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Ways to a Knowledge of the
Eternal Forces of the Human Soul
GA 70b

14 January 1916, Basel

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Ways to a Knowledge of the Eternal Forces of the Human Soul, tr. SOL
  1. Wege zur Erkenntnis der ewigen Kräfte der Menschenseele

8. Die Harmonie zwischen Geisteswissenschaft und Naturwissenschaft und die Misssverständnisse über die Erstere und den ihr gewidmeten Bau in Dornach

8. The Harmony Between the Spiritual Sciences and the Natural Sciences, and the Misunderstandings Regarding the Former and the Building in Dornach Dedicated to It

Sehr geehrte Anwesende!

Ladies and gentlemen!

[ 1 ] In dem Vortrage, den ich vorgestern hier halten durfte, versuchte ich auseinanderzusetzen, in welcher Art dasjenige, was hier in diesem Vortrage mit Geisteswissenschaft gemeint ist, zu ihren Ergebnissen kommt, und ich machte darauf aufmerksam, dass ich in jenem Vortrage weniger Rücksicht darauf nehmen möchte, welche Einwendungen von dieser oder jener Seite, insbesondere von naturwissenschaftlicher Seite, gegen die Erkenntnis der Geisteswissenschaft in unserer Zeit noch vorgebracht werden können.

[ 1 ] In the lecture I had the privilege of giving here the day before yesterday, I attempted to explain how what is meant by “spiritual science” in this lecture arrives at its conclusions, and I pointed out that in that lecture I wished to pay less attention to the objections that might still be raised in our time—from this or that quarter, particularly from the natural sciences—against the insights of spiritual science.

[ 2 ] Heute möchte ich gerade auf diese verschiedenen möglichen und, wie Sie sehen werden, durchaus begreiflichen Einwendungen ein wenig eingehen. Ich versuchte vorgestern zu zeigen, dass in der Tat der Geistesforscher zu der Überzeugung kommt, dass in die geistige Welt vonseiten der Menschenseele eingedrungen werden kann, dass aber diese Überzeugung sich so herausbildet, dass zugleich die Einsicht mit ihr verbunden ist, dass es nicht dieselben Seelenkräfte, dieselben Erkenntnisfähigkeiten sein können, die in die geistige Welt hineinführen, welche die menschliche Seele dahin bringen, in die Sinneswelt und alles dasjenige, was sinnlich zu ihr gehört, einzudringen; dass es vielmehr notwendig ist für den Geistesforscher, aus dem gewöhnlichen Denken, Fühlen und Wollen, wie sie das Alltagsleben und die gewöhnliche Wissenschaft kennen und beherrschen, erst etwas herauszubilden, heraus zu entwickeln an anderen Seelenfähigkeiten, an anderen Seelenereignissen, durch die dann die Seele befähigt wird, sich lebendig in die geistige Welt hineinzutragen, und auf diese Weise etwas zu erhalten, was man Geisteswissenschaft nennen kann. Ich habe darauf aufmerksam gemacht, dass es zunächst notwendig ist, dasjenige, was man Denken, was man Vorstellen nennt, in einer ganz bestimmten Art zu üben, sodass sich aus dem gewöhnlichen Denken, aus dem gewöhnlichen Vorstellen etwas ergibt, das nicht mehr einerlei ist mit diesem gewöhnlichen Denken und Vorstellen, sondern etwas anderes geworden ist, das vor allen Dingen dadurch sich unterscheidet von dem gewöhnlichen Denken und dem gewöhnlichen Vorstellen, dass es sich erlebt, erkraftet, um nun nicht bloß wie dieses gewöhnliche Denken in Bildern sich zu erheben, sondern in Realität sich zu erleben. Dieser Übergang von dem Sich-Erheben der Seele in den Bildern, wie das beim gewöhnlichen Denken im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft der Fall ist, dieses Sich-Erheben in Bildern muss verwandelt werden in ein Sich-Erleben in realer Wesenheit. Damit entdeckt man in der Tat, wenn man es erreicht hat, etwas, was die Seele vorher nicht kennen kann, wovon sie sich nicht einmal eine Vorstellung machen kann; denn es geht das in alle gewöhnlichen Vorstellungen nicht hinein, sondern muss eben unmittelbar erlebt werden, wenn es zum Bewusstsein kommen soll, trotzdem es fortwährend in jeder Seele vorhanden ist. Dadurch — sagte ich vorgestern — gelangt die Seele dahin, durch die Erkraftung, durch die Verstärkung des Denkens sich auf der einen Seite herauszuheben aus der Leiblichkeit, unabhängig zu werden von der Leiblichkeit und eben sich in einer Realität zu erleben, sodass sie weiß: Du bist jetzt mit Deinem Denken aus Deinem Leib herausgetreten.

[ 2 ] Today I would like to address these various possible—and, as you will see, quite understandable—objections. The day before yesterday, I attempted to show that the researcher of the spiritual world does indeed come to the conviction that the human soul can penetrate the spiritual world; however, this conviction develops in such a way that it is accompanied by the insight that it is not the same soul forces, the same cognitive faculties that lead into the spiritual world as those that enable the human soul to penetrate the sensory world and all that belongs to it through the senses; that it is rather necessary for the spiritual researcher to first develop and cultivate, out of ordinary thinking, feeling, and willing—as they are known and mastered in everyday life and ordinary science— to first cultivate and develop other soul faculties and other soul experiences, through which the soul is then enabled to carry itself vividly into the spiritual world, and in this way to attain what may be called spiritual science. I have pointed out that it is first necessary to practice what is called thinking and what is called imagination in a very specific way, so that out of ordinary thinking and ordinary imagination something emerges that is no longer indistinguishable from this ordinary thinking and imagination, but has become something else—distinguished from ordinary thinking and ordinary imagination above all by the fact that it is experienced and strengthened, so as not merely to rise in images like ordinary thinking, but to be experienced in reality. This transition from the soul’s elevation in images—as is the case with ordinary thinking in ordinary life and in ordinary science—this elevation in images must be transformed into an experience of itself in real essence. In this way, once one has achieved it, one indeed discovers something that the soul could not know before, something of which it cannot even form a concept; for this does not fit into any ordinary concept, but must be experienced directly if it is to come into consciousness, even though it is constantly present in every soul. Through this—as I said the day before yesterday—the soul comes to the point where, through the strengthening and intensification of thought, it lifts itself out of physicality on the one hand, becomes independent of physicality, and experiences itself in a reality, so that it knows: You have now stepped out of your body with your thinking.

[ 3 ] Auf der anderen Seite — hob ich hervor — muss parallel gehen diesen Übungen des Denkens, durch die sich das Denken losmacht von der Leiblichkeit, eine Übung des Willens, der Gemütskräfte überhaupt, sodass auch der Wille sich heraushebt aus dem Leiblichen. Dann kommt man nicht in eine solche Weltensphäre des Erlebens hinein, wie durch das Herausheben des Denkens, sondern man kommt vielmehr dazu zu erkennen, dass in unserer Willensströmung etwas Reales lebt, das durch die Organe der körperlichen Organisation im gewöhnlichen Leben wirkt, das aber dann, wenn diese Übungen den Willen so weit gebracht haben, sich heraushebt wiederum aus der Leiblichkeit. Jetzt aber wird es Bewusstsein durch ein Bewusstsein, wie das wiederum der Mensch als ein anderes Bewusstsein als sein gewöhnliches fortwährend in sich trägt, das aber nur auf diese Weise wirklich innerlich anschaulich werden kann. Und dann zeigte ich: Wenn auf der einen Seite aus dem Denken hinweggetrieben ist gleichsam alles dasjenige, was an das Körperliche gebunden ist, wie zum Beispiel das gewöhnliche Gedächtnis, wenn das Denken frei in seiner eigenen Betätigung erlebt wird auf der einen Seite, und auf der anderen Seite dieses andere Bewusstsein aus dem Willen gewissermaßen herauskristallisiert wird, dann können sich die beiden verbinden, und es entsteht im Menschen ein neuer Mensch, der nun sich in der geistigen Welt wissen kann, der auch in der geistigen Welt geistig wahrnehmen kann — ein Geist-Seelen-Wesen unter Geist-Seelen-Wesen, wie der physische Mensch ein physisches Wesen unter physischen Tatsachen und Wesenheiten ist.

[ 3 ] On the other hand—I emphasized—these exercises of thought, through which thought detaches itself from physicality, must go hand in hand with an exercise of the will and of the emotional faculties in general, so that the will, too, may detach itself from the physical. Then one does not enter a sphere of experience such as that reached by the elevation of thought, but rather comes to recognize that something real lives within the flow of our will—something that acts through the organs of the physical body in ordinary life, but which, once these exercises have brought the will to a certain point, in turn rises above physicality. Now, however, it becomes consciousness through a consciousness that the human being continually carries within—a consciousness distinct from his ordinary one—but which can only become truly vivid within in this way. And then I showed: When, on the one hand, everything that is bound to the physical—such as ordinary memory—has been driven out of thinking, so to speak, and thinking is experienced freely in its own activity on the one hand, and on the other hand this other consciousness is, as it were, crystallized out of the will, then the two can unite, and a new human being emerges within the person, one who can now know themselves in the spiritual world and who can also perceive spiritually in the spiritual world—a spirit-soul being among spirit-soul beings, just as the physical human being is a physical being among physical facts and entities.

[ 4 ] Das war es ungefähr, was ich in dem Vortrage vorgestern ausführte. Es ist ja selbstverständlich, dass die Geltendmachung solcher Erkenntnisse in unserer Gegenwart noch — man möchte sagen — von allen Seiten Widerspruch erfahren muss. Denn dasjenige, was damit gesagt wird, das widerspricht den Denkgewohnheiten, die heute durchaus — und man darf sogar sagen, wenn man die Geschichte der letzten Jahrhunderte überblickt, in ganz begreiflicher Weise — den weit, weitaus größten Teil der Menschen beherrschen müssen. Insbesondere erhebt sich zunächst ein völliger Widerspruch von naturwissenschaftlicher Seite her. Nun steht der Geistesforscher zu diesem Widerspruch, zu dieser Gegnerschaft von naturwissenschaftlicher Seite her keineswegs so, dass er nur der menschlichen Beschränktheit oder einer ganz vertrockneten Logik zuschreiben würde, dass solcher Widerspruch, solche Gegnerschaft vorhanden ist, sondern er begreift es gerade ganz gut, dass solche Gegnerschaft möglich ist. Es kann der Geistesforscher gerade dadurch, dass er von einem geistigen Gesichtspunkte aus die Welt anschaut, er kann sich voll hineinversetzen in jede Art von Widerspruch, der insbesondere von naturwissenschaftlicher Seite erhoben wird. Und vor allen Dingen sollte nicht die Meinung gehegt werden, dass der Geistesforscher ein Verächter der naturwissenschaftlichen Anschauung sei. Im Gegenteil — und das habe ich ja bei früheren Vorträgen hier schon immer wieder und wiederum hervorgehoben —, im Gegenteil der Geistesforscher erkennt gerade die großen, die gewaltigen Errungenschaften für alle menschliche Arbeit und für alles menschliche Erkennen an, welche die Naturwissenschaft im Laufe der letzten Jahrhunderte seit der Morgenröte der neueren Zeiten der menschlichen Entwicklung einverleibt hat. Ja, der Geistesforscher betrachtet sogar sein Verhältnis zur Naturwissenschaft in folgender Art. Abstrakt gesprochen — es könnte ja im Einzelnen hier dargelegt werden, allein das ist wohl heute nicht nötig — abstrakt gesprochen, sage ich, erkennt man, dass in einer gewissen Zeit dasjenige, was man heute naturwissenschaftliche Erkenntnis der äußeren materiellen Welt nennt, auftreten musste. Derjenige, der sich einlässt auf dasjenige, was vorangegangen ist der Naturwissenschaft, die sich an die großen Namen Kopernikus, Galilei, Kepler und so weiter anknüpft, der weiß, wie verschieden dasjenige war, was vor der Zeit, die sich an diese Namen anknüpft, Naturwissenschaft genannt wurde, von dem, was wir jetzt naturwissenschaftliche Betrachtungsweise der Welt nennen. Diese naturwissenschaftliche Betrachtungsweise, sie hat nun wirklich im Laufe von drei bis vier Jahrhunderten der Menschheit einen Erkenntnisschatz erarbeitet, welcher tief, tief eingriff in das ganze Leben. Und leicht kann man einsehen, wenn man nur ein bisschen verständig dieses Leben, wie es sich entwickelt hat in den letzten drei bis vier Jahrhunderten, überblickt, welche Bedeutung für die ideelle und materielle Seite des Lebens die naturwissenschaftlichen Errungenschaften haben.

[ 4 ] That was roughly what I explained in the lecture the day before yesterday. It goes without saying that the assertion of such insights in our present day must still—one might say—face opposition from all sides. For what is being said here contradicts the habits of thought that today—and one might even say, quite understandably when one surveys the history of the last few centuries—must dominate the vast, vast majority of people. In particular, a complete contradiction arises initially from the side of the natural sciences. Now, the spiritual researcher does not approach this contradiction, this opposition from the natural sciences, in such a way that he would attribute the existence of such contradiction or opposition merely to human narrowness or a completely stunted logic; rather, he understands very well that such opposition is possible. Precisely because the spiritual researcher views the world from a spiritual perspective, he is able to fully empathize with every kind of contradiction raised, particularly from the side of natural science. And above all, one should not harbor the opinion that the spiritual researcher is a despiser of the scientific worldview. On the contrary—and I have emphasized this time and again in previous lectures here—on the contrary, the spiritual researcher precisely acknowledges the great, the tremendous achievements for all human work and for all human knowledge that natural science has incorporated over the course of the last few centuries since the dawn of the modern era of human development. Indeed, the spiritual researcher even views his relationship to natural science in the following way. Speaking in abstract terms—it could, of course, be explained in detail here, though that is probably unnecessary today—speaking in abstract terms, I say, one recognizes that, at a certain point in time, what we today call scientific knowledge of the external material world was bound to emerge. Anyone who delves into what preceded natural science—which is associated with the great names of Copernicus, Galileo, Kepler, and so on—knows how different what was called “natural science” before the era associated with these names was from what we now call the scientific approach to the world. This scientific approach has indeed, over the course of three to four centuries, amassed a treasure trove of knowledge for humanity that has profoundly, profoundly impacted all of life. And it is easy to see—if one takes even a brief, thoughtful look at how life has developed over the last three to four centuries—just how significant these scientific achievements are for both the spiritual and material aspects of life.

[ 5 ] Nun sagt der Geistesforscher weiter: Wir stehen heute in jener Zeit, in welcher in einer ähnlichen Art die Menschenseele in das geistige Leben hineinzublicken in die Lage kommen müsse, wie man vor drei bis vier Jahrhunderten in die Lage gekommen ist, in die Vorgänge und Wesenheiten des rein Natürlichen hineinzublicken. In der Art der Wahrheitsgesinnung, in derselben Art der Forschungsgesinnung möchte Geisteswissenschaft in das geistige Gebiet eindringen, wie die Naturwissenschaft in den letzten Jahrhunderten in das Naturgebiet eingedrungen ist. Und man kann sagen: Mit manchen Persönlichkeiten teilt ja Geisteswissenschaft diese Überzeugung, aber so, dass gerade bei vielen Persönlichkeiten, welche auch den gewaltigen Umschwung durch die naturwissenschaftliche Betrachtungsweise einsehen, dieses Verhältnis zwischen Geistbetrachtung und Naturwissenschaft doch anders angesehen wird, als der Geistesforscher es ansehen muss. So kann man zum Beispiel ersehen, wie Philosophie, die ja auch eindringen will in das geistige Gebiet durch dieselbe Begriffswelt — nicht durch die geisteswissenschaftliche Begriffswelt, von der ich vorgestern gesprochen habe, sondern durch jene Begriffswelt, die im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft angewendet wird —, die durch diese Begriffswelt in das geistige Gebiet eindringen will, diese Philosophie hat sich vielfach gezwungen gesehen, in der neueren Zeit unter dem Einflusse, möchte ich sagen, des Glanzes der naturwissenschaftlichen Betrachtungen, den Weg einzuschlagen, dass die naturwissenschaftlichen Wahrheiten genommen wurden, dass das einfach aufgefasst worden ist, was der Naturforscher ergründet hat über die Wesenheiten der Natur und über die Tatsachen dieser Natur. Und dann versuchte man durch allerlei Begriffsverbindungen, durch Nachdenken über dasjenige, was die Naturwissenschaft erkundet hat, tiefer einzudringen in das Wesen der Erscheinungen. Man fühlte sich gleichsam der Natur und der Welt gegenüber philosophisch jetzt nicht mehr so souverän wie früher; man fühlte, man müsse rechnen mit den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen. Das Eigentümliche vieler Persönlichkeiten, die in dieser Weise naturwissenschaftliche Betrachtungsart schätzen wollten, liegt darinnen, dass diese Persönlichkeiten sich sagen: Man muss die Ergebnisse der Naturforschung hinnehmen; man muss das, was die Naturforschung über die Natur und ihre Geschehnisse offenbart, einfach philosophisch verarbeiten. Dann wird man dasjenige erkennen, was sich tiefer ergründen lässt über die Welt.

