Ways to a Knowledge of the
Eternal Forces of the Human Soul
GA 70b
26 November 1915, Stuttgart
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Ways to a Knowledge of the Eternal Forces of the Human Soul, tr. SOL
2. Die ewigen Kräfte der Menschenseele vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft
2. The Eternal Forces of the Human Soul from the Perspective of Spiritual Science
Sehr verehrte Anwesende!
Ladies and gentlemen!
[ 1 ] In unserer unmittelbaren Gegenwart dürfte ja der Gegenstand der heutigen Betrachtung der Menschenseele ganz besonderes naheliegen. In einer Zeit, in welcher die wesentlichen Vorgänge so große Rätselfragen zugleich mit allem Schmerzlichen und zugleich mit allem Erhebenden aufwerfen, in einer solchen Zeit stellt sich das Rätsel der menschlichen Seele und die Frage nach etwa in ihr vorhandenen ewigen Kräften vor diese Seele mit besonderer Kraft. Wenn auch diese Rätselfrage, die den Gegenstand der heutigen Betrachtung bildet, selbstverständlich immer eine solche ist, die das menschliche Denken, das menschliche Empfinden im tiefsten Sinne beschäftigen muss. Es ist von mir durch viele Jahre hindurch gerade auch über die Frage, die den heutigen Betrachtungen zugrunde liegt, von den verschiedenen Gesichtspunkten, die alle innerhalb der Geisteswissenschaft — über deren Natur und Charakter ich ja auch so oft habe sprechen dürfen gelegen sind, es ist von verschiedenen Gesichtspunkten aus gesprochen worden. Und von einem besonderen Gesichtspunkte aus sei heute dieses Thema wiederum behandelt. Mancherlei von dem, sehr verehrte Anwesende, was diejenigen verehrten Zuhörer, die schon öfter an diesen Vorträgen teilgenommen haben, schon gehört haben, wird heute wiederum innerhalb eines gewissen Zusammenhanges erscheinen, aber ich werde versuchen, mancherlei im Laufe der Jahre schon Berührtes von einem anderen Gesichtspunkte aus zu behandeln.
[ 1 ] In our immediate present, the subject of today’s reflection on the human soul is likely to be particularly relevant. In an age in which fundamental processes raise such profound mysteries—along with all that is painful and, at the same time, all that is uplifting—the mystery of the human soul and the question of any eternal powers that may reside within it present themselves to that soul with particular intensity. Even though this enigmatic question—which forms the subject of today’s reflection—is, of course, always one that must engage human thought and human feeling in the deepest sense. Over the course of many years, I have spoken about the very question that underlies today’s reflections from various perspectives—all of which lie within the realm of spiritual science, the nature and character of which I have, of course, had the opportunity to discuss so often. And today, I would like to address this topic once again from a particular perspective. Ladies and gentlemen, much of what those esteemed listeners who have already attended these lectures on several occasions have heard will appear again today within a certain context, but I will attempt to address certain topics already touched upon over the years from a different perspective.
[ 2 ] Wenn die Frage auftaucht nach demjenigen, was in der Menschenseele etwa durch Geburt und Tod als über das Zeitliche Hinausliegendes, als ewige Kräfte liegt, dann denkt der Mensch eben gewöhnlich, dass dieses Ewige in der menschlichen Seele erforscht werden müsse auf Grundlage desjenigen, was der Mensch vorfindet, wenn er sein Seelisches oder den seelischen Verlauf der Menschenvorgänge überhaupt in der Welt betrachtet. Gegen eine solche Betrachtung, wenn sie zu dem Resultat kommt, dass sich innerhalb des menschlichen gewöhnlichen Seelenlebens — des menschlichen Denkens, Fühlens und Wollens, wie sie sich in der Zeit äußern —, etwas Ewiges ausdrückt, gegen diese Betrachtung wendet sich ja, wie hinlänglich bekannt ist, die mehr oder weniger grob materialistische oder positivistische oder sich naturwissenschaftlich-streng dünkende Betrachtungsweise. Auch das ist hier schon öfter betont worden, dass Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, durchaus nicht irgendeine Gegnerschaft gegenüber den großen Errungenschaften der heutigen naturwissenschaftlichen Weltanschauung entfalten will. Im Gegenteil, dass sie will gerade voll anerkennen das tief Berechtigte der naturwissenschaftlichen Weltanschauung, dass sie sein will gerade eine Fortsetzung naturwissenschaftlicher Gesinnung, naturwissenschaftlicher Anschauungsweise, über das Sinnliche hinaus in das Geistige hinein. Wenn man sich wendet an dasjenige, was sich in der Menschenseele im Alltag entfaltet, als der Inhalt des Denkens, als Inhalt des Fühlens, als die Impulse seines Wollens, dann wird verhältnismäßig die naturwissenschaftliche Denkweise es leicht haben, gegen allerlei, was da vorgebracht wird von einer mehr oder weniger spirituell gerichteten Seelenwissenschaft —, sie wird es leicht haben Einwendungen zu machen. Und umgekehrt nimmt es diese oder jene Weltanschauung, die sich auch geisteswissenschaftlich dünkt, gerade mit den naturwissenschaftlichen Einwänden viel zu leicht. Man muss sich das immer wiederum gegenwärtig halten, dass die naturwissenschaftlichen Einwände, die überhaupt gegen ein abgesondert im Menschen liegendes Seelenwesen sprechen — gegen ein Seelenwesen, das vorhanden war, bevor der Mensch durch die Geburt — oder sagen wir die Empfängnis — in das sinnliche Dasein getreten ist, das vorhanden bleibt, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes getreten ist —, diese Einwände gegen die Annahme eines solchen Seelenwesens, die heute vom naturwissenschaftlichen Standpunkte aus, der sich zu einer Weltanschauung entwickeln will, gemacht werden, sie sind eben durchaus nicht leicht zu nehmen. Denn wenn man einfach mit den gewöhnlichen Mitteln des heutigen Denkens und Forschens urteilschließend dazu kommt, ein Ewiges anzuerkennen aus diesen oder jenen Eigentümlichkeiten des Seelenlebens heraus, so werden immer verfangen für den, der sich eingelebt hat, eingewöhnt hat in naturwissenschaftliches Denken — und ich sage ausdrücklich, in berechtigter Weise verfangen werden für einen solchen die Einwände, die man etwa macht so, dass man sagt: Ja, da behaupten gewisse spirituell gerichtete Denker, dass ein besonderes Seelenwesen, das abgesondert zu denken sei vom Physisch-Leiblichen im Menschen, vorhanden sei. Und doch zeigt die ganze Betrachtung, der Verlauf des menschlichen Lebens, wie eng verbunden die Seelenerscheinungen sind mit dem leiblichen Leben. Man kann verfolgen, wie unter der Entwicklung der leiblichen Vorgänge vom zarten Kindesalter an sich auch entwickeln die geistig-seelischen Vorgänge in demselben Maße, als das Leibliche sich umwandelt, umformt, und — wie man oftmals auch sagt vollkommener wird, obzwar dieses ein [bloß] relativer Begriff ist; so sieht man, wie mit alledem auch die Kräfte des Vorstellens, die Kräfte der Erinnerung, das Zweckerfüllte, das Sinnerfüllte voll sich ausbilden. Und wenn man sieht, dass parallel einer gewissen Erscheinungsreihe ein anderes sich entwickelt, sodass immer klarer und deutlicher auch erscheint, wie die erstere Erscheinungsreihe — in diesem Zusammenhange die sinnlich-physische — da sein muss als eine Grundlage für die andere, für die zweite Erscheinungsreihe, für die geistig-seelische, so ist man berechtigt — ich möchte sagen —, so wie das Licht der Flamme notwendig gebunden zu denken an die Kerze, so ist man berechtigt zu denken die seelisch-geistigen Erscheinungen als abhängig von den physisch-leiblichen. Und wenn man dann noch sieht, wie mit der Verletzung des Physisch-Leiblichen in dieser oder jener Form gewisse Seelen-, gewisse Geisteskräfte einfach ausgeschaltet werden, wenn man geradezu klinisch verfolgen kann, wie Erkrankungen dieser oder jener Leibesorgane, des Nervensystems, des Gehirns ausschalten gewisse seelische Vorgänge, dann ist man berechtigt, davon zu sprechen, wie abhängig ist als Funktion, wie man sagt, als Ergebnis, das Seelisch-Geistige von dem Physisch-Leiblichen. Ich kann nur andeuten die ganze Richtung des Denkens, das hiermit genommen wird, die Richtung der Einwände, die gegen eine leicht geschürzte Seelenlehre erhoben werden können. Und es muss gegenüber den großen, gewaltigen, einschneidenden, Menschenfortschritt bringenden Ergebnissen der Naturwissenschaft voll auf solche Einwände hingehorcht werden. Ja, man kann noch mehr sagen. Diese Einwände, die sich natürlich ins Zahlreiche vermehren ließen, diese Einwände, wenn man auf sie eingeht, das heißt, wenn man wirklich lernt naturwissenschaftlich zu denken, sie schaffen vieles aus dem Felde, was in hergebrachter Art für die Selbstständigkeit der seelisch-geistigen Erscheinungen und für die Annahme eines besonderen Seelenwesens, aus den Gründen heraus, die man so oftmals hat, vorgebracht wird.
[ 2 ] When the question arises as to what lies within the human soul—through birth and death, for example—as something that transcends the temporal, as eternal forces, then people usually think that this eternal aspect of the human soul must be explored on the basis of what one finds when observing one’s own soul life or the soul-related course of human events in the world as a whole. Such a view—if it concludes that something eternal is expressed within ordinary human soul life—that is, human thinking, feeling, and willing as they manifest themselves in time—is, as is as is well known, the more or less crudely materialistic, positivist, or strictly scientific approach. It has also been emphasized here on several occasions that spiritual science, as understood here, by no means seeks to develop any kind of opposition to the great achievements of today’s scientific worldview. On the contrary, it seeks precisely to fully acknowledge the profound validity of the scientific worldview; it seeks precisely to be a continuation of the scientific spirit and scientific way of viewing the world, extending beyond the sensory realm into the spiritual. When one turns to what unfolds in the human soul in everyday life—as the content of thought, as the content of feeling, as the impulses of the will—then, relatively speaking, the scientific way of thinking will have an easy time raising objections to all manner of claims put forward by a more or less spiritually oriented science of the soul. Conversely, this or that worldview—which also considers itself to be based on spiritual science—takes scientific objections far too lightly. One must always bear in mind that the scientific objections that speak against the existence of a separate soul entity within the human being—against a soul entity that existed before the human being entered sensory existence through birth—or, let us say, conception—and that continues to exist after the human being has passed through the gate of death— these objections to the assumption of such a soul entity—which are raised today from the scientific standpoint that seeks to develop into a worldview—are by no means easy to dismiss. For if one simply arrives at the conclusion, using the ordinary methods of contemporary thought and research, to acknowledge an eternal reality based on this or that characteristic of soul life, then those who have become accustomed to, and settled into, scientific thinking—and I say explicitly, will rightly be caught up in—will find themselves confronted by the objections that are raised, for example, in the following way: “Yes, certain spiritually oriented thinkers claim that a distinct soul entity, to be conceived separately from the physical body in human beings, exists.” And yet the entire observation—the course of human life—shows how closely connected the manifestations of the soul are with physical life. One can observe how, as physical processes develop from early childhood onward, mental and soul processes also develop to the same extent as the physical body transforms, is reshaped, and—as is often said—becomes more perfect, although this is [merely] a relative concept; one sees how, along with all this, the powers of imagination, the powers of memory, and the capacity for purpose and meaning also fully develop. And when one observes that, parallel to a certain series of phenomena, another series develops—so that it becomes increasingly clear and evident how the former series of phenomena—in this context, the sensory-physical—must exist as a foundation for the latter, for the second series of phenomena, the mental and emotional ones—then one is justified—I would say— just as the light of the flame must necessarily be thought of as connected to the candle, so one is justified in thinking of the soul-spiritual phenomena as dependent on the physical-bodily ones. And when one then observes how, with the impairment of the physical-bodily in this or that form, certain soul forces and certain spiritual powers are simply shut down—when one can observe, almost clinically, how diseases of this or that bodily organ, of the nervous system, or of the brain shut down certain soul processes— then one is justified in speaking of how dependent the psychological and spiritual realms are—as a function, so to speak, as a result—on the physical and bodily. I can only hint at the entire line of thought being pursued here, the direction of the objections that can be raised against a hastily concocted theory of the soul. And in the face of the great, powerful, far-reaching results of natural science that bring about human progress, one must listen fully to such objections. Indeed, one can say even more. These objections—which, of course, could be multiplied in number—these objections, when one engages with them—that is, when one truly learns to think scientifically—dispel much of what is traditionally advanced in support of the independence of psychological and spiritual phenomena and in favor of the assumption of a distinct soul entity, based on the reasons so often cited.
[ 3 ] Nun, Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, steht eben durchaus nicht auf einem solchen Gesichtspunkt, von dem aus der Naturwissenschaft in irgendeiner Weise widersprochen werden muss. Und sie geht, wie wir gleich sehen werden, in ganz anderer Weise vor, als vieles, was in der althergebrachten Weise auch von der gangbaren Seelenlehre vertreten wird. Geisteswissenschaft gibt in einer gewissen Weise der Naturwissenschaft völlig recht, wenn die Naturwissenschaft vorbringt alles das, was sie durch sorgfältige Beobachtung vorzubringen hat darüber, dass das Denken, das Fühlen, das Wollen, so wie sie sich im menschlichen Innern zu Offenbarung bringen, zwischen Geburt und Tod abhängig sind von der leiblichen Organisation, von alledem, was sich innerhalb dieser leiblichen Organisation entwickelt.
[ 3 ] Well, spiritual science, as it is understood here, does not at all take a standpoint from which it must in any way contradict natural science. And, as we shall see in a moment, it proceeds in a completely different way than much of what is traditionally advocated even by conventional psychology. In a certain sense, spiritual science fully agrees with natural science when the latter presents all that it has to offer—based on careful observation—regarding the fact that thinking, feeling, and willing, as they manifest within the human being between birth and death, depend on the physical organization and on everything that develops within this physical organization.
[ 4 ] Geisteswissenschaft wird keinem der Einwände, keiner der Schlussfolgerungen, die von dieser Seite gebracht werden gegen manches, was von dem Standpunkte einer gangbaren Seelenlehre vorgebracht wird, direkt unmittelbar gegenübertreten. Denn Geisteswissenschaft kann zu dem, was in positivem Sinne von der Naturwissenschaft vorgebracht wird, «Ja sagen. Sie, diese Geisteswissenschaft, steht auf dem Standpunkte, dass alles das, was anschaulich wird von menschlichen Seelenkräften innerhalb des gewöhnlichen Lebens, in der Tat gebunden ist — so wie die Naturwissenschaft es denkt, und wie sie es immer klarer denken wird, wenn sie sich weiterentwickelt —, dass alles dasjenige, was im zeitlichen Verlaufe des Seelenlebens zwischen Geburt und Tod sich abwickelt, steht in einem solchen Zusammenhang mit dem Leiblichen, wie es die Naturwissenschaft zunächst denkt, wenn sie sich zur Weltanschauung gestaltet. Und mit denjenigen Mitteln des Denkens, Fühlens und Wollens, mit den Mitteln der Seelenentfaltung, welche auch die der gewöhnlichen Psychologie oder Seelenwissenschaft sind, kommt man nicht heran an dasjenige, was zugrunde liegt als Ewiges dem Zeitlichen des menschlichen Seelenlebens. Das Zeitliche des menschlichen Seelenlebens ist gebunden auch für die Geisteswissenschaft an die physische Organisation. Wie der Ton, wenn er physisch hörbar sein soll, an das Instrument gebunden ist und sonst eben nicht in die physisch hörbare Welt gebracht werden kann, so ist das Seelenleben, das man zunächst kennt, das Seelenleben, das in unserem physischen Leben vorhanden ist, dieses Seelenleben ist gebunden an das leibliche Instrument und hängt auch in seinen Eigenschaften, in seinem gesunden und kranken Verlauf von diesem leiblichen Instrument ab.
