verfolgen kann, was in dieser geistigen Welt real ist, der verfolgen kann — ohne Vorurteil sage ich das — den Menschen nicht nur in seinem Leben zwischen Geburt und Tod, sondern über den Tod hinaus, der weiß, dass die Seele, wenn er mit ihr verkehrt, zurückblickt auf den Tod, gerade indem sie zurückblickt, in Selbsterkenntnis zurückblickt auf sich selbst, auf das, was man zwischen Geburt und Tod erlebt hat. Die Selbsterkenntnis ist gleichsam das Auge des unsterblichen Geistes. Wir müssen durch die Selbsterkenntnis die ganze geistige Welt erschauen in der Zeit, die wir geistig durchleben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Das alles ist wirklich so, dass wir sagen können: In dem deutschen Geistesleben stecken die Keime, die zur weiteren Entfaltung und Entwicklung kommen müssen, die lebendig erfasst werden müssen im Laufe der Zeit. Dann wird aus diesem deutschen Geistesleben wirkliche Erkenntnis, wirkliche Geist-Erfassung in Zukunft hervorgehen.
[ 53 ] And the person who truly immerses themselves in the spiritual world and who can then perceive what is real in this spiritual world—who can perceive, I say this without prejudice, the human being not only in their life between birth and death but beyond death—knows that when they commune with the soul, the soul looks back on death, precisely by looking back—in self-knowledge—at itself, at what has been experienced between birth and death. Self-knowledge is, as it were, the eye of the immortal spirit. Through self-knowledge, we must perceive the entire spiritual world during the time we experience spiritually between death and a new birth. All of this is truly so that we can say: German spiritual life contains the seeds that must come to further unfolding and development, that must be grasped vividly in the course of time. Then, from this German spiritual life, true knowledge and true spiritual insight will emerge in the future.
[ 54 ] Wenn man ein wenig die geistige Kulturgeschichte der neueren Zeit betrachtet, möchte man sagen, man wird auch dadurch dahin geführt, wie gerade der deutsche Geist in seiner tragenden Kraft dazu berufen ist, seinen Idealismus, den er in seinen großen Philosophen entwickelt hat, zum Spiritualismus, zum Geist-Erkennen, zum Geist-Erleben, zu einer wissenschaftlichen Erkenntnis auszubilden. Gepresst möchte man sagen, gedrückt und unterdrückt war der deutsche Geist vom fremdländischen Geist. Wir sehen, wie Goethe, der ganz im deutschen Geiste drinnen wurzelt, seufzt unter dem, was gerade in seiner Zeit herüberkommt, von Frankreich herüberkommt.
[ 54 ] If one considers the intellectual and cultural history of modern times even briefly, one is led to conclude that the German spirit, by virtue of its fundamental strength, is called upon to develop the idealism it has cultivated through its great philosophers into spiritualism—into the recognition of the spirit, the experience of the spirit, and scientific knowledge. One is tempted to say that the German spirit was constrained, suppressed, and stifled by a foreign spirit. We see how Goethe, who is deeply rooted in the German spirit, sighs under the weight of what was coming over from France during his time.
[ 55 ] Während der deutsche Geist eigentlich daraufhin angelegt ist, in seinem Erkennen mehr und mehr intim den die Welt durchwaltenden und durchwellenden Geist zu erkennen, ist der französische Geist mehr darauf angelegt, alles das zu erfassen, was durch den Verstand erfasst werden kann, zu rationalisieren. Das merkt man sogar noch in der Eigentümlichkeit der französischen Poesie. Der Verstand aber, der an das Gehirn gebunden ist, der ist nur imstande, im Grunde genommen, den Materialismus auszubilden. Daher ist der Materialismus im Grunde genommen echt französisches Fabrikat und nur durch den Einfluss des französischen Geisteslebens auf das deutsche Geistesleben wurde überschüttet dasjenige, was hervorkommen muss von den lebendigen Triebkräften, die gerade im deutschen Charakter liegen, im deutschen Geiste leben. Materialismus ist nicht im deutschen Charakter gelegen, wenn er sich in seinem tiefsten intimen Inneren selbst erfasst. Besiegt muss werden auch dieses innere Franzosentum, dieser innere Materialismus, besiegt werden durch den deutschen Geist im Laufe der Zeit.