[ 5 ] Now the spiritual researcher goes on to say: We are living today in an age in which the human soul must be enabled to gain insight into spiritual life in much the same way as people three or four centuries ago were enabled to gain insight into the processes and entities of the purely natural world. With the same spirit of truth-seeking, the same spirit of inquiry, spiritual science seeks to penetrate the spiritual realm just as natural science has penetrated the natural realm over the past few centuries. And one can say: Spiritual science does indeed share this conviction with certain individuals, but in such a way that, particularly among many individuals who also recognize the tremendous transformation brought about by the scientific approach, this relationship between spiritual contemplation and natural science is nevertheless viewed differently than the spiritual scientist must view it. Thus, for example, one can see how philosophy—which also seeks to penetrate the spiritual realm through the same conceptual framework—not through the conceptual framework of spiritual science, of which I spoke the day before yesterday, but through the conceptual framework used in everyday life and in conventional science— this philosophy—which seeks to penetrate the spiritual realm through this conceptual framework—has in many cases found itself compelled in recent times, under the influence, I might say, of the brilliance of scientific observations, to take the path of accepting scientific truths, that is, simply accepting what the natural scientist has discovered about the essences of nature and the facts of nature. And then, through all manner of conceptual connections and by reflecting on what natural science had explored, people attempted to penetrate more deeply into the essence of phenomena. One felt, as it were, that philosophically speaking, one was no longer as sovereign in relation to nature and the world as in the past; one felt that one had to take the findings of natural science into account. The distinctive feature of many individuals who sought to value the scientific approach in this way lies in the fact that these individuals tell themselves: One must accept the results of scientific research; one must simply process philosophically what scientific research reveals about nature and its phenomena. Then one will recognize what can be fathomed more deeply about the world.

[ 6 ] So sagt der Geistesforscher nun nicht unmittelbar. Der Geistesforscher ist sich vielmehr vollständig klar darüber, dass Naturwissenschaft auf ihrem Gebiete heutzutage zwar noch nicht jedes ihrer Rätsel ergründet hat, dass viel, viel noch zu geschehen hat, bevor die naturwissenschaftliche Betrachtungsweise ihr Ideal erreicht hat; aber der Geistesforscher ist sich zu gleicher Zeit klar darüber, dass die naturwissenschaftlichen Methoden als solche sich heute schon, wenigstens bis zu einer gewissen wissenschaftlichen Gesinnung, so ausgebildet haben, dass die Naturwissenschaft selber über dasjenige, was aus der Natur folgen kann, Auskunft gegeben hat, und dass ein Weiteres, der Naturwissenschaft hinterher nachfolgendes Nachdenken mit denselben Denkermitteln, die die Naturwissenschaft auch anwendet, zu nichts mehr führen könne. Naturwissenschaft ist gewissermaßen etwas, was so veranlagt ist, dass es, indem es sich entwickelt, zu einer Ganzheit führt, nicht zu etwas, was genommen werden könnte und worüber man sich erst philosophisch ergehen könnte. Nicht also, indem man die Resultate der Naturwissenschaft nimmt, sie kombiniert, über sie spekuliert, will Geistesforschung vorgehen, sondern Geistesforschung steht in einem anderen Verhältnisse zur Naturwissenschaft. Geistesforschung sagt sich: Dadurch, dass der Übergang gemacht worden ist, sagen wir, durch Kopernikus, durch Kepler, durch Galilei mit einer besonderen Art der Naturbetrachtung, dadurch sind auch die Seelenkräfte in ein besonderes Verhältnis zu dem Naturgeschehen getreten. In einer ganz anderen Weise musste sich der Menschengeist zu der Natur verhalten unter dem Einflusse dieser neueren Naturwissenschaft, als er sich früher verhalten hat. Dadurch sind ganz andere Denkmethoden entstanden. Es ist eine ganz andere Art des Verhaltens zur Natur entstanden. Man dachte über die Natur, und man fühlte im Grunde genommen auch über die Natur anders in den letzten drei bis vier Jahrhunderten, als man vorher gedacht und gefühlt hat. Und indem die Menschheit eine gewisse Zeit gewissermaßen die Seelenkräfte in einer anderen Art auf die Natur hingeordnet hat, hat sie dadurch diese Seelenkräfte innerlich geübt. Die Seelenkräfte selber haben dadurch eine andere innere Verrichtung vollzogen, als sie früher vollzogen haben.

[ 6 ] This is not exactly what the spiritual researcher says. Rather, the spiritual researcher is fully aware that, in its own field, natural science has not yet unraveled all of its mysteries; that much, much more remains to be done before the scientific approach has reached its ideal; but at the same time, the spiritual researcher is aware that scientific methods, as such, have already been developed—at least to a certain scientific mindset— have developed to such an extent that natural science itself has provided information about what can be deduced from nature, and that further reflection following on the heels of natural science—using the same intellectual tools that natural science employs—can lead to nothing more. Natural science is, in a sense, something that is so constituted that, as it develops, it leads to a whole—not to something that could be taken and then subjected to philosophical speculation. Spiritual research does not, therefore, proceed by taking the results of natural science, combining them, and speculating about them; rather, spiritual research stands in a different relationship to natural science. Spiritual research holds that: because the transition has been made—say, by Copernicus, Kepler, and Galileo—through a particular way of observing nature, the soul’s powers have also entered into a special relationship with natural phenomena. Under the influence of this newer natural science, the human spirit had to relate to nature in a completely different way than it had previously. This gave rise to entirely different methods of thinking. A completely different way of relating to nature has emerged. People have thought about nature—and, fundamentally speaking, have also felt differently about nature—over the last three to four centuries than they had thought and felt before. And by directing the soul’s powers toward nature in a different way for a certain period of time, humanity has thereby exercised these soul powers internally. The soul powers themselves have thus carried out a different inner process than they had previously.

[ 7 ] Geistesforschung nimmt nun nicht den Ausgangspunkt davon, die naturwissenschaftlichen Tatsachen unmittelbar zu nehmen, sondern sie baut auf dasjenige, was sich durch eine andere Übung der Seelenkräfte im Laufe der Jahrhunderte die Seelenkräfte selber angeeignet haben. Ein Mensch, der durchgegangen ist durch naturwissenschaftliches Denken, durch Physik, durch Chemie, durch Biologie, durch Physiologie, der denkt dadurch, dass er sich die Methoden, die Denkformen dieser Wissenschaften angeeignet hat, anders als ein Mensch, der durch diese Wissenschaften, wie sie die neuere Zeit gestaltet hat, nicht hindurchgegangen ist. Also auf die Art, wie das Denken geübt wurde in der neueren Zeit, darauf sieht zunächst Geistesforschung. Und da wird sich Geistesforschung klar darüber: So wie da das Denken geübt wird, so muss es allmählich hinzielen durch das, was es in dieser Übung erlebt, hinzielen auf das, was vorgestern als besondere Denk- und Willensübung geschildert worden ist. Also nicht, was man erforscht hat durch die Naturwissenschaft, wird in ein Verhältnis gestellt von dem Geistesforscher zur Geistesforschung, sondern welches innere Bewusstsein von diesen Verrichtungen man sich angeeignet haben kann, das ist es, worauf besonderer Wert gelegt ist; wie man anders denken, wie man anders sich in der Natur fühlen gelernt hat, wie angeregt worden sind die Seelenkräfte. Und da sagt der Geistesforscher: Diese Anregung ist eben der Anfang zu einem Weg; denn, wenn man ihn dann weiterverfolgt — er hat selbst zu dem geführt, was vorgestern hier geschildert worden ist —, dass man daraus ersehen kann, dass man wirklich dazu geführt wird, durch Übung des Denkens, Fühlens und Wollens selber etwas in der Seele zu ergreifen, was sich von der leiblichen Organisation loslösen kann.

[ 7 ] Spiritual research does not take the scientific facts as its starting point, but rather builds upon what the soul’s powers have acquired for themselves over the course of centuries through a different exercise of those powers. A person who has gone through scientific thinking—through physics, chemistry, biology, and physiology—and who thinks by having acquired the methods and forms of thought of these sciences thinks differently from a person who has not gone through these sciences as they have been shaped in modern times. Thus, spiritual research first of all looks at the way thinking has been practiced in modern times. And in doing so, spiritual research becomes clear about this: Just as thinking is practiced in this way, it must gradually aim—through what it experiences in this practice—toward what was described the day before yesterday as a specific exercise of thought and will. Thus, it is not what has been investigated through the natural sciences that the spiritual researcher relates to spiritual research, but rather what inner awareness of these activities one may have acquired—that is what is given special emphasis: how one has learned to think differently, how one has learned to feel differently in nature, and how the soul forces have been stimulated. And here the spiritual researcher says: This stimulation is precisely the beginning of a path; for if one then pursues it further—it has itself led to what was described here the day before yesterday—one can see from this that one is truly led, through the practice of thinking, feeling, and willing, to grasp something within the soul that can detach itself from the physical organism.

[ 8 ] Damit hängt zusammen, sehr verehrte Anwesende, dass der Geistesforscher in gewisser Beziehung ein treuer Bekenner der naturwissenschaftlichen Wahrheits- und Erkenntnisweise eigentlich sein müsse. Und das ist auch der Fall bei demjenigen, der den wahren Nerv der Geistesforschung erkannt hat; der sieht ein, was es eigentlich für die geistige Weltenentwicklung bedeutet, dass diese so gründlichen, so exakten naturwissenschaftlichen Methoden im Laufe der neueren Zeit heraufgekommen sind, jene Methoden, die so geeignet sind, alles, was Illusion über die Welt sein kann, alles, was Phantasterei sein kann über die Welt, auszuschalten einfach dadurch, dass man einen gewissen Tatsachensinn entwickelt, der nur dann nicht zu Geistesforschung führen kann, wenn aus einem Tatsachensinn ein Tatsachen[Fanatismus] wird. Jene innere Disziplin des Seelenlebens, die sich die Menschheit aneignen konnte dadurch, dass das Denken so eng herangeführt worden ist an den äußeren objektiven Verlauf der Tatsachen, diese innere Disziplin des Seelenlebens erkennt Geistesforschung gerade in höchstem Maße als etwas Vorbildliches an. Denn dadurch kommt in das ganze Gefüge des Denkens etwas hinein, wodurch sich die Seele sagt: Du darfst nicht dem, was in Dir subjektiv lebt, dem, was Du für wahr halten möchtest, dem, was Dir gefällt, als Wahrheit nachgehen; Du musst absehen von alledem, was also in Dir aus Deinem Gefallen, aus Deiner Sympathie, aus Deinen Affekten heraus spricht: Du musst rein die Tatsachenwelt selber für sich sprechen lassen. Insbesondere dadurch, dass man von der bloßen Beobachtung in der Naturwissenschaft übergegangen ist zu den Experimenten — wodurch man die Natur in zusammengestellten Tatsachen selber ihre Geheimnisse aussprechen lässt und nur der Zuschauer ist —, insbesondere dadurch hat die Menschheit, die allmählich aufgenommen hat die naturwissenschaftliche Gesinnung in ihr Weltanschauungsleben, eine gewisse Achtung sich erworben vor der Tatsache — und damit verbunden, vor der inneren Disziplin des Wahrheitsforschens.

[ 8 ] This is connected, ladies and gentlemen, to the fact that the researcher of the spiritual world must, in a certain sense, actually be a faithful advocate of the scientific approach to truth and knowledge. And this is indeed the case for those who have recognized the true essence of spiritual research; they understand what it actually means for the development of the spiritual world that these thorough, precise scientific methods have emerged in recent times—methods that are so well-suited to eliminating everything that might be an illusion about the world, and all that may be fantasy about the world—simply by developing a certain sense of fact, which can only fail to lead to spiritual research if that sense of fact turns into [fanaticism] about facts. That inner discipline of the soul’s life which humanity has been able to acquire by bringing thinking so closely into alignment with the external, objective course of facts—this inner discipline of the soul’s life is precisely what spiritual research recognizes to the highest degree as something exemplary. For through this, something enters the entire structure of thought that causes the soul to say to itself: You must not pursue as truth what lives subjectively within you, what you wish to believe to be true, or what pleases you; you must set aside everything that speaks within you out of your own pleasure, your sympathy, or your emotions: you must let the world of facts speak purely for itself. In particular, through the transition from mere observation in the natural sciences to experimentation—in which one allows nature itself to reveal its secrets through organized facts, while remaining merely an observer— it is precisely through this that humanity, having gradually incorporated the scientific mindset into its worldview, has gained a certain respect for the fact—and, connected to this, for the inner discipline of the search for truth.

[ 9 ] Dem, sehr verehrte Anwesende, widerstreitet allerdings sehr häufig dasjenige, was Menschen, die nun nicht mit Gründlichkeit des Seelenlebens in die Geistesforschung eintreten, sondern mit Dilettantismus und Ungründlichkeit als solche Geistesforschung treiben. Und das Unheil, möchte ich sagen, in Bezug auf die Beurteilung der Geistesforschung, kann namentlich dadurch entstehen, dass diejenigen, die sich ein Urteil bilden wollen, es sich nicht bilden nach dem, was wahre Geistesforschung zu geben hat, sondern es sich bilden nach dem, was allerlei Dilettanten der Geistesforschung der Welt darbieten. Da stellt sich sehr häufig allerdings dann heraus, dass in jenen Darbietungen eine gewisse Verachtung der naturwissenschaftlichen Methoden und auch der naturwissenschaftlichen Ergebnisse zutage tritt. Diese Verachtung steht meistens in einem geraden Verhältnisse zu dem, was man von dieser Naturwissenschaft dann eigentlich nicht kennt. Der wahre Geistesforscher wird sich immer die Mühe geben, gerade sich selber zu disziplinieren an der guten Wahrheitsdisziplin und Forschungsdisziplin der naturwissenschaftlichen Erkenntnisweise. Und riesengroß wird oftmals die Verachtung der naturwissenschaftlichen Denkweise gerade bei denjenigen, die niemals eigentlich irgenderwas Gescheites aus der Naturwissenschaft heraus gelernt haben.

[ 9 ] However, dear attendees, this is very often contradicted by what people do who do not approach spiritual research with a thorough understanding of the inner life, but rather pursue it as such with a dilettantish and superficial attitude. And the problem, I would say, with regard to the assessment of spiritual research, can arise specifically because those who wish to form a judgment do not base it on what true spiritual research has to offer, but rather on what all manner of dilettantes in the field of spiritual research present to the world. Very often, however, it turns out that these presentations reveal a certain contempt for scientific methods and also for scientific findings. This contempt is usually directly proportional to what one actually does not know about science. The true spiritual researcher will always make the effort to discipline himself or herself in the rigorous pursuit of truth and the research discipline inherent in the scientific method of knowledge. And the contempt for the scientific way of thinking is often immense, particularly among those who have never actually learned anything worthwhile from the natural sciences.

[ 10 ] Man brauchte dasjenige, was ich jetzt in diesem Satze gesagt habe, sehr verehrte Anwesende, gar nicht auszusprechen, wenn nicht die Lebenspraxis zeigte, dass man sehr häufig nicht an dasjenige geht, was ernste, mit der Naturwissenschaft sich messende Geist-Erkenntnis ist, sondern dass man sich an all die Auswüchse hält von geisteswissenschaftlichem Dilettantismus, der an dem Fehler krankt, den ich soeben bezeichnet habe. Wenn Missverständnisse dadurch entstehen, so entstehen sie wirklich sehr häufig nicht durch die Schuld derjenigen, die sich solchen Missverständnissen über Geistesforschung hingeben, sondern in den allermeisten Fällen durch die Schuld derjenigen, die geistesforscherischen Dilettantismus verherrlichen und der Welt ein klägliches Bild von allerlei Gerede geben. Die einzige Schuld, welche diejenigen haben, die dieses Gerede als Gerede bezeichnen, als Phantasterei und Träumerei bezeichnen, ist dann diese, dass sie sich — ich möchte sagen — überzeugen lassen von diesem geisteswissenschaftlichen Dilettantismus und es verschmähen oder es zu unbequem finden, an die wirkliche Geistesforschung heranzutreten. Aber weiter.

[ 10 ] It would be impossible to even begin to express what I have just said in this sentence, dear friends, had it not been for the fact that practical experience shows that people very often do not turn to what constitutes serious spiritual knowledge that stands up to the test of natural science, but instead cling to all the excesses of spiritual-scientific dilettantism, which suffers from the error I have just described. If misunderstandings arise as a result, they very often do so not through the fault of those who indulge in such misunderstandings regarding spiritual research, but in the vast majority of cases through the fault of those who glorify dilettantism in spiritual research and present the world with a pitiful picture of all manner of idle talk. The only fault of those who describe this talk as mere talk, as fantasy and daydreaming, is that they allow themselves—I would say—to be swayed by this amateurish approach to spiritual science and either spurn it or find it too inconvenient to engage with genuine spiritual research. But let us continue.

