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Ways to a Knowledge of the
Eternal Forces of the Human Soul
GA 70b

12 January 1916, Basel

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7. Wie kann die Erforschung der übersinnlichen Wesenheit des Menschen bewirkt werden?

III. The Supersensible Being of Man

Sehr verehrte Anwesende!

Not translated

[ 1 ] In früheren Vorträgen, die ich hier über geisteswissenschaftliche Gegenstände halten durfte, habe ich schon wiederholt angedeutet, dass derjenige, der auf dem Boden dieser Geisteswissenschaft steht, wie sie hier gemeint ist, sich ganz klar darüber ist, dass gegen diese Art, die menschliche Forschung hineinzutragen in die geistigen Welten, selbstverständlich aus den gegenwärtigen Denkgewohnheiten heraus, aus all dem, was man eben gewöhnt ist, heute für Wahrheitsforschung zu halten, viel, viel eingewendet werden kann, und dass es gerade dem Geistesforscher selber ganz begreiflich ist, wenn zunächst dasjenige, was er vorzubringen hat, als Phantastik, Träumerei oder vielleicht Schlimmeres angesehen wird. Dennoch möchte ich heute — da es möglich ist, die Betrachtungen dieses Abends übermorgen fortzusetzen —, dennoch möchte ich heute dasjenige, was ich zu sagen habe, so einrichten, als ob zunächst die ganz. naheliegenden Einwände, die von naturwissenschaftlicher, von religiöser Seite und so weiter gegen Geisteswissenschaft gemacht werden können, ganz unberücksichtigt blieben. Ich möchte das Geisteswissenschaftliche, ich möchte das Wesen der Erforschung der übersinnlichen Welten an diesem Abend so betrachten, dass von allen Einwänden zunächst abgesehen wird, und übermorgen umso mehr auf dasjenige eingegangen wird, was von den verschiedensten Seiten her sich als Einwände, als scheinbare Widerlegungen bezeichnen lässt.

[ 1 ] Not translated

[ 2 ] Im Grunde genommen, sehr verehrte Anwesende, ging alles tiefere Denken und Forschen der Menschen immer darauf hinaus, die Wesenheit des Menschen selber als eine übersinnliche zu erkennen, weil in der Erforschung der Wesenheit des Menschen sich dem Betrachter, sagen wir zum Beispiel dem philosophischen Betrachter, es sich wie eine Selbstverständlichkeit ergibt, dass man mit dem Forschen, an das man gewöhnt ist in der sinnlichen Welt, nicht herankommen könne an das wirkliche Wesen des Menschen; oder wenigstens — wenn man auch glaubt, in all dem, was die Sinne schauen, was der an das Gehirn gebundene Verstand erforschen kann, wenn man auch glaubt, darinnen das Wesen des Menschen zu umfassen, wie es der mehr oder weniger materialistisch geartete Monismus glaubt, so ergibt sich immer —, dass für eine tiefere Denker- oder Forscherbetrachtung dasjenige, was von solchen Seiten über das Wesen des Menschen gesagt werden kann, die tieferen Erkenntnisbedürfnisse unbefriedigt lässt, und dass man immer noch das Gefühl, die Empfindung hat, es müsse von irgendeiner Seite her etwas kommen können, das das Wesen des Menschen außerhalb der sinnlichen Welt zeigt.

[ 2 ] All serious investigation of man has always taken as its starting point the recognition that his being is spiritual. For it is quite obvious to anyone, a philosopher, for example, studying the nature of man that the kind of science that operates within the world of the senses is not able to reach the real essence of man, or at least, if it is thought that this essence can be comprehended by an understanding limited by the senses and bound by the normal operation of the human brain, as is more or less believed by the materialistic form of monism, then we find that our need for a deeper kind of knowledge remains unsatisfied and we are left with the feeling that something further is needed to show that the real being of man is to be found outside the world of the senses.

[ 3 ] Ich möchte aufmerksam machen auf einen der allerersten Denker in der Geistesentwicklung der Menschheit, der sich bemüht hat, durch allerangestrengtestes Denken gerade sogar seine Schüler an der Universität, seine Zuhörer unmittelbar im Vortrag selber hinzuweisen darauf, wie man im innerlichen Seelenleben unmittelbar herauskommen kann aus dem, was die Wesenheit des Menschen nicht erkennen lässt, zu dem, worinnen man sie finden kann. Dieser Denker ist Johann Gottlieb Fichte. Und er hat in einer — man möchte sagen — paradoxen Weise vor seinen Zuhörern versucht, die Seele hinzuweisen auf die Art, wie sie sich gleichsam bewegen soll, um aus dem Sinnlichen in das Übersinnliche hineinzufinden. Er sagte zum Beispiel im Beginne von Vorträgen zu seinen Zuhörern: «Versuchen Sie einmal, die Wand zu denken.» — Nun, das war selbstverständlich leicht. Die Zuhörer versuchten, sich in die Seelenverfassung zu versetzen, in der sie die Wand dachten. Nachdem er also seine Zuhörer eine Weile hat die Wand denken lassen, sagte er: «So, nun versuchen Sie denjenigen zu denken, der die Wand gedacht hat.» — Und das wirkte in der unmittelbar überzeugenden Weise, wie Fichte zu sprechen wusste, verblüffend auf die Zuhörer, so verblüffend, dass uns Zeitgenossen, die gerade diese Szene aufgezeichnet haben, schildern, wie verblüfft eigentlich die Zuhörer waren, wie man ihnen ansah, dass sie sich nun anstrengten, den zu denken, der die Wand vorher gedacht hat —, wie da in einer gewissen Weise das Denken erlahmt, wie es sich nicht vermisst bis zu dem Punkt zu kommen, auf den es hingewiesen ist.

[ 3 ] I would like to bring to your notice one of the very first thinkers in the spiritual evolution of humanity who, through tremendous effort in his own thinking, even told his students at the university and those who heard his lectures elsewhere, how in the inner life of the soul one can get away from the situation which prevents the recognition of what the being of man really is and come to a point where this is possible. This is Johann Gottlieb Fichte. And he tried in what one might call a paradoxical way to show his audience what kind of activity the soul had to develop in order to find its way from the sensible to the super-sensible. For instance, he said to the audience at the beginning of his lectures, “Try to think the wall.” Well, of course, this was easy. The audience tried to put itself into the position of thinking the wall. Then after he had let the people think the wall for a while he said, “Now try to think the person who has been thinking the wall.” Fichte knew what he wanted, and even contemporary witnesses have described the scene—how the effect was immediate and convincing, how the audience was completely nonplussed when they tried to think the person who had thought the wall, and how their thinking was in a way paralyzed when they were unable to reach the goal put before them.

[ 4 ] Goethe, der die Erkenntnisfragen vor allen Dingen von einem recht menschlichen Standpunkte genommen hat, nämlich von dem Standpunkte des fruchttragenden Lebens, der hat einmal den Ausspruch getan, der — man möchte sagen — seine rechte Beleuchtung gerade dadurch erfährt, dass man in solcher Weise auf Fichtes Forderung hinweist, wie es eben geschehen ist —, Goethe hat den Ausspruch getan, dass er in einer gewissen Weise sich weise verhalten habe dadurch, dass er es vermieden habe, über das Denken zu denken. Er hat ja ganz besonders gespürt — er, der in allem, was er seelisch verrichtet hat, das unmittelbare Leben erspüren wollte —, er hat ja gefühlt, dass mit diesem Versuche, das Denken zu denken, der Mensch zunächst an eine Art von Unmöglichkeit geführt wird, wenn er sich nur an das gewöhnliche Denken hält. Und dennoch, wer zu forschen beginnt über die übersinnlichen Welten, kann sich ja zunächst nur an das Denken halten, denn er merkt sehr bald: Dasjenige, was ihn die Sinne lehren können oder was aus den Sinnes-Erscheinungen kombiniert werden kann, das gibt noch immer Fragen auf, die gewissermaßen den Menschen außerhalb seiner eigentlichen Wesenheit führen. In dem Denken ist er bei sich selbst, und er kann hoffen zunächst, er kann die Erwartung hegen, wenn er so recht mit seiner Seelenkraft hineinkommt in die innere Bewegung des Denkens, dass sich ihm vielleicht da doch etwas ergebe, was zu dem eigentlichen Wesen des Menschen führt.

[ 4 ] Goethe always studied these questions concerning the theory of knowledge from a particularly human viewpoint, that is, he was most concerned with those things in life which bear fruit, and there is a saying of his, which is greatly illuminated by Fichte's demand and the results it had, and this is that Goethe said he managed to lead a sane and wise life because he avoided thinking about thinking. Goethe always sought to be aware of the real nature of life wherever his soul was engaged and he felt that the attempt to think thinking put a person, keeping to the ordinary means of thinking, into an impossible position. Despite this, anyone beginning to investigate the super-sensible worlds can only rely on the thinking at the outset, for he very soon sees that what the senses can teach him or what can be achieved by combining sense phenomena only raises questions that lead man away from his real being. In his thinking he is within himself, and in employing the power of his soul to penetrate the inner activity of his thinking he can expect to find something that will lead him to the real being of man.

[ 5 ] Nun ist es aber gerade eine eigentümliche Erscheinung, sehr verehrte Anwesende, dass, je weiter man im Denken, wie es das gewöhnliche Leben gibt, es bringt, je mehr man sich mit diesem Denken anstrengt, desto intensiver werden die Zweifel, mit diesem Denken irgendwie eine Pforte zu finden hinein in die Welt, in der die eigentliche Wesenheit des Menschen ist. Ja, man kommt wirklich aus dem, was man innerlich an dem Denken erlebt, zuletzt zu der Überzeugung, dass man das Denken eigentlich wirklich — lassen Sie mich den trivialen Vergleich gebrauchen —, dass man das Denken ebenso wenig denken kann, wie man das Wasser waschen kann.

[ 5 ] Now it is very odd that the further we get, the more effort we make with our thinking as employed in ordinary life, the greater our doubts become of finding in it a gateway into the world where the real being of man is. In fact, at last we become convinced through this experience of our thinking that—if I may use a somewhat crude expression—we can no more think thinking than we can wash water.

[ 6 ] Und dennoch: Die wirklichen Methoden, der wirkliche Weg, hineinzudringen in diejenigen Welten, in denen das Wesen des Menschen erkannt werden kann — oder wie wir später sehen werden —, eigentlich erlebt werden kann, sie führen dennoch über das Denken. Nur führen sie über das Denken so, dass dieses Denken nicht hingenommen wird, wie es sich im Alltagsleben oder in der gewöhnlichen Wissenschaft darbietet, sondern dass es so entwickelt wird, dass es im Grunde genommen durch diese Entwicklung eine ganz andere seelische Kraft wird, als [es] vorher war. Und darauf beruht im Grunde genommen jedes Verständnis für die Erforschung der übersinnlichen Welten, dass man zunächst erleben lernt, wie das Denken durch eine gewisse innere Behandlung etwas ganz anderes in der menschlichen Seele werden kann, als es zunächst im äußeren Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft ist.

[ 6 ] And yet, the real method, the real way of penetrating to those worlds where the real being of man can be known, or, as we shall see later, be experienced, is by way of the thinking. However, this method does not use the thinking as we do in everyday life or in science, but thinking is developed in a particular way so it becomes quite a different power in the soul from what it was before. And this is the basis for understanding any investigation of the super-sensible worlds—that we learn to experience how the thinking can be developed into something quite different in the soul from what it is in ordinary life and science.

