The Human Soul, Fate and Death
GA 70a
9 April 1915, Basel
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The Human Soul, Fate and Death, tr. SOL
12. Das Wesen der Geisteswissenschaft und die Erkenntnis der übersinnlichen Welt
12. The Nature of Spiritual Science and Knowledge of the Supersensible World
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Mit einer Betrachtung auf dem Gebiete der Geisteswissenschaft, wie sie heute Abend angestellt werden soll, jemanden unmittelbar zu überzeugen oder überzeugen zu wollen, ist eine Unmöglichkeit, und es wäre naiv, solches anzunehmen. Denn Geisteswissenschaft als solche, wie sie hier gemeint ist, ist in den Anfängen ihres Werdens, und sie will erst in die Kulturentwicklung, in das Geistesleben der Menschen sich allmählich einleben. Heute widerspricht dasjenige, was Geisteswissenschaft vorzubringen hat, durchaus den gewohnten Vorstellungen der weitesten Kreise. Und viel naturgemäßer ist es, ich möchte sagen viel selbstverständlicher ist es, dass sich gegenüber Dingen, wie sie heute Abend gesagt werden müssen, Widerspruch über Widerspruch erhebt, dass diese Dinge als Phantasterei, als Träumerei angesehen werden. Viel selbstverständlicher ist dieses, als etwa das wäre, wenn die Dinge sofort Zustimmung erfahren würden. Insbesondere derjenige, der sich eingelebt hat in das Gebiet der Geisteswissenschaft oder ihrer Ergebnisse, wird gar nicht voraussetzen, dass er leicht irgendwie jemanden überzeugen könne. Dasjenige, was Ergebnis der Geisteswissenschaft ist, muss sich vielmehr ganz langsam und allmählich, wie das ja immer bei geistigen Fortschritten in der Welt der Fall war, in die Denkgewohnheiten, in die ganze Art des Vorstellens der Zeit einleben.
[ 1 ] Ladies and gentlemen! It is impossible to immediately convince anyone—or even to attempt to do so—with a reflection in the field of spiritual science such as the one to be presented this evening, and it would be naive to assume otherwise. For spiritual science as such—as it is understood here—is in the early stages of its development, and it is only gradually seeking to take root in cultural development and in the spiritual life of human beings. Today, what spiritual science has to offer stands in stark contrast to the familiar notions held by the broadest circles. And it is far more natural—I would say far more to be expected—that, in the face of things that must be said this evening, objection upon objection will arise, and that these things will be regarded as fantasy or daydreaming. This is far more to be expected than it would be if these things were to meet with immediate approval. In particular, anyone who has become familiar with the field of spiritual science or its findings will not assume that they can easily convince anyone of anything. Rather, the findings of spiritual science must, very slowly and gradually—as has always been the case with intellectual progress in the world—become integrated into the habits of thought and the entire way of conceiving of time.
[ 2 ] Und so ist es denn nur allzu begreiflich, ja selbstverständlich, dass von vielen Seiten — und es könnten viel mehr Seiten angeführt werden, als einleitungsweise angedeutet werden sollen — Einwand und Widerspruch, ja Spott und Verhöhnung sich gegen die Ergebnisse der Geisteswissenschaft heute geltend machen müssen. Vor allen Dingen ist ja sozusagen der allernächstliegendste Einwand der, dass Geisteswissenschaft widerspreche den wohlbegründeten Errungenschaften und Vorstellungen der Naturwissenschaft, die in unserer Zeit so große, so gewaltige Fortschritte zu verzeichnen hat. Gerade auf diesen Einwand wird vielleicht der heutige Vortrag einiges Licht werfen können. Aber auch von anderer Seite erheben sich, und zwar, wie im heutigen und im morgigen Vortrag wohl wird klar werden können, ich möchte sagen begreifliche, aber unbegründete Einwände.
[ 2 ] And so it is only too understandable, indeed self-evident, that from many quarters—and many more could be cited than are intended to be mentioned in this introduction—objections and contradictions, even mockery and derision, must be raised against the findings of spiritual science today. Above all, the most obvious objection, so to speak, is that spiritual science contradicts the well-founded achievements and concepts of natural science, which has made such great, such tremendous progress in our time. Today’s lecture may perhaps shed some light on this very objection. But objections also arise from other quarters—and, as will likely become clear in today’s and tomorrow’s lectures, I would say these are understandable but unfounded objections.
[ 3 ] Der religiös veranlagte Mensch, der Bekenner dieser oder jener Religionsgemeinschaft meint leicht — und ich sage wieder: begreiflicherweise —, dass Geisteswissenschaft irgendwie feindlich oder gegnerisch sich verhalten könnte gegenüber der religiösen Vertiefung und dem religiösen Leben der Menschenscele. Und insbesondere wird es heute noch sehr viele Menschen geben, die der Überzeugung sind, dass Geisteswissenschaft — indem sie die Seele hinführen will zu einer Welt, die nicht die Welt der Sinne ist und nicht die Welt des gewöhnlichen Verstandes, zu einer Welt geistiger Wesenheiten und geistiger Wirksamkeiten — in alle möglichen abergläubischen Vorstellungen verfallen müsse und sie irgendwie verbreiten könne unter denjenigen, die Bekenner der Geisteswissenschaft werden wollen.
[ 3 ] A religiously inclined person, a member of this or that religious community, easily believes—and I say again: understandably—that spiritual science might somehow be hostile or antagonistic toward people’s religious deepening and religious life. And in particular, there are still very many people today who are convinced that spiritual science—by seeking to lead the soul to a world that is neither the world of the senses nor the world of ordinary reason, but rather a world of spiritual beings and spiritual forces — must inevitably fall into all manner of superstitious notions and could somehow spread them among those who wish to become adherents of spiritual science.
[ 4 ] Insbesondere muss ja schon, ich möchte sagen so recht das Gespötte gewisser zeitgenössischer Anschauungen wachgerufen werden, wenn Geisteswissenschaft ihr Fundamentalstes geltend macht; dieses Fundamentalste, das darin besteht, dass der Mensch in seiner Totalität, in seiner Ganzheit nicht bloß dasjenige ist, als was er unseren äußeren Sinnen entgegentritt, als was er sich selbst für seine äußeren Sinne erscheint und als was er erscheint für den Verstand, der an das Gehirn, an das Nervensystem gebunden ist. Ganz selbstverständlich ist es, dass von gewissen Gesichtspunkten aus heute nicht nur dieses als Träumerei angesehen wird, sondern dass auch gespottet wird, wenn gesagt wird, dieser physische Mensch, wie ihn die gewöhnliche Wissenschaft studiert, dieser physische Leib, wie er als einzig Reales vielen heute gelten muss — ich sagen muss —, er sei nicht das Einzige, was man am Menschen erkennen könne, sondern er sei, dieser physische Leib, nur ein Glied der gesamten menschlichen Wesenheit.
[ 4 ] In particular, I would say that the ridicule of certain contemporary views must indeed be evoked when the humanities assert their most fundamental principle; this most fundamental aspect, which consists in the fact that the human being, in his totality, in his wholeness, is not merely what he appears to our external senses, what he appears to be to his own external senses, and what he appears to be to the intellect bound to the brain and the nervous system. It goes without saying that, from certain points of view today, not only is this regarded as a fantasy, but there is also mockery when it is said that this physical human being, as studied by conventional science, this physical body, which many today must regard—I must say—as the only reality, is not the only thing that can be recognized in a human being, but rather that this physical body is merely one part of the entire human being.
[ 5 ] Übersinnlich und unsichtbar waltet gleichsam — das ist ein Ergebnis der Geisteswissenschaft — in diesem physischen Leibe und ihm zugrunde liegend ein feiner, ein geistiger Mensch, welcher in einer gewissen Weise, wie wir sehen werden, sogar der Akteur, der Produzent, der Hervorbringer und Betätigter des physischen Leibes ist. Und wenn dann Geisteswissenschaft davon spricht, diesen zweiten, übersinnlich-unsichtbaren Leib den ätherischen Leib zu nennen, so ist es, wie gesagt, ganz begreiflich, wenn ein solches Ergebnis als eine blinde Annahme hingestellt wird, als eine Phantasterei verspottet wird. Und wenn nun gar Geisteswissenschaft nicht zufrieden sein kann, außer diesem physischen Menschen den eben angeführten geistigen Menschen festzustellen, sondern über diesen hinaus noch ein höheres Glied der menschlichen Natur annehmen muss, und wenn von mancher Seite dann dieses höhere Glied der menschlichen Natur der Astralleib genannt wird, aus Gründen, auf die wir heute noch zurückkommen werden, dann, wie gesagt, wäre es fast naiv, zu glauben, dass über solche Annahmen nicht gespottet würde von dem Gesichtspunkte aus, der heute oftmals als der einzig wissenschaftliche gilt.
[ 5 ] A subtle, spiritual human being—as spiritual science has shown—reigns, as it were, supersensibly and invisibly within this physical body and underlies it; and in a certain sense, as we shall see, this spiritual being is even the agent, the producer, the creator, and the active force behind the physical body. And when spiritual science speaks of calling this second, supersensible, invisible body the etheric body, it is, as I said, quite understandable that such a finding is dismissed as a blind assumption or ridiculed as a flight of fancy. And if spiritual science cannot be content merely to identify, in addition to this physical human being, the spiritual human being just described, but must assume, beyond this, an even higher aspect of human nature, and if, from some quarters, this higher aspect of human nature is then called the astral body—for reasons to which we shall return today—then, as I said, it would be almost naïve to believe that such assumptions would not be mocked from the perspective that is often regarded today as the only scientific one.
[ 6 ] Wir wollen nun im Verlaufe unserer heutigen Betrachtung dadurch ein wenig Begründung schaffen für solche übersinnlichen Glieder der Menschennatur, dass wir uns vor die Augen der Seele stellen die Art und Weise, wie denn Geisteswissenschaft zu solchen Annahmen kommen kann, was der Geisteswissenschaftler vorzunehmen hat, um solche Annahmen hinstellen zu dürfen vor die Erkenntnis der Menschen.
[ 6 ] In the course of our discussion today, we now wish to provide some justification for such supersensible aspects of human nature by presenting to the soul’s gaze the manner in which spiritual science can arrive at such assumptions, and what the spiritual scientist must do in order to be permitted to present such assumptions to human understanding.
[ 7 ] Mit der Naturwissenschaft, wie sie sich herausgebildet hat mit ihren wunderbaren Ergebnissen, steht wahre, wirkliche Geisteswissenschaft durchaus in Einklang. Ja, sie steht nicht nur im Einklange, sondern sie will sogar sein für die geistigen Erscheinungen, für die Erscheinungen der geistigen Welt, eine wahre, echte Fortsetzerin des naturwissenschaftlichen Forschens. Und wenn mit Bezug auf das Seelenleben heute der radikale Naturwissenschaftler sagt: Erkennen wir denn nicht, dass dieses Seelenleben, wie es sich im Menschen auslebt und auswest, in innigem Zusammenhang steht, im Verhältnis steht mit den körperlichen Erscheinungen? Oder sieht man denn daraus nicht, dass dieses Seelenleben durchaus, wie das Licht, die Wärme von der Flamme materiell abhängig ist von dem körperlichen, dem materiellen Leben? Wenn der Naturwissenschaftler heute, ich sage nicht, aus einem gewissen irreligiösen Gefühl heraus, sondern aus seiner urechtesten Überzeugung dieses vorbringt, dann muss gesagt werden, dass wahre Geisteswissenschaft, wie sie heute beginnt sich zu entwickeln, für das, was Naturwissenschaft wirklich in Bezug auf das Angedeutete zu sagen hat, dieser Naturwissenschaft nicht widerspricht, im Gegenteil, sich durchaus gegenüber alledem, was berechtigtes Ergebnis der Naturwissenschaft ist, mit dieser auf den gleichen Boden stellt.
[ 7 ] True, genuine spiritual science is entirely in harmony with natural science as it has developed, with all its marvelous achievements. Indeed, it is not only in harmony with it, but it even seeks to be a true and genuine continuation of scientific inquiry as it applies to spiritual phenomena—to the phenomena of the spiritual world. And when, with regard to the life of the soul, the radical natural scientist says today: Do we not recognize that this life of the soul, as it unfolds and manifests itself in the human being, stands in an intimate connection, in a relationship, with physical phenomena? Or can we not see from this that this life of the soul is, just like light and the heat of a flame, materially dependent on physical, material life? If the natural scientist today—and I do not say this out of some irreligious sentiment, but out of his most genuine conviction—puts this forward, then it must be said that true spiritual science, as it is now beginning to develop, does not contradict natural science with regard to what it truly has to say about the matters indicated; on the contrary, it stands on equal footing with natural science in regard to all that is a legitimate finding of natural science.
[ 8 ] Wenn man das Seelische, wie es sich zunächst im Leben darlebt, indem wir dieses Leben durchlaufen zwischen Geburt und Tod, wenn man dieses Seelenleben betrachtet, wenn der Mensch sich mit Bezug auf sein inneres seelisches Leben durch Selbsterkenntnis durchschaut, so können wir sagen: Dieses Seelenleben verläuft im Denken, im Fühlen, im Wollen. Und im Grunde genommen haben wir in diesen drei Betätigungen des Seelenlebens, im Denken, Fühlen und Wollen den Umkreis, den Horizont des Seelenlebens vor uns. Und wenn irgendjemand, der noch nicht auf dem Boden der Geisteswissenschaft stehen würde, aber das Bedürfnis hätte, ich möchte sagen, irgendetwas von der menschlichen Wesenheit zu verstehen, etwas anzunehmen, das durch die Pforte des Todes durchgeht und nach dem Tode in einer geistigen Welt verweilt, wenn ein solcher hinblickt auf das gewöhnliche, im Alltagsleben des Menschen sich darbietende Denken, Fühlen und Wollen und dann aus irgendeinem philosophischen oder sonstigen Grunde sagen würde: Dieses Denken, Fühlen und Wollen, das ist etwas, was nichts zu tun hat mit den materiellen Vorgängen im menschlichen Leibe, und wenn jemand auf diese Weise des Menschen Seelisches gegenüber der physischen Zerstörung oder überhaupt der physischen Natur retten wollte, dann würde der naturwissenschaftliche Forscher kommen und sagen: Aber sieh doch einmal hin, es braucht nur irgendeine geringfügige Verletzung im Nervensystem einzutreten, und dieses Denken, Fühlen und Wollen kann dadurch untergraben werden. Sich also an dieses denkende, fühlende, wollende Seelenleben; so, wie das Licht und die Wärme von der Flamme abhängt, von dem Brennmaterial abhängt, so ist abhängig dieses Denken, Fühlen und Wollen von den physischen Vorgängen. Sind die in irgendeiner Weise unterbrochen, so kann eben Denken, Fühlen und Wollen sich nicht in richtiger Weise vollziehen.