[ 11 ] Es entstehen Missverständnisse begreiflicherweise noch durch vieles, vieles andere. Auf ein Missverständnis, das in durchaus verständlicher Art entstehen muss, möchte ich nunmehr hinweisen. Der Geistesforscher muss sprechen davon, wie wir vorgestern gesehen haben, dass durch das, was er mit der eigenen Seele vornimmt, die Seelenkräfte umgeändert werden, dass eine andere Art der Seelenverrichtung, als die des gewöhnlichen Lebens und der gewöhnlichen Wissenschaft, in seiner Seele auftritt. Da muss derjenige, der zunächst erst auf dem Boden der Naturwissenschaft steht, sich sagen: Nun ja, wenn sich aus dem Seelenleben, das wir als das normale bezeichnen können, ein anderes Seelenleben heraushebt — das kennt man ja; das sind alle die abnormen Seelenerscheinungen, die man kennt unter den verschiedensten Namen, und von denen sich auch nur durch eine Selbsttäuschung dasjenige unterscheiden kann, was da auf willkürliche Weise der Geistesforscher mit seiner eigenen Seele herbeiführen will. Da weist uns der Naturforscher dann vor, wie gewisse Seelenverrichtungen des normalen Lebens eng gebunden sind an ein normales Gehirn; er weist uns das eben gerade durch die sichere, durch die gewissenhafte naturwissenschaftliche Methode auf, wie mit dem Ausschalten gewisser Gehirnteile geistige Verrichtungen wegfallen, und er zeigt uns da, wie geistige Verrichtungen, wie das ganze Seelenleben, die ganze Seelenstimmung durch ein körperliches Verändern anders werden kann. So kann der Naturforscher dann dem Geistesforscher erwidern: Ja, wird denn durch jene sonderbaren Übungen, von denen Du als ein sonderbarer Schwärmer sprichst, eben nichts anderes erreicht, als ein — wenn auch äußerlich, anatomisch nicht nachweisbares — Verändern der körperlichen Organisation? Und ist denn nicht im Grunde genommen dasjenige, was Du geistesforscherische Methoden nennst [mit] anderen Seelenkräften, nichts anderes, als eine besondere Art der Erkrankung des Seelenlebens überhaupt?

[ 11 ] Understandably, misunderstandings still arise from many, many other things. I would now like to point out one misunderstanding that is bound to arise in a perfectly understandable way. As we saw the day before yesterday, the spiritual researcher must speak of how, through what he does with his own soul, the soul’s powers are transformed, and how a different kind of soul activity—distinct from that of ordinary life and ordinary science—arises within his soul. Anyone who initially stands on the ground of natural science must then say to himself: Well, if a different kind of soul life emerges from what we might call normal soul life—that is something we are familiar with; these are all the abnormal soul phenomena known by various names, and from which what the spiritual researcher arbitrarily seeks to bring about in his own soul can be distinguished only through self-deception. The natural scientist then demonstrates to us how certain mental processes of normal life are closely linked to a normal brain; he demonstrates to us, precisely through the reliable, meticulous scientific method, how mental functions cease when certain parts of the brain are deactivated, and he shows us how mental functions—how the entire life of the soul, the entire mood of the soul—can be altered by a physical change. Thus the natural scientist can then reply to the spiritual scientist: Yes, is nothing else achieved through those strange exercises—which you, as a strange dreamer, speak of—other than an alteration of the physical organization—even if it is outwardly and anatomically undetectable? And isn’t what you call “spiritual research methods”—involving other powers of the soul—essentially nothing more than a particular form of disorder in the life of the soul as a whole?

[ 12 ] Ich betone ausdrücklich, sehr verehrte Anwesende, dass es eine durchaus mögliche Ansicht ist vom Standpunkte desjenigen, der gerade feststeht auf naturwissenschaftlichem Boden, wenn er nicht genau die geisteswissenschaftlichen Methoden kennt. Eine durchaus mögliche Ansicht ist es, die sich so ausspricht, und insbesondere ist es eine mögliche Ansicht, wenn man dann vom naturwissenschaftlichen Standpunkte auf die Art und Weise der Seelenkräfte hinsieht, die viele aufweisen, die sich nun auch Geistesforscher nennen und die das Gegenteil von dem [besitzen], was man allerdings als ein gesundes Seelenleben bezeichnen kann. Nun weist uns ja auch der Naturforscher immer wieder und wiederum auf etwas hin, was — ich möchte sagen — zwar trivial ist, was aber deshalb nicht minder im Grunde genommen vom Standpunkte der naturwissenschaftlichen Denkungsweise aus schlagend ist; schlagend ist, wenn man widerlegen will das Hinschauen auf besondere, voll leibfreie, durch Geburten und Tode gehende Kräfte und Erlebnisse der Seele. Da sagt der Naturforscher gerade auf Grundlage nicht von bloßen Vorurteilen, sondern auf Grundlage sorgfältiger Feststellungen der physiologischen Wissenschaft, da sagt der Naturforscher: Man sieht doch, wie sich langsam das körperliche Leben entwickelt von der Kindheit an, und wie mit der körperlichen Entwicklung parallel geht die Entwicklung des Seelenlebens. Wirklich sieht man da, wie eng gebunden das Seelenleben an das leibliche Leben ist. Man sieht dann, wie der Leib eine gewisse Gestaltungsreife in einem gewissen Alter angenommen haben muss, damit auch das Seelenleben etwas werde, das man als ein gewisses Normales bezeichnet. Und wiederum sieht man, wie mit dem Verfall der physischen Kräfte im Alter, mit dem Ableben der Organe das geistig-seelische Leben zurückgeht. Und immer wiederum sind im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts Einwendungen gegen ein selbstständiges geistig-seelisches Leben aufgetreten, die — ich möchte sagen — auf diesem Boden standen.

[ 12 ] I would like to emphasize, distinguished audience, that this is a perfectly plausible view from the standpoint of someone who is firmly grounded in the natural sciences, provided they are not fully familiar with the methods of the spiritual sciences. It is a perfectly plausible view to express such an opinion, and in particular, it is a plausible view when one looks, from the standpoint of the natural sciences, at the nature of the soul forces exhibited by many who now call themselves spiritual researchers and who possess the opposite of what can indeed be described as a healthy soul life. Now, the natural scientist also points out to us time and again something that—I would say—is indeed trivial, but which is nonetheless, fundamentally speaking, compelling from the standpoint of scientific thinking; it is compelling when one seeks to refute the focus on specific, entirely non-physical forces and experiences of the soul that pass through birth and death. The natural scientist says—not on the basis of mere prejudice, but on the basis of careful findings of physiological science—the natural scientist says: One can see, after all, how physical life develops slowly from childhood onward, and how the development of the soul proceeds in parallel with physical development. Indeed, one sees there how closely the life of the soul is bound to physical life. One then sees how the body must have attained a certain level of physical maturity by a certain age for the life of the soul to become what one might call “normal.” And again, one sees how, with the decline of physical strength in old age and the failure of the organs, spiritual and soul life also declines. And time and again throughout the nineteenth century, objections to the existence of an independent spiritual and soul life arose that—I would say—were based on this very premise.

[ 13 ] Nun steht der Geistesforscher auf diesem Gebiete durchaus nicht dem Naturforscher etwa ablehnend gegenüber, sondern im Gegenteil, in Bezug auf das Positive, das der Naturforscher sagt, gibt ihm der Geistesforscher vollständig recht. Der Geistesforscher sagt: Ja, wenn man hinsieht auf dasjenige Denken, Fühlen und Wollen, welches im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft zunächst als bekannt angesehen wird, so ist das, was die Physiologie einzuwenden hat, voll berechtigt; denn dieses Denken, Fühlen und Wollen ist eng gebunden in dieser Form an die physische Leibesorganisation. Aber der eigentliche Geistesforscher steht eben nicht auf dem Boden, dass man zum Beispiel durch eine bloße Betrachtung des gewöhnlichen Denkens, Fühlens und Wollens — wie es im Alltagsleben und in der gewöhnlichen Wissenschaft sich darlebt —, dass man dadurch auf das Unsterbliche der Menschenseele wissenschaftlich kommen könne. Sondern der wirkliche Geistesforscher sagt zum Naturforscher: Du hast vollständig recht, wenn du behauptest, die Formen des Denkens, Fühlens und Wollens, die im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft sich offenbaren, die sind an die physisch-leibliche Organisation gebunden, die sind so gebunden an die physisch-leibliche Organisation, dass sie ohne diese physisch-leibliche Organisation überhaupt nicht gedacht werden konnten und sollten. Aber gerade durch die geistesforscherische Methode zeigt sich, dass in diesem Denken, Fühlen und Wollen etwas darinnen steckt: jenes Denken, von dem ich vorgestern gesprochen habe, oder vielmehr jene Denktätigkeit und jenes Wesen, das in der Willensströmung enthalten ist, dass die drinnen sind, so drinnen sind, dass sie von dem Bewusstsein der gewöhnlichen Wissenschaft und des gewöhnlichen Lebens gar nicht erfasst werden, und dass die es sind, welche unserem jetzigen Erdenleben vorangegangen sind in der geistigen Welt, und unserem Tode folgen werden wiederum in der geistigen Welt. Was das Ewige in der Menschenseele ist, dasjenige muss erst gesucht werden. Und es kann nicht gesucht werden, wenn man stehen bleibt bei dem gewöhnlichen Denken, Fühlen und Wollen. So sagt der Geistesforscher. Wenn es heute selbst noch irgendwelche philosophische Weltanschauungen geben könnte, die da glauben, sie könnten der Naturwissenschaft widersprechen, wenn sie auf das gewöhnliche Denken, Fühlen und Wollen hinschauen und gedanklich allerlei ableiten aus diesem Denken, Fühlen und Wollen — sie könnten ihr widersprechen, der Naturwissenschaft, indem sie sagen: Man sehe in diesem Denken, Fühlen und Wollen durch die gewöhnliche wissenschaftliche Methode doch etwas, was über den Tod hinausdringt — wenn solche Philosophen so sprechen, so sagt der Geistesforscher: Nein, diese Urteile werden immer mehr und mehr aus der Welt verschwinden. Vielmehr wird mit dem, was hier angedeutet ist, der Naturforscher sogar immer mehr und mehr recht bekommen. Und deshalb steht eigentlich in völliger Harmonie Geistesforschung mit den berechtigten Ergebnissen der naturwissenschaftlichen Denkungsweise auf diesem Gebiete.

[ 13 ] Now, in this field, the spiritual researcher is by no means hostile toward the natural scientist; on the contrary, with regard to the positive points the natural scientist makes, the spiritual researcher agrees with him completely. The spiritual researcher says: Yes, if one looks at the thinking, feeling, and willing that are initially regarded as familiar in everyday life and in conventional science, then the objections raised by physiology are entirely justified; for this thinking, feeling, and willing are, in this form, closely bound to the physical organization of the body. But the true spiritual researcher does not take the position that, for example, by merely observing ordinary thinking, feeling, and willing—as they manifest in everyday life and in ordinary science—one can thereby scientifically arrive at the immortality of the human soul. Rather, the true spiritual researcher says to the natural scientist: You are entirely correct when you assert that the forms of thinking, feeling, and willing that manifest themselves in ordinary life and in ordinary science are bound to the physical-bodily organization; they are so bound to the physical-bodily organization that without this physical-bodily organization they could not and should not be conceived at all. But it is precisely through the spiritual-scientific method that it becomes evident that there is something within this thinking, feeling, and willing: that thinking of which I spoke the day before yesterday, or rather that thinking activity and that being contained within the flow of the will—that they are there, so deeply embedded that they are not grasped at all by the consciousness of ordinary science and ordinary life, and that they are what preceded our present earthly life in the spiritual world, and will follow our death back into the spiritual world. What is eternal in the human soul—that is what must first be sought. And it cannot be sought if one remains confined to ordinary thinking, feeling, and willing. So says the spiritual researcher. If there were still any philosophical worldviews today that believe they could contradict natural science by looking at ordinary thinking, feeling, and willing and deriving all manner of conclusions from this thinking, feeling, and willing—they could contradict natural science by saying: “Through the ordinary scientific method, one can see in this thinking, feeling, and willing something that extends beyond death”—when such philosophers speak this way, the spiritual researcher says: No, these judgments will disappear more and more from the world. Rather, with what is indicated here, the natural scientist will in fact be proven right more and more. And that is why spiritual research is actually in complete harmony with the well-founded findings of the natural scientific way of thinking in this field.

[ 14 ] Nun kommt aber die Naturforschung weiter und sagt zum Beispiel: Ja, wenn Du aber nun Dein Denken entwickelst geistesforscherisch, wenn Du sagst, dieses Denken kann durch solche Übungen, wie sie vorgestern angeführt worden sind, dahin gebracht werden, in ganz anderer Art sich auszuleben, dann erlebt es eben etwas, was es vorher nicht erlebt hat —, wenn Du das sagst, dann gibst Du Dich eigentlich einer Selbsttäuschung hin; denn Du weißt eben nicht, wie viel Unbewusstsein im Seelenleben ist, wie viel Abhängigkeit im Seelenleben von bloßen — nun, sagen wir, wenn wir im Sinne der neueren Naturforschung sprechen — Nervendispositionen, von Leibesdispositionen, und wie viel eingetreten ist in diese Nervendispositionen, ohne dass es das Bewusstsein bemerkt hat, was aber jetzt heraufkommt, wenn man — wie der Naturforscher leicht meinen könnte — sein Denken so malträtiert, wie es vorgestern geschildert worden ist. Sodass der Naturforscher sagt: Ja, der Geistesforscher gibt sich einer Selbsttäuschung hin, einer reinen Illusion. Während er glaubt, etwas zu finden, was ihn aus seinem Leibe herausführe, was unabhängig von seinem Leibe ist, bringt er nur die unbewussten Dispositionen, die zahlreichen unbewussten Vorstellungsdispositionen in sein Bewusstsein herauf, und er hat eigentlich nur Lebens-, Wahrnehmungsvorgänge, und glaubt in naiver Weise, dass er, indem er sein unbewusstes Seelenleben heraufholt, irgendetwas Neues habe, das ihn hinausführe aus der ganzen Sinneswelt und in eine geistige Welt führe, während er in Wahrheit nur untertaucht in das Leibesleben, das er sonst nicht gekannt hat.

[ 14 ] But now scientific research is making further progress and says, for example: Yes, but if you now develop your thinking in the spirit-scientific sense—if you say that this thinking can be brought, through exercises such as those mentioned the day before yesterday, to express itself in an entirely different way—then it experiences something it has not experienced before. If you say that, then you are actually indulging in self-deception; because you simply do not know how much of the soul’s life is unconscious, how much of the soul’s life depends on mere—well, let’s say, speaking in the terms of recent natural science — nervous dispositions, physical dispositions, and how much has entered into these nervous dispositions without consciousness noticing it, but which now surfaces when one—as the natural scientist might easily suppose—maltreats one’s thinking in the way described the day before yesterday. So that the natural scientist says: “Yes, the researcher of the spiritual realm is indulging in self-deception, a pure illusion. While he believes he is finding something that leads him out of his body, something independent of his body, he is merely bringing the unconscious dispositions—the numerous unconscious dispositional elements of perception—into his consciousness, and in reality he is dealing only with processes of life and perception, yet he naively believes that by bringing his unconscious inner life to the surface, he has discovered something new that leads him out of the entire sensory world and into a spiritual world, whereas in truth he is merely immersing himself in the life of the body that he had not otherwise known.

[ 15 ] Solange man gegenübersteht dem, was man im Denken, Fühlen und Wollen im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft erfassen kann, ist dieser Einwand vonseiten der Naturwissenschaft vollständig begreiflich. Er ist auch ganz den Tatsachen angemessen. Er ist so den Tatsachen angemessen, dass es allerdings heute noch — weil Geisteswissenschaft, so wie sie wirklich ist, noch wenig Eingang gefunden hat — in sehr vielen Fällen so ist, dass irgendein Mensch glaubt, er habe durch besondere Seelenübungen etwas, was weit über die Sinneswelt hinausgeht, was in der geistigen Welt wurzelt, erkannt, während er nichts anderes heraufbringt als die sonst unbewusst bleibenden Leibesdispositionen, allerlei Illusionen, die sich ergeben, die er nur nicht erkennt, weil er eben sein Seelenleben nicht überblickt, allerlei, was sich ihm aus Leibesdispositionen in Halluzinationen umwandelt und dergleichen. Umso mehr muss es begreiflich sein, dass der streng an die Tatsachen sich haltende Naturforscher auch das geisteswissenschaftliche Forschen so anschaut, weil das dilettantische geisteswissenschaftliche Forschen wirklich oftmals nichts anderes ist als dasjenige, was der Naturforscher mit seinem Vorwurf ganz richtig trifft,

[ 15 ] As long as one is confronted with what can be grasped through thinking, feeling, and willing in ordinary life and in ordinary science, this objection on the part of natural science is entirely understandable. It is also entirely consistent with the facts. It is so consistent with the facts that, indeed, even today—because spiritual science, as it truly is, has still found little acceptance—it is the case in very many instances that some person believes they have, through special soul exercises, attained something that goes far beyond the sensory world, something rooted in the spiritual world, —while in reality they are bringing forth nothing more than bodily dispositions that would otherwise remain unconscious, all manner of illusions that arise but which they simply do not recognize because they lack an overview of their own soul life, all manner of things that are transformed into hallucinations arising from bodily dispositions, and the like. This makes it all the more understandable that the natural scientist, who adheres strictly to the facts, views spiritual scientific research in this way, because dilettantish spiritual scientific research is indeed often nothing other than what the natural scientist quite correctly criticizes:

[ 16 ] Dagegen muss aber gesagt werden, sehr verehrte Anwesende, dass, indem das Denken so entwickelt wird, wie es vorgestern dargestellt worden ist, indem das Denken so weitergebracht wird, dass es allerdings bis zu einem Punkt kommt, wo es sich als etwas ganz anderes zeigt, als es vorher war, dass da der Geistesforscher gerade erkennen lernt, wie das beschaffen ist, was aus dem Unterbewussten heraufkommt, dass er unterscheiden lernt, sorgfältig unterscheiden lernt alles dasjenige, was aus der Leibesorganisation heraufkommt. Dasjenige, was eben nicht aus der Leibesorganisation kommt, sondern was hereinwirkt aus einer geistigen Welt, das kann man sich nur durch Erleben aneignen.