[ 4 ] Spiritual science will not directly and immediately counter any of the objections or conclusions raised by this side against certain views put forward from the standpoint of a conventional theory of the soul. For spiritual science can say “yes” to what is presented in a positive sense by the natural sciences. Spiritual science takes the position that everything that becomes manifest through human soul forces within ordinary life is in fact bound — just as natural science conceives it, and as it will conceive it ever more clearly as it develops — that everything that unfolds in the temporal course of soul life between birth and death stands in such a connection with the physical as natural science initially conceives it when it takes shape as a worldview. And with the very means of thinking, feeling, and willing—the means of soul development that are also those of ordinary psychology or the science of the soul—one cannot approach what underlies the temporal aspect of human soul life as the eternal. The temporal aspect of human soul life is bound, even for spiritual science, to the physical organization. Just as a sound, if it is to be physically audible, is bound to an instrument and cannot otherwise be brought into the physically audible world, so the soul life that we initially know—the soul life present in our physical existence—is bound to the physical instrument and depends on it in its characteristics and in its healthy and diseased course.
[ 5 ] Aber Geisteswissenschaft zeigt — und hier wird sie auf einem höheren, einem geistigen Gebiete etwas Ähnliches, wie die Naturwissenschaft geworden ist unter dem Einfluss der neueren Forschungsrichtungen auf dem sinnlichen Gebiete, sie wird eine geistige Experimentierkunst, nur dass dasjenige, womit man experimentiert, das eigene Seelenleben ist, und —, dass man nicht mit Experimenten äußerlich hantiert, nicht äußerliche Verrichtungen vollbringt, sondern dass dasjenige, womit man experimentiert, das Seelenleben selber ist. Und die Vorgänge, die im Experiment zutage treten, sind intime, innere, seelische Vorgänge, seelische Vorgänge, die alle einen gemeinsamen Charakter haben; den gemeinsamen Charakter, dass sie hinausführen, im Forschen hinausführen über dasjenige, was den Verlauf des alltäglichen Seelenlebens darstellt. Behält man das Denken, das Fühlen, das Wollen in den Grenzen, in denen man sie braucht für das äußere physische Leben, dann kann man mit diesem Denken, Fühlen und Wollen allmählich in jene Regionen dringen, in denen das Ewige der Menschenseele zur Offenbarung kommt. Die Kräfte, die wir im gewöhnlichen Leben haben, müssen — ich möchte den Ausdruck gebrauchen — innerlich erkraftet werden, innerlich anders gemacht werden, entwickelt werden zu etwas anderem als zu dem, das sie im alltäglichen Leben sind, um, wenn sie etwas anderes geworden sind, wenn sie in einer anderen Metamorphose, als sie im alltäglichen Leben sind, in der Seele auftreten, um dann einzutreten in diejenigen Gebiete des Daseins, in denen sich das, was in der menschlichen Seele als Ewiges zugrunde liegt, enthüllen kann.
[ 5 ] But spiritual science shows—and here, in a higher, spiritual realm, it becomes something similar to what natural science has become under the influence of recent research trends in the sensory realm— it becomes a spiritual art of experimentation—only that what one experiments with is one’s own soul life, and—that one does not deal with experiments externally, does not perform external acts, but rather that what one experiments with is the soul life itself. And the processes that come to light in the experiment are intimate, inner, psychological processes—psychological processes that all share a common character: the common character that they lead one, in the course of research, beyond what constitutes the course of everyday psychological life. If one keeps thinking, feeling, and willing within the limits required for external physical life, then one can gradually penetrate with this thinking, feeling, and willing into those regions where the eternal aspect of the human soul is revealed. The powers we possess in ordinary life must—to use the expression—be strengthened inwardly, transformed inwardly, developed into something other than what they are in everyday life, so that, once they have become something else—once they appear in the soul in a different metamorphosis than they do in everyday life—they may then enter those realms of existence in which what underlies the human soul as the eternal can reveal itself.
[ 6 ] Da kann man zunächst betrachten eine der Grundkräfte unseres Seelenlebens, das Denken selber. Dieses Denken, das uns für das alltägliche, für das physische Leben dient, ist entwicklungsfähig. Es kann entwickelt werden. Gerade so, wie man unter gewisse Bedingungen die Naturkräfte bringt, damit sie im Experiment enthüllen die Geheimnisse der Natur oder die Naturgeserzlichkeiten, so kann man das Denken in gewisse Bedingungen bringen, wo es etwas anderes enthüllt und offenbart, als es eben in seiner — ich möchte sagen — uns von selbst gegebenen Form enthüllen kann. Dazu ist es notwendig, dass vor allen Dingen dieses Denken gegenwärtig gemacht wird in unserem Seelenleben in einer stärkeren, einer intensiveren Weise, als das für das alltägliche Leben gut und notwendig und nützlich ist.
[ 6 ] First, we can consider one of the fundamental forces of our inner life: thinking itself. This thinking, which serves us in our everyday, physical life, is capable of development. It can be developed. Just as, under certain conditions, we can bring the forces of nature into an experiment so that they reveal the secrets of nature or the laws of nature, so too can we place thinking under certain conditions where it reveals and discloses something other than what it can reveal in its—I would say—form that is given to us of its own accord. For this, it is necessary, above all, that this thinking be made present in our inner life in a stronger, more intense way than is good, necessary, and useful for everyday life.
[ 7 ] Ich habe ja öfter hier schon gesagt, dass man jene intime innere Verrichtung in der Geisteswissenschaft «Meditieren» nennt — es ist ein technischer Ausdruck, wie ein anderer Ausdruck. Jene intime innere Verrichtung, die das Denken mit sich selber vornehmen muss, damit es gleichsam über sich selbst hinausführt; dass ein Gedanke in einer solchen Weise anwesend werde in der Seele, wie er sonst nicht anwesend ist, das muss der Geistesforscher erstreben. Und es kommt nicht darauf an, dass der Gedanke als solcher mit seinem Inhalt anwesend ist, sondern dass der Gedanke — ich will zum Beispiel sagen ein bestimmter Gedanke — länger gehalten wird, als wir sonst gewöhnt sind. Gedanken in unserer Seele zu halten, damit der Mensch gewahr werde an dem Halten dieses Gedankens, welche innere Verrichtung notwendig ist, um, wenn ich so sagen darf, denkend zu sein. Darauf kommt es an: im Denken anders zu verharren, anders denkend zu sein, als man das sonst im alltäglichen Leben und [auch] im gewöhnlichen wissenschaftlichen Leben ist. Wenn man einen Gedanken — und es kommt gar nicht darauf an, ob dieser Gedanke etwas äußerlich Wirkliches abspiegelt oder nicht —, wenn man einen Gedanken in den Mittelpunkt des Seelenlebens stellt, wenn man sich in die Lage versetzt, alle Kraft des Seelenlebens auf diesen Gedanken zu konzentrieren, in diesem Gedanken zu versammeln, und diesen Gedanken nunmehr hält, beibehält, und dadurch die Möglichkeit entfaltet — und diese Möglichkeit kann durch allmähliche Übungen angeeignet werden —, gleichsam zu sehen, wie es verrichtet wird, einen Gedanken zu halten, zu verharren in der Denkkraft, dann erlebt man — so sonderbar das zunächst für das äußere physische Leben, für das gewohnte Tagesleben erscheint, und für das gewöhnliche wissenschaftliche Leben —, so erlebt man mit diesem Denken etwas Besonderes.
[ 7 ] I have often said here that this intimate inner process in spiritual science is called “meditation”—it is a technical term, just like any other. That intimate inner process that thinking must undergo within itself so that it, as it were, transcends itself; for the spiritual researcher to strive for a thought to be present in the soul in a way that it is not otherwise present. And what matters is not that the thought as such, with its content, is present, but that the thought—let me say, for example, a specific thought—is held for longer than we are otherwise accustomed to. To hold thoughts in our soul so that the human being becomes aware, through the act of holding this thought, of the inner process necessary to be, if I may say so, a thinker. This is what matters: to persist in thinking differently, to think differently than one otherwise does in everyday life and [also] in ordinary scientific life. When one places a thought—and it does not matter at all whether this thought reflects something externally real or not—when one places a thought at the center of one’s soul life, when one puts oneself in a position to concentrate all the power of one’s soul life on this thought, to gather it within this thought, and one now holds and maintains this thought, thereby unfolding the possibility — and this ability can be acquired through gradual practice — to see, as it were, how the act of holding a thought is carried out, of persevering in the power of thought, then one experiences — however strange this may initially seem to external physical life, to one’s usual daily life, and to ordinary scientific life — one experiences something special through this thinking.
[ 8 ] Es handelt sich dabei darum, dass es gut ist bei einem solchen inneren Vorgange einen Gedanken zu verwenden, den man nicht hervorholt in beliebiger Weise aus seinem übrigen Gedankeninhalt. Denn wenn man einfach einen solchen Gedanken heraufholt, dann stellt sich die Möglichkeit ein, dass allerlei, was in der Seele mit diesem Gedanken verknüpft ist, mit diesem Gedanken heraufkommt. Und man kann sich dann irgendeiner Illusion, irgendwelchen Täuschungen hingeben und etwas Besonderes erleben, während nur unterbewusste, unklare Gefühls- oder Empfindungsimpulse sich angliedern an solches Denken. Besser ist es, wenn man einen Gedanken, den man irgendwoher, ich will sagen, durch irgendeinen Rat oder auf irgendeine andere Weise eben aus dem, was die Geisteswissenschaft zutage fördert, bekommt, einen Gedanken, den man nicht sonst mit seinem Seelenleben verknüpft hat, den man also in seiner Einfachheit überschaut, bei dem nicht das oder jenes an ihm hängen kann, das uns täuscht —, wenn man einen solchen Gedanken in den Mittelpunkt seines Seelenlebens stellt, und dieses immer wieder und wiederum wiederholt: Es dauert gewiss nicht kurze Zeit, es dauert Monate, oft Jahre, bis man nur die einfachsten Beobachtungen auf diesem Gebiet macht. Aber es kann auch sehr schnell gehen, das ist ganz und gar abhängig von der Möglichkeit der Hingebung, die man in einem solchen innerlichen Prozess entfalten kann. Wenn man da nun dieses besondere Verhalten der Seele wirklich, innerlich erfühlen, innerlich erleben kann, dann ist dieses Erleben dasjenige, was einen auf den Weg bringt, das Denken weiterzubringen, die Kraft, die sich sonst im Denken erlebt, weiterzubringen, als sie im alltäglichen Leben oder im gewöhnlichen wissenschaftlichen Leben ist. Welche besonderen Hilfsmittel vorhanden sind, um eine solche innere Übung in der richtigen Weise auszuführen, das ist ja beschrieben in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und in anderen Büchern, die sich an dieses eben genannte anschließen. Das Prinzipielle, das Wesentliche besteht eben darin, dass die innere Seelentätigkeit in eine Richtung gebracht wird, die ihr sonst ungewohnt ist, die aber gerade dahin geht, sich darauf zu konzentrieren: die Kraft innerlich gewahr zu werden, zu erleben, die dem Denken zugrunde liegt.
[ 8 ] The point here is that, in such an inner process, it is best to use a thought that is not arbitrarily drawn from one’s other thoughts. For if one simply brings such a thought to mind, there is a possibility that all sorts of things in the soul that are connected to this thought will surface along with it. And one can then succumb to some illusion or delusion and experience something special, while only subconscious, unclear emotional or sensory impulses attach themselves to such thinking. It is better to take a thought that one has acquired from somewhere—I mean, through some advice or in some other way, drawing precisely from what spiritual science brings to light—a thought that one has not otherwise linked to one’s inner life, a thought that one can thus grasp in its simplicity, one to which nothing can cling that might deceive us —if one places such a thought at the center of one’s inner life and repeats it again and again: It certainly does not happen quickly; it takes months, often years, before one is able to make even the simplest observations in this area. But it can also happen very quickly; that depends entirely on the capacity for devotion that one can develop in such an inner process. If one can truly feel this particular behavior of the soul inwardly—experience it from within—then this experience is what sets one on the path to advancing one’s thinking, to taking the power otherwise experienced in thinking beyond what it is in everyday life or in ordinary scientific life. The specific aids available for carrying out such an inner exercise in the proper manner are described in my book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?* and in other books that follow on from the one just mentioned. The fundamental principle, the essential point, lies precisely in directing the inner activity of the soul in a direction that is otherwise unfamiliar to it, but which is aimed specifically at concentrating on becoming inwardly aware of and experiencing the power that underlies thinking.
[ 9 ] Wenn man eine solche Übung, die ich eben immer nur prinzipiell andeuten kann, immer wieder und wiederum ausführt, dann kommt man allerdings dahin, zu erleben, dass in [unserem Seelenleben] verborgene Kräfte anwesend sind, Kräfte, die allerdings immerfort tätig sind, die aber nicht im alltäglichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft zum Bewusstsein gebracht werden. Man erzeugt nicht etwa etwas Neues, wenn man sich so verhält, wie es angedeutet worden ist, aber man bringt zum Bewusstsein, was immer vorhanden ist. Alles hängt davon ab, dass man die innere Sammlung, die innere Ruhe, die Hingebung an ein ruhevolles, gesammeltes Geistesleben findet, um jene innerliche Selbstbeobachtung zu entfalten, dass der angedeutete Vorgang, das Erleben der wirksamen Denkungskräfte, wirklich etwas ist. Dann allerdings, wenn man es dahin gebracht hat, zu erfassen, dass sich da etwas offenbart, was man vorher nicht gekannt hat, und wenn man diese Bekanntschaft mit einem vorher Unbekannten immer fort und fort steigert, dann stellen sich im Gefolge davon die bedeutungsvollsten inneren Vorgänge des menschlichen Seelenlebens ein. Dann erlebt man Vorgänge, die einem innerlich Lichter aufhellen, von denen man vorher ebenso wenig eine Ahnung hatte, wie derjenige, der niemals erfahren hat, dass durch besondere Vorgänge des physikalischen Laboratoriums Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zersetzt werden kann — ebenso wenig wie der eine Ahnung hat, was im Wasser steckt. Da sind es äußere Vorgänge des physikalischen Laboratoriums; im anderen Falle, im Seelenleben, sind es innere Anstrengungen, innere Kräfteentfaltungen, die Unbekanntes — ich möchte sagen — aus den dunklen Tiefen des Daseins heraufholen. Dasjenige, was da heraufgeholt wird, das bringt zum Bewusstsein etwas, was diejenigen, die versuchten, den Weg zum Geistigen zu finden, immer eigentlich gekannt haben. Der Weg in die geistigen Welten, er wurde ja, je nachdem die menschlichen Kräfte im Entwicklungsgang der Menschheit wirkten, immer gesucht. Er wurde in den verschiedenen Zeitaltern anders gefunden, als er heute gefunden werden muss. Wie man die Natur in älteren Zeiten anders angesehen hat, und heute unter den Einflüssen der neueren naturwissenschaftlichen Denkungsweise anders ansehen muss als früher, so ist auch der Weg in die geistigen Welten anders heute; und von dem Weg, der heute nach dem Entwicklungspunkte, den die Menschheit erlangt hat, eingeschlagen werden kann, von dem soll insbesondere hier die Rede sein. Aber auf allen Wegen, die eingeschlagen worden sind, tritt uns immer wieder eines entgegen: Dass zunächst da wie ein Wort erscheint, wie ein abstraktes Wort, das man da oder dort auffangen kann, wenn von Mysterienwesen, von den Offenbarungen über die unbekannten Welten, über die verborgenen Welten die Rede ist. Es ist das Wort, dass derjenige, welcher die Kräfte, die als Geistiges dem Menschenwesen zugrunde liegen, wirklich erforschen will, auf seinem Forschungswege herankommen muss an «die Pforte des Todes»; dass er dem Erlebnis des Todes nahekommen muss auf dem Wege, wenn er weiterverfolgt wird, den ich angedeutet habe.
