Ways to a Knowledge of the
Eternal Forces of the Human Soul
GA 70b
12 January 1916, Basel
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Ways to a Knowledge of the Eternal Forces of the Human Soul, tr. SOL
7. Wie kann die Erforschung der übersinnlichen Wesenheit des Menschen bewirkt werden?
7. How Can We Explore the Supernatural Nature of Human Beings?
Sehr verehrte Anwesende!
Ladies and gentlemen!
[ 1 ] In früheren Vorträgen, die ich hier über geisteswissenschaftliche Gegenstände halten durfte, habe ich schon wiederholt angedeutet, dass derjenige, der auf dem Boden dieser Geisteswissenschaft steht, wie sie hier gemeint ist, sich ganz klar darüber ist, dass gegen diese Art, die menschliche Forschung hineinzutragen in die geistigen Welten, selbstverständlich aus den gegenwärtigen Denkgewohnheiten heraus, aus all dem, was man eben gewöhnt ist, heute für Wahrheitsforschung zu halten, viel, viel eingewendet werden kann, und dass es gerade dem Geistesforscher selber ganz begreiflich ist, wenn zunächst dasjenige, was er vorzubringen hat, als Phantastik, Träumerei oder vielleicht Schlimmeres angesehen wird. Dennoch möchte ich heute — da es möglich ist, die Betrachtungen dieses Abends übermorgen fortzusetzen —, dennoch möchte ich heute dasjenige, was ich zu sagen habe, so einrichten, als ob zunächst die ganz. naheliegenden Einwände, die von naturwissenschaftlicher, von religiöser Seite und so weiter gegen Geisteswissenschaft gemacht werden können, ganz unberücksichtigt blieben. Ich möchte das Geisteswissenschaftliche, ich möchte das Wesen der Erforschung der übersinnlichen Welten an diesem Abend so betrachten, dass von allen Einwänden zunächst abgesehen wird, und übermorgen umso mehr auf dasjenige eingegangen wird, was von den verschiedensten Seiten her sich als Einwände, als scheinbare Widerlegungen bezeichnen lässt.
[ 1 ] In earlier lectures I have had the privilege of giving here on topics in the spiritual sciences, I have repeatedly indicated that anyone who stands on the ground of this spiritual science, as it is understood here, is fully aware that, with regard to this method of bringing human research into the spiritual worlds, —naturally arising from current habits of thought, from everything we are accustomed to regarding as the pursuit of truth today—and that it is entirely understandable to the spiritual researcher himself if, at first, what he has to present is regarded as fantasy, daydreaming, or perhaps something worse. Nevertheless, since it is possible to continue this evening’s reflections the day after tomorrow, I would like to structure what I have to say today as if, for the time being, the most obvious objections—those that might be raised against spiritual science from the perspectives of natural science, religion, and so on—were to be completely disregarded. This evening, I would like to consider spiritual science—the essence of the exploration of the supersensible worlds—in such a way that all objections are set aside for the time being, so that the day after tomorrow we may delve all the more deeply into what can be described as objections or apparent refutations from a wide variety of perspectives.
[ 2 ] Im Grunde genommen, sehr verehrte Anwesende, ging alles tiefere Denken und Forschen der Menschen immer darauf hinaus, die Wesenheit des Menschen selber als eine übersinnliche zu erkennen, weil in der Erforschung der Wesenheit des Menschen sich dem Betrachter, sagen wir zum Beispiel dem philosophischen Betrachter, es sich wie eine Selbstverständlichkeit ergibt, dass man mit dem Forschen, an das man gewöhnt ist in der sinnlichen Welt, nicht herankommen könne an das wirkliche Wesen des Menschen; oder wenigstens — wenn man auch glaubt, in all dem, was die Sinne schauen, was der an das Gehirn gebundene Verstand erforschen kann, wenn man auch glaubt, darinnen das Wesen des Menschen zu umfassen, wie es der mehr oder weniger materialistisch geartete Monismus glaubt, so ergibt sich immer —, dass für eine tiefere Denker- oder Forscherbetrachtung dasjenige, was von solchen Seiten über das Wesen des Menschen gesagt werden kann, die tieferen Erkenntnisbedürfnisse unbefriedigt lässt, und dass man immer noch das Gefühl, die Empfindung hat, es müsse von irgendeiner Seite her etwas kommen können, das das Wesen des Menschen außerhalb der sinnlichen Welt zeigt.
[ 2 ] Essentially, ladies and gentlemen, all profound human thought and inquiry has always aimed to recognize the very essence of the human being as a supersensible one, because in the exploration of the human essence it becomes, shall we say, self-evident to the observer—for example, the philosophical observer— it becomes self-evident that the methods of inquiry to which one is accustomed in the sensory world cannot reveal the true nature of the human being; or at least—even if one believes that in all that the senses perceive, in all that the intellect bound to the brain can investigate, even if one believes that one can encompass the essence of the human being within these things, as the more or less materialistic form of monism believes, it always follows—that for a deeper philosophical or scientific examination, what can be said about the nature of the human being from such perspectives leaves deeper needs for knowledge unsatisfied, and that one still has the feeling, the sense, that something must be able to come from some source that reveals the nature of the human being outside the sensory world.
[ 3 ] Ich möchte aufmerksam machen auf einen der allerersten Denker in der Geistesentwicklung der Menschheit, der sich bemüht hat, durch allerangestrengtestes Denken gerade sogar seine Schüler an der Universität, seine Zuhörer unmittelbar im Vortrag selber hinzuweisen darauf, wie man im innerlichen Seelenleben unmittelbar herauskommen kann aus dem, was die Wesenheit des Menschen nicht erkennen lässt, zu dem, worinnen man sie finden kann. Dieser Denker ist Johann Gottlieb Fichte. Und er hat in einer — man möchte sagen — paradoxen Weise vor seinen Zuhörern versucht, die Seele hinzuweisen auf die Art, wie sie sich gleichsam bewegen soll, um aus dem Sinnlichen in das Übersinnliche hineinzufinden. Er sagte zum Beispiel im Beginne von Vorträgen zu seinen Zuhörern: «Versuchen Sie einmal, die Wand zu denken.» — Nun, das war selbstverständlich leicht. Die Zuhörer versuchten, sich in die Seelenverfassung zu versetzen, in der sie die Wand dachten. Nachdem er also seine Zuhörer eine Weile hat die Wand denken lassen, sagte er: «So, nun versuchen Sie denjenigen zu denken, der die Wand gedacht hat.» — Und das wirkte in der unmittelbar überzeugenden Weise, wie Fichte zu sprechen wusste, verblüffend auf die Zuhörer, so verblüffend, dass uns Zeitgenossen, die gerade diese Szene aufgezeichnet haben, schildern, wie verblüfft eigentlich die Zuhörer waren, wie man ihnen ansah, dass sie sich nun anstrengten, den zu denken, der die Wand vorher gedacht hat —, wie da in einer gewissen Weise das Denken erlahmt, wie es sich nicht vermisst bis zu dem Punkt zu kommen, auf den es hingewiesen ist.
[ 3 ] I would like to draw attention to one of the very first thinkers in the spiritual development of humanity, who, through the most strenuous thinking, endeavored to point out—even to his students at the university and his listeners directly during his lectures—how one can, in one’s inner spiritual life, emerge directly from that which obscures the essence of the human being to that in which it can be found. This thinker is Johann Gottlieb Fichte. And in what one might call a paradoxical way, he attempted before his listeners to direct the soul toward the manner in which it should, as it were, move in order to find its way from the sensory into the supersensory. For example, at the beginning of his lectures, he said to his listeners: “Try to think of the wall.” — Well, that was, of course, easy. The listeners tried to put themselves in the state of mind in which they were thinking of the wall. So after he had let his listeners think of the wall for a while, he said: “Now, try to think of the one who thought of the wall.” — And this, delivered in the immediately compelling manner characteristic of Fichte’s oratory, had a stunning effect on the audience, so astonishing that our contemporaries, who recorded this very scene, describe just how astonished the audience actually was, how one could see that they were now straining to imagine the one who had previously imagined the wall—how, in a certain sense, thinking faltered, how it did not dare to go as far as the point to which it was directed.
[ 4 ] Goethe, der die Erkenntnisfragen vor allen Dingen von einem recht menschlichen Standpunkte genommen hat, nämlich von dem Standpunkte des fruchttragenden Lebens, der hat einmal den Ausspruch getan, der — man möchte sagen — seine rechte Beleuchtung gerade dadurch erfährt, dass man in solcher Weise auf Fichtes Forderung hinweist, wie es eben geschehen ist —, Goethe hat den Ausspruch getan, dass er in einer gewissen Weise sich weise verhalten habe dadurch, dass er es vermieden habe, über das Denken zu denken. Er hat ja ganz besonders gespürt — er, der in allem, was er seelisch verrichtet hat, das unmittelbare Leben erspüren wollte —, er hat ja gefühlt, dass mit diesem Versuche, das Denken zu denken, der Mensch zunächst an eine Art von Unmöglichkeit geführt wird, wenn er sich nur an das gewöhnliche Denken hält. Und dennoch, wer zu forschen beginnt über die übersinnlichen Welten, kann sich ja zunächst nur an das Denken halten, denn er merkt sehr bald: Dasjenige, was ihn die Sinne lehren können oder was aus den Sinnes-Erscheinungen kombiniert werden kann, das gibt noch immer Fragen auf, die gewissermaßen den Menschen außerhalb seiner eigentlichen Wesenheit führen. In dem Denken ist er bei sich selbst, und er kann hoffen zunächst, er kann die Erwartung hegen, wenn er so recht mit seiner Seelenkraft hineinkommt in die innere Bewegung des Denkens, dass sich ihm vielleicht da doch etwas ergebe, was zu dem eigentlichen Wesen des Menschen führt.
[ 4 ] Goethe, who approached questions of knowledge above all from a truly human standpoint—namely, from the standpoint of fruitful life—once made a statement that—one might say—is properly illuminated precisely by referring to Fichte’s demand in the manner just described— Goethe said that, in a certain sense, he had acted wisely by avoiding thinking about thinking. He sensed this quite keenly—he, who in everything he undertook spiritually sought to perceive immediate life—he felt that this attempt to think about thinking initially leads a person into a kind of impossibility if he adheres only to ordinary thinking. And yet, anyone who begins to explore the supersensory worlds can initially rely only on thinking, for they soon realize: What the senses can teach them, or what can be deduced from sensory phenomena, still raises questions that, in a sense, lead a person outside their true nature. In thinking, they are at one with themselves, and they can hope at first—they can cherish the expectation—that if they truly enter into the inner movement of thought with the power of their soul, something might emerge there that leads to the true nature of the human being.
[ 5 ] Nun ist es aber gerade eine eigentümliche Erscheinung, sehr verehrte Anwesende, dass, je weiter man im Denken, wie es das gewöhnliche Leben gibt, es bringt, je mehr man sich mit diesem Denken anstrengt, desto intensiver werden die Zweifel, mit diesem Denken irgendwie eine Pforte zu finden hinein in die Welt, in der die eigentliche Wesenheit des Menschen ist. Ja, man kommt wirklich aus dem, was man innerlich an dem Denken erlebt, zuletzt zu der Überzeugung, dass man das Denken eigentlich wirklich — lassen Sie mich den trivialen Vergleich gebrauchen —, dass man das Denken ebenso wenig denken kann, wie man das Wasser waschen kann.
[ 5 ] But it is precisely a peculiar phenomenon, ladies and gentlemen, that the further one takes one’s thinking—as it arises in ordinary life—and the more one strains to think in this way, the more intense the doubts become that this kind of thinking can somehow open a door into the world where the true essence of the human being lies. Indeed, based on what one experiences inwardly through thinking, one ultimately arrives at the conviction that one cannot really—let me use this trivial comparison—think about thinking any more than one can wash water.
[ 6 ] Und dennoch: Die wirklichen Methoden, der wirkliche Weg, hineinzudringen in diejenigen Welten, in denen das Wesen des Menschen erkannt werden kann — oder wie wir später sehen werden —, eigentlich erlebt werden kann, sie führen dennoch über das Denken. Nur führen sie über das Denken so, dass dieses Denken nicht hingenommen wird, wie es sich im Alltagsleben oder in der gewöhnlichen Wissenschaft darbietet, sondern dass es so entwickelt wird, dass es im Grunde genommen durch diese Entwicklung eine ganz andere seelische Kraft wird, als [es] vorher war. Und darauf beruht im Grunde genommen jedes Verständnis für die Erforschung der übersinnlichen Welten, dass man zunächst erleben lernt, wie das Denken durch eine gewisse innere Behandlung etwas ganz anderes in der menschlichen Seele werden kann, als es zunächst im äußeren Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft ist.
[ 6 ] And yet: The true methods, the true path to penetrating those worlds in which the essence of the human being can be recognized—or, as we shall see later, actually experienced—nevertheless lead through thinking. But they lead through thinking in such a way that this thinking is not accepted as it presents itself in everyday life or in conventional science, but is developed in such a way that, through this development, it essentially becomes a completely different spiritual force than it was before. And this is essentially the foundation of any understanding of the exploration of the supersensible worlds: that one first learns to experience how, through a certain inner process, thinking can become something entirely different in the human soul than it initially is in external life and in ordinary science.
