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Ways to a Knowledge of the
Eternal Forces of the Human Soul
GA 70b

19 February 1916, Kassel

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10. Das Weltbild des Deutschen Idealismus. Eine Betrachtung im Hinblick auf unsere schicksaltragende Zeit

10. Das Weltbild des Deutschen Idealismus. Eine Betrachtung im Hinblick auf unsere schicksaltragende Zeit

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Seit einer längeren Reihe von Jahren durfte ich, wie in verschiedenen Städten Deutschlands, so auch in dieser Stadt, fast in jedem Winter hier einen Vortrag halten über Gegenstände desjenigen Gebietes, das ich mir erlaube Geisteswissenschaft zu nennen. In unserer schicksaltragenden Zeit wird es aber wohl angemessen sein, den Blick hinzulenken auf diejenigen Ereignisse, deren Teilnehmer und Zeugen wir in dieser Zeit alle sind. Umso mehr scheint mir dieses angemessen, sehr verehrte Anwesende, als es meine, nicht aus einem dunklen Gefühl, sondern aus der geisteswissenschaftlichen Überzeugung selbst heraus fließende Auffassung ist, dass gerade dasjenige, was geisteswissenschaftliche Welterkenntnis ist, im innigen Zusammenhange steht mit demjenigen, was deutsches Volkstum und deutsches Wesen hervorgebracht haben als das Weltbild des Deutschen Idealismus, das insbesondere groß und gewaltig sich geoffenbart hat aus diesem deutschen Wesen heraus am Ende des achtzehnten und in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, das aber fortgewirkt hat und fortwirkt bis in unsere Tage herein.

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Seit einer längeren Reihe von Jahren durfte ich, wie in verschiedenen Städten Deutschlands, so auch in dieser Stadt, fast in jedem Winter hier einen Vortrag halten über Gegenstände desjenigen Gebietes, das ich mir erlaube Geisteswissenschaft zu nennen. In unserer schicksaltragenden Zeit wird es aber wohl angemessen sein, den Blick hinzulenken auf diejenigen Ereignisse, deren Teilnehmer und Zeugen wir in dieser Zeit alle sind. Umso mehr scheint mir dieses angemessen, sehr verehrte Anwesende, als es meine, nicht aus einem dunklen Gefühl, sondern aus der geisteswissenschaftlichen Überzeugung selbst heraus fließende Auffassung ist, dass gerade dasjenige, was geisteswissenschaftliche Welterkenntnis ist, im innigen Zusammenhange steht mit demjenigen, was deutsches Volkstum und deutsches Wesen hervorgebracht haben als das Weltbild des Deutschen Idealismus, das insbesondere groß und gewaltig sich geoffenbart hat aus diesem deutschen Wesen heraus am Ende des achtzehnten und in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, das aber fortgewirkt hat und fortwirkt bis in unsere Tage herein.

[ 2 ] Geisteswissenschaft will ja in echtem, wahrem Sinne für die Erforschung des geistigen Lebens sein eine Fortsetzung desjenigen, was für die äußere Natur, für die Sinneswelt gebracht hat das naturwissenschaftliche Weltbild. Zu reifen den Geist für eine solche Auffassung desjenigen, was geistig der Welt zugrunde liegt, scheint mir aber — wie gesagt, aus der Geisteserkenntnis selber heraus sage ich das —, scheint mir aber gerade dieses Weltbild des Deutschen Idealismus die eigentliche Wurzel und die eigentliche Quelle zu sein. Deshalb gestatten Sie, dass am heutigen Abend von mir hier angestellt wird eine Art Betrachtung über dieses Weltbild des Deutschen Idealismus und sein Hereinwirken in die Gegenwart, sein Wirken in die ganze Zeitbildung überhaupt und in die weltgeschichtliche Entwicklung der Menschheit.

[ 2 ] Geisteswissenschaft will ja in echtem, wahrem Sinne für die Erforschung des geistigen Lebens sein eine Fortsetzung desjenigen, was für die äußere Natur, für die Sinneswelt gebracht hat das naturwissenschaftliche Weltbild. Zu reifen den Geist für eine solche Auffassung desjenigen, was geistig der Welt zugrunde liegt, scheint mir aber — wie gesagt, aus der Geisteserkenntnis selber heraus sage ich das —, scheint mir aber gerade dieses Weltbild des Deutschen Idealismus die eigentliche Wurzel und die eigentliche Quelle zu sein. Deshalb gestatten Sie, dass am heutigen Abend von mir hier angestellt wird eine Art Betrachtung über dieses Weltbild des Deutschen Idealismus und sein Hereinwirken in die Gegenwart, sein Wirken in die ganze Zeitbildung überhaupt und in die weltgeschichtliche Entwicklung der Menschheit.

[ 3 ] Gewiss, dieses Weltbild des Deutschen Idealismus ist herausgeboren, ganz herausgeboren, wie wir sehen werden, aus dem Wesen des deutschen Volkstums, und man könnte ihm insoferne absprechen eine gewisse umfassende Geltung nach dem Worte, das heute oftmals ausgesprochen wird, nach dem Worte: Alles Wissen, alle Wissenschaft müsse eigentlich einen internationalen Charakter annehmen und werde sich selbst untreu, wenn sie irgendwie sich schattiert erweist vonseiten eines Volkstums aus.

[ 3 ] Gewiss, dieses Weltbild des Deutschen Idealismus ist herausgeboren, ganz herausgeboren, wie wir sehen werden, aus dem Wesen des deutschen Volkstums, und man könnte ihm insoferne absprechen eine gewisse umfassende Geltung nach dem Worte, das heute oftmals ausgesprochen wird, nach dem Worte: Alles Wissen, alle Wissenschaft müsse eigentlich einen internationalen Charakter annehmen und werde sich selbst untreu, wenn sie irgendwie sich schattiert erweist vonseiten eines Volkstums aus.

[ 4 ] So einleuchtend zunächst, möchte ich sagen, so selbstverständlich eine solche Behauptung erscheint, so muss man doch sagen, dass sie von einem tieferen Weltanschauungs-Standpunkt aus irreführend ist. Selbstverständlich erscheint sie deshalb, weil sie — ich möchte sagen — das Allergewöhnlichste ist, was man sagen kann über Wissenschaft und Eindringen in die Welterkenntnis. Man sagt, wenn man von der Internationalität des Wissens und der Erkenntnis spricht, eigentlich nicht mehr, als wenn man sagt: Die Sonne oder der Mond seien allen Menschen gemeinschaftlich Gedachtes. Das sind sie; aber die Art und Weise, wie aus den Seelen, aus den Herzen der Menschen dasjenige spricht, was die Menschen zu sagen haben über Sonne und Mond, diese Art und Weise, sie ist verschieden nach den Begabungen, nach den geistigen Richtungen und Anlagen der verschiedenen Völker. Mit wirken die verschiedensten Begabungen, um dieses Wissen nach der einen oder nach der anderen Seite hin für die menschliche geistige Kultur fruchtbar zu machen. Darauf kommt es eben an, inwiefern dasjenige, was man wissen kann, eindringen kann in die ganze menschliche geistige Entwicklung in gesunder Weise. Darin aber haben die Begabungen, die Seelenrichtungen der verschiedenen Völker ihre ganz ausgesprochene Sonderheit. Wie wäre es sonst sinnvoll zu begreifen, dass einer der deutschesten Geister, Goethe, als er seine Weltenwanderung angetreten hatte, um anzusehen nicht nur dasjenige, was sich ihm in der Kunstbetrachtung darbot, sondern auch dasjenige, was ihm die Natur bieten konnte. Wie wäre es [anders] möglich, dass er von Italien aus an seine deutschen Freunde geschrieben [hat]: Nach allem, was ich an Naturdingen öffentlich und Naturtatsachen gesehen habe, möchte ich am liebsten nunmehr eine Reise nach Indien antreten — so sagte Goethe —, nicht um dieses zu entdecken, sondern um das Entdeckte in meiner Art anzusehen.

[ 4 ] So einleuchtend zunächst, möchte ich sagen, so selbstverständlich eine solche Behauptung erscheint, so muss man doch sagen, dass sie von einem tieferen Weltanschauungs-Standpunkt aus irreführend ist. Selbstverständlich erscheint sie deshalb, weil sie — ich möchte sagen — das Allergewöhnlichste ist, was man sagen kann über Wissenschaft und Eindringen in die Welterkenntnis. Man sagt, wenn man von der Internationalität des Wissens und der Erkenntnis spricht, eigentlich nicht mehr, als wenn man sagt: Die Sonne oder der Mond seien allen Menschen gemeinschaftlich Gedachtes. Das sind sie; aber die Art und Weise, wie aus den Seelen, aus den Herzen der Menschen dasjenige spricht, was die Menschen zu sagen haben über Sonne und Mond, diese Art und Weise, sie ist verschieden nach den Begabungen, nach den geistigen Richtungen und Anlagen der verschiedenen Völker. Mit wirken die verschiedensten Begabungen, um dieses Wissen nach der einen oder nach der anderen Seite hin für die menschliche geistige Kultur fruchtbar zu machen. Darauf kommt es eben an, inwiefern dasjenige, was man wissen kann, eindringen kann in die ganze menschliche geistige Entwicklung in gesunder Weise. Darin aber haben die Begabungen, die Seelenrichtungen der verschiedenen Völker ihre ganz ausgesprochene Sonderheit. Wie wäre es sonst sinnvoll zu begreifen, dass einer der deutschesten Geister, Goethe, als er seine Weltenwanderung angetreten hatte, um anzusehen nicht nur dasjenige, was sich ihm in der Kunstbetrachtung darbot, sondern auch dasjenige, was ihm die Natur bieten konnte. Wie wäre es [anders] möglich, dass er von Italien aus an seine deutschen Freunde geschrieben [hat]: Nach allem, was ich an Naturdingen öffentlich und Naturtatsachen gesehen habe, möchte ich am liebsten nunmehr eine Reise nach Indien antreten — so sagte Goethe —, nicht um dieses zu entdecken, sondern um das Entdeckte in meiner Art anzusehen.

[ 5 ] Auf diese Art, dasjenige, was jedem gegeben ist, anzusehen, auf die kommt es an, wenn es sich darum handelt, die eigentlichen Impulse, die Stoßkräfte für den Fortschritt der Menschheit im Ganzen zu betrachten.

[ 5 ] Auf diese Art, dasjenige, was jedem gegeben ist, anzusehen, auf die kommt es an, wenn es sich darum handelt, die eigentlichen Impulse, die Stoßkräfte für den Fortschritt der Menschheit im Ganzen zu betrachten.

[ 6 ] Nun ist es gerade der Geisteswissenschaft möglich, in wirklich erkenntnismäßiger Art die Seelen der Völker zu betrachten. Da muss allerdings gleich der Ausgangspunkt genommen werden von einer geisteswissenschaftlichen Erkenntnis, die — wie so viele Erkenntnisse heute — von manchem als paradox, als vielleicht sogar phantastisch angesehen werden kann. Allein dasjenige, was ich zunächst über die Seelen der verschiedenen Völker vom geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkte aus werde zu sagen haben, das ist etwas, was der Gegenwart noch phantastisch und paradox erscheinen kann, was sich aber einverleiben will der menschlichen Erkenntnis, ebenso, wie sich gewisse physikalische, wie sich gewisse naturwissenschaftliche Erkenntnisse einverleibt haben.

[ 6 ] Nun ist es gerade der Geisteswissenschaft möglich, in wirklich erkenntnismäßiger Art die Seelen der Völker zu betrachten. Da muss allerdings gleich der Ausgangspunkt genommen werden von einer geisteswissenschaftlichen Erkenntnis, die — wie so viele Erkenntnisse heute — von manchem als paradox, als vielleicht sogar phantastisch angesehen werden kann. Allein dasjenige, was ich zunächst über die Seelen der verschiedenen Völker vom geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkte aus werde zu sagen haben, das ist etwas, was der Gegenwart noch phantastisch und paradox erscheinen kann, was sich aber einverleiben will der menschlichen Erkenntnis, ebenso, wie sich gewisse physikalische, wie sich gewisse naturwissenschaftliche Erkenntnisse einverleibt haben.

[ 7 ] Wenn man die Seele heute betrachtet in der landläufigen Schul-Seelenkunde oder Psychologie, so betrachtet man alles dasjenige, was in der Seele durcheinanderwirbelt und lebt an Willensimpulsen, an Gefühlen, an Vorstellungen und Gedanken und Ideen als eine Einheit. Gewiss, das ist es; aber damit kommt man zu keiner wirklichen Erkenntnis. Ebenso wenig kommt man zu einer wirklichen Erkenntnis für die Seele selber, wie man zu einer wirklichen Erkenntnis kommen könnte des Lichtes, wenn man nicht seine Wechselwirkung mit dem materiellen Dasein, mit den stofflichen Dingen, die ihm entgegentreten, so auffassen würde, dass man aus dem Lichte hervorkommen glauben würde die verschiedenen Schattierungen der Farben: die rot-gelbe Nuance auf der einen Seite, die grüne Nuance in der Mitte, die blau-violette Nuance auf der anderen Seite — so wie der Physiker dieses eine Licht in seiner Wechselwirkung mit dem materiellen Dasein gegliedert in diese Farbenschattierungen betrachten muss, und wie er nicht auf eine andere Art zu der Erkenntnis der — wie Goethe sagt —, der Taten des Lichtes kommen kann, so kann man nicht zur Erkenntnis desjenigen, was die Menschenseele eigentlich ist, kommen, wenn man nicht sie gliedert, möchte ich sagen, auch in drei Schattierungen ihres Wesens. Und da nennen wir die erste Schattierung des Seelenwesens — gleichsam entsprechend den rot-gelben Schattierungen des Lichtes im Regenbogen — [...] dann die menschliche Empfindungsseele. In der menschlichen Empfindungsseele ist alles dasjenige enthalten, was aus den dunklen Untergründen der Seele oftmals unbewusst und unterbewusst heraufquillt. Was im Menschen lebt, ohne dass er gleich ein Verstandesüberschauen darüber hat — seine Leidenschaften, seine Begierden und so weiter, auch dasjenige, was den Menschen mit diesem oder jenem Temperament begabt macht —, das alles quillt in der Empfindungsseele. Aber in dieser Empfindungsseele ist zugleich in einer gewissen Weise, wenn auch — man möchte sagen — auf naturhafte Art enthalten dasjenige, was man die ewigen Kräfte der Menschenseele nennen kann, was durch Geburten und Tode geht, und in immer wiederholten Erdenleben wieder erscheinen kann.

[ 7 ] Wenn man die Seele heute betrachtet in der landläufigen Schul-Seelenkunde oder Psychologie, so betrachtet man alles dasjenige, was in der Seele durcheinanderwirbelt und lebt an Willensimpulsen, an Gefühlen, an Vorstellungen und Gedanken und Ideen als eine Einheit. Gewiss, das ist es; aber damit kommt man zu keiner wirklichen Erkenntnis. Ebenso wenig kommt man zu einer wirklichen Erkenntnis für die Seele selber, wie man zu einer wirklichen Erkenntnis kommen könnte des Lichtes, wenn man nicht seine Wechselwirkung mit dem materiellen Dasein, mit den stofflichen Dingen, die ihm entgegentreten, so auffassen würde, dass man aus dem Lichte hervorkommen glauben würde die verschiedenen Schattierungen der Farben: die rot-gelbe Nuance auf der einen Seite, die grüne Nuance in der Mitte, die blau-violette Nuance auf der anderen Seite — so wie der Physiker dieses eine Licht in seiner Wechselwirkung mit dem materiellen Dasein gegliedert in diese Farbenschattierungen betrachten muss, und wie er nicht auf eine andere Art zu der Erkenntnis der — wie Goethe sagt —, der Taten des Lichtes kommen kann, so kann man nicht zur Erkenntnis desjenigen, was die Menschenseele eigentlich ist, kommen, wenn man nicht sie gliedert, möchte ich sagen, auch in drei Schattierungen ihres Wesens. Und da nennen wir die erste Schattierung des Seelenwesens — gleichsam entsprechend den rot-gelben Schattierungen des Lichtes im Regenbogen — [...] dann die menschliche Empfindungsseele. In der menschlichen Empfindungsseele ist alles dasjenige enthalten, was aus den dunklen Untergründen der Seele oftmals unbewusst und unterbewusst heraufquillt. Was im Menschen lebt, ohne dass er gleich ein Verstandesüberschauen darüber hat — seine Leidenschaften, seine Begierden und so weiter, auch dasjenige, was den Menschen mit diesem oder jenem Temperament begabt macht —, das alles quillt in der Empfindungsseele. Aber in dieser Empfindungsseele ist zugleich in einer gewissen Weise, wenn auch — man möchte sagen — auf naturhafte Art enthalten dasjenige, was man die ewigen Kräfte der Menschenseele nennen kann, was durch Geburten und Tode geht, und in immer wiederholten Erdenleben wieder erscheinen kann.

[ 8 ] Unterscheiden wir — gleichsam als Parallelerscheinung für die grünliche Schattierung des Lichtes —, unterscheiden wir die sogenannte Verstandes- oder Gemütsseele. Das ist derjenige Seelenteil, durch den der Mensch eine Überschau sich verschafft, eine verstandesmäßig überlegte Überschau, eine besonnene Überschau sich verschafft über dasjenige, was sonst unbestimmt und unbewusst in seiner Seele als Affekte, als innere Erschütterungen lebt.

[ 8 ] Unterscheiden wir — gleichsam als Parallelerscheinung für die grünliche Schattierung des Lichtes —, unterscheiden wir die sogenannte Verstandes- oder Gemütsseele. Das ist derjenige Seelenteil, durch den der Mensch eine Überschau sich verschafft, eine verstandesmäßig überlegte Überschau, eine besonnene Überschau sich verschafft über dasjenige, was sonst unbestimmt und unbewusst in seiner Seele als Affekte, als innere Erschütterungen lebt.

[ 9 ] Und als dritte Schattierung des Lebens — gewissermaßen blau-violett dem Lichte entsprechend — sprechen wir von Bewusstseinsseele. Sie ist dasjenige, durch das der Mensch von seinem seelischen Dasein aus am meisten zusammenhängt mit der umgebenden physischen Welt, in der er sich befindet; sie ist dasjenige, welches in sich schließt die zeitlichste, die vergänglichste Kraft des Menschen; sie ist auch dasjenige, wodurch der Mensch individuell auftritt als Persönlichkeit, wodurch er die Welt in seinen Nutzen stellt, wodurch er dasjenige, was er besonnen herausquillen lässt aus dem unterbewussten Seelenleben, ins praktische Leben hineinstellt.

[ 9 ] Und als dritte Schattierung des Lebens — gewissermaßen blau-violett dem Lichte entsprechend — sprechen wir von Bewusstseinsseele. Sie ist dasjenige, durch das der Mensch von seinem seelischen Dasein aus am meisten zusammenhängt mit der umgebenden physischen Welt, in der er sich befindet; sie ist dasjenige, welches in sich schließt die zeitlichste, die vergänglichste Kraft des Menschen; sie ist auch dasjenige, wodurch der Mensch individuell auftritt als Persönlichkeit, wodurch er die Welt in seinen Nutzen stellt, wodurch er dasjenige, was er besonnen herausquillen lässt aus dem unterbewussten Seelenleben, ins praktische Leben hineinstellt.

[ 10 ] Und so, wie in den verschiedenen Regenbogenfarben lebt das eine Licht, das eine Sonnenlicht, so lebt in der Gesamtheit der Seelenschattierungen das eine Ich, das eine, selbstbewusste Wesen des Menschen. Und wie das Licht als die Einheit jenes Rot und Grün und Blau, als die Einheit von allem erscheint, so [erscheint] das Selbst, so die Persönlichkeit, die Individualität des Menschen, das eigentliche Ich.

[ 10 ] Und so, wie in den verschiedenen Regenbogenfarben lebt das eine Licht, das eine Sonnenlicht, so lebt in der Gesamtheit der Seelenschattierungen das eine Ich, das eine, selbstbewusste Wesen des Menschen. Und wie das Licht als die Einheit jenes Rot und Grün und Blau, als die Einheit von allem erscheint, so [erscheint] das Selbst, so die Persönlichkeit, die Individualität des Menschen, das eigentliche Ich.

[ 11 ] Mehr kann ich heute einleitungsweise nicht über diese, wissenschaftlich gar wohl zu begründende Tatsache, Gesetzmäßigkeit des Seelenlebens sagen, weil es mir angemessen erscheint, diese Gesetzmäßigkeit des Seelenlebens nunmehr anzuwenden auf die verschiedenen Volksseelen, insoferne sie über das europäische Geistesleben ausgebreitet sind.

[ 11 ] Mehr kann ich heute einleitungsweise nicht über diese, wissenschaftlich gar wohl zu begründende Tatsache, Gesetzmäßigkeit des Seelenlebens sagen, weil es mir angemessen erscheint, diese Gesetzmäßigkeit des Seelenlebens nunmehr anzuwenden auf die verschiedenen Volksseelen, insoferne sie über das europäische Geistesleben ausgebreitet sind.

[ 12 ] Da müssen wir sagen, dass [...] dasjenige, was man Volksseele nennen kann, für die Geisteswissenschaft durchaus ebenso eine Wirklichkeit ist, etwas in sich Lebendiges, nicht bloß ein abstrakter Begriff, der die Eigenschaften des Volkes zusammenfasst, sondern etwas in sich Lebendiges. — Auch dafür finden Sie in unserer geisteswissenschaftlichen Literatur, namentlich in meiner «Theosophie» die nötigen Anhaltspunkte.

[ 12 ] Da müssen wir sagen, dass [...] dasjenige, was man Volksseele nennen kann, für die Geisteswissenschaft durchaus ebenso eine Wirklichkeit ist, etwas in sich Lebendiges, nicht bloß ein abstrakter Begriff, der die Eigenschaften des Volkes zusammenfasst, sondern etwas in sich Lebendiges. — Auch dafür finden Sie in unserer geisteswissenschaftlichen Literatur, namentlich in meiner «Theosophie» die nötigen Anhaltspunkte.

[ 13 ] Und da muss man sagen, dass die einzelnen Völker sich so unterscheiden, dass bei dem einen Volk mehr die Schattierung der Empfindungsseele, bei einem anderen Volke mehr eine andere Schattierung des Seelenlebens zum Vorschein kommt. Dadurch gliedern sich die europäischen Völker nach ihren Volksseelen — nicht die einzelnen Menschen, aber insoferne diese einzelnen Menschen dem Volksseelentum angehören —, bringen sie zur Offenbarung, zum Ausdruck dasjenige, was gerade als die Schattierung des Regenbogens in den einzelnen Volksseelen lebt.

[ 13 ] Und da muss man sagen, dass die einzelnen Völker sich so unterscheiden, dass bei dem einen Volk mehr die Schattierung der Empfindungsseele, bei einem anderen Volke mehr eine andere Schattierung des Seelenlebens zum Vorschein kommt. Dadurch gliedern sich die europäischen Völker nach ihren Volksseelen — nicht die einzelnen Menschen, aber insoferne diese einzelnen Menschen dem Volksseelentum angehören —, bringen sie zur Offenbarung, zum Ausdruck dasjenige, was gerade als die Schattierung des Regenbogens in den einzelnen Volksseelen lebt.

[ 14 ] Da zeigt uns gerade die — ich möchte sagen — durch die Geisteswissenschaft gerechtfertigte Betrachtungsweise, dass, wenn wir hinblicken nach dem Süden, nach dem italienischen Volke — zum Teil ist das auch noch für das spanische Volk gültig —, wenn wir hinblicken nach dem italienischen Volke, dass die Volksseele des italienischen Volkes sich auslebt in der Schattierung der Empfindungsseele; und alles desjenigen, was man in den verschiedensten Äußerungen dieser italienischen Volksseele betrachten kann, in ihren guten, in ihren schlimmen Seiten, es hängt zusammen damit, dass in der italienischen Volksseele die Schattierung der Empfindungsseele tonangebend ist, dass alles im Grunde genommen gerade herausquillt aus der Empfindungsseele.

[ 14 ] Da zeigt uns gerade die — ich möchte sagen — durch die Geisteswissenschaft gerechtfertigte Betrachtungsweise, dass, wenn wir hinblicken nach dem Süden, nach dem italienischen Volke — zum Teil ist das auch noch für das spanische Volk gültig —, wenn wir hinblicken nach dem italienischen Volke, dass die Volksseele des italienischen Volkes sich auslebt in der Schattierung der Empfindungsseele; und alles desjenigen, was man in den verschiedensten Äußerungen dieser italienischen Volksseele betrachten kann, in ihren guten, in ihren schlimmen Seiten, es hängt zusammen damit, dass in der italienischen Volksseele die Schattierung der Empfindungsseele tonangebend ist, dass alles im Grunde genommen gerade herausquillt aus der Empfindungsseele.

[ 15 ] Wir wollen heute nur — ich möchte sagen — die besten Eigenschaften des italienischen Volkes aus seiner Empfindungsseele heraus betonen; aber man wird sehen, dass dieses italienische Volk dadurch, insoferne es als Volksseele auftritt — wie gesagt, nicht die einzelne menschliche Individualität — eine gewisse Einseitigkeit haben muss, weil ihre Äußerungen, ihre Offenbarungen aus der Empfindungsseele herausquellen. Ja, wenn wir die Größten nehmen — ich will von der Kunstbildung, der eigentlichen bildenden Kunst absehen, die aber sehr leicht gerade dasjenige, was ich zu sagen habe, belegen könnte —, wenn wir die Größten nehmen — Dante, Giordano Bruno —, wir erfahren gerade, wenn wir uns recht in sie vertiefen, dass dasjenige, was sie geleistet haben in einem herrlich gestalteten Weltbilde, ganz und gar aus der Empfindungsseele heraus geschaffen ist. Man lese nur Giordanos Werk, der eben dadurch ein großer Anreger werden konnte. Wenn man sich vertieft in dasjenige, was er gebracht hat, es ist wie ein Empfindungsausdruck für das Weltenbild, das sich der Mensch machen kann aus der Fülle der Erscheinungen der Welt heraus. Empfindung, sie lebt selbst in diesem einen der größten [Geister der] Italiener, in Giordano Bruno. Allein darauf möchte ich nur hindeuten.