[ 7 ] Nun durfte ich schon öfter hier auf das Wesentliche hinweisen, was eintreten muss in der Behandlung des Denkens, damit dieses Denken eine ganz andere seelische Kraft wird, als [es] von vornherein ist; und ich will deshalb heute nicht wiederum auf dasjenige hinweisen, prinzipiell, was das Denken nun vollführen muss, um gewissermaßen aus sich selber herauszukommen und zu einer ganz anderen Seelenkraft zu werden. Ich will nur einiges erwähnen, welches charakterisiert, was man eigentlich erreicht, wenn man das Denken in einer gewissen Weise rein innerlich seelisch behandelt, sodass es zu etwas ganz anderem wird, als es von vornherein ist. Sie können ja die ausführlichen Schilderungen der Methoden, durch welche man das Denken also behandeln kann, finden in meinem Buche: «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», Sie können es finden in dem zweiten Teil meiner «Geheimwissenschaft». Ich will heute nur dasjenige hier hervorheben, dass da gewisse innere Verrichtungen angegeben sind, die das Denken mit sich vornehmen kann, die aber rein seelischer Natur sind — eine gewisse Art Vorstellungen in sein Bewusstsein hereinzunehmen und sich zu ihnen zu verhalten, Vorstellungen, Verbindungen hereinzunehmen und sich zu ihnen zu verhalten und so weiter —, dass die Seele dadurch imstande wird, dass sie das Denken also innerlich durchsetzt mit etwas, was ungewohnt ist dem gewöhnlichen Denken, dass man dadurch innerhalb des Denkens, das will ich zunächst erwähnen, etwas erlebt. Und diese Erlebnisse, zu denen man es da bringt, die sind ein erster Schritt in der Erforschung der übersinnlichen Welten. Dasjenige nämlich, was man gerade dadurch erlebt, dass man das Denken durch Meditation — und eben die Arten der Meditation und Konzentration sind in den genannten Büchern angeführt —, dass man das Denken durch Meditation, durch Konzentration verstärkt, innerlich erkraftet, dadurch kommt man darauf, dass dieses Denken, welches man im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft anwendet, für die Erforschung der übersinnlichen Welten, so wie es ist, eben ungeeignet ist. Vorzugsweise merkt man daran, dass, indem man sich diesem gewöhnlichen Denken hingibt, man in diesem Denken die Kräfte gar nicht zum Bewusstsein bringt, die in die übersinnlichen Welten hineinführen können. Und mehr noch als der bloße materialistische Theoretiker bekommt man durch solche Denkübungen, durch wirkliches inneres Erleben des Denkens die volle Überzeugung, dass zu demjenigen Denken, das man im gewöhnlichen Leben verrichtet, zwischen Geburt — oder sagen wir zwischen der Empfängnis — und Tod verrichtet, dass zu diesem Denken überall notwendig ist das körperliche Werkzeug, die leibliche Organisation. Und weil die leibliche Organisation dazu notwendig ist, weil dieses Denken so verläuft, dass alles das, was es vollbringt, sich des leiblichen Werkzeuges bedient, so kann dieses Denken nicht sich frei machen von dem Drinnenstehen in der sinnlichen Welt, und man kann deshalb durch dieses Denken in keine andere Welt hineinkommen, als diejenige ist, in der man eben die Wesenheit des Menschen nicht finden kann. Und gerade, indem man Ruhe gebietet allem äußeren Wahrnehmen in der Meditation, indem man gewissermaßen die Sinne willkürlich ausschaltet, indem man auch den inneren Affekten, dem inneren Fühlen und Empfinden Stillstand gebietet und sich rein meditativ, innerlich, bestimmten Gedanken hingibt, um alle Seelenkräfte auf diesen Gedanken hin zu konzentrieren und dadurch das Denken zu verstärken, merkt man, dass es die Gebundenheit des Denkens an das physische Werkzeug ist, welches einen verhindert, in die übersinnlichen Welten hineinzukommen. Das erlangt man nämlich gerade durch die Meditation, dass man merkt, dass man genau erkennt, wie man sich des Leibes bedient, um zu denken. Man wird gewissermaßen mehr, als der theoretische Materialist das beweisen kann, durch das Erleben überzeugt davon: Man lebt mit diesem Denken innerhalb der Leibes-, der physischen Organisation. Aber man merkt auch, dass, indem man also innerhalb der leiblichen, physischen Organisation lebt, diese leibliche, diese physische Organisation etwas Bestimmtes möglich macht, was ohne sie nicht möglich wäre, dass sie, diese Leibesorganisation, dem Denken etwas gibt, was das Denken ohne diese Organisation nicht hätte — wenn ich diesen paradoxen Satz zunächst aussprechen darf. Er wird sich durch die weiteren Betrachtungen des Abends schon bewahrheiten. Dasjenige, was man nämlich merkt, ist, dass, indem man denkt, von dem Gedanken [im] gesunden Seelenleben etwas zurückbleiben muss. Jeder Mensch kennt das, was zurückbleiben muss. Es sind die Erinnerungen. Es muss möglich sein, dass sich neben dem Denken etwas ergibt in unserem Seelenleben, was wir mit dem Worte «Gedächtnis» bezeichnen. Derjenige, dem das, was er denkt, sogleich im Moment, in dem er es denkt, entschwinden würde, der würde nicht für unsere äußere physische Welt ein gewöhnlicher Mensch sein. Darauf beruht alles, dass wir Gedanken im Gedächtnis, in der Erinnerung bewahren können. Und nun merkt man gerade durch innere methodische Behandlung des Denkens in der angedeuteten Richtung, dass man die körperliche Organisation dazu notwendig hat, dass von dem Denken die Erinnerungen übrig bleiben. Und damit merkt man auch, dass man in einer gewissen Weise loslösen kann das Denken von der physischen Organisation. Man kann nur dasjenige Denken nicht loslösen, welches Erinnerung eben wird.

[ 7 ] Now I have often described the main essentials that have to be undertaken in order that the thinking becomes a different power in the soul from what it was before, and so today I shall not go into the things that the thinking has to perform to get, as it were, outside itself and become this new power in the soul. I shall just mention a few things to characterize what is actually achieved when this comes about. You can find a more detailed description of how the thinking is handled in my book, Knowledge of Higher Worlds and also in the second part of my Occult Science. Today I would only like to emphasize that there are certain inner exercises that the thinking has to undertake. These concern only the soul and consist in taking particular mental images into the consciousness and in being related to them in such a way that the soul is really able to experience something within the thinking. This can happen only when the thinking is inwardly permeated by something that is not normally present. The experience then achieved is the first step toward investigating the super-sensible worlds. It comes about by strengthening the thinking by meditation (the various kinds of meditation and concentration are described in the books mentioned above), and it makes us aware that the kind of thinking employed in ordinary life and science is not suitable for the investigation of super-sensible worlds. In particular we notice that in using our ordinary thinking we do not become conscious of the forces that lead us into the super-sensible worlds. And such exercises of the thinking, and a real inner experience of it, convince us more than any purely materialistic theorizing that a bodily instrument, the physical organism, is necessary in order that we can think as we do in ordinary life between birth, or rather conception and birth, and death. And because the bodily organism is necessary, because our thinking is dependent upon the bodily instrument for all that it achieves, our thinking cannot free itself from its connection with the physical world, and we cannot use this thinking for penetrating any world except the one in which it is not possible to find the being of man. We see that because our thinking is bound to the physical instrument we are prevented from penetrating into the super-sensible worlds. We observe this when we stop all outward perception in meditation, when we intentionally blot out the operation of our senses and bring to a standstill all our inner feelings and sensations, devoting ourselves inwardly in meditation entirely to a certain thought, in order to concentrate all the powers of our soul upon this thought, and thereby strengthen our thinking. It is precisely in our meditation that we learn how we make use of the body in order to think, and our experience brings us a greater conviction concerning the dependence of the thinking upon the physical organism than any theoretical materialist could do. But we also notice that in living within the physical organism, the latter makes something possible that could not exist without it, that the thinking is given something it could not have were there no physical organism. I hope I may be permitted to make such a paradoxical statement. Its truth will become apparent as we proceed. What we notice is what has to remain of the thought afterward if our soul life is to be sound, and this is the memory of it. It is essential in our soul life that in addition to our thinking we must also have memory. If a person were not able to hold on to what he thinks he would not, for our ordinary physical world, be a normal person. Everything depends upon our being able to preserve our thoughts in our memory. And now we observe in our inner methodical training of our thinking that the physical organism is necessary in order that memory of our thinking is retained. But here we also notice that our thinking can be released from the physical organism—only not the kind of thinking that becomes memory.

[ 8 ] Das, was ich eben gesagt habe, das führt den Geistesforscher auf einen ganz bestimmten Weg. Es führt ihn dazu, zu erkennen, dass das Gedächtnis, so wie wir es als Menschen zunächst haben, eine Kraft ist, die nur für die physisch-sinnliche Welt eine Bedeutung hat, und dass dieses Gedächtnis zunächst gewissermaßen losgelöst werden müsse von der Denktätigkeit, von der eigentlichen Verrichtung des Denkens. Ich möchte sagen: Wie der Chemiker zu den Geheimnissen der stofflichen Natur dadurch kommt, dass er die Stoffe im Laboratorium voneinander trennt, so muss nun auch der Geistesforscher vorgehen mit den einzelnen Seelenverrichtungen. Nur dass seine Analyse, seine geistesforscherische Analyse, in rein inneren Seelenvorgängen besteht, und die Synthese, die Wiederzusammenfügung des Getrennten dann erst recht. So stellt sich heraus die Notwendigkeit, dasjenige im Denken, was zu dem gewöhnlichen Gedächtnis, zu der gewöhnlichen Erinnerung führt, loszulösen von der eigentlichen Denktätigkeit. Wie kann man das aber? Diese Frage entsteht nun: Wie kann man gewissermaßen so, wie man gewisse Substanzen physiologisch so behandelt, dass man Stoffe, die in ihnen aufgelöst sind, durch gewisse Vorgänge aus ihnen herausfallen lässt, sodass die auflösende Substanz zurückbleibt — wie kann man aus dem Denken dasjenige herausbringen, welches zum Gedächtnis führt, zur Erinnerung führt, sodass einem etwas bleibt? Das geschieht dadurch, sehr verehrte Anwesende, dass man immer wieder und wiederum in treuer Wiederholung durch lange Zeiten hindurch, wenn auch nur ganz kurze Zeiten während des Tages, dazu verwendet, eben innerhalb von Gedanken oder Bildern, oder was es ist, zu verweilen, und dass man den eigentlichen Wert darauf legt, in der Seele jetzt nicht darauf zu achten, dass einem das im Gedächtnis bleibe, sondern darauf den Wert legt, in der Seele darauf zu achten, was man tut, indem man also in der Denktätigkeit aufgeht. Da merkt man, dass in dieser Denktätigkeit etwas lebt, was man eigentlich zwar immer drinnen hat im alltäglichen Leben und im gewöhnlichen wissenschaftlichen Forschen, was aber unbewusst bleibt, was nicht ins Bewusstsein hereindringt. Ich kann mich verständlich machen über das, was damit eigentlich gemeint ist, wenn ich Folgendes sage: Nehmen wir an, wir verrichten eine äußere Hantierung, die mit unserem Geschäft, unserem Beruf zusammenhängt. Dadurch bringen wir hervor dies oder jenes immer wieder und wiederum. Der Mensch muss ja schon einmal einen Beruf wählen, der ihn sozusagen täglich an dieselbe Beschäftigung führt. Da ist die Hauptsache zunächst für das äußere Leben selbstverständlich, dass dasjenige hervorgebracht werde, was durch unsere Hantierung hervorgebracht werden kann. Das Ergebnis, das ist die Hauptsache. Aber neben dem geht sehr häufig etwas anderes einher, und wir können sehr wohl, auch wenn es sich auf äußere Hantierung bezieht, es im äußeren Leben als etwas Wichtiges und Wesentliches betrachten. Indem wir jeden Tag dieselbe Berufstätigkeit ausüben, werden wir immer geschickter und geschickter; unsere Hände, unsere sonstigen Vornahmen werden immer mehr und mehr — ich möchte sagen — in uns lebendig, sodass wir nicht nur das Ergebnis hervorbringen, sondern dass sich in uns auch eine Steigerung der Tätigkeit vollzieht. Man achtet vielleicht oftmals nicht mit Aufmerksamkeit auf diese Steigerung der Tätigkeit. Aber man kann sie beobachten.

[ 8 ] What I have just said leads the scientist of spirit on a particular path. It leads him to realize that memory, as it normally exists in the human being, is a power that is only significant in the physical world and that it has to be separated from the activity of thinking. Just as the chemist arrives at the mysteries of the material world by separating substances from one another in the laboratory, so, too, the scientist of spirit has to proceed with the various functions of the soul, but his spiritually-scientific analysis consists in purely inward processes of the soul, and this is even more the case with the synthesis, the putting together again of what has been separated. Thus the necessity arises of separating the activity in thinking which leads to the normal memory, from the actual activity of thinking itself. But how can we do this?—This is the question which now arises: Analogous to the way certain substances are treated so that constituent elements that are dissolved in it can be extracted from it, how can we extract that part of the thinking that leads to memory so that something finally remains? This comes about by constantly dwelling on certain thoughts and pictures for a very long time, even if only for a very short period each day, and by laying the emphasis in this not on seeing that a memory remains, but on observing what we do when we are occupied in thinking. Then we observe that something lives in this thinking activity, which, it is true, we also always have in everyday life and in ordinary scientific investigation, but which remains unconscious, does not reach into our consciousness. I will make this clear by the following: Let us assume we perform an external action connected with our profession or business. In doing it we are constantly producing the same thing. A person has to choose a job which leads him to perform the same action every day. This is the main thing, for our everyday lives at least, to make something which can be produced by our action. The result is the main thing. But alongside this, something else frequently takes place and even when it concerns an external action, we can regard it as something most important and essential in our ordinary lives. In carrying out the same task every day we become more skilled, our hands become more alive so that we not only produce the necessary product, but we also intensify our own activity. Perhaps we do not often notice this intensification of our activity. But we can do so.