[ 7 ] Nun durfte ich schon öfter hier auf das Wesentliche hinweisen, was eintreten muss in der Behandlung des Denkens, damit dieses Denken eine ganz andere seelische Kraft wird, als [es] von vornherein ist; und ich will deshalb heute nicht wiederum auf dasjenige hinweisen, prinzipiell, was das Denken nun vollführen muss, um gewissermaßen aus sich selber herauszukommen und zu einer ganz anderen Seelenkraft zu werden. Ich will nur einiges erwähnen, welches charakterisiert, was man eigentlich erreicht, wenn man das Denken in einer gewissen Weise rein innerlich seelisch behandelt, sodass es zu etwas ganz anderem wird, als es von vornherein ist. Sie können ja die ausführlichen Schilderungen der Methoden, durch welche man das Denken also behandeln kann, finden in meinem Buche: «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», Sie können es finden in dem zweiten Teil meiner «Geheimwissenschaft». Ich will heute nur dasjenige hier hervorheben, dass da gewisse innere Verrichtungen angegeben sind, die das Denken mit sich vornehmen kann, die aber rein seelischer Natur sind — eine gewisse Art Vorstellungen in sein Bewusstsein hereinzunehmen und sich zu ihnen zu verhalten, Vorstellungen, Verbindungen hereinzunehmen und sich zu ihnen zu verhalten und so weiter —, dass die Seele dadurch imstande wird, dass sie das Denken also innerlich durchsetzt mit etwas, was ungewohnt ist dem gewöhnlichen Denken, dass man dadurch innerhalb des Denkens, das will ich zunächst erwähnen, etwas erlebt. Und diese Erlebnisse, zu denen man es da bringt, die sind ein erster Schritt in der Erforschung der übersinnlichen Welten. Dasjenige nämlich, was man gerade dadurch erlebt, dass man das Denken durch Meditation — und eben die Arten der Meditation und Konzentration sind in den genannten Büchern angeführt —, dass man das Denken durch Meditation, durch Konzentration verstärkt, innerlich erkraftet, dadurch kommt man darauf, dass dieses Denken, welches man im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft anwendet, für die Erforschung der übersinnlichen Welten, so wie es ist, eben ungeeignet ist. Vorzugsweise merkt man daran, dass, indem man sich diesem gewöhnlichen Denken hingibt, man in diesem Denken die Kräfte gar nicht zum Bewusstsein bringt, die in die übersinnlichen Welten hineinführen können. Und mehr noch als der bloße materialistische Theoretiker bekommt man durch solche Denkübungen, durch wirkliches inneres Erleben des Denkens die volle Überzeugung, dass zu demjenigen Denken, das man im gewöhnlichen Leben verrichtet, zwischen Geburt — oder sagen wir zwischen der Empfängnis — und Tod verrichtet, dass zu diesem Denken überall notwendig ist das körperliche Werkzeug, die leibliche Organisation. Und weil die leibliche Organisation dazu notwendig ist, weil dieses Denken so verläuft, dass alles das, was es vollbringt, sich des leiblichen Werkzeuges bedient, so kann dieses Denken nicht sich frei machen von dem Drinnenstehen in der sinnlichen Welt, und man kann deshalb durch dieses Denken in keine andere Welt hineinkommen, als diejenige ist, in der man eben die Wesenheit des Menschen nicht finden kann. Und gerade, indem man Ruhe gebietet allem äußeren Wahrnehmen in der Meditation, indem man gewissermaßen die Sinne willkürlich ausschaltet, indem man auch den inneren Affekten, dem inneren Fühlen und Empfinden Stillstand gebietet und sich rein meditativ, innerlich, bestimmten Gedanken hingibt, um alle Seelenkräfte auf diesen Gedanken hin zu konzentrieren und dadurch das Denken zu verstärken, merkt man, dass es die Gebundenheit des Denkens an das physische Werkzeug ist, welches einen verhindert, in die übersinnlichen Welten hineinzukommen. Das erlangt man nämlich gerade durch die Meditation, dass man merkt, dass man genau erkennt, wie man sich des Leibes bedient, um zu denken. Man wird gewissermaßen mehr, als der theoretische Materialist das beweisen kann, durch das Erleben überzeugt davon: Man lebt mit diesem Denken innerhalb der Leibes-, der physischen Organisation. Aber man merkt auch, dass, indem man also innerhalb der leiblichen, physischen Organisation lebt, diese leibliche, diese physische Organisation etwas Bestimmtes möglich macht, was ohne sie nicht möglich wäre, dass sie, diese Leibesorganisation, dem Denken etwas gibt, was das Denken ohne diese Organisation nicht hätte — wenn ich diesen paradoxen Satz zunächst aussprechen darf. Er wird sich durch die weiteren Betrachtungen des Abends schon bewahrheiten. Dasjenige, was man nämlich merkt, ist, dass, indem man denkt, von dem Gedanken [im] gesunden Seelenleben etwas zurückbleiben muss. Jeder Mensch kennt das, was zurückbleiben muss. Es sind die Erinnerungen. Es muss möglich sein, dass sich neben dem Denken etwas ergibt in unserem Seelenleben, was wir mit dem Worte «Gedächtnis» bezeichnen. Derjenige, dem das, was er denkt, sogleich im Moment, in dem er es denkt, entschwinden würde, der würde nicht für unsere äußere physische Welt ein gewöhnlicher Mensch sein. Darauf beruht alles, dass wir Gedanken im Gedächtnis, in der Erinnerung bewahren können. Und nun merkt man gerade durch innere methodische Behandlung des Denkens in der angedeuteten Richtung, dass man die körperliche Organisation dazu notwendig hat, dass von dem Denken die Erinnerungen übrig bleiben. Und damit merkt man auch, dass man in einer gewissen Weise loslösen kann das Denken von der physischen Organisation. Man kann nur dasjenige Denken nicht loslösen, welches Erinnerung eben wird.
[ 7 ] I have often had the opportunity here to point out the essential elements that must occur in the treatment of thinking so that this thinking becomes a completely different spiritual force than it is from the outset; and so today I do not wish to revisit, in principle, what thinking must accomplish in order, so to speak, to emerge from itself and become a completely different spiritual force. I simply want to mention a few things that characterize what one actually achieves when one treats thinking in a certain way—purely and inwardly, in a spiritual sense—so that it becomes something entirely different from what it is to begin with. You can, of course, find detailed descriptions of the methods by which one can treat thinking in this way in my book, *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*, You can find it in the second part of my *Secret Science*. Today I want to emphasize only that certain inner processes are described there which thinking can undertake, but which are of a purely soul-related nature—a certain way of taking ideas into one’s consciousness and relating to them, ideas, connections—and relating to them, and so on—so that the soul thereby becomes capable, by infusing thought inwardly with something unfamiliar to ordinary thinking, of experiencing something within the very process of thinking; this is what I wish to mention first. And these experiences one arrives at are a first step in the exploration of the supersensible worlds. For what one experiences precisely through strengthening and invigorating one’s thinking inwardly through meditation—and the specific methods of meditation and concentration are described in the books mentioned—by strengthening and invigorating one’s thinking through meditation and concentration, one comes to realize that this thinking—which one employs in ordinary life and in ordinary science—is, as it stands, simply unsuitable for the exploration of the supersensible worlds. One notices this particularly in that, by devoting oneself to this ordinary thinking, one does not at all bring to consciousness within this thinking the forces that can lead into the supersensible worlds. And even more so than the mere materialistic theorist, through such thinking exercises—through a genuine inner experience of thinking—one gains the full conviction that the thinking one engages in during ordinary life, between birth—or let us say between conception—and death, necessarily requires the physical instrument, the physical organism. And because the physical organization is necessary for this, because this thinking proceeds in such a way that everything it accomplishes makes use of the physical instrument, this thinking cannot free itself from being immersed in the sensory world; and therefore, through this thinking, one cannot enter any world other than the one in which the very essence of the human being cannot be found. And precisely by bringing all external perception to rest in meditation—by, so to speak, arbitrarily shutting off the senses; by also bringing the inner emotions, feelings, and sensations to a standstill; and by devoting oneself purely meditatively, inwardly, to specific thoughts in order to concentrate all the powers of the soul upon these thoughts and thereby strengthen thinking— one realizes that it is the binding of thought to the physical instrument that prevents one from entering the supersensible worlds. For it is precisely through meditation that one comes to realize—that one clearly recognizes—how one makes use of the body in order to think. One becomes convinced of this through experience, to a greater extent than the theoretical materialist can prove: One lives with this thinking within the bodily, physical organization. But one also realizes that, by living within the bodily, physical organization, this bodily, physical organization makes something specific possible that would not be possible without it—that it, this bodily organization, gives thinking something that thinking would not have without this organization—if I may first utter this paradoxical statement. This will be confirmed by the further reflections of the evening. For what one notices is that, as one thinks, something of the thought must remain behind in a healthy soul life. Every person knows what must remain behind. These are the memories. It must be possible for something to arise in our soul life alongside thinking that we designate by the word “memory.” Anyone for whom what they think would vanish immediately at the very moment they think it would not be an ordinary human being in our external physical world. Everything rests on the fact that we can preserve thoughts in memory. And now, precisely through an inner, methodical examination of thought in the direction indicated, one realizes that the physical organization is necessary for memories to remain from thought. And with that, one also realizes that, in a certain way, one can detach thought from the physical organization. One cannot, however, detach the very thought that becomes memory.
[ 8 ] Das, was ich eben gesagt habe, das führt den Geistesforscher auf einen ganz bestimmten Weg. Es führt ihn dazu, zu erkennen, dass das Gedächtnis, so wie wir es als Menschen zunächst haben, eine Kraft ist, die nur für die physisch-sinnliche Welt eine Bedeutung hat, und dass dieses Gedächtnis zunächst gewissermaßen losgelöst werden müsse von der Denktätigkeit, von der eigentlichen Verrichtung des Denkens. Ich möchte sagen: Wie der Chemiker zu den Geheimnissen der stofflichen Natur dadurch kommt, dass er die Stoffe im Laboratorium voneinander trennt, so muss nun auch der Geistesforscher vorgehen mit den einzelnen Seelenverrichtungen. Nur dass seine Analyse, seine geistesforscherische Analyse, in rein inneren Seelenvorgängen besteht, und die Synthese, die Wiederzusammenfügung des Getrennten dann erst recht. So stellt sich heraus die Notwendigkeit, dasjenige im Denken, was zu dem gewöhnlichen Gedächtnis, zu der gewöhnlichen Erinnerung führt, loszulösen von der eigentlichen Denktätigkeit. Wie kann man das aber? Diese Frage entsteht nun: Wie kann man gewissermaßen so, wie man gewisse Substanzen physiologisch so behandelt, dass man Stoffe, die in ihnen aufgelöst sind, durch gewisse Vorgänge aus ihnen herausfallen lässt, sodass die auflösende Substanz zurückbleibt — wie kann man aus dem Denken dasjenige herausbringen, welches zum Gedächtnis führt, zur Erinnerung führt, sodass einem etwas bleibt? Das geschieht dadurch, sehr verehrte Anwesende, dass man immer wieder und wiederum in treuer Wiederholung durch lange Zeiten hindurch, wenn auch nur ganz kurze Zeiten während des Tages, dazu verwendet, eben innerhalb von Gedanken oder Bildern, oder was es ist, zu verweilen, und dass man den eigentlichen Wert darauf legt, in der Seele jetzt nicht darauf zu achten, dass einem das im Gedächtnis bleibe, sondern darauf den Wert legt, in der Seele darauf zu achten, was man tut, indem man also in der Denktätigkeit aufgeht. Da merkt man, dass in dieser Denktätigkeit etwas lebt, was man eigentlich zwar immer drinnen hat im alltäglichen Leben und im gewöhnlichen wissenschaftlichen Forschen, was aber unbewusst bleibt, was nicht ins Bewusstsein hereindringt. Ich kann mich verständlich machen über das, was damit eigentlich gemeint ist, wenn ich Folgendes sage: Nehmen wir an, wir verrichten eine äußere Hantierung, die mit unserem Geschäft, unserem Beruf zusammenhängt. Dadurch bringen wir hervor dies oder jenes immer wieder und wiederum. Der Mensch muss ja schon einmal einen Beruf wählen, der ihn sozusagen täglich an dieselbe Beschäftigung führt. Da ist die Hauptsache zunächst für das äußere Leben selbstverständlich, dass dasjenige hervorgebracht werde, was durch unsere Hantierung hervorgebracht werden kann. Das Ergebnis, das ist die Hauptsache. Aber neben dem geht sehr häufig etwas anderes einher, und wir können sehr wohl, auch wenn es sich auf äußere Hantierung bezieht, es im äußeren Leben als etwas Wichtiges und Wesentliches betrachten. Indem wir jeden Tag dieselbe Berufstätigkeit ausüben, werden wir immer geschickter und geschickter; unsere Hände, unsere sonstigen Vornahmen werden immer mehr und mehr — ich möchte sagen — in uns lebendig, sodass wir nicht nur das Ergebnis hervorbringen, sondern dass sich in uns auch eine Steigerung der Tätigkeit vollzieht. Man achtet vielleicht oftmals nicht mit Aufmerksamkeit auf diese Steigerung der Tätigkeit. Aber man kann sie beobachten.
[ 8 ] What I have just said leads the researcher of the spirit down a very specific path. It leads him to recognize that memory, as we humans initially possess it, is a force that has significance only for the physical-sensory world, and that this memory must first be detached, so to speak, from the activity of thinking, from the actual act of thinking. I would like to say: Just as the chemist uncovers the secrets of material nature by separating substances from one another in the laboratory, so too must the spiritual researcher proceed with the individual processes of the soul. Except that his analysis—his spiritual-scientific analysis—consists of purely inner soul processes, and the synthesis—the reuniting of what has been separated—all the more so. Thus the necessity arises to separate from the actual act of thinking that aspect of thinking which leads to ordinary memory, to ordinary recollection. But how can this be done? The question now arises: How can one—in a sense, just as certain substances are treated physiologically so that substances dissolved within them are precipitated out through certain processes, leaving the dissolving substance behind—how can one extract from thinking that which leads to memory, to recollection, so that something remains? This is achieved, my dear friends, by repeatedly and consistently, through faithful repetition over long periods of time—even if only for very brief moments during the day— devote time to lingering within thoughts or images—or whatever they may be—and that one places the true value not on ensuring that this remains in one’s memory, but rather on paying attention within the soul to what one is doing, thus becoming absorbed in the act of thinking. Then one notices that something is alive within this act of thinking—something that one actually always carries within oneself in everyday life and in ordinary scientific research, but which remains unconscious, which does not penetrate into consciousness. I can make myself understood regarding what is actually meant by this if I say the following: Let’s assume we are performing an external task related to our business or our profession. Through this, we produce this or that over and over again. After all, a person must choose a profession that leads them, so to speak, to the same occupation day after day. For external life, the main thing is, of course, that what can be produced through our actions is actually produced. The result—that is the main thing. But very often something else goes hand in hand with this, and we can very well—even if it relates to external actions—regard it in external life as something important and essential. By carrying out the same professional activity every day, we become more and more skilled; our hands and our other actions become—I would say—more and more alive within us, so that we not only produce the result but also experience an intensification of the activity within ourselves. One may often fail to pay close attention to this intensification of the activity. But it can be observed.
