The Human Soul, Fate and Death
GA 70a
8 May 1915, Vienna
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Menschenseele, Schicksal und Tod
14. Das Schicksal des Menschen im Lichte der Erkenntnis geistiger Welten
14. Das Schicksal des Menschen im Lichte der Erkenntnis geistiger Welten
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Als eine Fortsetzung der geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, die vorgestern hier angestellt worden sind, möchte ich heute in gewissem Sinne eine Fortsetzung des Angeregten geben, eine Fortsetzung, welche anwenden soll die gewonnenen Gesichtspunkte auf die bedeutungsvolle Frage des menschlichen Schicksals.
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Als eine Fortsetzung der geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, die vorgestern hier angestellt worden sind, möchte ich heute in gewissem Sinne eine Fortsetzung des Angeregten geben, eine Fortsetzung, welche anwenden soll die gewonnenen Gesichtspunkte auf die bedeutungsvolle Frage des menschlichen Schicksals.
[ 2 ] Es ist im vorgestrigen Vortrag, verehrte Anwesende, darauf aufmerksam gemacht worden, dass Geisteswissenschaft ganz und gar beruht auf einer inneren Arbeit der menschlichen Seele, und nur in aller Kürze möchte ich zuerst einleitungsweise ein paar Gedanken des vorgestrigen Vortrages wiederum vorbringen. Es handelt sich beim Forschen in der Geisteswissenschaft niemals darum, so, wie in den anderen Wissenschaften, die sich auf das äußere Leben und auf die äußere Tatsachenwelt erstrecken, es handelt sich niemals darum, äußerlich für die Sinne wahrnehmbare Verrichtungen zu pflegen, niemals darum, Äußeres überhaupt irgendwie auszuführen, sondern der Weg in die geistige Welt hinein ist ein intimer Weg der menschlichen Seele. Und das eine Glied dieses Weges der menschlichen Seele, durch den sich diese Seele geeignet macht, in die geistige Welt einzutreten, es ist ja schon vorgestern darauf hingedeutet worden, es ist eine besondere Art der Behandlung desjenigen, was wir das menschliche Vorstellen, das menschliche Denken nennen.
[ 2 ] Es ist im vorgestrigen Vortrag, verehrte Anwesende, darauf aufmerksam gemacht worden, dass Geisteswissenschaft ganz und gar beruht auf einer inneren Arbeit der menschlichen Seele, und nur in aller Kürze möchte ich zuerst einleitungsweise ein paar Gedanken des vorgestrigen Vortrages wiederum vorbringen. Es handelt sich beim Forschen in der Geisteswissenschaft niemals darum, so, wie in den anderen Wissenschaften, die sich auf das äußere Leben und auf die äußere Tatsachenwelt erstrecken, es handelt sich niemals darum, äußerlich für die Sinne wahrnehmbare Verrichtungen zu pflegen, niemals darum, Äußeres überhaupt irgendwie auszuführen, sondern der Weg in die geistige Welt hinein ist ein intimer Weg der menschlichen Seele. Und das eine Glied dieses Weges der menschlichen Seele, durch den sich diese Seele geeignet macht, in die geistige Welt einzutreten, es ist ja schon vorgestern darauf hingedeutet worden, es ist eine besondere Art der Behandlung desjenigen, was wir das menschliche Vorstellen, das menschliche Denken nennen.
[ 3 ] Ich habe gesagt: Indem der Geistesforscher hineinschauen lässt gleichsam in sein inneres Geisteslaboratorium, muss er aufmerksam machen darauf, dass das Vorstellen, das Denken der menschlichen Seele in einer ganz anderen Weise behandelt werden müsse, als sie behandelt werden im alltäglichen Leben oder in der äußeren Wissenschaft. In der äußeren Wissenschaft betrachten wir den Gedanken, die Idee, die Vorstellung, die wir uns verschafft haben auf Grundlage der Sinnesbeobachtung oder auf Grundlage des Experimentes oder sonst irgendwie, wir betrachten die Vorstellung als dasjenige, was wir uns errungen haben, als dasjenige, was uns die äußere Welt abbildet. Und indem sie abbildet, diese Vorstellung, seien es Vorgänge der Außenwelt, seien es Gesetze, Naturgesetze oder dergleichen in der Außenwelt, sind wir, wenn wir gewissermaßen angekommen sind beim Gedanken, wenn wir dabei angekommen sind, uns eine Vorstellung zu machen von dem, was außen vorgeht, oder wie die äußeren Vorgänge gesetzmäßig zusammenhängen, dann sind wir befriedigt.
[ 3 ] Ich habe gesagt: Indem der Geistesforscher hineinschauen lässt gleichsam in sein inneres Geisteslaboratorium, muss er aufmerksam machen darauf, dass das Vorstellen, das Denken der menschlichen Seele in einer ganz anderen Weise behandelt werden müsse, als sie behandelt werden im alltäglichen Leben oder in der äußeren Wissenschaft. In der äußeren Wissenschaft betrachten wir den Gedanken, die Idee, die Vorstellung, die wir uns verschafft haben auf Grundlage der Sinnesbeobachtung oder auf Grundlage des Experimentes oder sonst irgendwie, wir betrachten die Vorstellung als dasjenige, was wir uns errungen haben, als dasjenige, was uns die äußere Welt abbildet. Und indem sie abbildet, diese Vorstellung, seien es Vorgänge der Außenwelt, seien es Gesetze, Naturgesetze oder dergleichen in der Außenwelt, sind wir, wenn wir gewissermaßen angekommen sind beim Gedanken, wenn wir dabei angekommen sind, uns eine Vorstellung zu machen von dem, was außen vorgeht, oder wie die äußeren Vorgänge gesetzmäßig zusammenhängen, dann sind wir befriedigt.
[ 4 ] Da erst fängt aber das geisteswissenschaftliche Forschen an, wo aufhört die Gedankenarbeit, das Gedankenleben der Alltäglichkeit oder der äußeren Wissenschaft. Nicht einen Gedanken zu bekommen, nicht einen Gedanken als Abbild der äußeren Welt nur zu haben, nicht darauf geht das geisteswissenschaftliche Forschen, sondern darauf geht das geisteswissenschaftliche Forschen, mit dem Gedanken, mit der Vorstellung im Inneren der Seele zu leben. Sodass es, wie ich schon erwähnt habe, im Grunde genommen bei dieser inneren Übung, bei diesem inneren Erarbeiten der geistigen Welt, sodass es dabei gar nicht darauf ankommt, ob wir in dem Gedanken, in der Vorstellung, durch die wir die Seele üben, durch die wir die Seele gleichsam in einer höheren Selbsterziehung vorwärtsbringen, ob wir in den Gedanken, in der Vorstellung etwas Äußerliches abbilden, ob im gewöhnlichen Sinne der äußeren Wissenschaft oder des äußeren Lebens diese Gedanken Bilder von irgendetwas in der Außenwelt sind; sie können Sinnbilder sein, wie ich erwähnte. Darauf kommt es an, dass wir einen Gedanken in die Seele hineinversenken, dass wir ganz eins werden mit diesem Gedanken, dass wir alle Aufmerksamkeit ablenken von dem, was uns sonst in der Welt beschäftigt, und gewissermaßen den einzigen Gedanken nur fixieren, alle Seelenkräfte, die in uns sind, auf diesen einen Gedanken hin konzentrieren.
[ 4 ] Da erst fängt aber das geisteswissenschaftliche Forschen an, wo aufhört die Gedankenarbeit, das Gedankenleben der Alltäglichkeit oder der äußeren Wissenschaft. Nicht einen Gedanken zu bekommen, nicht einen Gedanken als Abbild der äußeren Welt nur zu haben, nicht darauf geht das geisteswissenschaftliche Forschen, sondern darauf geht das geisteswissenschaftliche Forschen, mit dem Gedanken, mit der Vorstellung im Inneren der Seele zu leben. Sodass es, wie ich schon erwähnt habe, im Grunde genommen bei dieser inneren Übung, bei diesem inneren Erarbeiten der geistigen Welt, sodass es dabei gar nicht darauf ankommt, ob wir in dem Gedanken, in der Vorstellung, durch die wir die Seele üben, durch die wir die Seele gleichsam in einer höheren Selbsterziehung vorwärtsbringen, ob wir in den Gedanken, in der Vorstellung etwas Äußerliches abbilden, ob im gewöhnlichen Sinne der äußeren Wissenschaft oder des äußeren Lebens diese Gedanken Bilder von irgendetwas in der Außenwelt sind; sie können Sinnbilder sein, wie ich erwähnte. Darauf kommt es an, dass wir einen Gedanken in die Seele hineinversenken, dass wir ganz eins werden mit diesem Gedanken, dass wir alle Aufmerksamkeit ablenken von dem, was uns sonst in der Welt beschäftigt, und gewissermaßen den einzigen Gedanken nur fixieren, alle Seelenkräfte, die in uns sind, auf diesen einen Gedanken hin konzentrieren.
[ 5 ] Und nun müssen wir gleich einsehen, indem wir dieses tun, dass wir damit eine ganz andere Verrichtung vollziehen, als die Verrichtungen der gewöhnlichen Wissenschaft sind. Bei den Verrichtungen der gewöhnlichen, äußeren Wissenschaft können wir aufhören, wenn wir den Gedanken haben, wir können uns zufriedengeben, wenn wir den Gedanken haben. Und wir sind überzeugt bei der gewöhnlichen Wissenschaft, wenn der Gedanke uns logisch befriedigt, wenn der Gedanke unserem Wahrheitsgefühl entspricht; dann können wir mit unserer Forschungsarbeit vorläufig aufhören. Das ist nicht der Fall bei der Art, wie man geisteswissenschaftlich forscht. Da handelt es sich niemals darum, dass man, wenn man den Gedanken hat, den man ja durch Willkür, durch innere Willensinitiative in den Mittelpunkt des Bewusstseins stellt, dass man dann aufhört; man hat im Grunde genommen gar nichts, wenn man den Gedanken in den Mittelpunkt seines Bewusstseins gestellt hat und auf ihn die Aufmerksamkeit aller in der Seele konzentrierten Kräfte hingelenkt hat. So wenig man irgendetwas hat, wenn man den Samen einer Pflanze in die Erde versenkt hat, so wenig hat man etwas, wenn man den Gedanken also fixiert in der Seele. Man muss warten, bis zusammenwirken die Kräfte aus der Luft, die Kräfte aus dem Erdboden, die Kräfte aus der Sonne und so weiter, um den Pflanzenkeim zur Pflanze zu entwickeln — man muss abwarten, man muss zusehen, was nicht wir machen, was von dem Kosmos, was von der äußeren Welt gemacht wird.
[ 5 ] Und nun müssen wir gleich einsehen, indem wir dieses tun, dass wir damit eine ganz andere Verrichtung vollziehen, als die Verrichtungen der gewöhnlichen Wissenschaft sind. Bei den Verrichtungen der gewöhnlichen, äußeren Wissenschaft können wir aufhören, wenn wir den Gedanken haben, wir können uns zufriedengeben, wenn wir den Gedanken haben. Und wir sind überzeugt bei der gewöhnlichen Wissenschaft, wenn der Gedanke uns logisch befriedigt, wenn der Gedanke unserem Wahrheitsgefühl entspricht; dann können wir mit unserer Forschungsarbeit vorläufig aufhören. Das ist nicht der Fall bei der Art, wie man geisteswissenschaftlich forscht. Da handelt es sich niemals darum, dass man, wenn man den Gedanken hat, den man ja durch Willkür, durch innere Willensinitiative in den Mittelpunkt des Bewusstseins stellt, dass man dann aufhört; man hat im Grunde genommen gar nichts, wenn man den Gedanken in den Mittelpunkt seines Bewusstseins gestellt hat und auf ihn die Aufmerksamkeit aller in der Seele konzentrierten Kräfte hingelenkt hat. So wenig man irgendetwas hat, wenn man den Samen einer Pflanze in die Erde versenkt hat, so wenig hat man etwas, wenn man den Gedanken also fixiert in der Seele. Man muss warten, bis zusammenwirken die Kräfte aus der Luft, die Kräfte aus dem Erdboden, die Kräfte aus der Sonne und so weiter, um den Pflanzenkeim zur Pflanze zu entwickeln — man muss abwarten, man muss zusehen, was nicht wir machen, was von dem Kosmos, was von der äußeren Welt gemacht wird.
[ 6 ] Genau ebenso müssen wir als Geistesforscher einen Gedanken behandeln. Wir müssen ihn gleichsam hineinversenken in den Boden des gesamten Seelenlebens und nun abwarten, was er darin wird. Wir können uns nicht anders helfen, als indem wir denselben Vorgang des Ins-Auge-Fassens-eines-Gedankens jeden Tag wiederholen. Es braucht nicht lange Zeit, Minuten genügen für jeden Tag, aber jeden Tag muss das wiederholt werden; und lange, lange Zeit dauert das. Und alles dasjenige, was wir tun können, ist nur abwarten, was aus diesem Gedanken, indem wir alle Kräfte der Seele darauf verwenden und nichts anderes anschauen, nichts anderes empfinden, nichts anderes verspüren als diesen Gedanken, was aus diesem Gedanken wird. Auf das Zuschauen von etwas in uns selber Erwachsendem, darauf kommt es beim Forschen in der Geisteswissenschaft an. Während es beim anderen Forschen darauf ankommt, dass man eine gewisse Verrichtung vollzieht und durch Gedanken den gesetzmäßigen Zusammenhang erforscht, also während es sich darum handelt, irgendetwas zu verrichten, was, ich möchte sagen Anfang und Ende durch unsere Willkür hat, müssen wir bei der Geistesforschung zusehen, was aus dem wachsenden, sprossenden, sprießenden Gedanken in uns wird.
[ 6 ] Genau ebenso müssen wir als Geistesforscher einen Gedanken behandeln. Wir müssen ihn gleichsam hineinversenken in den Boden des gesamten Seelenlebens und nun abwarten, was er darin wird. Wir können uns nicht anders helfen, als indem wir denselben Vorgang des Ins-Auge-Fassens-eines-Gedankens jeden Tag wiederholen. Es braucht nicht lange Zeit, Minuten genügen für jeden Tag, aber jeden Tag muss das wiederholt werden; und lange, lange Zeit dauert das. Und alles dasjenige, was wir tun können, ist nur abwarten, was aus diesem Gedanken, indem wir alle Kräfte der Seele darauf verwenden und nichts anderes anschauen, nichts anderes empfinden, nichts anderes verspüren als diesen Gedanken, was aus diesem Gedanken wird. Auf das Zuschauen von etwas in uns selber Erwachsendem, darauf kommt es beim Forschen in der Geisteswissenschaft an. Während es beim anderen Forschen darauf ankommt, dass man eine gewisse Verrichtung vollzieht und durch Gedanken den gesetzmäßigen Zusammenhang erforscht, also während es sich darum handelt, irgendetwas zu verrichten, was, ich möchte sagen Anfang und Ende durch unsere Willkür hat, müssen wir bei der Geistesforschung zusehen, was aus dem wachsenden, sprossenden, sprießenden Gedanken in uns wird.
[ 7 ] Und dann kommt die Zeit — bei dem einen früher, bei dem andern später, je nachdem er eben von seinem Schicksal dazu veranlagt ist —, dann kommt die Zeit, wo wirklich sonst in der Seele verborgene Kräfte tätig und immer tätiger werden, und durch die Anwendung jener inneren Energie, die wir sonst nicht aufbringen im Alltagsleben und in der gewöhnlichen Wissenschaft, wir wirklich das zustande bringen, wovon man sagen kann, es wird unser Seelisch-Geistiges wirklich herausgerissen aus dem Physisch-Leiblichen, es verlässt das PhysischLeibliche. Indem man diesen ganzen Vorgang, der ja, ich möchte sagen das Elementarste darstellt — alles Weitere, was in weiterem Verfolg gemacht werden muss, kann nachgelesen werden in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» —, indem man diesen Gedanken ausspricht und aufmerksam macht auf dasjenige, was geisteswissenschaftliche Methode ist, berührt man ja sogleich etwas in dieser geisteswissenschaftlichen Methode, was ganz und gar den Denkgewohnheiten der gegenwärtigen Zeit widerspricht. Diese Denkgewohnheiten der gegenwärtigen Zeit können sich nicht vorstellen, dass das wirklich möglich ist, dass der Mensch in seiner Seele solch innere Kraft findet, dass sein Geistig-Seelisches so vom Physisch-Leiblichen herausgerissen wird, wie durch die Prozeduren, die der Chemiker macht, der Wasserstoff aus dem Wasser herausgerissen wird. Aber alles hängt davon ab, dass der Mensch, indem er immer weiter und weiter ausführt dasjenige, was eben in seiner elementarsten Grundlage beschrieben worden ist, wirklich zu dem kommt, dass er wahrnimmt einen anderen Menschen, der in ihm lebt, einen anderen Menschen, der all unserem Dasein zugrunde liegt und der sich nicht zu bedienen braucht der äußeren Sinne, um eine Welt um sich zu haben, der sich nicht zu bedienen braucht des Verstandes, der an das Gehirn oder das Nervensystem gebunden ist, um eine äußere Welt um sich zu haben.
[ 7 ] Und dann kommt die Zeit — bei dem einen früher, bei dem andern später, je nachdem er eben von seinem Schicksal dazu veranlagt ist —, dann kommt die Zeit, wo wirklich sonst in der Seele verborgene Kräfte tätig und immer tätiger werden, und durch die Anwendung jener inneren Energie, die wir sonst nicht aufbringen im Alltagsleben und in der gewöhnlichen Wissenschaft, wir wirklich das zustande bringen, wovon man sagen kann, es wird unser Seelisch-Geistiges wirklich herausgerissen aus dem Physisch-Leiblichen, es verlässt das PhysischLeibliche. Indem man diesen ganzen Vorgang, der ja, ich möchte sagen das Elementarste darstellt — alles Weitere, was in weiterem Verfolg gemacht werden muss, kann nachgelesen werden in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» —, indem man diesen Gedanken ausspricht und aufmerksam macht auf dasjenige, was geisteswissenschaftliche Methode ist, berührt man ja sogleich etwas in dieser geisteswissenschaftlichen Methode, was ganz und gar den Denkgewohnheiten der gegenwärtigen Zeit widerspricht. Diese Denkgewohnheiten der gegenwärtigen Zeit können sich nicht vorstellen, dass das wirklich möglich ist, dass der Mensch in seiner Seele solch innere Kraft findet, dass sein Geistig-Seelisches so vom Physisch-Leiblichen herausgerissen wird, wie durch die Prozeduren, die der Chemiker macht, der Wasserstoff aus dem Wasser herausgerissen wird. Aber alles hängt davon ab, dass der Mensch, indem er immer weiter und weiter ausführt dasjenige, was eben in seiner elementarsten Grundlage beschrieben worden ist, wirklich zu dem kommt, dass er wahrnimmt einen anderen Menschen, der in ihm lebt, einen anderen Menschen, der all unserem Dasein zugrunde liegt und der sich nicht zu bedienen braucht der äußeren Sinne, um eine Welt um sich zu haben, der sich nicht zu bedienen braucht des Verstandes, der an das Gehirn oder das Nervensystem gebunden ist, um eine äußere Welt um sich zu haben.
[ 8 ] Diejenige Weltanschauung, sehr verehrte Anwesende, welche den heutigen Denkgewohnheiten entspricht und die oftmals gerade das betont, dass sie auf dem festen Boden der so bewunderungswürdigen Naturwissenschaft steht, diese Weltanschauung spricht oftmals von Grenzen der menschlichen Erkenntnis, sie spricht davon etwa so, dass sie sagt: Ja, eine geistige Welt mag es geben, eine übersinnliche Welt, die zugrunde liegt den sinnlichen Tatsachen und alledem, was man durch den Verstand erkennen kann, den Verstand, der an das Gehirn gebunden ist, aber der Mensch ist eben nicht so eingerichtet, dass er in diese Welt eindringen könne. Und wir wissen ja, dass es Philosophien immer wieder und wiederum gegeben hat im Verlaufe der Menschheitsentwicklung, Philosophien, die sich bemüht haben, die Grenzen der menschlichen Erkenntnis festzustellen.
[ 8 ] Diejenige Weltanschauung, sehr verehrte Anwesende, welche den heutigen Denkgewohnheiten entspricht und die oftmals gerade das betont, dass sie auf dem festen Boden der so bewunderungswürdigen Naturwissenschaft steht, diese Weltanschauung spricht oftmals von Grenzen der menschlichen Erkenntnis, sie spricht davon etwa so, dass sie sagt: Ja, eine geistige Welt mag es geben, eine übersinnliche Welt, die zugrunde liegt den sinnlichen Tatsachen und alledem, was man durch den Verstand erkennen kann, den Verstand, der an das Gehirn gebunden ist, aber der Mensch ist eben nicht so eingerichtet, dass er in diese Welt eindringen könne. Und wir wissen ja, dass es Philosophien immer wieder und wiederum gegeben hat im Verlaufe der Menschheitsentwicklung, Philosophien, die sich bemüht haben, die Grenzen der menschlichen Erkenntnis festzustellen.
[ 9 ] Im Grunde genommen sind diese Grenzen der Erkenntnis nur die Grenzen derjenigen Erkenntnisse, die an das Physisch-Leibliche gebunden sind. Und warum das so ist, das zeigt sich auch dem Geistesforscher, wenn er die geschilderten mit einigen Strichen charakterisierten Methoden wirklich auf sein Seelenleben anwendet. Denn eine sehr eigentümliche Erscheinung tritt auf, wenn man also sich bemüht durch immer energischeres und energischeres Konzentrieren der Seelenkraft in dem angegebenen Sinn, gewissermaßen ganz eins zu werden mit dem, was man in den Mittelpunkt seines Vorstellens, seines Denkens, seines ganzen Bewusstseins gerückt hat, eines tritt auf: Man merkt nach einiger Zeit, wie wirklich etwas innerlich wächst, etwas innerlich sich zusammenzieht, was unser von dem Leibe abhängiges Geistig-Seelisches ist. Aber nach einiger Zeit merkt man, dass man geradezu in das entgegengesetzte Extrem hineinsteuert. Nicht nur, dass einem auf dem Wege, den man also mit seinem Seelenleben sucht, stets alle möglichen anderen Gedanken in das aufmerksame Bewusstsein hereinkommen und einen beirren — das ist etwas, was verhältnismäßig bald überwunden werden kann —, dasjenige aber, was dem Geistesforscher begegnet, wenn er also seine Seele zu entwickeln versucht, das ist, dass, indem er zuerst erlebt ein Zunehmen der Kräfte, die sonst dem Denken zugrunde liegen — [eintritt in einem bestimmten Punkte das], was man nennen könnte «eine Verdunkelung, eine Herablähmung» dieser inneren Seelenkraft —, und dasjenige, was da die Seele erlebt, das ist im Grunde genommen ein recht Erschütterndes. Denn man erlebt nämlich nichts Geringeres, als dass man fühlt etwas über die Seele herankommen wie eine Ohnmacht, eine Ohnmacht, die sich sagt: Ach, diese Seelenkräfte sind doch nicht ausreichend, um in den ganzen Umfang der geistigen Welt einzudringen! Wie ein furchtbar lähmender Schlaf kommt es geradezu über das Bewusstsein. Und das ist es, sehr verehrte Anwesende, was zwar diejenigen Philosophen nicht an sich herankommen lassen, die von den Grenzen des Erkennens sprechen, was aber die Seele, ich möchte sagen unbewusst fühlt, wenn sie philosophiert.
[ 9 ] Im Grunde genommen sind diese Grenzen der Erkenntnis nur die Grenzen derjenigen Erkenntnisse, die an das Physisch-Leibliche gebunden sind. Und warum das so ist, das zeigt sich auch dem Geistesforscher, wenn er die geschilderten mit einigen Strichen charakterisierten Methoden wirklich auf sein Seelenleben anwendet. Denn eine sehr eigentümliche Erscheinung tritt auf, wenn man also sich bemüht durch immer energischeres und energischeres Konzentrieren der Seelenkraft in dem angegebenen Sinn, gewissermaßen ganz eins zu werden mit dem, was man in den Mittelpunkt seines Vorstellens, seines Denkens, seines ganzen Bewusstseins gerückt hat, eines tritt auf: Man merkt nach einiger Zeit, wie wirklich etwas innerlich wächst, etwas innerlich sich zusammenzieht, was unser von dem Leibe abhängiges Geistig-Seelisches ist. Aber nach einiger Zeit merkt man, dass man geradezu in das entgegengesetzte Extrem hineinsteuert. Nicht nur, dass einem auf dem Wege, den man also mit seinem Seelenleben sucht, stets alle möglichen anderen Gedanken in das aufmerksame Bewusstsein hereinkommen und einen beirren — das ist etwas, was verhältnismäßig bald überwunden werden kann —, dasjenige aber, was dem Geistesforscher begegnet, wenn er also seine Seele zu entwickeln versucht, das ist, dass, indem er zuerst erlebt ein Zunehmen der Kräfte, die sonst dem Denken zugrunde liegen — [eintritt in einem bestimmten Punkte das], was man nennen könnte «eine Verdunkelung, eine Herablähmung» dieser inneren Seelenkraft —, und dasjenige, was da die Seele erlebt, das ist im Grunde genommen ein recht Erschütterndes. Denn man erlebt nämlich nichts Geringeres, als dass man fühlt etwas über die Seele herankommen wie eine Ohnmacht, eine Ohnmacht, die sich sagt: Ach, diese Seelenkräfte sind doch nicht ausreichend, um in den ganzen Umfang der geistigen Welt einzudringen! Wie ein furchtbar lähmender Schlaf kommt es geradezu über das Bewusstsein. Und das ist es, sehr verehrte Anwesende, was zwar diejenigen Philosophen nicht an sich herankommen lassen, die von den Grenzen des Erkennens sprechen, was aber die Seele, ich möchte sagen unbewusst fühlt, wenn sie philosophiert.