[ 8 ] If we consider the life of the soul as it first manifests itself in life—as we pass through this life between birth and death—if we observe this inner life of the soul, and if a person gains insight into their own inner spiritual life through self-knowledge, then we can say: This life of the soul unfolds in thinking, feeling, and willing. And fundamentally, in these three activities of the soul—thinking, feeling, and willing—we have before us the scope, the horizon, of the life of the soul. And if anyone, who does not yet stand on the ground of spiritual science but feels the need to I would say, to understand something of the human being—to accept that there is something that passes through the gate of death and remains in a spiritual world after death—if such a person were to look at the ordinary thinking, feeling, and willing that present themselves in human everyday life, and then, for some philosophical or other reason, were to say: “This thinking, feeling, and willing has nothing to do with the material processes in the human body,” and if someone were to try in this way to save the human soul from physical destruction or from physical nature in general, then the natural scientist would come and say: But just look at it: all it takes is some minor injury to the nervous system, and this thinking, feeling, and willing can be undermined as a result. So this thinking, feeling, and willing life of the soul—just as light and heat depend on the flame and on the fuel—is dependent on physical processes. If these are interrupted in any way, then thinking, feeling, and willing simply cannot take place properly.
[ 9 ] In einleuchtender Weise weiß Physiologie, Psychologie, Medizin alle möglichen Gründe anzuführen, welche belegen sollen, dass dieses Denken, Fühlen und Wollen ganz und gar gebunden sei an diese materiellen Vorgänge des Nervensystems, überhaupt der Leiblichkeit.
[ 9 ] Physiology, psychology, and medicine are able to cite all manner of plausible reasons intended to demonstrate that this thinking, feeling, and willing are entirely bound up with these material processes of the nervous system—indeed, with physicality itself.
[ 10 ] Ferner wird darauf hingewiesen: Man sieht doch, wie in der Jugend mit der Entwicklung des physischen Leibes auch das Seelenleben sich entwickelt; wie im Alter, wo die Regsamkeit der physischen Vorgänge nachlässt, auch das Denken, Fühlen und Wollen nachlässt. Sieht man denn nicht — so kann mit Recht der naturwissenschaftlich Denkende sagen —, dass wirklich dasjenige, was man Seelenleben nennt, nur eine Wirkung ist der physisch-materiellen Vorgänge? Bleibt denn da noch etwas übrig — so kann der Naturforscher sagen —, von dem man sagen könnte, dass es als lebendiges inneres Sein durch die Pforte des Todes in eine geistige Welt eingeht?
[ 10 ] Furthermore, it is pointed out: One can see, after all, how in youth the life of the soul develops along with the development of the physical body; how in old age, when the activity of physical processes declines, thinking, feeling, and willing also decline. Does one not see—as the scientific thinker may rightly say—that what is called the life of the soul is really nothing more than an effect of physical-material processes? Is there anything left—as the natural scientist may ask—that could be said to pass through the gate of death into a spiritual world as a living inner being?
[ 11 ] Immer wieder und wiederum wird ja von naturwissenschaftlicher Seite aufmerksam gemacht auf einen uralten Gegensatz in Bezug auf die Erklärung des menschlichen Seelenlebens, der einem ja schon entgegentritt in Platos wunderbarem Gespräch über die Unsterblichkeit der Menschenseele, das angeknüpft wird an den Tod das Sokrates. Da sehen wir, wie Sokrates seine Einwände macht gegen Simmias, gegen den, der da sagt: Ach, dieses ganze seelische Leben des Menschen, wir können es auffassen wie etwas, wie das Spiel, die Töne einer Laute, und die Laute ist der physische Menschenleib. Wenn die Kräfte des physischen Menschenlebens sich entfalten, dann gibt das so, wie wenn die Saiten der Laute sich entfaltend den Klang geben und den Zusammenhang der Klänge geben, so geben die Verrichtungen, das materielle Geschehen des menschlichen Leibes, das Seelenleben, und in dem Augenblick, wo die Laute zerstört ist, hören auch die Zusammenklänge der Laute auf. Aber in dem Augenblick, wo zerstört ist dasjenige, was materielle Vorgänge bewirkt im Menschen, hört auch auf dasjenige, was sich wie das Erklingen der menschlichen Verrichtungen ergibt, hört auch das Seelenleben auf.
[ 11 ] Time and again, scientists draw attention to an age-old contrast regarding the explanation of human spiritual life—a contrast that is already evident in Plato’s wonderful dialogue on the immortality of the human soul, which follows *The Death of Socrates*. There we see how Socrates raises his objections against Simmias, who says: “Ah, this entire spiritual life of man—we can conceive of it as something like the playing of a lute, the sounds of a lute, and the lute is the physical human body.” When the forces of physical human life unfold, it is as if the strings of the lute, as they vibrate, produce sound and create a harmony of tones; similarly, the activities—the material processes of the human body—give rise to the life of the soul, and the moment the lute is destroyed, the harmonies of the lute also cease. But the moment that which brings about material processes in human beings is destroyed, that which arises like the resonance of human activities also ceases, and the life of the soul also ceases.
[ 12 ] Und es darf sogar gesagt werden, meine sehr verehrten Anwesenden, wenn man nicht von dem subjektiven Bedürfnis des menschlichen Lebens ausgeht, von den Sehnsüchten nach einem leibfreien Leben, so entkommt man sehr schwer, wenn man nur die notwendige Empfindung hat für die tragenden Kräfte der naturwissenschaftlichen Vorstellungen der Gegenwart, man entkommt sehr schwer demjenigen, was Naturwissenschaft in der eben angeführten Richtung von ihrem Gesichtspunkte aus zu sagen hat. Man entkommt ihm deshalb schwer, weil die Gründe, die anzuführen sind dafür, dass das seelische Leben, so wie man es kennt, wie es abläuft in der Alltäglichkeit im Denken, Fühlen und Wollen, wirklich nachweislich abhängig ist von den körperlichen Vorgängen. Die Gründe, die dafür vorzubringen sind, sind schwerwiegend für denjenigen, der eben die tragenden Kräfte dieser Gründe zu durchschauen vermag, der überhaupt einzugehen vermag auf dasjenige, was für die allgemeine Welterkenntnis die gegenwärtige Naturwissenschaft zu geben hat, was sie mitzusprechen hat.
[ 12 ] And it may even be said, ladies and gentlemen, that if one does not start from the subjective needs of human life—from the longings for a life free from the body—then it is very difficult, provided one has even the slightest sense of the underlying forces behind contemporary scientific concepts, it is very difficult to escape what natural science has to say from its own perspective in the direction just mentioned. It is difficult to escape this because the reasons that must be cited to show that spiritual life—as we know it, as it unfolds in everyday thinking, feeling, and willing—is demonstrably dependent on physical processes. The reasons that can be put forward for this are compelling for anyone who is able to see through the underlying forces of these reasons—who is at all capable of engaging with what contemporary natural science has to offer in terms of general knowledge of the world, what it has to say.
[ 13 ] Geisteswissenschaft steht aber — und das muss besonders betont werden — mit Bezug auf alles dasjenige, was bis jetzt gesagt worden ist, vollständig auf dem Boden der gegenwärtigen Naturwissenschaft. Und es gibt — ich kann selbstverständlich nicht den ganzen Umkreis dessen, was jetzt erwähnt werden müsste, wirklich erwähnen —, es gibt nichts, was berechtigterweise in der angedeuteten Richtung vonseiten der Naturwissenschaft vorzubringen ist, dem die wahre, echte Geisteswissenschaft widersprechen würde. Voll zugeben muss echte, wahre Geisteswissenschaft, dass dieses Denken, wie es uns in der Alltäglichkeit entgegentritt, dass dieses Fühlen und Wollen, wie es uns in der Alltäglichkeit entgegentritt, Ergebnisse physisch-materieller Vorgänge des Leibes sind und folglich auslöschen müssen in dem Augenblick, wo der Leib seine Tätigkeit mit dem Tode einstellt. Alles, was die Naturwissenschaft in Bezug auf dieses alltägliche Seelenleben — und das allein liegt ihr ja vor — zu sagen hat, das muss auch für wahre, echte Geisteswissenschaft gültige Voraussetzung sein.
[ 13 ] However—and this must be particularly emphasized—in light of everything that has been said so far, the humanities stand entirely on the foundation of contemporary natural science. And there is—though I cannot, of course, truly mention the full scope of what would need to be mentioned here—there is nothing that can justifiably be raised by natural science in the direction indicated that true, genuine spiritual science would contradict. True, genuine spiritual science must fully acknowledge that this thinking, as it presents itself to us in everyday life, and this feeling and willing, as they present themselves to us in everyday life, are the results of physical-material processes of the body and must therefore cease the moment the body ceases its activity with death. Everything that natural science has to say regarding this everyday life of the soul—and this is, after all, its sole concern—must also serve as a valid premise for true, genuine spiritual science.
[ 14 ] Aber nun tritt eben erst diese wahre, echte Geisteswissenschaft ein, indem sie zu Wegen der geistigen Forschung führt, die über das gewöhnliche Denken, Fühlen und Wollen hinaus noch andere Inhalte, noch eine andere Wesenheit der menschlichen Seele anzuführen weiß. Ja, so sagt Geisteswissenschaft, was der Mensch erfährt im gewöhnlichen Leben als sein Denken, Fühlen und Wollen, ganz und gar ist es abhängig von leiblichen Prozessen. Aber hinter diesem Denken, Fühlen und Wollen stehen andere Seelenkräfte, stehen Seelenkräfte, die unsichtbar und unwahrnehmbar für das gewöhnliche Seelenleben sind und die unabhängig von dem Leiblichen erst sind, und die durch die Pforte des Todes gehen, wenn der Leib seine Auflösung erfährt.
[ 14 ] But now this true, genuine spiritual science is just beginning to emerge, as it leads to paths of spiritual research that, going beyond ordinary thinking, feeling, and willing, are able to reveal other contents and yet another aspect of the human soul. Yes, spiritual science tells us that what a person experiences in ordinary life as thinking, feeling, and willing is entirely dependent on physical processes. But behind this thinking, feeling, and willing lie other soul forces—soul forces that are invisible and imperceptible to ordinary soul life, that exist independently of the physical, and that pass through the gate of death when the body undergoes dissolution.
[ 15 ] Das gewöhnliche Denken, es wird ja so vollzogen, dass wir gewissermaßen im alltäglichen Leben die Dinge durch die Sinne wahrnehmen und unsere Gedanken an diese Wahrnehmung anschließen. Was wir so vollziehen, gerade Geisteswissenschaft muss im allerernstesten Sinne zugeben, dass das alles gebunden ist an den materiellen Prozess des Nervensystems. Das eigentliche Seelische kommt überhaupt im alltäglichen Leben gar nicht, auch nicht zum denkenden Bewusstsein. Dieses Seelenleben liegt, wie wir gleich sehen werden, auch hinter den gewöhnlichen Gedanken und Vorstellungen und es bewirkt — dieses Seelenleben — die materiellen Prozesse. Und dadurch, dass die materiellen Prozesse im Nervensystem ablaufen, werden von dem wahren Seelenleben Bilder entworfen. Diese Bilder sind unsere Gedanken. Diese Bilder sind gewissermaßen von keiner anderen Realität als das Spiegelbild, das wir anschauen, wenn wir vor einem Spiegel stehen.
[ 15 ] Ordinary thinking takes place in such a way that, in everyday life, we perceive things through the senses and link our thoughts to these perceptions. Spiritual science, in particular, must admit in the most serious sense that what we do in this way is entirely bound up with the material processes of the nervous system. The actual life of the soul does not come into play at all in everyday life, not even in thinking consciousness. This life of the soul, as we shall see shortly, lies behind ordinary thoughts and ideas, and it is this life of the soul that brings about the material processes. And because these material processes take place in the nervous system, images are formed by the true life of the soul. These images are our thoughts. In a sense, these images have no reality other than the reflection we see when we stand before a mirror.
[ 16 ] Da stehen wir als Mensch vor einem Spiegel — das soll ein Vergleich sein, aber es soll doch etwas mehr besagen als ein bloßer Vergleich —, wenn wir uns nicht selber besehen können, sehen wir unser Bild. Das Bild ist nur so lange da, als der Spiegel vor uns steht; ganz und gar hängt es ab von der Natur des Spiegels. Mit unserem Seelenleben, mit unserem wahren Seelenleben, meine sehr verehrten Anwesenden, das Geisteswissenschaft erst entdeckt, das nicht besteht in dem gewöhnlichen Denken, Fühlen und Wollen, stehen wir wie der Mensch vor dem Spiegel, der nicht sich selber sehen kann; und dasjenige, was er da tut, dieser Mensch, das ist, dass er im Unbewussten Prozesse in seinem Nervensystem bewirkt. Das aber macht das Nervensystem zu einem Spiegel, und aus diesem Spiegel werden zurückgeworfen Gedanken und Vorstellungen. Gedanken und Vorstellungen sind wirklich nur so lange da, als Gedanken und Vorstellungen, als das Nervensystem tätig werden kann. So wenig das Spiegelbild für sich eine Realität hat, so wenig hat dasjenige, was wir im gewöhnlichen Sinne unser Denken nennen, eine andere als eine Bildrealität, eine wirkliche Bildrealität. Es ist angewiesen darauf, dass das seelische Leben sich spiegelt an den materiellen Vorgängen des Nervensystems.