[ 16 ] However, it must be said, distinguished audience, that as thinking is developed in the way described the day before yesterday—as thinking is advanced to the point where it indeed reveals itself to be something entirely different than it was before, the spiritual researcher learns precisely to recognize the nature of what arises from the subconscious; he learns to distinguish—to distinguish carefully—everything that arises from the physical organization. That which does not come from the physical organization, but rather acts upon us from a spiritual world, can only be grasped through experience.

[ 17 ] Diesen Unterschied aber, man eignet sich ihn durch Unterscheidung an. Und eben, weil man kennenlernt diesen Unterschied, so muss man für alles dasjenige, was nicht auf dem richtigen Wege der Entwicklung des Denkens aus der geistigen Welt heraus erforscht wird, dem Naturforscher im Grunde genommen recht geben. Sehr verehrte Anwesende, es gibt einen guten Unterschied zwischen demjenigen, was als krankhafte, als abnorme Bewusstseinsoffenbarung angesehen werden kann, und dem, was der wahre Geistesforscher erreicht, um in die geistige Welt hineinzukommen. Und dies muss scharf betont werden, weil die richtige Methode der Geistesforschung, wie Sie sie angedeutet finden in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» oder im zweiten Teil meiner «Geheimwissenschaft», weil diese richtige Methode der Geistesforschung in der Tat dazu führt, dass sie sich nicht wie eine Veränderung bloß des gewöhnlichen Seelenlebens darstellt, sondern sie führt dazu, dass das neue Seelenleben, das man jetzt mit den veränderten Seelenkräften erreicht, dass dieses neue Seelenleben sich neben das frühere Seelenleben so hinstellt, dass beide von dem vollen Bewusstsein des Menschen umspannt, überschaut werden. Ja, man kann sogar sagen: Es ist ein unrichtiges Bewusstsein erreicht in der Geistesforschung, wenn sich das gewöhnliche Bewusstsein nur verändert, wenn es gewissermaßen anders wird. Das Richtige ist erreicht, wenn dieses gewöhnliche Bewusstsein im Menschen so dastehen bleibt, dass er die gewöhnliche Logik, die er vorher entwickelt hat, jetzt auch entwickelt, dass er ebenso vernünftig ist wie früher, dass er dieselben Willensimpulse weiterentwickelt und überschaut, wie er eigentlich ist als einfacher, gerader, vernünftiger Mensch im gewöhnlichen Leben; und darüber hinaus — aber daneben — dasjenige Bewusstsein hat, durch das er in die geistige Welt hineinschauen kann. Vergleichen Sie das, was da durch die richtigen Methoden der Geistesforschung erreicht wird, mit dem, was sich als krankhaftes Seelenleben ergibt, so werden Sie sich sagen können: Beim krankhaften Seelenleben zeigt sich überall, dass der abnorme Bewusstseinszustand anstelle des normalen tritt, sich aus dem normalen herausbildet. Sie können sich nicht denken, dass ein etwas närrisch gewordener Mensch gleichzeitig, indem er närrisch ist, seinen normalen Menschheitszustand überschaut und auch übt. Man kann nicht zu gleicher Zeit wahnsinnig sein und zu gleicher Zeit vernünftig sein. Das ist das Wesentliche des krankhaft veränderten Bewusstseins: Es entwickelt sich das krankhaft veränderte Bewusstsein aus dem gewöhnlichen normalen Zustand heraus, und wenn das krankhaft veränderte Bewusstsein da ist, so muss das normale Bewusstsein weggegangen sein. Gewiss, es kann wieder der normale Zustand eintreten, selbstverständlich; aber gleichzeitig, im trivialen Sinne gleichzeitig können sie nicht sein. Dasjenige Bewusstsein aber, das der Geistesforscher auf die vorgestern geschilderte Weise entwickelt, muss völlig gleich sein dem normalen Bewusstsein, sodass der Geistesforscher dem, was er vorher ist, gegenübersteht, wie der gewöhnliche Mensch einem äußeren Gegenstand gegenübersteht; das heißt das, was man vorher als gewöhnlicher normaler Mensch ist, das sieht man durch das erlangte geistesforscherische Bewusstsein als etwas an, auf das man hinschauen kann, wie man mit dem gewöhnlichen Sinnesbewusstsein hinschaut auf einen äußeren Gegenstand. Man ist vollständig mit seiner gewöhnlichen Organisation sich Objekt geworden. Aber dieses Objekt, das funktioniert weiter fort; das bleibt vollständig intakt. [...] Und wer im rechten Sinne und rechten Stile diejenigen Methoden anwendet, die in den genannten Büchern verzeichnet sind, der wird zu nichts anderem kommen, als dass er also es mit dem neu erlangten Bewusstsein macht.

[ 17 ] But this distinction is acquired through discernment. And precisely because one comes to recognize this distinction, one must, in essence, agree with the natural scientist regarding everything that is not explored through the proper path of the development of thought from the spiritual world. Ladies and gentlemen, there is a significant difference between what can be regarded as a pathological or abnormal manifestation of consciousness and what the true spiritual researcher achieves in order to enter the spiritual world. And this must be strongly emphasized, because the correct method of spiritual research—as outlined in my book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?* or in the second part of my *Esoteric Science*— because this correct method of spiritual research in fact leads not merely to a transformation of ordinary soul life, but rather to a situation in which the new soul life—achieved through the transformed soul forces—stands alongside the former soul life in such a way that both are encompassed and surveyed by the human being’s full consciousness. Yes, one can even say: An incorrect state of consciousness has been attained in spiritual research if ordinary consciousness is merely altered—if it becomes, so to speak, different. The correct state is achieved when this ordinary consciousness remains in the individual in such a way that he continues to develop the ordinary logic he had previously developed, that he remains just as rational as before, that he continues to develop and oversee the same impulses of the will, just as he actually is as a simple, straightforward, rational person in ordinary life; and, in addition—but alongside this—possesses the consciousness through which he can look into the spiritual world. Compare what is achieved there through the proper methods of spiritual research with what arises as a pathological mental life, and you will be able to say to yourself: In a pathological mental state, it is evident everywhere that the abnormal state of consciousness takes the place of the normal one, emerging from the normal state. You cannot imagine that a person who has become somewhat foolish can, at the same time as being foolish, oversee and also practice their normal human state. One cannot be insane and sane at the same time. This is the essence of pathologically altered consciousness: the pathologically altered consciousness develops out of the ordinary, normal state, and when the pathologically altered consciousness is present, the normal consciousness must have disappeared. Certainly, the normal state can return—of course; but they cannot exist simultaneously in the trivial sense of the word. However, the consciousness that the spiritual researcher develops in the manner described the day before yesterday must be completely identical to normal consciousness, so that the spiritual researcher faces what he previously was just as an ordinary person faces an external object; that is to say, what one previously was as an ordinary, normal person is regarded, through the spiritual-research consciousness one has attained, as something one can look at in the same way that one looks at an external object with ordinary sensory consciousness. One has become an object to oneself, together with one’s ordinary constitution. But this object continues to function; it remains completely intact. [...] And whoever applies, in the right sense and in the right manner, the methods described in the aforementioned books will come to nothing other than doing so with this newly attained consciousness.

[ 18 ] Aber es ist insbesondere auf eines zu sehen, sehr verehrte Anwesende, was — ich möchte sagen — für den Anfänger in den geistesforscherischen Methoden von besonderer Wichtigkeit ist. Da ist von besonderer Wichtigkeit, dass der Anfänger sich nicht dazu verleiten lässt, sein gewöhnliches Leben nun gleich zu verändern, gleich in ein anderes überzuführen — etwas, was dem Hange des Menschen sehr häufig entsprechen kann —, sondern es ist notwendig und gut, wenigstens vorteilhaft, wenn der Anfänger in der Geistesforschung bei den Verrichtungen des Lebens, bei der vernünftigen Führung des Lebens, die er vorher aus seiner Erziehung oder aus sonstigen Verhältnissen heraus getrieben hat, möglichst stehen bleibt, und dasjenige, was er als geistesforscherisches Bewusstsein entwickeln will, wirklich nebenher entwickelt. Sonst muss meistens eine Art von Unfreiheit an den Menschen herantreten. Gewiss, sehr verehrte Anwesende, man braucht wirklich nicht so weit zu gehen, dass man, um Geistesforscher zu werden, sich lange Haare wachsen lässt, oder auch, wenn man eine Dame ist, sich die Haare ganz kurz abschneidet oder durch andere Extravaganzen sich aus dem gewöhnlichen Leben womöglich zu entfernen sucht; man braucht es nicht so weit zu führen. Aber man kann, wenn man auch nicht so weit geht, doch den Glauben haben, man müsse, wenn man Geistesforscher werden solle, aus den gewöhnlichen Lebensverrichtungen heraustreten, irgendeine Kolonie anlegen, in der man in ganz neuen Verhältnissen lebt, und man müsse sogar diese Lebensverhältnisse in einer bestimmten Weise einrichten. Gerade dem Anfänger in der Geistesforschung wird das nicht besonders zuträglich sein, weil dadurch gerade der Fehler gefördert wird, die vorherige Lebensführung in eine andere hineinzuführen, und man nicht den Vorteil hat, die bisherige Lebensführung daneben zu haben wie ein Objekt, an das man sich halten kann.

[ 18 ] But there is one thing in particular to which we must pay attention, esteemed audience, which—I would say—is of special importance for the beginner in the methods of spiritual research. It is of particular importance that the beginner not allow themselves to be led astray into immediately changing their ordinary life or transitioning to a different one—something that can very often correspond to human inclinations—but rather, it is necessary and beneficial at the very least beneficial, for the beginner in spiritual research to adhere as much as possible to the daily activities and the sensible conduct of life that he or she has previously cultivated through upbringing or other circumstances, and to truly develop the spiritual-research consciousness alongside these. Otherwise, a kind of lack of freedom will usually take hold of the person. Certainly, ladies and gentlemen, one really need not go so far as to let one’s hair grow long in order to become a spiritual researcher, or—if one is a woman—to cut one’s hair very short, or to seek to distance oneself from ordinary life through other extravagances; one need not take it that far. But even without going that far, one might still hold the belief that, in order to become a spiritual researcher, one must step away from the ordinary activities of daily life, establish some kind of colony where one lives under entirely new conditions, and even arrange these living conditions in a specific way. This will not be particularly beneficial, especially for the beginner in spiritual research, because it actually encourages the mistake of carrying one’s previous way of life into a new one, and one does not have the advantage of having one’s previous way of life alongside as an object to which one can hold fast.

[ 19 ] So kann man sagen: Den Einwand vonseiten der naturwissenschaftlichen Methoden, den Einwand der gründlichen sorgfältigen physiologischen Wissenschaft, dass das geistesforscherische Bewusstsein auch nur auf Illusionen beruhen könnte oder dergleichen, man kann ihn voll begreifen. Er gilt eben aber nicht, wenn das geistesforscherische Bewusstsein in der richtigen Art entwickelt wird. Und da wird es auch wiederum von besonderem Vorteil sein, wenn der Geistesforscher nicht — ich möchte sagen — zum Teil zu stolz oder zu faul ist, um sich einzulassen auf dasjenige, was die Naturwissenschaft nun nicht nur an Theorien, sondern an praktischen Anleitungen gibt, um das Seelenleben nicht in allerlei Extravaganzen hineinzuführen. Und man kann sogar sagen: Je mehr geistesforscherische Erziehung anstrebt, die schönen, die sorgfältigen Ergebnisse der berechtigten naturwissenschaftlichen Praxis anzuwenden, desto besser wird es sein für diese geistesforscherische Erziehung. Dasjenige, was Geistesforschung anstrebt — gerade weil sie in das Gebiet hineinstrebt, in das die bloße Naturwissenschaft niemals hineinkommen kann —, dasjenige, was Geistesforschung immer bei sich führen wird, wird sein: vollständige Achtung der berechtigten Ansprüche der Naturwissenschaft selbst und desjenigen, was sich für das Leben aus der Naturwissenschaft heraus ergibt. Das wird angestrebt werden müssen zwischen den beiden, was man bezeichnen kann als eine vollständige Harmonie. Und für denjenigen, der — ich möchte sagen — die Art des seelischen Verhaltens in der gesunden Naturwissenschaft auf der einen Seite kennt und in der gesunden Geistesforschung auf der anderen Seite kennt, für den zeigt sich eben erst die völlige Harmonie. Aber er wird auch einsehen, dass von der einen oder von der anderen Seite aus gesehen, einerseits in ganz begreiflicher Weise Einwürfe und Gegnerschaften entstehen können. Gegnerschaften entstehen ja auch vonseiten der einseitigen Geisteswissenschaft aus, die da glaubt, die Naturwissenschaft bekämpfen zu können, ohne sie zu kennen in ihrem eigentlichen Grundnerv. So zum Beispiel hört man — selbstverständlich tadle ich es nicht, wenn derjenige von einem unberechtigten Materialismus spricht, der die naturwissenschaftlichen Methoden kennt — und weiß, wie aus diesen naturwissenschaftlichen Methoden wiederum eine einseitige Kritik gegen die Geisteswissenschaft hin sich richtet. Und man erlebt es ja auch, dass viele, die da Geisteswissenschafter sein wollen, von dem einen oder anderen Gesichtspunkte, von einem ihnen «erhaben» dünkenden Gesichtspunkte aus über den Materialismus der Naturwissenschaften sprechen und glauben, wenn sie ohne Kenntnis dessen, was die Naturwissenschaften an Methoden und an Geistesdisziplin leisten, mit dem Vorwurfe des Materialismus irgendetwas in der Naturwissenschaft zu treffen. Die Naturwissenschaft hat ihre Methoden im Laufe der Jahrhunderte ausgebildet und sie hat diese Methoden dadurch ausgebildet, dass sie nicht ihre Grenzen überschritten hat. Sie hat diese Methoden dadurch ausgebildet, dass sie sich streng an die materiellen Vorgänge gehalten hat.

[ 19 ] So one can say: The objection raised by scientific methods—the objection raised by thorough, meticulous physiological science—that spiritual scientific consciousness might be based solely on illusions or the like, can be fully understood. However, it simply does not apply if spiritual-scientific consciousness is developed in the proper way. And here, too, it will be of particular benefit if the spiritual researcher is not—I might say—in part too proud or too lazy to engage with what the natural sciences offer, not only in terms of theories but also in practical guidance, so as not to lead the life of the soul into all sorts of extravagances. And one might even say: The more spiritual research education strives to apply the beautiful, meticulous results of legitimate scientific practice, the better it will be for that spiritual research education. What spiritual research strives for—precisely because it ventures into the realm that mere natural science can never enter—what spiritual research will always carry with it will be: complete respect for the legitimate claims of natural science itself and for what emerges for life from natural science. What must be strived for between the two is what one might call complete harmony. And for those who—I would say—are familiar with the nature of the spiritual attitude in sound natural science on the one hand and in sound spiritual science on the other, it is precisely to them that this complete harmony becomes apparent. But they will also realize that, when viewed from one side or the other, objections and antagonisms can arise in a perfectly understandable way. Antagonisms also arise from the side of one-sided spiritual science, which believes it can combat natural science without understanding its very essence. For example, one hears—and of course I do not condemn it—those who are familiar with the methods of the natural sciences speaking of an unjustified materialism, and who know how these very natural-scientific methods, in turn, give rise to a one-sided critique directed against spiritual science. And one also observes that many who wish to be scholars of the humanities speak of the materialism of the natural sciences from one perspective or another—from a perspective they deem “sublime”—and believe that, without any knowledge of what the natural sciences achieve in terms of methods and intellectual discipline, they can strike a blow against the natural sciences by leveling the accusation of materialism. The natural sciences have developed their methods over the course of centuries, and they have done so precisely by not overstepping their boundaries. They have developed these methods by adhering strictly to material processes.

[ 20 ] Dadurch ist allerdings für viele auch die Neigung entstanden [— und das ist die andere Seite —] nun zu glauben, dass dasjenige, in dem man da gearbeitet hatte, das «Um und Auf» des ganzen Weltendaseins sei: die Materie, an die man sich halten müsse, um die Naturtatsachen zu erforschen. Die Materie wurde zuletzt zum angebeteten Gotte; die trat vollständig und so betäubend in den Gesichtskreis der Menschen, dass sie von allem Geistigen hinweggeführt wurden. Aber die Naturwissenschaft selber, wenn sie auf ihrem Gebiete arbeitet, muss sich an die materiellen Tatsachen halten. Sie erlangt ihre Objektivität gerade dadurch, dass sie sich an die materiellen Tatsachen hält, und dadurch, kann man sagen, ist in berechtigter Weise in die naturwissenschaftlichen Methoden ein Materialismus hineingekommen. Wenn er nur so weit angewendet wird, als man die Natur betrachten will, dann hat man diesen Materialismus sogar zu respektieren, dann hat man alle Achtung vor ihm zu haben. Denn nur dadurch, dass man nicht in konfuser Weise erst spekuliert hat alles Mögliche, was nicht die materiellen Vorgänge ergeben, sondern sich hält an dasjenige, was die Beobachtung der Vorgänge oder das Experiment enthüllen, also indem man naturwissenschaftlich vorgeht, kann man die großen Errungenschaften der naturwissenschaftlichen Tatsachen zutage fördern, die dann auch in das praktische Leben eingreifen können. Und was diese materialistische Methode der Naturwissenschaft gerade an Seelendisziplin gebracht hat, was sie vor allen Dingen gebracht hat an seelenvollem Hingeben an das Geschehen, an die Ereignisse der Welt, an das Wesen der Natur, das muss vorbildlich sein auch in der Geistesforschung.