[ 15 ] Wir wollen heute nur — ich möchte sagen — die besten Eigenschaften des italienischen Volkes aus seiner Empfindungsseele heraus betonen; aber man wird sehen, dass dieses italienische Volk dadurch, insoferne es als Volksseele auftritt — wie gesagt, nicht die einzelne menschliche Individualität — eine gewisse Einseitigkeit haben muss, weil ihre Äußerungen, ihre Offenbarungen aus der Empfindungsseele herausquellen. Ja, wenn wir die Größten nehmen — ich will von der Kunstbildung, der eigentlichen bildenden Kunst absehen, die aber sehr leicht gerade dasjenige, was ich zu sagen habe, belegen könnte —, wenn wir die Größten nehmen — Dante, Giordano Bruno —, wir erfahren gerade, wenn wir uns recht in sie vertiefen, dass dasjenige, was sie geleistet haben in einem herrlich gestalteten Weltbilde, ganz und gar aus der Empfindungsseele heraus geschaffen ist. Man lese nur Giordanos Werk, der eben dadurch ein großer Anreger werden konnte. Wenn man sich vertieft in dasjenige, was er gebracht hat, es ist wie ein Empfindungsausdruck für das Weltenbild, das sich der Mensch machen kann aus der Fülle der Erscheinungen der Welt heraus. Empfindung, sie lebt selbst in diesem einen der größten [Geister der] Italiener, in Giordano Bruno. Allein darauf möchte ich nur hindeuten.

[ 16 ] Ganz besonders wichtig ist es, hinzublicken von dem gewonnenen Gesichtspunkte aus auf die französische Volksseele. Diese französische Volksseele, sie zeigt sich dem geisteswissenschaftlichen Blicke so, dass sie die Schartierung der Verstandesseele eigentlich ganz tonangebend hat. Alles dasjenige, was im französischen Geiste groß, aber auch einseitig erscheint, das rührt davon her, dass die Verstandesseele da zum besonderen Ausdrucke kommt. Und es sei nur dasjenige heute angeführt, was Einfluss hat auf die Entstehung eines eigentlichen Weltenbildes. Der größte Franzose auf diesem Gebiet, unter dessen Einfluss heute noch immer das französische Weltanschauungsleben steht, ist ja der am Ende des sechzehnten Jahrhunderts geborene und ins siebzehnte Jahrhundert hinein lebende Descartes oder Cartesius; gerade aber an diesem Descartes oder Cartesius, jenem Weltanschauungsmenschen, der in der Morgenröte der neueren Weltanschauungsentwicklung hervorgetreten ist — man kann sehen, wie gerade in ihm alles dasjenige lebt, was gerade aus dem Verstande heraus zu einem Weltbild führen kann. Es ist berühmt geworden sein Ausspruch «Ich denke — also bin ich.» Auf das Sein der Seele selber wird nun das Denken, das heißt, auf dasjenige, was in der Verstandesseele lebt, begründet.

[ 16 ] Ganz besonders wichtig ist es, hinzublicken von dem gewonnenen Gesichtspunkte aus auf die französische Volksseele. Diese französische Volksseele, sie zeigt sich dem geisteswissenschaftlichen Blicke so, dass sie die Schartierung der Verstandesseele eigentlich ganz tonangebend hat. Alles dasjenige, was im französischen Geiste groß, aber auch einseitig erscheint, das rührt davon her, dass die Verstandesseele da zum besonderen Ausdrucke kommt. Und es sei nur dasjenige heute angeführt, was Einfluss hat auf die Entstehung eines eigentlichen Weltenbildes. Der größte Franzose auf diesem Gebiet, unter dessen Einfluss heute noch immer das französische Weltanschauungsleben steht, ist ja der am Ende des sechzehnten Jahrhunderts geborene und ins siebzehnte Jahrhundert hinein lebende Descartes oder Cartesius; gerade aber an diesem Descartes oder Cartesius, jenem Weltanschauungsmenschen, der in der Morgenröte der neueren Weltanschauungsentwicklung hervorgetreten ist — man kann sehen, wie gerade in ihm alles dasjenige lebt, was gerade aus dem Verstande heraus zu einem Weltbild führen kann. Es ist berühmt geworden sein Ausspruch «Ich denke — also bin ich.» Auf das Sein der Seele selber wird nun das Denken, das heißt, auf dasjenige, was in der Verstandesseele lebt, begründet.

[ 17 ] Der Verstand des Menschen hat noch die Eigentümlichkeit, dass er gewissermaßen die Welt wie äußerlichmechanisch aufbaut. Das ist ja das Eigenartige des Verstandes, dass er die innere Lebendigkeit der Welt nicht zu durchdringen vermag, dass er gleichsam zurückzuckt vor der inneren Lebendigkeit, und dass er alles konstruieren möchte. Das aber zeigt sich insbesondere bei Descartes, bei Cartesius. Und jetzt sei auf eine Einzelheit aufmerksam gemacht, wie diese Weltanschauung des Cartesius, des Descartes geworden ist dadurch, dass sie — ich möchte sagen — der einseitige Ausdruck des Verstandeslebens ist. Descartes betrachtet die Welt; und nachdem er sich hingegeben hat allem Zweifel — und dieser Zweifel ist auch wiederum ein Ausdruck der verstandesmäßigen Weltbetrachtung —, kommt er darauf, sich zu sagen, wie er sich ein Weltenbild machen kann, das Sinnlichkeit hat. Ja, dieses Weltenbild wird so, dass alles Mechanische nur in dieses Weltenbild hereinwill. Wie ein großer Mechanismus erscheint die Welt. Und charakteristisch ist es in diesem — ich möchte sagen — echt französischen Weltenbild, dass Cartesius ausdrücklich behauptet: Seele können wir nur wahrnehmen in uns selber, als Menschen. Die Tiere sind bewegte Maschinen. Dem Tier, und überhaupt der ganzen [außermenschlichen] Natur spricht Descartes überhaupt die Seele ab. Die Tiere sind Automaten.

[ 17 ] Der Verstand des Menschen hat noch die Eigentümlichkeit, dass er gewissermaßen die Welt wie äußerlichmechanisch aufbaut. Das ist ja das Eigenartige des Verstandes, dass er die innere Lebendigkeit der Welt nicht zu durchdringen vermag, dass er gleichsam zurückzuckt vor der inneren Lebendigkeit, und dass er alles konstruieren möchte. Das aber zeigt sich insbesondere bei Descartes, bei Cartesius. Und jetzt sei auf eine Einzelheit aufmerksam gemacht, wie diese Weltanschauung des Cartesius, des Descartes geworden ist dadurch, dass sie — ich möchte sagen — der einseitige Ausdruck des Verstandeslebens ist. Descartes betrachtet die Welt; und nachdem er sich hingegeben hat allem Zweifel — und dieser Zweifel ist auch wiederum ein Ausdruck der verstandesmäßigen Weltbetrachtung —, kommt er darauf, sich zu sagen, wie er sich ein Weltenbild machen kann, das Sinnlichkeit hat. Ja, dieses Weltenbild wird so, dass alles Mechanische nur in dieses Weltenbild hereinwill. Wie ein großer Mechanismus erscheint die Welt. Und charakteristisch ist es in diesem — ich möchte sagen — echt französischen Weltenbild, dass Cartesius ausdrücklich behauptet: Seele können wir nur wahrnehmen in uns selber, als Menschen. Die Tiere sind bewegte Maschinen. Dem Tier, und überhaupt der ganzen [außermenschlichen] Natur spricht Descartes überhaupt die Seele ab. Die Tiere sind Automaten.

[ 18 ] So steht vor Descartes Geist die ganze außermenschliche Natur wie eine komplizierte Maschine, und die Tiere innerhalb dieser komplizierten Maschine. Wahrhaftig, es zeigt sich gerade das Verstandesmäßige, das zurückzuckt vor dem Auffassen des Lebendigen. Und dieses Verstandesmäßige, es ist in seiner Einseitigkeit geblieben, und es hat zuletzt dazu geführt, dass gerade von Frankreich aus und bis in unsere Zeiten hinein der Anstoß gegeben worden ist, zur Begründung des eigentlichen Materialismus der Weltanschauung, des Mechanismus, möchte man sagen, der Weltanschauung,

[ 18 ] So steht vor Descartes Geist die ganze außermenschliche Natur wie eine komplizierte Maschine, und die Tiere innerhalb dieser komplizierten Maschine. Wahrhaftig, es zeigt sich gerade das Verstandesmäßige, das zurückzuckt vor dem Auffassen des Lebendigen. Und dieses Verstandesmäßige, es ist in seiner Einseitigkeit geblieben, und es hat zuletzt dazu geführt, dass gerade von Frankreich aus und bis in unsere Zeiten hinein der Anstoß gegeben worden ist, zur Begründung des eigentlichen Materialismus der Weltanschauung, des Mechanismus, möchte man sagen, der Weltanschauung,

[ 19 ] Sehr verehrte Anwesende, man könnte sehr leicht demjenigen, der die Beziehungen der Volksseelen heute in dieser Weise schildert, heute vorwerfen: Ja, du schilderst eben aus den Affekten der heutigen Zeit heraus, weil uns der Krieg dasjenige gebracht hat, dass dasjenige, was wir selbst als unser Weltbild, als die Quelle unseres Volkstums ansehen, geschmäht, ja sogar verleumdet wird, von allen Seiten rings umher in Europa, und so versuchen wir jetzt — ich möchte sagen — in dieser Zeit uns selbst entweder zu rechtfertigen oder zu rächen.

[ 19 ] Sehr verehrte Anwesende, man könnte sehr leicht demjenigen, der die Beziehungen der Volksseelen heute in dieser Weise schildert, heute vorwerfen: Ja, du schilderst eben aus den Affekten der heutigen Zeit heraus, weil uns der Krieg dasjenige gebracht hat, dass dasjenige, was wir selbst als unser Weltbild, als die Quelle unseres Volkstums ansehen, geschmäht, ja sogar verleumdet wird, von allen Seiten rings umher in Europa, und so versuchen wir jetzt — ich möchte sagen — in dieser Zeit uns selbst entweder zu rechtfertigen oder zu rächen.

[ 20 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, hier sitzen solche Zuhörer, die da wissen, dass dasjenige, was ich über die verschiedenen Volksseelen heute in dieser schweren Zeit der europäischen Ereignisse sage, ich viele Jahre immer wieder und wiederum gesagt habe, lange vor diesem Krieg, und ausgesprochen habe nicht nur vor Deutschen, sondern auch vor Angehörigen anderer europäischer Nationen, dass ich das betrachte als ein festes Gut geisteswissenschaftlicher Erkenntnis über die europäischen Verhältnisse

[ 20 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, hier sitzen solche Zuhörer, die da wissen, dass dasjenige, was ich über die verschiedenen Volksseelen heute in dieser schweren Zeit der europäischen Ereignisse sage, ich viele Jahre immer wieder und wiederum gesagt habe, lange vor diesem Krieg, und ausgesprochen habe nicht nur vor Deutschen, sondern auch vor Angehörigen anderer europäischer Nationen, dass ich das betrachte als ein festes Gut geisteswissenschaftlicher Erkenntnis über die europäischen Verhältnisse

[ 21 ] Hereingetragen bis in die Gegenwart hat das französische Volkstum dieses Mechanistische der Weltanschauung, so, dass hervortreten konnte — sagen wir zum Beispiel zu Goethes Zeiten — dasjenige, was französisches, materialistisches oder mechanistisches Weltenbild war. Und man darf heute daran erinnern, wie Goethe schon als junger Mann sich gegenüberstellte aus seinem deutschen Bewusstsein heraus, aus dem deutschen Bewusstsein heraus, das auf die lebendige Seele, und auf die Lebendigkeit des Weltbildes gehen will, dem französischen Mechanismus, indem er sagte: Die bringen uns dieses mechanische Spielen, ein Mechanismus nur, ein Weltenbild, wie wenn die ganze Welt nur ein Spiel, ein richtiger Automat wäre! Ja, wenn dann noch wenigstens dasjenige, was man in der Welt der Erscheinungen sieht, wenn man einem wenigstens das noch erklären könnte! Das seien bewegte Atome! Aber dann, wenn er erklärt hat, wie die Atome gegeneinanderstoßen, dann zieht er sich zurück und lässt die ganze Welt unerklärt.

[ 21 ] Hereingetragen bis in die Gegenwart hat das französische Volkstum dieses Mechanistische der Weltanschauung, so, dass hervortreten konnte — sagen wir zum Beispiel zu Goethes Zeiten — dasjenige, was französisches, materialistisches oder mechanistisches Weltenbild war. Und man darf heute daran erinnern, wie Goethe schon als junger Mann sich gegenüberstellte aus seinem deutschen Bewusstsein heraus, aus dem deutschen Bewusstsein heraus, das auf die lebendige Seele, und auf die Lebendigkeit des Weltbildes gehen will, dem französischen Mechanismus, indem er sagte: Die bringen uns dieses mechanische Spielen, ein Mechanismus nur, ein Weltenbild, wie wenn die ganze Welt nur ein Spiel, ein richtiger Automat wäre! Ja, wenn dann noch wenigstens dasjenige, was man in der Welt der Erscheinungen sieht, wenn man einem wenigstens das noch erklären könnte! Das seien bewegte Atome! Aber dann, wenn er erklärt hat, wie die Atome gegeneinanderstoßen, dann zieht er sich zurück und lässt die ganze Welt unerklärt.

[ 22 ] Das ist dasjenige, was Goethe schon als junger Mann abstößt von einer Einseitigkeit, die hervorgegangen ist aus einer rein verstandesmäßigen Entfaltung eines Weltbildes. Und man kann im Grunde genommen bis zu dem heutigen Tage sehen, wie wirkt dieses mechanistische Weltenbild in dasjenige, was wir suchen in einer Weltanschauung, einer volkstümlichen Weltanschauung. Denn nur Einzelne haben sich herauszuarbeiten versucht, zum Beispiel der — ja, ich weiß nicht, ob man ihn heute, nach dem Kriegsbeginn, nach der Stimmung der Franzosen noch Bergson, nennen darf, den berühmten Philosophen, oder ob das Wort Bergson als sein Name in Frankreich jetzt verpönt ist, ich weiß es nicht — der berühmte Bergson, er versuchte es ja, sich in einer gewissen Weise herauszuarbeiten, aus dem Mechanismus. Es ist Bergson gerade, der, seit der Krieg ausgebrochen ist, man kann schon sagen, in der wüstesten Weise gegen deutsches Wesen, namentlich gegen deutsche Weltanschauung, Schimpfereien fortwährend seinen Franzosen vorbringt, und es zustande gebracht hat, seinen Parisern vorzuschwätzen, dass es gerade die Deutschen sind — die in einer gewissen Weise gerade zur Zeit des Deutschen Idealismus groß waren —, die aber nun so herabgekommen sind in der Gegenwart, [die Deutschen] seien ein Volk geworden, das nur noch sich mechanisch und maschinenhaft ausbildet. Die Deutschen seien ein Volk geworden, das selber nur eine Art Maschine darstelle!

[ 22 ] Das ist dasjenige, was Goethe schon als junger Mann abstößt von einer Einseitigkeit, die hervorgegangen ist aus einer rein verstandesmäßigen Entfaltung eines Weltbildes. Und man kann im Grunde genommen bis zu dem heutigen Tage sehen, wie wirkt dieses mechanistische Weltenbild in dasjenige, was wir suchen in einer Weltanschauung, einer volkstümlichen Weltanschauung. Denn nur Einzelne haben sich herauszuarbeiten versucht, zum Beispiel der — ja, ich weiß nicht, ob man ihn heute, nach dem Kriegsbeginn, nach der Stimmung der Franzosen noch Bergson, nennen darf, den berühmten Philosophen, oder ob das Wort Bergson als sein Name in Frankreich jetzt verpönt ist, ich weiß es nicht — der berühmte Bergson, er versuchte es ja, sich in einer gewissen Weise herauszuarbeiten, aus dem Mechanismus. Es ist Bergson gerade, der, seit der Krieg ausgebrochen ist, man kann schon sagen, in der wüstesten Weise gegen deutsches Wesen, namentlich gegen deutsche Weltanschauung, Schimpfereien fortwährend seinen Franzosen vorbringt, und es zustande gebracht hat, seinen Parisern vorzuschwätzen, dass es gerade die Deutschen sind — die in einer gewissen Weise gerade zur Zeit des Deutschen Idealismus groß waren —, die aber nun so herabgekommen sind in der Gegenwart, [die Deutschen] seien ein Volk geworden, das nur noch sich mechanisch und maschinenhaft ausbildet. Die Deutschen seien ein Volk geworden, das selber nur eine Art Maschine darstelle!

[ 23 ] Wahrscheinlich hat Bergson gemeint — Bergson, der sich diese Anschauung über das deutsche Volk bildete, weil die Deutschen den Franzosen Kanonen und Flinten entgegenstellen —, wahrscheinlich hat er diese Anschauung sich daraus gebildet, dass er geglaubt hat, die Deutschen werden die Produkte desjenigen, was er die «Größe, die große Zeit» des Deutschen nennt, den französischen Kanonen und den französischen Flinten entgegenstellen, indem sie etwa Novalis und Schiller und Goethe rezitieren werden, weil sie bloß auf das angewiesen wären, nicht wahr!

[ 23 ] Wahrscheinlich hat Bergson gemeint — Bergson, der sich diese Anschauung über das deutsche Volk bildete, weil die Deutschen den Franzosen Kanonen und Flinten entgegenstellen —, wahrscheinlich hat er diese Anschauung sich daraus gebildet, dass er geglaubt hat, die Deutschen werden die Produkte desjenigen, was er die «Größe, die große Zeit» des Deutschen nennt, den französischen Kanonen und den französischen Flinten entgegenstellen, indem sie etwa Novalis und Schiller und Goethe rezitieren werden, weil sie bloß auf das angewiesen wären, nicht wahr!

[ 24 ] Nun, dieser Bergson, er hat sich ja in einer gewissen Weise herausgearbeitet. Ich habe aber gezeigt in meinem Buche «Die Rätsel der Philosophie» — das nicht etwa erst während des Einbruchs des Krieges entstand, sondern das gleich zu Beginne des Krieges erschienen ist und lange vorher fertig war —, dass diejenigen Gedanken Bergsons, die einigermaßen einleuchtend sind, lange vorher bei deutschen Geistern viel intensiver, in viel eingehenderer Weise gefunden werden können! Doch davon ganz abgesehen, Bergson will immer angesehen werden als derjenige, der den Franzosen ein Weltbild gebracht habe, welches weit hinausginge über dasjenige, was mechanistische, was materialistische Auffassung der Dinge sei.

[ 24 ] Nun, dieser Bergson, er hat sich ja in einer gewissen Weise herausgearbeitet. Ich habe aber gezeigt in meinem Buche «Die Rätsel der Philosophie» — das nicht etwa erst während des Einbruchs des Krieges entstand, sondern das gleich zu Beginne des Krieges erschienen ist und lange vorher fertig war —, dass diejenigen Gedanken Bergsons, die einigermaßen einleuchtend sind, lange vorher bei deutschen Geistern viel intensiver, in viel eingehenderer Weise gefunden werden können! Doch davon ganz abgesehen, Bergson will immer angesehen werden als derjenige, der den Franzosen ein Weltbild gebracht habe, welches weit hinausginge über dasjenige, was mechanistische, was materialistische Auffassung der Dinge sei.

[ 25 ] Nun, dieses Weltbild, wie hat es Bergson selber den Deutschen vorgehalten in seinen Vorträgen, diesen Deutschen, die so heruntergekommen sein sollen seit der Zeit ihrer Größe? Nur schade, dass man Bergson gerade in der letzten Zeit nachweisen konnte, dass er ganze Seiten lang — nicht nur nachgesprochen, sondern nachgeschrieben hat dem deutschen Philosophen Schelling, dem deutschen Philosophen Schopenhauer, und so weiter, und so weiter!

[ 25 ] Nun, dieses Weltbild, wie hat es Bergson selber den Deutschen vorgehalten in seinen Vorträgen, diesen Deutschen, die so heruntergekommen sein sollen seit der Zeit ihrer Größe? Nur schade, dass man Bergson gerade in der letzten Zeit nachweisen konnte, dass er ganze Seiten lang — nicht nur nachgesprochen, sondern nachgeschrieben hat dem deutschen Philosophen Schelling, dem deutschen Philosophen Schopenhauer, und so weiter, und so weiter!

[ 26 ] Was also der Franzose entgegenzusetzen vermag als ein höheres Weltenbild dem Deutschen, den er verleumdet, sehr verehrte Anwesende, das hat er selbst nachgeschrieben! Es ist schon notwendig, diese Dinge öfter sich zu Gemüte zu führen in der Gegenwart, wenn man ein Verständnis haben will für das gegenseitige Verhältnis der europäischen Völkerschaft und desjenigen, was jetzt über dieses Verhältnis von den Gegnern dieses deutschen Wesens gesprochen wird.

[ 26 ] Was also der Franzose entgegenzusetzen vermag als ein höheres Weltenbild dem Deutschen, den er verleumdet, sehr verehrte Anwesende, das hat er selbst nachgeschrieben! Es ist schon notwendig, diese Dinge öfter sich zu Gemüte zu führen in der Gegenwart, wenn man ein Verständnis haben will für das gegenseitige Verhältnis der europäischen Völkerschaft und desjenigen, was jetzt über dieses Verhältnis von den Gegnern dieses deutschen Wesens gesprochen wird.

[ 27 ] Und, sehr verehrte Anwesende, wenn wir zur britischen Volksseele unser Auge wenden, dann finden wir, dass diese britische Volksseele ganz und gar die Schattierung trägt der Bewusstseinsseele. Und in jeder Einzelheit dieser britischen Volksseele kann man nachweisen, wie sie diese Bewusstseinsseele zum Ausdrucke bringt, wie der Brite, der Engländer namentlich dasjenige, was aus seinem Inneren quillt, die Absicht hat, in den Dienst des praktischen Lebens allein zu stellen.

[ 27 ] Und, sehr verehrte Anwesende, wenn wir zur britischen Volksseele unser Auge wenden, dann finden wir, dass diese britische Volksseele ganz und gar die Schattierung trägt der Bewusstseinsseele. Und in jeder Einzelheit dieser britischen Volksseele kann man nachweisen, wie sie diese Bewusstseinsseele zum Ausdrucke bringt, wie der Brite, der Engländer namentlich dasjenige, was aus seinem Inneren quillt, die Absicht hat, in den Dienst des praktischen Lebens allein zu stellen.

[ 28 ] Das hat — ich will jetzt absehen von der Entwicklung des ganzen Weltbildes —, das hat das Englische an sich. Von Milton und Bacon angefangen, überall zeigt sich das, dass eigentlich ein Weltenbild gesucht worden ist, das nur in den Dienst des eigentlich unmittelbar handgreiflichen Lebens gestellt werden soll. Doch davon will ich jetzt absehen, will nur darauf hinsehen, dass in der allerletzten Zeit dieses englische Volkstum, soweit es, insofern es wirklich aus dem britischen Volkstum heraus entstanden ist, zu einer ganz eigentümlichen Richtung geführt hat: Wahrheit, das ist dasjenige, was der Mensch, der einen Sinn hat für Wahrheit, als etwas betrachtet, das innig und intim als eine Wirklichkeit mit der Seele verbunden ist. Sehr verehrte Anwesende: Die Engländer — und in diesem Falle im Einklang mit den Amerikanern — haben ein Weltenbild ausgestaltet, das sie Pragmatismus nennen. Was ist dieser Pragmatismus? Nun, dieser Pragmatismus, sehr verehrte Anwesende, der ist vor allen Dingen dadurch charakteristisch, dass er die Wahrheit, den Begriff, die Idee der Wahrheit selber, in einer höchst eigentümlichen Weise behandelt. Wahrheit als etwas, was die Seele verbindet mit einer Wirklichkeit, mit einer geistigen Wirklichkeit, das erkennt dieser Pragmatismus, dieses urenglische Produkt, überhaupt nicht an. Wahrheit empfindet der Mensch als eine Vorstellung, als eine Idee — im Sinne des Pragmatismus — rein zu dem Zwecke, um die äußere Sinnenwelt, um die äußere handgreifliche Wirklichkeit zu behandeln, um in sie einzugreifen. Wahrheit ist im Sinne dieses Pragmatismus ein Begriff, der sich nützlich erweist für das äußere praktische Leben. Wahrheit als ein Werkzeug zur Nützlichkeit im alleräußersten Sinne, könnte man sagen, auch wissenschaftliche Wahrheit, so aufgefasst. Wahrheit hat keine selbstständige Bedeutung, sondern Wahrheit [dient] nur als ein Werkzeug, um sich im äußeren Leben zurechtzufinden — das ist dasjenige, was dieser Pragmatismus heraufgebracht hat.

