Ways to a Knowledge of the
Eternal Forces of the Human Soul
GA 70b
12 January 1916, Basel
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Wege zur Erkenntnis der ewigen Kräfte der Menschenseele
7. Wie kann die Erforschung der übersinnlichen Wesenheit des Menschen bewirkt werden?
7. Wie kann die Erforschung der übersinnlichen Wesenheit des Menschen bewirkt werden?
Sehr verehrte Anwesende!
Sehr verehrte Anwesende!
[ 1 ] In früheren Vorträgen, die ich hier über geisteswissenschaftliche Gegenstände halten durfte, habe ich schon wiederholt angedeutet, dass derjenige, der auf dem Boden dieser Geisteswissenschaft steht, wie sie hier gemeint ist, sich ganz klar darüber ist, dass gegen diese Art, die menschliche Forschung hineinzutragen in die geistigen Welten, selbstverständlich aus den gegenwärtigen Denkgewohnheiten heraus, aus all dem, was man eben gewöhnt ist, heute für Wahrheitsforschung zu halten, viel, viel eingewendet werden kann, und dass es gerade dem Geistesforscher selber ganz begreiflich ist, wenn zunächst dasjenige, was er vorzubringen hat, als Phantastik, Träumerei oder vielleicht Schlimmeres angesehen wird. Dennoch möchte ich heute — da es möglich ist, die Betrachtungen dieses Abends übermorgen fortzusetzen —, dennoch möchte ich heute dasjenige, was ich zu sagen habe, so einrichten, als ob zunächst die ganz. naheliegenden Einwände, die von naturwissenschaftlicher, von religiöser Seite und so weiter gegen Geisteswissenschaft gemacht werden können, ganz unberücksichtigt blieben. Ich möchte das Geisteswissenschaftliche, ich möchte das Wesen der Erforschung der übersinnlichen Welten an diesem Abend so betrachten, dass von allen Einwänden zunächst abgesehen wird, und übermorgen umso mehr auf dasjenige eingegangen wird, was von den verschiedensten Seiten her sich als Einwände, als scheinbare Widerlegungen bezeichnen lässt.
[ 1 ] In früheren Vorträgen, die ich hier über geisteswissenschaftliche Gegenstände halten durfte, habe ich schon wiederholt angedeutet, dass derjenige, der auf dem Boden dieser Geisteswissenschaft steht, wie sie hier gemeint ist, sich ganz klar darüber ist, dass gegen diese Art, die menschliche Forschung hineinzutragen in die geistigen Welten, selbstverständlich aus den gegenwärtigen Denkgewohnheiten heraus, aus all dem, was man eben gewöhnt ist, heute für Wahrheitsforschung zu halten, viel, viel eingewendet werden kann, und dass es gerade dem Geistesforscher selber ganz begreiflich ist, wenn zunächst dasjenige, was er vorzubringen hat, als Phantastik, Träumerei oder vielleicht Schlimmeres angesehen wird. Dennoch möchte ich heute — da es möglich ist, die Betrachtungen dieses Abends übermorgen fortzusetzen —, dennoch möchte ich heute dasjenige, was ich zu sagen habe, so einrichten, als ob zunächst die ganz. naheliegenden Einwände, die von naturwissenschaftlicher, von religiöser Seite und so weiter gegen Geisteswissenschaft gemacht werden können, ganz unberücksichtigt blieben. Ich möchte das Geisteswissenschaftliche, ich möchte das Wesen der Erforschung der übersinnlichen Welten an diesem Abend so betrachten, dass von allen Einwänden zunächst abgesehen wird, und übermorgen umso mehr auf dasjenige eingegangen wird, was von den verschiedensten Seiten her sich als Einwände, als scheinbare Widerlegungen bezeichnen lässt.
[ 2 ] Im Grunde genommen, sehr verehrte Anwesende, ging alles tiefere Denken und Forschen der Menschen immer darauf hinaus, die Wesenheit des Menschen selber als eine übersinnliche zu erkennen, weil in der Erforschung der Wesenheit des Menschen sich dem Betrachter, sagen wir zum Beispiel dem philosophischen Betrachter, es sich wie eine Selbstverständlichkeit ergibt, dass man mit dem Forschen, an das man gewöhnt ist in der sinnlichen Welt, nicht herankommen könne an das wirkliche Wesen des Menschen; oder wenigstens — wenn man auch glaubt, in all dem, was die Sinne schauen, was der an das Gehirn gebundene Verstand erforschen kann, wenn man auch glaubt, darinnen das Wesen des Menschen zu umfassen, wie es der mehr oder weniger materialistisch geartete Monismus glaubt, so ergibt sich immer —, dass für eine tiefere Denker- oder Forscherbetrachtung dasjenige, was von solchen Seiten über das Wesen des Menschen gesagt werden kann, die tieferen Erkenntnisbedürfnisse unbefriedigt lässt, und dass man immer noch das Gefühl, die Empfindung hat, es müsse von irgendeiner Seite her etwas kommen können, das das Wesen des Menschen außerhalb der sinnlichen Welt zeigt.
[ 2 ] Im Grunde genommen, sehr verehrte Anwesende, ging alles tiefere Denken und Forschen der Menschen immer darauf hinaus, die Wesenheit des Menschen selber als eine übersinnliche zu erkennen, weil in der Erforschung der Wesenheit des Menschen sich dem Betrachter, sagen wir zum Beispiel dem philosophischen Betrachter, es sich wie eine Selbstverständlichkeit ergibt, dass man mit dem Forschen, an das man gewöhnt ist in der sinnlichen Welt, nicht herankommen könne an das wirkliche Wesen des Menschen; oder wenigstens — wenn man auch glaubt, in all dem, was die Sinne schauen, was der an das Gehirn gebundene Verstand erforschen kann, wenn man auch glaubt, darinnen das Wesen des Menschen zu umfassen, wie es der mehr oder weniger materialistisch geartete Monismus glaubt, so ergibt sich immer —, dass für eine tiefere Denker- oder Forscherbetrachtung dasjenige, was von solchen Seiten über das Wesen des Menschen gesagt werden kann, die tieferen Erkenntnisbedürfnisse unbefriedigt lässt, und dass man immer noch das Gefühl, die Empfindung hat, es müsse von irgendeiner Seite her etwas kommen können, das das Wesen des Menschen außerhalb der sinnlichen Welt zeigt.
[ 3 ] Ich möchte aufmerksam machen auf einen der allerersten Denker in der Geistesentwicklung der Menschheit, der sich bemüht hat, durch allerangestrengtestes Denken gerade sogar seine Schüler an der Universität, seine Zuhörer unmittelbar im Vortrag selber hinzuweisen darauf, wie man im innerlichen Seelenleben unmittelbar herauskommen kann aus dem, was die Wesenheit des Menschen nicht erkennen lässt, zu dem, worinnen man sie finden kann. Dieser Denker ist Johann Gottlieb Fichte. Und er hat in einer — man möchte sagen — paradoxen Weise vor seinen Zuhörern versucht, die Seele hinzuweisen auf die Art, wie sie sich gleichsam bewegen soll, um aus dem Sinnlichen in das Übersinnliche hineinzufinden. Er sagte zum Beispiel im Beginne von Vorträgen zu seinen Zuhörern: «Versuchen Sie einmal, die Wand zu denken.» — Nun, das war selbstverständlich leicht. Die Zuhörer versuchten, sich in die Seelenverfassung zu versetzen, in der sie die Wand dachten. Nachdem er also seine Zuhörer eine Weile hat die Wand denken lassen, sagte er: «So, nun versuchen Sie denjenigen zu denken, der die Wand gedacht hat.» — Und das wirkte in der unmittelbar überzeugenden Weise, wie Fichte zu sprechen wusste, verblüffend auf die Zuhörer, so verblüffend, dass uns Zeitgenossen, die gerade diese Szene aufgezeichnet haben, schildern, wie verblüfft eigentlich die Zuhörer waren, wie man ihnen ansah, dass sie sich nun anstrengten, den zu denken, der die Wand vorher gedacht hat —, wie da in einer gewissen Weise das Denken erlahmt, wie es sich nicht vermisst bis zu dem Punkt zu kommen, auf den es hingewiesen ist.
[ 3 ] Ich möchte aufmerksam machen auf einen der allerersten Denker in der Geistesentwicklung der Menschheit, der sich bemüht hat, durch allerangestrengtestes Denken gerade sogar seine Schüler an der Universität, seine Zuhörer unmittelbar im Vortrag selber hinzuweisen darauf, wie man im innerlichen Seelenleben unmittelbar herauskommen kann aus dem, was die Wesenheit des Menschen nicht erkennen lässt, zu dem, worinnen man sie finden kann. Dieser Denker ist Johann Gottlieb Fichte. Und er hat in einer — man möchte sagen — paradoxen Weise vor seinen Zuhörern versucht, die Seele hinzuweisen auf die Art, wie sie sich gleichsam bewegen soll, um aus dem Sinnlichen in das Übersinnliche hineinzufinden. Er sagte zum Beispiel im Beginne von Vorträgen zu seinen Zuhörern: «Versuchen Sie einmal, die Wand zu denken.» — Nun, das war selbstverständlich leicht. Die Zuhörer versuchten, sich in die Seelenverfassung zu versetzen, in der sie die Wand dachten. Nachdem er also seine Zuhörer eine Weile hat die Wand denken lassen, sagte er: «So, nun versuchen Sie denjenigen zu denken, der die Wand gedacht hat.» — Und das wirkte in der unmittelbar überzeugenden Weise, wie Fichte zu sprechen wusste, verblüffend auf die Zuhörer, so verblüffend, dass uns Zeitgenossen, die gerade diese Szene aufgezeichnet haben, schildern, wie verblüfft eigentlich die Zuhörer waren, wie man ihnen ansah, dass sie sich nun anstrengten, den zu denken, der die Wand vorher gedacht hat —, wie da in einer gewissen Weise das Denken erlahmt, wie es sich nicht vermisst bis zu dem Punkt zu kommen, auf den es hingewiesen ist.
[ 4 ] Goethe, der die Erkenntnisfragen vor allen Dingen von einem recht menschlichen Standpunkte genommen hat, nämlich von dem Standpunkte des fruchttragenden Lebens, der hat einmal den Ausspruch getan, der — man möchte sagen — seine rechte Beleuchtung gerade dadurch erfährt, dass man in solcher Weise auf Fichtes Forderung hinweist, wie es eben geschehen ist —, Goethe hat den Ausspruch getan, dass er in einer gewissen Weise sich weise verhalten habe dadurch, dass er es vermieden habe, über das Denken zu denken. Er hat ja ganz besonders gespürt — er, der in allem, was er seelisch verrichtet hat, das unmittelbare Leben erspüren wollte —, er hat ja gefühlt, dass mit diesem Versuche, das Denken zu denken, der Mensch zunächst an eine Art von Unmöglichkeit geführt wird, wenn er sich nur an das gewöhnliche Denken hält. Und dennoch, wer zu forschen beginnt über die übersinnlichen Welten, kann sich ja zunächst nur an das Denken halten, denn er merkt sehr bald: Dasjenige, was ihn die Sinne lehren können oder was aus den Sinnes-Erscheinungen kombiniert werden kann, das gibt noch immer Fragen auf, die gewissermaßen den Menschen außerhalb seiner eigentlichen Wesenheit führen. In dem Denken ist er bei sich selbst, und er kann hoffen zunächst, er kann die Erwartung hegen, wenn er so recht mit seiner Seelenkraft hineinkommt in die innere Bewegung des Denkens, dass sich ihm vielleicht da doch etwas ergebe, was zu dem eigentlichen Wesen des Menschen führt.
[ 4 ] Goethe, der die Erkenntnisfragen vor allen Dingen von einem recht menschlichen Standpunkte genommen hat, nämlich von dem Standpunkte des fruchttragenden Lebens, der hat einmal den Ausspruch getan, der — man möchte sagen — seine rechte Beleuchtung gerade dadurch erfährt, dass man in solcher Weise auf Fichtes Forderung hinweist, wie es eben geschehen ist —, Goethe hat den Ausspruch getan, dass er in einer gewissen Weise sich weise verhalten habe dadurch, dass er es vermieden habe, über das Denken zu denken. Er hat ja ganz besonders gespürt — er, der in allem, was er seelisch verrichtet hat, das unmittelbare Leben erspüren wollte —, er hat ja gefühlt, dass mit diesem Versuche, das Denken zu denken, der Mensch zunächst an eine Art von Unmöglichkeit geführt wird, wenn er sich nur an das gewöhnliche Denken hält. Und dennoch, wer zu forschen beginnt über die übersinnlichen Welten, kann sich ja zunächst nur an das Denken halten, denn er merkt sehr bald: Dasjenige, was ihn die Sinne lehren können oder was aus den Sinnes-Erscheinungen kombiniert werden kann, das gibt noch immer Fragen auf, die gewissermaßen den Menschen außerhalb seiner eigentlichen Wesenheit führen. In dem Denken ist er bei sich selbst, und er kann hoffen zunächst, er kann die Erwartung hegen, wenn er so recht mit seiner Seelenkraft hineinkommt in die innere Bewegung des Denkens, dass sich ihm vielleicht da doch etwas ergebe, was zu dem eigentlichen Wesen des Menschen führt.
[ 5 ] Nun ist es aber gerade eine eigentümliche Erscheinung, sehr verehrte Anwesende, dass, je weiter man im Denken, wie es das gewöhnliche Leben gibt, es bringt, je mehr man sich mit diesem Denken anstrengt, desto intensiver werden die Zweifel, mit diesem Denken irgendwie eine Pforte zu finden hinein in die Welt, in der die eigentliche Wesenheit des Menschen ist. Ja, man kommt wirklich aus dem, was man innerlich an dem Denken erlebt, zuletzt zu der Überzeugung, dass man das Denken eigentlich wirklich — lassen Sie mich den trivialen Vergleich gebrauchen —, dass man das Denken ebenso wenig denken kann, wie man das Wasser waschen kann.
[ 5 ] Nun ist es aber gerade eine eigentümliche Erscheinung, sehr verehrte Anwesende, dass, je weiter man im Denken, wie es das gewöhnliche Leben gibt, es bringt, je mehr man sich mit diesem Denken anstrengt, desto intensiver werden die Zweifel, mit diesem Denken irgendwie eine Pforte zu finden hinein in die Welt, in der die eigentliche Wesenheit des Menschen ist. Ja, man kommt wirklich aus dem, was man innerlich an dem Denken erlebt, zuletzt zu der Überzeugung, dass man das Denken eigentlich wirklich — lassen Sie mich den trivialen Vergleich gebrauchen —, dass man das Denken ebenso wenig denken kann, wie man das Wasser waschen kann.
[ 6 ] Und dennoch: Die wirklichen Methoden, der wirkliche Weg, hineinzudringen in diejenigen Welten, in denen das Wesen des Menschen erkannt werden kann — oder wie wir später sehen werden —, eigentlich erlebt werden kann, sie führen dennoch über das Denken. Nur führen sie über das Denken so, dass dieses Denken nicht hingenommen wird, wie es sich im Alltagsleben oder in der gewöhnlichen Wissenschaft darbietet, sondern dass es so entwickelt wird, dass es im Grunde genommen durch diese Entwicklung eine ganz andere seelische Kraft wird, als [es] vorher war. Und darauf beruht im Grunde genommen jedes Verständnis für die Erforschung der übersinnlichen Welten, dass man zunächst erleben lernt, wie das Denken durch eine gewisse innere Behandlung etwas ganz anderes in der menschlichen Seele werden kann, als es zunächst im äußeren Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft ist.
[ 6 ] Und dennoch: Die wirklichen Methoden, der wirkliche Weg, hineinzudringen in diejenigen Welten, in denen das Wesen des Menschen erkannt werden kann — oder wie wir später sehen werden —, eigentlich erlebt werden kann, sie führen dennoch über das Denken. Nur führen sie über das Denken so, dass dieses Denken nicht hingenommen wird, wie es sich im Alltagsleben oder in der gewöhnlichen Wissenschaft darbietet, sondern dass es so entwickelt wird, dass es im Grunde genommen durch diese Entwicklung eine ganz andere seelische Kraft wird, als [es] vorher war. Und darauf beruht im Grunde genommen jedes Verständnis für die Erforschung der übersinnlichen Welten, dass man zunächst erleben lernt, wie das Denken durch eine gewisse innere Behandlung etwas ganz anderes in der menschlichen Seele werden kann, als es zunächst im äußeren Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft ist.