[ 9 ] If one performs such an exercise—which I can only hint at in principle—again and again, then one does indeed come to experience that hidden forces are present in [our inner life], forces that are constantly at work but are not brought to consciousness in everyday life or in ordinary science. One does not create something new by behaving as has been described, but rather brings to consciousness what is always already present. Everything depends on finding inner composure, inner peace, and devotion to a tranquil, collected spiritual life in order to develop that inner self-observation—so that the process described, the experience of active powers of thought, is truly something. Then, however, once one has come to grasp that something is revealing itself that one did not know before, and as one continually deepens this acquaintance with the previously unknown, the most significant inner processes of human soul life begin to unfold as a result. Then one experiences processes that shed inner light, of which one previously had just as little inkling as someone who has never learned that, through specific processes in a physics laboratory, water can be decomposed into hydrogen and oxygen—just as that person has no inkling of what lies within water. In the former case, these are external processes in the physics laboratory; in the latter, in the life of the soul, they are inner efforts, the unfolding of inner forces, which bring the unknown—I might say—up from the dark depths of existence. What is brought up in this way brings to consciousness something that those who sought to find the path to the spiritual have always actually known. The path to the spiritual worlds has, after all, always been sought, depending on how human forces acted in the course of human development. It was found differently in various ages than it must be found today. Just as nature was viewed differently in earlier times, and must be viewed differently today under the influence of modern scientific thinking than in the past, so too is the path to the spiritual worlds different today; and it is this path—the one that can be taken today in light of the stage of development humanity has reached—that will be the focus of discussion here. But on all the paths that have been taken, one thing confronts us time and again: that at first there appears something like a word, like an abstract word, which can be picked up here and there when speaking of mystical beings, of revelations about the unknown worlds, about the hidden worlds. It is the word that the one who truly wishes to explore the forces that underlie the human being as spiritual entities must, on his path of inquiry, approach “the gate of death”; that he must draw near to the experience of death on the path, if he is to continue along the way I have indicated.
[ 10 ] So einfach er scheint: Das Wesentliche liegt eben nicht in dem, was man als einfach schildern kann, sondern in der Mühe, die man sich gibt, um nach der Richtung die Seele zu betätigen immer wieder und wiederum, wie es angeführt worden ist. Dasjenige, wozu man auf diesem Wege kommt, ist allerdings etwas, was einem Verständnis bringt über das uralte Wort: Auf dem Forschungswege nach den geistigen Untergründen der Seele kommt man an die Pforte, an die Schwelle des Todes heran.
[ 10 ] As simple as it may seem: the essence lies not in what can be described as simple, but in the effort one makes to engage the soul in this direction again and again, as has been stated. What one arrives at through this path, however, is something that brings an understanding of the ancient saying: On the path of inquiry into the spiritual depths of the soul, one approaches the gate, the threshold of death.
[ 11 ] Ich will nun einfach schildern, wohin der angedeutete Weg führt. Es ist zunächst ein Zusammenfassen aller Seelenkräfte, und dasjenige, was da zusammengefasst ist, ist die ganz besonders konzentrierte Kraft des Denkens. Man erlebt allmählich dieses Zusammenfassen des seelischen Lebens. Dadurch, dass man also das seelische Leben zusammenfasst, kommt man immer tiefer und tiefer in eine Erkenntnis der eigentlichen menschlichen Natur hinein. Allerdings in eine Erkenntnis, die jetzt gar nicht so sehr durch Begriffe vermittelt wird, sondern die dadurch vermittelt wird, dass man erlebt, wie dieses sich anstrengende, sich erkraftende Denken einen in eine Seelenverfassung, in eine Seelenstimmung bringt, wodurch man in das seelische Erleben herein etwas bringt, was einen, ich möchte so sagen, dem, was als Mensch in der Welt steht, besonders nahebringt. Lernt man nämlich das Denken auf seinem Wege also kennen, dann tritt einem zunächst im Seelenleben ein, indem man — ich möchte sagen — wie von außen herein sich mit dem, was menschliche Leibesorganisation ist, verbunden fühlt, man lernt auf diesem Wege, indem man herangeführt wird durch die angedeutete innere Seelenarbeit, herangeführt wird auf eine neue Art an den Menschen, man lernt in dem Menschen etwas kennen, was man vorher nicht gekannt hat. Man lernt in dem Menschen kennen, in lebendiger Weise kennen, so wunderbar das klingt, dasjenige, was mit dem Menschen hier im Erdenleben verbunden ist zwischen Geburt und Tod, und was immer die Summe jener Kräftegestaltungen darstellt, die wir in uns tragen, und die, indem sie im Menschen immer leben, dasjenige, was menschliche Organisation ist, abnützen und schließlich den Tod herbeiführen.
[ 11 ] I will now simply describe where the path I have hinted at leads. It begins with a gathering of all the powers of the soul, and what is gathered there is the particularly concentrated power of thought. One gradually experiences this gathering of the soul life. By gathering the soul life in this way, one penetrates ever deeper and deeper into an understanding of true human nature. Admittedly, this is a realization that is not so much conveyed through concepts, but rather through the experience of how this strenuous, self-strengthening thinking brings one into a state of mind, a mood, through which one introduces into one’s soul experience something that, I might say, brings one particularly close to what it means to be human in the world. For if one comes to know thinking in this way, then what first enters one’s soul life is—I would say—a feeling of being connected, as if from the outside, to the human physical organization; one learns in this way, by being guided through the inner soul work I have described, to approach the human being in a new way, one comes to know something in the human being that one did not know before. One comes to know in the human being—in a living way, as wonderful as that may sound—that which is connected to the human being here in earthly life between birth and death, and whatever constitutes the sum of those force-structures that we carry within us, and which, by always living within the human being, wear down that which constitutes the human organism and ultimately bring about death.
[ 12 ] Lebendiges Erfahren [davon] ist es, zu dem man da kommt, dass der Mensch, wie er hier auf der Erde leben muss, in sich immer eine Summe von Kräften, eine Kräfteorganisation, eine Kräftegestaltung in sich trägt, die sich während des Lebens modifiziert, die aber immer darauf hinausläuft eigentlich, den äußeren physischen Organismus zu verbrauchen. Und im Grunde ist es ein erschütterndes, ein von innerlicher Tragik erfülltes Erlebnis, zu dem man da kommt. Man lernt etwas wie einen zweiten Menschen in sich kennen, einen geistigen Menschen im physischen Menschen. Aber dieser geistige Mensch ist derjenige, der den physischen Menschen fortwährend verbraucht. Und jetzt lernt man kennen — so wie man in einem physikalischen Experiment kennenlernt das Auftreten irgendeines Stoffes, irgendeines Elementes, die nur zum Vorschein kommen können durch das Experiment —, so lernt man jetzt kennen, was eigentlich die Kraft in einem ist, die Tätigkeit in einem ist, die sich als Denken, und alles, was mit dem Denken im physischen Leben hier zusammenhängt, entfaltet.
[ 12 ] What one comes to experience there is that human beings, as they must live here on Earth, always carry within themselves a sum of forces, an organization of forces, a configuration of forces that modifies itself over the course of life, but which ultimately always amounts to the consumption of the external physical organism. And fundamentally, what one comes to experience is a shattering one, filled with inner tragedy. One comes to know something like a second human being within oneself—a spiritual human being within the physical human being. But this spiritual human being is the one who continually consumes the physical human being. And now one comes to know—just as in a physical experiment one comes to know the nature of some substance or element that can only be revealed through the experiment—so now one comes to know what the actual force within oneself is, what the activity within oneself is, which unfolds as thinking and everything connected with thinking in physical life here.
[ 13 ] Wenn man dieses Denken in der geschilderten Weise bis zu seinem äußersten Punkte getrieben hat, dann lernt man erkennen, wovon dieses Denken als Denken abhängt; es hängt davon ab, dass innerhalb des Kräftekomplexes, der uns aufbraucht als physischen Menschen, uns verzehrt als physischen Menschen, solche Kräfte liegen, welche dem Denken zugrunde liegen. Und man lernt das große Wort begreifen: Das Denken hängt ab von denjenigen Kräften, welche allmählich den Menschen aufzehren und sogar über ihn den Tod bringen. Eine enge Verbindung zwischen dem Denken — wir gehen ja aus von dem gewöhnlichen, alltäglichen Denken, wir treiben es nur sozusagen bis zu einem äußersten Punkte —, eine innige Verbindung zwischen diesem Denken und den zerstörenden, den aufzehrenden Kräften des Menschen lernen wir kennen. Wir machen die Entdeckung von der Verwandtschaft des Todes mit dem Höchsten, was wir zunächst in der physischen Welt hier entfalten, mit dem Denken. Deshalb ist dieses Erlebnis so erschütternd. Wir können gar nicht anders, als gerade vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft aus im lebendigen inneren Erleben der Naturwissenschaft ganz recht zu geben.
[ 13 ] When one has carried this line of thought to its extreme, as described, one comes to recognize what this thinking, as thinking, depends on; it depends on the fact that within the complex of forces that wears us down as physical human beings—that consumes us as physical human beings—there lie forces that underlie thinking. And one comes to understand this profound statement: Thinking depends on those forces that gradually wear a person down and even bring about their death. We come to know a close connection between thinking—we are, after all, starting from ordinary, everyday thinking, which we simply push, so to speak, to its extreme limit—and a deep connection between this thinking and the destructive, consuming forces within the human being. We discover the kinship between death and the highest thing we initially unfold here in the physical world: thinking. That is why this experience is so shattering. We cannot help but fully agree with the living, inner experience of the natural sciences, precisely from the standpoint of spiritual science.
[ 14 ] In dem lebendigen inneren Erleben erfahren wir, dass wir eigentlich deshalb denken können, weil wir [die] Sterbekräfte zu einem besonderen Punkt der Entwicklung, über die übrige Lebewelt hinaus, gebracht haben. Das aber erzeugt in dem Geistesforscher eine besondere innere Stimmung. Das erzeugt in ihm alles dasjenige, was hervorgeht aus der inneren Erfahrung: Mit deinem Denken, so wie du cs hier in der physisch-sinnlichen Welt entfalten kannst, mit diesem Denken bist du gebunden an den physischen Leib. So lange dieser physische Leib es erträgt, dass er aufgebraucht werden kann, von gewissen Gestaltungskräften aufgebraucht werden kann, so lange kannst du dein Denken entfalten!
[ 14 ] In our vivid inner experience, we come to realize that we are actually able to think because we have brought [the] forces of death to a particular point of development that transcends the rest of the living world. This, however, creates a special inner mood in the spiritual researcher. This brings forth in him everything that arises from inner experience: With your thinking—as you can unfold it here in the physical-sensory world—with this thinking, you are bound to the physical body. As long as this physical body can endure being used up—being used up by certain formative forces—you can unfold your thinking!
[ 15 ] Dann aber, wenn man dieses Erlebnis gehabt hat, dann zeigt sich zugleich, dass allerdings in dem Menschen ein zweiter Mensch ist, ein Mensch, der hier im physischen Dasein die äußere Menschennatur aufbraucht, aber der ein vollständiges Wesen ist; einen zweiten Menschen eben im Menschen, der so, wie er in unserem physischen Dasein lebt, dadurch lebt, dass er sich eben dem Aufzehren, dem Aufbrauchen der physischen Organisation widmet. Man erzeugt nicht durch das Denken dasjenige, was man hier erlebt, man lernt es beobachten. Man kommt sozusagen auf etwas, wovon man in dem Moment, wo man darauf kommt, eben bemerkt, dass es immer da ist im Menschen. Man kommt auf so etwas; man entdeckt diesen inneren Menschen im Menschen. Man entdeckt aber auch, dass dieser Mensch nichts zu tun hat mit der besonderen äußeren Leibesorganisation, sondern dass er sich innerhalb dieser betätigt. Dasjenige, was der Leibesorganisation zugrunde liegt, ja auch, was aufzehrende Kräfte in ihr sind — das, sehr verehrte Anwesende, das kann man nur entdecken dadurch, dass man das gewöhnliche Seelenleben über sich selbst hinaustreibt. So entdeckt man einen zweiten Menschen im Menschen, der allerdings zunächst die Eigentümlichkeit hat, dass er das gewöhnliche physische Leben aufzehrt. Aber er verrichtet gerade in diesem Aufzehren diejenige Tätigkeit, die uns in diesem gewöhnlichen Leben als die denkerische Tätigkeit aus dem Innern heraus sich bildet.
[ 15 ] But then, once one has had this experience, it becomes clear at the same time that there is indeed a second human being within the human being—a human being who, here in physical existence, consumes the outer human nature, yet is a complete being; a second human being within the human being who, just as he lives in our physical existence, lives by devoting himself to the consumption and depletion of the physical organism. One does not create through thinking what one experiences here; one learns to observe it. One comes upon something, so to speak, and at the very moment one comes upon it, one realizes that it is always there within the human being. One comes upon such a thing; one discovers this inner human being within the human being. But one also discovers that this human being has nothing to do with the specific external physical organization, but rather that it is active within it. That which underlies the physical organization—indeed, even the consuming forces within it—that, dear attendees, can only be discovered by driving one’s ordinary soul life beyond oneself. In this way, one discovers a second human being within the human being, who, admittedly, initially has the peculiarity of consuming ordinary physical life. But it is precisely in this consumption that this being performs the activity which, in this ordinary life, takes shape from within as the activity of thought.
[ 16 ] Man merkt aber auch, und das kann nur Ergebnis der Beobachtung sein, der Beobachtung, die man auf diese Weise erlangt, wie es beschrieben worden ist, man merkt aber auch, dass dasjenige, was also nach und nach im physischen Leben verzehrt die physische Menschenorganisation, dass das sie auch aufgebaut hat. An dasjenige im menschlichen Seelenleben, welches durch die Geburt oder die Empfängnis gegangen ist, um sich mit der physischen Leibesorganisation zu umkleiden, kommt man nur durch die Erfahrung. Und man erlangt, wenn man die Erfahrung so weit getrieben hat, als es jetzt skizzenhaft angedeutet worden ist, in der Tat einen Einblick in die Menschennatur, insoweit, als man sich sagen kann: Du hast entdeckt in dir dasjenige, was verzehrend dein Denken hervorleuchten lässt während des Lebens zwischen Geburt und Tod, was dich aber auch hereingetragen hat in dieses Leibesleben; was dir, bevor du zum Denken gekommen bist, deinen denkerischen physischen Organismus aufgebaut hat.
[ 16 ] But one also notices—and this can only be the result of observation, the kind of observation gained in the manner described—that what gradually consumes the physical human organism in physical life is also what built it up. One can only arrive at that aspect of the human soul life which has passed through birth or conception in order to clothe itself in the physical body through experience. And when one has taken this experience as far as has now been outlined in broad strokes, one does indeed gain insight into human nature, to the extent that one can say to oneself: You have discovered within yourself that which, with consuming intensity, causes your thinking to shine forth during the life between birth and death, but which also brought you into this physical life; that which, before you began to think, built up your physical organism for thinking.
[ 17 ] Man verbraucht während des physischen Lebens immer Denkkraft, und man entdeckt, dass diese Kraft vorhanden war, bevor das Denken seine ersten Gedanken erhellen ließ; dass sich diese Kraft verwandelt hat in diejenige Kraft, die das Denken hervorbringt. Bevor sie aber sich verwandelt hat, war sie da, denn nichts in unserer Welt entsteht einfach, sondern es verwandelt sich. Dasjenige, was dem Denken zugrunde liegt, bevor das Denken sich entzündet hat, es hat aufgebaut erst den Organismus, der eben im Denken sich äußert, den es im Denken wiederum abträgt.
[ 17 ] Throughout one’s physical life, one is always expending mental energy, and one discovers that this energy was present even before thought illuminated its first thoughts; that this energy has transformed into the very energy that gives rise to thought. But before it was transformed, it was already there, for nothing in our world simply comes into being; rather, it transforms. That which underlies thought before thought was kindled first built up the very organism that expresses itself in thought, which it in turn wears away through thought.
[ 18 ] Und so blicken wir hin über Geburt oder Empfängnis hinaus in dasjenige, was hereingetreten ist in die physische Welt aus einer geistigen Welt. Aber indem wir es erforschen, ist — ich möchte sagen — an dieses innere Experiment das gebunden, was unter dem Eindruck jener Seelengesinnung steht, die hervorgeht aus der Erfahrung: Solange du zwischen Geburt und Tod stehst, bist du mit deinem Denken daran gebunden, dass dieser zweite Mensch in deiner physischen Organisation drinnen seine Tätigkeit verrichtet. Du hängst mit ihm zusammen.