[ 55 ] While the German mind is actually inclined to recognize, in its cognition, more and more intimately the Spirit that pervades and permeates the world, the French mind is more inclined to grasp and rationalize everything that can be grasped by the intellect. This is evident even in the distinctive character of French poetry. But the intellect, which is bound to the brain, is, fundamentally speaking, capable only of developing materialism. Therefore, materialism is, at its core, a genuine French product, and it was only through the influence of French intellectual life on German intellectual life that what must emerge from the living driving forces inherent in the German character—and alive in the German spirit—was overwhelmed. Materialism is not inherent in the German character when it grasps itself in its deepest, most intimate core. This inner “Frenchness,” this inner materialism, must also be overcome—overcome by the German spirit in the course of time.
[ 56 ] Und wenn wir eine charakteristische Erscheinung der Weltanschauungsentwicklung verfolgen auf den Britischen Inseln, gerade bei dem, was als tonangebende Philosophie von dort herrührt, das können wir so zusammenfassen, dass wir sagen: Der britische Philosoph — man kann das im Einzelnen überall beweisen — geht auf das hinaus, auf das Locke, Hobbes und so weiter hinausgegangen sind: nur gelten zu lassen, was die Sinne schauen und was man daraus kombiniert, und den Verstand nur zum Diener der Sinneswahrnehmung zu machen. Das führt zum äußerlichen Empirismus oder zum Skeptizismus, zu Zweifelsucht. Das hat aber auch tief den deutschen Geist beeinflusst, und das ist auch etwas, wovon er sich frei machen muss. Wir erleben ja im Grunde genommen unter der Bewusstseinsoberfläche der Seele in unserer Zeit gerade manches.
[ 56 ] And if we trace a characteristic feature of the development of worldviews in the British Isles—particularly in what has emerged from there as the dominant philosophy—we can summarize it by saying: The British philosopher—and this can be demonstrated in detail everywhere—ultimately arrives at the same conclusion as Locke, Hobbes, and so on: to accept only what the senses perceive and what is deduced from that, and to make the intellect merely a servant of sensory perception. This leads to external empiricism or skepticism, to a tendency toward doubt. But this has also deeply influenced the German spirit, and it is something from which it must free itself. After all, we are currently experiencing quite a few things beneath the surface of the soul’s consciousness in our time.
[ 57 ] Während England mit seiner Weltanschauung dazu berufen war, auf den bloßen Sinnenschein zu schwören, Frankreich berufen war, aus dem Rationalismus, aus dem Verstand heraus den Menschen bis zu dem Satze «Der Mensch als Maschine» zu kultivieren, pflegte der deutsche Geist — nachdem er sich von Frankreich emanzipiert hat — den Idealismus, der der Vorgänger ist des Spiritualismus, der eigentlichen Geisteswissenschaft. Der Idealismus sucht nicht stehen zu bleiben bei dem Materialismus, der nur an den Verstand gebunden ist; er sucht nicht stehen zu bleiben bei dem Empirismus des Engländertums, das sich nur an die Sinne halten will, nicht beim Rationalismus des Franzosentums, sondern er will erfassen das, was lebendig in der Seele lebt. Ich habe das gestern an der Gestalt Fichtes gezeigt. Indem das aber befreit wird vom Fremdländischen, indem der Deutsche auf sich selber geistig sich voll stellen wird, wird aus dem deutschen Idealismus die lebendige Geist-Erkenntnis der Kultur der Zukunft einverleibt werden.
[ 57 ] While England, with its worldview, was called upon to swear by mere sensory appearance, France was destined to cultivate humanity—based on rationalism and reason—to the point of the proposition “Man as a machine,” the German spirit—having emancipated itself from France—cultivated idealism, which is the precursor to spiritualism, the true science of the spirit. Idealism does not seek to remain at the level of materialism, which is bound only to reason; it does not seek to remain at the level of the empiricism of the English, who wish to rely solely on the senses, nor at the level of the rationalism of the French, but rather it seeks to grasp that which lives vividly within the soul. I demonstrated this yesterday using the figure of Fichte. But as this is liberated from foreign influences, as the German comes to fulfill himself spiritually, the living spiritual knowledge of the culture of the future will be incorporated into German idealism.
