The Human Soul, Fate and Death
GA 70a
21 March 1915, Munich
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
The Human Soul, Fate and Death, tr. SOL
11. Was ist am menschenwesen Unsterblich?
11. What is immortal about human beings?
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Außer dem allgemeinen Interesse, welches Fragen hat wie diejenige, die den Gegenstand der heutigen Betrachtung bildet, liegt ja in unserer Zeit noch eine ganz besondere Veranlassung für die Menschenseelen vor, sich in eine solche Betrachtung einzulassen. In der Gegenwart gehen wir, wie ich mir erlaubte gestern ja anzudeuten und wie es jeder Empfindung heute naheliegen muss, durch Blut und Tod hindurch, und tausendfältig tritt uns die Frage nach dem Wesen des Menschlich-Seelischen entgegen. Eltern trauern oder bangen um ihre Söhne, Schwestern und Brüder gleichfalls, und auch mancherlei [Anzeichen] sehen wir, wie unter dem Großen, unter dem Bedeutungsvollen, von dem wir annehmen müssen, dass es im Schoße unserer schweren Zeit ruht, vielleicht auch das sein kann, dass die Aufmerksamkeit der Menschen wiederum gelenkt wird auf Betrachtungen, wie diejenige ist, die uns eben heute beschäftigen soll. Nun ist vom Standpunkt der Geisteswissenschaft, von dem ich seit vielen Jahren nun auch hier in dieser Stadt schon sprechen darf, es heute wahrhaftig nicht ganz leicht, die Frage zu erörtern: Was ist am Menschenwesen unsterblich? Denn man darf ja sagen: Gegenüber dem Anspruch, eine solche Frage wirklich wissenschaftlich zu behandeln, müssen ganz begreiflicherweise auftreten die mannigfaltigsten Denkgewohnheiten, die mannigfaltigsten Vorstellungsarten unserer Zeit, die — ich sage wiederum ganz begreiflicherweise — aus den Voraussetzungen, wie sie meinen, echter Wissenschaftlichkeit heraus dasjenige mit Recht bekämpfen wollen, was vom Standpunkt der Geisteswissenschaft aus zu sagen ist. Es ist ja durchaus wahr, dass die ganze Entwicklung gerade des wissenschaftlichen Denkens, wie wir sie verfolgen können, durch die letzten Jahrhunderte und besonders durch das neunzehnte Jahrhundert hindurch, gar sehr widerspricht demjenigen, was Geisteswissenschaft in solchen Fragen heute vorzubringen hat.
[ 1 ] Ladies and gentlemen! Aside from the general interest in questions such as the one that is the subject of today’s reflection, there is, in our time, a very special reason for human souls to engage in such reflection. At the present time, as I took the liberty of hinting at yesterday—and as must be evident to everyone’s sensibilities today—we are passing through blood and death, and the question of the nature of the human soul confronts us a thousandfold. Parents mourn or fear for their sons, as do sisters and brothers, and we also see various [signs] that, among the great and significant events—which we must assume lie at the heart of our difficult times—there may also be a factor that once again directs people’s attention toward reflections such as the one that is to occupy us today. Now, from the standpoint of spiritual science—which I have been privileged to speak about here in this city for many years now—it is truly not at all easy today to discuss the question: What is immortal in the human being? For one might well say: Faced with the claim to treat such a question in a truly scientific manner, the most diverse habits of thought and the most varied modes of conception of our time must, quite understandably, come into play—which, I say again quite understandably, seek—on the basis of what they consider to be the prerequisites of genuine scientific rigor—to rightly oppose what must be said from the standpoint of spiritual science. It is indeed true that the entire development of scientific thought in particular, as we can trace it through the past centuries and especially through the nineteenth century, stands in stark contrast to what spiritual science has to offer on such questions today.
[ 2 ] Und es darf immer wieder und wiederum betont werden, meine sehr verehrten Anwesenden, dass ich vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus, wie er hier gemeint ist, wahrhaftig nicht sprechen möchte über solche Fragen wie die der Unsterblichkeit der Menschenseele, wenn ich mir nicht klar wäre darüber, dass das, was Geisteswissenschaft zu sagen hat, voll bestehen kann, aber auch voll rechnet, wenigstens rechnen kann, mit all dem, was wir echte, wahre wissenschaftliche Fortschritte, wissenschaftliche Errungenschaften in unserer Gegenwart nennen. Wahre Geisteswissenschaft möchte mit dem, was sie zu sagen hat, nicht verwechselt werden mit so mancherlei, was da glaubt, mit der wahren Geisteswissenschaft verwandt zu sein, und was auch allerlei Gründe, allerlei Meinungen vorbringt über Gegenstände, wie der ist, der uns heute beschäftigt. Solchen Meinungen gegenüber muss betont werden, dass ja wirklich redlichem Forschen, redlichem Denken entsprungen sind Erwägungen, Anschauungen, welche, ich möchte sagen schnurstracks zuwiderlaufen all dem, was für die Unsterblichkeit der Menschenseele zu sprechen scheint. Und gesagt werden muss, wirklich aufrichtig gesagt werden muss, dass der Scharfsinn, die Urteilsfähigkeit, die aufgebracht haben die Gegner der Unsterblichkeitsidee, im höchsten Grade, wenn man eben auf die bloße Fähigkeit des Denkens, auf die bloße Urteilskraft sieht, anzuerkennen ist, und derjenige, der in diesen Dingen bewandert ist, wird sagen, dass die Qualität desjenigen, was in den letzten Zeiten von den Gegnern der Unsterblichkeitsidee vorgebracht wird, auf viel besseren Grundlagen fußt als vieles, vieles, was für diese Unsterblichkeit vorgebracht wird. Ich kenne unzählige Auseinandersetzungen und Gründe der Gegner der Unsterblichkeit, und ich darf sagen, dass ich volle Achtung habe vor dem, was von dieser Seite aus vorgebracht wird. Nur auf solchen Voraussetzungen fußend, soll das auseinandergesetzt werden, was nun in positiver Weise zu sagen ist über die Frage: Was ist am Menschenwesen unsterblich?
[ 2 ] And it must be emphasized again and again, my esteemed audience, that from the perspective of spiritual science, as it is understood here, I truly would not wish to speak about such questions as the immortality of the human soul if I were not certain that what spiritual science has to say can fully stand up to scrutiny, but also fully takes into account—or at least is capable of taking into account—all that we call genuine, true scientific progress and scientific achievements in our present time. True spiritual science does not wish to be confused, in what it has to say, with certain things that claim to be related to true spiritual science and that also put forward all sorts of reasons and opinions on subjects such as the one that concerns us today. In the face of such opinions, it must be emphasized that considerations and views have indeed arisen from genuine, honest research and honest thinking—views which, I would say, run completely counter to everything that seems to speak in favor of the immortality of the human soul. And it must be said—it must truly be said in all sincerity—that the acumen and power of judgment displayed by the opponents of the idea of immortality are, to the highest degree—if one considers merely the capacity for thought and the power of judgment—worthy of recognition, and anyone well-versed in these matters will say that the quality of what has been put forward in recent times by the opponents of the idea of immortality is based on much sounder foundations than much, much of what is put forward in favor of this immortality. I am familiar with countless arguments and reasons put forward by the opponents of immortality, and I must say that I have the utmost respect for what is presented from their perspective. It is only on the basis of such premises that we should examine what can be said in a positive sense regarding the question: What is immortal in the human being?
[ 3 ] Beantwortet werden kann diese Frage nur wirklich vom Gesichtspunkt der Geisteswissenschaft aus, beantwortet werden so, dass die Antwort sich wirklich messen kann mit dem, was sonst heute als Wissenschaft gilt. Die Menschenseele muss, um Forschungen anzustellen über das Wesen der Unsterblichkeit, den Weg gehen, der sie führt in die Gefilde des geistigen Daseins, in die Gefilde der übersinnlichen Welt hinein. Und schon oft habe ich mir erlaubt, hier auseinanderzusetzen, in welcher Art es die Menschenseele anstellen muss, damit sie wirklich den Weg findet in die geistigen Welten hinein, in das übersinnliche Dasein hinein. Ich werde heute, da ich ja bei meiner letzten Anwesenheit hier insbesondere gesprochen habe von einem gewissen Gesichtspunkte aus über das Auffinden des Weges der Menschenseele in die geistigen Welten hinein, ich werde heute das, was dazumal gesagt worden ist, voraussetzen und nicht wiederum sprechen von dem, was die Menschenseele zu machen hat, um wirklich Geistesforschung anstellen zu können. Nur erwähnen will ich, dass erst der zu einer wirklichen wissenschaftlichen Betrachtung über geisteswissenschaftliche Fragen kommen kann, der gegenüber diesen geisteswissenschaftlichen Fragen denselben Gesichtspunkt innezuhalten vermag, den man einnimmt gegenüber wissenschaftlichen Forschungen, die auf rein physikalischem oder chemischem oder sonst irgendeinem sinnenfälligen Gebiete liegen.
[ 3 ] This question can truly be answered only from the perspective of spiritual science—and answered in such a way that the answer can truly stand up to comparison with what is otherwise regarded as science today. In order to investigate the nature of immortality, the human soul must follow the path that leads it into the realms of spiritual existence, into the realms of the supersensible world. And I have often taken the liberty of discussing here the manner in which the human soul must proceed in order to truly find its way into the spiritual worlds, into supersensible existence. Today—since during my last visit here I spoke specifically from a certain perspective about the human soul finding its way into the spiritual worlds—I will take what was said then as a given and will not speak again about what the human soul must do in order to truly engage in spiritual research. I would only like to mention that only those who are able to adopt the same perspective toward questions of spiritual science as one takes toward scientific research in purely physical, chemical, or any other sensory realm can arrive at a truly scientific examination of such questions.
[ 4 ] Jedermann wird zugeben, dass, wenn er Wasser vor sich hat, ihm keine Spekulation, kein Urteil hilft, dazu zu sagen, dass in diesem Wasser drinnen ist ein Stoff wie der Wasserstoff, Wasser ist eine Flüssigkeit, Wasser löscht das Feuer; der Wasserstoff ist ein Gas, welches brennt, und wenn man das Wasser betrachtet, so ist es unmöglich, aus dieser Betrachtung des Wassers irgendetwas durch Nachdenken oder durch irgendwelches Forschen, das nicht auf das hinausläuft, was der Chemiker Zerlegung des Wassers nennt, anzugeben, dass etwas in dem Wasser darinnen ist, was ganz andere Eigenschaften hat als das Wasser. Diesen Gesichtspunkt innehaltend wird man sich gewöhnen, indem Geisteswissenschaft immer weiter und weiter eindringen wird in die menschliche Geistesentwicklung, überhaupt zuzugeben, dass des Menschen eigentliches Geistwesen, des Menschen eigentliches Seelenwesen nicht erkannt werden kann aus dem, was uns vom Menschen in der äußeren Welt entgegentritt, ebenso wenig erkannt werden kann wie das Wesen des Wasserstoffes aus dem Wasser. Wie der Chemiker den Wasserstoff absondern muss durch seine besonderen Methoden, herausheben muss aus dem Wasser, sodass er seine Eigenschaft vor sich hat, so muss der Geistesforscher das, was geistig-seelisch ist am Menschen und was nicht erkannt werden kann an dem Menschen so, wie er vor uns steht, herausheben aus diesem Menschen, muss es gleichsam durch eine geistige Chemie herausheben aus dem gewöhnlichen Menschen. Dann zeigt es sich allerdings so, wie der Wasserstoff sich zeigt gegenüber dem Wasser, da hat dieses Geistig-Seelische ganz andere Eigenschaften, ganz andere Innenwesenheit, als des Menschen Wesen im Alltagsleben, das heißt in der sinnenfälligen Wirklichkeit, hat.
[ 4 ] Anyone will admit that, when faced with water, no speculation or judgment can help them conclude that this water contains a substance like hydrogen, that water is a liquid, or that water extinguishes fire; hydrogen is a gas that burns; and when one observes water, it is impossible—based on this observation alone, through reasoning or any kind of research that does not amount to what the chemist calls the decomposition of water—to state that there is something within the water that possesses properties entirely different from those of water. Keeping this point of view in mind, as spiritual science penetrates ever further and further into human spiritual development, we will come to acknowledge that the human being’s true spiritual essence—the human being’s true soul essence—cannot be recognized from what we encounter of the human being in the external world, any more than the nature of hydrogen can be recognized from water. Just as the chemist must isolate hydrogen using his special methods—must extract it from water so that he has its properties before him—so too must the spiritual researcher extract from the human being that which is spiritual and soul-related, and that which cannot be recognized in the human being as he stands before us; he must, as it were, extract it from the ordinary human being through a kind of spiritual chemistry. Then, however, it reveals itself just as hydrogen reveals itself in relation to water; this spiritual-soul aspect possesses entirely different properties and an entirely different inner nature than the human being’s nature in everyday life—that is, in sensory reality.
[ 5 ] Aber die Methode, das Geistig-Seelische aus dem sinnenfälligen Menschen herauszuheben, ist ja wieder eine rein geistige Arbeit, kann nicht vollzogen werden durch irgendeine äußere Verrichtung, sondern nur durch das, was die Seele in sich selber sich erarbeitet, was die Seele in sich, sich erlebend, erarbeitet. Und ich habe oftmals hier ausgeführt, wie durch eine gewisse Art, sich auf Gedanken zu konzentrieren, durch gewisse Arten des inneren Erlebens, die man als Meditation bezeichnen kann, kurz, durch gewisse intime innere Vorgänge, die in Geduld und Ausdauer ausgeübt werden, die Seele kommen kann zu einer Entdeckung in sich selber. Das Genauere kann man nachlesen in meiner Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten?» und in meiner «Geheimwissenschaft», auch am Schluss meiner «Theosophie». Wie gesagt, das, was dort angegeben ist, das ist eine Beschreibung von inneren Gedanken-, Empfindungs-, Willens- und Gefühlsverrichtungen, von einem gewissen inneren Verhalten der Seele, durch welches die Seele eine innere Entdeckung macht, die Entdeckung nämlich macht, dass in dieser Seele Kräfte ruhen, ein inneres Leben ruht, welche im Alltagsleben überhaupt gar nicht beobachtet werden. Im Alltagsleben, wenn wir auf die Seele hinblicken, dann werden wir gewahr, dass unsere seelische Tätigkeit verläuft im Gedanken- und Vorstellungsleben, im Gefühls- und Empfindungsleben, im Leben der Willensimpulse.