[ 18 ] And so we look beyond birth or conception to that which has entered the physical world from a spiritual world. But as we explore this, there is—I would say—something bound up with this inner experiment that is influenced by that state of mind arising from the experience: As long as you stand between birth and death, your thinking is bound to the fact that this second human being carries out its activity within your physical organization. You are connected to it.
[ 19 ] Und das Erschütternde, das man hat, ist noch das, dass, wenn man das innere Experiment nun von dieser Seite kennenlernt, wie es eben geschildert worden ist, dass man nun keinen Ausblick hat: Wohin kommt nun diese Kraft, wenn sie das Leibliche aufgezehrt hat? Man kann sie sich zunächst nur vorstellen in Verbindung mit dem Leiblichen. Man weiß nur, dass es allerdings die Kraft ist, die den Menschen auch hereingetragen hat in die sinnliche Welt, in das sinnliche Dasein; aber wie sie wiederum, wenn der Mensch an den Tod kommt, in die geistige Welt hinaus kommen soll, wiederum in die geistige Welt eintreten soll, davon kann man nun noch keine Erfahrung haben. Man kann auf die angedeutete Weise begreifen, wie — ich möchte sagen — der Entwicklungsweg aus dem Geistigen herausgegangen ist, um diesen Menschen aufzubauen, und ihn dahin zu bringen, dass das Aufgebaute wieder abgetragen wird, und in diesem Abtragen die herrliche Eigenschaft des menschlichen Denkens erscheint. Man muss dasjenige, was Meditation, was innere Konzentration genannt werden kann, nun noch in einer ganz anderen Weise entfalten, wenn man weiterkommen will. Es ist ja hervorgehoben worden, dass die inneren Seelenverrichtungen vorzugsweise gebracht worden sind zu einer besonderen Entfaltung, zu einer besonderen Entwicklung des Denkens, durch dieses erste Experiment, das ich angedeutet habe.
[ 19 ] And what is truly unsettling is that, once one becomes acquainted with this inner experience from this perspective—as has just been described—one is left with no perspective: Where does this force go once it has consumed the physical body? At first, one can only conceive of it in connection with the physical body. One knows only that it is indeed the force that brought the human being into the sensory world, into sensory existence; but how it is to emerge into the spiritual world when the human being faces death—how it is to re-enter the spiritual world—of that one can have no experience as yet. One can understand, in the manner suggested, how—I would say—the path of development emerged from the spiritual realm to build up this human being and bring him to the point where what has been built up is once again shed, and in this shedding the magnificent quality of human thinking appears. One must now develop what might be called meditation or inner concentration in an entirely different way if one wishes to make further progress. It has, after all, been emphasized that the inner activities of the soul have been directed, through this first experiment I have described, toward a particular unfolding, toward a particular development of thinking.
[ 20 ] Man kann aber auch zu einer besonderen Entfaltung bringen das Seelenleben, zu einer Entfaltung, die über das Alltägliche und das bloß wissenschaftliche Leben hinausführt, indem man nun nicht das Denken, sondern den Willen entfaltet, den Willen, der zugrunde liegt demjenigen, wodurch wir tätig durch das Leben gehen. Dieser Wille, wir sprechen von ihm im alltäglichen Leben, im gewöhnlichen wissenschaftlichen Denken. Aber indem wir so von ihm sprechen, umfassen wir keineswegs alles dasjenige, was in ihm liegt. Geradeso, wie das Denken die verborgene Seite hat, die ich eben geschildert habe, die zu einem solchen Endpunkte führt, wie ich es angedeutet habe, so hat auch der Wille eine verborgene Seite, nur stellt sich diese ganz anders heraus. Um das kennenzulernen, was dem Willen zugrunde liegt, genügt es nicht, bloß den Willen so zu entfalten, wie er uns begleitet im Leben, wenn wir tätig sind; man muss gewissermaßen die Möglichkeit in sich entfalten, nicht nur zu tun, nicht nur tätig zu sein, sondern mit einem viel höheren Anteil des Seelenlebens tätig zu sein, als man es im alltäglichen Leben gewohnt ist. Man muss seinen Willen mehr innerlich verbinden können mit dem, was Willensimpuls ist, als man das im alltäglichen Leben gewöhnlich tut. Man kann sich angewöhnen diese innerliche Willenskonzentration jetzt, im Gegensatz zu der früheren Gedankenkonzentration, in Zusammenziehung des Willenslebens, wenn man sich Momente schafft, Augenblicke schafft — sie brauchen wahrlich nicht lang zu sein, sie müssen aber immer wieder und wieder wiederholt werden, wenn die Verrichtung Früchte tragen soll —, wenn man sich Augenblicke schafft, in denen man aus der äußeren Welt sich zurückzieht, und innerlich Umschau hält über die Welt seiner Wünsche, über die Welt seiner Begehrungen, über die Willensimpulse, die man entfalten kann, über jene Willensimpulse, die man mit den großen Zielen der Menschheit so zusammenbringt, dass sie in der Seele aufleuchten, wenn einem die Ideale der Menschheit aufleuchten — kurz, wenn man sich mit dem Willen innerlich so befassen kann, dass man diesen Willen stärker in das Feld der Aufmerksamkeit hereinrücken kann, als man es kann, wenn man diese Aufmerksamkeit lenkt auf die äußere Gestalt, die man der Welt gibt. Dadurch, dass man diese oder jene Willensimpulse hinausströmen lässt in dasjenige, was man verrichtet, wenn man nachdenkt zum Beispiel so, dass man sich sagt: «Das hast du getan» und dann versucht, sich wieder zu vergegenwärtigen den Willensimpuls, der darin gesteckt hat. Wenn man in einer Rückschau auf die Lebenstaten die Aufmerksamkeit darauf verwendet, wie der Willensimpuls [eingeflossen] ist, wenn man schaut, wie man gewollt hat, wie man die Willensrichtung gelenkt hat, kurz, wenn man intim wird mit den Wollenskräften.
[ 20 ] However, one can also bring about a special unfolding of the soul life—an unfolding that leads beyond everyday life and a purely scientific life—by developing not thinking, but the will, the will that underlies the very way we actively move through life. We speak of this will in everyday life and in ordinary scientific thinking. But when we speak of it in this way, we by no means encompass everything that lies within it. Just as thinking has the hidden side I have just described—which leads to the kind of endpoint I have indicated—so too does the will have a hidden side, only this one turns out to be quite different. To come to know what underlies the will, it is not enough merely to develop the will as it accompanies us in life when we are active; one must, so to speak, develop within oneself the capacity not merely to act, not merely to be active, but to be active with a much greater share of one’s soul life than one is accustomed to in everyday life. One must be able to connect one’s will more deeply with what constitutes a volitional impulse than one usually does in everyday life. One can accustom oneself to this inner concentration of the will—in contrast to the earlier concentration of thought—as a contraction of the life of the will, by creating moments, creating brief intervals—they truly need not be long, but they must be repeated again and again if the practice is to bear fruit—by creating moments in which one withdraws from the outer world, and look inward at the world of one’s wishes, at the world of one’s desires, at the impulses of the will that one can unfold, at those impulses of the will that one can align with the great goals of humanity in such a way that they shine forth in the soul when the ideals of humanity shine forth — in short, when one can engage with the will inwardly in such a way that one can bring this will more strongly into the field of attention than is possible when one directs this attention toward the outward form one gives to the world. By allowing this or that impulse of the will to flow out into what one is doing—when, for example, one reflects by saying to oneself: “You did that,” and then tries to recall the impulse of will that lay within it. When, in looking back on one’s life’s deeds, one focuses on how the impulse of will [was incorporated], when one observes how one intended to act, how one directed the course of one’s will—in short, when one becomes intimately acquainted with the forces of will.
[ 21 ] Ich sage wiederum etwas, was in seiner Charakteristik durchaus einfach erscheint: Aber alle Frucht der Verrichtungen hängt davon ab, dass die menschliche Seelenorganisation immer wieder und wiederum in eine solche Betätigung, in ein solches Erleben geführt wird, wie es eben angedeutet wurde, als eine Willenskonzentration, sodass man in der Tat das erlebt, was auf diesem Wege eben erlebt werden kann: dass man gewissermaßen eine Neugeburt in sich erlebt; dass man sich durchsetzt, durchkraftet fühlt mit dem, was einem früher mit Bezug auf die Aufmerksamkeit entgeht, mit einem neuen Menschen; wiederum mit einem neuen Menschen, aber jetzt mit einem Menschen, der einen wie ein innerlicher Willensmensch durchlebt.
[ 21 ] Once again, I am saying something that, in its essence, seems quite simple: But all the fruit of these activities depends on the human soul being led, again and again, into the kind of activity and experience just described—as a concentration of the will—so that one truly experiences what can be experienced in this way: that one experiences, as it were, a rebirth within oneself; that one feels permeated and empowered by what previously eluded one’s attention—by a new human being; once again by a new human being, but now by a human being who lives through one as an inner being of will.
[ 22 ] Das ist aber noch nicht die wichtige Entdeckung. Dieses innerliche Sich-Durchwärmen, Sich-Durchleuchten, dieses innerliche Sich-Durchkraften mit den Willensimpulsen, mit denen man vertraut geworden ist, mit dem, was Wille sein kann im Menschen, was als Wille hineinpulst in unsere Handlungen, dieses innerliche Verwobensein, dieses innerliche Vertrautwerden, das führt endlich zu einer Entfaltung des Willens, sodass man daran die Entdeckung macht: In diesem Willen ruht etwas, was wie ein Keim, wie ein Same in ihm ist, was immer da ist, was da ist, indem man im alltäglichen Leben handelt, aber was einem entgeht, worauf man keine Aufmerksamkeit richtet, was unbewusst bleibt. Aber es ist darin als ein lebendiges, aber als ein solches, das wiederum eine ganz besondere Seelenstimmung hervorrufen muss, weil es eben wiederum eine Art erschütterndes Erlebnis ist. Hat man kennengelernt auf dem Wege der besonderen Entfaltung des Denkens, die ich charakterisiert habe, in der Art, wie ich es charakterisiert habe, das Todeserlebnis im lebendigen Vorstellen, im lebendigen Erleben — indem man also den Willen entfaltet, lernt man erkennen etwas anderes: Man lernt erkennen in lebendiger Anschauung das Wesen des menschlichen Leides, das Wesen des Schmerzes. Denn man lebt sich in der Tat in das Wesen des Schmerzes hinein; in das Wesen jenes Schmerzes, der eine unmittelbar bis zum lebendigen Erleben gesteigerte Entbehrung ist. Denn dasjenige, was man wie einen Keim, wie einen Samen, aus dem Willen heraus — indem man es also erlebt hat —, sich gebären weiß, das erweist sich als dasjenige, was in einem zuerst — so, wie man ist als Mensch in dem gegenwärtigen Leben — keinen Ort, keine Stelle hat.
[ 22 ] But that is not yet the important discovery. This inner warming of oneself, this inner illumination, this inner strengthening through the impulses of will with which one has become familiar—with what will can be in a human being, with what pulses into our actions as will—this inner interwovenness, this growing familiarity—ultimately leads to an unfolding of the will, so that one makes the discovery: Within this will lies something that is like a germ, like a seed within it—something that is always there, present in one’s everyday actions, yet which eludes us, to which we pay no attention, and which remains unconscious. But it is present there as a living force—one that, in turn, must evoke a very special mood of the soul, precisely because it is, in turn, a kind of shattering experience. Once one has come to know, through the path of the special unfolding of thought that I have described—in the manner in which I have described it—the experience of death in living imagination, in living experience—that is, by unfolding the will—one learns to recognize something else: one learns to recognize, in living contemplation, the essence of human suffering, the essence of pain. For one does indeed immerse oneself in the essence of pain; in the essence of that pain which is a deprivation intensified directly to the point of living experience. For that which one knows how to bring forth—like a germ, like a seed—from the will—that is, by having experienced it—proves to be that which at first has no place, no position within oneself—just as one is as a human being in this present life.
[ 23 ] Man bekommt das Erlebnis, das sich herausstellt, wenn man sich gesagt hat — und man muss sich dies sagen, denn es drängt sich einem dieses Sagen auf —, dann spürt man: Da bist du mit deiner physischen Organisation, mit demjenigen, was du mit Menschen überhaupt erleben kannst, da stehst du in diesem Leben. Dasjenige, was du da erlebtest durch das, was du bist, indem du ein Wollensmensch bist, das erzeugt in dir einen Willenskeim, einen inneren, jetzt umgestalteten neuen Menschen. Aber dieser Mensch, er ist unangemessen dem, was du nun gegenwärtig bist. Er ist so unangemessen, dass er — indem du seiner gewahr wirst —, etwas darstellt, wie ein eindringendes Messer in die Haut.
[ 23 ] You have the experience that arises when you have told yourself—and you must tell yourself this, for this realization imposes itself upon you—then you feel: There you are with your physical constitution, with whatever you can experience with other human beings at all; there you stand in this life. What you experienced there through what you are—as a human being of will—gives rise within you to a seed of will, an inner, now transformed new human being. But this human being is incongruous with what you are at present. He is so incongruous that—as you become aware of him—he feels like a knife piercing the skin.
[ 24 ] Das ist natürlich, weil es ins Physische übersetzt ist, nur symbolisch gemeint. Aber man lernt kennen, wie das Leid verursacht wird dadurch, dass sich etwas, was zu einem inneren Wesen gehört, in Widerspruch versetzt mit der äußeren Ausgestaltung seines Wesens, mit dem, was im Äußeren geschieht. Man sieht, dasjenige, was man hier im Leben ausführen kann, das ist im Grunde unangemessen dem, was sich da im Inneren als Willenssame entwickelt.
[ 24 ] Of course, since this is expressed in physical terms, it is meant only symbolically. But one comes to understand how suffering is caused when something that belongs to one’s inner being comes into conflict with the outer manifestation of one’s being—with what happens on the outside. One sees that what one is able to accomplish here in life is, in essence, out of step with what is developing within as the seed of the will.
[ 25 ] Wie irgendetwas, was den Leib zerstört — ich möchte sagen — unangemessen ist der menschlichen Organisation, so ist unangemessen der menschlichen Organisation auch dasjenige, was sich jetzt als Willenskeim — man kann zunächst keinen besseren Namen finden —, als Willenssame entwickelt; was ja immer da ist, als unbewusster Schmerz auf dem Untergrunde der Seele.
[ 25 ] Just as anything that destroys the body—I would say—is inappropriate to the human organism, so too is that which is now developing as a seed of will—for the time being, no better name can be found—as a seed of will; something that is always there, as unconscious pain in the depths of the soul.
[ 26 ] Aber es wird zum erschütternden Erlebnis, wenn man diese Schmerzfähigkeit, diese Schmerzmöglichkeit des Menschen entdeckt. Denn aller besondere Schmerz, alles besondere Leid, ist gleicher Art mit diesem Leid, das man also entdeckt.
[ 26 ] But it becomes a deeply moving experience when one discovers this capacity for pain, this potential for pain in human beings. For every specific pain, every specific suffering, is of the same nature as this suffering that one thus discovers.
[ 27 ] Geistesforschung ist eben durchaus nicht etwas, was in einer so abstrakt gleichmäßigen Weise verläuft wie die äußere Forschung, sondern es ist etwas, was mit den nach den Tiefen des Lebens gehenden menschlichen Empfindungen und inneren Erfahrungen zusammenhängt.
[ 27 ] Spiritual research is by no means something that proceeds in such an abstract and uniform manner as external research; rather, it is something connected with human feelings and inner experiences that reach into the depths of life.
