The Human Soul, Fate and Death
GA 70a
6 May 1915, Vienna
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Menschenseele, Schicksal und Tod
13. Die übersinnliche Erkenntnis und ihr Wert für die Menschenseele, eine geisteswissenschaftliche Betrachtung im Hinblick auf unsere schicksalstragende Zeit
13. Die übersinnliche Erkenntnis und ihr Wert für die Menschenseele, eine geisteswissenschaftliche Betrachtung im Hinblick auf unsere schicksalstragende Zeit
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Seit längerer Zeit durfte ich jedes Jahr hier in Wien Vorträge halten über Gebiete desjenigen, was ich mir zu nennen erlaube die geisteswissenschaftliche Weltanschauung. Die Freunde dieser unserer geisteswissenschaftlichen Weltanschauung hier in Wien haben die Meinung gehabt, dass auch in dieser unserer bewegten, schicksalstragenden Zeit es nicht unangemessen sein könnte, zwei solcher Vorträge aus diesem geisteswissenschaftlichen Gebiet dieses Jahr zu halten, und dies dürfte wohl aus dem Grunde sein, weil ja dieses geisteswissenschaftliche Gebiet berührt der Menschenseele tiefste Untergründe, jene Untergründe, in denen die Menschenseele zusammenhängt mit den Mächten, die wir die ewigen nennen, mit denjenigen Mächten, auf welche sich das Goethe’sche Wort bezieht: «Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis.»
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Seit längerer Zeit durfte ich jedes Jahr hier in Wien Vorträge halten über Gebiete desjenigen, was ich mir zu nennen erlaube die geisteswissenschaftliche Weltanschauung. Die Freunde dieser unserer geisteswissenschaftlichen Weltanschauung hier in Wien haben die Meinung gehabt, dass auch in dieser unserer bewegten, schicksalstragenden Zeit es nicht unangemessen sein könnte, zwei solcher Vorträge aus diesem geisteswissenschaftlichen Gebiet dieses Jahr zu halten, und dies dürfte wohl aus dem Grunde sein, weil ja dieses geisteswissenschaftliche Gebiet berührt der Menschenseele tiefste Untergründe, jene Untergründe, in denen die Menschenseele zusammenhängt mit den Mächten, die wir die ewigen nennen, mit denjenigen Mächten, auf welche sich das Goethe’sche Wort bezieht: «Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis.»
[ 2 ] Auf jene Untergründe der menschlichen Seele insbesondere ist ja eine Betrachtung aus dem Gebiete der Geisteswissenschaft gerichtet, aus denen hervorgehen sowohl des Lebens herbste Enttäuschungen, des Lebens schwerste Prüfungen wie auch die bewunderungswürdigen Taten, die in unserer Zeit für Menschenheil und Menschenfortschritt in so bedeutungsvoller Weise verrichtet werden. Geisteswissenschaft, sehr verehrte Anwesende, steht auf einem Lebensgesichtspunkte, der in unserer Gegenwart durchaus nicht zu den anerkannten gehört, auf einem Gesichtspunkte, der gerade von den Geschultesten unserer Gebildeten aus den mannigfaltigsten Gründen gänzlich abgelehnt wird; abgelehnt wird auf der einen Seite, weil man ihn für vollkommen widersprechend hält all demjenigen, was wissenschaftliche Weltbetrachtung unserer Zeit erbracht hat, weil man ihn auf der anderen Seite, wie wir ja sehen werden, in ganz missverständlicher Art in Zusammenhang bringt mit den Untiefen menschlichen Aberglaubens, weil man ihn ferner irrtümlich für einen solchen Gesichtspunkt betrachtet, der vielen Menschen dasjenige nimmt, was ihnen Halt und Sicherheit im Leben gibt, das rechte Festhalten am religiösen Bekenntnis.
[ 2 ] Auf jene Untergründe der menschlichen Seele insbesondere ist ja eine Betrachtung aus dem Gebiete der Geisteswissenschaft gerichtet, aus denen hervorgehen sowohl des Lebens herbste Enttäuschungen, des Lebens schwerste Prüfungen wie auch die bewunderungswürdigen Taten, die in unserer Zeit für Menschenheil und Menschenfortschritt in so bedeutungsvoller Weise verrichtet werden. Geisteswissenschaft, sehr verehrte Anwesende, steht auf einem Lebensgesichtspunkte, der in unserer Gegenwart durchaus nicht zu den anerkannten gehört, auf einem Gesichtspunkte, der gerade von den Geschultesten unserer Gebildeten aus den mannigfaltigsten Gründen gänzlich abgelehnt wird; abgelehnt wird auf der einen Seite, weil man ihn für vollkommen widersprechend hält all demjenigen, was wissenschaftliche Weltbetrachtung unserer Zeit erbracht hat, weil man ihn auf der anderen Seite, wie wir ja sehen werden, in ganz missverständlicher Art in Zusammenhang bringt mit den Untiefen menschlichen Aberglaubens, weil man ihn ferner irrtümlich für einen solchen Gesichtspunkt betrachtet, der vielen Menschen dasjenige nimmt, was ihnen Halt und Sicherheit im Leben gibt, das rechte Festhalten am religiösen Bekenntnis.
[ 3 ] Ich hoffe, sehr verehrte Anwesende, dass alle drei Verkennungen des geisteswissenschaftlichen Gesichtspunktes wenigstens einigermaßen durch dasjenige, was die heutige Betrachtung sich bemühen wird zu bieten, aus dem Felde geschlagen werden können. Dennoch muss es von vorneherein gesagt werden, dass die Gegnerschaft gegen die Geisteswissenschaft, ja sogar die Anklage, dass diese Geisteswissenschaft völlig dem widerspreche, was in weitesten Kreisen heute der gesunde Menschenverstand sogar genannt wird, dass alle diese Anfechtungen und Anklagen gerade demjenigen voll verständlich sind, der ganz auf dem Boden dieser Geisteswissenschaft steht. Und so begreiflich, so verständlich sind sie gerade diesem, dass er immer wieder daran erinnern muss, wie im Laufe der menschlichen Entwicklung dasjenige, was einer verflossenen Zeit als das Selbstverständliche, als das allein dem gesunden Menschenverstande Entsprechende erscheint, durch völlig Entgegengesetztes ersetzt werden muss.
[ 3 ] Ich hoffe, sehr verehrte Anwesende, dass alle drei Verkennungen des geisteswissenschaftlichen Gesichtspunktes wenigstens einigermaßen durch dasjenige, was die heutige Betrachtung sich bemühen wird zu bieten, aus dem Felde geschlagen werden können. Dennoch muss es von vorneherein gesagt werden, dass die Gegnerschaft gegen die Geisteswissenschaft, ja sogar die Anklage, dass diese Geisteswissenschaft völlig dem widerspreche, was in weitesten Kreisen heute der gesunde Menschenverstand sogar genannt wird, dass alle diese Anfechtungen und Anklagen gerade demjenigen voll verständlich sind, der ganz auf dem Boden dieser Geisteswissenschaft steht. Und so begreiflich, so verständlich sind sie gerade diesem, dass er immer wieder daran erinnern muss, wie im Laufe der menschlichen Entwicklung dasjenige, was einer verflossenen Zeit als das Selbstverständliche, als das allein dem gesunden Menschenverstande Entsprechende erscheint, durch völlig Entgegengesetztes ersetzt werden muss.
[ 4 ] Immer wieder muss erinnert werden an einen solchen Umschwung in der menschlichen Entwicklung, wie er erlebt worden ist zurzeit, als die neuere Naturwissenschaft Besitz ergriffen hat von der menschlichen Weltanschauung. Damals, als Kopernikus eine neue Anschauung heraufführte über das Räumliche im Universum, da war es, dass die Menschen mit all dem brechen mussten, was Jahrhunderte, ja man kann sagen Jahrtausende als dasjenige gegolten hat, was die gesunden fünf Sinne zeigen und was der gesunde Menschenverstand einsehen kann. Die Menschenseele hängt an demjenigen auch in ihrem Denken, in ihrem Vorstellen, in das sie sich eingewöhnt hat, so wie es — wenn das auch ein groteskes Beispiel ist — Menschen gibt, die, nachdem sie eine neue Wohnung genommen haben, in Gedanken, wenn sie abends nach Hause gehen, noch nach ihrer alten Wohnung gehen. Wie die Menschen in einem solchen grotesken Beispiel zeigen, wie sie hängen an ihren Denkgewohnheiten, so tun sie es auch in Bezug auf dasjenige, was die großen Weltanschauungsfragen und Weltanschauungsgesichtspunkte sind. Jahrhundertelang ist die Menschheit erzogen worden, hat sich eingewöhnt in einer Weltanschauung, die dem, was Geisteswissenschaft der Gegenwart und der Zukunft bringen will, entgegengesetzt ist. Und so müsste man sich heute mehr wundern, wenn, ich möchte sagen, auf einen ersten Anhub hin irgendjemand, der von Geisteswissenschaft in dem Sinne, wie sie hier gemeint ist, noch nichts gehört hat, etwa sogleich mit irgendetwas nur einverstanden wäre als wenn sich Widerspruch über Widerspruch erhöbe bei solch erstem Bekanntwerden mit dieser Geisteswissenschaft.
[ 4 ] Immer wieder muss erinnert werden an einen solchen Umschwung in der menschlichen Entwicklung, wie er erlebt worden ist zurzeit, als die neuere Naturwissenschaft Besitz ergriffen hat von der menschlichen Weltanschauung. Damals, als Kopernikus eine neue Anschauung heraufführte über das Räumliche im Universum, da war es, dass die Menschen mit all dem brechen mussten, was Jahrhunderte, ja man kann sagen Jahrtausende als dasjenige gegolten hat, was die gesunden fünf Sinne zeigen und was der gesunde Menschenverstand einsehen kann. Die Menschenseele hängt an demjenigen auch in ihrem Denken, in ihrem Vorstellen, in das sie sich eingewöhnt hat, so wie es — wenn das auch ein groteskes Beispiel ist — Menschen gibt, die, nachdem sie eine neue Wohnung genommen haben, in Gedanken, wenn sie abends nach Hause gehen, noch nach ihrer alten Wohnung gehen. Wie die Menschen in einem solchen grotesken Beispiel zeigen, wie sie hängen an ihren Denkgewohnheiten, so tun sie es auch in Bezug auf dasjenige, was die großen Weltanschauungsfragen und Weltanschauungsgesichtspunkte sind. Jahrhundertelang ist die Menschheit erzogen worden, hat sich eingewöhnt in einer Weltanschauung, die dem, was Geisteswissenschaft der Gegenwart und der Zukunft bringen will, entgegengesetzt ist. Und so müsste man sich heute mehr wundern, wenn, ich möchte sagen, auf einen ersten Anhub hin irgendjemand, der von Geisteswissenschaft in dem Sinne, wie sie hier gemeint ist, noch nichts gehört hat, etwa sogleich mit irgendetwas nur einverstanden wäre als wenn sich Widerspruch über Widerspruch erhöbe bei solch erstem Bekanntwerden mit dieser Geisteswissenschaft.
[ 5 ] Ich habe ja, sehr verehrte Anwesende, in meinem letzten hiesigen Vortrage die Wege zu beleuchten versucht, die zu dieser Geisteswissenschaft führen. Ich werde heute — weil ich gern dasjenige, was der Geisteswissenschaftler empfinden kann und darf in unserer schicksalstragenden Zeit, mit einigen Worten im zweiten Teil meines Vortrages berühren möchte —, ich werde heute nur kurz und skizzenhaft andeuten können, wie Geisteswissenschaft zu ihren Erkenntnissen, zu diesen heute ebenso angefochtenen, so wenig einleuchtenden Erkenntnissen kommt.
[ 5 ] Ich habe ja, sehr verehrte Anwesende, in meinem letzten hiesigen Vortrage die Wege zu beleuchten versucht, die zu dieser Geisteswissenschaft führen. Ich werde heute — weil ich gern dasjenige, was der Geisteswissenschaftler empfinden kann und darf in unserer schicksalstragenden Zeit, mit einigen Worten im zweiten Teil meines Vortrages berühren möchte —, ich werde heute nur kurz und skizzenhaft andeuten können, wie Geisteswissenschaft zu ihren Erkenntnissen, zu diesen heute ebenso angefochtenen, so wenig einleuchtenden Erkenntnissen kommt.
[ 6 ] Der erste Einwand, der sich erheben muss ganz begreiflicherweise, gerade in den Seelen der Gegenwart erheben muss, die zu den Geschultesten gehören, ist, dass Geisteswissenschaft in allem, was sie vorzubringen hat, zu widersprechen scheint dem, was auf dem sicheren Boden der Naturwissenschaft gewonnen worden ist. Schwierig ist es, einzusehen, dass gerade diese Geisteswissenschaft für unsere Zeit und für die nächste Menschheitszukunft dasjenige bringen will für das Gebiet der geistigen Erkenntnis, für das Gebiet des seelischen Wissens, was Naturwissenschaft für das äußere, räumliche und zeitliche Wissen und seine Verwertung im praktischen menschlichen Leben gebracht hat. Schwierig ist es auch, einzusehen, dass diese Geisteswissenschaft, wenn man sie gründlich betrachtet, im allervollkommensten Einklang gerade steht mit all dem, was an so bewundernswürdigen Fortschritten die Naturwissenschaft im Laufe der letzten Jahrhunderte zustande gebracht hat, ja, dass sie gar nichts anderes sein will, diese Geisteswissenschaft, als die Fortsetzerin sein des naturwissenschaftlichen Weltanschauens für das geistige Gebiet. Allerdings, gerade weil sie dies sein will, muss sie als geisteswissenschaftliche Methode sich zu allen menschlichen Verrichtungen, insbesondere zu den intimsten menschlichen Verrichtungen des Denkens, Fühlens und Wollens ganz anders verhalten als die äußere heute anerkannte Wissenschaft.
[ 6 ] Der erste Einwand, der sich erheben muss ganz begreiflicherweise, gerade in den Seelen der Gegenwart erheben muss, die zu den Geschultesten gehören, ist, dass Geisteswissenschaft in allem, was sie vorzubringen hat, zu widersprechen scheint dem, was auf dem sicheren Boden der Naturwissenschaft gewonnen worden ist. Schwierig ist es, einzusehen, dass gerade diese Geisteswissenschaft für unsere Zeit und für die nächste Menschheitszukunft dasjenige bringen will für das Gebiet der geistigen Erkenntnis, für das Gebiet des seelischen Wissens, was Naturwissenschaft für das äußere, räumliche und zeitliche Wissen und seine Verwertung im praktischen menschlichen Leben gebracht hat. Schwierig ist es auch, einzusehen, dass diese Geisteswissenschaft, wenn man sie gründlich betrachtet, im allervollkommensten Einklang gerade steht mit all dem, was an so bewundernswürdigen Fortschritten die Naturwissenschaft im Laufe der letzten Jahrhunderte zustande gebracht hat, ja, dass sie gar nichts anderes sein will, diese Geisteswissenschaft, als die Fortsetzerin sein des naturwissenschaftlichen Weltanschauens für das geistige Gebiet. Allerdings, gerade weil sie dies sein will, muss sie als geisteswissenschaftliche Methode sich zu allen menschlichen Verrichtungen, insbesondere zu den intimsten menschlichen Verrichtungen des Denkens, Fühlens und Wollens ganz anders verhalten als die äußere heute anerkannte Wissenschaft.
[ 7 ] Wenn oftmals geltend gemacht wird, dass Geisteswissenschaft nicht im Einklang stehe mit dem religiösen Fühlen des Menschen, so beruht auch diese Meinung auf einem völligen Missverstehen. Das Gegenteil vielmehr ist richtig. Ja, man kann sagen: Während die äußere Naturwissenschaft die Menschen oftmals dem religiösen Empfinden wirklich entfremdet hat, während diese bewirkt hat, dass sich viele besonders aufgeklärt wähnen, wenn sie alles Religiöse ablehnen, wird Geisteswissenschaft, weil sie die Seele auch wissenschaftlich auf das Geistige verweist, in den Gemütern das religiöse Leben gerade verstärken. Sie wird die Menschen im schönsten Sinne des Wortes der Religion wieder zurückführen, während die äußere Naturwissenschaft sie derselben entfremdet hat.
[ 7 ] Wenn oftmals geltend gemacht wird, dass Geisteswissenschaft nicht im Einklang stehe mit dem religiösen Fühlen des Menschen, so beruht auch diese Meinung auf einem völligen Missverstehen. Das Gegenteil vielmehr ist richtig. Ja, man kann sagen: Während die äußere Naturwissenschaft die Menschen oftmals dem religiösen Empfinden wirklich entfremdet hat, während diese bewirkt hat, dass sich viele besonders aufgeklärt wähnen, wenn sie alles Religiöse ablehnen, wird Geisteswissenschaft, weil sie die Seele auch wissenschaftlich auf das Geistige verweist, in den Gemütern das religiöse Leben gerade verstärken. Sie wird die Menschen im schönsten Sinne des Wortes der Religion wieder zurückführen, während die äußere Naturwissenschaft sie derselben entfremdet hat.
[ 8 ] Vor allem sei eingegangen auf den Weg, den Geisteswissenschaft zu ihren Erkenntnissen nimmt. Im Genaueren ist dieser Weg ja beschrieben vor allen Dingen in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», auf das ich verweisen muss, da ich hier nur einige, ich möchte sagen Kohlestriche zur Zeichnung des geisteswissenschaftlichen Weges angeben kann.
[ 8 ] Vor allem sei eingegangen auf den Weg, den Geisteswissenschaft zu ihren Erkenntnissen nimmt. Im Genaueren ist dieser Weg ja beschrieben vor allen Dingen in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», auf das ich verweisen muss, da ich hier nur einige, ich möchte sagen Kohlestriche zur Zeichnung des geisteswissenschaftlichen Weges angeben kann.