[ 20 ] As a result, however, many have also developed a tendency [— and this is the other side of the coin —] to believe that the very thing they had been working with was the “be-all and end-all” of all existence in the world: matter, to which one must adhere in order to investigate the facts of nature. Matter ultimately became a god to be worshipped; it entered people’s field of vision so completely and so overwhelmingly that they were led away from all things spiritual. But natural science itself, when working within its own domain, must adhere to material facts. It attains its objectivity precisely by adhering to material facts, and through this, one might say, a form of materialism has rightfully found its way into scientific methods. If it is applied only to the extent that one wishes to observe nature, then one must even respect this materialism; one must hold it in the highest regard. For it is only by refraining from first speculating in a confused manner about all manner of possibilities not yielded by material processes, but rather by adhering to what the observation of these processes or experimentation reveals—that is, by proceeding scientifically—that one can bring to light the great achievements of scientific facts, which can then also have an impact on practical life. And what this materialistic method of natural science has brought about in terms of spiritual discipline—above all, a soulful devotion to what is happening, to the events of the world, and to the essence of nature—must also serve as a model in spiritual research.

[ 21 ] Geistesforschung ist nun sehr geeignet, in einer gewissen Weise gegen sich selber nun nicht nur berechtigte Einwände, sondern — ich möchte sagen — berechtigte Vorurteile hervorzurufen. Das kommt auf die folgende Weise zustande. Der Naturforscher, weil er sich mit einer gewissen gesunden materialistischen Methode an die Tatsachen des materiellen Geschehens halten muss, kommt sehr leicht dazu, den Geist vollständig als etwas zu betrachten, was entweder gar nicht da ist, oder was man wenigstens nicht erkennen kann. Und dadurch wird die Wissenschaft allmählich nicht dasjenige, was sie sein könnte — ich möchte sagen: Eine äußere Offenbarung für tiefe innere Tatsachen des geistigen Lebens selber, sondern die Wissenschaft wird etwas, was nur getrieben wird so, dass man im materiellen Leben stecken bleibt. Dann überträgt sich sehr leicht dieses theoretische Stehenbleiben beim Materiellen auf das praktische Leben; und die Folge kann sein, dass man eigentlich zuletzt zu der Anschauung kommt, alles Geistige habe denn doch keinen Wert oder könne wenigstens nicht erkannt werden; die Wissenschaft sei eine Anleitung für den menschlichen Nutzen. Sodass diese Wissenschaft für den sozialen und auch für den individuellen Egoismus im Laufe der Zeit vielfach eine bloße Dienerin geworden ist, dass sie in den Dienst des Egoismus getreten ist, dass, statt die Wahrheit wie eine Göttin in der Wissenschaft zu suchen, vielfach nur dasjenige gesucht wird, was der materiellen Menschheitsentwicklung auf dem einen oder anderen Gebiete dienen kann. Diejenigen, die diese materielle Menschheitsentwicklung als die einzige ansehen, auf die es ankommt, die müssen ja im Grunde genommen, wenn sie konsequent sind, auch die Wissenschaft von der Natur so betrachten, dass alles Wissen, das aus der Natur gewonnen wird, zuletzt eine Anwendung findet in dem materiellen Fortschrittsprozess, den die Menschheit durchmacht. Ja, man kann sehen, wie — ich möchte sagen —, eine in den Dienst der praktischen, rein materiellen Interessen tretende wissenschaftliche Richtung bedrohend vor das Seelenauge hintritt. Der Mensch ist sehr leicht geneigt, wenn er sich mit seinen naturwissenschaftlichen Methoden ohne Gefühl und Empfindung für die Realität des Geistes hingibt, der Mensch ist sehr leicht geneigt, dann das Materielle, den materiellen Nutzen überhaupt einzig und allein zu achten.

[ 21 ] Spiritual research is, in a certain sense, very prone to provoking not only legitimate objections but—I would say—legitimate prejudices against itself. This comes about in the following way. The natural scientist, because he must adhere to the facts of material phenomena using a certain sound materialistic method, very easily comes to regard the spirit entirely as something that either does not exist at all, or at least cannot be known. And as a result, science gradually ceases to be what it could be—I would say: an outward revelation of the deep inner realities of spiritual life itself—but rather, science becomes something that is driven solely in such a way that one remains stuck in material life. Then this theoretical fixation on the material very easily carries over into practical life; and the consequence may be that one ultimately arrives at the view that everything spiritual has no value after all, or at least cannot be known; that science is a guide for human benefit. Thus, over time, this science has in many cases become a mere servant of social and even individual egoism, entering into the service of egoism, so that instead of seeking the truth as a goddess within science, what is often sought is merely that which can serve the material development of humanity in one field or another. Those who regard this material human development as the only thing that matters must, if they are consistent, ultimately view the science of nature in such a way that all knowledge gained from nature ultimately finds application in the material process of progress that humanity is undergoing. Indeed, one can see how—I would say—a scientific orientation that places itself in the service of practical, purely material interests looms menacingly before the eye of the soul. When a person devotes himself to scientific methods without any feeling or sense of the reality of the spirit, he is very easily inclined to regard the material—material utility in general—as the sole and only thing that matters.

[ 22 ] Ein ähnlicher, wenn auch — ich möchte sagen — in einer gewissen Beziehung entgegengesetzter Fehler kann nun sehr leicht entstehen, wenn man sich in einer nun ähnlich unrichtigen Weise in die Geistesforschung hineinbegibt. Dasjenige, was äußerlich im Gebiet der Materie erforscht wird, das kann leicht so angesehen werden, dass es auch nur in den Dienst des materiellen Fortschritts des Menschen gestellt wird. Dasjenige, was von der Geistesforschung erforscht wird, das kann leicht der unreifen Seele, der es weniger zu tun ist um die Wahrheit als um ihre Vorliebe, um ihre Sympathie, um die Befriedigung gewisser Wünsche und Begehrungen, der kann es leicht dienen zur Beförderung eines gewissen inneren Wohlgefallens, einer gewissen innerlichen Eitelkeit. Und so kommt es denn, dass, wie auf dem Gebiet der äußerlichen materialistischen Wissenschaft die Utilitarier — diejenigen, die Wissenschaft bloß in den materiellen Vorgang hineinversetzen wollen — so sehr häufig werden, so sieht man auf dem Gebiet der Geistesforschung oder des Lebens, das die Geistesforschung bringen will, sehr häufig ein SichBespiegeln in der Eitelkeit, in allen möglichen Wahngebilden der menschlichen Seele, weil man nicht in der Weise vorgeht, dass man sucht, die Seele an die Wahrheit heranzubringen, sondern das, was die Geistesforschung gibt, so nimmt, dass man sein Wohlgefallen daran hat, dass man sich gewissermaßen gehoben fühlt in seinen Seelenkräften und in seiner Eitelkeit namentlich durch dasjenige, was Geistesforschung zu geben hat.

[ 22 ] A similar—though, I would say, in a certain respect opposite—error can very easily arise when one approaches spiritual research in a similarly incorrect manner. That which is outwardly investigated in the realm of matter can easily be regarded as serving only the material progress of humanity. That which is investigated by spiritual research can easily serve the immature soul—one who is less concerned with the truth than with personal preference, sympathy, and the satisfaction of certain desires and longings—to promote a certain inner gratification, a certain inner vanity. And so it comes to pass that, just as in the realm of external materialistic science the utilitarians—those who wish to reduce science merely to material processes—become so very common, so too in the realm of spiritual science or the life that spiritual science seeks to bring about, one very often sees a reflection in vanity, in all manner of delusions of the human soul—because one does not proceed by seeking to bring the soul closer to the truth, but rather takes what spiritual research offers in such a way that one derives pleasure from it, feeling, as it were, elevated in one’s soul forces and in one’s vanity, particularly through what spiritual research has to offer.

[ 23 ] Wie Naturforschung, wenn sich der Mensch an das Materielle in ihr gewöhnt, sehr leicht zum Materialismus verführt, so führt Geistesforschung zu allen möglichen Schwärmereien, zu allem möglichen Sichloslösen von der äußeren Vernünftigkeit des Lebens, wenn der Mensch nicht sich auf den Pfad der Wahrheit begeben will, sondern wenn er sich dem hingeben will, was ihm so nach seinen subjektiven Bedürfnissen und subjektiven Wünschen einleuchtend ist. Die Naturwissenschaft beschäftigt sich mit der Natur — das kann leicht zu Materiellem führen; die Geisteswissenschaft befasst sich mit dem Menschen und seiner Seele. Dadurch führt sie besonders leicht dazu, dass sich der Mensch nach seinem Wohlgefallen — ich möchte sagen — aus seiner Seele Wohlgefallen heraus, ganz besonders wichtig nimmt. Und indem er fühlt: Du gehörst mit Deiner Seele zum Geistigen, wiederholt er sich das wohlgefällig immer wieder und wiederum, und es kommt dann nicht nur dazu, dass die große, die umfassende Wahrheit von den wiederholten Erdenleben bei solchen Wollüstlingen der Seele leicht dazu führt, dass sie dann vor allen Dingen bemüht sind, darüber nachzugrübeln, ob sie nun selbst eigentlich der Alexander oder der Cäsar oder die Marie-Antoinette oder irgendjemand im historischen Leben gewesen sein könnten oder noch irgendwo anders die vorhergehenden Erdenleben suchen. Aber ich will selbst von solchen Verirrungen nicht sprechen. Schwärmerei — ich möchte sagen — innerliche Bedürftigkeit, Verbundensein in Eitelkeit mit dem Geistesleben, das zeichnet sehr viele aus als nicht auf dem Boden der Wahrheit in der Geisteswissenschaft drinnen stehend, sondern auf dem Boden der Eitelkeit und Schwärmerei stehend, auf jenem Boden, auf dem man losgelöst ist von dem völligen Zusammenhang mit dem Leben. Wahre Geisteswissenschaft führt von diesem Boden des wahren Lebens aber nicht hinweg, sondern im Gegenteil, sie führt näher an das Leben heran. Wer keine Anlagen dazu hat, das Leben mit vollem Interesse, mit vollem Ernste zu nehmen, sondern in gewissem Maße in seiner Seele einer Art Seelen-Vagabundage zuneigt, der kann leicht dazu kommen sogar zu Nichtigkeit, zu Lässigkeit des Lebens gegenüber dem Leben dadurch, dass er nun in der Geisteswissenschaft drinnen steht. Und sehr viele, die es nicht dazu bringen können, durch ihrer Hände Arbeit, durch ordentlichen Lebensfleiß etwas Vernünftiges im Leben zu erfüllen, die sieht man, wie sie sprechen von einer höheren Mission, die ihnen aus der geistigen Welt erteilt worden ist, und die sie vor allen Dingen zu erfüllen haben. In der Wahrheit gesprochen, müsste man da oftmals sagen: Lebensfaulheit und Lebenslässigkeit erscheint in eine merkwürdige Sprache übersetzt als geistige Mission. Da kann man sich dann nicht mehr wundern, sehr verehrte Anwesende, wenn diejenigen, die gewöhnt sind an innere Seelendisziplin, die aus der naturwissenschaftlichen Weltanschauung folgt, mit einem gewissen Spott hinsehen auf diejenigen, die nun die Naturwissenschaft ihrerseits und oftmals mit der Naturwissenschaft das Leben selber verachten und von allerlei geistigem Zeug reden, bloß aus dem Grunde, weil sie von dem Leben naturwissenschaftlich nichts verstehen wollen und in das gewöhnliche Leben sich nicht mit entsprechendem Fleiß, entsprechendem Ernst und entsprechender Aufmerksamkeit hineinstellen wollen.

[ 23 ] Just as the study of nature, once a person becomes accustomed to its material aspects, very easily leads to materialism, so spiritual research leads to all sorts of fads, to all sorts of detachment from the external rationality of life, when a person does not wish to set out on the path of truth, but instead wants to surrender to whatever strikes them as plausible according to their subjective needs and desires. Natural science deals with nature—which can easily lead to materialism; spiritual science deals with the human being and his soul. As a result, it particularly easily leads the human being to take himself—I might say—out of the pleasure of his own soul—very seriously. And as he feels, “You belong, with your soul, to the spiritual realm,” he repeats this to himself with satisfaction over and over again, and it then comes to pass that the great, all-encompassing truth of repeated earthly lives, among such hedonists of the soul, easily leads them to be primarily concerned with pondering whether they themselves might actually have been Alexander or Caesar or Marie Antoinette or someone else in historical life, or to seek their previous earthly lives elsewhere. But I do not wish to speak of such aberrations myself. Enthusiasm—I would say—inner need, a vain connection to spiritual life: this characterizes very many as standing not on the ground of truth in spiritual science, but on the ground of vanity and enthusiasm, on that ground where one is detached from the complete context of life. True spiritual science, however, does not lead away from this ground of true life; on the contrary, it brings one closer to life. Anyone who lacks the disposition to take life with full interest and seriousness, but who, to a certain extent, is inclined in their soul toward a kind of spiritual vagrancy, can easily come to regard life as meaningless or to adopt a careless attitude toward it simply because they are now involved in spiritual science. And very many who are unable to accomplish something meaningful in life through the work of their hands or through diligent living—one sees them speaking of a higher mission that has been bestowed upon them from the spiritual world and which they must fulfill above all else. In truth, one would often have to say: laziness and indifference toward life appear, translated into strange language, as a spiritual mission. It is therefore no surprise, esteemed audience, that those accustomed to inner spiritual discipline—which stems from a scientific worldview—look with a certain degree of derision upon those who, for their part, despise both science and, often, life itself, and speak of all manner of spiritual nonsense, simply because they do not want to understand life from a scientific perspective and do not want to engage with ordinary life with the necessary diligence, seriousness, and attention.

[ 24 ] In dem Augenblick aber, wo man diese Dinge durchschaut, wo man Geisteswissenschaft in ihrem Nerv überschaut, in ihrem berechtigten Lebensnerv sieht, da findet man eine völlige Harmonie zwischen Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft. Man wird finden, dass der Geisteswissenschafter in jedem Augenblicke dasjenige, was die Naturwissenschaft positiv vorzubringen hat bis zu ihrer berechtigten materialistischen Methode hin, vollständig gerechtfertigt findet und zugibt, dass er aber, indem er dies zugibt, gleichzeitig zeigt, wie man mit anderen Seelenfähigkeiten, als sie in der Naturwissenschaft und im äußeren Leben berechtigt sind, in die geistige Welt eintreten kann, um diese wirklich zu erforschen.

[ 24 ] But the moment one sees through these things, the moment one grasps the essence of the human sciences, sees their legitimate lifeblood, one finds complete harmony between the natural sciences and the human sciences. One will find that the spiritual scientist at every moment finds what natural science has to offer in a positive sense—right down to its legitimate materialistic method—to be fully justified, and admits that, in admitting this, at the same time demonstrates how one can enter the spiritual world—using faculties of the soul other than those justified in the natural sciences and in external life—in order to truly explore it.

[ 25 ] Missverständnisse, die der Geistesforschung entgegengebracht werden, werden sich im Grunde genommen auf keine andere Weise hinwegräumen lassen, als indem man immer mehr und mehr das wirklich kennenlernt, was in der Geistesforschung wirkt und lebt, und kennenlernt, wie das in der Geistesforschung Wirkende und Lebende durch eine innere Notwendigkeit in der Menschheitsentwicklung in die geistigen Impulse der Menschheit von jetzt ab so hineingetragen werden muss, wie das naturwissenschaftliche Denken seit drei bis vier Jahrhunderten hineingetragen worden ist. Daher braucht man sich nicht zu verwundern, wenn heute noch nicht diese Harmonie zwischen Naturforschung und Geisteswissenschaft überall gefunden werden kann. Im Gegenteil, man muss es voll begreiflich finden, wenn Geistesforschung von vielen einfach genommen wird wie eine Phantasterei. Und diejenigen, die in der Geisteswissenschaft feststehen, gründlich darinnen stehen, die werden dieses Missverstehen als etwas durchaus Begreifliches finden. Das schließt natürlich nicht aus, dass gesucht werden muss, die Missverständnisse aus dem Wege zu räumen und die Harmonie zwischen Naturerkenntnis und Geisteserkenntnis herzustellen.

[ 25 ] Misunderstandings regarding spiritual research can, in essence, be dispelled in no other way than by coming to know more and more deeply what is at work and alive in spiritual research, and by coming to understand how what is active and alive in spiritual science must, through an inner necessity in human development, be carried into the spiritual impulses of humanity from now on, just as scientific thinking has been carried into them over the past three to four centuries. Therefore, one need not be surprised if this harmony between natural science and spiritual science cannot yet be found everywhere today. On the contrary, one must find it entirely understandable that many people simply regard spiritual science as a flight of fancy. And those who are firmly grounded in spiritual science, who are thoroughly immersed in it, will find this misunderstanding to be something entirely understandable. This does not, of course, preclude the need to strive to clear away these misunderstandings and to establish harmony between knowledge of nature and knowledge of the spirit.