[ 28 ] Die Natur des Leides also, man lernt sie kennen auf diese Weise. Und man lernt also kennen nebeneinander dasjenige, was todbringend im Menschen ist, und als Todbringendes die herrlichsten Kräfte des Denkens entfaltet; man lernt dasjenige im Menschen kennen, was auf dem Untergrund seiner Seele als Leid liegt, und was in den Kräften des Willens lebt; man lernt erkennen, dass dieser Wille nicht da wäre, wenn nicht unbewusster Schmerz auf dem Grunde der Seele läge. Aber man lernt auch erkennen, indem man gewissermaßen diese beiden Pole sonst unbewussten Seelenlebens vor sein Bewusstsein gerückt hat, man lernt erkennen, wie sie zusammengehören. Und man lernt in ihrem Anblick — und man kann es nur durch die geistige Erfahrung, man kann es nur durch Anblicken, durch die geistigen Erfahrungen erkennen lernen —, man lernt erkennen, wie das eine von dem andern ergriffen werden muss, damit dasjenige, was hier im physischen Leben des Menschen getrennt sein muss, damit [der Mensch] dieses physische Leben zwischen Geburt und Tod entfalten kann wie das, was hier getrennt sein muss, gegenseitig sich befruchten muss, zusammenkommen muss, damit der Mensch durch die Pforte des Todes schreiten kann und wiederum in ein geistiges Leben nach dem Tode eintreten kann. Denn dasjenige, was man erkennen lernt auf diese Weise, das ist, dass erlöst werden kann aus der physischen Leibesorganisation dasjenige, was wir als diesen zweiten Menschen, der den Tod in sich enthält, kennengelernt haben.
[ 28 ] The nature of suffering, then, is something one comes to know in this way. And so one comes to know, side by side, that which is deadly within the human being and, as something deadly, unfolds the most magnificent powers of thought; one comes to know that which lies within the human being as suffering at the very foundation of the soul, and that which lives in the powers of the will; one comes to recognize that this will would not exist if unconscious pain did not lie at the very foundation of the soul. But one also comes to recognize—by bringing these two poles of otherwise unconscious soul life into one’s consciousness, so to speak—how they belong together. And in beholding them—and one can only come to recognize this through spiritual experience, one can only learn to recognize it through beholding, through spiritual experiences—one comes to recognize how one must be taken up by the other, so that what must be separate here in human physical life, so that [the human being] can unfold this physical life between birth and death—what must be separate here must mutually enrich one another, must come together, so that the human being can pass through the gate of death and once again enter into a spiritual life after death. For what one learns to recognize in this way is that what we have come to know as this second human being—who contains death within himself—can be redeemed from the physical bodily organization.
[ 29 ] Das, was erlösend wirken kann auf diesen zweiten Menschen, das ist der Willenssame. Und indem der erstere, der Mensch, der dem Tode sich vereinigt hat, sodass der Tod langsam das Leben aufzehrt —, indem dieser entbunden wird des physischen Leibes, wenn ihm der physische Leib nicht mehr dient, dann ist der Moment gekommen, wo der Willenssame ergreifen kann diesen Menschen, und wo entfaltet wird dasjenige, was sonst nur todtragend ist, zu neuem Leben, das jetzt in die geistige Welt eintritt, und das hineinträgt alles dasjenige in diese geistige Welt, was der Mensch entwickelt hat als Willensimpuls, was er in sich zum Leben gebracht hat dadurch, dass er ein sinnlich wollendes Wesen ist. Und auch dasjenige, was wir als ein intimstes Seelenleben entwickeln, es hängt ja auch mit dem Wollen zusammen. Das Wollen strahlt aus in das ganze Seelenleben. Dasjenige, was wir durch dieses unterbewusste Samenwesen des Willens entfalten, das ergreift unseren Bildemenschen, der uns hineingetragen hat in das physische Dasein, und trägt ihn wieder hinaus, sodass der Mensch jetzt zwischen Tod und neuer Geburt durch die geistige Welt gehen kann. Denn dasjenige Leben, das nun nach dem Tode beginnt, es beginnt gerade in der umgekehrten Weise, wie das physische Leben hier beginnt.
[ 29 ] That which can have a redemptive effect on this second human being is the seed of the will. And as the former—the human being who has united with death, so that death slowly consumes life—is released from the physical body when the physical body no longer serves him, then the moment has come when the seed of the will can take hold of this human being, and where that which is otherwise only death-bearing unfolds into new life, which now enters the spiritual world and carries into that spiritual world everything that the human being has developed as a will impulse—everything he has brought to life within himself by virtue of being a being with sensory will. And even what we develop as our most intimate soul life is, after all, connected to the will. The will radiates throughout the entire soul life. That which we unfold through this subconscious seed-being of the will takes hold of our image-human—who has carried us into physical existence—and carries him out again, so that the human being can now pass through the spiritual world between death and a new birth. For the life that now begins after death begins in exactly the opposite way to how physical life begins here.
[ 30 ] Die Elemente kann man kennenlernen durch die Geisteswissenschaft, aus denen sich dieses Leben zusammensetzt. Aber versuchen Sie zu erblicken dasjenige, was charakterisiert werden könnte als der Inhalt dieses Lebewesens, das hinausgeht in die geistige Welt durch die Pforte des Todes, was ist es? Es ist dasjenige, was man erlebt, wenn man das Denken zum äußersten Extrem gebracht hat, was einem — ich möchte sagen — als das alleräußerste Ende der Denkperspektive, der Gedankenperspektive vor die Seele tritt.
[ 30 ] Through spiritual science, we can come to know the elements of which this life is composed. But try to perceive what might be characterized as the essence of this living being that passes into the spiritual world through the gate of death—what is it? It is what one experiences when one has taken thinking to its utmost extreme, what appears before the soul—I would say—as the very farthest end of the perspective of thought.
[ 31 ] Und mit diesem vereinigt sich das Willenselement, dasjenige, was nur in einer anderen Bewusstseinsform dasjenige ist, was wir durch den Tod tragen. Und wenn wir nun vergleichen dasjenige, was wir durch den Tod tragen, was zunächst Bewusstseinsinhalt ist, mit demjenigen, was wir in unserem menschlichen Leben zwischen Geburt und Tod entwickeln, so ist es ja so, dass wir im gewöhnlichen Leben entwickeln zunächst die äußere physische Gestaltung; aus der dringt erst das Bewusstsein heraus. Geisteswissenschaft hat uns aber, wie angedeutet worden ist, gezeigt, dass diese physische Leibesorganisation erst aufgebaut worden ist.
[ 31 ] And this is united with the element of will—that which, in a different form of consciousness, is precisely what we carry with us through death. And if we now compare what we carry through death—which is initially the content of consciousness—with what we develop in our human life between birth and death, we see that in ordinary life we first develop the outer physical form; consciousness emerges from it only later. Spiritual science, however, as has been indicated, has shown us that this physical bodily organization has only just been built up.
[ 32 ] Wir verfolgen also durch Geburt oder Empfängnis und den Tod dasjenige, was die ewigen Kräfte der Menschennatur sind, die durch die Ausbildung, durch die Höhersteigerung des Bewusstseins in das Forschungsfeld hereingebracht werden müssen. Nun machen wir es wirklich in dieser Geisteswissenschaft gerade so, wie es sinngemäß derjenige macht, der den ganzen Umfang des Pflanzenlebens kennenlernen will. Was tut der? Er sieht, wie sich entfaltet dieses Pflanzenleben in der Blüte, in der Frucht, in dem Samen. Er verfolgt dann, wie aus diesem selben Samen, der am Gipfelpunkte der Pflanze sich entwickelt, ersteht [wiederum ein Anfang], [wie] sich wiederum der Anfang entwickelt, und er sieht, dass das Ende und der Anfang der Same ist.
[ 32 ] We thus trace, through birth or conception and death, those eternal forces of human nature that must be brought into the field of research through education and the elevation of consciousness. Now, in this spiritual science, we do exactly what, in essence, someone who wants to get to know the full scope of plant life does. What does that person do? He observes how this plant life unfolds in the flower, in the fruit, and in the seed. He then traces how, from this very same seed—which develops at the apex of the plant—[a new beginning] arises, [how] this beginning in turn develops, and he sees that the end and the beginning are the seed.
[ 33 ] So erblicken wir, indem wir dasjenige aus dem Bewusstsein herausholen, was durch die Pforte des Todes geht, was die Frucht dieses Erdenlebens ist, das erblicken wir in einem solchen Zusammenhang mit dem, was als Same, als Anfang, dem Erdenleben zugrunde liegt. Und wir erblicken, indem wir hinausgehen sehen durch die Pforte des Todes — ich möchte sagen — den Samen zu einem neuen Leben, [wir erblicken] diesen Samen ebenso aufgehen in dem Leben, das hier auf der Erde beginnt. Damit aber entwickelt sich der Ausblick auf die wiederholten Erdenleben.
[ 33 ] Thus, by bringing out of consciousness that which passes through the gate of death—which is the fruit of this earthly life—we perceive it in such a connection with that which, as a seed, as a beginning, underlies earthly life. And as we look out through the gate of death—I might say—we see the seed of a new life; [we see] this seed also sprouting in the life that begins here on earth. But this gives rise to the prospect of repeated earthly lives.
[ 34 ] Das, was den Menschen heute so grotesk erscheint, was aber im Aufgange des neueren Geisteslebens gerade aus der deutschen Kultur heraus Lessing in einer so wunderbaren Weise gefühlt hat, die Anschauung von den wiederholten Erdenleben, die als reife Frucht aus Lessings geistigem Leben am Ende in seinem literarischen Testament über «Die Erziehung des Menschengeschlechtes» erscheint, das zum wissenschaftlichen Ergebnis zu machen, das ist Aufgabe und Möglichkeit der Geisteswissenschaft, indem die Geisteswissenschaft erfasst dasjenige, was als Ewiges in der Menschennatur wirkt.
[ 34 ] What seems so grotesque to people today, but which Lessing—at the dawn of modern intellectual life, drawing specifically from German culture—perceived in such a marvelous way: the concept of repeated earthly lives, which ultimately appeared as the ripe fruit of Lessing’s intellectual life in his literary testament, *The Education of the Human Race*, is the task and possibility of spiritual science, in that spiritual science grasps that which acts as the eternal in human nature.
[ 35 ] Und so kann man sagen, dass dasjenige, was als Ewiges erfasst [werden kann,] recht unähnlich ist selbst sehr, sehr scharfsinnigen philosophischen Begriffen, durch die man bisher das Ewige in der Menschennatur hat erfassen wollen. Der Fehler, der auf diesem Gebiete gemacht wurde, sehr verehrte Anwesende, und der sozusagen diese Seelenkunde wie sie war, aussetzte allen Anfechtungen der zu so hoher Vollkommenheit gekommenen Naturwissenschaft, der Fehler, der gemacht worden war, er war der, dass man immerzu dachte, man müsse irgendetwas, was mehr oder weniger feiner substanziell — wenn auch nur als verfeinerte Materie, als verfeinerte Substanz —, aber als ein im äußeren Leben zu Erfahrenseiendes, dem Seelenleben zugrunde legen. Dass man das Seelenleben suchte in einem stationär Seienden, an dem gleichsam die Seelenerscheinungen haften, das machte den Fehler. Denn dasjenige, was man also im Seelenleben voraussetzt als eine solche Seelensubstanz, das kann man in Wirklichkeit nicht finden; von dem lösen einem die Ergebnisse der Naturwissenschaft los die Seelenerscheinungen. Man muss vielmehr in diesen Seelenerscheinungen selber leben und dasjenige, was man dann findet, ist ein rein Geistiges, enthaltend die ewigen Kräfte der Menschenseele. Ein rein geistiges Leben, das nur im Bewusstsein der Menschenseele erfasst werden kann. Gerade wenn man sich so recht — ich möchte sagen — in die einfachsten Vorstellungen der Naturwissenschaft hineingewöhnt, dann sieht man das, was ja heute freilich von den wenigsten erst gesehen werden kann: Die volle Übereinstimmung gerade bedeutungsvoller naturwissenschaftlicher Begriffe mit einem solchen Forschen auf dem geistig-seelischen Gebiete.
[ 35 ] And so one can say that that which [can be] grasped as the Eternal is quite unlike even the most subtle philosophical concepts through which one has hitherto sought to grasp the Eternal in human nature. The mistake that was made in this area, ladies and gentlemen, and which, so to speak, exposed this study of the soul—as it was—to all the challenges of natural science, which had reached such a high degree of perfection—the mistake that had been made was that one always thought one had to base the life of the soul on something more or less finely substantial—even if only as refined matter, as refined substance—but as something to be experienced in external life. The error lay in seeking the life of the soul in a stationary entity to which, as it were, the phenomena of the soul are attached. For what one thus presupposes in the life of the soul as such a substance of the soul cannot in reality be found; the findings of natural science detach the phenomena of the soul from this premise. Rather, one must live within these phenomena of the soul themselves, and what one then finds is something purely spiritual, containing the eternal forces of the human soul—a purely spiritual life that can be grasped only in the consciousness of the human soul. It is precisely when one becomes thoroughly—I might say—accustomed to the simplest concepts of natural science that one sees what, admittedly, very few people can see today: the complete harmony between meaningful scientific concepts and such research in the spiritual and psychological realm.
[ 36 ] Vielleicht wissen Sie, sehr verehrte Anwesende, wie der ganze Bewegungszustand, die Kraft und die Richtung übergehen von einer Billardkugel auf die andere. Dadurch kann man ja gerade die Bewegung und die Richtung der beiden Billardkugeln dirigieren, dass man weiß, in welcher Weise derselbe Zustand, der in der einen ist, in die zweite übergeht. Man würde einen Fehler machen, der da natürlich grob zutage tritt, wenn man sich vorstellen würde, dass irgendetwas, was in der einen Billardkugel drinnen ist, hinüberspringen würde in die zweite. Nichts Materielles, nichts Substanzielles geht hinüber, aber dennoch ist der Zustand, der hinübergeht, der ist gegeben durch den Zustand der ersten Kugel. Es ist etwas, was ganz und gar nicht zusammenhängt mit dem, was mit der ersten Kugel unmittelbar sinnlich geschieht.
[ 36 ] Perhaps you, distinguished audience, know how the entire state of motion, the force, and the direction are transferred from one billiard ball to the other. This is precisely how one can direct the motion and direction of the two billiard balls—by understanding how the same state present in one ball is transferred to the second. One would make a mistake—one that is, of course, glaringly obvious—if one were to imagine that something inside one billiard ball were to “jump over” into the second. Nothing material, nothing substantial passes over, yet the state that is transferred is determined by the state of the first ball. It is something that is entirely unrelated to what happens to the first ball in an immediate, sensory sense.
[ 37 ] So muss man loslösen alles das, was man als die ewigen Kräfte der Menschenseele denkt, von dem, was man irgendwie substanziell vorstellen kann, was man irgendwie auch vorstellen kann als im gewöhnlichen Denken, Fühlen und Wollen beschlossen. Man muss es rein im Bewusstsein entwickeln. Denn das, was gerade hinausgetragen wird in die geistigen Welten, es ist das Bewusstsein; denn es sind ja lauter Bewusstseinselemente. Und dasjenige, was ein gewöhnlicher Pantheismus zum Beispiel nicht begreifen kann, das ist das, dass durch die Pforte des Todes gerade das schreitet, dem das Bewusstsein eigentümlich ist. Und wie also — dieser Gedanke könnte nun allerdings im weitesten Umfange ausgeführt werden, denn die Geisteswissenschaft ist imstande, mit ihren Mitteln, wie ich das schon öfter angedeutet habe, wie es in späteren Vorträgen aber geschehen kann, um auch weiter zu verfolgen das Reich der übersinnlichen Welten, um im Einzelnen zu zeigen —, wie nun diese Menschenseele zwischen dem Tode und einer neuen Geburt wiederum diejenigen Kräfte ausbildet: So wie eben der Same sich ausbildet und die Kräfte der neuen Pflanze entfaltet, so entfaltet sie beim Durchgange durch die rein geistige Welt zwischen Tod und neuer Geburt dasjenige, was nun wiederum eine menschliche Organisation — entsprechend den Kräften der früheren menschlichen Organisation des früheren Erdenlebens — in einem neuen Erdenleben entfaltet.