[ 5 ] But the method of separating the spiritual-soul aspect from the sensory human being is, after all, a purely spiritual task; it cannot be accomplished through any external activity, but only through what the soul works out within itself—what the soul works out by experiencing itself. And I have often explained here how, through a certain way of concentrating on thoughts, through certain kinds of inner experience that can be described as meditation—in short, through certain intimate inner processes practiced with patience and perseverance—the soul can arrive at a discovery within itself. Further details can be found in my work *How Does One Attain Knowledge of Higher Worlds?* and in my *Esoteric Science*, as well as at the end of my *Theosophy*. As I said, what is described there is a description of inner processes of thought, sensation, will, and feeling—of a certain inner behavior of the soul—through which the soul makes an inner discovery, namely, the discovery that within this soul lie forces and an inner life that are not observed at all in everyday life. In everyday life, when we look at the soul, we become aware that our soul activity unfolds in the life of thought and imagination, in the life of feeling and sensation, and in the life of volitional impulses.
[ 6 ] Nun möchte ich sagen, hinblickend auf das, was uns beobachtbar ist an der vorstellenden, fühlenden, wollenden Seele, streiten sich heute die Menschen in Bezug auf die Unsterblichkeitsfrage so, wie schon in dem alten Plato-Dialog über die Unsterblichkeit Simmias dem Sokrates entgegentritt. Sokrates tritt uns entgegen unmittelbar, indem er vor dem Tode steht. Das, was er durchlebt hat durch sein philosophisches Leben, es zeigt sich uns, indem er spricht, dass es ihn gebracht hat zu einer Erkenntnis, dass in der Seele gefunden werden können Kräfte, die nicht im Alltagsleben vor dieses seelische Erleben treten. Simmias, der ihm erwidert, weiß nichts von einer solchen möglichen Vertiefung des Seelenlebens. Daher sagt er: Das, was die Seele darlebt, ist nichts anderes als etwa die Töne einer Laute; wenn die Laute erklingt, so sind die physischen Teile der Laute in Bewegung, und das lebt sich aus in Tönen; wenn aber die Laute zerstört ist, so hört alles Tönen auf. Damit vergleicht er das Leben des Menschen auch in Bezug auf das Seelische der Laute. Die Laute ist gleichsam das Körperliche, und indem körperliche Tätigkeiten stattfinden, erklingen diese körperlichen Tätigkeiten — bildlich gesprochen — im seelischen Erleben. Wenn aber das äußere Instrument des Körperlichen zerstört ist, dann ist es mit dem Seelenleben ebenso, wie das ganze Erklingen der Laute nicht mehr da sein kann, wenn die Laute selber zerstört ist. Man möchte sagen: In dem, was da von Simmias dem Sokrates erwidert wird, liegt schon all das im Prinzip beschlossen, was die heutigen Denkgewohnheiten, die fest auf dem Boden der Naturwissenschaft stehen wollen, gegen die Unsterblichkeitsidee einzuwenden haben. Und diese Einwendungen scheinen gut begründet zu sein, denn jeder Irrenarzt kann einem ja sagen, wie das, was man des Menschen Seelenleben nennt, dieses Ausleben der Seele in Gedanken, in Vorstellungen, in Gefühlen und Willensimpulsen, gestört wird dadurch, dass irgendetwas in den äußeren Organen, im Nervensystem nicht in Ordnung ist. Und man kann sagen: Solche Vorbringungen, sie müssen ganz begreiflicherweise auf die heutigen Überzeugungen durchaus bestimmend wirken. Warum bestimmend wirken?
[ 6 ] Now I would like to say that, considering what we can observe in the soul that imagines, feels, and wills, people today argue about the question of immortality just as Simmias opposed Socrates in the ancient Platonic dialogue on immortality. Socrates confronts us directly as he faces death. What he has experienced through his philosophical life is revealed to us when he speaks—it has led him to the realization that powers can be found in the soul that do not come to the fore in everyday life prior to this spiritual experience. Simmias, who responds to him, knows nothing of such a possible deepening of the soul’s life. Therefore, he says: What the soul experiences is nothing other than, for example, the sounds of a lute; when the lute sounds, the physical parts of the lute are in motion, and this manifests itself in sounds; but when the lute is destroyed, all sound ceases. In this way, he compares human life—including its spiritual aspect—to that of the lute. The lute is, as it were, the physical realm, and as physical activities take place, these physical activities resound—figuratively speaking—in the experience of the soul. But when the external instrument of the physical realm is destroyed, the same is true of the life of the soul, just as the entire sound of the lute can no longer exist when the lute itself is destroyed. One might say: In what Simmias replies to Socrates, everything that today’s habits of thought—which seek to stand firmly on the ground of natural science—object to regarding the idea of immortality is already contained in principle. And these objections seem well-founded, for any psychiatrist can tell you how what is called the human soul life—this unfolding of the soul in thoughts, images, feelings, and impulses of will—is disrupted when something is amiss in the external organs or the nervous system. And one might say: Such arguments, quite understandably, must have a decisive influence on today’s convictions. Why do they have a decisive influence?
[ 7 ] Nun, sehen Sie, meine verehrten Anwesenden, weil im Grunde genommen im breitesten Umfange des heutigen Denkens die Frage nach der Unsterblichkeit ganz falsch gestellt wird. Man sieht hin auf das Seelenleben, wie es sich auslebt im Gedanken-, Gefühlsleben, im Leben der Willensimpulse, und man fragt dann: Ja, was bleibt denn eigentlich von dem, was da die Seele im Alltag in sich erlebt, wenn über das Körperliche der Tod hereinbricht, wenn der Körper zerstört wird? Und es gibt gewiss viele, die sich sagen: Indem ich hinblicke auf Denken, Fühlen und Wollen, erlebe ich innerlich etwas, was mit dem Körperlichen nicht identisch ist und was ein Dasein haben muss, wenn sich über das physische Dasein die Todespforte hin eröffnet. Nun zeigt gerade Geisteswissenschaft, was dieses vorstellende, empfindende, fühlende, wollende Leben der Seele ist. So wie man es in der Seele erlebt, ist dieses ganze innere Seelenleben im Grunde genommen nichts anderes als ein Spiegelbild. Und das, was wir in der Seele erleben — es ist ein Vergleich, der durchaus sich auf die Wirklichkeit bezieht —, man kann das, was die Seele innerlich erlebt, indem sie sich einfach in ihrem körperlichen Dasein betrachtet, vergleichen mit dem Bilde, das der Spiegel entwirft, wenn wir vor dem Spiegel vorbeigehen. Und derjenige, der da sucht nach der Ewigkeit dieses Seelenlebens, der sucht nach der Ewigkeit von bloßen Spiegelbildern, und diese Bilder werden wirklich so hervorgerufen, dass sich das eigentlich Seelische spiegelt, und der Spiegel ist der Leib, ist die leibliche Wesenheit des Menschen. Wenn wir an dem Spiegel vorbeigehen, dann ist der Spiegel der Grund, warum wir das Bild sehen; aber das Bild wird uns zurückgeworfen von dem Spiegel. Derjenige, der da fragt: Was ist von dem, was wir im Alltag von der Menschenseele erleben, unsterblich, der müsste fragen: Ja, wo ist denn das Spiegelbild, das mir der Spiegel entgegenwirft, hingekommen, wenn ich nicht mehr vor dem Spiegel stehe?
[ 7 ] Well, you see, ladies and gentlemen, the question of immortality is, in essence, posed entirely incorrectly within the broadest scope of contemporary thought. People look at the life of the soul as it unfolds in thought, feeling, and the impulses of the will, and then they ask: Well, what actually remains of what the soul experiences within itself in everyday life when death overtakes the physical body, when the body is destroyed? And there are certainly many who say to themselves: As I look at thinking, feeling, and willing, I experience inwardly something that is not identical with the physical and that must continue to exist when the gates of death open upon physical existence. Now, spiritual science reveals precisely what this imaginative, perceptive, feeling, and volitional life of the soul is. Just as we experience it in the soul, this entire inner life of the soul is, in essence, nothing other than a reflection. And what we experience in the soul—this is a comparison that is entirely grounded in reality—what the soul experiences inwardly as it simply observes itself in its physical existence can be compared to the image a mirror reflects when we walk past it. And whoever seeks the eternity of this inner life of the soul is seeking the eternity of mere mirror images, and these images are truly brought about in such a way that what is actually spiritual is reflected, and the mirror is the body, is the physical being of the human being. When we walk past the mirror, the mirror is the reason we see the image; but the image is reflected back to us by the mirror. Anyone who asks, “What is immortal in what we experience of the human soul in everyday life?” should ask: “Where, then, has the reflection that the mirror throws back at me gone when I am no longer standing in front of the mirror?”
[ 8 ] Das ist das, was das so ungeheuer Irreführende ist, dass man das Wesen der Unsterblichkeit sucht in dem, was im Grunde genommen bloßes Bild ist. Und dann ist es ganz natürlich, dass man Gründe, unzählige Gründe anführen kann, weil ja das, was im Bilde entgegentritt, selbstverständlich nicht bestehen kann, wenn der Spiegel, das heißt die Leiblichkeit, vergangen ist, das Leben aufgehört hat. Es ist selbstverständlich, dass man dafür Gründe angeben kann, dass das nicht unsterblich sein kann, weil ja diese Bilder verschwinden müssen, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geht. Kennt man nichts anderes als das, was des Menschen Leiblichkeit ist und worüber er aufklären kann auf dem Gebiete der anatomischen, biologischen, chemischen Wissenschaft, kennt man nichts anderes als [das], was der gewöhnliche Psychologe betrachtet als das Seelenleben, dann ist man nicht im Bereiche dessen, was am Menschen unsterblich ist, und man hat recht, wenn man sagt: Das alles, was man so erlebt, dessen Unsterblichkeit lässt sich nicht irgendwie beweisen. Daher sind die Einwendungen gegen die Unsterblichkeit, die vom wissenschaftlichen Gesichtspunkt aus gemacht werden, so einleuchtend, weil sie die [Sterblichkeit] desjenigen beweisen, was wirklich sterblich ist.
[ 8 ] That is what is so incredibly misleading: that one seeks the essence of immortality in what is, in essence, merely an image. And then it is only natural that one can cite reasons—countless reasons—because what appears in the image obviously cannot exist once the mirror—that is, the physical body—has passed away and life has ceased. It goes without saying that one can cite reasons why this cannot be immortal, since these images must vanish when a person passes through the gate of death. If one knows nothing other than what constitutes human physicality—and what can be elucidated in the fields of anatomical, biological, and chemical science—and if one knows nothing other than what the ordinary psychologist regards as the life of the soul, then one is not within the realm of what is immortal in human beings, and one is right to say: “The immortality of all that one experiences in this way cannot be proven in any way. Therefore, the objections to immortality raised from a scientific standpoint are so convincing because they prove the [mortality] of that which is truly mortal.”
[ 9 ] Geisteswissenschaft hat dagegen die Aufgabe, über dieses Sterbliche hinaus in ein anderes Gebiet einzutreten, wo erst das Wesen desjenigen gefunden werden kann, was am Menschenwesen unsterblich ist. Dieses Unsterbliche liegt nicht in den Erlebnissen, die die Seele im Alltag haben kann, sondern es liegt in tieferen Wesenheiten der Seele, in die diese Seele erst durch den geistigen Erkenntnisweg eintreten muss — eintreten muss, indem sie das Denken energisiert bis zur Meditation, Konzentration, indem sie auch das Gefühls- und Empfindungsleben energisiert, indem so die Seele aus ihren Untergründen heraufholt in ihr Bewusstsein das, was im Alltag nicht in ihrem Bewusstsein ist. Wir kommen zu dem, was am Menschenwesen unsterblich ist, am besten, wenn wir zunächst fragen nach dem, was gewissermaßen in unserem Alltagserleben wie ein Endpunkt dasteht.
[ 9 ] Spiritual science, on the other hand, has the task of moving beyond this mortal realm into another realm, where the very essence of what is immortal in the human being can be found. This immortality does not lie in the experiences the soul may have in everyday life, but rather in deeper essences of the soul, into which the soul must first enter through the spiritual path of knowledge—must enter by energizing its thinking to the point of meditation, concentration; by also intensifying the life of feeling and sensation; and by thus bringing up from the depths of the soul into its consciousness that which is not present in its consciousness during everyday life. We best arrive at what is immortal in the human being when we first ask about what, so to speak, stands as a kind of endpoint in our everyday experience.
[ 10 ] Das, was so wie ein Endpunkt dasteht, ist das, was wir dem Gedächtnis, der Erinnerung zuschreiben. Wir erinnern uns an Erlebnisse, die wir gehabt haben, oder an Dinge, denen wir im Leben gegenübergestanden sind. Was heißt das? Das heißt nichts anderes als: Von dem Erlebnis, von der Betrachtung, bleibt in der Seele ein inneres Wesen zurück, ein Bild zurück, und dieses Bild kann, wenn das Erlebnis, wenn der Gegenstand längst nicht mehr um uns sind, dieses Bild kann wiederum auftreten vor dem Bewusstsein. Dann steht vor dem Bewusstsein ein Bild. Wie ist dieses Bild entstanden? Es ist dadurch entstanden, dass der Mensch gewissermaßen mit innerer, lebendiger Seelenkraft dem Ereignis, dem Ding gegenübergestanden hat und etwas innerlich getan hat durch das Erlebnis, durch das Ding. Und das, was er innerlich getan hat, das kann er wiederum erleben, das kann im Bilde wiederum auftreten. Wir haben diese Erinnerung an unsere Lebenserlebnisse, an unsere Lebenserfahrungen im Leben zwischen der Geburt und dem Tode nur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt zurück. Jeder erinnert sich im gewöhnlichen Leben bis zu einem gewissen Zeitpunkt, der allerdings noch in der zarten Kindheit liegt, aber der doch eben sich nicht mit der Geburt deckt. Es geht etwas vor mit dem Menschen zwischen der Geburt und dem Zeitpunkt, bis zu dem er sich später zurückerinnert. Was liegt dieser Tatsache eigentlich zugrunde?