[ 7 ] Nun durfte ich schon öfter hier auf das Wesentliche hinweisen, was eintreten muss in der Behandlung des Denkens, damit dieses Denken eine ganz andere seelische Kraft wird, als [es] von vornherein ist; und ich will deshalb heute nicht wiederum auf dasjenige hinweisen, prinzipiell, was das Denken nun vollführen muss, um gewissermaßen aus sich selber herauszukommen und zu einer ganz anderen Seelenkraft zu werden. Ich will nur einiges erwähnen, welches charakterisiert, was man eigentlich erreicht, wenn man das Denken in einer gewissen Weise rein innerlich seelisch behandelt, sodass es zu etwas ganz anderem wird, als es von vornherein ist. Sie können ja die ausführlichen Schilderungen der Methoden, durch welche man das Denken also behandeln kann, finden in meinem Buche: «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», Sie können es finden in dem zweiten Teil meiner «Geheimwissenschaft». Ich will heute nur dasjenige hier hervorheben, dass da gewisse innere Verrichtungen angegeben sind, die das Denken mit sich vornehmen kann, die aber rein seelischer Natur sind — eine gewisse Art Vorstellungen in sein Bewusstsein hereinzunehmen und sich zu ihnen zu verhalten, Vorstellungen, Verbindungen hereinzunehmen und sich zu ihnen zu verhalten und so weiter —, dass die Seele dadurch imstande wird, dass sie das Denken also innerlich durchsetzt mit etwas, was ungewohnt ist dem gewöhnlichen Denken, dass man dadurch innerhalb des Denkens, das will ich zunächst erwähnen, etwas erlebt. Und diese Erlebnisse, zu denen man es da bringt, die sind ein erster Schritt in der Erforschung der übersinnlichen Welten. Dasjenige nämlich, was man gerade dadurch erlebt, dass man das Denken durch Meditation — und eben die Arten der Meditation und Konzentration sind in den genannten Büchern angeführt —, dass man das Denken durch Meditation, durch Konzentration verstärkt, innerlich erkraftet, dadurch kommt man darauf, dass dieses Denken, welches man im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft anwendet, für die Erforschung der übersinnlichen Welten, so wie es ist, eben ungeeignet ist. Vorzugsweise merkt man daran, dass, indem man sich diesem gewöhnlichen Denken hingibt, man in diesem Denken die Kräfte gar nicht zum Bewusstsein bringt, die in die übersinnlichen Welten hineinführen können. Und mehr noch als der bloße materialistische Theoretiker bekommt man durch solche Denkübungen, durch wirkliches inneres Erleben des Denkens die volle Überzeugung, dass zu demjenigen Denken, das man im gewöhnlichen Leben verrichtet, zwischen Geburt — oder sagen wir zwischen der Empfängnis — und Tod verrichtet, dass zu diesem Denken überall notwendig ist das körperliche Werkzeug, die leibliche Organisation. Und weil die leibliche Organisation dazu notwendig ist, weil dieses Denken so verläuft, dass alles das, was es vollbringt, sich des leiblichen Werkzeuges bedient, so kann dieses Denken nicht sich frei machen von dem Drinnenstehen in der sinnlichen Welt, und man kann deshalb durch dieses Denken in keine andere Welt hineinkommen, als diejenige ist, in der man eben die Wesenheit des Menschen nicht finden kann. Und gerade, indem man Ruhe gebietet allem äußeren Wahrnehmen in der Meditation, indem man gewissermaßen die Sinne willkürlich ausschaltet, indem man auch den inneren Affekten, dem inneren Fühlen und Empfinden Stillstand gebietet und sich rein meditativ, innerlich, bestimmten Gedanken hingibt, um alle Seelenkräfte auf diesen Gedanken hin zu konzentrieren und dadurch das Denken zu verstärken, merkt man, dass es die Gebundenheit des Denkens an das physische Werkzeug ist, welches einen verhindert, in die übersinnlichen Welten hineinzukommen. Das erlangt man nämlich gerade durch die Meditation, dass man merkt, dass man genau erkennt, wie man sich des Leibes bedient, um zu denken. Man wird gewissermaßen mehr, als der theoretische Materialist das beweisen kann, durch das Erleben überzeugt davon: Man lebt mit diesem Denken innerhalb der Leibes-, der physischen Organisation. Aber man merkt auch, dass, indem man also innerhalb der leiblichen, physischen Organisation lebt, diese leibliche, diese physische Organisation etwas Bestimmtes möglich macht, was ohne sie nicht möglich wäre, dass sie, diese Leibesorganisation, dem Denken etwas gibt, was das Denken ohne diese Organisation nicht hätte — wenn ich diesen paradoxen Satz zunächst aussprechen darf. Er wird sich durch die weiteren Betrachtungen des Abends schon bewahrheiten. Dasjenige, was man nämlich merkt, ist, dass, indem man denkt, von dem Gedanken [im] gesunden Seelenleben etwas zurückbleiben muss. Jeder Mensch kennt das, was zurückbleiben muss. Es sind die Erinnerungen. Es muss möglich sein, dass sich neben dem Denken etwas ergibt in unserem Seelenleben, was wir mit dem Worte «Gedächtnis» bezeichnen. Derjenige, dem das, was er denkt, sogleich im Moment, in dem er es denkt, entschwinden würde, der würde nicht für unsere äußere physische Welt ein gewöhnlicher Mensch sein. Darauf beruht alles, dass wir Gedanken im Gedächtnis, in der Erinnerung bewahren können. Und nun merkt man gerade durch innere methodische Behandlung des Denkens in der angedeuteten Richtung, dass man die körperliche Organisation dazu notwendig hat, dass von dem Denken die Erinnerungen übrig bleiben. Und damit merkt man auch, dass man in einer gewissen Weise loslösen kann das Denken von der physischen Organisation. Man kann nur dasjenige Denken nicht loslösen, welches Erinnerung eben wird.
[ 7 ] Nun durfte ich schon öfter hier auf das Wesentliche hinweisen, was eintreten muss in der Behandlung des Denkens, damit dieses Denken eine ganz andere seelische Kraft wird, als [es] von vornherein ist; und ich will deshalb heute nicht wiederum auf dasjenige hinweisen, prinzipiell, was das Denken nun vollführen muss, um gewissermaßen aus sich selber herauszukommen und zu einer ganz anderen Seelenkraft zu werden. Ich will nur einiges erwähnen, welches charakterisiert, was man eigentlich erreicht, wenn man das Denken in einer gewissen Weise rein innerlich seelisch behandelt, sodass es zu etwas ganz anderem wird, als es von vornherein ist. Sie können ja die ausführlichen Schilderungen der Methoden, durch welche man das Denken also behandeln kann, finden in meinem Buche: «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», Sie können es finden in dem zweiten Teil meiner «Geheimwissenschaft». Ich will heute nur dasjenige hier hervorheben, dass da gewisse innere Verrichtungen angegeben sind, die das Denken mit sich vornehmen kann, die aber rein seelischer Natur sind — eine gewisse Art Vorstellungen in sein Bewusstsein hereinzunehmen und sich zu ihnen zu verhalten, Vorstellungen, Verbindungen hereinzunehmen und sich zu ihnen zu verhalten und so weiter —, dass die Seele dadurch imstande wird, dass sie das Denken also innerlich durchsetzt mit etwas, was ungewohnt ist dem gewöhnlichen Denken, dass man dadurch innerhalb des Denkens, das will ich zunächst erwähnen, etwas erlebt. Und diese Erlebnisse, zu denen man es da bringt, die sind ein erster Schritt in der Erforschung der übersinnlichen Welten. Dasjenige nämlich, was man gerade dadurch erlebt, dass man das Denken durch Meditation — und eben die Arten der Meditation und Konzentration sind in den genannten Büchern angeführt —, dass man das Denken durch Meditation, durch Konzentration verstärkt, innerlich erkraftet, dadurch kommt man darauf, dass dieses Denken, welches man im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft anwendet, für die Erforschung der übersinnlichen Welten, so wie es ist, eben ungeeignet ist. Vorzugsweise merkt man daran, dass, indem man sich diesem gewöhnlichen Denken hingibt, man in diesem Denken die Kräfte gar nicht zum Bewusstsein bringt, die in die übersinnlichen Welten hineinführen können. Und mehr noch als der bloße materialistische Theoretiker bekommt man durch solche Denkübungen, durch wirkliches inneres Erleben des Denkens die volle Überzeugung, dass zu demjenigen Denken, das man im gewöhnlichen Leben verrichtet, zwischen Geburt — oder sagen wir zwischen der Empfängnis — und Tod verrichtet, dass zu diesem Denken überall notwendig ist das körperliche Werkzeug, die leibliche Organisation. Und weil die leibliche Organisation dazu notwendig ist, weil dieses Denken so verläuft, dass alles das, was es vollbringt, sich des leiblichen Werkzeuges bedient, so kann dieses Denken nicht sich frei machen von dem Drinnenstehen in der sinnlichen Welt, und man kann deshalb durch dieses Denken in keine andere Welt hineinkommen, als diejenige ist, in der man eben die Wesenheit des Menschen nicht finden kann. Und gerade, indem man Ruhe gebietet allem äußeren Wahrnehmen in der Meditation, indem man gewissermaßen die Sinne willkürlich ausschaltet, indem man auch den inneren Affekten, dem inneren Fühlen und Empfinden Stillstand gebietet und sich rein meditativ, innerlich, bestimmten Gedanken hingibt, um alle Seelenkräfte auf diesen Gedanken hin zu konzentrieren und dadurch das Denken zu verstärken, merkt man, dass es die Gebundenheit des Denkens an das physische Werkzeug ist, welches einen verhindert, in die übersinnlichen Welten hineinzukommen. Das erlangt man nämlich gerade durch die Meditation, dass man merkt, dass man genau erkennt, wie man sich des Leibes bedient, um zu denken. Man wird gewissermaßen mehr, als der theoretische Materialist das beweisen kann, durch das Erleben überzeugt davon: Man lebt mit diesem Denken innerhalb der Leibes-, der physischen Organisation. Aber man merkt auch, dass, indem man also innerhalb der leiblichen, physischen Organisation lebt, diese leibliche, diese physische Organisation etwas Bestimmtes möglich macht, was ohne sie nicht möglich wäre, dass sie, diese Leibesorganisation, dem Denken etwas gibt, was das Denken ohne diese Organisation nicht hätte — wenn ich diesen paradoxen Satz zunächst aussprechen darf. Er wird sich durch die weiteren Betrachtungen des Abends schon bewahrheiten. Dasjenige, was man nämlich merkt, ist, dass, indem man denkt, von dem Gedanken [im] gesunden Seelenleben etwas zurückbleiben muss. Jeder Mensch kennt das, was zurückbleiben muss. Es sind die Erinnerungen. Es muss möglich sein, dass sich neben dem Denken etwas ergibt in unserem Seelenleben, was wir mit dem Worte «Gedächtnis» bezeichnen. Derjenige, dem das, was er denkt, sogleich im Moment, in dem er es denkt, entschwinden würde, der würde nicht für unsere äußere physische Welt ein gewöhnlicher Mensch sein. Darauf beruht alles, dass wir Gedanken im Gedächtnis, in der Erinnerung bewahren können. Und nun merkt man gerade durch innere methodische Behandlung des Denkens in der angedeuteten Richtung, dass man die körperliche Organisation dazu notwendig hat, dass von dem Denken die Erinnerungen übrig bleiben. Und damit merkt man auch, dass man in einer gewissen Weise loslösen kann das Denken von der physischen Organisation. Man kann nur dasjenige Denken nicht loslösen, welches Erinnerung eben wird.
[ 8 ] Das, was ich eben gesagt habe, das führt den Geistesforscher auf einen ganz bestimmten Weg. Es führt ihn dazu, zu erkennen, dass das Gedächtnis, so wie wir es als Menschen zunächst haben, eine Kraft ist, die nur für die physisch-sinnliche Welt eine Bedeutung hat, und dass dieses Gedächtnis zunächst gewissermaßen losgelöst werden müsse von der Denktätigkeit, von der eigentlichen Verrichtung des Denkens. Ich möchte sagen: Wie der Chemiker zu den Geheimnissen der stofflichen Natur dadurch kommt, dass er die Stoffe im Laboratorium voneinander trennt, so muss nun auch der Geistesforscher vorgehen mit den einzelnen Seelenverrichtungen. Nur dass seine Analyse, seine geistesforscherische Analyse, in rein inneren Seelenvorgängen besteht, und die Synthese, die Wiederzusammenfügung des Getrennten dann erst recht. So stellt sich heraus die Notwendigkeit, dasjenige im Denken, was zu dem gewöhnlichen Gedächtnis, zu der gewöhnlichen Erinnerung führt, loszulösen von der eigentlichen Denktätigkeit. Wie kann man das aber? Diese Frage entsteht nun: Wie kann man gewissermaßen so, wie man gewisse Substanzen physiologisch so behandelt, dass man Stoffe, die in ihnen aufgelöst sind, durch gewisse Vorgänge aus ihnen herausfallen lässt, sodass die auflösende Substanz zurückbleibt — wie kann man aus dem Denken dasjenige herausbringen, welches zum Gedächtnis führt, zur Erinnerung führt, sodass einem etwas bleibt? Das geschieht dadurch, sehr verehrte Anwesende, dass man immer wieder und wiederum in treuer Wiederholung durch lange Zeiten hindurch, wenn auch nur ganz kurze Zeiten während des Tages, dazu verwendet, eben innerhalb von Gedanken oder Bildern, oder was es ist, zu verweilen, und dass man den eigentlichen Wert darauf legt, in der Seele jetzt nicht darauf zu achten, dass einem das im Gedächtnis bleibe, sondern darauf den Wert legt, in der Seele darauf zu achten, was man tut, indem man also in der Denktätigkeit aufgeht. Da merkt man, dass in dieser Denktätigkeit etwas lebt, was man eigentlich zwar immer drinnen hat im alltäglichen Leben und im gewöhnlichen wissenschaftlichen Forschen, was aber unbewusst bleibt, was nicht ins Bewusstsein hereindringt. Ich kann mich verständlich machen über das, was damit eigentlich gemeint ist, wenn ich Folgendes sage: Nehmen wir an, wir verrichten eine äußere Hantierung, die mit unserem Geschäft, unserem Beruf zusammenhängt. Dadurch bringen wir hervor dies oder jenes immer wieder und wiederum. Der Mensch muss ja schon einmal einen Beruf wählen, der ihn sozusagen täglich an dieselbe Beschäftigung führt. Da ist die Hauptsache zunächst für das äußere Leben selbstverständlich, dass dasjenige hervorgebracht werde, was durch unsere Hantierung hervorgebracht werden kann. Das Ergebnis, das ist die Hauptsache. Aber neben dem geht sehr häufig etwas anderes einher, und wir können sehr wohl, auch wenn es sich auf äußere Hantierung bezieht, es im äußeren Leben als etwas Wichtiges und Wesentliches betrachten. Indem wir jeden Tag dieselbe Berufstätigkeit ausüben, werden wir immer geschickter und geschickter; unsere Hände, unsere sonstigen Vornahmen werden immer mehr und mehr — ich möchte sagen — in uns lebendig, sodass wir nicht nur das Ergebnis hervorbringen, sondern dass sich in uns auch eine Steigerung der Tätigkeit vollzieht. Man achtet vielleicht oftmals nicht mit Aufmerksamkeit auf diese Steigerung der Tätigkeit. Aber man kann sie beobachten.
[ 8 ] Das, was ich eben gesagt habe, das führt den Geistesforscher auf einen ganz bestimmten Weg. Es führt ihn dazu, zu erkennen, dass das Gedächtnis, so wie wir es als Menschen zunächst haben, eine Kraft ist, die nur für die physisch-sinnliche Welt eine Bedeutung hat, und dass dieses Gedächtnis zunächst gewissermaßen losgelöst werden müsse von der Denktätigkeit, von der eigentlichen Verrichtung des Denkens. Ich möchte sagen: Wie der Chemiker zu den Geheimnissen der stofflichen Natur dadurch kommt, dass er die Stoffe im Laboratorium voneinander trennt, so muss nun auch der Geistesforscher vorgehen mit den einzelnen Seelenverrichtungen. Nur dass seine Analyse, seine geistesforscherische Analyse, in rein inneren Seelenvorgängen besteht, und die Synthese, die Wiederzusammenfügung des Getrennten dann erst recht. So stellt sich heraus die Notwendigkeit, dasjenige im Denken, was zu dem gewöhnlichen Gedächtnis, zu der gewöhnlichen Erinnerung führt, loszulösen von der eigentlichen Denktätigkeit. Wie kann man das aber? Diese Frage entsteht nun: Wie kann man gewissermaßen so, wie man gewisse Substanzen physiologisch so behandelt, dass man Stoffe, die in ihnen aufgelöst sind, durch gewisse Vorgänge aus ihnen herausfallen lässt, sodass die auflösende Substanz zurückbleibt — wie kann man aus dem Denken dasjenige herausbringen, welches zum Gedächtnis führt, zur Erinnerung führt, sodass einem etwas bleibt? Das geschieht dadurch, sehr verehrte Anwesende, dass man immer wieder und wiederum in treuer Wiederholung durch lange Zeiten hindurch, wenn auch nur ganz kurze Zeiten während des Tages, dazu verwendet, eben innerhalb von Gedanken oder Bildern, oder was es ist, zu verweilen, und dass man den eigentlichen Wert darauf legt, in der Seele jetzt nicht darauf zu achten, dass einem das im Gedächtnis bleibe, sondern darauf den Wert legt, in der Seele darauf zu achten, was man tut, indem man also in der Denktätigkeit aufgeht. Da merkt man, dass in dieser Denktätigkeit etwas lebt, was man eigentlich zwar immer drinnen hat im alltäglichen Leben und im gewöhnlichen wissenschaftlichen Forschen, was aber unbewusst bleibt, was nicht ins Bewusstsein hereindringt. Ich kann mich verständlich machen über das, was damit eigentlich gemeint ist, wenn ich Folgendes sage: Nehmen wir an, wir verrichten eine äußere Hantierung, die mit unserem Geschäft, unserem Beruf zusammenhängt. Dadurch bringen wir hervor dies oder jenes immer wieder und wiederum. Der Mensch muss ja schon einmal einen Beruf wählen, der ihn sozusagen täglich an dieselbe Beschäftigung führt. Da ist die Hauptsache zunächst für das äußere Leben selbstverständlich, dass dasjenige hervorgebracht werde, was durch unsere Hantierung hervorgebracht werden kann. Das Ergebnis, das ist die Hauptsache. Aber neben dem geht sehr häufig etwas anderes einher, und wir können sehr wohl, auch wenn es sich auf äußere Hantierung bezieht, es im äußeren Leben als etwas Wichtiges und Wesentliches betrachten. Indem wir jeden Tag dieselbe Berufstätigkeit ausüben, werden wir immer geschickter und geschickter; unsere Hände, unsere sonstigen Vornahmen werden immer mehr und mehr — ich möchte sagen — in uns lebendig, sodass wir nicht nur das Ergebnis hervorbringen, sondern dass sich in uns auch eine Steigerung der Tätigkeit vollzieht. Man achtet vielleicht oftmals nicht mit Aufmerksamkeit auf diese Steigerung der Tätigkeit. Aber man kann sie beobachten.