[ 9 ] Das menschliche Denken, das menschliche Vorstellen, sie müssen in einer ganz anderen Weise für die Ziele der Geisteswissenschaft behandelt werden, als sie behandelt werden für die Ziele der äußeren Wissenschaft und des äußeren Lebens. Wie verhalten wir uns denn, verehrte Anwesende, wenn wir das Denken, wenn wir das Vorstellen in den Dienst der äußeren Wissenschaft, in den Dienst des äußeren Lebens stellen? Wir verhalten uns so, dass wir uns an der Hand desjenigen, was uns unsere Sinne in der Umwelt zeigen, Begriffe, Vorstellungen, Ideen machen von dem, was uns umgibt. Und wir sind mit Recht in Bezug auf diese äußere Weltenbetrachtung befriedigt, wenn wir dazu kommen, dass unsere Ideen, unsere Vorstellungen uns Bilder geben von dem, was draußen in der Natur und im Menschenleben vor sich geht. Nach einem Vorstellungsabbild von dem Naturleben und von dem Geschichtsleben streben die Menschen im gewöhnlichen Verlaufe des Daseins. Allein schon die Kraft des Denkens, die in dieser angedeuteten Weise für die gewöhnliche Wissenschaft und das gewöhnliche Leben gebraucht wird, muss in einer ganz veränderten Art gebraucht werden, wenn der Weg der Geisteswissenschaft, der Weg der Geistesforschung beschritten wird.
[ 9 ] Das menschliche Denken, das menschliche Vorstellen, sie müssen in einer ganz anderen Weise für die Ziele der Geisteswissenschaft behandelt werden, als sie behandelt werden für die Ziele der äußeren Wissenschaft und des äußeren Lebens. Wie verhalten wir uns denn, verehrte Anwesende, wenn wir das Denken, wenn wir das Vorstellen in den Dienst der äußeren Wissenschaft, in den Dienst des äußeren Lebens stellen? Wir verhalten uns so, dass wir uns an der Hand desjenigen, was uns unsere Sinne in der Umwelt zeigen, Begriffe, Vorstellungen, Ideen machen von dem, was uns umgibt. Und wir sind mit Recht in Bezug auf diese äußere Weltenbetrachtung befriedigt, wenn wir dazu kommen, dass unsere Ideen, unsere Vorstellungen uns Bilder geben von dem, was draußen in der Natur und im Menschenleben vor sich geht. Nach einem Vorstellungsabbild von dem Naturleben und von dem Geschichtsleben streben die Menschen im gewöhnlichen Verlaufe des Daseins. Allein schon die Kraft des Denkens, die in dieser angedeuteten Weise für die gewöhnliche Wissenschaft und das gewöhnliche Leben gebraucht wird, muss in einer ganz veränderten Art gebraucht werden, wenn der Weg der Geisteswissenschaft, der Weg der Geistesforschung beschritten wird.
[ 10 ] Da handelt es sich nicht darum, für den Geistesforscher sich Gedanken über dasjenige zu machen, was die Sinne äußerlich dem Menschen offenbaren, da handelt es sich nicht darum, durch den Gedanken ein Abbild einer äußeren, wahrgenommenen Wirklichkeit zu gewinnen, sondern da handelt es sich darum, den Gedanken wie eine lebendige Kraft zu gebrauchen, welche im reinen inneren Seelenleben, ich möchte sagen in einer auf die Seele angewendeten Selbsterziehung sich auslebt. Der Gedanke wird nicht als Abbild der äußeren Wirklichkeit gebraucht, der Gedanke wird so gebraucht, dass er in dem Bewusstsein erlebt wird. Und er wird innerlich so erlebt, dass die Seele sich auf diesen Gedanken richtet, so richtet, dass sie ihre Aufmerksamkeit lange und lange Zeit lediglich auf einen Gedanken oder einen einförmigen Gedankengang hinwendet, sodass nicht in Betracht kommt dasjenige, was man denkt, sondern in Betracht kommt jene innere Seelenanstrengung, jener innere Seelenaufwand, den man zu durchleben hat, wenn man durch innere Anstrengung, durch innere Konzentration alle Aufmerksamkeit auf einen inneren Punkt hin, auf einen Gedanken, auf eine Vorstellung konzentriert.
[ 10 ] Da handelt es sich nicht darum, für den Geistesforscher sich Gedanken über dasjenige zu machen, was die Sinne äußerlich dem Menschen offenbaren, da handelt es sich nicht darum, durch den Gedanken ein Abbild einer äußeren, wahrgenommenen Wirklichkeit zu gewinnen, sondern da handelt es sich darum, den Gedanken wie eine lebendige Kraft zu gebrauchen, welche im reinen inneren Seelenleben, ich möchte sagen in einer auf die Seele angewendeten Selbsterziehung sich auslebt. Der Gedanke wird nicht als Abbild der äußeren Wirklichkeit gebraucht, der Gedanke wird so gebraucht, dass er in dem Bewusstsein erlebt wird. Und er wird innerlich so erlebt, dass die Seele sich auf diesen Gedanken richtet, so richtet, dass sie ihre Aufmerksamkeit lange und lange Zeit lediglich auf einen Gedanken oder einen einförmigen Gedankengang hinwendet, sodass nicht in Betracht kommt dasjenige, was man denkt, sondern in Betracht kommt jene innere Seelenanstrengung, jener innere Seelenaufwand, den man zu durchleben hat, wenn man durch innere Anstrengung, durch innere Konzentration alle Aufmerksamkeit auf einen inneren Punkt hin, auf einen Gedanken, auf eine Vorstellung konzentriert.
[ 11 ] Da, wo die gewöhnliche Wissenschaft, wo das Denken des gewöhnlichen Lebens aufhört, da beginnt erst die Arbeit des Geistesforschers. Was abgeschlossen im Auge behalten werden muss für die gewöhnliche Wissenschaft, das wird aufgenommen durch die geisteswissenschaftliche Methode und wird gleichsam wie ein Keim in den Seelenboden hineinversenkt. Die Frage stellt man dem eigenen Erleben: Was macht dein Gedanke, auf den du dein ganzes Seelenleben mit Ausschluss des Aufmerkens auf alles andere richtetest, was macht der in dir, was macht der Gedanke, wenn du dich ihm ganz hingibst, wenn du alles vergissest, was du jemals wahrgenommen hast, was du jetzt wahrnimmst, was deine Gewohnheiten, deine Erlebnisse, deine Neigungen, deine Leidenschaften sind, wenn du einzig und allein in diesem Gedanken lebst, ihn ganz einsenkst in dein Seelenleben?
[ 11 ] Da, wo die gewöhnliche Wissenschaft, wo das Denken des gewöhnlichen Lebens aufhört, da beginnt erst die Arbeit des Geistesforschers. Was abgeschlossen im Auge behalten werden muss für die gewöhnliche Wissenschaft, das wird aufgenommen durch die geisteswissenschaftliche Methode und wird gleichsam wie ein Keim in den Seelenboden hineinversenkt. Die Frage stellt man dem eigenen Erleben: Was macht dein Gedanke, auf den du dein ganzes Seelenleben mit Ausschluss des Aufmerkens auf alles andere richtetest, was macht der in dir, was macht der Gedanke, wenn du dich ihm ganz hingibst, wenn du alles vergissest, was du jemals wahrgenommen hast, was du jetzt wahrnimmst, was deine Gewohnheiten, deine Erlebnisse, deine Neigungen, deine Leidenschaften sind, wenn du einzig und allein in diesem Gedanken lebst, ihn ganz einsenkst in dein Seelenleben?
[ 12 ] Man kommt sich selbst mit einer Erleichterung zu Hilfe bei dieser geisteswissenschaftlichen Methode, wenn man gar nicht einmal einen Gedanken nimmt, der dem äußeren Leben entlehnt ist. Bei einem solchen Gedanken, der etwas aus dem Gebiet des äußeren Lebens abbilder, ist man zu sehr versucht, auf diese äußere Wahrheit des Gedankens zu schauen. Aber auf diese äußere Wahrheit kommt es in diesem Falle nicht an, sondern darauf, was der Gedanke in uns bewirkt und was wir erleben, wenn wir den Gedanken als einen lebendigen Wesensinhalt in der Seele wirken lassen. Daher ist es am besten, einen sinnbildlichen Gedanken, einen Gedanken, der nichts Äußeres abbildet, innerlich gleichsam zu fixieren. Ich will sagen: Der Gedanke «Weisheit leuchtet im Licht» ist ein einfacher Gedanke; er ist ganz gewiss im Sinne einer äußeren Wissenschaft keine Wahrheit. Aber darauf kommt es nicht an, sondern darauf, dass ein solcher Gedanke in den Mittelpunkt des Seelenlebens gestellt wird und dass alle Kräfte der Seele, wie ich eben geschildert habe, auf diesen Gedanken durch eine gewisse Zeit hindurch gerichtet werden. Mit dem Erleben des Gedankens, bis zu dem das äußere Leben und die gewöhnliche Wissenschaft gehen, beginnt erst die Forschung auf dem geistigen Gebiete. Man nennt, wenn man mit dem Worte nicht irgendwelche im schlechten Sinne mystischen Begriffe verbindet, ein solches Leben und Weben im Gedanken, das lange, lange in Geduld und Ausdauer und innerer Energie fortgesetzt werden muss, ein Meditieren im Gedanken, ein Sich-Konzentrieren auf bestimmte Gedanken. Dies sind gewissermaßen technische Ausdrücke der geisteswissenschaftlichen Methode.
[ 12 ] Man kommt sich selbst mit einer Erleichterung zu Hilfe bei dieser geisteswissenschaftlichen Methode, wenn man gar nicht einmal einen Gedanken nimmt, der dem äußeren Leben entlehnt ist. Bei einem solchen Gedanken, der etwas aus dem Gebiet des äußeren Lebens abbilder, ist man zu sehr versucht, auf diese äußere Wahrheit des Gedankens zu schauen. Aber auf diese äußere Wahrheit kommt es in diesem Falle nicht an, sondern darauf, was der Gedanke in uns bewirkt und was wir erleben, wenn wir den Gedanken als einen lebendigen Wesensinhalt in der Seele wirken lassen. Daher ist es am besten, einen sinnbildlichen Gedanken, einen Gedanken, der nichts Äußeres abbildet, innerlich gleichsam zu fixieren. Ich will sagen: Der Gedanke «Weisheit leuchtet im Licht» ist ein einfacher Gedanke; er ist ganz gewiss im Sinne einer äußeren Wissenschaft keine Wahrheit. Aber darauf kommt es nicht an, sondern darauf, dass ein solcher Gedanke in den Mittelpunkt des Seelenlebens gestellt wird und dass alle Kräfte der Seele, wie ich eben geschildert habe, auf diesen Gedanken durch eine gewisse Zeit hindurch gerichtet werden. Mit dem Erleben des Gedankens, bis zu dem das äußere Leben und die gewöhnliche Wissenschaft gehen, beginnt erst die Forschung auf dem geistigen Gebiete. Man nennt, wenn man mit dem Worte nicht irgendwelche im schlechten Sinne mystischen Begriffe verbindet, ein solches Leben und Weben im Gedanken, das lange, lange in Geduld und Ausdauer und innerer Energie fortgesetzt werden muss, ein Meditieren im Gedanken, ein Sich-Konzentrieren auf bestimmte Gedanken. Dies sind gewissermaßen technische Ausdrücke der geisteswissenschaftlichen Methode.
[ 13 ] Der Geistesforscher, sehr verehrte Anwesende, der kann ja im Grunde genommen, wenn er diese Dinge schildert, nicht anders als so reden wie der Chemiker, wenn er schildert in Kürze die Methoden, die er in seinem Laboratorium anwendet, um dieses oder jenes den Naturkräften und den Naturerscheinungen abzulauschen. In ein inneres Seelenlaboratorium, in dem gesucht wird, was zusammenhängt mit unserem Seelenglück, mit unserer Seelenerhebung, mit all den tiefsten Seelenrätseln, Seelenschmerzen und Seelenfragen, in ein solches Laboratorium muss der Geistesforscher sich begeben. Und was er in diesem rein innerlichen Laboratorium erlebt, davon allein kann er sprechen, von den Erlebnissen dessen, was nicht in äußerer Anschauung, was nicht vor den äußeren Augen dargestellt werden kann, sondern allein im intimen inneren, aber objektiven, nicht subjektiven inneren Erleben erfahren wird. Dass es eine solche innere, geistige Laboratoriumsarbeit gibt, dies allmählich der geistigen Menschheitskultur einzuverleiben als eine feste Weltanschauung, das ist die Aufgabe der Geisteswissenschaft.
[ 13 ] Der Geistesforscher, sehr verehrte Anwesende, der kann ja im Grunde genommen, wenn er diese Dinge schildert, nicht anders als so reden wie der Chemiker, wenn er schildert in Kürze die Methoden, die er in seinem Laboratorium anwendet, um dieses oder jenes den Naturkräften und den Naturerscheinungen abzulauschen. In ein inneres Seelenlaboratorium, in dem gesucht wird, was zusammenhängt mit unserem Seelenglück, mit unserer Seelenerhebung, mit all den tiefsten Seelenrätseln, Seelenschmerzen und Seelenfragen, in ein solches Laboratorium muss der Geistesforscher sich begeben. Und was er in diesem rein innerlichen Laboratorium erlebt, davon allein kann er sprechen, von den Erlebnissen dessen, was nicht in äußerer Anschauung, was nicht vor den äußeren Augen dargestellt werden kann, sondern allein im intimen inneren, aber objektiven, nicht subjektiven inneren Erleben erfahren wird. Dass es eine solche innere, geistige Laboratoriumsarbeit gibt, dies allmählich der geistigen Menschheitskultur einzuverleiben als eine feste Weltanschauung, das ist die Aufgabe der Geisteswissenschaft.
[ 14 ] Es ist jeder einzelne Einwand, welcher vonseiten der naturwissenschaftlichen Weltanschauung gemacht wird, verehrte Anwesende, ebenso gut dem Geistesforscher bekannt wie dasjenige, was gegen seine Forschung im Allgemeinen gesagt werden kann. Es ist dem Geistesforscher zum Beispiel bekannt, dass behauptet werden kann dasjenige, was also die Seele erreicht, indem sie ihre Aufmerksamkeit ganz fixiert auf das Verweilen von Gedanken im intimen Seelenleben, sei nur dies, dass dadurch die Seele sich selber suggestionieren könne, dass alles dasjenige, wozu sie kommt auf diesem Wege, eine Art von Selbstsuggestion sei. Gewiss, das ist dem Geistesforscher bekannt, aber demjenigen, der nicht die Geisteswissenschaft kennt, sondern nur dasjenige, was die äußere Naturwissenschaft heute über die Methoden der Suggestion zu sagen weiß, ist unbekannt, dass durch die besondere Art, wie der Geistesforscher sich rein innerlich mit all den Seelenkräften, die er bewusst entwickelt hat, in voller Bewusstheit richtet auf irgendeinen Gedanken, auf ein inneres Erleben — es kann ja auch ein Willenserlebnis sein —, [wie] dieser Geistesforscher gerade innerlich lebt in demjenigen Teile seiner Seele, der eingeschläfert wird in der hypnotischen Suggestion. Gerade dasjenige, was in der hypnotischen Suggestion in Schlaf versetzt wird, während das äußere Leibliche, ich möchte sagen nachahmt die seelischen Funktionen, gerade das wird durch die Methode der Geisteswissenschaft entwickelt, gerade diejenigen Kräfte werden herausgeholt aus dem innersten Seelenleben, über welches Schlaf, Lähmung gebreitet wird in der gewöhnlichen Suggestion. Alle Methoden der Geistesforschung wirken darauf hin, das innere Erleben unabhängig zu machen vom äußeren physischen Erleben, im inneren Erleben jene starken Kräfte zu erwecken, durch die das Denken, das Vorstellen ein eigenes Leben in sich entfalten.
[ 14 ] Es ist jeder einzelne Einwand, welcher vonseiten der naturwissenschaftlichen Weltanschauung gemacht wird, verehrte Anwesende, ebenso gut dem Geistesforscher bekannt wie dasjenige, was gegen seine Forschung im Allgemeinen gesagt werden kann. Es ist dem Geistesforscher zum Beispiel bekannt, dass behauptet werden kann dasjenige, was also die Seele erreicht, indem sie ihre Aufmerksamkeit ganz fixiert auf das Verweilen von Gedanken im intimen Seelenleben, sei nur dies, dass dadurch die Seele sich selber suggestionieren könne, dass alles dasjenige, wozu sie kommt auf diesem Wege, eine Art von Selbstsuggestion sei. Gewiss, das ist dem Geistesforscher bekannt, aber demjenigen, der nicht die Geisteswissenschaft kennt, sondern nur dasjenige, was die äußere Naturwissenschaft heute über die Methoden der Suggestion zu sagen weiß, ist unbekannt, dass durch die besondere Art, wie der Geistesforscher sich rein innerlich mit all den Seelenkräften, die er bewusst entwickelt hat, in voller Bewusstheit richtet auf irgendeinen Gedanken, auf ein inneres Erleben — es kann ja auch ein Willenserlebnis sein —, [wie] dieser Geistesforscher gerade innerlich lebt in demjenigen Teile seiner Seele, der eingeschläfert wird in der hypnotischen Suggestion. Gerade dasjenige, was in der hypnotischen Suggestion in Schlaf versetzt wird, während das äußere Leibliche, ich möchte sagen nachahmt die seelischen Funktionen, gerade das wird durch die Methode der Geisteswissenschaft entwickelt, gerade diejenigen Kräfte werden herausgeholt aus dem innersten Seelenleben, über welches Schlaf, Lähmung gebreitet wird in der gewöhnlichen Suggestion. Alle Methoden der Geistesforschung wirken darauf hin, das innere Erleben unabhängig zu machen vom äußeren physischen Erleben, im inneren Erleben jene starken Kräfte zu erwecken, durch die das Denken, das Vorstellen ein eigenes Leben in sich entfalten.
[ 15 ] Und wenn in genügend langer Zeit der Geistesforscher so im «Laboratorium seiner eigenen Seele» gearbeitet hat, dann tritt bei ihm — und es handelt sich nicht darum, dass man dies macht, sondern darum, dass man es abwartet, wie man abwarten muss bei der Pflanze, bis sie blüht, bis ihre Wachstumskräfte durch den objektiven Weltenzusammenhang soweit entwickelt sind, dass sie blüht —, dann tritt ein dasjenige, was phantastisch, träumerisch, absurd, paradox unserer gegenwärtigen Denkgewöhnung erscheinen muss.
[ 15 ] Und wenn in genügend langer Zeit der Geistesforscher so im «Laboratorium seiner eigenen Seele» gearbeitet hat, dann tritt bei ihm — und es handelt sich nicht darum, dass man dies macht, sondern darum, dass man es abwartet, wie man abwarten muss bei der Pflanze, bis sie blüht, bis ihre Wachstumskräfte durch den objektiven Weltenzusammenhang soweit entwickelt sind, dass sie blüht —, dann tritt ein dasjenige, was phantastisch, träumerisch, absurd, paradox unserer gegenwärtigen Denkgewöhnung erscheinen muss.