[ 16 ] As human beings, we stand before a mirror—this is meant to be a comparison, but it is meant to convey more than a mere comparison—and when we cannot see ourselves, we see our reflection. The reflection is there only as long as the mirror stands before us; it depends entirely on the nature of the mirror. With regard to our inner life—our true inner life, which spiritual science is only now discovering and which does not consist of ordinary thinking, feeling, and willing—we stand, dear friends, like a person before a mirror who cannot see themselves; and what this person does is to set in motion unconscious processes in their nervous system. But this turns the nervous system into a mirror, and thoughts and ideas are reflected back from this mirror. Thoughts and ideas truly exist as such only as long as the nervous system is able to function. Just as the mirror image has no reality in and of itself, so too does what we call our thinking in the ordinary sense have no reality other than an image reality—a true image reality. It depends on the fact that mental life is reflected in the material processes of the nervous system.
[ 17 ] Dasjenige nun, was im Denken lebt, die eigentliche Seelenkraft, die sich vergleichen lässt mit dem Menschen, der vor dem Spiegel steht und dem seine Gedanken nur als ein Bild erscheinen, diese eigentliche Seelenkraft muss eben erst durch Geisteswissenschaft gefunden werden. Und ich habe in früheren Vorträgen auch von diesem Orte aus schon hingedeutet auf die Art und Weise, wie nun in dem bloßen bildhaften Sein, das wir erleben im alltäglichen Denken und Vorstellen, erkannt werden kann das wirkliche, zugrunde liegende Seelenleben; ich möchte sagen dasjenige, was im Denken als die dem Denken zugrunde liegende seelische Kraft vorhanden ist.
[ 17 ] That which lives in thought—the very power of the soul, which can be compared to a person standing before a mirror to whom his thoughts appear only as an image—this very power of the soul must first be discovered through spiritual science. And in earlier lectures, I have already pointed out from this very place the way in which the real, underlying life of the soul—that is, what is present in thinking as the soul force underlying it—can be recognized within the mere pictorial existence that we experience in our everyday thinking and imagination.
[ 18 ] Ich habe darauf aufmerksam gemacht — Sie können alles Nähere in meinen Büchern nachlesen, in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und im zweiten Teil meiner «Geheimwissenschaft», ich kann nur das Prinzipielle dieser Dinge jetzt andeuten in der kurzen Zeit —, ich habe schon früher angedeutet, was dann zu geschehen hat im Innern der Seele, damit dasjenige, was sich in Gedanken und Vorstellungen im Bilde spiegelt, sich selbst gewahr werde, damit das seelische Leben wirklich sich in demjenigen Elemente ergreift, das ihm für das gewöhnliche, alltägliche Leben ganz unbewusst bleibt. Dasjenige, was die Seele in sich zu vollziehen hat, es sind intime innere Prozesse und Erlebnisse der Seele selbst. Wenn wir nur dasjenige Denken und Vorstellen anwenden, das wir im gewöhnlichen Erleben des Tages haben, dann kommen wir niemals zur Entdeckung des wirklichen, übersinnlichen Seelischen, das in uns waltet und west und das durch die Pforte des Todes geht, auch wenn der Leib zerstört ist. Da müssen wir in dem Denken, in dem alltäglichen Denken gewisse innere intime Prozesse vornehmen, die man Meditation und Konzentration des Denkens nennt. Ich kann das nur kurz andeuten.
[ 18 ] I have drawn attention to this—you can read all the details in my books, in *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?* and in the second part of my *The Secret Science*, I can only hint at the fundamental principles of these matters now, given the limited time—I have already indicated what must then take place within the soul so that what is reflected in thoughts and images may become self-aware, so that the soul’s life may truly take hold in that element which remains entirely unconscious to it in ordinary, everyday life. What the soul must accomplish within itself consists of intimate inner processes and experiences of the soul itself. If we rely solely on the thinking and imagining we engage in during our ordinary daily experience, we will never discover the true, supersensible soul life that reigns and dwells within us and that passes through the gate of death, even when the body is destroyed. To do this, we must engage in certain inner, intimate processes within our thinking—our everyday thinking—which are called meditation and concentration of thought. I can only briefly hint at this.
[ 19 ] Während wir sonst den gewöhnlichen Gesetzen — die uns die Welt auferlegt — folgend, einen Gedanken auf den anderen Gedanken folgen lassen, versuchen wir in der Meditation und Konzentration, in der inneren Erkraftung und Anstrengung des Denkens, durch innere Willkür gewisse Gedanken, die wir uns durchaus selbst bilden oder die wir irgendwoher gebildet erhalten, in den Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit zu stellen. Wir bemühen uns nicht nur, uns von der Welt mit Bezug auf das Denken leiten zu lassen, sondern innerlich die Kräfte der Seele so zu konzentrieren, dass diese Kräfte der Seele durch eine längere Zeit hindurch auf eine einzige Vorstellungsreihe eben hingewandt sind. Wir bemühen uns so, eine innere Tätigkeit des Denkens zu entwickeln, welche man sonst im Leben nie entwickelt, und hinzuschauen mit aller innerlich aufzuwendenden Kraft auf einen einzigen Gedanken; das nennt man Meditation, sich konzentrieren auf einen Gedanken.
[ 19 ] While we normally allow one thought to follow another in accordance with the usual laws—those imposed on us by the world—in meditation and concentration, through the inner strengthening and exertion of thought, we attempt, by an act of inner will, to place certain thoughts—which we form entirely on our own or receive from somewhere else—at the center of our attention. We strive not only to allow ourselves to be guided by the world in terms of thinking, but also to concentrate the powers of the soul inwardly in such a way that these powers of the soul remain directed toward a single train of thought over a prolonged period of time. In this way, we strive to develop an inner activity of thought that one would otherwise never develop in life, and to focus all the inner strength we can muster on a single thought; this is called meditation, or concentrating on a single thought.
[ 20 ] Es kommt nicht darauf an, dass man einen Gedanken bloß denkt, sondern dass dieser Gedanke durch keine äußere Veranlassung, sondern von innen heraus in den Mittelpunkt des Bewusstseins gerückt wird und längere Zeit in der Seele verweilt, dass man gleichsam diesen Gedanken innerlich überschaut, dass die Seele darauf gerichtet ist. Es kommt nicht darauf an, was dieser Gedanke besagt oder ob er wahr ist in Bezug auf äußere Erscheinungen, sondern darauf, dass die Seele sich innerlich konzentriert. Also auf das innere Erleben der Seele kommt es an, auf dasjenige, was sie in innerlich erkrafteter Gedankentätigkeit erlebt. Es kommt nicht darauf an, was die Seele vorstellt. Deshalb ist es besser, wenn man eine sinnbildliche Vorstellung, die nichts Äußeres abbildet, in den Mittelpunkt des Bewusstseins rückt. Darauf kommt es also an, dass man innere Kräfte, die man sonst nicht braucht, auf dieses Vorstellen verwendet. Es ist dann allerdings notwendig, dass man viel Geduld und Ausdauer hat, weil es manchmal jahrelang dauert, bis [man] gleichsam eine innere Denkgewohnheit, die man in diesem Konzentrieren entwickelt, so weit steigert, dass Verborgenes, das hinter dem Denken liegt, das gleichsam im Denken tätig ist, aber für das gewöhnliche Bewusstsein nicht erscheint, dass dieses herauftritt ins Bewusstsein. Wenn man also, und zwar oftmals jahrelang, in Geduld, Energie und Ausdauer, ich sage jetzt nicht bloß sein Denken, sondern seine inneren, dem Denken zugrunde liegenden Kräfte aus den verborgenen, tiefen Untergründen heraufholt, dann merkt man, was es heißt, nicht bloß [zu] denken, sondern im Gedanken bilden, im Gedanken erkraften sein inneres Erleben. Dieses, was dabei herauskommt, meine sehr verehrten Anwesenden, ist eine absolut neue Erfahrung des Lebens, etwas, was der Mensch nicht haben kann, wenn er nicht auf die geschilderte Weise seine Gedanken erkraftet hat. Wie gesagt, das Nähere können Sie in den angegebenen Büchern nachlesen, ich kann jetzt nur das Prinzipielle anführen.
[ 20 ] What matters is not merely that one thinks a thought, but that this thought—not prompted by any external cause, but arising from within—is brought to the center of one’s consciousness and lingers in the soul for some time; that one, as it were, surveys this thought inwardly; that the soul is focused on it. What matters is not what this thought expresses or whether it is true in relation to external phenomena, but rather that the soul concentrates inwardly. What matters, therefore, is the soul’s inner experience—that which it experiences through thought activity drawn from its inner strength. It does not matter what the soul imagines. That is why it is better to place a symbolic image—one that does not represent anything external—at the center of one’s consciousness. What matters, then, is that one directs inner forces—which one would otherwise not need—toward this act of imagination. It is then, however, necessary to have a great deal of patience and perseverance, because it sometimes takes years to develop—as it were—an inner habit of thinking, cultivated through this concentration, to such an extent that what lies hidden behind thought—that which is, as it were, active within thought but does not appear to ordinary consciousness—rises up into consciousness. So when one, often over the course of many years, with patience, energy, and perseverance—and I am not speaking merely of one’s thinking, but of the inner forces underlying thought—brings forth from the hidden, deep recesses these inner forces, then one realizes what it means not merely to think, but to shape one’s inner experience in thought and to give it power through thought. What emerges from this, my esteemed audience, is an entirely new experience of life—something a person cannot have unless they have developed their thoughts in the manner described. As I said, you can read the details in the books cited; I can only outline the principles here.
[ 21 ] Was findet man nun, wenn man also gleichsam, innerlich rein geistig-seelisch experimentiert? Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, dasjenige, was man da findet, ich kann es mit den folgenden Worten am besten charakterisieren: Das gewöhnliche Denken, bis wohin kommt es denn eigentlich? Wenn man wirklich unbefangen dieses gewöhnliche Denken, wie es der Mensch im alltäglichen Leben entwickelt, betrachtet, muss man sich sagen: Es kommt bis zu dem, was man das Erinnern nennt, bis zur Erinnerung, bis zur Gedächtnisentfaltung. Wir haben ja darauf aufmerksam machen können, dass dasjenige, was im Denken eigentlich lebt, vor dem Leiblichen steht wie vor einem Spiegel, und dass dasjenige, was die gewöhnlichen Gedanken sind, vom Leibe zurückgespiegelt wird. Dann aber entwickelt dieses Denken, dieses Vorstellen solche Gedanken, solche Vorstellungen, solche Ideen, welche gewissermaßen, wie man so gewöhnlich meint, in dem Seelenleben sich eingraben, dort bleiben, sodass man später wiederum zurückblicken kann und, ohne dass ein äußeres Erlebnis da ist, dasjenige, was man früher erlebt hat, im eigenen Seelenleben einen Nachklang findet. Im Grunde genommen beruht alle Philosophie, alle Wissenschaft darauf, dass der Mensch Erinnerung entwickeln kann, dass er zurückblicken kann auf dasjenige, was nicht mehr vorhanden ist. Und gerade mit Bezug auf dasjenige, was man Erinnerung nennen kann, steht mit der sich wirklich recht verstehenden naturwissenschaftlichen Weltauffassung der Geistesforscher in vollem, vollem Einklang. Man darf allerdings nicht glauben — und gerade die fortschreitende Naturwissenschaft wird das beweisen, es wird sich dasjenige beweisen, was ich jetzt als ein Ergebnis der Geisteswissenschaft werde auszuführen haben —, man darf nicht glauben, dass etwas wie eine fotografische Abbildung eines Erlebnisses in der Seele bleibt, die in der Erinnerung wieder heraufgeholt wird. Man darf auch nicht glauben, dass im Nervensystem irgendetwas bleibt, was, wenn es wieder regsam wird, eine Ähnlichkeit hat mit den Erlebnissen, die man vor Jahren ‚oder auch gestern gehabt hat. Allerdings sind heute noch die Vorstellungen, die der auf naturwissenschaftlichen Boden sich stellende Mensch sich macht, gewissermaßen unzureichend. Aber es ist eben durchaus die Richtung der Naturwissenschaft dahin gehend, wo auch dasjenige liegt, was jetzt zu sagen ist.
[ 21 ] What, then, does one find when one experiments, as it were, purely mentally and spiritually within oneself? Well, my esteemed audience, what one finds there I can best characterize with the following words: Ordinary thinking—how far does it actually go? If one truly observes this ordinary thinking—as it develops in human beings in everyday life—with an open mind, one must conclude: It extends as far as what we call “remembering,” as far as memory itself, as far as the unfolding of memory. We have, after all, been able to point out that what actually lives in thinking stands before the physical body as before a mirror, and that what constitutes ordinary thoughts is reflected back from the body. But then this thinking, this imagination, develops such thoughts, such mental images, such ideas, which, in a sense—as is commonly believed—take root in the life of the soul, remain there, so that one can later look back and, without any external experience being present, find an echo in one’s own soul life of what one has experienced in the past. Essentially, all philosophy and all science are based on the fact that human beings can develop memory, that they can look back on what no longer exists. And it is precisely in relation to what we can call memory that the spiritual scientists’ scientific worldview—when truly understood—is in complete, complete harmony. One must not, however, believe—and advancing natural science in particular will prove this; what I am now about to present as a finding of spiritual science will prove itself—one must not believe that something like a photographic image of an experience remains in the soul, to be recalled in memory. Nor should one believe that anything remains in the nervous system which, when it becomes active again, bears any resemblance to the experiences one had years ago—or even yesterday. Admittedly, the conceptions held today by those who base their views on natural science are, in a sense, inadequate. But the direction of natural science is precisely toward what needs to be said here.
[ 22 ] Was bleibt denn eigentlich, wenn wir jetzt ein Erlebnis haben und wenn dann Tage oder Jahre vergehen und wir später aus dem Borne unserer Erinnerungen wiederum heraufholen dasjenige, was wir erlebt haben? Was bleibt dann? Bleibt ein Abbild? Nein.
[ 22 ] What actually remains when we have an experience now, and then days or years pass, and later we recall what we experienced from the wellspring of our memories? What remains then? Does an image remain? No.