[ 37 ] Thus, one must separate everything that one conceives of as the eternal forces of the human soul from what one can somehow conceive of as substantial, from what one can also somehow conceive of as being contained within ordinary thinking, feeling, and willing. One must develop it purely within consciousness. For what is carried out into the spiritual worlds is consciousness itself; for these are, after all, nothing but elements of consciousness. And what ordinary pantheism, for example, cannot grasp is precisely this: that what passes through the gate of death is that which is characterized by consciousness. And so—this thought could, of course, be elaborated upon to the greatest extent, for spiritual science is capable, through its methods—as I have often hinted at, and as will be done in later lectures—of further exploring the realm of the supersensible worlds to show in detail—how this human soul, between death and a new birth, once again develops those forces: Just as the seed develops and unfolds the powers of the new plant, so too, in its passage through the purely spiritual world between death and a new birth, does it unfold that which in turn develops into a human organism—corresponding to the powers of the previous human organism from the earlier earthly life—in a new earthly life.
[ 38 ] Man blickt hinaus über das einzelne Erdenleben auf die sich wiederholenden Erdenleben. Und durch das, was als inneres Seelenexperiment geschildert worden ist, durch das überträgt sich wirklich streng — der naturwissenschaftlichen Gesinnung und der naturwissenschaftlichen Denkungsweise entsprechend — auf die geistige Seite des menschlichen Lebens.
[ 38 ] One looks beyond the individual earthly life to the cycle of repeated earthly lives. And through what has been described as an inner soul experiment, this is indeed strictly applied—in accordance with the scientific mindset and scientific way of thinking—to the spiritual aspect of human life.
[ 39 ] So ungewohnt die Ergebnisse der naturwissenschaftlichen Denkungsart vor verhältnismäßig kurzer Zeit den Menschen waren, sodass sich alles dasjenige, was eingewöhnt war an alten Vorstellungen, dagegen gesträubt hat —, so ungewohnt diese Vorstellungen waren, so ungewohnt sind selbstverständlich dem Denken der Gegenwart die Ergebnisse der Geisteswissenschaft. Aber derjenige, der die Entwicklung der Wahrheit durch die Menschheitsentwicklung verfolgt und der kennenlernt die Gesetze der Entwicklung der Wahrheit, der kann sich mit dem Bewusstsein durchdringen, dass ebenso, wie sich gegen alle Gegnerschaft die naturwissenschaftliche Denkungsweise durchgearbeitet hat, gegen Vorurteile und gegen alle Gegnerschaft auch die Geisteswissenschaft sich durcharbeiten wird.
[ 39 ] Just as the findings of the scientific way of thinking were so unfamiliar to people until relatively recently—so much so that everything rooted in old ideas resisted them—just as unfamiliar as those ideas were, so too are the findings of spiritual science, of course, to contemporary thinking. But those who follow the development of truth through the evolution of humanity and who come to understand the laws governing the development of truth can imbue themselves with the awareness that, just as the scientific way of thinking has prevailed against all opposition, so too will spiritual science prevail against prejudices and all opposition.
[ 40 ] Gewiss muss sie dem, der da glaubt, streng auf dem Boden der Naturwissenschaft zu stehen —, gewiss muss ihm die geisteswissenschaftliche Weltanschauung, wie sie heute so oftmals erscheint, viel paradoxer erscheinen als der Kopernikanismus den Menschen erschienen ist, welche in ihrer früheren Vorstellungsart die Erde im Mittelpunkt des Weltalls und dieses Weltall oben von dem blauen Himmelsgewölbe begrenzt geglaubt haben. Schon öfter habe ich es ausgesprochen hier. Aber über dasjenige, über das diese Menschen hinausgekommen waren: zu glauben, dass die Himmelswelt in der sie leben, oben vom blauen Firmament begrenzt ist —, wie diese Menschen hinausgekommen waren und wie sie sich überzeugt haben, dass dieses blaue Firmament eigentlich gar keine Grenze ist, dass die räumliche Welt unendlich ist, dass Welten über Welten eingebettet sind in den Raum; wie sie kennengelernt haben, dass dieses blaue Firmament das Erzeugnis des eigenen Vorstellens ist, das nur bis dahin reicht —, so werden die Menschen lernen, dass dasjenige, was sich im Seelenleben zwischen Geburt und Tod darstellt, wirklich auch nur dadurch begrenzt ist zwischen Geburt und Tod, weil zunächst das menschliche Vorstellen sich selber einschränkt. Ein solches geistiges Firmament ist da, aber es ist eigentlich ein Nichts. Jenseits von Geburt und Tod liegen die Kräfte der Menschenseele in die Zeitenunendlichkeit eingebettet. Und so wie Welten nach Welten im Raum zu beobachten sind, so sind Menschenleben nach Menschenleben, die zusammengehören, die sich auseinanderentwickeln, in der Unendlichkeit der Zeitenfolge zu beobachten.
[ 40 ] Certainly, to those who believe they stand firmly on the ground of natural science—certainly, the spiritual-scientific worldview, as it so often appears today, must seem far more paradoxical to them than Copernicanism seemed to people who, in their earlier conception, believed the Earth to be at the center of the universe and that this universe was bounded above by the blue vault of heaven. I have stated this here many times before. But regarding what those people had moved beyond—the belief that the celestial world in which they lived was bounded above by the blue firmament—just as those people had moved beyond that and convinced themselves that this blue firmament is not actually a boundary at all, that the spatial world is infinite, that worlds upon worlds are embedded in space; how they came to realize that this blue firmament is the product of their own imagination, which extends only so far—so will people learn that what unfolds in the life of the soul between birth and death is truly limited to the period between birth and death only because, in the first place, human imagination limits itself. Such a spiritual firmament exists, but it is actually nothing. Beyond birth and death, the forces of the human soul are embedded in the infinity of time. And just as worlds upon worlds can be observed in space, so too can human lives upon human lives—which belong together yet diverge—be observed in the infinity of the succession of time.
[ 41 ] Dabei kann natürlich derjenige, der also durch das, was er als Ergebnisse der Geisteswissenschaft erkennt, der von diesen Ergebnissen der Geistesforschung in ihrer Wahrheit durchdrungen ist — er kann sehr wohl verstehen, wie heute sich noch Gegnerschaft entwickeln muss gegen diese Geisteswissenschaft. Besser als andere, die nicht auf dem Boden des Geistesforschers stehen, kann der Geistesforscher verstehen, wenn der oder jener, nachdem er vielleicht zum ersten Mal oder überhaupt anfänglich dasjenige, was so grotesk, vielleicht so närrisch, so phantastisch erscheint —, wenn er das gehört hat, wenn er nachher sagt: Es ist wirklich sonderbar, welche grotesken Träumereien, welche Sumpfblüten der menschlichen Phantasie heute in unserer sogenannten fortschrittlichen Kultur auftauchen! Solche Gegnerschaft kann man ganz gut begreifen, wie man begreifen konnte alles dasjenige, was sich gegen Galilei, gegen Kopernikus und ihre Weltanschauung erhoben hat. — Womit selbstverständlich durchaus nicht irgendein historischer Vergleich auch nur andeutungsweise gemeint ist.
[ 41 ] Of course, the person who—through what he recognizes as the findings of spiritual science—is imbued with the truth of these findings of spiritual research—he can very well understand why opposition to this spiritual science must still arise today. Better than others who do not stand on the ground of the spiritual researcher, the spiritual researcher can understand when this or that person, after perhaps hearing for the first time—or at least initially—what seems so grotesque, perhaps so foolish, so fantastical—when he has heard this, and then says: “It is truly strange what grotesque fantasies, what swamp flowers of the human imagination, are emerging today in our so-called progressive culture!” Such opposition is quite understandable, just as one could understand everything that arose against Galileo, against Copernicus, and their worldview. —By which, of course, no historical comparison of any kind is even remotely intended.
[ 42 ] Aber nicht nur das, was eben angeführt worden ist, sondern auch manches andere stellt sich in den Horizont des menschlichen Bewusstseins herein, sodass dasjenige, was sonst wie unerklärliche Lebensrätsel an unsere Seele heranschlägt, dadurch erklärlich wird.
[ 42 ] But it is not only what has just been mentioned; many other things also enter the horizon of human consciousness, so that what would otherwise strike our soul as inexplicable mysteries of life becomes explainable as a result.
[ 43 ] Sehen wir doch, wie uns die Geistesforschung zu diesen konkreten Resultaten führt, dass im Menschen ein zweiter Mensch ist, der gleichsam der Todträger ist, mit dem sich vereinigt der Willenssame, damit ein Lebendiges im Geistigen entsteht, das durch die Pforte des Todes getragen wird. Sehen wir dieses, dann können wir mit einem solchen Ergebnis auch — ich möchte sagen — an abnorme Lebensrätsel herantreten.
[ 43 ] Let us see how spiritual research leads us to these concrete results: that within the human being there is a second human being who is, as it were, the bearer of death, with whom the seed of the will unites so that something living may arise in the spiritual realm, carried through the gate of death. If we see this, then we can also—I would say—approach even the most unusual mysteries of life with such an insight.
[ 44 ] Und man muss schon heute, wenn man geisteswissenschaftliche Resultate vorbringt, nicht zurückschrecken davor, etwas vorzubringen, was dem einen oder anderen als recht wild-phantastisch erscheinen könnte, wenn es einem auch völlig ernst ist mit solchen Forschungsergebnissen.
[ 44 ] And even today, when presenting findings from the humanities, one must not shy away from putting forward ideas that might seem quite wild and fantastical to some, even if one is completely serious about such research findings.
[ 45 ] Es endet ja das menschliche Leben nicht nur dadurch, dass dieser innere Mensch, den ich geschildert habe, nach und nach das Leben aufzehrt, damit er sich mit dem Willenssamen verbindet, durch die Pforte des Todes geht, um in einer geistigen Welt zwischen Tod und neuer Geburt die Vorbereitungen für ein neues Leben zu treffen. Wir sehen ja hundertfältig, tausendfältig solche Tode jetzt in unserer Gegenwart um uns herum sich ereignen, welche gewaltsam von außen, indem der Mensch einem großen, sinnvollen Zusammenhange Opfer bringt —, welche gewaltsam von außen das Leben des Menschen endigen. Dann sehen wir, dass dasjenige, was da als ein gestaltender Zusammenhang, wie ein zweiter Mensch — der aber sozusagen mit dem Belebtsein aussetzt zwischen Geburt und Tod, damit er sich gerade erst im Augenblick des Todes lebendig machen kann durch den Willenssamen —, wie dieser zweite Mensch, bevor sein Lebenskreis auf der Erde vollendet ist, bevor er all dasjenige denkend aus sich herausgebracht hat, was er als Denken in der heute angedeuteten Weise entfalten kann, dass dieser zweite Mensch sich trennt von dem physischen Leibe.
[ 45 ] Human life does not end merely because this inner human being, whom I have described, gradually consumes life so that he may unite with the seed of the will, pass through the gate of death, and make preparations for a new life in a spiritual world between death and rebirth. We see such deaths occurring all around us in our present time a hundredfold, a thousandfold—deaths that are violently imposed from the outside, as human beings make sacrifices to a great, meaningful context—deaths that violently bring a person’s life to an end from the outside. Then we see that what exists there as a formative connection, like a second human being—who, however, so to speak, ceases to be animated between birth and death, so that he can become alive precisely at the moment of death through the seed of the will— just like this second human being, before his life cycle on earth is complete, before he has brought forth from within himself, through thought, all that he can unfold as thinking in the manner indicated today—that this second human being separates from the physical body.
[ 46 ] Dann haben wir das Bemerkenswerte vor uns, dass die äußere physische Organisation durch eine [Gewehr-] Kugel oder dergleichen von außen — das darf selbstverständlich nicht durch eignen Entschluss entstehen —, dass die physische Organisation von außen, das heißt, durch äußere physische Zusammenhänge vor der Zeit weggerissen wird, wie das mit so vielen blühenden Menschenleben in unserer Gegenwart geschieht. Dass also die äußere physische Organisation weggenommen wird von dem zweiten Menschen, dass sich mit diesem zweiten Menschen, mit dem Todesmenschen, verbindet das Belebende. Wir sehen mit anderen Worten dasjenige, was die Anlage gehabt hat im physischen Leben, sich als weiteres Denken auszuleben, frühzeitig in die geistige Welt eintreten. Aber in der geistigen Welt ist es ebenso wie in der physischen Welt. Wie man es weiß für die physische Welt, seit man das Gesetz von der Erhaltung der Kraft kennengelernt hat, wie Wärme aus Arbeit entsteht, wie Arbeit sich in Wärme verwandelt, wie alles sich eben verwandelt, nichts im eigentlichen Sinne in der Sinneswelt entsteht, sondern alles sich umwandelt —, so ist es nun in der geistigen Welt. Dasjenige was vorhanden war an Kräften, sodass sich diese Kräfte noch lange hätten ausleben können, das bleibt vorhanden, aber es wandelt sich um. Und nun entsteht — wie gesagt, ich sage es noch einmal: Mag es [auch] recht paradox, recht sonderbar, recht wild-phantastisch anmuten, aber es ist ein ehrliches Erzeugnis derjenigen Denkungsweise, die sich auf dem Boden entwickelt, den ich heute wiederum mit ein paar Strichen von einem gewissen Gesichtspunkte aus zu charakterisieren versuchte — für denjenigen, der ehrlich forscht auf diesem Gebiet, für den stellen sich hin neben die Tode, die frühzeitig auf diese Weise entstehen, andere Erscheinungen im menschlichen Leben.
[ 46 ] Then we are faced with the remarkable fact that the outer physical organization is taken away prematurely by a [rifle] bullet or the like from the outside—this, of course, must not arise from one’s own decision—that the physical organization is torn away from the outside, that is, by external physical circumstances, as happens to so many flourishing human lives in our present time. Thus, the external physical form is taken away from the second human being, and the life-giving force unites with this second human being, the human being of death. In other words, we see that which, in physical life, had the potential to unfold as further thinking, entering the spiritual world prematurely. But in the spiritual world, it is just as it is in the physical world. Just as we know from the physical world—ever since we learned the law of conservation of energy—how heat arises from work, how work is transformed into heat, how everything is transformed, and how nothing in the strict sense comes into being in the sensory world but rather everything is transformed—so it is now in the spiritual world. The forces that were present—enough that these forces could have continued to act for a long time—remain present, but they are transformed. And now something arises—as I said, and I’ll say it again: even if it may seem quite paradoxical, quite strange, quite wildly fantastical, but it is an honest product of the way of thinking that develops on the ground I have once again attempted to characterize today in a few strokes from a certain point of view—for those who honestly investigate this field, other phenomena in human life arise alongside the deaths that occur prematurely in this way.
[ 47 ] Ist es denn wunderbar, sehr verehrte Anwesende, dass durch die Art von Forschung, wie sie hier charakterisiert worden ist auch wiederum am heutigen Abend, dass durch diese Art von Forschung eben ein Zusammenhang geschaffen wird für unser Anschauen, für unser Bewusstsein, zwischen der sich ausbreitenden physischen und der geistigen Welt? Und ist es denn nicht für jedes einigermaßen vernünftige Denken und Fühlen klar, dass in unsere physische Welt fortwährend geistige Elemente hereingehen, dass diese geistigen Elemente das physische Leben tragen und beleben? Auf einem besonderen Gebiet sehen wir in — ich möchte sagen — für den Menschenfortschritt wohltätiger Weise Geistiges hineinragen in die physische Menschheitsentwicklung.
[ 47 ] Is it not marvelous, esteemed audience, that through the kind of research characterized here—and once again this evening—that through this kind of research a connection is established for our perception, for our consciousness, between the expanding physical world and the spiritual world? And is it not clear to any reasonably thoughtful and sensitive mind that spiritual elements continually enter our physical world, that these spiritual elements sustain and enliven physical life? In one particular area, we see—I would say—the spiritual reaching into the physical development of humanity in a way that is beneficial to human progress.
[ 48 ] Wenn wir das Menschenleben so betrachten, wie es von geschichtlicher Epoche zu geschichtlicher Epoche verläuft, da sehen wir, wie dasjenige, wodurch die Menschen schaffen aus ihren Kräften heraus, sich zusammensetzt aus Zweierlei. Die eine Art von Kräften erlangen wir dadurch, dass wir als Kinder erzogen werden, dass unsere Kräfte herangebildet werden, dass wir sie uns nach und nach erwerben; sodass man genau weiß, was man getan hat, entweder was der Erzieher getan hat, oder was man als Selbsterziehung, durch Selbstzucht geleistet hat, um zu dieser oder jener Entfaltung der Seelenkräfte zu kommen.