[ 26 ] Und auch im Äußerlichen, sehr verehrte Anwesende — was durch die Geisteswissenschaft da in die Welt treten kann, es ist ja wenig, verhältnismäßig wenig —, und auch im Äußerlichen zeigt sich, wie Missverständnisse auftreten müssen und im Grunde genommen begreiflich sind. In dieser Beziehung möchte ich mit einigen Worten noch einmal heute — ich habe es im vorigen Winter schon versucht hier von dieser Stelle aus —, noch einmal mit einigen Worten auf das bisherige äußere, noch nicht vollendete Wahrzeichen der geisteswissenschaftlichen Forschung, den Dornacher Bau, zu sprechen zu kommen. Es ist ja begreiflich, ganz begreiflich, dass diesem Dornacher Bau heute noch viele, viele Missverständnisse entgegengebracht werden. Denn im Grunde genommen: So wahr es auch ist, dass er auf rein künstlerischen Grundlagen ruht und nicht auf irgendetwas Symbolischem oder dergleichen, so wahr ist es auch, dass er so in die Welt tritt, dass er im Grunde genommen sich als etwas ganz anderes darstellt, als man bisher gewohnt war zu sehen als Bauwerk oder als künstlerische Darbietung. Er widerspricht den Empfindungsgewohnheiten der bisherigen künstlerischen Anschauungen in vieler Beziehung so, wie Geisteswissenschaft den Denkgewohnheiten der bisherigen wissenschaftlichen Anschauungsweise vielfach widerspricht und widersprechen muss. Warum ist das der Fall? Ja, sehr verehrte Anwesende, Geisteswissenschaft führt ja, wie vorgestern gezeigt worden ist, ihren ganzen Methoden nach in ein anderes Denken hinein, oder vielmehr in eine Verwandlung des Denkens hinein, führt hinein in eine solche Betätigtheit der Seele, die aus dem Denken entsteht, die viel mehr in der Realität drinnen lebt, als das gewöhnliche Bild-Denken, das nichts anderes geben will als eben eine Nachbildung der äußeren Wirklichkeit. Während das gewöhnliche Denken gerade seinen Wert darinnen sehen muss, dass die Vorstellungen, die es erweckt, getreue Nachbilder einer äußeren Wirklichkeit sind, nichts unmittelbar selbst Erlebtes, sondern nur etwas der äußeren Wirklichkeit Nacherlebtes, muss dasjenige, was sich durch die geistesforscherische Methode aus dem Denken heraus entwickelt, etwas sein, was die Seele unmittelbar erlebt. Nicht in ein Bild hinein müsste sich die Seele erheben, sondern in reales Leben, in das objektive Gedankenwesen der Welt. Und so ist es auch mit dem, was sich aus dem Willen heraus entwickelt. Dadurch aber kommt die Seele auch dazu, sich in das, was sonst instinktiv als das Künstlerische, als das Stilgemäße, als das künstlerische Formen Herausbildende zutage tritt — in das sich noch mehr hineinzuleben. Das ist ja das Wesentliche der Seelenbetätigungen, die durch die Geistesforschung in der Seele zutage treten, dass die Seele mehr untertaucht in die geistige Wirklichkeit. Und indem die Seele also untertaucht in die geistige Wirklichkeit, taucht sie auch anders unter in die Welt der Formen, in die Welt des Gestaltens. Dadurch aber wird sie dazu geführt, nicht etwa an die Stelle der Kunst etwas anderes zu setzen als Kunst, aber der Kunst sich in einer anderen Weise zu nähern. Während die andere Kunst ausgehen muss von dem, was sich den Sinnen darbietet, und dasjenige, was sich den Sinnen darbietet, heraufgehoben werden kann in das Geistige, sodass die Kunst auftritt als etwas aus der Sinnenwelt Heraufgehobenes, über das ausgegossen ist dasjenige, zu dem man heraufgestiegen ist bis zu einer geistigen Forschung. Der äußeren sinnlichen Wirklichkeit ist dasjenige, was man nennen kann «Erfassen des Künstlerischen durch die Geisteswissenschaft», etwas, was den gerade umgekehrten Weg macht. Der Mensch steht dann zuerst im Geistigen drinnen. Er lebt lebendig das Weben und Leben der geistigen Geschehnisse, er tritt gegenüber als Geist dem Geiste. Und wenn nun in ihm künstlerische Betätigungsmöglichkeit ist, wenn Kunst entstehen soll, dann wird nicht, wie es in der sonstigen Kunst geschieht, in der Kunst bisher geschehen ist, das Sinnliche hinaufgeführt, bis man ihm den Glanz des Geistigen geben kann, sondern es wird das Geistige hinuntergeführt in das Materielle.

[ 26 ] And even in outward appearances, dear friends here today—what can emerge into the world through spiritual science is, after all, little, relatively little—even in outward appearances, it becomes clear how misunderstandings are bound to arise and are, in essence, understandable. In this regard, I would like to say a few words again today—I already attempted to do so last winter from this very spot—to speak once more about the external, as yet unfinished symbol of spiritual scientific research: the Dornach building. It is, of course, understandable, quite understandable, that this Dornach building is still met with many, many misunderstandings today. For, when it comes down to it: Just as true as it is that it rests on purely artistic foundations and not on anything symbolic or the like, it is also true that it presents itself to the world in such a way that, fundamentally, it appears as something entirely different from what people have been accustomed to seeing as a building or an artistic creation. It contradicts the habitual sensibilities of previous artistic perspectives in many respects, just as spiritual science contradicts—and must contradict—the habitual ways of thinking of previous scientific approaches in many ways. Why is that the case? Yes, dearly esteemed audience, spiritual science, as was shown the day before yesterday, leads—through its entire methodology—into a different kind of thinking, or rather into a transformation of thinking; it leads into an activity of the soul that arises from thinking and that lives much more deeply within reality than ordinary pictorial thinking, which aims at nothing other than a reproduction of external reality. While ordinary thinking must see its value precisely in the fact that the ideas it evokes are faithful reproductions of an external reality—not something directly experienced in itself, but only something relived from external reality—what develops out of thinking through the spiritual scientific method must be something that the soul experiences directly. The soul would not have to rise into an image, but into real life, into the objective thought-being of the world. And so it is also with what develops out of the will. Through this, however, the soul also comes to immerse itself even more deeply in what otherwise emerges instinctively as the artistic, as that which is in keeping with style, as that which gives rise to artistic forms. This is, after all, the essence of the soul’s activities that come to light through spiritual research: that the soul immerses itself more deeply into spiritual reality. And as the soul thus immerses itself in spiritual reality, it also immerses itself in a different way in the world of forms, in the world of shaping. This leads it, however, not to substitute something other than art for art, but to approach art in a different way. Whereas the other kind of art must proceed from what presents itself to the senses, and what presents itself to the senses can be elevated into the spiritual realm, so that art appears as something elevated from the sensory world, over which has been poured that which one has ascended to through spiritual research. In contrast to external sensory reality, what might be called “the apprehension of the artistic through spiritual science” follows precisely the opposite path. The human being then stands first and foremost within the spiritual realm. He vividly experiences the interweaving and life of spiritual events; he stands as spirit before spirit. And when there is now within him the possibility of artistic activity, when art is to come into being, then—unlike what happens in other forms of art, unlike what has happened in art up to now—the sensuous is not elevated until it can be imbued with the radiance of the spiritual; rather, the spiritual is brought down into the material.

[ 27 ] Das vor allen Dingen, das ist das Wesentliche, das zum Beispiel in der Architektur des Dornacher Baues angestrebt werden sollte. Da war zuerst der Gedanke vorliegend: Was hat da zu geschehen? Und in Anlehnung an diesen Gedanken war nicht die Rede: Wie kann man aus dem bisherigen Baustile heraus, aus demjenigen, was sonst gang und gäbe ist oder erlernt werden kann in der Architektur, ein Bau geschaffen werden, sondern es war eine ganz andere Frage da, eine Frage — ich möchte sagen —, deren praktische Beantwortung schon zeigt, wie man mit der Geisteswissenschaft ganz anders in dem unmittelbaren Realen drinnen stehen muss, als mit den gewöhnlichen logischen oder mit den gewöhnlichen Seelen-Lebens-Betätigungen überhaupt.

[ 27 ] That, above all else—that is the essential point—is what should be strived for, for example, in the architecture of the Dornach building. The initial thought was: What needs to happen here? And based on this thought, the question was not: How can we, starting from existing architectural styles—from what is otherwise common practice or can be learned in architecture— but rather there was an entirely different question—a question, I would say, whose practical answer already shows how one must engage with the spiritual sciences in the immediate reality in a completely different way than with ordinary logical thinking or with the ordinary activities of the soul and life in general.

[ 28 ] Wenn eine Frucht eine Schale um sich bildet, dann ist dasjenige, was als Schale sich absondert, aus denselben Lebenskräften hervorgegangen, herausgewachsen, wie die Frucht selber mit ihren einzelnen Bildungen. Und derjenige, der verfolgt, wie die Frucht in ihrem Kern und in ihrer Schale sich bildet, wie zum Beispiel — ich möchte sagen — der Kern der Nuss die Schale ringsherum bildet mit all den feinen Geäderchen, mit all dem, was aus denselben Kräften entsteht, wie der Kern selber in seinen einzelnen Gebilden, wer das verfolgt, der sagt sich: Die Nussschale entstammt [denselben] Kräften wie der Kern selber. Diese Nussschale ist nicht so gebildet, dass man irgendwie einen Stil erdacht hätte, der eine Umschalung um die Nuss herum geben sollte; eins ist das Ganze. So musste eins werden dasjenige, was in dem Dornacher Bau getrieben wird: Die Kräfte, die in dem walten werden, was Darbietungen, Darstellungen sein werden aus der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung heraus, was Mitteilungen sein werden aus der geistigen Welt, was an Gedanken, Ideen entwickelt wird: das alles, das ist gewissermaßen das Kernleben. Aber aus denselben Kräften, die in diesem Kernleben walten, muss auch die Schale gebildet werden. Das muss eine Einheit sein, wie in jeder Naturfrucht Schale und Kern eine Einheit sind und aus denselben Kräften heraus gebildet werden. Da konnte nicht die Frage jemals entstehen: Welcher Baustil kann da angewendet werden? Sondern indem eine geistige Sache in dem Bau getrieben werden sollte, war der Bau in seiner ganzen Form gegeben; die Zwei-Kuppelform, die zusammenfasst alles dasjenige, ist wirklich auf diese Weise entstanden. Das musste eine Einheit sein.

[ 28 ] When a fruit forms a shell around itself, what separates as the shell has emerged from and grown out of the same life forces as the fruit itself, with all its individual structures. And anyone who observes how the fruit forms in its kernel and in its shell—how, for example, the kernel of a nut forms the shell around it with all its fine veins, with everything that arises from the same forces as the kernel itself in its individual structures—anyone who observes this will say to themselves: The nut shell originates from [the same] forces as the kernel itself. This nut shell is not formed in such a way that one would have somehow conceived of a design intended to provide a shell around the nut; the whole is one. Thus, what is being pursued in the Dornach building had to become one: the forces that will prevail in what will be performances and presentations based on the spiritual-scientific worldview, in what will be messages from the spiritual world, and in the thoughts and ideas that are developed—all of this, in a sense, constitutes the core life. But the shell must also be formed from the same forces that are at work in this core life. It must be a unity, just as in every natural fruit the shell and the kernel are a unity and are formed from the same forces. The question could never have arisen: “Which architectural style can be applied here?” Rather, because a spiritual purpose was to be realized in the building, the building’s entire form was already given; the double-dome form, which encompasses all of this, truly came into being in this way. It had to be a unity.

[ 29 ] Und so mussten — ich möchte sagen — in einer gewissen Weise auch die Wände etwas anderes werden, als Wände bisher gewesen sind. Ich habe das schon hier einmal erwähnt, Aber es ist bedeutsam gerade für die Erfassung der eigentümlichen Kunst, die da entwickelt werden soll — noch ganz primitiv in einem Anfange erst —, dass gerade dies berücksichtigt werde. Wände, auch die, die künstlerisch ausgestaltet werden — und gerade diese, sie haben in der bisherigen Kunst den Abschluss bedeutet. Selbst in dem griechischen Kunstwerk der Architektur bedeuten Wände einen Abschluss; sie schließen gegen die äußere Welt ab.

[ 29 ] And so—I would say—in a certain way, even the walls had to become something other than what walls had been up to that point. I have already mentioned this here once, but it is significant—precisely for understanding the unique art that is to be developed here—which is still in its very primitive beginnings—that this very point be taken into account. Walls, even those that are artistically designed—and especially these—have, in art up to now, signified a closure. Even in Greek architectural art, walls signify a boundary; they shut out the outside world.

[ 30 ] Geisteswissenschaft soll durch das, was sie ist, geistig in alle Weiten hinausführen. Daher müssen Formen entstehen an den Wänden, als Skulpturausbildungen und dergleichen, welche — ich möchte sagen — bewirken, dass die Wände im Anschauen der Formen sich selber vernichten, sodass man das Gefühl hat: Indem man in dem Bau lebt und den Blick lenkt bis zu den Formen, hat man in den Formen etwas, das in die Weltenweiten hinausführt.

[ 30 ] The humanities, by virtue of what they are, should lead us spiritually out into all expanses. Therefore, forms must emerge on the walls—as sculptural elements and the like—which, I would say, cause the walls to dissolve as one gazes at the forms, so that one has the feeling: By living in the building and directing one’s gaze toward the forms, one finds in them something that leads out into the vastness of the worlds.

[ 31 ] Und wiederum im Zusammenhang musste man sein mit aller Realität. Daher konnten nicht solche Fensterkunstwerke, wie sie früher vielfach existiert haben oder heute eben noch existieren aus der alten Kunst heraus, als Fenster entstehen, sondern es wurde eine Art Fenster-Radierung, wenn man es so nennen darf, angewendet. Verschiedene Glastafeln, verschiedenfarbig, jede einzelne aber eben in einer Farbe. Dahinein wird nun gearbeitet das Figurale, und das wird so hineingearbeitet, dass nur Verdickung und Verdünnung bewirken, was künstlerisch erreicht werden soll. Und mit diesem wird dann Zusammenwirken das hereinscheinende Sonnenlicht, also das, was in der Natur wirkt und webt selber, um erst die Kunst vollständig zu machen. Da wird sich Natur und Kunst verschlingen zu einem gemeinsamen Kunstwerk.

[ 31 ] And once again, one had to be in harmony with all of reality. For this reason, works of window art—such as those that were once common or still exist today as remnants of the old art—could not be created as windows; instead, a kind of window etching, if one may call it that, was employed. Various glass panels, of different colors, but each one in a single color. The figurative elements are then worked into these panels in such a way that only variations in thickness and transparency achieve the desired artistic effect. And this then interacts with the sunlight shining in—that is, with what acts and weaves within nature itself—to finally make the art complete. There, nature and art will intertwine to form a single work of art.

[ 32 ] Und so musste in der verschiedensten Weise Neues angestrebt werden. In der Malerei, welche die Kuppeln ausfüllen wird, wurde angestrebt, die Farben in einer ganz bestimmten Weise zu behandeln.

[ 32 ] And so new approaches had to be sought in a wide variety of ways. In the paintings that would adorn the domes, the aim was to treat the colors in a very specific way.