[ 23 ] Meine sehr verehrten Anwesenden, gerade die Naturwissenschaft wird beweisen, dass dasjenige, was im Leibe bei der Erinnerung bleibt, sozusagen so aussieht, dass es dem, was wir da erinnern, nicht ähnlicher ist wie die Buchstaben, die auf einem Papier stehen. Und wir lesen ab, was wir erinnern, wie wir diese Buchstaben lesen. Gerade die Naturwissenschaft wird beweisen, dass diese Erinnerung eine Ähnlichkeit hat mit einem unterbewussten Lesen, dass dasjenige, was in der Erinnerung zurückbleibt, nichts ist als Zeichen, die erst gedeutet werden müssen von dem tieferen Seelenleben. So, wie derjenige nicht wirklich liest, der etwa beschreiben würde: Da ist ein Buchstabe, der hat einen Strich senkrecht, einen Strich aufwärts, eine Rundung, da ist ein Buchstabe, der hat die Rundung voraus, dann senkrechte Striche und so weiter — wie der nicht liest, sondern wie derjenige, der lesen gelernt hat, nicht beschreibt, was er auf dem Papier sieht, sondern durch sein Lesen-Können gewisse Vorstellungen sich bildet, die nichts zu tun haben mit dem, was auf dem Papier steht, so ist es mit dem, was als Zeichen zurückbleibt in der leiblichen Organisation, im Verhältnis zu dem, was wir dann in der wirklich erlebten Erinnerung haben. Es ist ein inneres Lesen, diese Erinnerung. Das, wie gesagt, wird die Naturwissenschaft beweisen, gerade von ihrem Gesichtspunkte aus. Immer mehr und mehr wird sie von den abenteuerlichen Vorstellungen abkommen, die sie jetzt hat. Dass die Geisteswissenschaft zu einer solchen Erkenntnis kommen kann, wie sie eben ausgesprochen wurde, werden Sie gleich ersehen, wenn über andere Arten geisteswissenschaftlicher Vorstellungen gesprochen wird.
[ 23 ] Ladies and gentlemen, it is precisely the natural sciences that will prove that what remains in the body as a memory looks, so to speak, no more like what we are recalling than the letters written on a piece of paper. And we read what we remember just as we read those letters. It is precisely the natural sciences that will prove that this memory bears a resemblance to subconscious reading—that what remains in memory is nothing but signs that must first be interpreted by the deeper life of the soul. Just as someone who would describe a letter—saying, “There is a letter that has a vertical stroke, an upward stroke, a curve; there is a letter that starts with a curve, then has vertical strokes, and so on”—is not really reading —just as that person is not reading, but rather, just as someone who has learned to read does not describe what they see on the paper but, through their ability to read, forms certain mental images that have nothing to do with what is written on the paper—so it is with what remains as signs in the physical organism in relation to what we then have in our truly experienced memory. This memory is a form of inner reading. As I said, natural science will prove this, precisely from its own perspective. It will increasingly move away from the fanciful notions it currently holds. You will soon see that spiritual science can arrive at the insight just expressed when we discuss other types of spiritual scientific concepts.
[ 24 ] So gelangt der Mensch in seinem Denken dazu, gewissermaßen das bloße Wahrnehmen von Spiegelbildern herauszuheben zu einer Art Lesen nach rückwärts, zu einem unterbewussten Lesen nach rückwärts hin. Auch das ist eine Art Spiegel; aber das, was gespiegelt wird, sind nur Zeichen, nicht ein wirkliches Bild, sondern Zeichen, die wir später aufrufen durch dasjenige, was wir als Seelenkraft in uns haben, zu dem, was uns dann das Wiederaufleben der Erinnerung ist. Merken wir daraus, dass, wenn wir in unseren Erinnerungen weben und leben, wir eigentlich in einem wirklichen Geistigen weben und leben. In dem Augenblick, wo das Denken in Erinnerung übergeht, wirkt schon in diesem Denken, man will es nur gewöhnlich nicht wahrhaben, eine tiefere, rein geistig-seelische Kraft. Denn wir können nicht, wenn wir uns erinnern, etwa den Vorgang, der in dem Gehirn geblieben ist, heraufbeschwören — das wäre nichts als ein Beschreiben der Buchstaben —, sondern wir müssen an den Zeichen Geistiges erkennen. Wir leben und weben in einem wirklichen Sein. In einem wirklichen inneren Erleben sind wir in der Erinnerung. Die Erinnerung ist dasjenige, durch das der Mensch von dem noch durchaus im größten Sinne an das Leibliche gebundene Denken, Fühlen und Wollen aufsteigt zum Geistigen. Und wenn der Mensch sich in seinem Willen genügend schult, dann wird er eben gewahr, dass, wenn er in der Erinnerung lebt, er im Seelischen lebt, in dem Seelischen, das vom Leibe unabhängig ist, insofern im Leiblichen nur die Zeichen sind.
[ 24 ] Thus, in his thinking, man comes to elevate, as it were, the mere perception of mirror images to a kind of reading backward, to a subconscious reading backward. This, too, is a kind of mirror; but what is reflected are only signs—not a real image—but signs that we later summon through what we possess within us as a spiritual force, leading to what then becomes the revival of memory. Let us realize from this that when we weave and live within our memories, we are actually weaving and living within a true spiritual realm. At the very moment when thought transitions into memory, a deeper, purely spiritual-soul force is already at work within that thought—though we usually do not want to admit it. For when we remember, we cannot, for example, conjure up the process that has remained in the brain—that would be nothing more than a description of the letters—but rather we must recognize the spiritual in the signs. We live and exist within a real being. We are in memory within a real inner experience. Memory is that through which human beings rise from thinking, feeling, and willing—which are still, in the broadest sense, bound to the physical—to the spiritual. And when a person sufficiently trains their will, they become aware that when they live in memory, they live in the soul—in the soul that is independent of the body, insofar as the physical realm contains only the signs.
[ 25 ] Wenn man nun in der angegebenen Weise durch Meditation und Konzentration, wie sie prinzipiell beschrieben worden sind, das Denken erkraftet, das Denken belebt, dann kommt man dazu, dieses Denken selbst umzuwandeln zu dem, was es im gewöhnlichen Leben nicht ist. Dieses Denken gewinnt dann an innerer Aktivität. Es ist geradeso mit diesem Denken, wie wenn man vor einem Spiegel steht und es so weit brächte, wenn man so scharf innerlich tätig wäre, dass man dadurch das Spiegelbild auslöscht und dann sich gewahr würde, wie man da steht in seiner innerlichen Seelenkraft. So ist es mit dem Denken in der Konzentration. Man löscht die gewöhnlichen Gedanken aus, man lebt aber auf in der denkenden Kraft, und man merkt dann: Da lebt man in etwas auf, was jetzt nicht mehr im Leibe irgendetwas Bedingendes hat; man wird etwas ganz Neues gewahr. Man merkt auch den Unterschied, der darin besteht, dass das gewöhnliche Denken ganz an den Leib gebunden ist; wirft der Leib das Denken nicht zurück als Spiegelbild, so ist es nicht da. Jetzt aber wird man gewahr, dass es ein Denken gibt, das unabhängig ist vom leiblichen Erleben. Wie gesagt, heute ist es noch schwierig, dass der Mensch schon ohne Weiteres aus den gewohnten Vorstellungen und Denkgewohnheiten heraus zugibt, dass also wirklich eine innere Seelenkraft, die dem Denken zugrunde liegt, sich so gewahr wird, dass der Mensch, indem er dieses innere Erlebnis hat, von dem Leibe ganz unabhängig wird. Sodass man sagen kann: Der Denker schlüpft, indem er sich erlebt in der Denkkraft, in seinem Denken selber aus dem Leibe heraus, wird unabhängig von dem Leibe. Jetzt kann er auch beurteilen, dass wirklich diese innere Denkkraft etwas ist, was unabhängig vom Leibe ist. Es ist mit dem Konzentrieren ein realer Prozess erreicht, eine Seele ist etwas anderes geworden, ist das geworden, was sich unabhängig wissen kann vom Leibe.
[ 25 ] If one now strengthens and enlivens one’s thinking through meditation and concentration—as described in principle—in the manner indicated, one comes to transform this thinking itself into something it is not in ordinary life. This thinking then gains inner activity. It is just as with this thinking as when one stands before a mirror and, through such keen inner activity, manages to erase the reflection and then becomes aware of how one stands there in one’s inner soul power. So it is with thinking in concentration. One erases ordinary thoughts, but one comes alive in the power of thinking, and one then realizes: One comes alive in something that is no longer conditioned by anything in the body; one becomes aware of something entirely new. One also notices the difference, which lies in the fact that ordinary thinking is entirely bound to the body; if the body does not reflect thinking back as a mirror image, it is not there. Now, however, one becomes aware that there is a form of thinking that is independent of bodily experience. As I said, it is still difficult today for people to readily step outside their habitual conceptions and ways of thinking to admit that there really is an inner power of the soul underlying thought, which becomes so conscious that, by having this inner experience, a person becomes entirely independent of the body. So that one can say: The thinker, by experiencing himself in the power of thought, slips out of the body through his own thinking and becomes independent of the body. Now he can also judge that this inner power of thought is indeed something independent of the body. Through concentration, a real process has been achieved; the soul has become something else—it has become that which can know itself independently of the body.
[ 26 ] Und jetzt tritt, gerade dann, wenn man in Geduld und Ausdauer und Energie solche Übungen gemacht hat, wodurch man innerlich kraftvoller und immer kraftvoller zu einem Erleben gekommen ist, es tritt jetzt etwas cin, was in der Tat ein Bedeutsames ist; ein inneres tragisches Erlebnis tritt ein. Ich möchte sagen, es ist so: Es sind diejenigen Vorgänge, die im Grunde genommen jeder, der im Ernste diese Methoden der Geistesforschung durchmacht, erleben muss, es ist so, dass wir in der Tat, indem wir uns konzentrieren, indem wir die dem Denken zugrunde liegenden Seelenkräfte entwickeln, wir uns innerlich immer lebendiger fühlen. Aber das geht nur bis zu einem gewissen Punkte. Ein gewisser Punkt des innerlichen Erlebens tritt ein, in dem die innerliche Erkraftung aufhört, in dem wie eine Last — ohne zu übertreiben kann man das sagen —, wie eine ganze Last einer unbekannten Welt sich auf die Seele legt. Und es verschwindet dann die Möglichkeit, dieses erkraftete Denken weiter zu erleben. Man fühlt, wie man durch eine unbekannte Macht dieses innere Erleben ausgelöscht erhält. Würde man nur diejenigen Übungen machen, die ich bis jetzt aufgezählt habe, so würde man in der Tat durch diese Übungen zu einem Punkte kommen, wo man, wie in einer Art innerer ungeheurer Belastung sich wie in das Nichts mit seiner Seele aufgelöst fühlt.
[ 26 ] And now, precisely when one has engaged in such exercises with patience, perseverance, and energy—through which one has come to experience an inner strength that grows ever greater—something occurs that is indeed significant; a tragic inner experience sets in. I would like to say that it is this: These are the processes that, fundamentally, everyone who seriously engages in these methods of spiritual research must experience; the fact is that, by concentrating and by developing the soul forces that underlie thinking, we feel increasingly alive within ourselves. But this only goes so far. A certain point in the inner experience is reached at which this inner strengthening ceases, at which—without exaggeration—a burden, the full weight of an unknown world, settles upon the soul. And then the possibility of continuing to experience this strengthened thinking disappears. One feels as if this inner experience is being extinguished by an unknown power. If one were to do only the exercises I have listed so far, one would indeed, through these exercises, reach a point where—as if under a kind of immense inner strain—one feels one’s soul dissolving into nothingness.
[ 27 ] Daher darf keine wahre geisteswissenschaftliche Methode nur das anempfehlen für den Weg in die geistige Welt hinein, was Ihnen jetzt angeführt worden ist. Sondern es müssen diesem Meditieren, diesem Konzentrieren gleichsam parallel gehen andere Übungen. Denn Sie haben ja sehen können, wie das Üben, das bis jetzt besprochen wurde, die dem Denken zugrunde liegenden Seelenkräfte ausbildet und in Anspruch nimmt. Wir würden wirklich in Erscheinungen hineinkommen, die wie ein ungeheurer Widerstand einer unbekannten Macht uns wie zerreißen würden, wenn wir nur einseitig diese Übung machen wollten. Es muss außer diesem Denken ausgebildet werden des Menschen Wollen, dasjenige, was mehr die aktive Seelenkraft ist. Wenn der Mensch beginnt, nicht nur durch diese Meditation und Konzentration das Denken zu vertiefen, für dieses Denken innerlich Kraft zu suchen, die sonst im tiefen Born des Seelenlebens verborgen liegt, sondern wenn er auch eine innere, intime Willenskultur durchmacht, gelangt er erst zum Richtigen.
[ 27 ] Therefore, no true spiritual-scientific method may recommend only what has now been described to you as the path into the spiritual world. Rather, other exercises must proceed, as it were, in parallel with this meditation and concentration. For you have seen how the practice discussed so far develops and engages the soul forces underlying thinking. We would truly encounter phenomena that, like the immense resistance of an unknown power, would tear us apart if we were to pursue this practice one-sidedly. In addition to this thinking, the human will—which is more of an active soul force—must be developed. Only when a person begins not only to deepen their thinking through this meditation and concentration—seeking inner strength for this thinking that is otherwise hidden in the deep wellspring of soul life—but also undergoes an inner, intimate cultivation of the will, will they truly arrive at the right path.
[ 28 ] Nun ist es selbstverständlich möglich — ich verweise da wiederum auf die angeführten Bücher —, dass man auch durch intime, innere Seelenverrichtungen das Willensleben immer gelassener und gelassener macht, dass man daraus immer mehr und mehr dasjenige herausholt, was die gewöhnlichen egoistischen Triebe und Leidenschaften der Menschenseele sind. Aber ich möchte diejenigen Übungen anführen, durch die man am sichersten zu einem innerlich entwickelten Seelenleben so kommen kann, wie man auf die andere Art zu der Entwicklung des Denklebens kommt. Da müssen wir herantreten an etwas, was in das Menschenleben ja so rätselhaft, oftmals furchtbar, jedenfalls aber immer für das gewöhnliche Erleben unerforschlich hereintritt. Das ist dasjenige, was wir das menschliche Schicksal nennen. Nicht als ob wir nur an dem Schicksal unseren Willen in der Art entwickeln könnten, wie das nun angeführt werden soll. Aber es ist gewissermaßen eine Stellung zum menschlichen Schicksal, was nun charakterisiert werden soll, der nächste Weg, durch den wir diese innere Willenskultur in uns erlangen können.