[ 48 ] When we consider human life as it unfolds from one historical epoch to the next, we see that what enables people to create out of their own powers consists of two elements. We acquire one kind of strength through our upbringing as children, through the development of our faculties, and through gradually acquiring them; so that one knows exactly what one has done—whether it was the educator who did it, or what one has achieved through self-education and self-discipline—in order to arrive at this or that development of the soul’s powers.
[ 49 ] Aber es gibt ein anderes Gebiet von Kräften, denen wir als Menschen /Lücke in der Mitschrift] besonders dankbar, indem wir fühlen, dass hereinragt eine ganz andere Welt in diese Kräfte. Und ich habe, wenn ich von diesen Kräften spreche, nicht bloß im Auge die Kräfte, die bei den großen, gottbegnadeten Genies auftreten, sondern jeder Mensch braucht in der einfachsten Lebenslage etwas von dem — wenn auch nur ein Geringes bei vielen vorhanden ist —, von dem, was wir die genialen, schaffenden Kräfte nennen, diejenigen Kräfte, von denen wir wissen, wir haben sie uns nicht errungen, sondern sie sind uns, wie wir sagen, «durch göttliche Begnadigung eingegossen», sie sind uns «verliehen». Wir haben sie, indem sie innerhalb unserer Anlagen sind, als unser göttliches Erbgut uns durchdringend. Ob wir diese Kräfte aufsuchen bei dem einfachsten Menschen, der sie braucht, ob wir sie zum Heile der Menschheit in den Schöpfungen der großen Genies uns entgegentreten sehen — diese Kräfte sind da. Sie stellen ein Hereinragen geistiger Elemente in das fortlaufende Sinnesleben der Geschichte dar, indem der Wille des Menschen sich so entfaltet im geschichtlichen Leben, wie er wirkt durch die Genies.
[ 49 ] But there is another realm of powers to which we, as human beings, [gap in the transcript] are particularly grateful, in that we sense that a completely different world extends into these powers. And when I speak of these powers, I am not referring merely to the powers that manifest in the great, divinely gifted geniuses; rather, every human being, even in the simplest of circumstances, needs something of what—even if only a small amount is present in many—we call the genius-like, creative powers—those powers of which we know we have not attained them ourselves, but rather they have been, as we say, “poured into us through divine grace”; they have been “bestowed” upon us. We possess them because they are within our nature, permeating us as our divine heritage. Whether we seek out these powers in the simplest of people who need them, or whether we see them manifesting for the benefit of humanity in the creations of the great geniuses—these powers are there. They represent a penetration of spiritual elements into the unfolding sensory life of history, in that the will of the human being unfolds in historical life just as it acts through the geniuses.
[ 50 ] Und indem der Geistesforscher, wenn er seine Seele so entwickelt hat, dass er nun diese Erscheinung, wie die Darlebung der genialen Kräfte, verfolgen kann mit dem geöffneten Geistesauge, das er eben bekommt, wenn er solche verfolgen kann, wie es angedeutet worden ist, dann stellt sich dar ein besonderer Zusammenhang zwischen den genial wirkenden Kräften und den Opfertoden, den Märtyrertoden. So wie man in der erlebten Anschauung im einzelnen menschlichen Seelenleben nebeneinander gestellt findet den Willenssamen, der belebt dasjenige, was als Todesträger in der einzelnen menschlichen physischen Organisation ist, so merkt man, wenn man mit dem Seelenauge hinblickt, das sich geschult hat durch Meditation, wie es beschrieben worden ist, auf den Zusammenhang zwischen dem, was in der Geschichte als geniale Kräfte sich ausleben will — um diesen Ausdruck zu brauchen —, man merkt den Zusammenhang zwischen diesen Kräften, die als genialische auftreten, und demjenigen, was als Opfertode geherrscht hat.
[ 50 ] And when the spiritual researcher has developed his soul to such an extent that he can now observe this phenomenon—the manifestation of genius-like forces—with the opened spiritual eye that he acquires precisely when he is able to observe such phenomena, as has been indicated, a special connection then becomes apparent between these genius-like forces and sacrificial deaths, the deaths of martyrs. Just as one finds, in the lived experience of the individual human soul life, the seed of the will placed side by side with that which animates what acts as the bearer of death in the individual human physical organization, so too, when one looks with the soul’s eye—which has been trained through meditation as described—one perceives the connection between what, in history, seeks to express itself as “genius forces”—to use this term—one perceives the connection between these forces, which appear as genius forces, and that which has prevailed as sacrificial deaths.
[ 51 ] So geheimnisvoll, so wunderbar dieser Zusammenhang ist, er ist ein Zusammenhang wie der von Ursache und Wirkung. Man lernt schon einmal das für das heutige menschliche Weltauffassen noch so Ungewohnte, man lernt das, dass man verchrungsvoll auf den göttlichen, weisheitsvollen Zusammenhang auch im geschichtlichen Leben hinblicken kann. Man lernt erkennen, dass Opfertode, Märtyrertode, frühes Hinwelken von menschlichem Leben Ursachen bilden. Hinter den sinnlichen Zusammenhängen und den Verstandeszusammenhängen enthüllt sich das, dass diese Opfertode, diese Märtyrertode, übergehen in die Wirkung derjenigen Fähigkeiten, die sich als geniale Fähigkeiten im Verlaufe der Menschheitsentwicklung ausleben, auf diese Art das Geheimnisvolle allmählich offenbar zu machen.
[ 51 ] As mysterious and wondrous as this connection is, it is a connection like that of cause and effect. One begins to learn what is still so unfamiliar to today’s human understanding of the world; one learns that one can look back with reverence upon the divine, wisdom-filled interconnection even in historical life. One learns to recognize that sacrificial deaths, martyrdoms, and the premature withering of human life constitute causes. Behind the sensory and intellectual connections, it is revealed that these sacrificial deaths, these martyr’s deaths, give rise to the effects of those abilities that manifest as genius in the course of human development, thereby gradually unveiling the mystery.
[ 52 ] Und so, wie man dasjenige, was ja auch in der Natur sich als eine Wirkung von ganz anderer Art darstellt, in seinem Zusammenhang mit der ganz anders ausschenden Ursache erkennt, so lernt man Ursache und Wirkung im einzelnen Menschenleben, insofern es in seinen ewigen Kräften wurzelt und durch Geburt und Tod geht, kennen, aber auch dasjenige, was im geschichtlichen Zusammenhange steht.
[ 52 ] And just as one recognizes that which, in nature too, manifests as an effect of a completely different kind in its connection to a cause that appears quite different, so too does one come to understand cause and effect in the life of the individual—insofar as it is rooted in eternal forces and passes through birth and death—but also that which is situated within the historical context.
[ 53 ] Und so ist es, dass ein Blick eröffnet wird gerade von der Geisteswissenschaft aus auf die Bedeutung solcher Zeitepochen, wie die unserige ist. Auf eine ganz unbefangene, keineswegs erzwungene Weise, ergibt sich — ich möchte sagen — ein inneres Verständnis für dasjenige, was in solchen Zeitepochen geschieht. Und es ergibt sich ein innerliches Verständnis, warum Ursachen geschaffen werden müssen durch Opfertode für etwas, was im Menschenleben später als Kräfte, die diesem Menschenleben zum Heile und Fortschritt dienen werden, aufgehen wird.
[ 53 ] And so it is that spiritual science opens up a perspective on the significance of such historical epochs as our own. In a completely unbiased, by no means forced way, an inner understanding arises—I would say—of what happens in such epochs. And an inner understanding arises of why causes must be created through sacrificial deaths for something that will later emerge in human life as forces that will serve this human life for its salvation and progress.
[ 54 ] Wahrhaftig, indem man geisteswissenschaftlich kennenlernt die Zusammenhänge des menschlichen Lebens, breitet sich Verständnis aus über vieles, was sonst unverständlich, schmerzvoll ist. Wie ein unendlich breites Feld von Schmerz und Leiden ist der Untergrund derjenigen Hoffnungen, die heute die mitteleuropäische Bevölkerung durchseelen.
[ 54 ] Truly, by coming to understand the interconnections of human life through the spiritual sciences, insight spreads into much that is otherwise incomprehensible and painful. The foundation of the hopes that today permeate the Central European population is like an infinitely vast field of pain and suffering.
[ 55 ] Nun ist Geisteswissenschaft wahrhaftig nicht geeignet, den Menschen zum stumpfsinnigen Wesen zu machen, indem sie ihn in trivialer Weise über den Schmerz hinwegtrösten will. Wir haben ja gerade gesehen, dass das Leid auf dem Untergrund der Seele erkannt werden muss als eines der Elemente, die den Menschen in das geistige Leben hineingeleiten. Indem der Mensch kennenlernt die ewigen Kräfte der Menschenseele, die er unter allen Umständen durch die Pforte des Todes führt, indem der Mensch sogar kennenlernt die Bedeutung derjenigen Kräfte, die unverbraucht gelassen worden sind im Leben, von Menschen, die durch einen frühen Tod durch die Pforte des Todes gehen, indem er sie sieht in einem großen historischen Zusammenhange so, dass er sich sagen kann: Muss auch hinsterben ein lieber Freund, die weisheitsvolle Führung eines Menschenfortschrittes erfordert das von mir. — Wenn dann sich der Mensch dieses sagt, so erfasst er allerdings dieses Walten der Weisheit in allen Welterscheinungen. Aber geradezu etwa als trivialer Trost, als banaler Trost, darf das nicht genommen werden. Der einzelne Schmerz, den wir empfinden, er ist berechtigt; das einzelne Leid, das unsere Seele durchwebt, es ist berechtigt; wir werden zwar lernen, stark im Leid zu sein, wenn wir den Horizont über diejenige Welt eröffnet erhalten, die uns die Geisteswissenschaft zeigt; stark im Leiden werden wir sein. Wir werden lernen den Sinn des Leides, aber wir werden gerade dadurch nicht in Versuchung kommen, das Leben stumpfer zu machen dadurch, dass wir uns in leichter Weise zu trösten versuchen. Nicht verflacht, sondern gerade vertieft wird alles Freudige, aber auch aller Schmerz im Leben, wenn wir des Lebens Tiefen durch Geisteswissenschaft kennenlernen.
[ 55 ] Now, spiritual science is truly not suited to turning human beings into dull-witted creatures by attempting to console them in a trivial way over their pain. We have just seen that suffering, at the deepest level of the soul, must be recognized as one of the elements that lead human beings into spiritual life. As a person comes to know the eternal forces of the human soul—forces that guide the soul through the gate of death under all circumstances—and as a person even comes to understand the significance of those forces that remain unspent in the lives of people who pass through the gate of death due to an early death—and as a person views these forces within a broad historical context, so that he can say to himself: Even if a dear friend must die, the wise guidance of human progress requires this of me. — When a person says this to themselves, they truly grasp this workings of wisdom in all worldly phenomena. But this must not be taken as mere trivial comfort, as banal consolation. The individual pain we feel is justified; the individual suffering that weaves through our soul is justified; we will indeed learn to be strong in suffering if we keep open the horizon beyond this world that spiritual science reveals to us; we will be strong in suffering. We will learn the meaning of suffering, but precisely because of this, we will not be tempted to dull the intensity of life by trying to console ourselves in a superficial way. Everything joyful, but also every pain in life, will not be trivialized but rather deepened when we come to know the depths of life through spiritual science.
[ 56 ] Ich habe andeuten können nur, wie der Mensch den Weg finden kann, indem er dazu geführt wird, in einer ebenso klaren — man möchte sagen — naturwissenschaftlichen Weise anzuschauen die Vorgänge im geistigen Leben, wie in der heutigen Zeit angeschaut werden die äußeren Naturvorgänge. Und es ist eine ganz andere Anschauungsweise, die sich erst entwickeln muss aus der menschlichen Seele.
[ 56 ] I have been able only to hint at how human beings can find the way by being guided to view the processes of spiritual life in a manner that is just as clear—one might say—scientific as the way in which external natural processes are viewed today. And this is an entirely different way of viewing things, one that must first develop from within the human soul.
[ 57 ] Die Besten, die in der Menschheitsentwicklung gelebt haben, sie haben auf diese Anschauungsweise hingedeutet. Unsere Gegenwart ist berufen, die Menschheit auf diese Anschauungsweise aufmerksam zu machen, einzuverleiben die Ergebnisse dieser Anschauungsweise dem Kulturleben. Was Goethe Geistesaugen und Geistesohren genannt hat, und was sich ebenso aus der geistigen Seelenorganisation herausentwickelt wie die physischen Augen und die physischen Ohren aus der Leibesorganisation, das ist gemeint. Es entsteht auf so geistgemäße, so seelengemäße Weise, wie die Leibesorganisation auf naturgemäße Weise entsteht. Und wenn in diesem Zusammenhange davon gesprochen wird, dass die Wahrnehmungsfähigkeit des Menschen zur Hellsichtigkeit und zur Hellhörigkeit entfaltet werden muss, damit er hineinschauen kann in die geistige Welt, so darf niemals vergessen werden, dass dasjenige, was hier als wahrhaft geisteswissenschaftliche Hellsichtigkeit und Hellhörigkeit gemeint ist, das volle Gegenteil ist von dem, was so häufig als Hellsichtigkeit oder gar Hellhörigkeit bezeichnet wird. Es ist schon das geisteswissenschaftliche Ergebnis geneigt, sehr verehrte Anwesende, bei vielen Menschen herabgesetzt zu werden dadurch, dass von dieser Entwicklung besonderer, in der Seele schlummernder Fähigkeiten gesprochen wird, durch welche erst die ewigen Kräfte der Menschenseele erforscht werden können. Und es ist ja wieder etwas, was Ergebnis der naturwissenschaftlichen Gesinnung ist, dasjenige, was im gewöhnlichen trivialen Sinne Hellsichtigkeit und Hellhörigkeit genannt wird, in das Reich der Halluzinationen, in das Reich der Illusionen zu verweisen, und jedenfalls durch Entfaltung solcher Fähigkeiten, die im gewöhnlichen Leben Hellsichtigkeit, Hellhörigkeit genannt werden, nicht Wege zu suchen, die in die geistige Welt hineinführen. Auch da, möchte ich sagen, steht Geisteswissenschaft völlig auf dem Boden der gesunden naturwissenschaftlichen Forschungsweise, denn diejenigen Fähigkeiten, die sich wirklich als neue Seelenfähigkeiten entfalten auf dem Wege, der heute angedeutet worden ist, und den man, wie gesagt, ausführlich in den genannten Büchern beschrieben finden kann —, diese Fähigkeiten, die sich auf diese Weise entwickeln, sie sind geistige Fähigkeiten; sie sind solche Fähigkeiten, die die Seele gerade entfalter, wenn sie sich unabhängig macht von dem Leibe, wenn sie nicht mehr mithilfe der Leibesorganisation tätig ist. Während dem dasjenige, was im gewöhnlichen Leben auftreten kann, krankhaft, als Halluzination, als Illusion, gerade darin besteht, dass es gleichsam die Karikatur, das Schattenbild ist der wahren Hellsichtigkeit, der wahren Hellhörigkeit. Ja, Geisteswissenschaft führt uns gerade auf den Weg zu erkennen, dass der richtige Weg, die geistigen Welten zu erkennen, der ist, der die Kräfte entfaltet, die das gewöhnliche Hellsehen, das triviale Hellsehen im Menschen bekämpfen können, damit es sich nicht zeige, [damit sich nicht zeige] dasjenige Hellsehen, das man gewöhnlich kennt.