[ 16 ] Denn was auf diese Weise bewirkt wird, sehr verehrte Anwesende, das ist ein vollständiges Loslösen des geistigseelischen Erlebens von dem körperlichen, von dem leiblichen Erleben. So unwahrscheinlich als es demjenigen, der nie etwas von Chemie gehört hat, erscheint, dass man das Wasser, das man vor sich hat, zerlegen kann durch die Kräfte der Elektrizität oder auf andere Weise in Wasserstoff und Sauerstoff, dass man den Wasserstoff, der ganz verschieden ist vom Wasser, wirklich herausbekommen kann aus dem Wasser, so unwahrscheinlich das jedem erscheinen muss, der niemals etwas von Chemie gehört hat, so unwahrscheinlich muss es selbstverständlich demjenigen erscheinen, der sich nicht einlassen will auf Geisteswissenschaft, dass es solche innere, ich möchte sagen im Innern wachsende Denkvorgänge gibt, durch die losgelöst wird dasjenige im Menschen, was keiner Geburt und keinem Tode unterworfen, keinem äußeren Leben unterworfen ist, sondern das durch Geburten und Tode als das Ewige des Menschen geht, dass dies wirklich losgelöst wird von den körperlichen Bedingungen und dass es in seiner Selbstständigkeit, in seiner ewigen Bedeutung, von der «alles Vergängliche nur ein Gleichnis» ist, wissenschaftlich ergriffen wird.
[ 16 ] Denn was auf diese Weise bewirkt wird, sehr verehrte Anwesende, das ist ein vollständiges Loslösen des geistigseelischen Erlebens von dem körperlichen, von dem leiblichen Erleben. So unwahrscheinlich als es demjenigen, der nie etwas von Chemie gehört hat, erscheint, dass man das Wasser, das man vor sich hat, zerlegen kann durch die Kräfte der Elektrizität oder auf andere Weise in Wasserstoff und Sauerstoff, dass man den Wasserstoff, der ganz verschieden ist vom Wasser, wirklich herausbekommen kann aus dem Wasser, so unwahrscheinlich das jedem erscheinen muss, der niemals etwas von Chemie gehört hat, so unwahrscheinlich muss es selbstverständlich demjenigen erscheinen, der sich nicht einlassen will auf Geisteswissenschaft, dass es solche innere, ich möchte sagen im Innern wachsende Denkvorgänge gibt, durch die losgelöst wird dasjenige im Menschen, was keiner Geburt und keinem Tode unterworfen, keinem äußeren Leben unterworfen ist, sondern das durch Geburten und Tode als das Ewige des Menschen geht, dass dies wirklich losgelöst wird von den körperlichen Bedingungen und dass es in seiner Selbstständigkeit, in seiner ewigen Bedeutung, von der «alles Vergängliche nur ein Gleichnis» ist, wissenschaftlich ergriffen wird.
[ 17 ] Es liegt ja nahe, dass gerade in unserer Zeit wirklich Einwände aufstoßen auf Schritt und Tritt gegen dasjenige, was in dieser Weise geltend gemacht wird. Es ja ganz selbstverständlich, dass nun jemand, der sozusagen geschult ist in den neueren, so wohl begründeten Denkgewohnheiten, kommt und sagt: Nun sich da einmal, da kommt nun der Geistesforscher und redet davon, dass es gar innerliche Methoden des seelischen Erlebens gibt, wodurch das Seelisch-Geistige losgelöst werden kann, sodass es erscheint in seiner Ureigenheit sowie unabhängig von Geburt und Tod, wie Wasserstoff erscheint, wenn er losgelöst ist vom Wasser, von allen Eigenschaften desselben und seinem ganzen Verhalten.
[ 17 ] Es liegt ja nahe, dass gerade in unserer Zeit wirklich Einwände aufstoßen auf Schritt und Tritt gegen dasjenige, was in dieser Weise geltend gemacht wird. Es ja ganz selbstverständlich, dass nun jemand, der sozusagen geschult ist in den neueren, so wohl begründeten Denkgewohnheiten, kommt und sagt: Nun sich da einmal, da kommt nun der Geistesforscher und redet davon, dass es gar innerliche Methoden des seelischen Erlebens gibt, wodurch das Seelisch-Geistige losgelöst werden kann, sodass es erscheint in seiner Ureigenheit sowie unabhängig von Geburt und Tod, wie Wasserstoff erscheint, wenn er losgelöst ist vom Wasser, von allen Eigenschaften desselben und seinem ganzen Verhalten.
[ 18 ] Können wir denn nicht sehen, dass dies in die finstersten Tiefen des Aberglaubens hineinführt, nachdem Naturwissenschaft so gründlich nachgewiesen hat, wie das geistig-seelische Erleben abhängig ist vom körperlichen Erleben, wie dies geistig-seelische Erleben heranwächst, indem der Mensch sich von Kindheit auf durch Jahre entwickelt? In demselben Maße, wie die körperlichen Funktionen sich entwickeln, wächst ja auch das seelische Erleben, das geistige Erleben. Man sieht, wie das geistige Leben wieder hinschwindet im Alter, wenn die körperlichen Funktionen nachlassen oder allmählich abgelähmt werden, man sieht ferner — und das ist ja gerade verdankt den großen Fortschritten der psychiatrischen Forschung —, wie mit der Verletzung nur irgendeines Teiles des menschlichen Gehirns und Nervensystems ausgeschaltet werden die seelischen Funktionen. Bemerkt man da nicht, wie alles Seelisch-Geistige im eminentesten Sinne nur eine Wirkung ist des Physisch-Leiblichen? Nun kommt der Geistesforscher und erklärt, dass dies Geistig-Seelische losgelöst werden kann von dem Physisch-Leiblichen.
[ 18 ] Können wir denn nicht sehen, dass dies in die finstersten Tiefen des Aberglaubens hineinführt, nachdem Naturwissenschaft so gründlich nachgewiesen hat, wie das geistig-seelische Erleben abhängig ist vom körperlichen Erleben, wie dies geistig-seelische Erleben heranwächst, indem der Mensch sich von Kindheit auf durch Jahre entwickelt? In demselben Maße, wie die körperlichen Funktionen sich entwickeln, wächst ja auch das seelische Erleben, das geistige Erleben. Man sieht, wie das geistige Leben wieder hinschwindet im Alter, wenn die körperlichen Funktionen nachlassen oder allmählich abgelähmt werden, man sieht ferner — und das ist ja gerade verdankt den großen Fortschritten der psychiatrischen Forschung —, wie mit der Verletzung nur irgendeines Teiles des menschlichen Gehirns und Nervensystems ausgeschaltet werden die seelischen Funktionen. Bemerkt man da nicht, wie alles Seelisch-Geistige im eminentesten Sinne nur eine Wirkung ist des Physisch-Leiblichen? Nun kommt der Geistesforscher und erklärt, dass dies Geistig-Seelische losgelöst werden kann von dem Physisch-Leiblichen.
[ 19 ] Ja, sehr verehrte Anwesende, wenn der Geistesforscher nötig hätte, gegen die wohlbegründeten Annahmen neuerer Naturwissenschaft sich aufzulehnen, dann dürfte er keine Hoffnung haben, jemals sein Wissen in die Weltanschauung der Menschen einzuführen, denn eben diese neuere Naturwissenschaft ruht auf guten Gründen, wenn sie auch dieses oder jenes Hypothetische oder Unbegründete heute noch unter ihren Behauptungen hat. Ihre ganze Gesinnung, ihre ganze innere Lebenstendenz ist voll berechtigt und führt zu den größten Errungenschaften der Menschheit. Das wird Geisteswissenschaft nicht leugnen, sondern ebenso gut zugeben, wie jeder Naturwissenschaftler oder zur Naturwissenschaft sich Bekennende es zugeben muss.
[ 19 ] Ja, sehr verehrte Anwesende, wenn der Geistesforscher nötig hätte, gegen die wohlbegründeten Annahmen neuerer Naturwissenschaft sich aufzulehnen, dann dürfte er keine Hoffnung haben, jemals sein Wissen in die Weltanschauung der Menschen einzuführen, denn eben diese neuere Naturwissenschaft ruht auf guten Gründen, wenn sie auch dieses oder jenes Hypothetische oder Unbegründete heute noch unter ihren Behauptungen hat. Ihre ganze Gesinnung, ihre ganze innere Lebenstendenz ist voll berechtigt und führt zu den größten Errungenschaften der Menschheit. Das wird Geisteswissenschaft nicht leugnen, sondern ebenso gut zugeben, wie jeder Naturwissenschaftler oder zur Naturwissenschaft sich Bekennende es zugeben muss.
[ 20 ] Aber, sehr verehrte Anwesende, Geisteswissenschaft im wahren Sinne des Wortes steht auch nicht auf einem anderen Boden als die Naturwissenschaft, selbst nicht in Bezug auf alles dasjenige, wovon die Naturwissenschaft reden kann. Wenn wir betrachten das gewöhnliche Denken des Alltags und der gewöhnlichen Wissenschaft, wie erscheint es denn dem Geistesforscher? Ihm erscheint es durchaus so, dass dieses gewöhnliche Denken, dass dasjenige, was der Mensch aufbringt an Denken und Vorstellen im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft, im strengsten Sinne gebunden ist an das menschliche Leibesleben, im engeren Sinne an das menschliche Nervensystem. Und insofern die Naturforschung heute schon Anfänge aufweist zu einer Erkenntnis nach dieser Richtung hin, die versprechen, noch viel mehr künftig zu geben, steht der Geistesforscher völlig auf dem Boden der Naturforschung. Aber es handelt sich für die Naturforschung nur um das gewöhnliche Denken, um die noch nicht von dem Leiblichen losgelöste innere Kraft des Denkens. Von dem, was im Alltag gedacht wird, von dem, was in der gewöhnlichen Wissenschaft vorgestellt werden kann, weiß gerade der Geistesforscher. All dieses Denken des Alltagslebens ist ebenso an das Leibliche gebunden, wenn es dem Menschen zum Bewusstsein kommen soll, wie gebunden ist das Bild, das uns von uns selbst erscheinen soll, an den Spiegel, vor den wir treten.
[ 20 ] Aber, sehr verehrte Anwesende, Geisteswissenschaft im wahren Sinne des Wortes steht auch nicht auf einem anderen Boden als die Naturwissenschaft, selbst nicht in Bezug auf alles dasjenige, wovon die Naturwissenschaft reden kann. Wenn wir betrachten das gewöhnliche Denken des Alltags und der gewöhnlichen Wissenschaft, wie erscheint es denn dem Geistesforscher? Ihm erscheint es durchaus so, dass dieses gewöhnliche Denken, dass dasjenige, was der Mensch aufbringt an Denken und Vorstellen im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft, im strengsten Sinne gebunden ist an das menschliche Leibesleben, im engeren Sinne an das menschliche Nervensystem. Und insofern die Naturforschung heute schon Anfänge aufweist zu einer Erkenntnis nach dieser Richtung hin, die versprechen, noch viel mehr künftig zu geben, steht der Geistesforscher völlig auf dem Boden der Naturforschung. Aber es handelt sich für die Naturforschung nur um das gewöhnliche Denken, um die noch nicht von dem Leiblichen losgelöste innere Kraft des Denkens. Von dem, was im Alltag gedacht wird, von dem, was in der gewöhnlichen Wissenschaft vorgestellt werden kann, weiß gerade der Geistesforscher. All dieses Denken des Alltagslebens ist ebenso an das Leibliche gebunden, wenn es dem Menschen zum Bewusstsein kommen soll, wie gebunden ist das Bild, das uns von uns selbst erscheinen soll, an den Spiegel, vor den wir treten.
[ 21 ] Gerade Geisteswissenschaft erkennt durch Zusammenhänge, in die sie hineinsieht, wenn sie auf den Wegen fortschreitet, die geschildert worden sind, dass dasjenige, was jetzt als eine höhere Kraft in der Denkkraft geschildert worden ist und zu dem die Geisteswissenschaft kommen kann, dass das sich spiegelt, tätig spiegelt an den Organen des Leibeslebens und dass nichts in das Leben zwischen der Geburt und dem Tode hereintreten kann, in das Bewusstsein, als dasjenige, was mithilfe der das Seelenleben spiegelnden Leiblichkeit dem Bewusstsein erscheint. Wie der Mensch vor dem Bilde steht, das ihm der Spiegel zurückwirft, und wie er sich selbst nicht sieht, sondern das Bild, das ihm der Spiegel zurück wirft, so steht die Seele, die ausgerüstet ist mit der Kraft, die erst entdeckt wird auf dem Wege der Geistesforschung hinter demjenigen Denken, das das Denken des Alltags ist; und das Denken des Alltags ist ein vorüberhuschendes Spiegelbild, aus dem Leibesleben gespiegelt. Alle diejenigen Erkenntnisse, die Naturwissenschaft geben kann auf ihrem Felde, sind wahr, weil sie handeln von demjenigen, was noch nicht aufgewiesen ist als die eigentliche Kraft, die hinter dem gewöhnlichen Bewusstseinsleben steckt und die durch Geburten und Tode geht, die einer ganz anderen Welt angehört als die Welt ist, die wir mit unseren Sinnen schauen.
[ 21 ] Gerade Geisteswissenschaft erkennt durch Zusammenhänge, in die sie hineinsieht, wenn sie auf den Wegen fortschreitet, die geschildert worden sind, dass dasjenige, was jetzt als eine höhere Kraft in der Denkkraft geschildert worden ist und zu dem die Geisteswissenschaft kommen kann, dass das sich spiegelt, tätig spiegelt an den Organen des Leibeslebens und dass nichts in das Leben zwischen der Geburt und dem Tode hereintreten kann, in das Bewusstsein, als dasjenige, was mithilfe der das Seelenleben spiegelnden Leiblichkeit dem Bewusstsein erscheint. Wie der Mensch vor dem Bilde steht, das ihm der Spiegel zurückwirft, und wie er sich selbst nicht sieht, sondern das Bild, das ihm der Spiegel zurück wirft, so steht die Seele, die ausgerüstet ist mit der Kraft, die erst entdeckt wird auf dem Wege der Geistesforschung hinter demjenigen Denken, das das Denken des Alltags ist; und das Denken des Alltags ist ein vorüberhuschendes Spiegelbild, aus dem Leibesleben gespiegelt. Alle diejenigen Erkenntnisse, die Naturwissenschaft geben kann auf ihrem Felde, sind wahr, weil sie handeln von demjenigen, was noch nicht aufgewiesen ist als die eigentliche Kraft, die hinter dem gewöhnlichen Bewusstseinsleben steckt und die durch Geburten und Tode geht, die einer ganz anderen Welt angehört als die Welt ist, die wir mit unseren Sinnen schauen.
[ 22 ] So kann man sagen: Geisteswissenschaft sagt zu nichts Nein, was die Naturwissenschaft sagt, sie erklärt nur, dass man ebenso über dieses Naturwissenschaftliche hinausgehen kann, wie man über die Handgriffe des gewöhnlichen Lebens in der wissenschaftlichen Chemie hinausgeht. Und derjenige, der sich vom naturwissenschaftlichen Standpunkte gegen Geisteswissenschaft wenden will, der wendet sich nicht aus dem Grunde gegen sie, weil irgendetwas Naturwissenschaftliches von der Geisteswissenschaft bezweifelt wird, sondern er wendet sich aus reiner Tyrannis gegen die Geisteswissenschaft, aus dem Wollen, nichts anderes gelten zu lassen, als was gelten zu lassen ihm gefällt. Man muss sich künstlich auf den Standpunkt stellen, dass niemand etwas anderes wissen darf als dasjenige, was man selber weiß, wenn man Geisteswissenschaft in ihrer Berechtigung, den Weg der Naturforschung fortzuführen, ablehnen will.
[ 22 ] So kann man sagen: Geisteswissenschaft sagt zu nichts Nein, was die Naturwissenschaft sagt, sie erklärt nur, dass man ebenso über dieses Naturwissenschaftliche hinausgehen kann, wie man über die Handgriffe des gewöhnlichen Lebens in der wissenschaftlichen Chemie hinausgeht. Und derjenige, der sich vom naturwissenschaftlichen Standpunkte gegen Geisteswissenschaft wenden will, der wendet sich nicht aus dem Grunde gegen sie, weil irgendetwas Naturwissenschaftliches von der Geisteswissenschaft bezweifelt wird, sondern er wendet sich aus reiner Tyrannis gegen die Geisteswissenschaft, aus dem Wollen, nichts anderes gelten zu lassen, als was gelten zu lassen ihm gefällt. Man muss sich künstlich auf den Standpunkt stellen, dass niemand etwas anderes wissen darf als dasjenige, was man selber weiß, wenn man Geisteswissenschaft in ihrer Berechtigung, den Weg der Naturforschung fortzuführen, ablehnen will.
[ 23 ] Nun aber, sehr verehrte Anwesende, ich sagte schon, der Geistesforscher, er kann gewissermaßen hineinschauen lassen den anderen, der noch nicht an die Geistesforschung herangetreten ist, in dasjenige, was sein «seelisches Laboratorium» ist. Denn dieses Leben im seelischen Laboratorium des Geistesforschers bringt mancherlei, das nun auch nicht bekannt ist dem gewöhnlichen Erfahren und Erleben. Verbunden ist die Geistesforschung nicht bloß mit denjenigen Erlebnissen, mit denen die äußere Wissenschaft verbunden ist, verbunden ist die Geistesforschung mit den tiefsten Erschütterungen des Seelenlebens, mit der innersten Tragik des Seelenlebens, mit dem Hinauftragen des Gemütes in einsame, eisige Höhen, mit dem Hinunterstürzen des Gemütes in furchtbare Abgründe des Daseins.
[ 23 ] Nun aber, sehr verehrte Anwesende, ich sagte schon, der Geistesforscher, er kann gewissermaßen hineinschauen lassen den anderen, der noch nicht an die Geistesforschung herangetreten ist, in dasjenige, was sein «seelisches Laboratorium» ist. Denn dieses Leben im seelischen Laboratorium des Geistesforschers bringt mancherlei, das nun auch nicht bekannt ist dem gewöhnlichen Erfahren und Erleben. Verbunden ist die Geistesforschung nicht bloß mit denjenigen Erlebnissen, mit denen die äußere Wissenschaft verbunden ist, verbunden ist die Geistesforschung mit den tiefsten Erschütterungen des Seelenlebens, mit der innersten Tragik des Seelenlebens, mit dem Hinauftragen des Gemütes in einsame, eisige Höhen, mit dem Hinunterstürzen des Gemütes in furchtbare Abgründe des Daseins.