[ 28 ] Now, it is of course possible—and here I refer once again to the books cited—to make one’s life of the will increasingly serene through intimate, inner spiritual practices, so that one can increasingly rid oneself of the ordinary egoistic drives and passions of the human soul. But I would like to describe those exercises through which one can most reliably attain an inwardly developed spiritual life, just as one attains the development of the life of thought through the other method. Here we must approach something that enters human life in such a mysterious, often terrible way—and in any case, always remains unfathomable to ordinary experience. This is what we call human destiny. Not that we can develop our will in relation to fate in the way that will now be described. But what is to be characterized here is, in a sense, an attitude toward human fate—the next path through which we can attain this inner cultivation of the will within ourselves.
[ 29 ] Dieses Schicksal, wie tritt es an den Menschen heran im gewöhnlichen Leben? Nun, man sagt ja oftmals: Die Schicksalsschläge fallen uns zu. Da geschieht dieses oder jenes, wir können entweder in uns von dem, was uns da trifft, sympathisch oder antipathisch berührt werden; wir können dieses oder jenes vornehmen gegen die Schicksalsschläge, aber wir werden in diesem Leben zwischen Geburt und Tod das Schicksal empfinden wie eine Macht, die unser Leben gestaltet, der gegenüber wir uns aber nur verhalten können wie gegenüber einer unerforschlichen, rätselhaften Macht.
[ 29 ] How does this fate affect people in everyday life? Well, it is often said that misfortunes befall us. This or that happens; we may be moved either positively or negatively by what befalls us; we may take this or that course of action in response to these blows of fate, but in this life, between birth and death, we will experience fate as a power that shapes our lives—a power toward which we can only relate as we would to an inscrutable, enigmatic force.
[ 30 ] Wenn man nun aber unbefangen dieses menschliche Leben betrachtet, kommt man schon im gewöhnlichen Leben diesem Schicksal gegenüber zu einer anderen Ansicht. Versuchen wir uns klarzumachen, wodurch wir dasjenige, was wir in diesem Augenblick des Lebens real sind — also nicht abstrakt sind, sondern real sind —, versuchen wir uns klarzumachen, wodurch wir das, was wir sind, in Wirklichkeit sind. Wir können dieses oder jenes; wir tun dieses oder jenes; wir sind imstande, diese oder jene Kraft aufzuwenden, dieses oder jenes von uns abzuweisen. Denken wir einmal nach, wodurch wir das können, wodurch wir das ganze Menschenwesen, das wir jetzt sind, geworden sind, wodurch wir es sind. Wir werden finden, wenn wir zurückblicken in unserem Leben: Da ist vor so und so vielen Jahren dieses oder jenes geschehen, was wie ein Zufall in unser Leben eingegriffen hat. Wäre es nicht geschehen, dass uns das gerade zufiel, so hätten wir das oder jenes nicht getan, wir würden diese oder jene Kraft nicht entwickelt haben, diese oder jene Neigungen nicht erworben haben. So, wie wir heute konfiguriert sind, es ist ein Ergebnis dessen, was uns das Schicksal damals gebracht hat. Nach Jahren sehen wir das ganz anders an. Wir sehen: Das Schicksal hat uns geschmiedet. Wir könnten ja nicht einmal schreiben heute, wenn wir nicht gelebt hätten in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, wo man uns das Schreiben beigebracht hat.
[ 30 ] But if one looks at this human life with an open mind, one arrives at a different perspective on this fate even in ordinary life. Let us try to understand what makes us what we truly are at this very moment in life—that is, not in an abstract sense, but in reality—let us try to understand what makes us who we are in reality. We can do this or that; we do this or that; we are capable of exerting this or that power, of rejecting this or that. Let us reflect on what enables us to do these things, on how we have become the whole human being that we are now, on what makes us who we are. If we look back on our lives, we will find that so many years ago, this or that happened—something that intervened in our lives as if by chance. Had it not happened that this or that came our way, we would not have done this or that; we would not have developed this or that strength, nor would we have acquired these or those inclinations. The way we are constituted today is the result of what fate brought us back then. Years later, we see it quite differently. We see: Fate has shaped us. After all, we wouldn’t even be able to write today if we hadn’t lived in the second half of the nineteenth century, when we were taught to write.
[ 31 ] Was ist denn das, was wir unser Ich nennen? Was ist es anderes, als im Leben zwischen Geburt und Tod schon das Ergebnis unseres Schicksals, das Ergebnis dessen, was da in uns eingeflossen ist, was wir jetzt wollen, weil wir es tun wollen, wenn nicht das Schicksal unseren Willen geformt, unseren Willen geschmiedet hätte? Wenn man in dieser Weise sich dem Schicksal gegenüberstellt, dann merkt man, dass man in seinem Ich, in seinem Selbst eigentlich ein Ergebnis dieses Schicksals ist, dass dieses Schicksal gleichsam, wie die Masse des Minerals in dem Kristall geronnen ist, in unserem Selbst, in unserem Ich geronnen ist. Wir sind zusammengeformt aus unserem Schicksal. Was wir jetzt wollen, es ist aus alledem, was unser Schicksal geformt hat, sozusagen zusammengeronnen.
[ 31 ] What, then, is this thing we call our “I”? What is it other than, in the course of life between birth and death, the very result of our fate—the result of what has flowed into us, of what we now want simply because we choose to want it—if fate had not shaped our will, had not forged our will? When one confronts fate in this way, one realizes that one’s “I,” one’s self, is in fact a product of this fate; that this fate has, as it were, solidified within our self, within our “I,” just as the mass of the mineral has solidified within the crystal. We are shaped by our destiny. What we want now has, so to speak, coalesced from everything that our destiny has shaped.
[ 32 ] Wenn man in diesen Gedanken abstrakt sich hineinlebt, so bedeutet er allerdings nicht viel, meine sehr verehrten Anwesenden, wenn man aber in seinem ganzen inneren Seelenleben, mit der Ganzheit seiner Gefühle und Empfindungen, möchte man sagen, wie auf etwas ganz Substanzielles, auf ein Feststehendes, auf sich hinblickt, dann beginnt man, gewisse Gefühle, gewisse Empfindungen diesem Schicksal gegenüber zu entwickeln. Man entwickelt diesem Schicksal gegenüber vielleicht Dankbarkeit, dass es einen geformt hat zu dem, was man jetzt ist, wenn es einem auch noch so schlimme und leidvolle Schläge zugefügt hat. Man empfindet noch vieles andere. Aber alles, was man so empfindet, kann man charakterisieren durch den einen gemeinsamen Zug: Man wächst zusammen mit seinem Schicksal schon im Leben zwischen Geburt und Tod; man lernt erkennen, wie man ein Ergebnis ist dieses Schicksals, wie das Schicksal in dem, was man ist, drinnensteckt. Dadurch wächst man zusammen mit seinem ganzen Schicksalsstrom. Dasjenige, was man als Empfindung seiner Eigenheit in sich hat, das reißt man aus sich heraus und identifiziert sich in intimer Weise mit dem Schicksalsstrom. Das darf aber nicht abstrakter Gedanke bleiben, sondern ein tiefes, inneres Erlebnis muss wiederum das sein, dass die Seele sich aus dieser Leiblichkeit freimacht und sich jetzt als Ich nicht mehr bloß in ihrer Haut verspürt, sondern wirklich sich fühlt in ihrem Schicksalsstrom drinnen. Auf sein Schicksal sieht man hin und sagt sich: Das bist du selbst; du wärst nicht das, was du bist, wenn das Schicksal nicht gewesen wäre.
[ 32 ] If one immerses oneself in this thought abstractly, it does not mean much, my esteemed audience; but if one looks upon it with one’s entire inner life of the soul, with the totality of one’s feelings and sensations—as if upon something entirely substantial, something fixed—then one begins to develop certain feelings and certain sensations toward this fate. One may develop a sense of gratitude toward this destiny for having shaped one into what one is now, even if it has dealt one blows as terrible and painful as they may be. One feels many other things as well. But everything one feels in this way can be characterized by one common trait: One grows together with one’s destiny even in the life between birth and death; one learns to recognize how one is a product of this destiny, how destiny is embedded within what one is. Through this, one grows together with the entire current of one’s destiny. That which one holds within oneself as a sense of one’s own individuality—one tears it out of oneself and identifies intimately with the current of destiny. But this must not remain an abstract thought; rather, it must be a deep, inner experience in which the soul frees itself from this physicality and, as the “I,” no longer feels merely within its own skin, but truly feels itself to be within the current of its destiny. One looks upon one’s destiny and says to oneself: This is you; you would not be what you are if it were not for destiny.
[ 33 ] So, wie früher beschrieben die Denkkraft sich frei macht aus dem Leibe, so macht eine solche Betrachtung — aber es muss diese Betrachtung das Gemüt, die Empfindung, den Willen ergreifen — den Menschen frei vom Leibe und strömt in das Schicksal aus.
[ 33 ] Just as the power of thought, as described earlier, frees itself from the body, so too does such contemplation—but this contemplation must take hold of the mind, the feelings, and the will—free the human being from the body and flow out into destiny.
[ 34 ] Aber es bleibt nicht dabei, das ist das Eigentümliche, sondern indem der Mensch gleichlaufend die eine Übung der Denkkraft, die ich angeführt habe, macht und die andere Übung macht, die ihn aus sich selbst herausreißt und mit seinem Schicksal identifiziert, kommt er dazu — dieser Mensch —, dass er vor einer wirklich neuen Welt steht. Würden wir die Denkübung allein machen, dann würde man zu dem kommen, wovon man sagt: Es ist, wie wenn die ganze Weltentwicklung auf uns warten würde. Macht man aber die ganze Übung gleichzeitig, die sich auf den Willen bezieht, durch die sich ein Hinblicken nach dem Schicksal gestalten kann, dann wird auch die Gedankenübung angeregt.
[ 34 ] But it doesn’t stop there—and this is what is peculiar—for as a person simultaneously engages in the exercise of the power of thought that I have described and the other exercise that tears him away from himself and identifies him with his destiny, he—this person—comes to stand before a truly new world. If we were to perform the mental exercise alone, we would arrive at what is described as: “It is as if the entire course of world history were waiting for us.” But if one performs the entire exercise simultaneously—the one that relates to the will, through which a gaze toward one’s destiny can take shape—then the mental exercise is also stimulated.
[ 35 ] Die beiden Übungen regen sich gegenseitig an und machen ein ganz Neues aus der Seele, reißen die Seele aus dem Leibe heraus. Und während bei der gewöhnlichen Erinnerung der Mensch noch in seinem Leibe leben muss, damit die Bilder auftauchen, die Bilder der Erinnerung an vergangene Erlebnisse — es müssen ja Zeichen im Leiblichen vorhanden sein —, gelangen wir dazu, wenn der Wille zugleich ausgebildet wird und die Denkkraft dazu wirklich unabhängig vom Leibe wird, wir gelangen dazu, eine Bilderwelt zu entwickeln; eine ganz neue Welt, die uns vorher unbekannt war, tritt auf. Es muss eben mit der Denkübung parallel gehen diese Willensübung.
[ 35 ] These two exercises stimulate one another and create something entirely new from the soul, tearing the soul out of the body. And while in ordinary recollection a person must still be living in their body for the images to emerge—the images of memories of past experiences; after all, there must be traces present in the physical body—we are able to develop a world of images when the will is trained at the same time and the power of thought truly becomes independent of the body; a completely new world, previously unknown to us, emerges. This exercise of the will must simply proceed in parallel with the exercise of thought.
[ 36 ] Warum nenne ich diese Übung, die Bezug hat auf das Schicksal, eine Willensübung? Aus dem Grunde, weil der Mensch dazu gelangt, wirklich sich zu sagen: Dieses Schicksal ist mir nicht bloß zugefallen, sondern ich habe es gewollt. So wahr der Wille, den ich entwickle, aus dem Schicksal gewonnen ist, so wahr habe ich mein Schicksal geformt aus meinem Willen heraus. Der Mensch gelangt, wenn er diese Willensübung macht, dazu, seinen Willen aus sich herauszureißen und sich mit seinem Schicksal zu identifizieren. Und so gelangt der Mensch dadurch, dass er sein Denken vertieft und dadurch eine neue Seelenkraft, eine neue Kraft des Denkens entdeckt und dass er seinen Willen herausreißt und ihn zu einer neuen Kraft entwickelt, er gelangt dazu, nicht bloß eine Welt vor sich zu haben wie die Welt der Erinnerung, sondern eine Welt vor sich zu haben, welche er so erlebt, dass er weiß, indem er sie erlebt, dass er unabhängig ist von seinem Leibe, dass er im bloß Geistig-Seelischen lebt.
[ 36 ] Why do I call this exercise, which relates to fate, an exercise of the will? Because it leads a person to truly say to themselves: This fate did not merely befall me; rather, I willed it. Just as the will I develop is derived from fate, so too have I shaped my fate out of my own will. When a person performs this exercise of the will, they come to tear their will out of themselves and identify with their destiny. And so, by deepening their thinking—and thereby discovering a new power of the soul, a new power of thought—and by tearing their will out of themselves and developing it into a new power, he comes to have before him not merely a world like the world of memory, but a world which he experiences in such a way that, as he experiences it, he knows that he is independent of his body, that he lives in the purely spiritual-soul realm.
[ 37 ] Damit wir uns besser verstehen, sei noch gesagt, dass der Mensch ja in einer gewissen Weise dasjenige kennt, was ich jetzt als eine Bilderwelt beschrieben habe, die vor dem Menschen auftaucht, wenn er durch Meditation und Konzentration in sich eine verborgene Kraft entdeckt. Der Mensch kennt das, von dem ich spreche, aber er kennt es in einer bloß chaotischen Weise, in chaotischen Vorstellungsbildern, in Vorstellungsfetzen. Wenn der Mensch alltäglich in Schlaf versinkt, so können dadurch ja bekanntlich die Traumbilder aufsteigen. Was aber haben wir in diesen Traumbildern vor uns? Nun, sehen Sie, wenn der Mensch in seinen Träumen lebt, wie das im gewöhnlichen Leben der Fall ist, so ist in diesen Träumen nichts Besonderes enthalten. Aber wenn man allmählich dazu gelangt, die Denkkraft als eine vertiefte Kraft in sich zu entdecken, dann weiß man, dass man mit der Seele, mit der man aus dem Leibe heraustritt, nun auch im Schlafe außer dem Leibe ist, nur bleibt man dabei unbewusst.
