The Human Soul, Fate and Death
GA 70a
9 April 1915, Basel
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Menschenseele, Schicksal und Tod
12. Das Wesen der Geisteswissenschaft und die Erkenntnis der übersinnlichen Welt
12. Das Wesen der Geisteswissenschaft und die Erkenntnis der übersinnlichen Welt
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Mit einer Betrachtung auf dem Gebiete der Geisteswissenschaft, wie sie heute Abend angestellt werden soll, jemanden unmittelbar zu überzeugen oder überzeugen zu wollen, ist eine Unmöglichkeit, und es wäre naiv, solches anzunehmen. Denn Geisteswissenschaft als solche, wie sie hier gemeint ist, ist in den Anfängen ihres Werdens, und sie will erst in die Kulturentwicklung, in das Geistesleben der Menschen sich allmählich einleben. Heute widerspricht dasjenige, was Geisteswissenschaft vorzubringen hat, durchaus den gewohnten Vorstellungen der weitesten Kreise. Und viel naturgemäßer ist es, ich möchte sagen viel selbstverständlicher ist es, dass sich gegenüber Dingen, wie sie heute Abend gesagt werden müssen, Widerspruch über Widerspruch erhebt, dass diese Dinge als Phantasterei, als Träumerei angesehen werden. Viel selbstverständlicher ist dieses, als etwa das wäre, wenn die Dinge sofort Zustimmung erfahren würden. Insbesondere derjenige, der sich eingelebt hat in das Gebiet der Geisteswissenschaft oder ihrer Ergebnisse, wird gar nicht voraussetzen, dass er leicht irgendwie jemanden überzeugen könne. Dasjenige, was Ergebnis der Geisteswissenschaft ist, muss sich vielmehr ganz langsam und allmählich, wie das ja immer bei geistigen Fortschritten in der Welt der Fall war, in die Denkgewohnheiten, in die ganze Art des Vorstellens der Zeit einleben.
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Mit einer Betrachtung auf dem Gebiete der Geisteswissenschaft, wie sie heute Abend angestellt werden soll, jemanden unmittelbar zu überzeugen oder überzeugen zu wollen, ist eine Unmöglichkeit, und es wäre naiv, solches anzunehmen. Denn Geisteswissenschaft als solche, wie sie hier gemeint ist, ist in den Anfängen ihres Werdens, und sie will erst in die Kulturentwicklung, in das Geistesleben der Menschen sich allmählich einleben. Heute widerspricht dasjenige, was Geisteswissenschaft vorzubringen hat, durchaus den gewohnten Vorstellungen der weitesten Kreise. Und viel naturgemäßer ist es, ich möchte sagen viel selbstverständlicher ist es, dass sich gegenüber Dingen, wie sie heute Abend gesagt werden müssen, Widerspruch über Widerspruch erhebt, dass diese Dinge als Phantasterei, als Träumerei angesehen werden. Viel selbstverständlicher ist dieses, als etwa das wäre, wenn die Dinge sofort Zustimmung erfahren würden. Insbesondere derjenige, der sich eingelebt hat in das Gebiet der Geisteswissenschaft oder ihrer Ergebnisse, wird gar nicht voraussetzen, dass er leicht irgendwie jemanden überzeugen könne. Dasjenige, was Ergebnis der Geisteswissenschaft ist, muss sich vielmehr ganz langsam und allmählich, wie das ja immer bei geistigen Fortschritten in der Welt der Fall war, in die Denkgewohnheiten, in die ganze Art des Vorstellens der Zeit einleben.
[ 2 ] Und so ist es denn nur allzu begreiflich, ja selbstverständlich, dass von vielen Seiten — und es könnten viel mehr Seiten angeführt werden, als einleitungsweise angedeutet werden sollen — Einwand und Widerspruch, ja Spott und Verhöhnung sich gegen die Ergebnisse der Geisteswissenschaft heute geltend machen müssen. Vor allen Dingen ist ja sozusagen der allernächstliegendste Einwand der, dass Geisteswissenschaft widerspreche den wohlbegründeten Errungenschaften und Vorstellungen der Naturwissenschaft, die in unserer Zeit so große, so gewaltige Fortschritte zu verzeichnen hat. Gerade auf diesen Einwand wird vielleicht der heutige Vortrag einiges Licht werfen können. Aber auch von anderer Seite erheben sich, und zwar, wie im heutigen und im morgigen Vortrag wohl wird klar werden können, ich möchte sagen begreifliche, aber unbegründete Einwände.
[ 2 ] Und so ist es denn nur allzu begreiflich, ja selbstverständlich, dass von vielen Seiten — und es könnten viel mehr Seiten angeführt werden, als einleitungsweise angedeutet werden sollen — Einwand und Widerspruch, ja Spott und Verhöhnung sich gegen die Ergebnisse der Geisteswissenschaft heute geltend machen müssen. Vor allen Dingen ist ja sozusagen der allernächstliegendste Einwand der, dass Geisteswissenschaft widerspreche den wohlbegründeten Errungenschaften und Vorstellungen der Naturwissenschaft, die in unserer Zeit so große, so gewaltige Fortschritte zu verzeichnen hat. Gerade auf diesen Einwand wird vielleicht der heutige Vortrag einiges Licht werfen können. Aber auch von anderer Seite erheben sich, und zwar, wie im heutigen und im morgigen Vortrag wohl wird klar werden können, ich möchte sagen begreifliche, aber unbegründete Einwände.
[ 3 ] Der religiös veranlagte Mensch, der Bekenner dieser oder jener Religionsgemeinschaft meint leicht — und ich sage wieder: begreiflicherweise —, dass Geisteswissenschaft irgendwie feindlich oder gegnerisch sich verhalten könnte gegenüber der religiösen Vertiefung und dem religiösen Leben der Menschenscele. Und insbesondere wird es heute noch sehr viele Menschen geben, die der Überzeugung sind, dass Geisteswissenschaft — indem sie die Seele hinführen will zu einer Welt, die nicht die Welt der Sinne ist und nicht die Welt des gewöhnlichen Verstandes, zu einer Welt geistiger Wesenheiten und geistiger Wirksamkeiten — in alle möglichen abergläubischen Vorstellungen verfallen müsse und sie irgendwie verbreiten könne unter denjenigen, die Bekenner der Geisteswissenschaft werden wollen.
[ 3 ] Der religiös veranlagte Mensch, der Bekenner dieser oder jener Religionsgemeinschaft meint leicht — und ich sage wieder: begreiflicherweise —, dass Geisteswissenschaft irgendwie feindlich oder gegnerisch sich verhalten könnte gegenüber der religiösen Vertiefung und dem religiösen Leben der Menschenscele. Und insbesondere wird es heute noch sehr viele Menschen geben, die der Überzeugung sind, dass Geisteswissenschaft — indem sie die Seele hinführen will zu einer Welt, die nicht die Welt der Sinne ist und nicht die Welt des gewöhnlichen Verstandes, zu einer Welt geistiger Wesenheiten und geistiger Wirksamkeiten — in alle möglichen abergläubischen Vorstellungen verfallen müsse und sie irgendwie verbreiten könne unter denjenigen, die Bekenner der Geisteswissenschaft werden wollen.
[ 4 ] Insbesondere muss ja schon, ich möchte sagen so recht das Gespötte gewisser zeitgenössischer Anschauungen wachgerufen werden, wenn Geisteswissenschaft ihr Fundamentalstes geltend macht; dieses Fundamentalste, das darin besteht, dass der Mensch in seiner Totalität, in seiner Ganzheit nicht bloß dasjenige ist, als was er unseren äußeren Sinnen entgegentritt, als was er sich selbst für seine äußeren Sinne erscheint und als was er erscheint für den Verstand, der an das Gehirn, an das Nervensystem gebunden ist. Ganz selbstverständlich ist es, dass von gewissen Gesichtspunkten aus heute nicht nur dieses als Träumerei angesehen wird, sondern dass auch gespottet wird, wenn gesagt wird, dieser physische Mensch, wie ihn die gewöhnliche Wissenschaft studiert, dieser physische Leib, wie er als einzig Reales vielen heute gelten muss — ich sagen muss —, er sei nicht das Einzige, was man am Menschen erkennen könne, sondern er sei, dieser physische Leib, nur ein Glied der gesamten menschlichen Wesenheit.
[ 4 ] Insbesondere muss ja schon, ich möchte sagen so recht das Gespötte gewisser zeitgenössischer Anschauungen wachgerufen werden, wenn Geisteswissenschaft ihr Fundamentalstes geltend macht; dieses Fundamentalste, das darin besteht, dass der Mensch in seiner Totalität, in seiner Ganzheit nicht bloß dasjenige ist, als was er unseren äußeren Sinnen entgegentritt, als was er sich selbst für seine äußeren Sinne erscheint und als was er erscheint für den Verstand, der an das Gehirn, an das Nervensystem gebunden ist. Ganz selbstverständlich ist es, dass von gewissen Gesichtspunkten aus heute nicht nur dieses als Träumerei angesehen wird, sondern dass auch gespottet wird, wenn gesagt wird, dieser physische Mensch, wie ihn die gewöhnliche Wissenschaft studiert, dieser physische Leib, wie er als einzig Reales vielen heute gelten muss — ich sagen muss —, er sei nicht das Einzige, was man am Menschen erkennen könne, sondern er sei, dieser physische Leib, nur ein Glied der gesamten menschlichen Wesenheit.
[ 5 ] Übersinnlich und unsichtbar waltet gleichsam — das ist ein Ergebnis der Geisteswissenschaft — in diesem physischen Leibe und ihm zugrunde liegend ein feiner, ein geistiger Mensch, welcher in einer gewissen Weise, wie wir sehen werden, sogar der Akteur, der Produzent, der Hervorbringer und Betätigter des physischen Leibes ist. Und wenn dann Geisteswissenschaft davon spricht, diesen zweiten, übersinnlich-unsichtbaren Leib den ätherischen Leib zu nennen, so ist es, wie gesagt, ganz begreiflich, wenn ein solches Ergebnis als eine blinde Annahme hingestellt wird, als eine Phantasterei verspottet wird. Und wenn nun gar Geisteswissenschaft nicht zufrieden sein kann, außer diesem physischen Menschen den eben angeführten geistigen Menschen festzustellen, sondern über diesen hinaus noch ein höheres Glied der menschlichen Natur annehmen muss, und wenn von mancher Seite dann dieses höhere Glied der menschlichen Natur der Astralleib genannt wird, aus Gründen, auf die wir heute noch zurückkommen werden, dann, wie gesagt, wäre es fast naiv, zu glauben, dass über solche Annahmen nicht gespottet würde von dem Gesichtspunkte aus, der heute oftmals als der einzig wissenschaftliche gilt.
[ 5 ] Übersinnlich und unsichtbar waltet gleichsam — das ist ein Ergebnis der Geisteswissenschaft — in diesem physischen Leibe und ihm zugrunde liegend ein feiner, ein geistiger Mensch, welcher in einer gewissen Weise, wie wir sehen werden, sogar der Akteur, der Produzent, der Hervorbringer und Betätigter des physischen Leibes ist. Und wenn dann Geisteswissenschaft davon spricht, diesen zweiten, übersinnlich-unsichtbaren Leib den ätherischen Leib zu nennen, so ist es, wie gesagt, ganz begreiflich, wenn ein solches Ergebnis als eine blinde Annahme hingestellt wird, als eine Phantasterei verspottet wird. Und wenn nun gar Geisteswissenschaft nicht zufrieden sein kann, außer diesem physischen Menschen den eben angeführten geistigen Menschen festzustellen, sondern über diesen hinaus noch ein höheres Glied der menschlichen Natur annehmen muss, und wenn von mancher Seite dann dieses höhere Glied der menschlichen Natur der Astralleib genannt wird, aus Gründen, auf die wir heute noch zurückkommen werden, dann, wie gesagt, wäre es fast naiv, zu glauben, dass über solche Annahmen nicht gespottet würde von dem Gesichtspunkte aus, der heute oftmals als der einzig wissenschaftliche gilt.
[ 6 ] Wir wollen nun im Verlaufe unserer heutigen Betrachtung dadurch ein wenig Begründung schaffen für solche übersinnlichen Glieder der Menschennatur, dass wir uns vor die Augen der Seele stellen die Art und Weise, wie denn Geisteswissenschaft zu solchen Annahmen kommen kann, was der Geisteswissenschaftler vorzunehmen hat, um solche Annahmen hinstellen zu dürfen vor die Erkenntnis der Menschen.
[ 6 ] Wir wollen nun im Verlaufe unserer heutigen Betrachtung dadurch ein wenig Begründung schaffen für solche übersinnlichen Glieder der Menschennatur, dass wir uns vor die Augen der Seele stellen die Art und Weise, wie denn Geisteswissenschaft zu solchen Annahmen kommen kann, was der Geisteswissenschaftler vorzunehmen hat, um solche Annahmen hinstellen zu dürfen vor die Erkenntnis der Menschen.
[ 7 ] Mit der Naturwissenschaft, wie sie sich herausgebildet hat mit ihren wunderbaren Ergebnissen, steht wahre, wirkliche Geisteswissenschaft durchaus in Einklang. Ja, sie steht nicht nur im Einklange, sondern sie will sogar sein für die geistigen Erscheinungen, für die Erscheinungen der geistigen Welt, eine wahre, echte Fortsetzerin des naturwissenschaftlichen Forschens. Und wenn mit Bezug auf das Seelenleben heute der radikale Naturwissenschaftler sagt: Erkennen wir denn nicht, dass dieses Seelenleben, wie es sich im Menschen auslebt und auswest, in innigem Zusammenhang steht, im Verhältnis steht mit den körperlichen Erscheinungen? Oder sieht man denn daraus nicht, dass dieses Seelenleben durchaus, wie das Licht, die Wärme von der Flamme materiell abhängig ist von dem körperlichen, dem materiellen Leben? Wenn der Naturwissenschaftler heute, ich sage nicht, aus einem gewissen irreligiösen Gefühl heraus, sondern aus seiner urechtesten Überzeugung dieses vorbringt, dann muss gesagt werden, dass wahre Geisteswissenschaft, wie sie heute beginnt sich zu entwickeln, für das, was Naturwissenschaft wirklich in Bezug auf das Angedeutete zu sagen hat, dieser Naturwissenschaft nicht widerspricht, im Gegenteil, sich durchaus gegenüber alledem, was berechtigtes Ergebnis der Naturwissenschaft ist, mit dieser auf den gleichen Boden stellt.
[ 7 ] Mit der Naturwissenschaft, wie sie sich herausgebildet hat mit ihren wunderbaren Ergebnissen, steht wahre, wirkliche Geisteswissenschaft durchaus in Einklang. Ja, sie steht nicht nur im Einklange, sondern sie will sogar sein für die geistigen Erscheinungen, für die Erscheinungen der geistigen Welt, eine wahre, echte Fortsetzerin des naturwissenschaftlichen Forschens. Und wenn mit Bezug auf das Seelenleben heute der radikale Naturwissenschaftler sagt: Erkennen wir denn nicht, dass dieses Seelenleben, wie es sich im Menschen auslebt und auswest, in innigem Zusammenhang steht, im Verhältnis steht mit den körperlichen Erscheinungen? Oder sieht man denn daraus nicht, dass dieses Seelenleben durchaus, wie das Licht, die Wärme von der Flamme materiell abhängig ist von dem körperlichen, dem materiellen Leben? Wenn der Naturwissenschaftler heute, ich sage nicht, aus einem gewissen irreligiösen Gefühl heraus, sondern aus seiner urechtesten Überzeugung dieses vorbringt, dann muss gesagt werden, dass wahre Geisteswissenschaft, wie sie heute beginnt sich zu entwickeln, für das, was Naturwissenschaft wirklich in Bezug auf das Angedeutete zu sagen hat, dieser Naturwissenschaft nicht widerspricht, im Gegenteil, sich durchaus gegenüber alledem, was berechtigtes Ergebnis der Naturwissenschaft ist, mit dieser auf den gleichen Boden stellt.
[ 8 ] Wenn man das Seelische, wie es sich zunächst im Leben darlebt, indem wir dieses Leben durchlaufen zwischen Geburt und Tod, wenn man dieses Seelenleben betrachtet, wenn der Mensch sich mit Bezug auf sein inneres seelisches Leben durch Selbsterkenntnis durchschaut, so können wir sagen: Dieses Seelenleben verläuft im Denken, im Fühlen, im Wollen. Und im Grunde genommen haben wir in diesen drei Betätigungen des Seelenlebens, im Denken, Fühlen und Wollen den Umkreis, den Horizont des Seelenlebens vor uns. Und wenn irgendjemand, der noch nicht auf dem Boden der Geisteswissenschaft stehen würde, aber das Bedürfnis hätte, ich möchte sagen, irgendetwas von der menschlichen Wesenheit zu verstehen, etwas anzunehmen, das durch die Pforte des Todes durchgeht und nach dem Tode in einer geistigen Welt verweilt, wenn ein solcher hinblickt auf das gewöhnliche, im Alltagsleben des Menschen sich darbietende Denken, Fühlen und Wollen und dann aus irgendeinem philosophischen oder sonstigen Grunde sagen würde: Dieses Denken, Fühlen und Wollen, das ist etwas, was nichts zu tun hat mit den materiellen Vorgängen im menschlichen Leibe, und wenn jemand auf diese Weise des Menschen Seelisches gegenüber der physischen Zerstörung oder überhaupt der physischen Natur retten wollte, dann würde der naturwissenschaftliche Forscher kommen und sagen: Aber sieh doch einmal hin, es braucht nur irgendeine geringfügige Verletzung im Nervensystem einzutreten, und dieses Denken, Fühlen und Wollen kann dadurch untergraben werden. Sich also an dieses denkende, fühlende, wollende Seelenleben; so, wie das Licht und die Wärme von der Flamme abhängt, von dem Brennmaterial abhängt, so ist abhängig dieses Denken, Fühlen und Wollen von den physischen Vorgängen. Sind die in irgendeiner Weise unterbrochen, so kann eben Denken, Fühlen und Wollen sich nicht in richtiger Weise vollziehen.