[ 28 ] Das hat — ich will jetzt absehen von der Entwicklung des ganzen Weltbildes —, das hat das Englische an sich. Von Milton und Bacon angefangen, überall zeigt sich das, dass eigentlich ein Weltenbild gesucht worden ist, das nur in den Dienst des eigentlich unmittelbar handgreiflichen Lebens gestellt werden soll. Doch davon will ich jetzt absehen, will nur darauf hinsehen, dass in der allerletzten Zeit dieses englische Volkstum, soweit es, insofern es wirklich aus dem britischen Volkstum heraus entstanden ist, zu einer ganz eigentümlichen Richtung geführt hat: Wahrheit, das ist dasjenige, was der Mensch, der einen Sinn hat für Wahrheit, als etwas betrachtet, das innig und intim als eine Wirklichkeit mit der Seele verbunden ist. Sehr verehrte Anwesende: Die Engländer — und in diesem Falle im Einklang mit den Amerikanern — haben ein Weltenbild ausgestaltet, das sie Pragmatismus nennen. Was ist dieser Pragmatismus? Nun, dieser Pragmatismus, sehr verehrte Anwesende, der ist vor allen Dingen dadurch charakteristisch, dass er die Wahrheit, den Begriff, die Idee der Wahrheit selber, in einer höchst eigentümlichen Weise behandelt. Wahrheit als etwas, was die Seele verbindet mit einer Wirklichkeit, mit einer geistigen Wirklichkeit, das erkennt dieser Pragmatismus, dieses urenglische Produkt, überhaupt nicht an. Wahrheit empfindet der Mensch als eine Vorstellung, als eine Idee — im Sinne des Pragmatismus — rein zu dem Zwecke, um die äußere Sinnenwelt, um die äußere handgreifliche Wirklichkeit zu behandeln, um in sie einzugreifen. Wahrheit ist im Sinne dieses Pragmatismus ein Begriff, der sich nützlich erweist für das äußere praktische Leben. Wahrheit als ein Werkzeug zur Nützlichkeit im alleräußersten Sinne, könnte man sagen, auch wissenschaftliche Wahrheit, so aufgefasst. Wahrheit hat keine selbstständige Bedeutung, sondern Wahrheit [dient] nur als ein Werkzeug, um sich im äußeren Leben zurechtzufinden — das ist dasjenige, was dieser Pragmatismus heraufgebracht hat.

[ 29 ] Sehen wir da nicht diese Bewusstseinsseele, die alles dasjenige, was seelisch der Mensch hervorbringt, nur in den Dienst des äußerlichen Lebens stellt? Sehen wir Sie da nicht am Werke in allen Einzelheiten — sehr verehrte Anwesende —, die sich bei den drei genannten Völkern finden, dass in die Sache Ordnung, inneres Verständnis hineinkommen wird, wenn man sie nach den Richtungslinien betrachtet, die hier nur kurz skizziert werden können, die aber in aller Fülle begründet werden können von den geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen aus?

[ 29 ] Sehen wir da nicht diese Bewusstseinsseele, die alles dasjenige, was seelisch der Mensch hervorbringt, nur in den Dienst des äußerlichen Lebens stellt? Sehen wir Sie da nicht am Werke in allen Einzelheiten — sehr verehrte Anwesende —, die sich bei den drei genannten Völkern finden, dass in die Sache Ordnung, inneres Verständnis hineinkommen wird, wenn man sie nach den Richtungslinien betrachtet, die hier nur kurz skizziert werden können, die aber in aller Fülle begründet werden können von den geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen aus?

[ 30 ] Und lenken wir nun unsern Blick nach Europas Mitte, wenden wir unsern Blick zu dem deutschen Geistesleben, insofern es in seinem Volkstume wurzelt — wenden wir unsern Blick zu jenem geistigen Streben innerhalb des deutschen Volkes, das zu einem Weltenbilde führen soll, zu einem solchen Weltenbilde, das wenigstens doch dem deutschen Wesen, dem deutschen Volkstum entspricht, dann finden wir gerade in umfassendster Weise dadurch bestätigt, was Geisteswissenschaft auch sonst zeigt, dass diese deutsche Seele dadurch schattiert ist, dass sie wie das Licht farbig wirkt in den drei verschiedenen Farbennuancen: In dem Rot-Gelb, in dem Grünlichen, in dem Blau-Violetten. Dass diese deutsche Seele so wirkt, dass das Ich, das Selbstbewusstsein, durch die drei verschiedenen Seelennuancen hindurch wirkt, die Einheit des Seelisch-Lebendigen, wirkend durch alle drei Seelennuancen, das stellt sich einer wirklich lebendigen, eindringlichen Betrachtung als das Wesen des deutschen Volksgeistes, der deutschen Volksseele, heraus.

[ 30 ] Und lenken wir nun unsern Blick nach Europas Mitte, wenden wir unsern Blick zu dem deutschen Geistesleben, insofern es in seinem Volkstume wurzelt — wenden wir unsern Blick zu jenem geistigen Streben innerhalb des deutschen Volkes, das zu einem Weltenbilde führen soll, zu einem solchen Weltenbilde, das wenigstens doch dem deutschen Wesen, dem deutschen Volkstum entspricht, dann finden wir gerade in umfassendster Weise dadurch bestätigt, was Geisteswissenschaft auch sonst zeigt, dass diese deutsche Seele dadurch schattiert ist, dass sie wie das Licht farbig wirkt in den drei verschiedenen Farbennuancen: In dem Rot-Gelb, in dem Grünlichen, in dem Blau-Violetten. Dass diese deutsche Seele so wirkt, dass das Ich, das Selbstbewusstsein, durch die drei verschiedenen Seelennuancen hindurch wirkt, die Einheit des Seelisch-Lebendigen, wirkend durch alle drei Seelennuancen, das stellt sich einer wirklich lebendigen, eindringlichen Betrachtung als das Wesen des deutschen Volksgeistes, der deutschen Volksseele, heraus.

[ 31 ] Und das kann man in ganz objektivem Sinne sagen; dazu bedarf es nicht irgendeiner einseitigen Erzeugung in nationalem Sinne, wie wir das sehen hervorbrechen aus der italienischen, aus der französischen, aus der britischen Volksseele.

[ 31 ] Und das kann man in ganz objektivem Sinne sagen; dazu bedarf es nicht irgendeiner einseitigen Erzeugung in nationalem Sinne, wie wir das sehen hervorbrechen aus der italienischen, aus der französischen, aus der britischen Volksseele.

[ 32 ] Der Deutsche ist in der Lage, sich wirklich verlassen zu dürfen auf dasjenige, was ihm eine im Seelischen angestrebte Erkenntnis über sein Wesen gibt, und [er ist in der Lage] aus dieser Erkenntnis heraus sein Wesen begreifen zu können.

[ 32 ] Der Deutsche ist in der Lage, sich wirklich verlassen zu dürfen auf dasjenige, was ihm eine im Seelischen angestrebte Erkenntnis über sein Wesen gibt, und [er ist in der Lage] aus dieser Erkenntnis heraus sein Wesen begreifen zu können.

[ 33 ] Und will man geschichtliche Belege dafür, dass wirklich dieses Ich, dieses Selbst, die ganze lebendige Persönlichkeit im deutschen Volkstum durch die drei Seelennuancen wirkt, dann kann man hinstellen gerade die drei großen Weltanschauungsmenschen, welche Ende des achtzehnten und zum Beginne des neunzehnten Jahrhunderts so deutlich aufgetreten sind innerhalb des deutschen Geisteslebens, und auf einer höchsten geistigen Stufe deutsches Volkstum zu offenbaren suchten. Ihnen voran ging ja Kant, der sich aus der Philosophie heraus zu bilden versuchte; allein ihn wollen wir nicht betrachten, obwohl er sozusagen die Grundlage für die anderen lieferte.

[ 33 ] Und will man geschichtliche Belege dafür, dass wirklich dieses Ich, dieses Selbst, die ganze lebendige Persönlichkeit im deutschen Volkstum durch die drei Seelennuancen wirkt, dann kann man hinstellen gerade die drei großen Weltanschauungsmenschen, welche Ende des achtzehnten und zum Beginne des neunzehnten Jahrhunderts so deutlich aufgetreten sind innerhalb des deutschen Geisteslebens, und auf einer höchsten geistigen Stufe deutsches Volkstum zu offenbaren suchten. Ihnen voran ging ja Kant, der sich aus der Philosophie heraus zu bilden versuchte; allein ihn wollen wir nicht betrachten, obwohl er sozusagen die Grundlage für die anderen lieferte.

[ 34 ] Aber vor unsere Seele wollen wir hinstellen einen der deutschesten Männer, einen derjenigen Männer, die da wussten — auch wenn sie mit ihren Gedanken zum Höchsten, zu einem Weltbild hinaufstrebten —, dass sie innerhalb des deutschen Wesens dieses Weltbild im richtigen Sinne, im lebendigen Sinne nur gewinnen, wenn ihnen dieses Weltbild ist das Ergebnis wie eine Unterredung mit dem deutschen Volksgeiste selber. Und so wusste sich Fichte, Johann Gottlieb Fichte, der im Weltenbilde, das er schuf, deutsches Wesen am wunderbarsten offenbarte. Wie steht er gerade vor uns, wenn wir seine Persönlichkeit zunächst nur im Äußeren ins Auge fassen?

[ 34 ] Aber vor unsere Seele wollen wir hinstellen einen der deutschesten Männer, einen derjenigen Männer, die da wussten — auch wenn sie mit ihren Gedanken zum Höchsten, zu einem Weltbild hinaufstrebten —, dass sie innerhalb des deutschen Wesens dieses Weltbild im richtigen Sinne, im lebendigen Sinne nur gewinnen, wenn ihnen dieses Weltbild ist das Ergebnis wie eine Unterredung mit dem deutschen Volksgeiste selber. Und so wusste sich Fichte, Johann Gottlieb Fichte, der im Weltenbilde, das er schuf, deutsches Wesen am wunderbarsten offenbarte. Wie steht er gerade vor uns, wenn wir seine Persönlichkeit zunächst nur im Äußeren ins Auge fassen?

[ 35 ] Gestatten Sie, sehr verehrte Anwesende, dass ich nur einzelne, wesentliche Züge aus seinem Leben Ihnen anführe, damit wir sehen, wie dieser ganze Mensch, Fichte, versucht, aus der Einheit des menschlichen Lebens heraus, aus dem Ich selber heraus zu erhalten dasjenige, für die Erkenntnis, was die Welt gerade in ihrem tiefsten Leben beleuchtet und für den Menschen zur Erkenntnis bringen kann.

[ 35 ] Gestatten Sie, sehr verehrte Anwesende, dass ich nur einzelne, wesentliche Züge aus seinem Leben Ihnen anführe, damit wir sehen, wie dieser ganze Mensch, Fichte, versucht, aus der Einheit des menschlichen Lebens heraus, aus dem Ich selber heraus zu erhalten dasjenige, für die Erkenntnis, was die Welt gerade in ihrem tiefsten Leben beleuchtet und für den Menschen zur Erkenntnis bringen kann.

[ 36 ] Schon der Knabe Fichte, wie steht er vor uns? Zwei Züge, wunderschön wirklich in dieser sinnigen Schönheit, wir können sie kaum bei einem andern Geiste wiederfinden: Der sechsjährige Sohn eines einfachen, bäuerlichen Mannes ist zunächst ein ordentlicher Schüler; und weil er ein so guter Schüler ist, wird ihm zu Weihnachten als Belohnung — er kann schon lesen — das Buch vom «Gehörnten Siegfried» vom Vater geschenkt. Es zeigt sich in der nächsten Zeit, dass Johann Gottlieb Fichte etwas unaufmerksamer wird im Lernen; er bekommt Vorwürfe darum. Wir sehen ihn stehen eines Tages an dem Bache, der vorbeifließt an dem Hause seiner Eltern, hineinwerfend den «Gehörnten Siegfried», der ihm lieb, so lieb geworden ist, an dem er seine ganze Seele aufgerichtet hat, hineinwerfend in den Bach. Und als der Vater dazukommt, da merkt der Vater, was der Grund ist dieses sonderbaren Benehmens des Knaben: Er konnte gegenüber dem schon damals in ihm lebenden eisernen Begriff der Pflicht, die an die Wurzel der Seele ging, nicht vertragen, dass das, was ihm als Mensch, als Persönlichkeit lieb ist, bei ihm bleiben sollte, wenn er darüber seine Pflicht verletzen konnte. So fühlt sich drinnenstehend in der Welt, die für ihn — ich möchte sagen — ganz durchsetzt ist von Pflichtkräften, schon der Knabe Fichte, der sechsjährige Knabe.

[ 36 ] Schon der Knabe Fichte, wie steht er vor uns? Zwei Züge, wunderschön wirklich in dieser sinnigen Schönheit, wir können sie kaum bei einem andern Geiste wiederfinden: Der sechsjährige Sohn eines einfachen, bäuerlichen Mannes ist zunächst ein ordentlicher Schüler; und weil er ein so guter Schüler ist, wird ihm zu Weihnachten als Belohnung — er kann schon lesen — das Buch vom «Gehörnten Siegfried» vom Vater geschenkt. Es zeigt sich in der nächsten Zeit, dass Johann Gottlieb Fichte etwas unaufmerksamer wird im Lernen; er bekommt Vorwürfe darum. Wir sehen ihn stehen eines Tages an dem Bache, der vorbeifließt an dem Hause seiner Eltern, hineinwerfend den «Gehörnten Siegfried», der ihm lieb, so lieb geworden ist, an dem er seine ganze Seele aufgerichtet hat, hineinwerfend in den Bach. Und als der Vater dazukommt, da merkt der Vater, was der Grund ist dieses sonderbaren Benehmens des Knaben: Er konnte gegenüber dem schon damals in ihm lebenden eisernen Begriff der Pflicht, die an die Wurzel der Seele ging, nicht vertragen, dass das, was ihm als Mensch, als Persönlichkeit lieb ist, bei ihm bleiben sollte, wenn er darüber seine Pflicht verletzen konnte. So fühlt sich drinnenstehend in der Welt, die für ihn — ich möchte sagen — ganz durchsetzt ist von Pflichtkräften, schon der Knabe Fichte, der sechsjährige Knabe.

[ 37 ] Später einmal, als Johann Gottlieb Fichte neun Jahre alt war, da besuchte das Dörfchen, in dem seine EItern wohnten, der Gutsnachbar. Er wollte eigentlich die Predigt am Sonntag hören; allein er kam zu spät. Was geschieht? Man führt ihn, weil der Pfarrer die Predigt schon gehalten hatte, man führt ihm den jungen Knaben, den neunjährigen Knaben im blauen Bauernkittel vor, der sich zunächst linkisch benimmt, der aber dann, als er sieht, was man von ihm will, lebendig wird, und der nun die ganze Predigt, die er als neunjähriger Knabe angehört hat, wörtlich vor dem Gutsnachbar vorbringt, so, dass alles, was er sagte, aus seiner Seele heraus waltet — so hatte er mit dem innersten Blick seiner Seele sich verbunden mit dem, was er eben gehört hatte, und so konnte er es wieder erfließen lassen aus dem Innersten heraus. So lebte er seelisches Leben mit im Unmittelbaren des eigenen Wesens. So war er vorbereitet, Fichte, zu finden das Weltbild des Deutschen Idealismus, dasjenige, was ihm — ich möchte sagen — allerdings von einem gewissen einseitigen Gesichtspunkte her, aber doch von einem echt deutschen Gesichtspunkte her erfließen konnte.

[ 37 ] Später einmal, als Johann Gottlieb Fichte neun Jahre alt war, da besuchte das Dörfchen, in dem seine EItern wohnten, der Gutsnachbar. Er wollte eigentlich die Predigt am Sonntag hören; allein er kam zu spät. Was geschieht? Man führt ihn, weil der Pfarrer die Predigt schon gehalten hatte, man führt ihm den jungen Knaben, den neunjährigen Knaben im blauen Bauernkittel vor, der sich zunächst linkisch benimmt, der aber dann, als er sieht, was man von ihm will, lebendig wird, und der nun die ganze Predigt, die er als neunjähriger Knabe angehört hat, wörtlich vor dem Gutsnachbar vorbringt, so, dass alles, was er sagte, aus seiner Seele heraus waltet — so hatte er mit dem innersten Blick seiner Seele sich verbunden mit dem, was er eben gehört hatte, und so konnte er es wieder erfließen lassen aus dem Innersten heraus. So lebte er seelisches Leben mit im Unmittelbaren des eigenen Wesens. So war er vorbereitet, Fichte, zu finden das Weltbild des Deutschen Idealismus, dasjenige, was ihm — ich möchte sagen — allerdings von einem gewissen einseitigen Gesichtspunkte her, aber doch von einem echt deutschen Gesichtspunkte her erfließen konnte.

[ 38 ] Wie er im Grunde seines Wesens sich klar war darüber, dass dasjenige, was in des Menschen Innerem lebt, was in diesem Ich drinnen ist, wie das birgt die Quellkräfte der Welt selber — dasjenige, was göttlich-geistig die Welt durchwellt und durchwirkt —, wie das gefunden werden kann, wenn der Mensch nur ganz in die Tiefen seines Inneren taucht, das tritt zutage in dem ganzen Wirken Fichtes. Er wurde ja verhältnismäßig früh zur Professur nach Jena berufen, das damals der Mittelpunkt des deutschen Geisteslebens war. Aber die Art und Weise, wie Fichte als Lehrer auf seine Zuhörer wirkte, sie ist eine wirklich ganz andere, als man sich — ich möchte sagen gewöhnlich träumen lässt.

[ 38 ] Wie er im Grunde seines Wesens sich klar war darüber, dass dasjenige, was in des Menschen Innerem lebt, was in diesem Ich drinnen ist, wie das birgt die Quellkräfte der Welt selber — dasjenige, was göttlich-geistig die Welt durchwellt und durchwirkt —, wie das gefunden werden kann, wenn der Mensch nur ganz in die Tiefen seines Inneren taucht, das tritt zutage in dem ganzen Wirken Fichtes. Er wurde ja verhältnismäßig früh zur Professur nach Jena berufen, das damals der Mittelpunkt des deutschen Geisteslebens war. Aber die Art und Weise, wie Fichte als Lehrer auf seine Zuhörer wirkte, sie ist eine wirklich ganz andere, als man sich — ich möchte sagen gewöhnlich träumen lässt.

[ 39 ] Leute, die Fichte gehört haben, sie charakterisieren ihn etwa in der folgenden Weise. Sie sagen: Wenn Fichte sprach, so war es, wie wenn seine Rede daherrollte wie Donner, die sich in Blitzesfunken entladen; und wenn er sprach, da wollte er nicht bloß gute, da wollte er große Individualitäten erziehen. Und einer derjenigen, der einigen der Nächststehenden zugehört hatte, der sagte: Dasjenige, was Fichte sprach, verriet, dass er zwar nicht praktische, aber kühne Bilder habe, energische Bilder habe, dass seine Phantasie nicht im eigentlichen Sinne anmutig, aber eindringlich und kraftvoll wirkte, und dass er im Reich der Gedanken, im Reich der Ideen spricht nicht wie einer, der bloß große Worte macht, sondern wie einer, der in dieser unsichtbaren, in dieser übersinnlichen Welt zu herrschen vermag.

[ 39 ] Leute, die Fichte gehört haben, sie charakterisieren ihn etwa in der folgenden Weise. Sie sagen: Wenn Fichte sprach, so war es, wie wenn seine Rede daherrollte wie Donner, die sich in Blitzesfunken entladen; und wenn er sprach, da wollte er nicht bloß gute, da wollte er große Individualitäten erziehen. Und einer derjenigen, der einigen der Nächststehenden zugehört hatte, der sagte: Dasjenige, was Fichte sprach, verriet, dass er zwar nicht praktische, aber kühne Bilder habe, energische Bilder habe, dass seine Phantasie nicht im eigentlichen Sinne anmutig, aber eindringlich und kraftvoll wirkte, und dass er im Reich der Gedanken, im Reich der Ideen spricht nicht wie einer, der bloß große Worte macht, sondern wie einer, der in dieser unsichtbaren, in dieser übersinnlichen Welt zu herrschen vermag.

[ 40 ] Wenn Fichte zu seinen Zuhörern sprach, dann suchte er nicht bloß diesen Zuhörern den Inhalt dessen mitzuteilen, was er ihnen zu sagen hatte. Er sprach niemals, wenn er zweimal über einen Gegenstand vortrug, ein und dasselbe; er sprach niemals so — ich möchte sagen dass er nur einen gewissen Inhalt in der Seele hatte, den Inhalt an seine Zuhörer heranbringen wollte, sondern er hatte in seinem eigenen Innern ein Gesamtgefühl von dem, was er sagen wollte, eine Gesamtempfindung, und suchte vor allen Dingen ein innerliches Band herzustellen zwischen sich und jedem einzelnen Zuhörer. Er wollte, dass dasjenige, was in seiner Seele lebte als Kraft, nicht bloß als Wort wirksam, regsam werde in jedem einzelnen Zuhörer, [sondern] dass es in jedem einzelnen Zuhörer selber hervortöne. Er wollte, dass sich ein lebendiges Fluidum ausgieße über seine ganze Hörerschaft. Er wollte, dass die Zuhörer, wenn sie seine Redewendungen gehört haben, dass sie mit einem anderen inneren Leben weggehen, als sie hergekommen sind. Er wollte etwas lebendig machen in ihnen. Aber so wirkte er, lebendig das Ich ergreifend.

[ 40 ] Wenn Fichte zu seinen Zuhörern sprach, dann suchte er nicht bloß diesen Zuhörern den Inhalt dessen mitzuteilen, was er ihnen zu sagen hatte. Er sprach niemals, wenn er zweimal über einen Gegenstand vortrug, ein und dasselbe; er sprach niemals so — ich möchte sagen dass er nur einen gewissen Inhalt in der Seele hatte, den Inhalt an seine Zuhörer heranbringen wollte, sondern er hatte in seinem eigenen Innern ein Gesamtgefühl von dem, was er sagen wollte, eine Gesamtempfindung, und suchte vor allen Dingen ein innerliches Band herzustellen zwischen sich und jedem einzelnen Zuhörer. Er wollte, dass dasjenige, was in seiner Seele lebte als Kraft, nicht bloß als Wort wirksam, regsam werde in jedem einzelnen Zuhörer, [sondern] dass es in jedem einzelnen Zuhörer selber hervortöne. Er wollte, dass sich ein lebendiges Fluidum ausgieße über seine ganze Hörerschaft. Er wollte, dass die Zuhörer, wenn sie seine Redewendungen gehört haben, dass sie mit einem anderen inneren Leben weggehen, als sie hergekommen sind. Er wollte etwas lebendig machen in ihnen. Aber so wirkte er, lebendig das Ich ergreifend.

[ 41 ] Und so konnte Fichte, Johann Gottlieb Fichte, dazu kommen, dasjenige — ich möchte sagen — vollständig zu verneinen, was aus der verstandesmäßigen Weltanschauung des Descartes hervorgekommen ist. Das Sein im eigenen Ich und des Göttlichen im Ich anstreben, dadurch, dass man vom Denken ausgehe, und weil man denkt, zeigt man — auch das konnte Fichte nicht billigen —, so wäre eben das Ich etwas Totes gewesen. Ihm sollte das Ich etwas sein, was niemals tot werden kann, aus dem Grunde, weil es sich immerfort selber schafft. Es kann gar nicht aufhören zu sein — da es immerfort sich selber schafft. Das heißt: Er sah das Wesentliche des Ichs — Fichte — im Willen. Und dadurch, dass das Ich sich will, dadurch stellt es sich durch seine eigene Kraft in die Welt hinein.

[ 41 ] Und so konnte Fichte, Johann Gottlieb Fichte, dazu kommen, dasjenige — ich möchte sagen — vollständig zu verneinen, was aus der verstandesmäßigen Weltanschauung des Descartes hervorgekommen ist. Das Sein im eigenen Ich und des Göttlichen im Ich anstreben, dadurch, dass man vom Denken ausgehe, und weil man denkt, zeigt man — auch das konnte Fichte nicht billigen —, so wäre eben das Ich etwas Totes gewesen. Ihm sollte das Ich etwas sein, was niemals tot werden kann, aus dem Grunde, weil es sich immerfort selber schafft. Es kann gar nicht aufhören zu sein — da es immerfort sich selber schafft. Das heißt: Er sah das Wesentliche des Ichs — Fichte — im Willen. Und dadurch, dass das Ich sich will, dadurch stellt es sich durch seine eigene Kraft in die Welt hinein.

[ 42 ] Dadurch aber auch musste sich für Fichte ein Weltbild ergeben, das in dem die Welt durchflutenden Wollen dasjenige sah, was das eigentlich Wirksame in der Welt ist. Und das Wunderbare tritt nun bei Fichte auf, dass er sagt: Diese äußere Sinneswelt, wie sie uns entgegentritt, sie ist nicht das Wahre, Wirkliche. Warum ist sie da? Sie ist da, damit der Mensch innerhalb dieser Sinnenwelt selber als ein sinnliches Wesen erscheinen könne; damit in diesem Menschen das die Welt durchflutende Wollen, das sich als die die Welt durchsetzende göttliche Pflicht ausdrückt, dass dieses Wollen ein Material bilde, um die Pflicht, um das Moralische zu erfüllen. So wird die ganze Welt durchzogen für Fichte von moralischer Substanz, von moralischer Wirklichkeit. Die ganze Welt ist ihm ein geistig Ganzes von Pflicht, und dasjenige, was als Einzelnes da ist, das ist, damit die Pflicht, damit der Wille, damit das Göttliche, das im Willen Lebendige sich ausleben kann.

[ 42 ] Dadurch aber auch musste sich für Fichte ein Weltbild ergeben, das in dem die Welt durchflutenden Wollen dasjenige sah, was das eigentlich Wirksame in der Welt ist. Und das Wunderbare tritt nun bei Fichte auf, dass er sagt: Diese äußere Sinneswelt, wie sie uns entgegentritt, sie ist nicht das Wahre, Wirkliche. Warum ist sie da? Sie ist da, damit der Mensch innerhalb dieser Sinnenwelt selber als ein sinnliches Wesen erscheinen könne; damit in diesem Menschen das die Welt durchflutende Wollen, das sich als die die Welt durchsetzende göttliche Pflicht ausdrückt, dass dieses Wollen ein Material bilde, um die Pflicht, um das Moralische zu erfüllen. So wird die ganze Welt durchzogen für Fichte von moralischer Substanz, von moralischer Wirklichkeit. Die ganze Welt ist ihm ein geistig Ganzes von Pflicht, und dasjenige, was als Einzelnes da ist, das ist, damit die Pflicht, damit der Wille, damit das Göttliche, das im Willen Lebendige sich ausleben kann.