[ 10 ] What stands there like a endpoint is what we attribute to memory, to recollection. We remember experiences we have had, or things we have encountered in life. What does that mean? It means nothing other than this: from the experience, from the observation, an inner essence remains in the soul—an image remains—and this image can, even when the experience or the object is long gone, reappear before our consciousness. Then an image stands before our consciousness. How did this image come into being? It came into being because the person, so to speak, faced the event or the thing with an inner, living soul force and did something inwardly through the experience, through the thing. And what the person did inwardly, they can experience again; it can reappear in the image. We retain this memory of our life experiences—of what we have lived through in the life between birth and death—only up to a certain point in time. In ordinary life, everyone remembers back to a certain point in time—a point that, admittedly, lies in early childhood but does not coincide with birth. Something happens to a person between birth and the point to which they can later recall their memories. What actually underlies this fact?
[ 11 ] Ja, die Kräfte der Seele, durch die wir uns zurückerinnern an das, was wir erlebt haben, diese liegen auch schon in der Menschennatur vor dem Zeitpunkt, bis zu dem wir uns zurückerinnern. Keine Kraft, auch im Geistigen, entsteht — dies ist ein Gesetz, das für das geistige Leben ebenso gilt wie für das physische Leben, wo es anerkannt ist —, alle Kräfte verwandeln sich nur. Die Kräfte, die wir nennen können Erinnerungskräfte und die eine so große Rolle spielen im Fortlaufen unseres Seelenlebens, die sind auch da vor dem Zeitpunkt, bis zu dem wir uns zurückerinnern. Aber was haben diese Kräfte vor diesem Zeitpunkt für eine Aufgabe? Sie haben die Aufgabe, bildend im menschlichen Organismus zu wirken, sie sind Bildekräfte.
[ 11 ] Yes, the powers of the soul through which we recall what we have experienced are already present in human nature prior to the point in time up to which we can recall. No force—not even in the spiritual realm—is created from nothing—this is a law that applies just as much to spiritual life as it does to physical life, where it is recognized—all forces merely transform. The forces we can call the powers of memory, which play such a major role in the unfolding of our soul life, are also present before the point in time up to which we can recall our past experiences. But what is the purpose of these forces before that point in time? Their purpose is to work formatively within the human organism; they are formative forces.
[ 12 ] Indem der Mensch in das physische Dasein eintritt, muss er erst eine gewisse Zeit hindurch das, was ihm in der Vererbung gegeben ist, plastisch durcharbeiten — das kann auch anatomisch-physiologisch verfolgt werden —, und er arbeitet es durch von innen heraus. Das noch unentwickelte Nervensystem und andere Organe werden erst plastisch durchgearbeitet durch die inneren Kräfte der Seele, und was jetzt wiederum bildlich ausgesprochen wird, aber auf eine Realität hindeutet, das ist, dass in einem gewissen Zeitpunkt, eben dem, bis zu dem man sich zurückerinnert, der menschliche äußere physische Organismus gleichsam so verhärtet ist, so plastisch durchgearbeitet ist, dass diese Bildekräfte aufhören können mit ihrem Bilden, mit ihrem plastischen Gestalten. Da fängt der Leib an, weil jetzt die Bildekräfte nicht mehr zum plastischen Ausgestalten des Leibes verwendet werden, es fängt der Leib an, diese Bildekräfte nicht mehr in sich aufzusaugen, sondern er wirft sie zurück in das Innere der Seele, er wirft sie zurück wie ein Spiegel. In diesem Zeitpunkt fangen wir an, unsere Seelentätigkeit nicht mehr hineinzuergießen in den Leib. Das Zurückspiegeln der Seelentätigkeit ist der Grund für alles Erinnerungsvermögen des Menschen.
[ 12 ] As a human being enters physical existence, he must first, over a certain period of time, work through what has been given to him through heredity in a formative way—this can also be traced anatomically and physiologically—and he works through it from within. The still-undeveloped nervous system and other organs are first shaped by the inner forces of the soul, and what is now again expressed figuratively but points to a reality, is that at a certain point in time—namely, the point up to which one can recall—the human external physical organism has, as it were, hardened, has been so thoroughly shaped, that these formative forces can cease their shaping, their plastic formation. At that point, because the formative forces are no longer being used to sculpt the body, the body begins to no longer absorb these formative forces into itself, but instead reflects them back into the innermost depths of the soul; it reflects them back like a mirror. At this point, we begin to no longer pour our soul activity into the body. The reflection of soul activity is the basis for all human memory.
[ 13 ] Wir stehen also unserem Leibe wirklich gegenüber wie einem Spiegel, und insbesondere die Erinnerung kann uns zeigen, wie das innere seelische Erleben eine Summe von Spiegelungen ist. Wenn wir vor einem Spiegel stehen, dann haben wir nichts anderes zu tun, als uns ganz passiv hinzugeben dem, was geschieht. Die physikalischen Kräfte verursachen von selber, dass ein Bild von dem Spiegel zurückgeworfen wird. Nehmen wir aber jetzt an, wir würden — was im äußeren Physischen natürlich nicht möglich ist — in die Lage kommen, durch unsere eigene Kraft das zu tun, was sonst der Spiegel tut: Wir würden in die Lage kommen, uns innerlich so zu erleben, so stark zu erleben, dass wir ohne Spiegel ein Bild von uns selber vor uns hinstellen könnten — das können wir physisch nicht, aber geistig-seelisch kann es geschehen. Geistig-seelisch kann es eben geschehen, indem die Seele ihre Denk- und Empfindungs- und Willenserlebnisse verstärkt. Dann kommt die Seele dazu, die Kraft, die uns sonst im gewöhnlichen Alltagsleben als Erinnerungskraft entgegentritt, so zu verstärken, dass die Seele nicht mehr den Leib braucht, um innerlich Bilder zu erleben, wie sie sonst nur in der Erinnerung solche Bilder von gehabten Betrachtungen vor sich stehen hat. Dann kommt die Seele zu einer solchen innerlichen Verstärkung, dass sie wirklich so dasteht, wie wenn wir durch unsere Leibeskräfte ein Spiegelbild in die Luft hinauswürfen, ohne dass ein Spiegel da steht. Die Kräfte, durch die die Seele sich gleichsam ein seelisches Bild von sich selbst gestaltet, ohne auf das Spiegeln des Leibes Rücksicht zu nehmen, diese liegen nun nicht im gewöhnlichen Alltagsbewusstsein, sondern müssen erst durch eine Verstärkung des Seelenlebens aus den Tiefen des Bewusstseins heraufgeholt werden. Dann aber, wenn die Seele also diese in ihr zwar immer liegenden Kräfte — aber von ihr im gewöhnlichen Leben nicht beachteten Kräfte heraufholt, dann hat sie ja das im Inneren erlebt, was, wenn der Mensch empfangen hat von seinen Voreltern seinen Leib, als Bildekräfte wirkt, dann lebt sie in diesen Bildekräften, nicht in etwas, was durch den Leib vermittelt ist, sondern was den Leib selber erst gestaltet. Dann geht mit der Seele etwas Ähnliches vor sich wie mit dem Wasserstoff, wenn er wirklich herausgehoben wird aus dem Wasser.
[ 13 ] We thus truly stand before our body as if it were a mirror, and memory, in particular, can show us how inner psychological experience is a sum of reflections. When we stand before a mirror, we have nothing else to do but surrender ourselves completely and passively to what is happening. Physical forces alone cause an image to be reflected back from the mirror. But let us now suppose—which, of course, is not possible in the external physical realm—that we were able, through our own power, to do what the mirror otherwise does: We would be able to experience ourselves inwardly so intensely that we could project an image of ourselves before us without a mirror—we cannot do this physically, but it can happen spiritually and psychologically. Spiritually and psychologically, this can happen precisely by the soul intensifying its experiences of thought, feeling, and will. Then the soul is able to strengthen the power that otherwise presents itself to us in ordinary everyday life as the power of memory to such an extent that the soul no longer needs the body to experience inner images—as it otherwise has before it only in memory such images of past observations. Then the soul attains such inner strengthening that it truly stands as if we were projecting a mirror image into the air through our bodily powers, without a mirror being present. The powers through which the soul, as it were, forms a spiritual image of itself without regard for the body’s reflection—these do not lie within ordinary everyday consciousness, but must first be drawn up from the depths of consciousness through a strengthening of the soul’s life. But then, when the soul brings up these powers—which are indeed always present within it but which it does not take into account in ordinary life—it has experienced within itself what acts as formative powers when a human being has received their body from their ancestors; then the soul lives within these formative powers, not in something mediated by the body, but in that which shapes the body itself in the first place. Then something similar happens with the soul as with hydrogen when it is truly extracted from water.
[ 14 ] Durch solche inneren seelischen Vorgänge wird die Seele wirklich freigemacht vom Leibe, so aus dem Leiblichen herausgehoben, dass sie sich jetzt in dem, was vom Leibe unabhängig ist, ja, wovon der Leib selber abhängig ist, dass sie sich in dem selber erlebt. Sie sehen, wenn man bloß hinschaut auf das, was die Seele in sich erlebt, dann kommt man nicht zu dem, was vor der Geburt oder, sagen wir Empfängnis da war und was durch die Pforte des Todes gehen kann, sondern man muss gleichsam unter die Oberfläche des gewöhnlichen Erlebens hinuntergehen und tiefere Kräfte heraufholen, die sich erst äußern, wenn die Seele vom Leibe frei geworden ist; und dieses Freiwerden kann wirklich eintreten, und die Methoden, durch die es eintritt, sind eben diejenigen, die man nennen kann diejenigen einer geistigen Chemie.
[ 14 ] Through such inner psychological processes, the soul is truly liberated from the body, lifted out of the physical realm in such a way that it now experiences itself in that which is independent of the body—indeed, in that upon which the body itself depends. You see, if one merely looks at what the soul experiences within itself, one does not arrive at what existed before birth—or, let us say, before conception—and what can pass through the gate of death; rather, one must, as it were, go beneath the surface of ordinary experience and draw up deeper forces that only manifest themselves once the soul has been freed from the body; and this liberation can truly occur, and the methods through which it occurs are precisely those that can be called the methods of spiritual chemistry.
[ 15 ] Dann aber tritt uns die Seele, wenn wir sie losgelöst haben, wirklich so mit anderen Eigenschaften gegenüber dem Leiblichen entgegen wie der Wasserstoff gegenüber dem Wasser. Während wir, wenn wir im gewöhnlichen Alltagsleben sind, durchaus den Leib brauchen, um Bilder vor dem geistigen Anschauen zu haben, sind wir, wenn wir die Seele losgelöst haben, befugt, veranlasst, wenn wir irgendetwas erleben wollen, diese aus den inneren, tätigen Kräften der Seele heraus zu erleben. Der Mensch muss sich fortwährend anstrengen, muss fortwährend tätig sein. Er kann nicht, wenn er Geistesforscher werden will, so passiv sich nur hingeben.
[ 15 ] But once we have detached the soul, it truly confronts the physical realm with characteristics as different from it as hydrogen is from water. While in ordinary everyday life we certainly need the body to have images for our spiritual perception, once we have detached the soul, we are empowered and prompted—whenever we wish to experience anything—to experience it through the soul’s inner, active forces. Human beings must make a constant effort; they must be constantly active. If they wish to become researchers of the spirit, they cannot simply surrender themselves passively.
[ 16 ] Also das Erste, was uns entgegentritt, das ist eine Verstärkung, das ist eine Erhöhung desjenigen, was uns sonst in der Erinnerungskraft, in der Gedächtniskraft entgegentritt, das ist ein freies Bilden, jetzt wiederum von Bildern, man nennt sie Imaginationen, die man hinstellt, indem man innerlich erlebend gewahr wird, was die Seele ist, frei vom Leibe. Die Seele macht sich selber ihr Gegenbild von sich und wird sich gerade darin gewahr, dass sie außerhalb des Leiblichen noch etwas ist, das sie durch die Pforte des Todes tragen kann. Weil man erwartet, dass der Mensch stehen bleiben kann bei denjenigen inneren Erlebnissen, die er im Alltagsleben schon hat, macht man so viele Fehler in Bezug auf die Unsterblichkeit.
[ 16 ] So the first thing we encounter is an intensification—an elevation of what we would otherwise encounter in our power of recollection, in our memory—that is, a free formation, now again of images, which are called “imaginations,” that we create by becoming inwardly aware, through experience, of what the soul is, free from the body. The soul creates its own counter-image of itself and becomes aware, precisely in this process, that it is something beyond the physical that it can carry through the gate of death. Because people expect that a human being can remain confined to the inner experiences they already have in everyday life, they make so many mistakes regarding immortality.
[ 17 ] Wenn man den Glauben noch hat, dass man für die Beantwortung der Frage: Was ist am Menschenwesen unsterblich?, stehen bleiben kann bei demjenigen, was der Mensch im Alltagsleben seelisch-innerlich erlebt, dann kann man nichts erwidern demjenigen, der die Unsterblichkeit beweisen will, ihm nicht entgegentreten, denn er wird immer recht haben. Es ist eben unbequem, erst in die Notwendigkeit versetzt zu sein, ganz andere Begriffe zu finden, als man hat, gleichsam eine ganz andere wissenschaftliche Sprache und Sprechweise aufzufinden. Das ist es ja, was man immer wieder und wiederum erfährt, wenn über solche Dinge diskutiert wird, wenn solche Dinge besprochen werden; dann kommt der, der sie widerlegen will und sagt: Ich habe diese oder jene Vorstellungen, die widersprechen dem, was du gesagt hast. Gewiss, das weiß derjenige, der darüber spricht, ganz von selber; denn aus den Begriffen und Ideen, die man schon hat, kann man nicht die Unsterblichkeit finden; man muss zu anderen Begriffen übergehen, geradeso, wie man aus den Vorstellungen, die man über das Wasser hat, keine Vorstellung über den Wasserstoff finden kann. Das Letzte, wozu man kommt im gewöhnlichen Seelenleben, ist die passive Erinnerung, zu der uns unsere Leibesorganisation hilft. Die erste Tätigkeit gleichsam, durch die wir eintreten geisteswissenschaftlich in das unsterbliche Menschenwesen, sie ist eine von der vom Leibe befreiten Seele ausgeführte Tätigkeit, die durch ihre eigene innere Kraft ein Bild des Seelenwesens vor sich hinzaubert.
