The Human Soul, Fate and Death
GA 70a
14 June 1915, Elberfeld
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
The Human Soul, Fate and Death, tr. SOL
20. Warum Nennen «Sie» Das Volk Schillers und Fichtes ein «Barbarenvolk»?
20. Why do “you” call Schiller’s and Fichte’s people a “barbarian people”?
Eine Betrachtung auf Grundlage der Geisteswissenschaft
A Perspective Based on the Humanities
Die Textgrundlage des Vortrages wurde neu erstellt aufgrund einer Nenübertragungen eines nur sehr schwer leserlichen Stenogramms von Hedda Hummel (ST HH 2) unter Zuhüfenahme eines gut leserlichen, aber sehr unvollständigen Stenogramms von Johanna Arnold (ST JA 12). Zahlreiche unklare Stellen bleiben ungeklärt. Aus dokumentarischen Gründen wird der Vortrag trotzdem, wegen seines fragmentarischen Zustands jedoch nur im Anhang publiziert. In eckigen Klammern sind Hinzufügungen durch die Herausgeberin und vervollständigte Zitate. Die Zitate wurden in beiden Stenogrammen meist nur sehr bruchstückhaft mitgeschrieben. Deshalb wurden die Zitate von der Herausgeberin gemäß Originalzitat vervollständigt. Das Zitat selbst und die Länge des Zitats ergaben sich jeweils aus den mitgeschriebenen Bruchstücken oder wie sie in anderen ähnlichen Vorträgen des vorliegenden Bandes durch Rudolf Steiner zitiert wurden. Stellenweise wurden Wörter oder Passagen aus dem Stenogramm von Johanna Arnold eingefügt, diese sind dann jeweils ausgewiesen.
The text on which this lecture is based was reconstructed from a transcription of a shorthand transcript by Hedda Hummel (ST HH 2)—which was extremely difficult to read—using a shorthand transcript by Johanna Arnold (ST JA 12) that was legible but very incomplete. Numerous unclear passages remain unresolved. For documentary reasons, the lecture is nevertheless published; however, due to its fragmentary nature, it appears only in the appendix. Additions by the editor and completed quotations are indicated in square brackets. In both stenographic transcripts, the quotations were usually recorded only in a very fragmentary manner. Therefore, the editor has completed the quotations in accordance with the original. The quotation itself and its length were determined in each case by the recorded fragments or by how they were cited by Rudolf Steiner in other similar lectures in this volume. In some places, words or passages from Johanna Arnold’s stenographic transcript were inserted; these are indicated in each instance.
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Fast in jedem Jahr durfte ich in der letztverflossenen Zeit auch hier in dieser Stadt einen Vortrag aus dem Gebiete der Kulturbetrachtungen — das ich mir erlaube zu nennen «geisteswissenschaftliche Weltanschauung» — halten. Da die Freunde unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung in dieser Stadt den Wunsch hatten, dass auch in diesem Jahre in dieser unserer schicksalstragenden Zeit ein solcher Vortrag von mir gehalten werde, so wird es begreiflich erscheinen, wenn eine [solche] Betrachtung in unseren Zeiten angeknüpft wird an dasjenige, was die Menschen der unmittelbaren Gegenwart in ihren tiefsten Empfindungen betrifft, was tief in unser aller Sinne — Denken, Fühlen und Wollen — eingreift, wenn angeknüpft wird an dasjenige, was in so großer, gewaltiger, so vieles im Schoße tragender Gegenwart um uns herum geschieht, und was zugleich so unzählige Opfer, so umfassende Schmerzen und Leiden unserer gegenwärtigen Menschheit hervorgerufen hat. Aber nicht um die ja, ich möchte sagen überflutende Kriegsliteratur der Gegenwart, die sich so zahlreich in Broschüren, Büchern und Vorträgen ausspricht, auch noch um eine Betrachtung zu vermehren, sei diese heute gehalten, sondern darum, weil man in der Tat des Glaubens sein durfte, meine sehr verehrten Anwesenden, dass mit Bezug auf das, was wir durchleben, auch eine geisteswissenschaftliche Betrachtung etwas zu sagen hat, wenn auch selbstverständlich diese geisteswissenschaftliche Betrachtung heute nicht das sein kann, was andere Vorträge der verflossenen Jahre [sein konnten], die [ich] hier gehalten habe, die sich auf diese oder jene Frage der Geisteswissenschaft bezogen [haben]; wenn sie auch das sein muss, dass das Geisteswissenschaftliche mehr in der Art der Betrachtung, in den aufgerufenen Empfindungen liegt, so wird doch eine solche geisteswissenschaftliche Betrachtung gegenüber den Ereignissen als gerechtfertigt erscheinen können.
[ 1 ] Ladies and gentlemen! In recent years, I have had the privilege of delivering a lecture here in this city almost every year on the subject of cultural reflections—which I take the liberty of calling a “spiritual-scientific worldview.” Since the friends of our spiritual science movement in this city expressed the wish that I deliver such a lecture again this year—in these fateful times—it will seem understandable that, in our times, [such] reflections should address what concerns people in the immediate present in their deepest feelings—what deeply affects all our senses — thought, feeling, and will — and to what is happening all around us in this vast, powerful present that holds so much in its bosom, and which has at the same time brought about so countless sacrifices, so all-encompassing pain and suffering for our present-day humanity. But this reflection is not being offered today to add yet another voice to the—I might say—overwhelming body of contemporary war literature, which finds such abundant expression in pamphlets, books, and lectures; rather, it is offered because one could indeed believe, my esteemed audience, that with regard to what we are experiencing, a spiritual-scientific perspective also has something to say—even if, of course, this spiritual-scientific perspective today cannot be what other lectures of past years [were able to be], which [I] have given here and which related to this or that question of spiritual science; even if it must be the case that the spiritual-scientific aspect lies more in the manner of observation and in the feelings it evokes, such a spiritual-scientific perspective on current events will nevertheless appear justified.
[ 2 ] Allerdings, meine sehr verehrten Anwesenden, man hat ja schon gegenüber dem vielen, das gesprochen worden ist, eingewendet — insbesondere gegenüber dem, was vom Standpunkt irgendeiner geistigeren Erfassung der Dinge über unsere Ereignisse der Gegenwart gesprochen worden ist —, dass man es ja zunächst zu tun habe mit einer rein politischen Angelegenheit der Völker. Man hat sogar bedenklich gefunden, wenn sich irgendeine geistzugewandte Betrachtung einmischt in die Beurteilung der gegenwärtigen Ereignisse, und aus allerlei tiefen Gründen heraus die Ursache leugnen wollen für das, was wir sich abspielen fühlen. Man hat gesagt, nicht metaphysischen Dunst wolle man gegenüber den heutigen Ereignissen sich vormachen, sondern mit klarem Denken die Realität durchschauen, nicht das, was in Worten, um die in der Welt so heiß gekämpft wird, mit allerlei Nebel verbrämen, sondern einfach und klar das sehen, was geschieht. Und es war, ja ist, ich möchte sagen herausgehoben aus aller Art von geistzugewandten Betrachtungsweisen, dass vorliege zunächst ein rein politischer Interessengegensatz der Völker — wenn wir einen herausgreifen —, dass es sich zum Beispiel zwischen dem deutschen und dem englischen Volk handelt um den rein äußeren Interessengegensatz der politischen Vergangenheit und der politischen Zukunft Deutschlands.
[ 2 ] However, ladies and gentlemen, in response to much of what has been said—especially regarding what has been said about our current events from the perspective of a more spiritual understanding of things—it has been objected that we are, first and foremost, dealing with a purely political matter among nations. Some have even expressed concern that any spiritually oriented perspective might interfere with the assessment of current events, and for all sorts of profound reasons have sought to deny the cause of what we sense is unfolding. It has been said that one does not wish to delude oneself with metaphysical haze in the face of today’s events, but rather to see through reality with clear thinking; not to embellish with all manner of fog what is expressed in words—for which there is such a fierce struggle in the world—but simply and clearly to see what is happening. And it was—indeed, it is, I might say, set apart from all manner of intellectually oriented perspectives—that what lies before us is, first and foremost, a purely political conflict of interests among nations—if we were to single one out—that, for example, between the German and English peoples, it concerns the purely external conflict of interests between Germany’s political past and its political future.
[ 3 ] Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, man könnte sich sogar, wenn man auf einem [rein] geisteswissenschaftlichen Standpunkt steht, der ja auch den Realitäten und nicht Hirngespinsten zugewandt ist, mit einer solchen Forderung in Einklang befinden, wenn man nicht andererseits zu bedenken geben müsste, dass ja einmal, als im Beginn des Mittelalters germanische Völkerschaften im Kampf mit [dem] Römischen Reich standen, man auch hätte sprechen können von Interessengegensätzen germanischer Völkerschaften gegen das Römische Reich. Allein aus dem, was der damalige Interessengegensatz in seinem Schoße trug, entwickelte sich nach und nach all das, wovon wir als Kultur der neueren Zeit umgeben sind. Darin lag alles Geistige, in das heute unsere Seelen eingebettet sind. Zum Beispiel lag darin, dass dazumal aus der griechisch-römisch-orientalischen Welt hervorgegangen ist das Christentum, dass gleichzeitig mit diesem Christentum die elementaren Kräfte der germanischen Völkerschaften auf europäischem Boden sich geltend machten, und sich gezeigt hat im Laufe der geschichtlichen Entwicklung, dass durch das Einfluten der christlichen Impulse in die germanischen Völkerschaften — in deren elementaren Kräfte — erst das hat werden können, was wir als die europäische Kultur sich entwickeln sehen; sodass man allerdings sagen muss: Für eine unmittelbare Gegenwartsbetrachtung liegen bloß, ich möchte sagen im Nähersehen zu überschauende Interessengegensätze vor. Für den, der ein wenig weiter blickt, wirkt sich aber in dem, was geschieht, aus, was die tiefsten Impulse für eine zukünftige Menschheitsentwicklung enthalten können; und über solches soll vor allen Dingen gesprochen werden.
[ 3 ] Well, ladies and gentlemen, one could even—from a [purely] humanities perspective, which is, after all, oriented toward realities rather than figments of the imagination—agree with such a demand, were it not for the fact that, on the other hand, one must consider that once, at the beginning of the Middle Ages, when Germanic peoples were at war with [the] Roman Empire, one could also have spoken of a conflict of interests between the Germanic peoples and the Roman Empire. Yet it was precisely from what that conflict of interests held within it that, little by little, everything we are surrounded by today as modern culture developed. Therein lay all that is spiritual, in which our souls are now immersed. For example, it lay in the fact that Christianity emerged at that time from the Greco-Roman-Oriental world, that simultaneously with this Christianity the elemental forces of the Germanic peoples asserted themselves on European soil, and it has become evident in the course of historical development that it was only through the infusion of Christian impulses into the Germanic peoples—into their elemental forces—that what we now see developing as European culture could come into being; so that one must certainly say: From an immediate, present-day perspective, there are merely—I would say, upon closer inspection—conflicts of interest to be surveyed. For those who look a little further ahead, however, what is happening reveals the deepest impulses that may shape the future development of humanity; and it is above all about such matters that we should speak.
[ 4 ] Mit Worten, mit Gedanken, mit Begriffen, die ja allein dem Redner oder [der] Literatur oder Wissenschaft zur Verfügung stehen, kann selbstverständlich nicht irgendetwas Entscheidendes getan werden über die großen Ereignisse, die sich abspielen. Das entscheiden die Waffen, die mutige Tapferkeit derer, die auf [dem] Feld der Ereignisse stehen. Aber wenn man die Zeitgeschichte in ihrem Zusammenhange mit der Vergangenheit und mit einer möglichen Zukunft überblickt, meine sehr verehrten Anwesenden, dann kommt man allerdings — ich möchte sagen hervorgerufen durch die schicksalstragenden Ereignisse unserer Zeit — zu einer Anschauung, welche eine tiefere Betrachtung unserer Zeitereignisse allerdings nicht nur möglich oder wünschenswert, sondern vielleicht notwendig sogar macht.
[ 4 ] Of course, words, thoughts, and concepts—which are, after all, available only to the speaker or to literature or science—cannot be used to accomplish anything decisive regarding the great events that are unfolding. That is decided by weapons and by the courageous bravery of those who stand on the front lines of these events. But when one surveys contemporary history in its context with the past and with a possible future, ladies and gentlemen, then one does indeed arrive—I would say as a result of the fateful events of our time—at a perspective that makes a deeper examination of current events not only possible or desirable, but perhaps even necessary.
[ 5 ] Es ist ja wohl schon aus vielerlei Betrachtungen, die auch von anderen angestellt wurden in der Gegenwart, hervorgegangen das, was trotz aller Verleumdungen — von links und rechts, von Norden und Süden — gegen Mitteleuropa in dieser Zeit eingewendet wird. Was trotz aller dieser Einwände sich als eine feste historische Tatsache in der Zukunft einmal herausstellen wird, das ist, dass die mitteleuropäischen Völker in jenem gewaltigen Ringen der Gegenwart eine Verteidigung führen, eine Verteidigung, die nicht sie herbeigeführt haben. Diese kriegerische Verteidigung, in der da ringen — ich glaube, frühere Zeiten haben sich davon keine Vorstellung machen können —, in der da ringen 34 einzelne Völkerschaften der Erde — dieses kriegerische Ringen erscheint vor einer tieferen Weltbetrachtung doch als der Ausdruck noch für ein ganz anderes Ringen, für einen gewaltigen Kampf, der sich auch unter den Geistern abspielt, für einen Kampf, in dem nun Mitteleuropa, vor allen Dingen der deutsche Geist, ebenso in einer Verteidigungsstellung steht, ebenso um heiligste Güter kämpft, wie das geschieht auf äußeren Waffenfeldern. Und dies ist der Gedanke, der den heutigen Betrachtungen zugrunde gelegt werden soll. Nicht nur angegriffen sind in der Gegenwart — ja schon in der Vergangenheit und werden in der Zukunft sein —, nicht nur angegriffen [sind] die wirtschaftlichen, die äußeren, die politischen Güter des deutschen Volkes, angegriffen ist und zur Verteidigung gezwungen ist tatsächlich das geistige Leben. Und Waffen werden geschmiedet werden müssen für die Verteidigung dieses geistigen Lebens, genau ebenso wie die Waffen geführt werden müssen für die Verteidigung des politischen, des wirtschaftlichen, des sozialen Lebens.
[ 5 ] It has, after all, already become clear from various analyses—including those conducted by others in the present—that despite all the slander—from the left and the right, from the north and the south—leveled against Central Europe during this period, What will one day emerge as an indisputable historical fact, despite all these objections, is that the Central European peoples are waging a defensive struggle in this moment’s tremendous conflict—a struggle they did not bring about themselves. This warlike defense, in which—I believe earlier times could not have conceived of it—34 distinct peoples of the earth are struggling — this warlike struggle, when viewed from a deeper perspective of the world, appears to be the expression of an entirely different struggle, of a mighty battle that is also taking place among the spirits, a battle in which Central Europe—and above all the German spirit—now finds itself in a defensive position, fighting for the most sacred values just as it does on the external battlefields. And this is the idea that should underlie today’s reflections. It is not only the economic, external, and political assets of the German people that are under attack at present—indeed, they have been in the past and will be in the future—but it is, in fact, spiritual life itself that is under attack and compelled to defend itself. And weapons will have to be forged for the defense of this spiritual life, just as weapons must be wielded for the defense of political, economic, and social life.
[ 6 ] Wir hören heute von allen Seiten her den Ruf ertönen: «Diese deutschen Barbaren!». Mancher fügt noch hinzu: [unleserliches Wort]. «Wie sind sie heruntergekommen, die, unter denen einst Geister wie Goethe, Schiller, Fichte und so weiter gelebt haben!»
[ 6 ] Today we hear cries coming from all sides: “Those German barbarians!” Some even add: [illegible word]. “How low they have sunk—those among whom great minds like Goethe, Schiller, Fichte, and so on once lived!”
[ 7 ] Nun, gewiss, meine sehr verehrten Anwesenden, auch derjenige, der auf dem Standpunkt einer geistigen Weltbetrachtung steht, wird, ich möchte sagen nicht allzu ernst zu nehmen haben diese Vorwürfe des Barbarentums. Denn mit derselben Sophisterei, derselben Faselei, mit der [er] auch für heute verkündet wird, wird [der Vorwurf] einmal hinwegdisputiert werden. Man wird einmal dafür auch die Worte finden, findet man heute ja viele hundert wahrerer Worte, um ein Anrecht zu haben. Man wird sagen, «Ja das, was die Deutschen da haben, wenn sie sich auf Fichte, Schiller, Goethe und die anderen, Beethoven, berufen, das haben wir selbstverständlich nicht gemeint, wenn wir von Barbaren sprachen.» Was gemeint worden ist, wird man sagen, das sei die Kriegsführung, die Art und Weise, wie Deutschland den anderen Völkern gegenübergetreten ist im Kriege selbst. Allein, so einfach liegen die Dinge nicht, wenn man sie tiefer [betrachtet]. Demjenigen, der die Entwicklung der göttlichen Kultur, [der] göttlich-geistigen Kultur ein bisschen kennt, dem tönt nicht zum ersten Mal der Ausspruch, dass sich das, was wir als unser Teuerstes, als unsere Seele bezeichnen, als unsere Kultur bezeichnen, dass sich das im Grunde als «Barbarismus» bezeichnen lasse. Und sonderbarerweise, meine sehr verehrten Anwesenden, in den letzten Zeiten — man hat ja das Wort «Barbarismus» oft gesehen — ertönte vielleicht am meisten, so wenig man es glauben will, ertönte vielleicht am meisten der Vorwurf des «Barbarentums» gegenüber der mitteleuropäischen Kultur, von Russland, vonseiten des russischen Wesens herüber. Und da braucht man sich nicht etwa auf äußere Zeitungsliteratur, äußere Zeitungsaussprüche zu berufen, sondern gerade auf das, was tonangebende führende Geister des russischen Wesens als ihre bedeutungsvollste Ansicht vertreten haben.