[ 43 ] Das äußere Sinnliche nennt Fichte einen Stoff, nennt Fichte das versinnlichte Material der Pflicht. Man versuche nur objektiv, dieses Hineinstellen in eine göttlichmoralische Weltordnung bei Fichte zusammenzuhalten mit dem Chemismus, der aus einer einheitlich verstandesmäßigen Weltanschauung hervorgegangen ist, wie etwa bei Descartes — Cartesius —, man versuche zu erkennen, wie in diesem Johann Gottlieb Fichte lebte — ich möchte sagen — ein gewisser innerer Zusammenhang der Seele mit dem, was als Göttliches die Welt durchflutet und durchwirkt, wie er diesen Zusammenhang dann wiederum in den einzelnen Volksgeistern zu schauen versuchte. Aber so, dass ein Volksgeist erfassen kann diesen lebendigen Zusammenhang mit dem Allgeistigen im Ich, das konnte Fichte nur dem deutschen Volksgeist zuschreiben. Und so wurde es bei Fichte ganz bewusst, dass der deutsche Volksgeist im Zusammenhang mit der Menschheitsentwicklung dazu berufen wäre, lebendiges Erkennen an die Stelle des mechanistischen, toten Erkennens zu bringen.

[ 43 ] Das äußere Sinnliche nennt Fichte einen Stoff, nennt Fichte das versinnlichte Material der Pflicht. Man versuche nur objektiv, dieses Hineinstellen in eine göttlichmoralische Weltordnung bei Fichte zusammenzuhalten mit dem Chemismus, der aus einer einheitlich verstandesmäßigen Weltanschauung hervorgegangen ist, wie etwa bei Descartes — Cartesius —, man versuche zu erkennen, wie in diesem Johann Gottlieb Fichte lebte — ich möchte sagen — ein gewisser innerer Zusammenhang der Seele mit dem, was als Göttliches die Welt durchflutet und durchwirkt, wie er diesen Zusammenhang dann wiederum in den einzelnen Volksgeistern zu schauen versuchte. Aber so, dass ein Volksgeist erfassen kann diesen lebendigen Zusammenhang mit dem Allgeistigen im Ich, das konnte Fichte nur dem deutschen Volksgeist zuschreiben. Und so wurde es bei Fichte ganz bewusst, dass der deutsche Volksgeist im Zusammenhang mit der Menschheitsentwicklung dazu berufen wäre, lebendiges Erkennen an die Stelle des mechanistischen, toten Erkennens zu bringen.

[ 44 ] Aber wahr ist, was wie ein Ethos selber, wie ein welthistorischer Pflichtbegriff tief durchpulst die großartig wirksamen «Reden an die deutsche Nation», die Johann Gottlieb Fichte in einer der schwersten Zeiten Deutschlands gehalten hat, in Berlin, mitten unter den Feinden, die dazumal in Berlin eingedrungen waren, und während er diese «Reden an die deutsche Nation» hielt, wo er eben zeigen wollte, wie der deutsche Volksgeist dazu berufen ist, aus dem lebendigen Ich heraus den Zusammenhang des Menschen mit dem Weltengeist zu erfassen, als er diese Reden hielt, die heute noch immer in einer wunderbaren Weise anregend wirken können auf das deutsche Gemüt, da trommelten draußen die vorüberziehenden französischen Regimenter. Da konnte er jederzeit von den Feinden gefangen genommen werden. Da stand er aber auch felsenfest als der deutsche Mann, der sich bewusst war, dass er auszusprechen hat die weltgeschichtliche Sendung des deutschen Volksgeistes.

[ 44 ] Aber wahr ist, was wie ein Ethos selber, wie ein welthistorischer Pflichtbegriff tief durchpulst die großartig wirksamen «Reden an die deutsche Nation», die Johann Gottlieb Fichte in einer der schwersten Zeiten Deutschlands gehalten hat, in Berlin, mitten unter den Feinden, die dazumal in Berlin eingedrungen waren, und während er diese «Reden an die deutsche Nation» hielt, wo er eben zeigen wollte, wie der deutsche Volksgeist dazu berufen ist, aus dem lebendigen Ich heraus den Zusammenhang des Menschen mit dem Weltengeist zu erfassen, als er diese Reden hielt, die heute noch immer in einer wunderbaren Weise anregend wirken können auf das deutsche Gemüt, da trommelten draußen die vorüberziehenden französischen Regimenter. Da konnte er jederzeit von den Feinden gefangen genommen werden. Da stand er aber auch felsenfest als der deutsche Mann, der sich bewusst war, dass er auszusprechen hat die weltgeschichtliche Sendung des deutschen Volksgeistes.

[ 45 ] Man braucht nicht einseitig, sehr verehrte Anwesende, sich heute auf den Standpunkt zu stellen, dass man die Philosophie, die Weltanschauung ihrem Inhalte nach eines solchen Geistes etwa dogmenhaft hinnehmen solle. Darüber kann man heute hinaus sein. Man braucht nicht ganz sich zu bekennen zu dem, was Fichte da oder dort gesagt hat, und was die Anderen gesagt haben, von denen wir noch zu sprechen haben werden; man kann den Blick wenden auf die Art und Weise, wie diese Menschen streben, und wie sie gerade in diesem Streben zeigen — was bei Fichte auch voll bewusst war —, dass sie aus der Tiefe des deutschen Volksgeistes heraus schöpfen wollten.

[ 45 ] Man braucht nicht einseitig, sehr verehrte Anwesende, sich heute auf den Standpunkt zu stellen, dass man die Philosophie, die Weltanschauung ihrem Inhalte nach eines solchen Geistes etwa dogmenhaft hinnehmen solle. Darüber kann man heute hinaus sein. Man braucht nicht ganz sich zu bekennen zu dem, was Fichte da oder dort gesagt hat, und was die Anderen gesagt haben, von denen wir noch zu sprechen haben werden; man kann den Blick wenden auf die Art und Weise, wie diese Menschen streben, und wie sie gerade in diesem Streben zeigen — was bei Fichte auch voll bewusst war —, dass sie aus der Tiefe des deutschen Volksgeistes heraus schöpfen wollten.

[ 46 ] So steht Johann Gottlieb Fichte als einer derjenigen, die aus dem Deutschen Idealismus heraus ein Weltbild suchen, so steht er vor uns. Auf dieses Streben bei ihm wollen wir schauen, und auch bei den Anderen, nicht auf das, was sie gesagt haben. Man braucht nicht ein Anhänger von irgendjemandem zu sein, den man als Persönlichkeit groß und verehrungswürdig und bedeutend findet, sondern man kann weiter ganz unabhängig das individuelle Streben sich entzünden lassen, selbst auf demjenigen Gebiete, wo man glaubt, dass man nicht mit ihm gehen kann in Bezug auf den Inhalt einer Lehre. Aber auf die Lehre kommt es jetzt nicht an, auf die Persönlichkeit kommt es an, die, so wie sie dasteht, dienen kann, das deutsche Volk selber zu charakterisieren, weil es im Wesen des deutschen Volkes liegen muss, wenn gerade — ich möchte sagen — wie bei Fichte aus diesem deutschen Wesen auch mit Bewusstheit solches hervorgehen kann, wie es Fichte aus diesem deutschen Wesen hervorgebracht hat.

[ 46 ] So steht Johann Gottlieb Fichte als einer derjenigen, die aus dem Deutschen Idealismus heraus ein Weltbild suchen, so steht er vor uns. Auf dieses Streben bei ihm wollen wir schauen, und auch bei den Anderen, nicht auf das, was sie gesagt haben. Man braucht nicht ein Anhänger von irgendjemandem zu sein, den man als Persönlichkeit groß und verehrungswürdig und bedeutend findet, sondern man kann weiter ganz unabhängig das individuelle Streben sich entzünden lassen, selbst auf demjenigen Gebiete, wo man glaubt, dass man nicht mit ihm gehen kann in Bezug auf den Inhalt einer Lehre. Aber auf die Lehre kommt es jetzt nicht an, auf die Persönlichkeit kommt es an, die, so wie sie dasteht, dienen kann, das deutsche Volk selber zu charakterisieren, weil es im Wesen des deutschen Volkes liegen muss, wenn gerade — ich möchte sagen — wie bei Fichte aus diesem deutschen Wesen auch mit Bewusstheit solches hervorgehen kann, wie es Fichte aus diesem deutschen Wesen hervorgebracht hat.

[ 47 ] Dann sehen wir Fichtes Nachfolge von einem Anderen, von Schelling. Auch Schelling ist eine solche Persönlichkeit. Ich bin überzeugt davon, sehr verehrte Anwesende, dass gerade diese drei Gestalten, von denen ich hier zu sprechen habe, wiederum aufgerufen werden, wenn jene Zeit, die ja ganz gewiss eine Zeit großer Hoffnungen und Tätigkeit ist, die wir durchleben, die aber auch eine schwere Prüfungszeit ist, wenn diese Zeit ihre Früchte bringen wird.

[ 47 ] Dann sehen wir Fichtes Nachfolge von einem Anderen, von Schelling. Auch Schelling ist eine solche Persönlichkeit. Ich bin überzeugt davon, sehr verehrte Anwesende, dass gerade diese drei Gestalten, von denen ich hier zu sprechen habe, wiederum aufgerufen werden, wenn jene Zeit, die ja ganz gewiss eine Zeit großer Hoffnungen und Tätigkeit ist, die wir durchleben, die aber auch eine schwere Prüfungszeit ist, wenn diese Zeit ihre Früchte bringen wird.

[ 48 ] Wir sehen die Nachfolge Fichtes [in] Schelling. Auch in diesem haben wir eine solche Persönlichkeit, die unmittelbar aus der Tiefe des Ich heraus schaffen will ein Weltbild, weil sie sich klar ist, dass in dem, was der Mensch in seinem Innersten erlebt, das Göttlich-Geistige wirkt, das durch alle Natur und alles Sein flutet und im Wirken [in] der Welt erfasst werden kann. Wenn der Mensch nur sein Ich stark genug in sich zu erleben vermag.

[ 48 ] Wir sehen die Nachfolge Fichtes [in] Schelling. Auch in diesem haben wir eine solche Persönlichkeit, die unmittelbar aus der Tiefe des Ich heraus schaffen will ein Weltbild, weil sie sich klar ist, dass in dem, was der Mensch in seinem Innersten erlebt, das Göttlich-Geistige wirkt, das durch alle Natur und alles Sein flutet und im Wirken [in] der Welt erfasst werden kann. Wenn der Mensch nur sein Ich stark genug in sich zu erleben vermag.

[ 49 ] Ist für Fichte das göttliche Wesen etwas, das die Welt — ich möchte sagen — wie ein großes Moralisches webend und wirkend durchzieht, so ist für Schelling zunächst das göttliche Wesen der große Künstler, der aus dem Kunstweben seines eigenen Wesens heraus [sich] zuerst die Natur entgegenstellt, um in dem Spiegel der Natur seine eigene Wahrheit, sein eigenes Wesen und Wirken anzuschauen. Das Kunstwerk Gottes ist für Schelling die Natur. Keine Naturwissenschaft, die abstrakt verstandesmäßig wirken soll — eine Naturwissenschaft, die so wirkt, dass mit jeder Idee, die hervorgebracht wird über die Natur, die menschliche Seele sich zu gleicher Zeit fühlt verwandt mit der Natur. So fühlt aber Schelling diese Natur, dass er sagt: Jetzt trat der Mensch, jetzt traten andere beseelte Wesen in der Natur auf. Aber die ganze Natur ist dem vorangegangen gleichsam als das Unbewusste und Unterbewusste, das vorher vorhanden sein musste wie ein Knochengerüst. [Als] das ganze durchgeistigte Weltbild steht die Natur da; als das Vergangene und zugleich als der feste Boden für das gegenwärtige; als das Vergangene an Stoff, auf das sich der Geist stellen kann, der sein Dasein vorbereitet hat in dem Naturdasein. Und so wachsen Natur und Geist für Schelling zusammen, aber so zusammen, dass wirklich dasjenige, was aus Schelling heraus sich lebt als ein Weltbild des Deutschen Idealismus wiederum im Zusammenhang mit der gesamten Persönlichkeit, nicht bloß einseitig mit der Empfindungsseele, einseitig mit der Bewusstseinsseele, einseitig mit der Verstandesseele, sondern aus der ganze Fülle des seelischen Wesens heraus. Man möchte sagen: Dieser ganze Schelling war dabei.

[ 49 ] Ist für Fichte das göttliche Wesen etwas, das die Welt — ich möchte sagen — wie ein großes Moralisches webend und wirkend durchzieht, so ist für Schelling zunächst das göttliche Wesen der große Künstler, der aus dem Kunstweben seines eigenen Wesens heraus [sich] zuerst die Natur entgegenstellt, um in dem Spiegel der Natur seine eigene Wahrheit, sein eigenes Wesen und Wirken anzuschauen. Das Kunstwerk Gottes ist für Schelling die Natur. Keine Naturwissenschaft, die abstrakt verstandesmäßig wirken soll — eine Naturwissenschaft, die so wirkt, dass mit jeder Idee, die hervorgebracht wird über die Natur, die menschliche Seele sich zu gleicher Zeit fühlt verwandt mit der Natur. So fühlt aber Schelling diese Natur, dass er sagt: Jetzt trat der Mensch, jetzt traten andere beseelte Wesen in der Natur auf. Aber die ganze Natur ist dem vorangegangen gleichsam als das Unbewusste und Unterbewusste, das vorher vorhanden sein musste wie ein Knochengerüst. [Als] das ganze durchgeistigte Weltbild steht die Natur da; als das Vergangene und zugleich als der feste Boden für das gegenwärtige; als das Vergangene an Stoff, auf das sich der Geist stellen kann, der sein Dasein vorbereitet hat in dem Naturdasein. Und so wachsen Natur und Geist für Schelling zusammen, aber so zusammen, dass wirklich dasjenige, was aus Schelling heraus sich lebt als ein Weltbild des Deutschen Idealismus wiederum im Zusammenhang mit der gesamten Persönlichkeit, nicht bloß einseitig mit der Empfindungsseele, einseitig mit der Bewusstseinsseele, einseitig mit der Verstandesseele, sondern aus der ganze Fülle des seelischen Wesens heraus. Man möchte sagen: Dieser ganze Schelling war dabei.

[ 50 ] Diejenigen, die ihn persönlich gekannt haben, schilderten, wie er noch im Alter mit seinen funkelnden Augen sprach, so, wie wenn er durch den leuchtenden Blick seiner Augen ergießen wollte dasjenige auf seine Zuhörer, was als durchgeistigte, durchseelte Natur in seinem Innern lebte, wodurch er die Seele des Menschen immer verwoben fühlte mit allem Naturdasein. Zu immer Höherem und Höherem, sodass er zuletzt nur noch wenig verstanden werden konnte, hat sich Schelling emporgetragen gefühlt mit dieser seiner — ich möchte sagen — aus dem deutschen Gemüt, aus der Gemütsseele — wie bei Fichte aus der Willensseele — heraus gewobenen Weltanschauung. Gott als der Künstler, die Natur als ein wunderbares Kunstprodukt, gemütsinnige Naturerkenntnis, die Schelling so verwoben glaubte mit dem menschlichen Ich, dass er sich im Weiteren hinreißen ließ zu sagen: Die Natur erkennen, heißt: die Natur schaffen.

[ 50 ] Diejenigen, die ihn persönlich gekannt haben, schilderten, wie er noch im Alter mit seinen funkelnden Augen sprach, so, wie wenn er durch den leuchtenden Blick seiner Augen ergießen wollte dasjenige auf seine Zuhörer, was als durchgeistigte, durchseelte Natur in seinem Innern lebte, wodurch er die Seele des Menschen immer verwoben fühlte mit allem Naturdasein. Zu immer Höherem und Höherem, sodass er zuletzt nur noch wenig verstanden werden konnte, hat sich Schelling emporgetragen gefühlt mit dieser seiner — ich möchte sagen — aus dem deutschen Gemüt, aus der Gemütsseele — wie bei Fichte aus der Willensseele — heraus gewobenen Weltanschauung. Gott als der Künstler, die Natur als ein wunderbares Kunstprodukt, gemütsinnige Naturerkenntnis, die Schelling so verwoben glaubte mit dem menschlichen Ich, dass er sich im Weiteren hinreißen ließ zu sagen: Die Natur erkennen, heißt: die Natur schaffen.

[ 51 ] Gewiss, einseitig waren diese Geister; aber sie waren so einseitig, wie alle Menschen einseitig sind, die die Fehler ihrer Tugenden haben, nicht die Fehler ihrer kleinen Eigenschaften. — Die Natur erkennen, heißt: die Natur schaffen! — Er fühlte, dass dasjenige, was als Kraft in der Natur lebt, von der Seele aus ergriffen werden kann, wenn diese Seele sich nur in ihrem Ich selber sich ergreife, dass die Natur nachgeschaffen werden kann.

[ 51 ] Gewiss, einseitig waren diese Geister; aber sie waren so einseitig, wie alle Menschen einseitig sind, die die Fehler ihrer Tugenden haben, nicht die Fehler ihrer kleinen Eigenschaften. — Die Natur erkennen, heißt: die Natur schaffen! — Er fühlte, dass dasjenige, was als Kraft in der Natur lebt, von der Seele aus ergriffen werden kann, wenn diese Seele sich nur in ihrem Ich selber sich ergreife, dass die Natur nachgeschaffen werden kann.

[ 52 ] Und der Dritte, das ist der vielverkannte, der aber doch in der Gegenwart wiederum von einigen verehrte Hegel. Hat Fichte versucht, in dem Willen, der alles durchdringen kann, [hat er versucht] in dem Ich aufzuleben, hat Schelling — ich möchte sagen — in dem Weltgemüte, das im Ich auflebt und alles durchgeistigt und durchseelt, ein idealistisches Weltbild zu schaffen versucht, so versucht Hegel aus dem reinen Begriffe heraus, aus der Idee heraus ein Weltenbild zu schaffen. Und gerade bei Hegel liegt es nahe, weil er ein Weltbild in Begriffen, in Ideen fassen wollte, dieses Hegel’sche Weltenbild zu vergleichen mit dem mechanistischen, mit dem verstandesmäßigen des Cartesius, des Descartes: Dort ist alles verstandesmäßig! Was wollte aber Hegel? Hegel wollte den Begriff, die Idee nicht so haben, dass sein Weltbild gleichsam nur ein Instrument sei, um eine äußere Wirklichkeit zu erkennen. Hegel wollte diese Welt so haben, dass die Menschenseele ihrerseits die Begriffe selbst erlebt, dass sie sich hineinlebt mit ihrem Ich in die eisigen Gebiete, aber darum auch das Erlebnis bildet des reinen Begriffes. Denn Hegel hatte das innere Erlebnis — man darf es inneres Erlebnis nennen —, dass der Mensch, wenn er die Ideen der Welt in ihrer Reinheit erfasst, dass er dann teilhaben darf mit dem Innersten seines Ichwesens an dem, was als göttlicher Gedanke selber schaffend aller Welt zugrunde liegt, teilnehmen an dem Gedankenwerk der Gottheit, weil ja ein Gedanke in der Seele gewissermaßen nur eine ideelle Repräsentation desjenigen ist, was als Gottesgedanke die Welt durchflutet — das wollte Hegel.

[ 52 ] Und der Dritte, das ist der vielverkannte, der aber doch in der Gegenwart wiederum von einigen verehrte Hegel. Hat Fichte versucht, in dem Willen, der alles durchdringen kann, [hat er versucht] in dem Ich aufzuleben, hat Schelling — ich möchte sagen — in dem Weltgemüte, das im Ich auflebt und alles durchgeistigt und durchseelt, ein idealistisches Weltbild zu schaffen versucht, so versucht Hegel aus dem reinen Begriffe heraus, aus der Idee heraus ein Weltenbild zu schaffen. Und gerade bei Hegel liegt es nahe, weil er ein Weltbild in Begriffen, in Ideen fassen wollte, dieses Hegel’sche Weltenbild zu vergleichen mit dem mechanistischen, mit dem verstandesmäßigen des Cartesius, des Descartes: Dort ist alles verstandesmäßig! Was wollte aber Hegel? Hegel wollte den Begriff, die Idee nicht so haben, dass sein Weltbild gleichsam nur ein Instrument sei, um eine äußere Wirklichkeit zu erkennen. Hegel wollte diese Welt so haben, dass die Menschenseele ihrerseits die Begriffe selbst erlebt, dass sie sich hineinlebt mit ihrem Ich in die eisigen Gebiete, aber darum auch das Erlebnis bildet des reinen Begriffes. Denn Hegel hatte das innere Erlebnis — man darf es inneres Erlebnis nennen —, dass der Mensch, wenn er die Ideen der Welt in ihrer Reinheit erfasst, dass er dann teilhaben darf mit dem Innersten seines Ichwesens an dem, was als göttlicher Gedanke selber schaffend aller Welt zugrunde liegt, teilnehmen an dem Gedankenwerk der Gottheit, weil ja ein Gedanke in der Seele gewissermaßen nur eine ideelle Repräsentation desjenigen ist, was als Gottesgedanke die Welt durchflutet — das wollte Hegel.

[ 53 ] Einseitig gewiss ist auch diese Weltanschauung, weil sie — ich möchte sagen — die göttlich-geistigen Wesen, die der Welt zugrunde liegen, zu bloßen Logikern macht, weil die ganze Welt zu einem bloßen Gerippe ihrer Wirklichkeit gemacht wird. Aber deshalb ist es doch bedeutsam, dass einmal — ich möchte sagen — wie eine Stufe in der Entwicklung des deutschen Wesens erschienen ist dieses innerlich lebendige Durchfühlen und Durchweben eines durch die Welt gehenden Gedankenhaften: Ich will mich vereinen mit dem in der Welt wirkenden Gedanken, und ich bin überzeugt, dass ich damit nicht nur etwas habe in meiner Seele, was die Welt äußerlich abbildet, sondern, dass, wenn die Gedanken durch meine Seele fließen, so ist es das göttliche Wirken selber, das in mir seine Gedanken in der Seele erscheinen lässt — jene Gedanken, nach denen draußen Mineral, Pflanze, Tier und Mensch erschaffen sind. Draußen schafft der Gott nach den Ideen die Gestaltung und die Tatsachen; dann lässt er diese Ideen, indem er sie des Stofflichen entkleidet hat, durch die menschliche Seele fluten, und der Mensch nimmt teil, indem er sich hingibt diesem Fluten in einer, nicht verschwommenen, in einer ganz kristallklaren, nicht Gefühls-, sondern Ideen-Mystik: Der Mensch nimmt teil an der Wirksamkeit der göttlichen Gedanken in der Welt!

[ 53 ] Einseitig gewiss ist auch diese Weltanschauung, weil sie — ich möchte sagen — die göttlich-geistigen Wesen, die der Welt zugrunde liegen, zu bloßen Logikern macht, weil die ganze Welt zu einem bloßen Gerippe ihrer Wirklichkeit gemacht wird. Aber deshalb ist es doch bedeutsam, dass einmal — ich möchte sagen — wie eine Stufe in der Entwicklung des deutschen Wesens erschienen ist dieses innerlich lebendige Durchfühlen und Durchweben eines durch die Welt gehenden Gedankenhaften: Ich will mich vereinen mit dem in der Welt wirkenden Gedanken, und ich bin überzeugt, dass ich damit nicht nur etwas habe in meiner Seele, was die Welt äußerlich abbildet, sondern, dass, wenn die Gedanken durch meine Seele fließen, so ist es das göttliche Wirken selber, das in mir seine Gedanken in der Seele erscheinen lässt — jene Gedanken, nach denen draußen Mineral, Pflanze, Tier und Mensch erschaffen sind. Draußen schafft der Gott nach den Ideen die Gestaltung und die Tatsachen; dann lässt er diese Ideen, indem er sie des Stofflichen entkleidet hat, durch die menschliche Seele fluten, und der Mensch nimmt teil, indem er sich hingibt diesem Fluten in einer, nicht verschwommenen, in einer ganz kristallklaren, nicht Gefühls-, sondern Ideen-Mystik: Der Mensch nimmt teil an der Wirksamkeit der göttlichen Gedanken in der Welt!

[ 54 ] Ja, sehr verehrte Anwesende, mit diesen drei Gestalten — die, viel mehr als man glaubt, auch in der Zeit, in der sie wenig genannt wurden, in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts und bis heute in unsere Tage fortleben in dem deutschen Wesen —, in diesen drei Gestalten tritt uns das Weltbild des Deutschen Idealismus entgegen, jenes Deutschen Idealismus, der dazu berufen war — und wir können [das] unmittelbar objektiv an diesen Geistern sehen, den Geistern dieses Deutschen Idealismus —, der dazu berufen war — ich möchte sagen — erkenntnismäßig, ich betone ausdrücklich, nicht religiös, aber erkenntnismäßig — obwohl das Erkenntnismäßige eine Stütze des Religiösen ist, so geht das Religiöse aus einem anderen Teil hervor —, auch als eine Stütze des Religiösen, die zweite große Flutwelle in Bezug auf ein menschliches Weltenbild aus den Tiefen des menschlichen Wesens hervorzuzaubern.

[ 54 ] Ja, sehr verehrte Anwesende, mit diesen drei Gestalten — die, viel mehr als man glaubt, auch in der Zeit, in der sie wenig genannt wurden, in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts und bis heute in unsere Tage fortleben in dem deutschen Wesen —, in diesen drei Gestalten tritt uns das Weltbild des Deutschen Idealismus entgegen, jenes Deutschen Idealismus, der dazu berufen war — und wir können [das] unmittelbar objektiv an diesen Geistern sehen, den Geistern dieses Deutschen Idealismus —, der dazu berufen war — ich möchte sagen — erkenntnismäßig, ich betone ausdrücklich, nicht religiös, aber erkenntnismäßig — obwohl das Erkenntnismäßige eine Stütze des Religiösen ist, so geht das Religiöse aus einem anderen Teil hervor —, auch als eine Stütze des Religiösen, die zweite große Flutwelle in Bezug auf ein menschliches Weltenbild aus den Tiefen des menschlichen Wesens hervorzuzaubern.