[ 8 ] Wenn man das Seelische, wie es sich zunächst im Leben darlebt, indem wir dieses Leben durchlaufen zwischen Geburt und Tod, wenn man dieses Seelenleben betrachtet, wenn der Mensch sich mit Bezug auf sein inneres seelisches Leben durch Selbsterkenntnis durchschaut, so können wir sagen: Dieses Seelenleben verläuft im Denken, im Fühlen, im Wollen. Und im Grunde genommen haben wir in diesen drei Betätigungen des Seelenlebens, im Denken, Fühlen und Wollen den Umkreis, den Horizont des Seelenlebens vor uns. Und wenn irgendjemand, der noch nicht auf dem Boden der Geisteswissenschaft stehen würde, aber das Bedürfnis hätte, ich möchte sagen, irgendetwas von der menschlichen Wesenheit zu verstehen, etwas anzunehmen, das durch die Pforte des Todes durchgeht und nach dem Tode in einer geistigen Welt verweilt, wenn ein solcher hinblickt auf das gewöhnliche, im Alltagsleben des Menschen sich darbietende Denken, Fühlen und Wollen und dann aus irgendeinem philosophischen oder sonstigen Grunde sagen würde: Dieses Denken, Fühlen und Wollen, das ist etwas, was nichts zu tun hat mit den materiellen Vorgängen im menschlichen Leibe, und wenn jemand auf diese Weise des Menschen Seelisches gegenüber der physischen Zerstörung oder überhaupt der physischen Natur retten wollte, dann würde der naturwissenschaftliche Forscher kommen und sagen: Aber sieh doch einmal hin, es braucht nur irgendeine geringfügige Verletzung im Nervensystem einzutreten, und dieses Denken, Fühlen und Wollen kann dadurch untergraben werden. Sich also an dieses denkende, fühlende, wollende Seelenleben; so, wie das Licht und die Wärme von der Flamme abhängt, von dem Brennmaterial abhängt, so ist abhängig dieses Denken, Fühlen und Wollen von den physischen Vorgängen. Sind die in irgendeiner Weise unterbrochen, so kann eben Denken, Fühlen und Wollen sich nicht in richtiger Weise vollziehen.
[ 9 ] In einleuchtender Weise weiß Physiologie, Psychologie, Medizin alle möglichen Gründe anzuführen, welche belegen sollen, dass dieses Denken, Fühlen und Wollen ganz und gar gebunden sei an diese materiellen Vorgänge des Nervensystems, überhaupt der Leiblichkeit.
[ 9 ] In einleuchtender Weise weiß Physiologie, Psychologie, Medizin alle möglichen Gründe anzuführen, welche belegen sollen, dass dieses Denken, Fühlen und Wollen ganz und gar gebunden sei an diese materiellen Vorgänge des Nervensystems, überhaupt der Leiblichkeit.
[ 10 ] Ferner wird darauf hingewiesen: Man sieht doch, wie in der Jugend mit der Entwicklung des physischen Leibes auch das Seelenleben sich entwickelt; wie im Alter, wo die Regsamkeit der physischen Vorgänge nachlässt, auch das Denken, Fühlen und Wollen nachlässt. Sieht man denn nicht — so kann mit Recht der naturwissenschaftlich Denkende sagen —, dass wirklich dasjenige, was man Seelenleben nennt, nur eine Wirkung ist der physisch-materiellen Vorgänge? Bleibt denn da noch etwas übrig — so kann der Naturforscher sagen —, von dem man sagen könnte, dass es als lebendiges inneres Sein durch die Pforte des Todes in eine geistige Welt eingeht?
[ 10 ] Ferner wird darauf hingewiesen: Man sieht doch, wie in der Jugend mit der Entwicklung des physischen Leibes auch das Seelenleben sich entwickelt; wie im Alter, wo die Regsamkeit der physischen Vorgänge nachlässt, auch das Denken, Fühlen und Wollen nachlässt. Sieht man denn nicht — so kann mit Recht der naturwissenschaftlich Denkende sagen —, dass wirklich dasjenige, was man Seelenleben nennt, nur eine Wirkung ist der physisch-materiellen Vorgänge? Bleibt denn da noch etwas übrig — so kann der Naturforscher sagen —, von dem man sagen könnte, dass es als lebendiges inneres Sein durch die Pforte des Todes in eine geistige Welt eingeht?
[ 11 ] Immer wieder und wiederum wird ja von naturwissenschaftlicher Seite aufmerksam gemacht auf einen uralten Gegensatz in Bezug auf die Erklärung des menschlichen Seelenlebens, der einem ja schon entgegentritt in Platos wunderbarem Gespräch über die Unsterblichkeit der Menschenseele, das angeknüpft wird an den Tod das Sokrates. Da sehen wir, wie Sokrates seine Einwände macht gegen Simmias, gegen den, der da sagt: Ach, dieses ganze seelische Leben des Menschen, wir können es auffassen wie etwas, wie das Spiel, die Töne einer Laute, und die Laute ist der physische Menschenleib. Wenn die Kräfte des physischen Menschenlebens sich entfalten, dann gibt das so, wie wenn die Saiten der Laute sich entfaltend den Klang geben und den Zusammenhang der Klänge geben, so geben die Verrichtungen, das materielle Geschehen des menschlichen Leibes, das Seelenleben, und in dem Augenblick, wo die Laute zerstört ist, hören auch die Zusammenklänge der Laute auf. Aber in dem Augenblick, wo zerstört ist dasjenige, was materielle Vorgänge bewirkt im Menschen, hört auch auf dasjenige, was sich wie das Erklingen der menschlichen Verrichtungen ergibt, hört auch das Seelenleben auf.
[ 11 ] Immer wieder und wiederum wird ja von naturwissenschaftlicher Seite aufmerksam gemacht auf einen uralten Gegensatz in Bezug auf die Erklärung des menschlichen Seelenlebens, der einem ja schon entgegentritt in Platos wunderbarem Gespräch über die Unsterblichkeit der Menschenseele, das angeknüpft wird an den Tod das Sokrates. Da sehen wir, wie Sokrates seine Einwände macht gegen Simmias, gegen den, der da sagt: Ach, dieses ganze seelische Leben des Menschen, wir können es auffassen wie etwas, wie das Spiel, die Töne einer Laute, und die Laute ist der physische Menschenleib. Wenn die Kräfte des physischen Menschenlebens sich entfalten, dann gibt das so, wie wenn die Saiten der Laute sich entfaltend den Klang geben und den Zusammenhang der Klänge geben, so geben die Verrichtungen, das materielle Geschehen des menschlichen Leibes, das Seelenleben, und in dem Augenblick, wo die Laute zerstört ist, hören auch die Zusammenklänge der Laute auf. Aber in dem Augenblick, wo zerstört ist dasjenige, was materielle Vorgänge bewirkt im Menschen, hört auch auf dasjenige, was sich wie das Erklingen der menschlichen Verrichtungen ergibt, hört auch das Seelenleben auf.
[ 12 ] Und es darf sogar gesagt werden, meine sehr verehrten Anwesenden, wenn man nicht von dem subjektiven Bedürfnis des menschlichen Lebens ausgeht, von den Sehnsüchten nach einem leibfreien Leben, so entkommt man sehr schwer, wenn man nur die notwendige Empfindung hat für die tragenden Kräfte der naturwissenschaftlichen Vorstellungen der Gegenwart, man entkommt sehr schwer demjenigen, was Naturwissenschaft in der eben angeführten Richtung von ihrem Gesichtspunkte aus zu sagen hat. Man entkommt ihm deshalb schwer, weil die Gründe, die anzuführen sind dafür, dass das seelische Leben, so wie man es kennt, wie es abläuft in der Alltäglichkeit im Denken, Fühlen und Wollen, wirklich nachweislich abhängig ist von den körperlichen Vorgängen. Die Gründe, die dafür vorzubringen sind, sind schwerwiegend für denjenigen, der eben die tragenden Kräfte dieser Gründe zu durchschauen vermag, der überhaupt einzugehen vermag auf dasjenige, was für die allgemeine Welterkenntnis die gegenwärtige Naturwissenschaft zu geben hat, was sie mitzusprechen hat.
[ 12 ] Und es darf sogar gesagt werden, meine sehr verehrten Anwesenden, wenn man nicht von dem subjektiven Bedürfnis des menschlichen Lebens ausgeht, von den Sehnsüchten nach einem leibfreien Leben, so entkommt man sehr schwer, wenn man nur die notwendige Empfindung hat für die tragenden Kräfte der naturwissenschaftlichen Vorstellungen der Gegenwart, man entkommt sehr schwer demjenigen, was Naturwissenschaft in der eben angeführten Richtung von ihrem Gesichtspunkte aus zu sagen hat. Man entkommt ihm deshalb schwer, weil die Gründe, die anzuführen sind dafür, dass das seelische Leben, so wie man es kennt, wie es abläuft in der Alltäglichkeit im Denken, Fühlen und Wollen, wirklich nachweislich abhängig ist von den körperlichen Vorgängen. Die Gründe, die dafür vorzubringen sind, sind schwerwiegend für denjenigen, der eben die tragenden Kräfte dieser Gründe zu durchschauen vermag, der überhaupt einzugehen vermag auf dasjenige, was für die allgemeine Welterkenntnis die gegenwärtige Naturwissenschaft zu geben hat, was sie mitzusprechen hat.
[ 13 ] Geisteswissenschaft steht aber — und das muss besonders betont werden — mit Bezug auf alles dasjenige, was bis jetzt gesagt worden ist, vollständig auf dem Boden der gegenwärtigen Naturwissenschaft. Und es gibt — ich kann selbstverständlich nicht den ganzen Umkreis dessen, was jetzt erwähnt werden müsste, wirklich erwähnen —, es gibt nichts, was berechtigterweise in der angedeuteten Richtung vonseiten der Naturwissenschaft vorzubringen ist, dem die wahre, echte Geisteswissenschaft widersprechen würde. Voll zugeben muss echte, wahre Geisteswissenschaft, dass dieses Denken, wie es uns in der Alltäglichkeit entgegentritt, dass dieses Fühlen und Wollen, wie es uns in der Alltäglichkeit entgegentritt, Ergebnisse physisch-materieller Vorgänge des Leibes sind und folglich auslöschen müssen in dem Augenblick, wo der Leib seine Tätigkeit mit dem Tode einstellt. Alles, was die Naturwissenschaft in Bezug auf dieses alltägliche Seelenleben — und das allein liegt ihr ja vor — zu sagen hat, das muss auch für wahre, echte Geisteswissenschaft gültige Voraussetzung sein.
[ 13 ] Geisteswissenschaft steht aber — und das muss besonders betont werden — mit Bezug auf alles dasjenige, was bis jetzt gesagt worden ist, vollständig auf dem Boden der gegenwärtigen Naturwissenschaft. Und es gibt — ich kann selbstverständlich nicht den ganzen Umkreis dessen, was jetzt erwähnt werden müsste, wirklich erwähnen —, es gibt nichts, was berechtigterweise in der angedeuteten Richtung vonseiten der Naturwissenschaft vorzubringen ist, dem die wahre, echte Geisteswissenschaft widersprechen würde. Voll zugeben muss echte, wahre Geisteswissenschaft, dass dieses Denken, wie es uns in der Alltäglichkeit entgegentritt, dass dieses Fühlen und Wollen, wie es uns in der Alltäglichkeit entgegentritt, Ergebnisse physisch-materieller Vorgänge des Leibes sind und folglich auslöschen müssen in dem Augenblick, wo der Leib seine Tätigkeit mit dem Tode einstellt. Alles, was die Naturwissenschaft in Bezug auf dieses alltägliche Seelenleben — und das allein liegt ihr ja vor — zu sagen hat, das muss auch für wahre, echte Geisteswissenschaft gültige Voraussetzung sein.
[ 14 ] Aber nun tritt eben erst diese wahre, echte Geisteswissenschaft ein, indem sie zu Wegen der geistigen Forschung führt, die über das gewöhnliche Denken, Fühlen und Wollen hinaus noch andere Inhalte, noch eine andere Wesenheit der menschlichen Seele anzuführen weiß. Ja, so sagt Geisteswissenschaft, was der Mensch erfährt im gewöhnlichen Leben als sein Denken, Fühlen und Wollen, ganz und gar ist es abhängig von leiblichen Prozessen. Aber hinter diesem Denken, Fühlen und Wollen stehen andere Seelenkräfte, stehen Seelenkräfte, die unsichtbar und unwahrnehmbar für das gewöhnliche Seelenleben sind und die unabhängig von dem Leiblichen erst sind, und die durch die Pforte des Todes gehen, wenn der Leib seine Auflösung erfährt.
[ 14 ] Aber nun tritt eben erst diese wahre, echte Geisteswissenschaft ein, indem sie zu Wegen der geistigen Forschung führt, die über das gewöhnliche Denken, Fühlen und Wollen hinaus noch andere Inhalte, noch eine andere Wesenheit der menschlichen Seele anzuführen weiß. Ja, so sagt Geisteswissenschaft, was der Mensch erfährt im gewöhnlichen Leben als sein Denken, Fühlen und Wollen, ganz und gar ist es abhängig von leiblichen Prozessen. Aber hinter diesem Denken, Fühlen und Wollen stehen andere Seelenkräfte, stehen Seelenkräfte, die unsichtbar und unwahrnehmbar für das gewöhnliche Seelenleben sind und die unabhängig von dem Leiblichen erst sind, und die durch die Pforte des Todes gehen, wenn der Leib seine Auflösung erfährt.
[ 15 ] Das gewöhnliche Denken, es wird ja so vollzogen, dass wir gewissermaßen im alltäglichen Leben die Dinge durch die Sinne wahrnehmen und unsere Gedanken an diese Wahrnehmung anschließen. Was wir so vollziehen, gerade Geisteswissenschaft muss im allerernstesten Sinne zugeben, dass das alles gebunden ist an den materiellen Prozess des Nervensystems. Das eigentliche Seelische kommt überhaupt im alltäglichen Leben gar nicht, auch nicht zum denkenden Bewusstsein. Dieses Seelenleben liegt, wie wir gleich sehen werden, auch hinter den gewöhnlichen Gedanken und Vorstellungen und es bewirkt — dieses Seelenleben — die materiellen Prozesse. Und dadurch, dass die materiellen Prozesse im Nervensystem ablaufen, werden von dem wahren Seelenleben Bilder entworfen. Diese Bilder sind unsere Gedanken. Diese Bilder sind gewissermaßen von keiner anderen Realität als das Spiegelbild, das wir anschauen, wenn wir vor einem Spiegel stehen.
[ 15 ] Das gewöhnliche Denken, es wird ja so vollzogen, dass wir gewissermaßen im alltäglichen Leben die Dinge durch die Sinne wahrnehmen und unsere Gedanken an diese Wahrnehmung anschließen. Was wir so vollziehen, gerade Geisteswissenschaft muss im allerernstesten Sinne zugeben, dass das alles gebunden ist an den materiellen Prozess des Nervensystems. Das eigentliche Seelische kommt überhaupt im alltäglichen Leben gar nicht, auch nicht zum denkenden Bewusstsein. Dieses Seelenleben liegt, wie wir gleich sehen werden, auch hinter den gewöhnlichen Gedanken und Vorstellungen und es bewirkt — dieses Seelenleben — die materiellen Prozesse. Und dadurch, dass die materiellen Prozesse im Nervensystem ablaufen, werden von dem wahren Seelenleben Bilder entworfen. Diese Bilder sind unsere Gedanken. Diese Bilder sind gewissermaßen von keiner anderen Realität als das Spiegelbild, das wir anschauen, wenn wir vor einem Spiegel stehen.
[ 16 ] Da stehen wir als Mensch vor einem Spiegel — das soll ein Vergleich sein, aber es soll doch etwas mehr besagen als ein bloßer Vergleich —, wenn wir uns nicht selber besehen können, sehen wir unser Bild. Das Bild ist nur so lange da, als der Spiegel vor uns steht; ganz und gar hängt es ab von der Natur des Spiegels. Mit unserem Seelenleben, mit unserem wahren Seelenleben, meine sehr verehrten Anwesenden, das Geisteswissenschaft erst entdeckt, das nicht besteht in dem gewöhnlichen Denken, Fühlen und Wollen, stehen wir wie der Mensch vor dem Spiegel, der nicht sich selber sehen kann; und dasjenige, was er da tut, dieser Mensch, das ist, dass er im Unbewussten Prozesse in seinem Nervensystem bewirkt. Das aber macht das Nervensystem zu einem Spiegel, und aus diesem Spiegel werden zurückgeworfen Gedanken und Vorstellungen. Gedanken und Vorstellungen sind wirklich nur so lange da, als Gedanken und Vorstellungen, als das Nervensystem tätig werden kann. So wenig das Spiegelbild für sich eine Realität hat, so wenig hat dasjenige, was wir im gewöhnlichen Sinne unser Denken nennen, eine andere als eine Bildrealität, eine wirkliche Bildrealität. Es ist angewiesen darauf, dass das seelische Leben sich spiegelt an den materiellen Vorgängen des Nervensystems.
[ 16 ] Da stehen wir als Mensch vor einem Spiegel — das soll ein Vergleich sein, aber es soll doch etwas mehr besagen als ein bloßer Vergleich —, wenn wir uns nicht selber besehen können, sehen wir unser Bild. Das Bild ist nur so lange da, als der Spiegel vor uns steht; ganz und gar hängt es ab von der Natur des Spiegels. Mit unserem Seelenleben, mit unserem wahren Seelenleben, meine sehr verehrten Anwesenden, das Geisteswissenschaft erst entdeckt, das nicht besteht in dem gewöhnlichen Denken, Fühlen und Wollen, stehen wir wie der Mensch vor dem Spiegel, der nicht sich selber sehen kann; und dasjenige, was er da tut, dieser Mensch, das ist, dass er im Unbewussten Prozesse in seinem Nervensystem bewirkt. Das aber macht das Nervensystem zu einem Spiegel, und aus diesem Spiegel werden zurückgeworfen Gedanken und Vorstellungen. Gedanken und Vorstellungen sind wirklich nur so lange da, als Gedanken und Vorstellungen, als das Nervensystem tätig werden kann. So wenig das Spiegelbild für sich eine Realität hat, so wenig hat dasjenige, was wir im gewöhnlichen Sinne unser Denken nennen, eine andere als eine Bildrealität, eine wirkliche Bildrealität. Es ist angewiesen darauf, dass das seelische Leben sich spiegelt an den materiellen Vorgängen des Nervensystems.