[ 7 ] Well, certainly, my esteemed audience, even those who adopt a spiritual perspective on the world will—I would say—not have to take these accusations of barbarism all too seriously. For with the same sophistry, the same drivel with which [it] is proclaimed even today, [the accusation] will one day be refuted. One day people will find the right words for it, just as today there are many hundreds of truer words to justify one’s claim. People will say, “Yes, what the Germans have there—when they invoke Fichte, Schiller, Goethe, and the others, such as Beethoven—that is, of course, not what we meant when we spoke of barbarians.” What was meant, they will say, was the conduct of war, the manner in which Germany confronted other nations during the war itself. However, things are not that simple when one looks at them more deeply. To anyone who is even slightly familiar with the development of divine culture—divine-spiritual culture—it is not the first time they have heard the assertion that what we call our most precious possession, our soul, our culture—that this, in essence, can be described as “barbarism.” And strangely enough, ladies and gentlemen, in recent times—the word “barbarism” has indeed been seen often—the accusation of “barbarism” directed at Central European culture has perhaps resounded most strongly, as much as one may find it hard to believe, coming from Russia, from the Russian spirit itself. And here one need not refer to external newspaper articles or statements in the press, but rather to precisely what the leading, influential minds of the Russian spirit have put forward as their most significant view.
[ 8 ] Und damit wir gleich auf etwas Konkretes eingehen, sei darauf aufmerksam gemacht, wie ein wirklich in seiner Art bedeutender Geist innerhalb des russischen geistigen Lebens im neunzehnten Jahrhundert aufgetreten ist: Chomjakow. Er versuchte von seinem russischen Standpunkt aus den ganzen Gang der europäischen Kultur zu überschauen und zu charakterisieren. Er versuchte geradezu ein Bild der europäischen Geschichte zu geben. Drei Kräfte, so sagte er, walten in dem Gange dieser europäischen Kulturentwicklung. Die erste Kraft ist diese, die noch herrührt vom alten Römertum. Die zweite sei die, welche herrührt vom missverstandenen Christentum. Die dritte Macht sei die, welche herrührt vom westeuropäischen Barbarentum. Allerdings wurde dazumal eingeschlossen in dieses westeuropäische Barbarentum auch dasjenige, was durch die heute mit Russland verbündeten Völker des Westens zutage getreten ist. Und wie hat Chomjakow von seinem Gesichtspunkt aus den ganzen «Barbarismus» — wie er sich ausdrückte — des Westens, zu charakterisieren versucht? Er sagte, was im Tiefsten des Menschengemütes unmittelbar als ein Göttliches begründet ist, habe die europäische Geistesentwicklung vom Römertum mitbekommen. Dieses Römertum habe sich ausgebildet und wirke heute noch fort als ein gedankenmäßiiger Rationalismus. Dieses Römertum habe nur Sinn gehabt für äußere staatliche Einrichtungen, für äußeres materielles und soziales Zusammenleben. Es habe aber keinen Sinn für die Tiefe des Christentums, für das /unleserliches Wort] Christentum, welches in die innerste Herzkammer des menschlichen Wesens, in die tiefste Tiefe der Menschenseele hinein Impulse erwecken soll. Nicht zu Seelenimpulsen verstand das Römertum — so meint Chomjakow — umzugestalten das Christentum oder fortzuführen das Christentum, sondern allein zu einem Mittel, einem äußeren Mittel staatlicher, sozialer, rein politischer Einrichtungen. Damit aber — meint Chomjakow — sei begründet der Vorwurf des Rationalismus, der rein gedankenmäßigen Kultur, welche nach seinen Gedanken in so tiefer Art den ganzen europäischen Barbarismus beherrscht.
[ 8 ] And so that we may address something concrete right away, let us draw attention to how a truly significant mind—in his own way—emerged within nineteenth-century Russian intellectual life: Khomyakov. From his Russian perspective, he sought to survey and characterize the entire course of European culture. He sought, in fact, to present a picture of European history. Three forces, he said, are at work in the course of this European cultural development. The first force is that which still stems from ancient Roman civilization. The second, he said, is that which stems from a misunderstood Christianity. The third force, he said, is that which stems from Western European barbarism. Admittedly, at that time, this Western European barbarism also included what has since come to light among the Western peoples now allied with Russia. And how did Chomyakov, from his own perspective, attempt to characterize the entire “barbarism”—as he put it—of the West? He said that what is immediately rooted in the depths of the human soul as something divine was inherited by European intellectual development from Roman culture. This Roman culture had developed and continues to exert its influence today as a form of intellectual rationalism. This Roman culture, he argued, had a sense only for external state institutions, for external material and social coexistence. It had no sense, however, for the depth of Christianity—for [illegible word] Christianity—which is meant to awaken impulses in the innermost chamber of the human heart, in the deepest depths of the human soul. Roman culture—so Khomyakov argues—did not understand the impulses of the soul in order to transform or carry forward Christianity, but rather viewed it solely as a means, an external means for state, social, and purely political institutions. But this, Khomyakov argues, justifies the accusation of rationalism—of a purely intellectual culture—which, in his view, so profoundly dominates the entire European barbarism.
[ 9 ] Und dann versuchten fortzuführen diese europäischen Völker — so sagt Chomjakow — den Entwicklungsgang, der durch die Römer angeführt worden war, so, dass sie das, was als christlicher Impuls bewegen sollte alle Kräfte der Seele, nur heraufholten in Gedanken, eine Scholastik, eine Philosophie, ein gedankenmäßiges, wissenschaftliches Getriebe daraus machten, ein rationalisiertes Christentum. Und hineinverpflanzt — so meint Chomjakow — wurde dieses Römertum, dieses rationalisierte Christentum in die barbarische Seele Mittel- und Westeuropas, [es wurden] deren bedeutsamste Instinkte und Impulse eben eingebracht. Es habe allein von einem solchen Christentum kommen können: Unterjochung jeder fremden Meinung, Aufdrängen der eigenen Meinung jeder anderen Meinung gegenüber, daher fortdauernd Krieg und Unterjochung; so sagt Chomjakow, der von Russland her die ganze mittel- und westeuropäische Kultur als «Barbarismus» bezeichnen will. Und einer seiner Nachfolger, Aksakow, erklärte ganz in Übereinstimmung mit Chomjakow, dass wenn man überschaue den westeuropäischen Barbarismus, so fände man überall Unterjochungssinn, Hass, Freiheitsbeschränkung, während — wie er glaubt, Aksakow — das ganze russische Wesen durchsetzt ist in seinen Tiefen von «Freiheit, Eintracht und Frieden».
[ 9 ] And then, according to Khomyakov, these European peoples attempted to continue the course of development that had been pioneered by the Romans, in such a way that they merely brought to the surface in thought what was meant to be a Christian impulse moving all the forces of the soul, turning it into scholasticism, philosophy, and a conceptual, scientific apparatus—a rationalized Christianity. And this Romanism, this rationalized Christianity, was transplanted—as Khomyakov argues—into the barbaric soul of Central and Western Europe, where its most significant instincts and impulses were introduced. Only such a Christianity could have produced: the subjugation of every foreign opinion, the imposition of one’s own opinion upon every other opinion, and hence perpetual war and subjugation; so says Khomyakov, who, from the Russian perspective, wishes to label the entire culture of Central and Western Europe as “barbarism.” And one of his successors, Aksakov, declared—in complete agreement with Khomyakov—that if one were to survey Western European barbarism, one would find everywhere a spirit of subjugation, hatred, and restriction of freedom, whereas—as Aksakov believes—the entire Russian essence is permeated in its depths by “freedom, harmony, and peace.”
[ 10 ] Sehr verehrte Anwesende, einer derjenigen, die da besonders tonangebend wurden für die Fortentwicklung dieses Slawismus, dessen Fortsetzung heute Panslawismus genannt wird, ist Danilewski. Gerade in ihm kommt so recht zum Ausdruck, was sozusagen das sei, was die russische Seele denken kann, als Gedanken empfinden, über das, was von dieser Seite mittel- und westeuropäischer «Barbarismus» genannt wird, was mit Danilewski zum Beispiel genannt werden muss, vom Standpunkt des Russen, das «verfaulte, geistige Leben des Westens». Das ist der Ausdruck, der uns gerade in den letzten Zeiten immer wiederum entgegengetreten ist.
[ 10 ] Ladies and gentlemen, one of the figures who played a particularly influential role in the further development of this “Slavism”—the continuation of which is today called Pan-Slavism—is Danilevsky. It is precisely in him that what the Russian soul is capable of thinking—what it perceives as thought—is truly expressed regarding what is termed “barbarism” by Central and Western Europe; what, following Danilevsky, must be called, from the Russian perspective, the “decayed intellectual life of the West.” This is the expression that we have encountered time and again, especially in recent times.
[ 11 ] Danilewski versucht darzustellen, wie aufeinanderfolgend in der geschichtlichen Entwicklung des barbarischen europäischen Westens aufgetreten seien gewisse Typen der Kulturentwicklung, [der] romanisch-germanische Typus, er sei zunächst hinter Dunst, so meint Danilewski. Er zeichne sich dadurch aus, dass die Menschen nicht haben vordringen können zu demjenigen, was die Seele in ihrer tiefsten Tiefe ergreifen kann, [was] erfüllen kann die Seele mit dem Bewusstsein davon, dass sie mit dem göttlichen Geist der Welt zusammenhängt. Dieses Bewusstsein war bei dem romanisch-germanischen Wesen doch nur etwas Gedankenmäßiges, etwas Äußerliches, Wissenschaftlich-Verständiges. Abgelöst müsse werden der gerade germanische Typus des europäischen Lebens von dem echt russischen Typus, und dieser echt russische Typus müsse wissen, dass für den, der einem solchen Kulturtypus angehört, es nichts gibt in der ganzen weiten Welt als das Verbundensein mit diesem Kulturtypus. All das, was zum Segen der zukünftigen Menschheit gereichen kann, müsse sich finden in dem, was die Kräfte des russischen Volkes darlegen, was in diesen Kräften des russischen Volkes steht, müsse sich ergeben auch aus den Aufgaben dieses russischen Volkes.
[ 11 ] Danilevsky attempts to illustrate how certain types of cultural development appeared successively in the historical evolution of the barbaric European West—[the] Romance-Germanic type, which, according to Danilevsky, was initially obscured by a haze. It is characterized by the fact that people were unable to penetrate to that which can touch the soul in its deepest depths—[that which] can fill the soul with the awareness that it is connected to the divine spirit of the world. For the Romance-Germanic being, however, this awareness was merely something intellectual, something external, scientific and rational. The current Germanic type of European life must be replaced by the genuinely Russian type, and this genuinely Russian type must know that for those who belong to such a cultural type, there is nothing in the whole wide world but their connection to this cultural type. Everything that can serve as a blessing for the future of humanity must be found in what the Russian people bring to bear; what lies within these forces of the Russian people must also arise from the tasks of this Russian people.
[ 12 ] [Folgender Satz unsichere Lesung] Und das ist richtig, was sich aus solchen Aufgaben ergibt, das aber falsch, was [sich] nicht aus diesen Aufgaben ergibt. Sonderbar mutet es deutschem Wahrheitsgefühl an, wenn man hört, dass zu dem, was Wahrheitsstimmen sein sollten — wie [für] Danilewski unbedingt die Ausbreitung Russlands über den Balkan und die Eroberung Konstantinopels [dazulgehört. So sprach er davon, dass die philosophische Wahrheit und das, was man [von der] Welt hält, abhänge von dem, dass man anstrebe, Konstantinopel zu erobern. Was durch eine solche Anschauung zutage treten kann, davon sei eine Probe, eine kleine Probe, ich möchte sagen vorgeführt.
[ 12 ] [The following sentence is a questionable reading] And what follows from such tasks is correct, but what does not follow from them is false. It strikes the German sense of truth as strange to hear that among the things that should be considered voices of truth—as, for Danilevsky, the expansion of Russia into the Balkans and the conquest of Constantinople [belonged]. He spoke of how philosophical truth and one’s view of the world depend on striving to conquer Constantinople. Let me present a sample—a small sample, I might say—of what such a view can bring to light.
[ 13 ] Danilewski sagt, für Russland sei «das nächste Ziel die Annexion Konstantinopels», [...] «ohne darauf zu achten, welche Folgen daraus für Europa selbst, für die Menschheit, die Freiheit, die Kultur entspringen könnten». Dies sei [als] das Ziel anzustreben. «Ohne Liebe und ohne Hass — denn in dieser uns fremden Welt», [das ist] all das, was so außerhalb des einzigartigen Kulturtypus des russischen Volkes lebt, «kann kein Ding unsere Sympathie oder Antipathie erwecken —, in demselben Maße gleichgültig gegen alle, gegen Rote und Weiße [.——].» /Auslassung einer unleserlichen Passage] «Am schädlichsten und gefährlichsten für Russland ist in Europa das Gleichgewicht der politischen Kräfte, jede Verletzung desselben, von welcher Seite sie auch komme, ist also nützlich und wünschenswert. [...] Wir müssen endgültig jede Solidarität mit den europäischen Interessen aufgeben.»
[ 13 ] Danilevsky says that for Russia, “the next goal is the annexation of Constantinople,” [...] “without regard for the consequences this might have for Europe itself, for humanity, freedom, and culture.” This, he says, is the goal to strive for. “Without love and without hate—for in this world alien to us,” [that is] everything that exists outside the unique cultural type of the Russian people, “nothing can arouse our sympathy or antipathy—to the same extent indifferent to all, to Reds and Whites [.——].” /Omission of an illegible passage] “The balance of political powers in Europe is the most harmful and dangerous thing for Russia; any violation of it, no matter which side it comes from, is therefore useful and desirable. [...] We must definitively renounce any solidarity with European interests.”
[ 14 ] Meine sehr verehrten Anwesenden, einer der größten, den die osteuropäische Kultur hervorbrachte, ein wirklich einzig bedeutender Geist, Solowjow, er fand diese Ansichten keineswegs klar. Auch für Solowjow war es klar, dass die westeuropäische Kultur zum Untergang reif sei. Auch für Solowjow war es klar, dass das Heil einzig und allein aus dem russischen Wesen kommen könne, aber Solowjow war in der Lage, einzusehen, dass er sich einsetzen dürfe für das, was er als zukunfttragend, weil zukunftsgewaltig in dem Wesen des russischen Volkes zu sehen hat, das, was dieses Volk an chaotischen und ungeordneten Kräften in der Gegenwart in seiner Seele, ja gerade in den Seelen der Tonangebenden birgt. Und so wurde dann Solowjow, der große Philosoph, innerhalb Russlands selbst zum herbsten Kritiker desjenigen russischen Wesens, das sich durch Chomjakow, Danilewski, Katkow, Aksakow und andere charakterisiert, das seinen äußeren Ausdruck, ich möchte sagen, symptomatischen Ausdruck gefunden hat in dem, was gegenwärtig in gieriger und [unleserliches Wort] Vereinnahmung Russland gegen Europa vorhat.
[ 14 ] Ladies and gentlemen, one of the greatest figures produced by Eastern European culture, a truly unique and significant mind, Soloviev, did not find these views at all clear. It was clear to Soloviev, too, that Western European culture was ripe for decline. It was clear to Soloviev, too, that salvation could come solely from the Russian spirit, but Soloviev was able to recognize that he could commit himself to what he saw as promising for the future—because it held such immense potential—in the essence of the Russian people: that which this people currently harbors in its soul—indeed, precisely in the souls of its leading figures—in the form of chaotic and disordered forces. And so Soloviev, the great philosopher, became within Russia itself the harshest critic of that very Russian essence characterized by Khomyakov, Danilevsky, Katkov, Aksakov, and others—an essence that has found its outward expression, I might say, its symptomatic expression, in what Russia is currently planning against Europe in a greedy and [illegible word] appropriation.
[ 15 ] Solowjow warf denjenigen, in deren Mitte er selbst gerne weilte — den Slawophilen —, [vor], dass sie keinen Sinn haben für das wirklich Ideale, das wirklich Geistige, das sie das verwechseln, dass sie den Sinn richten sollen für die großen Trugheiten der Kultur, mit dem was [Marktware] ist, was nur leben sollte unter denjenigen, die Faselhänse, käufliche Menschen seien, käuflich für jedes Schlagwort, das der Kultur in den Weg geworfen wird. Und so fand dann gerade Solowjow, der Russe selbst, er — von dem nicht gesagt werden darf, dass er etwa ein Freund westeuropäischen Wesens gewesen sei —, er fand Worte, um zu charakterisieren das, was sich da geistig vorbereitet, Worte, die wir ihm wahrhaftig glauben dürfen wegen seines aufrichtigen philosophischen Geistes, glauben dürfen wegen seines tiefsten Darinnenstehens in der russischen Volksseele. So sagte Solowjow: «Europa [...] schaut auf uns mit Befürchtung und mit Unwillen, da die elementare Kraft des russischen Volkes dunkel und rätselhaft, seine geistigen und kulturellen Kräfte minderwertig, seine Ansprüche dagegen deutlich, bestimmt und groß sind. Laut ertönt in Europa das Geschrei unseres Nationalismus, der die Türkei und Österreich vernichten, die Deutschen schlagen, Konstantinopel und, wenn es gelänge, auch Indien an sich reißen möchte.»