[ 9 ] Dasjenige, was ich hier angeführt habe für das äußere Leben, wo es natürlich eine ganz andere Bedeutung hat, das muss nun der Geistesforscher übertragen auf das innere Erleben des Denkens, und zwar desjenigen Denkens, das er gerade in der Meditation ausführt, wenn er sozusagen ganz sich hineinversetzt, mit Vergessen der ganzen Umgebung und der eigentlichen Erlebnisse, die er sonst durchgemacht hat, wenn er sich da hineinverserzt in das, was man eben Meditation oder Kontemplation nennen kann. Und da wird er finden, wenn er die einzelnen Meditationen nicht übertreibt — ich werde auch später davon noch reden —, wird er finden, wenn er immer wieder und wiederum neu und intensiv solch innere Gedankenentwicklung treibt, dass er beobachten lernt, jetzt nicht die Gedanken, sondern die Tätigkeit des Denkens. An der Steigerung merkt er, dass da eine Tätigkeit des Denkens vorliegt. Und indem er gewissermaßen in seiner eigenen Tätigkeit des Denkens sich erlebt, sich erfasst, indem er diese Tätigkeit des Denkens erkraftet, um sie so zu verspüren, dass sie ihm, während sie sonst im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft unbewusst bleibt, dass sie ihm nun ins Bewusstsein hereintritt, da bekommt er allmählich dasjenige in seine Seele herein, was er nun von der Gedächtnisarbeit des Denkens loslösen kann. Denn die Fortsetzung solcher Übungen, wie sie beschrieben worden sind, die ergeben ein ganz bestimmtes Resultat. Sie ergeben das, dass der Mensch sich nach und nach hineinlebt in den Momenten, die er selber hervorrufen kann, dass der Mensch sich nach und nach hineinlebt so in eine neue Tätigkeit, die das Denken jetzt verrichtet, dass für diese neue Tätigkeit in der Tat das Gedächtnis wegfällt und nur ein Erleben in der Denktätigkeit da ist. Man könnte das so bezeichnen, dass der Mensch es erlebt, indem er sein Denken in der angedeuteten Weise entwickelt, dass der Mensch es erlebt, dass die Gedanken ihm entschwinden, und er lebt und webt in der Denktätigkeit, im innerlichen Tun zunächst. Das Eigentümliche ist: Hat man einmal diesen Punkt erfasst, wo man also im innerlichen Tun lebt, dann merkt man: Für diese Art der inneren Seelentätigkeit ist zunächst das nicht da, was im gewöhnlichen Leben das Gedächtnis ist. Es ist etwas anderes da. Und ich möchte durch einen Vergleich hinweisen darauf, wie da eigentlich das ganze innere Seelenleben aus dem Denken heraus jetzt geändert worden ist.

[ 9 ] What I have described here about ordinary life, where it naturally has quite a different significance, must be applied by the scientist of spirit to the inner experience of his thinking, of the kind of thinking that he employs in meditation, when he immerses himself in a state of forgetfulness so far as his surroundings and various experiences are concerned. And he will then find, as long as he does not overdo the individual meditations—I shall speak further about this later—that in constantly and intensively pursuing such an inner development of his thoughts he will come to observe not the thoughts but the activity itself that works in his thinking. He observes that there is such an activity of thinking through the intensification of his own experience. And it is in feeling this activity of the thinking, in strengthening this activity so that he can be conscious of it in a way that does not come about in ordinary life and science, that he fashions something in his soul that he can then separate off from the memory-activity of his thinking. For the continuation of such exercises as have been described brings about a quite definite result. And this result is that a person, in these moments which he himself controls, can immerse himself to such an extent in a new activity, which the thinking now produces, that in this new activity memory actually disappears, and he is left solely with an experience of his activity. In developing and experiencing his thinking in this way, the thoughts themselves vanish and he lives entirely within his thinking activity. The curious thing is that having grasped this point where we live solely within our inner activity, we notice that in this inner activity of the soul we are without memory as we know it in normal life. Something else is present. I would like to use an illustration to show how our whole soul life is now altered by what happens in our thinking.

[ 10 ] Aus der Biografie des Dichters Grillparzer ist ein gewisses Erlebnis dieses Dichters bekannt. Ich will dieses Erlebnis nicht deshalb etwa anführen, weil Grillparzer gerade seiner Erkenntnisfähigkeit nach auf dem Standpunkte gestanden hat, der hier vertreten wird, sondern weil — ich möchte sagen — ein Anhub in dem, was Grillparzer erlebte, vorhanden war zu dem, was — ich möchte sagen — künstlich herbeigeführt werden muss, um die Erforschung der übersinnlichen Wesenheit des Menschen zu bewirken. Grillparzer hatte die ganze Konzeption seines «Goldenen Vlieses» gefasst. Er hatte ausgedacht den Plan, ausgedacht die einzelnen Ereignisse, wie sie zusammenhängen — kurz, er hatte in Gedanken, im Vorstellungsleben, sein Drama «Das goldene Vlies» erfasst. Das Merkwürdige stellte sich heraus, dass er es so, wie er es erfasst hatte, in einer späteren Zeit vergessen hat. Er konnte sich absolut nicht mehr erinnern. Und siehe da, als er einmal eines Tages Klavier spielend dieselben Klavierstücke spielte, die er in der Zeit gespielt hat, in der er den Gedanken des Goldenen Vlieses gefasst hatte, da stellte sich die Erinnerung wieder ein; da war das Ganze wiederum vor seiner Seele. Wie war das gekommen? Nun, das weist uns darauf hin, dass durch die innere Tätigkeit, die jetzt bei dem neuerlichen Spielen dieselbe war wie früher, dass durch diese innerliche Tätigkeit er wiederum dahin geführt worden ist, gleichsam innerlich den ganzen Gedankeninhalt anzuschauen. Wie gesagt, das ist auf dem Weg zu dem, was hier eigentlich betrachtet werden soll —, aber es ist eben auf dem Weg. Es muss dieser Weg nur entsprechend weiter geschritten werden.

[ 10 ] There is a well-known occurrence in the life-story of the poet Grillparzer. I am not mentioning this in order to prove that Grillparzer, as far as his capacity enabled him, took the same view as is put forward here, but because his experience provides us with a lever for what has to be produced rather more artificially if we wish to rise to an investigation of the super-sensible being of man. Grillparzer had conceived the whole outline of his Golden Fleece. He had thought out the plan, the individual events and how they were related, in short, he had conceived his drama, The Golden Fleece, in thoughts. But the remarkable thing happened that later he forgot the form in which he had conceived it. He was absolutely unable to remember it. But, lo and behold! one day at the piano as he played a piece that he had played at the time he had conceived The Golden Fleece, his memory suddenly came to life again, and the whole thing was once more present in his mind. How did this come about? Well, it shows us that the inner activity, which was the same both times he played, enabled him to find the same thought content that he had before. As I have said, this is a step toward the kind of thing we are discussing here, but only a step. We have only to proceed further on the same path in the appropriate way.

[ 11 ] Denn das ist das Eigentümliche, zu dem der Meditant, der Geistesforscher, kommt, dass er gleichsam in sich ersterben findet — aber natürlich nur für die Zeiten, in denen er in der Geistesforschung drinnen ist —, ersterben fühlt das gewöhnliche Gedächtnis und dass immer wieder auftreten kann — jetzt nicht gedächtnismäßig, sondern durch andere Verrichtungen —, auftreten kann die Tätigkeit, in die er sich einmal hineingelebt hat. Diese Tätigkeit tritt immer wieder auf. Und siehe da, wenn man sich eine Zeit lang daran gewöhnt hat — also die Denktätigkeit von den Gedanken, die bleiben können als Erinnerung, zu trennen —, dann merkt man, dass überhaupt die ganze Stimmung des Seelenlebens eine andere geworden ist unter dem Einflusse dieser Übungen. Man merkt allerdings etwas, wenn man an einen bestimmten Punkt in dieser Seelenübungs-Entwicklung gekommen ist, man merkt allerdings etwas, was auf die Seele in einer gewissen Weise bestürzend wirken kann: Man merkt, dass man Erlebnisse haben kann, welche eben nicht Erinnerungen zurücklassen, und weil sie nicht Erinnerungen zurücklassen, [sondern] wie wallende und webende Vorgänge des Erlebens sind, gewissermaßen reale Träume, aber solche Träume, welche eine große Herrschaft über unser inneres Seelenleben ausüben. Und so merkt man das sehr bald in — ich möchte sagen — leer gewordenem Bewusstsein, das jetzt keine Erinnerungen aufbewahren kann von dem, was es unmittelbar denkt, dass da eintritt, jetzt nicht durch dieselbe Denktätigkeit des Erinnerns, durch das Anstrengen, Gedanken heraufzubringen, sondern wie von außen herandringen, gerade so, wie Sinnesgegenstände von außen herandringen, so von außen herandringen zunächst die eigenen Erlebnisse. Man bekommt einen Eindruck mehr oder weniger von seinem Erdenleben bis zurück zu dem Augenblicke, bis zu dem man sich gewöhnlich erinnert. Die Gedanken erscheinen wie Realitäten. Die Gedanken erscheinen wie etwas Lebendiges. Wie lebendige Wesen kommen sie an einen heran; nicht so, wie sie in der Erinnerung auftreten, sondern wie lebendige Wesen kommen sie an einen heran.

[ 11 ] For the peculiar thing that the one meditating, the scientist of spirit, arrives at is that on the one hand he feels his ordinary memory dying away—though naturally only for those times when he is practicing spiritual investigation—while on the other something else can arise that is not of the nature of memory but comes about in another way. This is the activity in which he has immersed himself. This activity constantly reappears. And then, when we have accustomed ourselves for a while to separating the activity of thinking from the thoughts that remain as memory, we notice that the whole mood of our soul life has become different under the influence of these exercises. When we have reached a certain point in the development of our soul through these exercises we notice something that can fill us with dismay—we notice that we can experience things where no memory of them remains. And because they leave no memory behind, they remain as processes of our experience, constantly in movement, in a way real dreams, but dreams that have great power over our inner soul life. And so in this kind of “empty” consciousness that is unable to preserve any memory of what it has thought, we very soon become aware how our own experiences come to us as if from outside us, in the way that sense perceptions come to us. This does not come about through the activity of the memory, nor through our normal effort to produce thoughts. The impression we get is more or less of our whole life as far back as the moment to which we can normally remember. Our thoughts appear as real entities; they appear to be alive. They do not appear as they normally do in our memory, but they approach us as living beings. Our thinking altogether assumes quite a different character under the influence of these exercises. It really becomes quite a different power in the soul. And I would like to add a further illustration to show the surprising way this change in our thinking activity can work.

[ 12 ] Überhaupt, das Denken nimmt unter dem Einflusse der gemachten Übungen einen ganz anderen Charakter an. Es wird wirklich zu einer ganz anderen Seelenkraft. Und ich möchte durch einen Vergleich wiederum darauf hinweisen, wie überraschend diese Veränderung der Denktätigkeit wirken kann. Wenn man sich vorstellt, man habe eine Bildsäule, eine Statue, ein Skulpturwerk vor sich; das ist geformt. Man denke sich, es könnte der Moment eintreten, in dem diese Bildsäule, dieses Skulpturwerk anfinge, zu gehen, zu leben. Dann würde man zunächst etwas finden, was gegen die Gesetze der äußeren Natur verstößt. Das kann selbstverständlich nicht geschehen. Ich wollte das nur als Vergleich anführen, weil im Seelenleben etwas eintritt, das sich wohl damit vergleichen lässt. Bei den Gedanken, die man sonst im gewöhnlichen Leben hat, und die zu Erinnerungen führen, hat man ja vorzugsweise den Eindruck, im eigenen inneren Erleben den Eindruck, dass diese Gedanken passive Bilder sein müssen, die das Äußere abbilden, dass sie gewissermaßen innerlich nicht leben. Und würden sie ein eigenes Leben führen, so würde sich das Seelenleben durch das innere Leben, durch das Eigenleben der Gedanken, in Phantasie, in Träumen, wenn nicht in Schlimmerem, wenn nicht in Halluziniertem ausleben. Im gewöhnlichen Seelenleben haben die Gedanken wirklich etwas, was sich vergleichen lässt mit den Formen, die eine Bildsäule hat. Es soll selbstverständlich gar nichts gegen das Wertvolle der Skulptur eingewendet werden. Das wäre selbstverständlich töricht. Aber mit der toten Statue kann in gewisser Weise das verglichen werden, was als Logik des Denkens in der gewöhnlichen Tätigkeit des Denkens abläuft, wo wir uns nicht bewusst werden der eigentlichen Tätigkeit im Denken, desjenigen, was die Gedanken verbindet, was sie zueinander bringt, was sie wieder trennt. Während die Statue nicht in Tätigkeit, in Leben übergehen kann, kann aber die innere Logik, das innere Weben und Leben der Gedanken nun ins Bewusstsein übergehen, kann innerlich lebendig werden; es kann gleichsam aus der Statue «Logik» eine innere lebendige logische Wesenheit werden, die man jetzt so fühlt, als lebte man sich in eine ganz andere Welt hinein. Von diesem Augenblicke an weiß man: Es hat sich dasjenige, was man zuerst von der Erinnerung losgeschält, losgelöst hat, die Denktätigkeit, selber losgelöst von dem Angewiesensein auf die körperlichen Organe. — Wie gesagt, ich werde alles das, was mögliche Einwände sind, vonseiten der Naturwissenschaft, übermorgen besprechen. — Dasjenige aber, was der Geistesforscher an diesem wichtigen Punkt seiner Entwicklung der Seelenkräfte erlebt, das ist, dass er jetzt weiß: Du hast die Denktätigkeit losgerissen aus dem Physisch-Körperlichen; Du bist mit Deiner Seele, insofern die Seele sich in Gedanken bewegt, herausgetreten aus Deiner physischen Organisation; Du stehst jetzt nicht mehr in Deinem Leibe drinnen.