[ 55 ] Blicken wir hinüber nach Asien. Asien bewahrt ja in seinem Weltenbild, insbesondere in Indien bewahrt es noch — ich möchte sagen — ein uraltes Weltenbild, wo der Mensch versucht hat, auch zu dem zu kommen — aus dem Inneren seines Wesens zu dem zu kommen —, was als Göttlich-Geistiges die Welt durchflutet, durchwirkt und durchlebt. Aber wodurch versucht das der Asiate und der Nachzügler dieses alten Asiaten, der heutige Inder — wodurch versuchen sie das göttlich-geistige Wirken und Fluten in der Welt im eigenen Seelenwesen gegenwärtig zu machen? Dadurch, dass sie herabdämpfen, herablähmen das Seelische, herablähmen das Ich; das Ich muss ausgelöscht werden, dann kann der Mensch sich hingeben dem allgemeinen Fluten des Brahman. — Das ist das alte Streben nach dem Weltenbilde — ich möchte sagen —, das urarische Streben nach einem Weltenbilde. Charakteristisch dafür ist, dass das Ich herabgestimmt, herabgelähmt wird bis zum Auslöschen, damit dasjenige, was der Mensch in seinem Ich erlebt, sich ihm nicht in den Weg stellt, wenn er aufleben lassen will in seiner Seele dasjenige, was göttlich-geistig die Welt durchflutet und durchseelt. Sich auslöschen — damit das Göttliche in ihm wirkt, das ist das Ideal dieses panasiatischen Weltenbildes.

[ 55 ] Blicken wir hinüber nach Asien. Asien bewahrt ja in seinem Weltenbild, insbesondere in Indien bewahrt es noch — ich möchte sagen — ein uraltes Weltenbild, wo der Mensch versucht hat, auch zu dem zu kommen — aus dem Inneren seines Wesens zu dem zu kommen —, was als Göttlich-Geistiges die Welt durchflutet, durchwirkt und durchlebt. Aber wodurch versucht das der Asiate und der Nachzügler dieses alten Asiaten, der heutige Inder — wodurch versuchen sie das göttlich-geistige Wirken und Fluten in der Welt im eigenen Seelenwesen gegenwärtig zu machen? Dadurch, dass sie herabdämpfen, herablähmen das Seelische, herablähmen das Ich; das Ich muss ausgelöscht werden, dann kann der Mensch sich hingeben dem allgemeinen Fluten des Brahman. — Das ist das alte Streben nach dem Weltenbilde — ich möchte sagen —, das urarische Streben nach einem Weltenbilde. Charakteristisch dafür ist, dass das Ich herabgestimmt, herabgelähmt wird bis zum Auslöschen, damit dasjenige, was der Mensch in seinem Ich erlebt, sich ihm nicht in den Weg stellt, wenn er aufleben lassen will in seiner Seele dasjenige, was göttlich-geistig die Welt durchflutet und durchseelt. Sich auslöschen — damit das Göttliche in ihm wirkt, das ist das Ideal dieses panasiatischen Weltenbildes.

[ 56 ] Dieses Weltenbild war nicht mehr ein mögliches, als das größte Ereignis durch die Weltentwicklung der Menschheit gegangen ist, das es überhaupt gibt. Dieses Weltbild war nicht mehr ein mögliches, als der ChristusImpuls in die Menschheit eingezogen war. Da war von der religiösen Seite her der Menschheit eine Vertiefung gegeben, von einer Größe gegeben so, dass das Asiatische niemals mehr in seiner Stärke auftauchen darf, denn es würde niemals mehr angemessen sein können diesem Ereignis, in welchem der Christus-Impuls lebt als das höchste Ereignis. Dem Erdendasein ein Erkenntnismäßiges geschaffen zu haben, das dem Christus-Impuls angemessen ist, das stand dem deutschen Volksgeiste zu.

[ 56 ] Dieses Weltenbild war nicht mehr ein mögliches, als das größte Ereignis durch die Weltentwicklung der Menschheit gegangen ist, das es überhaupt gibt. Dieses Weltbild war nicht mehr ein mögliches, als der ChristusImpuls in die Menschheit eingezogen war. Da war von der religiösen Seite her der Menschheit eine Vertiefung gegeben, von einer Größe gegeben so, dass das Asiatische niemals mehr in seiner Stärke auftauchen darf, denn es würde niemals mehr angemessen sein können diesem Ereignis, in welchem der Christus-Impuls lebt als das höchste Ereignis. Dem Erdendasein ein Erkenntnismäßiges geschaffen zu haben, das dem Christus-Impuls angemessen ist, das stand dem deutschen Volksgeiste zu.

[ 57 ] Und diese drei Geister sind wie die drei Symptome, in denen hingestrebt wird nach einem solchen Weltenbilde. Wie gesagt: Wie sucht man da nach einem solchen Weltenbilde nicht mit Auslöschen des Ich! Wir haben gesehen, wie gerade diese drei Geister — Fichte, Schelling, Hegel — das Ich voll ausleben wollen, wie sie es in den Mittelpunkt der drei Seelenschattierungen stellen, nicht mit Auslöschung des Ich, sondern gerade durch volles Erleben, durch Erhöhung des Ich; wie in dieses Ich hereinflutet das Göttlich-Geistige, das ist es, was dem deutschen Volksgeiste oblag. Und das konnte er deshalb, weil er das Ich durch die drei Seelennuancen scheinen lassen konnte, wie das einheitliche Licht durch die drei Regenbogen-Nuancierungen scheint.

[ 57 ] Und diese drei Geister sind wie die drei Symptome, in denen hingestrebt wird nach einem solchen Weltenbilde. Wie gesagt: Wie sucht man da nach einem solchen Weltenbilde nicht mit Auslöschen des Ich! Wir haben gesehen, wie gerade diese drei Geister — Fichte, Schelling, Hegel — das Ich voll ausleben wollen, wie sie es in den Mittelpunkt der drei Seelenschattierungen stellen, nicht mit Auslöschung des Ich, sondern gerade durch volles Erleben, durch Erhöhung des Ich; wie in dieses Ich hereinflutet das Göttlich-Geistige, das ist es, was dem deutschen Volksgeiste oblag. Und das konnte er deshalb, weil er das Ich durch die drei Seelennuancen scheinen lassen konnte, wie das einheitliche Licht durch die drei Regenbogen-Nuancierungen scheint.

[ 58 ] So in die neuere Weltenentwicklung sich hineinzustellen als diejenigen, die nun alles dasjenige, was man erkennt von Natur- und Seelendasein in den Dienst eines solchen idealistischen Weltenbildes stellen, das oblag gerade den größten deutschen Denkern, die sich eins wussten mit dem, was der eigentlich deutsche Volksgeist in der Fortentwicklung der Menschheit will.

[ 58 ] So in die neuere Weltenentwicklung sich hineinzustellen als diejenigen, die nun alles dasjenige, was man erkennt von Natur- und Seelendasein in den Dienst eines solchen idealistischen Weltenbildes stellen, das oblag gerade den größten deutschen Denkern, die sich eins wussten mit dem, was der eigentlich deutsche Volksgeist in der Fortentwicklung der Menschheit will.

[ 59 ] Auf dieses heute hinzuweisen, sehr verehrte Anwesende, scheint mir angemessen. Dasjenige, was werden wird durch die großen äußeren Ereignisse, darüber werden die Waffen entscheiden und andere Verhältnisse. Einer solchen Betrachtung scheint es aber angemessen gerade in der Gegenwart zu sein, die Seelen zu vertiefen in dasjenige, was das Wesen des deutschen Volksgeistes selber ist, der jetzt von allen Seiten, nicht nur, möchte ich sagen, geschmäht, sondern verleumdet wird, und der gerade deshalb, weil er in der angedeuteten Weise wirken muss, so verkannt wird von denjenigen, die rings herum heute aus ihrem Hass heraus die deutsche Weltanschauung, man kann nicht sagen, bloß missverstehen, sondern missverstehen auch wollen. Aber sie können sie nicht verstehen, weil sie in einseitiger Weise wirken, in Einseitigkeit der besonderen Seelenschattierung; während der Deutsche wirklich seiner Gemäßheit nach, aus seiner Gemäßheit heraus nach einer Ganzheit wirken muss.

[ 59 ] Auf dieses heute hinzuweisen, sehr verehrte Anwesende, scheint mir angemessen. Dasjenige, was werden wird durch die großen äußeren Ereignisse, darüber werden die Waffen entscheiden und andere Verhältnisse. Einer solchen Betrachtung scheint es aber angemessen gerade in der Gegenwart zu sein, die Seelen zu vertiefen in dasjenige, was das Wesen des deutschen Volksgeistes selber ist, der jetzt von allen Seiten, nicht nur, möchte ich sagen, geschmäht, sondern verleumdet wird, und der gerade deshalb, weil er in der angedeuteten Weise wirken muss, so verkannt wird von denjenigen, die rings herum heute aus ihrem Hass heraus die deutsche Weltanschauung, man kann nicht sagen, bloß missverstehen, sondern missverstehen auch wollen. Aber sie können sie nicht verstehen, weil sie in einseitiger Weise wirken, in Einseitigkeit der besonderen Seelenschattierung; während der Deutsche wirklich seiner Gemäßheit nach, aus seiner Gemäßheit heraus nach einer Ganzheit wirken muss.

[ 60 ] Damit ist ausgegossen über dasjenige, was der deutsche Geist leisten soll in der Welt — ich möchte sagen etwas wie eine andächtige Stimmung. Besonders dazu ist diese deutsche Volksseele veranlagt, dass sie sich Wissen erwirbt durch Natur- und Seelenwesen, und dieses Wissen dann in der Seele wieder bereichert, dass dieses Wissen ist wie ein Entgegengehen der Seele dem göttlichen Wesen.

[ 60 ] Damit ist ausgegossen über dasjenige, was der deutsche Geist leisten soll in der Welt — ich möchte sagen etwas wie eine andächtige Stimmung. Besonders dazu ist diese deutsche Volksseele veranlagt, dass sie sich Wissen erwirbt durch Natur- und Seelenwesen, und dieses Wissen dann in der Seele wieder bereichert, dass dieses Wissen ist wie ein Entgegengehen der Seele dem göttlichen Wesen.

[ 61 ] Sehen wir das nicht — und ich möchte Ihnen diese Worte wörtlich vorlesen —, sehen wir das nicht schön, wenn wir hinblicken auf diejenigen gerade, die sich vergegenwärtigen wollten immer aus der Tiefe des deutschen Wesens heraus, dasjenige, was der deutsche Volksgeist ist? Sehen wir nicht immer dieses Streben — was der Deutsche wissen kann, wie zu einem Seelenimpuls zu machen auch für das Göttlich-Geistige —, andächtige Stimmung auch in der Wissenschaft zu entwickeln? Wie schön, wie wunderbar ist es zum Beispiel, wenn ein Deutscher — und deshalb gerade darf er vielleicht heute erwähnt werden —, der in Österreich als einer der größten Deutsch-Österreicher erscheint, sich vertiefend in das deutsche Wesen, wenn er auch nicht vielleicht zu denjenigen Begriffen gekommen ist, die heute ausgestaltet uns vor Augen traten, so zu empfinden die volle Wiedergabe desjenigen, was heute an Ideen entwickelt worden ist hier: Ich meine Robert Hamerling, Österreichs größten deutschen Dichter der neueren Zeit, der das schöne Wort gesprochen hat, als Deutscher sich fühlend in Österreich, das schöne Wort gesprochen hat: Österreich ist mein Vaterland; doch ich fühle es: Deutschland ist mein Mutterland — so ausdrückend die Einheit, die heute so fest geschmiedet ist durch Deutschland und Österreich, durch Mitteleuropa hindurch. Diesem Robert Hamerling tritt vor die Seele diese ganze Eigentümlichkeit des deutschen Volksseelenwesens, wie ich sie heute aus dem idealistischen Weltbild der Deutschen heraus zu entwickeln versuchte — damals als sie glaubten, den Zug zurück machen zu können, wie die Deutschen herüberkommen aus Asien, mitbringend den Drang, den Allgeist zu erfassen, den sie später durch Erhöhung des Ichs, nicht durch Herabdämpfen des Ichs, in ihrer Kunst, in ihrer Bildung, in ihrer Philosophie, in allem ihrem Wesen und Wirken in der Welt zum Ausdruck bringen sollten. Und da erinnert es Robert Hamerling wie in einem schönen Dichter-Traum in seinem «Germanenzug» — cs sitzen noch drüben in Asien die alten Vorfahren der Deutschen, während nach Europa herein, nach dem Westen, diese alten Vorfahren der Deutschen ziehen —, beschreibt Robert Hamerling wunderschön, wie an der Grenze von Asien und Europa diese Germanen lagern, wie die Sonne untergeht — wunderschön beschreibt er den Mond, der aufgeht, die ganze Landschaft —, wie die Germanen hingelagert sind. Nur einer wacht: der blonde Teut, der Jüngling. Vor Teut aber stehen in wunderbaren Zeichen der Sternenschrift die künftigen Schicksale der Deutschen ausgesprochen. Und der Genius der Deutschen, der Geist des deutschen Volkes, spricht zu dem blonden Teut, zu dem Führer der Germanen nach dem deutschen Westen. Und schön sagt Hamerling:

[ 61 ] Sehen wir das nicht — und ich möchte Ihnen diese Worte wörtlich vorlesen —, sehen wir das nicht schön, wenn wir hinblicken auf diejenigen gerade, die sich vergegenwärtigen wollten immer aus der Tiefe des deutschen Wesens heraus, dasjenige, was der deutsche Volksgeist ist? Sehen wir nicht immer dieses Streben — was der Deutsche wissen kann, wie zu einem Seelenimpuls zu machen auch für das Göttlich-Geistige —, andächtige Stimmung auch in der Wissenschaft zu entwickeln? Wie schön, wie wunderbar ist es zum Beispiel, wenn ein Deutscher — und deshalb gerade darf er vielleicht heute erwähnt werden —, der in Österreich als einer der größten Deutsch-Österreicher erscheint, sich vertiefend in das deutsche Wesen, wenn er auch nicht vielleicht zu denjenigen Begriffen gekommen ist, die heute ausgestaltet uns vor Augen traten, so zu empfinden die volle Wiedergabe desjenigen, was heute an Ideen entwickelt worden ist hier: Ich meine Robert Hamerling, Österreichs größten deutschen Dichter der neueren Zeit, der das schöne Wort gesprochen hat, als Deutscher sich fühlend in Österreich, das schöne Wort gesprochen hat: Österreich ist mein Vaterland; doch ich fühle es: Deutschland ist mein Mutterland — so ausdrückend die Einheit, die heute so fest geschmiedet ist durch Deutschland und Österreich, durch Mitteleuropa hindurch. Diesem Robert Hamerling tritt vor die Seele diese ganze Eigentümlichkeit des deutschen Volksseelenwesens, wie ich sie heute aus dem idealistischen Weltbild der Deutschen heraus zu entwickeln versuchte — damals als sie glaubten, den Zug zurück machen zu können, wie die Deutschen herüberkommen aus Asien, mitbringend den Drang, den Allgeist zu erfassen, den sie später durch Erhöhung des Ichs, nicht durch Herabdämpfen des Ichs, in ihrer Kunst, in ihrer Bildung, in ihrer Philosophie, in allem ihrem Wesen und Wirken in der Welt zum Ausdruck bringen sollten. Und da erinnert es Robert Hamerling wie in einem schönen Dichter-Traum in seinem «Germanenzug» — cs sitzen noch drüben in Asien die alten Vorfahren der Deutschen, während nach Europa herein, nach dem Westen, diese alten Vorfahren der Deutschen ziehen —, beschreibt Robert Hamerling wunderschön, wie an der Grenze von Asien und Europa diese Germanen lagern, wie die Sonne untergeht — wunderschön beschreibt er den Mond, der aufgeht, die ganze Landschaft —, wie die Germanen hingelagert sind. Nur einer wacht: der blonde Teut, der Jüngling. Vor Teut aber stehen in wunderbaren Zeichen der Sternenschrift die künftigen Schicksale der Deutschen ausgesprochen. Und der Genius der Deutschen, der Geist des deutschen Volkes, spricht zu dem blonden Teut, zu dem Führer der Germanen nach dem deutschen Westen. Und schön sagt Hamerling:

«Wem bricht dereinst das Wort aus Seelentiefen
Wie deinem Volk, so reich, so zart, so mächtig?
Wer haucht so weihevoll in Saitenklänge
Sein Innerstes? Wem zich’n den Sinn so prächtig
Ins Himmelsblau granit'ne Hieroglyphen
Des Seelenaufschwungs aus des Lebens Enge?
Wer knüpft zuletzt die Stränge
Des forschenden Gedankens an die Sterne
So kühn und strebt und kämpft auf allen Bahnen?
Wen führt so hoch, so tief sein Drang, sein Ahnen?
Wer fasst so treu das Nahe wie das Ferne?
Wo spiegelt jede Erd- und Himmelszone
Sich wie in deinem Denken, O Teutone?»

«Wem bricht dereinst das Wort aus Seelentiefen
Wie deinem Volk, so reich, so zart, so mächtig?
Wer haucht so weihevoll in Saitenklänge
Sein Innerstes? Wem zich’n den Sinn so prächtig
Ins Himmelsblau granit'ne Hieroglyphen
Des Seelenaufschwungs aus des Lebens Enge?
Wer knüpft zuletzt die Stränge
Des forschenden Gedankens an die Sterne
So kühn und strebt und kämpft auf allen Bahnen?
Wen führt so hoch, so tief sein Drang, sein Ahnen?
Wer fasst so treu das Nahe wie das Ferne?
Wo spiegelt jede Erd- und Himmelszone
Sich wie in deinem Denken, O Teutone?»

[ 62 ] Nicht aus solchem, sich überhebendem Bewusstsein heraus, nicht aus der nationalen Unbescheidenheit heraus, wie wir das heute vielfach bei unsern Gegnern finden, sondern aus einem andächtigen Hinblicken zu dem Sein des Deutschen, zu dem durch die Weltgeschichte waltenden, geistigen Sein.

[ 62 ] Nicht aus solchem, sich überhebendem Bewusstsein heraus, nicht aus der nationalen Unbescheidenheit heraus, wie wir das heute vielfach bei unsern Gegnern finden, sondern aus einem andächtigen Hinblicken zu dem Sein des Deutschen, zu dem durch die Weltgeschichte waltenden, geistigen Sein.

[ 63 ] Vom Pflichtgefühle spricht also der Dichter, der österreichische Dichter ganz im Einklange mit denjenigen, die eine deutsche Weltanschauung, ein ideenhaftes Weltenbild der Deutschen aus dem deutschen Weltenbilde heraus geschaffen haben.

[ 63 ] Vom Pflichtgefühle spricht also der Dichter, der österreichische Dichter ganz im Einklange mit denjenigen, die eine deutsche Weltanschauung, ein ideenhaftes Weltenbild der Deutschen aus dem deutschen Weltenbilde heraus geschaffen haben.

[ 64 ] Deshalb ist es so tief wahr, was der «Philosophus teutonicus» Jakob Böhme über alles Forschen und Sinnen über jenes Weltbild, das eine Berechtigung hat, gesprochen hat, das im Grunde genommen für das deutsche Volkswesen — so meint Jakob Böhme — das Suchen nach Wissen, nach Wissenschaft, ein Weg zu Gott sein müsse, wenn er auch der Religion nicht ins Gehege zu kommen braucht. Das spricht Jakob Böhme, damit charakterisierend den Leitgedanken für das Weltbild des Deutschen Idealismus, schön aus der Tiefe des deutschen Gemütes heraus aus. Jakob Böhme sagt:

[ 64 ] Deshalb ist es so tief wahr, was der «Philosophus teutonicus» Jakob Böhme über alles Forschen und Sinnen über jenes Weltbild, das eine Berechtigung hat, gesprochen hat, das im Grunde genommen für das deutsche Volkswesen — so meint Jakob Böhme — das Suchen nach Wissen, nach Wissenschaft, ein Weg zu Gott sein müsse, wenn er auch der Religion nicht ins Gehege zu kommen braucht. Das spricht Jakob Böhme, damit charakterisierend den Leitgedanken für das Weltbild des Deutschen Idealismus, schön aus der Tiefe des deutschen Gemütes heraus aus. Jakob Böhme sagt:

«Wenn du die Tiefe»

«Wenn du die Tiefe»

[ 65 ] er meint die Tiefe des Himmels

[ 65 ] er meint die Tiefe des Himmels

«und die Sterne und die Erde ansiehest, so siehest du deinen Gott. Und in dem lebest und bist du auch. Und derselbige Gott regiert dich auch.» «Du bist aus diesem Gott geschaffen und lebest in demselben. Auch stehet alle deine Wissenschaft in diesem Gott. Und wenn du stirbest, so wirst du in diesem Gott begraben.»

«und die Sterne und die Erde ansiehest, so siehest du deinen Gott. Und in dem lebest und bist du auch. Und derselbige Gott regiert dich auch.» «Du bist aus diesem Gott geschaffen und lebest in demselben. Auch stehet alle deine Wissenschaft in diesem Gott. Und wenn du stirbest, so wirst du in diesem Gott begraben.»

[ 66 ] Das ist Vereinigung des schönsten Sinnes deutschen Volkswesens mit dem höchsten Streben nach Erkenntnis desjenigen, was göttlich-geistig die Welt durchflutet, durchwirkt und durchwebt. So sucht der Deutsche zur Erhöhung seines Ichs in das Eigenste der Dinge einzudringen, und dieses ist allerdings etwas, was wenig verstanden werden kann.

[ 66 ] Das ist Vereinigung des schönsten Sinnes deutschen Volkswesens mit dem höchsten Streben nach Erkenntnis desjenigen, was göttlich-geistig die Welt durchflutet, durchwirkt und durchwebt. So sucht der Deutsche zur Erhöhung seines Ichs in das Eigenste der Dinge einzudringen, und dieses ist allerdings etwas, was wenig verstanden werden kann.

[ 67 ] Man sieht es, wie wenig es verstanden werden kann! Da ist einer von denjenigen, die ganz kurz vor dem Beginn dieses Krieges früher in Deutschland als ausländische Geister herumgezogen sind, von allerlei Freundschaften gesprochen haben zu dem deutschen Wesen, von allerlei Verständnis, das sie sich angeeignet haben wollen für deutsches Wesen: das ist Emile Boutroux. Ganz kurz vor dem Krieg hat er sogar noch auf deutschen Universitäten gepredigt darüber, wie man verehren müsse die Tiefe des deutschen Geistes. Und jetzt erzählt der wohl echte Franzose [Boutroux] seinen Franzosen vor etwa — witzig will er sein natürlich, der gute [Boutroux] will witzig sein —, er erzählt, was für ein Unterschied besteht zwischen den Franzosen, den Engländern und den Deutschen; dasjenige, was wir — allerdings für die Franzosen ganz gewiss in einer scherzhaften Weise — heute aus den Tiefen des deutschen Wesens heraus gesucht haben, ja, davon schwätzte Boutroux in einer solchen Weise etwa zu seinen Franzosen noch vor ganz kurzer Zeit. Da sagte er: Ja, wenn die Franzosen einen Löwen erkennen wollen oder eine Hyäne — ganz genau bekommt man ja die Nachrichten nicht, aber so etwa sprach er — und es ist jedenfalls dem Wesen nach nicht ungenau, was ich erzähle —, wenn die Franzosen einen Löwen oder eine Hyäne beschreiben wollen, da gehen sie in die Menagerie und beobachten den Löwen oder die Hyäne; wenn die Engländer einen Löwen oder eine Hyäne erkennen wollen, dann machen sie eine Weltreise und beobachten draußen das Leben des Löwen oder der Hyäne. Wenn die Deutschen aber einen Löwen oder eine Hyäne erkennen wollen, dann gehen sie weder in eine Menagerie, noch machen sie eine Reise um die Welt, sondern sie ziehen sich zurück in ihre Studierstube und entwerfen aus ihrem Innern heraus das Bild des Löwen und der Hyäne, ohne anzuschauen das Äußere!

[ 67 ] Man sieht es, wie wenig es verstanden werden kann! Da ist einer von denjenigen, die ganz kurz vor dem Beginn dieses Krieges früher in Deutschland als ausländische Geister herumgezogen sind, von allerlei Freundschaften gesprochen haben zu dem deutschen Wesen, von allerlei Verständnis, das sie sich angeeignet haben wollen für deutsches Wesen: das ist Emile Boutroux. Ganz kurz vor dem Krieg hat er sogar noch auf deutschen Universitäten gepredigt darüber, wie man verehren müsse die Tiefe des deutschen Geistes. Und jetzt erzählt der wohl echte Franzose [Boutroux] seinen Franzosen vor etwa — witzig will er sein natürlich, der gute [Boutroux] will witzig sein —, er erzählt, was für ein Unterschied besteht zwischen den Franzosen, den Engländern und den Deutschen; dasjenige, was wir — allerdings für die Franzosen ganz gewiss in einer scherzhaften Weise — heute aus den Tiefen des deutschen Wesens heraus gesucht haben, ja, davon schwätzte Boutroux in einer solchen Weise etwa zu seinen Franzosen noch vor ganz kurzer Zeit. Da sagte er: Ja, wenn die Franzosen einen Löwen erkennen wollen oder eine Hyäne — ganz genau bekommt man ja die Nachrichten nicht, aber so etwa sprach er — und es ist jedenfalls dem Wesen nach nicht ungenau, was ich erzähle —, wenn die Franzosen einen Löwen oder eine Hyäne beschreiben wollen, da gehen sie in die Menagerie und beobachten den Löwen oder die Hyäne; wenn die Engländer einen Löwen oder eine Hyäne erkennen wollen, dann machen sie eine Weltreise und beobachten draußen das Leben des Löwen oder der Hyäne. Wenn die Deutschen aber einen Löwen oder eine Hyäne erkennen wollen, dann gehen sie weder in eine Menagerie, noch machen sie eine Reise um die Welt, sondern sie ziehen sich zurück in ihre Studierstube und entwerfen aus ihrem Innern heraus das Bild des Löwen und der Hyäne, ohne anzuschauen das Äußere!