[ 57 ] The greatest figures who have lived throughout human history have pointed toward this way of seeing things. It is our calling in the present to draw humanity’s attention to this way of seeing things and to incorporate the results of this way of seeing into cultural life. What Goethe called the “spiritual eyes” and “spiritual ears”—and which develops from the spiritual organization of the soul just as the physical eyes and ears develop from the physical body—is what is meant here. It arises in a manner as appropriate to the spirit and the soul as the physical body arises in a manner appropriate to nature. And when, in this context, it is said that a person’s powers of perception must be developed into clairvoyance and clairaudience so that they can look into the spiritual world, it must never be forgotten that what is meant here as truly spiritual-scientific clairvoyance and clairaudience is the exact opposite of what is so often referred to as clairvoyance or even clairaudience. The very findings of spiritual science, dear attendees, are prone to being belittled by many people precisely because they speak of the development of special abilities lying dormant in the soul—abilities through which the eternal forces of the human soul can be explored. And it is, once again, a consequence of the scientific mindset to relegate what is commonly and trivially called clairvoyance and clairaudience to the realm of hallucinations, to the realm of illusions; and in any case, not to seek paths leading into the spiritual world through the development of such abilities as are commonly called clairvoyance and clairaudience in everyday life. Here, too, I would say, spiritual science stands entirely on the ground of sound scientific research, for those abilities that truly unfold as new soul abilities along the path that has been outlined today—and which, as I said, can be found described in detail in the books mentioned—these abilities that develop in this way are spiritual abilities; they are the very faculties that the soul develops precisely when it becomes independent of the body, when it no longer acts through the body’s organization. Whereas what may occur in ordinary life—pathologically, as a hallucination, as an illusion—consists precisely in the fact that it is, as it were, a caricature, a shadow image of true clairvoyance and true clairaudience. Yes, spiritual science leads us precisely to the realization that the correct path to perceiving the spiritual worlds is the one that develops the forces capable of counteracting ordinary clairvoyance—that trivial form of clairvoyance in human beings—so that the kind of clairvoyance commonly known does not manifest itself.
[ 58 ] Denn dasjenige Hellsehen, von dem heute als dem wahren Hellsehen gesprochen worden ist, man kann es nur kennenlernen auf dem angedeuteten Wege. Dasjenige Hellsehen, was man gewöhnlich kennt, das besteht eben darin, dass dessen Kräfte gerade entwickelt werden innerhalb des Physisch-Leiblichen; dass sie Kräfte sind, die gerade dadurch zum Dasein kommen, dass das Geistige stärker zerstörend auf das Leibliche wirkt als im gewöhnlichen Denken. Das gewöhnliche Denken, das stellt das normale dar: Wie der zweite Mensch zerstörend wirkt und wirken muss, damit das menschliche Leben sich in richtiger Weise entwickeln kann. Die ins Halluzinatorische, ins Illusorische, ins Visionäre gehende Entwicklung des sogenannten Hellsehens, die zeigt die [von mir hier beschriebene] Geisteswissenschaft auf als etwas, was charakterisiert werden muss: Dass dieser zweite Mensch stärkere Zerstörungskräfte entwickelt. Damit aber ist dasjenige, was erfahren werden kann in dieser Karikatur, in diesem Schattenbild des wahren Hellsehens, viel intensiver mit dem zeitlichen Menschen verbunden, als das gewöhnliche Denken, das alltägliche Denken mit diesem Menschen verbunden ist. Gelangt ein Mensch dadurch, dass er zu krankhaften Halluzinationen, zu krankhaften Illusionen kommt, zu irgendwelcher oftmals bewunderten Ausbildung des Seelenlebens, so ist dasjenige, was ihm auf diese Weise in seine Seele hineingebracht werden kann, etwas, was viel vergänglicher ist als die gewöhnlichen, vergänglichen Vorstellungen und Dinge des Lebens. Zu den ewigen Kräften der Menschenseele gelangt man erst, wenn man Denken und Wollen in der angedeuteten Weise zu einer höheren Stufe, zu einem übersinnlichen, nicht zu einem untersinnlichen Punkte entwickelt.
[ 58 ] For the kind of clairvoyance that has been described today as true clairvoyance can only be attained through the path indicated. The clairvoyance that is commonly known consists precisely in the fact that its powers are developed within the physical-bodily realm; that they are powers which come into being precisely because the spiritual exerts a more destructive influence on the physical than in ordinary thinking. Ordinary thinking represents the normal state: how the second human being exerts a destructive influence—and must do so—so that human life can develop in the right way. The development of so-called clairvoyance that veers into the hallucinatory, the illusory, and the visionary reveals, as spiritual science [as I have described it here], a phenomenon that must be characterized: that this second human being develops stronger destructive forces. Consequently, however, what can be experienced in this caricature, in this shadow image of true clairvoyance, is much more intensely connected to the temporal human being than ordinary thinking—everyday thinking—is connected to this human being. If a person, by falling into pathological hallucinations or pathological illusions, attains some form of soul life that is often admired, then what can be brought into their soul in this way is something far more transient than the ordinary, transitory ideas and things of life. One attains the eternal forces of the human soul only when one develops thinking and willing in the manner described to a higher level—to a supersensible, rather than a sub-sensible, point.
[ 59 ] In einem inneren Zusammenhang, sehr verehrte Anwesende, stehen die Ausführungen doch, die ich gestern gemacht habe, mit demjenigen, was ich heute — ohne die Anknüpfung an irgendetwas, was in der Weltanschauungsentwicklung der Zeit hervorgetreten ist, zu wählen —, es [steht] dieses heute Entwickelte dennoch in einem gewissen sachlichen Zusammenhang mit dem gestern Auseinandergesetzten, mit demjenigen, was angeknüpft war an das Weltbild des Deutschen Idealismus. Nicht in einem Zusammenhang, der sich etwa zwangsmäßig logisch ergeben würde, sei jetzt am Schlusse hingewiesen auf das Verhältnis des gestern Betrachteten zu dem heute Betrachteten. Der Zusammenhang liegt vielmehr in den Empfindungen, die uns ja heute in die Seele hineinströmen können. Daher bitte ich Sie um Entschuldigung, wenn der Übergang zu dem Schlusse heute nicht mit strenger Logik gewählt wird, sondern so gewählt wird, dass er aus den Empfindungen heraus, die uns heute, wenn wir eben empfindende Menschen sind, beseligen müssen, [wenn der Übergang zum Schluss] aus diesen Empfindungen heraus gebildet ist.
[ 59 ] Ladies and gentlemen, there is, after all, an intrinsic connection between the remarks I made yesterday and what I am presenting today—without choosing to tie it to anything that has emerged in the development of contemporary worldviews— what has been developed today nevertheless stands in a certain objective connection with what was discussed yesterday—with that which was linked to the worldview of German Idealism. Not in a connection that would, so to speak, follow logically and inevitably; let me now, in closing, point out the relationship between what was considered yesterday and what is being considered today. Rather, the connection lies in the feelings that can indeed flow into our souls today. I therefore ask for your forgiveness if the transition to the conclusion today is not chosen with strict logic, but rather in such a way that it arises from the feelings that must fill us with joy today—if we are indeed sensitive people—[when the transition to the conclusion] is formed from these feelings.
[ 60 ] Wir haben gestern gesehen, wie im Weltbilde des Deutschen Idealismus sich ein Streben äußert, sodass eine der Persönlichkeiten, der nationalste deutsche Philosoph, Johann Gottlieb Fichte, nach starker Entfaltung des Willenselementes sucht, das von Augenblick zu Augenblick fortschreitend das menschliche Ich schafft. Da sehen wir auftreten innerhalb des Gesichtskreises des Weltbildes des Deutschen Idealismus ein Streben, unmittelbar, wie gestern geschildert worden ist, aus der Substanz, aus der geistigen Substanz deutschen Volkswesens heraus; da sehen wir ein Streben, das hinweist auf Meditation des Willens. Weltgeschichtlich ist einmal die Tatsache geworden, dass die Seele einen Weg gehen kann, den wir heute als Meditation des Willens bezeichnet haben.
[ 60 ] Yesterday we saw how the worldview of German Idealism expresses an aspiration such that one of its leading figures—the most national of German philosophers, Johann Gottlieb Fichte—seeks a powerful unfolding of the element of will, which progressively creates the human self from moment to moment. There we see emerging within the scope of the worldview of German Idealism a striving that arises directly—as described yesterday—from the substance, from the spiritual substance of the German national character; there we see a striving that points toward the meditation of the will. In the history of the world, it has become a fact that the soul can follow a path that we have today described as the meditation of the will.
[ 61 ] Und sehen wir auf den anderen Pol, auf Hegel, innerhalb des Weltbildes des Deutschen Idealismus, so sehen wir in seinem Denken — das die Logik so weit treibt, dass selbst der Weltengeist, mit dem sich das menschliche Ich vereinigen will, zum reinen Logiker wird —, wir sehen dieses Denken den Weg nehmen, der nur weiter verfolgt zu werden braucht. Und da führt dieses Denken nicht dahin, wo es Hegel an einem bestimmten Punkte seiner Psychologie geführt, sondern es führt in jenes Weben des geistigen Lebens hinein, wozu Hegel noch nicht hingekommen ist, wozu aber sein Streben führt, wenn es mit dieser Energie fortgesetzt wird. Und in einer ähnlichen Weise steht Schelling — steht überhaupt jede Persönlichkeit, die innerhalb des wahren Weltbildes des Deutschen Idealismus sich entfaltet — auch in Ansatzpunkten zu dem, was heute der Geistesforscher betrachten muss als den Weg zur Geisteswissenschaft selber. So stellen sich uns die welthistorischen Ereignisse dar, und unsere Zeit wird es entschuldigen, dass man gerade den Blick auf diese welthistorischen Ereignisse lenkt. Wie man auch im Umfange in der geistigen Weltkultur sich stellen mag, wie man auch suchen mag etwas, was so intensiv darstellt ein Streben, das seine Fortsetzung allein finden kann in der Geistesforschung —, das findet man sonst nicht in so innerlich intensiver Weise wie im Weltbilde gerade des Deutschen Idealismus.
[ 61 ] And if we look to the other pole—to Hegel, within the worldview of German Idealism—we see in his thought—which pushes logic so far that even the World Spirit, with which the human ego seeks to unite, becomes a pure logician— we see this line of thought taking the path that need only be pursued further. And this line of thought does not lead to where it led Hegel at a certain point in his psychology, but rather into that weaving of spiritual life to which Hegel has not yet arrived, but toward which his striving leads if it is continued with this energy. And in a similar way, Schelling—indeed, every personality who unfolds within the true worldview of German Idealism—also stands at the starting point of what the researcher of the spirit must today regard as the path to spiritual science itself. This is how world-historical events present themselves to us, and our time will excuse the fact that we are directing our gaze specifically toward these world-historical events. No matter how one may position oneself within the broader context of spiritual world culture, no matter how one may seek something that so intensely embodies a striving which can find its continuation solely in spiritual research—one will not find it elsewhere in such an inwardly intense manner as in the worldview of German Idealism in particular.
[ 62 ] Man sieht dasjenige, wonach aus dem Bedürfnis der sich entwickelnden Menschheit heute der Geistesforscher streben muss, man sieht das Aufleuchten wie in einer Art von Morgendämmerung in dem reinen Denken Hegels, in dem starken Willensmeditieren Fichtes, das sogar innerhalb Fichtes selber so weit gekommen ist, dass Fichte einmal spricht von demjenigen Sinn, durch den man die [übersinnlichen] Dinge erforscht, der ebenso wenig anerkannt werden könne — wie Fichte sich ausdrückte vor seinen Zuhörern in seinen letzten Berliner Vorträgen, die er gehalten hat — von dem gewöhnlichen Menschensinn, wie von Blinden der Sinn für die Farbe anerkannt zu werden braucht. Wenn man diesen Gedanken so recht sich hereinleben lässt in die Seele, dann kann man eben zu der weiteren Ausbildung dieses Gedankens kommen, die da besagen mag: Versucht man heute gerade dasjenige als das Element der Geistesforschung, als dasjenige, was einem teuer sein muss, wenn man es einfügen möchte als ein neues Element dem geistigen Menschheitsfortschritt —, versucht man das so recht zu charakterisieren, so findet man es in seiner Notwendigkeit gerechtfertigt, geschichtlich gerechtfertigt, wenn man zurückblickt auf die Entwicklung, die der deutsche Volksgeist genommen hat damals, als — wie gestern angedeutet worden ist — das Weltbild des Deutschen Idealismus am herrlichsten, am höchsten entfaltet worden ist. Wie wenn der deutsche Volksgeist selber durch die gestern charakterisierten Persönlichkeiten in Meditation verfiel, um den ersten Ansatz für etwas zu machen, was zukunftstragend ist, so erscheint einem dasjenige, was auf dem Schauplatz des Deutschen Idealismus geleistet wird. Spricht damit dieser Deutsche Idealismus, spricht damit dieses Meditieren der deutschen Volksseele, des deutschen Volksgeistes nicht so zu uns, dass wir sagen müssen: Es trägt in sich die Kräfte vieler weitgehender Zukunfts-Entfaltungen?
[ 62 ] One can see what the researcher of the spirit must strive for today, given the needs of evolving humanity; one can see it dawning, as in a kind of dawn, in Hegel’s pure thought and in Fichte’s intense meditation on the will—which had progressed so far even within Fichte himself that he once spoke of that sense through which one explores [supersensible] things—which, as Fichte put it to his audience in his final Berlin lectures, can be recognized just as little by ordinary human sense as the sense of color can be recognized by the blind. If one allows this thought to truly sink into one’s soul, then one can arrive at a further elaboration of this idea, which might go something like this: If one attempts today to treat precisely this as the element of spiritual research—as that which must be dear to one if one wishes to introduce it as a new element into the spiritual progress of humanity— if one attempts to characterize it properly, one finds it justified in its necessity, historically justified, when one looks back on the development that the German national spirit underwent at that time when—as was hinted at yesterday—the worldview of German Idealism was most magnificently and most fully unfolded. Just as if the German national spirit itself, through the personalities characterized yesterday, had fallen into meditation in order to make the first step toward something that holds the promise of the future, so does what is accomplished on the stage of German Idealism appear to us. Does this German Idealism, does this meditation of the German national soul, of the German national spirit, speak to us in such a way that we must say: It carries within itself the forces of many far-reaching future developments?
[ 63 ] Ist damit, dass der deutsche Volksgeist, die deutsche Volksseele, im Laufe der Zeit solches Meditieren entfaltet hat, solchen Ansatz genommen hat für etwas, was sich als Same für eine Frucht der Zukunft darstellt, ist damit nicht gegenwärtig die Lebensfähigkeit, die Lebenstüchtigkeit, die sittenhafte Kraft des deutschen Volksgeistes, dieser deutschen Volksseele? Sieht man nicht in dem Samen schon keimen dasjenige, was Frucht in der Zukunft sein muss? Darf untergehen durch eine Welt von Feinden dasjenige, was seine Früchte dadurch zeigt, dass es sie eben als Same enthält? Dasjenige, was veranlagt ist, was die Notwendigkeit seiner Entfaltung also in sich selber trägt, das wird sich entfalten, wird sich bilden in der Welt, wenn ihm auch sein Dasein streitig machen möchten die Feinde, die sich wider das erheben.
[ 63 ] Does the fact that the German national spirit, the German national soul, has developed such meditation over time—that it has taken such a path toward something that serves as a seed for a future fruit—does this not demonstrate the vitality, the resilience, and the moral strength of the German national spirit, of this German national soul, in the present? Can we not already see germinating within that seed what must become fruit in the future? Should that which reveals its fruits precisely by containing them as a seed be allowed to perish at the hands of a world of enemies? That which is predisposed—that which thus carries within itself the necessity of its own unfolding—will unfold and take shape in the world, even if enemies who rise up against it seek to contest its very existence.
[ 64 ] So fühlt sich der deutsche Volksgeist in jeder fühlenden deutschen Seele verbunden mit den Kräften, die in die Zukunft hineinleben, und so hofft auf seine Entfaltung in der Zukunft, so hofft auf seinen Sieg über alle Gegnerschaft, so lebt voll Zuversicht dieser deutsche Volksgeist in jedem, der dieses empfinden kann, eben in die Zukunft hinüber.
[ 64 ] Thus, in every sensitive German soul, the German national spirit feels connected to the forces that reach into the future; thus, it hopes for its own fulfillment in the future; thus, it hopes for its victory over all opposition; and thus, full of confidence, this German national spirit lives on into the future in everyone who can feel it.