[ 12 ] Imagine that a statue stands before us—it has a definite form. Then imagine that the moment could arrive when this statue would begin to walk, to live. We would then experience something that goes against the laws of nature. Naturally this could not happen. But I want to use this illustration because something comes about in our soul life which can be compared to this. With the thoughts we have in ordinary life and that result in memories, we have in our inner experience the impression that these thoughts have to be passive copies that imitate the outer world, that they do not have their own inner life and that if they were to lead their own lives, then our soul life would, through this inner life of our thoughts, lead its existence in pure phantasy, in dreams, hallucinations and even more serious states. In our ordinary soul life our thoughts really do have something that can be compared with the forms of a statue. Here I have no intention of saying anything against the value of sculpture. That would of course be stupid. But we can nevertheless compare a dead statue with the kind of logic that operates in our ordinary thinking where we are not conscious of the actual activity in our thinking, of that which joins our thoughts together, which unites and divides them. Whereas the statue is unable to take on life, to become active, our inner logic, the inner weaving and life of our thoughts can be taken up into our consciousness, can become inwardly alive; in the same way an inner, living and logical being can arise out of the “logic” of the statue, a being that we feel to the extent of having the impression that we are in a quite different world. From this moment onward we know that what in the first instance freed itself from the memory, the actual activity of thinking, has now freed itself from dependence upon the physical organism. The scientist of spirit is aware at this important point in his development that he has released his thinking activity from the physical organism, that his soul, inasfar as it moves in thoughts, has left his bodily organism, and that he is no longer in his body.

[ 13 ] So paradox, so sonderbar dies erscheint: Es ist eine Realität. Es ist die Möglichkeit vorhanden — aber nur durch inneres Erleben —, dieses Sich-los-Trennen dessen, was geistig-seelisch in uns ist, von dem PhysischLeiblichen zu konstatieren. Dasjenige, was da der Geistesforscher erlebt, das ist zu verschiedensten Zeiten mit einem Worte bezeichnet worden, das auch hier in früheren Vorträgen schon erwähnt wurde, das aber immer wieder erwähnt werden darf, weil es etwas darstellt, was unendlich erschütternd auf die Seele wirkt, wenn sie an dem Punkt angekommen ist, von dem ich eben gesprochen habe. Denn allerdings, die Entwicklung, die der Geistesforscher durchmacht, sehr verehrte Anwesende, sie ist so, dass die einzelnen Etappen verbunden sind mit inneren Erschütterungen, mit inneren Überwindungen, von denen wir schon auch einiges kennenlernen müssen. Das hat keinen objektiven Wert. Aber wenn man von den Wegen und Methoden spricht, durch die man die übersinnliche Wesenheit des Menschen erforscht, so muss auch dies erwähnt werden. Nun muss aber gesagt werden: In einer solchen Art, wie ich es gezeigt habe, kann eigentlich die Geistesforschung erst entstehen in unserer Zeit. All dasjenige, was in der fortlaufenden Menschheitskultur entsteht, muss ja zu einer bestimmten Zeit auftreten. Wie die neuere naturwissenschaftliche Denkweise vor drei bis vier Jahrhunderten heraufgekommen ist, wie sie durch äußere Verhältnisse möglich geworden ist, durch innere Entwicklungsverhältnisse der ganzen Menschheit möglich geworden ist, so ist vor unserer Zeit eine solche Behandlung der inneren Seelenkräfte nicht möglich gewesen, wie es jetzt geschildert worden ist. Da musste erst eine jahrhundertelange naturwissenschaftliche Schulung der Menschheit vorausgehen, damit das Denken überhaupt die Kraft bekommt innerhalb der Menschheitsentwicklung, um so etwas mit sich vornehmen zu können. Allein in früheren Jahrhunderten und Jahrtausenden gab es immer Menschen, die auf anderen Seelenwegen und aus anderen Entwicklungskräften der Seele heraus auch in die geistigen Welten eingedrungen sind, auf Entwicklungswegen, die nur der heutigen fortgeschrittenen Menschheit nicht mehr angemessen sind. Diese Wege müssen geändert werden, so, wie die Art, die Natur anzuschauen, auch geändert worden ist im Laufe der Entwicklung. Aber auf ihre Art sind Geistesbetrachter der verschiedensten Jahrtausende auch an den Punkt gekommen, der hier gemeint ist, wo sie erfasst wurden von einem in der Welt Lebendigen, das gewissermaßen lebendig webende Gedankenkraft ist, objektive Gedankenkraft, die durch die Dinge hindurch wallt und webt. Sie sind darauf gekommen, und sie haben den Punkt in Bezug auf das, was die Seele Erschütterndes erleben kann, wenn sie an diesen Punkt kommt, so bezeichnet, dass sie gesagt haben: Da kommt die Seele an die Pforte des Todes. Und in der Tat, man weiß von diesem Kommen an die Pforte des Todes etwas, was eben dadurch, dass es einem innerlich vor die Seele tritt, erschütternd wirkt; man weiß: Indem man die Tätigkeit des Denkens so weit getrieben hat, dass sich diese Tätigkeit in der angedeuteten Weise umgewandelt hat, gelangt man hinein in ein solches Lebendigwerden des Denkens. Allein man steht vor einer inneren — nicht vor einer physischen — Gefahr. Nicht vor einer Gefahr, ich werde das übermorgen besprechen, die mit der [Lücke in der Mitschrift] etwas zu tun hat, selbstverständlich, aber man steht vor einer Gefahr.

[ 13 ] However paradoxical this may appear, it is true. This experience of the scientist of spirit has been characterized in earlier lectures here, and it can frequently be referred to because it describes something that has a shattering effect on the soul when it reaches the point I have just been talking about. For we cannot get away from the fact that the development which the scientist of spirit goes through involves inner upheavals and the surmounting of difficulties which we should know something about. This has no objective value. But if we are to speak about the ways and methods employed in investigating the super-sensible being of man, we should not omit this aspect. But now I must add that the way the science of spirit works, as I have been describing it here, can come into being only in our own time. For everything that comes into being in the course of the cultural evolution of humanity has naturally to appear at a particular moment. The scientific way of thinking was made possible three or four centuries ago by the inner conditions of human evolution existing at that time. Likewise, before our time it would not have been possible to train the powers of the soul in the way I have described. There had first to be a training of several hundred years in scientific method before thinking could acquire the necessary power to undertake such a development. In earlier times, hundreds or even thousands of years ago, there were always people who penetrated into the spiritual worlds, though they proceeded along a different path and used different powers for their development, using methods that are no longer suited to humanity as it has evolved today. These methods have to be changed, just as the way we look at nature has changed during the course of time. Nevertheless, the observers of the spirit in the past also reached the point referred to here, where they were embraced by this living, weaving power of thought, the objective power of thought that permeates everything. And they described the moment when the soul can have this shattering experience as the soul's approach to the gate of death.—This whole experience makes us aware that having cultivated the activity of thinking to the extent that it has been transformed in the way I have described, we actually enter into this living state of thinking. Alone, we are faced with an inner—not a physical—danger.

[ 14 ] Man steht vor der Gefahr, rein innerlich seelisch nicht hereintragen zu können in die Welt, die man jetzt erlebt, dasjenige, was sonst das gewöhnliche alltägliche Selbstbewusstsein ist. Man steht vor der Gefahr, in eine Welt hineinzutreten, der gegenüber man ohnmächtig ist, seelisch, rein seelisch ohnmächtig ist, sein Selbstbewusstsein hineinzutragen, in der man sich gewissermaßen zunächst zu verlieren scheint, sodass man eigentlich dahin kommt, bis an die Pforte einer Welt zu treten, aber indem man davortritt, ist es, wie wenn man sich selbst zurücklassen müsste. Dieses Sich-Verlieren, dieses Sich-nicht-mehr-Haben, das ist zunächst ein erschütterndes Erlebnis. Und dieses Erlebnis, voll durchgemacht, wirklich innerlich erlebt, sodass man es in der Seele hat, das lässt einen etwas anderes jetzt erleben, das lässt einen das erleben, dass man weiß: Ja, dieses Selbstbewusstsein, das Du da hast, dieses Selbstbewusstsein, das einmal in diesem Leben aufgetreten ist, an dem Zeitpunkt, bis zu dem man sich sonst zurückerinnert, wo man angefangen hat, sich als ein Ich zu bezeichnen —, dieses Selbstbewusstsein ist im eminentesten Sinne, mehr noch als die anderen Seelenkräfte, gebunden an die physische Leibesorganisation. Und indem man jetzt herausgekommen ist aus der physischen Leibesorganisation, steht man vor der Gefahr, nicht mehr zu sich selber «Ich» sagen zu können, sich selber zu verlieren. Man lernt erkennen, was einem entrissen wird, wenn man durch die Pforte des Todes geht, wenn das Geistig-Seelische sich lostrennt in Wirklichkeit durch den Tod vom Physisch-Leiblichen. Man kommt wirklich dahin — ich möchte sagen —, lebendig theoretisch zu erleben, was der Tod im geistig-seelischen Sinne ist, objektiv ist.

[ 14 ] This is the danger of not being inwardly able to carry what is otherwise our normal everyday self-consciousness into the world we now experience. It is the danger of entering a world where we are powerless in our souls to take our self-consciousness with us, where at first we seem to lose ourselves so that we actually reach the state of approaching the gate of death. But in approaching it, it is as if we had left ourselves behind. This losing ourselves, this no longer feeling in possession of ourselves, is a shattering experience. And in becoming completely one with it, we get to know something further—that the self-consciousness that we have, which arises at the moment to which our memory stretches back, the moment when we are aware of ourselves as an ego, this self-consciousness is really more bound to the physical organism of the body than the other powers of the soul, so that when we loosen our connection with the bodily organism we face the danger of not being able to say “I” any more, of losing ourselves. We recognize what is taken from us when we go through the gate of death, when death really divides the spirit-soul nature from the physical-bodily nature. We really achieve what I would call a theoretical but living experience of what death is from an objective, spirit-soul viewpoint.

[ 15 ] Das ist das erschütternde Erlebnis. Und deshalb bezeichneten diejenigen, die etwas davon wussten, dieses Erlebnis als das Heranrücken an die Pforte des Todes. Aber man muss den Weg, der geschildert worden ist, zu diesem bedeutsamen Erlebnis hin, man muss ihn durchmachen. Nur wenn befolgt werden, sehr verehrte Anwesende, diejenigen Übungen, die gerade geschildert werden in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und im zweiten Teile meiner «Geheimwissenschaft», wenn man diese Übungen in der Seele durchmacht, dann entwickelt man daraus die Art und Weise, wie diese Übungen aus den Seelenerfahrungen heraus geformt sind. Man entwickelt neben diesem Wege, der eben geschildert worden ist, einen anderen, der gewissermaßen damit parallel geht, und der einen davor bewahrt, wenn man nun — es kann ja der Ausdruck gebraucht werden — an die Pforte des Todes mit seinem Bewusstsein herangetreten ist, der verhindert, dass man sich wirklich da selbst verliert. Also etwas anderes hat noch der Geistesforscher, der Meditierende, durchzumachen, damit er sich nicht verliere an dem betreffenden Punkt, sondern hineintragen kann sich selber in die Welt, die er also jetzt betreten hat. Wie man, um zu dem geschilderten Punkte zu kommen, eine Entwicklung des Denkens nötig hatte, eine Abtrennung des Denkens, der Denkkraft, der Denktätigkeit von dem, was im Denken zur Erinnerung führt, so hat man zu dem anderen Wege nötig eine ganz bestimmte, wiederum durch innere Seelenübungen zu erreichende Entwicklung der Willenstätigkeit, des Willens.

[ 15 ] This is a shattering experience. And this is why those who knew something about it called it the approach to the gate of death. But now we have actually to follow the path that has been described as leading to this significant experience. Only in following the exercises described in my book Knowledge of Higher Worlds and in the second part of my Occult Science can we understand how these exercises are fashioned out of the experiences of the soul. In addition to this we also proceed along another line of development which runs more or less parallel to the first, and which prevents us from losing ourselves when we approach the gate of death with our consciousness. The scientist of spirit has therefore to undertake something else if he is not to lose himself at this point but rather can take himself with him into this other world. On the one hand we have seen that in order to reach this point we have to develop our thinking, to separate the power and activity of thinking from the power in the thinking that leads to memory, but now on the other it is necessary to develop the activity of our will, again with the help of certain exercises of the soul.

[ 16 ] Und da muss gesagt werden, dass diese Entwicklung des Willens darauf beruht, dass man nun wiederum von dem Willen, den man im gewöhnlichen Leben angewendet hat, etwas abtrennt, was mit ihm im gewöhnlichen Leben verbunden ist, gleichsam — wenn ich diesen chemischen Vergleich gebrauchen darf — etwas herausfällt, herausschält aus der gewöhnlichen Willenstätigkeit. In unserer gewöhnlichen Willenstätigkeit, gerade wenn man in wissenschaftlicher Weise diese Willenstätigkeit betrachtet, dann weiß man, dass man den Willen im gewöhnlichen Leben nirgends, nirgends, selbst bei der idealsten Tätigkeit, dass man den Willen im gewöhnlichen Leben und durch das gewöhnliche Bewusstsein nie anders erlebt als dadurch, dass er erfüllt ist mit inneren Emotionen, mit Affekten, mit dem, was Motive des Willens sind. Die müssen drinnen sein, sonst würde im gewöhnlichen Leben der Wille nicht wirken.

[ 16 ] And here it must be said that this development of the will involves separating something from it that belongs to it in normal life, that—to use an expression from chemistry—something must be extracted from it. Of the normal activity of our will, especially when seen from the scientific viewpoint, we know that however filled with ideals we are, the will remains full of emotions and the like, which motivate it. These have to be present or the will would not function in ordinary life.