[ 9 ] Dasjenige, was ich hier angeführt habe für das äußere Leben, wo es natürlich eine ganz andere Bedeutung hat, das muss nun der Geistesforscher übertragen auf das innere Erleben des Denkens, und zwar desjenigen Denkens, das er gerade in der Meditation ausführt, wenn er sozusagen ganz sich hineinversetzt, mit Vergessen der ganzen Umgebung und der eigentlichen Erlebnisse, die er sonst durchgemacht hat, wenn er sich da hineinverserzt in das, was man eben Meditation oder Kontemplation nennen kann. Und da wird er finden, wenn er die einzelnen Meditationen nicht übertreibt — ich werde auch später davon noch reden —, wird er finden, wenn er immer wieder und wiederum neu und intensiv solch innere Gedankenentwicklung treibt, dass er beobachten lernt, jetzt nicht die Gedanken, sondern die Tätigkeit des Denkens. An der Steigerung merkt er, dass da eine Tätigkeit des Denkens vorliegt. Und indem er gewissermaßen in seiner eigenen Tätigkeit des Denkens sich erlebt, sich erfasst, indem er diese Tätigkeit des Denkens erkraftet, um sie so zu verspüren, dass sie ihm, während sie sonst im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft unbewusst bleibt, dass sie ihm nun ins Bewusstsein hereintritt, da bekommt er allmählich dasjenige in seine Seele herein, was er nun von der Gedächtnisarbeit des Denkens loslösen kann. Denn die Fortsetzung solcher Übungen, wie sie beschrieben worden sind, die ergeben ein ganz bestimmtes Resultat. Sie ergeben das, dass der Mensch sich nach und nach hineinlebt in den Momenten, die er selber hervorrufen kann, dass der Mensch sich nach und nach hineinlebt so in eine neue Tätigkeit, die das Denken jetzt verrichtet, dass für diese neue Tätigkeit in der Tat das Gedächtnis wegfällt und nur ein Erleben in der Denktätigkeit da ist. Man könnte das so bezeichnen, dass der Mensch es erlebt, indem er sein Denken in der angedeuteten Weise entwickelt, dass der Mensch es erlebt, dass die Gedanken ihm entschwinden, und er lebt und webt in der Denktätigkeit, im innerlichen Tun zunächst. Das Eigentümliche ist: Hat man einmal diesen Punkt erfasst, wo man also im innerlichen Tun lebt, dann merkt man: Für diese Art der inneren Seelentätigkeit ist zunächst das nicht da, was im gewöhnlichen Leben das Gedächtnis ist. Es ist etwas anderes da. Und ich möchte durch einen Vergleich hinweisen darauf, wie da eigentlich das ganze innere Seelenleben aus dem Denken heraus jetzt geändert worden ist.
[ 9 ] Dasjenige, was ich hier angeführt habe für das äußere Leben, wo es natürlich eine ganz andere Bedeutung hat, das muss nun der Geistesforscher übertragen auf das innere Erleben des Denkens, und zwar desjenigen Denkens, das er gerade in der Meditation ausführt, wenn er sozusagen ganz sich hineinversetzt, mit Vergessen der ganzen Umgebung und der eigentlichen Erlebnisse, die er sonst durchgemacht hat, wenn er sich da hineinverserzt in das, was man eben Meditation oder Kontemplation nennen kann. Und da wird er finden, wenn er die einzelnen Meditationen nicht übertreibt — ich werde auch später davon noch reden —, wird er finden, wenn er immer wieder und wiederum neu und intensiv solch innere Gedankenentwicklung treibt, dass er beobachten lernt, jetzt nicht die Gedanken, sondern die Tätigkeit des Denkens. An der Steigerung merkt er, dass da eine Tätigkeit des Denkens vorliegt. Und indem er gewissermaßen in seiner eigenen Tätigkeit des Denkens sich erlebt, sich erfasst, indem er diese Tätigkeit des Denkens erkraftet, um sie so zu verspüren, dass sie ihm, während sie sonst im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft unbewusst bleibt, dass sie ihm nun ins Bewusstsein hereintritt, da bekommt er allmählich dasjenige in seine Seele herein, was er nun von der Gedächtnisarbeit des Denkens loslösen kann. Denn die Fortsetzung solcher Übungen, wie sie beschrieben worden sind, die ergeben ein ganz bestimmtes Resultat. Sie ergeben das, dass der Mensch sich nach und nach hineinlebt in den Momenten, die er selber hervorrufen kann, dass der Mensch sich nach und nach hineinlebt so in eine neue Tätigkeit, die das Denken jetzt verrichtet, dass für diese neue Tätigkeit in der Tat das Gedächtnis wegfällt und nur ein Erleben in der Denktätigkeit da ist. Man könnte das so bezeichnen, dass der Mensch es erlebt, indem er sein Denken in der angedeuteten Weise entwickelt, dass der Mensch es erlebt, dass die Gedanken ihm entschwinden, und er lebt und webt in der Denktätigkeit, im innerlichen Tun zunächst. Das Eigentümliche ist: Hat man einmal diesen Punkt erfasst, wo man also im innerlichen Tun lebt, dann merkt man: Für diese Art der inneren Seelentätigkeit ist zunächst das nicht da, was im gewöhnlichen Leben das Gedächtnis ist. Es ist etwas anderes da. Und ich möchte durch einen Vergleich hinweisen darauf, wie da eigentlich das ganze innere Seelenleben aus dem Denken heraus jetzt geändert worden ist.
[ 10 ] Aus der Biografie des Dichters Grillparzer ist ein gewisses Erlebnis dieses Dichters bekannt. Ich will dieses Erlebnis nicht deshalb etwa anführen, weil Grillparzer gerade seiner Erkenntnisfähigkeit nach auf dem Standpunkte gestanden hat, der hier vertreten wird, sondern weil — ich möchte sagen — ein Anhub in dem, was Grillparzer erlebte, vorhanden war zu dem, was — ich möchte sagen — künstlich herbeigeführt werden muss, um die Erforschung der übersinnlichen Wesenheit des Menschen zu bewirken. Grillparzer hatte die ganze Konzeption seines «Goldenen Vlieses» gefasst. Er hatte ausgedacht den Plan, ausgedacht die einzelnen Ereignisse, wie sie zusammenhängen — kurz, er hatte in Gedanken, im Vorstellungsleben, sein Drama «Das goldene Vlies» erfasst. Das Merkwürdige stellte sich heraus, dass er es so, wie er es erfasst hatte, in einer späteren Zeit vergessen hat. Er konnte sich absolut nicht mehr erinnern. Und siehe da, als er einmal eines Tages Klavier spielend dieselben Klavierstücke spielte, die er in der Zeit gespielt hat, in der er den Gedanken des Goldenen Vlieses gefasst hatte, da stellte sich die Erinnerung wieder ein; da war das Ganze wiederum vor seiner Seele. Wie war das gekommen? Nun, das weist uns darauf hin, dass durch die innere Tätigkeit, die jetzt bei dem neuerlichen Spielen dieselbe war wie früher, dass durch diese innerliche Tätigkeit er wiederum dahin geführt worden ist, gleichsam innerlich den ganzen Gedankeninhalt anzuschauen. Wie gesagt, das ist auf dem Weg zu dem, was hier eigentlich betrachtet werden soll —, aber es ist eben auf dem Weg. Es muss dieser Weg nur entsprechend weiter geschritten werden.
[ 10 ] Aus der Biografie des Dichters Grillparzer ist ein gewisses Erlebnis dieses Dichters bekannt. Ich will dieses Erlebnis nicht deshalb etwa anführen, weil Grillparzer gerade seiner Erkenntnisfähigkeit nach auf dem Standpunkte gestanden hat, der hier vertreten wird, sondern weil — ich möchte sagen — ein Anhub in dem, was Grillparzer erlebte, vorhanden war zu dem, was — ich möchte sagen — künstlich herbeigeführt werden muss, um die Erforschung der übersinnlichen Wesenheit des Menschen zu bewirken. Grillparzer hatte die ganze Konzeption seines «Goldenen Vlieses» gefasst. Er hatte ausgedacht den Plan, ausgedacht die einzelnen Ereignisse, wie sie zusammenhängen — kurz, er hatte in Gedanken, im Vorstellungsleben, sein Drama «Das goldene Vlies» erfasst. Das Merkwürdige stellte sich heraus, dass er es so, wie er es erfasst hatte, in einer späteren Zeit vergessen hat. Er konnte sich absolut nicht mehr erinnern. Und siehe da, als er einmal eines Tages Klavier spielend dieselben Klavierstücke spielte, die er in der Zeit gespielt hat, in der er den Gedanken des Goldenen Vlieses gefasst hatte, da stellte sich die Erinnerung wieder ein; da war das Ganze wiederum vor seiner Seele. Wie war das gekommen? Nun, das weist uns darauf hin, dass durch die innere Tätigkeit, die jetzt bei dem neuerlichen Spielen dieselbe war wie früher, dass durch diese innerliche Tätigkeit er wiederum dahin geführt worden ist, gleichsam innerlich den ganzen Gedankeninhalt anzuschauen. Wie gesagt, das ist auf dem Weg zu dem, was hier eigentlich betrachtet werden soll —, aber es ist eben auf dem Weg. Es muss dieser Weg nur entsprechend weiter geschritten werden.
[ 11 ] Denn das ist das Eigentümliche, zu dem der Meditant, der Geistesforscher, kommt, dass er gleichsam in sich ersterben findet — aber natürlich nur für die Zeiten, in denen er in der Geistesforschung drinnen ist —, ersterben fühlt das gewöhnliche Gedächtnis und dass immer wieder auftreten kann — jetzt nicht gedächtnismäßig, sondern durch andere Verrichtungen —, auftreten kann die Tätigkeit, in die er sich einmal hineingelebt hat. Diese Tätigkeit tritt immer wieder auf. Und siehe da, wenn man sich eine Zeit lang daran gewöhnt hat — also die Denktätigkeit von den Gedanken, die bleiben können als Erinnerung, zu trennen —, dann merkt man, dass überhaupt die ganze Stimmung des Seelenlebens eine andere geworden ist unter dem Einflusse dieser Übungen. Man merkt allerdings etwas, wenn man an einen bestimmten Punkt in dieser Seelenübungs-Entwicklung gekommen ist, man merkt allerdings etwas, was auf die Seele in einer gewissen Weise bestürzend wirken kann: Man merkt, dass man Erlebnisse haben kann, welche eben nicht Erinnerungen zurücklassen, und weil sie nicht Erinnerungen zurücklassen, [sondern] wie wallende und webende Vorgänge des Erlebens sind, gewissermaßen reale Träume, aber solche Träume, welche eine große Herrschaft über unser inneres Seelenleben ausüben. Und so merkt man das sehr bald in — ich möchte sagen — leer gewordenem Bewusstsein, das jetzt keine Erinnerungen aufbewahren kann von dem, was es unmittelbar denkt, dass da eintritt, jetzt nicht durch dieselbe Denktätigkeit des Erinnerns, durch das Anstrengen, Gedanken heraufzubringen, sondern wie von außen herandringen, gerade so, wie Sinnesgegenstände von außen herandringen, so von außen herandringen zunächst die eigenen Erlebnisse. Man bekommt einen Eindruck mehr oder weniger von seinem Erdenleben bis zurück zu dem Augenblicke, bis zu dem man sich gewöhnlich erinnert. Die Gedanken erscheinen wie Realitäten. Die Gedanken erscheinen wie etwas Lebendiges. Wie lebendige Wesen kommen sie an einen heran; nicht so, wie sie in der Erinnerung auftreten, sondern wie lebendige Wesen kommen sie an einen heran.
[ 11 ] Denn das ist das Eigentümliche, zu dem der Meditant, der Geistesforscher, kommt, dass er gleichsam in sich ersterben findet — aber natürlich nur für die Zeiten, in denen er in der Geistesforschung drinnen ist —, ersterben fühlt das gewöhnliche Gedächtnis und dass immer wieder auftreten kann — jetzt nicht gedächtnismäßig, sondern durch andere Verrichtungen —, auftreten kann die Tätigkeit, in die er sich einmal hineingelebt hat. Diese Tätigkeit tritt immer wieder auf. Und siehe da, wenn man sich eine Zeit lang daran gewöhnt hat — also die Denktätigkeit von den Gedanken, die bleiben können als Erinnerung, zu trennen —, dann merkt man, dass überhaupt die ganze Stimmung des Seelenlebens eine andere geworden ist unter dem Einflusse dieser Übungen. Man merkt allerdings etwas, wenn man an einen bestimmten Punkt in dieser Seelenübungs-Entwicklung gekommen ist, man merkt allerdings etwas, was auf die Seele in einer gewissen Weise bestürzend wirken kann: Man merkt, dass man Erlebnisse haben kann, welche eben nicht Erinnerungen zurücklassen, und weil sie nicht Erinnerungen zurücklassen, [sondern] wie wallende und webende Vorgänge des Erlebens sind, gewissermaßen reale Träume, aber solche Träume, welche eine große Herrschaft über unser inneres Seelenleben ausüben. Und so merkt man das sehr bald in — ich möchte sagen — leer gewordenem Bewusstsein, das jetzt keine Erinnerungen aufbewahren kann von dem, was es unmittelbar denkt, dass da eintritt, jetzt nicht durch dieselbe Denktätigkeit des Erinnerns, durch das Anstrengen, Gedanken heraufzubringen, sondern wie von außen herandringen, gerade so, wie Sinnesgegenstände von außen herandringen, so von außen herandringen zunächst die eigenen Erlebnisse. Man bekommt einen Eindruck mehr oder weniger von seinem Erdenleben bis zurück zu dem Augenblicke, bis zu dem man sich gewöhnlich erinnert. Die Gedanken erscheinen wie Realitäten. Die Gedanken erscheinen wie etwas Lebendiges. Wie lebendige Wesen kommen sie an einen heran; nicht so, wie sie in der Erinnerung auftreten, sondern wie lebendige Wesen kommen sie an einen heran.
[ 12 ] Überhaupt, das Denken nimmt unter dem Einflusse der gemachten Übungen einen ganz anderen Charakter an. Es wird wirklich zu einer ganz anderen Seelenkraft. Und ich möchte durch einen Vergleich wiederum darauf hinweisen, wie überraschend diese Veränderung der Denktätigkeit wirken kann. Wenn man sich vorstellt, man habe eine Bildsäule, eine Statue, ein Skulpturwerk vor sich; das ist geformt. Man denke sich, es könnte der Moment eintreten, in dem diese Bildsäule, dieses Skulpturwerk anfinge, zu gehen, zu leben. Dann würde man zunächst etwas finden, was gegen die Gesetze der äußeren Natur verstößt. Das kann selbstverständlich nicht geschehen. Ich wollte das nur als Vergleich anführen, weil im Seelenleben etwas eintritt, das sich wohl damit vergleichen lässt. Bei den Gedanken, die man sonst im gewöhnlichen Leben hat, und die zu Erinnerungen führen, hat man ja vorzugsweise den Eindruck, im eigenen inneren Erleben den Eindruck, dass diese Gedanken passive Bilder sein müssen, die das Äußere abbilden, dass sie gewissermaßen innerlich nicht leben. Und würden sie ein eigenes Leben führen, so würde sich das Seelenleben durch das innere Leben, durch das Eigenleben der Gedanken, in Phantasie, in Träumen, wenn nicht in Schlimmerem, wenn nicht in Halluziniertem ausleben. Im gewöhnlichen Seelenleben haben die Gedanken wirklich etwas, was sich vergleichen lässt mit den Formen, die eine Bildsäule hat. Es soll selbstverständlich gar nichts gegen das Wertvolle der Skulptur eingewendet werden. Das wäre selbstverständlich töricht. Aber mit der toten Statue kann in gewisser Weise das verglichen werden, was als Logik des Denkens in der gewöhnlichen Tätigkeit des Denkens abläuft, wo wir uns nicht bewusst werden der eigentlichen Tätigkeit im Denken, desjenigen, was die Gedanken verbindet, was sie zueinander bringt, was sie wieder trennt. Während die Statue nicht in Tätigkeit, in Leben übergehen kann, kann aber die innere Logik, das innere Weben und Leben der Gedanken nun ins Bewusstsein übergehen, kann innerlich lebendig werden; es kann gleichsam aus der Statue «Logik» eine innere lebendige logische Wesenheit werden, die man jetzt so fühlt, als lebte man sich in eine ganz andere Welt hinein. Von diesem Augenblicke an weiß man: Es hat sich dasjenige, was man zuerst von der Erinnerung losgeschält, losgelöst hat, die Denktätigkeit, selber losgelöst von dem Angewiesensein auf die körperlichen Organe. — Wie gesagt, ich werde alles das, was mögliche Einwände sind, vonseiten der Naturwissenschaft, übermorgen besprechen. — Dasjenige aber, was der Geistesforscher an diesem wichtigen Punkt seiner Entwicklung der Seelenkräfte erlebt, das ist, dass er jetzt weiß: Du hast die Denktätigkeit losgerissen aus dem Physisch-Körperlichen; Du bist mit Deiner Seele, insofern die Seele sich in Gedanken bewegt, herausgetreten aus Deiner physischen Organisation; Du stehst jetzt nicht mehr in Deinem Leibe drinnen.