[ 9 ] Dasjenige, was ich hier angeführt habe für das äußere Leben, wo es natürlich eine ganz andere Bedeutung hat, das muss nun der Geistesforscher übertragen auf das innere Erleben des Denkens, und zwar desjenigen Denkens, das er gerade in der Meditation ausführt, wenn er sozusagen ganz sich hineinversetzt, mit Vergessen der ganzen Umgebung und der eigentlichen Erlebnisse, die er sonst durchgemacht hat, wenn er sich da hineinverserzt in das, was man eben Meditation oder Kontemplation nennen kann. Und da wird er finden, wenn er die einzelnen Meditationen nicht übertreibt — ich werde auch später davon noch reden —, wird er finden, wenn er immer wieder und wiederum neu und intensiv solch innere Gedankenentwicklung treibt, dass er beobachten lernt, jetzt nicht die Gedanken, sondern die Tätigkeit des Denkens. An der Steigerung merkt er, dass da eine Tätigkeit des Denkens vorliegt. Und indem er gewissermaßen in seiner eigenen Tätigkeit des Denkens sich erlebt, sich erfasst, indem er diese Tätigkeit des Denkens erkraftet, um sie so zu verspüren, dass sie ihm, während sie sonst im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft unbewusst bleibt, dass sie ihm nun ins Bewusstsein hereintritt, da bekommt er allmählich dasjenige in seine Seele herein, was er nun von der Gedächtnisarbeit des Denkens loslösen kann. Denn die Fortsetzung solcher Übungen, wie sie beschrieben worden sind, die ergeben ein ganz bestimmtes Resultat. Sie ergeben das, dass der Mensch sich nach und nach hineinlebt in den Momenten, die er selber hervorrufen kann, dass der Mensch sich nach und nach hineinlebt so in eine neue Tätigkeit, die das Denken jetzt verrichtet, dass für diese neue Tätigkeit in der Tat das Gedächtnis wegfällt und nur ein Erleben in der Denktätigkeit da ist. Man könnte das so bezeichnen, dass der Mensch es erlebt, indem er sein Denken in der angedeuteten Weise entwickelt, dass der Mensch es erlebt, dass die Gedanken ihm entschwinden, und er lebt und webt in der Denktätigkeit, im innerlichen Tun zunächst. Das Eigentümliche ist: Hat man einmal diesen Punkt erfasst, wo man also im innerlichen Tun lebt, dann merkt man: Für diese Art der inneren Seelentätigkeit ist zunächst das nicht da, was im gewöhnlichen Leben das Gedächtnis ist. Es ist etwas anderes da. Und ich möchte durch einen Vergleich hinweisen darauf, wie da eigentlich das ganze innere Seelenleben aus dem Denken heraus jetzt geändert worden ist.
[ 9 ] What I have described here in relation to external life—where it naturally has an entirely different meaning—the spiritual researcher must now apply to the inner experience of thinking, specifically the kind of thinking he engages in during meditation, when he immerses himself completely, so to speak, forgetting his entire surroundings and the actual experiences he has otherwise gone through, when he immerses himself in what we might call meditation or contemplation. And there he will find—provided he does not overdo the individual meditations—I will speak more about this later—he will find, as he repeatedly and anew engages in such inner thought development with intensity, that he learns to observe, not the thoughts themselves, but the activity of thinking. As this process intensifies, he realizes that an activity of thinking is taking place. And by, so to speak, experiencing himself within his own activity of thinking, by grasping it, by strengthening this activity of thinking so as to perceive it—in such a way that, whereas it otherwise remains unconscious in ordinary life and in ordinary science, it now enters his consciousness— he gradually takes into his soul that which he can now detach from the memory work of thinking. For the continuation of such exercises, as they have been described, yields a very specific result. They result in the person gradually immersing themselves in the moments they can evoke themselves, in the person gradually immersing themselves in a new activity that thinking now performs, such that for this new activity, memory indeed ceases to play a role and there is only an experience within the activity of thinking. One could describe it this way: by developing their thinking in the manner indicated, a person experiences that their thoughts slip away, and they live and weave within the activity of thinking—initially within inner activity. What is peculiar is this: Once one has grasped this point—where one thus lives in inner activity—one realizes that for this kind of inner soul activity, what in ordinary life is memory is initially absent. Something else is present. And I would like to use a comparison to point out how the entire inner life of the soul has now actually been transformed through thinking.
[ 10 ] Aus der Biografie des Dichters Grillparzer ist ein gewisses Erlebnis dieses Dichters bekannt. Ich will dieses Erlebnis nicht deshalb etwa anführen, weil Grillparzer gerade seiner Erkenntnisfähigkeit nach auf dem Standpunkte gestanden hat, der hier vertreten wird, sondern weil — ich möchte sagen — ein Anhub in dem, was Grillparzer erlebte, vorhanden war zu dem, was — ich möchte sagen — künstlich herbeigeführt werden muss, um die Erforschung der übersinnlichen Wesenheit des Menschen zu bewirken. Grillparzer hatte die ganze Konzeption seines «Goldenen Vlieses» gefasst. Er hatte ausgedacht den Plan, ausgedacht die einzelnen Ereignisse, wie sie zusammenhängen — kurz, er hatte in Gedanken, im Vorstellungsleben, sein Drama «Das goldene Vlies» erfasst. Das Merkwürdige stellte sich heraus, dass er es so, wie er es erfasst hatte, in einer späteren Zeit vergessen hat. Er konnte sich absolut nicht mehr erinnern. Und siehe da, als er einmal eines Tages Klavier spielend dieselben Klavierstücke spielte, die er in der Zeit gespielt hat, in der er den Gedanken des Goldenen Vlieses gefasst hatte, da stellte sich die Erinnerung wieder ein; da war das Ganze wiederum vor seiner Seele. Wie war das gekommen? Nun, das weist uns darauf hin, dass durch die innere Tätigkeit, die jetzt bei dem neuerlichen Spielen dieselbe war wie früher, dass durch diese innerliche Tätigkeit er wiederum dahin geführt worden ist, gleichsam innerlich den ganzen Gedankeninhalt anzuschauen. Wie gesagt, das ist auf dem Weg zu dem, was hier eigentlich betrachtet werden soll —, aber es ist eben auf dem Weg. Es muss dieser Weg nur entsprechend weiter geschritten werden.
[ 10 ] A certain experience of the poet Grillparzer is known from his biography. I do not wish to cite this experience because Grillparzer, in terms of his capacity for insight, held the view expressed here, but rather because—I would say—there was a spark in what Grillparzer experienced that points toward what—I would say—must be artificially brought about in order to bring about the exploration of the supersensory essence of the human being. Grillparzer had conceived the entire framework of his *Golden Fleece*. He had devised the plot, conceived the individual events and how they interrelate—in short, he had grasped his drama *The Golden Fleece* in thought, in his imagination. What was remarkable was that he later forgot it exactly as he had grasped it. He could not remember it at all. And lo and behold, one day while playing the piano—the very same pieces he had played during the time when he had conceived the idea of *The Golden Fleece*—the memory returned; the whole thing stood before his soul once more. How did that happen? Well, this indicates to us that through the inner activity—which, while playing again, was the same as before—through this inner activity, he was once more led to, as it were, contemplate the entire content of the thought inwardly. As I said, this is on the path toward what is actually to be considered here—but it is indeed on the path. One need only continue along this path accordingly.
[ 11 ] Denn das ist das Eigentümliche, zu dem der Meditant, der Geistesforscher, kommt, dass er gleichsam in sich ersterben findet — aber natürlich nur für die Zeiten, in denen er in der Geistesforschung drinnen ist —, ersterben fühlt das gewöhnliche Gedächtnis und dass immer wieder auftreten kann — jetzt nicht gedächtnismäßig, sondern durch andere Verrichtungen —, auftreten kann die Tätigkeit, in die er sich einmal hineingelebt hat. Diese Tätigkeit tritt immer wieder auf. Und siehe da, wenn man sich eine Zeit lang daran gewöhnt hat — also die Denktätigkeit von den Gedanken, die bleiben können als Erinnerung, zu trennen —, dann merkt man, dass überhaupt die ganze Stimmung des Seelenlebens eine andere geworden ist unter dem Einflusse dieser Übungen. Man merkt allerdings etwas, wenn man an einen bestimmten Punkt in dieser Seelenübungs-Entwicklung gekommen ist, man merkt allerdings etwas, was auf die Seele in einer gewissen Weise bestürzend wirken kann: Man merkt, dass man Erlebnisse haben kann, welche eben nicht Erinnerungen zurücklassen, und weil sie nicht Erinnerungen zurücklassen, [sondern] wie wallende und webende Vorgänge des Erlebens sind, gewissermaßen reale Träume, aber solche Träume, welche eine große Herrschaft über unser inneres Seelenleben ausüben. Und so merkt man das sehr bald in — ich möchte sagen — leer gewordenem Bewusstsein, das jetzt keine Erinnerungen aufbewahren kann von dem, was es unmittelbar denkt, dass da eintritt, jetzt nicht durch dieselbe Denktätigkeit des Erinnerns, durch das Anstrengen, Gedanken heraufzubringen, sondern wie von außen herandringen, gerade so, wie Sinnesgegenstände von außen herandringen, so von außen herandringen zunächst die eigenen Erlebnisse. Man bekommt einen Eindruck mehr oder weniger von seinem Erdenleben bis zurück zu dem Augenblicke, bis zu dem man sich gewöhnlich erinnert. Die Gedanken erscheinen wie Realitäten. Die Gedanken erscheinen wie etwas Lebendiges. Wie lebendige Wesen kommen sie an einen heran; nicht so, wie sie in der Erinnerung auftreten, sondern wie lebendige Wesen kommen sie an einen heran.
[ 11 ] For this is the peculiar experience that the meditator, the spiritual researcher, comes to: that he finds himself, as it were, dying within—but of course only during the times when he is engaged in spiritual research— the ordinary memory dies away, and that—not in terms of memory, but through other activities—the activity into which they once immersed themselves can arise again and again. This activity recurs again and again. And lo and behold, once one has become accustomed to this for a while—that is, to separating the activity of thinking from the thoughts that can remain as memories—one notices that the entire mood of one’s soul life has changed under the influence of these exercises. One does, however, notice something when one has reached a certain point in this development of spiritual exercises; one does indeed notice something that can have a somewhat unsettling effect on the soul: One realizes that one can have experiences that simply do not leave behind memories, and because they do not leave behind memories, [but] are like surging and weaving processes of experience—real dreams, so to speak—but dreams that exert a great dominion over our inner spiritual life. And so one notices this very soon in—I would say—a consciousness that has become empty, which can no longer retain memories of what it immediately perceives to be taking place, not through the same mental activity of remembering, through the effort to bring thoughts to mind, but as if they were pressing in from the outside, just as sensory objects press in from the outside; thus, one’s own experiences initially press in from the outside. One gains a more or less complete impression of one’s earthly life, stretching back to the moment one usually remembers. The thoughts appear as realities. The thoughts appear as something alive. They approach one like living beings; not as they appear in memory, but as living beings they approach one.
[ 12 ] Überhaupt, das Denken nimmt unter dem Einflusse der gemachten Übungen einen ganz anderen Charakter an. Es wird wirklich zu einer ganz anderen Seelenkraft. Und ich möchte durch einen Vergleich wiederum darauf hinweisen, wie überraschend diese Veränderung der Denktätigkeit wirken kann. Wenn man sich vorstellt, man habe eine Bildsäule, eine Statue, ein Skulpturwerk vor sich; das ist geformt. Man denke sich, es könnte der Moment eintreten, in dem diese Bildsäule, dieses Skulpturwerk anfinge, zu gehen, zu leben. Dann würde man zunächst etwas finden, was gegen die Gesetze der äußeren Natur verstößt. Das kann selbstverständlich nicht geschehen. Ich wollte das nur als Vergleich anführen, weil im Seelenleben etwas eintritt, das sich wohl damit vergleichen lässt. Bei den Gedanken, die man sonst im gewöhnlichen Leben hat, und die zu Erinnerungen führen, hat man ja vorzugsweise den Eindruck, im eigenen inneren Erleben den Eindruck, dass diese Gedanken passive Bilder sein müssen, die das Äußere abbilden, dass sie gewissermaßen innerlich nicht leben. Und würden sie ein eigenes Leben führen, so würde sich das Seelenleben durch das innere Leben, durch das Eigenleben der Gedanken, in Phantasie, in Träumen, wenn nicht in Schlimmerem, wenn nicht in Halluziniertem ausleben. Im gewöhnlichen Seelenleben haben die Gedanken wirklich etwas, was sich vergleichen lässt mit den Formen, die eine Bildsäule hat. Es soll selbstverständlich gar nichts gegen das Wertvolle der Skulptur eingewendet werden. Das wäre selbstverständlich töricht. Aber mit der toten Statue kann in gewisser Weise das verglichen werden, was als Logik des Denkens in der gewöhnlichen Tätigkeit des Denkens abläuft, wo wir uns nicht bewusst werden der eigentlichen Tätigkeit im Denken, desjenigen, was die Gedanken verbindet, was sie zueinander bringt, was sie wieder trennt. Während die Statue nicht in Tätigkeit, in Leben übergehen kann, kann aber die innere Logik, das innere Weben und Leben der Gedanken nun ins Bewusstsein übergehen, kann innerlich lebendig werden; es kann gleichsam aus der Statue «Logik» eine innere lebendige logische Wesenheit werden, die man jetzt so fühlt, als lebte man sich in eine ganz andere Welt hinein. Von diesem Augenblicke an weiß man: Es hat sich dasjenige, was man zuerst von der Erinnerung losgeschält, losgelöst hat, die Denktätigkeit, selber losgelöst von dem Angewiesensein auf die körperlichen Organe. — Wie gesagt, ich werde alles das, was mögliche Einwände sind, vonseiten der Naturwissenschaft, übermorgen besprechen. — Dasjenige aber, was der Geistesforscher an diesem wichtigen Punkt seiner Entwicklung der Seelenkräfte erlebt, das ist, dass er jetzt weiß: Du hast die Denktätigkeit losgerissen aus dem Physisch-Körperlichen; Du bist mit Deiner Seele, insofern die Seele sich in Gedanken bewegt, herausgetreten aus Deiner physischen Organisation; Du stehst jetzt nicht mehr in Deinem Leibe drinnen.