[ 58 ] Wenn man sich heute noch bemüht, etwas zu tun für diese lebendige Geist-Erkenntnis, stößt man allerdings vorläufig noch recht sehr auf heftige Widerstände. Wenn ich dies Persönliche hier anführen darf: Seit den Achtzigerjahren des vorigen Jahrhunderts bemühe ich mich, das, was Goethes Farbenlehre ist, was das Tiefe dieser Farbenlehre ist, gegen die materialistische englische Newton’sche Physik durchzubringen, in welcher geistige Erfassung auch des Physischen wirklich ist. Es ist leicht begreiflich — man kann alle Einwände, die die Physik gegen die Goethe’sche Farbenlehre hat, aufzählen —, es ist begreiflich, dass sie sich dagegen wendet. Aber die Goethe’sche Farbenlehre ist selbst als wissenschaftliches Produkt ein lebendiges Eindringen in die physische Wirklichkeit der Farben; und indem eine geistige Erkenntnis die menschliche Kultur ergreifen wird, wird eingesehen werden, wie unendlich höher diese Goethe’sche Farbenlehre steht als die englische. Heute redet man aber noch tauben Ohren; die entsprechenden Schriften werden noch nicht gelesen — oder von einem kleinen Kreise nur. Aber so ist es immer.
[ 58 ] If one still endeavors today to do something to promote this living spiritual insight, one does, however, encounter quite fierce resistance for the time being. If I may mention something personal here: Since the 1880s, I have been striving to assert the essence of Goethe’s Theory of Colors—the depth of this theory—against materialistic English Newtonian physics, in which a spiritual understanding of even the physical realm is truly present. It is easy to understand—one can list all the objections that physics has against Goethe’s theory of colors—it is understandable that it opposes it. But Goethe’s theory of colors, even as a scientific product, is a living penetration into the physical reality of colors; and as spiritual insight takes hold of human culture, it will be recognized how infinitely superior this theory of colors is to the English one. Today, however, people still turn a deaf ear; the relevant writings are not yet being read—or are read only by a small circle. But that is always the way it is.
[ 59 ] Goethe hat eine naturgemäße — von dem, was im deutschen Idealismus als Vorfahre wirklicher Geisteswissenschaft lag —, eine Weltanschauung der Entwicklung aufgestellt, wie sich die Lebewesen entwickeln. Auch darüber schreibe ich seit den Achtzigerjahren des vorigen Jahrhunderts, um zu zeigen, wie diese Goethe’sche Entwicklungslehre eine geistgemäße Anschauung ist. Darauf beruht, dass Goethe das wahrmachen konnte, was er Schiller gegenüber betonen konnte, dass er in der Wirklichkeit schon die Idee sieht. Aber auch da predigt man noch tauben Ohren; denn das andere ist bequemer. Diese Goethe’sche Lehre war der Menschheit unbequem anzunehmen. Und als dann Darwin kam und auf eine sinngemäße Weise, in äußerlich-sinnlicher Anschauung, in bequemerer Art alles das dargeboten hat, in einer Art, die dem englischen Geist so mundet, da wurde sie angenommen, da überschwemmte sie die Welt; und die schwierige, unbequeme, aber geistgemäße Goethe’sche Lehre, an der gingen die Menschen vorüber. Als Darwin sie sinngemäß bequem brachte, die Entwicklungslehre, wurde sie angenommen.
[ 59 ] Goethe established a natural worldview—rooted in what German idealism regarded as the precursor to true spiritual science—concerning the development of living beings. I, too, have been writing about this since the 1880s to show how this Goethean theory of development is a spiritual perspective. It is on this basis that Goethe was able to fulfill what he emphasized to Schiller: that he already sees the idea in reality. But even here, people still turn a deaf ear; for the other approach is more convenient. This Goethean doctrine was too uncomfortable for humanity to accept. And when Darwin came along and presented all of this in a way that made sense—through external, sensory observation—in a more comfortable manner, in a way that so appealed to the English spirit, then it was accepted; then it swept the world; and people passed by the difficult, uncomfortable, yet spiritually sound Goethean theory. When Darwin presented the theory of evolution in a way that was easy to grasp, it was accepted.