[ 17 ] Dasjenige nun, was im Denken lebt, die eigentliche Seelenkraft, die sich vergleichen lässt mit dem Menschen, der vor dem Spiegel steht und dem seine Gedanken nur als ein Bild erscheinen, diese eigentliche Seelenkraft muss eben erst durch Geisteswissenschaft gefunden werden. Und ich habe in früheren Vorträgen auch von diesem Orte aus schon hingedeutet auf die Art und Weise, wie nun in dem bloßen bildhaften Sein, das wir erleben im alltäglichen Denken und Vorstellen, erkannt werden kann das wirkliche, zugrunde liegende Seelenleben; ich möchte sagen dasjenige, was im Denken als die dem Denken zugrunde liegende seelische Kraft vorhanden ist.
[ 17 ] Dasjenige nun, was im Denken lebt, die eigentliche Seelenkraft, die sich vergleichen lässt mit dem Menschen, der vor dem Spiegel steht und dem seine Gedanken nur als ein Bild erscheinen, diese eigentliche Seelenkraft muss eben erst durch Geisteswissenschaft gefunden werden. Und ich habe in früheren Vorträgen auch von diesem Orte aus schon hingedeutet auf die Art und Weise, wie nun in dem bloßen bildhaften Sein, das wir erleben im alltäglichen Denken und Vorstellen, erkannt werden kann das wirkliche, zugrunde liegende Seelenleben; ich möchte sagen dasjenige, was im Denken als die dem Denken zugrunde liegende seelische Kraft vorhanden ist.
[ 18 ] Ich habe darauf aufmerksam gemacht — Sie können alles Nähere in meinen Büchern nachlesen, in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und im zweiten Teil meiner «Geheimwissenschaft», ich kann nur das Prinzipielle dieser Dinge jetzt andeuten in der kurzen Zeit —, ich habe schon früher angedeutet, was dann zu geschehen hat im Innern der Seele, damit dasjenige, was sich in Gedanken und Vorstellungen im Bilde spiegelt, sich selbst gewahr werde, damit das seelische Leben wirklich sich in demjenigen Elemente ergreift, das ihm für das gewöhnliche, alltägliche Leben ganz unbewusst bleibt. Dasjenige, was die Seele in sich zu vollziehen hat, es sind intime innere Prozesse und Erlebnisse der Seele selbst. Wenn wir nur dasjenige Denken und Vorstellen anwenden, das wir im gewöhnlichen Erleben des Tages haben, dann kommen wir niemals zur Entdeckung des wirklichen, übersinnlichen Seelischen, das in uns waltet und west und das durch die Pforte des Todes geht, auch wenn der Leib zerstört ist. Da müssen wir in dem Denken, in dem alltäglichen Denken gewisse innere intime Prozesse vornehmen, die man Meditation und Konzentration des Denkens nennt. Ich kann das nur kurz andeuten.
[ 18 ] Ich habe darauf aufmerksam gemacht — Sie können alles Nähere in meinen Büchern nachlesen, in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und im zweiten Teil meiner «Geheimwissenschaft», ich kann nur das Prinzipielle dieser Dinge jetzt andeuten in der kurzen Zeit —, ich habe schon früher angedeutet, was dann zu geschehen hat im Innern der Seele, damit dasjenige, was sich in Gedanken und Vorstellungen im Bilde spiegelt, sich selbst gewahr werde, damit das seelische Leben wirklich sich in demjenigen Elemente ergreift, das ihm für das gewöhnliche, alltägliche Leben ganz unbewusst bleibt. Dasjenige, was die Seele in sich zu vollziehen hat, es sind intime innere Prozesse und Erlebnisse der Seele selbst. Wenn wir nur dasjenige Denken und Vorstellen anwenden, das wir im gewöhnlichen Erleben des Tages haben, dann kommen wir niemals zur Entdeckung des wirklichen, übersinnlichen Seelischen, das in uns waltet und west und das durch die Pforte des Todes geht, auch wenn der Leib zerstört ist. Da müssen wir in dem Denken, in dem alltäglichen Denken gewisse innere intime Prozesse vornehmen, die man Meditation und Konzentration des Denkens nennt. Ich kann das nur kurz andeuten.
[ 19 ] Während wir sonst den gewöhnlichen Gesetzen — die uns die Welt auferlegt — folgend, einen Gedanken auf den anderen Gedanken folgen lassen, versuchen wir in der Meditation und Konzentration, in der inneren Erkraftung und Anstrengung des Denkens, durch innere Willkür gewisse Gedanken, die wir uns durchaus selbst bilden oder die wir irgendwoher gebildet erhalten, in den Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit zu stellen. Wir bemühen uns nicht nur, uns von der Welt mit Bezug auf das Denken leiten zu lassen, sondern innerlich die Kräfte der Seele so zu konzentrieren, dass diese Kräfte der Seele durch eine längere Zeit hindurch auf eine einzige Vorstellungsreihe eben hingewandt sind. Wir bemühen uns so, eine innere Tätigkeit des Denkens zu entwickeln, welche man sonst im Leben nie entwickelt, und hinzuschauen mit aller innerlich aufzuwendenden Kraft auf einen einzigen Gedanken; das nennt man Meditation, sich konzentrieren auf einen Gedanken.
[ 19 ] Während wir sonst den gewöhnlichen Gesetzen — die uns die Welt auferlegt — folgend, einen Gedanken auf den anderen Gedanken folgen lassen, versuchen wir in der Meditation und Konzentration, in der inneren Erkraftung und Anstrengung des Denkens, durch innere Willkür gewisse Gedanken, die wir uns durchaus selbst bilden oder die wir irgendwoher gebildet erhalten, in den Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit zu stellen. Wir bemühen uns nicht nur, uns von der Welt mit Bezug auf das Denken leiten zu lassen, sondern innerlich die Kräfte der Seele so zu konzentrieren, dass diese Kräfte der Seele durch eine längere Zeit hindurch auf eine einzige Vorstellungsreihe eben hingewandt sind. Wir bemühen uns so, eine innere Tätigkeit des Denkens zu entwickeln, welche man sonst im Leben nie entwickelt, und hinzuschauen mit aller innerlich aufzuwendenden Kraft auf einen einzigen Gedanken; das nennt man Meditation, sich konzentrieren auf einen Gedanken.
[ 20 ] Es kommt nicht darauf an, dass man einen Gedanken bloß denkt, sondern dass dieser Gedanke durch keine äußere Veranlassung, sondern von innen heraus in den Mittelpunkt des Bewusstseins gerückt wird und längere Zeit in der Seele verweilt, dass man gleichsam diesen Gedanken innerlich überschaut, dass die Seele darauf gerichtet ist. Es kommt nicht darauf an, was dieser Gedanke besagt oder ob er wahr ist in Bezug auf äußere Erscheinungen, sondern darauf, dass die Seele sich innerlich konzentriert. Also auf das innere Erleben der Seele kommt es an, auf dasjenige, was sie in innerlich erkrafteter Gedankentätigkeit erlebt. Es kommt nicht darauf an, was die Seele vorstellt. Deshalb ist es besser, wenn man eine sinnbildliche Vorstellung, die nichts Äußeres abbildet, in den Mittelpunkt des Bewusstseins rückt. Darauf kommt es also an, dass man innere Kräfte, die man sonst nicht braucht, auf dieses Vorstellen verwendet. Es ist dann allerdings notwendig, dass man viel Geduld und Ausdauer hat, weil es manchmal jahrelang dauert, bis [man] gleichsam eine innere Denkgewohnheit, die man in diesem Konzentrieren entwickelt, so weit steigert, dass Verborgenes, das hinter dem Denken liegt, das gleichsam im Denken tätig ist, aber für das gewöhnliche Bewusstsein nicht erscheint, dass dieses herauftritt ins Bewusstsein. Wenn man also, und zwar oftmals jahrelang, in Geduld, Energie und Ausdauer, ich sage jetzt nicht bloß sein Denken, sondern seine inneren, dem Denken zugrunde liegenden Kräfte aus den verborgenen, tiefen Untergründen heraufholt, dann merkt man, was es heißt, nicht bloß [zu] denken, sondern im Gedanken bilden, im Gedanken erkraften sein inneres Erleben. Dieses, was dabei herauskommt, meine sehr verehrten Anwesenden, ist eine absolut neue Erfahrung des Lebens, etwas, was der Mensch nicht haben kann, wenn er nicht auf die geschilderte Weise seine Gedanken erkraftet hat. Wie gesagt, das Nähere können Sie in den angegebenen Büchern nachlesen, ich kann jetzt nur das Prinzipielle anführen.
[ 20 ] Es kommt nicht darauf an, dass man einen Gedanken bloß denkt, sondern dass dieser Gedanke durch keine äußere Veranlassung, sondern von innen heraus in den Mittelpunkt des Bewusstseins gerückt wird und längere Zeit in der Seele verweilt, dass man gleichsam diesen Gedanken innerlich überschaut, dass die Seele darauf gerichtet ist. Es kommt nicht darauf an, was dieser Gedanke besagt oder ob er wahr ist in Bezug auf äußere Erscheinungen, sondern darauf, dass die Seele sich innerlich konzentriert. Also auf das innere Erleben der Seele kommt es an, auf dasjenige, was sie in innerlich erkrafteter Gedankentätigkeit erlebt. Es kommt nicht darauf an, was die Seele vorstellt. Deshalb ist es besser, wenn man eine sinnbildliche Vorstellung, die nichts Äußeres abbildet, in den Mittelpunkt des Bewusstseins rückt. Darauf kommt es also an, dass man innere Kräfte, die man sonst nicht braucht, auf dieses Vorstellen verwendet. Es ist dann allerdings notwendig, dass man viel Geduld und Ausdauer hat, weil es manchmal jahrelang dauert, bis [man] gleichsam eine innere Denkgewohnheit, die man in diesem Konzentrieren entwickelt, so weit steigert, dass Verborgenes, das hinter dem Denken liegt, das gleichsam im Denken tätig ist, aber für das gewöhnliche Bewusstsein nicht erscheint, dass dieses herauftritt ins Bewusstsein. Wenn man also, und zwar oftmals jahrelang, in Geduld, Energie und Ausdauer, ich sage jetzt nicht bloß sein Denken, sondern seine inneren, dem Denken zugrunde liegenden Kräfte aus den verborgenen, tiefen Untergründen heraufholt, dann merkt man, was es heißt, nicht bloß [zu] denken, sondern im Gedanken bilden, im Gedanken erkraften sein inneres Erleben. Dieses, was dabei herauskommt, meine sehr verehrten Anwesenden, ist eine absolut neue Erfahrung des Lebens, etwas, was der Mensch nicht haben kann, wenn er nicht auf die geschilderte Weise seine Gedanken erkraftet hat. Wie gesagt, das Nähere können Sie in den angegebenen Büchern nachlesen, ich kann jetzt nur das Prinzipielle anführen.
[ 21 ] Was findet man nun, wenn man also gleichsam, innerlich rein geistig-seelisch experimentiert? Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, dasjenige, was man da findet, ich kann es mit den folgenden Worten am besten charakterisieren: Das gewöhnliche Denken, bis wohin kommt es denn eigentlich? Wenn man wirklich unbefangen dieses gewöhnliche Denken, wie es der Mensch im alltäglichen Leben entwickelt, betrachtet, muss man sich sagen: Es kommt bis zu dem, was man das Erinnern nennt, bis zur Erinnerung, bis zur Gedächtnisentfaltung. Wir haben ja darauf aufmerksam machen können, dass dasjenige, was im Denken eigentlich lebt, vor dem Leiblichen steht wie vor einem Spiegel, und dass dasjenige, was die gewöhnlichen Gedanken sind, vom Leibe zurückgespiegelt wird. Dann aber entwickelt dieses Denken, dieses Vorstellen solche Gedanken, solche Vorstellungen, solche Ideen, welche gewissermaßen, wie man so gewöhnlich meint, in dem Seelenleben sich eingraben, dort bleiben, sodass man später wiederum zurückblicken kann und, ohne dass ein äußeres Erlebnis da ist, dasjenige, was man früher erlebt hat, im eigenen Seelenleben einen Nachklang findet. Im Grunde genommen beruht alle Philosophie, alle Wissenschaft darauf, dass der Mensch Erinnerung entwickeln kann, dass er zurückblicken kann auf dasjenige, was nicht mehr vorhanden ist. Und gerade mit Bezug auf dasjenige, was man Erinnerung nennen kann, steht mit der sich wirklich recht verstehenden naturwissenschaftlichen Weltauffassung der Geistesforscher in vollem, vollem Einklang. Man darf allerdings nicht glauben — und gerade die fortschreitende Naturwissenschaft wird das beweisen, es wird sich dasjenige beweisen, was ich jetzt als ein Ergebnis der Geisteswissenschaft werde auszuführen haben —, man darf nicht glauben, dass etwas wie eine fotografische Abbildung eines Erlebnisses in der Seele bleibt, die in der Erinnerung wieder heraufgeholt wird. Man darf auch nicht glauben, dass im Nervensystem irgendetwas bleibt, was, wenn es wieder regsam wird, eine Ähnlichkeit hat mit den Erlebnissen, die man vor Jahren ‚oder auch gestern gehabt hat. Allerdings sind heute noch die Vorstellungen, die der auf naturwissenschaftlichen Boden sich stellende Mensch sich macht, gewissermaßen unzureichend. Aber es ist eben durchaus die Richtung der Naturwissenschaft dahin gehend, wo auch dasjenige liegt, was jetzt zu sagen ist.
[ 21 ] Was findet man nun, wenn man also gleichsam, innerlich rein geistig-seelisch experimentiert? Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, dasjenige, was man da findet, ich kann es mit den folgenden Worten am besten charakterisieren: Das gewöhnliche Denken, bis wohin kommt es denn eigentlich? Wenn man wirklich unbefangen dieses gewöhnliche Denken, wie es der Mensch im alltäglichen Leben entwickelt, betrachtet, muss man sich sagen: Es kommt bis zu dem, was man das Erinnern nennt, bis zur Erinnerung, bis zur Gedächtnisentfaltung. Wir haben ja darauf aufmerksam machen können, dass dasjenige, was im Denken eigentlich lebt, vor dem Leiblichen steht wie vor einem Spiegel, und dass dasjenige, was die gewöhnlichen Gedanken sind, vom Leibe zurückgespiegelt wird. Dann aber entwickelt dieses Denken, dieses Vorstellen solche Gedanken, solche Vorstellungen, solche Ideen, welche gewissermaßen, wie man so gewöhnlich meint, in dem Seelenleben sich eingraben, dort bleiben, sodass man später wiederum zurückblicken kann und, ohne dass ein äußeres Erlebnis da ist, dasjenige, was man früher erlebt hat, im eigenen Seelenleben einen Nachklang findet. Im Grunde genommen beruht alle Philosophie, alle Wissenschaft darauf, dass der Mensch Erinnerung entwickeln kann, dass er zurückblicken kann auf dasjenige, was nicht mehr vorhanden ist. Und gerade mit Bezug auf dasjenige, was man Erinnerung nennen kann, steht mit der sich wirklich recht verstehenden naturwissenschaftlichen Weltauffassung der Geistesforscher in vollem, vollem Einklang. Man darf allerdings nicht glauben — und gerade die fortschreitende Naturwissenschaft wird das beweisen, es wird sich dasjenige beweisen, was ich jetzt als ein Ergebnis der Geisteswissenschaft werde auszuführen haben —, man darf nicht glauben, dass etwas wie eine fotografische Abbildung eines Erlebnisses in der Seele bleibt, die in der Erinnerung wieder heraufgeholt wird. Man darf auch nicht glauben, dass im Nervensystem irgendetwas bleibt, was, wenn es wieder regsam wird, eine Ähnlichkeit hat mit den Erlebnissen, die man vor Jahren ‚oder auch gestern gehabt hat. Allerdings sind heute noch die Vorstellungen, die der auf naturwissenschaftlichen Boden sich stellende Mensch sich macht, gewissermaßen unzureichend. Aber es ist eben durchaus die Richtung der Naturwissenschaft dahin gehend, wo auch dasjenige liegt, was jetzt zu sagen ist.
[ 22 ] Was bleibt denn eigentlich, wenn wir jetzt ein Erlebnis haben und wenn dann Tage oder Jahre vergehen und wir später aus dem Borne unserer Erinnerungen wiederum heraufholen dasjenige, was wir erlebt haben? Was bleibt dann? Bleibt ein Abbild? Nein.
[ 22 ] Was bleibt denn eigentlich, wenn wir jetzt ein Erlebnis haben und wenn dann Tage oder Jahre vergehen und wir später aus dem Borne unserer Erinnerungen wiederum heraufholen dasjenige, was wir erlebt haben? Was bleibt dann? Bleibt ein Abbild? Nein.