[ 12 ] In general, thinking takes on a completely different character under the influence of the exercises we have done. It truly becomes an entirely different spiritual power. And I would like to use a comparison to point out once again how surprising this change in the activity of thinking can seem. Imagine you have a statue, a sculpture, a work of art before you; it is shaped. Imagine that a moment might come when this statue, this work of art, began to walk, to live. Then you would initially perceive something that violates the laws of external nature. Of course, that cannot happen. I wanted to offer this merely as a comparison, because something occurs in the life of the soul that can indeed be compared to it. With the thoughts one usually has in everyday life—and which lead to memories—one tends to have the impression, in one’s own inner experience, that these thoughts must be passive images reflecting the external world, that they do not, so to speak, live internally. And if they were to lead a life of their own, then the life of the soul would play itself out through the inner life—through the independent life of the thoughts—in fantasy, in dreams, if not in something worse, if not in hallucinations. In ordinary soul life, thoughts truly have something that can be compared to the forms of a statue. Of course, this is not meant to detract in any way from the value of sculpture. That would, of course, be foolish. But the dead statue can, in a certain sense, be compared to what unfolds as the logic of thought in the ordinary activity of thinking—where we are not aware of the actual activity of thinking itself, of that which connects thoughts, brings them together, and then separates them again. While the statue cannot transition into activity or life, the inner logic—the inner weaving and life of thoughts—can now enter into consciousness and become inwardly alive; “logic,” as it were, can emerge from the statue as an inner, living logical entity, which one now experiences as if one were immersing oneself in an entirely different world. From this moment on, one knows: that which one first peeled away from memory—the activity of thought—has itself become detached from its dependence on the physical organs. — As I said, I will discuss all possible objections from the perspective of natural science the day after tomorrow. — But what the spiritual researcher experiences at this crucial point in his development of the soul’s powers is that he now knows: You have torn the thought process away from the physical body; you have stepped out of your physical organization with your soul, insofar as the soul moves in thought; you are no longer inside your body.
[ 13 ] So paradox, so sonderbar dies erscheint: Es ist eine Realität. Es ist die Möglichkeit vorhanden — aber nur durch inneres Erleben —, dieses Sich-los-Trennen dessen, was geistig-seelisch in uns ist, von dem PhysischLeiblichen zu konstatieren. Dasjenige, was da der Geistesforscher erlebt, das ist zu verschiedensten Zeiten mit einem Worte bezeichnet worden, das auch hier in früheren Vorträgen schon erwähnt wurde, das aber immer wieder erwähnt werden darf, weil es etwas darstellt, was unendlich erschütternd auf die Seele wirkt, wenn sie an dem Punkt angekommen ist, von dem ich eben gesprochen habe. Denn allerdings, die Entwicklung, die der Geistesforscher durchmacht, sehr verehrte Anwesende, sie ist so, dass die einzelnen Etappen verbunden sind mit inneren Erschütterungen, mit inneren Überwindungen, von denen wir schon auch einiges kennenlernen müssen. Das hat keinen objektiven Wert. Aber wenn man von den Wegen und Methoden spricht, durch die man die übersinnliche Wesenheit des Menschen erforscht, so muss auch dies erwähnt werden. Nun muss aber gesagt werden: In einer solchen Art, wie ich es gezeigt habe, kann eigentlich die Geistesforschung erst entstehen in unserer Zeit. All dasjenige, was in der fortlaufenden Menschheitskultur entsteht, muss ja zu einer bestimmten Zeit auftreten. Wie die neuere naturwissenschaftliche Denkweise vor drei bis vier Jahrhunderten heraufgekommen ist, wie sie durch äußere Verhältnisse möglich geworden ist, durch innere Entwicklungsverhältnisse der ganzen Menschheit möglich geworden ist, so ist vor unserer Zeit eine solche Behandlung der inneren Seelenkräfte nicht möglich gewesen, wie es jetzt geschildert worden ist. Da musste erst eine jahrhundertelange naturwissenschaftliche Schulung der Menschheit vorausgehen, damit das Denken überhaupt die Kraft bekommt innerhalb der Menschheitsentwicklung, um so etwas mit sich vornehmen zu können. Allein in früheren Jahrhunderten und Jahrtausenden gab es immer Menschen, die auf anderen Seelenwegen und aus anderen Entwicklungskräften der Seele heraus auch in die geistigen Welten eingedrungen sind, auf Entwicklungswegen, die nur der heutigen fortgeschrittenen Menschheit nicht mehr angemessen sind. Diese Wege müssen geändert werden, so, wie die Art, die Natur anzuschauen, auch geändert worden ist im Laufe der Entwicklung. Aber auf ihre Art sind Geistesbetrachter der verschiedensten Jahrtausende auch an den Punkt gekommen, der hier gemeint ist, wo sie erfasst wurden von einem in der Welt Lebendigen, das gewissermaßen lebendig webende Gedankenkraft ist, objektive Gedankenkraft, die durch die Dinge hindurch wallt und webt. Sie sind darauf gekommen, und sie haben den Punkt in Bezug auf das, was die Seele Erschütterndes erleben kann, wenn sie an diesen Punkt kommt, so bezeichnet, dass sie gesagt haben: Da kommt die Seele an die Pforte des Todes. Und in der Tat, man weiß von diesem Kommen an die Pforte des Todes etwas, was eben dadurch, dass es einem innerlich vor die Seele tritt, erschütternd wirkt; man weiß: Indem man die Tätigkeit des Denkens so weit getrieben hat, dass sich diese Tätigkeit in der angedeuteten Weise umgewandelt hat, gelangt man hinein in ein solches Lebendigwerden des Denkens. Allein man steht vor einer inneren — nicht vor einer physischen — Gefahr. Nicht vor einer Gefahr, ich werde das übermorgen besprechen, die mit der [Lücke in der Mitschrift] etwas zu tun hat, selbstverständlich, aber man steht vor einer Gefahr.
[ 13 ] As paradoxical and strange as this may seem, it is a reality. The possibility exists—but only through inner experience—to observe this separation of what is spiritual and soulful within us from the physical body. What the spiritual researcher experiences there has been described at various times with a single word, one that has already been mentioned here in earlier lectures, but which may be mentioned again and again because it represents something that has an infinitely profound effect on the soul when it has reached the point I have just spoken of. For indeed, the development that the spiritual researcher undergoes, dear friends, is such that the individual stages are connected with inner upheavals and inner struggles, some of which we must also come to know. This has no objective value. But when speaking of the paths and methods through which one explores the supersensible nature of the human being, this, too, must be mentioned. Now, however, it must be said: It is only in the manner I have described that spiritual research can actually emerge in our time. Everything that arises in the ongoing development of human culture must, after all, occur at a specific time. Just as the modern scientific way of thinking emerged three to four centuries ago—made possible by external circumstances and by the inner developmental conditions of humanity as a whole—so too was it not possible in earlier times to approach the inner soul forces in the manner now described. It first required centuries of scientific training for humanity to precede this, so that thinking might acquire the strength within human development to undertake such a task at all. Yet in earlier centuries and millennia, there were always people who, following different spiritual paths and drawing on different developmental forces of the soul, also penetrated into the spiritual worlds—along paths of development that are no longer appropriate for today’s advanced humanity. These paths must be altered, just as the way of viewing nature has also been altered in the course of development. But in their own way, spiritual observers from the most diverse millennia have also reached the point referred to here, where they were seized by a force living within the world—a force that is, so to speak, a living, weaving power of thought, an objective power of thought that surges and weaves through all things. They have arrived at this insight, and they have described this point—in relation to what the soul can experience as deeply unsettling when it reaches it—by saying: Here the soul arrives at the gate of death. And indeed, one knows something about this arrival at the gate of death that has a shattering effect precisely because it presents itself inwardly before the soul; one knows: by having driven the activity of thinking so far that this activity has been transformed in the manner indicated, one enters into such a coming to life of thinking. Yet one faces an inner—not a physical—danger. Not a danger—I will discuss this the day after tomorrow—that has something to do with the [gap in the transcript], of course, but one faces a danger.
[ 14 ] Man steht vor der Gefahr, rein innerlich seelisch nicht hereintragen zu können in die Welt, die man jetzt erlebt, dasjenige, was sonst das gewöhnliche alltägliche Selbstbewusstsein ist. Man steht vor der Gefahr, in eine Welt hineinzutreten, der gegenüber man ohnmächtig ist, seelisch, rein seelisch ohnmächtig ist, sein Selbstbewusstsein hineinzutragen, in der man sich gewissermaßen zunächst zu verlieren scheint, sodass man eigentlich dahin kommt, bis an die Pforte einer Welt zu treten, aber indem man davortritt, ist es, wie wenn man sich selbst zurücklassen müsste. Dieses Sich-Verlieren, dieses Sich-nicht-mehr-Haben, das ist zunächst ein erschütterndes Erlebnis. Und dieses Erlebnis, voll durchgemacht, wirklich innerlich erlebt, sodass man es in der Seele hat, das lässt einen etwas anderes jetzt erleben, das lässt einen das erleben, dass man weiß: Ja, dieses Selbstbewusstsein, das Du da hast, dieses Selbstbewusstsein, das einmal in diesem Leben aufgetreten ist, an dem Zeitpunkt, bis zu dem man sich sonst zurückerinnert, wo man angefangen hat, sich als ein Ich zu bezeichnen —, dieses Selbstbewusstsein ist im eminentesten Sinne, mehr noch als die anderen Seelenkräfte, gebunden an die physische Leibesorganisation. Und indem man jetzt herausgekommen ist aus der physischen Leibesorganisation, steht man vor der Gefahr, nicht mehr zu sich selber «Ich» sagen zu können, sich selber zu verlieren. Man lernt erkennen, was einem entrissen wird, wenn man durch die Pforte des Todes geht, wenn das Geistig-Seelische sich lostrennt in Wirklichkeit durch den Tod vom Physisch-Leiblichen. Man kommt wirklich dahin — ich möchte sagen —, lebendig theoretisch zu erleben, was der Tod im geistig-seelischen Sinne ist, objektiv ist.
[ 14 ] One faces the danger of being unable, on a purely inner, psychological level, to bring into the world one is now experiencing that which is otherwise one’s ordinary, everyday self-awareness. One faces the danger of entering a world in the face of which one is powerless—spiritually, purely spiritually powerless—to bring one’s sense of self into it; a world in which one seems, in a sense, to lose oneself at first, so that one actually ends up standing at the threshold of a world, but as one steps forward, it is as if one had to leave oneself behind. This losing of oneself, this no longer having oneself—that is, at first, a shattering experience. And this experience, fully lived through, truly experienced inwardly so that it is embedded in one’s soul, allows one to experience something else now; it allows one to experience the realization that: Yes, this sense of self that you have there, this sense of self that arose once in this life—at the point up to which you otherwise recall having begun to refer to yourself as an “I”—this sense of self is, in the most eminent sense, even more so than the other soul forces, bound to the physical body. And now that one has emerged from the physical body, one faces the danger of no longer being able to say “I” to oneself, of losing oneself. One comes to recognize what is snatched away when one passes through the gate of death, when the spiritual-soul aspect is in reality separated from the physical-bodily aspect through death. One truly comes to—I would say—experience in a living, theoretical way what death is in the spiritual-soul sense, objectively.
[ 15 ] Das ist das erschütternde Erlebnis. Und deshalb bezeichneten diejenigen, die etwas davon wussten, dieses Erlebnis als das Heranrücken an die Pforte des Todes. Aber man muss den Weg, der geschildert worden ist, zu diesem bedeutsamen Erlebnis hin, man muss ihn durchmachen. Nur wenn befolgt werden, sehr verehrte Anwesende, diejenigen Übungen, die gerade geschildert werden in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und im zweiten Teile meiner «Geheimwissenschaft», wenn man diese Übungen in der Seele durchmacht, dann entwickelt man daraus die Art und Weise, wie diese Übungen aus den Seelenerfahrungen heraus geformt sind. Man entwickelt neben diesem Wege, der eben geschildert worden ist, einen anderen, der gewissermaßen damit parallel geht, und der einen davor bewahrt, wenn man nun — es kann ja der Ausdruck gebraucht werden — an die Pforte des Todes mit seinem Bewusstsein herangetreten ist, der verhindert, dass man sich wirklich da selbst verliert. Also etwas anderes hat noch der Geistesforscher, der Meditierende, durchzumachen, damit er sich nicht verliere an dem betreffenden Punkt, sondern hineintragen kann sich selber in die Welt, die er also jetzt betreten hat. Wie man, um zu dem geschilderten Punkte zu kommen, eine Entwicklung des Denkens nötig hatte, eine Abtrennung des Denkens, der Denkkraft, der Denktätigkeit von dem, was im Denken zur Erinnerung führt, so hat man zu dem anderen Wege nötig eine ganz bestimmte, wiederum durch innere Seelenübungen zu erreichende Entwicklung der Willenstätigkeit, des Willens.
[ 15 ] This is the shattering experience. And that is why those who knew anything about it described this experience as drawing near to the gates of death. But one must follow the path that has been described leading to this significant experience; one must go through it. Only when—dear friends—the exercises described in my book *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds* and in the second part of my *Esoteric Science* are followed, and when one undergoes these exercises in the soul, does one develop an understanding of how these exercises are shaped by soul experiences. Alongside this path, which has just been described, one develops another that runs, so to speak, parallel to it, and which protects one—when one has, so to speak, approached the threshold of death with one’s consciousness—from truly losing oneself there. So the spiritual researcher, the meditator, has something else to go through as well, so that he does not lose himself at that particular point, but can carry himself into the world he has now entered. Just as, in order to reach the point described, a development of thinking was necessary—a separation of thinking, of the power of thought, and of the activity of thought from that which leads to memory in thinking—so, for the other path, a very specific development of the activity of the will, of the will itself, is necessary, which in turn is to be attained through inner spiritual exercises.
[ 16 ] Und da muss gesagt werden, dass diese Entwicklung des Willens darauf beruht, dass man nun wiederum von dem Willen, den man im gewöhnlichen Leben angewendet hat, etwas abtrennt, was mit ihm im gewöhnlichen Leben verbunden ist, gleichsam — wenn ich diesen chemischen Vergleich gebrauchen darf — etwas herausfällt, herausschält aus der gewöhnlichen Willenstätigkeit. In unserer gewöhnlichen Willenstätigkeit, gerade wenn man in wissenschaftlicher Weise diese Willenstätigkeit betrachtet, dann weiß man, dass man den Willen im gewöhnlichen Leben nirgends, nirgends, selbst bei der idealsten Tätigkeit, dass man den Willen im gewöhnlichen Leben und durch das gewöhnliche Bewusstsein nie anders erlebt als dadurch, dass er erfüllt ist mit inneren Emotionen, mit Affekten, mit dem, was Motive des Willens sind. Die müssen drinnen sein, sonst würde im gewöhnlichen Leben der Wille nicht wirken.