[ 15 ] Soloviev accused those among whom he himself enjoyed spending time—the Slavophiles— [that] they had no sense of what is truly ideal, truly spiritual—that they confused this with the great deceptions of culture, with what is merely [commodity], which should only exist among those who are fools, people for sale, for sale for every catchphrase thrown in the path of culture. And so it was precisely Soloviev, the Russian himself—of whom it cannot be said that he was, so to speak, a friend of the Western European spirit—who found the words to characterize what was taking shape spiritually there, words we can truly believe because of his sincere philosophical spirit, and because of his deepest immersion in the Russian national soul. Thus Soloviev said: “Europe [...] looks upon us with fear and resentment, for the elemental power of the Russian people is dark and enigmatic, its spiritual and cultural powers are inferior, while its claims, on the other hand, are clear, determined, and grand. The clamour of our nationalism resounds loudly throughout Europe—a nationalism that seeks to destroy Turkey and Austria, to defeat the Germans, and to seize Constantinople and, if it could, India as well.”
[ 16 ] Politik ist — das sprach am Ende des neunzehnten Jahrhunderts schon Solowjow — all das, was gegenüber denen, den tonangebenden Seelen dieses russischen Volkes lebt. [Lücke im Stenogramm]
[ 16 ] Politics is—as Soloviev already said at the end of the nineteenth century—everything that stands in opposition to those who set the tone for the Russian people. [Gap in the transcript]
[ 17 ] «Wollte man uns fragen, womit wir nach Einnahme und Vernichtung alles dessen die Menschheit beglücken werden, so können wir nur schweigen oder sinnlose Phrasen herplappern. [...] Somit [...] besteht jene wesentlichste, ja die einzig wichtige Frage, deren sich ein ehrlicher und vernünftiger Patriotismus annehmen sollte, nicht in der Macht und Sendung Russlands, sondern in dessen Sünden.»
[ 17 ] “If we were asked how we intend to bring happiness to humanity after seizing and destroying all of that, we could only remain silent or spout meaningless platitudes. [...] Thus [...] the most fundamental—indeed, the only important—question that honest and reasonable patriotism should address lies not in Russia’s power and mission, but in its sins.”
[ 18 ] Nicht ein Deutscher, nicht ein Westeuropäer, Solowjow, der tiefste Kenner seiner russischen Gegenwart, hat diese Worte ausgesprochen. Aber Solowjow hat noch ein anderes getan. Solowjow schaute sich einmal diejenigen an, die er ansehen konnte als die Vorbereiter desjenigen, was heute uns in so schmerzbewegender Art vor Augen steht. Alle diejenigen schaut er sich an, die die russische Seele verführt haben, zu glauben an ihre panslawische Sendung. Und was brachte er heraus? Da fand er um sich eine reiche panslawische Literatur. Da kam er auf etwas Sonderbares, auf etwas, was er so charakterisieren musste, er sagte: «Ja, was wollt ihr denn? Ihr wollt dem Westen eine verfaulte Kultur, eine ins Barbarentum versunkene Kultur vorwerfen! Ihr sagt, alles Heil der Menschheit müsse kommen allein aus dem, was heute in dem russischen Volk lebt, ihr verbreitet das mit allein wissenschaftlichen Grundsätzen, [aber nur] in wissenschaftlicher Verbrämung! Ich habe nachgeschen, wo [ihr] diese wissenschaftliche Verbrämung herhabt!»
[ 18 ] Not a German, not a Western European—Soloviev, the most profound expert on contemporary Russia, uttered these words. But Soloviev did something else as well. Soloviev once took a look at those whom he could regard as the precursors of what stands before us today in such a painfully moving way. He looked at all those who had seduced the Russian soul into believing in its Pan-Slavic mission. And what did he discover? He found a rich body of Pan-Slavic literature all around him. He came upon something strange—something he felt compelled to characterize in this way: “Yes, what do you want, anyway? You want to accuse the West of having a rotten culture, a culture sunk into barbarism! You say that all the salvation of humanity must come solely from what lives today in the Russian people; you spread this using solely scientific principles, [but only] in scientific guise! I have looked into where [you] got this scientific guise from!”
[ 19 ] Und er hatte nachgeschen, genau nachgeschen. Dem Danilewski [und] Katkow hatte er einmal ein wenig — ich möchte sagen, wenn das Wort nicht berechtigt wäre, ich werde es doch sagen — auf die geistigen Finger geschaut, und er kam darauf, dass die Gedankenformen, die Gedankenintentionen, mit denen diese Leute als Verführer gearbeitet haben, dass sie alle dem verfaulten Westen entnommen waren, und die wichtigste dieser Gedankenform, mit denen der Slawismus arbeitete, fand er kurioserweise bei dem tief im Jesuitismus steckenden westeuropäischen Philosophen de Maistre. Nicht einmal haben sich diese Slawophilen eingelassen, [Joseph Marie Comte] de Maistre selbst zu studieren, sondern [Gaston] Bergeret, einen etwas [unleserliches Wort] von Geist. Westliches, schlechtes europäisches Wesen hat die Impulse abgegeben für slawische Theorien.
[ 19 ] And he had scrutinized them, scrutinized them closely. He had once taken a close look—I would say, if the word were not inappropriate— I’ll say it anyway—at their “intellectual fingers,” and he realized that the thought forms, the intellectual intentions with which these people worked as seducers, were all taken from the rotten West; and, curiously enough, he found the most important of these thought forms—the one Slavophilism worked with—in the Western European philosopher de Maistre, who was deeply steeped in Jesuitism. These Slavophiles did not even bother to study [Joseph Marie Comte] de Maistre himself, but rather [Gaston] Bergeret, a somewhat [illegible word] of mind. A Western, corrupt European essence provided the impetus for Slavic theories.
[ 20 ] Und dem Danilewski schaute [er] auf die Finger mit Bezug auf seine [kultur]-historischen Typen. Und Solowjow fand einen halb wahnsinnigen Schriftsteller, [Heinrich] Rückert, [der] in den 1850er-Jahren ein Buch geschrieben hat und wissenschaftlich die Torheiten, welche Danilewski [unleserliches Wort] [über die Entwicklung der Zeitgeschichte macht]. Das war die Entdeckung, die Solowjow machte über die Impulse, die um ihn lebten. Das waren also die Waffen, die man sich aus dem Westen geholt hat, um diesen Westen als verfaulte Kultur zu kennzeichnen. Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, ich möchte sagen, wie ein Grundton tönt durch alles geistige Leben der letzten Jahrhunderte des Ostens dieser Ausspruch von dem barbarischen, verfaulten Westen, der ganz und gar in Verstandeskultur, in Gewalttätigkeit schwimmt. Blickt man näher zu, dann muss man sagen, verschlafen, verträumt ist von all denen, die da im Osten so über den Westen reden, all das geworden, was in Europas Mitte aus der Tiefe der deutschen Seele, der allgemeinen Weltkultur einverleibt worden ist. Verträumt ist selbst das geworden, was wir unsere Schätze nennen, die herstammen von Fichte, Schiller, Goethe und anderen, die nicht alle genannt werden können selbstverständlich.
[ 20 ] And [he] kept a close eye on Danilevsky with regard to his [cultural]-historical types. And Soloviev found a half-mad writer, [Heinrich] Rückert, [who] wrote a book in the 1850s that scientifically exposed the follies that Danilevsky [illegible word] [commits regarding the development of contemporary history]. That was the discovery Soloviev made regarding the influences that surrounded him. These, then, were the weapons drawn from the West to label that West as a decayed culture. Well, my esteemed audience, I would like to say that this statement about the barbaric, decayed West—which is entirely steeped in intellectual culture and violence—resonates like a fundamental tone throughout the entire intellectual life of the East in recent centuries. If one looks more closely, one must say that all those in the East who speak of the West in this way have become sleepy and dreamy—while everything that has been incorporated into the heart of Europe from the depths of the German soul and the universal world culture has remained clear-eyed. Even what we call our treasures—which stem from Fichte, Schiller, Goethe, and others, not all of whom can be named, of course—have become dreamy.
[ 21 ] Aber, meine sehr verehrten Anwesenden, wenn man einmal versucht, in einer eindringlichen Weise im Osten das, was da auf dem Boden entsprossen ist — den man so für einen barbarischen Boden hält —, den Seelen es einmal geben will, wenn man ihnen das gibt, wovon eben gesprochen ist, dann dringt man nicht durch, wie der edle [unleserlicher Name] erfahren musste, der den deutschen hegelianischen Idealismus nach Russland verpflanzt hat. Er tat es in schönster Weise, aber [er] fand nicht nur keinen Anklang, sondern musste überall nur Ablehnung, Widerspruch, Spott und Hohn erfahren. Und sieht man genauer zu, worauf das alles beruht, dann stellt sich heraus, dass die ganze Art und Weise, wie der deutsche Geist zu demjenigen steht — was er nun nicht als der Vertreter bloß irgendeines historischen Typus, sondern als den Ausfluss der Tiefe seiner Seele der Weltkultur zu geben hat —, wie der deutsche Geist zu all dem steht: das tiefe Verbundensein des deutschen Geistes mit seiner Weltanschaung, das Hervorsprießen seiner deutschen Weltanschauung aus den tiefen Tiefen der Seele, den Tiefen, in denen die Seele verwachsen ist mit dem GöttlichGeistigen.
[ 21 ] But, my esteemed audience, if one were to attempt, in a forceful manner, to bring to the East that which has sprung from the soil there —a soil that is so often regarded as barbaric—to the souls there, if one tries to give them what has just been discussed, then one fails to make an impact, as the noble [illegible name] had to learn, who transplanted German Hegelian idealism to Russia. He did so in the most beautiful way, but not only did [he] fail to find any resonance, he was met everywhere with nothing but rejection, opposition, ridicule, and scorn. And if one looks more closely at what all this is based on, it turns out that the entire way in which the German spirit relates to that which it has to offer world culture—not merely as the representative of some historical type, but as the outflow from the depths of its soul—how the German spirit relates to all of this: the deep connection of the German spirit to its worldview, the sprouting of its German worldview from the deepest depths of the soul—the depths in which the soul is fused with the divine-spiritual.
[ 22 ] Diese Art und Weise sehen wir am besten ausgedrückt bei Goethe, Schiller [und] Fichte, und es mag heute wohl an der Zeit sein, eben gerade darauf den Blick zu wenden, wie für eine Zukunft, die ganz sicher kommen wird, der Deutsche auch geistige Waffen braucht aus den Zeugkammern, die da unsere Volks[geister] errichtet haben, Geister wie Schiller, wie Fichte.
[ 22 ] We see this approach best expressed in Goethe, Schiller [and] Fichte, and it may well be time today to turn our attention precisely to this: that for a future that will most certainly come, Germans will also need intellectual weapons from the armories established by our national spirits—spirits such as Schiller and Fichte.
[ 23 ] Und nicht um sentimentale Empfindungen hervorzurufen, sondern, ich möchte sagen, um so recht das, was deutsches Wesen ist, an zwei bedeutenden Vertretern dieses Wesens vor unser Seelenauge zu stellen — angeknüpft gerade an diejenigen Augenblicke im Leben zweier großer Geister des deutschen Volkes, Schiller und Fichte, an die Augenblicke, in denen diese Geister die physische Welt verließen, hinübertraten in eine andere Welt des geistigen Lebens, an die Todesaugenblicke Schillers und Fichtes —, [daran] sei angeknüpft mit jener Innigkeit, mit der der Deutsche so gern das /unleserliches Wort), was auch unmittelbar, und auch noch jetzt das Wort ausspricht: «Geistig-Menschliches». [Mit] denen /unleserliches Wort], die über das geistige Leben des deutschen Volkes zu wachen haben in dieser neuen Zeit, können wir auch aus dem, was uns geschichtlich übermittelt war, hinschauen auf Schillers letzte Lebensaugenblicke.
[ 23 ] And not to evoke sentimental feelings, but—I would say—to truly present before the eye of our soul what the German essence is, as embodied by two significant representatives of that essence—linking precisely to those moments in the lives of two great minds of the German people, Schiller and Fichte—to the moments when these minds left the physical world and crossed over into another world of spiritual life, to the moments of Schiller’s and Fichte’s deaths—[let us] link this with that fervor with which the German so readily expresses the /illegible word/, which is also immediate, and even now the word: “Spiritual-Human.” [Together with] those /illegible word/ who are called upon to watch over the spiritual life of the German people in this new era, we can also look back, through what has been handed down to us historically, upon the final moments of Schiller’s life.
[ 24 ] Da führt der jüngere Voß, der Sohn des Homer-Übersetzers Voß, [uns] in das Todeszimmer Schillers hinein, da zeigt er uns, wie schon die Wochen, die Tage, bevor Schiller zur letzten Ruhe sich hinlegte, [wie] in seinem ganzen Verhalten und Auftreten vor der Welt und [den] Menschen [etwas sprach] von dem ungeheuren inneren Sieg des Geistes, der Seele — der Sprache, [die] über einen eigentlich schon toten Leib kommt —, [dies] wurde von Schiller mit der Riesenkraft, die er aufbrachte /Lücke im Stenogramm] und hingeschrieben diese letzten Tage, aber in voller Kraft hingeschrieben. Dann musste er sich hinlegen. Dann sehen wir, wie er in seinen letzten Augenblicken seine Seele noch diesem zugewendet hat — demjenigen, was er aus den geistigen Welten heraus der Menschheit hat erschließen wollen —, [wir] sehen, wie er dann, wie er von seiner Umgebung sein jüngstes Kind erhält, es an sich nimmt, ihm tief in die Augen schaut, dieses Kind offenbart — [ihm] in die Augen schauend ungleich Bedeutungsvolles, vielleicht schmerzlich Tragisches, [was wir] in seiner Seele erfassen können. Dann gab er das Kind zurück, [und] wandte sich ab, nur unzusammenhängende Sätze konnte er sprechen.
[ 24 ] There, the younger Voß—son of the Homer translator Voß—leads [us] into Schiller’s death chamber; there he shows us how, even in the weeks and days before Schiller laid down to rest for the last time, [how] in his entire demeanor and conduct before the world and [to] people [speak] of the immense inner victory of the spirit, the soul—the language [that] comes upon a body that is, in fact, already dead—, [this] was written down by Schiller with the immense strength he mustered /gap in the stenographic record] during these final days, but written down with full vigor. Then he had to lie down. Then we see how, in his final moments, he still turned his soul toward this—toward that which he had sought to reveal to humanity from the spiritual worlds—[we] see how he then, as his youngest child was brought to him by those around him, took the child into his arms, looked deeply into its eyes, and revealed this child— [looking] into the child’s eyes, revealing something profoundly meaningful, perhaps painfully tragic, [which we] can grasp in his soul. Then he gave the child back, [and] turned away; he could speak only disjointed sentences.
[ 25 ] Noch einmal, nicht um sentimentale Empfindungen in Ihnen zu erregen, sondern um zu zeigen, wie einer der größten Deutschen mit dem geistigen Wesen und mit dem Wesen seines Volkes verbunden ist, sei auf diese Schiller’sche Geschichte aufmerksam gemacht. Denn wahrhaftig, wir können, ohne sentimental zu sein, sagen, der Blick, den er auf sein Kind richtete — von dem Voß meint, er habe ausdrücken wollen, wie viel er dem Kind hätte sein wollen und nicht sein können —, dieser Blick — man kann meinen, er traf das ganze deutsche Volk —, er hat sagen wollen, wie viel er ihm noch hätte sein sollen und nicht mehr sein können, und in Bezug auf dieses Volk; ja, Schiller, er hat es ausgesprochen, was er denkt über den weltgeschichtlichen Beruf dieses seines Volkes, was er denkt über all das, was zusammenhängt mit dem, was er selbst seinem Volk hat sein wollen, das, was Schiller wie in einer Art Testament — es ist erst nachträglich gefunden worden, ein Jahrhundert, nachdem es Schiller niederschrieb, ist es erst mit der Eröffnung des SchillerArchivs vor menschliche Augen getreten —, man sieht darin, was Schiller dachte über das, was deutsches Wesen aus dieser geistigen Weltauffassung heraus der Menschheit sein müsse. Lassen wir diese Worte, die ja in der letzten Zeit ständig vor die Seele der Deutschen traten, vor unsere Seele treten:
[ 25 ] Once again, not to stir up sentimental feelings in you, but to show how one of the greatest Germans is connected to the spiritual essence and the very essence of his people, attention should be drawn to this story by Schiller. For truly, we can say—without being sentimental—that the gaze he cast upon his child—which, according to Voß, was meant to express how much he would have wanted to be for the child but could not—that gaze—one might think it encompassed the entire German people—was meant to convey how much more he should have been for them but could no longer be, and with regard to this people; yes, Schiller—he articulated what he thought about the world-historical mission of his people, what he thought about everything connected with what he himself had wanted to be for his people—that which Schiller, as in a kind of testament—it was only discovered later, a century after Schiller wrote it down; it only came to light with the opening of the Schiller Archive— in it one sees what Schiller thought the German essence—arising from this spiritual worldview—must be for humanity. Let us allow these words, which have constantly come to the fore in the German soul in recent times, to come to the fore in our own souls:
Dem, der den Geist [bildet, beherrscht,
muss zuletzt die Herrschaft werden, denn
endlich an dem Ziel der Zeit, wenn anders die
Welt einen Plan, wenn des Menschen
Leben irgend nur Bedeutung hat, endlich
muss die Sitte und die Vernunft siegen,
die rohe Gewalt der Form erliegen
und das langsamste Volk wird alle
die schnellen Flüchtigen einholen.
[...]
ist das Höchste bestimmt,
und so wie er in der Mitte von
Europens Völkern sich befindet,
so ist er der Kern der Menschheit,
jene sind die Blüte und das] Blatt.[Er ist erwählt von dem Weltgeist, während des Zeitkampfs
an dem ewigen Bau der Menschenbildung
zu arbeiten, zu bewahren, was die Zeit bringt,
daher hat er bisher Fremdes sich ange-
eignet und es in sich bewahrt.