[ 10 ] Denn nicht allein dasjenige lebt in den Untergründen der Seele, wessen sich die Seele im gewöhnlichen Leben bewusst ist, sondern da unten in den Untergründen der Seele, in den verborgenen Tiefen der Seele, da lebt so manches, was nicht im alltäglichen Bewusstsein ist. Und dass wir nichts davon wissen, das macht nicht aus, dass es nicht wirksam ist, was da unten im Bewusstsein ist. Da unten im Bewusstsein ist nun etwas, was der Geistesforscher in dem Augenblick erlebt, wo er dieses Ohnmachtsgefühl hat, von dem ich eben gesprochen habe. Der Geistesforscher merkt: Eine unbewusste Furcht ist in der Seele da unten, eine Furcht vor dem Verluste des Erkennens, des Auffassens der Welt. Und man kommt über diese Furcht, sobald sie einem bewusst wird, auf keine andere Weise hinweg, als indem man die schon geschilderten Anstrengungen des Konzentrierens des Seelenlebens immer mehr und mehr verstärkt. Dann tritt, ich möchte sagen in den leeren Bewusstseinsraum, in dem schon abgelähmt war die Kraft, die sonst dem Denken und Empfinden zugrunde liegt, tritt das hinein, was durch die erhöhte Stärke und innere Energie des Seelenlebens hineintreten kann.
[ 10 ] Denn nicht allein dasjenige lebt in den Untergründen der Seele, wessen sich die Seele im gewöhnlichen Leben bewusst ist, sondern da unten in den Untergründen der Seele, in den verborgenen Tiefen der Seele, da lebt so manches, was nicht im alltäglichen Bewusstsein ist. Und dass wir nichts davon wissen, das macht nicht aus, dass es nicht wirksam ist, was da unten im Bewusstsein ist. Da unten im Bewusstsein ist nun etwas, was der Geistesforscher in dem Augenblick erlebt, wo er dieses Ohnmachtsgefühl hat, von dem ich eben gesprochen habe. Der Geistesforscher merkt: Eine unbewusste Furcht ist in der Seele da unten, eine Furcht vor dem Verluste des Erkennens, des Auffassens der Welt. Und man kommt über diese Furcht, sobald sie einem bewusst wird, auf keine andere Weise hinweg, als indem man die schon geschilderten Anstrengungen des Konzentrierens des Seelenlebens immer mehr und mehr verstärkt. Dann tritt, ich möchte sagen in den leeren Bewusstseinsraum, in dem schon abgelähmt war die Kraft, die sonst dem Denken und Empfinden zugrunde liegt, tritt das hinein, was durch die erhöhte Stärke und innere Energie des Seelenlebens hineintreten kann.
[ 11 ] Eine verborgene, eine nicht zum Bewusstsein gekommene Furcht war es selbst, als Kant von den Grenzen der menschlichen Erkenntnis sprach. Er fühlte: Diejenige Erkenntnis, bei der uns das Leibliche hilft, die kann über das Gebiet des Sinnenlebens und die Gesetze des Sinnenlebens nicht hinauskommen. Zur geisteswissenschaftlichen Methode wollte er sich nicht bequemen. Er nannte das, obwohl er ahnte, dass es so etwas wie eine Entwicklung der Seele zur Unabhängigkeit vom Physisch-Leiblichen gäbe, er nannte das: «ein Abenteuer der Vernunft». Und Goethe hat darauf die große, man darf sagen die gewaltige Antwort gegeben, dass man wagen müsse, dieses Abenteuer der Vernunft zu bestehen.
[ 11 ] Eine verborgene, eine nicht zum Bewusstsein gekommene Furcht war es selbst, als Kant von den Grenzen der menschlichen Erkenntnis sprach. Er fühlte: Diejenige Erkenntnis, bei der uns das Leibliche hilft, die kann über das Gebiet des Sinnenlebens und die Gesetze des Sinnenlebens nicht hinauskommen. Zur geisteswissenschaftlichen Methode wollte er sich nicht bequemen. Er nannte das, obwohl er ahnte, dass es so etwas wie eine Entwicklung der Seele zur Unabhängigkeit vom Physisch-Leiblichen gäbe, er nannte das: «ein Abenteuer der Vernunft». Und Goethe hat darauf die große, man darf sagen die gewaltige Antwort gegeben, dass man wagen müsse, dieses Abenteuer der Vernunft zu bestehen.
[ 12 ] Ohnmacht, das ist dasjenige, was man auf dem Grunde der Seele wirklich hat, was immer auf dem Grunde der Seele ist. Und man möchte sagen, verehrte Anwesende, das ist voll begründet, dass diese Ohnmacht auf dem Grunde der Seele des Menschen ist. Denn wenn diese Ohnmacht nicht da wäre, so wäre der Drang des Menschen unbesieglich, die seelisch-geistigen Kräfte immerdar zu verwenden für dasjenige, was über die Sinnenwelt hinausführt. Dass wir die Sinnenwelt aber empfinden, wahrnehmen, erkennen, das beruht darauf, dass wir, ich möchte sagen uns zusammengewöhnen mit unserem physischen Leibe, mit dem Physisch-Leiblichen und dass wir es wie eine Notwendigkeit betrachten, im Verhältnis zur Welt in diesem Physisch-Leiblichen zu leben. Sodass, wie man ein chemisches Experiment so ausführt, dass es zum Abnormen der äußeren Natur führt und gerade dadurch die Natur enträtselt, so muss man schon etwas Abnormes, etwas für das alltägliche Leben Abnormes in der Seele entwickeln, um, ich möchte sagen durch innere Chemie wirklich hineinzuschauen in die geistige Welt.
[ 12 ] Ohnmacht, das ist dasjenige, was man auf dem Grunde der Seele wirklich hat, was immer auf dem Grunde der Seele ist. Und man möchte sagen, verehrte Anwesende, das ist voll begründet, dass diese Ohnmacht auf dem Grunde der Seele des Menschen ist. Denn wenn diese Ohnmacht nicht da wäre, so wäre der Drang des Menschen unbesieglich, die seelisch-geistigen Kräfte immerdar zu verwenden für dasjenige, was über die Sinnenwelt hinausführt. Dass wir die Sinnenwelt aber empfinden, wahrnehmen, erkennen, das beruht darauf, dass wir, ich möchte sagen uns zusammengewöhnen mit unserem physischen Leibe, mit dem Physisch-Leiblichen und dass wir es wie eine Notwendigkeit betrachten, im Verhältnis zur Welt in diesem Physisch-Leiblichen zu leben. Sodass, wie man ein chemisches Experiment so ausführt, dass es zum Abnormen der äußeren Natur führt und gerade dadurch die Natur enträtselt, so muss man schon etwas Abnormes, etwas für das alltägliche Leben Abnormes in der Seele entwickeln, um, ich möchte sagen durch innere Chemie wirklich hineinzuschauen in die geistige Welt.
[ 13 ] Und man bekommt, indem man sich also in die geistige Welt hineinlebt, allerdings von diesem neu erworbenen Erkennen eine andere Vorstellung, als man sie vorher von allem Erkennen gehabt hat. Ja, Erkennen ist etwas, womit so viele Leute den Begriff verbinden, dass man eigentlich am besten dann erkennt, wenn man nur mit dem Verstande und den äußeren Sinnen, die uns im Grunde genommen doch nüchtern und kalt lassen, die nur einen Teil unseres Seelenlebens beschäftigen, wenn man sich auf diese beschränkt. In dem Augenblick, wo der Geistesforscher in der geschilderten Weise wirklich eintritt in die geistige Welt, in dem Augenblick, wo er losgerissen hat sein Geistig-Seelisches von dem PhysischLeiblichen, ist er ebenso, wie er innerhalb des Leibes umgeben ist von einer Sinnenwelt, ist er dann umgeben von einer geistigen Welt. In demselben Augenblick, in dem der Geistesforscher in diese Welt des Geistigen wirklich eintritt, in demselben Augenblick fühlt er sich in diesem Geistigen allerdings wie erwacht. Aber zu gleicher Zeit fühlt er, dass er jetzt nicht mehr mit einem Teil seines Seelenlebens, wie in der äußeren Erkenntnis, mit der Welt sein kann, sondern dass er mit seinem ganzen Sein in das sich versenken muss, was da vor ihm als geistige Welt auftritt.
[ 13 ] Und man bekommt, indem man sich also in die geistige Welt hineinlebt, allerdings von diesem neu erworbenen Erkennen eine andere Vorstellung, als man sie vorher von allem Erkennen gehabt hat. Ja, Erkennen ist etwas, womit so viele Leute den Begriff verbinden, dass man eigentlich am besten dann erkennt, wenn man nur mit dem Verstande und den äußeren Sinnen, die uns im Grunde genommen doch nüchtern und kalt lassen, die nur einen Teil unseres Seelenlebens beschäftigen, wenn man sich auf diese beschränkt. In dem Augenblick, wo der Geistesforscher in der geschilderten Weise wirklich eintritt in die geistige Welt, in dem Augenblick, wo er losgerissen hat sein Geistig-Seelisches von dem PhysischLeiblichen, ist er ebenso, wie er innerhalb des Leibes umgeben ist von einer Sinnenwelt, ist er dann umgeben von einer geistigen Welt. In demselben Augenblick, in dem der Geistesforscher in diese Welt des Geistigen wirklich eintritt, in demselben Augenblick fühlt er sich in diesem Geistigen allerdings wie erwacht. Aber zu gleicher Zeit fühlt er, dass er jetzt nicht mehr mit einem Teil seines Seelenlebens, wie in der äußeren Erkenntnis, mit der Welt sein kann, sondern dass er mit seinem ganzen Sein in das sich versenken muss, was da vor ihm als geistige Welt auftritt.
[ 14 ] Ebenso abstrakt, ebenso, ich möchte sagen nüchtern und trocken [wie] die Welt ist, die als die gewöhnliche Erkenntniswelt nur einen Teil unserer Seele belebt und beschäftigt, ebenso intensiv wirksam in unserer Seele ist der Zusammenhang mit der geistigen Welt. Man kann sagen: Wehe tun, Schmerzen bereiten, kann uns im gewöhnlichen Sinne des Wortes eine Verstandeserkenntnis der äußeren Welt nicht. In dem Augenblick, wo wir in der geschilderten Weise in die geistige Welt eintreten, müssen wir mit unserer ganzen Seele in die Wesen untertauchen, die der Welt angehören, in die wir eintauchen. Alles dasjenige, was wir da erkennen, übt zugleich den tiefsten, intensivsten Eindruck entweder auf unser Lust- oder unser Schmerzgefühl, auf unser Erhabenheitsgefühl oder auf unser Gefühl der Gedrücktheit. Unser ganzes Gemüt taucht unter. Mit unserem ganzen Menschen müssen wir mit der Welt, in die wir uns hineinleben, leidvoll oder freudvoll leben. Und wiederum ist es die Furcht, aber eine geheim gefühlte Furcht, die einem nicht zum Bewusstsein kommt, welche das gewöhnliche Bewusstsein abhält, in diese Welt unterzutauchen. Wahrhaftig, man wird nicht ärmer an Welteninhalt, wenn man sich dieser geistigen Welt nähert. Im Gegenteil, verehrte Anwesende, man wird reicher an Welteninhalt, denn man merkt, worauf eigentlich diese Furcht vor einer unterbewussten Ohnmacht beruht. Sie beruht darauf, dass die Welt viel reicher, unendlich viel reicher ist in ihrer Herrlichkeit, in ihrer Größe, in ihrer inneren Gesetzmäßigkeit, als dasjenige ist, was wir nur zu denken vermögen, wenn wir uns der Kräfte bedienen, die an unseren Leib gebunden sind.
[ 14 ] Ebenso abstrakt, ebenso, ich möchte sagen nüchtern und trocken [wie] die Welt ist, die als die gewöhnliche Erkenntniswelt nur einen Teil unserer Seele belebt und beschäftigt, ebenso intensiv wirksam in unserer Seele ist der Zusammenhang mit der geistigen Welt. Man kann sagen: Wehe tun, Schmerzen bereiten, kann uns im gewöhnlichen Sinne des Wortes eine Verstandeserkenntnis der äußeren Welt nicht. In dem Augenblick, wo wir in der geschilderten Weise in die geistige Welt eintreten, müssen wir mit unserer ganzen Seele in die Wesen untertauchen, die der Welt angehören, in die wir eintauchen. Alles dasjenige, was wir da erkennen, übt zugleich den tiefsten, intensivsten Eindruck entweder auf unser Lust- oder unser Schmerzgefühl, auf unser Erhabenheitsgefühl oder auf unser Gefühl der Gedrücktheit. Unser ganzes Gemüt taucht unter. Mit unserem ganzen Menschen müssen wir mit der Welt, in die wir uns hineinleben, leidvoll oder freudvoll leben. Und wiederum ist es die Furcht, aber eine geheim gefühlte Furcht, die einem nicht zum Bewusstsein kommt, welche das gewöhnliche Bewusstsein abhält, in diese Welt unterzutauchen. Wahrhaftig, man wird nicht ärmer an Welteninhalt, wenn man sich dieser geistigen Welt nähert. Im Gegenteil, verehrte Anwesende, man wird reicher an Welteninhalt, denn man merkt, worauf eigentlich diese Furcht vor einer unterbewussten Ohnmacht beruht. Sie beruht darauf, dass die Welt viel reicher, unendlich viel reicher ist in ihrer Herrlichkeit, in ihrer Größe, in ihrer inneren Gesetzmäßigkeit, als dasjenige ist, was wir nur zu denken vermögen, wenn wir uns der Kräfte bedienen, die an unseren Leib gebunden sind.
[ 15 ] Und der Reichtum der Welt ist dasjenige, was in einer überwältigenden Weise, wie in einer betäubenden Weise, sogleich vor der Seele auftritt, wenn sie sich durch innere Kraft der geistigen Welt gegenüberstellt. Aber die Seele, die an das Physisch-Leibliche mit ihrem Bewusstsein gebunden ist, die fühlt, trotzdem sie nichts weiß davon, sie fühlt sich ohnmächtig, und sie will diese Ohnmacht aus Furcht vermeiden, die Ohnmacht, die der geistigen Welt gegenüber besteht. Daher sehen wir, wie auf der einen Seite die Menschen zurückschrecken und sich etwas vormachen von Grenzen der Erkenntnis, sodass sie sagen, die Erkenntnis könne überhaupt nicht hineindringen in die geistige Welt, oder wie sie auf der anderen Seite, wenn sie tiefe Sehnsucht haben nach der geistigen Welt, diese befriedigen auf eine ganz andere Weise als auf die geschilderte Art. Die geschilderte Art ist die der echten, wahren Geistesforschung. Die geschilderte Art setzt aber voraus, dass man Ernst macht mit dem Freiwerden von dem Physisch-Leiblichen. Das ist nur zu erreichen durch eine gesteigerte innere Seelentätigkeit, das ist nur zu erreichen durch die Anwendung einer Energie, die uns niemals als innere Energie notwendig ist im alltäglichen Leben oder in der alltäglichen Wissenschaft.
[ 15 ] Und der Reichtum der Welt ist dasjenige, was in einer überwältigenden Weise, wie in einer betäubenden Weise, sogleich vor der Seele auftritt, wenn sie sich durch innere Kraft der geistigen Welt gegenüberstellt. Aber die Seele, die an das Physisch-Leibliche mit ihrem Bewusstsein gebunden ist, die fühlt, trotzdem sie nichts weiß davon, sie fühlt sich ohnmächtig, und sie will diese Ohnmacht aus Furcht vermeiden, die Ohnmacht, die der geistigen Welt gegenüber besteht. Daher sehen wir, wie auf der einen Seite die Menschen zurückschrecken und sich etwas vormachen von Grenzen der Erkenntnis, sodass sie sagen, die Erkenntnis könne überhaupt nicht hineindringen in die geistige Welt, oder wie sie auf der anderen Seite, wenn sie tiefe Sehnsucht haben nach der geistigen Welt, diese befriedigen auf eine ganz andere Weise als auf die geschilderte Art. Die geschilderte Art ist die der echten, wahren Geistesforschung. Die geschilderte Art setzt aber voraus, dass man Ernst macht mit dem Freiwerden von dem Physisch-Leiblichen. Das ist nur zu erreichen durch eine gesteigerte innere Seelentätigkeit, das ist nur zu erreichen durch die Anwendung einer Energie, die uns niemals als innere Energie notwendig ist im alltäglichen Leben oder in der alltäglichen Wissenschaft.
[ 16 ] Aber die Menschen möchten gerade dasjenige, woran sie gewöhnt sind, im alltäglichen Leben dann zur Anwendung bringen, wenn sie sich den höheren Welten nähern. Das menschliche Bewusstsein fühlt ja eben die geschilderte Ohnmacht, und, ich möchte sagen in einer Weise, die ganz begreiflich ist, fühlt dieses Bewusstsein diese geschilderte Ohnmacht gerade dann, wenn es sich der intensiveren, der reicheren, der erhabeneren Welt des Geistes gegenüberstellen will. Daher möchte am liebsten der Mensch, statt dass er dasjenige, was in seinem Leibe wohnt, in erhöhtem Maße anstrengt, um die geistige Welt zu erkennen, möchte er es ausschalten. Das Gefühl der verborgenen Ohnmacht, das lässt ihn zu der Empfindung kommen, er müsse gerade, weil er ohnmächtig ist gegenüber dem geistigen Leben, ausschalten dasjenige, womit er im gewöhnlichen Leben erkennt; statt es zu entwickeln, will er es ausschalten. Dann geht er nicht heran, um die geistige Welt zu erkennen, sein Inneres zu entwickeln, sondern dann geht er heran und sucht entweder durch irgendwelche äußeren Veranstaltungen oder dadurch, dass er sich, wie man so sagt, eines Mediums bedient, bei dem gerade das Geistige, statt entwickelt zu werden, eingeschläfert ist, versucht er, durch den Automatismus des Leibeslebens des Mediums, ohne sein inneres Zutun, sich Kenntnisse von der geistigen Welt zu verschaffen. Es ist nur das fürchtende Zurückschrecken vor dem Durchleben der Ohnmacht. Denn dieses Ohnmachtsgefühl muss durchlebt werden; indem es überwunden wird allein, bewusst erlebt wird, dringt der Mensch in der Erkenntnis vorwärts. Aber in dem geheimen Fühlen dieses Ohnmachtgefühles ist es, dass der Mensch gerade ausschalten will dasjenige, was ihn zur geistigen Erkenntnis führt. Daher suchen so viele auf dem medialen, auf dem spiritistischen Wege dasjenige, was aus der geistigen Welt zu ihnen sprechen soll. Man kann leicht einsehen, dass dieses Suchen auf dem spiritistischen, auf dem medialen Wege gerade das extreme, das äußerste Ausbilden des Ohnmachtgefühles gegenüber der geistigen Welt ist.
[ 16 ] Aber die Menschen möchten gerade dasjenige, woran sie gewöhnt sind, im alltäglichen Leben dann zur Anwendung bringen, wenn sie sich den höheren Welten nähern. Das menschliche Bewusstsein fühlt ja eben die geschilderte Ohnmacht, und, ich möchte sagen in einer Weise, die ganz begreiflich ist, fühlt dieses Bewusstsein diese geschilderte Ohnmacht gerade dann, wenn es sich der intensiveren, der reicheren, der erhabeneren Welt des Geistes gegenüberstellen will. Daher möchte am liebsten der Mensch, statt dass er dasjenige, was in seinem Leibe wohnt, in erhöhtem Maße anstrengt, um die geistige Welt zu erkennen, möchte er es ausschalten. Das Gefühl der verborgenen Ohnmacht, das lässt ihn zu der Empfindung kommen, er müsse gerade, weil er ohnmächtig ist gegenüber dem geistigen Leben, ausschalten dasjenige, womit er im gewöhnlichen Leben erkennt; statt es zu entwickeln, will er es ausschalten. Dann geht er nicht heran, um die geistige Welt zu erkennen, sein Inneres zu entwickeln, sondern dann geht er heran und sucht entweder durch irgendwelche äußeren Veranstaltungen oder dadurch, dass er sich, wie man so sagt, eines Mediums bedient, bei dem gerade das Geistige, statt entwickelt zu werden, eingeschläfert ist, versucht er, durch den Automatismus des Leibeslebens des Mediums, ohne sein inneres Zutun, sich Kenntnisse von der geistigen Welt zu verschaffen. Es ist nur das fürchtende Zurückschrecken vor dem Durchleben der Ohnmacht. Denn dieses Ohnmachtsgefühl muss durchlebt werden; indem es überwunden wird allein, bewusst erlebt wird, dringt der Mensch in der Erkenntnis vorwärts. Aber in dem geheimen Fühlen dieses Ohnmachtgefühles ist es, dass der Mensch gerade ausschalten will dasjenige, was ihn zur geistigen Erkenntnis führt. Daher suchen so viele auf dem medialen, auf dem spiritistischen Wege dasjenige, was aus der geistigen Welt zu ihnen sprechen soll. Man kann leicht einsehen, dass dieses Suchen auf dem spiritistischen, auf dem medialen Wege gerade das extreme, das äußerste Ausbilden des Ohnmachtgefühles gegenüber der geistigen Welt ist.
[ 17 ] Unsere Zeit aber, verehrte Anwesende, braucht Stärke, braucht Kraft, denn indem das äußere Leben durch die wunderbar sich entwickelnde Naturwissenschaft immer komplizierter und komplizierter wird, gerade auch in seinen sozialen Verästelungen wird der Mensch, indem er in die geistige Welt eindringen will, immer stärkere und stärkere Kräfte entwickeln müssen. Dasjenige, was an die Schwäche appelliert, an die Ausschaltung des GeistigSeelischen appelliert, das kann nimmermehr die Zukunft haben, das kann den Menschen einlullen und einschläfern gegenüber demjenigen, was gerade herausgeholt werden soll aus den verborgenen Untergründen der Seele.
[ 17 ] Unsere Zeit aber, verehrte Anwesende, braucht Stärke, braucht Kraft, denn indem das äußere Leben durch die wunderbar sich entwickelnde Naturwissenschaft immer komplizierter und komplizierter wird, gerade auch in seinen sozialen Verästelungen wird der Mensch, indem er in die geistige Welt eindringen will, immer stärkere und stärkere Kräfte entwickeln müssen. Dasjenige, was an die Schwäche appelliert, an die Ausschaltung des GeistigSeelischen appelliert, das kann nimmermehr die Zukunft haben, das kann den Menschen einlullen und einschläfern gegenüber demjenigen, was gerade herausgeholt werden soll aus den verborgenen Untergründen der Seele.
[ 18 ] Nun kann man sich eine Vorstellung machen, wie sehr dasjenige, was gesagt worden ist, abgelehnt wird als ein — nochmals sei es gesagt —, als ein geistiger Laboratoriumsprozess von den Denkgewohnheiten unserer Gegenwart, wie sehr es abgelehnt wird, man kann sich eine Vorstellung machen, wenn man sieht, dass gerade das entgegengesetzte Extrem von dem Geschilderten zum Ideal geworden ist für einen großen Teil der geschulten Gebildeten der Gegenwart. Denn wohin wird der Geistesforscher geführt, wenn er also durch die charakterisierte Methode in die geistige Welt hineinkommt? Er wird dazu geführt, sich zu sagen: In deiner Umgebung lebt nicht nur die sinnliche Welt, in deiner Umgebung lebt eine geistige Welt! Und er erkennt: Diese geistige Welt enthält die Ursachen, die Untergründe für das sinnliche Dasein. Aber das Ideal sehr vieler, welche so recht glauben, als geschulte Gebildete auf dem festen Boden der Naturwissenschaft zu stehen, mit der in Wirklichkeit, wie ich es vorgestern erwähnte, allerdings Geisteswissenschaft völlig im Einklang ist. Aber die meisten derjenigen Menschen, deren Art angedeutet worden ist, die glauben, das Ideal zu sehen darin, gerade das alles auszuschalten, was auf dem charakterisierten Wege gefunden wird, glauben das Ideal der Naturerkenntnis darin zu sehen, überall nur gleichsam mechanisch aufeinander wirkende Ursachen und Tatsachen zu sehen, auszuschalten alles Geistige aus den äußeren Naturvorgängen. Das ist das Ideal sehr vieler, die gerade die Denkgewohnheiten der Gegenwart haben.