[ 24 ] Gewiss, sehr verehrte Anwesende, die ersten Schritte der Geistesforschung, wie sie angedeutet sind in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», sie kann jeder leicht machen, und jeder kann sich dadurch überzeugen, in welchem Sinne dies richtig ist, worauf der Geistesforscher deutet. Aber wenn man den Weg der Geistesforschung zu Ende geht, führt er durch Erlebnisse, wie sie eben angedeutet worden sind. Vor allen Dingen in dem Augenblicke, wo man dahin gelangt, durch jene Methode, die geschildert worden ist, die innere Kraft des Denkens loszulösen von jener Unterstützung, die sie im Gehirn hat, in dem Augenblick, wo man mit seinem Denken in seinem seelisch-geistigen Erleben aus seinem Leibe — ich darf es sagen, weil es wörtlich richtig ist — heraussteigt, in demselben Augenblicke, wo wirklich des Menschen ewige Kräfte in der Seele geschaut werden, in diesem Augenblicke fühlt man sich als Geistesforscher so, wie wenn man, ich möchte sagen in der Pflanze deren Wachsen erleben könnte.
[ 24 ] Gewiss, sehr verehrte Anwesende, die ersten Schritte der Geistesforschung, wie sie angedeutet sind in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», sie kann jeder leicht machen, und jeder kann sich dadurch überzeugen, in welchem Sinne dies richtig ist, worauf der Geistesforscher deutet. Aber wenn man den Weg der Geistesforschung zu Ende geht, führt er durch Erlebnisse, wie sie eben angedeutet worden sind. Vor allen Dingen in dem Augenblicke, wo man dahin gelangt, durch jene Methode, die geschildert worden ist, die innere Kraft des Denkens loszulösen von jener Unterstützung, die sie im Gehirn hat, in dem Augenblick, wo man mit seinem Denken in seinem seelisch-geistigen Erleben aus seinem Leibe — ich darf es sagen, weil es wörtlich richtig ist — heraussteigt, in demselben Augenblicke, wo wirklich des Menschen ewige Kräfte in der Seele geschaut werden, in diesem Augenblicke fühlt man sich als Geistesforscher so, wie wenn man, ich möchte sagen in der Pflanze deren Wachsen erleben könnte.
[ 25 ] Nehmen wir an, die Pflanze könnte erleben, sie könnte erleben all ihre eigene Eigenschaftlichkeit, all ihre eigene Wesenheit, wie sie sich entfaltet von Blatt zu Blatt, zur Blüte, zur farbenprächtigen Blüte hin, und dann müsste sie, indem sie sich zur farbenprächtigen Blüte hin entwickelt hat, mit ihrem ganzen Sein eintauchen in die Kräfte, die den Samen bilden, der nun gar nicht bestimmt ist für dieses Leben der Pflanze in der Gegenwart, sondern der dieses Leben der Pflanze aus der Gegenwart hinübertragen soll in die Pflanze, die sich dann in der Zukunft aus dieser Pflanze entwickelt; die Pflanze würde erleben, indem sie alle ihre Erlebekräfte in diesen Keim hineinkonzentriert, wie wenn sie im Zusammennehmen dieser Kräfte gerade das entwickelte, was wie ein Töten, wie ein Absterben der äußeren, in den Blättern, in den farbenprächtigen Blüten entwickelten Wesenheit ist. Sie würde erleben, wie wenn sie dasjenige, was sie war, selber absterben machen müsste, damit sie weiterleben kann durch den Keim. So muss die Menschenseele erleben, wenn sie dasjenige wirklich durchmacht, was mit einigen Kohlestrichen eben vor Sie hingezeichnet ist.
[ 25 ] Nehmen wir an, die Pflanze könnte erleben, sie könnte erleben all ihre eigene Eigenschaftlichkeit, all ihre eigene Wesenheit, wie sie sich entfaltet von Blatt zu Blatt, zur Blüte, zur farbenprächtigen Blüte hin, und dann müsste sie, indem sie sich zur farbenprächtigen Blüte hin entwickelt hat, mit ihrem ganzen Sein eintauchen in die Kräfte, die den Samen bilden, der nun gar nicht bestimmt ist für dieses Leben der Pflanze in der Gegenwart, sondern der dieses Leben der Pflanze aus der Gegenwart hinübertragen soll in die Pflanze, die sich dann in der Zukunft aus dieser Pflanze entwickelt; die Pflanze würde erleben, indem sie alle ihre Erlebekräfte in diesen Keim hineinkonzentriert, wie wenn sie im Zusammennehmen dieser Kräfte gerade das entwickelte, was wie ein Töten, wie ein Absterben der äußeren, in den Blättern, in den farbenprächtigen Blüten entwickelten Wesenheit ist. Sie würde erleben, wie wenn sie dasjenige, was sie war, selber absterben machen müsste, damit sie weiterleben kann durch den Keim. So muss die Menschenseele erleben, wenn sie dasjenige wirklich durchmacht, was mit einigen Kohlestrichen eben vor Sie hingezeichnet ist.
[ 26 ] Sehr verehrte Anwesende, da erlebt der Geistesforscher, wie er immer mehr und mehr eingeht nur in dasjenige, was seine Seele verbindet mit dem, was er in seinen Gedanken hereingenommen hat. Aber das erscheint ihm jetzt in seinem seelischen Leben nicht so, wie wenn er etwa nur Neues erleben würde, sondern so, wie wenn er jetzt in den Kräften leben würde, die durch ihre innere Eigentümlichkeit tötende Kräfte für das äußere Leben wären, die zusammenhingen mit all dem, was das äußere Leben absterben macht, was das äußere Leben von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde lähmt. Und so ist es, wie wenn man darin gestanden hätte im Leben, alle Freude, alle Lust im Leben, alle berechtigte Freude, alle berechtigte Lust im Leben empfunden hätte, alle Tatkraft im Leben gerne angewendet hätte, und jetzt, um zu erkennen, herausmuss aus diesem Leben, aber gerade zu denjenigen Kräften sich hinwenden muss, welche dieses Leben fortwährend bekämpfen. Man möchte sagen, aus der Geselligkeit des Lebens, aus dem geselligen Zusammensein mit der Natur, ihrer Schönheit und Erhabenheit, muss man eintreten in die Einsamkeit, wo man so recht nur bei sich selber ist, wo man den Blick nur wenden kann auf dasjenige, was die eigensten, innersten Kräfte sind.
[ 26 ] Sehr verehrte Anwesende, da erlebt der Geistesforscher, wie er immer mehr und mehr eingeht nur in dasjenige, was seine Seele verbindet mit dem, was er in seinen Gedanken hereingenommen hat. Aber das erscheint ihm jetzt in seinem seelischen Leben nicht so, wie wenn er etwa nur Neues erleben würde, sondern so, wie wenn er jetzt in den Kräften leben würde, die durch ihre innere Eigentümlichkeit tötende Kräfte für das äußere Leben wären, die zusammenhingen mit all dem, was das äußere Leben absterben macht, was das äußere Leben von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde lähmt. Und so ist es, wie wenn man darin gestanden hätte im Leben, alle Freude, alle Lust im Leben, alle berechtigte Freude, alle berechtigte Lust im Leben empfunden hätte, alle Tatkraft im Leben gerne angewendet hätte, und jetzt, um zu erkennen, herausmuss aus diesem Leben, aber gerade zu denjenigen Kräften sich hinwenden muss, welche dieses Leben fortwährend bekämpfen. Man möchte sagen, aus der Geselligkeit des Lebens, aus dem geselligen Zusammensein mit der Natur, ihrer Schönheit und Erhabenheit, muss man eintreten in die Einsamkeit, wo man so recht nur bei sich selber ist, wo man den Blick nur wenden kann auf dasjenige, was die eigensten, innersten Kräfte sind.
[ 27 ] Nun könnte es scheinen, sehr verehrte Anwesende, als wenn dieser ganze Vorgang der Geistesforschung etwas höchst Ungesundes wäre. Aber bedenken müssen wir, dass er ein Erkenntnisvorgang ist. So wenig als irgendetwas in diesem Saale in Bezug auf sein äußeres Aussehen dadurch verändert wird, dass meine Augen auf diesen Saal gerichtet sind, dass meine Gedanken diesen Saal sich vorstellen, so wenig diese Erkenntnis irgendetwas ändert an diesem Saal, so wenig ändert der Vorgang, den ich eben beschrieben habe, irgendetwas an dem inneren Seelenleben des Menschen. Alles dasjenige, was der Geistesforscher also erlebt, ist Erkenntnis, all das, was er dann durch seine Erkenntnis schaut, ist unten, nur für das äußere Leben unbemerkt, auf dem Grunde eines jeden Seelenlebens. Der Geistesforscher überzeugt sich nur durch das Anschauen, was wirklich in jeder Seele lebt. In jeder Seele leben die Kräfte, die unablässig, von Stunde zu Stunde, von Minute zu Minute, von Sekunde zu Sekunde, am Leben zehren, wie der Pflanzenkeim an der gegenwärtigen Pflanze zehrt.
[ 27 ] Nun könnte es scheinen, sehr verehrte Anwesende, als wenn dieser ganze Vorgang der Geistesforschung etwas höchst Ungesundes wäre. Aber bedenken müssen wir, dass er ein Erkenntnisvorgang ist. So wenig als irgendetwas in diesem Saale in Bezug auf sein äußeres Aussehen dadurch verändert wird, dass meine Augen auf diesen Saal gerichtet sind, dass meine Gedanken diesen Saal sich vorstellen, so wenig diese Erkenntnis irgendetwas ändert an diesem Saal, so wenig ändert der Vorgang, den ich eben beschrieben habe, irgendetwas an dem inneren Seelenleben des Menschen. Alles dasjenige, was der Geistesforscher also erlebt, ist Erkenntnis, all das, was er dann durch seine Erkenntnis schaut, ist unten, nur für das äußere Leben unbemerkt, auf dem Grunde eines jeden Seelenlebens. Der Geistesforscher überzeugt sich nur durch das Anschauen, was wirklich in jeder Seele lebt. In jeder Seele leben die Kräfte, die unablässig, von Stunde zu Stunde, von Minute zu Minute, von Sekunde zu Sekunde, am Leben zehren, wie der Pflanzenkeim an der gegenwärtigen Pflanze zehrt.
[ 28 ] Nur in diesem Anschauen, sehr verehrte Anwesende, in dieser Vertiefung in des Lebens zerstörende Mächte, lebt man sich ein in die Erkenntnis, wie immerfort überwunden wird dasjenige, was der Tod ist. Denn wie man sieht, dass das Leben unterhalten wird dadurch, dass unablässig von der Geburt bis zum physischen Tode die Kräfte tätig sind, die also der Geistesforscher erlebt, also überzeugt man sich eben durch die Geistesforschung, dass dieselben Kräfte auch den Tod, der wie ein Tor das physische Leben abschließt, überwinden und den Menschen einführen in die Welt des Geistigen. Nicht so begreift die Geisteswissenschaft den Tod, wie man ihn erkennen will heraus aus der Furcht vor dem Tode, heraus aus der Erwartung eines anderen Lebens, sondern so erkennt ihn die Geisteswissenschaft, dass sie die geistigen Erkenntniskräfte der Seele bis zur Anschauung des Todes führt und dann sieht, wie das ganze Leben hindurch der Tod am Menschen arbeitet, damit, wenn er dann seine Summe zieht, er durch dieselben Kräfte überwunden werden kann, die also immer auf dem Untergrunde unserer Seelen sind.
[ 28 ] Nur in diesem Anschauen, sehr verehrte Anwesende, in dieser Vertiefung in des Lebens zerstörende Mächte, lebt man sich ein in die Erkenntnis, wie immerfort überwunden wird dasjenige, was der Tod ist. Denn wie man sieht, dass das Leben unterhalten wird dadurch, dass unablässig von der Geburt bis zum physischen Tode die Kräfte tätig sind, die also der Geistesforscher erlebt, also überzeugt man sich eben durch die Geistesforschung, dass dieselben Kräfte auch den Tod, der wie ein Tor das physische Leben abschließt, überwinden und den Menschen einführen in die Welt des Geistigen. Nicht so begreift die Geisteswissenschaft den Tod, wie man ihn erkennen will heraus aus der Furcht vor dem Tode, heraus aus der Erwartung eines anderen Lebens, sondern so erkennt ihn die Geisteswissenschaft, dass sie die geistigen Erkenntniskräfte der Seele bis zur Anschauung des Todes führt und dann sieht, wie das ganze Leben hindurch der Tod am Menschen arbeitet, damit, wenn er dann seine Summe zieht, er durch dieselben Kräfte überwunden werden kann, die also immer auf dem Untergrunde unserer Seelen sind.
[ 29 ] Noch eine andere Schwierigkeit stellt sich ein, verehrte Anwesende, für denjenigen, der also die geistige Welt, ich möchte immer wieder sagen in einem inneren Seelenlaboratorium erforscht. Diese andere Schwierigkeit ist diese, dass, wenn das Denken, wenn das Vorstellen sich also losgelöst hat von dem Körperlichen, wenn der Mensch nunmehr weiß: Du lebst jetzt in dem Geistig-Seelischen so, dass du nicht in deinem Körper bist, dass du dich rein im Gewebe des Geistig-Seelischen selber bewegst, wenn der Mensch bis zu diesem Grade sich entwickelt hat in seinem inneren geistigen Laboratorium, dann lebt er in seelischen Kräften, welche am wenigsten, am denkbar wenigsten verwandt sind demjenigen, was wir unsere Gedächtniskräfte nennen. Und wenn wir bedenken, was alles an unseren Gedächtniskräften hängt, wie unser ganzes Leben im Alltag nicht bestehen könnte, wenn wir uns im nächsten Moment nicht erinnerten, was wir im vorhergehenden erlebt haben, wenn wir in unserem ganzen Leben uns nicht erinnern würden an dasjenige, was in unser Leben Zusammenhang bringt, wenn wir bedenken, was Gedächtnis, was Erinnern bedeutet, dann werden wir verstehen können, wie anders auf die Seele jene Kräfte wirken, die geradezu vor der Kraft des Gedächtnisses stehen bleiben müssen, die in nichts appellieren an die gewöhnliche Kraft des Gedächtnisses im alltäglichen Leben.
[ 29 ] Noch eine andere Schwierigkeit stellt sich ein, verehrte Anwesende, für denjenigen, der also die geistige Welt, ich möchte immer wieder sagen in einem inneren Seelenlaboratorium erforscht. Diese andere Schwierigkeit ist diese, dass, wenn das Denken, wenn das Vorstellen sich also losgelöst hat von dem Körperlichen, wenn der Mensch nunmehr weiß: Du lebst jetzt in dem Geistig-Seelischen so, dass du nicht in deinem Körper bist, dass du dich rein im Gewebe des Geistig-Seelischen selber bewegst, wenn der Mensch bis zu diesem Grade sich entwickelt hat in seinem inneren geistigen Laboratorium, dann lebt er in seelischen Kräften, welche am wenigsten, am denkbar wenigsten verwandt sind demjenigen, was wir unsere Gedächtniskräfte nennen. Und wenn wir bedenken, was alles an unseren Gedächtniskräften hängt, wie unser ganzes Leben im Alltag nicht bestehen könnte, wenn wir uns im nächsten Moment nicht erinnerten, was wir im vorhergehenden erlebt haben, wenn wir in unserem ganzen Leben uns nicht erinnern würden an dasjenige, was in unser Leben Zusammenhang bringt, wenn wir bedenken, was Gedächtnis, was Erinnern bedeutet, dann werden wir verstehen können, wie anders auf die Seele jene Kräfte wirken, die geradezu vor der Kraft des Gedächtnisses stehen bleiben müssen, die in nichts appellieren an die gewöhnliche Kraft des Gedächtnisses im alltäglichen Leben.
[ 30 ] So ist es, dass zunächst, wenn der Geistesforscher bis zu demjenigen Punkte gelangt, wo er wirklich in seinem geistig-seelischen Leben frei wird vom leiblichen Leben, dass sein Vorstellen dahinhuscht wie ein Traum, an den man sich nicht mehr erinnern kann, und erst wenn man immer wieder in Geduld die Übungen fortsetzt, von denen gesprochen worden ist, die Übungen in Meditation und Konzentration, dann entwickelt sich an der Stelle des gewöhnlichen Gedächtnisses, das dabei nicht mitwirkend sein darf, eine andere Kraft, die wir nennen könnten eine «innere Gewohnheitskraft». Wir werden imstande, immer wieder das zu vollziehen gewohnheitsmäßig, was wir uns also als inneres Erleben angeeignet haben. Wir verrichten gleichsam die innere Geste immer wieder von Neuem. Geisteswissenschaft kann nicht arbeiten aufgrund des Gedächtnisses, sondern sie geht hinaus über diese gewöhnliche Grundkraft des Lebens, über das Gedächtnis, und prägt dem Geistig-Seelischen, das frei geworden ist vom Leiblichen, solche Gewohnheiten ein, dass man immer wieder aufs Neue die inneren Verrichtungen vollziehen kann, die vollzogen werden müssen, damit man sich mit seinem freien Geistig-Seelischen in der geistigen Welt darinstehen fühlt.
[ 30 ] So ist es, dass zunächst, wenn der Geistesforscher bis zu demjenigen Punkte gelangt, wo er wirklich in seinem geistig-seelischen Leben frei wird vom leiblichen Leben, dass sein Vorstellen dahinhuscht wie ein Traum, an den man sich nicht mehr erinnern kann, und erst wenn man immer wieder in Geduld die Übungen fortsetzt, von denen gesprochen worden ist, die Übungen in Meditation und Konzentration, dann entwickelt sich an der Stelle des gewöhnlichen Gedächtnisses, das dabei nicht mitwirkend sein darf, eine andere Kraft, die wir nennen könnten eine «innere Gewohnheitskraft». Wir werden imstande, immer wieder das zu vollziehen gewohnheitsmäßig, was wir uns also als inneres Erleben angeeignet haben. Wir verrichten gleichsam die innere Geste immer wieder von Neuem. Geisteswissenschaft kann nicht arbeiten aufgrund des Gedächtnisses, sondern sie geht hinaus über diese gewöhnliche Grundkraft des Lebens, über das Gedächtnis, und prägt dem Geistig-Seelischen, das frei geworden ist vom Leiblichen, solche Gewohnheiten ein, dass man immer wieder aufs Neue die inneren Verrichtungen vollziehen kann, die vollzogen werden müssen, damit man sich mit seinem freien Geistig-Seelischen in der geistigen Welt darinstehen fühlt.