Alles, was Schätzbares bei andern Zeiten
und Völkern aufkam, mit der Zeit
entstand und schwand, hat er aufbewahrt,
es ist ihm unverloren, die Schätze von
Jahrhunderten.
Nicht im Augenblick zu glänzen und
seine Rolle zu spielen, sondern den großen
Prozess der Zeit zu gewinnen. Jedes Volk
hat seinen Tag in der Geschichte, doch
der Tag des Deutschen ist die] Ernte der
ganzen Zeit.
He who shapes and masters the spirit [,
must ultimately reign, for
at the end of time, if the
world has a plan, if human
life has any meaning at all, finally
morality and reason must prevail,
the brute force of form must yield
and the slowest people will catch up with all
the swift and fleeting ones.
[...]
the Highest is destined,
and just as he is situated in the midst of
the peoples of Europe,
so he is the core of humanity,
while they are the blossom and the] leaf.[He is chosen by the World Spirit, during the struggle of time
to work on the eternal edifice of human development
to preserve what time brings,
therefore, he has thus far appropriated what is foreign
and preserved it within himself.
Everything of value that arose in other times
and among other peoples—which, over time,
came into being and faded away—he has preserved;
it remains his: the treasures of
centuries.
Not to shine for a moment and
play its part, but to win the great
process of time. Every nation
has its day in history, yet
the day of the Germans is the] harvest of
all of time.
[ 26 ] Sehr verehrte Anwesende, was hier Schiller gemeint hat, das ist schon dasjenige, wovon er glauben musste — nach seinem tiefen Verwachsensein mit dem deutschen Wesen —, dass es die Impulse abgebe für einen Weltberuf dieses deutschen Wesens.
[ 26 ] Ladies and gentlemen, what Schiller meant here is precisely what he had to believe—given his deep connection to the German spirit—namely, that it would provide the impetus for a global mission of this German spirit.
[ 27 ] Aber wovon man wirklich auch glauben kann — wenn es nur gehört, vernommen, empfunden und gefühlt wird von denen, die es nur halb oder gar nicht denken können, die nicht verbunden sind mit dem deutschen Wesen —, dass es wirkt wie [ein] aggressives Wesen, wirklich so, dass eben herbeigeführt wird das, was man nennen muss — weil es sich schon entwickelt hat und immer mehr entwickeln wird — [eine] Notwendigkeit, dass der Deutsche dasjenige, das er unter seinem geistigen Schatz hat, gegen eine ganze Welt verteidigt.
[ 27 ] But what one can truly believe—if it is merely heard, perceived, sensed, and felt by those who can only think it halfway or not at all, who are not connected to the German essence—is that it comes across as [an] aggressive entity, truly so, in such a way that it brings about what one must call—because it has already developed and will continue to develop more and more— [a] necessity for the German to defend what he holds as his spiritual treasure against the whole world.
[ 28 ] [Folgender Satz unsichere Lesung] In diesem Sinne war der Kosmopolit Schiller im Tiefsten nie ein negativer Geist, er, der ja auch nicht blind war für die äußeren Verhältnisse und Interessen. Er sah so in die Tiefe des deutschen Wesens hinein. Hat er doch — damit zeigt er, wie wenig er blind war, für die äußeren Verhältnisse — die Worte auch gesprochen:
[ 28 ] [The following sentence is a questionable reading] In this sense, Schiller, the cosmopolitan, was never, at his core, a negative spirit—he who was, after all, not blind to external circumstances and interests. He thus looked deep into the essence of the German character. After all—and this shows just how little he was blind to external circumstances—he also spoke these words:
Zwei gewalt’ge Nationen [ringen
Um der Welt alleinigen Besitz;
Aller Länder Freiheit zu verschlingen,
Schwingen sie den Dreizack und den Blitz.Gold muss ihnen jede Landschaft wägen
Und, wie Brennus in der rohen Zeit,
Legt der Franke seinen eh’rnen Degen
In die Waage der Gerechtigkeit.Seine Handelsflotten streckt der Brite
Gierig wie Polypenarme aus;
Und das Reich der freien Amphitrite
Will er schließen, wie sein eig’nes] Haus.
Two mighty nations [struggle
For sole dominion over the world;
To devour the freedom of all nations,
They brandish the trident and the lightning bolt.Every land must weigh gold for them
And, like Brennus in those barbaric times,
The Frank lays his iron sword
On the scales of justice.The Briton stretches out his merchant fleets
Greedily, like the arms of an octopus;
And the realm of the free Amphitrite
He wishes to enclose, as if it were his own] home.
[ 29 ] Realpolitiker konnte schon auch Schiller sein.
[ 29 ] Schiller could certainly have been a realist politician as well.
[ 30 ] Eine andere Erscheinung — die vor unsere Augen tritt, wenn wir so recht betrachten wollen, wie das, was deutsche Impulse sind, [die] in die deutsche Entwicklung hineingeflossen ist —, eine andere Erscheinung ist Fichte, Johann Gottlieb Fichte, Fichte, der große Philosoph, aber zugleich der große Mensch. Und wiederum seien die letzten Augenblicke des äußeren irdischen Daseins Fichtes zunächst vor unsere Seele gestellt: In der Zeit, in der Deutschland darniederlag, tief bedrängt von dem europäischen Westen, da war es, als Fichte, ich möchte sagen indirekt erlag den damaligen Kriegsereignissen. Die Frau Fichtes, eine seltene Frau, sie hatte aus dem Lazarettdienst [Lazarettfieber nach] Hause gebracht.
[ 30 ] Another phenomenon—one that comes into view when we seek to truly examine what German impulses are, [those] that have flowed into German development—is Fichte, Johann Gottlieb Fichte, Fichte, the great philosopher, but at the same time the great man. And once again, let us first bring to mind the final moments of Fichte’s outward earthly existence: At a time when Germany lay prostrate, deeply beset by the West of Europe, it was as if Fichte—I would say indirectly—succumbed to the events of the war at that time. Fichte’s wife, a remarkable woman, had brought home [hospital fever following] her service at the military hospital.
[ 31 ] [Sie] selbst genas; auf Fichte war es verpflanzt, und er erlag. In den letzten Augenblicken sehen wir etwas höchst Merkwürdiges sich abspielen:
[ 31 ] [She] herself recovered; it had been transplanted to a spruce tree, and the tree died. In its final moments, we see something most remarkable unfold:
[ 32 ] Im Fieberwahn, der Philosoph — der Philosoph, der das große Wort ausgesprochen hat, man wählt die Philosophie zu seiner Weltanschauung, die davon abhängig ist, je nach dem man als Mensch nach seinem Charakter gestaltet ist —, der Philosoph, bei dem Menschentum und Denken im innigsten Einklang waren, er lag da in seinem Fiebertraume. Er war ja verbunden — nicht äußerlich, sondern aus den tiefsten Fasern seines menschlichen Wesens heraus —, verbunden mit den Zeitereignissen. Er hatte in schmerzbewegten, schwierigsten Zeiten die Reden gehalten, in denen er die Weltberufung in einzigartiger Weise kraftvoll und gewaltig vor das deutsche Wesen hinstellte. Im Wahn lag er da, die Fieberphantasie des kristallklaren Philosophen, sie bewegt sich auf dem damaligen Kriegsschauplatz, dieser Fiebertraum des gedankenklaren Philosophen ging hin zu Blüchers Rheinübergang, und er sprach, als ihm die Kunde von deutschen Siegen kam, sein tiefstes Befriedigtsein aus über das, was er nur im Fiebertraume erleben durfte. Die Seele hatte auch in ihm gesiegt über das äußere Physische, als sein [unleserliche Wörter] sprach. Als er so in seiner freudigen Tiefe in bewegtem Traume die Arznei vor sich sah, [stieß er sie weg und sprach:] «Ich werde genesen!», und er legte sich hin und starb.
[ 32 ] In his feverish delirium, the philosopher—the philosopher who had uttered those momentous words: “One chooses philosophy as one’s worldview, which in turn depends on how one is shaped as a human being according to one’s character”—the philosopher in whom humanity and thought were in the most intimate harmony—lay there in his feverish dream. He was, after all, connected—not outwardly, but from the deepest fibers of his human being—connected to the events of the time. In times of great pain and difficulty, he had delivered the speeches in which he presented the world’s calling to the German spirit in a uniquely powerful and majestic way. There he lay in delirium—the feverish fantasy of the crystal-clear philosopher—moving through the theater of war at that time; this feverish dream of the clear-minded philosopher took him to Blücher’s crossing of the Rhine, and when news of German victories reached him, he expressed his deepest satisfaction at what he was only able to experience in a feverish dream. The soul had triumphed over the external physical realm within him as well, when his [illegible words] spoke. As he lay there in the depths of his joy, in a vivid dream, and saw the medicine before him, [he pushed it away and said:] “I will recover!” and he lay down and died.
[ 33 ] So aus einem Gusse heraus, so aus einer inneren Einheit heraus ist dieser deutscheste Philosoph, aber auch dieser Philosoph, welcher das Deutsche [darin] berufen gesehen hat im Erfassen der Geistigkeit der ganzen Welt. Wir brauchen heute nicht darauf aufmerksam zu machen, welches der Kerngedanke der Rede ist. Wie Fichte da versucht zu zeigen, wie sich das deutsche Wesen unterscheidet von dem westeuropäischen Wesen [dadurch, dass der Deutsche eine] ursprüngliche Sprache spreche, die aus seiner elementarsten Entwicklung selbst gekommen ist, dagegen der Romane spreche eine Sprache, die ihm später aufgepfropft worden ist, unmöglich daher zusammenhängen kann mit den tiefsten Quellen des Lebens selbst, der Deutsche aber durch seine Sprache schon damit zusammenhängen musste. Nur darauf aufmerksam zu machen brauchen wir, auf den tiefen wahrhaftigen Pathos, in dem Fichte deutsches Wesen vor sein Volk hinstellt.
[ 33 ] This most “German” of philosophers—yet also the philosopher who saw it as the German people’s calling to grasp the spirituality of the entire world—is a man of a single mold, born of an inner unity. We need not point out today what the central idea of this speech is. As Fichte attempts to show here, the German essence differs from the Western European essence [in that the German speaks an] original language that arose from his most elementary development, whereas the Romance-speaking peoples speak a language that was later grafted onto them—and thus cannot possibly be connected to the deepest sources of life itself—while the German, by virtue of his language, was bound to be connected to them. We need only draw attention to the deep, genuine pathos with which Fichte presents the German essence to his people.
[ 34 ] Das aber, was Geisteswissenschaft geltend machen darf mit Bezug auf Fichte, ist das, dass Fichte aus ungeheuren Tiefen heraus die geistige Grundlage der Welt unablässig betont, ja überall das, was in seiner Philosophie, in seinem Denken auch über seinem Volk lag, herausgeholt war aus der Erkenntnis, die er gewonnen zu haben glaubte über das tiefste Wesen seines Volkes. Wahrhaftig, alle äußere Weltbetrachtung, all das, was sich nur an Materielles anlehnen will, hat seine gewaltigen Gegner in der Fichte’sehen urdeutschen Weltanschauung. So sagt Fichte:
[ 34 ] What spiritual science may assert with regard to Fichte, however, is that Fichte, drawing from immense depths, ceaselessly emphasizes the spiritual foundation of the world; indeed, everything in his philosophy and in his thinking that transcended his own people was drawn from the insight he believed he had gained into the deepest essence of his people. Truly, every external view of the world—everything that seeks to rely solely on the material—finds its formidable opponents in Fichte’s original German worldview. Thus Fichte says:
Zeit [und] Ewigkeit und Unendlichkeit [erblickt] sie
She [beholds] time [and] eternity and infinity
[ 35 ] —und er meint die deutsche Philosophie —
[ 35 ] —and he is referring to German philosophy—
in [ihrer Entstehung aus] dem Erscheinen fund Sichtbarwerden jenes Einen, das an sich schlechthin unsichtbar ist, und nur in dieser seiner Unsichtbarkeit erfasst, richtig erfasst wird.] [...] [Alles als nicht geistiges Leben erscheinende beharrliche Dasein ist nur ein aus dem Sehen hingeworfener, vielfach durch das Nichts vermittelter leerer Schatten, im Gegensatze mit welchem und durch dessen Erkenntnis als vielfach vermitteltes Nichts, das Sehen selbst sich erheben soll zum Erkennen seines eigenen Nichts und zur Anerkennung des Unsichtbaren als des] einzigen [Wahren.]
in [its origin in] the emergence and becoming visible of that One, which is in itself utterly invisible and is grasped—truly grasped—only in this very invisibility of its own.] [...] [All persistent existence that appears as non-spiritual life is merely an empty shadow cast out of vision, mediated in manifold ways by Nothingness; in contrast to this, and through the recognition of it as a manifoldly mediated Nothingness, vision itself is to rise to the recognition of its own Nothingness and to the acknowledgment of the invisible as the] only [Truth.]
[ 36 ] Aber, meine sehr verehrten Anwesenden, nicht nur, dass Fichte im Allgemeinen hingewiesen hat auf die geistige Grundlage der Welt, aus welcher die Menschenseele in den schwierigsten Lagen in den höchsten Aufgaben ihren eigenen Impuls schöpfen muss, nicht allein aus dem, dass Geisteswissenschaft heute auf Fichte so hinweisen darf, dass man sagen muss, jene Geisteswissenschaft, welche hineinwirken will in die Menschenzukunft, muss ihre Quellen suchen bei dem, was deutscher Geist in kristallklarer und gemütstiefer Art dem Weltenwesen erschlossen hat, nicht allein das, dass Fichte also hingedeutet hat auf alle geistigen Grundlagen der Welt, macht Geisteswissenschaft berechtigt, dies zu sagen, sondern gerade bei Fichte hat es sich gezeigt, wie derjenige, der aus dem ganzen Wesen der deutschen Volksseele heraus seine Philosophie zu gleicher Zeit als seinen tiefen wahrhaftigen Seelenausdruck schaffen will, wie er das fühlte und empfand, was Geisteswissenschaft heute und in der Zukunft zu voller Klarheit erheben muss.
[ 36 ] But, my esteemed audience, not only did Fichte generally point to the spiritual foundation of the world—from which the human soul must draw its own impetus in the most difficult situations and in the highest tasks—and not merely because spiritual science today may refer to Fichte in such a way that one must say: that spiritual science which seeks to influence the future of humanity must seek its sources in what the German spirit has revealed to the essence of the world in a crystal-clear and profoundly heartfelt manner—not only that Fichte thus pointed to all the spiritual foundations of the world, which justifies spiritual science in to say this, but precisely in Fichte it has been shown how one who, drawing from the entire essence of the German national soul, seeks to create his philosophy as the profound and true expression of his own soul—how he felt and sensed what spiritual science must elevate to full clarity today and in the future.
[ 37 ] Fichte hatte noch nicht eine Geisteswissenschaft, aber in ihm lebten die Gefühle und Empfindungen, die nur von wirklicher Geistesforschung zu durchdringen sind, dann weisen diese Empfindungen und Gefühle in jene Welten, in welche heute Geisteswissenschaft mit ihrer Forschung hinweisen will. Und da sei auf einen Punkt nur aufmerksam gemacht, um zu zeigen, wie von der Geisteswissenschaft wahrhaftig auf Fichte hingewiesen werden darf. Geisteswissenschaft steht ja heute auf dem Boden einer außerordentlich aktiven Wissenschaft, und [sie sagt], dass alle äußere Wissenschaft, die sich nur überlässt den Gedanken und den äußeren Sinnen, nur eine, die geringere Seite der Welt offenbaren kann, dass eingreifen muss — um den wirklichen Weltinhalt zu finden — eine aktive Wissenschaft, die appelliert an die verborgenen Kräfte der Seele, die aus der Seele geholt [werden] müssen, und die da führen zu geisten Ohren und geistigen Augen. Dann kann gezeigt werden, dass an solchen Kräften gezeigt werden kann, meine sehr verehrten Anwesenden, dass der Mensch wirklich etwas wissen kann über das, was über Geburt und Tod hinaus liegt. Geisteswissenschaft spricht nicht bloß in unwissender Weise über das, was das ganze geistige Menschenwesen ist, sondern davon, dass, wenn der Mensch nur die notwendigen Methoden durchmacht, er dahin gelangen kann, dieses geistige Wesen des Menschen, das durch die Pforte schreitet, beobachtet werden kann, wie äußerlich Substanz beobachtet werden kann. Das will die Menschheit sich nicht /unleserliches Wort]. Das aber wird die Menschheit in Zukunft durch Geisteswissenschaft erfahren — und da spricht dann Geisteswissenschaft wie die äußere Wissenschaft von Sauerstoff und Wasserstoff —, dass das menschliche Seelenwesen etwas ist, was nicht erkannt werden kann, solange [es] mit dem Körper verknüpft [ist], aber erkannt werden kann durch Geistesforscher, wenn [es] abgesondert von dem Leiblichen [ist].
[ 37 ] Fichte did not yet have a science of the spirit, but within him lived the feelings and sensibilities that can only be penetrated by genuine spiritual research; these sensibilities and feelings point to those worlds toward which the science of the spirit seeks to direct its research today. And let us draw attention to just one point to show how spiritual science can truly point to Fichte. Spiritual science today is grounded in an extraordinarily active science, and [it asserts] that all external science, which relies solely on thought and the external senses, can reveal only one—the lesser—aspect of the world; that—in order to discover the true content of the world—an active science must intervene, one that appeals to the hidden powers of the soul, which must be drawn forth from the soul, and which lead to spiritual ears and spiritual eyes. Then it can be shown—through such powers, my esteemed audience—that human beings can truly know something about what lies beyond birth and death. Spiritual science does not merely speak ignorantly about what the entire spiritual human being is, but rather that, if a person only undergoes the necessary methods, they can reach a point where this spiritual nature of the human being, which passes through the gate, can be observed just as external substance can be observed. Humanity does not want to [illegible word]. But this is what humanity will come to know in the future through spiritual science—and spiritual science will then speak of this just as external science speaks of oxygen and hydrogen—that the human soul is something that cannot be known as long as [it] is linked to the body, but can be known by spiritual researchers when [it] is separated from the physical body.