[ 18 ] Nun kann man sich eine Vorstellung machen, wie sehr dasjenige, was gesagt worden ist, abgelehnt wird als ein — nochmals sei es gesagt —, als ein geistiger Laboratoriumsprozess von den Denkgewohnheiten unserer Gegenwart, wie sehr es abgelehnt wird, man kann sich eine Vorstellung machen, wenn man sieht, dass gerade das entgegengesetzte Extrem von dem Geschilderten zum Ideal geworden ist für einen großen Teil der geschulten Gebildeten der Gegenwart. Denn wohin wird der Geistesforscher geführt, wenn er also durch die charakterisierte Methode in die geistige Welt hineinkommt? Er wird dazu geführt, sich zu sagen: In deiner Umgebung lebt nicht nur die sinnliche Welt, in deiner Umgebung lebt eine geistige Welt! Und er erkennt: Diese geistige Welt enthält die Ursachen, die Untergründe für das sinnliche Dasein. Aber das Ideal sehr vieler, welche so recht glauben, als geschulte Gebildete auf dem festen Boden der Naturwissenschaft zu stehen, mit der in Wirklichkeit, wie ich es vorgestern erwähnte, allerdings Geisteswissenschaft völlig im Einklang ist. Aber die meisten derjenigen Menschen, deren Art angedeutet worden ist, die glauben, das Ideal zu sehen darin, gerade das alles auszuschalten, was auf dem charakterisierten Wege gefunden wird, glauben das Ideal der Naturerkenntnis darin zu sehen, überall nur gleichsam mechanisch aufeinander wirkende Ursachen und Tatsachen zu sehen, auszuschalten alles Geistige aus den äußeren Naturvorgängen. Das ist das Ideal sehr vieler, die gerade die Denkgewohnheiten der Gegenwart haben.
[ 19 ] Und es gilt im Grunde genommen als ein Rest alten Aberglaubens, wenn man irgendetwas im Naturdasein sieht oder hinter dem Naturdasein was Geistiges ist, [sondern man möchte] so viel wie möglich erklären das Naturdasein nur durch die Tatsachen, die nach dem Muster des sinnlich Beobachteten aufgebaut werden. So will man begreifen in der äußeren Physik, so begreifen in der Biologie, so begreifen in der Physiologie und so weiter selbst die Vorgänge der Seele. Ich habe das vorgestern angedeutet.
[ 19 ] Und es gilt im Grunde genommen als ein Rest alten Aberglaubens, wenn man irgendetwas im Naturdasein sieht oder hinter dem Naturdasein was Geistiges ist, [sondern man möchte] so viel wie möglich erklären das Naturdasein nur durch die Tatsachen, die nach dem Muster des sinnlich Beobachteten aufgebaut werden. So will man begreifen in der äußeren Physik, so begreifen in der Biologie, so begreifen in der Physiologie und so weiter selbst die Vorgänge der Seele. Ich habe das vorgestern angedeutet.
[ 20 ] Das Ideal also eines Erkennens, das gerade alles dasjenige ausschaltet, worauf der Geistesforscher kommt, wenn er die geisteswissenschaftlichen Methoden anwendet, das ist das Ideal gerade der Geschultesten, vieler der geschultesten Gebildeten der Gegenwart. So möchte man sagen: Mechanische Naturordnung ist dasjenige, was man der Natur zugrunde legt. Und zum Seitenstück dazu, sehr verehrte Anwesende, wird nun die Betrachtung des Menschenlebens. Hat man sich gewöhnt, in der Natur nichts anderes als mechanische Ordnung zu sehen, hat man sich dann gewöhnt, abzulehnen gerade dasjenige, wozu der Geistesforscher kommen muss, dann ist dasjenige, was im Leben vorgeht, im Grunde genommen eine Summe von Zufällen. Und eine Summe von Zufällen ist ja im Grunde dasjenige, was die Menschen sehen in dem, was hereinbricht in ihr Leben zwischen Geburt und Tod, im physischen Leibeserleben.
[ 20 ] Das Ideal also eines Erkennens, das gerade alles dasjenige ausschaltet, worauf der Geistesforscher kommt, wenn er die geisteswissenschaftlichen Methoden anwendet, das ist das Ideal gerade der Geschultesten, vieler der geschultesten Gebildeten der Gegenwart. So möchte man sagen: Mechanische Naturordnung ist dasjenige, was man der Natur zugrunde legt. Und zum Seitenstück dazu, sehr verehrte Anwesende, wird nun die Betrachtung des Menschenlebens. Hat man sich gewöhnt, in der Natur nichts anderes als mechanische Ordnung zu sehen, hat man sich dann gewöhnt, abzulehnen gerade dasjenige, wozu der Geistesforscher kommen muss, dann ist dasjenige, was im Leben vorgeht, im Grunde genommen eine Summe von Zufällen. Und eine Summe von Zufällen ist ja im Grunde dasjenige, was die Menschen sehen in dem, was hereinbricht in ihr Leben zwischen Geburt und Tod, im physischen Leibeserleben.
[ 21 ] Denn wie stellt sich denn der Mensch zu dem, was in diesem Leben zwischen Geburt und Tod hereinbricht? Wenn ihn irgendetwas trifft, wovon der Mensch sich sagt, es ist für ihn ein Schicksalsschlag im Guten oder Schlechten, da stellt sich der Mensch so zu diesem Schicksalsschlag, dass er diesen Schicksalsschlag zunächst aufnimmt mit dem, was man Sympathie und Antipathie des Gemütes nennen kann. Ebenso, wie der Mensch nach Ursachen und Wirkungen in der Natur draußen sucht, ebenso lässt er im Grunde genommen stehen als bloße Reihe, als bloße Folge von Zufällen dasjenige, was in sein Schicksal hereinspielt.
[ 21 ] Denn wie stellt sich denn der Mensch zu dem, was in diesem Leben zwischen Geburt und Tod hereinbricht? Wenn ihn irgendetwas trifft, wovon der Mensch sich sagt, es ist für ihn ein Schicksalsschlag im Guten oder Schlechten, da stellt sich der Mensch so zu diesem Schicksalsschlag, dass er diesen Schicksalsschlag zunächst aufnimmt mit dem, was man Sympathie und Antipathie des Gemütes nennen kann. Ebenso, wie der Mensch nach Ursachen und Wirkungen in der Natur draußen sucht, ebenso lässt er im Grunde genommen stehen als bloße Reihe, als bloße Folge von Zufällen dasjenige, was in sein Schicksal hereinspielt.
[ 22 ] Indem man nun sagen kann, verehrte Anwesende, dass dasjenige, was der Geistesforscher an Geistig-Seelischem in sich erweckt, eigentlich im gewöhnlichen Leben beim Menschen schlummert, schläft, so muss man sagen: Auch im vollen Wachleben, wenn der Mensch im Handeln drinnensteht, wenn der Mensch handelt so, dass er sich seiner äußeren Leiblichkeit und der äußeren Sinneswelt bedient, Handlungen zu vollziehen, auch da schläft etwas im Menschen. Und was da schläft, das verhindert ihn daran, in dem Prozess, der sich abspielt, in den Lebenszufällen einen Zusammenhang zu sehen. Im Grunde genommen ist es dasselbe, was da mit dem Menschen sich vollzieht in den Lebenszusammenhängen, was sich auch im Laufe der Geschichte und noch heute für viele Menschen gegenüber den Naturtatsachen vollzieht. Der Mensch, der sich nicht mit äußerer Naturwissenschaft beschäftigt, sieht die Sonne auf- und untergehen, er betrachtet die einzelnen Orte der Sonne; für ihn sind äußere Tatsachen da, die der Zeit nach und im Raume verlaufen. Dann kommt er mit seinem Denken, mit seiner Wissenschaft, mit seinen Methoden heran, dieser Mensch, an dasjenige, was sonst äußere Tatsachen sind, und er bringt Zusammenhang in diese äußere Tatsachenwelt hinein, indem er an die Stelle des bloßen Hinstarrens auf die Tatsachen den Zusammenhang setzt, der sich in den Naturgesetzen zum Ausdruck bringt. Solchen Zusammenhang bringt der Mensch nicht in dasjenige, was er äußerliche Lebenszufälle nennt, zunächst, weil die Kräfte in ihm schlafen für das gewöhnliche Leben, die für dieses Gebiet dasselbe bedeuten wie die Erkenntniskräfte für die Tatsachen der äußeren Natur. Wir müssen unsere Erkenntnis anwenden auf die Tatsachen der äußeren Natur, damit wir Gesetze in der äußeren Natur erblicken. Den gewöhnlichen Denkgewohnheiten nach ist der Mensch nicht geneigt, auf dasjenige, was sich als sein Schicksal vollzieht zwischen Geburt und Tod, anzuwenden solche inneren Verrichtungen, wie er sie auf die äußeren Naturtatsachen anwendet. Und den Weg will ich andeuten, der sich nun wiederum für die Geistesforschung ergibt, um auch in die Folge der Schicksalsereignisse eine ähnliche Gesetzmäßigkeit hereinzubringen, wie das äußerliche Denken sie in die Reihe der Naturtatsachen hineinbringt.
[ 22 ] Indem man nun sagen kann, verehrte Anwesende, dass dasjenige, was der Geistesforscher an Geistig-Seelischem in sich erweckt, eigentlich im gewöhnlichen Leben beim Menschen schlummert, schläft, so muss man sagen: Auch im vollen Wachleben, wenn der Mensch im Handeln drinnensteht, wenn der Mensch handelt so, dass er sich seiner äußeren Leiblichkeit und der äußeren Sinneswelt bedient, Handlungen zu vollziehen, auch da schläft etwas im Menschen. Und was da schläft, das verhindert ihn daran, in dem Prozess, der sich abspielt, in den Lebenszufällen einen Zusammenhang zu sehen. Im Grunde genommen ist es dasselbe, was da mit dem Menschen sich vollzieht in den Lebenszusammenhängen, was sich auch im Laufe der Geschichte und noch heute für viele Menschen gegenüber den Naturtatsachen vollzieht. Der Mensch, der sich nicht mit äußerer Naturwissenschaft beschäftigt, sieht die Sonne auf- und untergehen, er betrachtet die einzelnen Orte der Sonne; für ihn sind äußere Tatsachen da, die der Zeit nach und im Raume verlaufen. Dann kommt er mit seinem Denken, mit seiner Wissenschaft, mit seinen Methoden heran, dieser Mensch, an dasjenige, was sonst äußere Tatsachen sind, und er bringt Zusammenhang in diese äußere Tatsachenwelt hinein, indem er an die Stelle des bloßen Hinstarrens auf die Tatsachen den Zusammenhang setzt, der sich in den Naturgesetzen zum Ausdruck bringt. Solchen Zusammenhang bringt der Mensch nicht in dasjenige, was er äußerliche Lebenszufälle nennt, zunächst, weil die Kräfte in ihm schlafen für das gewöhnliche Leben, die für dieses Gebiet dasselbe bedeuten wie die Erkenntniskräfte für die Tatsachen der äußeren Natur. Wir müssen unsere Erkenntnis anwenden auf die Tatsachen der äußeren Natur, damit wir Gesetze in der äußeren Natur erblicken. Den gewöhnlichen Denkgewohnheiten nach ist der Mensch nicht geneigt, auf dasjenige, was sich als sein Schicksal vollzieht zwischen Geburt und Tod, anzuwenden solche inneren Verrichtungen, wie er sie auf die äußeren Naturtatsachen anwendet. Und den Weg will ich andeuten, der sich nun wiederum für die Geistesforschung ergibt, um auch in die Folge der Schicksalsereignisse eine ähnliche Gesetzmäßigkeit hereinzubringen, wie das äußerliche Denken sie in die Reihe der Naturtatsachen hineinbringt.
[ 23 ] Dasjenige, was wir das Schicksal nennen, ich möchte sagen, betrachten wir es nur — nicht um jetzt etwas Besonderes damit zu sagen, sondern nur um zu veranschaulichen das, was ich später sagen will —, betrachten wir dasjenige, was wir das Schicksal nennen, zunächst für das Leben zwischen der Geburt und dem Tode, für das äußere Leben, das uns immer umgibt, in das wir eingesponnen sind und das unser Schicksal über uns eben verhängt.
[ 23 ] Dasjenige, was wir das Schicksal nennen, ich möchte sagen, betrachten wir es nur — nicht um jetzt etwas Besonderes damit zu sagen, sondern nur um zu veranschaulichen das, was ich später sagen will —, betrachten wir dasjenige, was wir das Schicksal nennen, zunächst für das Leben zwischen der Geburt und dem Tode, für das äußere Leben, das uns immer umgibt, in das wir eingesponnen sind und das unser Schicksal über uns eben verhängt.
[ 24 ] Da können wir sagen, wenn wir uns in irgendeinem Abschnitt unseres Lebens betrachten: Was sind wir denn eigentlich in diesem Abschnitt unseres Lebens? Ja, wir sagen: Wir sind ein Selbst, wir sind ein Ich; wir haben ein gewisses inneres Seelenleben. Aber gewisse Dinge dieses inneren Seelenlebens, die an der Oberfläche liegen, die lernen wir ganz anders verstehen und anschauen, wenn wir zurückblicken in frühere Abschnitte unseres Lebens. Wenn wir uns zum Beispiel, nachdem wir meinetwillen fünfzig oder fünfundvierzig oder vierzig Jahre alt geworden sind, uns dazu herbeilassen, zurückzuschauen — sagen wir, in die Zeit, die wir durchlaufen haben zwischen dem zehnten und dem achtzehnten oder zwanzigsten Jahr —, wenn wir zurückschauen auf dasjenige, was dazumal als sogenannte Schicksalszufälle in unser Leben hereingetreten ist, ja, wenn wir uns das ganz klarmachen, was in diesen Schicksalszufällen liegt, dann werden wir uns sehr bald das Folgende sagen können: Du kannst jetzt etwas. Du bist imstande, in dieser oder jener Weise zu denken, in dieser oder jener Weise zu handeln. Im Grunde bist du nichts anderes als dieses Können, dieses VerstehenKönnen, dieses Handeln-Können. Dass du etwas geistvoller oder weniger geistvoll verstehst, dass du so oder so handelst, das bist du im Grunde genommen. Warum bist du es? Denke nur einmal nach, wie du anders wärst, wie du wirklich eine ganz andere innere Selbsteswesenheit wärst, wenn die Ereignisse nicht hereingetreten wären, auf die du zurückschauen kannst zwischen dem zehnten und zwanzigsten Jahr. Die haben dich zu dem geschmiedet, was du geworden bist; was du da geworden bist, das konzentriert sich in deinem Selbst. Diese Ereignisse handeln jetzt in vielem aus dir heraus. Sie haben dich im Grunde genommen konzentriert; sie haben dein Selbst gebildet. Und wenn wir studieren unser Selbst in einem bestimmten Augenblick unseres Lebens, dann finden wir es, ich möchte sagen wie die Summe einer Addition aus den Addenden zusammengefügt ist, so finden wir es aus den Schicksalserlebnissen zusammengesetzt. Man kann nun in dieser Weise sein Leben überschauen. Nicht darauf kommt es an, was man da allerlei Interessantes in seinem Leben findet, das, was man im gewöhnlichen Leben Selbstbetrachtung nennt, das führt eigentlich die Seele nicht besonders weit über sich hinaus. Aber es ist eine besondere Art, die man im Seelenleben entwickelt, wenn man also wirklich darauf kommt, nun nicht mehr die Schicksalserlebnisse, die man da hat, mit Sympathie oder Antipathie anzuschauen, sondern wenn man sie so anschaut, dass sie die Grundlage sind für dasjenige, was man eigentlich ist.
[ 24 ] Da können wir sagen, wenn wir uns in irgendeinem Abschnitt unseres Lebens betrachten: Was sind wir denn eigentlich in diesem Abschnitt unseres Lebens? Ja, wir sagen: Wir sind ein Selbst, wir sind ein Ich; wir haben ein gewisses inneres Seelenleben. Aber gewisse Dinge dieses inneren Seelenlebens, die an der Oberfläche liegen, die lernen wir ganz anders verstehen und anschauen, wenn wir zurückblicken in frühere Abschnitte unseres Lebens. Wenn wir uns zum Beispiel, nachdem wir meinetwillen fünfzig oder fünfundvierzig oder vierzig Jahre alt geworden sind, uns dazu herbeilassen, zurückzuschauen — sagen wir, in die Zeit, die wir durchlaufen haben zwischen dem zehnten und dem achtzehnten oder zwanzigsten Jahr —, wenn wir zurückschauen auf dasjenige, was dazumal als sogenannte Schicksalszufälle in unser Leben hereingetreten ist, ja, wenn wir uns das ganz klarmachen, was in diesen Schicksalszufällen liegt, dann werden wir uns sehr bald das Folgende sagen können: Du kannst jetzt etwas. Du bist imstande, in dieser oder jener Weise zu denken, in dieser oder jener Weise zu handeln. Im Grunde bist du nichts anderes als dieses Können, dieses VerstehenKönnen, dieses Handeln-Können. Dass du etwas geistvoller oder weniger geistvoll verstehst, dass du so oder so handelst, das bist du im Grunde genommen. Warum bist du es? Denke nur einmal nach, wie du anders wärst, wie du wirklich eine ganz andere innere Selbsteswesenheit wärst, wenn die Ereignisse nicht hereingetreten wären, auf die du zurückschauen kannst zwischen dem zehnten und zwanzigsten Jahr. Die haben dich zu dem geschmiedet, was du geworden bist; was du da geworden bist, das konzentriert sich in deinem Selbst. Diese Ereignisse handeln jetzt in vielem aus dir heraus. Sie haben dich im Grunde genommen konzentriert; sie haben dein Selbst gebildet. Und wenn wir studieren unser Selbst in einem bestimmten Augenblick unseres Lebens, dann finden wir es, ich möchte sagen wie die Summe einer Addition aus den Addenden zusammengefügt ist, so finden wir es aus den Schicksalserlebnissen zusammengesetzt. Man kann nun in dieser Weise sein Leben überschauen. Nicht darauf kommt es an, was man da allerlei Interessantes in seinem Leben findet, das, was man im gewöhnlichen Leben Selbstbetrachtung nennt, das führt eigentlich die Seele nicht besonders weit über sich hinaus. Aber es ist eine besondere Art, die man im Seelenleben entwickelt, wenn man also wirklich darauf kommt, nun nicht mehr die Schicksalserlebnisse, die man da hat, mit Sympathie oder Antipathie anzuschauen, sondern wenn man sie so anschaut, dass sie die Grundlage sind für dasjenige, was man eigentlich ist.
[ 25 ] Nicht diese Einsicht ist es, auf die es ankommt bei der Geistesforschung, sondern auf das Gefühl kommt es an: Du hast dich gefunden als Resultat, als Ergebnis deines Schicksals! Dieses Gefühl, man kann es in sich nun immer mehr und mehr beleben. Und nun können zwei Dinge zusammenkommen: dasjenige, was man als Geistesforscher vorher belebt hat durch Konzentration des Denkens, des Empfindens, wie es geschildert worden ist, was man erlebt hat als das Herausgehen des Geistig-Seelischen aus dem Physisch-Leiblichen, und die Entwicklung dieser Empfindung. Sie können sich in der Seele treffen, diese Empfindung, wie man schon im gewöhnlichen Leben zwischen Geburt und Tod eigentlich das Ergebnis des Schicksals ist.
[ 25 ] Nicht diese Einsicht ist es, auf die es ankommt bei der Geistesforschung, sondern auf das Gefühl kommt es an: Du hast dich gefunden als Resultat, als Ergebnis deines Schicksals! Dieses Gefühl, man kann es in sich nun immer mehr und mehr beleben. Und nun können zwei Dinge zusammenkommen: dasjenige, was man als Geistesforscher vorher belebt hat durch Konzentration des Denkens, des Empfindens, wie es geschildert worden ist, was man erlebt hat als das Herausgehen des Geistig-Seelischen aus dem Physisch-Leiblichen, und die Entwicklung dieser Empfindung. Sie können sich in der Seele treffen, diese Empfindung, wie man schon im gewöhnlichen Leben zwischen Geburt und Tod eigentlich das Ergebnis des Schicksals ist.
[ 26 ] Und wenn man in dieser Weise meditiert, wenn man gerade diese Empfindungsfärbung, diese Empfindungsnuance in der Seele ausbildet, wenn man immer mehr und mehr sich darauf hinkonzentriert, wie gleichsam das innere Selbst des Menschen ganz herausfließt und in die Strömung unseres Schicksals hineinfließt, wenn man diese Vorstellungen ganz in sich lebendig macht, wenn man dazu kommt, förmlich anzuschauen: Ja, was du da in deinem Inneren als Selbst bist, siehst du herfließen in deinem Schicksal. Wenn das ganz lebendig wird, wenn das immer wieder und wieder wiederholt wird, sodass es zu einem gewohnheitsmäßigen inneren Erlebnis wird, dann in der Tat erleben wir wiederum eine Umwandlung, eine Umgestaltung unseres Seelenlebens. Eine solche Umgestaltung, eine solche Umwandlung unseres Seelenlebens erleben wir, dass jetzt erst wie ein erfülltes, geschlossenes Ganzes das innerlich erlebt wird, was man das leibfreie, das körperfreie Geistig-Seelische nennen kann.
[ 26 ] Und wenn man in dieser Weise meditiert, wenn man gerade diese Empfindungsfärbung, diese Empfindungsnuance in der Seele ausbildet, wenn man immer mehr und mehr sich darauf hinkonzentriert, wie gleichsam das innere Selbst des Menschen ganz herausfließt und in die Strömung unseres Schicksals hineinfließt, wenn man diese Vorstellungen ganz in sich lebendig macht, wenn man dazu kommt, förmlich anzuschauen: Ja, was du da in deinem Inneren als Selbst bist, siehst du herfließen in deinem Schicksal. Wenn das ganz lebendig wird, wenn das immer wieder und wieder wiederholt wird, sodass es zu einem gewohnheitsmäßigen inneren Erlebnis wird, dann in der Tat erleben wir wiederum eine Umwandlung, eine Umgestaltung unseres Seelenlebens. Eine solche Umgestaltung, eine solche Umwandlung unseres Seelenlebens erleben wir, dass jetzt erst wie ein erfülltes, geschlossenes Ganzes das innerlich erlebt wird, was man das leibfreie, das körperfreie Geistig-Seelische nennen kann.
[ 27 ] Und dieses leibfreie, dieses körperfreie Geistig-Seelische, das zeigt sich uns, verehrte Anwesende, dann, wenn wir also die geisteswissenschaftlichen Methoden, wie es geschildert worden ist, fortsetzen, das zeigt sich uns als dasjenige, welches unserem Leben zwischen Geburt und Tod zugrunde liegt. Nicht so zeigt es sich, dass man logisch schließt, sondern indem die Seele ein solches inneres Leben entwickelt, wie es geschildert worden ist, geht ihr gleichsam ein geistiges Auge auf, um diesen Goethe’sehen Ausdruck zu gebrauchen; wie wenn das Auge noch nicht entwickelt wäre und sich im Verlauf des Lebens erst entwickelte und uns dann die Sehkraft aufginge, so ist es, wenn wir unser Inneres uns erarbeiten, dass uns in unserem Inneren ein neuer Mensch aufgeht, ein Mensch, der jetzt so vor uns steht, dass er jetzt nicht bloß das Ergebnis des Schicksals ist, wie es in trivialer Weise für die Zeit zwischen Geburt und Tod angegeben worden ist, sondern dass er wirklich mit seinem Schicksal zusammenwächst.
[ 27 ] Und dieses leibfreie, dieses körperfreie Geistig-Seelische, das zeigt sich uns, verehrte Anwesende, dann, wenn wir also die geisteswissenschaftlichen Methoden, wie es geschildert worden ist, fortsetzen, das zeigt sich uns als dasjenige, welches unserem Leben zwischen Geburt und Tod zugrunde liegt. Nicht so zeigt es sich, dass man logisch schließt, sondern indem die Seele ein solches inneres Leben entwickelt, wie es geschildert worden ist, geht ihr gleichsam ein geistiges Auge auf, um diesen Goethe’sehen Ausdruck zu gebrauchen; wie wenn das Auge noch nicht entwickelt wäre und sich im Verlauf des Lebens erst entwickelte und uns dann die Sehkraft aufginge, so ist es, wenn wir unser Inneres uns erarbeiten, dass uns in unserem Inneren ein neuer Mensch aufgeht, ein Mensch, der jetzt so vor uns steht, dass er jetzt nicht bloß das Ergebnis des Schicksals ist, wie es in trivialer Weise für die Zeit zwischen Geburt und Tod angegeben worden ist, sondern dass er wirklich mit seinem Schicksal zusammenwächst.