[ 68 ] Gewiss, witzig gesprochen; und man ist ja gewöhnt, dass die Franzosen aus ihrer Verstandeskultur heraus witzig sprechen; nur schade, dass dieser Witz von Heinrich Heine ist, den Boutroux nachspricht, denn er stammt von Heine; und der Franzose, von dem man gewöhnt ist, dass er gute Witze macht, machte in diesem Falle einen deutschen Witz, um sich über die Engländer und Franzosen witzig zu äußern! — Auch eine Illustration dafür, wie die Gegner des Deutschtums versuchen, sich etwas Höheres zuzuschreiben, als bei dem Deutschen leben kann!

[ 68 ] Gewiss, witzig gesprochen; und man ist ja gewöhnt, dass die Franzosen aus ihrer Verstandeskultur heraus witzig sprechen; nur schade, dass dieser Witz von Heinrich Heine ist, den Boutroux nachspricht, denn er stammt von Heine; und der Franzose, von dem man gewöhnt ist, dass er gute Witze macht, machte in diesem Falle einen deutschen Witz, um sich über die Engländer und Franzosen witzig zu äußern! — Auch eine Illustration dafür, wie die Gegner des Deutschtums versuchen, sich etwas Höheres zuzuschreiben, als bei dem Deutschen leben kann!

[ 69 ] Allerdings, dieser selbe Mann, wie hat er seinen Parisern vor Kurzem erzählt, was die Deutschen für ein urbarbarisches Volk eigentlich sind; aus dem Wort kann man das schon entnehmen. So zum Beispiel sagte er: Die Deutschen, sie haben kein Wort für Generosität; daher haben sie diese Eigenschaft auch gar nicht, das fehlt ihnen, das haben nur die Franzosen. Dagegen haben die Deutschen ein Wort, das die Franzosen nicht haben: Das ist das Wort «Schadenfreude»; also haben nur die Deutschen die Eigenschaft der Schadenfreude. Die Franzosen haben diese unedle Eigenschaft nicht. — Und Ähnliches mehr ist es, was den Geist andeutet, von dem aus man heute schmäht und herabwürdigt deutsches Wesen.

[ 69 ] Allerdings, dieser selbe Mann, wie hat er seinen Parisern vor Kurzem erzählt, was die Deutschen für ein urbarbarisches Volk eigentlich sind; aus dem Wort kann man das schon entnehmen. So zum Beispiel sagte er: Die Deutschen, sie haben kein Wort für Generosität; daher haben sie diese Eigenschaft auch gar nicht, das fehlt ihnen, das haben nur die Franzosen. Dagegen haben die Deutschen ein Wort, das die Franzosen nicht haben: Das ist das Wort «Schadenfreude»; also haben nur die Deutschen die Eigenschaft der Schadenfreude. Die Franzosen haben diese unedle Eigenschaft nicht. — Und Ähnliches mehr ist es, was den Geist andeutet, von dem aus man heute schmäht und herabwürdigt deutsches Wesen.

[ 70 ] Aber man hat nicht immer dieses deutsche Wesen so angesehen! Und es wäre gerade interessant, zu sehen, welche Geister versucht haben, sich in dieses Deutsche Wesen hineinzufinden, wie man auch gerade daran sehen kann, wie wenig Rechnung getragen wird der eigentlichen Bedeutung dieses deutschen Wesens, dieses Geistes. Sagen wir zum Beispiel, der Schreiber des «Lebens Jesu» — Ernest Renan —, er hat in einer entsprechenden Weise sogar während des Deutsch-Französischen Krieges über deutsches Wesen geschrieben an David Friedrich Strauß, der über deutsches Wesen schrieb. Merkwürdig schrieb ja der Franzose, Ernest Renan; er sagt, er sei in einem gewissen Lebensalter gewahr geworden, was eigentlich dieses deutsche Wesen bedeute. Und er macht einen interessanten Vergleich. Er sagt, dass er, nachdem er französisches Wesen in seine Bildung aufgenommen hat, an das deutsche Wesen durch Goethe, durch Herder herangetreten ist, da war es ihm, wie wenn er anstelle von lauter Begriffen Wirklichkeiten treffen würde, während er früher nur eine Menge von vergilbten Papierblumen gesehen hätte. Und dann vergleicht er die Höhe des deutschen Geisteslebens, die ihm so aufgegangen ist, die vergleicht er dadurch, dass er sagt: Alles dasjenige, was er außer diesem deutschen Wesen kennenlernte, das komme ihm vor, nun ja, wie die Elementar-Mathematik zur Differential- und Potential-Mathematik. — Wir werden gleich nachher sehen, wie ein solcher Geist selbst empfindungsmäßig verwertet dasjenige, was ihm so durch die Berührung mit dem deutschen Wesen gekommen ist.

[ 70 ] Aber man hat nicht immer dieses deutsche Wesen so angesehen! Und es wäre gerade interessant, zu sehen, welche Geister versucht haben, sich in dieses Deutsche Wesen hineinzufinden, wie man auch gerade daran sehen kann, wie wenig Rechnung getragen wird der eigentlichen Bedeutung dieses deutschen Wesens, dieses Geistes. Sagen wir zum Beispiel, der Schreiber des «Lebens Jesu» — Ernest Renan —, er hat in einer entsprechenden Weise sogar während des Deutsch-Französischen Krieges über deutsches Wesen geschrieben an David Friedrich Strauß, der über deutsches Wesen schrieb. Merkwürdig schrieb ja der Franzose, Ernest Renan; er sagt, er sei in einem gewissen Lebensalter gewahr geworden, was eigentlich dieses deutsche Wesen bedeute. Und er macht einen interessanten Vergleich. Er sagt, dass er, nachdem er französisches Wesen in seine Bildung aufgenommen hat, an das deutsche Wesen durch Goethe, durch Herder herangetreten ist, da war es ihm, wie wenn er anstelle von lauter Begriffen Wirklichkeiten treffen würde, während er früher nur eine Menge von vergilbten Papierblumen gesehen hätte. Und dann vergleicht er die Höhe des deutschen Geisteslebens, die ihm so aufgegangen ist, die vergleicht er dadurch, dass er sagt: Alles dasjenige, was er außer diesem deutschen Wesen kennenlernte, das komme ihm vor, nun ja, wie die Elementar-Mathematik zur Differential- und Potential-Mathematik. — Wir werden gleich nachher sehen, wie ein solcher Geist selbst empfindungsmäßig verwertet dasjenige, was ihm so durch die Berührung mit dem deutschen Wesen gekommen ist.

[ 71 ] Aber vorerst wollen wir noch ein wenig sehen, wie dieses mitteleuropäische, deutsche Wesen angesehen wird mehr im Osten, in jenem Osten, [unter dem] der europäische Westen, das heißt unser Westen, in der Gegenwart so sehr zu leiden hat für dasjenige, was ja sein Wirkungsfeld, sein Wirken für Freiheit und Demokratie heute nennt dieser europäische Westen. Wenn wir die russische Volksseele ins Auge fassen müssen, so müssen wir sagen: In Russlands Volksseele, da lebt heute noch nicht dasjenige — und gerade dann, wenn wir ihre größten Produktionen, die Produktionen Tolstois und Dostojewskis ins Auge fassen, so sehen wir das bewahrheitet —, da lebt noch nicht in Einheit die unmittelbare Triebkraft des Ichs, da lebt noch alles als ein Äußerliches, wie der Russe entgegennimmt seine Religion als eine fremde, die griechisch-christliche Religion, die er nicht so wiedergeboren in sich hat, wie der Deutsche aus seinem tiefsten Inneren heraus es erlebt hat, sondern das er annimmt wie etwas wie eine Wolke, die über ihm schwebt, das er von außen hat. Während der Italiener aus der Empfindungsseele, der Franzose aus der Verstandes- und Gemütsseele, der Engländer, der Brite aus der Bewusstseinsseele, der Deutsche aus dem eigentlichen Ich wirkt, wirkt derjenige, der so recht der russischen Volksseele angehört, aus dem Unterbewussten des Ichs heraus, das noch gegenüber sich hat das Ich, das das Ich noch nicht in sich aufgenommen hat, das das Ich noch in einem mystischen Dunkel sehen will. Wie die noch nicht voll zum Bewusstsein gekommene Volksseele wirkt diese russische Seele, diese östliche russische Seele.

[ 71 ] Aber vorerst wollen wir noch ein wenig sehen, wie dieses mitteleuropäische, deutsche Wesen angesehen wird mehr im Osten, in jenem Osten, [unter dem] der europäische Westen, das heißt unser Westen, in der Gegenwart so sehr zu leiden hat für dasjenige, was ja sein Wirkungsfeld, sein Wirken für Freiheit und Demokratie heute nennt dieser europäische Westen. Wenn wir die russische Volksseele ins Auge fassen müssen, so müssen wir sagen: In Russlands Volksseele, da lebt heute noch nicht dasjenige — und gerade dann, wenn wir ihre größten Produktionen, die Produktionen Tolstois und Dostojewskis ins Auge fassen, so sehen wir das bewahrheitet —, da lebt noch nicht in Einheit die unmittelbare Triebkraft des Ichs, da lebt noch alles als ein Äußerliches, wie der Russe entgegennimmt seine Religion als eine fremde, die griechisch-christliche Religion, die er nicht so wiedergeboren in sich hat, wie der Deutsche aus seinem tiefsten Inneren heraus es erlebt hat, sondern das er annimmt wie etwas wie eine Wolke, die über ihm schwebt, das er von außen hat. Während der Italiener aus der Empfindungsseele, der Franzose aus der Verstandes- und Gemütsseele, der Engländer, der Brite aus der Bewusstseinsseele, der Deutsche aus dem eigentlichen Ich wirkt, wirkt derjenige, der so recht der russischen Volksseele angehört, aus dem Unterbewussten des Ichs heraus, das noch gegenüber sich hat das Ich, das das Ich noch nicht in sich aufgenommen hat, das das Ich noch in einem mystischen Dunkel sehen will. Wie die noch nicht voll zum Bewusstsein gekommene Volksseele wirkt diese russische Seele, diese östliche russische Seele.

[ 72 ] Und damit hängt zusammen, dass diese noch unreife Volksseele nicht nur die deutsche Volkseele, sondern die ganzen westeuropäischen Volksseelen, insbesondere im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts und bis in unsere Tage herein so verkannt hat, so unendlich verkannt hat.

[ 72 ] Und damit hängt zusammen, dass diese noch unreife Volksseele nicht nur die deutsche Volkseele, sondern die ganzen westeuropäischen Volksseelen, insbesondere im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts und bis in unsere Tage herein so verkannt hat, so unendlich verkannt hat.

[ 73 ] Man hat es ja gar nicht bemerkt, welches das Verhältnis des, sagen wir zum Beispiel des Wesens des deutschen Geistes zum russischen Geist ist. Man hat in selbstverständlich deutscher Selbstlosigkeit gerade die russischen Großen — Tolstoi, Dostojewski — aufgenommen. Sie sollen hier nicht herabgesetzt werden; sie können vollständig anerkannt werden; aber man muss sich gewahr werden der Kluft, die zwischen dem russischen und dem deutschen Wesen lebt, und die ja besonders im russischen Wesen in einer solchen Unreife bis in unsere Gegenwart herein zum Ausbruch, zur Offenbarung gekommen ist.

[ 73 ] Man hat es ja gar nicht bemerkt, welches das Verhältnis des, sagen wir zum Beispiel des Wesens des deutschen Geistes zum russischen Geist ist. Man hat in selbstverständlich deutscher Selbstlosigkeit gerade die russischen Großen — Tolstoi, Dostojewski — aufgenommen. Sie sollen hier nicht herabgesetzt werden; sie können vollständig anerkannt werden; aber man muss sich gewahr werden der Kluft, die zwischen dem russischen und dem deutschen Wesen lebt, und die ja besonders im russischen Wesen in einer solchen Unreife bis in unsere Gegenwart herein zum Ausbruch, zur Offenbarung gekommen ist.

[ 74 ] Da begegnen uns die besten russischen Geister im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts, die — ich möchte sagen — philosophisch-künstlerisch wie in einem Weltenbilde das zum Ausdruck bringen, was in politischer Beziehung das «Testament Peters des Großen» — ob es nun gefälscht ist oder nicht, darauf kommt es jetzt nicht an — erreichen will, das ja abzielt auf die vollständige Vernichtung und auf die Ersetzung West- und Mitteleuropas, so wie es heute besteht, durch Osteuropa! [Das «Testament Peters des Großen» soll allein als zukunftsfähig gelten.] Aber alles, möchte ich sagen, auch das literarisch-philosophische, künstlerische Russische ist in dem Dienst dieses «Testament Peters des Großen». Und das tritt uns im ganzen russischen Geistesleben im neunzehnten Jahrhundert immer wieder und wieder entgegen.

[ 74 ] Da begegnen uns die besten russischen Geister im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts, die — ich möchte sagen — philosophisch-künstlerisch wie in einem Weltenbilde das zum Ausdruck bringen, was in politischer Beziehung das «Testament Peters des Großen» — ob es nun gefälscht ist oder nicht, darauf kommt es jetzt nicht an — erreichen will, das ja abzielt auf die vollständige Vernichtung und auf die Ersetzung West- und Mitteleuropas, so wie es heute besteht, durch Osteuropa! [Das «Testament Peters des Großen» soll allein als zukunftsfähig gelten.] Aber alles, möchte ich sagen, auch das literarisch-philosophische, künstlerische Russische ist in dem Dienst dieses «Testament Peters des Großen». Und das tritt uns im ganzen russischen Geistesleben im neunzehnten Jahrhundert immer wieder und wieder entgegen.

[ 75 ] Da treten uns die besten Geister Russlands entgegen, die den Blick wenden auf dasjenige, was gerade solche Geister wie Fichte, wie Schelling, wie Hegel geleistet haben. Bei Herzen kann man das — ich möchte sagen — an einem einzelnen solchen Geist beobachten. Er sucht sich zu vertiefen in das, was die westliche Kultur gebracht hat; er findet, dass das alles alt geworden ist, greisenhaft geworden ist, dass alles verschwinden muss, dass das alles etwas Äußerliches ist, weil er nicht miterleben kann, wie innerlich durchlebt und durchwebt dieses Weltbild des Deutschen Idealismus ist; und so wird es für ihn wertlos. In seinem Buch «Vom andern Ufer» spricht Herzen es aus, wie alle diese Ideale, die in Westeuropa ausgesprossen sind, zerstört werden müssen, und wie etwas anderes an diese Stelle treten muss.

[ 75 ] Da treten uns die besten Geister Russlands entgegen, die den Blick wenden auf dasjenige, was gerade solche Geister wie Fichte, wie Schelling, wie Hegel geleistet haben. Bei Herzen kann man das — ich möchte sagen — an einem einzelnen solchen Geist beobachten. Er sucht sich zu vertiefen in das, was die westliche Kultur gebracht hat; er findet, dass das alles alt geworden ist, greisenhaft geworden ist, dass alles verschwinden muss, dass das alles etwas Äußerliches ist, weil er nicht miterleben kann, wie innerlich durchlebt und durchwebt dieses Weltbild des Deutschen Idealismus ist; und so wird es für ihn wertlos. In seinem Buch «Vom andern Ufer» spricht Herzen es aus, wie alle diese Ideale, die in Westeuropa ausgesprossen sind, zerstört werden müssen, und wie etwas anderes an diese Stelle treten muss.

[ 76 ] Einer der Gegner Herzens, auch ein Russe, schrieb darauf an Herzen: So willst du also zerstören alles dasjenige, was in Westeuropa entgegengetreten ist: Größer, bedeutsamer — wie gesagt, ein Russe schrieb es selber, ein russischer Gegner Herzens, um ihm ins Gewissen zu reden — Größer als alle die Ideale Mitteleuropas gilt dir der russische Schafspelz? — so schrieb der Freund an Herzen!

[ 76 ] Einer der Gegner Herzens, auch ein Russe, schrieb darauf an Herzen: So willst du also zerstören alles dasjenige, was in Westeuropa entgegengetreten ist: Größer, bedeutsamer — wie gesagt, ein Russe schrieb es selber, ein russischer Gegner Herzens, um ihm ins Gewissen zu reden — Größer als alle die Ideale Mitteleuropas gilt dir der russische Schafspelz? — so schrieb der Freund an Herzen!

[ 77 ] Was meint er mit dem «russischen Schafspelz»? Nun, Herzen sprach es eben aus: In dem, was diese europäische Kultur, dieses europäische Geistesleben aus sich heraus gebracht hat, kann nicht irgendetwas Erlösendes, irgendetwas Heilbringendes für die Menschheit liegen; sondern dasjenige, was heilbringend für die Menschheit ist, das ist der russische Bauer; das ist derjenige, der in voller Ursprünglichkeit dasjenige in sich enthält, was den ganzen europäischen Westen und Europas Mitte überfluten muss. Und das erscheint so festgepfropft in russischen Seelen, gerade in dem russischten Russen, zum Beispiel in Dostojewski, dem großen Künstler — den wir anerkennen wollen in Bezug auf sein Können —, immer mehr und mehr in seinem Werk schon zutage tritt, wenn wir es genau kennen, dass er insbesondere die deutsche Kultur als ein Greisenhaftes, Abgelebtes betrachtet, und das Russentum schon jetzt als berufen findet als Erlöser. — Im Grunde genommen ist dasjenige, was sich jetzt als Kampfwahn über Europa ergießen soll, nichts anderes als der brutale Ausdruck für diese Richtung, die sogar in großen russischen Schriftstellern zum Ausdrucke kam; allerdings, man hat ja dafür gesorgt, dass die guten Deutschen nicht gar zu stark aufmerksam wurden auf dieses, was — ich möchte sagen — immer zwischen den Zeilen des russischen Geisteslebens lebte und webte! Und so kommt es denn, dass — und diejenigen, die mich genauer kennen, wissen, wie sehr ich Tolstoi schätze — aber dasjenige, was in Tolstoi ist, besonders auch in solch älteren Werken, wie «Anna Karenina» und so weiter, das zeigt denn doch, wie er überall — Tolstoi — darauf ausgegangen ist, das deutsche Wesen so darzustellen, dass es greisenhaft, minderwertig sich zeigt.

[ 77 ] Was meint er mit dem «russischen Schafspelz»? Nun, Herzen sprach es eben aus: In dem, was diese europäische Kultur, dieses europäische Geistesleben aus sich heraus gebracht hat, kann nicht irgendetwas Erlösendes, irgendetwas Heilbringendes für die Menschheit liegen; sondern dasjenige, was heilbringend für die Menschheit ist, das ist der russische Bauer; das ist derjenige, der in voller Ursprünglichkeit dasjenige in sich enthält, was den ganzen europäischen Westen und Europas Mitte überfluten muss. Und das erscheint so festgepfropft in russischen Seelen, gerade in dem russischten Russen, zum Beispiel in Dostojewski, dem großen Künstler — den wir anerkennen wollen in Bezug auf sein Können —, immer mehr und mehr in seinem Werk schon zutage tritt, wenn wir es genau kennen, dass er insbesondere die deutsche Kultur als ein Greisenhaftes, Abgelebtes betrachtet, und das Russentum schon jetzt als berufen findet als Erlöser. — Im Grunde genommen ist dasjenige, was sich jetzt als Kampfwahn über Europa ergießen soll, nichts anderes als der brutale Ausdruck für diese Richtung, die sogar in großen russischen Schriftstellern zum Ausdrucke kam; allerdings, man hat ja dafür gesorgt, dass die guten Deutschen nicht gar zu stark aufmerksam wurden auf dieses, was — ich möchte sagen — immer zwischen den Zeilen des russischen Geisteslebens lebte und webte! Und so kommt es denn, dass — und diejenigen, die mich genauer kennen, wissen, wie sehr ich Tolstoi schätze — aber dasjenige, was in Tolstoi ist, besonders auch in solch älteren Werken, wie «Anna Karenina» und so weiter, das zeigt denn doch, wie er überall — Tolstoi — darauf ausgegangen ist, das deutsche Wesen so darzustellen, dass es greisenhaft, minderwertig sich zeigt.

[ 78 ] Warum sind denn die Deutschen so wenig aufmerksam geworden auf solche Dinge? Warum werden sie denn jetzt überrascht über die Tatsache, dass ihnen Hass auf allen Linien entgegentritt, von allen Seiten? Nun, man braucht nur eine solche Tatsache zu nehmen, dass zum Beispiel die älteren Übersetzungen des Tolstoi, derjenigen Werke namentlich von Übersetzern, die die Leute noch gelesen haben, bis zu der letzten Übersetzung in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts von [Raphael Löwenfeld], die aber die Leute schon nicht mehr gelesen haben, diese Übersetzungen haben alle die Stellen, die in Betracht kommenden Stellen entweder ganz ausgelassen oder in anderer Weise übersetzt, sodass niemand eigentlich den wahren Tolstoi kennt!

[ 78 ] Warum sind denn die Deutschen so wenig aufmerksam geworden auf solche Dinge? Warum werden sie denn jetzt überrascht über die Tatsache, dass ihnen Hass auf allen Linien entgegentritt, von allen Seiten? Nun, man braucht nur eine solche Tatsache zu nehmen, dass zum Beispiel die älteren Übersetzungen des Tolstoi, derjenigen Werke namentlich von Übersetzern, die die Leute noch gelesen haben, bis zu der letzten Übersetzung in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts von [Raphael Löwenfeld], die aber die Leute schon nicht mehr gelesen haben, diese Übersetzungen haben alle die Stellen, die in Betracht kommenden Stellen entweder ganz ausgelassen oder in anderer Weise übersetzt, sodass niemand eigentlich den wahren Tolstoi kennt!

[ 79 ] Es wird schon nötig sein, sehr verehrte Anwesende, dass man ein wenig tiefer in dasjenige, was als Schattierungen in den Äußerungen von Seelen lebt, eingeht, damit der Deutsche weiß, wie er seine Sendung in der Welt zu erfüllen hat. Und so konnte man es denn erleben, dass selbst einsichtige russische Geister, wie der große Philosoph Solowjow, dass die sich aufgelehnt haben gegen diese allgemein russische Auffassung, gegen die Auffassung derjenigen, die nach einem russischen Weltbilde gestrebt haben, dass das europäische Weltbild greisenhaft und abgelebt ist, und dass sich das Russentum stürzen solle über dieses europäische Wesen.

[ 79 ] Es wird schon nötig sein, sehr verehrte Anwesende, dass man ein wenig tiefer in dasjenige, was als Schattierungen in den Äußerungen von Seelen lebt, eingeht, damit der Deutsche weiß, wie er seine Sendung in der Welt zu erfüllen hat. Und so konnte man es denn erleben, dass selbst einsichtige russische Geister, wie der große Philosoph Solowjow, dass die sich aufgelehnt haben gegen diese allgemein russische Auffassung, gegen die Auffassung derjenigen, die nach einem russischen Weltbilde gestrebt haben, dass das europäische Weltbild greisenhaft und abgelebt ist, und dass sich das Russentum stürzen solle über dieses europäische Wesen.

[ 80 ] Wenn ich einzelne Persönlichkeiten hervorhebe, so ist es deshalb, weil ich Tatsachen anführen will, und an einzelnen Charakteristiken zeigen will, wie viele sind.

[ 80 ] Wenn ich einzelne Persönlichkeiten hervorhebe, so ist es deshalb, weil ich Tatsachen anführen will, und an einzelnen Charakteristiken zeigen will, wie viele sind.