[ 17 ] Nun muss der Geistesforscher, damit er den anderen, mit dem ersten parallel gehenden Weg absolvieren kann, er muss solche Übungen machen, durch die er in die Lage kommt, den Willen abzutrennen, [durch die er in die Lage kommt, das Erleben zu haben], den Willen abzutrennen von alledem, was verbunden sein muss deswegen, weil Motive im Willen leben müssen, die aus unserem Leiblichen, aus unserem gewöhnlichen Seelenleben und so weiter herauskommen, abzutrennen den Willen von alldem, was gerade das Wesentliche und Wertvolle dieses Willens für das gewöhnliche Leben ausmacht. Selbstverständlich nicht für das gewöhnliche Leben darf diese Abtrennung geschehen — sonst würde der Mensch ein für das gewöhnliche Leben unbrauchbarer Mensch sein, vielleicht noch etwas Schlimmeres —, sondern nur für die Augenblicke, für die Zeiten, in denen eben der Mensch die geistigen Welten erforschen will, muss er sich die Möglichkeiten schaffen, einen solchen Willen zu erleben, der von dem gewöhnlichen Willen frei wird. Und da gibt es wiederum Übungen, die nun angewendet werden auf den Willen, sodass der Wille sich loslöst. Sie finden wiederum in den genannten Büchern dies beschrieben.

[ 17 ] Now in order to progress along the path parallel to the first one, the scientist of spirit has to do exercises which enable him to separate the will from all those things that have to be present within it, because there must be motivation that stems from our physical nature, from our ordinary soul life, and so on—this kind of motivation, which for our ordinary life appears to be the most essential and most valuable, has to be separated from the will. Of course, this separation should not affect our ordinary lives or we would become quite useless or even worse, but such a will that is free of our everyday will should be brought about only in those moments when we wish to investigate the spiritual worlds. And here again there are exercises to achieve this. You will also find these in the books I have mentioned.

[ 18 ] Vor allen Dingen zielen diese Übungen — während die Denkübungen darauf hinzielen, das Denken zu erkraften, sich zu versetzen in erlebte Gedanken, die man in den Mittelpunkt des Bewusstseins rückt —, zielen diese Willensübungen darauf hin, dass man immer mehr und mehr Willkür darüber bekommt, die gewöhnliche Willenstätigkeit auszuschalten, Ruhe, innere Seelenruhe zu gebieten dem ganzen inneren Seelenleben. Das gewöhnliche Seelenleben durchziehen die Überbleibsel der Motive des Willens, die Sorgen, alle anderen Empfindungen, kurz dasjenige, was als lebendige Kraft aus dem gewöhnlichen Seelenleben in dem Gemüte wallt. Die Übungen gehen dahin, dies alles willkürlich unterdrücken zu lernen. Und da kommt dann der Geistesforscher dahin, etwas herbeiführen zu können, was sonst im gewöhnlichen Leben nur unwillkürlich herbeigeführt werden kann.

[ 18 ] Whereas the aim of the thought exercises is to strengthen the thinking, to immerse ourselves in the experience of our thoughts that we place in the center of our consciousness, the aim of the will exercises is to gain an increasing control in shutting out the normal activity of the will, and to command an inner peace in the whole life of the soul. Our ordinary soul life is filled with the remains of the motives of our will, our cares and other feelings, in short, all those things that arise out of our ordinary soul life. The object of the exercises is to learn to suppress all this consciously.

[ 19 ] Um das zu beschreiben, muss ich auf etwas hinweisen, was zyklisch gleichsam im gewöhnlichen Leben immer vorkommt, auf dasjenige, was man im vierundzwanzigstündigen Leben, wenn man einigermaßen ein regelmäßiges Menschenleben führt, immer erlebt, nämlich auf den Wechsel von Wachen und Schlafen. Wir brauchen heute nicht weiter auf dasjenige einzugehen, was im Menschen geschieht, indem der Übergang sich in ihm vollzieht vom Wachen zum Schlafen. Aber das weiß ja jeder schon aus der trivialen, aus der gewöhnlichen Lebensbeobachtung, dass zunächst die Sinnestätigkeit unwillkürlich hinunterschwindet — in einer gewissen Reihenfolge, die beschrieben werden könnte, die Beschreibung hat hier keinen besonderen Wert —, dass dann auch dasjenige, was zuletzt noch bleibt, das innere Sich-Erfühlen, das innere Sich-Durchleben, dass das auch hinunterschwindet. Und dann bleibt der Mensch in einem Zustande, den man ja im eminentesten Sinne als unbewusst zu bezeichnen hat.

[ 19 ] Here the scientist of spirit brings something about which in ordinary life can only come about unintentionally. In order to describe this I must refer to our experience in ordinary life of the 24 hour cycle with its changing rhythm of waking and sleeping. It is not necessary now to go into what happens when the transition from waking to sleeping occurs. But everyone knows from his own trivial observation of life that the activity of our senses disappears in a particular order without any direction on our part—it would serve no purpose to describe this further here—and that even what finally remains, an inner feeling of ourselves, a consciousness of our own life,—that even this disappears too. Then we remain in a state of unconsciousness.

[ 20 ] Nun kommt der Geistesforscher darauf, dass der Mensch dann, wenn er schlafend in diesem unbewussten Zustande ist, trotzdem in seiner seelischen Wesenheit drinnensteckt. Und er kommt dadurch darauf, dass er lernt, durch eine bestimmte Entwicklung des Willens nun einen Zustand herbeizuführen, der auf der einen Seite dem Schlafzustande ähnlich und doch wiederum so radikal von ihm verschieden ist, dass man sagen kann: Er ist der entgegengesetzte Zustand des Schlafens. Die Willensentwicklung geht darauf hin, wirklich zuletzt alle Sinnestätigkeit auszuschalten, dasselbe mit der Sinnestätigkeit herbeizuführen, das sonst im tiefen bewusstlosen Schlaf erreicht ist; ebenso das herbeizuführen mit aller Denktätigkeit, mit aller Fühlenstätigkeit, mit allem, was in den Willensmotiven lebt, das ganze sinnliche und gewöhnliche Seelenleben durch Willkür zu unterdrücken. Und dann merkt man — wenn man sich die Kräfte angeeignet hat, um dies erreichen zu können, dass man wirklich so Stillstand des physischen, organischen Lebens herbeizuführen in der Lage ist, wie es sonst unwillkürlich im Schlafe geschieht —, dass man nun nicht unbewusst zu bleiben braucht, dass man nicht wirklich in Schlaf hineinkommt, sondern dass man in einem bewussten Zustande diesen Übertritt erlebt. Die Kraft, die einen dazu führt, die organische Tätigkeit zu unterdrücken, diese Kraft führt einen zu gleicher Zeit nun dazu, nun auf einem anderen Wege das geistig-seelische Bewusstsein herauszuheben aus dem Leibe, jetzt als Willenstätigkeit herauszuheben, sodass man wirklich nun nicht bewusstseinslos wie im Schlafe außerhalb seines Leibes ist — ich brauche diese Ausführungen heute nicht zu erklären, weil nichts davon abhängt —, sondern dass man bewusst im Schlafe steht und weiß: Du bist jetzt nicht mehr in dem, was in dir lebt. Aber das Bewusstsein ist nicht geschwunden. Das Bewusstsein ist intakt vorhanden samt dem Selbstbewusstsein, samt der Möglichkeit, Dich als ein Ich zu wissen.

[ 20 ] The scientist of spirit now discovers that when a person is in this unconscious state he is nevertheless within the being of his soul. He discovers this when in undertaking a particular development of his will he learns to produce a condition which on the one hand is similar to the state of sleep, but which on the other hand is so radically different from it that one could even say it is the very opposite of the state of sleep. The development of the will is aimed at eliminating all the activity of the senses, a condition that is normally achieved only in deep, unconscious sleep. This involves the same thing with the activity in our thinking, in our feeling, and in everything connected with the motives in our will.—The whole life of our senses and of our soul has to be suppressed by our own conscious intention. Having acquired the requisite power to achieve this we notice that we are able to bring our physical, organic life to a standstill. In sleep we achieve this without any effort on our part, but now we no longer need to remain unconscious, we do not enter into sleep, but experience the transition in a conscious state. The power that enables us to suppress our organic activity also enables us in another way and at the same time to lift our spirit-soul consciousness, which is now our activity of will, out of our body, so that we are no longer, as in sleep, withdrawn from our body in a state without consciousness—I do not have to explain all this today, as nothing in our discussion depends upon it—but we are fully conscious in sleep and are aware that we are no longer in that which lives in us, but that nevertheless our consciousness has not disappeared. Consciousness is fully present, including self-consciousness and the ability to know ourselves as an ego.

[ 21 ] Deshalb ist der Zustand radikal verschieden von dem Schlafzustand, weil man im Schlafe eben bewusstseinslos ist, jetzt aber gerade vollständig bewusst so aus seinem Leibe heraustritt, dass man diesen Leib überblickt, vor sich hat, wie man sonst einen Tisch oder äußeren Gegenstand vor sich hat. Bewusst kommt man auf diese Weise aus dem Leiblichen und weiß, dass man heraußen ist, weil man das Leibliche jetzt so beobachtet wie ein Außenobjekt, wie man sonst äußere Gegenstände beobachten kann.

[ 21 ] The reason this state is radically different from the state of sleep is that in sleep we have no consciousness, but here we leave the body consciously in such a way that we are able to look at the latter as we would look at a table or any other object. Thus we withdraw consciously from our body and are fully aware that we are outside it because we are able to perceive it as an object outside ourselves, just as we normally see physical objects outside ourselves.

[ 22 ] Dies erscheint selbstverständlich demjenigen, der von solchen Dingen noch keine Mitteilungen erhalten hat oder kein Verständnis sich erwerben kann, als etwas ganz Paradoxes und Träumerisches. Dennoch: Es ist ein realer Vorgang, viel realer als ein Vorgang, den die Seele sonst hervorrufen kann, und durch den die Seele jetzt dazu gelangt, das Sich-Erleben im Wollen, im Willen bis zum vollständigen Bewusstsein zu bringen.

[ 22 ] To anyone who has never heard anything about these things or can gain no understanding of them, they can naturally appear only paradoxical and unreal. Despite this, it is a real process, much more real than the processes normally at work in the soul. By means of it the soul now manages to experience itself in the will to the extent of complete consciousness.

[ 23 ] Aber nun erlebt man etwas, sehr verehrte Anwesende, welches, wenn man es schildert, zunächst selbstverständlich so hingenommen werden muss, wie wenn man eigentlich sich bloß bildlich ausdrücken wollte, wie wenn man eigentlich einen bloßen Gedanken, etwas Sinnbildliches, vielleicht sogar etwas Allegorisches bloß meint. Aber das ist nicht der Fall, sondern man erlebt etwas ganz innerlich Reales. Das erlebt man, dass man in diesem also von der gewöhnlichen Seelentätigkeit losgelösten Willen, der aber jetzt bewusst ist —, dass man in diesem Willen etwas erlebt, was immer in einem ist, aber nicht so ist wie etwas Ruhendes, nicht so ist wie etwas Substanzielles, sondern wie ein geistig-seelisches Bewusstseinsleben: Einen zweiten Menschen erlebt man in sich, der immer in jedem Menschen ist, der aber nur durch das gewöhnliche Bewusstsein nicht zutage gefördert werden kann. Gewiss, wenn man sonst im gewöhnlichen Leben sagt, der Mensch trage einen zweiten Menschen in sich, dann meint man sehr häufig irgendetwas Bildliches, irgendetwas Erdichtetes. Das ist hier nicht gemeint, sondern hier ist wirklich das gemeint, dass der Mensch darauf kommt: Du trägst in Dir einen zweiten Menschen, einen zweiten Menschen, der wirklich Bewusstsein hat, und der Dir bei allem, was Du sonst im gewöhnlichen Leben an Willenstätigkeit verrichtest, zuschaut. Man ist nie allein. In den Tiefen unseres Wesens ist ein wahres Wesen, das sich entwickelt, und das ein Zuschauer von uns ist, ein Wesen, das in fortwährender Tätigkeit ist, und das man, wenn man solche Übungen, wie sie geschildert worden sind, fortsetzt, immer genauer kennenlernt. Ja, man lernt es zunächst so kennen, dass man, bevor man gewissermaßen so recht Bekanntschaft mit ihm machen kann, wiederum ein erschütterndes inneres Seelenerlebnis zu überwinden hat. Das andere Seelenerlebnis, das die Geistesforscher das Gelangen an die Pforte des Todes genannt haben und nennen, habe ich geschildert. Jetzt aber gelangt man an ein Seelenerlebnis, welches man bezeichnen kann dadurch, dass man sagt: Man erlebt in einer umfassenden Weise geistig-seelisch — und geistig-seelisch ist das ja alles gemeint —, man erlebt in einer umfassenden Weise geistig-seelisch jetzt erst, was eigentlich in der Welt, durchwallend und durchwebend diese Welt, an Schmerzen, an Leid wesenhaft vorhanden ist. Gewissermaßen die Grundlagen des durch die Welt webenden und lebenden Leides und Schmerzes erlebt man. Man lernt jetzt erst erkennen, was seelisch Schmerz und Leid ist. Und das muss man. Denn in dem Erfahren dieses Schmerzes, in dem Erleben dieses Schmerzes entwickelt man erst die Fähigkeit, dieses innerlich bewusste Wesen, das da in einem sitzt, unmittelbar innerlich geistig-seelisch zu ergreifen, zu erfassen, zu erleben. Man kann sagen: Derjenige, der ein offenes Herz, einen offenen Sinn hat für dasjenige, was ihn in der Welt umgibt, der wird das, was ihn in der Welt umgibt, empfinden in vieler Beziehung als ein Schönes, als ein Erhabenes, als Weltenblüte. Derjenige, der das durchmacht, was geschildert worden ist, der weiß, dass sich wie aus einem Mutterboden des durch die Welt wallenden und webenden Schmerzes heraus erhebt die Blüte aller Schönheit, aller Erhabenheit, aller Herrlichkeit in der Welt.