[ 28 ] Und nun entsteht ein Neues; wenn man also die Seele entwickelt hat, entsteht wiederum etwas, was man nennen kann: das Wahrnehmen einer sonst in der Seele verborgenen geheimen Furcht. Wenn man also die Seele, gleichsam indem man sie im Schicksalsstrome erblickt, sich selbst dem Leibe entreißen lässt, dann, dann entdeckt man — jetzt nicht dasjenige, was man ist als Leibesmensch —, sondern dann entdeckt man innerhalb der geistigen Welt, die man sich schon erobert hat auf die geschilderte Weise, man entdeckt jetzt sich selbst. Jetzt entdeckt man das, was man vorher niemals von sich gekannt hat, jetzt entdeckt man den wahren Menschen. Jetzt entdeckt man denjenigen Menschen, der dem gewöhnlichen Menschen, der zwischen Geburt und Tod lebt — oder meinetwillen zwischen Empfängnis und Tod —, zugrunde liegt. Jetzt entdeckt man den Menschen, der aus einer geistigen Welt als die wahre Ursache des physischen Menschenseins heruntersteigt, der eine Anziehung hat zu dem, was ihm gegeben werden kann durch die Ahnenreihe, durch Eltern und Voreltern, der die Kräfte aus der geistigen Welt herunterbringt, die selbst erst bilden an dem, was ihm stofflich gegeben werden kann durch Eltern und Voreltern. Und jetzt wird eine Tatsache, verehrte Anwesende, dasjenige, worauf, ich möchte sagen durch tiefe innere Wahrheitsenergie der große neuere Denker Lessing hingewiesen hat, jetzt wird eine Wahrheit die Erkenntnis, dass dasjenige, was da in unserem Leibe arbeitet, das Ergebnis früherer Erdenleben ist. Und dass dasjenige, was in unserem Leibe drinnen verborgen arbeitet, ohne dass wir es im gewöhnlichen Leben ahnen können, dass das wie ein Keim ist, der nach dem Tode zuerst in eine geistige Welt hineingeht und, nachdem in dieser geistigen Welt er sich so entwickelt hat, wie sich der Pflanzenkeim entwickeln muss, wiederum zu einem neuen Erdenleben gewissermaßen sich aufrafft. Die Erkenntnis, dass das ganze menschliche Leben so verläuft, dass es wiederholte Erdenleben für den Menschen gibt, diese Erkenntnis, sie muss erworben werden dadurch, dass die Seele sich heraushebt aus dem Physisch-Leiblichen.
[ 28 ] Und nun entsteht ein Neues; wenn man also die Seele entwickelt hat, entsteht wiederum etwas, was man nennen kann: das Wahrnehmen einer sonst in der Seele verborgenen geheimen Furcht. Wenn man also die Seele, gleichsam indem man sie im Schicksalsstrome erblickt, sich selbst dem Leibe entreißen lässt, dann, dann entdeckt man — jetzt nicht dasjenige, was man ist als Leibesmensch —, sondern dann entdeckt man innerhalb der geistigen Welt, die man sich schon erobert hat auf die geschilderte Weise, man entdeckt jetzt sich selbst. Jetzt entdeckt man das, was man vorher niemals von sich gekannt hat, jetzt entdeckt man den wahren Menschen. Jetzt entdeckt man denjenigen Menschen, der dem gewöhnlichen Menschen, der zwischen Geburt und Tod lebt — oder meinetwillen zwischen Empfängnis und Tod —, zugrunde liegt. Jetzt entdeckt man den Menschen, der aus einer geistigen Welt als die wahre Ursache des physischen Menschenseins heruntersteigt, der eine Anziehung hat zu dem, was ihm gegeben werden kann durch die Ahnenreihe, durch Eltern und Voreltern, der die Kräfte aus der geistigen Welt herunterbringt, die selbst erst bilden an dem, was ihm stofflich gegeben werden kann durch Eltern und Voreltern. Und jetzt wird eine Tatsache, verehrte Anwesende, dasjenige, worauf, ich möchte sagen durch tiefe innere Wahrheitsenergie der große neuere Denker Lessing hingewiesen hat, jetzt wird eine Wahrheit die Erkenntnis, dass dasjenige, was da in unserem Leibe arbeitet, das Ergebnis früherer Erdenleben ist. Und dass dasjenige, was in unserem Leibe drinnen verborgen arbeitet, ohne dass wir es im gewöhnlichen Leben ahnen können, dass das wie ein Keim ist, der nach dem Tode zuerst in eine geistige Welt hineingeht und, nachdem in dieser geistigen Welt er sich so entwickelt hat, wie sich der Pflanzenkeim entwickeln muss, wiederum zu einem neuen Erdenleben gewissermaßen sich aufrafft. Die Erkenntnis, dass das ganze menschliche Leben so verläuft, dass es wiederholte Erdenleben für den Menschen gibt, diese Erkenntnis, sie muss erworben werden dadurch, dass die Seele sich heraushebt aus dem Physisch-Leiblichen.
[ 29 ] Im gewöhnlichen Erleben, verehrte Anwesenden, hat man im Grunde nur eine einzige Hinweisung auf das, was da in uns als ein menschlicher Kern lebt, der von Leben zu Leben geht und zwischen dem Tode und einer neuen Geburt immer in einer geistigen Welt sich aufhält. Im geistigen Erkennen lebt man sich in diesen Lebenskern, in diesen Wesenskern des Menschen hinein. Im gewöhnlichen Leben hat man nur einen gewissen Anhaltspunkt daran, wenn der Mensch abends einschläft. Das Einschlafen — das zeigt gerade die geisteswissenschaftliche Beobachtung —, das Einschlafen ist dadurch bedingt, dass wirklich dasjenige, was des Menschen geistig-seelischer Wesenskern ist, dass das aus dem physischen Leib heraus sich hebt. Aber indem die Kräfte nicht entwickelt sind, von deren Entwicklung heute gesprochen worden ist, bleibt dieser geistig-seelische Wesenskern vom Einschlafen bis zum Aufwachen unbewusst. Aber es ragen heraus aus diesem Unbewussten des gewöhnlichen Schlafeslebens sehr häufig — das weiß jeder — diejenigen Gebilde, die chaotischen, oftmals aber auch sehr interessanten Gebilde des Traumes.
[ 29 ] Im gewöhnlichen Erleben, verehrte Anwesenden, hat man im Grunde nur eine einzige Hinweisung auf das, was da in uns als ein menschlicher Kern lebt, der von Leben zu Leben geht und zwischen dem Tode und einer neuen Geburt immer in einer geistigen Welt sich aufhält. Im geistigen Erkennen lebt man sich in diesen Lebenskern, in diesen Wesenskern des Menschen hinein. Im gewöhnlichen Leben hat man nur einen gewissen Anhaltspunkt daran, wenn der Mensch abends einschläft. Das Einschlafen — das zeigt gerade die geisteswissenschaftliche Beobachtung —, das Einschlafen ist dadurch bedingt, dass wirklich dasjenige, was des Menschen geistig-seelischer Wesenskern ist, dass das aus dem physischen Leib heraus sich hebt. Aber indem die Kräfte nicht entwickelt sind, von deren Entwicklung heute gesprochen worden ist, bleibt dieser geistig-seelische Wesenskern vom Einschlafen bis zum Aufwachen unbewusst. Aber es ragen heraus aus diesem Unbewussten des gewöhnlichen Schlafeslebens sehr häufig — das weiß jeder — diejenigen Gebilde, die chaotischen, oftmals aber auch sehr interessanten Gebilde des Traumes.
[ 30 ] Dasjenige, was sich im Traume dem Menschen darbietet, es wird sehr häufig falsch beobachtet. Unter den mancherlei Traumgebilden — ich kann natürlich nicht sehr ausführlich auf dasjenige, was der Traum darbietet, obwohl es sehr interessant wäre, eingehen, was man da erleben kann — sind wohl die interessantesten Träume diejenigen, wenn jemand in seinem späteren Leben traumhaft sieht, ihm wiedergegeben für das Traumleben, das Traumbewusstsein, irgendeine Szene, in welcher Menschen auftreten, mit denen er vielleicht schon lange im Leben nicht mehr zusammen war, von denen viele vielleicht schon gestorben sind, Menschen, mit denen er in seinem Traumbewusstsein nun in Beziehungen tritt. Ganze Geschichten können sich da abspielen. Wenn man einen solchen Traum im Sinne einer gewöhnlichen Gedächtnishandlung betrachtet, geht man sehr fehl. Es würde zu weit führen, gerade diesen Satz näher zu begründen, obwohl er ja näher begründet werden kann.
[ 30 ] Dasjenige, was sich im Traume dem Menschen darbietet, es wird sehr häufig falsch beobachtet. Unter den mancherlei Traumgebilden — ich kann natürlich nicht sehr ausführlich auf dasjenige, was der Traum darbietet, obwohl es sehr interessant wäre, eingehen, was man da erleben kann — sind wohl die interessantesten Träume diejenigen, wenn jemand in seinem späteren Leben traumhaft sieht, ihm wiedergegeben für das Traumleben, das Traumbewusstsein, irgendeine Szene, in welcher Menschen auftreten, mit denen er vielleicht schon lange im Leben nicht mehr zusammen war, von denen viele vielleicht schon gestorben sind, Menschen, mit denen er in seinem Traumbewusstsein nun in Beziehungen tritt. Ganze Geschichten können sich da abspielen. Wenn man einen solchen Traum im Sinne einer gewöhnlichen Gedächtnishandlung betrachtet, geht man sehr fehl. Es würde zu weit führen, gerade diesen Satz näher zu begründen, obwohl er ja näher begründet werden kann.
[ 31 ] Man muss, wenn man dieses Traumgeschehen, das sich vor dem Traumesbewusstsein abspielen kann, wenn man das richtig beurteilen will, muss man überhaupt gar nicht auf dasjenige hinschauen, was sich inhaltlich abspielt. Diese Bilder, alles das, was sich so abspielt, das hat im Grunde genommen für die Wesenheit des Traumes gerade so viel Bedeutung nur, als es haben würde, wenn einer sagen würde: Da habe ich ein Blatt Papier, da finde ich darauf einen senkrechten Strich, einen Strich, der schief von rechts nach links geht, einen solchen, der schief von links nach rechts geht, und so weiter. Er würde auf diese Weise alle Buchstaben beschreiben, die da auf dem Papier stehen. Nicht derjenige aber, der so die Buchstaben beschreibt, die auf dem Blatt stehen, verhält sich in der richtigen Weise zum Papier, sondern allein derjenige verhält sich richtig, der gewissermaßen gar nicht in sein Bewusstsein hineinbringt, wie die Buchstaben ausschauen, sondern der, weil er lesen gelernt hat, den Sinn dessen entziffert, was die zu Worten zusammengefügten Buchstaben ausdrücken. Dasjenige, was der Traum darbietet, ist wirklich im Verhältnis zu dem, was er seiner Wesenheit nach ist, nichts als Buchstaben, die aber nicht so exakt sind wie die Buchstaben unserer gewöhnlichen Schrift, sondern die sich mit jedem Traume ändern. Und ein tieferes Erkennen ist es, das hinschauen kann auf den Traum und ihn entziffern kann, ebenso mit Unbewusstheit, wie wir unbewusst bleiben, wenn wir lesen die Formen der einzelnen Buchstaben und Wörter; das ist dasjenige, was eigentlich da drinnensteckt in den Vorgängen des Traumes, es ist mehr der Charakter des menschlichen Seelenkernes, der diese Bilder heraufzaubert.
[ 31 ] Man muss, wenn man dieses Traumgeschehen, das sich vor dem Traumesbewusstsein abspielen kann, wenn man das richtig beurteilen will, muss man überhaupt gar nicht auf dasjenige hinschauen, was sich inhaltlich abspielt. Diese Bilder, alles das, was sich so abspielt, das hat im Grunde genommen für die Wesenheit des Traumes gerade so viel Bedeutung nur, als es haben würde, wenn einer sagen würde: Da habe ich ein Blatt Papier, da finde ich darauf einen senkrechten Strich, einen Strich, der schief von rechts nach links geht, einen solchen, der schief von links nach rechts geht, und so weiter. Er würde auf diese Weise alle Buchstaben beschreiben, die da auf dem Papier stehen. Nicht derjenige aber, der so die Buchstaben beschreibt, die auf dem Blatt stehen, verhält sich in der richtigen Weise zum Papier, sondern allein derjenige verhält sich richtig, der gewissermaßen gar nicht in sein Bewusstsein hineinbringt, wie die Buchstaben ausschauen, sondern der, weil er lesen gelernt hat, den Sinn dessen entziffert, was die zu Worten zusammengefügten Buchstaben ausdrücken. Dasjenige, was der Traum darbietet, ist wirklich im Verhältnis zu dem, was er seiner Wesenheit nach ist, nichts als Buchstaben, die aber nicht so exakt sind wie die Buchstaben unserer gewöhnlichen Schrift, sondern die sich mit jedem Traume ändern. Und ein tieferes Erkennen ist es, das hinschauen kann auf den Traum und ihn entziffern kann, ebenso mit Unbewusstheit, wie wir unbewusst bleiben, wenn wir lesen die Formen der einzelnen Buchstaben und Wörter; das ist dasjenige, was eigentlich da drinnensteckt in den Vorgängen des Traumes, es ist mehr der Charakter des menschlichen Seelenkernes, der diese Bilder heraufzaubert.
[ 32 ] Wir träumen zum Beispiel, dass uns ein Mensch, der längst gestorben ist, dieses oder jenes sagt, dass er dieses oder jenes mit uns tut, wir träumen es nicht deshalb, weil uns dieses Bild des Traumes etwas Besonderes sagen will, sondern wir träumen aus dem Grunde, weil unser Seelenwesenskern innere Eigenschaft, innere Kraft hat, die sich am besten in dieser Weise verbildlichen kann, am besten dadurch verbildlichen kann, dass sie gerade sich in eine Beziehung setzt, sinnbildlich-symbolisch in eine Beziehung setzt zu einem Menschen, zu diesem Menschen, dem man im Leben entgegentreten ist. Dasjenige, was sich gar nicht im Traume ausdrückt, was auf dem Grunde der Seele als innere Kraft der Seele ist, als Charakter der Seele ist, das ist das Wesentliche. Und wenn man gerade durch das, was als Geistesforschungsmethode angeführt worden ist, indem es vervollkommt wird in dieser Weise, wenn man nicht in Deutungen, sondern in das wissenschaftliche Erkennen des Traumerlebnisses sich einlässt, dann findet man auch in den Traumerlebnissen, dass zwar auf eine ungeordnete chaotische Weise etwas, was im Menschen steckt durch besondere Umstände — die auch geschildert werden könnten, die aber die Kürze der Zeit heute nicht zu schildern gestattet —, sich durch besondere Umstände in solche Bilder prägt. Und die Geistesforschung zeigt uns, dass dasjenige, was der Mensch sich erworben hat im Leben zwischen Tod und neuer Geburt, dass das in ihm einen Lebenskern, einen Lebenskeim gereift hat.
[ 32 ] Wir träumen zum Beispiel, dass uns ein Mensch, der längst gestorben ist, dieses oder jenes sagt, dass er dieses oder jenes mit uns tut, wir träumen es nicht deshalb, weil uns dieses Bild des Traumes etwas Besonderes sagen will, sondern wir träumen aus dem Grunde, weil unser Seelenwesenskern innere Eigenschaft, innere Kraft hat, die sich am besten in dieser Weise verbildlichen kann, am besten dadurch verbildlichen kann, dass sie gerade sich in eine Beziehung setzt, sinnbildlich-symbolisch in eine Beziehung setzt zu einem Menschen, zu diesem Menschen, dem man im Leben entgegentreten ist. Dasjenige, was sich gar nicht im Traume ausdrückt, was auf dem Grunde der Seele als innere Kraft der Seele ist, als Charakter der Seele ist, das ist das Wesentliche. Und wenn man gerade durch das, was als Geistesforschungsmethode angeführt worden ist, indem es vervollkommt wird in dieser Weise, wenn man nicht in Deutungen, sondern in das wissenschaftliche Erkennen des Traumerlebnisses sich einlässt, dann findet man auch in den Traumerlebnissen, dass zwar auf eine ungeordnete chaotische Weise etwas, was im Menschen steckt durch besondere Umstände — die auch geschildert werden könnten, die aber die Kürze der Zeit heute nicht zu schildern gestattet —, sich durch besondere Umstände in solche Bilder prägt. Und die Geistesforschung zeigt uns, dass dasjenige, was der Mensch sich erworben hat im Leben zwischen Tod und neuer Geburt, dass das in ihm einen Lebenskern, einen Lebenskeim gereift hat.
[ 33 ] Wir handeln, wir denken in dem Leben zwischen Geburt und Tod, aber in dem, was wir denken in der Art, wie wir handeln, drückt sich immer nur, ich möchte sagen ein Teil desjenigen aus, was wir sind, nämlich der Teil, der sich auslebt dadurch, dass wir in einem Leibe darinnen sind. So wie dasjenige, was der andere Mensch ist, der geschildert worden ist und der durch Geisteswissenschaft entdeckt wird, überhaupt sich im Menschen des Alltagslebens verbirgt, so verbirgt sich dieser Wesenskern im Menschen. Nur durch jene besonderen Veranlassungen des besonderen Lebens, im Traumleben zum Beispiel, zeigt sich uns, wenn der leibfreie menschlichseelische Kern beim Einschlafen oder Aufwachen stößt an das Leibesleben, noch nicht ganz mit dem Leibesleben beisammen ist, da zeigt sich, wie sich spiegeln an dem Leibesleben, mit dem er noch unvollkommen zusammen ist, da zeigt sich, was im Menschen durch jede Handlung hindurchgegangen ist, aber sich aufbewahrt hat, was geblieben ist, was wir nicht ganz ausgelebt haben, was wir einverleibt haben unserem inneren Selbst. Im Traume verrät sich so dasjenige, was durch die Pforte des Todes geht, was durch eine geistige Welt hindurchgeht, um in einem neuen Erdenleben wieder zu erscheinen. Allerdings, man kann es durch den Traum erst erkennen, wenn Geistesforschung alldem vorangegangen ist, verehrte Anwesende!
[ 33 ] Wir handeln, wir denken in dem Leben zwischen Geburt und Tod, aber in dem, was wir denken in der Art, wie wir handeln, drückt sich immer nur, ich möchte sagen ein Teil desjenigen aus, was wir sind, nämlich der Teil, der sich auslebt dadurch, dass wir in einem Leibe darinnen sind. So wie dasjenige, was der andere Mensch ist, der geschildert worden ist und der durch Geisteswissenschaft entdeckt wird, überhaupt sich im Menschen des Alltagslebens verbirgt, so verbirgt sich dieser Wesenskern im Menschen. Nur durch jene besonderen Veranlassungen des besonderen Lebens, im Traumleben zum Beispiel, zeigt sich uns, wenn der leibfreie menschlichseelische Kern beim Einschlafen oder Aufwachen stößt an das Leibesleben, noch nicht ganz mit dem Leibesleben beisammen ist, da zeigt sich, wie sich spiegeln an dem Leibesleben, mit dem er noch unvollkommen zusammen ist, da zeigt sich, was im Menschen durch jede Handlung hindurchgegangen ist, aber sich aufbewahrt hat, was geblieben ist, was wir nicht ganz ausgelebt haben, was wir einverleibt haben unserem inneren Selbst. Im Traume verrät sich so dasjenige, was durch die Pforte des Todes geht, was durch eine geistige Welt hindurchgeht, um in einem neuen Erdenleben wieder zu erscheinen. Allerdings, man kann es durch den Traum erst erkennen, wenn Geistesforschung alldem vorangegangen ist, verehrte Anwesende!
[ 34 ] So sehen wir, wie der Mensch im Verlauf der Geistesforschung nicht nur jene Ohnmacht erleben muss, von der die Rede gewesen ist, und wie er in der Überwindung dieser Ohnmacht sich gerade hineinfinden muss in die geistige Welt, sondern wir sehen auch, wie der Mensch seinem wahren Selbst nach sich erst entdecken muss.
[ 34 ] So sehen wir, wie der Mensch im Verlauf der Geistesforschung nicht nur jene Ohnmacht erleben muss, von der die Rede gewesen ist, und wie er in der Überwindung dieser Ohnmacht sich gerade hineinfinden muss in die geistige Welt, sondern wir sehen auch, wie der Mensch seinem wahren Selbst nach sich erst entdecken muss.
[ 35 ] Nun hat der Mensch wiederum vor dieser Entdeckung eben eine geheime Furcht. Denn der Vorgang ist der, der Vorgang ist ja gerade so, als ob wir uns in dem, was wir sind im Leibe, als Mensch verlieren, indem wir uns als wahren Menschen, der von Leben zu Leben geht, entdecken. Der Mensch muss sich erst gewöhnen als Geistesforscher, sich anzuschauen außer sich in der Welt; er muss sich erst daran gewöhnen, gleichsam in seinem schicksalsmäßigen Arbeiten sich zu entdecken, und, indem man sich dazu aufrafft, die Furcht, die man vor sich selbst hat, die Scheu, die man vor sich selbst hat, zu überwinden, entdeckt man sich in seinem wahren Selbst. Und man entdeckt nun, dass dieses wahre Selbst der Schmied ist desjenigen, was uns sonst als die Folge der Lebenszufälle erscheint. In seinem Schicksal entdeckt man sich nun. Und ein ganz neues Empfinden, ein ganz neues Erleben durchwebt und durchwallt das Seelische.
[ 35 ] Nun hat der Mensch wiederum vor dieser Entdeckung eben eine geheime Furcht. Denn der Vorgang ist der, der Vorgang ist ja gerade so, als ob wir uns in dem, was wir sind im Leibe, als Mensch verlieren, indem wir uns als wahren Menschen, der von Leben zu Leben geht, entdecken. Der Mensch muss sich erst gewöhnen als Geistesforscher, sich anzuschauen außer sich in der Welt; er muss sich erst daran gewöhnen, gleichsam in seinem schicksalsmäßigen Arbeiten sich zu entdecken, und, indem man sich dazu aufrafft, die Furcht, die man vor sich selbst hat, die Scheu, die man vor sich selbst hat, zu überwinden, entdeckt man sich in seinem wahren Selbst. Und man entdeckt nun, dass dieses wahre Selbst der Schmied ist desjenigen, was uns sonst als die Folge der Lebenszufälle erscheint. In seinem Schicksal entdeckt man sich nun. Und ein ganz neues Empfinden, ein ganz neues Erleben durchwebt und durchwallt das Seelische.
[ 36 ] Da tritt ein schwerer Schicksalsschlag an uns heran, ein Schicksalsschlag, dem wir sonst nur gegenüberstehen so, dass er uns Bitterkeit und Leid verursacht, dass er unser Gemüt erschüttert und dass wir uns unglücklich fühlen unter seinem Einfluss. Hat man als Geistesforscher sein höheres Selbst entdeckt in der angegebenen Weise, so sagt man sich: Du bist mit diesem deinem höheren Selbst durch viele Erdenleben gegangen. Du hast in diesen Erdenleben so gelebt, so gedacht, so gehandelt, dass du eine gewisse Eigenschaft in der Seele dir mitgebracht hast aus früheren Leben. Diese Eigenschaft der Seele haftet an dir, wie die magnetische Kraft im Magneten darinnen ist. Diese Eigenschaft, diese Kraft, die übt geradeso eine geheime Anziehung aus auf das Ereignis, das als ein Unglück in dein Leben hereingekommen ist, wie der Magnet die Eisenfeilspäne anzieht. Du hast dir dieses Unglück selbst gesucht!
[ 36 ] Da tritt ein schwerer Schicksalsschlag an uns heran, ein Schicksalsschlag, dem wir sonst nur gegenüberstehen so, dass er uns Bitterkeit und Leid verursacht, dass er unser Gemüt erschüttert und dass wir uns unglücklich fühlen unter seinem Einfluss. Hat man als Geistesforscher sein höheres Selbst entdeckt in der angegebenen Weise, so sagt man sich: Du bist mit diesem deinem höheren Selbst durch viele Erdenleben gegangen. Du hast in diesen Erdenleben so gelebt, so gedacht, so gehandelt, dass du eine gewisse Eigenschaft in der Seele dir mitgebracht hast aus früheren Leben. Diese Eigenschaft der Seele haftet an dir, wie die magnetische Kraft im Magneten darinnen ist. Diese Eigenschaft, diese Kraft, die übt geradeso eine geheime Anziehung aus auf das Ereignis, das als ein Unglück in dein Leben hereingekommen ist, wie der Magnet die Eisenfeilspäne anzieht. Du hast dir dieses Unglück selbst gesucht!