[ 12 ] Überhaupt, das Denken nimmt unter dem Einflusse der gemachten Übungen einen ganz anderen Charakter an. Es wird wirklich zu einer ganz anderen Seelenkraft. Und ich möchte durch einen Vergleich wiederum darauf hinweisen, wie überraschend diese Veränderung der Denktätigkeit wirken kann. Wenn man sich vorstellt, man habe eine Bildsäule, eine Statue, ein Skulpturwerk vor sich; das ist geformt. Man denke sich, es könnte der Moment eintreten, in dem diese Bildsäule, dieses Skulpturwerk anfinge, zu gehen, zu leben. Dann würde man zunächst etwas finden, was gegen die Gesetze der äußeren Natur verstößt. Das kann selbstverständlich nicht geschehen. Ich wollte das nur als Vergleich anführen, weil im Seelenleben etwas eintritt, das sich wohl damit vergleichen lässt. Bei den Gedanken, die man sonst im gewöhnlichen Leben hat, und die zu Erinnerungen führen, hat man ja vorzugsweise den Eindruck, im eigenen inneren Erleben den Eindruck, dass diese Gedanken passive Bilder sein müssen, die das Äußere abbilden, dass sie gewissermaßen innerlich nicht leben. Und würden sie ein eigenes Leben führen, so würde sich das Seelenleben durch das innere Leben, durch das Eigenleben der Gedanken, in Phantasie, in Träumen, wenn nicht in Schlimmerem, wenn nicht in Halluziniertem ausleben. Im gewöhnlichen Seelenleben haben die Gedanken wirklich etwas, was sich vergleichen lässt mit den Formen, die eine Bildsäule hat. Es soll selbstverständlich gar nichts gegen das Wertvolle der Skulptur eingewendet werden. Das wäre selbstverständlich töricht. Aber mit der toten Statue kann in gewisser Weise das verglichen werden, was als Logik des Denkens in der gewöhnlichen Tätigkeit des Denkens abläuft, wo wir uns nicht bewusst werden der eigentlichen Tätigkeit im Denken, desjenigen, was die Gedanken verbindet, was sie zueinander bringt, was sie wieder trennt. Während die Statue nicht in Tätigkeit, in Leben übergehen kann, kann aber die innere Logik, das innere Weben und Leben der Gedanken nun ins Bewusstsein übergehen, kann innerlich lebendig werden; es kann gleichsam aus der Statue «Logik» eine innere lebendige logische Wesenheit werden, die man jetzt so fühlt, als lebte man sich in eine ganz andere Welt hinein. Von diesem Augenblicke an weiß man: Es hat sich dasjenige, was man zuerst von der Erinnerung losgeschält, losgelöst hat, die Denktätigkeit, selber losgelöst von dem Angewiesensein auf die körperlichen Organe. — Wie gesagt, ich werde alles das, was mögliche Einwände sind, vonseiten der Naturwissenschaft, übermorgen besprechen. — Dasjenige aber, was der Geistesforscher an diesem wichtigen Punkt seiner Entwicklung der Seelenkräfte erlebt, das ist, dass er jetzt weiß: Du hast die Denktätigkeit losgerissen aus dem Physisch-Körperlichen; Du bist mit Deiner Seele, insofern die Seele sich in Gedanken bewegt, herausgetreten aus Deiner physischen Organisation; Du stehst jetzt nicht mehr in Deinem Leibe drinnen.
[ 13 ] So paradox, so sonderbar dies erscheint: Es ist eine Realität. Es ist die Möglichkeit vorhanden — aber nur durch inneres Erleben —, dieses Sich-los-Trennen dessen, was geistig-seelisch in uns ist, von dem PhysischLeiblichen zu konstatieren. Dasjenige, was da der Geistesforscher erlebt, das ist zu verschiedensten Zeiten mit einem Worte bezeichnet worden, das auch hier in früheren Vorträgen schon erwähnt wurde, das aber immer wieder erwähnt werden darf, weil es etwas darstellt, was unendlich erschütternd auf die Seele wirkt, wenn sie an dem Punkt angekommen ist, von dem ich eben gesprochen habe. Denn allerdings, die Entwicklung, die der Geistesforscher durchmacht, sehr verehrte Anwesende, sie ist so, dass die einzelnen Etappen verbunden sind mit inneren Erschütterungen, mit inneren Überwindungen, von denen wir schon auch einiges kennenlernen müssen. Das hat keinen objektiven Wert. Aber wenn man von den Wegen und Methoden spricht, durch die man die übersinnliche Wesenheit des Menschen erforscht, so muss auch dies erwähnt werden. Nun muss aber gesagt werden: In einer solchen Art, wie ich es gezeigt habe, kann eigentlich die Geistesforschung erst entstehen in unserer Zeit. All dasjenige, was in der fortlaufenden Menschheitskultur entsteht, muss ja zu einer bestimmten Zeit auftreten. Wie die neuere naturwissenschaftliche Denkweise vor drei bis vier Jahrhunderten heraufgekommen ist, wie sie durch äußere Verhältnisse möglich geworden ist, durch innere Entwicklungsverhältnisse der ganzen Menschheit möglich geworden ist, so ist vor unserer Zeit eine solche Behandlung der inneren Seelenkräfte nicht möglich gewesen, wie es jetzt geschildert worden ist. Da musste erst eine jahrhundertelange naturwissenschaftliche Schulung der Menschheit vorausgehen, damit das Denken überhaupt die Kraft bekommt innerhalb der Menschheitsentwicklung, um so etwas mit sich vornehmen zu können. Allein in früheren Jahrhunderten und Jahrtausenden gab es immer Menschen, die auf anderen Seelenwegen und aus anderen Entwicklungskräften der Seele heraus auch in die geistigen Welten eingedrungen sind, auf Entwicklungswegen, die nur der heutigen fortgeschrittenen Menschheit nicht mehr angemessen sind. Diese Wege müssen geändert werden, so, wie die Art, die Natur anzuschauen, auch geändert worden ist im Laufe der Entwicklung. Aber auf ihre Art sind Geistesbetrachter der verschiedensten Jahrtausende auch an den Punkt gekommen, der hier gemeint ist, wo sie erfasst wurden von einem in der Welt Lebendigen, das gewissermaßen lebendig webende Gedankenkraft ist, objektive Gedankenkraft, die durch die Dinge hindurch wallt und webt. Sie sind darauf gekommen, und sie haben den Punkt in Bezug auf das, was die Seele Erschütterndes erleben kann, wenn sie an diesen Punkt kommt, so bezeichnet, dass sie gesagt haben: Da kommt die Seele an die Pforte des Todes. Und in der Tat, man weiß von diesem Kommen an die Pforte des Todes etwas, was eben dadurch, dass es einem innerlich vor die Seele tritt, erschütternd wirkt; man weiß: Indem man die Tätigkeit des Denkens so weit getrieben hat, dass sich diese Tätigkeit in der angedeuteten Weise umgewandelt hat, gelangt man hinein in ein solches Lebendigwerden des Denkens. Allein man steht vor einer inneren — nicht vor einer physischen — Gefahr. Nicht vor einer Gefahr, ich werde das übermorgen besprechen, die mit der [Lücke in der Mitschrift] etwas zu tun hat, selbstverständlich, aber man steht vor einer Gefahr.
[ 13 ] So paradox, so sonderbar dies erscheint: Es ist eine Realität. Es ist die Möglichkeit vorhanden — aber nur durch inneres Erleben —, dieses Sich-los-Trennen dessen, was geistig-seelisch in uns ist, von dem PhysischLeiblichen zu konstatieren. Dasjenige, was da der Geistesforscher erlebt, das ist zu verschiedensten Zeiten mit einem Worte bezeichnet worden, das auch hier in früheren Vorträgen schon erwähnt wurde, das aber immer wieder erwähnt werden darf, weil es etwas darstellt, was unendlich erschütternd auf die Seele wirkt, wenn sie an dem Punkt angekommen ist, von dem ich eben gesprochen habe. Denn allerdings, die Entwicklung, die der Geistesforscher durchmacht, sehr verehrte Anwesende, sie ist so, dass die einzelnen Etappen verbunden sind mit inneren Erschütterungen, mit inneren Überwindungen, von denen wir schon auch einiges kennenlernen müssen. Das hat keinen objektiven Wert. Aber wenn man von den Wegen und Methoden spricht, durch die man die übersinnliche Wesenheit des Menschen erforscht, so muss auch dies erwähnt werden. Nun muss aber gesagt werden: In einer solchen Art, wie ich es gezeigt habe, kann eigentlich die Geistesforschung erst entstehen in unserer Zeit. All dasjenige, was in der fortlaufenden Menschheitskultur entsteht, muss ja zu einer bestimmten Zeit auftreten. Wie die neuere naturwissenschaftliche Denkweise vor drei bis vier Jahrhunderten heraufgekommen ist, wie sie durch äußere Verhältnisse möglich geworden ist, durch innere Entwicklungsverhältnisse der ganzen Menschheit möglich geworden ist, so ist vor unserer Zeit eine solche Behandlung der inneren Seelenkräfte nicht möglich gewesen, wie es jetzt geschildert worden ist. Da musste erst eine jahrhundertelange naturwissenschaftliche Schulung der Menschheit vorausgehen, damit das Denken überhaupt die Kraft bekommt innerhalb der Menschheitsentwicklung, um so etwas mit sich vornehmen zu können. Allein in früheren Jahrhunderten und Jahrtausenden gab es immer Menschen, die auf anderen Seelenwegen und aus anderen Entwicklungskräften der Seele heraus auch in die geistigen Welten eingedrungen sind, auf Entwicklungswegen, die nur der heutigen fortgeschrittenen Menschheit nicht mehr angemessen sind. Diese Wege müssen geändert werden, so, wie die Art, die Natur anzuschauen, auch geändert worden ist im Laufe der Entwicklung. Aber auf ihre Art sind Geistesbetrachter der verschiedensten Jahrtausende auch an den Punkt gekommen, der hier gemeint ist, wo sie erfasst wurden von einem in der Welt Lebendigen, das gewissermaßen lebendig webende Gedankenkraft ist, objektive Gedankenkraft, die durch die Dinge hindurch wallt und webt. Sie sind darauf gekommen, und sie haben den Punkt in Bezug auf das, was die Seele Erschütterndes erleben kann, wenn sie an diesen Punkt kommt, so bezeichnet, dass sie gesagt haben: Da kommt die Seele an die Pforte des Todes. Und in der Tat, man weiß von diesem Kommen an die Pforte des Todes etwas, was eben dadurch, dass es einem innerlich vor die Seele tritt, erschütternd wirkt; man weiß: Indem man die Tätigkeit des Denkens so weit getrieben hat, dass sich diese Tätigkeit in der angedeuteten Weise umgewandelt hat, gelangt man hinein in ein solches Lebendigwerden des Denkens. Allein man steht vor einer inneren — nicht vor einer physischen — Gefahr. Nicht vor einer Gefahr, ich werde das übermorgen besprechen, die mit der [Lücke in der Mitschrift] etwas zu tun hat, selbstverständlich, aber man steht vor einer Gefahr.
[ 14 ] Man steht vor der Gefahr, rein innerlich seelisch nicht hereintragen zu können in die Welt, die man jetzt erlebt, dasjenige, was sonst das gewöhnliche alltägliche Selbstbewusstsein ist. Man steht vor der Gefahr, in eine Welt hineinzutreten, der gegenüber man ohnmächtig ist, seelisch, rein seelisch ohnmächtig ist, sein Selbstbewusstsein hineinzutragen, in der man sich gewissermaßen zunächst zu verlieren scheint, sodass man eigentlich dahin kommt, bis an die Pforte einer Welt zu treten, aber indem man davortritt, ist es, wie wenn man sich selbst zurücklassen müsste. Dieses Sich-Verlieren, dieses Sich-nicht-mehr-Haben, das ist zunächst ein erschütterndes Erlebnis. Und dieses Erlebnis, voll durchgemacht, wirklich innerlich erlebt, sodass man es in der Seele hat, das lässt einen etwas anderes jetzt erleben, das lässt einen das erleben, dass man weiß: Ja, dieses Selbstbewusstsein, das Du da hast, dieses Selbstbewusstsein, das einmal in diesem Leben aufgetreten ist, an dem Zeitpunkt, bis zu dem man sich sonst zurückerinnert, wo man angefangen hat, sich als ein Ich zu bezeichnen —, dieses Selbstbewusstsein ist im eminentesten Sinne, mehr noch als die anderen Seelenkräfte, gebunden an die physische Leibesorganisation. Und indem man jetzt herausgekommen ist aus der physischen Leibesorganisation, steht man vor der Gefahr, nicht mehr zu sich selber «Ich» sagen zu können, sich selber zu verlieren. Man lernt erkennen, was einem entrissen wird, wenn man durch die Pforte des Todes geht, wenn das Geistig-Seelische sich lostrennt in Wirklichkeit durch den Tod vom Physisch-Leiblichen. Man kommt wirklich dahin — ich möchte sagen —, lebendig theoretisch zu erleben, was der Tod im geistig-seelischen Sinne ist, objektiv ist.
[ 14 ] Man steht vor der Gefahr, rein innerlich seelisch nicht hereintragen zu können in die Welt, die man jetzt erlebt, dasjenige, was sonst das gewöhnliche alltägliche Selbstbewusstsein ist. Man steht vor der Gefahr, in eine Welt hineinzutreten, der gegenüber man ohnmächtig ist, seelisch, rein seelisch ohnmächtig ist, sein Selbstbewusstsein hineinzutragen, in der man sich gewissermaßen zunächst zu verlieren scheint, sodass man eigentlich dahin kommt, bis an die Pforte einer Welt zu treten, aber indem man davortritt, ist es, wie wenn man sich selbst zurücklassen müsste. Dieses Sich-Verlieren, dieses Sich-nicht-mehr-Haben, das ist zunächst ein erschütterndes Erlebnis. Und dieses Erlebnis, voll durchgemacht, wirklich innerlich erlebt, sodass man es in der Seele hat, das lässt einen etwas anderes jetzt erleben, das lässt einen das erleben, dass man weiß: Ja, dieses Selbstbewusstsein, das Du da hast, dieses Selbstbewusstsein, das einmal in diesem Leben aufgetreten ist, an dem Zeitpunkt, bis zu dem man sich sonst zurückerinnert, wo man angefangen hat, sich als ein Ich zu bezeichnen —, dieses Selbstbewusstsein ist im eminentesten Sinne, mehr noch als die anderen Seelenkräfte, gebunden an die physische Leibesorganisation. Und indem man jetzt herausgekommen ist aus der physischen Leibesorganisation, steht man vor der Gefahr, nicht mehr zu sich selber «Ich» sagen zu können, sich selber zu verlieren. Man lernt erkennen, was einem entrissen wird, wenn man durch die Pforte des Todes geht, wenn das Geistig-Seelische sich lostrennt in Wirklichkeit durch den Tod vom Physisch-Leiblichen. Man kommt wirklich dahin — ich möchte sagen —, lebendig theoretisch zu erleben, was der Tod im geistig-seelischen Sinne ist, objektiv ist.
[ 15 ] Das ist das erschütternde Erlebnis. Und deshalb bezeichneten diejenigen, die etwas davon wussten, dieses Erlebnis als das Heranrücken an die Pforte des Todes. Aber man muss den Weg, der geschildert worden ist, zu diesem bedeutsamen Erlebnis hin, man muss ihn durchmachen. Nur wenn befolgt werden, sehr verehrte Anwesende, diejenigen Übungen, die gerade geschildert werden in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und im zweiten Teile meiner «Geheimwissenschaft», wenn man diese Übungen in der Seele durchmacht, dann entwickelt man daraus die Art und Weise, wie diese Übungen aus den Seelenerfahrungen heraus geformt sind. Man entwickelt neben diesem Wege, der eben geschildert worden ist, einen anderen, der gewissermaßen damit parallel geht, und der einen davor bewahrt, wenn man nun — es kann ja der Ausdruck gebraucht werden — an die Pforte des Todes mit seinem Bewusstsein herangetreten ist, der verhindert, dass man sich wirklich da selbst verliert. Also etwas anderes hat noch der Geistesforscher, der Meditierende, durchzumachen, damit er sich nicht verliere an dem betreffenden Punkt, sondern hineintragen kann sich selber in die Welt, die er also jetzt betreten hat. Wie man, um zu dem geschilderten Punkte zu kommen, eine Entwicklung des Denkens nötig hatte, eine Abtrennung des Denkens, der Denkkraft, der Denktätigkeit von dem, was im Denken zur Erinnerung führt, so hat man zu dem anderen Wege nötig eine ganz bestimmte, wiederum durch innere Seelenübungen zu erreichende Entwicklung der Willenstätigkeit, des Willens.
[ 15 ] Das ist das erschütternde Erlebnis. Und deshalb bezeichneten diejenigen, die etwas davon wussten, dieses Erlebnis als das Heranrücken an die Pforte des Todes. Aber man muss den Weg, der geschildert worden ist, zu diesem bedeutsamen Erlebnis hin, man muss ihn durchmachen. Nur wenn befolgt werden, sehr verehrte Anwesende, diejenigen Übungen, die gerade geschildert werden in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und im zweiten Teile meiner «Geheimwissenschaft», wenn man diese Übungen in der Seele durchmacht, dann entwickelt man daraus die Art und Weise, wie diese Übungen aus den Seelenerfahrungen heraus geformt sind. Man entwickelt neben diesem Wege, der eben geschildert worden ist, einen anderen, der gewissermaßen damit parallel geht, und der einen davor bewahrt, wenn man nun — es kann ja der Ausdruck gebraucht werden — an die Pforte des Todes mit seinem Bewusstsein herangetreten ist, der verhindert, dass man sich wirklich da selbst verliert. Also etwas anderes hat noch der Geistesforscher, der Meditierende, durchzumachen, damit er sich nicht verliere an dem betreffenden Punkt, sondern hineintragen kann sich selber in die Welt, die er also jetzt betreten hat. Wie man, um zu dem geschilderten Punkte zu kommen, eine Entwicklung des Denkens nötig hatte, eine Abtrennung des Denkens, der Denkkraft, der Denktätigkeit von dem, was im Denken zur Erinnerung führt, so hat man zu dem anderen Wege nötig eine ganz bestimmte, wiederum durch innere Seelenübungen zu erreichende Entwicklung der Willenstätigkeit, des Willens.
[ 16 ] Und da muss gesagt werden, dass diese Entwicklung des Willens darauf beruht, dass man nun wiederum von dem Willen, den man im gewöhnlichen Leben angewendet hat, etwas abtrennt, was mit ihm im gewöhnlichen Leben verbunden ist, gleichsam — wenn ich diesen chemischen Vergleich gebrauchen darf — etwas herausfällt, herausschält aus der gewöhnlichen Willenstätigkeit. In unserer gewöhnlichen Willenstätigkeit, gerade wenn man in wissenschaftlicher Weise diese Willenstätigkeit betrachtet, dann weiß man, dass man den Willen im gewöhnlichen Leben nirgends, nirgends, selbst bei der idealsten Tätigkeit, dass man den Willen im gewöhnlichen Leben und durch das gewöhnliche Bewusstsein nie anders erlebt als dadurch, dass er erfüllt ist mit inneren Emotionen, mit Affekten, mit dem, was Motive des Willens sind. Die müssen drinnen sein, sonst würde im gewöhnlichen Leben der Wille nicht wirken.