[ 16 ] And it must be said that this development of the will is based on the fact that one now, in turn, separates something from the will that one has exercised in ordinary life—something that is connected to it in ordinary life—as it were—if I may use this chemical analogy—something that falls out, is peeled away from ordinary volitional activity. In our ordinary volitional activity—especially when one examines this activity scientifically—one knows that nowhere in ordinary life, nowhere—not even in the most ideal activity—that in everyday life and through ordinary consciousness, the will is never experienced in any other way than as being filled with inner emotions, with affections, with what constitute the motives of the will. These must be present; otherwise, the will would not function in everyday life.
[ 17 ] Nun muss der Geistesforscher, damit er den anderen, mit dem ersten parallel gehenden Weg absolvieren kann, er muss solche Übungen machen, durch die er in die Lage kommt, den Willen abzutrennen, [durch die er in die Lage kommt, das Erleben zu haben], den Willen abzutrennen von alledem, was verbunden sein muss deswegen, weil Motive im Willen leben müssen, die aus unserem Leiblichen, aus unserem gewöhnlichen Seelenleben und so weiter herauskommen, abzutrennen den Willen von alldem, was gerade das Wesentliche und Wertvolle dieses Willens für das gewöhnliche Leben ausmacht. Selbstverständlich nicht für das gewöhnliche Leben darf diese Abtrennung geschehen — sonst würde der Mensch ein für das gewöhnliche Leben unbrauchbarer Mensch sein, vielleicht noch etwas Schlimmeres —, sondern nur für die Augenblicke, für die Zeiten, in denen eben der Mensch die geistigen Welten erforschen will, muss er sich die Möglichkeiten schaffen, einen solchen Willen zu erleben, der von dem gewöhnlichen Willen frei wird. Und da gibt es wiederum Übungen, die nun angewendet werden auf den Willen, sodass der Wille sich loslöst. Sie finden wiederum in den genannten Büchern dies beschrieben.
[ 17 ] Now, in order for the spiritual researcher to be able to follow the other path—which runs parallel to the first—he must perform exercises that enable him to separate the will, [which enables him to have the experience] of separating the will from everything that must be connected to it—because motives must live in the will that arise from our physical being, from our ordinary soul life, and so on—to separate the will from everything that constitutes the very essence and value of this will for ordinary life. Of course, this separation must not take place for ordinary life—otherwise a person would be useless for ordinary life, or perhaps even worse—but only for those moments, for those times when a person wishes to explore the spiritual worlds; then they must create the conditions to experience a will that is free from the ordinary will. And here, too, there are exercises that are applied to the will so that the will can detach itself. You will find these described in the books mentioned.
[ 18 ] Vor allen Dingen zielen diese Übungen — während die Denkübungen darauf hinzielen, das Denken zu erkraften, sich zu versetzen in erlebte Gedanken, die man in den Mittelpunkt des Bewusstseins rückt —, zielen diese Willensübungen darauf hin, dass man immer mehr und mehr Willkür darüber bekommt, die gewöhnliche Willenstätigkeit auszuschalten, Ruhe, innere Seelenruhe zu gebieten dem ganzen inneren Seelenleben. Das gewöhnliche Seelenleben durchziehen die Überbleibsel der Motive des Willens, die Sorgen, alle anderen Empfindungen, kurz dasjenige, was als lebendige Kraft aus dem gewöhnlichen Seelenleben in dem Gemüte wallt. Die Übungen gehen dahin, dies alles willkürlich unterdrücken zu lernen. Und da kommt dann der Geistesforscher dahin, etwas herbeiführen zu können, was sonst im gewöhnlichen Leben nur unwillkürlich herbeigeführt werden kann.
[ 18 ] Above all, while the exercises of thought aim to strengthen the faculty of thinking—to immerse oneself in experienced thoughts that are brought to the center of consciousness—these exercises of the will aim to give one ever greater control over the ability to suspend ordinary volitional activity, and to bring calm and inner peace to one’s entire inner life. Ordinary inner life is permeated by the remnants of volitional motives, worries, and all other feelings—in short, by whatever surges as a living force from ordinary inner life into the mind. The exercises are designed to teach one to suppress all of this at will. And this is where the spiritual researcher is able to bring about something that, in ordinary life, can otherwise only be brought about involuntarily.
[ 19 ] Um das zu beschreiben, muss ich auf etwas hinweisen, was zyklisch gleichsam im gewöhnlichen Leben immer vorkommt, auf dasjenige, was man im vierundzwanzigstündigen Leben, wenn man einigermaßen ein regelmäßiges Menschenleben führt, immer erlebt, nämlich auf den Wechsel von Wachen und Schlafen. Wir brauchen heute nicht weiter auf dasjenige einzugehen, was im Menschen geschieht, indem der Übergang sich in ihm vollzieht vom Wachen zum Schlafen. Aber das weiß ja jeder schon aus der trivialen, aus der gewöhnlichen Lebensbeobachtung, dass zunächst die Sinnestätigkeit unwillkürlich hinunterschwindet — in einer gewissen Reihenfolge, die beschrieben werden könnte, die Beschreibung hat hier keinen besonderen Wert —, dass dann auch dasjenige, was zuletzt noch bleibt, das innere Sich-Erfühlen, das innere Sich-Durchleben, dass das auch hinunterschwindet. Und dann bleibt der Mensch in einem Zustande, den man ja im eminentesten Sinne als unbewusst zu bezeichnen hat.
[ 19 ] To describe this, I must point out something that occurs cyclically, as it were, in everyday life—namely, what one always experiences in the course of a twenty-four-hour day, provided one leads a reasonably regular human life: the alternation between waking and sleeping. We need not go into further detail today about what happens within a person as the transition from wakefulness to sleep takes place. But everyone already knows from trivial, everyday observation of life that, first of all, sensory activity involuntarily subsides—in a certain sequence that could be described, though the description has no particular value here—and that then even what remains last—the inner sense of self, the inner experience of one’s own being—also subsides. And then the person remains in a state that, in the most eminent sense, must be described as unconscious.
[ 20 ] Nun kommt der Geistesforscher darauf, dass der Mensch dann, wenn er schlafend in diesem unbewussten Zustande ist, trotzdem in seiner seelischen Wesenheit drinnensteckt. Und er kommt dadurch darauf, dass er lernt, durch eine bestimmte Entwicklung des Willens nun einen Zustand herbeizuführen, der auf der einen Seite dem Schlafzustande ähnlich und doch wiederum so radikal von ihm verschieden ist, dass man sagen kann: Er ist der entgegengesetzte Zustand des Schlafens. Die Willensentwicklung geht darauf hin, wirklich zuletzt alle Sinnestätigkeit auszuschalten, dasselbe mit der Sinnestätigkeit herbeizuführen, das sonst im tiefen bewusstlosen Schlaf erreicht ist; ebenso das herbeizuführen mit aller Denktätigkeit, mit aller Fühlenstätigkeit, mit allem, was in den Willensmotiven lebt, das ganze sinnliche und gewöhnliche Seelenleben durch Willkür zu unterdrücken. Und dann merkt man — wenn man sich die Kräfte angeeignet hat, um dies erreichen zu können, dass man wirklich so Stillstand des physischen, organischen Lebens herbeizuführen in der Lage ist, wie es sonst unwillkürlich im Schlafe geschieht —, dass man nun nicht unbewusst zu bleiben braucht, dass man nicht wirklich in Schlaf hineinkommt, sondern dass man in einem bewussten Zustande diesen Übertritt erlebt. Die Kraft, die einen dazu führt, die organische Tätigkeit zu unterdrücken, diese Kraft führt einen zu gleicher Zeit nun dazu, nun auf einem anderen Wege das geistig-seelische Bewusstsein herauszuheben aus dem Leibe, jetzt als Willenstätigkeit herauszuheben, sodass man wirklich nun nicht bewusstseinslos wie im Schlafe außerhalb seines Leibes ist — ich brauche diese Ausführungen heute nicht zu erklären, weil nichts davon abhängt —, sondern dass man bewusst im Schlafe steht und weiß: Du bist jetzt nicht mehr in dem, was in dir lebt. Aber das Bewusstsein ist nicht geschwunden. Das Bewusstsein ist intakt vorhanden samt dem Selbstbewusstsein, samt der Möglichkeit, Dich als ein Ich zu wissen.
[ 20 ] The spiritual researcher then comes to the conclusion that when a person is asleep in this unconscious state, their soul is nevertheless still present. And through this, he comes to realize that by developing his will in a certain way, he can now bring about a state that, on the one hand, is similar to the state of sleep and yet, on the other hand, is so radically different from it that one can say: It is the opposite state of sleep. The development of the will aims to ultimately shut down all sensory activity—to bring about with sensory activity the same state that is otherwise achieved in deep, unconscious sleep; likewise, to bring about, through all thought activity, all feeling activity, and everything that lives in the motives of the will, the suppression of the entire sensory and ordinary life of the soul through volition. And then one realizes—once one has acquired the powers to achieve this, that one is truly capable of bringing about such a standstill of physical, organic life as otherwise occurs involuntarily during sleep—that one need not remain unconscious, that one does not actually fall asleep, but rather experiences this transition in a conscious state. The power that leads one to suppress organic activity—this same power now leads one, by a different path, to lift the spiritual-soul consciousness out of the body, to lift it out as an act of the will, so that one is truly no longer unconscious outside one’s body as in sleep—I need not explain these remarks today, because nothing depends on them—but rather that one stands consciously in sleep and knows: You are no longer in what lives within you. But consciousness has not vanished. Consciousness remains intact, along with self-awareness and the ability to recognize yourself as an “I.”
[ 21 ] Deshalb ist der Zustand radikal verschieden von dem Schlafzustand, weil man im Schlafe eben bewusstseinslos ist, jetzt aber gerade vollständig bewusst so aus seinem Leibe heraustritt, dass man diesen Leib überblickt, vor sich hat, wie man sonst einen Tisch oder äußeren Gegenstand vor sich hat. Bewusst kommt man auf diese Weise aus dem Leiblichen und weiß, dass man heraußen ist, weil man das Leibliche jetzt so beobachtet wie ein Außenobjekt, wie man sonst äußere Gegenstände beobachten kann.
[ 21 ] That is why this state is radically different from the state of sleep, because in sleep one is, in fact, unconscious, whereas now one steps out of one’s body with full consciousness in such a way that one surveys this body, seeing it before oneself just as one would otherwise see a table or an external object. In this way, one consciously emerges from the physical body and knows that one is outside it, because one now observes the physical body as an external object, just as one would otherwise observe external objects.
[ 22 ] Dies erscheint selbstverständlich demjenigen, der von solchen Dingen noch keine Mitteilungen erhalten hat oder kein Verständnis sich erwerben kann, als etwas ganz Paradoxes und Träumerisches. Dennoch: Es ist ein realer Vorgang, viel realer als ein Vorgang, den die Seele sonst hervorrufen kann, und durch den die Seele jetzt dazu gelangt, das Sich-Erleben im Wollen, im Willen bis zum vollständigen Bewusstsein zu bringen.
[ 22 ] To someone who has not yet received any information about such things or is unable to grasp them, this naturally seems like something entirely paradoxical and fanciful. Nevertheless, it is a real process—much more real than any process the soul can otherwise bring about—and through it the soul now succeeds in bringing the experience of the self in volition, in the act of willing, to full consciousness.
[ 23 ] Aber nun erlebt man etwas, sehr verehrte Anwesende, welches, wenn man es schildert, zunächst selbstverständlich so hingenommen werden muss, wie wenn man eigentlich sich bloß bildlich ausdrücken wollte, wie wenn man eigentlich einen bloßen Gedanken, etwas Sinnbildliches, vielleicht sogar etwas Allegorisches bloß meint. Aber das ist nicht der Fall, sondern man erlebt etwas ganz innerlich Reales. Das erlebt man, dass man in diesem also von der gewöhnlichen Seelentätigkeit losgelösten Willen, der aber jetzt bewusst ist —, dass man in diesem Willen etwas erlebt, was immer in einem ist, aber nicht so ist wie etwas Ruhendes, nicht so ist wie etwas Substanzielles, sondern wie ein geistig-seelisches Bewusstseinsleben: Einen zweiten Menschen erlebt man in sich, der immer in jedem Menschen ist, der aber nur durch das gewöhnliche Bewusstsein nicht zutage gefördert werden kann. Gewiss, wenn man sonst im gewöhnlichen Leben sagt, der Mensch trage einen zweiten Menschen in sich, dann meint man sehr häufig irgendetwas Bildliches, irgendetwas Erdichtetes. Das ist hier nicht gemeint, sondern hier ist wirklich das gemeint, dass der Mensch darauf kommt: Du trägst in Dir einen zweiten Menschen, einen zweiten Menschen, der wirklich Bewusstsein hat, und der Dir bei allem, was Du sonst im gewöhnlichen Leben an Willenstätigkeit verrichtest, zuschaut. Man ist nie allein. In den Tiefen unseres Wesens ist ein wahres Wesen, das sich entwickelt, und das ein Zuschauer von uns ist, ein Wesen, das in fortwährender Tätigkeit ist, und das man, wenn man solche Übungen, wie sie geschildert worden sind, fortsetzt, immer genauer kennenlernt. Ja, man lernt es zunächst so kennen, dass man, bevor man gewissermaßen so recht Bekanntschaft mit ihm machen kann, wiederum ein erschütterndes inneres Seelenerlebnis zu überwinden hat. Das andere Seelenerlebnis, das die Geistesforscher das Gelangen an die Pforte des Todes genannt haben und nennen, habe ich geschildert. Jetzt aber gelangt man an ein Seelenerlebnis, welches man bezeichnen kann dadurch, dass man sagt: Man erlebt in einer umfassenden Weise geistig-seelisch — und geistig-seelisch ist das ja alles gemeint —, man erlebt in einer umfassenden Weise geistig-seelisch jetzt erst, was eigentlich in der Welt, durchwallend und durchwebend diese Welt, an Schmerzen, an Leid wesenhaft vorhanden ist. Gewissermaßen die Grundlagen des durch die Welt webenden und lebenden Leides und Schmerzes erlebt man. Man lernt jetzt erst erkennen, was seelisch Schmerz und Leid ist. Und das muss man. Denn in dem Erfahren dieses Schmerzes, in dem Erleben dieses Schmerzes entwickelt man erst die Fähigkeit, dieses innerlich bewusste Wesen, das da in einem sitzt, unmittelbar innerlich geistig-seelisch zu ergreifen, zu erfassen, zu erleben. Man kann sagen: Derjenige, der ein offenes Herz, einen offenen Sinn hat für dasjenige, was ihn in der Welt umgibt, der wird das, was ihn in der Welt umgibt, empfinden in vieler Beziehung als ein Schönes, als ein Erhabenes, als Weltenblüte. Derjenige, der das durchmacht, was geschildert worden ist, der weiß, dass sich wie aus einem Mutterboden des durch die Welt wallenden und webenden Schmerzes heraus erhebt die Blüte aller Schönheit, aller Erhabenheit, aller Herrlichkeit in der Welt.