[ 37 ] To help us understand each other better, let me add that human beings do, in a certain sense, know what I have just described as a world of images that appears before them when, through meditation and concentration, they discover a hidden power within themselves. People are familiar with what I am talking about, but they experience it in a purely chaotic way—through chaotic mental images and fragments of imagination. When a person falls asleep each night, dream images can, as is well known, arise. But what do we actually see in these dream images? Well, you see, when a person lives in their dreams—as is the case in ordinary life—there is nothing special contained in these dreams. But when one gradually comes to discover the power of thought as a deep-seated force within oneself, then one knows that with the soul—with which one steps out of the body—one is now also outside the body during sleep; only, one remains unconscious of this.
[ 38 ] Man ist nicht in seinem Leibe im Schlafe, man ist aus dem Leibe hinausgegangen mit dem, was man auf die beschriebene Weise entdeckt hat. Aber man hat die Kräfte zunächst nicht entwickelt, daher bleibt die Seele unbewusst, wenn sie außerhalb des Leibes ist. Aber die Träume können auftauchen. Sie tauchen dadurch auf, dass der Mensch durch eine innere Kraft gebunden ist im Leibe. Während des Wachens spiegelt der Leib im Denken, Fühlen und Wollen das Seelenleben. Die Träume verdichten sich daraus, dass der Leib das Seelenleben spiegelt. Da versteht der Mensch nicht, was da vorliegt. Denn dass er wirklich im Schlafe außerhalb seines Leibes ist, das kann er erst als Geistesforscher einsehen. Dass der Leib außerhalb für die schlafende Seele Objekt ist, der Geistesforscher kann es erst einsehen. Dadurch, dass der Mensch noch kein volles Verständnis hat für diese Dinge, deutet er alles in Zusammenhang mit dem gewöhnlichen Leben. Erst wenn man das Seelenleben vertieft, wie ich es beschrieben habe, kommt man nicht zu einem Traumleben nur, ganz und gar nicht zu einem Traumleben nur, auch nicht zu etwas Krankhaftem, Somnambulistischem, sondern man kommt zu einem Leben, das auch in Bildern abläuft, aber in Bildern, von denen man weiß, dass sie etwas Reales bedeuten, dass sie keine Spiegelbilder sind.
[ 38 ] One is not in one’s body while asleep; one has left the body along with what one has discovered in the manner described. But since one has not yet developed these powers, the soul remains unconscious when it is outside the body. But dreams can arise. They arise because the human being is bound to the body by an inner force. While awake, the body reflects the life of the soul in thinking, feeling, and willing. Dreams take shape from the fact that the body reflects the life of the soul. People do not understand what is happening here. For only as a researcher of the spiritual can one realize that one is truly outside one’s body during sleep. Only the researcher of the spiritual can grasp that the body, when outside, is an object for the sleeping soul. Because people do not yet have a full understanding of these things, they interpret everything in relation to ordinary life. Only when one delves deeper into the life of the soul, as I have described, does one arrive not merely at a dream life—not at all merely at a dream life—nor at something pathological or somnambulistic, but rather at a life that also unfolds in images, yet images of which one knows that they signify something real, that they are not mere reflections.
[ 39 ] Was bedeuten denn diese Bilder? Indem man die dem Denken zugrunde liegende Seelenkraft ausgebildet hat, tritt einem so etwas entgegen, was wie eine Erinnerungskraft ist, die nicht mehr an Zeichen des Leibes gebunden ist, sondern die freischwebend im Geistig-Seelischen sich entwickelt. Es ist durchaus nicht die Rede von irgendetwas, was man als somnambules Hellsehen kennt, sondern ein innerliches Leben tritt einem entgegen, das mit Bezug auf seine Konfiguration gleich ist der Erinnerungskraft. Und nun kann man lernen, das zu entziffern, von dem man merkt, dass es zu einem gehört, aber dass es in einem lag, ohne dass man es bewusst empfand; das ist diese Bilderwelt. Von ihr merkt man nach und nach, dass es die Welt ist, aus der erst diese unsere Leiblichkeit, dieses unser physisches Leben herausgebildet worden ist. Man erkennt von dem, was man so gewahr wird, dass es sich verbunden hat mit dem, was als Physisches von Vater und Mutter einem zugekommen ist durch Vererbung, was innerhalb dieses Leiblichen als unser Selbst sich uns ankündigt, was aus der geistigen Welt heruntergestiegen ist und uns innerlich durchdringt und durchformt. Man lernt sich erkennen als herkommend aus einem Dasein, was vor unserer Geburt gewesen ist, einem Dasein in einer geistigen Welt. Eine imaginative Welt tritt einem entgegen. In dieser imaginativen Welt ist aber dasjenige alles enthalten, was an geistigen Kräften sich vereinigt mit der physischen Materialität, die man durch Vererbung von Vater und Mutter hat. Das ewige Geistig-Seelische ist in dieser Welt enthalten, dieses ewige Geistig-Seelische, das nun arbeitet im Physisch-Leiblichen, das sich an Denken, Fühlen und Wollen spiegelt; das wirkliche Seelenleben, das man nicht erforschen kann durch naturwissenschaftliche Methode, das hinter alledem, was man im gewöhnlichen Leben als Seelenleben kennt, liegt. Dieses ist es, das nun auch durch die Pforte des Todes wiederum in eine geistige Welt eingeht. Und unser Leben wird dadurch unmittelbar eingeschlossen von Leben, die in der geistigen Welt, in einem geistigen Dasein ablaufen. Dieses wird für die wahre Geistesforschung eine Erfahrung, ein wirkliches inneres Erlebnis.
[ 39 ] What, then, do these images mean? As one develops the soul power that underlies thinking, one encounters something akin to a power of memory that is no longer bound to the body’s signs, but develops, floating freely, within the spiritual-soul realm. This is by no means a matter of what is known as somnambulic clairvoyance, but rather an inner life emerges that, in terms of its structure, is akin to the power of memory. And now one can learn to decipher what one realizes belongs to oneself, but which lay within one without one being consciously aware of it; this is the world of images. One gradually comes to realize that this is the world from which our physicality—our physical life—was first formed. From what one thus becomes aware of, one recognizes that it has united with what came to us physically from our father and mother through heredity, with what reveals itself to us within this physical body as our self, and with what has descended from the spiritual world and permeates and shapes us from within. One learns to recognize oneself as coming from an existence that preceded one’s birth—an existence in a spiritual world. An imaginative world comes to meet us. In this imaginative world, however, everything is contained that, in terms of spiritual forces, unites with the physical materiality one has inherited from one’s father and mother. The eternal spiritual-soul aspect is contained within this world—this eternal spiritual-soul aspect that now works within the physical body, reflecting itself in thinking, feeling, and willing; the true life of the soul, which cannot be explored through scientific methods, and which lies behind everything we know as the life of the soul in ordinary life. It is this that now, through the gateway of death, enters once more into a spiritual world. And our life is thereby directly encompassed by lives that unfold in the spiritual world, in a spiritual existence. This becomes, for true spiritual research, an experience, a genuine inner experience.
[ 40 ] Und indem der Geistesforscher so weit kommt, indem er diese innere Experimentierkunst anwendet, erlebt er nicht bloß das, was er nun als sein geistig-seelisches Erleben kennt, er erlebt nicht bloß das, worüber man so leicht spotten kann, er erlebt in Wahrheit, dass es ein ätherisches, ein feineres Dasein gibt, dass [er] einen feineren Leib seinem physischen Leibe zugrunde liegend findet, der aus der geistigen Welt herabsteigt und wiederum in die geistige Welt zurückgeht. Er erlebt nicht nur das, sondern, wie wir nicht nur Augen und Ohren haben, sondern wie wir die Dinge der Welt selbst miterleben, die außerhalb von uns stehen, so können wir in dem Augenblick, wo wir eintreten in ein eigenes geistiges Sein, in Zusammenhang kommen mit dem geistigen Sein, das allem Sein zugrunde liegt. Wir kommen in eine elementarische Welt hinein, in eine Welt, wo geistige Erlebnisse, geistige Vorgänge sich abspielen, die wir vorher nicht gekannt haben, die hinter allen physischen Erlebnissen und Vorgängen stehen. Es ist dieses keine philosophische Spekulation, es ist nichts Ausgedachtes, wovon die Geisteswissenschaft spricht, es ist das Ergebnis ernstesten Forschens. Allerdings eines Forschens, das nicht wie im Laboratorium mit äußeren Objekten und Instrumenten in äußeren Verrichtungen geschieht, sondern das verläuft in unmittelbaren innerlichen, intimen Erlebnissen der Seele selbst. Das Seelisch-Geistige muss durchforscht werden durch Methoden, die auf das GeistigSeelische im Menschen angewendet werden. Gewiss, es wird gegenüber der Geisteswissenschaft dadurch großer Schaden angerichtet, dass Leute, die da glauben, in dieser Geisteswissenschaft schon stehen zu können, von allerlei törichtem Zeug reden, das man erlangen könne ohne entsagungsvolle Arbeit in seiner Seele, ohne eine Arbeit in seiner Seele, die viel schwieriger, viel entsagungsvoller ist als die Arbeit in der äußeren Naturwissenschaft.
[ 40 ] And as the spiritual researcher progresses to this point by applying this inner art of experimentation, he experiences not merely what he now recognizes as his spiritual-soul experience; he experiences not merely what is so easily ridiculed; but he truly experiences that there is an ethereal, a finer existence, that [he] finds a finer body underlying his physical body, which descends from the spiritual world and returns to the spiritual world. He experiences not only that, but just as we do not merely have eyes and ears, but just as we ourselves experience the things of the world that exist outside of us, so too, at the moment we enter into our own spiritual being, we can come into connection with the spiritual being that underlies all existence. We enter an elemental world, a world where spiritual experiences and spiritual processes take place that we did not previously know, processes that lie behind all physical experiences and events. What spiritual science speaks of is not philosophical speculation; it is not something invented—it is the result of the most serious research. However, this research does not take place as it does in a laboratory—with external objects and instruments in external procedures—but rather unfolds through direct, inner, and intimate experiences of the soul itself. The soul-spiritual realm must be explored through methods applied to the soul-spiritual aspect within the human being. Certainly, great harm is done to spiritual science by the fact that people who believe they are already versed in this spiritual science speak of all sorts of foolish nonsense—claiming that one can attain it without self-sacrificing work within one’s soul, without a work within one’s soul that is far more difficult and far more self-sacrificing than the work involved in external natural science.
[ 41 ] Wenn immer wieder geglaubt wird, dass derjenige, der diese geisteswissenschaftliche Methode auf seine Seele angewendet hat, einem alles Beliebige verkünden könne über die geistige Welt, dann hat man eine naive Vorstellung über diese Dinge. Die Arbeit, die getan werden muss, um das Allergeringste in der geistigen Welt zu erforschen, erfordert wirkliche innere Verrichtungen der menschlichen Seele. Die Seele muss sich erst wiederum für das besondere Gebiet, das sie geistig erforschen will, herausreißen aus dem Leiblichen, um sich zu versetzen in das Geistige. Und man kann nicht sagen, dass man die Regeln, durch die die Seele sich zu einem leibfreien Erkennen erhebt, zusammenschreiben kann in ein kleines Heftchen und dann sagen kann: Befolge diese Regeln, dann kommst du in ein Gebiet, das in die geistige Welt führt. Sondern man muss sagen: Dasjenige, was da zu geschehen hat, es ändert sich je nach den Vorbedingungen, die man dazu mitbringt. In einzelne Regeln lässt sich das nicht fassen, sondern man muss durch unmittelbares Erleben innerlich erkennen: Jetzt stehst du einer wirklichen neuen Welt gegenüber, einer ganz realen neuen Welt, nicht einer Welt der Phantasie.
[ 41 ] If people repeatedly believe that anyone who has applied this spiritual-scientific method to their own soul can proclaim anything they please about the spiritual world, then they have a naive view of these matters. The work required to explore even the smallest aspect of the spiritual world demands genuine inner efforts on the part of the human soul. The soul must first detach itself from the physical realm in order to enter the spiritual realm and explore the specific area it wishes to investigate. And one cannot say that the rules by which the soul rises to a body-free state of cognition can be written down in a little booklet and then declare: “Follow these rules, and you will enter a realm that leads into the spiritual world.” Rather, one must say: What is to happen there varies according to the prerequisites one brings with oneself. This cannot be captured in individual rules; rather, one must recognize inwardly through direct experience: “Now you are facing a truly new world, a completely real new world—not a world of fantasy.”
[ 42 ] Wenn wir, nachdem wir so unser eigenes GeistigSeelisches betrachtet haben und dann dazu kommen, einsehen zu können, dass der Mensch mit seinem Geistig-Seelischen zugleich in eine geistig-seelische Welt von übersinnlichen Vorgängen kommt, kann man wiederum fragen: Wie ist es nun, wenn der Mensch nun auch den Willen zunächst an dem Beispiel des Schicksals ausbildet? Wohin kommt der Mensch, wenn er sich sagt: Mein Wille steckt im ganzen Strom meines Schicksals; ich sage «Ja» zu allem, was mich betroffen hat; ich selber bin herausgeflossen aus dem, was der Strom meines Schicksals ist; ich bin nicht in mir, sondern im Strome des Schicksals? Wenn man das wirklich zum Erlebnis macht, eins zu werden mit dem Schicksal, dann kommt man dazu, noch ein Höheres in der menschlichen Natur zu erleben. Man kommt nicht allein dazu, das zu erleben, was ich beschrieben habe so, dass ich sagte, es ist da vor der Geburt. Sondern wir erleben dadurch, dass wir den Willen ausbilden, einen ganz tief unserer Seele zugrunde liegenden Wesenskern. Und wir lernen allmählich erkennen: Ja, dieses Schicksal, es ist wirklich so, dass nur der Mensch, der dieses Schicksal mit seiner Wesenheit identifiziert, dieses Schicksal richtig erfassen kann. So, wie derjenige, der niemals von Naturwissenschaft etwas gehört hat, wenn er draußen in der Natur Blitz und Donner und andere Naturgewalten vor sich sieht, sich nicht das Warum enträtseln kann, wie das einem solchen Menschen ganz unverständlich vor der Seele steht, aber diese Vorgänge sich von demjenigen, der Naturwissenschaft getrieben hat, erklären [lässt], so wird es mit dem Schicksal bei der geisteswissenschaftlichen Methode. Es kommt in das Schicksal etwas hinein, was wir selbst in unserer tieferen Wesenheit sind. Wir fließen aus in unser Schicksal. Aber indem wir also mit unserem ganzen Wesen in das Schicksal ausfließen, lernen wir unseren inneren Seelenkern kennen.