[ 31 ] Wenn ich, sehr verehrte Anwesende — es ist nur, um etwas deutlicher zu machen —, dabei etwas Persönliches berühren darf, so sei es dieses: Wenn man von Dingen redet, die durch die äußeren Sinne erfahren werden, dann ist es so, dass man, wenn man, ich will sagen zum Beispiel einen Vortrag einmal gehalten hat, sich erinnert, wie man ihn gehalten hat, sodass, wenn man ihn zum zwölften, zum dreißigsten Male hält, man ihn ganz auf andere Weise aus seinem Innern vorbringt als das erste, zweite, dritte Mal, wo man ihn noch nicht ganz seinem Gedächtnis eingeprägt hat. Das ist, wenn man in aller Aufrichtigkeit über Dinge der Geisteswissenschaft spricht, nicht der Fall, sondern da muss jedes Mal wieder aufs Neue durch die der Seele angewöhnten inneren Gesten das heraufgeholt werden, was Inhalt der Geisteswissenschaft ist, da ist es ganz einerlei, ob man über etwas zum ersten Mal oder zum hundertsten Mal spricht, weil einem das Gedächtnis im Grunde genommen eher störend ist, als dass es einem helfen könnte. Man kann selbstverständlich dasjenige, was man gesprochen hat über den Inhalt der Geisteswissenschaft, auch aus dem Gedächtnis immer erzählen, aber der, der auf dem Boden echter Geisteswissenschaft ehrlich und aufrichtig steht, fühlt eine innere Verpflichtung dafür, in immer erneuerter Lebendigkeit darzustellen dasjenige, was er selbst erlebt. Daher muss er es immer wieder aufs Neue erleben, denn er stellt es nicht gedächtnismäßig vor, nicht durch ein Wissen, sondern durch ein Können, das er sich erworben hat.
[ 31 ] Wenn ich, sehr verehrte Anwesende — es ist nur, um etwas deutlicher zu machen —, dabei etwas Persönliches berühren darf, so sei es dieses: Wenn man von Dingen redet, die durch die äußeren Sinne erfahren werden, dann ist es so, dass man, wenn man, ich will sagen zum Beispiel einen Vortrag einmal gehalten hat, sich erinnert, wie man ihn gehalten hat, sodass, wenn man ihn zum zwölften, zum dreißigsten Male hält, man ihn ganz auf andere Weise aus seinem Innern vorbringt als das erste, zweite, dritte Mal, wo man ihn noch nicht ganz seinem Gedächtnis eingeprägt hat. Das ist, wenn man in aller Aufrichtigkeit über Dinge der Geisteswissenschaft spricht, nicht der Fall, sondern da muss jedes Mal wieder aufs Neue durch die der Seele angewöhnten inneren Gesten das heraufgeholt werden, was Inhalt der Geisteswissenschaft ist, da ist es ganz einerlei, ob man über etwas zum ersten Mal oder zum hundertsten Mal spricht, weil einem das Gedächtnis im Grunde genommen eher störend ist, als dass es einem helfen könnte. Man kann selbstverständlich dasjenige, was man gesprochen hat über den Inhalt der Geisteswissenschaft, auch aus dem Gedächtnis immer erzählen, aber der, der auf dem Boden echter Geisteswissenschaft ehrlich und aufrichtig steht, fühlt eine innere Verpflichtung dafür, in immer erneuerter Lebendigkeit darzustellen dasjenige, was er selbst erlebt. Daher muss er es immer wieder aufs Neue erleben, denn er stellt es nicht gedächtnismäßig vor, nicht durch ein Wissen, sondern durch ein Können, das er sich erworben hat.
[ 32 ] Aber noch in einer anderen Weise wird unser ganzes inneres Seelenleben verändert. Wenn wir in der geschilderten Weise intim seelisch vorgehen, immer wieder und wieder solche innere, wir können jetzt sagen rein vorstellungsmäßige Willenshandlungen vornehmen, durch die wir einfache Denkinhalte in den Mittelpunkt unseres Bewusstseins stellen und ganz in sie aufgehen, dann erleben wir ja auch durch unseren Willen etwas. Aber dieses Willensleben ist ein anderes als dasjenige, das den äußeren Handlungen zugrunde liegt. Was den äußeren Handlungen zugrunde liegt, entwickelt ein Willensleben, in dem der Wille halt schläft. Denn in der Tat, wie der Mensch eingreift mit seinen Gedanken in seinen Willen — das ist ja eine alte Rätselfrage der Philosophie, auf sie soll hier weiter nicht eingegangen werden —, der Zusammenhang zwischen dem Gedanken und der äußeren Handlung, er ist in den tiefen Untergründen des Seelenlebens. Aber gerade in diese tiefen Untergründe des Seelenlebens muss hinabsteigen die Geisteswissenschaft, wenn sie zu übersinnlicher Erkenntnis aufsteigen will. Und indem man immer wieder wiederholt, immer wieder innerlich lebendig macht dasjenige, was Gegenstand der Meditation und Konzentration im Denken ist, indem man so aus innerem Willen, aus starken inneren Seelenkräften heraus immer wieder — auf die Wiederholung kommt es an — dabei vollzieht, was man einmal vollzogen hat, treten andere Verrichtungen des Organismus, als es die des äußeren Handelns sind, in der Seele auf. Es treten in der Seele solche Verrichtungen auf, die sich nicht so vollziehen wie äußere Handlungen, wo wir immer mit unseren Gedanken eingreifen müssen, sondern solche, die sich mit Regelmäßigkeit, ich möchte sagen innerlich automatisch wiederholen.
[ 32 ] Aber noch in einer anderen Weise wird unser ganzes inneres Seelenleben verändert. Wenn wir in der geschilderten Weise intim seelisch vorgehen, immer wieder und wieder solche innere, wir können jetzt sagen rein vorstellungsmäßige Willenshandlungen vornehmen, durch die wir einfache Denkinhalte in den Mittelpunkt unseres Bewusstseins stellen und ganz in sie aufgehen, dann erleben wir ja auch durch unseren Willen etwas. Aber dieses Willensleben ist ein anderes als dasjenige, das den äußeren Handlungen zugrunde liegt. Was den äußeren Handlungen zugrunde liegt, entwickelt ein Willensleben, in dem der Wille halt schläft. Denn in der Tat, wie der Mensch eingreift mit seinen Gedanken in seinen Willen — das ist ja eine alte Rätselfrage der Philosophie, auf sie soll hier weiter nicht eingegangen werden —, der Zusammenhang zwischen dem Gedanken und der äußeren Handlung, er ist in den tiefen Untergründen des Seelenlebens. Aber gerade in diese tiefen Untergründe des Seelenlebens muss hinabsteigen die Geisteswissenschaft, wenn sie zu übersinnlicher Erkenntnis aufsteigen will. Und indem man immer wieder wiederholt, immer wieder innerlich lebendig macht dasjenige, was Gegenstand der Meditation und Konzentration im Denken ist, indem man so aus innerem Willen, aus starken inneren Seelenkräften heraus immer wieder — auf die Wiederholung kommt es an — dabei vollzieht, was man einmal vollzogen hat, treten andere Verrichtungen des Organismus, als es die des äußeren Handelns sind, in der Seele auf. Es treten in der Seele solche Verrichtungen auf, die sich nicht so vollziehen wie äußere Handlungen, wo wir immer mit unseren Gedanken eingreifen müssen, sondern solche, die sich mit Regelmäßigkeit, ich möchte sagen innerlich automatisch wiederholen.
[ 33 ] Das ist oftmals das Störende für diejenigen, die mit geisteswissenschaftlichen Methoden sich abgeben, dass, indem sie üben und immer wieder ihre Seele fixieren auf diesen oder jenen Gedanken — aber sie müssen es eben wiederholt tun, geduldig, energisch, ausdauernd —, das ist oft das Störende, dass wie mechanisch das ganze innere Handeln wird, so, wie das Atmen für den Leib wird, wo wir uns auch nicht bewusst sind, wie der Impuls des Atmens eingreift. Während wir auf der einen Seite uns hinaufheben in den höchsten geistigen Wachzustand des Bewusstseins, des Gedankens selbst, der uns zu dem, was hinter dem Gedanken steht, führt, zu dem innerlichen Erleben der Denkkraft, werden gerade die Verrichtungen, die wir in immerwährender Wiederholung vollziehen, wie zu etwas Mechanischem, sodass wir allmählich verspüren lernen, wie etwas in diesem losgelösten Seelenleben sich vollzieht, das ihm so eigentümlich ist, in rhythmischer Folge eigentümlich ist, wie dem Leib das Atmen in rhythmischer Folge eigentümlich ist. Wir erleben unsere Leiblichkeit als außer uns, und wir erleben unsere Seele herausgehoben aus dem Leiblichen, so aber, dass sie wie im inneren Handeln ist, mit diesem inneren Handeln aber nun dem Leibe gegenübersteht.
[ 33 ] Das ist oftmals das Störende für diejenigen, die mit geisteswissenschaftlichen Methoden sich abgeben, dass, indem sie üben und immer wieder ihre Seele fixieren auf diesen oder jenen Gedanken — aber sie müssen es eben wiederholt tun, geduldig, energisch, ausdauernd —, das ist oft das Störende, dass wie mechanisch das ganze innere Handeln wird, so, wie das Atmen für den Leib wird, wo wir uns auch nicht bewusst sind, wie der Impuls des Atmens eingreift. Während wir auf der einen Seite uns hinaufheben in den höchsten geistigen Wachzustand des Bewusstseins, des Gedankens selbst, der uns zu dem, was hinter dem Gedanken steht, führt, zu dem innerlichen Erleben der Denkkraft, werden gerade die Verrichtungen, die wir in immerwährender Wiederholung vollziehen, wie zu etwas Mechanischem, sodass wir allmählich verspüren lernen, wie etwas in diesem losgelösten Seelenleben sich vollzieht, das ihm so eigentümlich ist, in rhythmischer Folge eigentümlich ist, wie dem Leib das Atmen in rhythmischer Folge eigentümlich ist. Wir erleben unsere Leiblichkeit als außer uns, und wir erleben unsere Seele herausgehoben aus dem Leiblichen, so aber, dass sie wie im inneren Handeln ist, mit diesem inneren Handeln aber nun dem Leibe gegenübersteht.
[ 34 ] Dies ist wiederum verknüpft, verehrte Anwesende, mit demjenigen, was man nennen könnte: tiefste innere Seelenerschütterungen. So wie man in eine Einsamkeit, in eine alles äußere Welt-Miterleben ertötende Einsamkeit steigt, wenn man zu der einen Seite seelischer Kraftäußerungen sich begibt, durch die im Grunde genommen all unser alltägliches Leben besteht, so steigt man auf der anderen Seite hinab wie zu dem automatischen Leben, wie zu dem Leben, das sich in uns, aber ohne unser Zutun vollzieht. Wie wir auf der einen Seite ganz tätig werden, so tätig, dass wir nicht einmal durch das Gedächtnis unterstützt werden, werden wir auf der anderen Seite gewahr, wie in uns etwas ist, was durch sich selbst tätig ist, was wir nur anschauen können, dem wir nur zuschauen können. Wahrhaftig, das ist so, dass wir uns wie verzaubert, wie gebannt in einem solchen Automatismus des Lebens, der mit uns durch das Leben geht, fühlen, alle Kleinmütigkeit des Lebens fühlen, alles dasjenige, was die Schwere, das Gewicht des Lebens zeigt, all dies kann uns überkommen, und derjenige, der nicht in richtiger Methode und nicht in genügender Vorbereitung zu der Stufe der Erkenntnis kommt, von der eben gesprochen wird, der kann leicht bis zu einer vollständigen Verzweiflung an dem inneren Leben kommen, wenn er also sieht, was in ihm steckt.
[ 34 ] Dies ist wiederum verknüpft, verehrte Anwesende, mit demjenigen, was man nennen könnte: tiefste innere Seelenerschütterungen. So wie man in eine Einsamkeit, in eine alles äußere Welt-Miterleben ertötende Einsamkeit steigt, wenn man zu der einen Seite seelischer Kraftäußerungen sich begibt, durch die im Grunde genommen all unser alltägliches Leben besteht, so steigt man auf der anderen Seite hinab wie zu dem automatischen Leben, wie zu dem Leben, das sich in uns, aber ohne unser Zutun vollzieht. Wie wir auf der einen Seite ganz tätig werden, so tätig, dass wir nicht einmal durch das Gedächtnis unterstützt werden, werden wir auf der anderen Seite gewahr, wie in uns etwas ist, was durch sich selbst tätig ist, was wir nur anschauen können, dem wir nur zuschauen können. Wahrhaftig, das ist so, dass wir uns wie verzaubert, wie gebannt in einem solchen Automatismus des Lebens, der mit uns durch das Leben geht, fühlen, alle Kleinmütigkeit des Lebens fühlen, alles dasjenige, was die Schwere, das Gewicht des Lebens zeigt, all dies kann uns überkommen, und derjenige, der nicht in richtiger Methode und nicht in genügender Vorbereitung zu der Stufe der Erkenntnis kommt, von der eben gesprochen wird, der kann leicht bis zu einer vollständigen Verzweiflung an dem inneren Leben kommen, wenn er also sieht, was in ihm steckt.
[ 35 ] Denn wiederum ist es nur Erkenntnis, durch die wir gewahr werden, was in uns alles steckt, was auf dem Grunde des Lebens ein Lebensautomatismus ist, wenn man also sieht, wie man hineingestellt ist ins Leben und was durch den Menschen durchgreift wie durch ein Uhrwerk — aber nur eben in geistiger Weise, nicht mechanisch wie beim Uhrwerk —, durchgreift dasjenige, was im ganzen Universum als die kosmischen Lebenskräfte ausgebreitet ist. Da lernt man sich einfühlen in das ganze Universum als ein Stück, als ein Teil von diesem Universum, aber man fühlt sich in ihm so, wie wenn man sich selbst vollständig entfremdet wäre, zur Versteinerung, zum Petrefakt in diesem Leben geworden wäre. Dann merkt man, dass alles, was man so erlebt, nur Erkenntnis ist desjenigen, was da unten in der Seele ist. Und das ist ein immerwährender Kampf zwischen dem, was also sich versteinert in uns, wie zur Automatik strebt, und auf der anderen Seite wie in die geistige Einsamkeit zu immerwährender Tätigkeit steigt, ein innerer Krieg, ein inneres Kampfesleben, das uns entzogen wird im Anblick der Alltäglichkeit. Das Geschilderte ist auf dem Grunde unserer Seele. Und aus einem solchen inneren Kampfesleben, aus einem Kampf, der sich in jeder Seele vollzieht, den der Geistesforscher nur anschaut, aus einem solchen Kampfesleben holt er seine Erkenntnis heraus. Und dasjenige, was Sie nun in der Literatur der Geisteswissenschaft finden, ist herausgeholt aus den Untergründen der Seele, herausgeholt aus diesem Kampfesleben.
[ 35 ] Denn wiederum ist es nur Erkenntnis, durch die wir gewahr werden, was in uns alles steckt, was auf dem Grunde des Lebens ein Lebensautomatismus ist, wenn man also sieht, wie man hineingestellt ist ins Leben und was durch den Menschen durchgreift wie durch ein Uhrwerk — aber nur eben in geistiger Weise, nicht mechanisch wie beim Uhrwerk —, durchgreift dasjenige, was im ganzen Universum als die kosmischen Lebenskräfte ausgebreitet ist. Da lernt man sich einfühlen in das ganze Universum als ein Stück, als ein Teil von diesem Universum, aber man fühlt sich in ihm so, wie wenn man sich selbst vollständig entfremdet wäre, zur Versteinerung, zum Petrefakt in diesem Leben geworden wäre. Dann merkt man, dass alles, was man so erlebt, nur Erkenntnis ist desjenigen, was da unten in der Seele ist. Und das ist ein immerwährender Kampf zwischen dem, was also sich versteinert in uns, wie zur Automatik strebt, und auf der anderen Seite wie in die geistige Einsamkeit zu immerwährender Tätigkeit steigt, ein innerer Krieg, ein inneres Kampfesleben, das uns entzogen wird im Anblick der Alltäglichkeit. Das Geschilderte ist auf dem Grunde unserer Seele. Und aus einem solchen inneren Kampfesleben, aus einem Kampf, der sich in jeder Seele vollzieht, den der Geistesforscher nur anschaut, aus einem solchen Kampfesleben holt er seine Erkenntnis heraus. Und dasjenige, was Sie nun in der Literatur der Geisteswissenschaft finden, ist herausgeholt aus den Untergründen der Seele, herausgeholt aus diesem Kampfesleben.
[ 36 ] Gewiss, ich sage, es kann ein jeder die Anfänge der Geistesforschung durchmachen, und dadurch kann sich jeder heute überzeugen, dass das richtig ist, was die Geistesforschung darbietet. Aber dasjenige, was man durchzumachen hat, wenn man zu entscheidenden Wendepunkten in Bezug auf die geistige Erkenntnis kommt, das stammt aus kampferfüllten, aus wild bewegten, aus tragisch durchlebten inneren Erlebnissen der Seele, das stammt aus Regionen der Seele, die alles, alles aufwühlen, und man bekommt eine ehrerbietige Anschauung von dem ganzen Leben und von dem, was im ganzen Leben als dieses Leben durchwebende Weisheit waltet, wenn man gewahr wird, dass zum alltäglichen Leben der Mensch die Gnade verlichen hat, dass ihm ein Schleier gewoben ist über all dasjenige, was auf dem Grunde seiner Seele ist.
[ 36 ] Gewiss, ich sage, es kann ein jeder die Anfänge der Geistesforschung durchmachen, und dadurch kann sich jeder heute überzeugen, dass das richtig ist, was die Geistesforschung darbietet. Aber dasjenige, was man durchzumachen hat, wenn man zu entscheidenden Wendepunkten in Bezug auf die geistige Erkenntnis kommt, das stammt aus kampferfüllten, aus wild bewegten, aus tragisch durchlebten inneren Erlebnissen der Seele, das stammt aus Regionen der Seele, die alles, alles aufwühlen, und man bekommt eine ehrerbietige Anschauung von dem ganzen Leben und von dem, was im ganzen Leben als dieses Leben durchwebende Weisheit waltet, wenn man gewahr wird, dass zum alltäglichen Leben der Mensch die Gnade verlichen hat, dass ihm ein Schleier gewoben ist über all dasjenige, was auf dem Grunde seiner Seele ist.