[ 38 ] Heute glaubt man das noch ebensowenig wie der, der von Chemie nicht gehört hat, [glaubt,] dass in dem Wasser Wasserstoff ist, [der] brennt, [während] Wasser löscht. Aber ebenso wie [es] heute eine physische Chemie gibt, so wird es eine geistige Chemie geben. Die wird davon sprechen, dass man wirklich erforschen und beobachten kann des Menschen ewiges Wesen. Davon konnte Fichte noch nicht sprechen. Die Zeit zur Geisteswissenschaft wird erst in unserer Gegenwart kommen. Aber sehr merkwürdig ist das Folgende: Wenn der Geistesforscher heute spricht von dem ewigen Kern des Menschen, so würde er so sprechen, dass dieser Kern nach dem Tode erhält seine geistigen Augen und Ohren, [hinhorcht und] hinsieht auf [den] physischen Leib, den er zurückgelassen, wie wir heute hinsehen auf die äußere Welt.
[ 38 ] Today, people believe this just as little as someone who has never heard of chemistry [believes] that there is hydrogen in water, [which] burns, [while] water extinguishes. But just as there is physical chemistry today, so there will be a spiritual chemistry. It will speak of the fact that one can truly investigate and observe the eternal nature of the human being. Fichte could not yet speak of this. The time for spiritual science will come only in our own era. But the following is very remarkable: When the spiritual researcher speaks today of the eternal core of the human being, he would say that after death this core receives its spiritual eyes and ears, [listens to and] looks upon [the] physical body it has left behind, just as we look upon the external world today.
[ 39 ] Selbstverständlich kann ich in dem heutigen Vortrag dies alles nur andeuten, nicht genauer ausführen, aber nur andeuten, dass das, was ich eben gesagt habe, in dem Sinne der Geisteskultur eingefügt werden wird, wie vor Jahrhunderten die Naturwissenschaft. Und wie man sich dazumal gegen die naturwissenschaftliche Weltauffassung gesträubt hat, [so] [sträubt man sich] heute gegen Geisteswissenschaft. Nun entdecken wir das Merkwürdige bei Fichte, etwas, worüber der gewöhnliche Verehrer vielleicht hinwegsieht in den Reden. Das kündigt uns etwas Merkwürdiges an. Er will sagen, er habe sich eine Erziehung ausgedacht, durch die das deutsche Volk eintreten könne [in] eine Zeit, in der das deutsche Volk sich von aller Fremdherrschaft frei macht. Er sagte, von der Erziehung träumen die nicht, die ganz in Gegenwart stehen, [die ganz in den Vorurteilen befangen sind] und jetzt will er ausführen, wie ihm das, was er will, [das Neue], erscheint gegenüber dem [Früheren]; da spricht er sich sehr merkwürdig aus. Weniger auf die Gedanken sei der Blick gerichtet als vielmehr auf das, was in seiner Empfindung liegt.
[ 39 ] Of course, in today’s lecture I can only touch on all of this—not go into detail—but merely suggest that what I have just said will be integrated into spiritual culture in the same way that the natural sciences were centuries ago. And just as people once resisted the scientific worldview, [so] [do they resist] spiritual science today. Now we discover something curious in Fichte—something that the ordinary admirer might overlook in his speeches. This foreshadows something curious. He wants to say that he has conceived of an education through which the German people could enter [into] an era in which the German people free themselves from all foreign domination. He said that those who are wholly caught up in the present—[those who are wholly ensnared by prejudices]—do not dream of such an education, and now he wants to explain how what he desires—[the new]—appears to him in contrast to [the old]; here he expresses himself in a very peculiar way. The focus should be less on thoughts and more on what lies in his sensibility.
Die Zeit
Die Zeit
[ 40 ] — sagte Fichte —,
[ 40 ] — said Fichte —,
erscheint mir wie [wie ein leerer Schatten], [der über seinem Leichname, aus dem soeben ein Heer von Krankheiten ihn herausgetrieben, steht und jammert, und seinen Blick nicht loszureißen vermag von der ehedem so geliebten Hülle, und verzweifelnd alle Mittel versucht, um wieder hineinzukommen in die Behausung der Seuchen. Zwar haben schon die belebenden Lüfte der andern Welt, in die die abgeschiedene eingetreten, sie aufgenommen in sich, und umgeben sie mit warmem Liebeshauche, zwar begrüßen sie schon freudig heimliche Stimmen der Schwestern und heißen sie willkommen, zwar regt es sich schon und dehnt sich in ihrem Innern nach allen Richtungen hin, um die herrlichere Gestalt, zu der sie erwachsen soll, zu entwickeln, aber noch hat sie kein Gefühl für diese Lüfte oder kein Gehör für diese Stimmen ‚oder, wenn sie es hätte, so ist sie aufgegangen in Schmerz über ihren Verlust, mit welchem sie sich selbst verloren zu haben] glaubt.
seems to me like [an empty shadow], [standing over his corpse—from which an army of diseases has just driven him out—wailing, unable to tear his gaze away from the shell he once loved so dearly, and desperately trying every means to get back into the dwelling of the plagues. True, the life-giving breezes of the other world, into which the departed has entered, have already taken her in and surround her with a warm breath of love; true, secret voices of her sisters already greet her joyfully and welcome her; true, something is already stirring and expanding within her in all directions to develop the more glorious form into which she is to grow, yet she still has no sense of these breezes or no hearing for these voices—or, if she did, she is consumed by grief over her loss, believing she has lost herself.
[ 41 ] Da spricht Fichte allerdings nicht geisteswissenschaftlich, aber er spricht Empfindungen, Gefühle aus, die der moderne Geistesforscher nicht anders aussprechen könnte.
[ 41 ] Here, however, Fichte is not speaking from a humanities perspective; rather, he is expressing sensations and feelings that a modern scholar of the humanities could not express any other way.
[ 42 ] Da dürfen wir sagen, meine sehr verehrten Anwesenden, jene Entwicklung, in die Fichte mit solcher Art eingegriffen hat, diese Entwicklung ist berufen, der Welt vieles zu geben gerade von dem, was geistige Erkenntnis der Welt ist, von dem, was Wissenschaft vom geistigen Leben ist. Und begreifen kann man es, meine sehr verehrten Anwesenden, dass diejenigen, die nicht verwachsen sind mit diesem deutschen Wesen, nicht anders können als etwas ihnen Unbekanntes in diesem deutschen Wesen [zu] ahnen, etwas, was ihnen in einer gewissen Beziehung gefährlich ist. Ein schlechtes Gewissen entwickelt sich solchem Unbekannten, dem man nicht nahetreten will, gegenüber, und es spricht sich aus in Vorwürfen wie dem des «Barbarentums». War das aber immer so? In dieser Beziehung ist es wahrhaftig nicht uninteressant, einmal zu sehen, wie deutsches Wesen in seiner ganzen Entwicklung auf hervorragende Geister anderer Nationen gewirkt hat.
[ 42 ] We may say, my esteemed audience, that the development in which Fichte intervened in such a way is destined to give the world much precisely of what constitutes spiritual knowledge of the world—of what constitutes the science of spiritual life. And one can understand, my esteemed audience, that those who are not deeply rooted in this German essence cannot help but sense something unknown to them within it—something that, in a certain sense, is dangerous to them. A guilty conscience develops toward such an unknown, which one does not wish to approach, and it expresses itself in accusations such as that of “barbarism.” But has this always been the case? In this regard, it is truly not uninteresting to examine how the German spirit, throughout its entire development, has influenced outstanding minds of other nations.
[ 43 ] Es ist ja gewiss nicht [unleserliches Wort], deutsches Wesen in uns Deutschen selbst charakterisieren zu sollen, wenn man dafür eigene Worte finden soll. Erlaubt selbstverständlich muss es sein, diejenigen hinzustellen, die die Repräsentanten dieses deutschen Wesens sind. Aber wenn wir heute vernehmen das Wort, die Deutschen seien «Barbaren», [und] von allen Seiten hören, dann ist es doch wohl angezeigt — weil dieser Vorwurf des «Barbarentums» nicht bloß das Deutschtum [verhöhnt], sondern weil er ergreift viele von denen, die auch, ich möchte sagen die geistigen Vertreter der uns feindlichen Nationalitäten sind —, da ist es angemessen, zu sehen einmal, was zu ruhigeren Zeiten hervorragende geistige Vertreter anderer Nationen über deutsches Wesen, so wie es [unleserliche Wörter], aus den Quellen, die eben angedeutet worden sind — gedacht haben. [Es sei auf] Emerson vor allen Dingen hingewiesen, den hervorragenden Vertreter Amerikas. Er sprach über deutsches Wesen die folgenden Worte aus:
[ 43 ] It is certainly not [illegible word] to characterize the German essence within us Germans ourselves, if one is to find one’s own words for it. Of course, it must be permissible to highlight those who are the representatives of this German essence. But when we hear today that the Germans are “barbarians,” [and] hear this from all sides, then it is surely appropriate—not only because this accusation of “barbarism” mocks German identity, but also because it affects many of those who are, I might say, the intellectual representatives of the nations hostile to us— it is appropriate to examine, for once, what eminent intellectual representatives of other nations thought about the German character—as it [illegible words]—during more peaceful times, based on the sources just mentioned. [We should point] above all to Emerson, the outstanding representative of America. He spoke the following words about the German character:
Eine [Eigenschaft vornehmlich, die Goethe mit seiner ganzen Nation gemein hat, macht ihn in den Augen des französischen wie des englischen Publikums zu einer ausgezeichneten, dass sich alles bei ihm nur auf die innere] Wahrheit basiert.
One [quality in particular, which Goethe shares with his entire nation, makes him, in the eyes of both French and English audiences, an outstanding figure: that everything about him is based solely on inner] truth.
[ 44 ] Diese Worte sind nicht in deutscher Sprache in Belgien vor Franzosen ausgesprochen, [sondern] sie sind in englischer Sprache von Emerson ausgesprochen. Er sagt weiter:
[ 44 ] These words were not spoken in German in Belgium in front of the French, [but] they were spoken in English by Emerson. He goes on to say:
In England und Amerika [respektiert man das Talent, allein man ist zufriedengestellt, wenn es für oder gegen eine Partei seiner Überzeugung nach tätig ist. In Frankreich ist man schon entzückt, wenn man brillante Gedanken sieht, einerlei wohin sie wollen. In all diesen Ländern aber schreiben begabte Männer, soweit ihre Gaben reichen. Regt, was sie vorbringen, den verständigen Leser an und enthält es nichts, was gegen den guten Ton anstößt, so wird es für genügend angesehen. So viel Spalten, so viel angenehm und nützlich verbrachte] Stunden. Der deutsche Geist
In England and America, talent is respected, but people are satisfied only when it works for or against a party they support. In France, people are delighted simply to see brilliant ideas, no matter where they lead. In all these countries, however, gifted men write to the extent of their abilities. If what they present stimulates the discerning reader and contains nothing that offends good taste, it is considered sufficient. So many columns, so many hours spent pleasantly and usefully.] The German Spirit
[ 45 ] — das sagt Emerson in englischer Sprache —,
[ 45 ] — that is what Emerson says in English —,
der deutsche Geist besitzt weder [die französische Lebhaftigkeit noch das für das Praktische zugespitzte Verständnis der Engländer noch endlich die amerikanische Abenteuerlichkeit, allein, was er besitzt, ist eine gewisse Probität, die niemals beim äußerlichen Scheine der Dinge stehen bleibt, sondern immer wieder auf die Hauptfrage zurückkommt: «Wo will das hin?» Das deutsche Publikum verlangt von einem Schriftsteller, dass er über den Dingen stehe und sich einfach darüber ausspreche. Geistige Regsamkeit ist vorhanden, wohl an: Wofür tritt sie auf? Was ist des Mannes] Meinung? [Woher?] — woher hat er all diese Gedanken?»
The German mind possesses neither [the French vivacity nor the Englishman’s practical acumen, nor, finally, the American spirit of adventure; what it does possess, however, is a certain probity that never stops at the outward appearance of things, but always returns to the central question: “Where is this leading?” The German public demands that a writer rise above things and simply speak his mind. Intellectual vivacity is present—very well: What does it stand for? What is the man’s] opinion? [Where does it come from?]—where does he get all these thoughts?”
[ 46 ] Und weiter sagt Emerson:
[ 46 ] And Emerson goes on to say:
Die Engländer [sehen nur das Einzelne, sie wissen die Menschheit nicht nach höheren Gesetzen als ein Ganzes aufzufassen.
Die Deutschen denken für] Europa.
The English [see only the individual; they do not know how to view humanity as a whole according to higher laws.
Germans think for] Europe.
[ 47 ] Das hat kein Deutscher gesagt: «Die Engländer ermessen die Tiefe des deutschen [Geistes] nicht», so sagt in englischer Sprache Emerson.
[ 47 ] No German ever said that: “The English do not fathom the depth of the German [spirit],” as Emerson puts it in English.
[ 48 ] Wir sehen aus solchen Aussprüchen, worin das Gegnerische liegen muss, das sich schon entwickelt hat und immer mehr entwickeln wird, nicht nur gegen äußeres deutsches politisches Wesen, sondern gegen deutsches Geistesleben. Deutsches Geistesleben muss verteidigt werden, und die Methoden muss man kennen, die Waffen muss man kennen, mit denen es zu verteidigen ist. Emerson sagt weiter:
[ 48 ] From such statements, we can see where the opposition lies—an opposition that has already taken shape and will continue to grow, directed not only against Germany’s external political reality but also against German intellectual life. German intellectual life must be defended, and one must know the methods and the weapons with which to defend it. Emerson goes on to say:
Aus diesem Grunde sind die in der [höheren Konversation gebräuchlichen Unterscheidungsbegriffe alle deutschen] Ursprungs.
For this reason, the terms used to make distinctions in [higher-level conversation are all of German origin].
[ 49 ] Damit gibt er den Grund an, warum dieses deutsche Wesen den anderen Völkerschaften so unheimlich ist, weil die deutschen Ursprünge dieses [deutschen] Wesens für das, was höhere geistige Anschauung ist, die Unterscheidungsbegriffe zu schaffen hatten. Deutsches Wesen wird aber diese Unterscheidungsbegriffe zu verteidigen haben.
[ 49 ] In doing so, he explains why this German essence is so unsettling to other peoples: because the German origins of this [German] essence were responsible for creating the concepts of distinction necessary for higher spiritual insight. The German essence, however, will have to defend these concepts of distinction.
Während die ihres Scharfsinns [und ihrer Gelehrsamkeit wegen mit Auszeichnung genannten Engländer und Franzosen ihr Studium und ihren Standpunkt mit einer gewissen Oberflächlichkeit ansehen, und ihr persönlicher Charakter mit dem, was sie ergriffen haben, und mit der Art, wie sie sich darüber ausdrücken, in nicht allzu tiefem Zusammenhange steht], spricht Goethe,
While the English and French—who are distinguished for their acumen [and erudition]—view their studies and their perspectives with a certain superficiality, and their personal character is not deeply connected to what they have grasped or to the way they express themselves about it], Goethe says,
[ 50 ] — und wiederum nicht Goethe allein, sondern er meint das Haupt und den Inhalt der deutschen Nation —,
[ 50 ] — and again, not Goethe alone, but rather the essence and substance of the German nation —,
[nicht, weil er Talent hat, sondern die Wahrheit konzentriert ihre Strahlen in seiner Seele und leuchtet] heraus [aus ihr].
[Not because he has talent, but because the truth focuses its rays within his soul and shines] forth [from it].
[ 51 ] So meint Emerson, Goethe, das Haupt der deutschen Nation, die Wahrheit leuchtet aus Goethes Seele heraus und die Wahrheit konzentriert sich mit ihren Strahlen in dieser Seele.
[ 51 ] Thus Emerson says that Goethe is the head of the German nation; the truth shines forth from Goethe’s soul, and the truth is concentrated in that soul with its rays.
Er ist weise im höchsten Grade, [mag auch seine Weisheit ‚oftmals durch sein Talent verschleiert werden. Wie vortrefflich das ist, was er sagt, er hat etwas im Auge dabei, das noch besser ist.] [...] [Er hat jene furchterweckende Unabhängigkeit, die aus dem Verkehr mit der Wahrheit entspringt.]
He is wise to the highest degree, [even though his wisdom may “often be veiled by his talent.” No matter how excellent what he says may be, he has something even better in mind.] [...] [He possesses that awe-inspiring independence that springs from communion with the truth.]
[ 52 ] Der Eindruck dieser furchterweckenden Unabhängigkeit auf andere, das erzeugt in anderen gewiss das, mit dem sie sich retten wollen vor dieser furchterregenden Unabhängigkeit. Es erzeugt den Vorwurf des «Barbarismus». Was man sagen könnte: Das ist lange her, Emerson habe diese Worte geschrieben in der [ersten] Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts und das wird uns ja im Grunde mit Wut immer wiederum in die Ohren hineingetan, wie die Deutschen hinuntergekommen seien seit jenen Zeiten, in denen Goethe, in denen Fichte, in denen Schiller eingeflossen sind in diese Volkssubstanz.
[ 52 ] The impression this terrifying independence makes on others certainly gives rise to the very thing with which they seek to save themselves from this terrifying independence. It gives rise to the accusation of “barbarism.” One might say: That was a long time ago; Emerson wrote those words in the [first] half of the nineteenth century, and yet this is constantly being rammed down our throats with fury—how the Germans have declined since those times when Goethe, Fichte, and Schiller were woven into the fabric of this nation.