[ 60 ] Und ein anderes Beispiel hat ja der große Philosoph Hegel, der auch einiges mit dieser Stadt zu tun hat, gezeigt. Er hat gezeigt, wie derjenige deutsche astronomische Philosoph, philosophische Astronom, dem die Wissenschaft so ungeheuer viel verdankt, Johannes Kepler, Großes geleistet hat in Bezug auf die Auffassung des Zusammenhanges der Welt. Ja, allerdings, es ist Kepler so gegangen, dass das berühmte Kästner’sche Epigramm auf ihn passt; weil er den Gang der Sterne, weil er das alles durchschaute und in wunderbare Formeln brachte, hat er ein Leben führen müssen, von dem der Epigrammatiker [Kästner] sagt:
[ 60 ] And the great philosopher Hegel, who also had quite a connection to this city, provided another example. He demonstrated how Johannes Kepler—the German astronomical philosopher, or philosophical astronomer, to whom science owes so immensely much—achieved great things in terms of understanding the interconnectedness of the world. Yes, indeed, Kepler’s life was such that Kästner’s famous epigram applies to him; because he understood the movements of the stars—because he saw through it all and expressed it in marvelous formulas—he was forced to lead a life of which the epigrammatist [Kästner] says:
So hoch
war noch kein Sterblicher gestiegen,
Als Kepler stieg — und starb an Hungersnot.
Er wusste nur die Geister zu [vergnügen],
Drum ließen ihn die Körper ohne Brot.
No mortal
had ever climbed so high,
until Kepler climbed—and died of starvation.
He knew only how to [entertain] the spirits,
so the bodies left him without bread.
[ 61 ] Aber Hegel zeigt noch weiter, dass die berühmte Newton’sche Gravitationslchre, von der jeder Physiker sagt, dass auf ihr die moderne Physik stehe, nichts anderes ist, als in mathematische Formeln gebracht dasjenige, was der Schwabe Kepler geleistet hat. Das Reale liegt bei Kepler. Vor einer Geschichtslüge steht man, wenn man von einer Berechtigung des Newtonismus spricht.
[ 61 ] But Hegel goes on to show that the famous Newtonian theory of gravity—which every physicist says forms the foundation of modern physics—is nothing more than the achievements of the Swabian Kepler expressed in mathematical formulas. The reality lies with Kepler. One is faced with a historical falsehood when one speaks of the validity of Newtonianism.
[ 62 ] Der deutsche Geist wird sich auf sich selber zu stellen haben. Das wird aus den vielen traurigen, aber auch glorreichen Ereignissen unserer Tage wie ein Merkzeichen der historischen Entwicklung der Menschheit dastehen. Allerdings, gründlich gearbeitet hat dasjenige, was von Westen und Nordwesten her die menschlichen Seelen so bearbeitete, dass ihnen der Weg, den ich beschrieben habe, der Weg in die geistige Welt hinein, erschwert wird.
[ 62 ] The German spirit will have to stand on its own. This will stand out from the many sad, but also glorious, events of our time as a hallmark of humanity’s historical development. However, the forces coming from the west and northwest have worked thoroughly to influence human souls in such a way that the path I have described—the path into the spiritual world—is made more difficult for them.
[ 63 ] Ich werde jetzt etwas, verzeihen Sie, für viele ganz Dummes sagen; aber ich weiß, dass es eine Wahrheit ist. Vielleicht kommt einmal die Zeit, dass man diese Wahrheit im Einzelnen wird zeigen können. Dazu braucht man nichts anderes als Zeit. Ich kann es nur so hinstellen: Gründlich ist den Seelen verlegt worden von Kindheit auf — jetzt ist es schon besser geworden, aber es muss noch immer besser und besser werden —, gründlich ist den Seelen der Weg verlegt worden, die Möglichkeit, frei sich zu entfalten in den Kräften, die angedeutet worden sind, um den Weg in geistige Welt hinein zu tun. Dadurch ist der Weg verlegt worden — ich sage es wahrhaftig nicht aus bloßem nationalen Chauvinismus, ich sage das aus psychologischer, kulturhistorischer Erkenntnis heraus —, verlegt ist der Weg dadurch, weil noch immer das Gift des Robinson von Defoe zahlreiche Knaben- und auch Mädchenleben verpestet und vergiftet; und darin steckt dasjenige, was sich hineinnistet in die Seele, um sie mit dem Empirismus des Engländertums zu durchdringen.