[ 37 ] Sehen wir nicht im Leben, was sein kann, wenn wir nur einmal diesen Gesichtspunkt gewonnen haben, verehrte Anwesende? Wir gehen durch das Leben. Vieles, vieles geht an unseren Augen, Ohren, an Verstand, Empfinden und Wollen vorbei. Vielen Menschen begegnen wir. Da ist unter vielen und vielen Menschen einer, den wir gleichsam durch geheimnisvolle Kräfte unseres Wesens als uns anziehend empfinden, mit dem wir eine Lebensgemeinschaft in Freundschaft oder sonst irgendwie eingehen. Warum haben wir das getan? Weil die Kräfte in uns gesessen sind, die wir uns aus früheren Leben mitgebracht haben, und weil diese Kräfte gerade das, was in der Seele dieses Menschen lebt, angezogen haben, wie der Magnet die Eisenfeilspäne anzieht. An den anderen Menschen ist diese Kraft vorübergegangen. Dadurch aber prägen wir uns alles das, was wir nun mit diesem Menschen zusammen als Schicksal erleben.
[ 37 ] Sehen wir nicht im Leben, was sein kann, wenn wir nur einmal diesen Gesichtspunkt gewonnen haben, verehrte Anwesende? Wir gehen durch das Leben. Vieles, vieles geht an unseren Augen, Ohren, an Verstand, Empfinden und Wollen vorbei. Vielen Menschen begegnen wir. Da ist unter vielen und vielen Menschen einer, den wir gleichsam durch geheimnisvolle Kräfte unseres Wesens als uns anziehend empfinden, mit dem wir eine Lebensgemeinschaft in Freundschaft oder sonst irgendwie eingehen. Warum haben wir das getan? Weil die Kräfte in uns gesessen sind, die wir uns aus früheren Leben mitgebracht haben, und weil diese Kräfte gerade das, was in der Seele dieses Menschen lebt, angezogen haben, wie der Magnet die Eisenfeilspäne anzieht. An den anderen Menschen ist diese Kraft vorübergegangen. Dadurch aber prägen wir uns alles das, was wir nun mit diesem Menschen zusammen als Schicksal erleben.
[ 38 ] In derselben Weise aber prägen wir uns auch schon unser Schicksal, indem wir aus der geistigen Welt, in der wir leben zwischen Tod und neuer Geburt, heruntersteigen zu der neuen Geburt. Da im physischen Erdendasein, da sind diejenigen Kräfte, die unsere Vorfahren uns durch Vererbung geben können. Zu denjenigen Kräften, die wir gerade brauchen nach den Eigenschaften unserer Seele, fühlen wir uns hingezogen, mit denen verbinden wir uns. Man merkt das geheime Anziehungsband, das da besteht zwischen uns — längst vor der Geburt, vor der Empfängnis- und demjenigen, was uns durch die von den Ahnen vererbbaren Kräfte gegeben werden kann. Ja, die genauere Geistesforschung zeigt uns sogar, verehrte Anwesende, dass dieses Anziehungsband lange, lange schon sich bildet, bevor irgendwie die Rede sein kann von unserer Geburt oder unserer Empfängnis.
[ 38 ] In derselben Weise aber prägen wir uns auch schon unser Schicksal, indem wir aus der geistigen Welt, in der wir leben zwischen Tod und neuer Geburt, heruntersteigen zu der neuen Geburt. Da im physischen Erdendasein, da sind diejenigen Kräfte, die unsere Vorfahren uns durch Vererbung geben können. Zu denjenigen Kräften, die wir gerade brauchen nach den Eigenschaften unserer Seele, fühlen wir uns hingezogen, mit denen verbinden wir uns. Man merkt das geheime Anziehungsband, das da besteht zwischen uns — längst vor der Geburt, vor der Empfängnis- und demjenigen, was uns durch die von den Ahnen vererbbaren Kräfte gegeben werden kann. Ja, die genauere Geistesforschung zeigt uns sogar, verehrte Anwesende, dass dieses Anziehungsband lange, lange schon sich bildet, bevor irgendwie die Rede sein kann von unserer Geburt oder unserer Empfängnis.
[ 39 ] Hier wird einmal, wenn Logik an die Stelle desjenigen tritt, wo man heute zwar Logik vorhanden glaubt, wo aber eigentlich rechte Unlogik herrscht — hier wird eine ganz andere Denkweise Platz greifen. Heute sagen sehr viele: Man sieht ja, dass der Mensch, der im Leben gewisse Eigenschaften darlebt, diese Eigenschaften von seinen Voreltern oder Eltern nur ererbt haben muss. Geisteswissenschaft will da kommen und will zeigen, dass das Menschenwesen als ein Kern gleichsam sich umhüllt mit den von ihm selbst gewählten ererbten Eigenschaften. Seien wir doch froh, so sagt man nach den heutigen Denkgewohnheiten, seien wir doch froh, dass die äußere Wissenschaft es dahin gebracht hat, zu erkennen, wie die Eigenschaften der Vorfahren in den Nachkommen wiederum aufleben, wie das die gewöhnliche Physiologie ja erklären kann.
[ 39 ] Hier wird einmal, wenn Logik an die Stelle desjenigen tritt, wo man heute zwar Logik vorhanden glaubt, wo aber eigentlich rechte Unlogik herrscht — hier wird eine ganz andere Denkweise Platz greifen. Heute sagen sehr viele: Man sieht ja, dass der Mensch, der im Leben gewisse Eigenschaften darlebt, diese Eigenschaften von seinen Voreltern oder Eltern nur ererbt haben muss. Geisteswissenschaft will da kommen und will zeigen, dass das Menschenwesen als ein Kern gleichsam sich umhüllt mit den von ihm selbst gewählten ererbten Eigenschaften. Seien wir doch froh, so sagt man nach den heutigen Denkgewohnheiten, seien wir doch froh, dass die äußere Wissenschaft es dahin gebracht hat, zu erkennen, wie die Eigenschaften der Vorfahren in den Nachkommen wiederum aufleben, wie das die gewöhnliche Physiologie ja erklären kann.
[ 40 ] Und besonders den Kern dieser Logik wollen die Menschen ausspielen, wenn sie sagen: Man sieht das ja am Genie. Wenn man das Genie beobachtet, sieht man, dass die Eigenschaften, die im Genie konzentriert sind, bei den Eltern, Voreltern und so weiter und so weiter sich finden. Das Genie tritt gewöhnlich am Ende einer Entwicklungsreihe auf. Schöne Logik, das! Denn sie gleicht ganz dem, verehrte Anwesende, wenn jemand es besonders wunderbar findet für eine Erklärung, wenn er sagen kann, man sei nass, wenn man ins Wasser gefallen ist und herausgezogen wird. Selbstverständlich muss man, wenn man am Ende einer Vererbungsreihe steht, die Eigenschaften tragen, die durch die Vererbungsreihe einen im Leibe umgaben, gleichsam wie Wasser, wenn man in einen Bach gefallen ist, einen umgibt. Aber eine wirkliche Logik würde in der Sache sein, wenn man zeigen könnte, dass dasjenige, was bei den Vorfahren als geniale Eigenschaften lebte, in den Nachkommen leben würde. Nicht indem man von dem Genie zu den Vorfahren hinaufsieht, sondern indem man vom Genie zu den Nachkommen hinuntersteigen würde, das wäre wirkliche Logik. Man merkt gar nicht, wie man aller Logik ins Gesicht schlägt, wenn man so vorgeht, wenn man so urteilt, wie es eben geschieht. Denn das wird man hübsch bleiben lassen, dass man die Eigenschaften des Genies immer bei den Nachkommen sucht. Man braucht nur große Genies aufzuzeigen, und dann zu zeigen, wie es zuweilen gerade bei den Nachkommen ausschaut! Hier wird man bald finden, dass dasjenige, was der Mensch sich selbst erarbeitet hat, dasjenige, was er im Innern ist, dass das die anziehende Kraft für die Ereignisse, für all die Vorgänge des äußeren Lebens bietet, die in seinem Schicksal zusammengehen.
[ 40 ] Und besonders den Kern dieser Logik wollen die Menschen ausspielen, wenn sie sagen: Man sieht das ja am Genie. Wenn man das Genie beobachtet, sieht man, dass die Eigenschaften, die im Genie konzentriert sind, bei den Eltern, Voreltern und so weiter und so weiter sich finden. Das Genie tritt gewöhnlich am Ende einer Entwicklungsreihe auf. Schöne Logik, das! Denn sie gleicht ganz dem, verehrte Anwesende, wenn jemand es besonders wunderbar findet für eine Erklärung, wenn er sagen kann, man sei nass, wenn man ins Wasser gefallen ist und herausgezogen wird. Selbstverständlich muss man, wenn man am Ende einer Vererbungsreihe steht, die Eigenschaften tragen, die durch die Vererbungsreihe einen im Leibe umgaben, gleichsam wie Wasser, wenn man in einen Bach gefallen ist, einen umgibt. Aber eine wirkliche Logik würde in der Sache sein, wenn man zeigen könnte, dass dasjenige, was bei den Vorfahren als geniale Eigenschaften lebte, in den Nachkommen leben würde. Nicht indem man von dem Genie zu den Vorfahren hinaufsieht, sondern indem man vom Genie zu den Nachkommen hinuntersteigen würde, das wäre wirkliche Logik. Man merkt gar nicht, wie man aller Logik ins Gesicht schlägt, wenn man so vorgeht, wenn man so urteilt, wie es eben geschieht. Denn das wird man hübsch bleiben lassen, dass man die Eigenschaften des Genies immer bei den Nachkommen sucht. Man braucht nur große Genies aufzuzeigen, und dann zu zeigen, wie es zuweilen gerade bei den Nachkommen ausschaut! Hier wird man bald finden, dass dasjenige, was der Mensch sich selbst erarbeitet hat, dasjenige, was er im Innern ist, dass das die anziehende Kraft für die Ereignisse, für all die Vorgänge des äußeren Lebens bietet, die in seinem Schicksal zusammengehen.
[ 41 ] So werden wir sagen können: Von Geburt bis zum Tode bringen wir Ordnung in die Aufeinanderfolge unserer sonstigen Zufälle des Schicksals hinein, wenn wir uns also selbst erkennen, wenn wir die Furcht überwinden vor uns selbst und uns in unserer wahren Menschlichkeit erkennen. Denn dann erkennen wir auch, dass wir uns ein Unglück geholt haben, weil wir an diesem Unglück erstählen wollen, weil uns eine Kraft gefehlt hat und das Fehlen dieser Kraft in uns eine Eigenschaft hervorruft, die ein Anziehungsband bildet gerade für diesen Unglück.
[ 41 ] So werden wir sagen können: Von Geburt bis zum Tode bringen wir Ordnung in die Aufeinanderfolge unserer sonstigen Zufälle des Schicksals hinein, wenn wir uns also selbst erkennen, wenn wir die Furcht überwinden vor uns selbst und uns in unserer wahren Menschlichkeit erkennen. Denn dann erkennen wir auch, dass wir uns ein Unglück geholt haben, weil wir an diesem Unglück erstählen wollen, weil uns eine Kraft gefehlt hat und das Fehlen dieser Kraft in uns eine Eigenschaft hervorruft, die ein Anziehungsband bildet gerade für diesen Unglück.
[ 42 ] Hinzu kommt zu einer solchen Weltanschauung, die also im Schicksal den eigentlichen Menschen entdeckt, die Einsicht, dass der Mensch nur deshalb sich in seinem Schicksal nicht selbst entdecken will, weil er davor Furcht hat, hinzukommen zu dieser Anschauung. Das ist etwas Schwieriges, verehrte Anwesende, aber sobald die Wahrheiten der Geistesforschung erkundet sind, dann braucht man kein Geistesforscher zu sein — obwohl, wie ich das vorgestern ausführte, bis zu einem gewissen Grade jeder heute durch Beobachtung der Regeln, die in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» niedergeschrieben sind, ein Geistesforscher werden kann, bis zu einem gewissen Grade, sagte ich —, aber man braucht es nicht zu sein. Wenn die Wahrheiten der Geistesforschung einmal ausgesprochen worden sind, dann kann man sie durch dasjenige, was im Menschen als Wahrheitssinn, als unbefangener Wahrheitssinn herrscht, verstehen und anerkennen.
[ 42 ] Hinzu kommt zu einer solchen Weltanschauung, die also im Schicksal den eigentlichen Menschen entdeckt, die Einsicht, dass der Mensch nur deshalb sich in seinem Schicksal nicht selbst entdecken will, weil er davor Furcht hat, hinzukommen zu dieser Anschauung. Das ist etwas Schwieriges, verehrte Anwesende, aber sobald die Wahrheiten der Geistesforschung erkundet sind, dann braucht man kein Geistesforscher zu sein — obwohl, wie ich das vorgestern ausführte, bis zu einem gewissen Grade jeder heute durch Beobachtung der Regeln, die in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» niedergeschrieben sind, ein Geistesforscher werden kann, bis zu einem gewissen Grade, sagte ich —, aber man braucht es nicht zu sein. Wenn die Wahrheiten der Geistesforschung einmal ausgesprochen worden sind, dann kann man sie durch dasjenige, was im Menschen als Wahrheitssinn, als unbefangener Wahrheitssinn herrscht, verstehen und anerkennen.
[ 43 ] Wie man nicht ein Chemiker zu sein braucht, damit all dasjenige von Nutzen sein kann für einen selbst, was der Chemiker vorbringt — hier braucht man nicht vom Verständnis zu reden, sondern nur vom Nutzen —, so braucht man kein Geistesforscher zu sein, um wahr zu finden, denn wahr zu finden ist hier, wenn man das triviale Wort gebrauchen will, der Nutzen der geisteswissenschaftlichen Entdeckungen. Wie man die chemischen Produkte anwenden kann im Leben, so kann man anwenden dasjenige, was die Geistesforschung bringt, weil, indem es da ist und man ihm nur nicht entgegentritt mit den Vorurteilen, die aus den gewöhnlichen Denkgewohnheiten kommen, die hinlänglich geschildert worden sind, wenn man ihm nur nicht damit entgegentritt, so wirkt es auf den natürlichen Menschen.
[ 43 ] Wie man nicht ein Chemiker zu sein braucht, damit all dasjenige von Nutzen sein kann für einen selbst, was der Chemiker vorbringt — hier braucht man nicht vom Verständnis zu reden, sondern nur vom Nutzen —, so braucht man kein Geistesforscher zu sein, um wahr zu finden, denn wahr zu finden ist hier, wenn man das triviale Wort gebrauchen will, der Nutzen der geisteswissenschaftlichen Entdeckungen. Wie man die chemischen Produkte anwenden kann im Leben, so kann man anwenden dasjenige, was die Geistesforschung bringt, weil, indem es da ist und man ihm nur nicht entgegentritt mit den Vorurteilen, die aus den gewöhnlichen Denkgewohnheiten kommen, die hinlänglich geschildert worden sind, wenn man ihm nur nicht damit entgegentritt, so wirkt es auf den natürlichen Menschen.
[ 44 ] Der Geistesforscher baut auf nichts anderes, auf keine Autorität, er baut auf nichts anderes als das, dass er ja nichts anderes entdeckt und erkundet, als was in jeder Seele lebt. Durch seine Erkenntnis wird zur Wirklichkeit nichts hinzugefügt; was er entdeckt, lebt in jeder Seele. Daher braucht es nur ausgesprochen zu werden, daher muss, was in den Tiefen jeder Menschenseele lebt, sich bekennen zu dem, was der Geistesforscher zu sagen hat.
[ 44 ] Der Geistesforscher baut auf nichts anderes, auf keine Autorität, er baut auf nichts anderes als das, dass er ja nichts anderes entdeckt und erkundet, als was in jeder Seele lebt. Durch seine Erkenntnis wird zur Wirklichkeit nichts hinzugefügt; was er entdeckt, lebt in jeder Seele. Daher braucht es nur ausgesprochen zu werden, daher muss, was in den Tiefen jeder Menschenseele lebt, sich bekennen zu dem, was der Geistesforscher zu sagen hat.
[ 45 ] Wenn das auch heute noch nicht der Fall ist, ja, wenn es, wie ich schon vorgestern sagte, begreiflich erscheinen muss, dass heute viel mehr Gegensatz, Missachtung, Hohn und Spott sich gegenüber dem geltend macht, was der Geistesforscher zu sagen hat, so gilt das doch, dass die Entwicklung in die nächste Zukunft hinein so vor sich gehen wird, dass sich die Menschen gerade so bequemen werden anzuerkennen, dass das menschliche Leben in Wahrheit sich fortsetzt durch viele Erdenleben, dass das Schicksal uns verständlich wird, wenn wir den höheren Menschen walten sehen selber in der angedeuteten Weise, in diesem Schicksal darinnen. So werden sich die Menschen bequemen, das anzuerkennen, wie sie sich bequemt haben anzuerkennen, dass dasjenige, was, wie man damals sagte, «den gesunden fünf Sinnen widerspricht», dass es wahr ist, nämlich, dass nicht die Erde stillesteht und die Sonne sich herumbewegt und die Sterne sich herumbewegen, sondern dass es umgekehrt ist, dass die Erde sich um die Sonne bewegt.
[ 45 ] Wenn das auch heute noch nicht der Fall ist, ja, wenn es, wie ich schon vorgestern sagte, begreiflich erscheinen muss, dass heute viel mehr Gegensatz, Missachtung, Hohn und Spott sich gegenüber dem geltend macht, was der Geistesforscher zu sagen hat, so gilt das doch, dass die Entwicklung in die nächste Zukunft hinein so vor sich gehen wird, dass sich die Menschen gerade so bequemen werden anzuerkennen, dass das menschliche Leben in Wahrheit sich fortsetzt durch viele Erdenleben, dass das Schicksal uns verständlich wird, wenn wir den höheren Menschen walten sehen selber in der angedeuteten Weise, in diesem Schicksal darinnen. So werden sich die Menschen bequemen, das anzuerkennen, wie sie sich bequemt haben anzuerkennen, dass dasjenige, was, wie man damals sagte, «den gesunden fünf Sinnen widerspricht», dass es wahr ist, nämlich, dass nicht die Erde stillesteht und die Sonne sich herumbewegt und die Sterne sich herumbewegen, sondern dass es umgekehrt ist, dass die Erde sich um die Sonne bewegt.
[ 46 ] Wer heute kommt und sagt: «Das, was der Geistesforscher zu sagen hat, widerspricht den gesunden fünf Sinnen!», der steht auf demselben Boden, wie diejenigen Leute gestanden haben, die zur Zeit des Kopernikus kamen und sagten: Nun ja, dass da die Sonne stillstehen soll, das widerspricht ja den gesunden fünf Sinnen! Das kann doch kein gesunder, denkender Mensch anerkennen. Wie dazumal — ich habe das schon hier in früheren Jahren ausgesprochen —, wie dazumal, aufnehmend die neue Lehre des Kopernikus, Giordano Bruno gekommen ist und gesagt hat: Da haben die gesunden fünf Sinne gelehrt, dass da oben das blaue Firmament und unter diesem Firmament die Sterne kreisen. Die Wahrheit aber stellt sich uns so dar, dass da oben nicht ein blaues Firmament ist, sondern dass nur die Begrenztheit des menschlichen Anschauens das Firmament hinsetzt — euch das Firmament vortäuscht —, während der Weltenraum ins Unendliche hinausgeht und eingebettet in den Weltenraum die unzählbaren Sterne sind. Wie Giordano Bruno als einen bloßen Schein, der hervorgerufen wird durch die Begrenztheit des menschlichen Anschauens, das räumliche Firmament aufdecken musste, so muss Geisteswissenschaft, ich möchte sagen das zeitliche Firmament des menschlichen Seelenlebens aufdecken, das von Geburt oder, sagen wir Empfängnis und Tod begrenzt wird. So wenig, wie da oben das Firmament ist, so wenig ist da eine Grenze, wo Geburt oder Empfängnis und Tod stehen, sondern nur das menschliche Anschauen, das menschliche Denken im gewöhnlichen Leben ist dort begrenzt; und eingebettet ist dieses eine Leben in den ganzen Strom der Zeit.
[ 46 ] Wer heute kommt und sagt: «Das, was der Geistesforscher zu sagen hat, widerspricht den gesunden fünf Sinnen!», der steht auf demselben Boden, wie diejenigen Leute gestanden haben, die zur Zeit des Kopernikus kamen und sagten: Nun ja, dass da die Sonne stillstehen soll, das widerspricht ja den gesunden fünf Sinnen! Das kann doch kein gesunder, denkender Mensch anerkennen. Wie dazumal — ich habe das schon hier in früheren Jahren ausgesprochen —, wie dazumal, aufnehmend die neue Lehre des Kopernikus, Giordano Bruno gekommen ist und gesagt hat: Da haben die gesunden fünf Sinne gelehrt, dass da oben das blaue Firmament und unter diesem Firmament die Sterne kreisen. Die Wahrheit aber stellt sich uns so dar, dass da oben nicht ein blaues Firmament ist, sondern dass nur die Begrenztheit des menschlichen Anschauens das Firmament hinsetzt — euch das Firmament vortäuscht —, während der Weltenraum ins Unendliche hinausgeht und eingebettet in den Weltenraum die unzählbaren Sterne sind. Wie Giordano Bruno als einen bloßen Schein, der hervorgerufen wird durch die Begrenztheit des menschlichen Anschauens, das räumliche Firmament aufdecken musste, so muss Geisteswissenschaft, ich möchte sagen das zeitliche Firmament des menschlichen Seelenlebens aufdecken, das von Geburt oder, sagen wir Empfängnis und Tod begrenzt wird. So wenig, wie da oben das Firmament ist, so wenig ist da eine Grenze, wo Geburt oder Empfängnis und Tod stehen, sondern nur das menschliche Anschauen, das menschliche Denken im gewöhnlichen Leben ist dort begrenzt; und eingebettet ist dieses eine Leben in den ganzen Strom der Zeit.
[ 47 ] Heute stehen wir, sehr verehrte Anwesende, in Bezug auf das geistige Erkennen genau an demselben Wendepunkt, wie die Welt in Bezug auf das Naturerkennen stand, als Giordano Bruno auftreten musste und die Täuschung des äußeren Raumesfirmamentes so betonen musste, wie wir heute betonen müssen die Täuschung durch das Zeitenfirmament, durch Geburt und Tod. Dann aber, wenn die Menschen begreifen werden, auch ohne dass sie Geistesforscher werden — denn so wie es einzelne Chemiker, einzelne Astronomen gibt, so wird es immer einzelne Geistesforscher in der Zukunft geben —, wenn die Menschen aber hinweggeräumt haben werden alle Vorurteile gegenüber der Geistesforschung, ebenso wie sie sie hinweggeräumt haben gegenüber der naturwissenschaftlichen Weltanschauung, dann wird so, wie die naturwissenschaftliche Weltanschauung hineingeströmt ist in die Verrichtungen des äußeren Lebens, wie sie, ich möchte sagen alles aufgebaut hat, was wir in der neueren Welt äußerlich in unserem Leben um uns haben, so wird in Bezug auf das Seelenleben, in das wir uns als Menschen hineinleben, indem wir der Zukunft entgegenleben, dasjenige sich hineinleben, was die geisteswissenschaftlichen Vorstellungen sind.
[ 47 ] Heute stehen wir, sehr verehrte Anwesende, in Bezug auf das geistige Erkennen genau an demselben Wendepunkt, wie die Welt in Bezug auf das Naturerkennen stand, als Giordano Bruno auftreten musste und die Täuschung des äußeren Raumesfirmamentes so betonen musste, wie wir heute betonen müssen die Täuschung durch das Zeitenfirmament, durch Geburt und Tod. Dann aber, wenn die Menschen begreifen werden, auch ohne dass sie Geistesforscher werden — denn so wie es einzelne Chemiker, einzelne Astronomen gibt, so wird es immer einzelne Geistesforscher in der Zukunft geben —, wenn die Menschen aber hinweggeräumt haben werden alle Vorurteile gegenüber der Geistesforschung, ebenso wie sie sie hinweggeräumt haben gegenüber der naturwissenschaftlichen Weltanschauung, dann wird so, wie die naturwissenschaftliche Weltanschauung hineingeströmt ist in die Verrichtungen des äußeren Lebens, wie sie, ich möchte sagen alles aufgebaut hat, was wir in der neueren Welt äußerlich in unserem Leben um uns haben, so wird in Bezug auf das Seelenleben, in das wir uns als Menschen hineinleben, indem wir der Zukunft entgegenleben, dasjenige sich hineinleben, was die geisteswissenschaftlichen Vorstellungen sind.