[ 81 ] Da ist zum Beispiel einer derjenigen Danilewski, der versucht, in breiten Ausführungen auf die Frage einzugehen, ganz im Sinne desjenigen russischen Wesens, das ich eben angedeutet habe, wie Russland sich ausbreiten muss, wie Europas Westen und Mitte dazu reif ist, vernichtet zu werden, weil dieser europäische Westen und auch die Mitte ihre Aufgabe erfüllt haben; und da stellt Danilewski einmal die Frage in einem Buche, das so ganz. aus dem russischen Sinne heraus gebildet ist, da stellt er einmal die Frage: Warum liebt uns Europa nicht, warum fürchtet uns Europa? — Nun sucht er aus seinem Sinn heraus zu beantworten diese Frage, und da schreibt Danilewski für seine Russen etwa hin: Europa liebt uns nicht, weil Europa instinktiv empfindet, dass wir diejenigen sind, die eigentlich allein jetzt noch daseinsberechtigt sind, und die ablösen sollen dasjenige, was im übrigen Europa lebt. Aber Solowjow nimmt diese Frage auf, und Solowjow ist einer derjenigen, der selbst aus diesem Leben heraus geschöpft hat. Und der große Philosoph Solowjow, der unbefangener aus seinem eigenen russischen Wesen heraus diese Frage aufnimmt: Warum liebt uns Deutschland nicht? — er beantwortet diese Frage nicht so wie Danilewski und wie die Geister der verschiedensten Art als Russen reden, dass Europa Russland fürchtete —, sondern er, Solowjow, sagt auf die Frage des Danilewski — Warum liebt uns Europa nicht? Warum fürchtet uns Europa?, und dessen Antwort darauf: Weil Europa instinktiv empfindet, dass die Russen diejenigen seien, die eigentlich allein jetzt noch daseinsberechtigt seien und ablösen sollen, was im übrigen Europa jetzt noch lebe —, Solowjow erwidert auf diese Worte des Danilewski:

[ 81 ] Da ist zum Beispiel einer derjenigen Danilewski, der versucht, in breiten Ausführungen auf die Frage einzugehen, ganz im Sinne desjenigen russischen Wesens, das ich eben angedeutet habe, wie Russland sich ausbreiten muss, wie Europas Westen und Mitte dazu reif ist, vernichtet zu werden, weil dieser europäische Westen und auch die Mitte ihre Aufgabe erfüllt haben; und da stellt Danilewski einmal die Frage in einem Buche, das so ganz. aus dem russischen Sinne heraus gebildet ist, da stellt er einmal die Frage: Warum liebt uns Europa nicht, warum fürchtet uns Europa? — Nun sucht er aus seinem Sinn heraus zu beantworten diese Frage, und da schreibt Danilewski für seine Russen etwa hin: Europa liebt uns nicht, weil Europa instinktiv empfindet, dass wir diejenigen sind, die eigentlich allein jetzt noch daseinsberechtigt sind, und die ablösen sollen dasjenige, was im übrigen Europa lebt. Aber Solowjow nimmt diese Frage auf, und Solowjow ist einer derjenigen, der selbst aus diesem Leben heraus geschöpft hat. Und der große Philosoph Solowjow, der unbefangener aus seinem eigenen russischen Wesen heraus diese Frage aufnimmt: Warum liebt uns Deutschland nicht? — er beantwortet diese Frage nicht so wie Danilewski und wie die Geister der verschiedensten Art als Russen reden, dass Europa Russland fürchtete —, sondern er, Solowjow, sagt auf die Frage des Danilewski — Warum liebt uns Europa nicht? Warum fürchtet uns Europa?, und dessen Antwort darauf: Weil Europa instinktiv empfindet, dass die Russen diejenigen seien, die eigentlich allein jetzt noch daseinsberechtigt seien und ablösen sollen, was im übrigen Europa jetzt noch lebe —, Solowjow erwidert auf diese Worte des Danilewski:

«Und dennoch führen sowohl der Inhalt seines Buches wie auch seine späteren Zugeständnisse und diejenigen seines gleichgesinnten Freundes»

«Und dennoch führen sowohl der Inhalt seines Buches wie auch seine späteren Zugeständnisse und diejenigen seines gleichgesinnten Freundes»

[ 82 ] gemeint ist ein gewisser Strachow

[ 82 ] gemeint ist ein gewisser Strachow

«auf eine andere Antwort: Europa blickt gegnerisch und mit Befürchtung auf uns»

«auf eine andere Antwort: Europa blickt gegnerisch und mit Befürchtung auf uns»

[ 83 ] so schrieb der Solowjow seine Antwort, und es ist wohl notwendig, dass derjenige, der die Verhältnisse des russischen Ostens kennenlernen will, auf diese Russen hinhörte. Solowjow selber sagt:

[ 83 ] so schrieb der Solowjow seine Antwort, und es ist wohl notwendig, dass derjenige, der die Verhältnisse des russischen Ostens kennenlernen will, auf diese Russen hinhörte. Solowjow selber sagt:

«Europa blickt gegnerisch und mit Befürchtung auf uns, weil im russischen Volke dunkle und unklare elementarische Gewalten leben, weil dessen geistige und Kulturkräfte ärmlich und ungenügend sind, dafür aber seine Ansprüche offenbar und scharf bestimmt zutage treten. Gewaltig tönen nach Europa hinaus die Rufe von dem, was das russische Volk als Nation wolle, dass es die Türkei und Österreich vernichten wolle, Deutschland schlagen, Konstantinopel und wenn möglich auch Indien an sich reißen wolle.

«Europa blickt gegnerisch und mit Befürchtung auf uns, weil im russischen Volke dunkle und unklare elementarische Gewalten leben, weil dessen geistige und Kulturkräfte ärmlich und ungenügend sind, dafür aber seine Ansprüche offenbar und scharf bestimmt zutage treten. Gewaltig tönen nach Europa hinaus die Rufe von dem, was das russische Volk als Nation wolle, dass es die Türkei und Österreich vernichten wolle, Deutschland schlagen, Konstantinopel und wenn möglich auch Indien an sich reißen wolle.

[ 84 ] Und wenn man uns fragt, womit wir anstelle des an uns Gerissenen und Zerstörten die Menschheit beglücken wollen, welche geistige und Kulturverjüngung wir in die Weltentwicklung bringen wollen, dann müssen wir entweder schweigen oder sinnlose Phrasen schwätzen. Und wenn das bittere Geständnis Danilewskis gerecht ist, dass Russland krank zu werden beginnt, dann müssten wir uns, statt mit der Frage «Warum liebt uns Europa nicht, vielmehr mit einer anderen beschäftigen, einer uns näher liegenden und uns wichtigeren Frage: ‹Warum und weshalb sind wir krank?› Physisch ist Russland noch ziemlich stark, wie es sich in dem letzten russischen Kriege gezeigt hat; also ist unser Leiden ein sittliches. Auf uns lasten, dem Worte eines alten Schriftstellers gemäß, die im Volkscharakter verborgenen und uns nicht zum Bewusstsein kommenden Sünden — und so ist es vor allem nötig, diese in das Licht des hellen Bewusstseins heraufzubringen. Solange wir geistig gebunden und paralysiert sind, müssen uns alle unsere elementarischen Instinkte nur zum Schaden gereichen. Die wesentliche, ja die einzig wesentliche Frage des wahren Patriotismus ist nicht die Frage über die Kraft und über die Berufung, sondern über die Sünden Russlands.»

[ 84 ] Und wenn man uns fragt, womit wir anstelle des an uns Gerissenen und Zerstörten die Menschheit beglücken wollen, welche geistige und Kulturverjüngung wir in die Weltentwicklung bringen wollen, dann müssen wir entweder schweigen oder sinnlose Phrasen schwätzen. Und wenn das bittere Geständnis Danilewskis gerecht ist, dass Russland krank zu werden beginnt, dann müssten wir uns, statt mit der Frage «Warum liebt uns Europa nicht, vielmehr mit einer anderen beschäftigen, einer uns näher liegenden und uns wichtigeren Frage: ‹Warum und weshalb sind wir krank?› Physisch ist Russland noch ziemlich stark, wie es sich in dem letzten russischen Kriege gezeigt hat; also ist unser Leiden ein sittliches. Auf uns lasten, dem Worte eines alten Schriftstellers gemäß, die im Volkscharakter verborgenen und uns nicht zum Bewusstsein kommenden Sünden — und so ist es vor allem nötig, diese in das Licht des hellen Bewusstseins heraufzubringen. Solange wir geistig gebunden und paralysiert sind, müssen uns alle unsere elementarischen Instinkte nur zum Schaden gereichen. Die wesentliche, ja die einzig wesentliche Frage des wahren Patriotismus ist nicht die Frage über die Kraft und über die Berufung, sondern über die Sünden Russlands.»

[ 85 ] So der Russe Solowjow, aus einer geistigen Erkenntnis über russisches Wesen, so der große Philosoph Solowjow über Russland selber. Und es ist nun interessant, das auch zum Schlusse, noch anzusehen: Wie haben andere dieses Verhältnis Russlands zu ihrem Westen, sogar zu dem weiteren Westen — mit dem sie jetzt paktieren oder der mit ihnen paktiert, man weiß nicht recht, wie man da sagen soll —, wie haben andere dieses Verhältnis zu ihrem weiteren Westen aufgefasst? O, da gibt es auch interessante Tatsachen! So zum Beispiel ist 1885 schon ein Buch erschienen von dem russischen Schriftsteller Jushakow. 1885 schreibt er ein Buch, worinnen er noch ganz anders spricht, als etwas später gesprochen wurde über die Ansichten, die er seinem russischen Volke zuschreibt. Es ist interessant, auf diese Ideen Jushakows einmal hinzublicken.

[ 85 ] So der Russe Solowjow, aus einer geistigen Erkenntnis über russisches Wesen, so der große Philosoph Solowjow über Russland selber. Und es ist nun interessant, das auch zum Schlusse, noch anzusehen: Wie haben andere dieses Verhältnis Russlands zu ihrem Westen, sogar zu dem weiteren Westen — mit dem sie jetzt paktieren oder der mit ihnen paktiert, man weiß nicht recht, wie man da sagen soll —, wie haben andere dieses Verhältnis zu ihrem weiteren Westen aufgefasst? O, da gibt es auch interessante Tatsachen! So zum Beispiel ist 1885 schon ein Buch erschienen von dem russischen Schriftsteller Jushakow. 1885 schreibt er ein Buch, worinnen er noch ganz anders spricht, als etwas später gesprochen wurde über die Ansichten, die er seinem russischen Volke zuschreibt. Es ist interessant, auf diese Ideen Jushakows einmal hinzublicken.

[ 86 ] Da blickt dieser Mann nach Asien hinüber, und da sagt er: Ja, da drüben in Asien, da haben wir Völkerschaften, die eine uralte Kultur aus alten Zeiten in die neuere Zeit herübergebracht haben. Diese Völkerschaften, wie sind sie von den Europäern misshandelt worden. Russland müsse den Blick hinüber richten nach Asien, und müsse dieser heiligen, ehrwürdigen, aber von den Europäern misshandelten asiatischen Kultur, dieser geistigen Kultur Asiens müsse Russland Erlösung bringen. Schöne Worte spricht Jushakow. Er sagt, Russland allein sei imstande — weil es erfassen kann das menschliche Innere noch nicht so, dass es von dem Ich erkrankt und greisenhaft gemacht worden ist wie der europäische Westen —, Russland allein kann sich verwandt fühlen mit diesem Asien, das aber jetzt darniederliegt, das seufzt unter der Vergewaltigung Europas. Und eine alte Mythe bringt Jushakow wieder in Erinnerung, indem er sagt: Da drüben in Asien, da kämpfen iranische, turanische Völker. Zu den iranischen Völkern rechnet er selbst auch die Indier, die Perser und so weiter. Und da sagt Jushakow: Diese haben für ihr Schicksal eine wunderbare, alte Mythe von Ormuzd und Ahriman gefunden. Aber wir sehen Ahriman und Ormuzd immer da drüben in Tätigkeit in Asien immerdar. Und da sagt Jushakow in seinem Buche — 1885 —, in seinen Erinnerungen weist er darauf hin, dass die Iranier den guten Ormuzd da drüben in Asien verehrten; der gute Ormuzd habe den Iraniern all dasjenige, was die Erde an Frucht und Kultur hervorbringen kann, gespendet; die haben sie sich angeeignet. Dann haben sie sich verbunden mit Ahriman. Diese Europäer haben gewirkt wie Ahriman, wie der böse Ahriman selber. Russland aber, indem es nach Asien hinüberwirkt, wird die Menschen befreien von dem bösen Ahriman. Was unter dem Segen des guten Ormuzd die Asiaten bekommen haben, das haben sich die selbstsüchtigen Europäer angeeignet. Russland wird nach Asien hinüberkommen und helfen, indem es gerade ein Bündnis begründet, ja — Jushakow sagt es, ich muss es Ihnen wiederholen — ein Bündnis, das erstrebt wird mit den größten Idealen der Welt, als das geistigste Bündnis der Welt — Jushakow sagt das alles, nicht ich sage es, ich muss es nur wiederholen —, das geschlossen wird von russischen Bauern und den Kosaken, [die hinübereilen werden nach Asien, das unter der europäischen Herrschaft seufzt, und die hinübertragen werden dasjenige, was Russland wird bringen können]. Da wird Bauern- und Kosakentum hinüberdringen nach Asien, und da wird Russland Asien von Ahriman erlösen. 1885, denken Sic, von Jushakow geschrieben. Es ist interessant, einiges von dem zu hören, was damals Jushakow sagte in dem Buche, das heißt: «Der englisch-russische Konflikt». Da steht von diesen Völkern, den Iraniern, den Turaniern —, [da steht,] dass aber die Genossen des Ahriman, des bösen Gottes — von denen Russland Asien befreien und Ordnung und Harmonie wird bringen müssen —, vorzugsweise die Engländer seien.

[ 86 ] Da blickt dieser Mann nach Asien hinüber, und da sagt er: Ja, da drüben in Asien, da haben wir Völkerschaften, die eine uralte Kultur aus alten Zeiten in die neuere Zeit herübergebracht haben. Diese Völkerschaften, wie sind sie von den Europäern misshandelt worden. Russland müsse den Blick hinüber richten nach Asien, und müsse dieser heiligen, ehrwürdigen, aber von den Europäern misshandelten asiatischen Kultur, dieser geistigen Kultur Asiens müsse Russland Erlösung bringen. Schöne Worte spricht Jushakow. Er sagt, Russland allein sei imstande — weil es erfassen kann das menschliche Innere noch nicht so, dass es von dem Ich erkrankt und greisenhaft gemacht worden ist wie der europäische Westen —, Russland allein kann sich verwandt fühlen mit diesem Asien, das aber jetzt darniederliegt, das seufzt unter der Vergewaltigung Europas. Und eine alte Mythe bringt Jushakow wieder in Erinnerung, indem er sagt: Da drüben in Asien, da kämpfen iranische, turanische Völker. Zu den iranischen Völkern rechnet er selbst auch die Indier, die Perser und so weiter. Und da sagt Jushakow: Diese haben für ihr Schicksal eine wunderbare, alte Mythe von Ormuzd und Ahriman gefunden. Aber wir sehen Ahriman und Ormuzd immer da drüben in Tätigkeit in Asien immerdar. Und da sagt Jushakow in seinem Buche — 1885 —, in seinen Erinnerungen weist er darauf hin, dass die Iranier den guten Ormuzd da drüben in Asien verehrten; der gute Ormuzd habe den Iraniern all dasjenige, was die Erde an Frucht und Kultur hervorbringen kann, gespendet; die haben sie sich angeeignet. Dann haben sie sich verbunden mit Ahriman. Diese Europäer haben gewirkt wie Ahriman, wie der böse Ahriman selber. Russland aber, indem es nach Asien hinüberwirkt, wird die Menschen befreien von dem bösen Ahriman. Was unter dem Segen des guten Ormuzd die Asiaten bekommen haben, das haben sich die selbstsüchtigen Europäer angeeignet. Russland wird nach Asien hinüberkommen und helfen, indem es gerade ein Bündnis begründet, ja — Jushakow sagt es, ich muss es Ihnen wiederholen — ein Bündnis, das erstrebt wird mit den größten Idealen der Welt, als das geistigste Bündnis der Welt — Jushakow sagt das alles, nicht ich sage es, ich muss es nur wiederholen —, das geschlossen wird von russischen Bauern und den Kosaken, [die hinübereilen werden nach Asien, das unter der europäischen Herrschaft seufzt, und die hinübertragen werden dasjenige, was Russland wird bringen können]. Da wird Bauern- und Kosakentum hinüberdringen nach Asien, und da wird Russland Asien von Ahriman erlösen. 1885, denken Sic, von Jushakow geschrieben. Es ist interessant, einiges von dem zu hören, was damals Jushakow sagte in dem Buche, das heißt: «Der englisch-russische Konflikt». Da steht von diesen Völkern, den Iraniern, den Turaniern —, [da steht,] dass aber die Genossen des Ahriman, des bösen Gottes — von denen Russland Asien befreien und Ordnung und Harmonie wird bringen müssen —, vorzugsweise die Engländer seien.

[ 87 ] Die Engländer — sagt Jushakow — haben sich in diesem Asien so benommen, als ob sie der Ansicht wären, dass die asiatischen Völker nur dazu da wären, dass sie sich in englische Gewebe kleiden, untereinander mit englischen Waffen sich bekämpfen, mit englischem Werkzeug zu arbeiten, aus englischen Gefäßen zu essen und mit englischem Flitter zu spielen. Und dann sagt er:

[ 87 ] Die Engländer — sagt Jushakow — haben sich in diesem Asien so benommen, als ob sie der Ansicht wären, dass die asiatischen Völker nur dazu da wären, dass sie sich in englische Gewebe kleiden, untereinander mit englischen Waffen sich bekämpfen, mit englischem Werkzeug zu arbeiten, aus englischen Gefäßen zu essen und mit englischem Flitter zu spielen. Und dann sagt er:

«England beutet Millionen von Hindus aus, seine ganze Existenz aber hängt von dem Gehorsam der verschiedenen Völker ab, von denen die reiche Halbinsel bewohnt wird.»

«England beutet Millionen von Hindus aus, seine ganze Existenz aber hängt von dem Gehorsam der verschiedenen Völker ab, von denen die reiche Halbinsel bewohnt wird.»

[ 88 ] Und so sagt er weiter, Jushakow:

[ 88 ] Und so sagt er weiter, Jushakow:

«Ich wünsche meinem Vaterlande nichts Ähnliches — ich kann mich nur freuen, dass es von diesem so glänzenden wie traurigen Zustand hinlänglich weit entfernt ist.»

«Ich wünsche meinem Vaterlande nichts Ähnliches — ich kann mich nur freuen, dass es von diesem so glänzenden wie traurigen Zustand hinlänglich weit entfernt ist.»

[ 89 ] Offenbar weil diese Russen so ganz angestrebt haben, von diesem Engländertum so recht weit entfernt zu sein, damit sie Asien erlösen können von diesem scheußlichen England, haben sie sich bald danach mit diesem England verbündet, zum Zwecke, nicht Asien zu erlösen, aber um Europa zu vernichten.

[ 89 ] Offenbar weil diese Russen so ganz angestrebt haben, von diesem Engländertum so recht weit entfernt zu sein, damit sie Asien erlösen können von diesem scheußlichen England, haben sie sich bald danach mit diesem England verbündet, zum Zwecke, nicht Asien zu erlösen, aber um Europa zu vernichten.

[ 90 ] Man muss schon von diesen Tiefen aus die Weltentwicklung auch von der geistigen Seite im neunzehnten Jahrhundert betrachten, und sich auf diese Weise vertiefen in dasjenige, was eigentlich deutsches Wesen ist und wie es dasteht jetzt, dieses deutsche Wesen, das sich zu verteidigen hat in einer Weise gegen den Ring, der um dasselbe gebildet ist, ja, in einer Weise, die man einfach andeuten kann, wenn man Zahlen sprechen lässt.

[ 90 ] Man muss schon von diesen Tiefen aus die Weltentwicklung auch von der geistigen Seite im neunzehnten Jahrhundert betrachten, und sich auf diese Weise vertiefen in dasjenige, was eigentlich deutsches Wesen ist und wie es dasteht jetzt, dieses deutsche Wesen, das sich zu verteidigen hat in einer Weise gegen den Ring, der um dasselbe gebildet ist, ja, in einer Weise, die man einfach andeuten kann, wenn man Zahlen sprechen lässt.

[ 91 ] Für Freiheit, für das Recht der kleinen Völker und für allerlei Zeug nach ihrer Anschauung, gehen diese Menschen — die Deutschland heute und Österreich wie in einer großen Festung eingeschlossen halten wollen —, gehen diese Menschen vor. Man braucht nur Zahlen zu sehen: 777 Millionen Menschen in der sogenannten Entente um die mitteleuropäischen Mächte herum, gegen 150 Millionen; 777 Millionen «kämpfen» — sagen wir das in Gänsefüßchen —, «kämpfen» gegen 150 Millionen, und kämpfen so, dass sie bis heute noch immer als das Wesen ihrer eigentlichen Tapferkeit mehr auch den deutschen Geist treffen wollen, den sie glauben so gut zu verstehen, dass 777 Millionen Menschen sich gegen 150 Millionen wenden, zusammentun, um sie auszuhungern, um sie mit Aushungern, dem besseren Teil der Tapferkeit, zu besiegen.

[ 91 ] Für Freiheit, für das Recht der kleinen Völker und für allerlei Zeug nach ihrer Anschauung, gehen diese Menschen — die Deutschland heute und Österreich wie in einer großen Festung eingeschlossen halten wollen —, gehen diese Menschen vor. Man braucht nur Zahlen zu sehen: 777 Millionen Menschen in der sogenannten Entente um die mitteleuropäischen Mächte herum, gegen 150 Millionen; 777 Millionen «kämpfen» — sagen wir das in Gänsefüßchen —, «kämpfen» gegen 150 Millionen, und kämpfen so, dass sie bis heute noch immer als das Wesen ihrer eigentlichen Tapferkeit mehr auch den deutschen Geist treffen wollen, den sie glauben so gut zu verstehen, dass 777 Millionen Menschen sich gegen 150 Millionen wenden, zusammentun, um sie auszuhungern, um sie mit Aushungern, dem besseren Teil der Tapferkeit, zu besiegen.

[ 92 ] Eigentlich brauchten sie ja nicht neidisch zu sein um dasjenige, was ihnen wegnehmen diese Mitteleuropäer; denn 68 Millionen Quadratkilometer von der Erde besitzen die Entente-Mächte, gegen 6 Millionen Quadratkilometer der mitteleuropäischen Mächte. Man braucht nur diese Zahlen sprechen zu lassen. Diese Zahlen sprechen bis heute, und werden aber auch einmal in der Weltgeschichte sprechen, sehr verehrte Anwesende —, dass immerhin innerhalb dieser 150 Millionen heutiger Mitteleuropäer und auf diesen 6 Millionen Quadratkilometer Bodens Mitteleuropas diejenigen Menschen leben, die die weltgeschichtliche, geistige Sendung haben, von der wir sprechen durften, und die sie sich nicht zuschreiben aus dem — wofür wir Gott sei Dank kein deutsches Wort haben —, aus nationalen Chauvinismen, sondern aus ihren geistigen Anlagen, aus dem Geiste ihres Deutschtums, dem sie sich nicht durch ihren Egoismus verschrieben haben, sondern dem sie sich anzunähern haben, wenn sie auf dem Altar diesem ihrem Volksgeiste das Beste ihres Wesens darbringen wollten. Und fest verbunden fühlen sich diejenigen, die dieses deutsche Wesen verspüren in Mitteleuropa, gerade die Besten in Österreich und Deutschland — und ich darf darüber sprechen, da ich dreißig Jahre meines Lebens in Österreich verlebt habe: Gerade die Besten Österreichs, die mit der mitteleuropäischen Kultur verwachsen sind, wie der ausgezeichnete Philosoph Carneri, sie wissen nicht aus einem nationalen Chauvinismus heraus, sondern aus der sicheren Erkenntnis des Wesens ihres Volkes das Verhältnis dieses ihres Volkes zu dem deutschen Volksgeist und deutschen Wesen zu erleben und zu ergründen.

[ 92 ] Eigentlich brauchten sie ja nicht neidisch zu sein um dasjenige, was ihnen wegnehmen diese Mitteleuropäer; denn 68 Millionen Quadratkilometer von der Erde besitzen die Entente-Mächte, gegen 6 Millionen Quadratkilometer der mitteleuropäischen Mächte. Man braucht nur diese Zahlen sprechen zu lassen. Diese Zahlen sprechen bis heute, und werden aber auch einmal in der Weltgeschichte sprechen, sehr verehrte Anwesende —, dass immerhin innerhalb dieser 150 Millionen heutiger Mitteleuropäer und auf diesen 6 Millionen Quadratkilometer Bodens Mitteleuropas diejenigen Menschen leben, die die weltgeschichtliche, geistige Sendung haben, von der wir sprechen durften, und die sie sich nicht zuschreiben aus dem — wofür wir Gott sei Dank kein deutsches Wort haben —, aus nationalen Chauvinismen, sondern aus ihren geistigen Anlagen, aus dem Geiste ihres Deutschtums, dem sie sich nicht durch ihren Egoismus verschrieben haben, sondern dem sie sich anzunähern haben, wenn sie auf dem Altar diesem ihrem Volksgeiste das Beste ihres Wesens darbringen wollten. Und fest verbunden fühlen sich diejenigen, die dieses deutsche Wesen verspüren in Mitteleuropa, gerade die Besten in Österreich und Deutschland — und ich darf darüber sprechen, da ich dreißig Jahre meines Lebens in Österreich verlebt habe: Gerade die Besten Österreichs, die mit der mitteleuropäischen Kultur verwachsen sind, wie der ausgezeichnete Philosoph Carneri, sie wissen nicht aus einem nationalen Chauvinismus heraus, sondern aus der sicheren Erkenntnis des Wesens ihres Volkes das Verhältnis dieses ihres Volkes zu dem deutschen Volksgeist und deutschen Wesen zu erleben und zu ergründen.

[ 93 ] Von den Engländern sagt zum Beispiel Carneri, der bedeutendste österreichische Philosoph — Carneri — ein wunderbarer Mann, der aus tiefstem Leiden heraus eine so ganz im Sinne unserer Zeit gehaltene geistige Weltanschauung begründet hat, ein begriffliches Weltbild aus Deutsch-Österreich begründet hat, Carneri spricht davon, wie die Engländer wirklich ihr Ich hin gerichtet haben auf äußere praktische Kultur und er sagt: Sie ist schon so praktisch geworden, diese Kultur, dass die Engländer die Tatsache, dass der große Dramatiker und Dichter Shakespeare unter ihnen gelebt hat, von den Deutschen erfahren mussten. — Denn das ist wahr: Erst dadurch, dass die Deutschen erst sich vertieften in Shakespeare, ist Shakespeare gerade erst erkannt worden. Und wenn man einmal schreiben müsse die Geschichte von der Größe Shakespeares, so wird man nicht ein englisches, sondern ein deutsches Kapitel von geistiger Geschichte zu schreiben haben.

[ 93 ] Von den Engländern sagt zum Beispiel Carneri, der bedeutendste österreichische Philosoph — Carneri — ein wunderbarer Mann, der aus tiefstem Leiden heraus eine so ganz im Sinne unserer Zeit gehaltene geistige Weltanschauung begründet hat, ein begriffliches Weltbild aus Deutsch-Österreich begründet hat, Carneri spricht davon, wie die Engländer wirklich ihr Ich hin gerichtet haben auf äußere praktische Kultur und er sagt: Sie ist schon so praktisch geworden, diese Kultur, dass die Engländer die Tatsache, dass der große Dramatiker und Dichter Shakespeare unter ihnen gelebt hat, von den Deutschen erfahren mussten. — Denn das ist wahr: Erst dadurch, dass die Deutschen erst sich vertieften in Shakespeare, ist Shakespeare gerade erst erkannt worden. Und wenn man einmal schreiben müsse die Geschichte von der Größe Shakespeares, so wird man nicht ein englisches, sondern ein deutsches Kapitel von geistiger Geschichte zu schreiben haben.