[ 16 ] Und da muss gesagt werden, dass diese Entwicklung des Willens darauf beruht, dass man nun wiederum von dem Willen, den man im gewöhnlichen Leben angewendet hat, etwas abtrennt, was mit ihm im gewöhnlichen Leben verbunden ist, gleichsam — wenn ich diesen chemischen Vergleich gebrauchen darf — etwas herausfällt, herausschält aus der gewöhnlichen Willenstätigkeit. In unserer gewöhnlichen Willenstätigkeit, gerade wenn man in wissenschaftlicher Weise diese Willenstätigkeit betrachtet, dann weiß man, dass man den Willen im gewöhnlichen Leben nirgends, nirgends, selbst bei der idealsten Tätigkeit, dass man den Willen im gewöhnlichen Leben und durch das gewöhnliche Bewusstsein nie anders erlebt als dadurch, dass er erfüllt ist mit inneren Emotionen, mit Affekten, mit dem, was Motive des Willens sind. Die müssen drinnen sein, sonst würde im gewöhnlichen Leben der Wille nicht wirken.
[ 17 ] Nun muss der Geistesforscher, damit er den anderen, mit dem ersten parallel gehenden Weg absolvieren kann, er muss solche Übungen machen, durch die er in die Lage kommt, den Willen abzutrennen, [durch die er in die Lage kommt, das Erleben zu haben], den Willen abzutrennen von alledem, was verbunden sein muss deswegen, weil Motive im Willen leben müssen, die aus unserem Leiblichen, aus unserem gewöhnlichen Seelenleben und so weiter herauskommen, abzutrennen den Willen von alldem, was gerade das Wesentliche und Wertvolle dieses Willens für das gewöhnliche Leben ausmacht. Selbstverständlich nicht für das gewöhnliche Leben darf diese Abtrennung geschehen — sonst würde der Mensch ein für das gewöhnliche Leben unbrauchbarer Mensch sein, vielleicht noch etwas Schlimmeres —, sondern nur für die Augenblicke, für die Zeiten, in denen eben der Mensch die geistigen Welten erforschen will, muss er sich die Möglichkeiten schaffen, einen solchen Willen zu erleben, der von dem gewöhnlichen Willen frei wird. Und da gibt es wiederum Übungen, die nun angewendet werden auf den Willen, sodass der Wille sich loslöst. Sie finden wiederum in den genannten Büchern dies beschrieben.
[ 17 ] Nun muss der Geistesforscher, damit er den anderen, mit dem ersten parallel gehenden Weg absolvieren kann, er muss solche Übungen machen, durch die er in die Lage kommt, den Willen abzutrennen, [durch die er in die Lage kommt, das Erleben zu haben], den Willen abzutrennen von alledem, was verbunden sein muss deswegen, weil Motive im Willen leben müssen, die aus unserem Leiblichen, aus unserem gewöhnlichen Seelenleben und so weiter herauskommen, abzutrennen den Willen von alldem, was gerade das Wesentliche und Wertvolle dieses Willens für das gewöhnliche Leben ausmacht. Selbstverständlich nicht für das gewöhnliche Leben darf diese Abtrennung geschehen — sonst würde der Mensch ein für das gewöhnliche Leben unbrauchbarer Mensch sein, vielleicht noch etwas Schlimmeres —, sondern nur für die Augenblicke, für die Zeiten, in denen eben der Mensch die geistigen Welten erforschen will, muss er sich die Möglichkeiten schaffen, einen solchen Willen zu erleben, der von dem gewöhnlichen Willen frei wird. Und da gibt es wiederum Übungen, die nun angewendet werden auf den Willen, sodass der Wille sich loslöst. Sie finden wiederum in den genannten Büchern dies beschrieben.
[ 18 ] Vor allen Dingen zielen diese Übungen — während die Denkübungen darauf hinzielen, das Denken zu erkraften, sich zu versetzen in erlebte Gedanken, die man in den Mittelpunkt des Bewusstseins rückt —, zielen diese Willensübungen darauf hin, dass man immer mehr und mehr Willkür darüber bekommt, die gewöhnliche Willenstätigkeit auszuschalten, Ruhe, innere Seelenruhe zu gebieten dem ganzen inneren Seelenleben. Das gewöhnliche Seelenleben durchziehen die Überbleibsel der Motive des Willens, die Sorgen, alle anderen Empfindungen, kurz dasjenige, was als lebendige Kraft aus dem gewöhnlichen Seelenleben in dem Gemüte wallt. Die Übungen gehen dahin, dies alles willkürlich unterdrücken zu lernen. Und da kommt dann der Geistesforscher dahin, etwas herbeiführen zu können, was sonst im gewöhnlichen Leben nur unwillkürlich herbeigeführt werden kann.
[ 18 ] Vor allen Dingen zielen diese Übungen — während die Denkübungen darauf hinzielen, das Denken zu erkraften, sich zu versetzen in erlebte Gedanken, die man in den Mittelpunkt des Bewusstseins rückt —, zielen diese Willensübungen darauf hin, dass man immer mehr und mehr Willkür darüber bekommt, die gewöhnliche Willenstätigkeit auszuschalten, Ruhe, innere Seelenruhe zu gebieten dem ganzen inneren Seelenleben. Das gewöhnliche Seelenleben durchziehen die Überbleibsel der Motive des Willens, die Sorgen, alle anderen Empfindungen, kurz dasjenige, was als lebendige Kraft aus dem gewöhnlichen Seelenleben in dem Gemüte wallt. Die Übungen gehen dahin, dies alles willkürlich unterdrücken zu lernen. Und da kommt dann der Geistesforscher dahin, etwas herbeiführen zu können, was sonst im gewöhnlichen Leben nur unwillkürlich herbeigeführt werden kann.
[ 19 ] Um das zu beschreiben, muss ich auf etwas hinweisen, was zyklisch gleichsam im gewöhnlichen Leben immer vorkommt, auf dasjenige, was man im vierundzwanzigstündigen Leben, wenn man einigermaßen ein regelmäßiges Menschenleben führt, immer erlebt, nämlich auf den Wechsel von Wachen und Schlafen. Wir brauchen heute nicht weiter auf dasjenige einzugehen, was im Menschen geschieht, indem der Übergang sich in ihm vollzieht vom Wachen zum Schlafen. Aber das weiß ja jeder schon aus der trivialen, aus der gewöhnlichen Lebensbeobachtung, dass zunächst die Sinnestätigkeit unwillkürlich hinunterschwindet — in einer gewissen Reihenfolge, die beschrieben werden könnte, die Beschreibung hat hier keinen besonderen Wert —, dass dann auch dasjenige, was zuletzt noch bleibt, das innere Sich-Erfühlen, das innere Sich-Durchleben, dass das auch hinunterschwindet. Und dann bleibt der Mensch in einem Zustande, den man ja im eminentesten Sinne als unbewusst zu bezeichnen hat.
[ 19 ] Um das zu beschreiben, muss ich auf etwas hinweisen, was zyklisch gleichsam im gewöhnlichen Leben immer vorkommt, auf dasjenige, was man im vierundzwanzigstündigen Leben, wenn man einigermaßen ein regelmäßiges Menschenleben führt, immer erlebt, nämlich auf den Wechsel von Wachen und Schlafen. Wir brauchen heute nicht weiter auf dasjenige einzugehen, was im Menschen geschieht, indem der Übergang sich in ihm vollzieht vom Wachen zum Schlafen. Aber das weiß ja jeder schon aus der trivialen, aus der gewöhnlichen Lebensbeobachtung, dass zunächst die Sinnestätigkeit unwillkürlich hinunterschwindet — in einer gewissen Reihenfolge, die beschrieben werden könnte, die Beschreibung hat hier keinen besonderen Wert —, dass dann auch dasjenige, was zuletzt noch bleibt, das innere Sich-Erfühlen, das innere Sich-Durchleben, dass das auch hinunterschwindet. Und dann bleibt der Mensch in einem Zustande, den man ja im eminentesten Sinne als unbewusst zu bezeichnen hat.
[ 20 ] Nun kommt der Geistesforscher darauf, dass der Mensch dann, wenn er schlafend in diesem unbewussten Zustande ist, trotzdem in seiner seelischen Wesenheit drinnensteckt. Und er kommt dadurch darauf, dass er lernt, durch eine bestimmte Entwicklung des Willens nun einen Zustand herbeizuführen, der auf der einen Seite dem Schlafzustande ähnlich und doch wiederum so radikal von ihm verschieden ist, dass man sagen kann: Er ist der entgegengesetzte Zustand des Schlafens. Die Willensentwicklung geht darauf hin, wirklich zuletzt alle Sinnestätigkeit auszuschalten, dasselbe mit der Sinnestätigkeit herbeizuführen, das sonst im tiefen bewusstlosen Schlaf erreicht ist; ebenso das herbeizuführen mit aller Denktätigkeit, mit aller Fühlenstätigkeit, mit allem, was in den Willensmotiven lebt, das ganze sinnliche und gewöhnliche Seelenleben durch Willkür zu unterdrücken. Und dann merkt man — wenn man sich die Kräfte angeeignet hat, um dies erreichen zu können, dass man wirklich so Stillstand des physischen, organischen Lebens herbeizuführen in der Lage ist, wie es sonst unwillkürlich im Schlafe geschieht —, dass man nun nicht unbewusst zu bleiben braucht, dass man nicht wirklich in Schlaf hineinkommt, sondern dass man in einem bewussten Zustande diesen Übertritt erlebt. Die Kraft, die einen dazu führt, die organische Tätigkeit zu unterdrücken, diese Kraft führt einen zu gleicher Zeit nun dazu, nun auf einem anderen Wege das geistig-seelische Bewusstsein herauszuheben aus dem Leibe, jetzt als Willenstätigkeit herauszuheben, sodass man wirklich nun nicht bewusstseinslos wie im Schlafe außerhalb seines Leibes ist — ich brauche diese Ausführungen heute nicht zu erklären, weil nichts davon abhängt —, sondern dass man bewusst im Schlafe steht und weiß: Du bist jetzt nicht mehr in dem, was in dir lebt. Aber das Bewusstsein ist nicht geschwunden. Das Bewusstsein ist intakt vorhanden samt dem Selbstbewusstsein, samt der Möglichkeit, Dich als ein Ich zu wissen.
[ 20 ] Nun kommt der Geistesforscher darauf, dass der Mensch dann, wenn er schlafend in diesem unbewussten Zustande ist, trotzdem in seiner seelischen Wesenheit drinnensteckt. Und er kommt dadurch darauf, dass er lernt, durch eine bestimmte Entwicklung des Willens nun einen Zustand herbeizuführen, der auf der einen Seite dem Schlafzustande ähnlich und doch wiederum so radikal von ihm verschieden ist, dass man sagen kann: Er ist der entgegengesetzte Zustand des Schlafens. Die Willensentwicklung geht darauf hin, wirklich zuletzt alle Sinnestätigkeit auszuschalten, dasselbe mit der Sinnestätigkeit herbeizuführen, das sonst im tiefen bewusstlosen Schlaf erreicht ist; ebenso das herbeizuführen mit aller Denktätigkeit, mit aller Fühlenstätigkeit, mit allem, was in den Willensmotiven lebt, das ganze sinnliche und gewöhnliche Seelenleben durch Willkür zu unterdrücken. Und dann merkt man — wenn man sich die Kräfte angeeignet hat, um dies erreichen zu können, dass man wirklich so Stillstand des physischen, organischen Lebens herbeizuführen in der Lage ist, wie es sonst unwillkürlich im Schlafe geschieht —, dass man nun nicht unbewusst zu bleiben braucht, dass man nicht wirklich in Schlaf hineinkommt, sondern dass man in einem bewussten Zustande diesen Übertritt erlebt. Die Kraft, die einen dazu führt, die organische Tätigkeit zu unterdrücken, diese Kraft führt einen zu gleicher Zeit nun dazu, nun auf einem anderen Wege das geistig-seelische Bewusstsein herauszuheben aus dem Leibe, jetzt als Willenstätigkeit herauszuheben, sodass man wirklich nun nicht bewusstseinslos wie im Schlafe außerhalb seines Leibes ist — ich brauche diese Ausführungen heute nicht zu erklären, weil nichts davon abhängt —, sondern dass man bewusst im Schlafe steht und weiß: Du bist jetzt nicht mehr in dem, was in dir lebt. Aber das Bewusstsein ist nicht geschwunden. Das Bewusstsein ist intakt vorhanden samt dem Selbstbewusstsein, samt der Möglichkeit, Dich als ein Ich zu wissen.
[ 21 ] Deshalb ist der Zustand radikal verschieden von dem Schlafzustand, weil man im Schlafe eben bewusstseinslos ist, jetzt aber gerade vollständig bewusst so aus seinem Leibe heraustritt, dass man diesen Leib überblickt, vor sich hat, wie man sonst einen Tisch oder äußeren Gegenstand vor sich hat. Bewusst kommt man auf diese Weise aus dem Leiblichen und weiß, dass man heraußen ist, weil man das Leibliche jetzt so beobachtet wie ein Außenobjekt, wie man sonst äußere Gegenstände beobachten kann.
[ 21 ] Deshalb ist der Zustand radikal verschieden von dem Schlafzustand, weil man im Schlafe eben bewusstseinslos ist, jetzt aber gerade vollständig bewusst so aus seinem Leibe heraustritt, dass man diesen Leib überblickt, vor sich hat, wie man sonst einen Tisch oder äußeren Gegenstand vor sich hat. Bewusst kommt man auf diese Weise aus dem Leiblichen und weiß, dass man heraußen ist, weil man das Leibliche jetzt so beobachtet wie ein Außenobjekt, wie man sonst äußere Gegenstände beobachten kann.
[ 22 ] Dies erscheint selbstverständlich demjenigen, der von solchen Dingen noch keine Mitteilungen erhalten hat oder kein Verständnis sich erwerben kann, als etwas ganz Paradoxes und Träumerisches. Dennoch: Es ist ein realer Vorgang, viel realer als ein Vorgang, den die Seele sonst hervorrufen kann, und durch den die Seele jetzt dazu gelangt, das Sich-Erleben im Wollen, im Willen bis zum vollständigen Bewusstsein zu bringen.
[ 22 ] Dies erscheint selbstverständlich demjenigen, der von solchen Dingen noch keine Mitteilungen erhalten hat oder kein Verständnis sich erwerben kann, als etwas ganz Paradoxes und Träumerisches. Dennoch: Es ist ein realer Vorgang, viel realer als ein Vorgang, den die Seele sonst hervorrufen kann, und durch den die Seele jetzt dazu gelangt, das Sich-Erleben im Wollen, im Willen bis zum vollständigen Bewusstsein zu bringen.
[ 23 ] Aber nun erlebt man etwas, sehr verehrte Anwesende, welches, wenn man es schildert, zunächst selbstverständlich so hingenommen werden muss, wie wenn man eigentlich sich bloß bildlich ausdrücken wollte, wie wenn man eigentlich einen bloßen Gedanken, etwas Sinnbildliches, vielleicht sogar etwas Allegorisches bloß meint. Aber das ist nicht der Fall, sondern man erlebt etwas ganz innerlich Reales. Das erlebt man, dass man in diesem also von der gewöhnlichen Seelentätigkeit losgelösten Willen, der aber jetzt bewusst ist —, dass man in diesem Willen etwas erlebt, was immer in einem ist, aber nicht so ist wie etwas Ruhendes, nicht so ist wie etwas Substanzielles, sondern wie ein geistig-seelisches Bewusstseinsleben: Einen zweiten Menschen erlebt man in sich, der immer in jedem Menschen ist, der aber nur durch das gewöhnliche Bewusstsein nicht zutage gefördert werden kann. Gewiss, wenn man sonst im gewöhnlichen Leben sagt, der Mensch trage einen zweiten Menschen in sich, dann meint man sehr häufig irgendetwas Bildliches, irgendetwas Erdichtetes. Das ist hier nicht gemeint, sondern hier ist wirklich das gemeint, dass der Mensch darauf kommt: Du trägst in Dir einen zweiten Menschen, einen zweiten Menschen, der wirklich Bewusstsein hat, und der Dir bei allem, was Du sonst im gewöhnlichen Leben an Willenstätigkeit verrichtest, zuschaut. Man ist nie allein. In den Tiefen unseres Wesens ist ein wahres Wesen, das sich entwickelt, und das ein Zuschauer von uns ist, ein Wesen, das in fortwährender Tätigkeit ist, und das man, wenn man solche Übungen, wie sie geschildert worden sind, fortsetzt, immer genauer kennenlernt. Ja, man lernt es zunächst so kennen, dass man, bevor man gewissermaßen so recht Bekanntschaft mit ihm machen kann, wiederum ein erschütterndes inneres Seelenerlebnis zu überwinden hat. Das andere Seelenerlebnis, das die Geistesforscher das Gelangen an die Pforte des Todes genannt haben und nennen, habe ich geschildert. Jetzt aber gelangt man an ein Seelenerlebnis, welches man bezeichnen kann dadurch, dass man sagt: Man erlebt in einer umfassenden Weise geistig-seelisch — und geistig-seelisch ist das ja alles gemeint —, man erlebt in einer umfassenden Weise geistig-seelisch jetzt erst, was eigentlich in der Welt, durchwallend und durchwebend diese Welt, an Schmerzen, an Leid wesenhaft vorhanden ist. Gewissermaßen die Grundlagen des durch die Welt webenden und lebenden Leides und Schmerzes erlebt man. Man lernt jetzt erst erkennen, was seelisch Schmerz und Leid ist. Und das muss man. Denn in dem Erfahren dieses Schmerzes, in dem Erleben dieses Schmerzes entwickelt man erst die Fähigkeit, dieses innerlich bewusste Wesen, das da in einem sitzt, unmittelbar innerlich geistig-seelisch zu ergreifen, zu erfassen, zu erleben. Man kann sagen: Derjenige, der ein offenes Herz, einen offenen Sinn hat für dasjenige, was ihn in der Welt umgibt, der wird das, was ihn in der Welt umgibt, empfinden in vieler Beziehung als ein Schönes, als ein Erhabenes, als Weltenblüte. Derjenige, der das durchmacht, was geschildert worden ist, der weiß, dass sich wie aus einem Mutterboden des durch die Welt wallenden und webenden Schmerzes heraus erhebt die Blüte aller Schönheit, aller Erhabenheit, aller Herrlichkeit in der Welt.