[ 23 ] But now, ladies and gentlemen, one experiences something which, when described, must at first be accepted as a matter of course—as if one were merely trying to express oneself figuratively, as if one were referring to a mere thought, something symbolic, perhaps even something allegorical. But that is not the case; rather, one experiences something that is entirely real within oneself. One experiences that in this will—which is thus detached from ordinary mental activity but is now conscious—one experiences something that is always within oneself, yet is not like something at rest, not like something substantial, but rather like a spiritual-psychic life of consciousness: One experiences a second human being within oneself, one who is always present in every human being but who cannot be brought to light through ordinary consciousness alone. Certainly, when people say in ordinary life that a human being carries a second human being within them, they very often mean something figurative, something imaginary. That is not what is meant here; rather, what is truly meant is that a person comes to realize: You carry within you a second self—a second self that truly possesses consciousness and that observes you in everything you otherwise do in ordinary life through your willful activity. One is never alone. In the depths of our being there is a true being that is developing and that observes us—a being that is in constant activity—and whom, if one continues with exercises such as those described, one comes to know more and more precisely. Indeed, one first comes to know it in such a way that, before one can really become acquainted with it, so to speak, one must once again overcome a shattering inner soul experience. I have described the other soul experience that spiritual researchers have called—and continue to call—“reaching the threshold of death.” Now, however, one arrives at a soul experience that can be described by saying: One experiences in a comprehensive way, spiritually and soulfully—and indeed, all of this is meant to be spiritual and soulful—one experiences in a comprehensive way, spiritually and soulfully, only now what is actually present in the world, surging through and interwoven with this world, in terms of pain and suffering. In a sense, one experiences the foundations of the suffering and pain that weave through and animate the world. Only now does one learn to recognize what pain and suffering are in the soul. And one must do so. For it is only through experiencing this pain, through living through this pain, that one develops the ability to grasp, comprehend, and experience—directly and inwardly, in a spiritual-soulful way—this inwardly conscious being that dwells within one. One might say: The person who has an open heart and an open mind toward what surrounds them in the world will perceive what surrounds them in the world, in many respects, as something beautiful, as something sublime, as the blossoming of the world. Anyone who goes through what has been described knows that, as if from the fertile soil of the pain that surges and weaves through the world, the blossom of all beauty, all sublimity, and all glory in the world rises up.
[ 24 ] Gewiss, sehr verehrte Anwesende, es könnten Menschen kommen, die in ihrer Menschenweisheit sagen: Ja, so etwas könnte einen ja verzweifeln lassen an der weisheitlichen Führung der Welt, an der Weisheit Gottes sogar; denn warum hat Gott das so nicht eingerichtet, dass das Schöne, das Herrliche, das Erhabene ohne die Grundlage des Schmerzes erscheint? Solche Menschen machen eben Einwände aus Menschenweisheit heraus, ohne die eisernen Notwendigkeiten des Daseins in ihren Tiefen erfühlen und erleben zu können. Derjenige, der fragt: «Warum ist das Erhabene, das Schöne, die Blüte nicht da in der Welt ohne die Grundlage des Schmerzes?», der steht ungefähr auf dem Standpunkt eines Menschen, der von dem Mathematiker verlangt, er solle ihm ein ebenes Dreieck aufzeichnen, dessen Winkelsumme nicht 180 Grad ist. Es gibt eben Notwendigkeiten. Diese Notwendigkeiten widersprechen durchaus nicht der weisheitsvollen Führung der Welt. Wie die Blüte der Pflanze aus der Wurzel sich entwickeln muss, so muss sich aus dem, was man jetzt auf dem Grunde der Seele als Leid erlebt, das man miterleben muss, alles dasjenige entwickeln, was in der Welt erhaben und schön ist. Das gerade führt zu einer tieferen Lebens- und Weltauffassung; das gerade zeigt uns, in welchem Lebensgrundelement Schönheit, Erhabenheit, Weisheit wurzeln, und dass diese gar nicht da sein könnten, dass die Kraft gar nicht da sein könnte, sie zu erleben, wenn nicht die Kraft erworben würde dadurch, dass sie selber, diese Kraft, aus dem Leid herauswächst.
[ 24 ] Certainly, esteemed audience, there may be people who, in their human wisdom, say: Yes, something like that could indeed cause one to despair of the wise guidance of the world, even of the wisdom of God; for why has God not arranged things so that the beautiful, the magnificent, and the sublime appear without the foundation of pain? Such people raise objections based on human wisdom, without being able to feel and experience the iron necessities of existence in their depths. The one who asks, “Why isn’t the sublime, the beautiful, the blossom present in the world without the foundation of pain?” stands roughly on the same ground as a person who demands that a mathematician draw him an equilateral triangle whose sum of angles is not 180 degrees. There are, in fact, necessities. These necessities in no way contradict the wise guidance of the world. Just as the flower of a plant must develop from the root, so too must everything that is sublime and beautiful in the world develop from what is now experienced as suffering at the very depths of the soul—a suffering one must endure. It is precisely this that leads to a deeper understanding of life and the world; it is precisely this that shows us in which fundamental element of life beauty, sublimity, and wisdom are rooted, and that these could not exist at all—that the power to experience them could not exist at all—if the power were not acquired through the fact that this power itself grows out of suffering.
[ 25 ] Nun entsteht aber die Frage: Warum erleben wir gerade das Leid in dem Augenblicke, wo wir diesen inneren Beobachter, dieses innere bewusste Seelenwesen innerlich durchleben? Warum gerade dann? Es beginnt damit — und ich möchte diese Dinge, trotzdem ich dadurch vielleicht schwieriger verständlich werde, genau schildern —, es beginnt dies damit, dass man, indem man nach der Entwicklung des Willens wirklich das innerlich wie webend und lebend in der neu entwickelten Willenstätigkeit erlebt, was da innerlich Zuschauer ist. Indem man es zunächst erfährt, so erlebt man es so, wie wenn es widersprechen würde allem, was man sonst im Seelenleben, in diesem Leben, seitdem man denken kann, erlebt hat. Derjenige, der es so erlebt, der hat in einem ungeheuer gesteigerten Maße das Gefühl, das man etwa haben kann, wenn man irgendeine sorgfältige Denkarbeit verrichtet hat und dann einer kommt, der einem diese Denkarbeit gründlich widerlegt, sie als etwas hinstellt, was so nicht bestehen kann. Ich möchte sagen: Wie das Erleben in einer lebendigen Widerlegung, so erfühlt man das, was da aus der Tiefe des Willens heraustritt. Ein sehr merkwürdiges, sehr sonderbares Erlebnis zunächst! Gerade das, dass sich etwas hereinstellt in das Seelenleben, das so beginnt, wie [der] Schmerz einer Widerlegung des eigenen Seelenlebens, gerade das, was so beginnt, was so erlebt wird, das steigert sich, wird allmählich so, dass man wirklich das erlebt, was man nennen kann: Man fühlt sich darinnen in dem Schmerzensstrom, der auf dem Mutterboden des Daseins dahinzieht. Dann aber ist es gerade dieses Erlebnis des Leides, das einem — ich möchte sagen — immer konkreter und konkreter, immer wesenhafter und wesenhafter dasjenige macht, was da aus dem Willen heraussprießt. Und dann erlebt man, was da eigentlich ist, was da aus dem Willen herauskommt. Man lernt allmählich verstehen, warum es so in Schmerzensform auftritt, denn man lernt verstehen: Du erlebst jetzt eigentlich dasjenige, was Du sonst während Deines alltäglichen Lebens an Denken und Wollen nicht erleben kannst; was dem zugrunde liegt, was im Grunde genommen sich Dein ganzes Leben hindurch in den Tiefen der Seele entwickelt hat, was Du jetzt erfasst hast in dem Stadium, da Du begonnen hast, Geistesforscher zu werden —, Du erlebst dasjenige, was sonst verborgen im Seelenleben ist, was geblieben ist, wenn alles dasjenige im Seelenleben abfällt, was an das Werkzeug des äußeren Leibes gebunden ist. Man erlebt dasjenige, was durch die Pforte des Todes geht, was, wenn wir sterben, in eine rein geistige Welt hineingeht, und weil das, was nun in eine rein geistige Welt hineingeht, zunächst geeignet ist, in einer geistigen Umgebung zu leben, was nicht angepasst ist dem Leben, das wir entwickelt haben, was jetzt in diesem Leben drinnensteht, ohne ihm angepasst zu werden. Deshalb tritt es zunächst leidvoll, in der Form des Leides und Schmerzes auf. Es ist etwas, was sich entwickelt, sodass es für eine andere Art des Erlebens bestimmt ist. Und jetzt weiß man, wie in der Seele das vorhanden ist, was durch die Pforte des Todes hindurchgeht, wenn unser Leib zerfällt, was der Seele wirklich als ein Unsterbliches innewohnt. Man erlebt es jetzt, aber durch inneres Erleben, so, wie die Pflanze fühlen würde, wenn sie erleben könnte, wie sie in ihrem Wachstum nach und nach die Kräfte vorbereitet, welche dann in der Blüte zu dem Keim führen, der wieder, nachdem er durch ein anderes Leben, durch den Boden der Erde oder dergleichen gegangen ist, zu einer Pflanze derselben Art sich entwickeln kann. Man erfühlt einen Lebenskeim, einen neuen Lebenskeim in sich. Und so wahr der Keim der Pflanze aus den Kräften der Pflanze heraus sich entwickelt und neue Pflanze werden kann, so wahr erlebt man es jetzt, dass dieser Lebenskeim, den man zunächst eingebettet in Schmerz erleben kann, dass der durch eine geistige Welt geht und wiederum zu einem neuen Menschenleben, zu einem wiederholten Erdenleben werden kann. Nur das erlebt man, dass, während der Pflanzenkeim durch die äußeren Umstände, die im Raume und der Zeit ablaufen, vertilgt werden kann, sodass nicht jeder Pflanzenkeim zu einer neuen Pflanze entwickelt wird, dass in der geistigen Welt, die gilt, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist, keine solchen Hindernisse bestehen, sondern in dem, was eben geschildert worden ist, geht es durch die geistige Welt hindurch und muss als ein neues Erdenleben wieder erscheinen, muss wiederum einen Leib suchen, dem es sich einfügt, den es gestaltet, in dem es sich zusammenfügt mit demjenigen, was von Vater und Mutter kommt, was in der Vererbungsströmung liegt, was es durchorganisiert und zu einem neuen Erdenleben führt.
[ 25 ] But this raises the question: Why do we experience suffering precisely at the moment when we are inwardly experiencing this inner observer, this inner, conscious soul being? Why at that very moment? It begins with this—and I would like to describe these things precisely, even though doing so may make me more difficult to understand—it begins with the fact that, as one pursues the development of the will and truly experiences what is inwardly observing, as if weaving and living within the newly developed activity of the will, one comes to experience it. When one first experiences this, it feels as if it contradicts everything one has otherwise experienced in one’s soul life—in this life—ever since one can think. The person who experiences it this way has, to an immensely heightened degree, the feeling one might have, for example, when one has carried out some careful intellectual work and then someone comes along who thoroughly refutes that work, presenting it as something that cannot stand as it is. I would like to say: Just as one experiences a vivid refutation, so does one feel what emerges from the depths of the will. A very strange, very peculiar experience at first! Precisely the fact that something enters into the life of the soul that begins like the pain of a refutation of one’s own soul life—precisely what begins in this way, what is experienced in this way—intensifies and gradually becomes such that one truly experiences what one might call: one feels oneself within the stream of pain that flows through the fertile soil of existence. But then it is precisely this experience of suffering that makes—I would say—what springs forth from the will ever more concrete, ever more essential. And then one experiences what is actually there, what emerges from the will. One gradually learns to understand why it appears in the form of pain, for one learns to understand: You are now actually experiencing that which you cannot otherwise experience in your everyday life through thinking and willing; that which underlies it all, that which, in essence, has developed throughout your entire life in the depths of the soul, that which you have now grasped at the stage when you began to become a spiritual researcher— you are experiencing what is otherwise hidden in the life of the soul, what remains when everything in the life of the soul that is bound to the instrument of the outer body has fallen away. One experiences that which passes through the gateway of death, that which, when we die, enters a purely spiritual world; and because what now enters a purely spiritual world is initially suited to living in a spiritual environment—yet is not adapted to the life we have developed, which now stands within this life without being adapted to it— That is why it initially manifests as suffering, in the form of pain and sorrow. It is something that develops so that it is destined for a different kind of experience. And now we know how that which passes through the gate of death when our body decays is present in the soul—that which truly dwells within the soul as an immortal essence. One experiences it now, but through inner experience, just as a plant would feel if it could experience how, in its growth, it gradually prepares the forces that then lead, in the flower, to the seed which—after passing through another life, through the soil of the earth or the like—can develop into a plant of the same kind. One senses a seed of life, a new seed of life within oneself. And just as the seed of the plant develops from the plant’s own forces and can become a new plant, so one now experiences that this seed of life—which one may initially experience as embedded in pain—passes through a spiritual world and can in turn become a new human life, a repeated earthly life. One experiences only this: while the plant seed can be destroyed by external circumstances unfolding in space and time—so that not every plant seed develops into a new plant—in the spiritual world, which comes into being once a human being has passed through the gate of death, no such obstacles exist; rather, as has just been described, it passes through the spiritual world and must reappear as a new earthly life, must once again seek a body into which it can integrate, which it shapes, and in which it unites with that which comes from the father and mother—that which lies in the stream of heredity—which it organizes throughout and leads to a new earthly life.