[ 17 ] If one still believes that the answer to the question: “What is immortal in the human being?”, one can only rely on what a person experiences spiritually and inwardly in everyday life, then one cannot counter anyone who seeks to prove immortality; one cannot oppose them, for they will always be right. It is simply inconvenient to be forced to find concepts entirely different from those one already has—to discover, as it were, an entirely different scientific language and way of speaking. That is precisely what one experiences time and again when such matters are discussed; then comes the one who wants to refute them and says: I have these or those concepts that contradict what you have said. Certainly, the person speaking about this knows this quite well on their own; for one cannot find immortality from the concepts and ideas one already possesses; one must move on to other concepts, just as one cannot form a concept of hydrogen from the ideas one has about water. The ultimate stage reached in ordinary soul life is passive memory, which our physical organization helps us achieve. The first activity, so to speak, through which we enter the immortal human being from a spiritual-scientific perspective is an activity carried out by the soul freed from the body, which, through its own inner power, conjures up an image of the soul being before itself.
[ 18 ] Wenn wir aber also die Seele entwickeln über den Weg in die geistigen Welten hinein, dann wird tatsächlich in unserer Seele anders das gewöhnliche Denken, wie wir es haben, indem wir uns mit unseren Sinnen verbreiten über die Außenwelt und dann uns innerlich Gedankenbilder machen. Das wird anders. Geradeso, wie Erinnerungskraft zu einer höheren Kraft umgebildet wird, so wird die Denkkraft zu einer höheren umgebildet. Während unsere Gedanken gewöhnlich vorüberhuschende Gedankenschatten sind, fängt die Seele an, indem sie den Weg, der auch zur, ich möchte sagen freien Gestaltung der Imaginationen aus der Erinnerung herausführt, gewahr zu werden. Ja, aus dem Gedankenleben heraus entwickelt sich etwas, von dem man sagen könnte vergleichsweise, wie wenn ein Schatten, den man als Schatten erkannt hat, plötzlich anfangen würde, ein Eigenleben zu entwickeln, wie wenn ein Schatten, der von dem Menschen geworfen wird, plötzlich anfangen würde davonzulaufen. So ist es mit unseren Gedanken, sie fangen an, ein Eigenleben zu entwickeln; man ist nicht mehr in derselben Lage ihnen gegenüber, wie den gewöhnlichen Gedankenschatten gegenüber.
[ 18 ] But when we develop the soul along the path into the spiritual worlds, the ordinary thinking we are accustomed to—in which we use our senses to take in the external world and then form mental images within ourselves—actually changes within our soul. It becomes different. Just as the power of memory is transformed into a higher power, so too is the power of thought transformed into a higher one. While our thoughts are usually fleeting shadows of thought, the soul begins to become aware of the path that also leads—I might say—to the free shaping of images from memory. Yes, something develops out of our thought life that one could describe, by way of comparison, as if a shadow—which we have recognized as a shadow—were suddenly to begin developing a life of its own, as if a shadow cast by a person were suddenly to start running away. So it is with our thoughts; they begin to develop a life of their own; one is no longer in the same position with regard to them as one is with regard to ordinary shadows of thought.
[ 19 ] Früher hat man einen Gedanken mit dem anderen vereinigt und von ihm getrennt; jetzt fangen die Gedanken an, ein Eigenleben zu entwickeln. Ein Gedanke sättigt sich gleichsam mit Realität, er wird wesenhaft und geht wie eine innere Wesenheit zu einem anderen Gedanken hin. Das Gedankenleben sättigt sich mit Realität, es füllt sich aus. Man lebt sich hinein aus dem Gedankenschattenleben in das lebendige Weben, zu dem sich das Denken selber erwählt und erwallt.
[ 19 ] In the past, one would unite one thought with another and then separate it from that other; now thoughts are beginning to develop a life of their own. A thought, as it were, saturates itself with reality; it becomes substantial and moves toward another thought like an inner entity. The life of thought saturates itself with reality; it fills itself out. One moves from the shadow life of thought into the living weaving that thinking itself chooses and evolves into.
[ 20 ] Und so ist es mit dem Willens- und Gefühlsleben. Das Willensleben erleben wir im gewöhnlichen Dasein, indem wir durch Vermittlung unseres Leibes dieses oder jenes tun; es geht aus dem Begehrungsleben hervor. Das, was man so als Wille erlebt, von dem man sagt, er geht von unserer Seele aus, hört auf, diese Gestalt zu haben. Man lernt erkennen, wie in das Willensleben etwas, was außerhalb einem ist, etwas, was außerhalb des Seelischen ist, hereinfließt, wie man aufgenommen wird in einen Willen, der durch die ganze Welt geht. Man ist also herausgehoben aus seinem Leibe mit seinem Denken, Fühlen, Wollen, Erinnern und ist versetzt in eine andere Welt.
[ 20 ] And so it is with the life of the will and the emotions. We experience the life of the will in our ordinary existence by doing this or that through the mediation of our body; it arises from the life of desire. What we experience as the will—which we say emanates from our soul—ceases to take this form. One learns to recognize how something that is outside oneself—something that lies beyond the realm of the soul—flows into the life of the will, how one is drawn into a will that permeates the entire world. One is thus lifted out of one’s body with one’s thinking, feeling, willing, and remembering, and is transported into another world.
[ 21 ] Dem Leib aber gegenüber steht man dann so, und auch dem äußeren Leben gegenüber steht man dann so, wie man zu den äußeren Gegenständen in der sinnlichen Wahrnehmung steht. Wie der Tisch außerhalb einem steht und man ihn von außerhalb anschaut, so schaut man den Leib und die gewöhnlichen Erlebnisse zwischen Geburt und dem Zeitpunkt, in dem man die Beobachtung anstellt; man sieht sie an als etwas Äußeres, weil man mit der Seele herausgegangen ist aus dem Leibe. Daher ist es so ungeheuer wichtig, dass auf dem Weg, den die Seele durchzumachen hat in die geistige Welt hinein, Selbsterkenntnis eine große Rolle spiele, wirkliche Selbsterkenntnis. Und derjenige, der weiß, wie schwierig Selbsterkenntnis ist und wie sie im Grunde genommen dem Alltagsleben ferne liegt, der sieht schon ein, dass es schwierig sein muss, durch Geistesforschung zu dem inneren Erleben der Seele zu kommen, indem die Seele unabhängig vom Leibe sich mit ganz neuen Eigenschaften eben erfährt, erlebt.
[ 21 ] One’s relationship to the body—and likewise to external life—is then the same as one’s relationship to external objects in sensory perception. Just as a table stands outside of you and you look at it from the outside, so you look at the body and the ordinary experiences between birth and the moment you begin your observation; one regards them as something external, because one has stepped out of the body with the soul. That is why it is so immensely important that self-knowledge—true self-knowledge—play a major role on the path the soul must take into the spiritual world. And anyone who knows how difficult self-knowledge is and how, fundamentally, it is far removed from everyday life will already realize that it must be difficult to arrive at the inner experience of the soul through spiritual research, in which the soul, independent of the body, experiences itself with entirely new qualities.
[ 22 ] Wenn wir hinblicken auf das, was die Menschen als Selbsterkenntnis haben, so werden wir das eben Gesagte zugeben müssen. Ein Beispiel für viele sei angeführt. Ein sehr berühmter Philosoph der Gegenwart, Dr. Ernst Mach hat gleich auf der dritten Seite seines berühmten Buches «Analyse der Empfindungen» eine sehr bemerkenswerte Äußerung getan über, ich möchte sagen Mangel an Selbsterkenntnis in Bezug auf das Alleräußerste. Da erzählt der berühmte Philosoph der Gegenwart das Folgende von sich selber.
[ 22 ] If we consider what people understand as self-knowledge, we will have to admit what has just been said. Let me cite one example among many. A very famous contemporary philosopher, Dr. Ernst Mach, made a very remarkable statement on the very third page of his famous book *Analysis of Sensations* regarding—I would say—a lack of self-knowledge in relation to the ultimate question. There, the famous contemporary philosopher recounts the following about himself.
[ 23 ] Er sagt: Als ganz junger Mensch ging er einmal auf der Straße und fand, dass ein Mensch ihm begegnete, und hatte das Gefühl: Was ist das für ein widerwärtiges Gesicht, das mir da entgegenkommt! Und dann entdeckte er, dass er an einer Spiegelniederlage vorübergegangen ist und dass die Spiegel so geneigt waren, dass er sein eigenes Bild gesehen hat. Das hielt er also für ein «widerwärtiges Gesicht», so wenig hatte er eine Vorstellung von seinem eigenen Gesicht. Und weiter erzählt er, wie er, als er schon Universitätsprofessor war, nach einer ermüdenden Eisenbahnfahrt in einen Omnibus gestiegen ist und gesehen hat, wie noch ein anderer einsteigt. Da dachte er: Was für ein herabgekommener Schulmeister steigt denn da ein? Und wiederum musste er entdecken, dass es sein eigenes Spiegelbild war, das ihm da entgegengetreten war. So erkannte ich, sagte er, meinen Gattungshabitus besser als meinen individuellen Spezialhabitus.
[ 23 ] He says: When he was very young, he was walking down the street one day and came across a person, and he had the feeling: What a repulsive face is coming toward me! And then he realized that he had walked past a row of mirrors, which were angled in such a way that he had seen his own reflection. He had taken that for a “repulsive face”—that’s how little he knew what his own face looked like. He goes on to recount how, when he was already a university professor, he got on a bus after a tiring train ride and saw someone else getting on as well. He thought to himself: “What kind of shabby schoolteacher is getting on there?” And once again, he had to realize that it was his own reflection that had met him there. “That’s how I came to recognize,” he said, “my generic habitus better than my individual, specific habitus.”
[ 24 ] Wie es dem Menschen ferne liegt im gewöhnlichen Gebaren des Lebens, hinzuschauen auf seine äußere leibliche Gestalt, so liegt es ihm wirklich noch ferner, irgendwie etwas zu tun, sein Seelisches wirklich kennenzulernen, wirklich zu durchschauen. Aber man muss sich, wenn man den geistigen Weg, den Weg übersinnlichen Forschens, gehen will, der die Seele aus dem Leibe gleichsam herausreißt, unterstützen durch Selbsterkenntnis. Denn nur dadurch, dass man nicht bloß das ins Auge fasst, was man jetzt tut, sondern wie man eigentlich dem Charakter nach geartet ist, sodass man die Gewohnheit hat, die Dinge so und so vorzustellen, wie man mehr in den Untergründen der Seele beschaffen ist, nur dadurch kommt man hinein in jene Fähigkeit, die man braucht, um die ganz anderen Eigenschaften desjenigen wirklich ins geistige Auge zu fassen, was am Menschenwesen unsterblich ist gegenüber dem, was man gewöhnlich als eigenes Seelenwesen vor sich hat.
[ 24 ] Just as it is foreign to human beings, in the ordinary course of life, to look upon their own outward, physical form, so it is even more foreign to them to do anything at all to truly come to know their soul, to truly see through it. But if one wishes to walk the spiritual path—the path of supersensory inquiry, which, as it were, tears the soul from the body—one must support oneself through self-knowledge. For it is only by not merely focusing on what one is doing at the moment, but rather on one’s actual character—so that one has the habit of imagining things in a certain way, reflecting one’s deeper nature in the recesses of the soul— only in this way does one develop the capacity needed to truly perceive with the spiritual eye the entirely different qualities of that which is immortal in the human being, as opposed to what one usually regards as one’s own soul.
[ 25 ] Wenn ich noch einmal zurückkomme darauf, dass als eine erste Eigenschaft der Seele, wenn sie in die geistige Welt eintritt, wenn sie ihr Unsterbliches erfasst, eine fortgebildete Erinnerungsfähigkeit, eine frei gestaltende Erinnerungsfähigkeit ist, so muss man sagen: Diese Art der inneren Seelentätigkeit ist jetzt ganz anders, als die des gewöhnlichen Gedächtnisses ist. Es lässt sich diese Art der inneren Fähigkeit vergleichen, mit einer Gewohnheit, die man sich angeeignet hat. Denn wenn man es zum Beispiel einmal dahin wirklich gebracht hat durch die Verstärkung der Seelenkräfte, in der Imagination etwas vor sich hinzustellen, was jetzt Gegenbild ist der leibfreien Seele, dann ist es zum Beispiel nicht möglich, in einem späteren Zeitpunkt sich an dieses Gegenbild der leibfreien Seele so zu erinnern wie mit der gewöhnlichen Erinnerungskraft an etwas, was man früher erlebt hat.
[ 25 ] If I return once more to the point that one of the first characteristics of the soul—when it enters the spiritual world and grasps its immortality—is a highly developed capacity for memory, a capacity for memory that is freely formed, then one must say: This kind of inner soul activity is now quite different from that of ordinary memory. This kind of inner capacity can be compared to a habit one has acquired. For if, for example, one has truly succeeded—through the strengthening of the soul’s powers—in conjuring up in one’s imagination something that is now a counter-image of the disembodied soul, then it is not possible, at a later time, to recall this counter-image of the disembodied soul in the same way that one uses ordinary memory to recall something one has experienced in the past.
[ 26 ] Mit der gewöhnlichen Erinnerungskraft hat man Bilder, die gleichsam heraufsteigen aus dem Horizont des Seelenlebens. So ist es nicht mit dem, was die Seele als ihr unsterbliches Wesen erlebt. Wenn man es auch einmal erlebt hat, es ist ganz vergeblich, dass es heraufsteigt; man muss es ein zweites Mal durch dieselben Tätigkeiten wiederum heraufholen wie das erste Mal. Ist es schon schwer, sich zu erinnern an einen vorüberhuschenden Traum, weil der Traum nur heraufsteigt, wenn man die Kräfte in Bewegung setzt, die den Traum heraufgerufen haben, so ist es noch viel schwieriger, durch die gewöhnliche Erinnerungskraft ein Erlebnis der beschriebenen Art wiederum zu haben, weil es nicht da ist als Bild. Das Bild muss von Neuem hervorgerufen werden. Das, was bleibt, ist das verstärkte Erleben der Seele selber. Das sind also ganz neue Kräfte, gegenüber denen man neue Ideen und neue Begriffe sich aneignen muss, wenn man ihnen nahekommen will.
[ 26 ] With ordinary memory, one has images that, as it were, rise up from the horizon of the soul’s life. This is not the case with what the soul experiences as its immortal essence. Even if one has experienced it once, it is entirely in vain for it to rise up; one must summon it a second time through the same activities as the first time. If it is already difficult to remember a fleeting dream—because the dream arises only when one sets in motion the forces that evoked it—it is even more difficult to have an experience of the kind described again through ordinary memory, because it does not exist as an image. The image must be evoked anew. What remains is the intensified experience of the soul itself. These are, therefore, entirely new forces, in relation to which one must acquire new ideas and new concepts if one wishes to approach them.