[ 23 ] Meine sehr verehrten Anwesenden, gerade die Naturwissenschaft wird beweisen, dass dasjenige, was im Leibe bei der Erinnerung bleibt, sozusagen so aussieht, dass es dem, was wir da erinnern, nicht ähnlicher ist wie die Buchstaben, die auf einem Papier stehen. Und wir lesen ab, was wir erinnern, wie wir diese Buchstaben lesen. Gerade die Naturwissenschaft wird beweisen, dass diese Erinnerung eine Ähnlichkeit hat mit einem unterbewussten Lesen, dass dasjenige, was in der Erinnerung zurückbleibt, nichts ist als Zeichen, die erst gedeutet werden müssen von dem tieferen Seelenleben. So, wie derjenige nicht wirklich liest, der etwa beschreiben würde: Da ist ein Buchstabe, der hat einen Strich senkrecht, einen Strich aufwärts, eine Rundung, da ist ein Buchstabe, der hat die Rundung voraus, dann senkrechte Striche und so weiter — wie der nicht liest, sondern wie derjenige, der lesen gelernt hat, nicht beschreibt, was er auf dem Papier sieht, sondern durch sein Lesen-Können gewisse Vorstellungen sich bildet, die nichts zu tun haben mit dem, was auf dem Papier steht, so ist es mit dem, was als Zeichen zurückbleibt in der leiblichen Organisation, im Verhältnis zu dem, was wir dann in der wirklich erlebten Erinnerung haben. Es ist ein inneres Lesen, diese Erinnerung. Das, wie gesagt, wird die Naturwissenschaft beweisen, gerade von ihrem Gesichtspunkte aus. Immer mehr und mehr wird sie von den abenteuerlichen Vorstellungen abkommen, die sie jetzt hat. Dass die Geisteswissenschaft zu einer solchen Erkenntnis kommen kann, wie sie eben ausgesprochen wurde, werden Sie gleich ersehen, wenn über andere Arten geisteswissenschaftlicher Vorstellungen gesprochen wird.
[ 23 ] Meine sehr verehrten Anwesenden, gerade die Naturwissenschaft wird beweisen, dass dasjenige, was im Leibe bei der Erinnerung bleibt, sozusagen so aussieht, dass es dem, was wir da erinnern, nicht ähnlicher ist wie die Buchstaben, die auf einem Papier stehen. Und wir lesen ab, was wir erinnern, wie wir diese Buchstaben lesen. Gerade die Naturwissenschaft wird beweisen, dass diese Erinnerung eine Ähnlichkeit hat mit einem unterbewussten Lesen, dass dasjenige, was in der Erinnerung zurückbleibt, nichts ist als Zeichen, die erst gedeutet werden müssen von dem tieferen Seelenleben. So, wie derjenige nicht wirklich liest, der etwa beschreiben würde: Da ist ein Buchstabe, der hat einen Strich senkrecht, einen Strich aufwärts, eine Rundung, da ist ein Buchstabe, der hat die Rundung voraus, dann senkrechte Striche und so weiter — wie der nicht liest, sondern wie derjenige, der lesen gelernt hat, nicht beschreibt, was er auf dem Papier sieht, sondern durch sein Lesen-Können gewisse Vorstellungen sich bildet, die nichts zu tun haben mit dem, was auf dem Papier steht, so ist es mit dem, was als Zeichen zurückbleibt in der leiblichen Organisation, im Verhältnis zu dem, was wir dann in der wirklich erlebten Erinnerung haben. Es ist ein inneres Lesen, diese Erinnerung. Das, wie gesagt, wird die Naturwissenschaft beweisen, gerade von ihrem Gesichtspunkte aus. Immer mehr und mehr wird sie von den abenteuerlichen Vorstellungen abkommen, die sie jetzt hat. Dass die Geisteswissenschaft zu einer solchen Erkenntnis kommen kann, wie sie eben ausgesprochen wurde, werden Sie gleich ersehen, wenn über andere Arten geisteswissenschaftlicher Vorstellungen gesprochen wird.
[ 24 ] So gelangt der Mensch in seinem Denken dazu, gewissermaßen das bloße Wahrnehmen von Spiegelbildern herauszuheben zu einer Art Lesen nach rückwärts, zu einem unterbewussten Lesen nach rückwärts hin. Auch das ist eine Art Spiegel; aber das, was gespiegelt wird, sind nur Zeichen, nicht ein wirkliches Bild, sondern Zeichen, die wir später aufrufen durch dasjenige, was wir als Seelenkraft in uns haben, zu dem, was uns dann das Wiederaufleben der Erinnerung ist. Merken wir daraus, dass, wenn wir in unseren Erinnerungen weben und leben, wir eigentlich in einem wirklichen Geistigen weben und leben. In dem Augenblick, wo das Denken in Erinnerung übergeht, wirkt schon in diesem Denken, man will es nur gewöhnlich nicht wahrhaben, eine tiefere, rein geistig-seelische Kraft. Denn wir können nicht, wenn wir uns erinnern, etwa den Vorgang, der in dem Gehirn geblieben ist, heraufbeschwören — das wäre nichts als ein Beschreiben der Buchstaben —, sondern wir müssen an den Zeichen Geistiges erkennen. Wir leben und weben in einem wirklichen Sein. In einem wirklichen inneren Erleben sind wir in der Erinnerung. Die Erinnerung ist dasjenige, durch das der Mensch von dem noch durchaus im größten Sinne an das Leibliche gebundene Denken, Fühlen und Wollen aufsteigt zum Geistigen. Und wenn der Mensch sich in seinem Willen genügend schult, dann wird er eben gewahr, dass, wenn er in der Erinnerung lebt, er im Seelischen lebt, in dem Seelischen, das vom Leibe unabhängig ist, insofern im Leiblichen nur die Zeichen sind.
[ 24 ] So gelangt der Mensch in seinem Denken dazu, gewissermaßen das bloße Wahrnehmen von Spiegelbildern herauszuheben zu einer Art Lesen nach rückwärts, zu einem unterbewussten Lesen nach rückwärts hin. Auch das ist eine Art Spiegel; aber das, was gespiegelt wird, sind nur Zeichen, nicht ein wirkliches Bild, sondern Zeichen, die wir später aufrufen durch dasjenige, was wir als Seelenkraft in uns haben, zu dem, was uns dann das Wiederaufleben der Erinnerung ist. Merken wir daraus, dass, wenn wir in unseren Erinnerungen weben und leben, wir eigentlich in einem wirklichen Geistigen weben und leben. In dem Augenblick, wo das Denken in Erinnerung übergeht, wirkt schon in diesem Denken, man will es nur gewöhnlich nicht wahrhaben, eine tiefere, rein geistig-seelische Kraft. Denn wir können nicht, wenn wir uns erinnern, etwa den Vorgang, der in dem Gehirn geblieben ist, heraufbeschwören — das wäre nichts als ein Beschreiben der Buchstaben —, sondern wir müssen an den Zeichen Geistiges erkennen. Wir leben und weben in einem wirklichen Sein. In einem wirklichen inneren Erleben sind wir in der Erinnerung. Die Erinnerung ist dasjenige, durch das der Mensch von dem noch durchaus im größten Sinne an das Leibliche gebundene Denken, Fühlen und Wollen aufsteigt zum Geistigen. Und wenn der Mensch sich in seinem Willen genügend schult, dann wird er eben gewahr, dass, wenn er in der Erinnerung lebt, er im Seelischen lebt, in dem Seelischen, das vom Leibe unabhängig ist, insofern im Leiblichen nur die Zeichen sind.
[ 25 ] Wenn man nun in der angegebenen Weise durch Meditation und Konzentration, wie sie prinzipiell beschrieben worden sind, das Denken erkraftet, das Denken belebt, dann kommt man dazu, dieses Denken selbst umzuwandeln zu dem, was es im gewöhnlichen Leben nicht ist. Dieses Denken gewinnt dann an innerer Aktivität. Es ist geradeso mit diesem Denken, wie wenn man vor einem Spiegel steht und es so weit brächte, wenn man so scharf innerlich tätig wäre, dass man dadurch das Spiegelbild auslöscht und dann sich gewahr würde, wie man da steht in seiner innerlichen Seelenkraft. So ist es mit dem Denken in der Konzentration. Man löscht die gewöhnlichen Gedanken aus, man lebt aber auf in der denkenden Kraft, und man merkt dann: Da lebt man in etwas auf, was jetzt nicht mehr im Leibe irgendetwas Bedingendes hat; man wird etwas ganz Neues gewahr. Man merkt auch den Unterschied, der darin besteht, dass das gewöhnliche Denken ganz an den Leib gebunden ist; wirft der Leib das Denken nicht zurück als Spiegelbild, so ist es nicht da. Jetzt aber wird man gewahr, dass es ein Denken gibt, das unabhängig ist vom leiblichen Erleben. Wie gesagt, heute ist es noch schwierig, dass der Mensch schon ohne Weiteres aus den gewohnten Vorstellungen und Denkgewohnheiten heraus zugibt, dass also wirklich eine innere Seelenkraft, die dem Denken zugrunde liegt, sich so gewahr wird, dass der Mensch, indem er dieses innere Erlebnis hat, von dem Leibe ganz unabhängig wird. Sodass man sagen kann: Der Denker schlüpft, indem er sich erlebt in der Denkkraft, in seinem Denken selber aus dem Leibe heraus, wird unabhängig von dem Leibe. Jetzt kann er auch beurteilen, dass wirklich diese innere Denkkraft etwas ist, was unabhängig vom Leibe ist. Es ist mit dem Konzentrieren ein realer Prozess erreicht, eine Seele ist etwas anderes geworden, ist das geworden, was sich unabhängig wissen kann vom Leibe.
[ 25 ] Wenn man nun in der angegebenen Weise durch Meditation und Konzentration, wie sie prinzipiell beschrieben worden sind, das Denken erkraftet, das Denken belebt, dann kommt man dazu, dieses Denken selbst umzuwandeln zu dem, was es im gewöhnlichen Leben nicht ist. Dieses Denken gewinnt dann an innerer Aktivität. Es ist geradeso mit diesem Denken, wie wenn man vor einem Spiegel steht und es so weit brächte, wenn man so scharf innerlich tätig wäre, dass man dadurch das Spiegelbild auslöscht und dann sich gewahr würde, wie man da steht in seiner innerlichen Seelenkraft. So ist es mit dem Denken in der Konzentration. Man löscht die gewöhnlichen Gedanken aus, man lebt aber auf in der denkenden Kraft, und man merkt dann: Da lebt man in etwas auf, was jetzt nicht mehr im Leibe irgendetwas Bedingendes hat; man wird etwas ganz Neues gewahr. Man merkt auch den Unterschied, der darin besteht, dass das gewöhnliche Denken ganz an den Leib gebunden ist; wirft der Leib das Denken nicht zurück als Spiegelbild, so ist es nicht da. Jetzt aber wird man gewahr, dass es ein Denken gibt, das unabhängig ist vom leiblichen Erleben. Wie gesagt, heute ist es noch schwierig, dass der Mensch schon ohne Weiteres aus den gewohnten Vorstellungen und Denkgewohnheiten heraus zugibt, dass also wirklich eine innere Seelenkraft, die dem Denken zugrunde liegt, sich so gewahr wird, dass der Mensch, indem er dieses innere Erlebnis hat, von dem Leibe ganz unabhängig wird. Sodass man sagen kann: Der Denker schlüpft, indem er sich erlebt in der Denkkraft, in seinem Denken selber aus dem Leibe heraus, wird unabhängig von dem Leibe. Jetzt kann er auch beurteilen, dass wirklich diese innere Denkkraft etwas ist, was unabhängig vom Leibe ist. Es ist mit dem Konzentrieren ein realer Prozess erreicht, eine Seele ist etwas anderes geworden, ist das geworden, was sich unabhängig wissen kann vom Leibe.
[ 26 ] Und jetzt tritt, gerade dann, wenn man in Geduld und Ausdauer und Energie solche Übungen gemacht hat, wodurch man innerlich kraftvoller und immer kraftvoller zu einem Erleben gekommen ist, es tritt jetzt etwas cin, was in der Tat ein Bedeutsames ist; ein inneres tragisches Erlebnis tritt ein. Ich möchte sagen, es ist so: Es sind diejenigen Vorgänge, die im Grunde genommen jeder, der im Ernste diese Methoden der Geistesforschung durchmacht, erleben muss, es ist so, dass wir in der Tat, indem wir uns konzentrieren, indem wir die dem Denken zugrunde liegenden Seelenkräfte entwickeln, wir uns innerlich immer lebendiger fühlen. Aber das geht nur bis zu einem gewissen Punkte. Ein gewisser Punkt des innerlichen Erlebens tritt ein, in dem die innerliche Erkraftung aufhört, in dem wie eine Last — ohne zu übertreiben kann man das sagen —, wie eine ganze Last einer unbekannten Welt sich auf die Seele legt. Und es verschwindet dann die Möglichkeit, dieses erkraftete Denken weiter zu erleben. Man fühlt, wie man durch eine unbekannte Macht dieses innere Erleben ausgelöscht erhält. Würde man nur diejenigen Übungen machen, die ich bis jetzt aufgezählt habe, so würde man in der Tat durch diese Übungen zu einem Punkte kommen, wo man, wie in einer Art innerer ungeheurer Belastung sich wie in das Nichts mit seiner Seele aufgelöst fühlt.
[ 26 ] Und jetzt tritt, gerade dann, wenn man in Geduld und Ausdauer und Energie solche Übungen gemacht hat, wodurch man innerlich kraftvoller und immer kraftvoller zu einem Erleben gekommen ist, es tritt jetzt etwas cin, was in der Tat ein Bedeutsames ist; ein inneres tragisches Erlebnis tritt ein. Ich möchte sagen, es ist so: Es sind diejenigen Vorgänge, die im Grunde genommen jeder, der im Ernste diese Methoden der Geistesforschung durchmacht, erleben muss, es ist so, dass wir in der Tat, indem wir uns konzentrieren, indem wir die dem Denken zugrunde liegenden Seelenkräfte entwickeln, wir uns innerlich immer lebendiger fühlen. Aber das geht nur bis zu einem gewissen Punkte. Ein gewisser Punkt des innerlichen Erlebens tritt ein, in dem die innerliche Erkraftung aufhört, in dem wie eine Last — ohne zu übertreiben kann man das sagen —, wie eine ganze Last einer unbekannten Welt sich auf die Seele legt. Und es verschwindet dann die Möglichkeit, dieses erkraftete Denken weiter zu erleben. Man fühlt, wie man durch eine unbekannte Macht dieses innere Erleben ausgelöscht erhält. Würde man nur diejenigen Übungen machen, die ich bis jetzt aufgezählt habe, so würde man in der Tat durch diese Übungen zu einem Punkte kommen, wo man, wie in einer Art innerer ungeheurer Belastung sich wie in das Nichts mit seiner Seele aufgelöst fühlt.
[ 27 ] Daher darf keine wahre geisteswissenschaftliche Methode nur das anempfehlen für den Weg in die geistige Welt hinein, was Ihnen jetzt angeführt worden ist. Sondern es müssen diesem Meditieren, diesem Konzentrieren gleichsam parallel gehen andere Übungen. Denn Sie haben ja sehen können, wie das Üben, das bis jetzt besprochen wurde, die dem Denken zugrunde liegenden Seelenkräfte ausbildet und in Anspruch nimmt. Wir würden wirklich in Erscheinungen hineinkommen, die wie ein ungeheurer Widerstand einer unbekannten Macht uns wie zerreißen würden, wenn wir nur einseitig diese Übung machen wollten. Es muss außer diesem Denken ausgebildet werden des Menschen Wollen, dasjenige, was mehr die aktive Seelenkraft ist. Wenn der Mensch beginnt, nicht nur durch diese Meditation und Konzentration das Denken zu vertiefen, für dieses Denken innerlich Kraft zu suchen, die sonst im tiefen Born des Seelenlebens verborgen liegt, sondern wenn er auch eine innere, intime Willenskultur durchmacht, gelangt er erst zum Richtigen.
[ 27 ] Daher darf keine wahre geisteswissenschaftliche Methode nur das anempfehlen für den Weg in die geistige Welt hinein, was Ihnen jetzt angeführt worden ist. Sondern es müssen diesem Meditieren, diesem Konzentrieren gleichsam parallel gehen andere Übungen. Denn Sie haben ja sehen können, wie das Üben, das bis jetzt besprochen wurde, die dem Denken zugrunde liegenden Seelenkräfte ausbildet und in Anspruch nimmt. Wir würden wirklich in Erscheinungen hineinkommen, die wie ein ungeheurer Widerstand einer unbekannten Macht uns wie zerreißen würden, wenn wir nur einseitig diese Übung machen wollten. Es muss außer diesem Denken ausgebildet werden des Menschen Wollen, dasjenige, was mehr die aktive Seelenkraft ist. Wenn der Mensch beginnt, nicht nur durch diese Meditation und Konzentration das Denken zu vertiefen, für dieses Denken innerlich Kraft zu suchen, die sonst im tiefen Born des Seelenlebens verborgen liegt, sondern wenn er auch eine innere, intime Willenskultur durchmacht, gelangt er erst zum Richtigen.
[ 28 ] Nun ist es selbstverständlich möglich — ich verweise da wiederum auf die angeführten Bücher —, dass man auch durch intime, innere Seelenverrichtungen das Willensleben immer gelassener und gelassener macht, dass man daraus immer mehr und mehr dasjenige herausholt, was die gewöhnlichen egoistischen Triebe und Leidenschaften der Menschenseele sind. Aber ich möchte diejenigen Übungen anführen, durch die man am sichersten zu einem innerlich entwickelten Seelenleben so kommen kann, wie man auf die andere Art zu der Entwicklung des Denklebens kommt. Da müssen wir herantreten an etwas, was in das Menschenleben ja so rätselhaft, oftmals furchtbar, jedenfalls aber immer für das gewöhnliche Erleben unerforschlich hereintritt. Das ist dasjenige, was wir das menschliche Schicksal nennen. Nicht als ob wir nur an dem Schicksal unseren Willen in der Art entwickeln könnten, wie das nun angeführt werden soll. Aber es ist gewissermaßen eine Stellung zum menschlichen Schicksal, was nun charakterisiert werden soll, der nächste Weg, durch den wir diese innere Willenskultur in uns erlangen können.