[ 53 ] Nun, das klänge wahr, wenn wiederum [es nicht] andere Worte [gäbe], die ein englischer Gelehrter geschrieben hat nicht lange vor dem Ausbruch des gegenwärtigen Krieges. In einer nordenglischen Stadt waren diese Worte von Herford, dem Gelchrten, gesprochen, weil er mit seinen Worten, wie er sagt, das englische zeitungsschreibende Publikum aufmerksam machen wollte auf das, was im deutschen Wesen ruht. Nun, was das zeitungsschreibende englische Publikum von den Worten [hält], die ich Ihnen gleich verlesen werde, die gesprochen worden sind nicht lange vor dem Krieg in England von dem gelehrten Geist, das wissen Sie ja aus dem, was Sie heute in englischen Zeitungen finden. Herford sagt:
[ 53 ] Well, that would sound true if, on the other hand, [there weren’t] other words [written] by an English scholar not long before the outbreak of the current war. In a city in northern England, these words were spoken by Herford, the scholar, because, as he says, he wanted to use his words to draw the attention of the English newspaper-reading public to what lies at the heart of the German character. Well, as for what the English newspaper-reading public thinks of the words I am about to read to you—words spoken in England not long before the war by that learned man—you know that from what you find in English newspapers today. Herford says:
Der hochbegünstigten Auslese unter [Descartes’ und Newtons] Landsleuten
The highly privileged elite among [Descartes’ and Newton’s] compatriots
[ 54 ] — damit meint er also die Franzosen und Engländer —
[ 54 ] — by which he means the French and the English —
war der Geist der Wissenschaft fraglos bekannt; aber der leidenschaftliche Drang nach Wissen wurde dem modernen Europa, falls überhaupt, vor allem durch [Tausende von deutschen] Forschern gelehrt
The spirit of science was undoubtedly well known; but the passionate drive for knowledge was taught to modern Europe—if at all—primarily by [thousands of German] researchers
[ 55 ] —, nicht in [unleserliches Wort], gesprochen in England in englischer Sprache.
[ 55 ] —, not in [illegible word], spoken in England in English.
Die Einbildungskraft, [das Gefühl, der Wille machten ihr Recht neben der Vernunft oder über sie hinaus gehört zu werden geltend, und unter ihrem umgestaltendem Druck wurde das Weltall tiefer, weiter und wundervoller. Das Irrationale] wurde [als eine Quelle der Erleuchtung] anerkannt; [Weisheit wurde vom Kinde und der Blume geholt; Wissenschaft, Philosophie und Dichtung kamen einander nahe.]
The imagination, [along with feeling and the will, asserted its right to be heard alongside reason or even beyond it, and under their transformative pressure, the universe became deeper, vaster, and more wondrous. The irrational] was recognized [as a source of enlightenment]; [wisdom was drawn from the child and the flower; science, philosophy, and poetry drew closer together.]
[ 56 ] — so der Engländer, vergleichen wir es mit dem, was die [unleserliche Wörter] gesagt haben.
[ 56 ] — said the Englishman, let’s compare it to what the [illegible words] said.
Bei uns in England
Here in England
[ 57 ] — so sagt der Engländer in englischer Sprache —
[ 57 ] — so says the Englishman in English —
[schuf diese Wiederbelebung der Einbildungskraft eine edle Dichtung, ließ jedoch die Wissenschaften und die Philosophie fast unberührt. Einer der Schlüssel zum Verständnis der ganzen Periode ist die Tatsache, dass, während in England und Frankreich die poetischen, philosophischen und wissenschaftlichen Bewegungen größtenteils in getrennt liegenden Kanälen dahinflossen, sie in Deutschland] einander berührten und [oder] völlig ineinander aufgingen. [Wordsworth sang und Bentham rechnete;] Hegel [aber fing den Genius der Dichtung im Netz seiner Logik; und der Gedanke, welcher entdeckt und erklärt, und die Einbildungskraft, welche Neues hervorbringt, sie wirkten in fruchtbarer Harmonie zusammen in dem Genius] Goethes.
[This revival of the imagination gave rise to noble poetry, but left the sciences and philosophy almost untouched. One of the keys to understanding the entire period is the fact that, while in England and France the poetic, philosophical, and scientific movements largely flowed along separate channels, in Germany] they intersected and [or] merged completely. [Wordsworth sang and Bentham calculated;] Hegel, [however, ensnared the genius of poetry in the web of his logic; and the thought that discovers and explains, and the imagination that brings forth the new, worked together in fruitful harmony in the genius] of Goethe.
[ 58 ] Und weiter von dem Engländer kurz vor dem Krieg:
[ 58 ] And here is another quote from the Englishman shortly before the war:
Im Faust [am Schluss seines vielbewegten Lebens sehen wir das heutige Deutschland vorgebildet, das Deutschland rastlos-kühnen Wollens und Handelns, und wir können umso besser verstehen, weshalb der große Weltbürger, in dessen Augen Staat und Volkstum untergeordnete und manchmal schädliche Ideale waren, dennoch seine unangreifbare Stelle als der höchste Dichter des Deutschen] Reiches [neben Bismarck,] seinem Schöpfer, behauptet.
In *Faust* [at the end of his eventful life, we see a foreshadowing of today’s Germany—the Germany of restless, bold ambition and action—and we can understand all the better why the great cosmopolitan, in whose eyes the state and national identity were subordinate and sometimes harmful ideals, nevertheless maintained his unassailable position as the greatest poet of the German] Empire [alongside Bismarck,] its creator.
[ 59 ] Und ein Diktum, aber nicht in Belgien vor französischem, sondern in England in englischer Sprache gesprochen ist von demselben deutsches Wesen charakterisierenden Engländer: «Keine deutschen Wörter sind tiefer [mit dem Saft nationaler Ethik durchtränkt als die, welche diese Dinge bezeichnen: wahr, gründlich, treu.]».
[ 59 ] And here is a dictum—spoken not in Belgium in French, but in England in English—by the same Englishman who characterized the German character: “No German words are more deeply [imbued with the essence of national ethics than those that denote these things: true, thorough, faithful.]” .
[ 60 ] So tönte es kurze Zeit vor dem Krieg von jenseits des Kanals zu uns herüber. Derjenige der dann sagt — weil eben die deutschen Kanonen unangenehm sind oder der notwendig geführte Krieg nicht sozial ist — die Deutschen seien «Barbaren», der muss behaupten, dass, nachdem er eben gesagt hat, dieser Mensch erzeuge in seinem Kopf die edelsten Gedanken, in seinem Herzen die edelsten Gefühle, sei [ein] Grobian, weil er werde bestimmt seine Hände gebrauchen. Abgeschmackt ist ein solches Urteil, und kein Sophismus kann über ein solches Urteil hinweghelfen.
[ 60 ] That was the sentiment coming to us from across the Channel shortly before the war. Anyone who then says—simply because German cannons are a nuisance or because the war that had to be fought is not “social”—that the Germans are “barbarians” must claim that, having just said that this person harbors the noblest thoughts in his mind and the noblest feelings in his heart, he is [a] boor because he will certainly have to use his hands. Such a judgment is in poor taste, and no sophistry can make up for it.
[ 61 ] Und derselbe Engländer sagte weiter in jenen Vorträgen, die er, wie gesagt, zum Unterricht der Publizisten gehalten hat:
[ 61 ] And the same Englishman went on to say in those lectures which, as mentioned, he gave to train journalists:
[Im Ganzen und Großen ist es außer Frage, dass die Errichtung des Deutschen Reiches dem Frieden der Welt förderlich gewesen ist. Diese Erklärung wird denen] seltsam erscheinen, die von nichts [etwas wissen, als von den Ereignissen der Gegenwart, und für welche die Geschichte nichts anderes ist, als ein ewig sich verändernder, blendender] Kinematograf. [Die Geschichte sollte aber doch etwas mehr sein. Ihr ziemt es, das Licht der Vergangenheit auf der Gegenwart wirres Getriebe scheinen zu lassen, und in jenem höheren Licht werden Dinge, welche verletzend erscheinen, ein natürliches Ansehen gewinnen. Denn wenn wir in die Vergangenheit blicken, so finden wir, dass unsere Vorfahren Frankreich mit weit größerer Furcht betrachteten, als die wildesten Lärmschläger heute Deutschland] fürchten.
[On the whole, there is no question that the establishment of the German Empire has been conducive to world peace. This statement will seem strange] to those who know nothing [but the events of the present, and for whom history is nothing more than an ever-changing, dazzling] movie. [But history should be something more than that. It is fitting for history to shed the light of the past on the chaotic turmoil of the present, and in that higher light, things that appear offensive will take on a natural appearance. For when we look to the past, we find that our ancestors regarded France with far greater fear than even the wildest rabble-rousers today] fear Germany.
[ 62 ] Kurze Zeit vor dem Ausbruch des Krieges tönte das von jenseits des Kanals herüber.
[ 62 ] Shortly before the outbreak of the war, this was heard from across the Channel.
Und die Furcht unserer Voreltern —
And the fear of our ancestors —
[ 63 ] die Furcht vor Frankreich meint er —
[ 63 ] he means the fear of France —
[hatte ihren guten Grund.] [...] Es lässt sich also, [um alles zusammenzufassen], zeigen, [dass die Gründung des Deutschen Reiches ein Gewinn für Europa gewesen ist, und deshalb auch für] Großbritannien.
[had its good reason.] [...] So, [to sum it all up], it can be shown [that the founding of the German Empire was a benefit for Europe, and therefore also for] Great Britain.
[ 64 ] — so sagt der Engländer —
[ 64 ] — so says the Englishman —
Denn die Ereignisse [der Jahre 1866–1871 machen ein für alle Mal der Möglichkeit, Raubkriege gegen die bis dahin unbeschützte Mitte von Europa zu unternehmen, ein Ende, und beseitigten damit eine Lockung zum Kriege, welche in früheren Jahrhunderten Frankreich so oft auf falsche Bahnen gelockt hatte, sie setzten das deutsche Volk instand, seine bis dahin verkümmerten, politischen Fähigkeiten zu entwickeln, und sie halfen dazu, auf sicherer Grundlage ein neues, europäisches System zu errichten, welches] vierzig Jahre lang den Frieden erhalten hat. Dieser Segen ergab sich aus der Tatsache, [dass die deutsche Einheit auf einen Schlag zustande brachte, was Großbritannien trotz all seines Aufwandes von Blut und Geld nie hatte] bewirken können, nämlich das Gleichgewicht [der Kräfte] in so entschiedener Weise [zu sichern, dass ein großer Krieg zum gefährlichsten aller] Wagnisse wurde.
For the events [of the years 1866–1871 put an end, once and for all, to the possibility of waging wars of aggression against the hitherto unprotected heart of Europe, and thereby eliminated a temptation to war that had so often led France astray in earlier centuries; they enabled the German people to develop their political capabilities, which had hitherto been stunted; and they helped to establish, on a secure foundation, a new European system that] has maintained peace for forty years. This blessing stemmed from the fact [that German unity achieved in one fell swoop what Great Britain, despite all its expenditure of blood and money, had never been able] to accomplish, namely, to secure the balance [of power] in such a decisive manner [that a major war became the most dangerous of all] ventures.
[ 65 ] Wenn das der Mut Englands hält für das Ergebnis dieser geschichtlichen Betrachtung, dann spricht man wohl auch in seinem Sinne — wiewohl er das nicht selbst sagen wird, weil in der Gegenwart wie man sagt [Lücke im Stenogramm] —, dann ist all das, was heute geschwätzt und gefaselt wird über deutsches Wesen /Lücke im Stenogramm]. Zu dem gehört, was er bezeichnet /Lücke im Stenogramm]: «[Im Ganzen und Großen ist es außer Frage, dass die Errichtung des Deutschen Reiches dem Frieden der Welt förderlich gewesen ist.] Diese Erklärung wird denen seltsam [erscheinen, die von nichts etwas wissen als von den Ereignissen der Gegenwart, und] denen [für welche] [die Geschichte nichts anderes ist als ein ewig sich verändernder blendender] Kinematograf.» Erscheint es doch wahrhaftig heute so, als ob die Leute glauben, sie bräuchten nichts zu wissen über die Gegenwart. Und er erinnert [daran] zu verstehen, all das, was seit 1914 geschehen ist.
[ 65 ] If this is what England’s courage holds to be the result of this historical reflection, then one is probably speaking in its spirit—although it will not say so itself, because in the present, as they say [gap in the transcript]—then all the chatter and rambling today about the German character [gap in the transcript]. This includes what he refers to [gap in the transcript]: “[On the whole and in the grand scheme of things, there is no question that the establishment of the German Empire has been conducive to world peace.] This statement will seem strange [to those who know nothing but the events of the present, and] to those [for whom] [history is nothing but an ever-changing, dazzling] cinematic spectacle.” Indeed, it truly seems today as if people believe they need know nothing about the present. And he reminds us [to] understand everything that has happened since 1914.
[ 66 ] [Lord] Haldane, ein Name der Ihnen /unleserliches Wort] aufgefallen ist in der Menschheitsgeschichte, er hat eine Vorrede geschrieben zu dem Druck seiner Vorlesung. Und Haldane schrieb in dieser Vorrede:
[ 66 ] [Lord] Haldane, a name that has [illegible word] caught your attention in the history of humanity, wrote a preface to the printed version of his lecture. And Haldane wrote in this preface:
[Die Quelle des Stromes seines geistigen wie politischen Lebens liegt in der Reformation. Am Ende des achtzehnten und zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts aber begann eine in der Weltgeschichte einzige Strömung in einer Weise zu fließen, die seit jener Zeit so ununterbrochen wie charakteristisch gewesen ist. Seit den Tagen des alten Griechenlands hat die Welt kein solches Schauspiel engster Verschmelzung des Lebens des Staatsmannes mit dem des Denkers geschen. Der Geist des heutigen Deutschlands ist in hohem Maße konkret] praktisch.
[The source of the current of his intellectual and political life lies in the Reformation. At the end of the eighteenth and the beginning of the nineteenth century, however, a movement unique in world history began to flow in a way that has been as uninterrupted as it has been distinctive ever since. Since the days of ancient Greece, the world has not witnessed such a spectacle of the closest fusion of the life of the statesman with that of the thinker. The spirit of today’s Germany is highly concrete] and practical.
[ 67 ] Und dann setzte er hinzu, warum er dies schrieb:
[ 67 ] And then he explained why he wrote this:
Der Einfluss wahrer Kenntnis [kann allein des Misstrauens Wolken verscheuchen und uns von der Last befreien, uns gegen Angriffe zu rüsten, die in Wirklichkeit keiner von uns im] Sinne hat.
The influence of true knowledge [alone can dispel the clouds of mistrust and free us from the burden of having to arm ourselves against attacks that, in reality, none of us] intends.
[ 68 ] Meine sehr verehrten Anwesenden, es ist vielleicht nicht mit wenigen Worten dasjenige zu umfassen, was charakteristisch ist für diese Urteile, die hervorragende Menschen anderer Nationen über deutsches Wesen in anderen Zeiten gefällt haben. Man kann nur empfinden all dasjenige, was auch an Übergriffen und Attacken gegenüber deutschem Geistesleben heute in der Welt liegt und wogegen sich auch deutsches Geistesleben zu verteidigen hat. Haben wir es ja zum Beispiel doch erleben müssen, dass ein hervorragender Geist Belgiens, der seine Worte in französischer Sprache geschrieben hat, der ganz besonders anerkannt worden ist in Deutschland, dass Maurice Maeterlinck die bittersten Vorwürfe dem, wie er sagt, deutschen «Barbarismus» gemacht hat, dass er ganz und gar sich gemischt hat unter die Faselhänse der Straße und Worte gebraucht hat vom sogenannten deutschen «Barbarentum», die einzig und allein dieser Straße würdig sind.
[ 68 ] Ladies and gentlemen, it may not be possible to summarize in just a few words what is characteristic of these judgments that outstanding individuals from other nations have made about the German spirit in other eras. One can only sense all that is currently taking place in the world in the form of assaults and attacks on German intellectual life—and against which German intellectual life must also defend itself. After all, we have had to witness, for example, that an outstanding Belgian intellectual—who wrote his works in French and was particularly highly regarded in Germany—namely Maurice Maeterlinck, leveled the bitterest accusations against what he calls German “barbarism”—that he has completely aligned himself with the street rabble and used terms like so-called German “barbarism,” which are worthy solely of such street rabble.