[ 33 ] Sehr verehrte Anwesende, ich kann selbstverständlich nur ganz fragmentarisch auch diese Dinge andeuten. Eben für dasjenige, worauf es ankommt bei der Behandlung der Farben zum Figuralen, sollte etwas versucht werden, was nun gewöhnlich nicht mit der Farbe versucht wird. Da sollte versucht werden, die Farbe unmittelbar zu erleben. Alles dasjenige, in das sich durch Geistesforschung die Seele einlässt, soll da innerlich erlebt werden. Die Farbe soll nicht bloß Oberfläche sein, die irgendetwas, was darunter ist, offenbart, sondern die Farbe soll innerliches Leben haben und dieses innerliche Leben selber entwickeln; sodass aus der entsprechenden Farbe und Farbenzusammensetzung das Leben selber entsteht; sodass man das malerische Kunstwerk so ansieht, dass man unmittelbar in dem Zusammenwirken des Farbigen und desjenigen, was aus der Farbe in die Form hinein sich lebt, das Gefühl hat: Man lebt in dem, was in der Farbe lebendig ist, was in der Farbe lebendig ist, selber darinnen. Man ergreift die Wirklichkeit in der Farbe, nicht durch die Farbe, [man ergreift die] hinter der Farbe stehende Wirklichkeit. Farben sollen sich aussprechen, Formen sollen sich aussprechen — nicht etwas durch Farben, nicht etwas durch Formen. Denn dazu führt gerade das Leben mit der geistigen Welt, die Farben und Formen dann, wenn sie bildlich dargestellt werden sollen, nur so darzustellen, wie wir sie künstlerisch wirklich in jedem Augenblick haben, das man unmittelbar nicht an irgendein Modell sich hält, sondern dass man das — was Leben und Weben in der geistigen Tatsache und in der geistigen Wesenheit ist —, selber hineinbringt in das Weben der Farben und in das Leben der Formen, die man nun auf die Fläche bringt. Und dieses andere musste angestrebt werden aus dem Grunde, weil eben das Ganze des Baues wie die Schale sein sollte, die sich aus denselben Kräften ergibt, wie die Geisteswissenschaft selber. Da musste zum Beispiel auch abgegangen werden von dem Prinzip, Säulen hinzustellen, von denen jede folgende immer der vorhergehenden gleich ist, Säulen mit Kapitellen, die alle untereinander gleich sind. Es musste eine gewisse Entwicklung verfolgt werden vom ersten Säulenpaar mit seinen Kapitellen zum zweiten und so fort. Das gibt eine innere Gestaltung, eine innere Entwicklung, wie sie die Natur selber macht, indem sie aus dem Grundton, aus der Prim, die anderen Töne, die Sekund, Terz und so weiter entwickelt. Und so wahr es kein Aberglaube ist, so wahr es nicht irgendetwas mystisch Verrücktes ist, wenn man sieben Töne in der Tonleiter sieht und in dem achten Tone die Wiederholung des Grundtones, so wenig ist es etwas mystisch Geheimnisvolles, wenn gesucht wird ein Fortschreiten in den inneren Motiven der Kapitelle, und dadurch eine Siebenzahl der Säulen ganz wie von selbst herausgebracht wird, weil man drinnen steht im Weltenschaffen mit dem Geistigen, wie das naturschöpferische Element im Schaffen selber drinnen lebt. So stellt sich ein Parallelismus heraus zwischen dem, was primitiv in der Natur vorhanden ist, wie die sieben Töne, die sieben Farben im Regenbogen, mit demjenigen, was auf geistigem Gebiete auftritt. Das Merkwürdige ist nur, dass es geschehen konnte, dass Menschen sich anschauten diesen Dornacher Bau und meinten, aus irgendeinem Aberglauben gegenüber der Siebenzahl seien hier sieben Säulen gewählt worden. Dieselben Menschen könnten sagen: Was ist das doch für ein grotesker Aberglaube, dass der Regenbogen sieben Farben hat oder dass die Tonskala sieben Töne hat! — Es würde ja von derselben Logik sein, das eine wie das andere. Das eine wie das andere ist durch die Natur der Tatsachen gefordert.

[ 33 ] Ladies and gentlemen, I can, of course, only touch on these matters in a very fragmentary way. Precisely for the very point that is essential when dealing with colors in relation to the figurative, we should attempt something that is not usually attempted with color. We should try to experience color directly. Everything into which the soul engages through spiritual research should be experienced inwardly. Color should not merely be a surface that reveals something lying beneath it, but color should possess an inner life and develop this inner life itself; so that life itself arises from the corresponding color and composition of colors; so that when one looks at the work of art, one has the immediate feeling, in the interplay of the colorful and that which lives its way from the color into the form, that one is living within what is alive in the color—that which is alive in the color is itself within it. One grasps reality in the color, not through the color; [one grasps] the reality that lies behind the color. Colors should express themselves, forms should express themselves—not something through colors, not something through forms. For this is precisely what living in the spiritual world leads to: that colors and forms, when they are to be depicted pictorially, to be depicted only as we truly experience them artistically in every moment—that one does not immediately adhere to any model, but rather brings that—which is life and weaving within the spiritual fact and the spiritual essence—into the weaving of the colors and the life of the forms that one now brings onto the surface. And this different approach had to be pursued for the reason that the entire structure was to be like a shell arising from the same forces as spiritual science itself. For example, one had to depart from the principle of erecting columns where each subsequent one is always identical to the preceding one—columns with capitals that are all identical to one another. A certain development had to be pursued—from the first pair of columns with their capitals to the second, and so on. This creates an inner structure, an inner development, just as nature itself does by developing the other tones—the second, third, and so on—from the fundamental tone, the prime. And just as it is not superstition—just as it is not some kind of mystical madness—to see seven notes in the scale and the repetition of the fundamental in the eighth note, so too is it not something mystically mysterious to seek a progression in the inner motifs of the capitals, and thereby a number of seven columns emerges quite naturally, because one stands within the creation of the world with the spiritual, just as the creative element of nature lives within the creative process itself. Thus a parallel emerges between what is primally present in nature—such as the seven notes, the seven colors of the rainbow—and what occurs in the spiritual realm. The strange thing is simply that it could happen that people looked at this building in Dornach and thought that seven columns had been chosen here out of some kind of superstition regarding the number seven. Those same people might say: What kind of grotesque superstition is it that the rainbow has seven colors or that the musical scale has seven notes! — After all, one would follow from the same logic as the other. Both are dictated by the nature of things.

[ 34 ] Wenn irgendjemand kommt und sagt: Nun ja, mit dem, das da an dem Bau ist, möchte man ja schon in Übereinstimmung kommen. Aber dass ihr solche abergläubischen Sachen macht oder solch mystisches Zeug macht, wie sieben Säulen, noch dazu aus sieben verschiedenen Hölzern — wobei auch wiederum nur das Künstlerische, das mit der Differenzierung im Holz zusammenhängt, eigentlich gemeint ist —, wer so spricht, der gleicht dem, der da sagt: Ich begreife nicht, warum jede Saite an einer Violine anders sein muss; es könnten ja alle gleich sein und so weiter, und so weiter. — Es wird sich schon darum handeln einzusehen, dass dasjenige, was aus der Geisteswissenschaft heraus zur Kunst führt, gewissermaßen übereinstimmt mit dem, was überhaupt der ganze Sinn des geistesforscherischen Arbeitens ist.

[ 34 ] If anyone comes along and says: Well, you’d certainly want to reach an agreement with the person in charge of the construction project. But that you’re doing such superstitious things or such mystical stuff, like seven pillars, made of seven different kinds of wood to boot—though, again, what’s really meant is just the artistic aspect, which has to do with the variations in the wood—anyone who speaks like that is like someone who says: “I don’t understand why every string on a violin has to be different; they could all be the same, and so on, and so on.” — It will be a matter of realizing that what leads from spiritual science to art corresponds, in a sense, to the very essence of spiritual scientific work.

[ 35 ] Naturforschung hat sich in der neueren Zeit ganz gewaltig heraufgearbeitet. Das erkennt insbesondere die Geistesforschung an. Aber es ist so, wie wenn man von einer Seite her — wie es ja geschieht — anfängt, einen Tunnel zu bohren und von der anderen Seite entgegenarbeitet. Von der anderen Seite arbeitet der Naturwissenschaft nun Geisteswissenschaft entgegen. Sie werden einmal zusammenkommen. Naturforschung arbeitet gewissenhaft da, wo sie eben richtig arbeitet. Sie kommt [herauf], möchte ich sagen, bis zu dem Punkt, wo das Leben erfasst werden soll. Der Materialist leugnet deshalb das Leben überhaupt als ein besonderes Element. Er sieht in dem Leben nur eine Kombination der anderen Naturkräfte. Die Naturwissenschaft arbeitet von unten hinauf bis zum Leben. Geisteswissenschaft arbeitet voll bewusst der Naturwissenschaft entgegen, kommt in ihrer Weise dazu, dieses Bewusstsein nun nicht bloß als solches Bewusstsein zu haben, wie es im gewöhnlichen Menschenleben ist, sondern dieses Bewusstsein auszudehnen bis dahin, wo Realität, Wirklichkeit im Bewusstsein erfasst wird. Während die Naturwissenschaft das Leben nicht ergreifen kann, kann der Geistesforscher oftmals nicht ergreifen die Realität, die Wirklichkeit im Bewusstsein. Aber beide arbeiten einander entgegen, um das Leben, zu dem die Naturforschung hinarbeitet, zu ergreifen mit einem anderen Bewusstsein, das herausentwickelt wird aus dem gewöhnlichen menschlichen Bewusstsein. Nicht nur zur Harmonie, sondern zur innerlichen Durchdringung von Leben und Bewusstsein arbeiten sich die beiden hin: Geistesforschung und Naturforschung. Und wenn man die Sache dann so ansieht, dann sieht man auch in der Kunst, die heute beginnt, und die von der anderen Seite her arbeitet als die andere Kunst, etwas, was dieser anderen Kunst entgegenkommt.

[ 35 ] Natural science has made tremendous strides in recent times. This is particularly acknowledged by spiritual science. But it is as if one were to begin drilling a tunnel from one end—as indeed happens—and work toward the other end. From the other side, spiritual science is now working toward natural science. They will eventually come together. Natural science works conscientiously in the areas where it is properly applied. It advances, I would say, to the point where life is to be grasped. The materialist therefore denies life altogether as a distinct element. He sees life merely as a combination of other natural forces. Natural science works its way up from the bottom to life. Spiritual science works fully consciously toward natural science; in its own way, it arrives at the point of not merely having this consciousness as such—as it exists in ordinary human life—but of extending this consciousness to the point where reality is grasped in consciousness. While natural science cannot grasp life, the spiritual researcher often cannot grasp reality in consciousness. But both work toward one another in order to grasp the life toward which natural science is striving, using a different kind of consciousness that is developed from ordinary human consciousness. Both spiritual research and natural science are working not merely toward harmony, but toward an inner interpenetration of life and consciousness. And when one views the matter in this way, one also sees in the art that is emerging today—and which works from a different perspective than other art—something that meets this other art halfway.

[ 36 ] Zu begreifen ist nur nicht, wie Menschen in den Dornacher Vortragsraum eintreten und etwa sagen: Da drinnen ist alles geheimnisvoll, alles voller Symbole, alles voller besonderer Zeichen. — Nicht ein einziges Zeichen, nicht ein einziges Symbolum ist darinnen, sondern es ist gerade versucht worden, [so zu gestalten, dass man sich die Frage vorlegte:] Wie muss der Gedanke sein, könnte er in künstlerische Formen ausfließen? — Der Unfug, der sonst häufig, sagen wir, auf theosophischem Gebiete getrieben wird, dass man allerlei geheimnisvolle Zeichen sucht und die an alles Mögliche anklebt und darinnen etwas Künstlerisches oder ein künstlerisches Surrogat sehen will — das ist gerade bei diesem Bau vermieden worden. Und alles ist aufgelöst in Künstlerisches. Das ist gerade versucht worden. Nirgends sollte der bloße Gedanke wirken. Und das konnte um so mehr geschehen, als der Gedanke, der sonst die Allegorie, das Symbol sucht, wenn er hinausstrebt aus der sinnlichen Wirklichkeit, doch nicht hinauskommen kann aus der Bilderhaftigkeit, aus der Unwirklichkeit, aus dem bloß Gedankenhaften. Wenn dieser Gedanke oftmals das Symbolische, das Allegorische sucht — der lebendige Gedanke, der eins wird mit der [Lücke in der Mitschrift], der kann sich unmittelbar künstlerisch geben, sodass sich Kunst in Formen, in Farben und so weiter in äußerer Wirklichkeit auslebt. Dasjenige, was dargestellt werden sollte [in diesem Bau] wurde nicht in allerlei künstlerischen Surrogaten wie Allegorien und Symbolen und dergleichen dargestellt. Daher ist es nur zu verwundern, wenn Menschen sich die Dinge ansehen und, trotzdem sie kein einziges Symbol sehen können, davon reden, dass allerlei Geheimnisvolles, alle möglichen Zeichen und dergleichen in diesem Dornacher Bau zu sehen wären.

[ 36 ] What is simply incomprehensible is how people walk into the lecture hall in Dornach and say, for example: “Everything in there is mysterious, everything is full of symbols, everything is full of special signs.” — Not a single sign, not a single symbol is in there; rather, an attempt has been made [to design it in such a way that one asks oneself:] What must the thought be like if it were to flow into artistic forms? — The nonsense that is otherwise frequently perpetrated, let’s say, in theosophical circles—seeking all manner of mysterious signs, attaching them to all sorts of things, and wanting to see something artistic or an artistic surrogate in them—has been specifically avoided in this building. And everything is dissolved into artistry. That is precisely what has been attempted. Nowhere should the mere thought be allowed to take effect. And this was all the more possible because the thought—which otherwise seeks allegory and symbolism when it strives to transcend sensory reality—cannot, after all, escape from imagery, from unreality, from the purely conceptual. While this thought often seeks the symbolic and the allegorical—the living thought that becomes one with the [gap in the transcript]—it can express itself directly through art, so that art finds its full expression in forms, colors, and so on, in external reality. That which was to be represented [in this building] was not depicted in all sorts of artistic surrogates such as allegories, symbols, and the like. It is therefore only to be expected that when people look at these things—even though they cannot see a single symbol—they speak of all sorts of mysterious elements, all manner of signs, and the like being visible in this building in Dornach.

[ 37 ] Aber man braucht sich ja über diese Dinge nicht besonders zu verwundern, wenn sogar gesagt werden kann, dass dasjenige, was hier als Geisteswissenschaft charakterisiert worden ist, etwas zu tun habe mit dem Zitieren von Toten. Wenn das in vollem Ernste gesagt werden kann, wie es geschehen ist, dann kann ja das andere auch gesagt werden, es kann dann auch umso leichter gesagt werden.

[ 37 ] But one need not be particularly surprised by these things when it can even be said that what has been characterized here as spiritual science has something to do with quoting the dead. If that can be said in all seriousness, as it has been, then the other thing can be said as well—and it can be said all the more easily.

[ 38 ] Wenn man eben wirklich hineinschaut auf der einen Seite in das naturwissenschaftliche Arbeiten, auf der anderen Seite in das geisteswissenschaftliche Arbeiten, dann wird man finden, wie die beiden ineinander arbeiten, wie die beiden sich durchaus entgegenarbeiten und dann werden die Missverständnisse schwinden. Ja, sehr verehrte Anwesende, so werden sie schwinden, wie sie auf einem anderen Gebiete geschwunden sind. Ich habe schon darauf aufmerksam gemacht. Heute glaubt noch mancher, der da vermeint, auf dem festen Boden der Naturwissenschaft zu stehen, dass er dies oder jenes gegen Geisteswissenschaft einwenden müsse. Wir haben gesehen, wie das begreiflich ist. Genau dasselbe ist es, wenn man die Sache in der richtigen Weise ansieht, was hervorgetreten ist, als sich die Menschen gewöhnen mussten daran, dass die Erde nicht stillsteht im Weltenraum, sondern mit rasender Geschwindigkeit sich bewegt, dass die Bewegung der Himmelskörper oder auch das Stillstehen der Sonne nicht so zu erklären ist wie früher, sondern in der kopernikanischen Weise zu erklären ist. Damals widersprach die neue naturwissenschaftliche Weltanschauung den Denkgewohnheiten. Und man glaubte insbesondere damals auf dem Boden des religiösen Bekenntnisses, dass man viel, viel gegen diese neuere naturwissenschaftliche Denkweise einwenden müsse. Man glaubte geradezu die Religion gefährdet durch diese neuere Naturwissenschaft. Durch diese neuere naturwissenschaftliche Denkforderung, mit der ja die Wissenschaft innig zusammenhing im Laufe der Jahrhunderte, ist eben manches anders geworden. Wer heute sich einlässt auf dasjenige, was dazumal gegen den Kopernikanismus, gegen den Galileismus eingewendet worden ist, der findet das geschichtlich interessant; aber heute macht es keinen besonderen Eindruck mehr. Die Denkgewohnheiten sind andere geworden. Dasjenige, was dazumal lebhaft bekämpft worden ist, ist heute eine Selbstverständlichkeit geworden für viele. Und das folgende Beispiel, das ich hier schon erwähnte in einem Vortrage des vorigen Winters, es darf immer wieder und wiederum vor die Seelen hingestellt werden.

[ 38 ] If one really takes a close look, on the one hand, at scientific work and, on the other hand, at work in the humanities, one will see how the two interact and how they can also work against each other—and then the misunderstandings will disappear. Yes, ladies and gentlemen, they will vanish just as they have vanished in other fields. I have already drawn attention to this. Even today, some who believe they stand on the solid ground of the natural sciences still think they must raise this or that objection against the humanities. We have seen how this is understandable. It is exactly the same—when one views the matter in the right way—as what emerged when people had to get used to the fact that the Earth does not stand still in space but moves at breakneck speed, and that the motion of the celestial bodies or even the apparent stillness of the Sun cannot be explained as it was in the past, but must be explained in the Copernican manner. At that time, the new scientific worldview contradicted established patterns of thought. And people believed—especially then, on the basis of religious conviction—that there were many, many objections to be raised against this newer scientific way of thinking. People actually believed that religion was endangered by this newer natural science. Because of this newer scientific way of thinking—with which science had, after all, been intimately connected over the centuries—many things have simply changed. Anyone today who delves into the objections that were raised back then against Copernicanism and Galileanism will find it historically interesting; but today it no longer makes any particular impression. Ways of thinking have changed. What was vigorously opposed back then has now become a matter of course for many. And the following example, which I already mentioned here in a lecture last winter, may be presented to people’s minds again and again.