[ 28 ] Nun ist es selbstverständlich möglich — ich verweise da wiederum auf die angeführten Bücher —, dass man auch durch intime, innere Seelenverrichtungen das Willensleben immer gelassener und gelassener macht, dass man daraus immer mehr und mehr dasjenige herausholt, was die gewöhnlichen egoistischen Triebe und Leidenschaften der Menschenseele sind. Aber ich möchte diejenigen Übungen anführen, durch die man am sichersten zu einem innerlich entwickelten Seelenleben so kommen kann, wie man auf die andere Art zu der Entwicklung des Denklebens kommt. Da müssen wir herantreten an etwas, was in das Menschenleben ja so rätselhaft, oftmals furchtbar, jedenfalls aber immer für das gewöhnliche Erleben unerforschlich hereintritt. Das ist dasjenige, was wir das menschliche Schicksal nennen. Nicht als ob wir nur an dem Schicksal unseren Willen in der Art entwickeln könnten, wie das nun angeführt werden soll. Aber es ist gewissermaßen eine Stellung zum menschlichen Schicksal, was nun charakterisiert werden soll, der nächste Weg, durch den wir diese innere Willenskultur in uns erlangen können.
[ 29 ] Dieses Schicksal, wie tritt es an den Menschen heran im gewöhnlichen Leben? Nun, man sagt ja oftmals: Die Schicksalsschläge fallen uns zu. Da geschieht dieses oder jenes, wir können entweder in uns von dem, was uns da trifft, sympathisch oder antipathisch berührt werden; wir können dieses oder jenes vornehmen gegen die Schicksalsschläge, aber wir werden in diesem Leben zwischen Geburt und Tod das Schicksal empfinden wie eine Macht, die unser Leben gestaltet, der gegenüber wir uns aber nur verhalten können wie gegenüber einer unerforschlichen, rätselhaften Macht.
[ 29 ] Dieses Schicksal, wie tritt es an den Menschen heran im gewöhnlichen Leben? Nun, man sagt ja oftmals: Die Schicksalsschläge fallen uns zu. Da geschieht dieses oder jenes, wir können entweder in uns von dem, was uns da trifft, sympathisch oder antipathisch berührt werden; wir können dieses oder jenes vornehmen gegen die Schicksalsschläge, aber wir werden in diesem Leben zwischen Geburt und Tod das Schicksal empfinden wie eine Macht, die unser Leben gestaltet, der gegenüber wir uns aber nur verhalten können wie gegenüber einer unerforschlichen, rätselhaften Macht.
[ 30 ] Wenn man nun aber unbefangen dieses menschliche Leben betrachtet, kommt man schon im gewöhnlichen Leben diesem Schicksal gegenüber zu einer anderen Ansicht. Versuchen wir uns klarzumachen, wodurch wir dasjenige, was wir in diesem Augenblick des Lebens real sind — also nicht abstrakt sind, sondern real sind —, versuchen wir uns klarzumachen, wodurch wir das, was wir sind, in Wirklichkeit sind. Wir können dieses oder jenes; wir tun dieses oder jenes; wir sind imstande, diese oder jene Kraft aufzuwenden, dieses oder jenes von uns abzuweisen. Denken wir einmal nach, wodurch wir das können, wodurch wir das ganze Menschenwesen, das wir jetzt sind, geworden sind, wodurch wir es sind. Wir werden finden, wenn wir zurückblicken in unserem Leben: Da ist vor so und so vielen Jahren dieses oder jenes geschehen, was wie ein Zufall in unser Leben eingegriffen hat. Wäre es nicht geschehen, dass uns das gerade zufiel, so hätten wir das oder jenes nicht getan, wir würden diese oder jene Kraft nicht entwickelt haben, diese oder jene Neigungen nicht erworben haben. So, wie wir heute konfiguriert sind, es ist ein Ergebnis dessen, was uns das Schicksal damals gebracht hat. Nach Jahren sehen wir das ganz anders an. Wir sehen: Das Schicksal hat uns geschmiedet. Wir könnten ja nicht einmal schreiben heute, wenn wir nicht gelebt hätten in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, wo man uns das Schreiben beigebracht hat.
[ 30 ] Wenn man nun aber unbefangen dieses menschliche Leben betrachtet, kommt man schon im gewöhnlichen Leben diesem Schicksal gegenüber zu einer anderen Ansicht. Versuchen wir uns klarzumachen, wodurch wir dasjenige, was wir in diesem Augenblick des Lebens real sind — also nicht abstrakt sind, sondern real sind —, versuchen wir uns klarzumachen, wodurch wir das, was wir sind, in Wirklichkeit sind. Wir können dieses oder jenes; wir tun dieses oder jenes; wir sind imstande, diese oder jene Kraft aufzuwenden, dieses oder jenes von uns abzuweisen. Denken wir einmal nach, wodurch wir das können, wodurch wir das ganze Menschenwesen, das wir jetzt sind, geworden sind, wodurch wir es sind. Wir werden finden, wenn wir zurückblicken in unserem Leben: Da ist vor so und so vielen Jahren dieses oder jenes geschehen, was wie ein Zufall in unser Leben eingegriffen hat. Wäre es nicht geschehen, dass uns das gerade zufiel, so hätten wir das oder jenes nicht getan, wir würden diese oder jene Kraft nicht entwickelt haben, diese oder jene Neigungen nicht erworben haben. So, wie wir heute konfiguriert sind, es ist ein Ergebnis dessen, was uns das Schicksal damals gebracht hat. Nach Jahren sehen wir das ganz anders an. Wir sehen: Das Schicksal hat uns geschmiedet. Wir könnten ja nicht einmal schreiben heute, wenn wir nicht gelebt hätten in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, wo man uns das Schreiben beigebracht hat.
[ 31 ] Was ist denn das, was wir unser Ich nennen? Was ist es anderes, als im Leben zwischen Geburt und Tod schon das Ergebnis unseres Schicksals, das Ergebnis dessen, was da in uns eingeflossen ist, was wir jetzt wollen, weil wir es tun wollen, wenn nicht das Schicksal unseren Willen geformt, unseren Willen geschmiedet hätte? Wenn man in dieser Weise sich dem Schicksal gegenüberstellt, dann merkt man, dass man in seinem Ich, in seinem Selbst eigentlich ein Ergebnis dieses Schicksals ist, dass dieses Schicksal gleichsam, wie die Masse des Minerals in dem Kristall geronnen ist, in unserem Selbst, in unserem Ich geronnen ist. Wir sind zusammengeformt aus unserem Schicksal. Was wir jetzt wollen, es ist aus alledem, was unser Schicksal geformt hat, sozusagen zusammengeronnen.
[ 31 ] Was ist denn das, was wir unser Ich nennen? Was ist es anderes, als im Leben zwischen Geburt und Tod schon das Ergebnis unseres Schicksals, das Ergebnis dessen, was da in uns eingeflossen ist, was wir jetzt wollen, weil wir es tun wollen, wenn nicht das Schicksal unseren Willen geformt, unseren Willen geschmiedet hätte? Wenn man in dieser Weise sich dem Schicksal gegenüberstellt, dann merkt man, dass man in seinem Ich, in seinem Selbst eigentlich ein Ergebnis dieses Schicksals ist, dass dieses Schicksal gleichsam, wie die Masse des Minerals in dem Kristall geronnen ist, in unserem Selbst, in unserem Ich geronnen ist. Wir sind zusammengeformt aus unserem Schicksal. Was wir jetzt wollen, es ist aus alledem, was unser Schicksal geformt hat, sozusagen zusammengeronnen.
[ 32 ] Wenn man in diesen Gedanken abstrakt sich hineinlebt, so bedeutet er allerdings nicht viel, meine sehr verehrten Anwesenden, wenn man aber in seinem ganzen inneren Seelenleben, mit der Ganzheit seiner Gefühle und Empfindungen, möchte man sagen, wie auf etwas ganz Substanzielles, auf ein Feststehendes, auf sich hinblickt, dann beginnt man, gewisse Gefühle, gewisse Empfindungen diesem Schicksal gegenüber zu entwickeln. Man entwickelt diesem Schicksal gegenüber vielleicht Dankbarkeit, dass es einen geformt hat zu dem, was man jetzt ist, wenn es einem auch noch so schlimme und leidvolle Schläge zugefügt hat. Man empfindet noch vieles andere. Aber alles, was man so empfindet, kann man charakterisieren durch den einen gemeinsamen Zug: Man wächst zusammen mit seinem Schicksal schon im Leben zwischen Geburt und Tod; man lernt erkennen, wie man ein Ergebnis ist dieses Schicksals, wie das Schicksal in dem, was man ist, drinnensteckt. Dadurch wächst man zusammen mit seinem ganzen Schicksalsstrom. Dasjenige, was man als Empfindung seiner Eigenheit in sich hat, das reißt man aus sich heraus und identifiziert sich in intimer Weise mit dem Schicksalsstrom. Das darf aber nicht abstrakter Gedanke bleiben, sondern ein tiefes, inneres Erlebnis muss wiederum das sein, dass die Seele sich aus dieser Leiblichkeit freimacht und sich jetzt als Ich nicht mehr bloß in ihrer Haut verspürt, sondern wirklich sich fühlt in ihrem Schicksalsstrom drinnen. Auf sein Schicksal sieht man hin und sagt sich: Das bist du selbst; du wärst nicht das, was du bist, wenn das Schicksal nicht gewesen wäre.
[ 32 ] Wenn man in diesen Gedanken abstrakt sich hineinlebt, so bedeutet er allerdings nicht viel, meine sehr verehrten Anwesenden, wenn man aber in seinem ganzen inneren Seelenleben, mit der Ganzheit seiner Gefühle und Empfindungen, möchte man sagen, wie auf etwas ganz Substanzielles, auf ein Feststehendes, auf sich hinblickt, dann beginnt man, gewisse Gefühle, gewisse Empfindungen diesem Schicksal gegenüber zu entwickeln. Man entwickelt diesem Schicksal gegenüber vielleicht Dankbarkeit, dass es einen geformt hat zu dem, was man jetzt ist, wenn es einem auch noch so schlimme und leidvolle Schläge zugefügt hat. Man empfindet noch vieles andere. Aber alles, was man so empfindet, kann man charakterisieren durch den einen gemeinsamen Zug: Man wächst zusammen mit seinem Schicksal schon im Leben zwischen Geburt und Tod; man lernt erkennen, wie man ein Ergebnis ist dieses Schicksals, wie das Schicksal in dem, was man ist, drinnensteckt. Dadurch wächst man zusammen mit seinem ganzen Schicksalsstrom. Dasjenige, was man als Empfindung seiner Eigenheit in sich hat, das reißt man aus sich heraus und identifiziert sich in intimer Weise mit dem Schicksalsstrom. Das darf aber nicht abstrakter Gedanke bleiben, sondern ein tiefes, inneres Erlebnis muss wiederum das sein, dass die Seele sich aus dieser Leiblichkeit freimacht und sich jetzt als Ich nicht mehr bloß in ihrer Haut verspürt, sondern wirklich sich fühlt in ihrem Schicksalsstrom drinnen. Auf sein Schicksal sieht man hin und sagt sich: Das bist du selbst; du wärst nicht das, was du bist, wenn das Schicksal nicht gewesen wäre.
[ 33 ] So, wie früher beschrieben die Denkkraft sich frei macht aus dem Leibe, so macht eine solche Betrachtung — aber es muss diese Betrachtung das Gemüt, die Empfindung, den Willen ergreifen — den Menschen frei vom Leibe und strömt in das Schicksal aus.
[ 33 ] So, wie früher beschrieben die Denkkraft sich frei macht aus dem Leibe, so macht eine solche Betrachtung — aber es muss diese Betrachtung das Gemüt, die Empfindung, den Willen ergreifen — den Menschen frei vom Leibe und strömt in das Schicksal aus.
[ 34 ] Aber es bleibt nicht dabei, das ist das Eigentümliche, sondern indem der Mensch gleichlaufend die eine Übung der Denkkraft, die ich angeführt habe, macht und die andere Übung macht, die ihn aus sich selbst herausreißt und mit seinem Schicksal identifiziert, kommt er dazu — dieser Mensch —, dass er vor einer wirklich neuen Welt steht. Würden wir die Denkübung allein machen, dann würde man zu dem kommen, wovon man sagt: Es ist, wie wenn die ganze Weltentwicklung auf uns warten würde. Macht man aber die ganze Übung gleichzeitig, die sich auf den Willen bezieht, durch die sich ein Hinblicken nach dem Schicksal gestalten kann, dann wird auch die Gedankenübung angeregt.
[ 34 ] Aber es bleibt nicht dabei, das ist das Eigentümliche, sondern indem der Mensch gleichlaufend die eine Übung der Denkkraft, die ich angeführt habe, macht und die andere Übung macht, die ihn aus sich selbst herausreißt und mit seinem Schicksal identifiziert, kommt er dazu — dieser Mensch —, dass er vor einer wirklich neuen Welt steht. Würden wir die Denkübung allein machen, dann würde man zu dem kommen, wovon man sagt: Es ist, wie wenn die ganze Weltentwicklung auf uns warten würde. Macht man aber die ganze Übung gleichzeitig, die sich auf den Willen bezieht, durch die sich ein Hinblicken nach dem Schicksal gestalten kann, dann wird auch die Gedankenübung angeregt.
[ 35 ] Die beiden Übungen regen sich gegenseitig an und machen ein ganz Neues aus der Seele, reißen die Seele aus dem Leibe heraus. Und während bei der gewöhnlichen Erinnerung der Mensch noch in seinem Leibe leben muss, damit die Bilder auftauchen, die Bilder der Erinnerung an vergangene Erlebnisse — es müssen ja Zeichen im Leiblichen vorhanden sein —, gelangen wir dazu, wenn der Wille zugleich ausgebildet wird und die Denkkraft dazu wirklich unabhängig vom Leibe wird, wir gelangen dazu, eine Bilderwelt zu entwickeln; eine ganz neue Welt, die uns vorher unbekannt war, tritt auf. Es muss eben mit der Denkübung parallel gehen diese Willensübung.
[ 35 ] Die beiden Übungen regen sich gegenseitig an und machen ein ganz Neues aus der Seele, reißen die Seele aus dem Leibe heraus. Und während bei der gewöhnlichen Erinnerung der Mensch noch in seinem Leibe leben muss, damit die Bilder auftauchen, die Bilder der Erinnerung an vergangene Erlebnisse — es müssen ja Zeichen im Leiblichen vorhanden sein —, gelangen wir dazu, wenn der Wille zugleich ausgebildet wird und die Denkkraft dazu wirklich unabhängig vom Leibe wird, wir gelangen dazu, eine Bilderwelt zu entwickeln; eine ganz neue Welt, die uns vorher unbekannt war, tritt auf. Es muss eben mit der Denkübung parallel gehen diese Willensübung.
[ 36 ] Warum nenne ich diese Übung, die Bezug hat auf das Schicksal, eine Willensübung? Aus dem Grunde, weil der Mensch dazu gelangt, wirklich sich zu sagen: Dieses Schicksal ist mir nicht bloß zugefallen, sondern ich habe es gewollt. So wahr der Wille, den ich entwickle, aus dem Schicksal gewonnen ist, so wahr habe ich mein Schicksal geformt aus meinem Willen heraus. Der Mensch gelangt, wenn er diese Willensübung macht, dazu, seinen Willen aus sich herauszureißen und sich mit seinem Schicksal zu identifizieren. Und so gelangt der Mensch dadurch, dass er sein Denken vertieft und dadurch eine neue Seelenkraft, eine neue Kraft des Denkens entdeckt und dass er seinen Willen herausreißt und ihn zu einer neuen Kraft entwickelt, er gelangt dazu, nicht bloß eine Welt vor sich zu haben wie die Welt der Erinnerung, sondern eine Welt vor sich zu haben, welche er so erlebt, dass er weiß, indem er sie erlebt, dass er unabhängig ist von seinem Leibe, dass er im bloß Geistig-Seelischen lebt.
[ 36 ] Warum nenne ich diese Übung, die Bezug hat auf das Schicksal, eine Willensübung? Aus dem Grunde, weil der Mensch dazu gelangt, wirklich sich zu sagen: Dieses Schicksal ist mir nicht bloß zugefallen, sondern ich habe es gewollt. So wahr der Wille, den ich entwickle, aus dem Schicksal gewonnen ist, so wahr habe ich mein Schicksal geformt aus meinem Willen heraus. Der Mensch gelangt, wenn er diese Willensübung macht, dazu, seinen Willen aus sich herauszureißen und sich mit seinem Schicksal zu identifizieren. Und so gelangt der Mensch dadurch, dass er sein Denken vertieft und dadurch eine neue Seelenkraft, eine neue Kraft des Denkens entdeckt und dass er seinen Willen herausreißt und ihn zu einer neuen Kraft entwickelt, er gelangt dazu, nicht bloß eine Welt vor sich zu haben wie die Welt der Erinnerung, sondern eine Welt vor sich zu haben, welche er so erlebt, dass er weiß, indem er sie erlebt, dass er unabhängig ist von seinem Leibe, dass er im bloß Geistig-Seelischen lebt.
[ 37 ] Damit wir uns besser verstehen, sei noch gesagt, dass der Mensch ja in einer gewissen Weise dasjenige kennt, was ich jetzt als eine Bilderwelt beschrieben habe, die vor dem Menschen auftaucht, wenn er durch Meditation und Konzentration in sich eine verborgene Kraft entdeckt. Der Mensch kennt das, von dem ich spreche, aber er kennt es in einer bloß chaotischen Weise, in chaotischen Vorstellungsbildern, in Vorstellungsfetzen. Wenn der Mensch alltäglich in Schlaf versinkt, so können dadurch ja bekanntlich die Traumbilder aufsteigen. Was aber haben wir in diesen Traumbildern vor uns? Nun, sehen Sie, wenn der Mensch in seinen Träumen lebt, wie das im gewöhnlichen Leben der Fall ist, so ist in diesen Träumen nichts Besonderes enthalten. Aber wenn man allmählich dazu gelangt, die Denkkraft als eine vertiefte Kraft in sich zu entdecken, dann weiß man, dass man mit der Seele, mit der man aus dem Leibe heraustritt, nun auch im Schlafe außer dem Leibe ist, nur bleibt man dabei unbewusst.