[ 69 ] Aber hören wir — ich will /unleserliches Wort] einmal sagen — einen Landesgenossen von Maeterlinck, einen anderen, der in derselben Sprache geschrieben hat wie er. Der will charakterisieren, welchen Einfluss er erfahren hat unter anderem auch vom deutschen Wesen, da wo es am tiefsten in die Erscheinung getreten ist, zum Beispiel bei Novalis: Dieser französische Belgier, ich will sagen, dieser Landesgenosse Maeterlincks — wir werden gleich sehen, wie nahe er Maeterlinck steht —, er sagt, wenn man so etwas, wie es Novalis geschaffen hat aus dem deutschen Wesen heraus, auf sich wirken lässt, kann man sagen, man findet in Europa wirklich gar keine Worte, um die Bedeutung dieses Scelenwesens Novalis zu charakterisieren. Man muss die Worte in folgender Weise prägen, wenn Shakespeare dieses oder anderes geschrieben hat: [Wenn Shakespeare oder] Sophokles [ihre Figuren handeln lassen,] so beschäftigen sie sich mit Menschheitsangelegenheiten, die die Menschen auf der Erde interessieren. Novalis hat aus der Tiefe des deutschen Wesens etwas geschaffen, wofür sich nicht allein Menschen auf der Erde interessieren müssen, wenn man denken würde, dass Engelwesen, kosmische Wesenheiten, hinunterstiegen auf die Erde. Und wenn man ihnen etwas bieten wollte, was sie interessieren würde, darf man nicht kommen mit Shakespeare [oder] Sophokles. Das hat für sie keine Bedeutung, da muss man kommen mit etwas, was so mit den Quellen des Ewigen — das auch Bedeutung hat für andere geistige, ätherische Welten — geprägt ist wie das, was Novalis geschrieben hat. Und was macht dieser Landesgenosse Maeterlincks, wenn er so spricht von dem, was er von dem Ewigen, Webenden der Seele Novalis empfangen hat:
[ 69 ] But let us listen—I’ll just say [illegible word]—to a compatriot of Maeterlinck, another writer who wrote in the same language as he did. He seeks to describe the influence he experienced, among other things, from the German spirit, where it manifested itself most profoundly, for example in Novalis: This French Belgian—I mean to say, this compatriot of Maeterlinck’s—we will soon see how close he is to Maeterlinck—says that when one allows something like what Novalis created out of the German spirit to take effect upon oneself, one can say that in Europe there are truly no words at all to characterize the significance of this unique essence of Novalis. One must coin the words in the following way: when Shakespeare wrote this or that: [When Shakespeare or] Sophocles [have their characters act,] they deal with human affairs that interest people on Earth. Novalis created something from the depths of the German spirit that need not interest only people on Earth—if one were to imagine that angelic beings, cosmic entities, had descended to Earth. And if one wanted to offer them something that would interest them, one must not come with Shakespeare [or] Sophocles. That has no meaning for them; one must come with something that is so imbued with the sources of the Eternal—which also has meaning for other spiritual, ethereal worlds—as what Novalis has written. And what does this compatriot of Maeterlinck do when he speaks in this way of what he has received from Novalis regarding the Eternal, the Weaving of the Soul:
Wenn er aber [anderer Beweise bedürfte, so würde sie ihn unter die führen, deren Werke fast an Schweigen rühren.]
But if he [needed further proof, she would count him among those whose works border on silence.]
[ 70 ] An Schweigen meint er, weil die Worte der Sprache nicht ausdrücken können, was man zu sagen hat.
[ 70 ] By “silence” he means that the words of language cannot express what one has to say.
[Sie würde die Pforte des Reiches öffnen, wo einige sie um ihrer selbst willen liebten, ohne sich um die kleinen Gebärden ihres Körpers zu bekümmern. Sie würden zusammen auf die einsamen Hochflächen steigen, wo das Bewusstsein sich um eine Stufe erhebt, und wo alle, welche die Unruhe über sich selbst erfüllt, aufmerksam den ungeheueren Ring umschweifen, der die Erscheinungswelt mit unseren höheren Welten verknüpft. Sie würde mit ihm zu den Grenzen der Menschheit gehen; denn an dem Punkte, wo der Mensch zu enden scheint, fängt er wahrscheinlich erst an, und seine wesentlichsten und unerschöpflichsten Teile befinden sich nur im Unsichtbaren, wo er unaufhörlich auf seiner Hut sein muss. Auf diesen Höhen allein gibt es Gedanken, welche die Seele billigen kann, und Vorstellungen, die ihr ähneln, und die so gebieterisch sind, wie sie selbst. Dort hat die Menschheit einen Augenblick geherrscht und diese schwach erleuchteten Spitzen sind vielleicht die einzigen Lichter, welche die Erde im] Geisterreiche ankündigen. [Ihr Widerschein hat fürwahr die Farbe unserer Seele. Wir empfinden, dass die Leidenschaften des Geistes und des Körpers in den Augen einer fremden Vernunft den Klagen von Glocken gleichen würden; aber die Menschen, von denen ich rede, sind in ihren Werken aus dem kleinen Dorfe der Leidenschaften herausgekommen, und haben Dinge gesagt, die auch denen von] Wert sind, [die nicht zur irdischen] Gemeinde [zählen.]
[She would open the gates of the realm where some loved her for her own sake, without concerning themselves with the subtle gestures of her body. Together they would ascend to the lonely plateaus, where consciousness rises to a higher level, and where all those filled with restlessness about themselves attentively survey the immense ring that links the world of phenomena with our higher worlds. She would go with him to the boundaries of humanity; for at the point where man seems to end, he probably only begins, and his most essential and inexhaustible parts lie only in the invisible, where he must be constantly on guard. Only on these heights are there thoughts that the soul can approve of, and ideas that resemble it and are as commanding as the soul itself. There, humanity reigned for a moment, and these dimly lit peaks are perhaps the only lights that herald the Earth in the spirit realm. [Their reflection truly bears the color of our soul. We sense that the passions of the mind and body would resemble the tolling of bells in the eyes of an alien reason; but the people of whom I speak have, in their works, emerged from the small village of passions and have spoken words that are of value even to those [who do not belong to the earthly] community.[/p]
[ 71 ] Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, ich habe Sie mit diesen Worten einer Persönlichkeit — wie gesagt, die Maeterlinck nahesteht — eine Weile beschäftigt. Man darf glauben, dass dasjenige, was diese Persönlichkeit fühlt, sie die Worte hätte aussprechen können — als sie hörte, was Maurice Maeterlinck über deutsches Wesen sich zu sagen anmaßte in jüngster Zeit —, sie die Worte hätte aussprechen können, diese Seele:
[ 71 ] Well, ladies and gentlemen, I have kept you occupied for a while with these words from a figure—as I said, one close to Maeterlinck. One might well believe that what this person feels—had she been able to speak these words—when she heard what Maurice Maeterlinck recently presumed to say about the German character—had she been able to speak these words, this soul:
In Wahrheit ist [es schwer, seine Seele zu befragen, und ihre schwache Kinderstimme inmitten der unnützen] Schreier zu vernehmen, die sie umgeben.
In truth, [it is difficult to listen to one’s soul and hear its faint, childlike voice amid the useless] clamor that surrounds it.
[ 72 ] Aber, meine sehr verehrten Anwesenden, ich habe Sie nur eine Weile, ich möchte sagen /unleserliches Wort] mystifiziert. Der, der das sagt, was ich Ihnen vorgelesen habe über Novalis, ist nämlich Maeterlinck selbst. Und derjenige, der von den unnützen Schreiern gesprochen hat, ist ebenso Maeterlinck selbst. Es ist /unleserliches Wort] Kleinigkeit, sich ein Urteil über die Gesinnung zu bilden, welche zugrunde liegt dem Ausspruch von den deutschen «Barbaren».
[ 72 ] But, my esteemed audience, I have only been /[illegible word]] misleading you for a moment. The one who said what I just read to you about Novalis is, in fact, Maeterlinck himself. And the one who spoke of the useless loudmouths is likewise Maeterlinck himself. It is /illegible word] a trifle to form a judgment about the mindset underlying the remark about the German “barbarians.”
[ 73 ] [Unleserliches Wort], meine sehr verehrten Anwesenden, es war im Jahre 1870 schon, da führte der Deutsche [David Friedrich] Strauß, seinen gedruckten Briefwechsel mit Renan, dem Schreiber [von] «Das Leben Jesu». Merkwürdige Worte hat damals der Franzose gesprochen über deutsches Wesen, er sprach sie in der Zeit selbst, als Deutschland Frankreich mit [dem] Krieg von 1870 schon überzogen hatte. Renan machte darauf aufmerksam, dass er in späterem Lebensalter erst mit deutschem Geistesleben sich bekannt gemacht hat. Das, was im deutschen Geistesleben /unleserliches Wort] ist, möchte ich mit den Worten Renans selbst vor Ihre Seele führen:
[ 73 ] [Illegible word], my esteemed audience, it was already in the year 1870 when the German [David Friedrich] Strauss published his correspondence with Renan, the author of “The Life of Jesus.” The Frenchman spoke some remarkable words at that time about the German character; he spoke them at the very moment when Germany had already brought war upon France in 1870. Renan pointed out that it was only later in life that he became acquainted with German intellectual life. I would like to convey to you, in Renan’s own words, what [illegible word] is in German intellectual life:
[ 74 ] «Deutschland» — sagt Renan — «hat die bedeutendste [Revolution der neueren Zeiten, die Reformation gemacht, außerdem] [...] [eine der schönsten geistigen Entwicklungen» die dem deutschen Geist eine Stufe, eine Tiefe zugesetzt hat, die so ist, wie einer] [der nur die Elementarmathematik kennt, zu dem, der in Differenzial-] rechnung bewandert ist.
[ 74 ] “Germany,” says Renan, “has brought about the most significant [revolution of modern times—the Reformation—and, furthermore] [...] [one of the most beautiful intellectual developments,” which has added a level and a depth to the German spirit comparable to that of] [someone who knows only elementary mathematics versus someone who is well-versed in differential] calculus.
[ 75 ] Man braucht nicht deutsche Worte zu gebrauchen, um zu charakterisieren, was deutsches Wesen der Welt sein soll. Aber nun hören wir denselben Renan dazumal aussprechen dasjenige, was er über die Zukunft Europas und ihr Verhältnis zu Frankreich denkt. sehr interessante Worte hat er gesprochen. Er hat darauf aufmerksam gemacht, dass [es] in Frankreich zwei Strömungen gebe. Die erste ist die, welche sich sagt: Wir wollen versuchen, nichts an Deutschland abzutreten, wir wollen versuchen, in Frankreich selbst Ordnung herzustellen und mit Deutschland ein Bündnis [zu] schließen für die Gesittung von Europa. — Dann aber machte er aufmerksam auf eine andere Strömung, die da sagt: Wir wollen nur einmal Ruhe haben, Elsass-Lothringen abtreten, aber dann Bündnis mit jedem, mit dem wir uns gegen die deutsche Rasse verbünden können.
[ 75 ] One need not use German words to characterize what the German essence of the world is supposed to be. But now let us hear Renan himself express what he thought at the time about the future of Europe and its relationship to France. He spoke some very interesting words. He pointed out that there were two currents in France. The first is the one that says: We want to try not to cede anything to Germany; we want to try to establish order within France itself and form an alliance with Germany for the civilization of Europe. — But then he drew attention to another current that says: “We just want some peace and quiet; let’s cede Alsace-Lorraine, but then form an alliance with anyone with whom we can join forces against the German race.”
[ 76 ] Was ist das für ein Urteilen, meine sehr verehrten Anwesenden? Das heißt, ein Mensch versteht, ein Mensch, der zu den Führenden seiner Nation gehört, versteht, dass das, was er im deutschen Geistesleben erkannt hat, sich verhält zu anderem, was ihm geboten worden ist, [wie die Differenzialrechnung zu der elementaren Mathematik.] Und derselbe findet es töricht, dass sich nunmehr sein Volk verbündet mit jedem, der als Feind für dieses deutsche Wesen zu haben ist. Ja, man muss schon die Geschichte nicht wie einen Kinematografen nehmen, sondern man muss etwas in die Tiefe hineingehen, wenn man den Satz begreifen will, dass deutsches Wesen viel zu verteidigen haben wird in der Welt und dass der gewaltige Kampf nur der äußere symptomatische Ausdruck [ist]. Und was hören wir für andere Worte auch von denen, die uns aus ihrem Unvermögen — und sagen wir mit den Renan-Worten: zur «Differenzialrechnung der Kultur» aufzusteigen — «Barbaren» nennen, was hören wir alles anderes? Wir hören oftmals und immer wiederum, Deutschland sei schuld an diesem Weltkrieg. Nur Kurzsichtigen kann eigentlich [ein] solcher Ausspruch zugemutet werden. Man kann in leichter Weise auch äußerlich beweisen, meine sehr verehrten Anwesenden, wie das, was jetzt kriegerisch aufeinanderprallt, durch Jahre hindurch waltet und webt in Europa und nach Ausbruch drängt. Und demgegenüber, was da in den Strömungen der europäischen Länder war, zu sagen, Deutschland habe diesen Krieg gewollt, wird einmal als einfacher Unsinn erkannt werden, als die gewissenlose Behauptung derer, die zum Quell ihrer Gewissenlosigkeit Scheu vor demselben haben, was jene deutschen «Barbarismus» nennen.
[ 76 ] What kind of judgment is this, my esteemed audience? It means that a person—a person who is among the leaders of his nation—understands that what he has come to recognize in German intellectual life relates to other things that have been presented to him [just as differential calculus relates to elementary mathematics. ] And that same person finds it foolish that his people should now ally themselves with anyone who is an enemy of this German essence. Indeed, one must not treat history like a movie, but must delve deeper if one wishes to grasp the statement that the German essence will have much to defend in the world and that the mighty struggle is merely the outward, symptomatic expression [is]. And what other words do we hear from those who, out of their own inability—and let us use Renan’s words: to rise to the “differential calculus of culture”—call us “barbarians”? What else do we hear? We hear time and again that Germany is to blame for this world war. Only the short-sighted can really be expected to make such a statement. One can easily demonstrate, even from an external perspective, ladies and gentlemen, how what is now clashing in war has been prevailing and weaving its way through Europe for years, pressing for an outbreak. And in light of the currents prevailing in the European nations at the time, to claim that Germany wanted this war will one day be recognized as sheer nonsense—as the unscrupulous assertion of those whose lack of conscience stems from their fear of the very thing the Germans call “barbarism.”
[ 77 ] Während [des] Krieges 1870 sagte ein Mensch, der einen höheren Blick über die europäischen Verhältnisse hatte, das Folgende — so lassen Sie mich zum Schluss noch hinzufügen. — Carl Vogt, der Naturforscher, sagte während des Deutsch-Französischen Krieges das Folgende:
[ 77 ] During the war of 1870, a man who had a broader perspective on European affairs said the following—let me add this as a final note.—Carl Vogt, the naturalist, said the following during the Franco-Prussian War:
Was mich nun betrifft, [so bin ich keinen Augenblick im Zweifel, dass ein Konflikt zwischen der germanischen und slawischen Welt bevorsteht, dass derselbe sich entweder durch den Orient, speziell die Türkei, oder durch den Nationalitätenstreit in Österreich, vielleicht durch beide, entzünden, und dass Russland in demselben die Führerschaft auf der einen Seite übernehmen wird. Diese Macht bereitet sich schon jetzt auf die Eventualität vor; die national-russische Presse speit Feuer und Flamme gegen Deutschland. [.—.] Die deutsche Presse lässt schon jetzt ihre Warnungsrufe] erschallen.
As for me, [I have not a moment’s doubt that a conflict between the Germanic and Slavic worlds is imminent, that it will be ignited either by the East—specifically Turkey—or by the conflict over nationalities in Austria, perhaps by both, and that Russia will assume leadership on one side in this conflict. This power is already preparing for this eventuality; the nationalist Russian press is spewing fire and brimstone against Germany. [.—.] The German press is already sounding its warnings.]
[ 78 ] 1870 ist das geschrieben.
[ 78 ] This was written in 1870.
Seitdem [nach dem Krimkriege Russland sich sammelte, ist eine lange Zeit verflossen, und wie es scheint, wird es jetzt in [Petersburg] zweckmäßig gefunden, die orientalische Frage wieder einmal aufzunchmen.] Wenn das Mittelmeer
A long time has passed since [Russia regrouped after the Crimean War, and it seems that it is now deemed expedient in [St. Petersburg] to raise the Eastern Question once again.] If the Mediterranean
[ 79 ] — so sagt er weiter —
[ 79 ] — he goes on to say —
[einst nach dem mehr pompösen als wahren Ausdruck «ein französischer See» werden sollte, so hat Russland die noch viel positivere Absicht, aus dem Schwarzen Meere einen russischen See und aus dem Marmarameer einen russischen Teich zu machen. Dass Konstantinopel eine russische Stadt, Griechenland ein direkter Vasallenstaat Russlands werden müsse, ist ein feststehender Zielpunkt der russischen Politik, die ihren Unterstützungshebel in der gemeinsamen Religion und in dem Panslawismus findet. Die Donau würde dann am Eisernen Tor etwa von dem russischen Schlagbaum] geschlossen werden.
[While it was once intended to be known by the expression “a French lake”—which is more pompous than accurate—Russia has the even more ambitious goal of turning the Black Sea into a Russian lake and the Sea of Marmara into a Russian pond. That Constantinople must become a Russian city and Greece a direct vassal state of Russia is a fixed goal of Russian policy, which finds its basis of support in their shared religion and in Pan-Slavism. The Danube would then be closed off at the Iron Gate, roughly at the Russian barrier.]
[ 80 ] Und aus dieser seiner Einsicht in die Notwendigkeit dieses Krieges, aus dem Gelüst des Ostens heraus, macht der Schreiber [auf] dieses Ziel aufmerksam, wie verantwortungsvoll es werden muss für Europas Gesittung, wenn der Osten etwa seine Bundesgenossen finden sollte in dem europäischen Westen. /Auslassung einer unleserlichen Passage.]
[ 80 ] And based on his understanding of the necessity of this war—and driven by the East’s desire—the author draws attention to this goal: just how critical it will become for Europe’s stability if the East were to find allies in Western Europe. /Omission of an illegible passage.]
[ 81 ] Ganz zum Schluss möchte ich noch etwas anderes Ihnen vorführen, wie ein Beweis dafür, dass wir es nicht zu tun haben mit etwas, was in dieser unserer Gegenwart erst entstanden ist, sondern dass wir es zu tun haben mit etwas, was sich mit Notwendigkeit entwickelt hat aus dem europäischen Konflikt heraus und was die Deutschen in Mitteleuropa aufgerufen hat zur Verteidigung dieses Wesens. Ich möchte mit einigen Worten charakterisieren dasjenige, was sich so abgespielt hat seit frühstens 1914, seit etwas mehr als einem Jahr. Diejenigen, die verfolgt haben die Zeitgeschichte, werden wissen, dass das, was ich hier charakterisieren will, wirklich die Zeitverhältnisse trifft. Das, was wir sehen konnten im Osten, war das Aufgehen einer gewissen Presskampagne, die aufnahm die Ideale des Panslawismus. Und es zeigt lange vor der Ermordung des österreichischen Thronfolgers, zeigt, was man versuchen will, um die Ansprüche Russlands zu befriedigen.