[ 48 ] Und vor allen Dingen ist festzuhalten, dass dasjenige, was diese geisteswissenschaftlichen Vorstellungen sind, in unsere Empfindungen, in unsere Gefühle sich hineinlebt. Und wie anders werden diese Gefühle und Empfindungen, wenn sie durchdrungen, durchwellt und durchwallt werden von den geisteswissenschaftlichen Vorstellungen, [die] zum Beispiel zur Schicksalsfrage sich stellen. Wir werden das Schicksal innig verknüpft finden mit dem, was das Höhere in uns selber, das eigentlich Geistig-Seelische, das von Geburt zu Geburt geht, vollzieht. Wie wir die Naturgesetze erblicken in der äußeren Natur als den Zusammenhang der äußeren Naturtatsachen, so werden wir erblicken unser höheres Selbst, waltend in unserem Schicksal.
[ 48 ] Und vor allen Dingen ist festzuhalten, dass dasjenige, was diese geisteswissenschaftlichen Vorstellungen sind, in unsere Empfindungen, in unsere Gefühle sich hineinlebt. Und wie anders werden diese Gefühle und Empfindungen, wenn sie durchdrungen, durchwellt und durchwallt werden von den geisteswissenschaftlichen Vorstellungen, [die] zum Beispiel zur Schicksalsfrage sich stellen. Wir werden das Schicksal innig verknüpft finden mit dem, was das Höhere in uns selber, das eigentlich Geistig-Seelische, das von Geburt zu Geburt geht, vollzieht. Wie wir die Naturgesetze erblicken in der äußeren Natur als den Zusammenhang der äußeren Naturtatsachen, so werden wir erblicken unser höheres Selbst, waltend in unserem Schicksal.
[ 49 ] Selbstverständlich kann immer die Frage aufgeworfen werden, das will ich nur als Zwischenbemerkung sagen, sehr verehrte Anwesende, ob denn das immer in alle Ewigkeit so fortgeht mit den Erdenleben. Nun, nur solange als die Erde unter denselben Bedingungen steht, wie sie jetzt steht ungefähr, geht das mit den Erdenleben so fort. Geisteswissenschaft führt uns gerade zurück — sie können das näher in meiner «Geheimwissenschaft» nachlesen — zu ganz anderen Zuständen der Erde. Da hat sich auch der Mensch herausentwickelt aus ganz anderen Zuständen hinein in das Leben, das ihn durch wiederholte Erdenleben führt. Und wenn die Erde ganz andere Formen angenommen haben wird, werden auch ganz andere Zustände auf der Erde sein, wie auch die Physik uns schon lehrt, dann wird auch der Mensch ganz andere Formen annehmen. Es ist ein Zwischenzustand, dieses Erdenleben, von einer Geburt zur anderen. Aber so, wie wir jetzt drinnenstehen in diesem Erdenleben, ist Geisteswissenschaft dasjenige, was in alle unsere Schicksalszufälle Zusammenhang bringt, was uns selbst mit unserem Schicksal zusammenwachsen lässt. Und es wird wohl gerade in unserer Zeit, ich möchte sagen nicht empfunden werden als nicht am Platze, wenn gesagt wird, dass die schwere Zeit, die wir in diesen Tagen, Wochen, Monaten durchmachen, unsere Seelen ganz besonders hinlenken muss auf ein solches Verstehen des menschlichen Schicksals. Wir sehen — ich habe das bereits vorgestern erwähnt —, wie sich in unzähligen Leiden, aber auch unzähligen Taten mutvoller Tapferkeit, in bewunderungswürdigen Opfertaten auslebt dasjenige, was im Verlaufe der Geschichte gerade durch die heutigen Ereignisse ausgelebt werden muss.
[ 49 ] Selbstverständlich kann immer die Frage aufgeworfen werden, das will ich nur als Zwischenbemerkung sagen, sehr verehrte Anwesende, ob denn das immer in alle Ewigkeit so fortgeht mit den Erdenleben. Nun, nur solange als die Erde unter denselben Bedingungen steht, wie sie jetzt steht ungefähr, geht das mit den Erdenleben so fort. Geisteswissenschaft führt uns gerade zurück — sie können das näher in meiner «Geheimwissenschaft» nachlesen — zu ganz anderen Zuständen der Erde. Da hat sich auch der Mensch herausentwickelt aus ganz anderen Zuständen hinein in das Leben, das ihn durch wiederholte Erdenleben führt. Und wenn die Erde ganz andere Formen angenommen haben wird, werden auch ganz andere Zustände auf der Erde sein, wie auch die Physik uns schon lehrt, dann wird auch der Mensch ganz andere Formen annehmen. Es ist ein Zwischenzustand, dieses Erdenleben, von einer Geburt zur anderen. Aber so, wie wir jetzt drinnenstehen in diesem Erdenleben, ist Geisteswissenschaft dasjenige, was in alle unsere Schicksalszufälle Zusammenhang bringt, was uns selbst mit unserem Schicksal zusammenwachsen lässt. Und es wird wohl gerade in unserer Zeit, ich möchte sagen nicht empfunden werden als nicht am Platze, wenn gesagt wird, dass die schwere Zeit, die wir in diesen Tagen, Wochen, Monaten durchmachen, unsere Seelen ganz besonders hinlenken muss auf ein solches Verstehen des menschlichen Schicksals. Wir sehen — ich habe das bereits vorgestern erwähnt —, wie sich in unzähligen Leiden, aber auch unzähligen Taten mutvoller Tapferkeit, in bewunderungswürdigen Opfertaten auslebt dasjenige, was im Verlaufe der Geschichte gerade durch die heutigen Ereignisse ausgelebt werden muss.
[ 50 ] Und der Mensch, der sich in diese Ereignisse hereingestellt findet, wie kann er empfinden die Zusammengehörigkeit mit diesen Ereignissen, wie kann er empfinden die Zusammengehörigkeit auch mit diesen schicksalstragenden Ereignissen unserer Tage, wenn er erfühlen kann, wie das geheime Anziehungsband, von dem gesagt worden ist, dass es von seinem Wesen ausgeht und sein Schicksal bereitet, dass dieses geheime Anziehungsband ihn gerade in diese schicksalsschwere Zeit hereingestellt hat? Wie fühlt man sich zusammenwachsend auch mit einer solch schweren Zeit, wenn man das Zusammenwachsen empfindet zwischen Menschensein im höheren Sinne und Schicksal im Sinne der Geisteswissenschaft? Und wie wächst jenes Vertrauen, das wir haben müssen in die Ereignisse, wenn man also den Zusammenhang erblickt zwischen dem Menschen und seinem Schicksal? Da erblicken wir auf der einen Seite, wie wir gleichsam uns diese Zeit mit unserem höheren Selbst als unsere uns jetzt angemessene Lebenszeit, als die Lebenszeit gewählt haben, welche den Eigenschaften, die wir verborgen in unserem Wesenskern haben, am meisten entspricht, wie wir uns in diese Zeit gerade hineinversetzt haben. Da gewinnen wir auch das Vertrauen: Wir werden die Kräfte haben, um die Anforderungen, die diese Zeit an uns stellen muss, auch wirklich zu erfüllen. Nicht durch bloße Ermahnungen, nicht durch bloßes Zureden, nicht auf irgendeine sentimentale Art wollen wir uns durch die Geisteswissenschaft zu einem Vertrauen auffordern lassen, sondern dadurch, dass wir uns sagen: Eines fordert immer das andere. Die Eigenschaften in unserer Seele, die uns hereingestellt haben in diese Zeit, die hängen — sie könnten sonst nicht entwickelt sein —, die hängen mit anderen zusammen, die uns auch wiederum fähig machen werden, dasjenige, was uns unsere Zeit erleben lässt, zu solchen Zielen hinzuführen, wie sie im vorgestrigen Vortrage als gerade aus den Forderungen unserer Zeit sich ergebend dargestellt worden sind.
[ 50 ] Und der Mensch, der sich in diese Ereignisse hereingestellt findet, wie kann er empfinden die Zusammengehörigkeit mit diesen Ereignissen, wie kann er empfinden die Zusammengehörigkeit auch mit diesen schicksalstragenden Ereignissen unserer Tage, wenn er erfühlen kann, wie das geheime Anziehungsband, von dem gesagt worden ist, dass es von seinem Wesen ausgeht und sein Schicksal bereitet, dass dieses geheime Anziehungsband ihn gerade in diese schicksalsschwere Zeit hereingestellt hat? Wie fühlt man sich zusammenwachsend auch mit einer solch schweren Zeit, wenn man das Zusammenwachsen empfindet zwischen Menschensein im höheren Sinne und Schicksal im Sinne der Geisteswissenschaft? Und wie wächst jenes Vertrauen, das wir haben müssen in die Ereignisse, wenn man also den Zusammenhang erblickt zwischen dem Menschen und seinem Schicksal? Da erblicken wir auf der einen Seite, wie wir gleichsam uns diese Zeit mit unserem höheren Selbst als unsere uns jetzt angemessene Lebenszeit, als die Lebenszeit gewählt haben, welche den Eigenschaften, die wir verborgen in unserem Wesenskern haben, am meisten entspricht, wie wir uns in diese Zeit gerade hineinversetzt haben. Da gewinnen wir auch das Vertrauen: Wir werden die Kräfte haben, um die Anforderungen, die diese Zeit an uns stellen muss, auch wirklich zu erfüllen. Nicht durch bloße Ermahnungen, nicht durch bloßes Zureden, nicht auf irgendeine sentimentale Art wollen wir uns durch die Geisteswissenschaft zu einem Vertrauen auffordern lassen, sondern dadurch, dass wir uns sagen: Eines fordert immer das andere. Die Eigenschaften in unserer Seele, die uns hereingestellt haben in diese Zeit, die hängen — sie könnten sonst nicht entwickelt sein —, die hängen mit anderen zusammen, die uns auch wiederum fähig machen werden, dasjenige, was uns unsere Zeit erleben lässt, zu solchen Zielen hinzuführen, wie sie im vorgestrigen Vortrage als gerade aus den Forderungen unserer Zeit sich ergebend dargestellt worden sind.
[ 51 ] Nicht auf Ermahnungen, nicht auf sentimentales Zureden bauen wir, sondern auf das Wissen, das wir haben können von den Kräften, die zur Überwindung da sind, nachdem die Kräfte da waren, die uns in die Zeit hereingeführt haben. Denn das gewinnt ja der Mensch, wenn er sich in die Geisteswissenschaft mit seiner Seele so recht einlebt, verehrte Anwesende, dass er ein volles Bewusstsein davon bekommt: Ja, da unten in deinen Tiefen, da sind Seelenkräfte, von denen du nichts weißt, die aber heraufkönnen aus diesen Untergründen! Vertrauen vor allen Dingen zu sich selbst, Vertrauen zu den Kräften, die in ihm sind, in seinen Seelentiefen, das gewinnt der Mensch. Das ist dasjenige, was in der Geisteswissenschaft selber als stärkende Seelenkraft liegt. Und wenn wir wiederum anknüpfen an dasjenige, woran anzuknüpfen ich mir vorgestern erlaubt habe, an die mitteleuropäische Kultur, wie sie, man möchte sagen wie in einer großen Festung eingeschlossen ist von ihren Feinden, so können wir sagen: Dieses Vertrauen befestigt sich uns noch in einer anderen Weise.
[ 51 ] Nicht auf Ermahnungen, nicht auf sentimentales Zureden bauen wir, sondern auf das Wissen, das wir haben können von den Kräften, die zur Überwindung da sind, nachdem die Kräfte da waren, die uns in die Zeit hereingeführt haben. Denn das gewinnt ja der Mensch, wenn er sich in die Geisteswissenschaft mit seiner Seele so recht einlebt, verehrte Anwesende, dass er ein volles Bewusstsein davon bekommt: Ja, da unten in deinen Tiefen, da sind Seelenkräfte, von denen du nichts weißt, die aber heraufkönnen aus diesen Untergründen! Vertrauen vor allen Dingen zu sich selbst, Vertrauen zu den Kräften, die in ihm sind, in seinen Seelentiefen, das gewinnt der Mensch. Das ist dasjenige, was in der Geisteswissenschaft selber als stärkende Seelenkraft liegt. Und wenn wir wiederum anknüpfen an dasjenige, woran anzuknüpfen ich mir vorgestern erlaubt habe, an die mitteleuropäische Kultur, wie sie, man möchte sagen wie in einer großen Festung eingeschlossen ist von ihren Feinden, so können wir sagen: Dieses Vertrauen befestigt sich uns noch in einer anderen Weise.
[ 52 ] Schon vorgestern habe ich darauf aufmerksam gemacht, wie diese mitteleuropäische Kultur wirklich dazu berufen ist, ein ganz besonderes Seelenleben zu entwickeln, und wie dieses Seelenleben charakterisiert werden kann dadurch, dass man sagt: Die Angehörigen anderer Nationalitäten werden hereingeboren in ihre Nationalität; indem sie geboren werden, sozusagen, stehen die Menschen innerhalb ihrer Nation darinnen, und wenn man sieht [wie andere Nationen das nationale Prinzip betonen], so findet man es ja immer zurückgeführt auf das, dass der Mensch in diese Nation hereingeboren ist. Das ist gerade das Eigentümliche der mitteleuropäischen Menschen, dass sie Werdende sind. Um dieses Goethewort zu gebrauchen: «Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen» — das ist wie ein Losungswort des mitteleuropäischen Menschen. Entdecken, was man ist, das ist das Wesentliche. Während des Lebens erst so recht entdecken, was man ist als mitteleuropäischer Kulturmensch, das ist das Eigentümliche dieses mitteleuropäischen Menschen, das Suchende, das Strebende.
[ 52 ] Schon vorgestern habe ich darauf aufmerksam gemacht, wie diese mitteleuropäische Kultur wirklich dazu berufen ist, ein ganz besonderes Seelenleben zu entwickeln, und wie dieses Seelenleben charakterisiert werden kann dadurch, dass man sagt: Die Angehörigen anderer Nationalitäten werden hereingeboren in ihre Nationalität; indem sie geboren werden, sozusagen, stehen die Menschen innerhalb ihrer Nation darinnen, und wenn man sieht [wie andere Nationen das nationale Prinzip betonen], so findet man es ja immer zurückgeführt auf das, dass der Mensch in diese Nation hereingeboren ist. Das ist gerade das Eigentümliche der mitteleuropäischen Menschen, dass sie Werdende sind. Um dieses Goethewort zu gebrauchen: «Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen» — das ist wie ein Losungswort des mitteleuropäischen Menschen. Entdecken, was man ist, das ist das Wesentliche. Während des Lebens erst so recht entdecken, was man ist als mitteleuropäischer Kulturmensch, das ist das Eigentümliche dieses mitteleuropäischen Menschen, das Suchende, das Strebende.
[ 53 ] Und so finden wir, wenn wir, ich möchte sagen so recht hinblicken auf die Volksgeister der mitteleuropäischen Menschen, so finden wir, wie keimvoll veranlagt liegt überall, allüberall dasjenige, was Geisteswissenschaft gerade als ihren innersten Lebensnerv zur Darstellung bringen will, wovon sie hofft, dass es sich immer mehr und mehr der Kultur einverleibt. Und da sehen wir, dass gerade in der mitteleuropäischen Kulturseele die Keime überall auftreten, so, wie wahr es ist, dass die Keime, wenn in richtiger Weise gepflegt, sich zu Blüten und Früchten entwickeln müssen, so wahr, dass wir darauf vertrauen dürfen, dass dasjenige, was keimhaft im mitteleuropäischen Geistesleben ist, Blüten und Früchte tragen wird und dass es sich nicht abhalten lassen wird, dieses mitteleuropäische Geistesleben, vom Tragen dieser Blüten und Früchte, wenn auch noch so viele Feinde im Osten und Westen und Norden und Süden wider es aufstehen. Denn die Kräfte liegen in ihm, die Kräfte liegen nicht in irgendetwas, was von außen diesem mitteleuropäischen Geistesleben zukommt.
[ 53 ] Und so finden wir, wenn wir, ich möchte sagen so recht hinblicken auf die Volksgeister der mitteleuropäischen Menschen, so finden wir, wie keimvoll veranlagt liegt überall, allüberall dasjenige, was Geisteswissenschaft gerade als ihren innersten Lebensnerv zur Darstellung bringen will, wovon sie hofft, dass es sich immer mehr und mehr der Kultur einverleibt. Und da sehen wir, dass gerade in der mitteleuropäischen Kulturseele die Keime überall auftreten, so, wie wahr es ist, dass die Keime, wenn in richtiger Weise gepflegt, sich zu Blüten und Früchten entwickeln müssen, so wahr, dass wir darauf vertrauen dürfen, dass dasjenige, was keimhaft im mitteleuropäischen Geistesleben ist, Blüten und Früchte tragen wird und dass es sich nicht abhalten lassen wird, dieses mitteleuropäische Geistesleben, vom Tragen dieser Blüten und Früchte, wenn auch noch so viele Feinde im Osten und Westen und Norden und Süden wider es aufstehen. Denn die Kräfte liegen in ihm, die Kräfte liegen nicht in irgendetwas, was von außen diesem mitteleuropäischen Geistesleben zukommt.
[ 54 ] So sehen wir denn auch, um nur ein paar Beispiele herauszugreifen, wie es innerhalb des mitteleuropäischen Geisteslebens gerade ganz in diesem mitteleuropäischen Geistesleben mit all ihren Seelenkräften drinnenstehende Menschen gibt, die, ich möchte sagen ahnungsvoll hindeuten auf dasjenige, was Geisteswissenschaft in vollem Lichte vor die Menschheit hinstellen will. Da möchte ich aufmerksam machen auf einen Geist, der gerade unter den jetzigen Verhältnissen noch weniger gewirkt hat im mitteleuropäischen Geistesleben, der aber wirklich ganz darinnensteht und im tiefsten Sinne charakteristisch ist für dieses mitteleuropäische Geistesleben, derjenige, den man nennen könnte «den Statthalter Goethes», Herman Grimm, den großen Kunsthistoriker in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts. Auf die Eigentümlichkeit der Kunstforschung Herman Grimms, der von vielen so verkannt wird, möchte ich heute nicht eingehen. Aber darauf möchte ich eingehen, dass Herman Grimm wunderbare Novellen und auch besonders einen außerordentlich bedeutsamen Roman — «Unüberwindliche Mächte» ist der Titel — geschrieben hat.
[ 54 ] So sehen wir denn auch, um nur ein paar Beispiele herauszugreifen, wie es innerhalb des mitteleuropäischen Geisteslebens gerade ganz in diesem mitteleuropäischen Geistesleben mit all ihren Seelenkräften drinnenstehende Menschen gibt, die, ich möchte sagen ahnungsvoll hindeuten auf dasjenige, was Geisteswissenschaft in vollem Lichte vor die Menschheit hinstellen will. Da möchte ich aufmerksam machen auf einen Geist, der gerade unter den jetzigen Verhältnissen noch weniger gewirkt hat im mitteleuropäischen Geistesleben, der aber wirklich ganz darinnensteht und im tiefsten Sinne charakteristisch ist für dieses mitteleuropäische Geistesleben, derjenige, den man nennen könnte «den Statthalter Goethes», Herman Grimm, den großen Kunsthistoriker in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts. Auf die Eigentümlichkeit der Kunstforschung Herman Grimms, der von vielen so verkannt wird, möchte ich heute nicht eingehen. Aber darauf möchte ich eingehen, dass Herman Grimm wunderbare Novellen und auch besonders einen außerordentlich bedeutsamen Roman — «Unüberwindliche Mächte» ist der Titel — geschrieben hat.
[ 55 ] Nur in ein paar Zügen möchte ich auf etwas in diesem Kunstwerk — das nicht anerkannt worden ist, was in diesem Kunstwerk enthalten ist, und was wir erkennen als für das mitteleuropäische Geistesleben charakteristisch — aufmerksam machen. Einzelne charakteristische Züge möchte ich herausheben. Herman Grimm versucht, das Schicksal von Menschen darzustellen, aber überall hat er das Bedürfnis, als Künstler schon hinzuarbeiten auf dasjenige, was Geisteswissenschaft im lebendigen wissenschaftlichen Leben der Menschheit bringen soll, nämlich: anzuknüpfen das menschliche Schicksal nicht bloß an dasjenige, was sich äußerlich als an vom Verstand verfolgbare Ereignisse darstellen lässt, sondern an das, was hinter diesen Ereignissen steht.
[ 55 ] Nur in ein paar Zügen möchte ich auf etwas in diesem Kunstwerk — das nicht anerkannt worden ist, was in diesem Kunstwerk enthalten ist, und was wir erkennen als für das mitteleuropäische Geistesleben charakteristisch — aufmerksam machen. Einzelne charakteristische Züge möchte ich herausheben. Herman Grimm versucht, das Schicksal von Menschen darzustellen, aber überall hat er das Bedürfnis, als Künstler schon hinzuarbeiten auf dasjenige, was Geisteswissenschaft im lebendigen wissenschaftlichen Leben der Menschheit bringen soll, nämlich: anzuknüpfen das menschliche Schicksal nicht bloß an dasjenige, was sich äußerlich als an vom Verstand verfolgbare Ereignisse darstellen lässt, sondern an das, was hinter diesen Ereignissen steht.
[ 56 ] Er hat eine Novelle geschrieben, «Die Sängerin», eine sehr merkwürdige Novelle. Ich erwähne diese Novelle nicht darum, weil ich durch ein Kunstwerk etwas für Geisteswissenschaft beweisen will, sondern aus dem entgegengesetzten Grunde, weil ich zeigen will, wie derjenige, der sich in Geisteswissenschaft eingelebt hat, finden kann, dass hier einmal ein Künstler so schildert, dass der Geistesforscher empfindet: er schildert nicht dilettantisch gewisse geistige Vorgänge, sondern er schildert geistige Vorgänge so, dass sie dem entsprechen, was der Geistesforscher allmählich entdecken muss. Da finden wir in dieser Sängerin dargestellt, wie eine etwas kokette, aber doch geistig hochstehende Dame eine große Anziehungskraft ausübt auf einen Menschen, der im Leben ihr gegenüberzutreten hat. Aber die Dame zieht ihn an, denjenigen, der sie so sehr liebt, und stößt ihn wieder ab. Und nun ist die Novelle so aufgebaut, dass derjenige, der sie schreibt, der die Erzählung, die er von sich selbst gibt, nicht der Liebhaber ist, sondern ein anderer, der teilnimmt, dass er sie in der Ichform erzählt. Er sagt, dass er bekannt geworden ist mit dem Liebhaber der Dame, dass er gesehen hat, wie dieser angezogen und wieder abgestoßen wird von der Dame, und wie der Liebhaber endlich dazu kommt, nachdem ihn die Dame ganz zuletzt abgestoßen hat, ganz herabzukommen im Leben, wie er dazu kommt, allen Trost und alle Hoffnung und alle Lebenssicherheit zu verlieren. Nun sehen wir, wie der andere, der sein Freund ist, ihn später trifft auf einer Reise, nachdem er schon alle Lebenszuversicht verloren hat, wie er ihn in sein Haus bringt, wie er von ihm erfährt, wie er eben zu Tode betrübt ist und wirklich nicht mehr weiterleben will. Da holt dieser Freund die Sängerin selber; sie soll herkommen in das Haus, damit die beiden sich noch einmal treffen können. Inzwischen hat aber der Liebhaber das so arrangiert, dass, als die beiden, der Freund und die Sängerin an das Heim des Freundes herankommen, dass da gerade der Schuss fällt und der Liebhaber bei ihrer Ankunft durch Selbstmord endet. Und nun sehen wir, wie in einer wunderbaren Weise von Herman Grimm geschildert wird, wie diese Dame in den nächsten Nächten in dem Hause des Freundes ist und wie sie erlebt — nachdem der Liebhaber sich selbst getötet hat —, wie sie erlebt, wie ihr in Geistgestalt dasjenige erscheint, was durch die Pforte des Todes gegangen ist von ihrem Liebhaber. Und Herman Grimm lässt uns ahnen, dass in dem, was also durch den Tod hinausgegangen ist, das eigentlich Bestimmende des Schicksals liegt. So sehr liegt es darin, dass gerade durch die Wirkung, die von der Erscheinung des Toten, ich möchte sagen der Gespenstererscheinung ausgeht, die Dame selber hinsiecht und endlich stirbt.