[ 27 ] Das, was am Menschenwesen unsterblich ist, liegt eben, ich möchte sagen verschleiert durch das gewöhnliche Seelenleben hinter diesem. Und das, was man im gewöhnlichen Seelenleben denkt und fühlt und will, das reicht nicht aus, um das zu charakterisieren, was am Menschenwesen unsterblich ist. Aber dieses Unsterbliche ruht hinter dem gewöhnlichen Seelenwesen, und die Geistesforschung ist die Methode, dieses Unsterbliche heraufzubringen. Und wenn dann der Mensch wirklich seine Seelenkräfte so verstärkt hat, dass er in freier innerer Tätigkeit in Bilder umformen kann das, was sein Wesen ist, dann offenbart sich dem Menschen die übersinnliche Welt durch mehrere Stufen hindurch.
[ 27 ] That which is immortal in the human being lies—I might say—veiled behind the ordinary life of the soul. And what one thinks, feels, and wills in the ordinary life of the soul is not enough to characterize that which is immortal in the human being. But this immortal aspect lies behind the ordinary soul, and spiritual research is the method for bringing this immortal aspect to light. And when a person has truly strengthened their soul powers to such an extent that they can, through free inner activity, transform their very being into images, then the supersensible world reveals itself to them through several stages.
[ 28 ] Das Erste, wozu man kommt, wenn man durch die angedeuteten Vorgänge sein inneres Seelenleben erkraftet und gestärkt hat, das ist, dass man die Welt, der man auch gegenübersteht, wenn man im Leibe steht, dass man diese selbe Welt von einem Gesichtspunkt aus sieht, den die Seele einnimmt, wenn sie nun außerhalb des Leibes ist. Da ist alles anders, da können wir nicht zum Beispiel außerhalb des Leibes über die Dinge so denken wie im Leibe; denn das Gedankenleben im Leibe besteht darin, dass die Seele gleichsam unsichtbar hinter allem waltet und ihre inneren Tätigkeitsstrahlen an den Leib wirft und der Leib ihr dieses zurückspiegelt. Das sind dann die Gedanken; sie haben im Grunde genommen keine äußere Wesenheit.
[ 28 ] The first thing one comes to realize, once one has revitalized and strengthened one’s inner spiritual life through the processes described, is that one sees the world—the same world one faces even while in the body—from the perspective that the soul assumes when it is outside the body. Everything is different there; for example, when outside the body, we cannot think about things in the same way as we do when in the body. This is because the life of thought within the body consists in the soul, as it were, presiding invisibly behind everything, casting its inner rays of activity onto the body, and the body reflecting these back to it. These are then the thoughts; they have, in essence, no external reality.
[ 29 ] Wenn wir aber von außerhalb des Leibes derselben Welt gegenüberstehen, dann können wir nicht so denken; denn dann können wir nicht zurückstrahlen lassen vom Leibe die innere Seelentätigkeit, sondern müssen sie zurückstrahlen lassen von dem, was außerhalb des Sinnlichen ist. Dann müssen wir leben und weben im Übersinnlichen, dann müssen wir uns von den Dingen selber zurückstrahlen lassen das Geistige, dann werden uns keine Gedanken zurückgestrahlt, sondern das erleben wir, was früher belebte Gedanken sind. Also, die lebend gewordenen Gedankenschatten erleben wir. Wir fühlen uns gleichsam ausgebreitet über alles, was wir anschauen. Wenn wir mit der Seele außerhalb des Leibes sind, vereinigen wir uns mit allem, was Gegenstand der Betrachtung werden kann, und wir leben uns in das ein, was Gedankentätigkeit ist. Aber das sind eben bewegte, wesenhafte Gedanken jetzt.
[ 29 ] But when we face the same world from outside the body, we cannot think in this way; for then we cannot allow the inner activity of the soul to radiate back from the body, but must allow it to radiate back from that which lies beyond the sensible world. Then we must live and weave within the supersensible; then we must allow the spiritual to radiate back to us from the things themselves; then no thoughts are reflected back to us, but rather we experience what were once animated thoughts. Thus, we experience the shadows of thoughts that have come to life. We feel, as it were, spread out over everything we look at. When we are with our soul outside the body, we unite with everything that can become an object of contemplation, and we immerse ourselves in what thought activity is. But these are now, in fact, living, essential thoughts.
[ 30 ] Und ähnlich ist es mit dem Gefühls- und Willensleben. Wir sind nunmehr über das gerade ausgegossen, außerhalb dessen wir leben, wenn wir im Leibe ihm gegenüberstehen. Da erfahren wir, dass in der Tat in alldem, was uns sonst in abgeschatteten Gedanken, in abstrakten Gedankenbildern von den Dingen gegenwärtig wird, [etwas] wesenhaft lebt. Es füllt sich dann an die Welt mit Wesenhaftem, das verborgen ist hinter dem sinnlichen Dasein. Das, was uns in einer farbigen Oberfläche erscheint, in das leben wir uns so ein, dass wir in der Fläche drinnen leben und das äußerliche Erzeugen der Farbe wahrnehmen. Wir leben uns in eine elementarisch bewegte Welt hinein. Das ist die erste Stufe, möchte ich sagen, wie wir außerhalb des Leibes die Welt erleben. Alles Abstrakte des Gedankens hört auf, alles wird bewegt, und wir selber werden hineinversetzt in das bewegte Leben. Und wenn wir also die erste Stufe absolviert haben und das, was wir in intimer Seelenentwicklung vornehmen, weiter auf diese Seele wirkt, dann kommen wir zu einer anderen Stufe. Auf dieser ersten Stufe des geistigen Erlebens haben wir gleichsam dieselbe Welt gesehen, die wir innerhalb des Leibes von der sinnlichen Seite ebenso sehen.
[ 30 ] And the same is true of our emotional and volitional life. We have now moved beyond that which we have just described—the realm outside of which we live when we stand opposite it in the body. There we experience that, in fact, in all that which otherwise presents itself to us in veiled thoughts and abstract mental images of things, [something] essential lives. The world is then filled with an essential reality that lies hidden behind sensory existence. That which appears to us as a colored surface—we immerse ourselves in it in such a way that we live within the surface and perceive the external production of color. We immerse ourselves in a world of elemental movement. This, I would say, is the first stage of how we experience the world outside the body. All abstract thought ceases; everything is set in motion; and we ourselves are transported into this moving life. And so, once we have completed the first stage, and what we undertake in the intimate development of the soul continues to affect that soul, we arrive at another stage. At this first stage of spiritual experience, we have, as it were, seen the same world that we also see from the sensory side while within the body.
[ 31 ] Aber die nächste Stufe ist diejenige, dass wir wirklich eine ganz neue Welt wahrnehmen, die nichts mehr gemein hat mit dem, was äußere Sinneswelt ist. Ich kann mich über das, was da zu bemerken ist, vielleicht am leichtesten dadurch ausdrücken, dass ich auf Folgendes aufmerksam mache. Ich habe versucht, in meiner «Geheimwissenschaft» zu schildern, wie unsere Erde, so wie sie jetzt ist, mit alledem, was sich auf ihr entwickelt, sich herausentwickelt hat aus früheren planetarischen Zuständen, wie sie, bevor sie Erde geworden ist, ein anderer Weltkörper war. Ich habe versucht dann, diesen anderen Weltkörper, der erst zugrunde gegangen ist, zu beschreiben. Man kann diesen anderen Weltkörper, da heute nichts mehr von ihm da ist, nur dann sehen, wenn man wirkliche Beobachtung über den Kosmos von außerhalb des Leibes macht, denn dann eröffnet sich einem die Perspektive auch in Zeiträume hinein, die sonst nicht zu überblicken sind.
[ 31 ] But the next stage is one in which we truly perceive an entirely new world that no longer has anything in common with the external sensory world. Perhaps the easiest way for me to express what can be observed here is by drawing attention to the following. In my *Secret Science*, I have attempted to describe how our Earth, as it is today, with everything that develops on it, evolved from earlier planetary states—how, before it became the Earth, it was a different celestial body. I then attempted to describe this other celestial body, which had already perished. Since nothing of it remains today, one can see this other celestial body only by making genuine observations of the cosmos from outside the physical body; for then a perspective opens up that extends into time periods which otherwise cannot be grasped.
[ 32 ] Nun müsste ich beschreiben dieses so, dass jeder, der das für möglich hält, was ihn seine fünf Sinne lehren, der nur das zugeben will, der muss jene Beschreibung, woraus sich die Erde entwickelt hat, im Grunde genommen für verdreht und verrückt halten, weil das, was jetzt auf der Erde möglich ist, unmöglich war bei dem Vorgänger der Erde und weil dazumal Dinge möglich, Ereignisse möglich waren, die bei der heutigen Erde unmöglich sind. Aber solche Ereignisse sieht man nur, wenn man von der Welt, in die wir jetzt eingeschlossen sind, herauskommt und in eine ganz andere Welt eintritt als die gewöhnliche. Man kommt also auf der nächsten Stufe zu Welten, die ganz andere Eigenschaften haben, die durchaus anders gestaltet sind als das, was man von der Erde aus beobachten kann. Und indem man in diese Welten eintritt, ist man nun dann imstande, ist man imstande, dasjenige zu beobachten, was Umgebung der Seele, was geistiges Leben der Seele ist, bevor die Seele durch die Geburt oder, sagen wir durch die Empfängnis übernimmt das, was ihr an Physisch-Materiell-Körperlichem zuerteilt wird. Man sieht hinein, wenn man diese ganz anders geartete Welt beobachtet, in die Welt, die die Seele durchmacht von einem Tod, der ein früheres Erdenleben abgeschlossen hat, bis zu der Geburt oder, sagen wir Empfängnis, wo sie dieses Erdenleben antritt. Erst kommt die Seele, indem sie sich vom Leibe trennt, außerhalb des Leibes und beobachtet die Welt, in der wir sonst auch stehen. Indem sie aber weiterkommt, sieht sie eine neue Welt und in dieser Welt erlebt sie die Bildekräfte, durch die sie durch den naturgemäßen Gang der Entwicklung selber in einer geistigen Welt in den Zeiten drinnen lebt, in denen sie nicht physisch verkörpert ist.
[ 32 ] Now I would have to describe this in such a way that anyone who considers what his five senses tell him to be possible—anyone who is willing to admit only that—must, in essence, regard the description of how the Earth came into being as twisted and insane, because what is now possible on Earth was impossible on the Earth’s predecessor, and because back then, events were possible events were possible that are impossible on today’s Earth. But such events can only be seen if one steps out of the world in which we are now enclosed and enters a world entirely different from the ordinary one. Thus, on the next level, one arrives at worlds that possess entirely different characteristics, that are shaped quite differently from what can be observed from Earth. And by entering these worlds, one is then able—one is able—to observe what constitutes the soul’s environment, what constitutes the soul’s spiritual life, before the soul, through birth or, let us say, through conception, takes on what is assigned to it in terms of the physical, material, and corporeal. When one observes this world of a completely different nature, one looks into the world that the soul passes through from the moment of death—which concludes a previous earthly life—until birth, or, let us say, conception, when it begins this earthly life. First, the soul, by separating itself from the body, comes outside the body and observes the world in which we, too, usually find ourselves. But as it progresses, it sees a new world, and in this world it experiences the formative forces through which, by the natural course of development, it itself lives within a spiritual world during the periods when it is not physically embodied.
[ 33 ] Und dann, wenn die Seele so weit ist, dass sie diese geistige Welt — die eine ganz andere Welt ist als diejenige, die wir durch die Sinneswerkzeuge beobachten —, dass sie diese beobachtet, dann kann sie wiederum umgekehrt von dieser geistigen Welt aus das beobachten, was eigentlich des Menschen tief innerster Wesenskern ist und was durch die Geburten und Tode geht, was wirklich das Ewige, das Unsterbliche der Menschenseele ist. Das, was tief innerlich in uns wohnt, das werden wir erst gewahr, wenn wir es von einer anderen Welt mit anderen Eigenschaften anschauen als von dieser Welt, die ja nur ist ein Bild, entworfen [von] unserer Seele von dem Spiegel des Leibes her, uns selber im tiefsten Innersten lernen wir vom Horizont einer Welt aus kennen, die wir zwar anerkennen, innerhalb welcher wir aber unser innerstes Wesen nicht gewahr werden, trotzdem es in uns ist, wenn wir uns nur der alltäglichen Kräfte bedienen. Und dann, wenn wir also unser Inneres von der anderen Welt aus betrachten, dann erst sind wir fähig, zurückzublicken auf frühere Erdenleben, die wir durchgemacht haben; denn die lassen sich nur erblicken dadurch, dass man auf das im Menschen hinsieht, was übersinnlich in der menschlichen Natur ist.
[ 33 ] And then, when the soul is ready to perceive this spiritual world —which is a completely different world from the one we perceive through our senses—then it can, in turn, observe from within this spiritual world what is actually the deepest, innermost core of human being, that which endures through births and deaths, and which is truly the eternal, the immortal essence of the human soul. We become aware of that which dwells deep within us only when we view it from another world with different characteristics than this world—which is, after all, merely an image, projected [by] our soul through the mirror of the body; we come to know our deepest inner self from the perspective of a world that we do indeed acknowledge, but within which we do not become aware of our innermost being, even though it is within us, when we make use only of our everyday faculties. And then, when we thus observe our inner self from the other world, only then are we able to look back on past earthly lives we have lived; for these can be perceived only by looking at that which is supersensory in human nature.
[ 34 ] Von allen unseren früheren Erdenleben ist das, was wir im Alltagsleben als sterbliche Menschen erfahren, vergangen. Das Ewige, das in all diesem Vergänglichen auch als unser Wesen ruht, das ist durch Geburten und Tode, durch Leben gegangen zwischen Geburt und Tod, dann wiederum durch Leben im Geistigen; das wird durch Leben gehen, die wiederum verlaufen werden zwischen Tod und neuer Geburt und neuer Geburt und Tod. Das Unsterbliche beginnt da, wo das Sterbliche aufhört, das von ihm ein vergängliches Gleichnis ist. Das Unsterbliche ruht tief unten in der menschlichen Natur und hängt zusammen mit Welten, die der Sinnesbeobachtung verborgen sind. Also nicht dadurch, dass man eine Definition oder irgendetwas anderes aufruft, sondern dadurch, dass man also beschreibt, wie die Seele den Weg findet zu anderen Welten als zu denen, die durch die Sinne gegeben sind, kann man die Frage beleuchten, möchte ich sagen den Weg zeigen zur Beleuchtung dieser Frage: Was ist am Menschenwesen unsterblich?