[ 42 ] Once we have thus examined our own spiritual-soul life and come to realize that, through this spiritual-soul life, the human being simultaneously enters a spiritual-soul world of supersensible processes, we may ask again: What happens when a person also develops their will, initially through the example of destiny? Where does a person arrive when they say to themselves: My will is embedded in the entire flow of my destiny; I say “Yes” to everything that has affected me; I myself have flowed forth from what constitutes the stream of my destiny; I am not within myself, but within the stream of destiny? If one truly makes this an experience—becoming one with destiny—then one comes to experience something even higher within human nature. One does not merely come to experience what I have described as existing before birth. Rather, by developing the will, we experience a core of our being that lies deep within our soul. And we gradually come to recognize: Yes, this destiny—it is truly the case that only the human being who identifies this destiny with his or her very being can truly grasp it. Just as someone who has never heard of natural science, when seeing lightning, thunder, and other forces of nature out in the world, cannot unravel the “why”—as these phenomena stand before such a person’s soul as utterly incomprehensible—but these processes can be explained to the person who has studied natural science, so it is with destiny through the method of spiritual science. Something enters into destiny that is our own deeper essence. We flow out into our destiny. But as we flow out into destiny with our entire being, we come to know the inner core of our soul.
[ 43 ] Da muss man allerdings wiederum lernen, mit der so erlangten Erkenntnis nun dieses Schicksal zu zergliedern. So, wie sonst die Naturerscheinungen erst durch Jahrhunderte und Jahrhunderte entziffert wurden, so muss man lernen, das Schicksal zu entziffern, um eine innere Ordnung zu finden. Dann finden wir, dass dasjenige, was als unser Schicksal sich darlebt, wenn wir uns mit diesem Schicksal identifizieren, uns das darstellt, was wir in früheren Leben waren. Und wir lernen kennen, indem wir die innere Ordnung unseres Schicksals kennenlernen, dass dieses Schicksal zusammenhängt mit früheren Erdenleben. Da setzt sich solche Erkenntnis unseres Lebens nicht zusammen aus der Überschau unseres jetzigen Erdenlebens, sondern wir erkennen, dass in unserem Schicksal dasjenige liegt, was schon einmal oder auch wiederholt als Erdenleben für uns vorhanden war, was nun dasjenige, was wir als unseren Wesenskern imaginativ in Bildern erkannt haben, gebildet hat, sodass er sich darlebt, wie er jetzt vor uns dasteht. Dasjenige, was wir durch die vertiefte Denkkraft erkunden, wir lernen es beziehen auf unser übersinnliches Leben vor der Geburt und nach dem Tode. Und dasjenige, was wir durch Vertiefung unseres Willens- und Schicksalslebens erkunden, lernen wir so verstehen, dass es uns zurückweist auf frühere Erdenleben und dass es uns hinweist auf kommende Erdenleben. Indem dieses Schicksal für uns zusammenschmilzt mit der inneren Bilderwelt, wissen wir, dass diese Bilderwelt wie ein Kern ist, der unser Schicksal ergreift und es hinüberträgt in ein Leben zwischen Tod und neuer Geburt und uns wiederum hineinführt in ein neues Erdendasein.
[ 43 ] However, we must then learn to use the insight we have gained in this way to analyze this destiny. Just as natural phenomena were deciphered only after centuries upon centuries, so too must we learn to decipher destiny in order to find an inner order. Then we discover that what presents itself as our destiny—when we identify with this destiny—reveals to us what we were in past lives. And as we come to know the inner order of our destiny, we learn that this destiny is connected to past earthly lives. Such an understanding of our life does not arise merely from an overview of our present earthly life; rather, we recognize that our destiny contains what has already existed for us once or even repeatedly as an earthly life—what has now shaped that which we have imaginatively recognized in images as the core of our being—so that it manifests itself as it now stands before us. What we explore through deepened powers of thought, we learn to relate to our supersensible life before birth and after death. And what we explore through the deepening of our life of will and destiny, we learn to understand as pointing us back to past earthly lives and forward to future earthly lives. As this destiny merges with our inner world of images, we know that this world of images is like a core that grasps our destiny, carries it over into a life between death and rebirth, and leads us once again into a new earthly existence.
[ 44 ] So lernen wir ein Glied der Menschennatur kennen durch die Vertiefung des Denkens. Wir lernen gleichsam unsere ätherische Wesenheit, dasjenige, was zunächst als übersinnlicher Leib unserem physischen Leib zugrunde liegt, als Seelenkraft erkennen. Wenn der Geistesforscher von einem Ätherleib spricht, so ist dieser Ätherleib gefunden durch eine ebenso sichere Methode, wie gefunden ist durch den Chemiker, dass man den Wasserstoff von dem Sauerstoff trennen kann. So, wie man es dem Wasser nicht ansehen kann, dass es einen Stoff enthält, der brennt, den Wasserstoff, während Wasser doch das Feuer löscht, so kann man, wenn der Mensch vor einem steht, wenn man den Menschen nur mit dem gewöhnlichen Verstande ansieht, nicht sehen, dass ein übersinnlicher Mensch in diesem physischen Menschen lebt und sein Leben auszudehnen vermag über Geburt und Tod hinaus; der aber durch ebenso sichere, wenn auch innerliche wissenschaftliche Methoden, wie es die eben angeführte Methode ist, erforscht werden kann durch die Geisteswissenschaft, die damit zu dem Rang einer wirklichen Wissenschaft sich erhebt. Dasjenige, was dem Menschen so als eine ätherische Wesenheit zugrunde liegt — nicht eine Spekulation, nicht irgendeine Phantasterei führt dazu, sondern eine wirkliche Erfahrung, eine Erfahrung allerdings, die erst herangebildet werden muss.
[ 44 ] In this way, we come to know an aspect of human nature through the deepening of thought. We come to recognize, as it were, our ethereal essence—that which, as the supersensible body, underlies our physical body—as a soul force. When the spiritual researcher speaks of an etheric body, this etheric body is discovered through a method just as reliable as the chemist’s discovery that hydrogen can be separated from oxygen. Just as one cannot tell by looking at water that it contains a substance that burns—hydrogen—even though water extinguishes fire, so too, when a human being stands before us, if we regard the person solely with ordinary intellect, we cannot see that a supersensible human being lives within this physical human being and is capable of extending his or her life beyond birth and death; but this can be investigated through spiritual science using scientific methods that are just as reliable—albeit inner ones—as the method just mentioned, thereby elevating spiritual science to the status of a true science. That which underlies the human being as an ethereal entity—it is not speculation, nor some fanciful notion, that leads to this realization, but rather a real experience, an experience, however, that must first be cultivated.
[ 45 ] Indem wir noch weitergehen und den Willen vertiefen, kommen wir dazu, dass wir nun auch den astralischen Menschen — es ist dies ein leicht zu verspottendes Wort, der «astralische» Mensch, aber dieses Wort ist berechtigt, wie wir gleich sehen werden —, wir kommen dazu, den astralischen Menschen zu ergreifen; jenen Menschen, der sich von Leben zu Leben entwickelt und der dann gewahr wird, dass er nicht mehr an seinen Leib gebunden ist, sondern im Zusammenhang steht mit der ganzen Welt. Es lernt der Mensch sich erkennen auf diese Weise in seinem astralischen Leibe, indem er abhängig ist von dem ganzen Kosmos, in dem die Gesetze der Sternenwelt herrschen. Daher kann man in einem vergleichsweisen Ausdruck diesen Menschen, der nicht an die Gesetze gebunden ist desjenigen, was wir zwischen Geburt und Tod erleben, sondern an die Gesetze der ganzen Welt, den astralischen Menschen nennen.
[ 45 ] As we proceed further and deepen our will, we come to the point where we can now also grasp the astral human being—the term “astral” human is one that is easily ridiculed, but this term is justified, as we shall soon see—we come to grasp the astral human being; that human being who evolves from life to life and who then becomes aware that he is no longer bound to his physical body, but is connected to the entire world. In this way, the human being learns to recognize himself in his astral body, being dependent on the entire cosmos, in which the laws of the stellar world prevail. Therefore, to use a figurative expression, this human being—who is not bound by the laws of what we experience between birth and death, but rather by the laws of the entire world—can be called the astral human.
[ 46 ] Sie sehen, dass wirklich derjenige, der an die Geisteswissenschaft herantritt, in dem Glauben leben darf, dass wir gewissermaßen mit dieser Geisteswissenschaft am Ausgang einer geistigen Entwicklung stehen. Der Geisteswissenschaftler, ich habe das hier schon erwähnt, er ist unbesorgt, wenn ihm gesagt wird: Ja, du behauptest da etwas, was du gar nicht behaupten kannst, wenn du deine gesunden fünf Sinne sprechen lässt. Sie wissen wohl, so hat man auch gesagt, als Kopernikus versucht hat, den Leuten klarzumachen, dass die Erde nicht still steht, und die Sonne sich um die Erde dreht, sondern dass umgekehrt die Sonne still steht gewissermaßen und die Erde sich um die Sonne dreht. Das hat auch gar sehr den fünf Sinnen widersprochen, und es hat lange gedauert, bis die Menschen in ihren Denkgewohnheiten sich anbequemt haben dem, was eine bessere Wahrheit war als die frühere, die den fünf Sinnen entsprochen hat.
[ 46 ] You see that anyone who approaches spiritual science can truly live in the belief that, in a sense, with this spiritual science we stand at the threshold of a spiritual development. The spiritual scientist—as I have already mentioned here—is unconcerned when told: ‘Yes, you’re making a claim here that you simply cannot make if you let your five healthy senses speak.’ You are no doubt aware—as was also said—that when Copernicus tried to make it clear to people that the Earth does not stand still and the Sun revolves around the Earth, but rather that, conversely, the Sun stands still, so to speak, and the Earth revolves around the Sun. That, too, contradicted the five senses quite strongly, and it took a long time for people to adjust their ways of thinking to what was a better truth than the earlier one, which had corresponded to the five senses.
[ 47 ] Dasjenige, was erforscht wird aus den Tiefen des Seins heraus, das muss erst gegen die Widerstände der Welt in das Verständnis der Menschen sich einleben. Der Geistesforscher ist unbesorgt, dass das geschehen wird, aber das braucht Zeit.
[ 47 ] What is explored from the depths of being must first find its way into people’s understanding, despite the world’s resistance. The spiritual researcher is confident that this will happen, but it takes time.
[ 48 ] Und ebenso kann man sagen: Ja, das, was der Geistesforscher darzustellen hat als eine Welt, die über der gewöhnlichen Sinneswelt steht, die unterscheidet sich gar sehr von dem, was der Mensch wahrnimmt in dieser Welt. Es muss sich unterscheiden. Denn mit Bezug auf alles das, was das gewöhnliche Seelenleben in sich birgt, dieses Denken, Fühlen und Wollen, worüber die Naturwissenschaft allein sprechen kann, wenn sie Psychologie wird, über das ist der Geistesforscher mit dem Naturforscher durchaus einig. Er wird nicht in dilettantischer Weise von einer Unsterblichkeit sprechen über dasjenige, was bloß in Bildern sich auslebt, [das] mit dem Spiegel des Gehirns, mit der Körperlichkeit in dieser Gestalt verschwinden muss. Aber das ist gerade das Eigentümliche der Geisteswissenschaft, dass sie der Naturforschung recht gibt in alledem, was in ihr vorliegt, und dass sie niemals sagt, die Geisteswissenschaft müsse sich gegen die Naturwissenschaft wenden, denn alle berechtigten Ausstellungen der Naturwissenschaft gibt der Geistesforscher voll und ganz zu. Nur entdeckt er durch seine Methoden erst dasjenige, was nicht vorliegen kann für das gewöhnliche Leben, und was doch erst das ist, was als der ewige, unsterbliche Wesenskern des Menschen anzusehen ist, der durch Geburten und Tode und durch wiederholte Erdenleben geht und der in sich den Charakter des Ewigen trägt.
[ 48 ] And similarly, one can say: Yes, what the spiritual researcher must describe as a world that stands above the ordinary sensory world differs greatly from what human beings perceive in this world. It must be different. For with regard to everything that ordinary soul life encompasses—this thinking, feeling, and willing, which natural science can speak of only when it becomes psychology—the spiritual researcher is in complete agreement with the natural scientist. He will not speak in an amateurish way of immortality regarding that which lives out its existence merely in images—[which] must vanish along with the mirror of the brain and with physicality in this form. But this is precisely what is distinctive about spiritual science: that it agrees with natural science in all that it presents, and that it never claims that spiritual science must oppose natural science, for the spiritual scientist fully acknowledges all the valid findings of natural science. It is only through his methods, however, that he discovers what cannot be present in ordinary life—and yet what is, in fact, the eternal, immortal essence of the human being, who passes through births and deaths and repeated earthly lives, and who bears within himself the character of the eternal.
[ 49 ] Wenn der Naturforscher kommt und sagt: Von meiner Denkweise aus muss ich das zurückweisen, — dann muss der Geistesforscher sagen zu dem Naturforscher: So führe deine Gründe an. Dann führt der Naturforscher als Grund an: Das seelische Leben ist abhängig vom Gehirn. Der Geistesforscher wird sagen: Du hast recht. Er wird dem Naturforscher in allem recht geben. Aber er wird sagen: Erst dann, nachdem man sich auf deinen Boden gestellt hat, beginnt die Erforschung des geistig-seelischen Lebens, das mit ganz anderen Kräften zu tun hat, als die sind, für die die Naturwissenschaft voll recht hat. Daher ist es wirklich ein zwar durchaus begreifliches, aber doch immerhin ein Missverständnis, wenn von dem naturwissenschaftlichen Standpunkte aus das oder jenes gegen die Geisteswissenschaft eingewendet wird. Diese Geisteswissenschaft weiß sehr gut, was sie an der Naturwissenschaft hat. Und Dilettantismus auf dem Gebiete der Geisteswissenschaft wäre es, wenn sie sich gegen die Naturwissenschaft stellen würde. Und ebenso wenig kann man sagen, dass der Geistesforscher in irgendeiner Weise den Aberglauben kultivieren würde.