[ 23 ] Aber nun erlebt man etwas, sehr verehrte Anwesende, welches, wenn man es schildert, zunächst selbstverständlich so hingenommen werden muss, wie wenn man eigentlich sich bloß bildlich ausdrücken wollte, wie wenn man eigentlich einen bloßen Gedanken, etwas Sinnbildliches, vielleicht sogar etwas Allegorisches bloß meint. Aber das ist nicht der Fall, sondern man erlebt etwas ganz innerlich Reales. Das erlebt man, dass man in diesem also von der gewöhnlichen Seelentätigkeit losgelösten Willen, der aber jetzt bewusst ist —, dass man in diesem Willen etwas erlebt, was immer in einem ist, aber nicht so ist wie etwas Ruhendes, nicht so ist wie etwas Substanzielles, sondern wie ein geistig-seelisches Bewusstseinsleben: Einen zweiten Menschen erlebt man in sich, der immer in jedem Menschen ist, der aber nur durch das gewöhnliche Bewusstsein nicht zutage gefördert werden kann. Gewiss, wenn man sonst im gewöhnlichen Leben sagt, der Mensch trage einen zweiten Menschen in sich, dann meint man sehr häufig irgendetwas Bildliches, irgendetwas Erdichtetes. Das ist hier nicht gemeint, sondern hier ist wirklich das gemeint, dass der Mensch darauf kommt: Du trägst in Dir einen zweiten Menschen, einen zweiten Menschen, der wirklich Bewusstsein hat, und der Dir bei allem, was Du sonst im gewöhnlichen Leben an Willenstätigkeit verrichtest, zuschaut. Man ist nie allein. In den Tiefen unseres Wesens ist ein wahres Wesen, das sich entwickelt, und das ein Zuschauer von uns ist, ein Wesen, das in fortwährender Tätigkeit ist, und das man, wenn man solche Übungen, wie sie geschildert worden sind, fortsetzt, immer genauer kennenlernt. Ja, man lernt es zunächst so kennen, dass man, bevor man gewissermaßen so recht Bekanntschaft mit ihm machen kann, wiederum ein erschütterndes inneres Seelenerlebnis zu überwinden hat. Das andere Seelenerlebnis, das die Geistesforscher das Gelangen an die Pforte des Todes genannt haben und nennen, habe ich geschildert. Jetzt aber gelangt man an ein Seelenerlebnis, welches man bezeichnen kann dadurch, dass man sagt: Man erlebt in einer umfassenden Weise geistig-seelisch — und geistig-seelisch ist das ja alles gemeint —, man erlebt in einer umfassenden Weise geistig-seelisch jetzt erst, was eigentlich in der Welt, durchwallend und durchwebend diese Welt, an Schmerzen, an Leid wesenhaft vorhanden ist. Gewissermaßen die Grundlagen des durch die Welt webenden und lebenden Leides und Schmerzes erlebt man. Man lernt jetzt erst erkennen, was seelisch Schmerz und Leid ist. Und das muss man. Denn in dem Erfahren dieses Schmerzes, in dem Erleben dieses Schmerzes entwickelt man erst die Fähigkeit, dieses innerlich bewusste Wesen, das da in einem sitzt, unmittelbar innerlich geistig-seelisch zu ergreifen, zu erfassen, zu erleben. Man kann sagen: Derjenige, der ein offenes Herz, einen offenen Sinn hat für dasjenige, was ihn in der Welt umgibt, der wird das, was ihn in der Welt umgibt, empfinden in vieler Beziehung als ein Schönes, als ein Erhabenes, als Weltenblüte. Derjenige, der das durchmacht, was geschildert worden ist, der weiß, dass sich wie aus einem Mutterboden des durch die Welt wallenden und webenden Schmerzes heraus erhebt die Blüte aller Schönheit, aller Erhabenheit, aller Herrlichkeit in der Welt.
[ 24 ] Gewiss, sehr verehrte Anwesende, es könnten Menschen kommen, die in ihrer Menschenweisheit sagen: Ja, so etwas könnte einen ja verzweifeln lassen an der weisheitlichen Führung der Welt, an der Weisheit Gottes sogar; denn warum hat Gott das so nicht eingerichtet, dass das Schöne, das Herrliche, das Erhabene ohne die Grundlage des Schmerzes erscheint? Solche Menschen machen eben Einwände aus Menschenweisheit heraus, ohne die eisernen Notwendigkeiten des Daseins in ihren Tiefen erfühlen und erleben zu können. Derjenige, der fragt: «Warum ist das Erhabene, das Schöne, die Blüte nicht da in der Welt ohne die Grundlage des Schmerzes?», der steht ungefähr auf dem Standpunkt eines Menschen, der von dem Mathematiker verlangt, er solle ihm ein ebenes Dreieck aufzeichnen, dessen Winkelsumme nicht 180 Grad ist. Es gibt eben Notwendigkeiten. Diese Notwendigkeiten widersprechen durchaus nicht der weisheitsvollen Führung der Welt. Wie die Blüte der Pflanze aus der Wurzel sich entwickeln muss, so muss sich aus dem, was man jetzt auf dem Grunde der Seele als Leid erlebt, das man miterleben muss, alles dasjenige entwickeln, was in der Welt erhaben und schön ist. Das gerade führt zu einer tieferen Lebens- und Weltauffassung; das gerade zeigt uns, in welchem Lebensgrundelement Schönheit, Erhabenheit, Weisheit wurzeln, und dass diese gar nicht da sein könnten, dass die Kraft gar nicht da sein könnte, sie zu erleben, wenn nicht die Kraft erworben würde dadurch, dass sie selber, diese Kraft, aus dem Leid herauswächst.
[ 24 ] Gewiss, sehr verehrte Anwesende, es könnten Menschen kommen, die in ihrer Menschenweisheit sagen: Ja, so etwas könnte einen ja verzweifeln lassen an der weisheitlichen Führung der Welt, an der Weisheit Gottes sogar; denn warum hat Gott das so nicht eingerichtet, dass das Schöne, das Herrliche, das Erhabene ohne die Grundlage des Schmerzes erscheint? Solche Menschen machen eben Einwände aus Menschenweisheit heraus, ohne die eisernen Notwendigkeiten des Daseins in ihren Tiefen erfühlen und erleben zu können. Derjenige, der fragt: «Warum ist das Erhabene, das Schöne, die Blüte nicht da in der Welt ohne die Grundlage des Schmerzes?», der steht ungefähr auf dem Standpunkt eines Menschen, der von dem Mathematiker verlangt, er solle ihm ein ebenes Dreieck aufzeichnen, dessen Winkelsumme nicht 180 Grad ist. Es gibt eben Notwendigkeiten. Diese Notwendigkeiten widersprechen durchaus nicht der weisheitsvollen Führung der Welt. Wie die Blüte der Pflanze aus der Wurzel sich entwickeln muss, so muss sich aus dem, was man jetzt auf dem Grunde der Seele als Leid erlebt, das man miterleben muss, alles dasjenige entwickeln, was in der Welt erhaben und schön ist. Das gerade führt zu einer tieferen Lebens- und Weltauffassung; das gerade zeigt uns, in welchem Lebensgrundelement Schönheit, Erhabenheit, Weisheit wurzeln, und dass diese gar nicht da sein könnten, dass die Kraft gar nicht da sein könnte, sie zu erleben, wenn nicht die Kraft erworben würde dadurch, dass sie selber, diese Kraft, aus dem Leid herauswächst.
[ 25 ] Nun entsteht aber die Frage: Warum erleben wir gerade das Leid in dem Augenblicke, wo wir diesen inneren Beobachter, dieses innere bewusste Seelenwesen innerlich durchleben? Warum gerade dann? Es beginnt damit — und ich möchte diese Dinge, trotzdem ich dadurch vielleicht schwieriger verständlich werde, genau schildern —, es beginnt dies damit, dass man, indem man nach der Entwicklung des Willens wirklich das innerlich wie webend und lebend in der neu entwickelten Willenstätigkeit erlebt, was da innerlich Zuschauer ist. Indem man es zunächst erfährt, so erlebt man es so, wie wenn es widersprechen würde allem, was man sonst im Seelenleben, in diesem Leben, seitdem man denken kann, erlebt hat. Derjenige, der es so erlebt, der hat in einem ungeheuer gesteigerten Maße das Gefühl, das man etwa haben kann, wenn man irgendeine sorgfältige Denkarbeit verrichtet hat und dann einer kommt, der einem diese Denkarbeit gründlich widerlegt, sie als etwas hinstellt, was so nicht bestehen kann. Ich möchte sagen: Wie das Erleben in einer lebendigen Widerlegung, so erfühlt man das, was da aus der Tiefe des Willens heraustritt. Ein sehr merkwürdiges, sehr sonderbares Erlebnis zunächst! Gerade das, dass sich etwas hereinstellt in das Seelenleben, das so beginnt, wie [der] Schmerz einer Widerlegung des eigenen Seelenlebens, gerade das, was so beginnt, was so erlebt wird, das steigert sich, wird allmählich so, dass man wirklich das erlebt, was man nennen kann: Man fühlt sich darinnen in dem Schmerzensstrom, der auf dem Mutterboden des Daseins dahinzieht. Dann aber ist es gerade dieses Erlebnis des Leides, das einem — ich möchte sagen — immer konkreter und konkreter, immer wesenhafter und wesenhafter dasjenige macht, was da aus dem Willen heraussprießt. Und dann erlebt man, was da eigentlich ist, was da aus dem Willen herauskommt. Man lernt allmählich verstehen, warum es so in Schmerzensform auftritt, denn man lernt verstehen: Du erlebst jetzt eigentlich dasjenige, was Du sonst während Deines alltäglichen Lebens an Denken und Wollen nicht erleben kannst; was dem zugrunde liegt, was im Grunde genommen sich Dein ganzes Leben hindurch in den Tiefen der Seele entwickelt hat, was Du jetzt erfasst hast in dem Stadium, da Du begonnen hast, Geistesforscher zu werden —, Du erlebst dasjenige, was sonst verborgen im Seelenleben ist, was geblieben ist, wenn alles dasjenige im Seelenleben abfällt, was an das Werkzeug des äußeren Leibes gebunden ist. Man erlebt dasjenige, was durch die Pforte des Todes geht, was, wenn wir sterben, in eine rein geistige Welt hineingeht, und weil das, was nun in eine rein geistige Welt hineingeht, zunächst geeignet ist, in einer geistigen Umgebung zu leben, was nicht angepasst ist dem Leben, das wir entwickelt haben, was jetzt in diesem Leben drinnensteht, ohne ihm angepasst zu werden. Deshalb tritt es zunächst leidvoll, in der Form des Leides und Schmerzes auf. Es ist etwas, was sich entwickelt, sodass es für eine andere Art des Erlebens bestimmt ist. Und jetzt weiß man, wie in der Seele das vorhanden ist, was durch die Pforte des Todes hindurchgeht, wenn unser Leib zerfällt, was der Seele wirklich als ein Unsterbliches innewohnt. Man erlebt es jetzt, aber durch inneres Erleben, so, wie die Pflanze fühlen würde, wenn sie erleben könnte, wie sie in ihrem Wachstum nach und nach die Kräfte vorbereitet, welche dann in der Blüte zu dem Keim führen, der wieder, nachdem er durch ein anderes Leben, durch den Boden der Erde oder dergleichen gegangen ist, zu einer Pflanze derselben Art sich entwickeln kann. Man erfühlt einen Lebenskeim, einen neuen Lebenskeim in sich. Und so wahr der Keim der Pflanze aus den Kräften der Pflanze heraus sich entwickelt und neue Pflanze werden kann, so wahr erlebt man es jetzt, dass dieser Lebenskeim, den man zunächst eingebettet in Schmerz erleben kann, dass der durch eine geistige Welt geht und wiederum zu einem neuen Menschenleben, zu einem wiederholten Erdenleben werden kann. Nur das erlebt man, dass, während der Pflanzenkeim durch die äußeren Umstände, die im Raume und der Zeit ablaufen, vertilgt werden kann, sodass nicht jeder Pflanzenkeim zu einer neuen Pflanze entwickelt wird, dass in der geistigen Welt, die gilt, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist, keine solchen Hindernisse bestehen, sondern in dem, was eben geschildert worden ist, geht es durch die geistige Welt hindurch und muss als ein neues Erdenleben wieder erscheinen, muss wiederum einen Leib suchen, dem es sich einfügt, den es gestaltet, in dem es sich zusammenfügt mit demjenigen, was von Vater und Mutter kommt, was in der Vererbungsströmung liegt, was es durchorganisiert und zu einem neuen Erdenleben führt.
[ 25 ] Nun entsteht aber die Frage: Warum erleben wir gerade das Leid in dem Augenblicke, wo wir diesen inneren Beobachter, dieses innere bewusste Seelenwesen innerlich durchleben? Warum gerade dann? Es beginnt damit — und ich möchte diese Dinge, trotzdem ich dadurch vielleicht schwieriger verständlich werde, genau schildern —, es beginnt dies damit, dass man, indem man nach der Entwicklung des Willens wirklich das innerlich wie webend und lebend in der neu entwickelten Willenstätigkeit erlebt, was da innerlich Zuschauer ist. Indem man es zunächst erfährt, so erlebt man es so, wie wenn es widersprechen würde allem, was man sonst im Seelenleben, in diesem Leben, seitdem man denken kann, erlebt hat. Derjenige, der es so erlebt, der hat in einem ungeheuer gesteigerten Maße das Gefühl, das man etwa haben kann, wenn man irgendeine sorgfältige Denkarbeit verrichtet hat und dann einer kommt, der einem diese Denkarbeit gründlich widerlegt, sie als etwas hinstellt, was so nicht bestehen kann. Ich möchte sagen: Wie das Erleben in einer lebendigen Widerlegung, so erfühlt man das, was da aus der Tiefe des Willens heraustritt. Ein sehr merkwürdiges, sehr sonderbares Erlebnis zunächst! Gerade das, dass sich etwas hereinstellt in das Seelenleben, das so beginnt, wie [der] Schmerz einer Widerlegung des eigenen Seelenlebens, gerade das, was so beginnt, was so erlebt wird, das steigert sich, wird allmählich so, dass man wirklich das erlebt, was man nennen kann: Man fühlt sich darinnen in dem Schmerzensstrom, der auf dem Mutterboden des Daseins dahinzieht. Dann aber ist es gerade dieses Erlebnis des Leides, das einem — ich möchte sagen — immer konkreter und konkreter, immer wesenhafter und wesenhafter dasjenige macht, was da aus dem Willen heraussprießt. Und dann erlebt man, was da eigentlich ist, was da aus dem Willen herauskommt. Man lernt allmählich verstehen, warum es so in Schmerzensform auftritt, denn man lernt verstehen: Du erlebst jetzt eigentlich dasjenige, was Du sonst während Deines alltäglichen Lebens an Denken und Wollen nicht erleben kannst; was dem zugrunde liegt, was im Grunde genommen sich Dein ganzes Leben hindurch in den Tiefen der Seele entwickelt hat, was Du jetzt erfasst hast in dem Stadium, da Du begonnen hast, Geistesforscher zu werden —, Du erlebst dasjenige, was sonst verborgen im Seelenleben ist, was geblieben ist, wenn alles dasjenige im Seelenleben abfällt, was an das Werkzeug des äußeren Leibes gebunden ist. Man erlebt dasjenige, was durch die Pforte des Todes geht, was, wenn wir sterben, in eine rein geistige Welt hineingeht, und weil das, was nun in eine rein geistige Welt hineingeht, zunächst geeignet ist, in einer geistigen Umgebung zu leben, was nicht angepasst ist dem Leben, das wir entwickelt haben, was jetzt in diesem Leben drinnensteht, ohne ihm angepasst zu werden. Deshalb tritt es zunächst leidvoll, in der Form des Leides und Schmerzes auf. Es ist etwas, was sich entwickelt, sodass es für eine andere Art des Erlebens bestimmt ist. Und jetzt weiß man, wie in der Seele das vorhanden ist, was durch die Pforte des Todes hindurchgeht, wenn unser Leib zerfällt, was der Seele wirklich als ein Unsterbliches innewohnt. Man erlebt es jetzt, aber durch inneres Erleben, so, wie die Pflanze fühlen würde, wenn sie erleben könnte, wie sie in ihrem Wachstum nach und nach die Kräfte vorbereitet, welche dann in der Blüte zu dem Keim führen, der wieder, nachdem er durch ein anderes Leben, durch den Boden der Erde oder dergleichen gegangen ist, zu einer Pflanze derselben Art sich entwickeln kann. Man erfühlt einen Lebenskeim, einen neuen Lebenskeim in sich. Und so wahr der Keim der Pflanze aus den Kräften der Pflanze heraus sich entwickelt und neue Pflanze werden kann, so wahr erlebt man es jetzt, dass dieser Lebenskeim, den man zunächst eingebettet in Schmerz erleben kann, dass der durch eine geistige Welt geht und wiederum zu einem neuen Menschenleben, zu einem wiederholten Erdenleben werden kann. Nur das erlebt man, dass, während der Pflanzenkeim durch die äußeren Umstände, die im Raume und der Zeit ablaufen, vertilgt werden kann, sodass nicht jeder Pflanzenkeim zu einer neuen Pflanze entwickelt wird, dass in der geistigen Welt, die gilt, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist, keine solchen Hindernisse bestehen, sondern in dem, was eben geschildert worden ist, geht es durch die geistige Welt hindurch und muss als ein neues Erdenleben wieder erscheinen, muss wiederum einen Leib suchen, dem es sich einfügt, den es gestaltet, in dem es sich zusammenfügt mit demjenigen, was von Vater und Mutter kommt, was in der Vererbungsströmung liegt, was es durchorganisiert und zu einem neuen Erdenleben führt.