[ 34 ] Of all our previous earthly lives, that which we experience in everyday life as mortal human beings has passed away. The eternal, which also rests within all this transitory existence as our very being, has passed through births and deaths, through life between birth and death, and then again through life in the spiritual realm; it will pass through lives that in turn will unfold between death and new birth, and between new birth and death. The immortal begins where the mortal ends; the mortal is but a fleeting metaphor for it. The immortal lies deep within human nature and is connected to worlds hidden from sensory perception. Thus, not by invoking a definition or anything else, but by describing how the soul finds its way to worlds other than those perceived through the senses—this is how one can shed light on the question, or rather, show the path to illuminating this question: What is immortal in the human being?
[ 35 ] Zeiten werden kommen, in denen man dasjenige, was hier in kurzen Worten, gleichsam kohlezeichnend, angedeutet worden ist, für wirkliche Wissenschaft so halten wird, wie man die Physik und Chemie heute für wahre Wissenschaft hält. Mögen noch so viele Denkgewohnheiten dem entgegenstehen — die Menschheit wird sich gewöhnen, dieses Übersinnliche in den Bereich des Wissenschaftlichen zu ziehen. Wahrhaftig, ebenso wie sich die Menschheit gewöhnt hat, das gewöhnliche physische Weltenbild der kopernikanischen Weltanschauung, das ebenso den Aussprüchen der fünf Sinne widerspricht, hinzunehmen — schon das Physische muss, wenn es im richtigen Licht gesehen wird, so gesehen werden, dass es den Aussagen der fünf Sinne widerspricht —, und die Menschheit hat sich daran gewöhnt, wird sich gewöhnen, eine Wissenschaft gelten zu lassen vom Übersinnlichen, wenn diese Wissenschaft auch dem, was man gewöhnlich die Aussprüche der fünf Sinne und des Verstandes nennt, widerspricht. Und in unserer Zeit ist es so, dass tatsächlich zunächst durch Jahrhunderte hindurch die äußere Wissenschaft ihre Fortschritte gemacht hat. Diese äußere Wissenschaft, die führt — wir müssen es zugeben — in ganz begreiflicher Weise dazu, abzuleugnen die Möglichkeit einer Beantwortung der Frage: Was ist am Menschenwesen unsterblich?
[ 35 ] There will come a time when what has been briefly hinted at here—as it were, in rough outlines—will be regarded as true science, just as physics and chemistry are regarded as true science today. No matter how many established ways of thinking may stand in the way—humanity will grow accustomed to bringing this supersensible realm into the realm of science. Truly, just as humanity has become accustomed to accepting the ordinary physical worldview of the Copernican worldview—which likewise contradicts the perceptions of the five senses—for even the physical world, when viewed in the proper light, must be seen as contradicting the perceptions of the five senses— and humanity has become accustomed to—and will become accustomed to—accepting a science of the supersensible, even if this science also contradicts what is commonly called the reports of the five senses and the intellect. And in our time, it is indeed the case that, for centuries, external science has made its progress. This external science—we must admit—quite understandably leads to the denial of the possibility of answering the question: What is immortal in the human being?
[ 36 ] Noch einmal sei es hervorgehoben: Alles das, was da gesagt wird, dass mit einer geringfügigen Zerstörung unseres Gehirns unser Selenleben gestört werde, und dass das beweise, dass das Seelenleben gebunden sei an das Gehirn, alles das ist unwiderleglich. Und nicht diejenige Wissenschaft von der Unsterblichkeit wird siegen, wird sich in die Kultur einleben, welche also die Naturwissenschaft bekämpft, sondern diejenige, die zugibt, dass die Naturwissenschaft von ihrem Standpunkt aus mit ihren Behauptungen recht hat, die wird siegen. Diejenige Wissenschaft, welche das Unsterbliche im Menschenwesen erst aufsucht durch die Wege, die die Seele erst durchzumachen hat, die Wissenschaft wird siegen, die nicht in der gewöhnlichen wissenschaftlichen Sprache über Bekanntes spricht, sondern die von dem Unsterblichen als etwas für das gewöhnliche Seelenleben noch Unbekanntem spricht. Die Missverständnisse gegenüber der Naturwissenschaft entstehen einfach dadurch, dass es heute der Naturwissenschaftler leicht hat, seinen Diskussionssieg zu erringen gegenüber dem, was ihm gesagt wird von einer vermeintlichen Geisteswissenschaft aus. Er braucht nur darauf hinzuweisen, wie mit Gehirnstörungen gestört wird das gewöhnliche Denken, wie mit dem Alter das Seelenleben schwächer wird. Das, was schwächer wird, sind nur die Bilder desjenigen, was erst gefunden werden muss, und wenn man ihm widerspricht, dann stört man ihn nur, dann macht man ihn nur widerspenstig; denn er hat recht für das, was er allein als Seelenleben sieht.
[ 36 ] Let it be emphasized once again: Everything that is said here—that even a slight destruction of our brain would disrupt our spiritual life, and that this proves that spiritual life is bound to the brain—all of this is irrefutable. And it is not the science of immortality that opposes the natural sciences that will prevail and become established in culture, but rather the science that acknowledges that, from its own standpoint, the natural sciences are correct in their assertions—that is the science that will prevail. The science that seeks the immortal in the human being through the paths the soul must first traverse—the science that does not speak in the usual scientific language about what is already known, but speaks of the immortal as something still unknown to ordinary soul life—that science will prevail. Misunderstandings regarding the natural sciences arise simply because it is easy today for the natural scientist to win an argument against what is told to him by a so-called spiritual science. He need only point out how ordinary thinking is disrupted by brain disorders, and how the life of the soul weakens with age. What grows weaker are merely the images of that which has yet to be discovered; and when one contradicts him, one merely disturbs him, one merely makes him uncooperative; for he is right in regard to what he alone perceives as the life of the soul.
[ 37 ] Gewöhnen wird sich die Menschheit müssen, viel tiefer zu schürfen, wenn sie den Bedürfnissen einer Wissenschaft des Übersinnlichen in der Zukunft wird genügen wollen, wie diese Bedürfnisse heute schon in zahlreichen Menschenseelen bewusst, in unzähligen nur unbewusst, vorhanden sind, dass sich diese Menschenseelen nicht mehr befriedigen können mit dem, was ihnen die alten Traditionen oder Gefühlsvorstellungen geben können über die Frage: Was ist am Menschenwesen unsterblich?
[ 37 ] Humanity will have to get used to delving much deeper if it is to meet the needs of a science of the supernatural in the future—needs that already exist today, consciously in numerous human souls and unconsciously in countless others—so that these human souls can no longer be satisfied with what the old traditions or emotional notions can offer them regarding the question: What is immortal in the human being?
[ 38 ] Aber eintreten wird in die Kulturentwicklung eine Geisteswissenschaft, welche das unsterbliche Wesen der menschlichen Seele so untersuchen wird, dass sie gar nicht widersprechen wird dem, dass man aus dem, was man vom Menschen im Alltagsleben sieht, das Unsterbliche ebenso wenig erkennen kann wie aus dem Wasser den Wasserstoff. Eine Geisteswissenschaft wird eintreten in die menschliche Kulturentwicklung, welche von dem sprechen wird, was eben als das Unsterbliche am Menschen entdeckt werden muss. Es ist ja da, aber es muss entdeckt werden, geradeso, wie das, was über Wissenschaft gilt, immer da war, aber erst entdeckt werden musste. Und so, wie es einmal keine Naturwissenschaft gegeben hat im heutigen Sinne, sondern wie diese erst entstanden ist, so ist das, was am Menschenwesen unsterblich ist, immer unter dem Grunde des sterblichen Teils der Menschenseele, aber für das Bewusstsein muss es erst heraustreten und wird, indem das Bedürfnis sich entwickeln wird nach solchem Wissen, wird für die Menschen das sein, was sie in den schwersten Augenblicken des Lebens mit Trost, Sicherheit, Kraft erfüllen wird und was ihnen Fragen beantworten wird, welche die gewöhnliche Wissenschaft nicht beantworten kann.
[ 38 ] But a spiritual science will emerge in the course of cultural development that will investigate the immortal nature of the human soul in such a way that it will in no way contradict the fact that one can recognize the immortal no more from what one sees of human beings in everyday life than one can recognize hydrogen from water. A spiritual science will emerge within the development of human culture that will speak of what must be discovered as the immortal aspect of the human being. It is indeed there, but it must be discovered, just as what pertains to science has always been there but first had to be discovered. And just as there was once no natural science in the modern sense—but rather, it only came into being—so too is that which is immortal in the human being always lying beneath the mortal part of the human soul; yet for consciousness, it must first emerge. As the need for such knowledge develops, it will become for people that which, in the most difficult moments of life, will fill them with comfort, certainty, and strength, and which will answer questions that ordinary science cannot answer.
[ 39 ] Eine Zeit wird kommen, wo das Leben des Menschen nur halb wäre, wenn sie von dem, was die Geisteswissenschaft herausholt, nichts wüsste, und wenn heute noch viele Menschen glauben, dass man auch ohne diese Geisteswissenschaft leben könnte, so werden sich Lebensbedürfnisse entwickeln durch die ganze Menschheit hindurch, welche Geisteswissenschaft in dem heute angedeuteten Sinne zu einer unbedingten Notwendigkeit für das Leben machen werden. Heute stehen die Dinge noch so, dass der, der fest auf dem Boden der Naturwissenschaft steht, von dem, was man gewöhnlich meint über die unsterbliche Seele, nicht widerlegt werden kann, indem er mit seinen Einwendungen recht haben muss; aber Zeiten werden kommen, wo man einsehen wird, dass diese Einwände durchaus gemacht werden können, dass sie aber nicht gelten für das, was Geisteswissenschaft als das unsterbliche Menschenwesen wirklich aufweist.
[ 39 ] A time will come when human life would be only half complete if people knew nothing of what spiritual science reveals; and even if many people today still believe that one could live without this spiritual science, needs will develop throughout all of humanity that will make spiritual science, in the sense indicated today, an absolute necessity for life. Today, the situation is still such that those who stand firmly on the ground of natural science cannot be refuted regarding what is commonly believed about the immortal soul, since their objections must necessarily be valid; but a time will come when people will realize that while these objections can certainly be raised, they do not apply to what spiritual science actually reveals as the immortal human being.
[ 40 ] Wenn man einen Spiegel hat, der Unregelmäßigkeiten hat, dann zeigt sich das Spiegelbild auch unregelmäßig, und wenn man gar keinen Spiegel hat, dann zeigt sich kein Spiegelbild, und man wird einsehen, dass dieses die Vergleiche sind für die unsterbliche Seele mit dem Leibesleben. Ist etwas gestört am Leiblichen, so muss das sterbliche Seelische gestört werden, und was die Wissenschaft sagt, muss recht haben. Ebenso, wenn unbrauchbar geworden ist irgendetwas im Leibe gegen das Alter hin, so kann sich das gewöhnliche Seelenleben, das allein erlebt wird, es kann sich nicht äußern. Im vollsten Einklang mit dem, was Naturwissenschaft zu sagen hat, wird wahre Geisteswissenschaft in der Zukunft sein; aber man wird manches überwinden müssen, was heute noch als Vorurteile dem Menschen anhaftet.
[ 40 ] If you have a mirror that is irregular, then the reflection will also appear irregular; and if you have no mirror at all, then there will be no reflection—and you will see that these are the analogies for the immortal soul in relation to bodily life. If something in the physical body is disturbed, the mortal soul must be disturbed as well, and what science says must be correct. Likewise, if something in the body has become unusable as a result of old age, the ordinary life of the soul—which is experienced in isolation—cannot express itself. True spiritual science will be in complete harmony with what natural science has to say in the future; but we will have to overcome many things that still cling to people today as prejudices.
[ 41 ] So zum Beispiel werden gewisse philosophische Begriffe über die menschliche Seele überwunden werden müssen. Ich weiß sehr wohl, was Philosophie über den Substanzbegriff gesagt hat; aber alles, was sie denkt über das, was als Seele sich entwickelt, ist doch so, dass sie etwas Substanzielles, was in irgendeiner Weise feinere Gestaltung ist dessen, was man gewöhnlich vor sich hat, durch die Pforte des Todes gehen lässt, während das, was wirklich durchgeht, ein rein Geistiges ist, ein geistiger Prozess ist, und zurücklässt alles das, was man im gewöhnlichen Erleben hat. Aber wir haben wohl gehört, dass die erste übersinnliche Seelenkraft eine Fortentwicklung der Erinnerungskraft ist, dass sie eine höhere Ausgestaltung der Erinnerungskraft ist. Und das ist wichtig; denn indem die Seele durch die Pforte des Todes geht, entwickelt sie in der Zeit, die sie dann durchmacht, solche Fähigkeiten, zu denen vor allen Dingen diese erhöhte Erinnerungskraft, dieses Hinschauen auf das Gegenbild dessen, was die Seele selber ist, sich entwickelt. Das heißt: Das, was der Seele bleibt, nachdem sie durch die Pforte des Todes gegangen ist, von dem gegenwärtigen Leben, das ist ein wirkliches höheres Erinnern, ein Hinschauen auf dieses Leben.
[ 41 ] For example, certain philosophical concepts regarding the human soul will have to be overcome. I am well aware of what philosophy has said about the concept of substance; but everything it conceives regarding what develops as the soul is such that it allows something substantial—which is in some way a finer form of what one ordinarily experiences—to pass through the gate of death, whereas what truly passes through is something purely spiritual, a spiritual process, leaving behind everything one experiences in ordinary life. But we have surely heard that the first supersensible power of the soul is a further development of the power of memory, that it is a higher form of the power of memory. And this is important; for as the soul passes through the gate of death, it develops, during the period it then undergoes, certain abilities—foremost among which is this heightened power of memory, this contemplation of the mirror image of what the soul itself is. In other words: what remains with the soul after it has passed through the gate of death from its present life is a truly higher form of remembrance, a gaze upon this life.