[ 49 ] When the natural scientist comes and says, “From my point of view, I must reject this”—then the spiritual scientist must say to the natural scientist, “Give your reasons.” Then the natural scientist gives as his reason: “Psychic life depends on the brain.” The spiritual scientist will say: “You are right.” He will agree with the natural scientist on everything. But he will say: “Only after one has stood on your ground does the exploration of spiritual-soul life begin—a life that has to do with forces entirely different from those about which natural science is entirely correct.” Therefore, it is indeed a misunderstanding—albeit a perfectly understandable one—when objections to spiritual science are raised from the standpoint of natural science. Spiritual science is well aware of the value of natural science. And it would be amateurishness in the field of spiritual science if it were to oppose natural science. Nor can one say that the spiritual scientist in any way cultivates superstition.
[ 50 ] Diese Geisteswissenschaft führt in eine wirkliche geistige Welt hinein. Dadurch, dass sie die wirkliche geistige Welt entdeckt — nicht diejenige geistige Welt, die erträumt wird von denen, die eine geistige Welt nur erträumen wollen, aber sie nicht finden können —, tritt sie ja dem Aberglauben entgegen. Die Geisteswissenschaft ist gerade dasjenige, was Heilung bringen kann und bringen wird allen abergläubischen Vorstellungen. Aberglaube blüht da, wo man Geisteswissenschaft nicht gelten lässt und trotzdem in die geistige Welt hinein will. Geisteswissenschaft führt den Menschen in voll befriedigender Weise in die geistige Welt hinein und zeigt ihm den wirklichen Verlauf eines geistigen Geschehens hinter der Sinneswelt. Sie zeigt dem Menschen, dass seine Seele als ein geistiges Wesen in dieser geistigen Welt drinnensteht und dass sie sich aus dieser geistigen Welt heraus vor der Geburt den Leib selbst geformt hat, mit dem sie in diesem Erdenleben drinnensteht. Damit aber wird, indem eine wirkliche geistige Welt entdeckt wird, einer unberechtigten geistigen Welt, wie sie den abergläubischen Vorstellungen zugrunde liegt, entgegengearbeitet.
[ 50 ] This spiritual science leads into a real spiritual world. By discovering the real spiritual world—not the spiritual world dreamed up by those who merely want to dream of a spiritual world but cannot find it—it effectively combats superstition. Spiritual science is precisely what can and will bring healing to all superstitious notions. Superstition flourishes where spiritual science is not accepted, yet people still wish to enter the spiritual world. Spiritual science leads people into the spiritual world in a fully satisfying way and shows them the true course of spiritual events behind the sensory world. It shows people that their soul, as a spiritual being, is present within this spiritual world and that, before birth, it formed for itself from within this spiritual world the very body with which it exists in this earthly life. Thus, by discovering a real spiritual world, we counteract an unfounded spiritual world such as that which underlies superstitious beliefs.
[ 51 ] Und was nun den Standpunkt der Geisteswissenschaft gegenüber der Religion betrifft, da begegnet man auch sehr oft missverständlichen Vorstellungen. Darauf werde ich morgen näher einzugehen haben in meinem Vortrage, der sich namentlich verbreiten soll über den Bau, den wir aufzuführen haben als eine Pflegestätte für diese neue Art der Wissenschaft, die Geisteswissenschaft, von der ich heute nur einiges, ihre Seelen anregend, gewiss nicht überzeugen wollend, sondern nur um Anregung zu geben, mir erlaubt habe, zu Ihnen zu sprechen.
[ 51 ] And as far as the relationship between spiritual science and religion is concerned, one very often encounters misconceptions. I will have to go into this in more detail tomorrow in my lecture, which will focus specifically on the institution we are to establish as a center for this new kind of science—spiritual science—about which I have taken the liberty of speaking to you today only briefly, to stimulate your souls, certainly not to convince you, but merely to provide inspiration.
[ 52 ] Es wird sich darum handeln, zu wissen, wie Geisteswissenschaft gepflegt werden muss in einem Bau, der in seiner künstlerischen Gestaltung wirklich dieser Geisteswissenschaft als Umgebung dienen kann, und darzustellen, was gemeint ist mit dem Bau, was gemeint ist mit Bezug auf das Hineinstellen der Geisteswissenschaft in die künstlerischen Bestrebungen unserer Zeit. Dabei soll dann auch ein Streiflicht geworfen werden darauf, inwiefern es unbegründet ist, wenn religiöse Gemüter glauben, Geisteswissenschaft als etwas der Religion Feindliches ansprechen zu müssen. Heute möchte ich nur so viel davon sagen: Während in der Tat die Naturwissenschaft mit ihren Vorstellungen die Menschen dazu führt, dass sie von der Religion abkommen, dass sie den religiösen Vorstellungen entfremdet werden, wird Geisteswissenschaft dadurch, dass sie den Menschen zeigt, wie die geistige Welt eine Realität ist, wie die geistige Welt wirklich vorhanden ist, das Gemüt der Menschen so anregen, dass selbst derjenige, der sich für aufgeklärt halten darf, wiederum eine religiöse Vertiefung finden kann.
[ 52 ] The aim will be to understand how spiritual science must be cultivated within a building whose artistic design can truly serve as a setting for this spiritual science, and to explain what is meant by this building and what is meant by integrating spiritual science into the artistic endeavors of our time. In doing so, we will also shed some light on the extent to which it is unfounded for religious minds to believe they must regard spiritual science as something hostile to religion. Today I would like to say only this much: While it is true that natural science, with its concepts, leads people away from religion and alienates them from religious ideas, spiritual science—by showing people how the spiritual world is a reality, how the spiritual world truly exists—stimulates the human spirit in such a way that even those who consider themselves enlightened can once again find a deeper religious connection.
[ 53 ] Geisteswissenschaft kann die Religion nicht ersetzen. Sie kann niemanden abbringen von seiner Religion. Denn die Aufgabe der Religion ist noch eine andere als die Aufgabe der Geisteswissenschaft. Religion muss gepflegt werden neben der Geisteswissenschaft. Aber indem die Geisteswissenschaft als eine Wissenschaft von der geistigen Welt auftritt, führt sie nicht, wie die Naturwissenschaft, den Menschen, der aufgeklärt sein will, von der Religion ab, sondern sie führt ihn zur Religion hin. Und so müssen diejenigen, die es ehrlich meinen mit dem religiösen Leben, die Geisteswissenschaft begrüßen als diejenige Bewegung, die auch den aufgeklärten Menschen wiederum hinführen kann zur religiösen Vertiefung, zur religiösen Versenkung, zu einem wahren, echten Glauben.
[ 53 ] Spiritual science cannot replace religion. It cannot dissuade anyone from their religion. For the purpose of religion is different from that of spiritual science. Religion must be cultivated alongside spiritual science. But because spiritual science presents itself as a science of the spiritual world, it does not—unlike natural science—lead the person who seeks enlightenment away from religion; rather, it leads them toward religion. And so those who are sincere in their religious life must welcome spiritual science as the movement that can also lead enlightened people back to deeper religious experience, to religious contemplation, and to a true, genuine faith.
[ 54 ] Doch darüber möchte ich morgen sprechen im Zusammenhang mit dem, was ich zu sagen haben werde über die Pflegestätte, die der Geisteswissenschaft drüben in Dornach gebaut werden soll. Dasjenige aber, was ich als Grundlage der Geisteswissenschaft heute vor Ihnen zu entwickeln versuchte, das sollte sein etwas, was sich zusammenfassen lässt zuletzt in eine Grundempfindung der menschlichen Seele. Denn das ist das Eigentümliche der Geisteswissenschaft, dass sie nicht bloß unseren Verstand, der jaan das Gehirn gebunden ist, anregt, sondern dass sie spricht zu dem, was in jeder menschlichen Seele, unabhängig von aller Verschiedenheit, lebt. Man darf nicht glauben, dass man Geistesforscher werden muss, aber es kann es ein jeder werden. Auch darüber bitte ich Sie, Näheres nachzulesen in meinen Büchern.
[ 54 ] But I would like to speak about that tomorrow in connection with what I will have to say about the care center that is to be built for spiritual science over in Dornach. But what I have tried to outline for you today as the foundation of spiritual science should ultimately be something that can be summarized as a fundamental feeling of the human soul. For this is the distinctive feature of spiritual science: that it does not merely stimulate our intellect, which is, after all, bound to the brain, but that it speaks to what lives in every human soul, regardless of all differences. One need not believe that one must become a spiritual researcher, but anyone can become one. I also ask you to read more about this in my books.
[ 55 ] Man braucht nicht Geistesforscher zu sein, aber der Geistesforscher redet zu dem, was in jedem Menschen ist, was in jeder Menschenseele lebt. Er spricht zu demjenigen im Menschen, was hindurchgeht durch Geburten und Tode; zu demjenigen, was ewig ist in der menschlichen Seele. Und was er redet, der Geistesforscher, es kann von jeder Menschensecle verstanden werden, die nur in sich den Schutt und die Hemmnisse hinwegräumt, die durch die heutigen Denkgewohnheiten entstanden sind. Und das wird gewissermaßen die geisteswissenschaftliche Entwicklung der Zukunft sein, dass es einzelne Geistesforscher geben wird, wie es einzelne Chemiker gibt, die dasjenige, was sie durch ihre Forschungen hervorbringen, in den Nutzen aller stellen werden. Es wird einzelne Geistesforscher geben, die werden durch dasjenige, was beschrieben worden ist als geisteswissenschaftliche Methode, hinaufgeführt werden in die geistige Welt, und sie werden über diese geistige Welt sprechen können. Das aber, was sie über diese geistige Welt sagen werden, es wird in jede Seele verständnisvoll sich einschreiben können, wenn erst hinweggeräumt sein wird, was an Vorurteil über Vorurteil heute noch vielfach vorhanden ist. Das aber wird dann ein neues Leben in den Seelen erzeugen können, ein Leben, wie es die Seele braucht gegenüber den immer komplizierter und komplizierter werdenden Verhältnissen der äußeren Welt, die uns ja in der gegenwärtigen Zeit allüberall, wo wir auch hinblicken in den nicht neutralen Ländern, ein so trauriges Bild darbieten. Aber auch abgesehen von solchen Seiten: Wir können erkennen, dass die Seele diese starken Lebenskräfte brauchen wird den immer komplizierter und komplizierter werdenden Verhältnissen gegenüber. Geisteswissenschaft will der Seele diese erstarkten Lebenskräfte geben, welche in ihr anregen werden ein inneres Erfüllen und Erkraften, das allem gewachsen sein kann, was auf die Seele einströmen wird, mehr als es jemals in der Vergangenheit der Fall war.
[ 55 ] One need not be a spiritual researcher, but the spiritual researcher speaks to what is within every human being, to what lives in every human soul. He speaks to that part of the human being that passes through births and deaths; to that which is eternal in the human soul. And what the spiritual researcher speaks can be understood by every human soul who simply clears away the debris and obstacles within themselves that have arisen from today’s habits of thought. And this, in a sense, will be the future development of spiritual science: there will be individual spiritual researchers, just as there are individual chemists, who will place the results of their research at the service of all. There will be individual spiritual researchers who, through what has been described as the spiritual-scientific method, will be led up into the spiritual world, and they will be able to speak about this spiritual world. But what they will say about this spiritual world will be able to inscribe itself understandingly into every soul, once the many prejudices that still exist today have been cleared away. This, in turn, will be able to generate a new life within the souls—a life that the soul needs in the face of the ever more complex circumstances of the outer world, which, in the present time, present such a sad picture to us everywhere we look in the non-neutral countries. But even setting aside such aspects: We can recognize that the soul will need these strong life forces in the face of circumstances that are becoming ever more and more complicated. Spiritual science seeks to give the soul these strengthened life forces, which will inspire within it an inner fulfillment and strength capable of withstanding everything that will flow into the soul—more so than has ever been the case in the past.
[ 56 ] Und so möchte ich denn jetzt nicht in ein Verstandesurteil, sondern in einen Empfindungssatz zusammenfassen dasjenige, was ich anzuregen versucht habe in Ihren Seelen durch diese Betrachtungen. Denn nicht das, was wir verstandesgemäß behalten und wissen von der Geisteswissenschaft, ist es, worauf es ankommt, sondern was in der Seele angeregt wird als unmittelbare Empfindungs- und Gefühls- und Gemütserlebnisse, das ist es, worauf es ankommt.
[ 56 ] And so I would now like to summarize—not as an intellectual judgment, but as a statement of feeling—what I have sought to awaken in your souls through these reflections. For what matters is not what we retain and know about spiritual science through our intellect, but rather what is stirred within the soul as direct experiences of sensation, feeling, and emotion—that is what matters.
[ 57 ] Und dasjenige, was durch die Worte des Vortrages angeregt werden sollte, ich möchte es jetzt zusammenfließen lassen in eine Gesamtempfindung, die wie ein Resultat den Vortrag zusammenfassen und ihn beschließen soll:
[ 57 ] And what the words of this lecture were meant to inspire—I would now like to bring it all together into an overarching impression that, as a kind of conclusion, will summarize the lecture and bring it to a close:
Es sprechen zu den Menschensinnen
Die Dinge in den Raumesweiten;
Sie wirken auf die Menschenseele,
Sich wandelnd in dem Zeitenlaufe.
Sich selbst erlebend ergreift die Seele
Von Raumesweiten unbegrenzt,
Vom Zeitenlaufe unbeschränkt,
Des Geistes Wesensreich
In seiner ewigen Eigenart.
They speak to the human senses
The things in the vastness of space;
They affect the human soul,
Changing as time goes by.
Experiencing itself, the soul grasps
The boundless expanse of space,
Unrestricted by the passage of time,
The realm of the spirit’s essence
In its eternal uniqueness.