[ 37 ] Damit wir uns besser verstehen, sei noch gesagt, dass der Mensch ja in einer gewissen Weise dasjenige kennt, was ich jetzt als eine Bilderwelt beschrieben habe, die vor dem Menschen auftaucht, wenn er durch Meditation und Konzentration in sich eine verborgene Kraft entdeckt. Der Mensch kennt das, von dem ich spreche, aber er kennt es in einer bloß chaotischen Weise, in chaotischen Vorstellungsbildern, in Vorstellungsfetzen. Wenn der Mensch alltäglich in Schlaf versinkt, so können dadurch ja bekanntlich die Traumbilder aufsteigen. Was aber haben wir in diesen Traumbildern vor uns? Nun, sehen Sie, wenn der Mensch in seinen Träumen lebt, wie das im gewöhnlichen Leben der Fall ist, so ist in diesen Träumen nichts Besonderes enthalten. Aber wenn man allmählich dazu gelangt, die Denkkraft als eine vertiefte Kraft in sich zu entdecken, dann weiß man, dass man mit der Seele, mit der man aus dem Leibe heraustritt, nun auch im Schlafe außer dem Leibe ist, nur bleibt man dabei unbewusst.
[ 38 ] Man ist nicht in seinem Leibe im Schlafe, man ist aus dem Leibe hinausgegangen mit dem, was man auf die beschriebene Weise entdeckt hat. Aber man hat die Kräfte zunächst nicht entwickelt, daher bleibt die Seele unbewusst, wenn sie außerhalb des Leibes ist. Aber die Träume können auftauchen. Sie tauchen dadurch auf, dass der Mensch durch eine innere Kraft gebunden ist im Leibe. Während des Wachens spiegelt der Leib im Denken, Fühlen und Wollen das Seelenleben. Die Träume verdichten sich daraus, dass der Leib das Seelenleben spiegelt. Da versteht der Mensch nicht, was da vorliegt. Denn dass er wirklich im Schlafe außerhalb seines Leibes ist, das kann er erst als Geistesforscher einsehen. Dass der Leib außerhalb für die schlafende Seele Objekt ist, der Geistesforscher kann es erst einsehen. Dadurch, dass der Mensch noch kein volles Verständnis hat für diese Dinge, deutet er alles in Zusammenhang mit dem gewöhnlichen Leben. Erst wenn man das Seelenleben vertieft, wie ich es beschrieben habe, kommt man nicht zu einem Traumleben nur, ganz und gar nicht zu einem Traumleben nur, auch nicht zu etwas Krankhaftem, Somnambulistischem, sondern man kommt zu einem Leben, das auch in Bildern abläuft, aber in Bildern, von denen man weiß, dass sie etwas Reales bedeuten, dass sie keine Spiegelbilder sind.
[ 38 ] Man ist nicht in seinem Leibe im Schlafe, man ist aus dem Leibe hinausgegangen mit dem, was man auf die beschriebene Weise entdeckt hat. Aber man hat die Kräfte zunächst nicht entwickelt, daher bleibt die Seele unbewusst, wenn sie außerhalb des Leibes ist. Aber die Träume können auftauchen. Sie tauchen dadurch auf, dass der Mensch durch eine innere Kraft gebunden ist im Leibe. Während des Wachens spiegelt der Leib im Denken, Fühlen und Wollen das Seelenleben. Die Träume verdichten sich daraus, dass der Leib das Seelenleben spiegelt. Da versteht der Mensch nicht, was da vorliegt. Denn dass er wirklich im Schlafe außerhalb seines Leibes ist, das kann er erst als Geistesforscher einsehen. Dass der Leib außerhalb für die schlafende Seele Objekt ist, der Geistesforscher kann es erst einsehen. Dadurch, dass der Mensch noch kein volles Verständnis hat für diese Dinge, deutet er alles in Zusammenhang mit dem gewöhnlichen Leben. Erst wenn man das Seelenleben vertieft, wie ich es beschrieben habe, kommt man nicht zu einem Traumleben nur, ganz und gar nicht zu einem Traumleben nur, auch nicht zu etwas Krankhaftem, Somnambulistischem, sondern man kommt zu einem Leben, das auch in Bildern abläuft, aber in Bildern, von denen man weiß, dass sie etwas Reales bedeuten, dass sie keine Spiegelbilder sind.
[ 39 ] Was bedeuten denn diese Bilder? Indem man die dem Denken zugrunde liegende Seelenkraft ausgebildet hat, tritt einem so etwas entgegen, was wie eine Erinnerungskraft ist, die nicht mehr an Zeichen des Leibes gebunden ist, sondern die freischwebend im Geistig-Seelischen sich entwickelt. Es ist durchaus nicht die Rede von irgendetwas, was man als somnambules Hellsehen kennt, sondern ein innerliches Leben tritt einem entgegen, das mit Bezug auf seine Konfiguration gleich ist der Erinnerungskraft. Und nun kann man lernen, das zu entziffern, von dem man merkt, dass es zu einem gehört, aber dass es in einem lag, ohne dass man es bewusst empfand; das ist diese Bilderwelt. Von ihr merkt man nach und nach, dass es die Welt ist, aus der erst diese unsere Leiblichkeit, dieses unser physisches Leben herausgebildet worden ist. Man erkennt von dem, was man so gewahr wird, dass es sich verbunden hat mit dem, was als Physisches von Vater und Mutter einem zugekommen ist durch Vererbung, was innerhalb dieses Leiblichen als unser Selbst sich uns ankündigt, was aus der geistigen Welt heruntergestiegen ist und uns innerlich durchdringt und durchformt. Man lernt sich erkennen als herkommend aus einem Dasein, was vor unserer Geburt gewesen ist, einem Dasein in einer geistigen Welt. Eine imaginative Welt tritt einem entgegen. In dieser imaginativen Welt ist aber dasjenige alles enthalten, was an geistigen Kräften sich vereinigt mit der physischen Materialität, die man durch Vererbung von Vater und Mutter hat. Das ewige Geistig-Seelische ist in dieser Welt enthalten, dieses ewige Geistig-Seelische, das nun arbeitet im Physisch-Leiblichen, das sich an Denken, Fühlen und Wollen spiegelt; das wirkliche Seelenleben, das man nicht erforschen kann durch naturwissenschaftliche Methode, das hinter alledem, was man im gewöhnlichen Leben als Seelenleben kennt, liegt. Dieses ist es, das nun auch durch die Pforte des Todes wiederum in eine geistige Welt eingeht. Und unser Leben wird dadurch unmittelbar eingeschlossen von Leben, die in der geistigen Welt, in einem geistigen Dasein ablaufen. Dieses wird für die wahre Geistesforschung eine Erfahrung, ein wirkliches inneres Erlebnis.
[ 39 ] Was bedeuten denn diese Bilder? Indem man die dem Denken zugrunde liegende Seelenkraft ausgebildet hat, tritt einem so etwas entgegen, was wie eine Erinnerungskraft ist, die nicht mehr an Zeichen des Leibes gebunden ist, sondern die freischwebend im Geistig-Seelischen sich entwickelt. Es ist durchaus nicht die Rede von irgendetwas, was man als somnambules Hellsehen kennt, sondern ein innerliches Leben tritt einem entgegen, das mit Bezug auf seine Konfiguration gleich ist der Erinnerungskraft. Und nun kann man lernen, das zu entziffern, von dem man merkt, dass es zu einem gehört, aber dass es in einem lag, ohne dass man es bewusst empfand; das ist diese Bilderwelt. Von ihr merkt man nach und nach, dass es die Welt ist, aus der erst diese unsere Leiblichkeit, dieses unser physisches Leben herausgebildet worden ist. Man erkennt von dem, was man so gewahr wird, dass es sich verbunden hat mit dem, was als Physisches von Vater und Mutter einem zugekommen ist durch Vererbung, was innerhalb dieses Leiblichen als unser Selbst sich uns ankündigt, was aus der geistigen Welt heruntergestiegen ist und uns innerlich durchdringt und durchformt. Man lernt sich erkennen als herkommend aus einem Dasein, was vor unserer Geburt gewesen ist, einem Dasein in einer geistigen Welt. Eine imaginative Welt tritt einem entgegen. In dieser imaginativen Welt ist aber dasjenige alles enthalten, was an geistigen Kräften sich vereinigt mit der physischen Materialität, die man durch Vererbung von Vater und Mutter hat. Das ewige Geistig-Seelische ist in dieser Welt enthalten, dieses ewige Geistig-Seelische, das nun arbeitet im Physisch-Leiblichen, das sich an Denken, Fühlen und Wollen spiegelt; das wirkliche Seelenleben, das man nicht erforschen kann durch naturwissenschaftliche Methode, das hinter alledem, was man im gewöhnlichen Leben als Seelenleben kennt, liegt. Dieses ist es, das nun auch durch die Pforte des Todes wiederum in eine geistige Welt eingeht. Und unser Leben wird dadurch unmittelbar eingeschlossen von Leben, die in der geistigen Welt, in einem geistigen Dasein ablaufen. Dieses wird für die wahre Geistesforschung eine Erfahrung, ein wirkliches inneres Erlebnis.
[ 40 ] Und indem der Geistesforscher so weit kommt, indem er diese innere Experimentierkunst anwendet, erlebt er nicht bloß das, was er nun als sein geistig-seelisches Erleben kennt, er erlebt nicht bloß das, worüber man so leicht spotten kann, er erlebt in Wahrheit, dass es ein ätherisches, ein feineres Dasein gibt, dass [er] einen feineren Leib seinem physischen Leibe zugrunde liegend findet, der aus der geistigen Welt herabsteigt und wiederum in die geistige Welt zurückgeht. Er erlebt nicht nur das, sondern, wie wir nicht nur Augen und Ohren haben, sondern wie wir die Dinge der Welt selbst miterleben, die außerhalb von uns stehen, so können wir in dem Augenblick, wo wir eintreten in ein eigenes geistiges Sein, in Zusammenhang kommen mit dem geistigen Sein, das allem Sein zugrunde liegt. Wir kommen in eine elementarische Welt hinein, in eine Welt, wo geistige Erlebnisse, geistige Vorgänge sich abspielen, die wir vorher nicht gekannt haben, die hinter allen physischen Erlebnissen und Vorgängen stehen. Es ist dieses keine philosophische Spekulation, es ist nichts Ausgedachtes, wovon die Geisteswissenschaft spricht, es ist das Ergebnis ernstesten Forschens. Allerdings eines Forschens, das nicht wie im Laboratorium mit äußeren Objekten und Instrumenten in äußeren Verrichtungen geschieht, sondern das verläuft in unmittelbaren innerlichen, intimen Erlebnissen der Seele selbst. Das Seelisch-Geistige muss durchforscht werden durch Methoden, die auf das GeistigSeelische im Menschen angewendet werden. Gewiss, es wird gegenüber der Geisteswissenschaft dadurch großer Schaden angerichtet, dass Leute, die da glauben, in dieser Geisteswissenschaft schon stehen zu können, von allerlei törichtem Zeug reden, das man erlangen könne ohne entsagungsvolle Arbeit in seiner Seele, ohne eine Arbeit in seiner Seele, die viel schwieriger, viel entsagungsvoller ist als die Arbeit in der äußeren Naturwissenschaft.
[ 40 ] Und indem der Geistesforscher so weit kommt, indem er diese innere Experimentierkunst anwendet, erlebt er nicht bloß das, was er nun als sein geistig-seelisches Erleben kennt, er erlebt nicht bloß das, worüber man so leicht spotten kann, er erlebt in Wahrheit, dass es ein ätherisches, ein feineres Dasein gibt, dass [er] einen feineren Leib seinem physischen Leibe zugrunde liegend findet, der aus der geistigen Welt herabsteigt und wiederum in die geistige Welt zurückgeht. Er erlebt nicht nur das, sondern, wie wir nicht nur Augen und Ohren haben, sondern wie wir die Dinge der Welt selbst miterleben, die außerhalb von uns stehen, so können wir in dem Augenblick, wo wir eintreten in ein eigenes geistiges Sein, in Zusammenhang kommen mit dem geistigen Sein, das allem Sein zugrunde liegt. Wir kommen in eine elementarische Welt hinein, in eine Welt, wo geistige Erlebnisse, geistige Vorgänge sich abspielen, die wir vorher nicht gekannt haben, die hinter allen physischen Erlebnissen und Vorgängen stehen. Es ist dieses keine philosophische Spekulation, es ist nichts Ausgedachtes, wovon die Geisteswissenschaft spricht, es ist das Ergebnis ernstesten Forschens. Allerdings eines Forschens, das nicht wie im Laboratorium mit äußeren Objekten und Instrumenten in äußeren Verrichtungen geschieht, sondern das verläuft in unmittelbaren innerlichen, intimen Erlebnissen der Seele selbst. Das Seelisch-Geistige muss durchforscht werden durch Methoden, die auf das GeistigSeelische im Menschen angewendet werden. Gewiss, es wird gegenüber der Geisteswissenschaft dadurch großer Schaden angerichtet, dass Leute, die da glauben, in dieser Geisteswissenschaft schon stehen zu können, von allerlei törichtem Zeug reden, das man erlangen könne ohne entsagungsvolle Arbeit in seiner Seele, ohne eine Arbeit in seiner Seele, die viel schwieriger, viel entsagungsvoller ist als die Arbeit in der äußeren Naturwissenschaft.
[ 41 ] Wenn immer wieder geglaubt wird, dass derjenige, der diese geisteswissenschaftliche Methode auf seine Seele angewendet hat, einem alles Beliebige verkünden könne über die geistige Welt, dann hat man eine naive Vorstellung über diese Dinge. Die Arbeit, die getan werden muss, um das Allergeringste in der geistigen Welt zu erforschen, erfordert wirkliche innere Verrichtungen der menschlichen Seele. Die Seele muss sich erst wiederum für das besondere Gebiet, das sie geistig erforschen will, herausreißen aus dem Leiblichen, um sich zu versetzen in das Geistige. Und man kann nicht sagen, dass man die Regeln, durch die die Seele sich zu einem leibfreien Erkennen erhebt, zusammenschreiben kann in ein kleines Heftchen und dann sagen kann: Befolge diese Regeln, dann kommst du in ein Gebiet, das in die geistige Welt führt. Sondern man muss sagen: Dasjenige, was da zu geschehen hat, es ändert sich je nach den Vorbedingungen, die man dazu mitbringt. In einzelne Regeln lässt sich das nicht fassen, sondern man muss durch unmittelbares Erleben innerlich erkennen: Jetzt stehst du einer wirklichen neuen Welt gegenüber, einer ganz realen neuen Welt, nicht einer Welt der Phantasie.
[ 41 ] Wenn immer wieder geglaubt wird, dass derjenige, der diese geisteswissenschaftliche Methode auf seine Seele angewendet hat, einem alles Beliebige verkünden könne über die geistige Welt, dann hat man eine naive Vorstellung über diese Dinge. Die Arbeit, die getan werden muss, um das Allergeringste in der geistigen Welt zu erforschen, erfordert wirkliche innere Verrichtungen der menschlichen Seele. Die Seele muss sich erst wiederum für das besondere Gebiet, das sie geistig erforschen will, herausreißen aus dem Leiblichen, um sich zu versetzen in das Geistige. Und man kann nicht sagen, dass man die Regeln, durch die die Seele sich zu einem leibfreien Erkennen erhebt, zusammenschreiben kann in ein kleines Heftchen und dann sagen kann: Befolge diese Regeln, dann kommst du in ein Gebiet, das in die geistige Welt führt. Sondern man muss sagen: Dasjenige, was da zu geschehen hat, es ändert sich je nach den Vorbedingungen, die man dazu mitbringt. In einzelne Regeln lässt sich das nicht fassen, sondern man muss durch unmittelbares Erleben innerlich erkennen: Jetzt stehst du einer wirklichen neuen Welt gegenüber, einer ganz realen neuen Welt, nicht einer Welt der Phantasie.
[ 42 ] Wenn wir, nachdem wir so unser eigenes GeistigSeelisches betrachtet haben und dann dazu kommen, einsehen zu können, dass der Mensch mit seinem Geistig-Seelischen zugleich in eine geistig-seelische Welt von übersinnlichen Vorgängen kommt, kann man wiederum fragen: Wie ist es nun, wenn der Mensch nun auch den Willen zunächst an dem Beispiel des Schicksals ausbildet? Wohin kommt der Mensch, wenn er sich sagt: Mein Wille steckt im ganzen Strom meines Schicksals; ich sage «Ja» zu allem, was mich betroffen hat; ich selber bin herausgeflossen aus dem, was der Strom meines Schicksals ist; ich bin nicht in mir, sondern im Strome des Schicksals? Wenn man das wirklich zum Erlebnis macht, eins zu werden mit dem Schicksal, dann kommt man dazu, noch ein Höheres in der menschlichen Natur zu erleben. Man kommt nicht allein dazu, das zu erleben, was ich beschrieben habe so, dass ich sagte, es ist da vor der Geburt. Sondern wir erleben dadurch, dass wir den Willen ausbilden, einen ganz tief unserer Seele zugrunde liegenden Wesenskern. Und wir lernen allmählich erkennen: Ja, dieses Schicksal, es ist wirklich so, dass nur der Mensch, der dieses Schicksal mit seiner Wesenheit identifiziert, dieses Schicksal richtig erfassen kann. So, wie derjenige, der niemals von Naturwissenschaft etwas gehört hat, wenn er draußen in der Natur Blitz und Donner und andere Naturgewalten vor sich sieht, sich nicht das Warum enträtseln kann, wie das einem solchen Menschen ganz unverständlich vor der Seele steht, aber diese Vorgänge sich von demjenigen, der Naturwissenschaft getrieben hat, erklären [lässt], so wird es mit dem Schicksal bei der geisteswissenschaftlichen Methode. Es kommt in das Schicksal etwas hinein, was wir selbst in unserer tieferen Wesenheit sind. Wir fließen aus in unser Schicksal. Aber indem wir also mit unserem ganzen Wesen in das Schicksal ausfließen, lernen wir unseren inneren Seelenkern kennen.