[ 26 ] Der Geistesforscher nun, sehr verehrte Anwesende, kommt also, indem er auf dem Weg geht, den ich geschildert habe, kommt also gewissermaßen zu zwei inneren Seelenelementen, zu demjenigen Seelenelement, wobei er vor der Gefahr sich fühlt: Du kannst Dich verlieren; aber er kommt auch zu dem anderen Seelenelement, das ihm gerade ein Bewusstsein gibt des in ihm sonst unbewussten Denkens. Das Bewusstsein, das er sonst bewusst hat, das steht vor der Gefahr, verloren zu werden. Mit dem Bewusstsein aber, das sich ergibt aus der Willensströmung heraus, mit dem kann man jetzt eintreten in die Welt, dadurch kann man sich hineinführen in die Welt, die man also erlebt. Und da zeigt sich, während man, wenn man allein dasjenige erleben würde, was da im Willen als ein neuer Menschenlebenskeim drinnen lebt, Schmerz nur fühlen würde, dass gerade, wenn man die Übungen in der richtigen Weise macht, diese Schmerzen eben sich nur zeigen als etwas, was einem Geheimnisse der Welt verrät, dass aber in Wirklichkeit das eintritt, dass man nun dieses auf dem Grund der Seele liegende Bewusstsein hineinträgt in das, was man sonst als Leere empfinden würde, der gegenüber man ohnmächtig würde, wenn man es empfinden würde. Da hört es auf, schmerzlich zu sein, da erwacht es zu einem solchen Leben, wie sonst unsere Sinne erwachen, wenn sie reif geworden sind aus der Embryonalität heraus und die sinnliche Welt anschauen können.
[ 26 ] The spiritual researcher, then, esteemed audience, as he follows the path I have described, comes, so to speak, to two inner elements of the soul—to the element of the soul in which he feels threatened: ‘You may lose yourself’; but he also arrives at the other element of the soul, which gives him an awareness of the thinking that is otherwise unconscious within him. The consciousness he otherwise possesses is in danger of being lost. But with the consciousness that arises from the flow of the will, one can now enter the world; through it, one can be led into the world that one thus experiences. And there it becomes apparent that, whereas if one were to experience only what lives within the will as a new seed of human life, one would feel only pain; yet precisely when one performs the exercises in the right way, these pains reveal themselves merely as something that unveils the world’s mysteries—but in reality, what happens is that one now carries this consciousness, lying at the very depths of the soul, into what one would otherwise perceive as emptiness—an emptiness in the face of which one would feel powerless if one were to sense it. There it ceases to be painful; there it awakens to a life just as our senses otherwise awaken when they have matured out of their embryonic state and can perceive the sensory world.
[ 27 ] Indem sich vereinigen die zwei Elemente, die ich geschildert habe, werden sie nun zu einem neuen Sinn, zu dem, was Goethe «Geistesauge» und «Geistesohr» nennt, das aber jetzt in Wirklichkeit, in Realität vorhanden ist. Das Denken, das weiterentwickelt worden ist bis zu dem Punkt, der geschildert wurde, vereinigt sich als Tätigkeit mit dem neuen Bewusstsein, und ein vollständig entwickelter Geistesmensch, der jetzt voll außer dem Physischen innerhalb des Menschen ist, den erlebt die Seele in sich selber, mit dem lebt sie sich zusammen, und dieser Geistesmensch ist nun drinnen in der geistigen Welt. Dieser Geistesmensch erhält nun, indem er in der geistigen Welt ist, etwas, was ich schon angedeutet habe, was wie eine höhere Stufe des Erinnerns ist, nicht ein Erinnern, welches dadurch entsteht, dass Gedanken wieder auftreten, sondern dadurch, dass das, was in der geistigen Welt vorhanden ist, vor einen als lebendige Wesenheit hintritt. Jetzt tritt auch als lebendige Wesenheit dasjenige hin, was in der Zeit durchlebt worden ist, die wir durchlebt haben, bevor wir uns mit einem physischen Erdenleibe vereinigt haben, die zwischen unserem letzten Tod und unsrer letzten Geburt — oder sagen wir Empfängnis — verflossen ist. Es treten die Erfahrungen früherer Erdenleben auf. Eine höhere Art von Gedächtnis tritt auf. So paradox es erscheint, es ist dasjenige, was ebenso wahr entwickelt werden kann, wie im Laufe des Lebens andere Fähigkeiten aus der kindlichen Verfassung der Seele heraus erst entwickelt werden, die dann zum physischen Leben tüchtig werden und dereinst wieder sich wahrnehmen als ein geistiges Wesen innerhalb der geistigen Welt drinnen. Er erlebt sich als Geist in der geistigen Welt. Und so wahr, als er hier in der physischen Welt umgeben ist von physischen Wesen, die gleicher Art sind mit seiner physischen Organisation, so wahr ist er in der geistigen Welt nunmehr darinnen als Geistmensch unter Wesenheiten, die geistiger Art sind. Solche geistigen Wesenheiten, welche niemals in das physische Leben hereinkommen, welche ihre Aufgabe in der geistigen Welt haben, solche Wesenheiten, welche wie die Menschenseelen abwechselnd ein geistiges Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, oder ein physisches Leben zwischen Geburt — oder sagen wir — Empfängnis und Tod führen, das alles wird jetzt — ich möchte sagen — eine geistig-gegenständliche Welt. Nur muss man sich nicht vorstellen, dass diese geistig-gegenständliche Welt irgendwie eine bloße Wiederholung der physischen Welt ist. — Die genaueren Dinge nach dieser Richtung hin werden übermorgen zur Sprache kommen, heute soll nur erwähnt werden, dass die ganze Art und Weise, wie man die geistige Welt nun erfährt, eine andere ist, so zum Beispiel — nun, sehr verehrte Anwesende, indem ich ein Beispiel anführe, muss ich natürlich, da man sich heute noch mit Wahrheiten über die geistige Welt gewissermaßen kompromittiert, muss ich mich noch mehr, als es schon der Fall ist, vor der heute gewohnten Vorstellungsart kompromittieren. Nehmen wir einmal an, wir haben es in Bezug auf das geistige Erleben in diesem Menschen, der sich herausentwickelt hat aus dem anderen Menschen, zu tun mit einer Seele, mit einer Menschenseele, die vor Jahren durch die Pforte des Todes gegangen ist. Da kann es allerdings eintreten, dass man auf die Weise, wie eben der Geist den Geist wahrnehmen kann, diese Seele des Toten auf sich wirksam fühlt. Aber es ist das nicht so, wie sich vielleicht mancher — wie gesagt es, soll dies übermorgen zur Sprache kommen — vorstellen möchte, es ist nicht so, wie wenn man ein verfeinertes materielles Bild sehen würde; es ist nicht so, wie wenn man ein nebulöses Gespenst sehen würde in dem Sinne, wie das triviale abergläubische Hellsehen glaubt —, sondern auf eine ganz andere Weise kommt das Geistige in unser eben erläutertes, aus der Willensströmung herausgeborenes Bewusstsein hinein. Und um die Art und Weise zu charakterisieren, wie das Geistige nun erlebt wird, muss ich etwa das Folgende sagen: Nehmen wir an, wir haben als Menschenseele Gedanken. Die Gedanken leben in uns. Nehmen wir an, der Gedanke könnte sich selber erleben; dann würde der Gedanke sagen: Ich bin in der Menschenseele. Der Gedanke würde nicht so wie wir eine äußere Welt aneinander abbilden, sondern er würde sich in einer Welt wissen, er würde wissen, dass er drinnen ist in einer Welt. Ich könnte auch sagen: Statt dass er anschaut, erlebt er, dass er angeschaut wird, dass er selber erlebt wird. Das erlebt er. So ist nunmehr das Zusammensein mit der geistigen Welt ein viel realeres, als das Zusammensein mit den sinnlichen Dingen, aber auf andere Art. Es kommt herein dasjenige, was in den geistigen Welten lebt, in unser Bewusstsein, sodass das Bewusstsein, das wir erst selber auf die geschilderte Weise in die geistige Welt hineingetragen haben, sich erfasst, nun weiß von anderen Bewusstseinen, die jetzt mit ihm zusammenkommen; miterlebt mit geistigen Wesenheiten weiß sich das Bewusstsein.
[ 27 ] As the two elements I have described unite, they now become a new sense—what Goethe calls the “spiritual eye” and the “spiritual ear”—which now actually exists in reality. Thinking, which has been developed to the point described, unites as an activity with the new consciousness, and the soul experiences within itself a fully developed spiritual human being—who is now entirely outside the physical realm within the human being—and lives in harmony with this being; and this spiritual human being is now within the spiritual world. Now, by being in the spiritual world, this spiritual human being receives something I have already alluded to—something that is like a higher stage of remembrance, not a remembrance that arises from thoughts recurring, but from the fact that what exists in the spiritual world appears before one as a living entity. Now, what was experienced during the time we lived through before uniting with a physical earthly body—the time that elapsed between our last death and our last birth (or, let us say, conception)—also appears as a living entity. The experiences of earlier earthly lives emerge. A higher form of memory emerges. As paradoxical as it may seem, it is something that can be developed just as truly as other abilities are first developed in the course of life from the childlike state of the soul—abilities that then become capable of physical life and will one day perceive themselves again as spiritual beings within the spiritual world. One experiences oneself as a spirit in the spiritual world. And just as truly as he is surrounded here in the physical world by physical beings of the same nature as his own physical organization, so truly is he now in the spiritual world as a spiritual human being among beings of a spiritual nature. Such spiritual beings who never enter physical life, who have their task in the spiritual world; such beings who, like human souls, alternately lead a spiritual life between death and a new birth, or a physical life between birth—or shall we say—conception and death—all of this now becomes, I might say, a spiritual-objective world. However, one must not imagine that this spiritual-concrete world is in any way a mere repetition of the physical world. — The more specific details in this regard will be discussed the day after tomorrow; but today I shall merely mention that the entire way in which one now experiences the spiritual world is different; for example—well, esteemed audience, when I give an example, I must of course, since speaking of truths about the spiritual world still carries a certain stigma today, distance myself even further than is already the case from the way of thinking that is customary today. Let us suppose, with regard to the spiritual experience in this person—who has developed out of the other person—that we are dealing with a soul, a human soul, that passed through the gate of death years ago. It can certainly happen that, in the way that the spirit can perceive the spirit, one feels the influence of this soul of the deceased upon oneself. But it is not as some might imagine—as I said, this will be discussed the day after tomorrow—it is not as if one were seeing a refined material image; it is not as if one were seeing a nebulous ghost in the sense that trivial, superstitious clairvoyance believes—but in a completely different way does the spiritual enter into our consciousness, which we have just explained as arising from the stream of will. And to characterize the manner in which the spiritual is now experienced, I must say something like the following: Let us assume that, as human souls, we have thoughts. These thoughts live within us. Let us assume that a thought could experience itself; then the thought would say: “I am within the human soul.” The thought would not, as we do, project an external world onto itself, but rather it would know itself to be in a world; it would know that it is inside a world. I could also say: Instead of looking, it experiences being looked at, being experienced itself. That is what it experiences. Thus, our connection with the spiritual world is now much more real than our connection with sensory things—but in a different way. That which lives in the spiritual worlds enters our consciousness, so that the consciousness—which we ourselves have first carried into the spiritual world in the manner described—becomes aware of other consciousnesses that are now coming together with it; the consciousness knows itself as experiencing alongside spiritual beings.
[ 28 ] Es kann also das auftreten, dass eine Seele, die der unsrigen helfen oder sich neigen will aus der geistigen Welt — eine Menschenseele kann es sein, oder auch eine sonstige Seele, die niemals in einem physischen Leib sich verkörpert —, dass diese von uns erlebt wird als in unserem Bewusstsein lebend. Da merkt man dann, dass wir im gewöhnlichen Erdenleben immer eigentlich in unserem Bewusstsein die geistige Welt also lebend haben. Aber weil wir dieses Bewusstsein nicht haben, so stecken in unserem gewöhnlichen Bewusstsein auch nicht diese geistigen Wesenheiten schon darinnen. Man kann aber fühlen lernen, wenn man etwas geistig zu verrichten hat, wozu namentlich Erfindung nötig ist, dass an dieser Erfindung beteiligt ist, indem sie in unser Bewusstsein hineinfließt, die Tätigkeit der Seele eines lang verstorbenen Menschen. Solche Erfahrungen kann man machen.
[ 28 ] It can therefore happen that a soul from the spiritual world—which may be a human soul or some other soul that has never incarnated in a physical body—that wishes to help us or is drawn to us, is experienced by us as living within our consciousness. We then realize that in our ordinary earthly life, the spiritual world is actually always alive within our consciousness. But because we lack this awareness, these spiritual beings are not yet present in our ordinary consciousness. However, one can learn to sense—when one has a spiritual task to perform, one that specifically requires inventiveness—that the activity of the soul of a person who has long since passed away is involved in this inventiveness as it flows into our consciousness. Such experiences can be had.
[ 29 ] Es ist ja selbstverständlich — und es geschieht nicht aus Unbescheidenheit —, dass man da persönliche Erlebnisse, persönliche Forschungserlebnisse, sozusagen Erforschtes anzugeben hat. Aber es ist zum Beispiel geschehen, dass eine Seele, die vor Jahren gestorben ist, die eine ganz besondere künstlerische innere Fähigkeit hatte, diese künstlerische innere Fähigkeit durch den Tod hindurch getragen hat und nun half bei gewissen künstlerischen Verrichtungen. Derjenige, der nun geistige Wahrnehmung auf die geschilderte Weise sich erworben hat, der weiß zu unterscheiden, was von ihm selber ist, obwohl es seinem Stolze, seiner Eitelkeit mehr schmeicheln könnte, [das alles nun ausschließlich seiner eigenen Genialität zuzuschreiben]; er weiß, was lebt in ihm, was gerade [Lücke in der Mitschrift] aus der geistigen Welt und ihren Wesenheiten herauskommt.
[ 29 ] It goes without saying—and this is not said out of immodesty—that one must mention personal experiences, personal research experiences, or, so to speak, what one has discovered. But it has happened, for example, that a soul who died years ago—one who possessed a very special inner artistic ability—carried this inner artistic ability through death and is now assisting with certain artistic endeavors. The person who has now acquired spiritual perception in the manner described knows how to distinguish what comes from himself, even though it might flatter his pride and vanity more [to attribute all of this exclusively to his own genius]; he knows what lives within him and what specifically [gap in the transcript] comes from the spiritual world and its beings.