[ 63 ] I am now going to say something—please forgive me—that many will find quite silly; but I know it is the truth. Perhaps the time will come when this truth can be demonstrated in detail. All that is needed is time. I can only put it this way: From childhood onward, the path has been thoroughly obstructed for souls—things have already improved, but they must continue to get better and better—the path has been thoroughly obstructed for souls, the possibility of freely unfolding the powers that have been hinted at, in order to make their way into the spiritual world. As a result, the path has been obstructed—I truly do not say this out of mere national chauvinism; I say this based on psychological and cultural-historical insight—the path has been obstructed because the poison of Defoe’s *Robinson Crusoe* still plagues and poisons the lives of numerous boys and girls; and therein lies what nestles itself in the soul to permeate it with the empiricism of English culture.
[ 64 ] Viele, viele innere Siege, Siege, die im Sinne der deutschen Kultur gelegen sind, werden noch zu erfechten sein. Dasjenige aber, was jetzt geschieht, es ist der große, der blutige, aber auch glorreiche Vorbote. Und diejenigen, die als Heldenseelen jetzt durch die Pforte des Todes gehen — gerade der Geisteswissenschaftler muss darauf hinweisen, da er weiß, wie die Seelen als Realitäten durch den Tod gehen, und da er weiß, wie diejenigen, die tot sind, nur in einer anderen Form das Leben weiterleben —, sie werden in einem hohen Sinne unter uns sein mit ihren unverbrauchten Kräften. Denn in ihrem SeelischGeistigen ist etwas, das noch jahrzehntelang — es sind ja junge, blühende Menschenleben, die die Erde verlassen in unserer Zeit —, es ist in diesen noch vieles, das noch ein ganzes langes Leben, noch jahrzehntelang hätte den Leib mit Bildekräften versorgen können. Das aber wird außer ihrem unsterblichen Seelenteil noch weben und leben; das wird da sein in der geistigen Sphäre; das wird da sein, das wird helfen, wenn die Menschheit ihm mit Verständnis entgegenkommt in der Herbeiführung einer wirklich geistgemäßen Weltanschauung, in einer solchen Weltanschauung, welche geistgemäß durch und durch, welche im vollsten Sinne, im strengsten Sinne des Wortes wissenschaftlich ist. Geisteswissenschaft wird damit etwas ganz Lebensvolles und Lebenswirkliches sein können. Denn der Geisteswissenschaftler weiß, dass, wenn in den Seelen lebendig wird dasjenige, was er als Forschungsresultat zu geben hat, dass dann werden diese Seelen so ins Erdenleben sich einleben, dass die große Kluft, die heute als materialistische Weltanschauung gähnt zwischen Leiblichem und Übersinnlichem, überbrückt ist.
[ 64 ] Many, many inner victories—victories that are in keeping with German culture—are yet to be won. But what is happening now is the great, bloody, yet glorious harbinger. And those who, as heroic souls, are now passing through the gates of death—the spiritual scientist, in particular, must point this out, since he knows how souls, as realities, pass through death, and since he knows how those who are dead continue to live in a different form—they will be among us in a higher sense with their untapped powers. For in their soul-spiritual being there is something that, for decades to come—for these are young, flourishing human lives leaving the earth in our time—there is still much within them that could have supplied the body with formative forces for a whole long life, for decades to come. But this will continue to weave and live on, apart from the immortal part of their soul; it will be present in the spiritual sphere; it will be there to help, provided humanity meets it with understanding in the creation of a worldview that is truly spiritual in nature—a worldview that is spiritual through and through, and that is scientific in the fullest and strictest sense of the word. Spiritual science will thus be able to become something truly vibrant and real. For the spiritual scientist knows that when what he has to offer as the result of his research comes alive in people’s souls, these souls will then become so attuned to earthly life that the great chasm—which today yawns between the physical and the supersensory as a materialistic worldview—will be bridged.
[ 65 ] In einem viel realeren Sinne, als man es heute ahnt, werden sich die Menschen hineinleben in eine Weltanschauung, die ihnen außer den unmittelbar gegenwärtigen Erdenbürgern auch die Menschen zeigen wird in ihrer Wirksamkeit, die durch die Pforte des Todes gegangen sind. Das aber ist eine Weltanschauung, auf die zu gleicher Zeit mahnend hinweist die große Zahl der Tode, die unsere schicksalstragende Zeit über uns verhängt. Viel Blut, viel Tod, viel Not, viel Leid und Schmerzen, viel Mut, viel Opferwilligkeit, ungeheure Größe rauscht und webt durch dasjenige, was uns in unserer schicksalstragenden, schicksalsschweren, in unserer weltgeschichtlich so bedeutsamen Gegenwart umgibt. Aber nahe liegt es gerade in dieser Gegenwart, hinzuweisen auf dasjenige, was über allen Tod, über alles bloß zeitliche Leben hinausweist auf das Verborgene, auf das, was im Menschenwesen unsterblich ist.