[ 37 ] Aber die Menschheit ist in Entwicklung, verehrte Anwesende. Und die Entwicklungszeit, in der die Menschen einzig und allein leben konnten im Bewusstsein, dem durch einen Schleier entzogen ist dasjenige, was im Untergrunde des Seelischen waltet und webt, diese Zeiten nähern sich ihrem Ende, und die Zeiten gehen auf, in denen die Menschheit ihre tiefste Sehnsucht durch die natürlichen Seelenkräfte haben muss, bekannt zu werden mit dem, was da in den Untergründen des Seelischen lebt und webt. Geradeso, wie in einem bestimmten Zeitpunkt der menschlichen Entwicklung Menschen der Star gestochen werden musste in Bezug auf die Anschauung des früheren gesunden Menschenverstandes, dass die Erde stille stehe und der Sternenhimmel und die Sonne sich um sie bewege, so muss — das liegt in den Kräften der Erdenentwicklung —, der Menschheit der Star gestochen werden darüber, wie sich alles Seelenleben auf einem solchen Untergrunde auferbaut, wie er eben geschildert worden ist.
[ 37 ] Aber die Menschheit ist in Entwicklung, verehrte Anwesende. Und die Entwicklungszeit, in der die Menschen einzig und allein leben konnten im Bewusstsein, dem durch einen Schleier entzogen ist dasjenige, was im Untergrunde des Seelischen waltet und webt, diese Zeiten nähern sich ihrem Ende, und die Zeiten gehen auf, in denen die Menschheit ihre tiefste Sehnsucht durch die natürlichen Seelenkräfte haben muss, bekannt zu werden mit dem, was da in den Untergründen des Seelischen lebt und webt. Geradeso, wie in einem bestimmten Zeitpunkt der menschlichen Entwicklung Menschen der Star gestochen werden musste in Bezug auf die Anschauung des früheren gesunden Menschenverstandes, dass die Erde stille stehe und der Sternenhimmel und die Sonne sich um sie bewege, so muss — das liegt in den Kräften der Erdenentwicklung —, der Menschheit der Star gestochen werden darüber, wie sich alles Seelenleben auf einem solchen Untergrunde auferbaut, wie er eben geschildert worden ist.
[ 38 ] Die Menschheit will erkennen, dass dasjenige, was wir durch das Leben tragen an Lebenssorgen, an Lebensüberwindungen, an Lebenslust und -leid, an Lebenskraft, an Lebensenttäuschungen und was wir an unseren Mitmenschen bewundern an Lebenstaten, dass das alles errungen wird durch einen Sieg, der sich vollzieht auf dem Untergrunde des unterbewussten seelischen Erlebens. Wie wir leben dadurch, dass Kräfte walten hinter der Sinnenwelt, die im lebendigsten Kampfe das zu erringen haben, worüber wir uns freuen, womit wir unser Leben vollbringen, das wird in der Zukunft dem Menschen stärkende Seelenkraft geben, wenn er wissen wird, wie durch unbekannte Mächte hinter der Sinneswelt erkämpft werden muss dasjenige, was sein Lebensgut, auch was sein Lebensleid, was seine Lebensüberwindung ist, sodass wir daran, als in dem Bewusstsein, was das Leben wirklich ist, die stärkste Lebenssicherheit haben. Das wird dem Menschen die lebendige Empfindung seines Zusammenhanges geben mit den geistigen Mächten, die hinter der Sinneswelt stehen.
[ 38 ] Die Menschheit will erkennen, dass dasjenige, was wir durch das Leben tragen an Lebenssorgen, an Lebensüberwindungen, an Lebenslust und -leid, an Lebenskraft, an Lebensenttäuschungen und was wir an unseren Mitmenschen bewundern an Lebenstaten, dass das alles errungen wird durch einen Sieg, der sich vollzieht auf dem Untergrunde des unterbewussten seelischen Erlebens. Wie wir leben dadurch, dass Kräfte walten hinter der Sinnenwelt, die im lebendigsten Kampfe das zu erringen haben, worüber wir uns freuen, womit wir unser Leben vollbringen, das wird in der Zukunft dem Menschen stärkende Seelenkraft geben, wenn er wissen wird, wie durch unbekannte Mächte hinter der Sinneswelt erkämpft werden muss dasjenige, was sein Lebensgut, auch was sein Lebensleid, was seine Lebensüberwindung ist, sodass wir daran, als in dem Bewusstsein, was das Leben wirklich ist, die stärkste Lebenssicherheit haben. Das wird dem Menschen die lebendige Empfindung seines Zusammenhanges geben mit den geistigen Mächten, die hinter der Sinneswelt stehen.
[ 39 ] Und wenn der Mensch also die beiden Kampfesgebiete des von der Leiblichkeit losgelösten Gedankenlebens und des von der Leiblichkeit losgelösten Willenslebens, wenn er also diese beiden Kampfesgebiete überschaut, dann tritt er ein in diejenige Erkenntnis der wiederholten Erdenleben, die heute so phantastisch — obzwar sie Lessing innerhalb des Geisteslebens der neueren Menschheit geltend gemacht hat — den Gedankengewöhnungen erscheint. Und er tritt ein in die wirklichen Zusammenhänge des menschlichen Schicksals, die uns so viele Rätselfragen aufgeben.
[ 39 ] Und wenn der Mensch also die beiden Kampfesgebiete des von der Leiblichkeit losgelösten Gedankenlebens und des von der Leiblichkeit losgelösten Willenslebens, wenn er also diese beiden Kampfesgebiete überschaut, dann tritt er ein in diejenige Erkenntnis der wiederholten Erdenleben, die heute so phantastisch — obzwar sie Lessing innerhalb des Geisteslebens der neueren Menschheit geltend gemacht hat — den Gedankengewöhnungen erscheint. Und er tritt ein in die wirklichen Zusammenhänge des menschlichen Schicksals, die uns so viele Rätselfragen aufgeben.
[ 40 ] Was ich heute noch berühren möchte, ist, dass uns, wenn wir also auf das Leben schauen, dass uns dieses Leben erscheint mit dem, was es dem Alltag äußert, wie durch Siege und Kriege unbekannter geistiger Mächte, aber zu erkennender geistiger Mächte bewirkt; und wenn wir also das Leben erkennen, erkennen wir auch die großen Zeitereignisse in einer anderen Weise als sonst.
[ 40 ] Was ich heute noch berühren möchte, ist, dass uns, wenn wir also auf das Leben schauen, dass uns dieses Leben erscheint mit dem, was es dem Alltag äußert, wie durch Siege und Kriege unbekannter geistiger Mächte, aber zu erkennender geistiger Mächte bewirkt; und wenn wir also das Leben erkennen, erkennen wir auch die großen Zeitereignisse in einer anderen Weise als sonst.
[ 41 ] Wir stehen ja, verehrte Anwesende, auch in unserer schicksalstragenden Gegenwart in schweren, aber auch in Großes verheißenden Ereignissen. Die Frage kann aufgeworfen werden: Welche Empfindungen kann dasjenige, was wir jetzt an kühnen Taten des Mutes, an kühnen Taten der Lebensüberwindung, an edlen Taten der Opferwilligkeit erleben, wie kann das gerade auf eine Seele wirken, die aufnimmt dasjenige, was Geistesforschung der Menschheit geben will? Wir leben ja nicht in einer kleinen Zeit! Seit Monaten zeigen sich uns die Ereignisse in unserer Umgebung so, wie sie sich, man darf wohl sagen in solcher Größe, in solcher Bedeutung der Menschheit überhaupt seit ihrem bewussten geschichtlichen Erleben nicht gezeigt haben. Wenn man zusammenstellt, was nur an verschiedenen Völkerschaften aufseiten der Gegner der mitteleuropäischen Mächte steht, man bekommt, selbst wenn man kleinere Stammesverschiedenheiten gar nicht mitzählt, man bekommt einundzwanzig verschiedene Völker der verschiedensten Erdgebiete. Und wenn man die verschiedenen Völker, die aufseiten der mitteleuropäischen Mächte kämpfen, zählt, man bekommt, wenn man wiederum von kleinen Stammesunterschieden absieht, man bekommt vierzehn kämpfende einzelne Völkerschaften; sodass man sagen kann, über einen großen Teil der bewohnten Erde hin stehen fünfunddreißig Völkerschaften, von kleineren Stammesunterschieden abgesehen, miteinander heute im Kampfe. Und wenn man vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft sein Auge richtet auf dasjenige, was in so gewaltiger geschichtlicher Weise gerade in unsere Zeit eingreift, oh, da bietet sich einem eine ganz besondere Empfindungsnuance dieses Anblickes dar.
[ 41 ] Wir stehen ja, verehrte Anwesende, auch in unserer schicksalstragenden Gegenwart in schweren, aber auch in Großes verheißenden Ereignissen. Die Frage kann aufgeworfen werden: Welche Empfindungen kann dasjenige, was wir jetzt an kühnen Taten des Mutes, an kühnen Taten der Lebensüberwindung, an edlen Taten der Opferwilligkeit erleben, wie kann das gerade auf eine Seele wirken, die aufnimmt dasjenige, was Geistesforschung der Menschheit geben will? Wir leben ja nicht in einer kleinen Zeit! Seit Monaten zeigen sich uns die Ereignisse in unserer Umgebung so, wie sie sich, man darf wohl sagen in solcher Größe, in solcher Bedeutung der Menschheit überhaupt seit ihrem bewussten geschichtlichen Erleben nicht gezeigt haben. Wenn man zusammenstellt, was nur an verschiedenen Völkerschaften aufseiten der Gegner der mitteleuropäischen Mächte steht, man bekommt, selbst wenn man kleinere Stammesverschiedenheiten gar nicht mitzählt, man bekommt einundzwanzig verschiedene Völker der verschiedensten Erdgebiete. Und wenn man die verschiedenen Völker, die aufseiten der mitteleuropäischen Mächte kämpfen, zählt, man bekommt, wenn man wiederum von kleinen Stammesunterschieden absieht, man bekommt vierzehn kämpfende einzelne Völkerschaften; sodass man sagen kann, über einen großen Teil der bewohnten Erde hin stehen fünfunddreißig Völkerschaften, von kleineren Stammesunterschieden abgesehen, miteinander heute im Kampfe. Und wenn man vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft sein Auge richtet auf dasjenige, was in so gewaltiger geschichtlicher Weise gerade in unsere Zeit eingreift, oh, da bietet sich einem eine ganz besondere Empfindungsnuance dieses Anblickes dar.
[ 42 ] Was bedeutet es denn eigentlich, dass Geisteswissenschaft im Grunde genommen nur eine Fortsetzung der Naturwissenschaft sein will? Ja, verehrte Anwesende, was Goethe so betont hat, dass man erst zu einer wahren Wissenschaft kommen wird, wenn man nicht mehr die Natur, dasjenige, was uns sichtbar umgibt, nach Zweckmäßigkeitsgründen anschaut, wenn man nicht mehr fragt: «Warum hat der Ochs Hörner? Damit er stoßen kann», sondern wenn man klar ist, dass der Ochs deshalb stößt, weil er Hörner hat, wenn man alles ursächlich ansieht, nicht nach Zweckmäßigkeitsgründen. Wenn das das Eigentümliche ist der äußeren Weltanschauung, wenn gerade die besten Geister gekämpft haben für diese ursächliche Weltanschauung, überall zu fragen nach den Ursachen, so steht auch Geisteswissenschaft auf dem Boden, nach den Ursachen zu fragen, aber nach den tiefer gehenden Ursachen, die sich dem Sinnenanschauen entziehen.
[ 42 ] Was bedeutet es denn eigentlich, dass Geisteswissenschaft im Grunde genommen nur eine Fortsetzung der Naturwissenschaft sein will? Ja, verehrte Anwesende, was Goethe so betont hat, dass man erst zu einer wahren Wissenschaft kommen wird, wenn man nicht mehr die Natur, dasjenige, was uns sichtbar umgibt, nach Zweckmäßigkeitsgründen anschaut, wenn man nicht mehr fragt: «Warum hat der Ochs Hörner? Damit er stoßen kann», sondern wenn man klar ist, dass der Ochs deshalb stößt, weil er Hörner hat, wenn man alles ursächlich ansieht, nicht nach Zweckmäßigkeitsgründen. Wenn das das Eigentümliche ist der äußeren Weltanschauung, wenn gerade die besten Geister gekämpft haben für diese ursächliche Weltanschauung, überall zu fragen nach den Ursachen, so steht auch Geisteswissenschaft auf dem Boden, nach den Ursachen zu fragen, aber nach den tiefer gehenden Ursachen, die sich dem Sinnenanschauen entziehen.
[ 43 ] In Bezug auf dasjenige aber, was um uns herum vorgeht, an den geschichtlichen Ereignissen muss sich gerade als ein Gegenpol für die Geisteswissenschaft etwas anderes entwickeln. Sieht man, wie also das Gewaltige sich abspielt um uns, sieht man, wie also unter den gewaltigen Ereignissen die Menschheit leidet und entwickelt die kühnsten Heldentaten, dann wird man im Anschauen desjenigen, was der menschliche Wille entfaltet, dazu geführt, gerade zu den Empfindungen — das kann man nicht beweisen, weil es beruht auf einer Umänderung des ganzen Empfindungslebens —, dann wird man durch die Empfindung dazu geführt, nunmehr in diesem Leben, in das man hineingestellt ist, anzuschauen alles daraufhin, wie nicht die Ursachen walten, sondern was sich als Ziele, als Wirkungen ergeben muss aus dem, was in heißem Ringen erkämpft wird, was durch große Opfer errungen wird. Wie im Leben, das wir betrachten, wir überall auf die Ursachen zu sehen haben, so haben wir in dem, was wir also erleben, wie wir das heutige Erleben vor uns haben, überall auf die Wirkungen zu sehen. Und diese Wirkungen, oh, diese Wirkungen, sie werden für uns vor allen Dingen dadurch bedeutungsvoll, dass wir uns vom geisteswissenschaftlichen Standpunkte aus in die Lage versetzen können, wie dasjenige, was man mitteleuropäisches Geistesleben nennt, wirklich eine Ganzheit bildet.
[ 43 ] In Bezug auf dasjenige aber, was um uns herum vorgeht, an den geschichtlichen Ereignissen muss sich gerade als ein Gegenpol für die Geisteswissenschaft etwas anderes entwickeln. Sieht man, wie also das Gewaltige sich abspielt um uns, sieht man, wie also unter den gewaltigen Ereignissen die Menschheit leidet und entwickelt die kühnsten Heldentaten, dann wird man im Anschauen desjenigen, was der menschliche Wille entfaltet, dazu geführt, gerade zu den Empfindungen — das kann man nicht beweisen, weil es beruht auf einer Umänderung des ganzen Empfindungslebens —, dann wird man durch die Empfindung dazu geführt, nunmehr in diesem Leben, in das man hineingestellt ist, anzuschauen alles daraufhin, wie nicht die Ursachen walten, sondern was sich als Ziele, als Wirkungen ergeben muss aus dem, was in heißem Ringen erkämpft wird, was durch große Opfer errungen wird. Wie im Leben, das wir betrachten, wir überall auf die Ursachen zu sehen haben, so haben wir in dem, was wir also erleben, wie wir das heutige Erleben vor uns haben, überall auf die Wirkungen zu sehen. Und diese Wirkungen, oh, diese Wirkungen, sie werden für uns vor allen Dingen dadurch bedeutungsvoll, dass wir uns vom geisteswissenschaftlichen Standpunkte aus in die Lage versetzen können, wie dasjenige, was man mitteleuropäisches Geistesleben nennt, wirklich eine Ganzheit bildet.
[ 44 ] Oh, dieses mitteleuropäische Geistesleben, wie ist es im Grunde genommen errungen und wie unterscheidet es sich durch seine Eigentümlichkeit — ich will jetzt gar nicht Werturteile geltend machen — von jenem Geistesleben, von dem es jetzt eingekreist ist und wie in einer mächtigen Festung belagert wird! Für den, der die geistigen Zusammenhänge ergreifen kann, zeigt sich diese Eigentümlichkeit des mitteleuropäischen Geisteslebens in voller Klarheit. Da kann man sagen, an den Blüten kann man erkennen, was in den Wurzeln waltet. Und so sei nur wie zu einem Beispiel der Blick hingewendet zu einer Blüte mitteleuropäischen Geisteslebens, zu einer Blüte, die Ihnen allen wohl bekannt ist, verehrte Anwesende, die Sie alle oftmals haben durch Ihre Seele ziehen lassen, zu dem, was, wie aus allen Untergründen des mitteleuropäischen Geisteslebens eben wie eine Blüte desselben der große Geist der neueren Zeit, Goethe, geschaffen hat in seinem «Faust». Und nur auf einen Zug in diesem Faust sei hingewiesen. Da steht dieser Faust vor uns im Beginne der Fausthandlung als derjenige, der durch das Leben gegangen ist und in dem Leben alles dasjenige gelernt hat, was man durch das gewöhnliche Denken lernen kann:
[ 44 ] Oh, dieses mitteleuropäische Geistesleben, wie ist es im Grunde genommen errungen und wie unterscheidet es sich durch seine Eigentümlichkeit — ich will jetzt gar nicht Werturteile geltend machen — von jenem Geistesleben, von dem es jetzt eingekreist ist und wie in einer mächtigen Festung belagert wird! Für den, der die geistigen Zusammenhänge ergreifen kann, zeigt sich diese Eigentümlichkeit des mitteleuropäischen Geisteslebens in voller Klarheit. Da kann man sagen, an den Blüten kann man erkennen, was in den Wurzeln waltet. Und so sei nur wie zu einem Beispiel der Blick hingewendet zu einer Blüte mitteleuropäischen Geisteslebens, zu einer Blüte, die Ihnen allen wohl bekannt ist, verehrte Anwesende, die Sie alle oftmals haben durch Ihre Seele ziehen lassen, zu dem, was, wie aus allen Untergründen des mitteleuropäischen Geisteslebens eben wie eine Blüte desselben der große Geist der neueren Zeit, Goethe, geschaffen hat in seinem «Faust». Und nur auf einen Zug in diesem Faust sei hingewiesen. Da steht dieser Faust vor uns im Beginne der Fausthandlung als derjenige, der durch das Leben gegangen ist und in dem Leben alles dasjenige gelernt hat, was man durch das gewöhnliche Denken lernen kann:
Habe nun, ach! Philosophie,
Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie!