[ 42 ] Wenn wir, nachdem wir so unser eigenes GeistigSeelisches betrachtet haben und dann dazu kommen, einsehen zu können, dass der Mensch mit seinem Geistig-Seelischen zugleich in eine geistig-seelische Welt von übersinnlichen Vorgängen kommt, kann man wiederum fragen: Wie ist es nun, wenn der Mensch nun auch den Willen zunächst an dem Beispiel des Schicksals ausbildet? Wohin kommt der Mensch, wenn er sich sagt: Mein Wille steckt im ganzen Strom meines Schicksals; ich sage «Ja» zu allem, was mich betroffen hat; ich selber bin herausgeflossen aus dem, was der Strom meines Schicksals ist; ich bin nicht in mir, sondern im Strome des Schicksals? Wenn man das wirklich zum Erlebnis macht, eins zu werden mit dem Schicksal, dann kommt man dazu, noch ein Höheres in der menschlichen Natur zu erleben. Man kommt nicht allein dazu, das zu erleben, was ich beschrieben habe so, dass ich sagte, es ist da vor der Geburt. Sondern wir erleben dadurch, dass wir den Willen ausbilden, einen ganz tief unserer Seele zugrunde liegenden Wesenskern. Und wir lernen allmählich erkennen: Ja, dieses Schicksal, es ist wirklich so, dass nur der Mensch, der dieses Schicksal mit seiner Wesenheit identifiziert, dieses Schicksal richtig erfassen kann. So, wie derjenige, der niemals von Naturwissenschaft etwas gehört hat, wenn er draußen in der Natur Blitz und Donner und andere Naturgewalten vor sich sieht, sich nicht das Warum enträtseln kann, wie das einem solchen Menschen ganz unverständlich vor der Seele steht, aber diese Vorgänge sich von demjenigen, der Naturwissenschaft getrieben hat, erklären [lässt], so wird es mit dem Schicksal bei der geisteswissenschaftlichen Methode. Es kommt in das Schicksal etwas hinein, was wir selbst in unserer tieferen Wesenheit sind. Wir fließen aus in unser Schicksal. Aber indem wir also mit unserem ganzen Wesen in das Schicksal ausfließen, lernen wir unseren inneren Seelenkern kennen.
[ 43 ] Da muss man allerdings wiederum lernen, mit der so erlangten Erkenntnis nun dieses Schicksal zu zergliedern. So, wie sonst die Naturerscheinungen erst durch Jahrhunderte und Jahrhunderte entziffert wurden, so muss man lernen, das Schicksal zu entziffern, um eine innere Ordnung zu finden. Dann finden wir, dass dasjenige, was als unser Schicksal sich darlebt, wenn wir uns mit diesem Schicksal identifizieren, uns das darstellt, was wir in früheren Leben waren. Und wir lernen kennen, indem wir die innere Ordnung unseres Schicksals kennenlernen, dass dieses Schicksal zusammenhängt mit früheren Erdenleben. Da setzt sich solche Erkenntnis unseres Lebens nicht zusammen aus der Überschau unseres jetzigen Erdenlebens, sondern wir erkennen, dass in unserem Schicksal dasjenige liegt, was schon einmal oder auch wiederholt als Erdenleben für uns vorhanden war, was nun dasjenige, was wir als unseren Wesenskern imaginativ in Bildern erkannt haben, gebildet hat, sodass er sich darlebt, wie er jetzt vor uns dasteht. Dasjenige, was wir durch die vertiefte Denkkraft erkunden, wir lernen es beziehen auf unser übersinnliches Leben vor der Geburt und nach dem Tode. Und dasjenige, was wir durch Vertiefung unseres Willens- und Schicksalslebens erkunden, lernen wir so verstehen, dass es uns zurückweist auf frühere Erdenleben und dass es uns hinweist auf kommende Erdenleben. Indem dieses Schicksal für uns zusammenschmilzt mit der inneren Bilderwelt, wissen wir, dass diese Bilderwelt wie ein Kern ist, der unser Schicksal ergreift und es hinüberträgt in ein Leben zwischen Tod und neuer Geburt und uns wiederum hineinführt in ein neues Erdendasein.
[ 43 ] Da muss man allerdings wiederum lernen, mit der so erlangten Erkenntnis nun dieses Schicksal zu zergliedern. So, wie sonst die Naturerscheinungen erst durch Jahrhunderte und Jahrhunderte entziffert wurden, so muss man lernen, das Schicksal zu entziffern, um eine innere Ordnung zu finden. Dann finden wir, dass dasjenige, was als unser Schicksal sich darlebt, wenn wir uns mit diesem Schicksal identifizieren, uns das darstellt, was wir in früheren Leben waren. Und wir lernen kennen, indem wir die innere Ordnung unseres Schicksals kennenlernen, dass dieses Schicksal zusammenhängt mit früheren Erdenleben. Da setzt sich solche Erkenntnis unseres Lebens nicht zusammen aus der Überschau unseres jetzigen Erdenlebens, sondern wir erkennen, dass in unserem Schicksal dasjenige liegt, was schon einmal oder auch wiederholt als Erdenleben für uns vorhanden war, was nun dasjenige, was wir als unseren Wesenskern imaginativ in Bildern erkannt haben, gebildet hat, sodass er sich darlebt, wie er jetzt vor uns dasteht. Dasjenige, was wir durch die vertiefte Denkkraft erkunden, wir lernen es beziehen auf unser übersinnliches Leben vor der Geburt und nach dem Tode. Und dasjenige, was wir durch Vertiefung unseres Willens- und Schicksalslebens erkunden, lernen wir so verstehen, dass es uns zurückweist auf frühere Erdenleben und dass es uns hinweist auf kommende Erdenleben. Indem dieses Schicksal für uns zusammenschmilzt mit der inneren Bilderwelt, wissen wir, dass diese Bilderwelt wie ein Kern ist, der unser Schicksal ergreift und es hinüberträgt in ein Leben zwischen Tod und neuer Geburt und uns wiederum hineinführt in ein neues Erdendasein.
[ 44 ] So lernen wir ein Glied der Menschennatur kennen durch die Vertiefung des Denkens. Wir lernen gleichsam unsere ätherische Wesenheit, dasjenige, was zunächst als übersinnlicher Leib unserem physischen Leib zugrunde liegt, als Seelenkraft erkennen. Wenn der Geistesforscher von einem Ätherleib spricht, so ist dieser Ätherleib gefunden durch eine ebenso sichere Methode, wie gefunden ist durch den Chemiker, dass man den Wasserstoff von dem Sauerstoff trennen kann. So, wie man es dem Wasser nicht ansehen kann, dass es einen Stoff enthält, der brennt, den Wasserstoff, während Wasser doch das Feuer löscht, so kann man, wenn der Mensch vor einem steht, wenn man den Menschen nur mit dem gewöhnlichen Verstande ansieht, nicht sehen, dass ein übersinnlicher Mensch in diesem physischen Menschen lebt und sein Leben auszudehnen vermag über Geburt und Tod hinaus; der aber durch ebenso sichere, wenn auch innerliche wissenschaftliche Methoden, wie es die eben angeführte Methode ist, erforscht werden kann durch die Geisteswissenschaft, die damit zu dem Rang einer wirklichen Wissenschaft sich erhebt. Dasjenige, was dem Menschen so als eine ätherische Wesenheit zugrunde liegt — nicht eine Spekulation, nicht irgendeine Phantasterei führt dazu, sondern eine wirkliche Erfahrung, eine Erfahrung allerdings, die erst herangebildet werden muss.
[ 44 ] So lernen wir ein Glied der Menschennatur kennen durch die Vertiefung des Denkens. Wir lernen gleichsam unsere ätherische Wesenheit, dasjenige, was zunächst als übersinnlicher Leib unserem physischen Leib zugrunde liegt, als Seelenkraft erkennen. Wenn der Geistesforscher von einem Ätherleib spricht, so ist dieser Ätherleib gefunden durch eine ebenso sichere Methode, wie gefunden ist durch den Chemiker, dass man den Wasserstoff von dem Sauerstoff trennen kann. So, wie man es dem Wasser nicht ansehen kann, dass es einen Stoff enthält, der brennt, den Wasserstoff, während Wasser doch das Feuer löscht, so kann man, wenn der Mensch vor einem steht, wenn man den Menschen nur mit dem gewöhnlichen Verstande ansieht, nicht sehen, dass ein übersinnlicher Mensch in diesem physischen Menschen lebt und sein Leben auszudehnen vermag über Geburt und Tod hinaus; der aber durch ebenso sichere, wenn auch innerliche wissenschaftliche Methoden, wie es die eben angeführte Methode ist, erforscht werden kann durch die Geisteswissenschaft, die damit zu dem Rang einer wirklichen Wissenschaft sich erhebt. Dasjenige, was dem Menschen so als eine ätherische Wesenheit zugrunde liegt — nicht eine Spekulation, nicht irgendeine Phantasterei führt dazu, sondern eine wirkliche Erfahrung, eine Erfahrung allerdings, die erst herangebildet werden muss.
[ 45 ] Indem wir noch weitergehen und den Willen vertiefen, kommen wir dazu, dass wir nun auch den astralischen Menschen — es ist dies ein leicht zu verspottendes Wort, der «astralische» Mensch, aber dieses Wort ist berechtigt, wie wir gleich sehen werden —, wir kommen dazu, den astralischen Menschen zu ergreifen; jenen Menschen, der sich von Leben zu Leben entwickelt und der dann gewahr wird, dass er nicht mehr an seinen Leib gebunden ist, sondern im Zusammenhang steht mit der ganzen Welt. Es lernt der Mensch sich erkennen auf diese Weise in seinem astralischen Leibe, indem er abhängig ist von dem ganzen Kosmos, in dem die Gesetze der Sternenwelt herrschen. Daher kann man in einem vergleichsweisen Ausdruck diesen Menschen, der nicht an die Gesetze gebunden ist desjenigen, was wir zwischen Geburt und Tod erleben, sondern an die Gesetze der ganzen Welt, den astralischen Menschen nennen.
[ 45 ] Indem wir noch weitergehen und den Willen vertiefen, kommen wir dazu, dass wir nun auch den astralischen Menschen — es ist dies ein leicht zu verspottendes Wort, der «astralische» Mensch, aber dieses Wort ist berechtigt, wie wir gleich sehen werden —, wir kommen dazu, den astralischen Menschen zu ergreifen; jenen Menschen, der sich von Leben zu Leben entwickelt und der dann gewahr wird, dass er nicht mehr an seinen Leib gebunden ist, sondern im Zusammenhang steht mit der ganzen Welt. Es lernt der Mensch sich erkennen auf diese Weise in seinem astralischen Leibe, indem er abhängig ist von dem ganzen Kosmos, in dem die Gesetze der Sternenwelt herrschen. Daher kann man in einem vergleichsweisen Ausdruck diesen Menschen, der nicht an die Gesetze gebunden ist desjenigen, was wir zwischen Geburt und Tod erleben, sondern an die Gesetze der ganzen Welt, den astralischen Menschen nennen.
[ 46 ] Sie sehen, dass wirklich derjenige, der an die Geisteswissenschaft herantritt, in dem Glauben leben darf, dass wir gewissermaßen mit dieser Geisteswissenschaft am Ausgang einer geistigen Entwicklung stehen. Der Geisteswissenschaftler, ich habe das hier schon erwähnt, er ist unbesorgt, wenn ihm gesagt wird: Ja, du behauptest da etwas, was du gar nicht behaupten kannst, wenn du deine gesunden fünf Sinne sprechen lässt. Sie wissen wohl, so hat man auch gesagt, als Kopernikus versucht hat, den Leuten klarzumachen, dass die Erde nicht still steht, und die Sonne sich um die Erde dreht, sondern dass umgekehrt die Sonne still steht gewissermaßen und die Erde sich um die Sonne dreht. Das hat auch gar sehr den fünf Sinnen widersprochen, und es hat lange gedauert, bis die Menschen in ihren Denkgewohnheiten sich anbequemt haben dem, was eine bessere Wahrheit war als die frühere, die den fünf Sinnen entsprochen hat.
[ 46 ] Sie sehen, dass wirklich derjenige, der an die Geisteswissenschaft herantritt, in dem Glauben leben darf, dass wir gewissermaßen mit dieser Geisteswissenschaft am Ausgang einer geistigen Entwicklung stehen. Der Geisteswissenschaftler, ich habe das hier schon erwähnt, er ist unbesorgt, wenn ihm gesagt wird: Ja, du behauptest da etwas, was du gar nicht behaupten kannst, wenn du deine gesunden fünf Sinne sprechen lässt. Sie wissen wohl, so hat man auch gesagt, als Kopernikus versucht hat, den Leuten klarzumachen, dass die Erde nicht still steht, und die Sonne sich um die Erde dreht, sondern dass umgekehrt die Sonne still steht gewissermaßen und die Erde sich um die Sonne dreht. Das hat auch gar sehr den fünf Sinnen widersprochen, und es hat lange gedauert, bis die Menschen in ihren Denkgewohnheiten sich anbequemt haben dem, was eine bessere Wahrheit war als die frühere, die den fünf Sinnen entsprochen hat.
[ 47 ] Dasjenige, was erforscht wird aus den Tiefen des Seins heraus, das muss erst gegen die Widerstände der Welt in das Verständnis der Menschen sich einleben. Der Geistesforscher ist unbesorgt, dass das geschehen wird, aber das braucht Zeit.
[ 47 ] Dasjenige, was erforscht wird aus den Tiefen des Seins heraus, das muss erst gegen die Widerstände der Welt in das Verständnis der Menschen sich einleben. Der Geistesforscher ist unbesorgt, dass das geschehen wird, aber das braucht Zeit.
[ 48 ] Und ebenso kann man sagen: Ja, das, was der Geistesforscher darzustellen hat als eine Welt, die über der gewöhnlichen Sinneswelt steht, die unterscheidet sich gar sehr von dem, was der Mensch wahrnimmt in dieser Welt. Es muss sich unterscheiden. Denn mit Bezug auf alles das, was das gewöhnliche Seelenleben in sich birgt, dieses Denken, Fühlen und Wollen, worüber die Naturwissenschaft allein sprechen kann, wenn sie Psychologie wird, über das ist der Geistesforscher mit dem Naturforscher durchaus einig. Er wird nicht in dilettantischer Weise von einer Unsterblichkeit sprechen über dasjenige, was bloß in Bildern sich auslebt, [das] mit dem Spiegel des Gehirns, mit der Körperlichkeit in dieser Gestalt verschwinden muss. Aber das ist gerade das Eigentümliche der Geisteswissenschaft, dass sie der Naturforschung recht gibt in alledem, was in ihr vorliegt, und dass sie niemals sagt, die Geisteswissenschaft müsse sich gegen die Naturwissenschaft wenden, denn alle berechtigten Ausstellungen der Naturwissenschaft gibt der Geistesforscher voll und ganz zu. Nur entdeckt er durch seine Methoden erst dasjenige, was nicht vorliegen kann für das gewöhnliche Leben, und was doch erst das ist, was als der ewige, unsterbliche Wesenskern des Menschen anzusehen ist, der durch Geburten und Tode und durch wiederholte Erdenleben geht und der in sich den Charakter des Ewigen trägt.
[ 48 ] Und ebenso kann man sagen: Ja, das, was der Geistesforscher darzustellen hat als eine Welt, die über der gewöhnlichen Sinneswelt steht, die unterscheidet sich gar sehr von dem, was der Mensch wahrnimmt in dieser Welt. Es muss sich unterscheiden. Denn mit Bezug auf alles das, was das gewöhnliche Seelenleben in sich birgt, dieses Denken, Fühlen und Wollen, worüber die Naturwissenschaft allein sprechen kann, wenn sie Psychologie wird, über das ist der Geistesforscher mit dem Naturforscher durchaus einig. Er wird nicht in dilettantischer Weise von einer Unsterblichkeit sprechen über dasjenige, was bloß in Bildern sich auslebt, [das] mit dem Spiegel des Gehirns, mit der Körperlichkeit in dieser Gestalt verschwinden muss. Aber das ist gerade das Eigentümliche der Geisteswissenschaft, dass sie der Naturforschung recht gibt in alledem, was in ihr vorliegt, und dass sie niemals sagt, die Geisteswissenschaft müsse sich gegen die Naturwissenschaft wenden, denn alle berechtigten Ausstellungen der Naturwissenschaft gibt der Geistesforscher voll und ganz zu. Nur entdeckt er durch seine Methoden erst dasjenige, was nicht vorliegen kann für das gewöhnliche Leben, und was doch erst das ist, was als der ewige, unsterbliche Wesenskern des Menschen anzusehen ist, der durch Geburten und Tode und durch wiederholte Erdenleben geht und der in sich den Charakter des Ewigen trägt.
[ 49 ] Wenn der Naturforscher kommt und sagt: Von meiner Denkweise aus muss ich das zurückweisen, — dann muss der Geistesforscher sagen zu dem Naturforscher: So führe deine Gründe an. Dann führt der Naturforscher als Grund an: Das seelische Leben ist abhängig vom Gehirn. Der Geistesforscher wird sagen: Du hast recht. Er wird dem Naturforscher in allem recht geben. Aber er wird sagen: Erst dann, nachdem man sich auf deinen Boden gestellt hat, beginnt die Erforschung des geistig-seelischen Lebens, das mit ganz anderen Kräften zu tun hat, als die sind, für die die Naturwissenschaft voll recht hat. Daher ist es wirklich ein zwar durchaus begreifliches, aber doch immerhin ein Missverständnis, wenn von dem naturwissenschaftlichen Standpunkte aus das oder jenes gegen die Geisteswissenschaft eingewendet wird. Diese Geisteswissenschaft weiß sehr gut, was sie an der Naturwissenschaft hat. Und Dilettantismus auf dem Gebiete der Geisteswissenschaft wäre es, wenn sie sich gegen die Naturwissenschaft stellen würde. Und ebenso wenig kann man sagen, dass der Geistesforscher in irgendeiner Weise den Aberglauben kultivieren würde.