[ 65 ] In a much more real sense than we can imagine today, people will come to live within a worldview that will reveal to them not only their fellow human beings who are currently living on Earth, but also those who have passed through the gate of death and continue to exert their influence. But this is a worldview to which the great number of deaths that our fateful age has brought upon us simultaneously serves as a solemn reminder. Much blood, much death, much hardship, much suffering and pain, much courage, much willingness to sacrifice, and immense greatness surge and weave through that which surrounds us in our fateful, fate-laden, and historically significant present. But it is precisely in this present moment that we must point to that which, beyond all death and all merely temporal life, points to the hidden, to that which is immortal in the human being.
[ 66 ] Nicht jeder wird ein Geistesforscher werden können, wie nicht ein jeder Chemiker werden kann. Aber Zeiten werden kommen, in denen ebenso wie dasjenige, was wenige Chemiker der Menschheit geben, fruchtbar gemacht wird für alle, sodass das, was die einzelnen Geistesforscher zu geben haben, der ganzen Menschheit und ihrem Zusammenleben zugutekommt. Man braucht kein Geistesforscher selber zu sein, um das wahr zu finden, was der Geistesforscher an Ergebnissen auffindet; man braucht nur von den Vorurteilen frei zu sein, die die heutigen Vorstellungsgewohnheiten einem in den Weg legen, und die Dinge, die heute angedeutet worden sind, die Geisteswissenschaft, kann verstanden werden. Um die Tatsachen selbst aufzufinden, ja, um nur einen Satz von dem zu sagen, was heute die Hauptsache der Betrachtung gebildet hat, muss man den Weg der Geistesforschung selbst gehen. Um einzudringen in die geistige Welt, wo Wesen drinnen sind, göttliche Geistwesen, die da drinnen sind, die ebenso real sind wie die Dinge und Wesen der physischen Welt, um von diesen Welten sachgemäß zu reden, um wirklich Botschaft zu bringen von dieser Welt und diesen Wesen, muss man selbst den Weg der Geistesforschung gehen.
[ 66 ] Not everyone will be able to become a spiritual researcher, just as not everyone can become a chemist. But a time will come when, just as the contributions of a few chemists are made available to all of humanity, so too will the contributions of individual spiritual researchers benefit all of humanity and its communal life. One need not be a spiritual researcher oneself to recognize the truth of the findings of spiritual researchers; one need only be free from the prejudices that today’s habitual ways of thinking place in one’s path, and the things that have been hinted at today—spiritual science—can be understood. To discover the facts for oneself—indeed, to say even a single sentence about what has been the main focus of today’s discussion—one must walk the path of spiritual research oneself. To penetrate the spiritual world, where beings dwell—divine spiritual beings who are just as real as the things and beings of the physical world—to speak appropriately about these worlds, and to truly bring a message from this world and these beings, one must walk the path of spiritual research oneself.
[ 67 ] Um das zu verstehen, was so geholt wird aus den geistigen Welten, braucht man wirklich bloß unbefangenen Wahrheitssinn der Sache entgegenzubringen. Die Menschen, die diesen Sinn heute nicht glauben vereinigen zu können mit dem, was die Geistesforschung sagt, die merken nur nicht, dass es nicht der Wahrheitssinn, sondern dass es die durch Vorurteil hervorgerufenen Denkgewohnheiten sind. Aber wenn diese Denkgewohnheiten so hinweggeräumt sein werden, wie die alten Denkgewohnheiten gegen die kopernikanische Weltanschauung hinweggeräumt worden sind, dann wird Geisteswissenschaft in Bezug auf das Geistig-Seelische des menschlichen Erlebens etwas bringen, was unendlich fruchtbarer sein wird als das, was Naturwissenschaft für das äußerliche Leben gebracht hat. Denn das, was Naturwissenschaft bringt, es bezieht sich auf das, was uns umgibt, auf das, was wir uns bauen, was wir uns errichten, auf manches, wodurch wir uns das Leben behaglich und angenehm machen, was uns nützt. Aber dasjenige, was Geisteswissenschaft zu geben hat, das ist etwas, was jede Seele begehrt, wenn sie sich nur der Kräfte dieses Begehrens im Geistig-Seelischen bewusst wird; dasjenige, was den Menschen die Möglichkeit gibt, sich so zu entfalten, dass in ihre Seelen nicht einziehen kann Trostlosigkeit, Vereinsamung, Unharmonie des Lebens, sondern was die Seele erkraftet, sodass die Seele stark dem Leben auch gegenüberstehen kann, was immer mehr und mehr die Komplikation der Zukunft von dieser Seele verlangen wird.