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh’ ich nun, ich armer Tor,
Und bin so klug als wie zuvor.
Habe nun, ach! Philosophie,
Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie!
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh’ ich nun, ich armer Tor,
Und bin so klug als wie zuvor.
[ 45 ] Das hat Goethe im Streben und in heißer Sehnsucht seiner Jugend in den Siebzigerjahren des achtzehnten Jahrhunderts hingeschrieben. So wirkte auf sein mitteleuropäisches Gemüt dasjenige, was dazumal im äußeren Denken, im äußeren Forschen von den Menschen erreicht werden konnte. Nun sehen wir in diesem mitteleuropäischen Geistesleben vorüberziehen, nachdem Goethe diese heute ja fast schon trivial gewordene — aber wenn man sie in ihrer elementaren Ursprünglichkeit auf die Seele wirken lässt —, tief ergreifenden Faust-Szene geschrieben hat, seit Goethe dies geschrieben, das in seiner Seele durchgemacht hat, haben innerhalb des mitteleuropäischen Geisteslebens Geister gewirkt, welche in kühnem Denkermut, in kühnem philosophischen Forschermut versucht haben, wirklich faustisch zu den Quellen des Lebens zu dringen.
[ 45 ] Das hat Goethe im Streben und in heißer Sehnsucht seiner Jugend in den Siebzigerjahren des achtzehnten Jahrhunderts hingeschrieben. So wirkte auf sein mitteleuropäisches Gemüt dasjenige, was dazumal im äußeren Denken, im äußeren Forschen von den Menschen erreicht werden konnte. Nun sehen wir in diesem mitteleuropäischen Geistesleben vorüberziehen, nachdem Goethe diese heute ja fast schon trivial gewordene — aber wenn man sie in ihrer elementaren Ursprünglichkeit auf die Seele wirken lässt —, tief ergreifenden Faust-Szene geschrieben hat, seit Goethe dies geschrieben, das in seiner Seele durchgemacht hat, haben innerhalb des mitteleuropäischen Geisteslebens Geister gewirkt, welche in kühnem Denkermut, in kühnem philosophischen Forschermut versucht haben, wirklich faustisch zu den Quellen des Lebens zu dringen.
[ 46 ] Man verkennt sie heute, die großen idealistischen Denker Mitteleuropas, einen Fichte, Schelling, Hegel und die andern. Man braucht auch gar nicht auf dasjenige, was sie inhaltlich geschaffen haben, einzugehen, man kann im strengsten Sinne sogar in vieler Beziehung Gegner sein dessen, was sie inhaltlich geschaffen haben, man braucht aber nur hinzuschauen auf den innersten, ehrlichsten, aufrichtigsten Wahrheitsdrang und Wahrheitsweg, aus dem heraus sie strebten und den sie zu gehen bereit waren, und man braucht nur hinzuschauen, wie solche Denker wirklich dieses faustische Wort wahr gemacht haben, das eigene Selbst zum Selbst der ganzen Welt zu erweitern, mitzuerleben dasjenige, was im ganzen Kosmos ist.
[ 46 ] Man verkennt sie heute, die großen idealistischen Denker Mitteleuropas, einen Fichte, Schelling, Hegel und die andern. Man braucht auch gar nicht auf dasjenige, was sie inhaltlich geschaffen haben, einzugehen, man kann im strengsten Sinne sogar in vieler Beziehung Gegner sein dessen, was sie inhaltlich geschaffen haben, man braucht aber nur hinzuschauen auf den innersten, ehrlichsten, aufrichtigsten Wahrheitsdrang und Wahrheitsweg, aus dem heraus sie strebten und den sie zu gehen bereit waren, und man braucht nur hinzuschauen, wie solche Denker wirklich dieses faustische Wort wahr gemacht haben, das eigene Selbst zum Selbst der ganzen Welt zu erweitern, mitzuerleben dasjenige, was im ganzen Kosmos ist.
[ 47 ] Wie steht doch ein Denker, der im eminentesten Sinne so ganz wurzelt in der mitteleuropäischen Kultur, wie ein Johann Gottlieb Fichte vor uns. Aus dem innersten Nerv des menschlichen Wollens und Denkens, aus dem vom Wollen getragenen Denken, aus dem vom Denken durchsetzten Wollen heraus sucht er dasjenige im Menschen zu erfassen, durch das der Mensch sich verbinden kann in seinem eigenen Selbst mit dem ewigen, göttlichen Selbst, das durch die Welt waltet und weht. Und so war bei ihm, wie er es auch forderte, eins, was er lebte und dachte und philosophisch erstrebte, so eins, dass, als er durch die Krankheit seiner Frau, die sie sich bei der Pflege der Krieger erworben hatte, dass er bei der Krankheit, die er von seiner Frau übertragen erhielt, in den letzten Stunden seines Fieberwahns, er, der mitteleuropäischste Philosoph, er noch im Fieberwahne lebte in dem unmittelbaren Leben seiner Zeit, in dem Leben, durch das Mitteleuropa dazumal sich befreien wollte von der Tyrannis Westeuropas, mit dem Übergange Blüchers über den Rhein lebte der Philosoph Fichte. Bis in seine Fieberphantasien prägte sich aus diese große gewaltige, innerlich das Leben aufrüttelnde Persönlichkeit, die dazumal ihr Volk gekräftigt und gestärkt hat durch die gewaltigen «Reden an die deutsche Nation».
[ 47 ] Wie steht doch ein Denker, der im eminentesten Sinne so ganz wurzelt in der mitteleuropäischen Kultur, wie ein Johann Gottlieb Fichte vor uns. Aus dem innersten Nerv des menschlichen Wollens und Denkens, aus dem vom Wollen getragenen Denken, aus dem vom Denken durchsetzten Wollen heraus sucht er dasjenige im Menschen zu erfassen, durch das der Mensch sich verbinden kann in seinem eigenen Selbst mit dem ewigen, göttlichen Selbst, das durch die Welt waltet und weht. Und so war bei ihm, wie er es auch forderte, eins, was er lebte und dachte und philosophisch erstrebte, so eins, dass, als er durch die Krankheit seiner Frau, die sie sich bei der Pflege der Krieger erworben hatte, dass er bei der Krankheit, die er von seiner Frau übertragen erhielt, in den letzten Stunden seines Fieberwahns, er, der mitteleuropäischste Philosoph, er noch im Fieberwahne lebte in dem unmittelbaren Leben seiner Zeit, in dem Leben, durch das Mitteleuropa dazumal sich befreien wollte von der Tyrannis Westeuropas, mit dem Übergange Blüchers über den Rhein lebte der Philosoph Fichte. Bis in seine Fieberphantasien prägte sich aus diese große gewaltige, innerlich das Leben aufrüttelnde Persönlichkeit, die dazumal ihr Volk gekräftigt und gestärkt hat durch die gewaltigen «Reden an die deutsche Nation».
[ 48 ] Wir sehen sie vorüberzichen, diese Denker. Und wir könnten von den anderen, auch wenn wir nicht mit den Inhalten ihres Denkens einverstanden sind, mit Bezug auf ihr großes, gewaltiges Streben Ähnliches sagen. Wir sehen die besten Kräfte der mitteleuropäischen Kultur in einer Blüte vorüberziehen, dieselben Kräfte, von denen wir glauben dürfen, dass sie jetzt in Ost und West auf Schlachtfeldern in ganz anderer Betätigung wirken zum Heile und Fortschritt Mitteleuropas, wir sehen sie dazumal in das geistige Licht heraufdrängen.
[ 48 ] Wir sehen sie vorüberzichen, diese Denker. Und wir könnten von den anderen, auch wenn wir nicht mit den Inhalten ihres Denkens einverstanden sind, mit Bezug auf ihr großes, gewaltiges Streben Ähnliches sagen. Wir sehen die besten Kräfte der mitteleuropäischen Kultur in einer Blüte vorüberziehen, dieselben Kräfte, von denen wir glauben dürfen, dass sie jetzt in Ost und West auf Schlachtfeldern in ganz anderer Betätigung wirken zum Heile und Fortschritt Mitteleuropas, wir sehen sie dazumal in das geistige Licht heraufdrängen.
[ 49 ] Und nun fragen wir uns, verehrte Anwesende, nehmen wir an, Goethe hätte im Jahre 1840 noch gelebt, damals noch gelebt, als hingegangen war über die mitteleuropäische Kultur die Fichte’sche Geistesgroßtat, das Schelling’sche wunderbare Kunstgebilde des Universums, Hegels großartiges logisches Universumsbild — oh diese Denker, sie haben wahrlich Philosophie in neuer Gestalt vor die Menschheit gebracht und, wenn wir bedenken, dass Fichte ein «Naturrecht» geschrieben hat, Hegel ein «Naturrecht» geschrieben hat, sie haben auch Juristerei erneuert, Schelling hat ein Journal der Medizin herausgegeben, hat sich auch in die Medizin tief vertieft, und Theologen wollten sie, im Grunde genommen alle diese Philosophen sein. Was würde aber Goethe, wenn er seinen Faust statt im Jahre 1770 im Jahre 1840 angefangen hätte, was würde er an den Anfang der Faust-Dichtung gestellt haben? Gewiss nicht würde er es an den Anfang der Faust-Dichtung gestellt haben — trotzdem diese großen, gewaltigen Denkergestalten über den geistigen Himmel Mitteleuropas gegangen sind —, trotzdem würde er gewiss nicht hingestellt haben:
[ 49 ] Und nun fragen wir uns, verehrte Anwesende, nehmen wir an, Goethe hätte im Jahre 1840 noch gelebt, damals noch gelebt, als hingegangen war über die mitteleuropäische Kultur die Fichte’sche Geistesgroßtat, das Schelling’sche wunderbare Kunstgebilde des Universums, Hegels großartiges logisches Universumsbild — oh diese Denker, sie haben wahrlich Philosophie in neuer Gestalt vor die Menschheit gebracht und, wenn wir bedenken, dass Fichte ein «Naturrecht» geschrieben hat, Hegel ein «Naturrecht» geschrieben hat, sie haben auch Juristerei erneuert, Schelling hat ein Journal der Medizin herausgegeben, hat sich auch in die Medizin tief vertieft, und Theologen wollten sie, im Grunde genommen alle diese Philosophen sein. Was würde aber Goethe, wenn er seinen Faust statt im Jahre 1770 im Jahre 1840 angefangen hätte, was würde er an den Anfang der Faust-Dichtung gestellt haben? Gewiss nicht würde er es an den Anfang der Faust-Dichtung gestellt haben — trotzdem diese großen, gewaltigen Denkergestalten über den geistigen Himmel Mitteleuropas gegangen sind —, trotzdem würde er gewiss nicht hingestellt haben:
Habe nun, Gott sei Dank,
studiert Philosophie bei Fichte, Schelling, Hegel,
Juristerei und nun auch Medizin,
da stehe ich nun hoch befriedigt, ich weiser Mann!
Habe nun, Gott sei Dank,
studiert Philosophie bei Fichte, Schelling, Hegel,
Juristerei und nun auch Medizin,
da stehe ich nun hoch befriedigt, ich weiser Mann!
[ 50 ] Nein, wiederum würde er in Jahre 1840 begonnen haben:
[ 50 ] Nein, wiederum würde er in Jahre 1840 begonnen haben:
Habemun, sch! Philosophie,
Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie!
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh’ ich nun, ich armer Tor,
Und bin so klug als wie zuvor.
Habemun, sch! Philosophie,
Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie!
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh’ ich nun, ich armer Tor,
Und bin so klug als wie zuvor.
[ 51 ] Das ist dasjenige, was mitteleuropäische Kultur auszeichnet! Diese mitteleuropäische Kultur, sie wird erst nach und nach in ihrer tiefsten Eigentümlichkeit verstanden werden von denen, die in ihr leben. Diese mitteleuropäische Kultur ist wahrhaftig der Ausdruck dessen, was auch im «Faust» steht: «Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen» — ewiges Streben. Und ist eine Etappe des Strebens errungen, so führt das Streben selbst wieder über diese Etappe hinaus. Man wird als Franzose, man wird als Italiener, man wird als Engländer geboren und man weiß, was man ist; dasjenige, was man als mitteleuropäischer Mensch ist, zu dem muss man sich selbst erziehen, dasjenige, was uns zum mitteleuropäischen Menschen macht, das müssen wir uns im heißen Seelenstreben nicht nur einmal, das müssen wir fortwährend erringen. Dadurch wird es zu einem im höchsten Sinne Individuellen, dadurch wird es zu einem solchen, an dem jeder Mensch unmittelbar mitarbeiten muss, zu einem solchen, das immer aufs Neue errungen werden muss.
[ 51 ] Das ist dasjenige, was mitteleuropäische Kultur auszeichnet! Diese mitteleuropäische Kultur, sie wird erst nach und nach in ihrer tiefsten Eigentümlichkeit verstanden werden von denen, die in ihr leben. Diese mitteleuropäische Kultur ist wahrhaftig der Ausdruck dessen, was auch im «Faust» steht: «Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen» — ewiges Streben. Und ist eine Etappe des Strebens errungen, so führt das Streben selbst wieder über diese Etappe hinaus. Man wird als Franzose, man wird als Italiener, man wird als Engländer geboren und man weiß, was man ist; dasjenige, was man als mitteleuropäischer Mensch ist, zu dem muss man sich selbst erziehen, dasjenige, was uns zum mitteleuropäischen Menschen macht, das müssen wir uns im heißen Seelenstreben nicht nur einmal, das müssen wir fortwährend erringen. Dadurch wird es zu einem im höchsten Sinne Individuellen, dadurch wird es zu einem solchen, an dem jeder Mensch unmittelbar mitarbeiten muss, zu einem solchen, das immer aufs Neue errungen werden muss.
[ 52 ] Wenn ich wiederum, nur um etwas zu verdeutlichen, an Persönliches anknüpfen darf, darf ich sagen: Ich lebte, da ich ein Österreicher bin, in meiner Kindheit, in den Sechziger- und Siebzigerjahren hier in Österreich noch in einer Zeit, als in Österreich volle Gegnerschaft vorhanden war gegen alles dasjenige, was im Deutschen Reiche draußen sich abspielte, als [es] der Österreicher noch schwer hatte, auch der österreichische Deutsche, hinauszusehen mit Befriedigung nach dem, was im Deutschen Reiche vorging. Und dann lebten wir entgegen demjenigen, was erst überwunden werden musste aus dem deutschen Individualismus heraus, damit zusammengeschmiedet werden konnte dasjenige Reich, das jetzt an Österreichs Seite gegen die Belagerer der großen mitteleuropäischen Festung kämpft.
[ 52 ] Wenn ich wiederum, nur um etwas zu verdeutlichen, an Persönliches anknüpfen darf, darf ich sagen: Ich lebte, da ich ein Österreicher bin, in meiner Kindheit, in den Sechziger- und Siebzigerjahren hier in Österreich noch in einer Zeit, als in Österreich volle Gegnerschaft vorhanden war gegen alles dasjenige, was im Deutschen Reiche draußen sich abspielte, als [es] der Österreicher noch schwer hatte, auch der österreichische Deutsche, hinauszusehen mit Befriedigung nach dem, was im Deutschen Reiche vorging. Und dann lebten wir entgegen demjenigen, was erst überwunden werden musste aus dem deutschen Individualismus heraus, damit zusammengeschmiedet werden konnte dasjenige Reich, das jetzt an Österreichs Seite gegen die Belagerer der großen mitteleuropäischen Festung kämpft.
[ 53 ] Errungen muss für die mitteleuropäische Kultur alles werden. Man möchte sagen, wenn das Wort nicht missverstanden wird: In anderen Nationalitäten, in anderen Staatsgebieten wird man hineingeboren in dasjenige, was man ist, in Mitteleuropa ist man darauf angewiesen, sich alles dasjenige zu erwerben — wiederum nach einem Goethe’sehen Worte: «Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen.» Das aber gibt eine Gesinnung, welche wie der Zauberhauch über alle mitteleuropäische Kultur geht, welche zusammenschmiedet dasjenige, was mitteleuropäische Völker ist, selbst über alle nationalen Unterschiede hin sie zusammenschmiedet, das wissentlich aufstrebt zu demjenigen, was man ist. Und das gibt auch die Gewähr, dass alles dasjenige, was in Mitteleuropa bereits erreicht worden ist, in fortgesetztem Streben immer erhöht und erhöht werden muss, dass die Gesinnung des Strebens, ich möchte sagen die faustische Stimmung fortgesetzt werden muss.
[ 53 ] Errungen muss für die mitteleuropäische Kultur alles werden. Man möchte sagen, wenn das Wort nicht missverstanden wird: In anderen Nationalitäten, in anderen Staatsgebieten wird man hineingeboren in dasjenige, was man ist, in Mitteleuropa ist man darauf angewiesen, sich alles dasjenige zu erwerben — wiederum nach einem Goethe’sehen Worte: «Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen.» Das aber gibt eine Gesinnung, welche wie der Zauberhauch über alle mitteleuropäische Kultur geht, welche zusammenschmiedet dasjenige, was mitteleuropäische Völker ist, selbst über alle nationalen Unterschiede hin sie zusammenschmiedet, das wissentlich aufstrebt zu demjenigen, was man ist. Und das gibt auch die Gewähr, dass alles dasjenige, was in Mitteleuropa bereits erreicht worden ist, in fortgesetztem Streben immer erhöht und erhöht werden muss, dass die Gesinnung des Strebens, ich möchte sagen die faustische Stimmung fortgesetzt werden muss.
[ 54 ] Wie der Faust im Jahre 1840 dasselbe gesagt hätte im Ausgangspunkte seines Strebens wie 1770, trotzdem so vieles an geistigem Streben über Mitteleuropa hingegangen war, so wird durch die mitteleuropäische Seelenhaftigkeit immer erneuert dasjenige, was schon geschehen ist. Und so stehen wir, gerade durch geisteswissenschaftliche Empfindungen gestärkt, voll Hoffnung vor dem, was sich als Ziel und Wirkungen aus Blut und Tod, Leiden und Schmerzen, aus Opfer und Eingabe, aus unserer Zeit entwickeln muss.