[ 26 ] Der Geistesforscher nun, sehr verehrte Anwesende, kommt also, indem er auf dem Weg geht, den ich geschildert habe, kommt also gewissermaßen zu zwei inneren Seelenelementen, zu demjenigen Seelenelement, wobei er vor der Gefahr sich fühlt: Du kannst Dich verlieren; aber er kommt auch zu dem anderen Seelenelement, das ihm gerade ein Bewusstsein gibt des in ihm sonst unbewussten Denkens. Das Bewusstsein, das er sonst bewusst hat, das steht vor der Gefahr, verloren zu werden. Mit dem Bewusstsein aber, das sich ergibt aus der Willensströmung heraus, mit dem kann man jetzt eintreten in die Welt, dadurch kann man sich hineinführen in die Welt, die man also erlebt. Und da zeigt sich, während man, wenn man allein dasjenige erleben würde, was da im Willen als ein neuer Menschenlebenskeim drinnen lebt, Schmerz nur fühlen würde, dass gerade, wenn man die Übungen in der richtigen Weise macht, diese Schmerzen eben sich nur zeigen als etwas, was einem Geheimnisse der Welt verrät, dass aber in Wirklichkeit das eintritt, dass man nun dieses auf dem Grund der Seele liegende Bewusstsein hineinträgt in das, was man sonst als Leere empfinden würde, der gegenüber man ohnmächtig würde, wenn man es empfinden würde. Da hört es auf, schmerzlich zu sein, da erwacht es zu einem solchen Leben, wie sonst unsere Sinne erwachen, wenn sie reif geworden sind aus der Embryonalität heraus und die sinnliche Welt anschauen können.
[ 26 ] Der Geistesforscher nun, sehr verehrte Anwesende, kommt also, indem er auf dem Weg geht, den ich geschildert habe, kommt also gewissermaßen zu zwei inneren Seelenelementen, zu demjenigen Seelenelement, wobei er vor der Gefahr sich fühlt: Du kannst Dich verlieren; aber er kommt auch zu dem anderen Seelenelement, das ihm gerade ein Bewusstsein gibt des in ihm sonst unbewussten Denkens. Das Bewusstsein, das er sonst bewusst hat, das steht vor der Gefahr, verloren zu werden. Mit dem Bewusstsein aber, das sich ergibt aus der Willensströmung heraus, mit dem kann man jetzt eintreten in die Welt, dadurch kann man sich hineinführen in die Welt, die man also erlebt. Und da zeigt sich, während man, wenn man allein dasjenige erleben würde, was da im Willen als ein neuer Menschenlebenskeim drinnen lebt, Schmerz nur fühlen würde, dass gerade, wenn man die Übungen in der richtigen Weise macht, diese Schmerzen eben sich nur zeigen als etwas, was einem Geheimnisse der Welt verrät, dass aber in Wirklichkeit das eintritt, dass man nun dieses auf dem Grund der Seele liegende Bewusstsein hineinträgt in das, was man sonst als Leere empfinden würde, der gegenüber man ohnmächtig würde, wenn man es empfinden würde. Da hört es auf, schmerzlich zu sein, da erwacht es zu einem solchen Leben, wie sonst unsere Sinne erwachen, wenn sie reif geworden sind aus der Embryonalität heraus und die sinnliche Welt anschauen können.
[ 27 ] Indem sich vereinigen die zwei Elemente, die ich geschildert habe, werden sie nun zu einem neuen Sinn, zu dem, was Goethe «Geistesauge» und «Geistesohr» nennt, das aber jetzt in Wirklichkeit, in Realität vorhanden ist. Das Denken, das weiterentwickelt worden ist bis zu dem Punkt, der geschildert wurde, vereinigt sich als Tätigkeit mit dem neuen Bewusstsein, und ein vollständig entwickelter Geistesmensch, der jetzt voll außer dem Physischen innerhalb des Menschen ist, den erlebt die Seele in sich selber, mit dem lebt sie sich zusammen, und dieser Geistesmensch ist nun drinnen in der geistigen Welt. Dieser Geistesmensch erhält nun, indem er in der geistigen Welt ist, etwas, was ich schon angedeutet habe, was wie eine höhere Stufe des Erinnerns ist, nicht ein Erinnern, welches dadurch entsteht, dass Gedanken wieder auftreten, sondern dadurch, dass das, was in der geistigen Welt vorhanden ist, vor einen als lebendige Wesenheit hintritt. Jetzt tritt auch als lebendige Wesenheit dasjenige hin, was in der Zeit durchlebt worden ist, die wir durchlebt haben, bevor wir uns mit einem physischen Erdenleibe vereinigt haben, die zwischen unserem letzten Tod und unsrer letzten Geburt — oder sagen wir Empfängnis — verflossen ist. Es treten die Erfahrungen früherer Erdenleben auf. Eine höhere Art von Gedächtnis tritt auf. So paradox es erscheint, es ist dasjenige, was ebenso wahr entwickelt werden kann, wie im Laufe des Lebens andere Fähigkeiten aus der kindlichen Verfassung der Seele heraus erst entwickelt werden, die dann zum physischen Leben tüchtig werden und dereinst wieder sich wahrnehmen als ein geistiges Wesen innerhalb der geistigen Welt drinnen. Er erlebt sich als Geist in der geistigen Welt. Und so wahr, als er hier in der physischen Welt umgeben ist von physischen Wesen, die gleicher Art sind mit seiner physischen Organisation, so wahr ist er in der geistigen Welt nunmehr darinnen als Geistmensch unter Wesenheiten, die geistiger Art sind. Solche geistigen Wesenheiten, welche niemals in das physische Leben hereinkommen, welche ihre Aufgabe in der geistigen Welt haben, solche Wesenheiten, welche wie die Menschenseelen abwechselnd ein geistiges Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, oder ein physisches Leben zwischen Geburt — oder sagen wir — Empfängnis und Tod führen, das alles wird jetzt — ich möchte sagen — eine geistig-gegenständliche Welt. Nur muss man sich nicht vorstellen, dass diese geistig-gegenständliche Welt irgendwie eine bloße Wiederholung der physischen Welt ist. — Die genaueren Dinge nach dieser Richtung hin werden übermorgen zur Sprache kommen, heute soll nur erwähnt werden, dass die ganze Art und Weise, wie man die geistige Welt nun erfährt, eine andere ist, so zum Beispiel — nun, sehr verehrte Anwesende, indem ich ein Beispiel anführe, muss ich natürlich, da man sich heute noch mit Wahrheiten über die geistige Welt gewissermaßen kompromittiert, muss ich mich noch mehr, als es schon der Fall ist, vor der heute gewohnten Vorstellungsart kompromittieren. Nehmen wir einmal an, wir haben es in Bezug auf das geistige Erleben in diesem Menschen, der sich herausentwickelt hat aus dem anderen Menschen, zu tun mit einer Seele, mit einer Menschenseele, die vor Jahren durch die Pforte des Todes gegangen ist. Da kann es allerdings eintreten, dass man auf die Weise, wie eben der Geist den Geist wahrnehmen kann, diese Seele des Toten auf sich wirksam fühlt. Aber es ist das nicht so, wie sich vielleicht mancher — wie gesagt es, soll dies übermorgen zur Sprache kommen — vorstellen möchte, es ist nicht so, wie wenn man ein verfeinertes materielles Bild sehen würde; es ist nicht so, wie wenn man ein nebulöses Gespenst sehen würde in dem Sinne, wie das triviale abergläubische Hellsehen glaubt —, sondern auf eine ganz andere Weise kommt das Geistige in unser eben erläutertes, aus der Willensströmung herausgeborenes Bewusstsein hinein. Und um die Art und Weise zu charakterisieren, wie das Geistige nun erlebt wird, muss ich etwa das Folgende sagen: Nehmen wir an, wir haben als Menschenseele Gedanken. Die Gedanken leben in uns. Nehmen wir an, der Gedanke könnte sich selber erleben; dann würde der Gedanke sagen: Ich bin in der Menschenseele. Der Gedanke würde nicht so wie wir eine äußere Welt aneinander abbilden, sondern er würde sich in einer Welt wissen, er würde wissen, dass er drinnen ist in einer Welt. Ich könnte auch sagen: Statt dass er anschaut, erlebt er, dass er angeschaut wird, dass er selber erlebt wird. Das erlebt er. So ist nunmehr das Zusammensein mit der geistigen Welt ein viel realeres, als das Zusammensein mit den sinnlichen Dingen, aber auf andere Art. Es kommt herein dasjenige, was in den geistigen Welten lebt, in unser Bewusstsein, sodass das Bewusstsein, das wir erst selber auf die geschilderte Weise in die geistige Welt hineingetragen haben, sich erfasst, nun weiß von anderen Bewusstseinen, die jetzt mit ihm zusammenkommen; miterlebt mit geistigen Wesenheiten weiß sich das Bewusstsein.
[ 27 ] Indem sich vereinigen die zwei Elemente, die ich geschildert habe, werden sie nun zu einem neuen Sinn, zu dem, was Goethe «Geistesauge» und «Geistesohr» nennt, das aber jetzt in Wirklichkeit, in Realität vorhanden ist. Das Denken, das weiterentwickelt worden ist bis zu dem Punkt, der geschildert wurde, vereinigt sich als Tätigkeit mit dem neuen Bewusstsein, und ein vollständig entwickelter Geistesmensch, der jetzt voll außer dem Physischen innerhalb des Menschen ist, den erlebt die Seele in sich selber, mit dem lebt sie sich zusammen, und dieser Geistesmensch ist nun drinnen in der geistigen Welt. Dieser Geistesmensch erhält nun, indem er in der geistigen Welt ist, etwas, was ich schon angedeutet habe, was wie eine höhere Stufe des Erinnerns ist, nicht ein Erinnern, welches dadurch entsteht, dass Gedanken wieder auftreten, sondern dadurch, dass das, was in der geistigen Welt vorhanden ist, vor einen als lebendige Wesenheit hintritt. Jetzt tritt auch als lebendige Wesenheit dasjenige hin, was in der Zeit durchlebt worden ist, die wir durchlebt haben, bevor wir uns mit einem physischen Erdenleibe vereinigt haben, die zwischen unserem letzten Tod und unsrer letzten Geburt — oder sagen wir Empfängnis — verflossen ist. Es treten die Erfahrungen früherer Erdenleben auf. Eine höhere Art von Gedächtnis tritt auf. So paradox es erscheint, es ist dasjenige, was ebenso wahr entwickelt werden kann, wie im Laufe des Lebens andere Fähigkeiten aus der kindlichen Verfassung der Seele heraus erst entwickelt werden, die dann zum physischen Leben tüchtig werden und dereinst wieder sich wahrnehmen als ein geistiges Wesen innerhalb der geistigen Welt drinnen. Er erlebt sich als Geist in der geistigen Welt. Und so wahr, als er hier in der physischen Welt umgeben ist von physischen Wesen, die gleicher Art sind mit seiner physischen Organisation, so wahr ist er in der geistigen Welt nunmehr darinnen als Geistmensch unter Wesenheiten, die geistiger Art sind. Solche geistigen Wesenheiten, welche niemals in das physische Leben hereinkommen, welche ihre Aufgabe in der geistigen Welt haben, solche Wesenheiten, welche wie die Menschenseelen abwechselnd ein geistiges Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, oder ein physisches Leben zwischen Geburt — oder sagen wir — Empfängnis und Tod führen, das alles wird jetzt — ich möchte sagen — eine geistig-gegenständliche Welt. Nur muss man sich nicht vorstellen, dass diese geistig-gegenständliche Welt irgendwie eine bloße Wiederholung der physischen Welt ist. — Die genaueren Dinge nach dieser Richtung hin werden übermorgen zur Sprache kommen, heute soll nur erwähnt werden, dass die ganze Art und Weise, wie man die geistige Welt nun erfährt, eine andere ist, so zum Beispiel — nun, sehr verehrte Anwesende, indem ich ein Beispiel anführe, muss ich natürlich, da man sich heute noch mit Wahrheiten über die geistige Welt gewissermaßen kompromittiert, muss ich mich noch mehr, als es schon der Fall ist, vor der heute gewohnten Vorstellungsart kompromittieren. Nehmen wir einmal an, wir haben es in Bezug auf das geistige Erleben in diesem Menschen, der sich herausentwickelt hat aus dem anderen Menschen, zu tun mit einer Seele, mit einer Menschenseele, die vor Jahren durch die Pforte des Todes gegangen ist. Da kann es allerdings eintreten, dass man auf die Weise, wie eben der Geist den Geist wahrnehmen kann, diese Seele des Toten auf sich wirksam fühlt. Aber es ist das nicht so, wie sich vielleicht mancher — wie gesagt es, soll dies übermorgen zur Sprache kommen — vorstellen möchte, es ist nicht so, wie wenn man ein verfeinertes materielles Bild sehen würde; es ist nicht so, wie wenn man ein nebulöses Gespenst sehen würde in dem Sinne, wie das triviale abergläubische Hellsehen glaubt —, sondern auf eine ganz andere Weise kommt das Geistige in unser eben erläutertes, aus der Willensströmung herausgeborenes Bewusstsein hinein. Und um die Art und Weise zu charakterisieren, wie das Geistige nun erlebt wird, muss ich etwa das Folgende sagen: Nehmen wir an, wir haben als Menschenseele Gedanken. Die Gedanken leben in uns. Nehmen wir an, der Gedanke könnte sich selber erleben; dann würde der Gedanke sagen: Ich bin in der Menschenseele. Der Gedanke würde nicht so wie wir eine äußere Welt aneinander abbilden, sondern er würde sich in einer Welt wissen, er würde wissen, dass er drinnen ist in einer Welt. Ich könnte auch sagen: Statt dass er anschaut, erlebt er, dass er angeschaut wird, dass er selber erlebt wird. Das erlebt er. So ist nunmehr das Zusammensein mit der geistigen Welt ein viel realeres, als das Zusammensein mit den sinnlichen Dingen, aber auf andere Art. Es kommt herein dasjenige, was in den geistigen Welten lebt, in unser Bewusstsein, sodass das Bewusstsein, das wir erst selber auf die geschilderte Weise in die geistige Welt hineingetragen haben, sich erfasst, nun weiß von anderen Bewusstseinen, die jetzt mit ihm zusammenkommen; miterlebt mit geistigen Wesenheiten weiß sich das Bewusstsein.
[ 28 ] Es kann also das auftreten, dass eine Seele, die der unsrigen helfen oder sich neigen will aus der geistigen Welt — eine Menschenseele kann es sein, oder auch eine sonstige Seele, die niemals in einem physischen Leib sich verkörpert —, dass diese von uns erlebt wird als in unserem Bewusstsein lebend. Da merkt man dann, dass wir im gewöhnlichen Erdenleben immer eigentlich in unserem Bewusstsein die geistige Welt also lebend haben. Aber weil wir dieses Bewusstsein nicht haben, so stecken in unserem gewöhnlichen Bewusstsein auch nicht diese geistigen Wesenheiten schon darinnen. Man kann aber fühlen lernen, wenn man etwas geistig zu verrichten hat, wozu namentlich Erfindung nötig ist, dass an dieser Erfindung beteiligt ist, indem sie in unser Bewusstsein hineinfließt, die Tätigkeit der Seele eines lang verstorbenen Menschen. Solche Erfahrungen kann man machen.
[ 28 ] Es kann also das auftreten, dass eine Seele, die der unsrigen helfen oder sich neigen will aus der geistigen Welt — eine Menschenseele kann es sein, oder auch eine sonstige Seele, die niemals in einem physischen Leib sich verkörpert —, dass diese von uns erlebt wird als in unserem Bewusstsein lebend. Da merkt man dann, dass wir im gewöhnlichen Erdenleben immer eigentlich in unserem Bewusstsein die geistige Welt also lebend haben. Aber weil wir dieses Bewusstsein nicht haben, so stecken in unserem gewöhnlichen Bewusstsein auch nicht diese geistigen Wesenheiten schon darinnen. Man kann aber fühlen lernen, wenn man etwas geistig zu verrichten hat, wozu namentlich Erfindung nötig ist, dass an dieser Erfindung beteiligt ist, indem sie in unser Bewusstsein hineinfließt, die Tätigkeit der Seele eines lang verstorbenen Menschen. Solche Erfahrungen kann man machen.
[ 29 ] Es ist ja selbstverständlich — und es geschieht nicht aus Unbescheidenheit —, dass man da persönliche Erlebnisse, persönliche Forschungserlebnisse, sozusagen Erforschtes anzugeben hat. Aber es ist zum Beispiel geschehen, dass eine Seele, die vor Jahren gestorben ist, die eine ganz besondere künstlerische innere Fähigkeit hatte, diese künstlerische innere Fähigkeit durch den Tod hindurch getragen hat und nun half bei gewissen künstlerischen Verrichtungen. Derjenige, der nun geistige Wahrnehmung auf die geschilderte Weise sich erworben hat, der weiß zu unterscheiden, was von ihm selber ist, obwohl es seinem Stolze, seiner Eitelkeit mehr schmeicheln könnte, [das alles nun ausschließlich seiner eigenen Genialität zuzuschreiben]; er weiß, was lebt in ihm, was gerade [Lücke in der Mitschrift] aus der geistigen Welt und ihren Wesenheiten herauskommt.
[ 29 ] Es ist ja selbstverständlich — und es geschieht nicht aus Unbescheidenheit —, dass man da persönliche Erlebnisse, persönliche Forschungserlebnisse, sozusagen Erforschtes anzugeben hat. Aber es ist zum Beispiel geschehen, dass eine Seele, die vor Jahren gestorben ist, die eine ganz besondere künstlerische innere Fähigkeit hatte, diese künstlerische innere Fähigkeit durch den Tod hindurch getragen hat und nun half bei gewissen künstlerischen Verrichtungen. Derjenige, der nun geistige Wahrnehmung auf die geschilderte Weise sich erworben hat, der weiß zu unterscheiden, was von ihm selber ist, obwohl es seinem Stolze, seiner Eitelkeit mehr schmeicheln könnte, [das alles nun ausschließlich seiner eigenen Genialität zuzuschreiben]; er weiß, was lebt in ihm, was gerade [Lücke in der Mitschrift] aus der geistigen Welt und ihren Wesenheiten herauskommt.