[ 67 ] To understand what is brought forth from the spiritual worlds, one really needs only to approach the matter with an unbiased sense of truth. People who today do not believe they can reconcile this sense with what spiritual research says simply fail to realize that it is not their sense of truth, but rather their habits of thought—arising from prejudice—that stand in the way. But once these habits of thought have been swept aside—just as the old habits of thought were swept aside in the face of the Copernican worldview—then spiritual science will contribute, with regard to the spiritual and soul aspects of human experience, something that will be infinitely more fruitful than what natural science has contributed to external life. For what natural science offers relates to what surrounds us, to what we build, to what we construct, to many things through which we make our lives comfortable and pleasant—things that are useful to us. But what spiritual science has to offer is something every soul desires, provided it becomes aware of the forces of this desire within the spiritual and soul life; that which gives human beings the opportunity to develop in such a way that desolation, loneliness, and disharmony in life cannot take root in their souls, but rather what the soul gains in strength, so that the soul can stand firm in the face of life, whatever the increasing complexities of the future may demand of that soul.
[ 68 ] Geisteswissenschaft wird etwas der geistigen Entwicklung einverleiben, was ein lebendiges Bewusstsein in der Seele hervorrufen wird von dem, was im Menschenwesen unsterblich ist. Und in diesem Zusammenleben mit dem unsterblichen Teil der Seele wird der Mensch erst recht wissen, wird wissen, dass die Welt umfassender ist als das, was Sinne sehen, als das, was man in der Zeit erlebt. Zusammendrängen wird sich das Wissen, das nicht abstrakt, nicht theoretisch bleiben wird, in gewisse Empfindungen, die die Seele innerlich beglücken und tragen, aber sie auch arbeitsam, kraftvoll und tüchtig machen werden.
[ 68 ] Spiritual science will incorporate into spiritual development something that will awaken in the soul a living awareness of what is immortal in the human being. And in this coexistence with the immortal part of the soul, human beings will truly know—they will know that the world is more comprehensive than what the senses perceive, than what is experienced in time. This knowledge—which will not remain abstract or theoretical—will coalesce into certain feelings that will bring inner joy and sustain the soul, while also making it industrious, powerful, and capable.
[ 69 ] Dasjenige, was in der Seele an solchen Empfindungen durch Geisteswissenschaft auferweckt werden kann, das möchte ich am Schluss in ein paar Worte zusammenfassen, in die ausklingen mag dasjenige, was ich, wie gesagt, nur in kurzen Strichen, wie in Kohlezeichnung, über die Frage heute habe sagen können: «Was ist am Menschenwesen unsterblich?» Ausklingen mag das in die Worte, die gewissermaßen der Empfindungsrest sind der geisteswissenschaftlichen Erkenntnis und des geisteswissenschaftlichen Bekenntnisses in Bezug auf die Frage der heutigen Betrachtung:
[ 69 ] I would like to summarize in a few words, at the end, what spiritual science can awaken in the soul through such feelings—words that may serve as a conclusion to what I have been able to say today about this question, as I mentioned, only in brief strokes, as in a charcoal drawing: “What is immortal in the human being?” This may find its conclusion in the words that are, in a sense, the lingering impression of spiritual scientific insight and spiritual scientific conviction regarding the question under consideration today:
Es sprechen zu den Menschensinnen
Die Dinge in den Raumesweiten;
Sie wandeln sich im Zeitenlauf.
Sich selbst erweckend
Erwacht die Menschenseele
Von Raumesweiten unbegrenzt
Und unbeirrt vom Zeitenlauf
Im Werdestrom der Ewigkeit!
They speak to the human senses
The things in the vastness of space;
They change as time goes by.
Awakening itself
The human soul awakens
Unbounded by the vastness of space
And undeterred by the passage of time
In the stream of becoming that is eternity!