[ 23 ] And now our experience goes further, but in describing it, we are bound to make it appear purely pictorial, as if only a symbol or perhaps even an allegory were meant. But this is not the case, for our inner experience is absolutely real. In this state where the will is detached from our normal soul activity, and where it is conscious, we come to experience something in us that is always there, not as substance, but as spirit-soul consciousness. We become aware of a second person in us that is always present in everyone, though it cannot be brought to light by our normal consciousness. Of course, if we were to say in the normal way that each person bears a second person within him, we would frequently be understood to mean something pictorial or contrived. This is not what is meant here. We really do become aware that we carry a second person within us that really has a consciousness and is witness to all the activity of our will in normal life. We are never alone. In the depths of our being there is a true being evolving, watching what we do, a being that is in constant activity and which we gradually come to know when we do the exercises that have been described. But before we can make closer acquaintance with this being we have to overcome another shattering experience in our souls. The other similar experience I described as the approach of the scientist of spirit to the gate of death. This one can be described as follows: In our spirit-soul experience we become aware of what weaves in the world as pain and suffering. We experience the basis, the being, of this pain and suffering. We come to know for the first time what pain and suffering are in the soul. This we must do. For in experiencing this pain and suffering we develop the ability to grasp this inner conscious being in us as an immediate inner spirit-soul experience. We can say that a person who has an open heart and mind for what surrounds him in the world will in many respects find much that is beautiful, exalted in it and will see it as the flower of the world. A person who undertakes the exercises described knows that the flower of all the beauty, the exalted nature and the glory of the world rises as if out of the ground, the earth, of the pain that weaves through the world.

[ 24 ] Gewiss, sehr verehrte Anwesende, es könnten Menschen kommen, die in ihrer Menschenweisheit sagen: Ja, so etwas könnte einen ja verzweifeln lassen an der weisheitlichen Führung der Welt, an der Weisheit Gottes sogar; denn warum hat Gott das so nicht eingerichtet, dass das Schöne, das Herrliche, das Erhabene ohne die Grundlage des Schmerzes erscheint? Solche Menschen machen eben Einwände aus Menschenweisheit heraus, ohne die eisernen Notwendigkeiten des Daseins in ihren Tiefen erfühlen und erleben zu können. Derjenige, der fragt: «Warum ist das Erhabene, das Schöne, die Blüte nicht da in der Welt ohne die Grundlage des Schmerzes?», der steht ungefähr auf dem Standpunkt eines Menschen, der von dem Mathematiker verlangt, er solle ihm ein ebenes Dreieck aufzeichnen, dessen Winkelsumme nicht 180 Grad ist. Es gibt eben Notwendigkeiten. Diese Notwendigkeiten widersprechen durchaus nicht der weisheitsvollen Führung der Welt. Wie die Blüte der Pflanze aus der Wurzel sich entwickeln muss, so muss sich aus dem, was man jetzt auf dem Grunde der Seele als Leid erlebt, das man miterleben muss, alles dasjenige entwickeln, was in der Welt erhaben und schön ist. Das gerade führt zu einer tieferen Lebens- und Weltauffassung; das gerade zeigt uns, in welchem Lebensgrundelement Schönheit, Erhabenheit, Weisheit wurzeln, und dass diese gar nicht da sein könnten, dass die Kraft gar nicht da sein könnte, sie zu erleben, wenn nicht die Kraft erworben würde dadurch, dass sie selber, diese Kraft, aus dem Leid herauswächst.

[ 24 ] Of course people can come forward with their human wisdom and say that such a statement could make one despair of the wise direction of the world, even of the wisdom of God, for why has God not seen to it that the beautiful, the wonderful, the exalted can appear without this foundation of pain?—Such people produce objections out of their human wisdom without having any deep feeling for the iron necessities of existence. Anyone who asks why the exalted, the beautiful, the flower, cannot exist in the world without the basis of pain is more or less in the same position as a person who demands of a mathematician that he should draw a triangle whose angles do not add up to 180 degrees. Necessities simply exist. They do not contradict the wise guidance of the world.—All the exalted nature and beauty of the world evolves out of what we experience in the depth of our souls as pain, just as the flower of a plant has to evolve out of its root. This leads us to a deeper conception of life and of the world, it shows us in which fundamental elements of life beauty, exaltedness and wisdom have their roots, and that these could not exist, that the power to experience them could not exist, if we were not to acquire this power which is present only inasmuch as it grows out of pain.

[ 25 ] Nun entsteht aber die Frage: Warum erleben wir gerade das Leid in dem Augenblicke, wo wir diesen inneren Beobachter, dieses innere bewusste Seelenwesen innerlich durchleben? Warum gerade dann? Es beginnt damit — und ich möchte diese Dinge, trotzdem ich dadurch vielleicht schwieriger verständlich werde, genau schildern —, es beginnt dies damit, dass man, indem man nach der Entwicklung des Willens wirklich das innerlich wie webend und lebend in der neu entwickelten Willenstätigkeit erlebt, was da innerlich Zuschauer ist. Indem man es zunächst erfährt, so erlebt man es so, wie wenn es widersprechen würde allem, was man sonst im Seelenleben, in diesem Leben, seitdem man denken kann, erlebt hat. Derjenige, der es so erlebt, der hat in einem ungeheuer gesteigerten Maße das Gefühl, das man etwa haben kann, wenn man irgendeine sorgfältige Denkarbeit verrichtet hat und dann einer kommt, der einem diese Denkarbeit gründlich widerlegt, sie als etwas hinstellt, was so nicht bestehen kann. Ich möchte sagen: Wie das Erleben in einer lebendigen Widerlegung, so erfühlt man das, was da aus der Tiefe des Willens heraustritt. Ein sehr merkwürdiges, sehr sonderbares Erlebnis zunächst! Gerade das, dass sich etwas hereinstellt in das Seelenleben, das so beginnt, wie [der] Schmerz einer Widerlegung des eigenen Seelenlebens, gerade das, was so beginnt, was so erlebt wird, das steigert sich, wird allmählich so, dass man wirklich das erlebt, was man nennen kann: Man fühlt sich darinnen in dem Schmerzensstrom, der auf dem Mutterboden des Daseins dahinzieht. Dann aber ist es gerade dieses Erlebnis des Leides, das einem — ich möchte sagen — immer konkreter und konkreter, immer wesenhafter und wesenhafter dasjenige macht, was da aus dem Willen heraussprießt. Und dann erlebt man, was da eigentlich ist, was da aus dem Willen herauskommt. Man lernt allmählich verstehen, warum es so in Schmerzensform auftritt, denn man lernt verstehen: Du erlebst jetzt eigentlich dasjenige, was Du sonst während Deines alltäglichen Lebens an Denken und Wollen nicht erleben kannst; was dem zugrunde liegt, was im Grunde genommen sich Dein ganzes Leben hindurch in den Tiefen der Seele entwickelt hat, was Du jetzt erfasst hast in dem Stadium, da Du begonnen hast, Geistesforscher zu werden —, Du erlebst dasjenige, was sonst verborgen im Seelenleben ist, was geblieben ist, wenn alles dasjenige im Seelenleben abfällt, was an das Werkzeug des äußeren Leibes gebunden ist. Man erlebt dasjenige, was durch die Pforte des Todes geht, was, wenn wir sterben, in eine rein geistige Welt hineingeht, und weil das, was nun in eine rein geistige Welt hineingeht, zunächst geeignet ist, in einer geistigen Umgebung zu leben, was nicht angepasst ist dem Leben, das wir entwickelt haben, was jetzt in diesem Leben drinnensteht, ohne ihm angepasst zu werden. Deshalb tritt es zunächst leidvoll, in der Form des Leides und Schmerzes auf. Es ist etwas, was sich entwickelt, sodass es für eine andere Art des Erlebens bestimmt ist. Und jetzt weiß man, wie in der Seele das vorhanden ist, was durch die Pforte des Todes hindurchgeht, wenn unser Leib zerfällt, was der Seele wirklich als ein Unsterbliches innewohnt. Man erlebt es jetzt, aber durch inneres Erleben, so, wie die Pflanze fühlen würde, wenn sie erleben könnte, wie sie in ihrem Wachstum nach und nach die Kräfte vorbereitet, welche dann in der Blüte zu dem Keim führen, der wieder, nachdem er durch ein anderes Leben, durch den Boden der Erde oder dergleichen gegangen ist, zu einer Pflanze derselben Art sich entwickeln kann. Man erfühlt einen Lebenskeim, einen neuen Lebenskeim in sich. Und so wahr der Keim der Pflanze aus den Kräften der Pflanze heraus sich entwickelt und neue Pflanze werden kann, so wahr erlebt man es jetzt, dass dieser Lebenskeim, den man zunächst eingebettet in Schmerz erleben kann, dass der durch eine geistige Welt geht und wiederum zu einem neuen Menschenleben, zu einem wiederholten Erdenleben werden kann. Nur das erlebt man, dass, während der Pflanzenkeim durch die äußeren Umstände, die im Raume und der Zeit ablaufen, vertilgt werden kann, sodass nicht jeder Pflanzenkeim zu einer neuen Pflanze entwickelt wird, dass in der geistigen Welt, die gilt, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist, keine solchen Hindernisse bestehen, sondern in dem, was eben geschildert worden ist, geht es durch die geistige Welt hindurch und muss als ein neues Erdenleben wieder erscheinen, muss wiederum einen Leib suchen, dem es sich einfügt, den es gestaltet, in dem es sich zusammenfügt mit demjenigen, was von Vater und Mutter kommt, was in der Vererbungsströmung liegt, was es durchorganisiert und zu einem neuen Erdenleben führt.

[ 25 ] Now the question arises: Why is it that we experience pain just at the moment when we permeate this inner observer, this inner consciousness of the soul with life? Why just then?—Although this is more difficult to understand, I would nevertheless like to describe it as exactly as possible. It begins when, having developed the will, we experience in our newly-evolved activity of the will what the inner observer is that weaves and lives within us. Our first experience of it seems to contradict all we have experienced in our soul life since we have been able to think. It is rather like—only to a far greater degree—thinking something through most carefully, and then someone comes and disproves our argument, showing it to be untenable. What rises up out of the depths of our will is felt just like such a living refutation.—A very remarkable and odd experience! It is just this something that comes about in the life of the soul, that begins like the pain of a refutation of our own soul life, that finally evolves and intensifies to the experience of our feeling the flowing stream of pain that moves over the mother earth of existence. It is this experience of pain which makes what rises up out of the will increasingly more concrete and more real. We then come to a full realization of what this is. We gradually come to understand why it appears like this in the form of pain, for we now become aware of what normally cannot be experienced at all in the way of thinking and willing in our everyday lives, namely, what lies at the root of our ordinary experience, what actually has evolved in the depths of the soul throughout the whole of our life, and which we grasp when we have begun to become scientists of spirit. We experience part of our soul life that is normally hidden and what remains with us when everything is removed from our soul life that is bound to the instrument of the physical body. We experience the part of us which goes through the gate of death, which when we die goes on into the spiritual world. And because this part of us that goes into the spiritual world is not at first fit to live in purely spiritual surroundings, is not suited to the life we have developed, but simply exists in it without being properly adapted to it, it therefore appears to us at first in the form of pain and suffering. In the form that it develops it is really destined for another kind of experience. So now we know how the part of us that goes through the gate of death when our body disintegrates is present in the soul, and lives in the soul as its immortal core. In our inner experience we are like a plant feeling how it gradually prepares the forces in its growth that lead to the formation of the seed in the flower, which having lived a different life in the earth, can then develop into another plant of the same kind. We become aware of a new seed of life within us.—And just as the seed grows out of the forces of the plant and can become a new plant, so, too, we now experience that this seed of life, enclosed at first within pain, can lead to a further life on earth. The only difference is that whereas the plant can be destroyed by the conditions existing in space and time so that not every seed develops into a new plant, there are no such conditions or hindrances in the spiritual world when we have passed through the gate of death, but we proceed through the spiritual world and appear in a further life on earth. Then we have to seek out another body with which to unite ourselves, and which we fashion in joining ourselves to what is produced by our father and mother. We take what exists through heredity and impress our own organization upon it so that we can enter into a new life on earth.