[ 56 ] Er hat eine Novelle geschrieben, «Die Sängerin», eine sehr merkwürdige Novelle. Ich erwähne diese Novelle nicht darum, weil ich durch ein Kunstwerk etwas für Geisteswissenschaft beweisen will, sondern aus dem entgegengesetzten Grunde, weil ich zeigen will, wie derjenige, der sich in Geisteswissenschaft eingelebt hat, finden kann, dass hier einmal ein Künstler so schildert, dass der Geistesforscher empfindet: er schildert nicht dilettantisch gewisse geistige Vorgänge, sondern er schildert geistige Vorgänge so, dass sie dem entsprechen, was der Geistesforscher allmählich entdecken muss. Da finden wir in dieser Sängerin dargestellt, wie eine etwas kokette, aber doch geistig hochstehende Dame eine große Anziehungskraft ausübt auf einen Menschen, der im Leben ihr gegenüberzutreten hat. Aber die Dame zieht ihn an, denjenigen, der sie so sehr liebt, und stößt ihn wieder ab. Und nun ist die Novelle so aufgebaut, dass derjenige, der sie schreibt, der die Erzählung, die er von sich selbst gibt, nicht der Liebhaber ist, sondern ein anderer, der teilnimmt, dass er sie in der Ichform erzählt. Er sagt, dass er bekannt geworden ist mit dem Liebhaber der Dame, dass er gesehen hat, wie dieser angezogen und wieder abgestoßen wird von der Dame, und wie der Liebhaber endlich dazu kommt, nachdem ihn die Dame ganz zuletzt abgestoßen hat, ganz herabzukommen im Leben, wie er dazu kommt, allen Trost und alle Hoffnung und alle Lebenssicherheit zu verlieren. Nun sehen wir, wie der andere, der sein Freund ist, ihn später trifft auf einer Reise, nachdem er schon alle Lebenszuversicht verloren hat, wie er ihn in sein Haus bringt, wie er von ihm erfährt, wie er eben zu Tode betrübt ist und wirklich nicht mehr weiterleben will. Da holt dieser Freund die Sängerin selber; sie soll herkommen in das Haus, damit die beiden sich noch einmal treffen können. Inzwischen hat aber der Liebhaber das so arrangiert, dass, als die beiden, der Freund und die Sängerin an das Heim des Freundes herankommen, dass da gerade der Schuss fällt und der Liebhaber bei ihrer Ankunft durch Selbstmord endet. Und nun sehen wir, wie in einer wunderbaren Weise von Herman Grimm geschildert wird, wie diese Dame in den nächsten Nächten in dem Hause des Freundes ist und wie sie erlebt — nachdem der Liebhaber sich selbst getötet hat —, wie sie erlebt, wie ihr in Geistgestalt dasjenige erscheint, was durch die Pforte des Todes gegangen ist von ihrem Liebhaber. Und Herman Grimm lässt uns ahnen, dass in dem, was also durch den Tod hinausgegangen ist, das eigentlich Bestimmende des Schicksals liegt. So sehr liegt es darin, dass gerade durch die Wirkung, die von der Erscheinung des Toten, ich möchte sagen der Gespenstererscheinung ausgeht, die Dame selber hinsiecht und endlich stirbt.
[ 57 ] Ich will wiederum, gerade wie beim Traum, nicht so sehr auf den Inhalt, der da dargestellt wird, einen besonderen Wert legen, sondern darauf will ich den Wert legen, dass wir hier einen Künstler haben, der nicht stehen bleibt bei der bloß einseitigen Wirklichkeit der äußeren Sinnenwelt und beim bloßen Zusammenfassen der äußeren Schicksalszufälle, wie man sagt, sondern der versucht, die Verkettungen des menschlichen Schicksals in ihrem Zusammenhang mit dem, was vom Menschen durch die Pforte des Todes hindurchgeht, zu schauen und auch künstlerisch darzustellen.
[ 57 ] Ich will wiederum, gerade wie beim Traum, nicht so sehr auf den Inhalt, der da dargestellt wird, einen besonderen Wert legen, sondern darauf will ich den Wert legen, dass wir hier einen Künstler haben, der nicht stehen bleibt bei der bloß einseitigen Wirklichkeit der äußeren Sinnenwelt und beim bloßen Zusammenfassen der äußeren Schicksalszufälle, wie man sagt, sondern der versucht, die Verkettungen des menschlichen Schicksals in ihrem Zusammenhang mit dem, was vom Menschen durch die Pforte des Todes hindurchgeht, zu schauen und auch künstlerisch darzustellen.
[ 58 ] Dass Herman Grimm das nicht nur einmal tut, das zeigt er mit seinem großen Roman «Unüberwindliche Mächte». Das zeigt er darin, dass er die Heldin des Romans, die junge Emmy, erleben lässt, wie auch derjenige, der ihr das Teuerste in der Welt geworden ist, ihr ermordet wird. Er endet nicht durch Selbstmord, er wird ermordet. Sie ist schon krank, die Heldin, aber durch den Tod des Geliebten siecht sie nun dahin. Und nun schildert Herman Grimm anschaulich, wie ganz eigentümlich der Tod ist, wie hereinspielt dasjenige, was durch die Pforte des Todes gegangen ist von dem Erschossenen — er ist erschossen worden, hat nicht durch Selbstmord geendet —, wie das zusammenhängt noch mit der Seele der Lebenden, auf die Lebende wirkt, wie das ein geheimnisvolles Anziehungsband bildet und eigentlich das Siechtum in diesem Wesen der Emmy hervorruft. Und nun schildert Herman Grimm sogar dasjenige, was in seiner vollen Bedeutung nur der Geistesforscher einsehen kann, er schildert, wie die Geistgestalt, die durch den Tod in die geistige Welt übergeht, wirklich sich erhebt. Wunderbar schildert Herman Grimm, wie aus dem Physisch-Leiblichen heraus, noch, ich möchte sagen nachahmend Kopf und Hände und die ganze Gestalt, sich der Geist erhebt und in die geistige Welt übergeht, um sich nun als Geist, als Geist der Emmy, mit dem Geiste ihres geliebten Freundes zu vereinigen. Auch da zeigt Herman Grimm, dass er die Kräfte, die eigentlich das menschliche Schicksal durchspielen, in der geistigen Welt sucht. So sehen wir in diesem Künstler, wie der Keim zur geisteswissenschaftlichen Vertiefung gerade in der mitteleuropäischen Geistkultur da ist.
[ 58 ] Dass Herman Grimm das nicht nur einmal tut, das zeigt er mit seinem großen Roman «Unüberwindliche Mächte». Das zeigt er darin, dass er die Heldin des Romans, die junge Emmy, erleben lässt, wie auch derjenige, der ihr das Teuerste in der Welt geworden ist, ihr ermordet wird. Er endet nicht durch Selbstmord, er wird ermordet. Sie ist schon krank, die Heldin, aber durch den Tod des Geliebten siecht sie nun dahin. Und nun schildert Herman Grimm anschaulich, wie ganz eigentümlich der Tod ist, wie hereinspielt dasjenige, was durch die Pforte des Todes gegangen ist von dem Erschossenen — er ist erschossen worden, hat nicht durch Selbstmord geendet —, wie das zusammenhängt noch mit der Seele der Lebenden, auf die Lebende wirkt, wie das ein geheimnisvolles Anziehungsband bildet und eigentlich das Siechtum in diesem Wesen der Emmy hervorruft. Und nun schildert Herman Grimm sogar dasjenige, was in seiner vollen Bedeutung nur der Geistesforscher einsehen kann, er schildert, wie die Geistgestalt, die durch den Tod in die geistige Welt übergeht, wirklich sich erhebt. Wunderbar schildert Herman Grimm, wie aus dem Physisch-Leiblichen heraus, noch, ich möchte sagen nachahmend Kopf und Hände und die ganze Gestalt, sich der Geist erhebt und in die geistige Welt übergeht, um sich nun als Geist, als Geist der Emmy, mit dem Geiste ihres geliebten Freundes zu vereinigen. Auch da zeigt Herman Grimm, dass er die Kräfte, die eigentlich das menschliche Schicksal durchspielen, in der geistigen Welt sucht. So sehen wir in diesem Künstler, wie der Keim zur geisteswissenschaftlichen Vertiefung gerade in der mitteleuropäischen Geistkultur da ist.
[ 59 ] Manchmal tritt einem dieser Keim in der mitteleuropäischen Geistkultur in einer ganz sonderbaren Weise entgegen. Nur um ein Beispiel von Hunderten und Hunderten, die erwähnt werden können, zu erwähnen, möchte ich das eines deutschen Schulmeisters hervorheben, der einmal eine Abhandlung geschrieben hat über die Unsterblichkeit der Seele. Diese Abhandlung wollte er in zweiter Auflage herausgeben. Ein Freund von ihm hat sie in den nachgelassenen Schriften herausgegeben. Merkwürdigerweise bringt dieser Freund des Schuldirektors, Johann Heinrich Deinhardt, in einer Anmerkung eine sehr interessante Deutung. Er sagt, dieser Schuldirektor habe ihm noch vor seinem Tode geschrieben, wenn er selbst eine zweite Auflage dieser Abhandlung herausgeben würde, so würde er schildern müssen dasjenige, auf das er gekommen ist, nämlich, dass sich in dem Leben zwischen Geburt und Tod aufbaut durch dasjenige, was sich der Mensch erarbeitet, ein Geist-Seelen-Wesen, das durch die Pforte des Todes in die geistige Welt hineingeht.
[ 59 ] Manchmal tritt einem dieser Keim in der mitteleuropäischen Geistkultur in einer ganz sonderbaren Weise entgegen. Nur um ein Beispiel von Hunderten und Hunderten, die erwähnt werden können, zu erwähnen, möchte ich das eines deutschen Schulmeisters hervorheben, der einmal eine Abhandlung geschrieben hat über die Unsterblichkeit der Seele. Diese Abhandlung wollte er in zweiter Auflage herausgeben. Ein Freund von ihm hat sie in den nachgelassenen Schriften herausgegeben. Merkwürdigerweise bringt dieser Freund des Schuldirektors, Johann Heinrich Deinhardt, in einer Anmerkung eine sehr interessante Deutung. Er sagt, dieser Schuldirektor habe ihm noch vor seinem Tode geschrieben, wenn er selbst eine zweite Auflage dieser Abhandlung herausgeben würde, so würde er schildern müssen dasjenige, auf das er gekommen ist, nämlich, dass sich in dem Leben zwischen Geburt und Tod aufbaut durch dasjenige, was sich der Mensch erarbeitet, ein Geist-Seelen-Wesen, das durch die Pforte des Todes in die geistige Welt hineingeht.
[ 60 ] Wenn man sieht, wie die Art und Weise, wie das mitteleuropäische Geistesleben Gedanken und Empfindungen formt, wie es hintendiert, wie es überall hinweist auf dasjenige, was Geisteswissenschaft will, wie der Keim hinweist auf die Blüten und die Früchte, so weist das alles hin auf Geisteswissenschaft.
[ 60 ] Wenn man sieht, wie die Art und Weise, wie das mitteleuropäische Geistesleben Gedanken und Empfindungen formt, wie es hintendiert, wie es überall hinweist auf dasjenige, was Geisteswissenschaft will, wie der Keim hinweist auf die Blüten und die Früchte, so weist das alles hin auf Geisteswissenschaft.
[ 61 ] Und wiederum möchte ich sagen: Auch das wird uns, gerade wenn wir, ich möchte sagen auf den österreichischen Teil des mitteleuropäischen Geisteslebens sehen und da einige Beispiele heranziehen, auch das wird uns so recht klar, was vorgestern berührt worden ist, dass auf dem Grunde der Seelen Schmerz und Leid und Kampf ist und dass erst durch Besiegung von Schmerz und Leid und Kampf und, wie wir heute gesehen haben, durch Überwindung von Furcht und Ohnmacht es möglich ist, dass der Mensch sein Lebensgut entwickele. Auch das tritt uns im äußeren Leben, in der ganzen Art und Weise, wie gestrebt wird, und dieses nun besonders, ich möchte sagen in dem österreichischen Teil des mitteleuropäischen Geisteslebens entgegen.
[ 61 ] Und wiederum möchte ich sagen: Auch das wird uns, gerade wenn wir, ich möchte sagen auf den österreichischen Teil des mitteleuropäischen Geisteslebens sehen und da einige Beispiele heranziehen, auch das wird uns so recht klar, was vorgestern berührt worden ist, dass auf dem Grunde der Seelen Schmerz und Leid und Kampf ist und dass erst durch Besiegung von Schmerz und Leid und Kampf und, wie wir heute gesehen haben, durch Überwindung von Furcht und Ohnmacht es möglich ist, dass der Mensch sein Lebensgut entwickele. Auch das tritt uns im äußeren Leben, in der ganzen Art und Weise, wie gestrebt wird, und dieses nun besonders, ich möchte sagen in dem österreichischen Teil des mitteleuropäischen Geisteslebens entgegen.
[ 62 ] Da ist ein Geist, ein wunderbar anziehender Geist Österreichs, Bartholomäus Carneri. Als hereingekommen ist in das moderne Geistesleben der Darwinismus — nun ja, andere Geister haben ihn so ausgebildet, dass sie die logischen Konsequenzen gezogen haben, dass sie eine einseitige Weltanschauung, die einseitige Weltanschauung des Materialismus aus ihm geformt haben. Bartholomäus Carneri hat Bücher geschrieben, wie die wunderbare «Sittlichkeit und Darwinismus». Wenn man auch nicht mit dem Inhalt einverstanden ist — weil selbstverständlich Carneri nur an einen Anfang gekommen ist und Geisteswissenschaft nicht gekannt hat —, wenn man aber auf ein solches Buch eingeht, wie er es in der letzten Lebenszeit geschrieben hat, auf das Buch «Der moderne Mensch», dann sieht man, wie dieser Mann, der so ganz wurzelte im österreichischen mitteleuropäischen Geistesleben, wie dieser Mann nicht anders konnte als nicht nur auffassen den Darwinismus mit dem Verstande, sondern ihn auffassen mit dem, was der Mensch als moralische Kraft in seinem Gemüte trägt. Und so hat Bartholomäus Carneri Gemüts- und moralische Konsequenzen aus dem Darwinismus gezogen und in wunderbarer Weise einen Idealismus begründet auf der Grundlage des Darwinismus. Man mag das als falsch ansehen, charakteristisch aber für das mitteleuropäischen Geistesleben ist dieser eigentümliche Idealismus des Bartholomäus Carneri.
[ 62 ] Da ist ein Geist, ein wunderbar anziehender Geist Österreichs, Bartholomäus Carneri. Als hereingekommen ist in das moderne Geistesleben der Darwinismus — nun ja, andere Geister haben ihn so ausgebildet, dass sie die logischen Konsequenzen gezogen haben, dass sie eine einseitige Weltanschauung, die einseitige Weltanschauung des Materialismus aus ihm geformt haben. Bartholomäus Carneri hat Bücher geschrieben, wie die wunderbare «Sittlichkeit und Darwinismus». Wenn man auch nicht mit dem Inhalt einverstanden ist — weil selbstverständlich Carneri nur an einen Anfang gekommen ist und Geisteswissenschaft nicht gekannt hat —, wenn man aber auf ein solches Buch eingeht, wie er es in der letzten Lebenszeit geschrieben hat, auf das Buch «Der moderne Mensch», dann sieht man, wie dieser Mann, der so ganz wurzelte im österreichischen mitteleuropäischen Geistesleben, wie dieser Mann nicht anders konnte als nicht nur auffassen den Darwinismus mit dem Verstande, sondern ihn auffassen mit dem, was der Mensch als moralische Kraft in seinem Gemüte trägt. Und so hat Bartholomäus Carneri Gemüts- und moralische Konsequenzen aus dem Darwinismus gezogen und in wunderbarer Weise einen Idealismus begründet auf der Grundlage des Darwinismus. Man mag das als falsch ansehen, charakteristisch aber für das mitteleuropäischen Geistesleben ist dieser eigentümliche Idealismus des Bartholomäus Carneri.
[ 63 ] Und auf einen anderen Geist können wir hinsehen, der wirklich charakteristisch ist gerade, ich möchte sagen, gerade für einen gewissen Entwicklungszustand des mitteleuropäischen Geisteslebens, auf den österreichischen Dichter Robert Hamerling, der zugleich, wie sein Buch «Die Atomistik des Willens» zeigt, auch ein großer Philosoph gewesen ist, der noch in seinen letzten Lebensjahren in seinem «FHomunkulus» prophetisch hingestellt hat die Vermechanisierung des menschlichen Lebens und hingewiesen hat auf die Notwendigkeit, diese Vermechanisierung des Lebens zu überwinden.
[ 63 ] Und auf einen anderen Geist können wir hinsehen, der wirklich charakteristisch ist gerade, ich möchte sagen, gerade für einen gewissen Entwicklungszustand des mitteleuropäischen Geisteslebens, auf den österreichischen Dichter Robert Hamerling, der zugleich, wie sein Buch «Die Atomistik des Willens» zeigt, auch ein großer Philosoph gewesen ist, der noch in seinen letzten Lebensjahren in seinem «FHomunkulus» prophetisch hingestellt hat die Vermechanisierung des menschlichen Lebens und hingewiesen hat auf die Notwendigkeit, diese Vermechanisierung des Lebens zu überwinden.
[ 64 ] Man hat allerdings, sehr verehrte Anwesende, bis jetzt noch nicht die innere Energie gefunden, alles dasjenige, was lebensvoll seelisch wirkte gerade in Geistern, wie die Genannten sind — Herman Grimm, Bartholomäus Carneri, Robert Hamerling —, voll zu erfühlen. Diejenigen, die heute häufig die Literatur beherrschen, die haben ganz anderes zu tun gehabt. Aber gerade unsere große schicksalstragende Zeit wird zeigen, wo die großen Nerven des mitteleuropäischen Kulturlebens liegen.
[ 64 ] Man hat allerdings, sehr verehrte Anwesende, bis jetzt noch nicht die innere Energie gefunden, alles dasjenige, was lebensvoll seelisch wirkte gerade in Geistern, wie die Genannten sind — Herman Grimm, Bartholomäus Carneri, Robert Hamerling —, voll zu erfühlen. Diejenigen, die heute häufig die Literatur beherrschen, die haben ganz anderes zu tun gehabt. Aber gerade unsere große schicksalstragende Zeit wird zeigen, wo die großen Nerven des mitteleuropäischen Kulturlebens liegen.
[ 65 ] Da hat es Leute gegeben, die sich wenig vertiefen konnten in die Größe, die in den Charakterisierten liegt, die dafür aber die Größe bewundert haben eines Geistes, der ganz besonders hervorragend sein soll, den man ganz besonders in den letzten Jahren bewundert hat und über den man erstaunt war, als er sich als Franzose in so gehässiger Weise gegen die mitteleuropäische Geisteskultur ausgesprochen hat. Ich meine Romain Rolland, den Schreiber des Romans «Jean-Christophe». Man kann wirklich es vertreten, verehrte Anwesende, wenn man sagt: So wahr in Geistern wie Robert Hamerling und Herman Grimm tiefster Wirklichkeitssinn lebte, indem sie wussten, dass sie die Wirklichkeit zu suchen haben in ihrer Fülle auch da, wo die Sinne nicht mehr hinreichen, so wahr lebt in Romain Rolland, in seinem «Jean-Christophe» ein, man möchte fast sagen Wirklichkeitshass, eine Tendenz, die Wirklichkeit, weil sie nur äußerlich angeschaut sein will, überall grotesk zu entstellen. Und der viel bewunderte Roman, der in den Augen vieler einen der größten darstellen soll, «Jean-Christophe», der ist vor dem, der dies empfinden kann, der empfinden kann Rundung und Wesensvollendung eines Wesens überhaupt, vor dem ist dieser Roman ein schon in seiner Bildung des Helden, Jean-Christophe, ein chaotischer Mischmasch, zusammengemischt aus Eigenschaften von Beethoven, von Richard Wagner, von Richard Strauss und von Gustav Mahler.
[ 65 ] Da hat es Leute gegeben, die sich wenig vertiefen konnten in die Größe, die in den Charakterisierten liegt, die dafür aber die Größe bewundert haben eines Geistes, der ganz besonders hervorragend sein soll, den man ganz besonders in den letzten Jahren bewundert hat und über den man erstaunt war, als er sich als Franzose in so gehässiger Weise gegen die mitteleuropäische Geisteskultur ausgesprochen hat. Ich meine Romain Rolland, den Schreiber des Romans «Jean-Christophe». Man kann wirklich es vertreten, verehrte Anwesende, wenn man sagt: So wahr in Geistern wie Robert Hamerling und Herman Grimm tiefster Wirklichkeitssinn lebte, indem sie wussten, dass sie die Wirklichkeit zu suchen haben in ihrer Fülle auch da, wo die Sinne nicht mehr hinreichen, so wahr lebt in Romain Rolland, in seinem «Jean-Christophe» ein, man möchte fast sagen Wirklichkeitshass, eine Tendenz, die Wirklichkeit, weil sie nur äußerlich angeschaut sein will, überall grotesk zu entstellen. Und der viel bewunderte Roman, der in den Augen vieler einen der größten darstellen soll, «Jean-Christophe», der ist vor dem, der dies empfinden kann, der empfinden kann Rundung und Wesensvollendung eines Wesens überhaupt, vor dem ist dieser Roman ein schon in seiner Bildung des Helden, Jean-Christophe, ein chaotischer Mischmasch, zusammengemischt aus Eigenschaften von Beethoven, von Richard Wagner, von Richard Strauss und von Gustav Mahler.
[ 66 ] Ebenso wenig, wie die Elemente dieser vier Großen jemals in einem Menschen von der Natur zusammengefügt werden konnten, ebenso wenig kann in einer gesunden Künstlernatur dieses Chaos sich zusammenfinden. Derjenige, der wusste, wie es um Romain Rolland und seine wirkliche Kunst ist, der war eben wirklich nicht erstaunt, dass dieser Romain Rolland in einer solch grotesken Weise das mitteleuropäische Geistesleben, nachdem dieser Krieg ausgebrochen war, verkennt. Würde man nur den Dingen wirklich zu Leibe gehen können, dann würde einem vieles verständlich sein gerade in der Gegenwart.
[ 66 ] Ebenso wenig, wie die Elemente dieser vier Großen jemals in einem Menschen von der Natur zusammengefügt werden konnten, ebenso wenig kann in einer gesunden Künstlernatur dieses Chaos sich zusammenfinden. Derjenige, der wusste, wie es um Romain Rolland und seine wirkliche Kunst ist, der war eben wirklich nicht erstaunt, dass dieser Romain Rolland in einer solch grotesken Weise das mitteleuropäische Geistesleben, nachdem dieser Krieg ausgebrochen war, verkennt. Würde man nur den Dingen wirklich zu Leibe gehen können, dann würde einem vieles verständlich sein gerade in der Gegenwart.
[ 67 ] Allein, mutlos kann all das uns doch nicht machen. Es ist vorgestern gesagt worden und auch heute im Vortrag wieder darauf hingedeutet worden: Das, was an der Oberfläche des menschlichen Lebens über einem Untergrund errichtet ist, über Kampf und Krieg der einander widerstrebenden Mächte, [das] Furcht und Ohnmacht enthält, aber es errichtet sich darüber etwas, was dennoch Lebensmut und Lebensentwicklung sein muss; und so auch in der Außenwelt. Und es ist vielleicht wirklich nicht ein Zufall zu nennen, dass jene Eigentümlichkeit, die uns mit so wunderbarer Sympathie anmutet in Bartholomäus Carneris philosophischen Schriften, dass die entstanden ist in einem Leben, das physisch-leiblich schwer getragen worden ist in einem gelähmten Leibe; in einem Leibe, der lange gelähmt war, hat Carneri sich emporgerungen zu den Anschauungen seines edlen Idealismus. Da sehen wir, wie Schätze des Geistes dem Leibe abgerungen sind. Und Robert Hamerling, er lag jahrzehntelang an schwerer Krankheit darnieder. Aus dem Leid geboren dasjenige, was die Menschen erhebt, nachdem es geboren worden ist! Dasjenige, was aus dem Leid entsteht, kann gerade dasjenige sein, was das Leben mit höchster Lust und höchster Freude durchzieht.
[ 67 ] Allein, mutlos kann all das uns doch nicht machen. Es ist vorgestern gesagt worden und auch heute im Vortrag wieder darauf hingedeutet worden: Das, was an der Oberfläche des menschlichen Lebens über einem Untergrund errichtet ist, über Kampf und Krieg der einander widerstrebenden Mächte, [das] Furcht und Ohnmacht enthält, aber es errichtet sich darüber etwas, was dennoch Lebensmut und Lebensentwicklung sein muss; und so auch in der Außenwelt. Und es ist vielleicht wirklich nicht ein Zufall zu nennen, dass jene Eigentümlichkeit, die uns mit so wunderbarer Sympathie anmutet in Bartholomäus Carneris philosophischen Schriften, dass die entstanden ist in einem Leben, das physisch-leiblich schwer getragen worden ist in einem gelähmten Leibe; in einem Leibe, der lange gelähmt war, hat Carneri sich emporgerungen zu den Anschauungen seines edlen Idealismus. Da sehen wir, wie Schätze des Geistes dem Leibe abgerungen sind. Und Robert Hamerling, er lag jahrzehntelang an schwerer Krankheit darnieder. Aus dem Leid geboren dasjenige, was die Menschen erhebt, nachdem es geboren worden ist! Dasjenige, was aus dem Leid entsteht, kann gerade dasjenige sein, was das Leben mit höchster Lust und höchster Freude durchzieht.