[ 42 ] Nichts widerspricht im wahren geisteswissenschaftlichen Sinn der angenommenen Tatsache, dass der Mensch, indem er die Zeit durchläuft zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, immer zurückblicken kann in einer höheren Erinnerung auf das, was er hier zwischen Geburt und Tod durchgemacht hat. Ich möchte sagen: Wo die Erinnerung aufhört, fängt die höhere Erinnerung an, und wir stehen nach dem Tode in voller, lebendiger Beziehung zu dem, was wir hier erlebt haben. Alles das sind unentwickelte, primitive Gedanken, die im Menschen noch die Ängstlichkeit hervorrufen können, als ob der Zusammenhang, das Hinschauen auf das fehlte, was sie hier erlebt haben. Das fehlt ihr nicht. Die Seele erlebt in ihrem geistigen Sein mit ihren ganz anderen Fähigkeiten und Eigenschaften gegenüber dem, was zwischen Geburt und Tod ist, einen vollen Zusammenhang, eine Fortsetzung des Lebens, das sie zwischen der Geburt und dem Tode durchmacht. Und das ist das Bedeutsame, dass, indem sich die Seele künstlich aus dem Leibe heraushebt, sie als erste Kraft eine erhöhte, gesteigerte Erinnerungskraft entwickelt. So, wie diese übersinnliche erkennende Seele von sich selbst das Gegenbild entwerfen kann, so hat sie nach dem Tode die Kraft, im Bilde zu schauen das, was sie im Leibe durchlebt hat. Man muss immer nur zu diesen Dingen eben hinzu vorstellen, dass solche Eigenschaften der Seele, die wirklich durch die Geisteswissenschaft erforscht werden, ebenso wenig innerhalb des Alltags enthalten sind, wie die Eigenschaften des Wasserstoffes schon im Wasser enthalten sind.
[ 42 ] In the true spiritual-scientific sense, nothing contradicts the accepted fact that, as a human being passes through the time between death and a new birth, he can always look back—through a higher form of memory—on what he has experienced here between birth and death. I would like to say: Where memory ends, higher memory begins, and after death we stand in a full, living relationship to what we have experienced here. All of these are undeveloped, primitive thoughts that can still evoke anxiety in people, as if the connection—the ability to look back on—what they experienced here were missing. That is not missing. In its spiritual existence, with its entirely different abilities and qualities compared to what exists between birth and death, the soul experiences a full connection, a continuation of the life it undergoes between birth and death. And this is the significant point: that by artificially lifting itself out of the body, the soul develops, as its primary faculty, an elevated, heightened power of memory. Just as this supersensory, perceiving soul can form a counter-image of itself, so after death it has the power to see, in the form of an image, what it has lived through in the body. One need only add to these considerations that such qualities of the soul—which are truly explored by spiritual science—are just as little contained within everyday life as the properties of hydrogen are already contained within water.
[ 43 ] Eine Wissenschaft als Geisteswissenschaft steht der Menschheit bevor, welche nicht bloß eine abstrakte, nicht bloß eine Gedankenwissenschaft ist, sondern die sich in ihren Wirkungen in das Empfindungs-, in das Gefühls-, in das Gemütsleben hineinergießen wird, sodass von dem Menschen die bange Frage sich erheben mag in der Zukunft: Wie steht es mit dem, was am Menschenwesen unsterblich ist? Da wird er wissen, dass es eine Geisteswissenschaft gibt, welche von dem schon in dem gegenwärtigen Menschenleben spricht, was unabhängig ist von Tod und Geburt. Da wird der Mensch wissen, dass seine Unsterblichkeit nicht erst nach dem Tode beginnt, sondern dass das, was unsterblich ist, die Kräfte sind, die im gewöhnlichen Leben, aber unter der Oberfläche dieses Lebens, da sind, vorhanden sind. Und die Kräfte, die dem neuen Leben der Zukunft für den Menschen eignen müssen, werden aus einem solchen Bewusstsein seines lebendigen, unsterblichen Teiles ihm erfließen.
[ 43 ] A science—a spiritual science—is on the horizon for humanity, one that is not merely abstract, not merely a science of thought, but one whose effects will flow into the life of sensation, feeling, and emotion, so that in the future the anxious question may arise in people: What of that which is immortal in the human being? Then he will know that there is a spiritual science that speaks of what, even in present-day human life, is independent of death and birth. Then human beings will know that their immortality does not begin only after death, but that what is immortal are the forces that exist in ordinary life, yet lie beneath the surface of that life. And the forces that must be appropriate for the new life of the future will flow to them from such an awareness of their living, immortal part.
[ 44 ] Diejenigen Menschen, die da sagen werden, man solle sich nicht kümmern um dieses Unsterbliche, werden dastehen gegenüber dem, was die Geisteswissenschaft stiften wird an segensvollem Inhalt des Menschlich-Seelischen, so wie der, der sagt: Ich habe vor mir ein Stück rundes Eisen; du sagst mir, dass da eine verborgene Kraft drinnen ist. Was geht mich das an? Der andere wird das Eisen in höheren Nutzen stellen, der die magnetische Kraft zugibt, die in dem Eisen verborgen ist. Der bewirkt das volle Leben, das dem Menschen eignen muss, der nicht nur das, was das Alltagsleben zeigt, weiß, sondern der es durchdrungen weiß von dem, was als unsterblicher Wesenskern durch die Geburt und den Tod des Menschen geht. Und es darf, wenn es auch nicht in direktem Zusammenhang steht, vielleicht erwähnt werden, dass diese Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, wirklich das ist, worauf gestern gedeutet worden ist als einer möglichen Frucht gerade des deutschen Idealismus.
[ 44 ] Those who say that one should not concern oneself with this immortal aspect will stand in opposition to the beneficial content of the human-spiritual realm that spiritual science will bring about, just as one who says: “I have a piece of round iron before me; you tell me there’s a hidden force inside it. What’s that got to do with me?” The one who acknowledges the magnetic force hidden within the iron will put the iron to higher use. This person brings about the full life that must be characteristic of a human being who not only knows what everyday life reveals, but who knows it to be permeated by that which, as an immortal core of being, passes through a person’s birth and death. And although it may not be directly related, it is perhaps worth mentioning that this spiritual science, as understood here, is truly what was described yesterday as a possible fruit of German idealism in particular.
[ 45 ] Wie gesagt, wenn es auch nur durch die Zeitereignisse äußerlich gefordert ist, was jetzt noch gesagt werden soll, es darf vielleicht doch gesagt werden. Wir sehen da, wie das deutsche Geistesleben an der Wende des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts zu Gedanken sich entwickelt, zu Gedanken des deutschen philosophischen Idealismus in Fichte, Schelling und Hegel, denjenigen Philosophen, die man heute so stark bekämpft, deren Größe man erst wiederum einsehen wird. Was ist denn das Eigentümliche dieses deutschen Idealismus, wie er sich auch erstreckt über die Dichter Lessing, Herder, Schiller, Goethe und so weiter? Das Wesentliche ist, dass diese Persönlichkeiten in dem Gedankenleben etwas Lebendiges fühlen und dass sie von diesen Gedanken sprechen nicht bloß, wie man im gewöhnlichen Leben von den Gedankenschatten spricht, sondern sie ahnen, dass in den Gedanken wirklich etwas Lebendiges ist, wenn auch Geisteswissenschaft noch nicht ein Produkt ihrer Zeit sein konnte; doch sprechen sie von der Realität der Gedanken. Heute weiß man, dass das herkommt davon, dass, wenn sich die Seele auslebt, sie nicht mehr in Gedankenschatten lebt, sondern dieses Schattenleben zeigt, das draußen ist. Daher kommt es, dass, wie die Frucht in der Blüte verborgen ist, sich jetzt etwas zeigt, was nun wirklich uns die sichere Hoffnung geben kann, dass in der gerade fortströmenden Entwicklung des deutschen Geisteslebens der Gang vom Idealismus zur wahren Geisteswissenschaft sich offenbaren wird. Man kann das an Verschiedenem sehen.
[ 45 ] As I said, even if what is to be said now is demanded only by external historical events, perhaps it may still be said. We see here how German intellectual life at the turn of the eighteenth and nineteenth centuries developed into ideas—into the ideas of German philosophical idealism in Fichte, Schelling, and Hegel, those philosophers who are so fiercely opposed today, but whose greatness will one day be recognized once again. What, then, is the distinctive character of this German idealism, as it also extends to the poets Lessing, Herder, Schiller, Goethe, and so on? The essential point is that these figures sense something alive in the life of thought, and that they speak of these thoughts not merely as one speaks in ordinary life of the shadows of thought, but they sense that there is truly something alive in thoughts, even though the science of the spirit could not yet be a product of their time; yet they speak of the reality of thoughts. Today we know that this stems from the fact that when the soul lives out its full potential, it no longer dwells in the shadows of thought, but reveals this shadow life that lies outside. Hence, just as the fruit is hidden within the blossom, something is now revealing itself that can truly give us the sure hope that, in the ongoing development of German spiritual life, the transition from idealism to true spiritual science will be revealed. This can be seen in various ways.
[ 46 ] Wahrhaftig, es hatte auch bei anderen Nationen das Bestreben bestanden, in die geistige Welt hineinzudringen, aber es wird immer in viel äußerlicherer Weise genommen. Wenn man sieht, wie ein jetzt gar nicht [bekannter] Philosoph, Troxler oder Schubert, sich bemüht hat, durch Bereicherung des Seelenwesens in die übersinnliche Welt hinaufzusteigen, nicht dadurch, dass sie durch äußere Machinationen hinaufkommen wollten, dann sieht man den inneren Gang der geistigen Entwicklung in die Geisteswissenschaft hinein. Und bei einem Denker, bei einem ins Breite gehenden Denker, bei Herman Grimm, kann man sehen, wie überall die Fruchttriebe der geistigen Anschauung aus dem deutschen Geistesleben, aus den Wurzeln und Blüten des deutschen Geisteslebens sich herausentwickeln. Dafür seien zwei Beispiele angeführt.
[ 46 ] Indeed, other nations have also sought to penetrate the spiritual world, but they have always approached it in a much more superficial way. When one sees how a philosopher who is now virtually unknown—Troxler or Schubert—strived to ascend into the supersensible world by enriching the soul, rather than by attempting to reach it through external machinations, one can discern the inner path of spiritual development leading into spiritual science. And in a thinker—a thinker with a broad perspective, such as Herman Grimm—one can see how the fruitful shoots of spiritual insight develop everywhere from German spiritual life, from the roots and blossoms of German spiritual life. Two examples of this are given below.
[ 47 ] Herman Grimm, man kann ihn bewundern als Kunstforscher. Da sieht man in dieser Kunstforschung, wie er untertaucht in das Kunstwerk, wie er von innen heraus belebt, von der andern Seele heraus belebt dasjenige, was er darstellen will, wie er wirklich mit seiner Seele herausgeht schon in der künstlerischen Betrachtung. Wenn man sich nach den Gründen fragt und nicht ins Abstrakte schweifen will, dann findet man die Gründe für diese besondere Fähigkeit in der Art, wie er selber in seinem dichterischen Kunstschaffen sich verhalten hat. Er sagt, indem er zum Beispiel eine Novelle geschrieben hat, «Die Sängerin», oder einen Roman, «Unüberwindliche Mächte», dass er überall das Bewusstsein ausgießen will über diese seine Kunstwerke, dass das Leben nicht abgeschlossen ist mit dem, was sich zwischen Geburt und Tod abspielt, sondern [mit dem], was über den Tod hinausliegt.
[ 47 ] Herman Grimm—one can admire him as an art scholar. In his art scholarship, one sees how he immerses himself in the work of art, how he brings to life from within—from the other soul—that which he wishes to portray, how he truly reaches out with his own soul even in his artistic contemplation. If one asks about the reasons and does not want to stray into the abstract, then one finds the reasons for this special ability in the way he himself behaved in his poetic artistic work. He says, for example, when writing a novella such as “The Singer” or a novel such as “Invincible Forces,” that he wants to pour his consciousness into all his works of art, that life is not confined to what takes place between birth and death, but extends beyond death.
[ 48 ] In der «Sängerin» stellt sich dar, wie sich in eine etwas kokette weibliche Persönlichkeit ein Mann verliebt, wie dann dieser Mann in furchtbare Lebensverzweiflung kommt und sich erschießt. Nun wird dargestellt, wie der Freund dieses Mannes in den nächsten Nächten wachen muss bei der Sängerin, wie diese Sängerin — so stellt Herman Grimm die Sache dar, dass man das deutliche Bewusstsein hat, er will nicht etwas darstellen, was Suggestion ist, sondern was mit den objektiven Weltvorgängen zusammenhängt —, dass diese Sängerin spricht, indem sie nicht schlafen kann, vor dem, der sie bewachen muss. Da kommt an der Türe herein derjenige, der sich erschossen hat, und tritt ihr näher. Und man sieht, dass dies nicht eine gewöhnliche Geschichte der Einbildung sein soll, sondern dass Herman Grimm schildern will, dass das nachwirkt, was im Leben geschieht. Es wird dargestellt, wie der Tod der Sängerin zusammenhängt mit dem, was übrig geblieben ist von dem andern, dass das Leben hinausragt über das gewöhnliche Leben.
[ 48 ] “The Singer” depicts how a man falls in love with a somewhat coquettish woman, how this man then descends into terrible despair, and how he shoots himself. The story then depicts how this man’s friend must keep watch over the singer during the following nights, and how this singer—as Herman Grimm portrays the scene in such a way that one is clearly aware he does not wish to depict something that is mere suggestion, but rather something connected to objective world events—speaks to the one who must watch over her because she cannot sleep. Then the man who shot himself enters through the door and approaches her. And one sees that this is not meant to be an ordinary tale of imagination, but that Herman Grimm wants to depict how what happens in life continues to have an effect. It is portrayed how the singer’s death is connected to what remains of the other man, showing that life extends beyond ordinary life.
[ 49 ] Und wenn Geisteswissenschaft das, was ich angeführt habe als die vom Leibe getrennte Seele, dass das mit einem gewissen Teil wiederum dem hellseherischen Sehen sichtbar wird, so zeigt sich uns, dass da durch die besondere Erschütterung des Lebens der Mensch, der sich durch den Tod losgerissen hat, dass der es wirklich ist, welcher erscheint. Ich führe solche Beispiele nicht an, weil sie zufällig in der Literatur auftreten; allein der Geisteswissenschaftler, der fachwissenschaftlich die Dinge betrachtet, der darf sagen: Diese Darstellung ist sachgemäß bei Herman Grimm. Diese Sache soll herangezogen werden so, dass gezeigt wird, wie in hervorragenden Geistern sich allmählich ein solches geistiges Erleben darstellt, dass sie selbst künstlerisch wirklich fachmännisch darstellen, wie der Mensch mit seinem Unsterblichen über den Tod hinausreicht.