[ 54 ] Wie der Faust im Jahre 1840 dasselbe gesagt hätte im Ausgangspunkte seines Strebens wie 1770, trotzdem so vieles an geistigem Streben über Mitteleuropa hingegangen war, so wird durch die mitteleuropäische Seelenhaftigkeit immer erneuert dasjenige, was schon geschehen ist. Und so stehen wir, gerade durch geisteswissenschaftliche Empfindungen gestärkt, voll Hoffnung vor dem, was sich als Ziel und Wirkungen aus Blut und Tod, Leiden und Schmerzen, aus Opfer und Eingabe, aus unserer Zeit entwickeln muss.
[ 55 ] Oh, verehrte Anwesende, hat sich — ich kann selbstverständlich nicht auf alle Einzelheiten unserer schicksalstragenden Zeit eingehen —, hat sich dasjenige, was die Welt in materialistischem Sinne in der letzten Zeit erobert hat, nur herausentwickeln können aus Kämpfen, so wird sich gerade dasjenige, was aus mitteleuropäischem Geistesleben sich ausbreiten muss, immer mehr und mehr über die große Welt, über die Gebiete all der Völker, die heute noch dieses Mitteleuropa bekämpfen, es muss sich aus Kampf und Krieg entwickeln. Und die Stärkung der Seelenkraft, sie wird uns, wenn wir bedenken, dass wir ja durch Geisteswissenschaft zeigen können, wie in einzelnen Menschenleben dasjenige, was Lebensgut ist, auf demjenigen sich entwickelt, was im Untergrunde des Seelischen Krieg und Kampf ist, wie wir es schildern mussten.
[ 55 ] Oh, verehrte Anwesende, hat sich — ich kann selbstverständlich nicht auf alle Einzelheiten unserer schicksalstragenden Zeit eingehen —, hat sich dasjenige, was die Welt in materialistischem Sinne in der letzten Zeit erobert hat, nur herausentwickeln können aus Kämpfen, so wird sich gerade dasjenige, was aus mitteleuropäischem Geistesleben sich ausbreiten muss, immer mehr und mehr über die große Welt, über die Gebiete all der Völker, die heute noch dieses Mitteleuropa bekämpfen, es muss sich aus Kampf und Krieg entwickeln. Und die Stärkung der Seelenkraft, sie wird uns, wenn wir bedenken, dass wir ja durch Geisteswissenschaft zeigen können, wie in einzelnen Menschenleben dasjenige, was Lebensgut ist, auf demjenigen sich entwickelt, was im Untergrunde des Seelischen Krieg und Kampf ist, wie wir es schildern mussten.
[ 56 ] Nun, im äußeren Leben, verehrte Anwesende, sind die Menschen immer wieder und wieder Zeugen, Mithandelnde der Kämpfe, und diese Kämpfe müssen da sein. Wie sonst die Kämpfe durch einen wohltätigen Schleier im Innern der Seele für den einzelnen Menschen verdeckt sind, so müssen wir hineingestellt sein im äußeren, geschichtlichen Leben in diese Kämpfe, aus denen sich dann dasjenige, was äußeres, geschichtliches Lebensgut ist, entwickeln muss. Hat sich dasjenige, was das griechische Leben für die Welt geworden ist, im Kampfe entwickelt gegen die gewaltigen Perserheere, hat sich entwickelt, was vom Römertum, Lateinertum eingewandert ist in die ganze Weltkultur, auf Grundlage harter Kämpfe, so muss sich dasjenige was im faustischen Streben ist — und dieses faustische Streben geht auch bis in diejenige Seelen hinein, die gar nichts vom Faust wissen —, ausbreiten auf einem Boden, der mit dem Blut unserer Edelsten getränkt ist, in einer Luft, die durchsetzt ist mit den Empfindungen, die sich nur heute in unserer schicksalstragenden Zeit entwickeln können.
[ 56 ] Nun, im äußeren Leben, verehrte Anwesende, sind die Menschen immer wieder und wieder Zeugen, Mithandelnde der Kämpfe, und diese Kämpfe müssen da sein. Wie sonst die Kämpfe durch einen wohltätigen Schleier im Innern der Seele für den einzelnen Menschen verdeckt sind, so müssen wir hineingestellt sein im äußeren, geschichtlichen Leben in diese Kämpfe, aus denen sich dann dasjenige, was äußeres, geschichtliches Lebensgut ist, entwickeln muss. Hat sich dasjenige, was das griechische Leben für die Welt geworden ist, im Kampfe entwickelt gegen die gewaltigen Perserheere, hat sich entwickelt, was vom Römertum, Lateinertum eingewandert ist in die ganze Weltkultur, auf Grundlage harter Kämpfe, so muss sich dasjenige was im faustischen Streben ist — und dieses faustische Streben geht auch bis in diejenige Seelen hinein, die gar nichts vom Faust wissen —, ausbreiten auf einem Boden, der mit dem Blut unserer Edelsten getränkt ist, in einer Luft, die durchsetzt ist mit den Empfindungen, die sich nur heute in unserer schicksalstragenden Zeit entwickeln können.
[ 57 ] Man hat oft betont, insbesondere in Deutschland draußen in der letzten Zeit, dass es ja in den Entwicklungsverhältnissen der neueren Zeit liegt, dass dieser Krieg im Grunde genommen für äußere Verhältnisse nur geführt wird, dass er geführt wird dafür, dass der unendliche Fleiß der in äußerer Industrie, im äußeren Handel aufgebracht werden kann, freien Weg in die Welt hat. Gewiss, solche Aussagen sind durchaus richtig, und sie sollen nicht in irgendeiner Weise bekämpft werden. Wir leben einmal in Bezug auf das äußere Leben mehr oder weniger in einer materialistischen Zeit, und selbst dasjenige, was wir durch die schwersten Opfer erringen, erringen wir für materielle Güter. Aber sicher sind wir, dass von diesem Mitteleuropa aus, auch wenn nur materielle Kultur hinausgetragen wird in die Welt, durch die durch den Kampf geöffneten Tore in den verschiedensten fremden Gebieten, wenn auch vielleicht nicht durch die Väter selbst, so durch die Söhne derjenigen, die in Industrie und Handel hinaustreten in die fremden Gebiete, das mitgebracht wird allen überall hin, was aus jener Gesinnung erwächst, die ihren blütenhaften Ausdruck in jenem Faust gefunden hat, der «auf freiem Grund mit freiem Volke stehn» will, der nur dadurch sich Freiheit und Leben erlangen will, dass er sie sich täglich aufs Neue erobert.
[ 57 ] Man hat oft betont, insbesondere in Deutschland draußen in der letzten Zeit, dass es ja in den Entwicklungsverhältnissen der neueren Zeit liegt, dass dieser Krieg im Grunde genommen für äußere Verhältnisse nur geführt wird, dass er geführt wird dafür, dass der unendliche Fleiß der in äußerer Industrie, im äußeren Handel aufgebracht werden kann, freien Weg in die Welt hat. Gewiss, solche Aussagen sind durchaus richtig, und sie sollen nicht in irgendeiner Weise bekämpft werden. Wir leben einmal in Bezug auf das äußere Leben mehr oder weniger in einer materialistischen Zeit, und selbst dasjenige, was wir durch die schwersten Opfer erringen, erringen wir für materielle Güter. Aber sicher sind wir, dass von diesem Mitteleuropa aus, auch wenn nur materielle Kultur hinausgetragen wird in die Welt, durch die durch den Kampf geöffneten Tore in den verschiedensten fremden Gebieten, wenn auch vielleicht nicht durch die Väter selbst, so durch die Söhne derjenigen, die in Industrie und Handel hinaustreten in die fremden Gebiete, das mitgebracht wird allen überall hin, was aus jener Gesinnung erwächst, die ihren blütenhaften Ausdruck in jenem Faust gefunden hat, der «auf freiem Grund mit freiem Volke stehn» will, der nur dadurch sich Freiheit und Leben erlangen will, dass er sie sich täglich aufs Neue erobert.
[ 58 ] Und wenn wir auf die Eigentümlichkeit sehen dieses mitteleuropäischen Geisteslebens, wie es die Völker in Mitteleuropa zusammengeschmiedet hat, wenn wir gerade auf diese faustische Eigentümlichkeit sehen, dann müssen wir sagen: Es wird dieses mitteleuropäische Geistesleben dazu berufen sein, die Seele zu geben dem Welten-Erden-Körper, [die] Seele einzuverleiben der ErdenEntwicklung der Menschheit. Es ist sehr merkwürdig, dass zum Beispiel uns vom Nordwesten entgegentönt — wir können es jeden Tag hören, verehrte Anwesende, dass jene gewaltigen äußeren materiellen Eroberungen, welche zum Beispiel die Bewohner der Britischen Inseln gemacht haben, dass diese darin gipfeln sollen —, wie uns verspottend, uns in Mitteleuropa beschimpfend werden dergleichen Worte immer und immer wieder uns vom Auslande her zugerufen, dass alles dasjenige, was unternommen werden soll, im Namen der Freiheit, der Befreiung der Völker unternommen werden soll.
[ 58 ] Und wenn wir auf die Eigentümlichkeit sehen dieses mitteleuropäischen Geisteslebens, wie es die Völker in Mitteleuropa zusammengeschmiedet hat, wenn wir gerade auf diese faustische Eigentümlichkeit sehen, dann müssen wir sagen: Es wird dieses mitteleuropäische Geistesleben dazu berufen sein, die Seele zu geben dem Welten-Erden-Körper, [die] Seele einzuverleiben der ErdenEntwicklung der Menschheit. Es ist sehr merkwürdig, dass zum Beispiel uns vom Nordwesten entgegentönt — wir können es jeden Tag hören, verehrte Anwesende, dass jene gewaltigen äußeren materiellen Eroberungen, welche zum Beispiel die Bewohner der Britischen Inseln gemacht haben, dass diese darin gipfeln sollen —, wie uns verspottend, uns in Mitteleuropa beschimpfend werden dergleichen Worte immer und immer wieder uns vom Auslande her zugerufen, dass alles dasjenige, was unternommen werden soll, im Namen der Freiheit, der Befreiung der Völker unternommen werden soll.
[ 59 ] Nun, verehrte Anwesende, große Eroberungen, das braucht nicht geleugnet zu werden, sind von den Bewohnern der Britischen Inseln auf den Gebieten des äußeren und materiellen Lebens gemacht worden. Aber sehen wir zu, aufgrund wessen diese Eroberungen gemacht worden sind! Von 1856 bis 1900 hat England 34 Eroberungskriege geführt, [vier] Millionen Quadratmeilen Land erobert, 57 Millionen Menschen zu neuen britischen Untertanen gemacht — das im Laufe von etwa 44 bis 45 Jahren, 34 Eroberungskriege! Daraus ist die materielle Kultur, die das britische Reich allein über die Welt tragen konnte, erwachsen. Aus Blut und Tod, aus Leid und Schmerzen, aus zahlreichen Opfern muss — wie selbst das einzelne Menschenleben —, erwachsen dasjenige, was im Laufe der Geschichte als Lebensgut für die Menschheit heranreift.
[ 59 ] Nun, verehrte Anwesende, große Eroberungen, das braucht nicht geleugnet zu werden, sind von den Bewohnern der Britischen Inseln auf den Gebieten des äußeren und materiellen Lebens gemacht worden. Aber sehen wir zu, aufgrund wessen diese Eroberungen gemacht worden sind! Von 1856 bis 1900 hat England 34 Eroberungskriege geführt, [vier] Millionen Quadratmeilen Land erobert, 57 Millionen Menschen zu neuen britischen Untertanen gemacht — das im Laufe von etwa 44 bis 45 Jahren, 34 Eroberungskriege! Daraus ist die materielle Kultur, die das britische Reich allein über die Welt tragen konnte, erwachsen. Aus Blut und Tod, aus Leid und Schmerzen, aus zahlreichen Opfern muss — wie selbst das einzelne Menschenleben —, erwachsen dasjenige, was im Laufe der Geschichte als Lebensgut für die Menschheit heranreift.
[ 60 ] Und wenn wir gerade im Vergleich mit dem, was uns die Geisteswissenschaft für den einzelnen Menschen zeigt, das mitteleuropäische Geistesleben beleuchten wollen, werden wir sagen: Sehen wir auf seine Wirkungen, sehen wir auf die Ziele, die verborgen sind in dem, was heute mit Blut den Boden tränkt, so stellt sich uns dar als solche Wirkungen das, dass neu errungen werden muss das bedrohte Gebiet. Wie der Mensch im Laufe des Lebens nach wenigen Jahren sich immer neu seinen Leib erobern muss, damit er ihm ein Werkzeug der Seele ist, so steht es auch im äußeren geschichtlichen Leben, so muss sich die mitteleuropäische Menschheit neu das Gebiet erobern, damit sie umso besser um das Seelenhafte sitzen, durch das diese mitteleuropäische Menschheit dasjenige, was im Tiefsten ihres Seelenlebens wurzelt, in die Zukunft hinüberzutragen fähig wird.
[ 60 ] Und wenn wir gerade im Vergleich mit dem, was uns die Geisteswissenschaft für den einzelnen Menschen zeigt, das mitteleuropäische Geistesleben beleuchten wollen, werden wir sagen: Sehen wir auf seine Wirkungen, sehen wir auf die Ziele, die verborgen sind in dem, was heute mit Blut den Boden tränkt, so stellt sich uns dar als solche Wirkungen das, dass neu errungen werden muss das bedrohte Gebiet. Wie der Mensch im Laufe des Lebens nach wenigen Jahren sich immer neu seinen Leib erobern muss, damit er ihm ein Werkzeug der Seele ist, so steht es auch im äußeren geschichtlichen Leben, so muss sich die mitteleuropäische Menschheit neu das Gebiet erobern, damit sie umso besser um das Seelenhafte sitzen, durch das diese mitteleuropäische Menschheit dasjenige, was im Tiefsten ihres Seelenlebens wurzelt, in die Zukunft hinüberzutragen fähig wird.
[ 61 ] Oh, wenn wir so ansehen, vergleichend mit dem, was Geisteswissenschaft für das einzelne Menschenleben sagt, verehrte Anwesende, ansehen dasjenige, was wir im äußeren Leben in unserer schicksalstragenden Zeit überschauen können, dann wird es uns nicht etwa bloß für den Verstand verständlich, dann wird es uns für das ganze Herz verständlich, wird es uns so verständlich, dass wir wissen, was sich vorbereitet für die Zukunft, weil es sich nur vorbereiten kann aus Kampf und Krieg, dann lernen wir in einer gewissen Weise — so schmerzlich im Einzelnen dasjenige ist, was sich um uns herum begeben muss —, wir lernen es begreifen als im Dienste der großen Menschheitsentwicklung stehend, indem wir eben mit jedem Augenblick unseres Lebens uns hineingestellt fühlen müssen. Und so versöhnt sich durch eine wahrhaftige Betrachtung des Einzellebens der Mensch selbst mit den am meisten schicksalstragenden Ereignissen, die um ihn herum sich abspielen.
[ 61 ] Oh, wenn wir so ansehen, vergleichend mit dem, was Geisteswissenschaft für das einzelne Menschenleben sagt, verehrte Anwesende, ansehen dasjenige, was wir im äußeren Leben in unserer schicksalstragenden Zeit überschauen können, dann wird es uns nicht etwa bloß für den Verstand verständlich, dann wird es uns für das ganze Herz verständlich, wird es uns so verständlich, dass wir wissen, was sich vorbereitet für die Zukunft, weil es sich nur vorbereiten kann aus Kampf und Krieg, dann lernen wir in einer gewissen Weise — so schmerzlich im Einzelnen dasjenige ist, was sich um uns herum begeben muss —, wir lernen es begreifen als im Dienste der großen Menschheitsentwicklung stehend, indem wir eben mit jedem Augenblick unseres Lebens uns hineingestellt fühlen müssen. Und so versöhnt sich durch eine wahrhaftige Betrachtung des Einzellebens der Mensch selbst mit den am meisten schicksalstragenden Ereignissen, die um ihn herum sich abspielen.
[ 62 ] Lassen Sie mich das gerade, was ich gesagt habe, in ein paar Worte zusammenfassen, in denen ich, was ich entwickelt habe als einzelne Ergebnisse der Geistesforschung, ich möchte sagen empfindungsgemäß zum Ausdruck bringen. Zum Ausdruck bringen möchte ich mit ein paar Worten dasjenige, was aus der Geisteswissenschaft heraus die menschliche Seele in ihrem intimsten Leben ergreifen muss, sodass durch dieses Ergreifen eine das Leben verstehende Grundempfindung und ein das Leben durchdringendes Grundwollen hervorgehen könne. Was ich mir erlaubte zu sagen, sei zusammengefasst in die folgenden Worte, die die durch Geisteswissenschaft gestärkte Seele zu Grundwerten ihres eigenen Wesens machen kann:
[ 62 ] Lassen Sie mich das gerade, was ich gesagt habe, in ein paar Worte zusammenfassen, in denen ich, was ich entwickelt habe als einzelne Ergebnisse der Geistesforschung, ich möchte sagen empfindungsgemäß zum Ausdruck bringen. Zum Ausdruck bringen möchte ich mit ein paar Worten dasjenige, was aus der Geisteswissenschaft heraus die menschliche Seele in ihrem intimsten Leben ergreifen muss, sodass durch dieses Ergreifen eine das Leben verstehende Grundempfindung und ein das Leben durchdringendes Grundwollen hervorgehen könne. Was ich mir erlaubte zu sagen, sei zusammengefasst in die folgenden Worte, die die durch Geisteswissenschaft gestärkte Seele zu Grundwerten ihres eigenen Wesens machen kann:
Wo Sinneswissen endet,
Da stehet erst die Pforte,
Die Lebenswirklichkeiten
Dem Seelensein öffnet;
Den Schlüssel schafft die Seele,
Wenn sie in sich erstarket
Im Kampf, den Weltenmächte
Auf ihrem eignen Grunde
Mit Menschenkräften führen;
Wenn sie durch sich vertreib
Den Schlaf, der Wissenskräfte
An ihren Sinnesgrenzen
Mit Geiste umhüllt.
Wo Sinneswissen endet,
Da stehet erst die Pforte,
Die Lebenswirklichkeiten
Dem Seelensein öffnet;
Den Schlüssel schafft die Seele,
Wenn sie in sich erstarket
Im Kampf, den Weltenmächte
Auf ihrem eignen Grunde
Mit Menschenkräften führen;
Wenn sie durch sich vertreib
Den Schlaf, der Wissenskräfte
An ihren Sinnesgrenzen
Mit Geiste umhüllt.