[ 68 ] Wenn man so in die Geheimnisse des Lebens hineinblickt und wenn man solche Eigentümlichkeiten — das Letztere ist ja nur, ich möchte sagen, besonders hervorgehoben worden, weil es auch als kein Zufall erscheint —, wenn man solche Eigentümlichkeiten entdeckt, dann wird man gerade in diesem mitteleuropäischen Geistesleben umso mehr den Charakter finden, dass es überall nach solcher Vertiefung des Geistes hintendiert, wie die Zukunft das von den Menschen verlangen muss. Überall sind die Geister daran, dasjenige zu finden, was Goethe nicht gleich in seiner Jugend in seinen «Faust» hineingeschrieben hat, sondern erst später, nachdem Goethe selber reif geworden ist, seinem Faust einverleibt hat.
[ 68 ] Wenn man so in die Geheimnisse des Lebens hineinblickt und wenn man solche Eigentümlichkeiten — das Letztere ist ja nur, ich möchte sagen, besonders hervorgehoben worden, weil es auch als kein Zufall erscheint —, wenn man solche Eigentümlichkeiten entdeckt, dann wird man gerade in diesem mitteleuropäischen Geistesleben umso mehr den Charakter finden, dass es überall nach solcher Vertiefung des Geistes hintendiert, wie die Zukunft das von den Menschen verlangen muss. Überall sind die Geister daran, dasjenige zu finden, was Goethe nicht gleich in seiner Jugend in seinen «Faust» hineingeschrieben hat, sondern erst später, nachdem Goethe selber reif geworden ist, seinem Faust einverleibt hat.
Erhabner Geist, du gabst mir, [gabst mir] alles,
Warum ich bat. Du hast mir nicht umsonst
Dein Angesicht im Feuer zugewendet.
Gabst mir die herrliche Natur zum Königreich,
Kraft, sie zu fühlen, zu genießen. Nicht
Kalt staunenden Besuch erlaubst du nur,
Vergönnest mir, in ihre tiefe Brust,
Wie in den Busen eines Freunds, zu schauen.
Du führst die Reihe der Lebendigen
Vor mir vorbei, und lehrst mich meine Brüder
Im stillen Busch, in Luft und Wasser kennen.
Und wenn der Sturm im Walde braust und knarrt,
Die Riesenfichte stürzend Nachbaräste
Und Nachbarstämme quetschend niederstreift,
Und ihrem Fall dumpf hohl der Hügel donnert,
Dann führst du mich zur sichern Höhle, zeigst
Mich dann mir selbst, und meiner eignen Brust
Geheime tiefe Wunder öffnen sich.
Erhabner Geist, du gabst mir, [gabst mir] alles,
Warum ich bat. Du hast mir nicht umsonst
Dein Angesicht im Feuer zugewendet.
Gabst mir die herrliche Natur zum Königreich,
Kraft, sie zu fühlen, zu genießen. Nicht
Kalt staunenden Besuch erlaubst du nur,
Vergönnest mir, in ihre tiefe Brust,
Wie in den Busen eines Freunds, zu schauen.
Du führst die Reihe der Lebendigen
Vor mir vorbei, und lehrst mich meine Brüder
Im stillen Busch, in Luft und Wasser kennen.
Und wenn der Sturm im Walde braust und knarrt,
Die Riesenfichte stürzend Nachbaräste
Und Nachbarstämme quetschend niederstreift,
Und ihrem Fall dumpf hohl der Hügel donnert,
Dann führst du mich zur sichern Höhle, zeigst
Mich dann mir selbst, und meiner eignen Brust
Geheime tiefe Wunder öffnen sich.
[ 69 ] Da sehen wir, ich möchte sagen die ganze Skala des menschlichen Erlebens; schon ahnungsvoll sehen wir hingedeutet auf die ganze Skala des menschlichen Erlebens, wie sie eröffnet werden soll durch dasjenige, was Geisteswissenschaft für den Menschen der Zukunft erkunden soll. Aber, gerade weil dieses mitteleuropäische Geistesleben den Charakter des Strebens hat, den Charakter des Werdens hat, wird es immer mehr danach streben, wirklich allüberall das Verwandte zu sehen, allüberall ein Sich-Verwandtes zu sehen, [danach streben], auch in der äußeren Natur ein Sich-Verwandtes sich einzuleben. Geist im Menschen wird den Geist draußen finden, wirklich in Wald und Wiese und in dem Lebendigen die Brüder erkennen. Das heißt, es wird das menschliche Selbst sich vergrößern und sich hineinleben und hineinversenken in das ganze Universum. Und es wird der Mensch hingeleitet werden zu der sicheren Höhle, und des Geistes Werdens und Wesens geheimnisvolle Wunder [werden] sich eröffnen — wenn er durch Geisteswissenschaft die Furcht überwinden wird, in der großen Schicksalsströmung sein wahres Selbst erst zu finden.
[ 69 ] Da sehen wir, ich möchte sagen die ganze Skala des menschlichen Erlebens; schon ahnungsvoll sehen wir hingedeutet auf die ganze Skala des menschlichen Erlebens, wie sie eröffnet werden soll durch dasjenige, was Geisteswissenschaft für den Menschen der Zukunft erkunden soll. Aber, gerade weil dieses mitteleuropäische Geistesleben den Charakter des Strebens hat, den Charakter des Werdens hat, wird es immer mehr danach streben, wirklich allüberall das Verwandte zu sehen, allüberall ein Sich-Verwandtes zu sehen, [danach streben], auch in der äußeren Natur ein Sich-Verwandtes sich einzuleben. Geist im Menschen wird den Geist draußen finden, wirklich in Wald und Wiese und in dem Lebendigen die Brüder erkennen. Das heißt, es wird das menschliche Selbst sich vergrößern und sich hineinleben und hineinversenken in das ganze Universum. Und es wird der Mensch hingeleitet werden zu der sicheren Höhle, und des Geistes Werdens und Wesens geheimnisvolle Wunder [werden] sich eröffnen — wenn er durch Geisteswissenschaft die Furcht überwinden wird, in der großen Schicksalsströmung sein wahres Selbst erst zu finden.
[ 70 ] Oh, es sind in dieses mitteleuropäische Geistesleben hinein auch die widerstrebenden Kräfte gelegt, die widerstreben dem, dass dieses mitteleuropäische Geistesleben als ein ganzer, großer Geist-Organismus sich fühle. Wenn ich wiederum auf etwas Persönliches aufmerksam machen darf, ich meine nicht, um etwas Persönliches vorzubringen, sondern nur, um etwas zu verdeutlichen, ich möchte sagen: Die mitteleuropäischen Menschen haben es schwierig, dasjenige, was ihnen vorbestimmt ist, wirklich zu erreichen, zu einem Ganzen zusammenzuwachsen, weil sie es erst durch das Leben — nicht durch das, was sie selbst nicht erstreben, durch die physische Geburt, sondern durch das Leben, das sie sich selbst aussuchen in ihrem Schicksal — erreichen müssen. Daher hat es auf mich einen bedeutsamen Eindruck gemacht — und ich darf ja auch dieses Persönliche erwähnen, weil ich ja wirklich die Hälfte meines Lebens annähernd in meinem österreichischen Vaterland, die andere Hälfte meines Lebens im Deutschen Reich zugebracht habe, und daher beides auf die gleiche Waagschale legend, wirklich habe gut vergleichen können, ich darf solches erwähnen, weil ich mir nicht nur ein Verstandes-, sondern ein empfindendes Urteil im Laufe des Lebens habe erwerben können —, es hat auf mich einen erschütternden Eindruck gemacht, als ich gerade mit Herman Grimm einmal in einem Hotel in Weimar zusammensaß und das Gespräch, das dazumal Herman Grimm auf verschiedene wirklich eindringlich interessierende Dinge lenkte, dann auch auf den österreichischen Dichter Grillparzer, diesen urösterreichischen Dichter kam. Herman Grimm sagte mir dazumal: Grillparzer, ich kann ihn nicht verstehen; mir ist gesagt worden, dass Grillparzer auch ein großer deutscher Dichter sein soll. Da bin ich einmal durch München gefahren, habe mich dort einige Tage aufgehalten, und da habe ich mir aus der Bibliothek einige Bände der Dramen von Grillparzer kommen lassen. Da habe ich versucht — sagt Herman Grimm —, ob ich das empfinden könnte, was die Leute sagen, dass Grillparzer auch ein großer Dichter sei. Da kam es mir aber vor, wie wenn Grillparzer überhaupt kein deutscher Dichter wäre, sondern wie wenn das, was in seinen Dramen ist, Übersetzungen wären aus einer ganz fremden Sprache. So urteilte der, verehrte Anwesende, den ich selber heute schildern musste als einen charakteristischen Geist, als einen der tiefsten, bedeutungsvollsten Geister des mitteleuropäischen Geisteslebens. Daher darf er angeführt werden für die Tatsache, wie stark das Individualitätsgefühl in den einzelnen Gliedern dieser mitteleuropäischen Kulturmenschheit ist.
[ 70 ] Oh, es sind in dieses mitteleuropäische Geistesleben hinein auch die widerstrebenden Kräfte gelegt, die widerstreben dem, dass dieses mitteleuropäische Geistesleben als ein ganzer, großer Geist-Organismus sich fühle. Wenn ich wiederum auf etwas Persönliches aufmerksam machen darf, ich meine nicht, um etwas Persönliches vorzubringen, sondern nur, um etwas zu verdeutlichen, ich möchte sagen: Die mitteleuropäischen Menschen haben es schwierig, dasjenige, was ihnen vorbestimmt ist, wirklich zu erreichen, zu einem Ganzen zusammenzuwachsen, weil sie es erst durch das Leben — nicht durch das, was sie selbst nicht erstreben, durch die physische Geburt, sondern durch das Leben, das sie sich selbst aussuchen in ihrem Schicksal — erreichen müssen. Daher hat es auf mich einen bedeutsamen Eindruck gemacht — und ich darf ja auch dieses Persönliche erwähnen, weil ich ja wirklich die Hälfte meines Lebens annähernd in meinem österreichischen Vaterland, die andere Hälfte meines Lebens im Deutschen Reich zugebracht habe, und daher beides auf die gleiche Waagschale legend, wirklich habe gut vergleichen können, ich darf solches erwähnen, weil ich mir nicht nur ein Verstandes-, sondern ein empfindendes Urteil im Laufe des Lebens habe erwerben können —, es hat auf mich einen erschütternden Eindruck gemacht, als ich gerade mit Herman Grimm einmal in einem Hotel in Weimar zusammensaß und das Gespräch, das dazumal Herman Grimm auf verschiedene wirklich eindringlich interessierende Dinge lenkte, dann auch auf den österreichischen Dichter Grillparzer, diesen urösterreichischen Dichter kam. Herman Grimm sagte mir dazumal: Grillparzer, ich kann ihn nicht verstehen; mir ist gesagt worden, dass Grillparzer auch ein großer deutscher Dichter sein soll. Da bin ich einmal durch München gefahren, habe mich dort einige Tage aufgehalten, und da habe ich mir aus der Bibliothek einige Bände der Dramen von Grillparzer kommen lassen. Da habe ich versucht — sagt Herman Grimm —, ob ich das empfinden könnte, was die Leute sagen, dass Grillparzer auch ein großer Dichter sei. Da kam es mir aber vor, wie wenn Grillparzer überhaupt kein deutscher Dichter wäre, sondern wie wenn das, was in seinen Dramen ist, Übersetzungen wären aus einer ganz fremden Sprache. So urteilte der, verehrte Anwesende, den ich selber heute schildern musste als einen charakteristischen Geist, als einen der tiefsten, bedeutungsvollsten Geister des mitteleuropäischen Geisteslebens. Daher darf er angeführt werden für die Tatsache, wie stark das Individualitätsgefühl in den einzelnen Gliedern dieser mitteleuropäischen Kulturmenschheit ist.
[ 71 ] Selbst wenn diese Menschen der mitteleuropäischen Kulturmenschheit nicht verschiedenen Nationalitäten angehören, selbst wenn sie alle einer Nation angehören, wie Grillparzer und Herman Grimm, sie sind so individuell geartet, dass sie sich erst nach großen Schwierigkeiten finden können. Das hängt mit dem zusammen, was an widerstrebenden Kräften da ist. Aber je größer diese widerstrebenden Kräfte sind, desto größer müssen auch die Kräfte sein, die aufgewendet werden, um das Ganze eben zu einem Ganzen, zu einem einheitlichen, organischen Ganzen zu gestalten. Dann wird es dasjenige sein, in dem sich wie in einem Kulturstrombette diejenige Vertiefung für das geistige Leben wird finden lassen und finden müssen, die nur innerhalb Mitteleuropas wirklich gefunden werden kann, weil dieses mitteleuropäische Geistesleben hintendiert zu der geistigen Vertiefung, die ich mir erlaubt habe, heute mit einigen ganz ungenügenden, aber eben doch einigen Strichen als die Strebensziele der Geisteswissenschaft anzugeben. Nicht ruhen kann dieses mitteleuropäische Geistesleben, bevor es zu dem, was als Keim in ihm liegt, die Blüten und die Früchte entwickelt hat.
[ 71 ] Selbst wenn diese Menschen der mitteleuropäischen Kulturmenschheit nicht verschiedenen Nationalitäten angehören, selbst wenn sie alle einer Nation angehören, wie Grillparzer und Herman Grimm, sie sind so individuell geartet, dass sie sich erst nach großen Schwierigkeiten finden können. Das hängt mit dem zusammen, was an widerstrebenden Kräften da ist. Aber je größer diese widerstrebenden Kräfte sind, desto größer müssen auch die Kräfte sein, die aufgewendet werden, um das Ganze eben zu einem Ganzen, zu einem einheitlichen, organischen Ganzen zu gestalten. Dann wird es dasjenige sein, in dem sich wie in einem Kulturstrombette diejenige Vertiefung für das geistige Leben wird finden lassen und finden müssen, die nur innerhalb Mitteleuropas wirklich gefunden werden kann, weil dieses mitteleuropäische Geistesleben hintendiert zu der geistigen Vertiefung, die ich mir erlaubt habe, heute mit einigen ganz ungenügenden, aber eben doch einigen Strichen als die Strebensziele der Geisteswissenschaft anzugeben. Nicht ruhen kann dieses mitteleuropäische Geistesleben, bevor es zu dem, was als Keim in ihm liegt, die Blüten und die Früchte entwickelt hat.
[ 72 ] Und wer gelernt hat, auf die Trieb- und Tragekraft innerer geistiger Kräfte zu bauen, der weiß aus dieser inneren Erkenntnis heraus, dass dieses mitteleuropäische Geistesleben, wie es auch bedrängt und bedroht werden mag und bekämpft und bekriegt werden mag von seinen Feinden, nicht eher aus der Geschichte verschwinden wird, bis es alles dasjenige der Weltenkultur einverleibt hat, was es dieser Weltenkultur zu geben hat.
[ 72 ] Und wer gelernt hat, auf die Trieb- und Tragekraft innerer geistiger Kräfte zu bauen, der weiß aus dieser inneren Erkenntnis heraus, dass dieses mitteleuropäische Geistesleben, wie es auch bedrängt und bedroht werden mag und bekämpft und bekriegt werden mag von seinen Feinden, nicht eher aus der Geschichte verschwinden wird, bis es alles dasjenige der Weltenkultur einverleibt hat, was es dieser Weltenkultur zu geben hat.
[ 73 ] Und dies, sehr verehrte Anwesende, dies ist ein Großes, ein Gewaltiges noch, denn man erkennt dieses Geistesleben Mitteleuropas nicht schon als Blüten und Früchte, sondern als Keim, der sich entwickeln muss. Und auf die Triebkraft des Keimes baut derjenige, der heute aus der geistigen Erkenntnis selbst Lebensmut und Lebenskraft sucht für unsere schicksalsschweren Tage. Nicht ablassen wird dieses mitteleuropäische Geistesleben von dem, was in ihm veranlagt ist durch Geister wie Goethe und alle die anderen. Ein großes, ein gewaltiges Wort hat gerade Goethe mit Bezug auf das einheitliche Erkennen der Welt als Geist und als äußere Leiblichkeit gesprochen für diejenigen, die da kleinmütig zurückschrecken vor der Furcht der Selbsterkenntnis und vor der Ohnmacht, die Welt zu erkennen. Für die hat Goethe doch, indem er immer aus seinem, ich möchte sagen instinktiven Geist-Erkennen die richtigen Worte gefunden hat, auch das Richtige gesprochen, indem er gesagt hat, anknüpfend an ein Wort, das ein anderer, eben einer der Kleinmütigen gesagt hat: «Ins Inn’re der Natur dringt kein erschaff’ner Geist!»
[ 73 ] Und dies, sehr verehrte Anwesende, dies ist ein Großes, ein Gewaltiges noch, denn man erkennt dieses Geistesleben Mitteleuropas nicht schon als Blüten und Früchte, sondern als Keim, der sich entwickeln muss. Und auf die Triebkraft des Keimes baut derjenige, der heute aus der geistigen Erkenntnis selbst Lebensmut und Lebenskraft sucht für unsere schicksalsschweren Tage. Nicht ablassen wird dieses mitteleuropäische Geistesleben von dem, was in ihm veranlagt ist durch Geister wie Goethe und alle die anderen. Ein großes, ein gewaltiges Wort hat gerade Goethe mit Bezug auf das einheitliche Erkennen der Welt als Geist und als äußere Leiblichkeit gesprochen für diejenigen, die da kleinmütig zurückschrecken vor der Furcht der Selbsterkenntnis und vor der Ohnmacht, die Welt zu erkennen. Für die hat Goethe doch, indem er immer aus seinem, ich möchte sagen instinktiven Geist-Erkennen die richtigen Worte gefunden hat, auch das Richtige gesprochen, indem er gesagt hat, anknüpfend an ein Wort, das ein anderer, eben einer der Kleinmütigen gesagt hat: «Ins Inn’re der Natur dringt kein erschaff’ner Geist!»
[ 74 ] Nein, meint Goethe, dasjenige, was im Menschen ist, ist geeignet, wenn es nur recht entwickelt wird, ins Innere der Natur und bis in den inneren Nerv der Welt vorzudringen. Daher sagt Goethe in seiner kräftigen Sprache, zurückweisend das Haller’sche «Ins Inn’re der Natur dringt kein erschaff’ner Geist»:
[ 74 ] Nein, meint Goethe, dasjenige, was im Menschen ist, ist geeignet, wenn es nur recht entwickelt wird, ins Innere der Natur und bis in den inneren Nerv der Welt vorzudringen. Daher sagt Goethe in seiner kräftigen Sprache, zurückweisend das Haller’sche «Ins Inn’re der Natur dringt kein erschaff’ner Geist»:
Das hör’ ich nun an die sechzig Jahre wiederholen.
Und fluche drauf, aber verstohlen;
Das hör’ ich nun an die sechzig Jahre wiederholen.
Und fluche drauf, aber verstohlen;
[ 75 ] Haller sagt weiter:
[ 75 ] Haller sagt weiter:
Glückselig, wem sie nur
Die äußere Schale weist!
Glückselig, wem sie nur
Die äußere Schale weist!
[ 76 ] —die Natur nämlich —, und Goethe sagt darauf:
[ 76 ] —die Natur nämlich —, und Goethe sagt darauf:
Natur hat weder Kern
Noch Schale,
Alles ist sie mit einem Male.
Dich prüfe du nur allermeist,
Ob du selber Kern oder Schale seist.
Natur hat weder Kern
Noch Schale,
Alles ist sie mit einem Male.
Dich prüfe du nur allermeist,
Ob du selber Kern oder Schale seist.
[ 77 ] Das mitteleuropäische Geistesleben aber, das hat in seiner Seele zur Schale allüberall den Kern zu entwickeln. Und so lassen Sie mich dann auch heute in ein paar Worte empfindungsgemäß dasjenige zusammenfassen, was ich veranschaulichen wollte durch die Ausführungen des heutigen und auch des vorgestrigen Vortrages, veranschaulichen wollte dahingehend, dass der Mensch wirklich dazu geschaffen ist, nicht nur in das Innere der Natur, zu der die Natur durchdringenden Geistigkeit vorzudringen, sondern auch geschaffen ist, so sich zu erkennen in dem Strome seines Schicksals, dass er mit diesem Schicksal versöhnt wird und versteht, warum er mit dem Schicksal seiner Zeit zusammengewachsen ist.
[ 77 ] Das mitteleuropäische Geistesleben aber, das hat in seiner Seele zur Schale allüberall den Kern zu entwickeln. Und so lassen Sie mich dann auch heute in ein paar Worte empfindungsgemäß dasjenige zusammenfassen, was ich veranschaulichen wollte durch die Ausführungen des heutigen und auch des vorgestrigen Vortrages, veranschaulichen wollte dahingehend, dass der Mensch wirklich dazu geschaffen ist, nicht nur in das Innere der Natur, zu der die Natur durchdringenden Geistigkeit vorzudringen, sondern auch geschaffen ist, so sich zu erkennen in dem Strome seines Schicksals, dass er mit diesem Schicksal versöhnt wird und versteht, warum er mit dem Schicksal seiner Zeit zusammengewachsen ist.
[ 78 ] Goethe weist auf dieselbe Gesinnung mit bedeutungs vollen, obwohl einfachen Worten hin. Er weist darauf hin, dass ja allerdings dasjenige, was der Mensch in der geistigen Entwicklung sucht, ein Geheimnis ist, aber ein Geheimnis, das ergründet werden kann. Goethe wusste, dass die Welt das Überwältigende ist, das schon die Ohnmacht des Erkennens begründen kann, aber er wusste auch, dass diese Ohnmacht überwunden werden kann, dass der Mensch den Schleier der Natur durchdringen könne. Deshalb sagt Goethe die Worte, mit denen wir diese Betrachtung beschließen wollen, weil sie wirklich echt empfindungsgemäß zusammenfassen dasjenige, was wie eine Gesinnung der Geisteswissenschaft ist, was die Geisteswissenschaft veranschaulichen will:
[ 78 ] Goethe weist auf dieselbe Gesinnung mit bedeutungs vollen, obwohl einfachen Worten hin. Er weist darauf hin, dass ja allerdings dasjenige, was der Mensch in der geistigen Entwicklung sucht, ein Geheimnis ist, aber ein Geheimnis, das ergründet werden kann. Goethe wusste, dass die Welt das Überwältigende ist, das schon die Ohnmacht des Erkennens begründen kann, aber er wusste auch, dass diese Ohnmacht überwunden werden kann, dass der Mensch den Schleier der Natur durchdringen könne. Deshalb sagt Goethe die Worte, mit denen wir diese Betrachtung beschließen wollen, weil sie wirklich echt empfindungsgemäß zusammenfassen dasjenige, was wie eine Gesinnung der Geisteswissenschaft ist, was die Geisteswissenschaft veranschaulichen will:
Müsset im Naturbetrachten
Immer eins wie alles achten;
Nichts ist drinnen, nichts ist draußen:
Müsset im Naturbetrachten
Immer eins wie alles achten;
Nichts ist drinnen, nichts ist draußen:
[ 79 ] Goethe meint, das, was tief innen verborgen ist, wir finden es als ein Äußerliches, und das, was wir als ein Äußerliches erkennen, auch die äußeren Schicksalsläufe — so sagt die Geisteswissenschaft —, wir erkennen sie als Schicksale des höheren Menschen.
[ 79 ] Goethe meint, das, was tief innen verborgen ist, wir finden es als ein Äußerliches, und das, was wir als ein Äußerliches erkennen, auch die äußeren Schicksalsläufe — so sagt die Geisteswissenschaft —, wir erkennen sie als Schicksale des höheren Menschen.
Denn was innen, das ist außen.
So ergreifet ohne Säumnis
Heilig öffentlich Geheimnis.
Denn was innen, das ist außen.
So ergreifet ohne Säumnis
Heilig öffentlich Geheimnis.
[ 80 ] Das, sehr verehrte Anwesende, ist Goethes Gesinnung, das, in voller Ausbildung, wird Gesinnung der Geisteswissenschaft sein und wird zugrunde liegend jener Seelenstimmung, jener Seelenstärkung sein können, welche aus der Geisteswissenschaft hervorgehen kann, in schweren, aber auch in solch schicksalstragenden Zeiten, wie wir sie heute, wie wir sie in unserer Gegenwart wiederum erleben.
[ 80 ] Das, sehr verehrte Anwesende, ist Goethes Gesinnung, das, in voller Ausbildung, wird Gesinnung der Geisteswissenschaft sein und wird zugrunde liegend jener Seelenstimmung, jener Seelenstärkung sein können, welche aus der Geisteswissenschaft hervorgehen kann, in schweren, aber auch in solch schicksalstragenden Zeiten, wie wir sie heute, wie wir sie in unserer Gegenwart wiederum erleben.