[ 26 ] Der Geistesforscher nun, sehr verehrte Anwesende, kommt also, indem er auf dem Weg geht, den ich geschildert habe, kommt also gewissermaßen zu zwei inneren Seelenelementen, zu demjenigen Seelenelement, wobei er vor der Gefahr sich fühlt: Du kannst Dich verlieren; aber er kommt auch zu dem anderen Seelenelement, das ihm gerade ein Bewusstsein gibt des in ihm sonst unbewussten Denkens. Das Bewusstsein, das er sonst bewusst hat, das steht vor der Gefahr, verloren zu werden. Mit dem Bewusstsein aber, das sich ergibt aus der Willensströmung heraus, mit dem kann man jetzt eintreten in die Welt, dadurch kann man sich hineinführen in die Welt, die man also erlebt. Und da zeigt sich, während man, wenn man allein dasjenige erleben würde, was da im Willen als ein neuer Menschenlebenskeim drinnen lebt, Schmerz nur fühlen würde, dass gerade, wenn man die Übungen in der richtigen Weise macht, diese Schmerzen eben sich nur zeigen als etwas, was einem Geheimnisse der Welt verrät, dass aber in Wirklichkeit das eintritt, dass man nun dieses auf dem Grund der Seele liegende Bewusstsein hineinträgt in das, was man sonst als Leere empfinden würde, der gegenüber man ohnmächtig würde, wenn man es empfinden würde. Da hört es auf, schmerzlich zu sein, da erwacht es zu einem solchen Leben, wie sonst unsere Sinne erwachen, wenn sie reif geworden sind aus der Embryonalität heraus und die sinnliche Welt anschauen können.

[ 26 ] In following this path I have described, the scientist of spirit comes upon two factors in his inner life of the soul. The one is that he feels the danger of losing himself, the other that he acquires consciousness in his otherwise unconscious thinking. The consciousness which he normally possesses is in danger of becoming lost. But the other kind of consciousness which arises out of the will can now be employed in entering into the world. At first we experience only pain in this seed of life in the will, but if the exercises are continued in the right way we discover that the pain in fact reveals mysteries of the world to us, for what really happens is that we take this consciousness which lies in the soul into a condition which we normally experience as emptiness, and which, if we could feel it, makes us powerless, but that now it ceases to be pain and we awaken to a life which may be compared to the awakening of the senses when they have been fashioned in the embryo and are then able to perceive the physical world.

[ 27 ] Indem sich vereinigen die zwei Elemente, die ich geschildert habe, werden sie nun zu einem neuen Sinn, zu dem, was Goethe «Geistesauge» und «Geistesohr» nennt, das aber jetzt in Wirklichkeit, in Realität vorhanden ist. Das Denken, das weiterentwickelt worden ist bis zu dem Punkt, der geschildert wurde, vereinigt sich als Tätigkeit mit dem neuen Bewusstsein, und ein vollständig entwickelter Geistesmensch, der jetzt voll außer dem Physischen innerhalb des Menschen ist, den erlebt die Seele in sich selber, mit dem lebt sie sich zusammen, und dieser Geistesmensch ist nun drinnen in der geistigen Welt. Dieser Geistesmensch erhält nun, indem er in der geistigen Welt ist, etwas, was ich schon angedeutet habe, was wie eine höhere Stufe des Erinnerns ist, nicht ein Erinnern, welches dadurch entsteht, dass Gedanken wieder auftreten, sondern dadurch, dass das, was in der geistigen Welt vorhanden ist, vor einen als lebendige Wesenheit hintritt. Jetzt tritt auch als lebendige Wesenheit dasjenige hin, was in der Zeit durchlebt worden ist, die wir durchlebt haben, bevor wir uns mit einem physischen Erdenleibe vereinigt haben, die zwischen unserem letzten Tod und unsrer letzten Geburt — oder sagen wir Empfängnis — verflossen ist. Es treten die Erfahrungen früherer Erdenleben auf. Eine höhere Art von Gedächtnis tritt auf. So paradox es erscheint, es ist dasjenige, was ebenso wahr entwickelt werden kann, wie im Laufe des Lebens andere Fähigkeiten aus der kindlichen Verfassung der Seele heraus erst entwickelt werden, die dann zum physischen Leben tüchtig werden und dereinst wieder sich wahrnehmen als ein geistiges Wesen innerhalb der geistigen Welt drinnen. Er erlebt sich als Geist in der geistigen Welt. Und so wahr, als er hier in der physischen Welt umgeben ist von physischen Wesen, die gleicher Art sind mit seiner physischen Organisation, so wahr ist er in der geistigen Welt nunmehr darinnen als Geistmensch unter Wesenheiten, die geistiger Art sind. Solche geistigen Wesenheiten, welche niemals in das physische Leben hereinkommen, welche ihre Aufgabe in der geistigen Welt haben, solche Wesenheiten, welche wie die Menschenseelen abwechselnd ein geistiges Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, oder ein physisches Leben zwischen Geburt — oder sagen wir — Empfängnis und Tod führen, das alles wird jetzt — ich möchte sagen — eine geistig-gegenständliche Welt. Nur muss man sich nicht vorstellen, dass diese geistig-gegenständliche Welt irgendwie eine bloße Wiederholung der physischen Welt ist. — Die genaueren Dinge nach dieser Richtung hin werden übermorgen zur Sprache kommen, heute soll nur erwähnt werden, dass die ganze Art und Weise, wie man die geistige Welt nun erfährt, eine andere ist, so zum Beispiel — nun, sehr verehrte Anwesende, indem ich ein Beispiel anführe, muss ich natürlich, da man sich heute noch mit Wahrheiten über die geistige Welt gewissermaßen kompromittiert, muss ich mich noch mehr, als es schon der Fall ist, vor der heute gewohnten Vorstellungsart kompromittieren. Nehmen wir einmal an, wir haben es in Bezug auf das geistige Erleben in diesem Menschen, der sich herausentwickelt hat aus dem anderen Menschen, zu tun mit einer Seele, mit einer Menschenseele, die vor Jahren durch die Pforte des Todes gegangen ist. Da kann es allerdings eintreten, dass man auf die Weise, wie eben der Geist den Geist wahrnehmen kann, diese Seele des Toten auf sich wirksam fühlt. Aber es ist das nicht so, wie sich vielleicht mancher — wie gesagt es, soll dies übermorgen zur Sprache kommen — vorstellen möchte, es ist nicht so, wie wenn man ein verfeinertes materielles Bild sehen würde; es ist nicht so, wie wenn man ein nebulöses Gespenst sehen würde in dem Sinne, wie das triviale abergläubische Hellsehen glaubt —, sondern auf eine ganz andere Weise kommt das Geistige in unser eben erläutertes, aus der Willensströmung herausgeborenes Bewusstsein hinein. Und um die Art und Weise zu charakterisieren, wie das Geistige nun erlebt wird, muss ich etwa das Folgende sagen: Nehmen wir an, wir haben als Menschenseele Gedanken. Die Gedanken leben in uns. Nehmen wir an, der Gedanke könnte sich selber erleben; dann würde der Gedanke sagen: Ich bin in der Menschenseele. Der Gedanke würde nicht so wie wir eine äußere Welt aneinander abbilden, sondern er würde sich in einer Welt wissen, er würde wissen, dass er drinnen ist in einer Welt. Ich könnte auch sagen: Statt dass er anschaut, erlebt er, dass er angeschaut wird, dass er selber erlebt wird. Das erlebt er. So ist nunmehr das Zusammensein mit der geistigen Welt ein viel realeres, als das Zusammensein mit den sinnlichen Dingen, aber auf andere Art. Es kommt herein dasjenige, was in den geistigen Welten lebt, in unser Bewusstsein, sodass das Bewusstsein, das wir erst selber auf die geschilderte Weise in die geistige Welt hineingetragen haben, sich erfasst, nun weiß von anderen Bewusstseinen, die jetzt mit ihm zusammenkommen; miterlebt mit geistigen Wesenheiten weiß sich das Bewusstsein.

[ 27 ] When these two factors I have described are united, they become a new sense organ, which Goethe calls the “spirit eye” and the “spirit ear.” This is now really present. Our thinking, which has been developed to the point described, is united as activity within this new consciousness. A fully developed spirit-man, now existing entirely outside the physical body, is experienced by the soul within itself and lives together with it, and this spirit-man now lives within the spiritual world. In being within the spiritual world the spirit-man possesses a higher stage of memory, not the kind of memory that arises when thoughts reappear, but when what is present in the spiritual world appears before us as living being. Then also everything we have experienced in time before we were joined to a physical body, before our previous death and conception and birth, all this appears before us as living being. The experiences of former lives on earth come into view. A higher kind of memory arises. Paradoxical as it may seem, this is something that can be developed. In the young child, faculties that are needed in ordinary life are not yet present and have to be developed. These make us competent in life. The new memory leads us to a perception of ourselves as spiritual beings within the spiritual world. We experience ourselves as spirit within the spiritual world. And just as we are surrounded in the physical world by physical beings that are of the same nature as our physical organism, in the spiritual world as spirit-man we are with beings of a spiritual nature. Such spiritual beings never appear in physical life. They have their tasks in the spiritual world and do not alternate their lives like human souls between a spiritual life between death and birth and a physical life between birth and death. We experience all this as a spiritually objective world before us. We must in no way imagine that this world is a mere repetition of the physical world.—I will discuss this aspect in greater detail on another occasion, I would only stress now that the whole way in which the spiritual world is experienced is different. Now since people compromise themselves today when dealing with truths about the spiritual world, I will also have to compromise more than is normally the case with the prevailing approach to life when I now give you a further illustration. Let us assume that in our spiritual experience we are concerned with a human soul that passed through the gate of death many years ago. It can then happen, in the way that one spirit perceives another, that we can feel this soul of the dead affecting us. But it is not as some would imagine that we see a very much refined material picture, or the sort of nebulous ghost as imagined by trivial and superstitious kinds of clairvoyance, but in a quite different way the spiritual enters the consciousness which has arisen out of the stream of our will. In order to characterize how the spiritual is now experienced, I must say the following: Assume that as human souls we have thoughts. The thoughts live in us. Assume that a thought could experience itself, in which case it would say: I am in the human soul. The thought would not be like something that we copy from the outer world, but would realize that it exists in a world; it would know this. Thus the connection with the spiritual world is much more real than the connection with things in the visible world, though it is a different kind of connection. What lives in the spiritual world enters our consciousness so that the latter, which we ourselves have just now taken into the spiritual world in the way described, becomes aware of other consciousnesses he now meets. Our consciousness is now aware of living with spiritual beings.

[ 28 ] Es kann also das auftreten, dass eine Seele, die der unsrigen helfen oder sich neigen will aus der geistigen Welt — eine Menschenseele kann es sein, oder auch eine sonstige Seele, die niemals in einem physischen Leib sich verkörpert —, dass diese von uns erlebt wird als in unserem Bewusstsein lebend. Da merkt man dann, dass wir im gewöhnlichen Erdenleben immer eigentlich in unserem Bewusstsein die geistige Welt also lebend haben. Aber weil wir dieses Bewusstsein nicht haben, so stecken in unserem gewöhnlichen Bewusstsein auch nicht diese geistigen Wesenheiten schon darinnen. Man kann aber fühlen lernen, wenn man etwas geistig zu verrichten hat, wozu namentlich Erfindung nötig ist, dass an dieser Erfindung beteiligt ist, indem sie in unser Bewusstsein hineinfließt, die Tätigkeit der Seele eines lang verstorbenen Menschen. Solche Erfahrungen kann man machen.

[ 28 ] We can therefore be aware of a soul that wishes to help us or draws toward us from the spiritual world—it can be a human soul or a soul that has never incarnated in the physical world—and such a soul we experience as living within our own consciousness. We see then that in our everyday lives we really have the spiritual world living within us in our consciousness. But because ordinarily we are not aware of this, we do not normally find these spiritual beings in our usual consciousness. But when we have something spiritual to carry out, where inventiveness is required, we can feel that the activity of the soul of a person who died long ago flows into our consciousness.

[ 29 ] Es ist ja selbstverständlich — und es geschieht nicht aus Unbescheidenheit —, dass man da persönliche Erlebnisse, persönliche Forschungserlebnisse, sozusagen Erforschtes anzugeben hat. Aber es ist zum Beispiel geschehen, dass eine Seele, die vor Jahren gestorben ist, die eine ganz besondere künstlerische innere Fähigkeit hatte, diese künstlerische innere Fähigkeit durch den Tod hindurch getragen hat und nun half bei gewissen künstlerischen Verrichtungen. Derjenige, der nun geistige Wahrnehmung auf die geschilderte Weise sich erworben hat, der weiß zu unterscheiden, was von ihm selber ist, obwohl es seinem Stolze, seiner Eitelkeit mehr schmeicheln könnte, [das alles nun ausschließlich seiner eigenen Genialität zuzuschreiben]; er weiß, was lebt in ihm, was gerade [Lücke in der Mitschrift] aus der geistigen Welt und ihren Wesenheiten herauskommt.

[ 29 ] It is only natural to cite personal experiences in connection with this, though not out of any immodesty. There was, for example, the soul of a person who died many years ago, and who had quite special artistic gifts which were taken through death and then gave help when certain artistic things were being done. Having acquired this spiritual perception we are able to distinguish between what originates in ourselves—although we could please our pride and vanity more by ascribing it all to our own gifts—and what lives in us that originates in the spiritual world and the beings belonging to it.