[ 39 ] An einer Universität hielt in den Neunzigerjahren ein Priester einen Vortrag über Galilei, er hielt diesen Vortrag über Galilei als Rektoratsrede. Er hielt einen ausgezeichneten Vortrag über Galilei, trotzdem er als Theologe das Rektorat seiner Universität antrat. Er sprach nicht über ein theologisches Thema, sondern er sprach als Christ, als rechter Christ über Galilei. Und er machte dazumal darauf aufmerksam, dass die Zeiten sich soweit geändert hätten, dass man sagen könne: Damals, als Galilei lebte, da fanden sich viele, die da glaubten, durch den Galileismus werde die Religion oder das Christentum in irgendeiner Weise gefährdet; dasjenige, was man früher wissen durfte, werde irgendwie gefährdet werden. Jetzt aber, sagte dieser Priester, sei man so weit, dass man erkannt habe: Durch keine Art von wissenschaftlichem Fortschritt könne jemals die Religion in Wirklichkeit gefährdet werden, sondern im Gegenteil, je mehr entdeckt werde von der Herrlichkeit der Schöpfung, desto mehr werde man bewundern lernen dasjenige, was als Göttliches lebt in der Welt.

[ 39 ] In the 1990s, a priest gave a lecture on Galileo at a university; he delivered this lecture on Galileo as his inaugural address as university president. He gave an excellent lecture on Galileo, even though he had assumed the rectorship of his university as a theologian. He did not speak on a theological topic, but rather spoke as a Christian—a true Christian—about Galileo. And he pointed out at the time that times had changed so much that one could say: Back when Galileo was alive, there were many who believed that Galileanism would endanger religion or Christianity in some way; that what one was previously allowed to know would somehow be endangered. But now, said this priest, we have reached the point where we have recognized that no kind of scientific progress can ever truly endanger religion; on the contrary, the more we discover of the glory of creation, the more we will learn to admire that which lives as the divine in the world.

[ 40 ] Geändert haben sich die Denkgewohnheiten, und in einer solchen Erscheinung, wie die angeführte, zeigt sich das ganz besonders. Es wird auch eine Zeit kommen, wo die Menschen einsehen werden, dass weder irgendein anderes christliches Prinzip noch auch das ErlösungsPrinzip irgendwie gefährdet werden durch dasjenige, was die Geistesforschung zu entdecken hat über die wiederholten Erdenleben und dergleichen, wie man einsehen gelernt hat, dass der Kopernikanismus das Christentum nicht gefährden kann. Im Gegenteil, man muss sagen: Wie kleinmütig sind doch diejenigen, die so denken von der gewaltigen Kraft, die im Christentum lebt, dass diese gewaltige Kraft gefährdet werden könne durch irgendetwas, was entdeckt werde, sei es auf dem Gebiet der Naturwissenschaft, sei es auf dem Gebiet des Geistes. Nein, sehr verehrte Anwesende, eine solche Kleingläubigkeit haben diejenigen nicht, die Geistesforscher sind, von dem Religiösen, von dem Christlichen, sondern sie haben das starke Bewusstsein, dass im Christentum, in dem größten Impulse des Erdendaseins das lebt, was durch keine Entdeckung, die auf dem Gebiet der Natur oder auf dem Gebiet des Geisteslebens gemacht wird, jemals in seiner Kraft abgeschwächt werden könnte, sondern dass alles dasjenige, was auf dem Gebiet auch des Geistes jemals erforscht werden kann, [gerade zur Bekräftigung] da sein wird desjenigen, was als der größte Erdenimpuls in dem religiösen Leben waltet und lebt.

[ 40 ] Ways of thinking have changed, and this is particularly evident in a phenomenon such as the one mentioned. There will also come a time when people will realize that neither any other Christian principle nor the principle of salvation is in any way endangered by what spiritual research has to reveal about repeated earthly lives and the like—just as people have come to realize that the Copernican theory cannot endanger Christianity. On the contrary, one must say: How small-minded are those who think of the mighty power that lives in Christianity in such a way that this mighty power could be endangered by anything that is discovered, whether in the realm of natural science or in the realm of the spirit. No, ladies and gentlemen, those who are spiritual researchers do not harbor such a lack of faith in religion or in Christianity; rather, they have a strong awareness that within Christianity—the greatest impulse of earthly existence—lives that which can never be weakened in its power by any discovery, made in the realm of nature or in the realm of spiritual life could ever diminish its power; rather, everything that can ever be explored in the realm of the spirit will be there [precisely to affirm] that which reigns and lives as the greatest earthly impulse in religious life.

[ 41 ] Und so konnte sich denn dazumal, als jener katholische Priester über Galilei seine Rektoratsrede hielt, die dann gedruckt worden ist, etwas sehr Merkwürdiges abspielen. An derselben Universität war ein reiner Naturforscher, ein Naturforscher, der sich befasst hatte namentlich mit Kriminal-Anthropologie, mit Anthropologie überhaupt, ein Naturforscher, der zwar nicht Darwinist war, aber streng auf dem Boden der Tatsachenforschung stand und der bis heute diesen Boden streng innegehalten hat. Gerade in der Zeit, als jener christliche Professor sein Rektorat antrat und zu Ehren Galileis sprach, arbeitete der Naturforscher eine «Seelenkunde» aus. Und siehe da: Der Naturforscher widmete seine Seelenkunde dem christlichen Priester, der für Galilei eintrat. Der Naturforscher, der nicht einmal seinem Glaubensbekenntnis und seiner Abstammung nach Christ ist, widmete dem christlichen Priester ein Werk, das nun auch als Seelenkunde ganz auf physiologischem, auf naturwissenschaftlichem Boden erwachsen ist, gleichsam als Dank dafür, dass derjenige, der auf dem Boden des Geisteslebens als Priester und als Christ stand, den Weg gefunden hat hinüber zu einer objektiven Betrachtung des Naturdenkers Galilei. [Da ist die] Harmonie zwischen Geisteswissenschaft und Naturwissenschaft, zwischen dem Leben im Geiste und dem Leben in der naturwissenschaftlichen Erkenntnis an einem besonderen Beispiel hervorgetreten! Die Zeit, wo man nicht mehr in dem Kampfe, sondern in der Harmonie das Ziel des geistigen Strebens auf allen Gebieten sehen wird, das wird die Zeit sein, in der auch die Missverständnisse gegenüber der Geistesforschung schwinden werden, die heute ebenso begreiflich sind, wenn sie auftreten, auftreten auf religiösem Gebiet oder auftreten auf naturforscherischem Gebiet, wie die Einwände gegen den Kopernikanismus begreiflich in ihrer Zeit waren. Aber einsehen werden die Menschen immer mehr und mehr, dass dieses Ziel gar nicht etwa ein ganz fernes, im Nebulösen weilendes Ideal ist, sondern dass es etwas ist, was wirklich in der nächsten Zukunft angestrebt werden kann und angestrebt werden muss. Merkwürdig nähert sich ja die Naturwissenschaft — ich möchte sagen — ja unbewusst der Geistesforschung. Nur ein sehr oberflächliches Beispiel sei zum Schlusse angeführt.

[ 41 ] And so, back then, when that Catholic priest delivered his inaugural address on Galileo—which was later published—something very peculiar took place. At the same university there was a pure natural scientist—a natural scientist who had dealt specifically with criminal anthropology, with anthropology in general—a natural scientist who, while not a Darwinist, stood firmly on the ground of empirical research and who has maintained this stance rigorously to this day. Precisely at the time when that Christian professor assumed his rectorship and spoke in honor of Galileo, the natural scientist was developing a “science of the soul.” And lo and behold: the natural scientist dedicated his science of the soul to the Christian priest who had stood up for Galileo. The natural scientist—who is not even a Christian by creed or lineage—dedicated to the Christian priest a work that has now, as a study of the soul, developed entirely on a physiological and scientific foundation, as it were, in gratitude that the one who stood on the ground of spiritual life as a priest and as a Christian had found his way to an objective view of the natural philosopher Galileo. [Here we see] the harmony between spiritual science and natural science, between life in the spirit and life in scientific knowledge, revealed in a particular example! The time when people will no longer see the goal of spiritual striving in all fields as a struggle but as harmony—that will be the time when the misunderstandings regarding spiritual research will also fade away; these misunderstandings, when they arise today—whether in the religious sphere or in the realm of natural science—are just as understandable as the objections to Copernicanism were in their own time. But people will come to realize more and more that this goal is by no means some distant, nebulous ideal, but rather something that can—and must—be striven for in the very near future. It is remarkable how natural science is—I would say—unconsciously drawing closer to spiritual research. Let me conclude by citing just one very superficial example.

[ 42 ] Wer sich in die verschiedenen Schriften Haeckels vertieft, der wird in Haeckel gerade einen Menschen finden — der in seinen «Welträtseln» es sogar bis zu einem gewissen Schmähen und Beschimpfen desjenigen, was durch die reine Geistesforschung gefunden werden kann, gebracht hat —, einen Menschen finden, der immer betont hat, es gäbe ein «Substanz-Gesetz», und das sei das Leben, das man suchen müsse. Nun hat er «Ewigkeitsgedanken» geschrieben. Sie sind aufgefasst nicht weniger materiell als seine «Welträtsel» es sind; aber nun wird er instinktiv zu etwas höchst Merkwürdigem geführt. Er sagt: Er erkenne an — gleich im Anfang dieser «Ewigkeitsgedanken» —, er erkenne an die Ewigkeit des Stoffes, die Ewigkeit der Kräfte und die Ewigkeit des Psychoms — die Ewigkeit der Weltenseele —, wie er es übersetzt.

[ 42 ] Anyone who delves into Haeckel’s various writings will find in Haeckel precisely a man—who, in his *Welträtsel* (*Mysteries of the World*), even went so far as to disparage and denigrate what can be discovered through pure spiritual research—a man who has always emphasized that there is a “law of substance,” and that this is the life one must seek. Now he has written *Thoughts on Eternity*. They are conceived no less materially than his *Mysteries of the Universe* are; but now he is instinctively led to something most peculiar. He says: He acknowledges—right at the beginning of these *Thoughts on Eternity*—that he acknowledges the eternity of matter, the eternity of forces, and the eternity of the psychom—the eternity of the world soul—as he translates it.

[ 43 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, was tut Haeckel? Redet er immer nur davon: Du Chemiker, Du Physiker, Du sollst deklamieren: Ewigkeit des Stoffes, Ewigkeit der Kräfte? — Nein, Haeckel lässt zu, dass der Chemiker die einzelnen Stoffe, die einzelnen Beziehungen zwischen den Stoffen studiert. Fordert Haeckel, dass man nur ewig deklamiere: Ewigkeit der Kräfte? — Nein, die einzelnen Kräfte-Wahrnehmungen — Elektrizität, Magnetismus und so weiter — werden in ihren gegenseitigen Beziehungen konkret studiert. Nur in Bezug auf das Psychom, auf das Seelische bleibt Haeckel vorläufig dabei stehen, das eine Wort — oder die drei Worte — zu sagen: «Ewigkeit des Psychoms».

[ 43 ] Well, ladies and gentlemen, what does Haeckel do? Does he just keep saying: “You chemists, you physicists, you must proclaim: the eternity of matter, the eternity of forces”? — No, Haeckel allows the chemist to study the individual substances and the individual relationships between them. Does Haeckel demand that one merely proclaim endlessly: “The eternity of forces”? — No, the individual perceptions of forces—electricity, magnetism, and so on—are studied concretely in their mutual relationships. Only with regard to the psychom, to the spiritual realm, does Haeckel for the time being stop short of saying that one word—or those three words: “Eternity of the psychom.”

[ 44 ] Geisteswissenschaft will nichts anderes, als nun im Einzelnen studieren das Psychom, dasjenige, was sich als geistig-seelisch in der Realität ebenso ausbreitet wie die Stoffe, wie die Kräfte. Wahrhaft intensiv wird gerade der, der aus seiner Naturwissenschaft heraus arbeitet, in die Geisteswissenschaft hineindringen, wenn er noch die Kräfte dazu hat, die ja Haeckel selbstverständlich heute schon fehlen. Aber etwas wird sich herausstellen: Dass, sehr verehrte Anwesende, dass die Menschen in der Zukunft die Natur betrachten werden, [dass sie] auf sich wirken lassen werden das, was die Naturwissenschaft über die Natur zu sagen hat. Heute gibt es noch viele, die da glauben, was die Naturwissenschaft zu sagen hat, das seien Ergebnisse, die man nur zusammenzufassen brauche, dann gäbe es eine Weltanschauung; und dabei müsse man stehen bleiben. Diejenigen, die dies glauben, nennen sich Monisten und so weiter. Aber die Zeit wird kommen, wo man das, was die Naturwissenschaften geben, nicht als Ergebnisse allein betrachten wird, sondern wo man gerade einsehen wird, dass das, was die Naturwissenschaften geben, zu weiteren Fragen führt, ja erst zu den richtigen Fragen führt, wo jedes naturwissenschaftliche Buch, das zu Erkenntniszwecken und Erkenntniszielen studiert wird, nicht den Menschen verführen wird, eitel dabei stehen zu bleiben, was die Naturwissenschaft gibt, sondern ihn zu Fragen führen wird, zu höherem Erkenntnisbedürfnis führen wird. Die Zeit nähert sich, wo das Studium der Naturwissenschaft gerade Fragen aufwerfen wird, nicht den Menschen dazu verführen wird, bei den Ergebnissen der bloßen Naturwissenschaft stehen zu bleiben. Das Bedürfnis wird sich aus dem Studium der Naturwissenschaft ergeben, an die Erforschung des Geistes heranzutreten. Naturwissenschaft wird in der menschlichen Seele ein Bedürfnis erzeugen, und Geisteswissenschaft wird dieses Bedürfnis befriedigen. Wie sonst in der menschlichen Seele Bedürfnisse entstehen und sie befriedigt werden können durch das, was der Gang der Welt gibt, so werden Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft zusammenwirken wie Bedürfnis-Erzeugung und Bedürfnis-Befriedigung. Naturwissenschaft wird das geben, was wie eine sinnliche Realität sich organisiert und Bedürfnis entwickelt; Geisteswissenschaft wird dasjenige geben, was diesem Bedürfnisse dient. Wie die Pflanze aus der Erde wächst, aus dem Stoff der Erde dem Lichte sich zuneigt, das Bedürfnis nach Licht hat, wie das Licht ihr entgegentritt, wärmend und leuchtend die Sonnenkraft in die Pflanze hineindringt und das Leben der Pflanze erst möglich macht als ein einheitlich harmonisches Leben, so werden in der Zukunft diejenigen Bedürfnisse, die sich aus der Naturwissenschaft heraus entwickeln, wie dasjenige erscheinen, was aus dem Boden des Irdischen herauswächst, und dasjenige was Geisteswissenschaft zu bieten vermag, wird das dieses Irdische Überleuchtende und Erwärmende sein. Der Stoff wird das Licht suchen, das Licht wird den Stoff suchen. Naturwissenschaft wird selber wie ein höheres, verfeinertes Stoffliches dastehen. Geisteswissenschaft wird dazu da sein, dieses Stoffliche zu durchwärmen, zu erleuchten.

[ 44 ] The science of the spirit seeks nothing other than to study in detail the psyche—that which, as a spiritual-soul aspect, extends throughout reality just as much as matter and forces do. It is precisely those who work from a foundation in the natural sciences who will truly delve deeply into the humanities—provided they still possess the strength to do so, a strength that Haeckel, of course, already lacks today. But one thing will become clear: that, esteemed audience, in the future people will observe nature and allow themselves to be influenced by what the natural sciences have to say about it. Today there are still many who believe that what natural science has to say consists of findings that one need only summarize to arrive at a worldview; and that one must stop there. Those who believe this call themselves monists and so on. But the time will come when what the natural sciences provide will no longer be regarded merely as findings, but when people will come to realize that what the natural sciences provide leads to further questions, indeed leads to the right questions—a time when every scientific book studied for the sake of knowledge and its goals will not tempt people to remain content with what science provides, but will lead them to questions, to a higher need for knowledge. The time is approaching when the study of the natural sciences will itself raise questions, rather than tempting people to remain content with the findings of the natural sciences alone. The need to approach the study of the spirit will arise from the study of the natural sciences. The natural sciences will generate a need within the human soul, and the spiritual sciences will satisfy this need. Just as needs arise in the human soul and can be satisfied by what the course of the world provides, so will natural science and spiritual science interact like the creation of a need and the satisfaction of that need. Natural science will provide what organizes itself as a sensory reality and gives rise to a need; spiritual science will provide what serves that need. Just as a plant grows from the earth, drawing from the earth’s substance toward the light and having a need for light; just as the light meets it, the sun’s power penetrating the plant, warming and illuminating it, and making the plant’s life possible as a unified, harmonious existence, so, in the future, the needs that develop out of natural science will appear as that which grows out of the soil of the earthly realm, and what spiritual science is able to offer will be that which illuminates and warms this earthly realm. Matter will seek the light, and the light will seek matter. Natural science itself will stand as a higher, more refined form of matter. Spiritual science will be there to warm and illuminate this matter.

[ 45 ] So wird Naturwissenschaft werden — das sei zum Schlusse ausgesprochen —, Naturwissenschaft werden wie ein Leib, und Geisteswissenschaft wie eine Seele, und beide werden sie zusammen in voller Harmonie den Organismus geben des menschlichen Erkenntnis- und Wissensstrebens.

[ 45 ] This is how the natural sciences will become—let this be stated in conclusion—the natural sciences will become like a body, and the humanities like a soul, and together, in full harmony, they will form the organism of humanity’s quest for insight and knowledge.