[ 30 ] Und wenn jemand dann sagt — wie gesagt übermorgen soll mehr darauf eingegangen werden — wenn jemand sagt, sehr verehrte Anwesende: Ja, das kann alles eine Illusion, das kann alles eine Halluzination sein —, dann soll für heute dem nur erwidert werden, dass es ja auch gewisse philosophische Richtungen gibt, welche sagen: Alles dasjenige, was Du mit Deinen Augen siehst, ist nur eigentlich ein Geschöpf Deiner Augen selber. Man braucht sich nur an Schopenhauers Dichtung zu erinnern: Die Welt sei nur Vorstellung — welche sich so gesteigert hat bei einem Manne, der einmal vor Goethe stand, dass dieser Mann Goethe gegenüber die Überzeugung ausdrückte: «Wenn ich meine Augen nicht geöffnet habe, dann ist die Sonne nicht da!» Ein neuerer Naturforscher, der durchaus nicht abgeneigt ist, auch Grenzgebiete der Naturforschung in seinen Forschungsbereich einzubeziehen, der sagte: Nun ja, aber es habe sich doch herausgestellt, dass der Mann längst tot ist und seine Augen nicht mehr aufmachen kann —, aber die Sonne tummele sich noch immer im Weltenraum herum.
[ 30 ] Und wenn jemand dann sagt — wie gesagt übermorgen soll mehr darauf eingegangen werden — wenn jemand sagt, sehr verehrte Anwesende: Ja, das kann alles eine Illusion, das kann alles eine Halluzination sein —, dann soll für heute dem nur erwidert werden, dass es ja auch gewisse philosophische Richtungen gibt, welche sagen: Alles dasjenige, was Du mit Deinen Augen siehst, ist nur eigentlich ein Geschöpf Deiner Augen selber. Man braucht sich nur an Schopenhauers Dichtung zu erinnern: Die Welt sei nur Vorstellung — welche sich so gesteigert hat bei einem Manne, der einmal vor Goethe stand, dass dieser Mann Goethe gegenüber die Überzeugung ausdrückte: «Wenn ich meine Augen nicht geöffnet habe, dann ist die Sonne nicht da!» Ein neuerer Naturforscher, der durchaus nicht abgeneigt ist, auch Grenzgebiete der Naturforschung in seinen Forschungsbereich einzubeziehen, der sagte: Nun ja, aber es habe sich doch herausgestellt, dass der Mann längst tot ist und seine Augen nicht mehr aufmachen kann —, aber die Sonne tummele sich noch immer im Weltenraum herum.
[ 31 ] Ich weiß selbst, was alles für Einwände gemacht werden können gegen dieses; aber im Wesentlichen ist es doch zutreffend. Gerade aber [Lücke in der Mitschrift] rechtfertigt diese philosophischen Einwände. Der Mensch lernt erfassen, was in der wirklichen Welt Reales und ein bloßes Gedachtes, ein bloß in seiner Seele Erlebtes ist. Wie der Mensch es in Bezug auf die äußere Sinnenwelt nur durch das Leben lernen kann, so kann in Bezug auf das seelisch-geistige Erleben — das sich entwickelt hat, wie geschildert worden ist — [nur] die eigene Seele sich rechtfertigen und, wenn ich diese Ausdrücke gebrauchen darf, wahrgenommene Wesenheiten und Geschehnisse als wirklich erkennen. Wenn man das einmal kann, dann nimmt sich alles, was an Einwänden erhoben werden kann, so aus, wie die Einwände des philosophischen Idealisten — im technischen Sinne ist das gemeint — sich gegen die Realität der äußeren Welt ausnehmen. Auch in der äußeren Welt kann die Realität nur erlebt werden. Es gibt keinen Beweis, der logisch geführt werden könnte; nur im Leben selber lernt man das Wirkliche von dem Erträumten, von dem Halluzinierten zu unterscheiden. Und wie das Seelenleben gesund bleibt und das Halluzinierte von dem Erlebten unterscheiden lernt, davon soll übermorgen gesprochen werden. So lernt man unterscheiden das Erträumte von dem, was wirklich ist. Und so auch in der geistigen Welt.
[ 31 ] Ich weiß selbst, was alles für Einwände gemacht werden können gegen dieses; aber im Wesentlichen ist es doch zutreffend. Gerade aber [Lücke in der Mitschrift] rechtfertigt diese philosophischen Einwände. Der Mensch lernt erfassen, was in der wirklichen Welt Reales und ein bloßes Gedachtes, ein bloß in seiner Seele Erlebtes ist. Wie der Mensch es in Bezug auf die äußere Sinnenwelt nur durch das Leben lernen kann, so kann in Bezug auf das seelisch-geistige Erleben — das sich entwickelt hat, wie geschildert worden ist — [nur] die eigene Seele sich rechtfertigen und, wenn ich diese Ausdrücke gebrauchen darf, wahrgenommene Wesenheiten und Geschehnisse als wirklich erkennen. Wenn man das einmal kann, dann nimmt sich alles, was an Einwänden erhoben werden kann, so aus, wie die Einwände des philosophischen Idealisten — im technischen Sinne ist das gemeint — sich gegen die Realität der äußeren Welt ausnehmen. Auch in der äußeren Welt kann die Realität nur erlebt werden. Es gibt keinen Beweis, der logisch geführt werden könnte; nur im Leben selber lernt man das Wirkliche von dem Erträumten, von dem Halluzinierten zu unterscheiden. Und wie das Seelenleben gesund bleibt und das Halluzinierte von dem Erlebten unterscheiden lernt, davon soll übermorgen gesprochen werden. So lernt man unterscheiden das Erträumte von dem, was wirklich ist. Und so auch in der geistigen Welt.
[ 32 ] So wollte ich diese Betrachtungen heute nur bis zu dem Punkte führen, an dem sich zeigt, wie der Mensch durch eine Erforschung der geistigen Welt zu der Erkenntnis seiner eigenen geistigen Wesenheit kommen kann, die dieser geistigen Welt angehört. Diese besondere Betrachtung der geistigen Welt, die auf einer inneren Entwicklung der Seele beruht, sie konnte erst auftreten in der Periode der neueren Naturwissenschaft, die in Bezug auf die Seelenerziehung der Menschheit gewissermaßen dazu die Vorschule war. Und es ist ganz begreiflich, dass, indem sich die Menschheit eine Zeit lang eingelebt hat gerade in dasjenige, was die Größe der neueren naturwissenschaftlichen Denkweise ausmacht, dass diese Menschheit abgekommen ist davon, auch nur für möglich zu halten, dass die Seele wirklich zu einer Erkenntnis der geistigen Welt kommen kann. Wie jeder Mensch, auch wenn er nicht Geistesforscher ist, die Erkenntnis dieser geistigen Welt in sich aufnehmen und ihren Wahrheitswert einsehen kann, gerade so wie einer, ohne dass er selbst Chemiker ist, die chemischen Erzeugnisse und die chemischen Wahrheiten für das gewöhnliche Leben verwerten kann — davon will ich auch übermorgen sprechen. Und ich will heute nur darauf hinweisen, dass es gerade dem Geistesforscher ganz begreiflich ist, dass diejenigen, die sich in das bloße äußere Naturforschen eingelebt und diejenigen Seelenkräfte kennengelernt haben, welche mitwirken bei diesem äußeren Naturforschen, die nützen gelernt haben diese Seelenkräfte und ihre Entwicklung zur Forschungsmethode, die den Glanz und die Höhe und die von der Geisteswissenschaft voll anerkannten großen Erfolge und Errungenschaften der modernen Naturwissenschaft, die das alles bewirkt haben, [dem Geistesforscher ist es ganz begreiflich], dass die, die diese Seelenkräfte kennengelernt haben, für eine Weile in der Menschheitsentwicklung zu dem Glauben kommen konnten, dass es überhaupt keine Wissenschaft geben kann über die hinaus, die nur durch die Entwicklung der Sinnesanschauung und des an das Gehirn, das heißt an die leibliche Organisation, gebundenen Denkens begründet ist.
[ 32 ] So wollte ich diese Betrachtungen heute nur bis zu dem Punkte führen, an dem sich zeigt, wie der Mensch durch eine Erforschung der geistigen Welt zu der Erkenntnis seiner eigenen geistigen Wesenheit kommen kann, die dieser geistigen Welt angehört. Diese besondere Betrachtung der geistigen Welt, die auf einer inneren Entwicklung der Seele beruht, sie konnte erst auftreten in der Periode der neueren Naturwissenschaft, die in Bezug auf die Seelenerziehung der Menschheit gewissermaßen dazu die Vorschule war. Und es ist ganz begreiflich, dass, indem sich die Menschheit eine Zeit lang eingelebt hat gerade in dasjenige, was die Größe der neueren naturwissenschaftlichen Denkweise ausmacht, dass diese Menschheit abgekommen ist davon, auch nur für möglich zu halten, dass die Seele wirklich zu einer Erkenntnis der geistigen Welt kommen kann. Wie jeder Mensch, auch wenn er nicht Geistesforscher ist, die Erkenntnis dieser geistigen Welt in sich aufnehmen und ihren Wahrheitswert einsehen kann, gerade so wie einer, ohne dass er selbst Chemiker ist, die chemischen Erzeugnisse und die chemischen Wahrheiten für das gewöhnliche Leben verwerten kann — davon will ich auch übermorgen sprechen. Und ich will heute nur darauf hinweisen, dass es gerade dem Geistesforscher ganz begreiflich ist, dass diejenigen, die sich in das bloße äußere Naturforschen eingelebt und diejenigen Seelenkräfte kennengelernt haben, welche mitwirken bei diesem äußeren Naturforschen, die nützen gelernt haben diese Seelenkräfte und ihre Entwicklung zur Forschungsmethode, die den Glanz und die Höhe und die von der Geisteswissenschaft voll anerkannten großen Erfolge und Errungenschaften der modernen Naturwissenschaft, die das alles bewirkt haben, [dem Geistesforscher ist es ganz begreiflich], dass die, die diese Seelenkräfte kennengelernt haben, für eine Weile in der Menschheitsentwicklung zu dem Glauben kommen konnten, dass es überhaupt keine Wissenschaft geben kann über die hinaus, die nur durch die Entwicklung der Sinnesanschauung und des an das Gehirn, das heißt an die leibliche Organisation, gebundenen Denkens begründet ist.
[ 33 ] Dasjenige aber, was wirklich erlebt werden kann, sehr verehrte Anwesende, das bezeugt, dass das Gebiet eines wirklichen Wissens hineinerweitert werden kann in die geistige Welt, dass der Mensch seine geistig-seelische Wesenheit, die durch Geburten und Tode geht, in wiederholten Erdenleben wirklich erforschen kann. Und wenn ein glänzender neuerer Naturwissenschafter des neunzehnten Jahrhunderts wirklich mit Recht betont hat, dass die Anschauung derjenigen Erkenntniskräfte, die gerade in der Naturwissenschaft die Erfolge herbeigeführt haben, nicht aus dem Gebiet der sinnlichen Natur hinausführen können, aber dafür auch nicht in die Gründe des Daseins eintreten können —, wenn dieser glänzende Naturforscher, Du Bois-Reymond, deshalb sein Ignorabimus, deshalb sein «Nichtwissen» ausgesprochen hat, so war cs eben, weil er sich eingewöhnt hat in jene Erkenntniskräfte, die nur die äußere sinnliche Welt voll zu durchschauen, zu durchkraften vermögen. Und er hat es ausgesprochen, dass, wenn man etwas unternehmen wolle, um anderes zu erkennen als die äußere Natur, so beginne, wie er sagt, der «Supranaturalismus», das heißt das Sich-Einleben in die geistige Welt. Nur, sagt er, dass, wo Supranaturalismus anfängt, hört Wissenschaft auf. Er weiß noch nicht — und es ist ganz begründet, dass er es nicht wissen konnte —, dass diejenigen Erkenntniskräfte, die gerade geschärft und erkraftet sind an der Beobachtung der äußeren Natur, nicht führen können in diese geistigen Welten —, dass erst diese Erkenntniskräfte, wie wir sie haben, dass Denken und Wille umgestaltet werden müssen, damit sie sich in anderer Weise entwickeln, als sie in der gewöhnlichen Wissenschaft sind. Dann müssen sie sich beleben, erkraften, in die geistige Welt emporzudringen.
[ 33 ] Dasjenige aber, was wirklich erlebt werden kann, sehr verehrte Anwesende, das bezeugt, dass das Gebiet eines wirklichen Wissens hineinerweitert werden kann in die geistige Welt, dass der Mensch seine geistig-seelische Wesenheit, die durch Geburten und Tode geht, in wiederholten Erdenleben wirklich erforschen kann. Und wenn ein glänzender neuerer Naturwissenschafter des neunzehnten Jahrhunderts wirklich mit Recht betont hat, dass die Anschauung derjenigen Erkenntniskräfte, die gerade in der Naturwissenschaft die Erfolge herbeigeführt haben, nicht aus dem Gebiet der sinnlichen Natur hinausführen können, aber dafür auch nicht in die Gründe des Daseins eintreten können —, wenn dieser glänzende Naturforscher, Du Bois-Reymond, deshalb sein Ignorabimus, deshalb sein «Nichtwissen» ausgesprochen hat, so war cs eben, weil er sich eingewöhnt hat in jene Erkenntniskräfte, die nur die äußere sinnliche Welt voll zu durchschauen, zu durchkraften vermögen. Und er hat es ausgesprochen, dass, wenn man etwas unternehmen wolle, um anderes zu erkennen als die äußere Natur, so beginne, wie er sagt, der «Supranaturalismus», das heißt das Sich-Einleben in die geistige Welt. Nur, sagt er, dass, wo Supranaturalismus anfängt, hört Wissenschaft auf. Er weiß noch nicht — und es ist ganz begründet, dass er es nicht wissen konnte —, dass diejenigen Erkenntniskräfte, die gerade geschärft und erkraftet sind an der Beobachtung der äußeren Natur, nicht führen können in diese geistigen Welten —, dass erst diese Erkenntniskräfte, wie wir sie haben, dass Denken und Wille umgestaltet werden müssen, damit sie sich in anderer Weise entwickeln, als sie in der gewöhnlichen Wissenschaft sind. Dann müssen sie sich beleben, erkraften, in die geistige Welt emporzudringen.
[ 34 ] Und so muss man sagen: Wohl hat es eine einseitige Richtigkeit, das Ignorabimus, dasjenige, was Du BoisReymond sagt — man kann nicht in die geistige Welt eindringen mit denjenigen Erkenntniskräften, die gerade die Naturwissenschaft groß gemacht haben. Man kann aber jene Erkenntniskräfte, genau dieselben Erkenntniskräfte, durch eine innere geistig-seelische Methode so entwickeln, dass man dann durch die also entwickelten Erkenntniskräfte in die geistigen Welten hinaufstreben, hinaufdringen kann — [und zwar] dann, wenn das Wissen nicht bloß das passive Wissen bleibt, das zu der Größe der äußeren Wissenschaft beigetragen hat, wenn das Wissen ein lebendiges wird — in dem Übergehen aus der Statue in die lebendige Logik, in inneres Leben —, wenn sozusagen die Seele selber lebend, lebendige Logik wird, und diese Logik durchwallt und durchlebt werden kann mit dem, was sie in der Strömung des Willens finder. Denn dasjenige, was der Geist ist — sehr verehrte Anwesende, lassen Sie mich mit diesen Worten schließen —, kann nur dadurch erfahren werden, dass das Wissen zum Leben erweckt wird und als LEBENDIGES Wissen in der lebendigen Geisteswelt lebt, dass das Leben selber, das der Mensch sonst gebunden an die sinnlichen und an die physischen Organe führt, dass das Leben selber zum Wissen, zum lebendigen Wissen führt! Dadurch, dass das Wissen das lebendige Wissen wird, dadurch, dass ein neuer Mensch, ein innerer Mensch in dem Menschen entdeckt wird, dadurch lebt sich der Mensch hinauf in diejenige Welt, in der er als Geistwesen unter geistigen Geschehnissen und unter anderen Geisteswesen ist; dadurch lebt er sich hinauf in die Welt, in der sein wahrer Ursprung, seine wahre Aufgabe, sein wahrer Sinn sind. Davon dann übermorgen weiter.
[ 34 ] Und so muss man sagen: Wohl hat es eine einseitige Richtigkeit, das Ignorabimus, dasjenige, was Du BoisReymond sagt — man kann nicht in die geistige Welt eindringen mit denjenigen Erkenntniskräften, die gerade die Naturwissenschaft groß gemacht haben. Man kann aber jene Erkenntniskräfte, genau dieselben Erkenntniskräfte, durch eine innere geistig-seelische Methode so entwickeln, dass man dann durch die also entwickelten Erkenntniskräfte in die geistigen Welten hinaufstreben, hinaufdringen kann — [und zwar] dann, wenn das Wissen nicht bloß das passive Wissen bleibt, das zu der Größe der äußeren Wissenschaft beigetragen hat, wenn das Wissen ein lebendiges wird — in dem Übergehen aus der Statue in die lebendige Logik, in inneres Leben —, wenn sozusagen die Seele selber lebend, lebendige Logik wird, und diese Logik durchwallt und durchlebt werden kann mit dem, was sie in der Strömung des Willens finder. Denn dasjenige, was der Geist ist — sehr verehrte Anwesende, lassen Sie mich mit diesen Worten schließen —, kann nur dadurch erfahren werden, dass das Wissen zum Leben erweckt wird und als LEBENDIGES Wissen in der lebendigen Geisteswelt lebt, dass das Leben selber, das der Mensch sonst gebunden an die sinnlichen und an die physischen Organe führt, dass das Leben selber zum Wissen, zum lebendigen Wissen führt! Dadurch, dass das Wissen das lebendige Wissen wird, dadurch, dass ein neuer Mensch, ein innerer Mensch in dem Menschen entdeckt wird, dadurch lebt sich der Mensch hinauf in diejenige Welt, in der er als Geistwesen unter geistigen Geschehnissen und unter anderen Geisteswesen ist; dadurch lebt er sich hinauf in die Welt, in der sein wahrer Ursprung, seine wahre Aufgabe, sein wahrer Sinn sind. Davon dann übermorgen weiter.