[ 49 ] Wenn der Naturforscher kommt und sagt: Von meiner Denkweise aus muss ich das zurückweisen, — dann muss der Geistesforscher sagen zu dem Naturforscher: So führe deine Gründe an. Dann führt der Naturforscher als Grund an: Das seelische Leben ist abhängig vom Gehirn. Der Geistesforscher wird sagen: Du hast recht. Er wird dem Naturforscher in allem recht geben. Aber er wird sagen: Erst dann, nachdem man sich auf deinen Boden gestellt hat, beginnt die Erforschung des geistig-seelischen Lebens, das mit ganz anderen Kräften zu tun hat, als die sind, für die die Naturwissenschaft voll recht hat. Daher ist es wirklich ein zwar durchaus begreifliches, aber doch immerhin ein Missverständnis, wenn von dem naturwissenschaftlichen Standpunkte aus das oder jenes gegen die Geisteswissenschaft eingewendet wird. Diese Geisteswissenschaft weiß sehr gut, was sie an der Naturwissenschaft hat. Und Dilettantismus auf dem Gebiete der Geisteswissenschaft wäre es, wenn sie sich gegen die Naturwissenschaft stellen würde. Und ebenso wenig kann man sagen, dass der Geistesforscher in irgendeiner Weise den Aberglauben kultivieren würde.
[ 50 ] Diese Geisteswissenschaft führt in eine wirkliche geistige Welt hinein. Dadurch, dass sie die wirkliche geistige Welt entdeckt — nicht diejenige geistige Welt, die erträumt wird von denen, die eine geistige Welt nur erträumen wollen, aber sie nicht finden können —, tritt sie ja dem Aberglauben entgegen. Die Geisteswissenschaft ist gerade dasjenige, was Heilung bringen kann und bringen wird allen abergläubischen Vorstellungen. Aberglaube blüht da, wo man Geisteswissenschaft nicht gelten lässt und trotzdem in die geistige Welt hinein will. Geisteswissenschaft führt den Menschen in voll befriedigender Weise in die geistige Welt hinein und zeigt ihm den wirklichen Verlauf eines geistigen Geschehens hinter der Sinneswelt. Sie zeigt dem Menschen, dass seine Seele als ein geistiges Wesen in dieser geistigen Welt drinnensteht und dass sie sich aus dieser geistigen Welt heraus vor der Geburt den Leib selbst geformt hat, mit dem sie in diesem Erdenleben drinnensteht. Damit aber wird, indem eine wirkliche geistige Welt entdeckt wird, einer unberechtigten geistigen Welt, wie sie den abergläubischen Vorstellungen zugrunde liegt, entgegengearbeitet.
[ 50 ] Diese Geisteswissenschaft führt in eine wirkliche geistige Welt hinein. Dadurch, dass sie die wirkliche geistige Welt entdeckt — nicht diejenige geistige Welt, die erträumt wird von denen, die eine geistige Welt nur erträumen wollen, aber sie nicht finden können —, tritt sie ja dem Aberglauben entgegen. Die Geisteswissenschaft ist gerade dasjenige, was Heilung bringen kann und bringen wird allen abergläubischen Vorstellungen. Aberglaube blüht da, wo man Geisteswissenschaft nicht gelten lässt und trotzdem in die geistige Welt hinein will. Geisteswissenschaft führt den Menschen in voll befriedigender Weise in die geistige Welt hinein und zeigt ihm den wirklichen Verlauf eines geistigen Geschehens hinter der Sinneswelt. Sie zeigt dem Menschen, dass seine Seele als ein geistiges Wesen in dieser geistigen Welt drinnensteht und dass sie sich aus dieser geistigen Welt heraus vor der Geburt den Leib selbst geformt hat, mit dem sie in diesem Erdenleben drinnensteht. Damit aber wird, indem eine wirkliche geistige Welt entdeckt wird, einer unberechtigten geistigen Welt, wie sie den abergläubischen Vorstellungen zugrunde liegt, entgegengearbeitet.
[ 51 ] Und was nun den Standpunkt der Geisteswissenschaft gegenüber der Religion betrifft, da begegnet man auch sehr oft missverständlichen Vorstellungen. Darauf werde ich morgen näher einzugehen haben in meinem Vortrage, der sich namentlich verbreiten soll über den Bau, den wir aufzuführen haben als eine Pflegestätte für diese neue Art der Wissenschaft, die Geisteswissenschaft, von der ich heute nur einiges, ihre Seelen anregend, gewiss nicht überzeugen wollend, sondern nur um Anregung zu geben, mir erlaubt habe, zu Ihnen zu sprechen.
[ 51 ] Und was nun den Standpunkt der Geisteswissenschaft gegenüber der Religion betrifft, da begegnet man auch sehr oft missverständlichen Vorstellungen. Darauf werde ich morgen näher einzugehen haben in meinem Vortrage, der sich namentlich verbreiten soll über den Bau, den wir aufzuführen haben als eine Pflegestätte für diese neue Art der Wissenschaft, die Geisteswissenschaft, von der ich heute nur einiges, ihre Seelen anregend, gewiss nicht überzeugen wollend, sondern nur um Anregung zu geben, mir erlaubt habe, zu Ihnen zu sprechen.
[ 52 ] Es wird sich darum handeln, zu wissen, wie Geisteswissenschaft gepflegt werden muss in einem Bau, der in seiner künstlerischen Gestaltung wirklich dieser Geisteswissenschaft als Umgebung dienen kann, und darzustellen, was gemeint ist mit dem Bau, was gemeint ist mit Bezug auf das Hineinstellen der Geisteswissenschaft in die künstlerischen Bestrebungen unserer Zeit. Dabei soll dann auch ein Streiflicht geworfen werden darauf, inwiefern es unbegründet ist, wenn religiöse Gemüter glauben, Geisteswissenschaft als etwas der Religion Feindliches ansprechen zu müssen. Heute möchte ich nur so viel davon sagen: Während in der Tat die Naturwissenschaft mit ihren Vorstellungen die Menschen dazu führt, dass sie von der Religion abkommen, dass sie den religiösen Vorstellungen entfremdet werden, wird Geisteswissenschaft dadurch, dass sie den Menschen zeigt, wie die geistige Welt eine Realität ist, wie die geistige Welt wirklich vorhanden ist, das Gemüt der Menschen so anregen, dass selbst derjenige, der sich für aufgeklärt halten darf, wiederum eine religiöse Vertiefung finden kann.
[ 52 ] Es wird sich darum handeln, zu wissen, wie Geisteswissenschaft gepflegt werden muss in einem Bau, der in seiner künstlerischen Gestaltung wirklich dieser Geisteswissenschaft als Umgebung dienen kann, und darzustellen, was gemeint ist mit dem Bau, was gemeint ist mit Bezug auf das Hineinstellen der Geisteswissenschaft in die künstlerischen Bestrebungen unserer Zeit. Dabei soll dann auch ein Streiflicht geworfen werden darauf, inwiefern es unbegründet ist, wenn religiöse Gemüter glauben, Geisteswissenschaft als etwas der Religion Feindliches ansprechen zu müssen. Heute möchte ich nur so viel davon sagen: Während in der Tat die Naturwissenschaft mit ihren Vorstellungen die Menschen dazu führt, dass sie von der Religion abkommen, dass sie den religiösen Vorstellungen entfremdet werden, wird Geisteswissenschaft dadurch, dass sie den Menschen zeigt, wie die geistige Welt eine Realität ist, wie die geistige Welt wirklich vorhanden ist, das Gemüt der Menschen so anregen, dass selbst derjenige, der sich für aufgeklärt halten darf, wiederum eine religiöse Vertiefung finden kann.
[ 53 ] Geisteswissenschaft kann die Religion nicht ersetzen. Sie kann niemanden abbringen von seiner Religion. Denn die Aufgabe der Religion ist noch eine andere als die Aufgabe der Geisteswissenschaft. Religion muss gepflegt werden neben der Geisteswissenschaft. Aber indem die Geisteswissenschaft als eine Wissenschaft von der geistigen Welt auftritt, führt sie nicht, wie die Naturwissenschaft, den Menschen, der aufgeklärt sein will, von der Religion ab, sondern sie führt ihn zur Religion hin. Und so müssen diejenigen, die es ehrlich meinen mit dem religiösen Leben, die Geisteswissenschaft begrüßen als diejenige Bewegung, die auch den aufgeklärten Menschen wiederum hinführen kann zur religiösen Vertiefung, zur religiösen Versenkung, zu einem wahren, echten Glauben.
[ 53 ] Geisteswissenschaft kann die Religion nicht ersetzen. Sie kann niemanden abbringen von seiner Religion. Denn die Aufgabe der Religion ist noch eine andere als die Aufgabe der Geisteswissenschaft. Religion muss gepflegt werden neben der Geisteswissenschaft. Aber indem die Geisteswissenschaft als eine Wissenschaft von der geistigen Welt auftritt, führt sie nicht, wie die Naturwissenschaft, den Menschen, der aufgeklärt sein will, von der Religion ab, sondern sie führt ihn zur Religion hin. Und so müssen diejenigen, die es ehrlich meinen mit dem religiösen Leben, die Geisteswissenschaft begrüßen als diejenige Bewegung, die auch den aufgeklärten Menschen wiederum hinführen kann zur religiösen Vertiefung, zur religiösen Versenkung, zu einem wahren, echten Glauben.
[ 54 ] Doch darüber möchte ich morgen sprechen im Zusammenhang mit dem, was ich zu sagen haben werde über die Pflegestätte, die der Geisteswissenschaft drüben in Dornach gebaut werden soll. Dasjenige aber, was ich als Grundlage der Geisteswissenschaft heute vor Ihnen zu entwickeln versuchte, das sollte sein etwas, was sich zusammenfassen lässt zuletzt in eine Grundempfindung der menschlichen Seele. Denn das ist das Eigentümliche der Geisteswissenschaft, dass sie nicht bloß unseren Verstand, der jaan das Gehirn gebunden ist, anregt, sondern dass sie spricht zu dem, was in jeder menschlichen Seele, unabhängig von aller Verschiedenheit, lebt. Man darf nicht glauben, dass man Geistesforscher werden muss, aber es kann es ein jeder werden. Auch darüber bitte ich Sie, Näheres nachzulesen in meinen Büchern.
[ 54 ] Doch darüber möchte ich morgen sprechen im Zusammenhang mit dem, was ich zu sagen haben werde über die Pflegestätte, die der Geisteswissenschaft drüben in Dornach gebaut werden soll. Dasjenige aber, was ich als Grundlage der Geisteswissenschaft heute vor Ihnen zu entwickeln versuchte, das sollte sein etwas, was sich zusammenfassen lässt zuletzt in eine Grundempfindung der menschlichen Seele. Denn das ist das Eigentümliche der Geisteswissenschaft, dass sie nicht bloß unseren Verstand, der jaan das Gehirn gebunden ist, anregt, sondern dass sie spricht zu dem, was in jeder menschlichen Seele, unabhängig von aller Verschiedenheit, lebt. Man darf nicht glauben, dass man Geistesforscher werden muss, aber es kann es ein jeder werden. Auch darüber bitte ich Sie, Näheres nachzulesen in meinen Büchern.
[ 55 ] Man braucht nicht Geistesforscher zu sein, aber der Geistesforscher redet zu dem, was in jedem Menschen ist, was in jeder Menschenseele lebt. Er spricht zu demjenigen im Menschen, was hindurchgeht durch Geburten und Tode; zu demjenigen, was ewig ist in der menschlichen Seele. Und was er redet, der Geistesforscher, es kann von jeder Menschensecle verstanden werden, die nur in sich den Schutt und die Hemmnisse hinwegräumt, die durch die heutigen Denkgewohnheiten entstanden sind. Und das wird gewissermaßen die geisteswissenschaftliche Entwicklung der Zukunft sein, dass es einzelne Geistesforscher geben wird, wie es einzelne Chemiker gibt, die dasjenige, was sie durch ihre Forschungen hervorbringen, in den Nutzen aller stellen werden. Es wird einzelne Geistesforscher geben, die werden durch dasjenige, was beschrieben worden ist als geisteswissenschaftliche Methode, hinaufgeführt werden in die geistige Welt, und sie werden über diese geistige Welt sprechen können. Das aber, was sie über diese geistige Welt sagen werden, es wird in jede Seele verständnisvoll sich einschreiben können, wenn erst hinweggeräumt sein wird, was an Vorurteil über Vorurteil heute noch vielfach vorhanden ist. Das aber wird dann ein neues Leben in den Seelen erzeugen können, ein Leben, wie es die Seele braucht gegenüber den immer komplizierter und komplizierter werdenden Verhältnissen der äußeren Welt, die uns ja in der gegenwärtigen Zeit allüberall, wo wir auch hinblicken in den nicht neutralen Ländern, ein so trauriges Bild darbieten. Aber auch abgesehen von solchen Seiten: Wir können erkennen, dass die Seele diese starken Lebenskräfte brauchen wird den immer komplizierter und komplizierter werdenden Verhältnissen gegenüber. Geisteswissenschaft will der Seele diese erstarkten Lebenskräfte geben, welche in ihr anregen werden ein inneres Erfüllen und Erkraften, das allem gewachsen sein kann, was auf die Seele einströmen wird, mehr als es jemals in der Vergangenheit der Fall war.
[ 55 ] Man braucht nicht Geistesforscher zu sein, aber der Geistesforscher redet zu dem, was in jedem Menschen ist, was in jeder Menschenseele lebt. Er spricht zu demjenigen im Menschen, was hindurchgeht durch Geburten und Tode; zu demjenigen, was ewig ist in der menschlichen Seele. Und was er redet, der Geistesforscher, es kann von jeder Menschensecle verstanden werden, die nur in sich den Schutt und die Hemmnisse hinwegräumt, die durch die heutigen Denkgewohnheiten entstanden sind. Und das wird gewissermaßen die geisteswissenschaftliche Entwicklung der Zukunft sein, dass es einzelne Geistesforscher geben wird, wie es einzelne Chemiker gibt, die dasjenige, was sie durch ihre Forschungen hervorbringen, in den Nutzen aller stellen werden. Es wird einzelne Geistesforscher geben, die werden durch dasjenige, was beschrieben worden ist als geisteswissenschaftliche Methode, hinaufgeführt werden in die geistige Welt, und sie werden über diese geistige Welt sprechen können. Das aber, was sie über diese geistige Welt sagen werden, es wird in jede Seele verständnisvoll sich einschreiben können, wenn erst hinweggeräumt sein wird, was an Vorurteil über Vorurteil heute noch vielfach vorhanden ist. Das aber wird dann ein neues Leben in den Seelen erzeugen können, ein Leben, wie es die Seele braucht gegenüber den immer komplizierter und komplizierter werdenden Verhältnissen der äußeren Welt, die uns ja in der gegenwärtigen Zeit allüberall, wo wir auch hinblicken in den nicht neutralen Ländern, ein so trauriges Bild darbieten. Aber auch abgesehen von solchen Seiten: Wir können erkennen, dass die Seele diese starken Lebenskräfte brauchen wird den immer komplizierter und komplizierter werdenden Verhältnissen gegenüber. Geisteswissenschaft will der Seele diese erstarkten Lebenskräfte geben, welche in ihr anregen werden ein inneres Erfüllen und Erkraften, das allem gewachsen sein kann, was auf die Seele einströmen wird, mehr als es jemals in der Vergangenheit der Fall war.
[ 56 ] Und so möchte ich denn jetzt nicht in ein Verstandesurteil, sondern in einen Empfindungssatz zusammenfassen dasjenige, was ich anzuregen versucht habe in Ihren Seelen durch diese Betrachtungen. Denn nicht das, was wir verstandesgemäß behalten und wissen von der Geisteswissenschaft, ist es, worauf es ankommt, sondern was in der Seele angeregt wird als unmittelbare Empfindungs- und Gefühls- und Gemütserlebnisse, das ist es, worauf es ankommt.
[ 56 ] Und so möchte ich denn jetzt nicht in ein Verstandesurteil, sondern in einen Empfindungssatz zusammenfassen dasjenige, was ich anzuregen versucht habe in Ihren Seelen durch diese Betrachtungen. Denn nicht das, was wir verstandesgemäß behalten und wissen von der Geisteswissenschaft, ist es, worauf es ankommt, sondern was in der Seele angeregt wird als unmittelbare Empfindungs- und Gefühls- und Gemütserlebnisse, das ist es, worauf es ankommt.
[ 57 ] Und dasjenige, was durch die Worte des Vortrages angeregt werden sollte, ich möchte es jetzt zusammenfließen lassen in eine Gesamtempfindung, die wie ein Resultat den Vortrag zusammenfassen und ihn beschließen soll:
[ 57 ] Und dasjenige, was durch die Worte des Vortrages angeregt werden sollte, ich möchte es jetzt zusammenfließen lassen in eine Gesamtempfindung, die wie ein Resultat den Vortrag zusammenfassen und ihn beschließen soll:
Es sprechen zu den Menschensinnen
Die Dinge in den Raumesweiten;
Sie wirken auf die Menschenseele,
Sich wandelnd in dem Zeitenlaufe.
Sich selbst erlebend ergreift die Seele
Von Raumesweiten unbegrenzt,
Vom Zeitenlaufe unbeschränkt,
Des Geistes Wesensreich
In seiner ewigen Eigenart.
Es sprechen zu den Menschensinnen
Die Dinge in den Raumesweiten;
Sie wirken auf die Menschenseele,
Sich wandelnd in dem Zeitenlaufe.
Sich selbst erlebend ergreift die Seele
Von Raumesweiten unbegrenzt,
Vom Zeitenlaufe unbeschränkt,
Des Geistes Wesensreich
In seiner ewigen Eigenart.