[ 81 ] Finally, I would like to present something else to you as proof that we are not dealing with something that has only recently emerged in our present time, but rather with something that has necessarily developed out of the European conflict and that has called upon the Germans in Central Europe to defend this essence. I would like to describe in a few words what has been unfolding since at least 1914—for a little over a year now. Those who have followed contemporary history will know that what I intend to describe here truly reflects the circumstances of the time. What we witnessed in the East was the emergence of a certain press campaign that embraced the ideals of Pan-Slavism. And it shows—long before the assassination of the Austrian heir to the throne—what attempts were being made to satisfy Russia’s claims.
[ 82 ] Folgende Worte könnte man sich zusammenstellen, um das, was sich seit etwas mehr als einem Jahr zugetragen hat: [...] wie allmählich eine Art von Presskampagne in Petersburg anfing, [...] wie Deutschland in seiner Absicht verdächtigt wurde. Diese [Angriffe] steigerten sich in den folgenden [Wochen] bis zu starken [Forderungen eines Druckes, den wir auf Österreich üben sollten in Sachen wo wir das] österreichische Recht nicht [ohne Weiteres] angreifen konnten. Man konnte dazu seine Hand nicht bieten, denn [wenn wir uns Österreich entfremdeten, so gerieten wir, wenn wir nicht ganz isoliert sein wollten in Europa, notwendig in Abhängigkeit von Russland. Wäre eine solche Abhängigkeit erträglich gewesen? Man hatte früher glauben können, sie könnte es sein, weil man sich sagte: Wir haben gar keine streitigen Interessen; es ist gar kein Grund, warum Russland je die Freundschaft uns kündigen sollte. Wenn man mit russischen Freunden spricht von dergleichen Auseinandersetzungen, so kann man ihnen nicht gerade widersprechen. Die Vorgänge zeigten aber, dass selbst ein vollständiges In-Dienst-Stellen unserer Politik — für gewisse Zeit — in die russische uns nicht davor schützte, gegen unseren Willen und gegen unser Bestreben] mit Russland in Streit zu geraten.
[ 82 ] One could put together the following words to describe what has happened over the past year or so: [...] how a sort of press campaign gradually began in St. Petersburg, [...] how Germany was suspected of having a certain intention. These [attacks] intensified in the following [weeks] to the point of strong [demands that we exert pressure on Austria in matters where we] could not [simply] challenge Austrian law. We could not go along with this, for [if we alienated Austria, we would—unless we wished to be completely isolated in Europe—necessarily become dependent on Russia. Would such dependence have been tolerable? One might previously have believed it could be, because we told ourselves: We have no conflicting interests; there is no reason whatsoever why Russia should ever sever its friendship with us. When one speaks with Russian friends about such disputes, one cannot exactly contradict them. However, events showed that even a complete subordination of our policy—for a certain time—to Russia’s did not protect us from coming into conflict with Russia against our will and against our aspirations.]
[ 83 ] So könnte man charakterisieren das, was sich zugetragen hat, nun, sagen wir bis zum Ausbruch des Krieges hin. Meine sehr verehrten Anwesenden, die Worte, die ich Ihnen eben vorgelesen habe zur Charakterisitk dieser letzten Zeit sind nicht von mir. Diese Worte muss ich Ihnen noch einmal vorlesen mit einer kleinen Veränderung. Damit sind sie 1888 am 6. Februar von Bismarck im Deutschen Reichstag gesprochen. Da sagte Bismarck:
[ 83 ] This is how one might characterize what has taken place—well, let’s say up until the outbreak of the war. Ladies and gentlemen, the words I have just read to you describing these recent times are not my own. I must read these words to you once more, with a slight modification. They were spoken by Bismarck in the German Reichstag on February 6, 1888. Bismarck said:
[.—.] wie allmählich [eine Art von Presskampagne in Petersburg anfing, durch welche die deutsche Politik angegriffen, ich persönlich in meinen Absichten verdächtigt wurde. Diese Angriffe steigerten sich während des darauffolgenden Jahres] bis 1879 [zu starken Forderungen eines Druckes, den wir auf Österreich üben sollten in Sachen, wo wir das österreichische Recht nicht ohne Weiteres angreifen konnten. Ich konnte dazu meine Hand nicht bieten; denn wenn wir uns Österreich entfremdeten, so gerieten wir, wenn wir nicht ganz isoliert sein wollten in Europa, notwendig in Abhängigkeit von Russland. Wäre eine solche Abhängigkeit erträglich gewesen? Ich hatte früher geglaubt, sie könnte es sein, indem ich mir sagte: Wir haben gar keine streitigen Interessen, es ist gar kein Grund, warum Russland je die Freundschaft uns kündigen sollte. Ich hatte wenigstens meinen russischen Kollegen, die mir dergleichen auseinandersetzten, nicht geradezu widersprochen. Der Vorgang betreffs des Kongresses enttäuschte mich, der sagte mir, dass selbst ein vollständiges Indienststellen unserer Politik (für gewisse Zeit) in die russische uns nicht davor schützte, gegen unsern Willen und gegen unser Bestreben mit Russland in] Streit zu geraten.
[.—.] how, little by little, [a kind of press campaign began in St. Petersburg, through which German policy was attacked and I personally was suspected of ulterior motives. These attacks intensified over the course of the following year] until 1879 [into strong demands that we exert pressure on Austria in matters where we could not readily challenge Austrian law. I could not go along with that; for if we alienated Austria, we would—unless we wished to be completely isolated in Europe—necessarily fall into dependence on Russia. Would such dependence have been tolerable? I had previously believed it might be, telling myself: We have no conflicting interests at all; there is absolutely no reason why Russia should ever sever its friendship with us. At the very least, I had not outright contradicted my Russian colleagues who had explained this to me. The events surrounding the Congress disappointed me; they showed me that even a complete subordination of our policy (for a certain time) to Russia’s would not protect us from entering into conflict with Russia against our will and against our best efforts.
[ 84 ] Dieselben Worte gelten für 1914, die gegolten haben in genau derselben Prägung für 1888. Und da sage jemand, dieser Krieg sei in Bezug auf seine Gründe 1914 hervorgerufen worden durch Mitteleuropa. Die Strömung war immer da. So aber glaube ich, durch die heutige nur skizzierte Auseinandersetzung gezeigt zu haben, dass der Angriff — der einschließt Deutschland und Österreich wie in einer großen Festung, und am liebsten dieses Mitteleuropa aushungern wollte — sich nicht allein richtet gegen die äußere Konfiguration, nicht allein gegen soziale Wirtschaftsverhältnisse, sondern immer mehr richten wird gegen das, was deutsche Seele ist, was deutscher Geist ist. Annehmen aber kann man, gerade wenn man Geister wie Fichte und Schiller betrachtet, wie das, was im deutschen Wesen und seiner Entwicklung liegt, erst im Keim belebt ist.
[ 84 ] The same words apply to 1914 as applied, in exactly the same sense, to 1888. And let anyone say that, in terms of its causes, this war was brought about by Central Europe in 1914. The current has always been there. But I believe that through the discussion I have only briefly outlined today, I have shown that the attack—which encircles Germany and Austria as if in a great fortress and would most gladly starve this Central Europe into submission—is not directed solely against the external structure, not solely against social and economic conditions, but will increasingly be directed against what constitutes the German soul, what constitutes the German spirit. Yet one can surmise—especially when considering minds such as Fichte and Schiller—that what lies at the heart of the German essence and its development is only just beginning to take shape.
[ 85 ] In Empfindung und Gefühl können wir durch Fichte aufsuchen das, was an Erkenntnis des Geistes sich immer weiter ausbreiten muss. Zu der Beantwortung der Frage, warum nennen sie [das Volk ein «Barbarenvolk»? Zu dieser Beantwortung] wird im Wesentlichen gehören die Erkenntnis des Nebels, den sich die Menschen vormachen wollen, vor demjenigen, was notwendigerweise um der Entwicklung der Welt willen von dem deutschen Volk aus verteidigt werden muss. Den Krieg der Gegenwart wird der deutsche Mut, die deutsche Tapferkeit entscheiden. Aber Waffen werden wir brauchen, die entnommen sind dem Heiligsten, was die deutsche Seele hat, um das zu verteidigen, was aus demselben Grund heraus Angriffe wird erfahren müssen und schon erfahren hat, das deutsche geistige Wesen. Denn dieses deutsche geistige Wesen — aufgebaut auf einer Erkenntnis des Geistes, richtet hin seine Ziele auf [die] Erkenntnis des Geistes — hat zu Feinden all das, was nur in äußerer Philosophie etwa nach Spencer’scher oder Danilewski’scher Art walten will, hat selbst zu Gegnern das, was sich aus Descartes’ Franzosentum heraus entwickeln konnte und so weiter und was es für andere Philosophien hat.
[ 85 ] Through Fichte, we can explore in sensation and feeling that which must continually expand in our understanding of the spirit. To answer the question, “Why do they call [the people] a ‘barbarian people’?,” this answer] will essentially involve recognizing the fog that people seek to create to obscure what must necessarily be defended by the German people for the sake of the world’s development. The war of the present will be decided by German courage and German bravery. But we will need weapons drawn from the holiest essence of the German soul to defend that which, for the very same reason, will have to endure attacks—and indeed has already endured them—namely, the German spiritual essence. For this German spiritual essence—built upon a knowledge of the spirit and directed toward the knowledge of the spirit—has as its enemies everything that seeks to prevail merely in external philosophy, such as in the Spencerian or Danilevskian tradition; it even has as its adversaries that which was able to develop out of Descartes’s French philosophy, and so on, as well as whatever other philosophies may entail.
[ 86 ] Dieses deutsche Wesen holt seine Logik aus tieferen Gründen heraus, aus Gründen, in denen es verbunden sein will, dieses deutsche Wesen, mit dem Geist selbst. Und Logik ist ja wahrhaftig recht wenig in den Angriffen, die heute noch völkisch [sind], aber wenn wir auf Philosophen wie [Emile] Boutroux, [unleserlicher Name], Bergson — [unleserliches Wort] nicht mehr Fils de Montagne —, wie man hinschaut auf solche Philosophen, wie sie sprechen, dass die Deutschen verlernt haben, das Lebendige zu erfassen [und] auf den Geist zu blicken, wie sie durch äußeren Materialismus erstarren, dann möchte man fragen: Glaubt ihr wirklich, dass nachdem ihr Deutschland von allen Seiten [eingekreist] habt, [Deutschland sich] dadurch verteidigt, [indem man] Novalis, Schiller und Goethe vorliest an seinen Grenzen und diese Dichter eure Kanonen nicht hören?
[ 86 ] This German essence derives its logic from deeper reasons—reasons in which it seeks to be connected, this German essence, with the spirit itself. And logic is indeed quite scarce in the attacks that are still nationalistic today, but when we look at philosophers such as [Emile] Boutroux, [illegible name], Bergson—[illegible word], no longer “Fils de Montagne”—when one looks at such philosophers, at how they speak of how the Germans have forgotten how to grasp the living [and] to look toward the spirit, how they have become through external materialism—then one might ask: Do you really believe that, after you have [surrounded] Germany on all sides, [Germany will] defend itself [by] reading Novalis, Schiller, and Goethe at its borders, and that these poets will not hear your cannons?
[ 87 ] Ihr habt hinausgerufen das, was nur als Mechanismus aus dem deutschen Geist hervorging. Das aber wird auch nicht, ohne dass aus dem Wesen, was gerade in /unleserliche Wörter] Fichte einmal hervorgeholt werden musste, als jemand von ihm sagte recht treffend: Das Unwiderstehliche des Wesens sei die unaufhörliche Gestimmtheit seines Gemüts durch [militärische] Verteidigung des geistigen Wesens.
[ 87 ] You have proclaimed what emerged from the German spirit as nothing more than a mechanism. But that, too, cannot happen without drawing from the essence—which, as someone once aptly said of Fichte, had to be brought to light in [illegible words]—namely, that the irresistible nature of the essence lies in the ceaseless disposition of its spirit through [military] defense of the spiritual essence.
[ 88 ] Die Logik, die da waltet, zeugt ja ebenso wenig wie [unleserliches Wort] Erkenntnis [unleserliches Wort] auch nur von einem oberflächlichen Überblick über die Tatsachen. Mit derselben Logik, mit der heute bei den Deutschen die Ursache dieses Krieges gesucht wird, mit derselben Logik kann man sagen, die Deutschen seien daran schuld, dass sie heute so angegriffen werden von allen Seiten, denn man kann sie nur angreifen, [denn] die Buchdruckerkunst, die haben sie erfunden, die Deutschen. Also sind sie schuld an dem Schimpf, der ihnen angetan wird. Das ist dieselbe Logik, die sich viel uns heute in die Ohren tönt. Denn man kann noch weitergehen, kann sagen, es wird ja in einem barbarischen Krieg mit Pulver geschossen. Man kann nicht von den Franzosen sagen, dass sie das Pulver erfunden haben. Man muss schon die Erfindung des Krieges den Deutschen zuschreiben. So sind sie allerdings auch schuld, dass überhaupt dieser Krieg und alle Kriege der neueren Zeit geführt werden. Aber all das ist nur äußeres /unleserliches Wort]. Und das, was der Deutsche berufen ist hervorzuholen aus der Tiefe des geistigen Lebens, was veranlagt [ist] bei seinen besten Geistern, worauf seine besten Geister hingewiesen haben, von dem muss man sagen: Es zeigt in seiner eigenen natürlichen Entwicklung darauf, dass es Vergangenheit atmet, es zeigt auch Zukunft, es hat innere Entwicklungsursachen und Entwicklungskräfte, und aus diesen schöpft das deutsche Gemüt, die deutsche Seele Zuversicht und Hoffnung, dass die Feinde es nicht überwältigen werden, dass es Mittel und Wege finden wird, Kraft und Ausdauer finden wird, deutsches Wesen für die Welt zu verteidigen.
[ 88 ] The logic at work here shows just as little evidence of [illegible word] insight /[illegible word]] as it does of even a superficial overview of the facts. Using the same logic with which people today seek the cause of this war among the Germans, one could just as easily say that the Germans are to blame for being attacked from all sides today, for one can only attack them [because] they—the Germans—invented the art of printing. So they are to blame for the abuse heaped upon them. That is the same logic we hear so often today. For one can go even further and say that, after all, gunpowder is used in a barbaric war. One cannot say that the French invented gunpowder. One must indeed attribute the invention of war to the Germans. Thus, they are also to blame for the fact that this war—and all the wars of modern times—are being waged at all. But all of that is merely external [illegible text]. And as for what the German is called upon to draw forth from the depths of spiritual life—what is inherent in his finest minds, what his finest minds have pointed to—of that one must say: In its own natural development, it shows that it breathes the past; it also points to the future; it has inner causes and forces of development, and from these the German mind, the German soul, draws confidence and hope that its enemies will not overwhelm it, that it will find ways and means, and find the strength and endurance to defend the German essence for the world.
[ 89 ] Aus den Empfindungen heraus, in die getaucht war all das, was ich heute zu Ihnen sprechen konnte, möchte ich einige wenige zusammenfassende Worte sagen, in die ich prägen möchte das, was [unleserliches Wort] für unsere Seele hervorgehen kann durch die Anschauung desjenigen, was dem deutschen Wesen in unserer Zeit geschieht, was von Feindesmacht diesem deutschen Wesen vorausgesagt und zugesprochen wird.
[ 89 ] Drawing on the feelings that have permeated everything I have been able to say to you today, I would like to offer a few concluding words in which I wish to capture what [illegible word] can emerge for our souls through contemplation of what is happening to the German spirit in our time, and what hostile powers have predicted and attributed to this German spirit.
[ 90 ] Allem, was da gesagt und geschwätzt wird über deutsches Wesen, all dem gegenüber, was gesprochen wird darüber, dass das deutsche Wesen in seinem Niedergang sei; nicht gegen das deutsche Wesen, nicht bloß aus dunklen Gefühlen heraus, sondern aus der klaren Erkenntnis dessen, was das deutsche Wesen ist, seien [gesprochen] die Worte, in die ich Ihnen, ich möchte sagen den Kerngehalt dieses Vortrages zusammenfassen möchte:
[ 90 ] In response to everything that is said and chattered about the German spirit—in response to all that is said about the German spirit being in decline; not against the German spirit, not merely out of dark emotions, but out of a clear understanding of what the German spirit is—the words I would like to present to you, in which I would like to summarize the essence of this lecture, are as follows:
[Der deutsche Geist hat nicht vollendet,
Was er der Welt erbringen soll.]
Er [lebt in Zukunfts]sorgen hoffnungsvoll,
[Er hofft auf Zukunfttaten lebensvoll.
In seines Wesens Tiefe fühlt er mächtig
Verborgenes, das noch reifend wirken muss.
Wie darf in Feindesmacht verständnislos,
Der Wunsch nach seinem Ende sich beleben,
Solang das Leben sich ihm offenbart,
Das ihn in Wesenswurzeln schaffend hält.]
[The German spirit has not yet fulfilled
what it is meant to bring to the world.]
It [lives in hope] amid concerns for the future,
[It hopes for future deeds full of life.
In the depths of its being, it feels powerfully
something hidden that must still ripen and take effect.
How can the desire for his end take root,
Amid the enemy’s power, devoid of understanding,
As long as life reveals itself to him,
Which sustains him, creating him at the roots of his being.]