[ 30 ] Und wenn jemand dann sagt — wie gesagt übermorgen soll mehr darauf eingegangen werden — wenn jemand sagt, sehr verehrte Anwesende: Ja, das kann alles eine Illusion, das kann alles eine Halluzination sein —, dann soll für heute dem nur erwidert werden, dass es ja auch gewisse philosophische Richtungen gibt, welche sagen: Alles dasjenige, was Du mit Deinen Augen siehst, ist nur eigentlich ein Geschöpf Deiner Augen selber. Man braucht sich nur an Schopenhauers Dichtung zu erinnern: Die Welt sei nur Vorstellung — welche sich so gesteigert hat bei einem Manne, der einmal vor Goethe stand, dass dieser Mann Goethe gegenüber die Überzeugung ausdrückte: «Wenn ich meine Augen nicht geöffnet habe, dann ist die Sonne nicht da!» Ein neuerer Naturforscher, der durchaus nicht abgeneigt ist, auch Grenzgebiete der Naturforschung in seinen Forschungsbereich einzubeziehen, der sagte: Nun ja, aber es habe sich doch herausgestellt, dass der Mann längst tot ist und seine Augen nicht mehr aufmachen kann —, aber die Sonne tummele sich noch immer im Weltenraum herum.
[ 30 ] And if someone were to say—as I mentioned, we’ll go into this in more detail the day after tomorrow—if someone were to say, “Ladies and gentlemen: Yes, all of this could be an illusion; it could all be a hallucination”—then for today, let us simply reply that there are indeed certain philosophical schools of thought that say: Everything you see with your eyes is, in reality, merely a creation of your eyes themselves. One need only recall Schopenhauer’s idea: that the world is merely an idea—an idea that became so intense in a man who once stood before Goethe that this man expressed the conviction to Goethe: “If I have not opened my eyes, then the sun is not there!” A more recent natural scientist, who is by no means averse to including the frontier areas of natural science in his field of research, said: “Well, yes, but it has turned out that the man has long since died and can no longer open his eyes—yet the sun is still roaming about in outer space.”
[ 31 ] Ich weiß selbst, was alles für Einwände gemacht werden können gegen dieses; aber im Wesentlichen ist es doch zutreffend. Gerade aber [Lücke in der Mitschrift] rechtfertigt diese philosophischen Einwände. Der Mensch lernt erfassen, was in der wirklichen Welt Reales und ein bloßes Gedachtes, ein bloß in seiner Seele Erlebtes ist. Wie der Mensch es in Bezug auf die äußere Sinnenwelt nur durch das Leben lernen kann, so kann in Bezug auf das seelisch-geistige Erleben — das sich entwickelt hat, wie geschildert worden ist — [nur] die eigene Seele sich rechtfertigen und, wenn ich diese Ausdrücke gebrauchen darf, wahrgenommene Wesenheiten und Geschehnisse als wirklich erkennen. Wenn man das einmal kann, dann nimmt sich alles, was an Einwänden erhoben werden kann, so aus, wie die Einwände des philosophischen Idealisten — im technischen Sinne ist das gemeint — sich gegen die Realität der äußeren Welt ausnehmen. Auch in der äußeren Welt kann die Realität nur erlebt werden. Es gibt keinen Beweis, der logisch geführt werden könnte; nur im Leben selber lernt man das Wirkliche von dem Erträumten, von dem Halluzinierten zu unterscheiden. Und wie das Seelenleben gesund bleibt und das Halluzinierte von dem Erlebten unterscheiden lernt, davon soll übermorgen gesprochen werden. So lernt man unterscheiden das Erträumte von dem, was wirklich ist. Und so auch in der geistigen Welt.
[ 31 ] I myself know what kinds of objections can be raised against this; but in essence, it is nevertheless true. But it is precisely [gap in the transcript] that justifies these philosophical objections. Human beings learn to discern what in the real world is real and what is merely a thought, an experience lived only within the soul. Just as a person can learn this with regard to the external sensory world only through life, so too, with regard to the soul-spiritual experience—which has developed as described—[only] one’s own soul can justify itself and, if I may use these terms, recognize perceived entities and events as real. Once one is able to do this, then all objections that might be raised appear just as the objections of the philosophical idealist—in the technical sense—appear against the reality of the external world. Even in the external world, reality can only be experienced. There is no proof that can be derived logically; only in life itself does one learn to distinguish the real from the dreamed and the hallucinated. And how the life of the soul remains healthy and learns to distinguish the hallucinated from the experienced—that is what we shall discuss the day after tomorrow. In this way, one learns to distinguish the dreamed from what is real. And so it is in the spiritual world as well.
[ 32 ] So wollte ich diese Betrachtungen heute nur bis zu dem Punkte führen, an dem sich zeigt, wie der Mensch durch eine Erforschung der geistigen Welt zu der Erkenntnis seiner eigenen geistigen Wesenheit kommen kann, die dieser geistigen Welt angehört. Diese besondere Betrachtung der geistigen Welt, die auf einer inneren Entwicklung der Seele beruht, sie konnte erst auftreten in der Periode der neueren Naturwissenschaft, die in Bezug auf die Seelenerziehung der Menschheit gewissermaßen dazu die Vorschule war. Und es ist ganz begreiflich, dass, indem sich die Menschheit eine Zeit lang eingelebt hat gerade in dasjenige, was die Größe der neueren naturwissenschaftlichen Denkweise ausmacht, dass diese Menschheit abgekommen ist davon, auch nur für möglich zu halten, dass die Seele wirklich zu einer Erkenntnis der geistigen Welt kommen kann. Wie jeder Mensch, auch wenn er nicht Geistesforscher ist, die Erkenntnis dieser geistigen Welt in sich aufnehmen und ihren Wahrheitswert einsehen kann, gerade so wie einer, ohne dass er selbst Chemiker ist, die chemischen Erzeugnisse und die chemischen Wahrheiten für das gewöhnliche Leben verwerten kann — davon will ich auch übermorgen sprechen. Und ich will heute nur darauf hinweisen, dass es gerade dem Geistesforscher ganz begreiflich ist, dass diejenigen, die sich in das bloße äußere Naturforschen eingelebt und diejenigen Seelenkräfte kennengelernt haben, welche mitwirken bei diesem äußeren Naturforschen, die nützen gelernt haben diese Seelenkräfte und ihre Entwicklung zur Forschungsmethode, die den Glanz und die Höhe und die von der Geisteswissenschaft voll anerkannten großen Erfolge und Errungenschaften der modernen Naturwissenschaft, die das alles bewirkt haben, [dem Geistesforscher ist es ganz begreiflich], dass die, die diese Seelenkräfte kennengelernt haben, für eine Weile in der Menschheitsentwicklung zu dem Glauben kommen konnten, dass es überhaupt keine Wissenschaft geben kann über die hinaus, die nur durch die Entwicklung der Sinnesanschauung und des an das Gehirn, das heißt an die leibliche Organisation, gebundenen Denkens begründet ist.
[ 32 ] So today I wanted to take these reflections only as far as the point where it becomes clear how, through an exploration of the spiritual world, a person can come to an understanding of their own spiritual nature, which belongs to this spiritual world. This particular view of the spiritual world, which is based on the inner development of the soul, could only emerge during the era of modern natural science, which, in a sense, served as a preparatory phase for the spiritual education of humanity. And it is quite understandable that, as humanity has for some time become accustomed precisely to what constitutes the greatness of the modern scientific way of thinking, it has strayed from even considering it possible that the soul can truly come to a knowledge of the spiritual world. Just as every person—even if they are not a spiritual researcher—can take in the knowledge of this spiritual world and recognize its truth value, just as someone who is not a chemist can make use of chemical products and chemical truths in everyday life—I will speak about this the day after tomorrow. And today I simply wish to point out that it is perfectly understandable to the spiritual researcher that those who have become accustomed to mere external natural science and have come to know the soul forces that contribute to this external natural science, and have learned to utilize these soul forces and their development as a research method—the method that has brought about the brilliance, the heights, and the great successes and achievements of modern natural science, which are fully recognized by spiritual science— [it is entirely understandable to the spiritual researcher] that those who have become acquainted with these soul forces could, for a time in the course of human development, come to believe that there can be no science whatsoever beyond that which is founded solely on the development of sensory perception and of thinking bound to the brain—that is, to the physical organism.
[ 33 ] Dasjenige aber, was wirklich erlebt werden kann, sehr verehrte Anwesende, das bezeugt, dass das Gebiet eines wirklichen Wissens hineinerweitert werden kann in die geistige Welt, dass der Mensch seine geistig-seelische Wesenheit, die durch Geburten und Tode geht, in wiederholten Erdenleben wirklich erforschen kann. Und wenn ein glänzender neuerer Naturwissenschafter des neunzehnten Jahrhunderts wirklich mit Recht betont hat, dass die Anschauung derjenigen Erkenntniskräfte, die gerade in der Naturwissenschaft die Erfolge herbeigeführt haben, nicht aus dem Gebiet der sinnlichen Natur hinausführen können, aber dafür auch nicht in die Gründe des Daseins eintreten können —, wenn dieser glänzende Naturforscher, Du Bois-Reymond, deshalb sein Ignorabimus, deshalb sein «Nichtwissen» ausgesprochen hat, so war cs eben, weil er sich eingewöhnt hat in jene Erkenntniskräfte, die nur die äußere sinnliche Welt voll zu durchschauen, zu durchkraften vermögen. Und er hat es ausgesprochen, dass, wenn man etwas unternehmen wolle, um anderes zu erkennen als die äußere Natur, so beginne, wie er sagt, der «Supranaturalismus», das heißt das Sich-Einleben in die geistige Welt. Nur, sagt er, dass, wo Supranaturalismus anfängt, hört Wissenschaft auf. Er weiß noch nicht — und es ist ganz begründet, dass er es nicht wissen konnte —, dass diejenigen Erkenntniskräfte, die gerade geschärft und erkraftet sind an der Beobachtung der äußeren Natur, nicht führen können in diese geistigen Welten —, dass erst diese Erkenntniskräfte, wie wir sie haben, dass Denken und Wille umgestaltet werden müssen, damit sie sich in anderer Weise entwickeln, als sie in der gewöhnlichen Wissenschaft sind. Dann müssen sie sich beleben, erkraften, in die geistige Welt emporzudringen.
[ 33 ] But what can truly be experienced, esteemed audience, testifies that the realm of true knowledge can be extended into the spiritual world, that human beings can truly explore their spiritual-soul nature—which passes through births and deaths—in repeated earthly lives. And if a brilliant, more recent natural scientist of the nineteenth century rightly emphasized that the perspective of those cognitive powers which have brought about successes precisely in the natural sciences cannot lead us beyond the realm of sensory nature, nor can they penetrate to the foundations of existence—if this brilliant natural scientist, Du Bois-Reymond, therefore pronounced his *ignorabimus*, his “not knowing”—it was precisely because he had become accustomed to those cognitive powers that are capable only of fully penetrating and mastering the external sensory world. And he has stated that if one wishes to undertake anything to know something other than external nature, then, as he says, “supranaturalism” begins—that is, immersing oneself in the spiritual world. However, he says, where supranaturalism begins, science ends. He does not yet know—and it is entirely understandable that he could not have known—that those powers of cognition which have been sharpened and strengthened precisely through the observation of external nature cannot lead into these spiritual worlds—that these powers of cognition, as we possess them—namely, thinking and will—must first be transformed so that they develop in a different way than they do in ordinary science. Then they must become animated, gain strength, and rise up into the spiritual world.
[ 34 ] Und so muss man sagen: Wohl hat es eine einseitige Richtigkeit, das Ignorabimus, dasjenige, was Du BoisReymond sagt — man kann nicht in die geistige Welt eindringen mit denjenigen Erkenntniskräften, die gerade die Naturwissenschaft groß gemacht haben. Man kann aber jene Erkenntniskräfte, genau dieselben Erkenntniskräfte, durch eine innere geistig-seelische Methode so entwickeln, dass man dann durch die also entwickelten Erkenntniskräfte in die geistigen Welten hinaufstreben, hinaufdringen kann — [und zwar] dann, wenn das Wissen nicht bloß das passive Wissen bleibt, das zu der Größe der äußeren Wissenschaft beigetragen hat, wenn das Wissen ein lebendiges wird — in dem Übergehen aus der Statue in die lebendige Logik, in inneres Leben —, wenn sozusagen die Seele selber lebend, lebendige Logik wird, und diese Logik durchwallt und durchlebt werden kann mit dem, was sie in der Strömung des Willens finder. Denn dasjenige, was der Geist ist — sehr verehrte Anwesende, lassen Sie mich mit diesen Worten schließen —, kann nur dadurch erfahren werden, dass das Wissen zum Leben erweckt wird und als LEBENDIGES Wissen in der lebendigen Geisteswelt lebt, dass das Leben selber, das der Mensch sonst gebunden an die sinnlichen und an die physischen Organe führt, dass das Leben selber zum Wissen, zum lebendigen Wissen führt! Dadurch, dass das Wissen das lebendige Wissen wird, dadurch, dass ein neuer Mensch, ein innerer Mensch in dem Menschen entdeckt wird, dadurch lebt sich der Mensch hinauf in diejenige Welt, in der er als Geistwesen unter geistigen Geschehnissen und unter anderen Geisteswesen ist; dadurch lebt er sich hinauf in die Welt, in der sein wahrer Ursprung, seine wahre Aufgabe, sein wahrer Sinn sind. Davon dann übermorgen weiter.
[ 34 ] And so one must say: There is certainly a one-sided truth to the “Ignorabimus,” to what Du Bois-Reymond says—one cannot penetrate the spiritual world with the very powers of cognition that have made natural science great. But one can develop those powers of cognition—exactly those same powers—through an inner, spiritual-soul method, so that one can then, through the powers of cognition thus developed, aspire toward and penetrate the spiritual worlds—[namely] when knowledge does not remain merely the passive knowledge that has contributed to the greatness of external science, when knowledge becomes a living one — in the transition from the statue to living logic, to inner life —, when, so to speak, the soul itself becomes living, living logic, and this logic can be experienced and lived through in what it finds in the flow of the will. For that which the spirit is—esteemed audience, let me conclude with these words—can only be experienced by awakening knowledge to life and allowing it to live as LIVING knowledge in the living world of the spirit; by allowing life itself—which human beings otherwise lead bound to the sensory and physical organs—to lead to knowledge, to living knowledge! Through knowledge becoming living knowledge, through the discovery of a new human being, an inner human being, within the human being—through this, the human being ascends into that world in which he exists as a spiritual being amidst spiritual events and among other spiritual beings; through this, he ascends into the world where his true origin, his true purpose, and his true meaning lie. More on this the day after tomorrow.