[ 49 ] And if spiritual science teaches that what I have described as the soul separated from the body becomes visible once again, to a certain extent, through clairvoyant perception, then it becomes clear to us that, through the particular upheaval in the life of the human being who has been torn away by death, it is truly that person who appears. I do not cite such examples because they happen to appear in the literature; rather, the spiritual scientist who approaches these matters from a scholarly perspective may say: This description is accurate in Herman Grimm’s work. This point should be used to demonstrate how, in outstanding minds, such a spiritual experience gradually takes shape, enabling them to portray—with true artistic mastery—how the human being, with his immortal essence, extends beyond death.
[ 50 ] Und in den «Unüberwindlichen Mächten», in dem Roman Herman Grimms, dem wunderbaren — solche Dinge sind viel zu wenig bekannt —, zeigt Herman Grimm, wie wiederum dadurch, dass ihr der Geliebte weggeschossen worden ist, aber in seinem Unsterblichen bleibt in der geistigen Welt, wie die zurückgebliebene Geliebte hinstirbt. Sie hat ja schon den Todeskeim auch körperlich in sich und sie stirbt hin. Und nun zeigt Herman Grimm in wunderbarer geisteswissenschaftlich fachmännischer Darstellung, wie sich — indem Emmy, so heißt sie, stirbt — heraushebt aus dem Leibe eine Form, Hand aus Hand, Kopf aus Kopf, ein geistiges Ebenbild desjenigen, was leiblich war. Da sehen wir, wie wirklich, ich möchte sagen der Fruchttrieb der Geisteswissenschaft in der Blüte des deutschen Geisteslebens, im deutschen Idealismus, enthalten war und fortwirkend eine geistige Strömung erzeugte, die hinweist auf das, was Geisteswissenschaft heute will.
[ 50 ] And in *The Invincible Powers*, Herman Grimm’s wonderful novel—such works are far too little known—Herman Grimm shows how, once again, because her beloved has been shot dead but remains immortal in the spiritual world, the bereaved lover dies. She already carries the seed of death within her physically, and she fades away. And now Herman Grimm shows, in a marvelous and expert spiritual-scientific depiction, how—as Emmy, for that is her name, dies—a form emerges from the body, hand by hand, head by head, a spiritual likeness of what was physical. There we see how truly—I would say—the germinal impulse of spiritual science was contained in the flowering of German spiritual life, in German idealism, and how it continued to generate a spiritual current that points to what spiritual science seeks today.
[ 51 ] Wenn sich solche Menschen, die sich befassen wollen mit dem, was des deutschen Volksgeistes intimstes Wesen ist, nur an die rechten Orte begeben würden, dann würden sie nicht wie Rolland einen etwas engherzigen Schulmeister hinstellen als Typus der Deutschen, sondern sie würden sehen, wie hinter dem, was in der Gegenwart innerhalb der deutschen Kulturentwicklung lebt, sich Großes, Gewaltiges vorbereitet, überall vorbereitet. Hunderte von vorbereitenden Arbeiten könnten aufgewiesen werden, die zeigen, wie das, was wesenhaft enthalten ist als Bildekräfte im deutschen Geistesleben, nach Geisteswissenschaft hinweist.
[ 51 ] If such people, who wish to engage with the most intimate essence of the German national spirit, would only go to the right places, then they would not, like Rolland, portray a somewhat narrow-minded schoolmaster as the archetype of the Germans, but they would see how, behind what is currently alive within German cultural development, something great and mighty is taking shape—everywhere. Hundreds of preparatory works could be cited that show how what is essentially contained as formative forces in German intellectual life points toward spiritual science.
[ 52 ] Unter den vielen Hunderten von Beispielen sei das eine angeführt: Ein einsam lebender Schuldirektor in Bromberg, der 1868 gestorben ist, hat eine Abhandlung geschrieben über die Unsterblichkeit der Seele. Sie ist nicht von besonderem Wert, denn sie bringt die Vernunftgründe, die von der Naturwissenschaft widerlegt werden können. Aber derjenige, dem dieser Schuldirektor — Johann Heinrich Deinhardt hat er geheißen — hinterlassen hat seinen Nachlass, der konnte bezeugen, dass Deinhardt vorhatte, eine zweite Ausgabe zu machen von seinem erwähnten Aufsatze. Da wollte er wieder all die Vernunftgründe anführen, die er angeführt hatte, aber zugleich ausführen, wie sich ihm ergeben hat durch innere Vertiefung der Seelenkräfte, dass die Seele sich ausarbeitet innerhalb des Leibes einen höheren, einen ätherischen Leib, den sie durch die Pforte des Todes trägt, damit sie nachher in einem neuen Leibe weiterlebt. Dieser neue Leib, von dem Deinhardt spricht, ist nichts anderes als das, was erlebt der Geisteswissenschaftler, indem er die Seele freimacht von dem Werkzeug des Leibes. So sehen wir, wie auftreten überall die ersten Triebe der geisteswissenschaftlichen Früchte innerhalb des deutschen Geisteslebens.
[ 52 ] Among the many hundreds of examples, let us cite this one: A school principal in Bromberg, who lived a solitary life and died in 1868, wrote a treatise on the immortality of the soul. It is not of particular value, for it presents rational arguments that can be refuted by the natural sciences. But the person to whom this school principal—whose name was Johann Heinrich Deinhardt—bequeathed his estate was able to attest that Deinhardt had planned to publish a second edition of the aforementioned essay. In it, he intended to present once again all the rational arguments he had previously put forward, but at the same time to explain how, through inner contemplation of the soul’s powers, he had come to realize that the soul develops within the body a higher, ethereal body, which it carries through the gate of death so that it may continue to live in a new body thereafter. This new body, of which Deinhardt speaks, is nothing other than what the spiritual scientist experiences when he liberates the soul from the instrument of the body. Thus we see how the first stirrings of the fruits of spiritual science are emerging everywhere within German spiritual life.
[ 53 ] Gerade wenn wir diese deutsche Geisteskultur mit anderen Geisteskulturen vergleichen, dann finden wir, wie diese Geisteskultur in besonderem Maße geeignet ist, den Weg, der der Weg der Zukunft sein muss in die geistige Welt hinein, den Weg zu gehen, nämlich den, der durch Energisierung, durch Verstärkung der Kräfte der menschlichen Seele selber zu dem führt, was sonst gar nicht in das menschliche Bewusstsein hereintritt. Das ist dasjenige, was ich, wie gesagt, wenn es auch nur äußerlich zusammenhängt mit dem, was heute ausgeführt werden sollte, was ich — vielleicht nicht aus einem logischen, aber aus einem Empfindungszusammenhange — doch anführen durfte in einer Zeit, wo auch durch die Zeitereignisse diese Frage «Was ist am Menschenwesen unsterblich?» Tag für Tag in einer so bedeutungsvollen Weise vor unsere Seele hintritt, wo der Tod so hundertfältig jeden Tag die Frage nach dem Unsterblichen aufwirft, wo wir sehen, wie unsere mutigen, opferwilligen Zeitgenossen hingehen, um durch die Pforte des Todes zu schreiten und wahrhaftig nicht mit dem Willen, mit dem sie durch die Pforte des Todes gehen, einen Beleg geben wollen für eine materialistische Weltauffassung, sondern dafür, dass in ihnen bewusst oder unbewusst die Sicherheit lebt: Mit dem Tode wird nicht bloß der Tod, wird ein Leben, ein höheres Leben in den verschiedensten Formen errungen.
[ 53 ] It is precisely when we compare this German spiritual culture with other spiritual cultures that we find how particularly well-suited this spiritual culture is to walking the path into the spiritual world—the path that must be the path of the future—namely, the path that, through energization and the strengthening of the forces of the human soul itself, leads to what would otherwise never enter human consciousness. This is what I, as I said—even if it is only superficially connected to what was to be discussed today—felt compelled to mention—perhaps not from a logical, but from an emotional connection—at a time when, due to current events, the question “What is immortal in the human being?” arises before our souls day after day in such a profound way—a time when death raises the question of the immortal in a hundred different ways every day, when we see how our courageous, self-sacrificing contemporaries go forth to pass through the gate of death, and truly do not, with the will with which they pass through the gate of death, to provide evidence for a materialistic worldview, but rather to demonstrate that within them—whether consciously or unconsciously—lives the certainty: With death, it is not merely death that comes; rather, a life—a higher life in the most diverse forms—is attained.
[ 54 ] Was man heute schon fühlen muss, die Sehnsucht nach einer Sicherheit gegenüber der Unsterblichkeitsfrage — immer brennender und brennender wird sie werden —, und auch in dieser Beziehung können die heutigen, schicksalstragenden Zeiten, die so viel in ihrem Schoß bergen, eine Fackel sein, die in ihrem Leuchten darauf hinweist, dass die Zeit gekommen ist, in der die Menschheit über die Unsterblichkeitsfrage ein neues Forschen, ein neues Suchen entwickeln muss. Dieses Forschen, dieses Suchen wird zu einer übersinnlichen, zu einer Geisteswissenschaft führen. Einige Striche über das Wesen dieser Geisteswissenschaft sollten heute angegeben werden. Angegeben werden sollte vor allen Dingen das, wie der Geistesforscher in der Zukunft demjenigen, der die Frage der heutigen Betrachtung aufwirft, etwas zeigen wird, was er erst abtrennt von dem gewöhnlichen Menschenleben und was durch die Art, wie es sich selber darstellt, sich als das Unsterbliche des Menschenwesens erweist.
[ 54 ] What one must already feel today—the longing for certainty regarding the question of immortality, which will grow ever more urgent— and in this regard, too, the present fateful times—which hold so much in their bosom—can be a torch whose light signals that the time has come for humanity to embark on a new exploration, a new search, regarding the question of immortality. This exploration, this search, will lead to a supersensible science, to a spiritual science. A few outlines of the nature of this spiritual science should be presented today. Above all, it should be explained how, in the future, the spiritual researcher will show those who raise the question under consideration today something that he first separates from ordinary human life and which, through the very way it presents itself, proves to be the immortal essence of the human being.
[ 55 ] Nur eine Andeutung — selbstverständlich kann nicht in einer ja schon allzu lang währenden Auseinandersetzung alles an Beweisen gegeben werden, was Sie in der Literatur dann finden können —, nur eine Andeutung wollte ich geben, wie die Menschheit der Zukunft sich bei denen, die Geistesforscher sein werden, über die Frage werden unterrichten können, was am Menschen unsterblich ist, wie sich heute die Menschen unterrichten über das, was in den stofflichen Kräften enthalten ist, bei den Physikern und Chemikern. Wie heute nicht jeder ein Chemiker, ein Physiker, ein Biologe zu sein braucht, damit ihm die Errungenschaften der Chemie, der Physik, der Biologie in den verschiedensten Formen zugute kommen, so braucht in der Zukunft nicht jeder ein Geistesforscher zu sein, wenn er für seine Lebensstärkung das wird haben wollen, was die Geistesforschung ihm geben kann. Und wird man nur hinwegräumen die Vorurteile der gegenwärtigen Zeit, ihre Denkgewohnheiten, so wird man zugeben lernen, dass zwar gefunden werden können die Ergebnisse der Geistesforschung nur von dieser selbst, dass aber der gesunde Menschenverstand, der gesunde Wahrheitssinn jedes Menschen einsehen kann, begreifen kann, erhärtet finden kann, was der Geistesforscher sagt. Nicht ist es, dass irgendetwas in der menschlichen Seele in Wahrheit widerspricht den Aussagen der Geisteswissenschaft, sondern die Vorurteile sind es, mit denen sich der Mensch die Hindernisse in den Weg legt, durch die die Geisteswissenschaft hintangehalten wird heute noch.
[ 55 ] Just a hint—of course, in a debate that has already gone on far too long, it is not possible to present all the evidence that you can find in the literature— I simply wanted to offer a hint as to how the humanity of the future will be able to learn from those who will be spiritual researchers about the question of what is immortal in human beings, just as people today learn from physicists and chemists about what is contained in material forces. Just as not everyone today needs to be a chemist, a physicist, or a biologist in order to benefit from the achievements of chemistry, physics, and biology in their various forms, so too in the future not everyone will need to be a spiritual researcher if they wish to draw from spiritual research what it can offer to strengthen their lives. And if we can only dispel the prejudices of the present age and its habitual ways of thinking, we will come to acknowledge that, while the findings of spiritual science can indeed be discovered only through spiritual science itself, every person’s sound common sense and healthy sense of truth can perceive, comprehend, and find confirmation of what the spiritual scientist says. It is not that anything in the human soul truly contradicts the statements of spiritual science; rather, it is the prejudices with which people place obstacles in their own path that still hold spiritual science back today.
[ 56 ] Damit aber möchte ich wiederum empfindungsgemäß mit ein paar Worten zusammenfassen, was den eigentlichen Inhalt der heutigen Betrachtung bildete, indem ich in ein paar Zeilen kleide die Empfindungen, die sich aus dieser Betrachtung ergeben. Das, was sich in das ganze Gemüt als ein Bewusstsein hineinergießen kann demjenigen, der die Frage «Was ist am Menschenwesen unsterblich®» in der Zukunft aufwerfen wird, das möchte ich zum Schluss in die folgenden Zeilen zusammendrängen, die wie das Gemütsergebnis sein sollen desjenigen was ich versuchte auseinanderzusetzen.
[ 56 ] With this, however, I would like to summarize once again, in a few words and in accordance with my feelings, what constituted the actual content of today’s reflection, by expressing in a few lines the feelings that arise from this reflection. That which can pour into one’s entire being as a realization—for those who will raise the question “What is immortal in the human being?” in the future—I would like to condense into the following lines, which are meant to be the emotional outcome of what I have attempted to expound.
Es sprechen zu den Menschensinnen
Die Dinge in den Raumesweiten;
Es kündet sich der Seelenkraft
Der Wandel in dem Zeitenlauf.
Sich selbst zum Geistessein erweckend,
Befreit des Menschen Innenwesen
Sich von des Leibes Schranken
Und schauet in Gedanken Wirklichkeiten
Des eignen Daseins tiefes Walten
Im Reich der Ewigkeiten.
They speak to the human senses
The things in the vastness of space;
The power of the soul proclaims
The change in the course of time.
Awakening itself to spiritual existence,
Man’s inner being
Frees itself from the body’s constraints
And beholds in thought the realities
Of the profound workings of its own existence
In the realm of eternities.