[ 30 ] Und wenn jemand dann sagt — wie gesagt übermorgen soll mehr darauf eingegangen werden — wenn jemand sagt, sehr verehrte Anwesende: Ja, das kann alles eine Illusion, das kann alles eine Halluzination sein —, dann soll für heute dem nur erwidert werden, dass es ja auch gewisse philosophische Richtungen gibt, welche sagen: Alles dasjenige, was Du mit Deinen Augen siehst, ist nur eigentlich ein Geschöpf Deiner Augen selber. Man braucht sich nur an Schopenhauers Dichtung zu erinnern: Die Welt sei nur Vorstellung — welche sich so gesteigert hat bei einem Manne, der einmal vor Goethe stand, dass dieser Mann Goethe gegenüber die Überzeugung ausdrückte: «Wenn ich meine Augen nicht geöffnet habe, dann ist die Sonne nicht da!» Ein neuerer Naturforscher, der durchaus nicht abgeneigt ist, auch Grenzgebiete der Naturforschung in seinen Forschungsbereich einzubeziehen, der sagte: Nun ja, aber es habe sich doch herausgestellt, dass der Mann längst tot ist und seine Augen nicht mehr aufmachen kann —, aber die Sonne tummele sich noch immer im Weltenraum herum.

[ 30 ] And if someone says this could all be an illusion, hallucination, then we would reply that there are also certain types of philosophy which maintain that everything we see is only a creation of our eyes. We have only to think of Schopenhauer's statement “The world is only idea.” This had such an effect on one person that he told Goethe that when he closed his eyes the sun was not there—A more recent scientist who is by no means averse to including the more marginal areas of research in his work, commented that we have long since discovered that the man is dead and can no longer open his eyes, yet the sun is still moving through the universe.

[ 31 ] Ich weiß selbst, was alles für Einwände gemacht werden können gegen dieses; aber im Wesentlichen ist es doch zutreffend. Gerade aber [Lücke in der Mitschrift] rechtfertigt diese philosophischen Einwände. Der Mensch lernt erfassen, was in der wirklichen Welt Reales und ein bloßes Gedachtes, ein bloß in seiner Seele Erlebtes ist. Wie der Mensch es in Bezug auf die äußere Sinnenwelt nur durch das Leben lernen kann, so kann in Bezug auf das seelisch-geistige Erleben — das sich entwickelt hat, wie geschildert worden ist — [nur] die eigene Seele sich rechtfertigen und, wenn ich diese Ausdrücke gebrauchen darf, wahrgenommene Wesenheiten und Geschehnisse als wirklich erkennen. Wenn man das einmal kann, dann nimmt sich alles, was an Einwänden erhoben werden kann, so aus, wie die Einwände des philosophischen Idealisten — im technischen Sinne ist das gemeint — sich gegen die Realität der äußeren Welt ausnehmen. Auch in der äußeren Welt kann die Realität nur erlebt werden. Es gibt keinen Beweis, der logisch geführt werden könnte; nur im Leben selber lernt man das Wirkliche von dem Erträumten, von dem Halluzinierten zu unterscheiden. Und wie das Seelenleben gesund bleibt und das Halluzinierte von dem Erlebten unterscheiden lernt, davon soll übermorgen gesprochen werden. So lernt man unterscheiden das Erträumte von dem, was wirklich ist. Und so auch in der geistigen Welt.

[ 31 ] I know all the various kinds of objections that can be brought against this, but it is nevertheless essentially apt. In the science of spirit we learn to distinguish between what is real in the world and what is merely thought out or simply experienced in the soul. Only life can teach us about the world of senses. In our spirit-soul experience only our own soul can be the arbiter and can recognize the reality of the beings and events that we perceive. If we can do this, then all the objections vanish, just as the objections of the philosophical idealists vanish in face of the realities of the physical world. Even in the physical world reality can only be experienced. There is no logical proof that can be advanced; only in life itself can we learn to distinguish the real from dreams and hallucinations. Thus, too, in the spiritual world we learn to distinguish what is dreamed from what really is.

[ 32 ] So wollte ich diese Betrachtungen heute nur bis zu dem Punkte führen, an dem sich zeigt, wie der Mensch durch eine Erforschung der geistigen Welt zu der Erkenntnis seiner eigenen geistigen Wesenheit kommen kann, die dieser geistigen Welt angehört. Diese besondere Betrachtung der geistigen Welt, die auf einer inneren Entwicklung der Seele beruht, sie konnte erst auftreten in der Periode der neueren Naturwissenschaft, die in Bezug auf die Seelenerziehung der Menschheit gewissermaßen dazu die Vorschule war. Und es ist ganz begreiflich, dass, indem sich die Menschheit eine Zeit lang eingelebt hat gerade in dasjenige, was die Größe der neueren naturwissenschaftlichen Denkweise ausmacht, dass diese Menschheit abgekommen ist davon, auch nur für möglich zu halten, dass die Seele wirklich zu einer Erkenntnis der geistigen Welt kommen kann. Wie jeder Mensch, auch wenn er nicht Geistesforscher ist, die Erkenntnis dieser geistigen Welt in sich aufnehmen und ihren Wahrheitswert einsehen kann, gerade so wie einer, ohne dass er selbst Chemiker ist, die chemischen Erzeugnisse und die chemischen Wahrheiten für das gewöhnliche Leben verwerten kann — davon will ich auch übermorgen sprechen. Und ich will heute nur darauf hinweisen, dass es gerade dem Geistesforscher ganz begreiflich ist, dass diejenigen, die sich in das bloße äußere Naturforschen eingelebt und diejenigen Seelenkräfte kennengelernt haben, welche mitwirken bei diesem äußeren Naturforschen, die nützen gelernt haben diese Seelenkräfte und ihre Entwicklung zur Forschungsmethode, die den Glanz und die Höhe und die von der Geisteswissenschaft voll anerkannten großen Erfolge und Errungenschaften der modernen Naturwissenschaft, die das alles bewirkt haben, [dem Geistesforscher ist es ganz begreiflich], dass die, die diese Seelenkräfte kennengelernt haben, für eine Weile in der Menschheitsentwicklung zu dem Glauben kommen konnten, dass es überhaupt keine Wissenschaft geben kann über die hinaus, die nur durch die Entwicklung der Sinnesanschauung und des an das Gehirn, das heißt an die leibliche Organisation, gebundenen Denkens begründet ist.

[ 32 ] Today I only wanted to go as far as to show how through the investigation of the spiritual world we can acquire knowledge of our own spiritual being that belongs to this spiritual world. This particular way of looking at the spiritual world, which is based on an inner development of the soul, could only arise in the age of science as we now know it, which has been a kind of preparatory training for the further development of the soul. And it is quite understandable that having immersed itself for a time in the greatness of the scientific way of thinking, humanity has rejected the possibility of the soul attaining real knowledge of the spiritual world. Every person, whether he is a scientist of spirit or not, can take in knowledge of this spiritual world and appreciate the degree of truth it contains. This is no different from being able to value the truths and products of chemistry for our ordinary lives without actually being chemists. The scientist of spirit completely understands when those who are immersed in ordinary science and have become familiar with the faculties of the soul that share in it, who have learned to use and develop these faculties for a method of investigation that has resulted in the tremendous successes of modern science (which the science of spirit fully recognizes)—he completely understands when such people must believe for a while that it is not possible to have a science beyond the one bound to the development of the senses and of the brain, that is, which is founded on the kind of thinking that is bound to the physical organism.

[ 33 ] Dasjenige aber, was wirklich erlebt werden kann, sehr verehrte Anwesende, das bezeugt, dass das Gebiet eines wirklichen Wissens hineinerweitert werden kann in die geistige Welt, dass der Mensch seine geistig-seelische Wesenheit, die durch Geburten und Tode geht, in wiederholten Erdenleben wirklich erforschen kann. Und wenn ein glänzender neuerer Naturwissenschafter des neunzehnten Jahrhunderts wirklich mit Recht betont hat, dass die Anschauung derjenigen Erkenntniskräfte, die gerade in der Naturwissenschaft die Erfolge herbeigeführt haben, nicht aus dem Gebiet der sinnlichen Natur hinausführen können, aber dafür auch nicht in die Gründe des Daseins eintreten können —, wenn dieser glänzende Naturforscher, Du Bois-Reymond, deshalb sein Ignorabimus, deshalb sein «Nichtwissen» ausgesprochen hat, so war cs eben, weil er sich eingewöhnt hat in jene Erkenntniskräfte, die nur die äußere sinnliche Welt voll zu durchschauen, zu durchkraften vermögen. Und er hat es ausgesprochen, dass, wenn man etwas unternehmen wolle, um anderes zu erkennen als die äußere Natur, so beginne, wie er sagt, der «Supranaturalismus», das heißt das Sich-Einleben in die geistige Welt. Nur, sagt er, dass, wo Supranaturalismus anfängt, hört Wissenschaft auf. Er weiß noch nicht — und es ist ganz begründet, dass er es nicht wissen konnte —, dass diejenigen Erkenntniskräfte, die gerade geschärft und erkraftet sind an der Beobachtung der äußeren Natur, nicht führen können in diese geistigen Welten —, dass erst diese Erkenntniskräfte, wie wir sie haben, dass Denken und Wille umgestaltet werden müssen, damit sie sich in anderer Weise entwickeln, als sie in der gewöhnlichen Wissenschaft sind. Dann müssen sie sich beleben, erkraften, in die geistige Welt emporzudringen.

[ 33 ] But what we can experience proves that the province of real knowledge can be widened to include the spiritual world, and that we really can investigate our spirit-soul being which proceeds through births and deaths in repeated lives on earth. A brilliant scientist of the 19th century, Du Bois-Reymond, quite rightly emphasized that the approach to knowledge which has led science to its great successes does not lead us beyond the sphere of nature perceptible to our senses, and therefore could not fathom the depths of existence. He was able to express this inability to know, this “not knowing,” because he himself was immersed only in the faculties of knowledge that can comprehend the outer world of the senses. And he said that if we wanted to undertake something in order to get beyond the natural world, we would enter into supranaturalism, that is, we would immerse ourselves in the spiritual world. But then he said, Where supranaturalism begins, science comes to an end. He did not yet know—and there is good reason why he could not know—that the faculties of our mind which are sharpened and strengthened in observing nature cannot lead to the spiritual world, but that these same faculties first have to transform our thinking and our will so that they can evolve differently from the way they do in ordinary science. Then they have to bring themselves to life, to acquire strength, in order to penetrate up into the spiritual world.

[ 34 ] Und so muss man sagen: Wohl hat es eine einseitige Richtigkeit, das Ignorabimus, dasjenige, was Du BoisReymond sagt — man kann nicht in die geistige Welt eindringen mit denjenigen Erkenntniskräften, die gerade die Naturwissenschaft groß gemacht haben. Man kann aber jene Erkenntniskräfte, genau dieselben Erkenntniskräfte, durch eine innere geistig-seelische Methode so entwickeln, dass man dann durch die also entwickelten Erkenntniskräfte in die geistigen Welten hinaufstreben, hinaufdringen kann — [und zwar] dann, wenn das Wissen nicht bloß das passive Wissen bleibt, das zu der Größe der äußeren Wissenschaft beigetragen hat, wenn das Wissen ein lebendiges wird — in dem Übergehen aus der Statue in die lebendige Logik, in inneres Leben —, wenn sozusagen die Seele selber lebend, lebendige Logik wird, und diese Logik durchwallt und durchlebt werden kann mit dem, was sie in der Strömung des Willens finder. Denn dasjenige, was der Geist ist — sehr verehrte Anwesende, lassen Sie mich mit diesen Worten schließen —, kann nur dadurch erfahren werden, dass das Wissen zum Leben erweckt wird und als LEBENDIGES Wissen in der lebendigen Geisteswelt lebt, dass das Leben selber, das der Mensch sonst gebunden an die sinnlichen und an die physischen Organe führt, dass das Leben selber zum Wissen, zum lebendigen Wissen führt! Dadurch, dass das Wissen das lebendige Wissen wird, dadurch, dass ein neuer Mensch, ein innerer Mensch in dem Menschen entdeckt wird, dadurch lebt sich der Mensch hinauf in diejenige Welt, in der er als Geistwesen unter geistigen Geschehnissen und unter anderen Geisteswesen ist; dadurch lebt er sich hinauf in die Welt, in der sein wahrer Ursprung, seine wahre Aufgabe, sein wahrer Sinn sind. Davon dann übermorgen weiter.

[ 34 ] And so we must admit that, from one viewpoint at least, what Du Bois-Reymond said was right—that we cannot penetrate to the spiritual world with those faculties of acquiring knowledge which have brought success to natural science. But we can develop these very same faculties by a purely inner and spiritual method to lead us into the spiritual world. Then our knowledge does not remain purely passive (though in this form it has contributed much to science), but becomes something living. It is like the transition from the statue to living logic, to inner life, when the soul itself becomes living logic which can be permeated by what it finds flowing out from the will. Thus we can only experience what the spirit is when knowledge is awakened to life which lives as living knowledge in the living world of the spirit, when knowledge is awakened to life which normally is bound to the world of the senses and to the physical organs, but which now leads the human being to living knowledge. It is in turning knowledge into living knowledge, in discovering a new man, an inner being in us that we rise to the spiritual world, in which we live as spiritual beings among spiritual events and other spiritual beings. In this way we rise to the world where our true origin, our true task and our true purpose lie.