[ 94 ] Das alles charakterisiert gerade die aus allem geistigen Inneren heraus schaffende Art des deutschen Weltbildes, gegenüber dem, was alles ringsherum ist. Und so darf man wohl glauben, dass dieses, was der Deutsche vor allen Dingen anstreben muss, Geisteswissenschaft, Erkenntnis des Geistes [ist] — so, wie es eine Erkenntnis gibt der Natur. Erkenntnis des Geistes, die sich vor allem begründen muss auf die Quellen, auf die Wurzeln, die in dem Weltbilde des Deutschen Idealismus liegen. Das ist, wie gesagt, nicht aus einem blinden nationalen Gefühl heraus geborene Überzeugung, sondern eine aus der Erkenntnis heraus geborene Überzeugung ist es, dass dasjenige, was die Menschheit in der Zukunft über den Geist wissenschaftlich ergründen soll, dass das aus dem deutschen Volkstum — und vor allen Dingen aus dem idealen Weltbild des deutschen Volkstums —, wie es heute versucht wurde zu schildern, hervorwachsen muss.

[ 94 ] Das alles charakterisiert gerade die aus allem geistigen Inneren heraus schaffende Art des deutschen Weltbildes, gegenüber dem, was alles ringsherum ist. Und so darf man wohl glauben, dass dieses, was der Deutsche vor allen Dingen anstreben muss, Geisteswissenschaft, Erkenntnis des Geistes [ist] — so, wie es eine Erkenntnis gibt der Natur. Erkenntnis des Geistes, die sich vor allem begründen muss auf die Quellen, auf die Wurzeln, die in dem Weltbilde des Deutschen Idealismus liegen. Das ist, wie gesagt, nicht aus einem blinden nationalen Gefühl heraus geborene Überzeugung, sondern eine aus der Erkenntnis heraus geborene Überzeugung ist es, dass dasjenige, was die Menschheit in der Zukunft über den Geist wissenschaftlich ergründen soll, dass das aus dem deutschen Volkstum — und vor allen Dingen aus dem idealen Weltbild des deutschen Volkstums —, wie es heute versucht wurde zu schildern, hervorwachsen muss.

[ 95 ] Und wie wenig Verständnis von den anderen Völkern heute — lassen Sie mich das zum Schluss noch aussprechen —, dieser Krieg kann es dem Deutschen so recht zeigen, wie wenig Verständnis da ist, vonseiten der anderen Völker gegenüber dem Weltbilde des Deutschen Idealismus und des deutschen Geistes, und wie er erst dafür sorgen muss und streben muss, dass dasjenige, was er aus der Tiefe des deutschen Wesens heraus zu schaffen berufen ist, in die Weltentwicklung der Menschheit sich einleben könne. Die Franzosen, wie haben sie dieses Weltbild des Deutschen Idealismus angeschaut? Oder die Russen zum Beispiel, wie haben sie angeschaut dieses Weltbild, das der Deutsche sich gebildet hat, dieses Weltenbild? Die Russen schauen es so an, als ob es nur dazu da wäre, von ihnen zerstört zu werden, als etwas Greisenhaftes, Abgelebtes. Während wir darinnen Wurzel und Blätter sehen müssen, zu denen die Blüten und Früchte erst in der Zukunft reifen müssen! Zu dieser Anschauung wollen wir uns verpflichten! Aber die Russen brauchen einen neuen Wahn; weil das Ich noch nicht in ihrer Seele lebt, müssen sie träumen von einem neuen Wahn. Sie brauchen einen neuen Wahn.

[ 95 ] Und wie wenig Verständnis von den anderen Völkern heute — lassen Sie mich das zum Schluss noch aussprechen —, dieser Krieg kann es dem Deutschen so recht zeigen, wie wenig Verständnis da ist, vonseiten der anderen Völker gegenüber dem Weltbilde des Deutschen Idealismus und des deutschen Geistes, und wie er erst dafür sorgen muss und streben muss, dass dasjenige, was er aus der Tiefe des deutschen Wesens heraus zu schaffen berufen ist, in die Weltentwicklung der Menschheit sich einleben könne. Die Franzosen, wie haben sie dieses Weltbild des Deutschen Idealismus angeschaut? Oder die Russen zum Beispiel, wie haben sie angeschaut dieses Weltbild, das der Deutsche sich gebildet hat, dieses Weltenbild? Die Russen schauen es so an, als ob es nur dazu da wäre, von ihnen zerstört zu werden, als etwas Greisenhaftes, Abgelebtes. Während wir darinnen Wurzel und Blätter sehen müssen, zu denen die Blüten und Früchte erst in der Zukunft reifen müssen! Zu dieser Anschauung wollen wir uns verpflichten! Aber die Russen brauchen einen neuen Wahn; weil das Ich noch nicht in ihrer Seele lebt, müssen sie träumen von einem neuen Wahn. Sie brauchen einen neuen Wahn.

[ 96 ] Was brauchen die Franzosen? Was brauchen die Franzosen heute, wenn sie charakterisieren wollen ihr Verhältnis zum deutschen Wesen? Nun, man könnte vielleicht auf einen ihrer jüngsten Dichter hinweisend etwas von ihnen selber anführen, um ihnen nicht unrecht zu tun. Was wollen die Franzosen? Sie sind ja so gewöhnt gewesen, [so] wie die Deutschen sich frei gemacht haben — wie sie gefühlt haben in sich die Kraft, die Triebkraft dessen, was zum Beispiel auch in diesem Weltenbilde des Deutschen Idealismus lebte, bis zu Lessing herauf, bis sie sich frei machen mussten, die Deutschen —, [so] sind diese Franzosen so gewöhnt gewesen, dass ihr Wesen überall in Europa lebte. Und danach glaubten sie, dass es ohne das, was sie taten und geistig hervorgebracht haben, eigentlich gar nicht gehe, dass alles von ihnen kommen müsse, dass sie zu allem die Ursache bilden müssten. Ihr eigener Dichter Rostand hat in der neueren Zeit in einem ganz. interessanten, witzigen Poem das dargestellt, wie der französische — das heißt, sein eigener — VolksCharakter damit zu vergleichen ist, dass der Hahn am Morgen kräht; und wenn der Hahn kräht, dann geht die Sonne auf. Und weil eben die Sonne aufgeht, wenn der Hahn kräht, da glaubt der Franzose, dass er mit seinem Krähen die Sonne aufgehen lasse. So sagt er sich also: Wenn ich nicht krähe, kann die Sonne nicht aufgehen!

[ 96 ] Was brauchen die Franzosen? Was brauchen die Franzosen heute, wenn sie charakterisieren wollen ihr Verhältnis zum deutschen Wesen? Nun, man könnte vielleicht auf einen ihrer jüngsten Dichter hinweisend etwas von ihnen selber anführen, um ihnen nicht unrecht zu tun. Was wollen die Franzosen? Sie sind ja so gewöhnt gewesen, [so] wie die Deutschen sich frei gemacht haben — wie sie gefühlt haben in sich die Kraft, die Triebkraft dessen, was zum Beispiel auch in diesem Weltenbilde des Deutschen Idealismus lebte, bis zu Lessing herauf, bis sie sich frei machen mussten, die Deutschen —, [so] sind diese Franzosen so gewöhnt gewesen, dass ihr Wesen überall in Europa lebte. Und danach glaubten sie, dass es ohne das, was sie taten und geistig hervorgebracht haben, eigentlich gar nicht gehe, dass alles von ihnen kommen müsse, dass sie zu allem die Ursache bilden müssten. Ihr eigener Dichter Rostand hat in der neueren Zeit in einem ganz. interessanten, witzigen Poem das dargestellt, wie der französische — das heißt, sein eigener — VolksCharakter damit zu vergleichen ist, dass der Hahn am Morgen kräht; und wenn der Hahn kräht, dann geht die Sonne auf. Und weil eben die Sonne aufgeht, wenn der Hahn kräht, da glaubt der Franzose, dass er mit seinem Krähen die Sonne aufgehen lasse. So sagt er sich also: Wenn ich nicht krähe, kann die Sonne nicht aufgehen!

[ 97 ] Das sagt der französische Dichter Rostand selber als Charakteristik des französischen Wesens. Der Franzose denkt: Wenn er nicht kräht, kann in der Welt überhaupt nichts geschehen. Und daher ist es so unerhört, dass er nicht mehr diejenige Stellung einnimmt wie früher; denn es ist ja eigentlich so, dass gegen den Wahn des Krähens des französischen Volksgeistes so zu verteidigen ist zum Beispiel das deutsche Wesen, wie es Ranke ausgesprochen hat, als, schon 1870, die Deutschen gegen die Franzosen zichen mussten: «Wir kämpfen noch immer gegen den Ludwig XTV.!»

[ 97 ] Das sagt der französische Dichter Rostand selber als Charakteristik des französischen Wesens. Der Franzose denkt: Wenn er nicht kräht, kann in der Welt überhaupt nichts geschehen. Und daher ist es so unerhört, dass er nicht mehr diejenige Stellung einnimmt wie früher; denn es ist ja eigentlich so, dass gegen den Wahn des Krähens des französischen Volksgeistes so zu verteidigen ist zum Beispiel das deutsche Wesen, wie es Ranke ausgesprochen hat, als, schon 1870, die Deutschen gegen die Franzosen zichen mussten: «Wir kämpfen noch immer gegen den Ludwig XTV.!»

[ 98 ] Die Franzosen brauchen eine neue Einbildung. Die Russen brauchen eine neue Mission. Die Engländer — nun, man möchte ihnen wirklich nicht unrecht tun. Was soll man sagen, um ihnen nicht unrecht zu tun? Sie deklamieren in die Welt hinaus: Um der Verletzung der Neutralität Belgiens willen, für Recht und Demokratie müssen wir bis zur Vernichtung des deutschen Wesens diesen Krieg unternehmen; denn diese Deutschen sind schändliche Menschen. Sie predigen den Grundsatz: Macht geht vor Recht. — Man vergisst nur wahrscheinlich, wie aus einer besonders feinen Bildung heraus der englische Minister, der dies dekretiert — erst wieder jüngst —, dass der Satz «Macht geht vor Recht» von dem englischen Philosophen, englischen Utilitäts-Philosophen Thomas Hobbes stammt. Aber: «Macht geht vor Recht» — und England hat sich jahrhundertelang an diesen Satz gehalten. [Lücke in der Mitschrift] als Professor in England selber gehalten hat, wo er sagte: Freiheit und Demokratie, das ist etwas, was man nicht vereinen kann, was nach der letzten englischen Geschichte vertreten werden soll, sondern dass Großbritanniens Expansion [Lücke in der Mitschrift], spricht er aus, auch eine Wahrheit, auch eine praktische Wahrheit, wie es das englische Weltbild anstreben muss. Ja, was soll man sagen? «Macht geht vor Recht», seit Thomas Hobbes schlängelt es sich wie ein Grundsatz durch die Geschichte Englands, um zu verdecken die eigentlichen Gründe, die England hat, um in den Staub zu treten die ganze Mission des deutschen Volkes. Mit solchen Dingen — ja, man möchte ihnen ja nicht unrecht tun, aber man muss doch sagen: Die Engländer brauchen eine neue Lüge, um zu übertönen dasjenige, was nicht ausgeglichen werden kann.

[ 98 ] Die Franzosen brauchen eine neue Einbildung. Die Russen brauchen eine neue Mission. Die Engländer — nun, man möchte ihnen wirklich nicht unrecht tun. Was soll man sagen, um ihnen nicht unrecht zu tun? Sie deklamieren in die Welt hinaus: Um der Verletzung der Neutralität Belgiens willen, für Recht und Demokratie müssen wir bis zur Vernichtung des deutschen Wesens diesen Krieg unternehmen; denn diese Deutschen sind schändliche Menschen. Sie predigen den Grundsatz: Macht geht vor Recht. — Man vergisst nur wahrscheinlich, wie aus einer besonders feinen Bildung heraus der englische Minister, der dies dekretiert — erst wieder jüngst —, dass der Satz «Macht geht vor Recht» von dem englischen Philosophen, englischen Utilitäts-Philosophen Thomas Hobbes stammt. Aber: «Macht geht vor Recht» — und England hat sich jahrhundertelang an diesen Satz gehalten. [Lücke in der Mitschrift] als Professor in England selber gehalten hat, wo er sagte: Freiheit und Demokratie, das ist etwas, was man nicht vereinen kann, was nach der letzten englischen Geschichte vertreten werden soll, sondern dass Großbritanniens Expansion [Lücke in der Mitschrift], spricht er aus, auch eine Wahrheit, auch eine praktische Wahrheit, wie es das englische Weltbild anstreben muss. Ja, was soll man sagen? «Macht geht vor Recht», seit Thomas Hobbes schlängelt es sich wie ein Grundsatz durch die Geschichte Englands, um zu verdecken die eigentlichen Gründe, die England hat, um in den Staub zu treten die ganze Mission des deutschen Volkes. Mit solchen Dingen — ja, man möchte ihnen ja nicht unrecht tun, aber man muss doch sagen: Die Engländer brauchen eine neue Lüge, um zu übertönen dasjenige, was nicht ausgeglichen werden kann.

[ 99 ] Die Russen — einen neuen Wahn; die Franzosen — eine neue Einbildung; die Engländer — eine neue Lüge. Die Italiener — ja, ein ganz hervorragender Mann sagte mir schon, bevor der italienische Krieg ausgebrochen ist: «Italien braucht diesen Krieg!» Es gibt ja Menschen, die nicht so naiv sind, dass sie geglaubt haben, Italien könnte etwa nicht beitreten der Entente in diesem Kriege. Italien braucht diesen Krieg; wir müssen diesen Krieg haben; die Italiener sind träge, lahm und faul geworden; sie sind eigentlich ganz auf dem Wege nach dem Abgrund — sagte diese bedeutende politische Persönlichkeit dazumal-und müssen etwas haben, was sie wiederum aufrüttelt, was sie wiederum zum Leben erweckt, sonst werden sie ganz faul und träge! Was brauchen diese Italiener? Eine neue Sensation brauchten diese Italiener, um zugleich etwas zu haben — wie die Franzosen die Einbildung, die Engländer eine neue Lüge, die Russen einen neuen Wahn, eine neure Mission brauchten, so die Italiener einen neuen Heiligen, etwas ganz Besonderes! — Sie haben wahrlich einen Heiligen, nämlich den heiligen Egoismus — sacro egoismo —, der überall gepredigt wird und auf dessen Altar geopfert wird. Und der Apostel des Italienertums der Neuzeit, der Hierophant ist Gabriele d’Annunzio! Vielleicht wird die die Geschichte ihn einmal unter die Hanswurste des Geistes einreihen — das kann man ganz ohne nationalen Chauvinismus sagen. Aber er wird trotzdem ohne Würde als derjenige dastehen, der auch diesen neuen Egoismus, dem sacro egoismo, den Italien vertritt, dem sie sich verschrieben haben, diesem neuen Heiligen seine Opfer verrichten!

[ 99 ] Die Russen — einen neuen Wahn; die Franzosen — eine neue Einbildung; die Engländer — eine neue Lüge. Die Italiener — ja, ein ganz hervorragender Mann sagte mir schon, bevor der italienische Krieg ausgebrochen ist: «Italien braucht diesen Krieg!» Es gibt ja Menschen, die nicht so naiv sind, dass sie geglaubt haben, Italien könnte etwa nicht beitreten der Entente in diesem Kriege. Italien braucht diesen Krieg; wir müssen diesen Krieg haben; die Italiener sind träge, lahm und faul geworden; sie sind eigentlich ganz auf dem Wege nach dem Abgrund — sagte diese bedeutende politische Persönlichkeit dazumal-und müssen etwas haben, was sie wiederum aufrüttelt, was sie wiederum zum Leben erweckt, sonst werden sie ganz faul und träge! Was brauchen diese Italiener? Eine neue Sensation brauchten diese Italiener, um zugleich etwas zu haben — wie die Franzosen die Einbildung, die Engländer eine neue Lüge, die Russen einen neuen Wahn, eine neure Mission brauchten, so die Italiener einen neuen Heiligen, etwas ganz Besonderes! — Sie haben wahrlich einen Heiligen, nämlich den heiligen Egoismus — sacro egoismo —, der überall gepredigt wird und auf dessen Altar geopfert wird. Und der Apostel des Italienertums der Neuzeit, der Hierophant ist Gabriele d’Annunzio! Vielleicht wird die die Geschichte ihn einmal unter die Hanswurste des Geistes einreihen — das kann man ganz ohne nationalen Chauvinismus sagen. Aber er wird trotzdem ohne Würde als derjenige dastehen, der auch diesen neuen Egoismus, dem sacro egoismo, den Italien vertritt, dem sie sich verschrieben haben, diesem neuen Heiligen seine Opfer verrichten!

[ 100 ] Wenn wir das alles um uns herum sehen, so können wir wirklich, ohne dass der Deutsche so national egoistisch zu werden braucht wie diejenigen, die ihn einringen, einschließen, einkreisen, so können wir wirklich sagen: Wir dürfen von der kommenden Geschichte aus der inneren Fruchtbarkeit und aus den Erkenntnis der Größe des deutschen Wesens selber heraus, dem wir demütig uns neigen, nicht in Überhebung uns sagen, dass wir im deutschen Wesen erleben: Es sind Keime, es sind Wurzeln, es sind Blätter — und die Blüten und die Früchte müssen sich daraus entwickeln. Und wir dürfen damit mit Zuversicht, mit Hoffnung in die Zukunft blicken!

[ 100 ] Wenn wir das alles um uns herum sehen, so können wir wirklich, ohne dass der Deutsche so national egoistisch zu werden braucht wie diejenigen, die ihn einringen, einschließen, einkreisen, so können wir wirklich sagen: Wir dürfen von der kommenden Geschichte aus der inneren Fruchtbarkeit und aus den Erkenntnis der Größe des deutschen Wesens selber heraus, dem wir demütig uns neigen, nicht in Überhebung uns sagen, dass wir im deutschen Wesen erleben: Es sind Keime, es sind Wurzeln, es sind Blätter — und die Blüten und die Früchte müssen sich daraus entwickeln. Und wir dürfen damit mit Zuversicht, mit Hoffnung in die Zukunft blicken!

[ 101 ] Und das haben schließlich auch immer — ich möchte sagen — wie in einem einheitlichen Denken, die deutsches Wesen in Mitteleuropa zu fühlen verstanden, sie haben es immer gefühlt. Einer meiner Lehrer in Österreich hat ein schönes Wort einmal gesprochen. Ich darf es Ihnen vielleicht zum Schlusse vorlesen, ein Gedichtchen. «Österreich und Deutschland» heißt es. Heute, wo Österreich und Deutschland zusammengeschweißt sind, darf ich es vielleicht vorlesen, dieses Gedichtchen:

[ 101 ] Und das haben schließlich auch immer — ich möchte sagen — wie in einem einheitlichen Denken, die deutsches Wesen in Mitteleuropa zu fühlen verstanden, sie haben es immer gefühlt. Einer meiner Lehrer in Österreich hat ein schönes Wort einmal gesprochen. Ich darf es Ihnen vielleicht zum Schlusse vorlesen, ein Gedichtchen. «Österreich und Deutschland» heißt es. Heute, wo Österreich und Deutschland zusammengeschweißt sind, darf ich es vielleicht vorlesen, dieses Gedichtchen:

«Lasst Russland, England klüglich sich beraten,
Es auch vielleicht nicht unwillkommen finden,
Wenn wir ein wenig hier in Kampf geraten,
Wenn man uns will das gute Recht entwinden!

Ihr, deutsche Brüder, werdet hier nicht — raten,
Des Feindes Angriff wird uns nur verbinden
Und unter uns wird jeder Ehrgeiz schwinden
Vor dem: Ein Volk zu sein in Wort und Taten.

Und hat der Eine unter uns gefehlet,
War eine Zwietracht wo in deutschen Herzen,
Nur Eines ist es, was uns jetzt beseelet:
Was uns gemeinsam ist an Lust und Schmerzen!
So sei denn auch gemeinsam uns beschieden:
Ein deutscher Krieg, wenn nicht ein deutscher Frieden!»

«Lasst Russland, England klüglich sich beraten,
Es auch vielleicht nicht unwillkommen finden,
Wenn wir ein wenig hier in Kampf geraten,
Wenn man uns will das gute Recht entwinden!

Ihr, deutsche Brüder, werdet hier nicht — raten,
Des Feindes Angriff wird uns nur verbinden
Und unter uns wird jeder Ehrgeiz schwinden
Vor dem: Ein Volk zu sein in Wort und Taten.

Und hat der Eine unter uns gefehlet,
War eine Zwietracht wo in deutschen Herzen,
Nur Eines ist es, was uns jetzt beseelet:
Was uns gemeinsam ist an Lust und Schmerzen!
So sei denn auch gemeinsam uns beschieden:
Ein deutscher Krieg, wenn nicht ein deutscher Frieden!»

[ 102 ] So spricht der Deutsche Österreichs 1859. So einheitlich ist das Bewusstsein des Drinnenstehens im deutschen Volksgeiste bei denjenigen, die es erfühlen, die es ohne nationalen Chauvinismus aber so erkennen, dass Treue ersprießt aus der Seele zu diesem deutschen Wesen. Dann sagt dieser Karl Julius Schröer, der so unbekannt geblieben ist, aber deutsches Wesen in Österreich ganz. außerordentlich erfühlte, dann sagte er:

[ 102 ] So spricht der Deutsche Österreichs 1859. So einheitlich ist das Bewusstsein des Drinnenstehens im deutschen Volksgeiste bei denjenigen, die es erfühlen, die es ohne nationalen Chauvinismus aber so erkennen, dass Treue ersprießt aus der Seele zu diesem deutschen Wesen. Dann sagt dieser Karl Julius Schröer, der so unbekannt geblieben ist, aber deutsches Wesen in Österreich ganz. außerordentlich erfühlte, dann sagte er:

Ein Geist ersteht, ein Riese anzuschauen
[Der lang sich nicht in ganzer Kraft ermannt
Der deutsche Geist steht auf von Mut entbrannt
Wohin Du blickst in allen deutschen Gauen.
Man hat in manchem Meister ihn genannt,
In Kunst und Wissen, im Systeme bauen,
Ist er im Ganzen erst einmal zu schauen,
dann wird er von der Welt] erst recht erkannt.

Ein Geist ersteht, ein Riese anzuschauen
[Der lang sich nicht in ganzer Kraft ermannt
Der deutsche Geist steht auf von Mut entbrannt
Wohin Du blickst in allen deutschen Gauen.
Man hat in manchem Meister ihn genannt,
In Kunst und Wissen, im Systeme bauen,
Ist er im Ganzen erst einmal zu schauen,
dann wird er von der Welt] erst recht erkannt.

[ 103 ] Um ihn im Ganzen zu schauen, dazu gehört auch dasjenige Symptom, das so recht zeigt, wie die unsterblichen kriegerischen Kräfte aus dem deutschen Wesen stammen. Ebenso aus der Urkraft des deutschen Wesens stammt das idealistische Weltbild des Deutschen, das seine Wurzeln und seine Blätter getragen hat, und — zu dem hinblickend — wir in Zukunft den Glauben haben dürfen: Es muss in der Zukunft, ungestört von dem Hass der Gegnerschaft, sich hindurchkämpfen zu seinen Blüten und Früchten.

[ 103 ] Um ihn im Ganzen zu schauen, dazu gehört auch dasjenige Symptom, das so recht zeigt, wie die unsterblichen kriegerischen Kräfte aus dem deutschen Wesen stammen. Ebenso aus der Urkraft des deutschen Wesens stammt das idealistische Weltbild des Deutschen, das seine Wurzeln und seine Blätter getragen hat, und — zu dem hinblickend — wir in Zukunft den Glauben haben dürfen: Es muss in der Zukunft, ungestört von dem Hass der Gegnerschaft, sich hindurchkämpfen zu seinen Blüten und Früchten.

[ 104 ] Dieses Bewusstsein quillt uns als Angehörigen der 150 Millionen gegenüber den 777 Millionen, als stehend auf den 6 Millionen Quadratkilometern gegen 68 Millionen Quadratkilometer; dies quillt uns aus der Geistes-, aus der Seelen-, aus der Herzenserkenntnis deutschen geistigen Wesens!

[ 104 ] Dieses Bewusstsein quillt uns als Angehörigen der 150 Millionen gegenüber den 777 Millionen, als stehend auf den 6 Millionen Quadratkilometern gegen 68 Millionen Quadratkilometer; dies quillt uns aus der Geistes-, aus der Seelen-, aus der Herzenserkenntnis deutschen geistigen Wesens!

[ 105 ] So lassen Sie uns aus der Erkenntnis selber und aus dem berechtigtsten Gefühl heraus das Wort aussprechen: Ja, indem wir unserer Wesenheit uns bewusst sind, dürfen wir glauben, dürfen wir hoffen, dass die Blüten und Früchte zu den Wurzeln und Blättern des deutschen Wesens sich in der Zukunft entfalten werden.

[ 105 ] So lassen Sie uns aus der Erkenntnis selber und aus dem berechtigtsten Gefühl heraus das Wort aussprechen: Ja, indem wir unserer Wesenheit uns bewusst sind, dürfen wir glauben, dürfen wir hoffen, dass die Blüten und Früchte zu den Wurzeln und Blättern des deutschen Wesens sich in der Zukunft entfalten werden.

[ 106 ] Daher dürfen wir zuversichtlich hinüberleben — auch aus der Tiefe des deutschen Strebens heraus —, zuversichtlich hinüberleben in die Zukunft dieses deutschen Volksgeistes.

[ 106 ] Daher dürfen wir zuversichtlich hinüberleben — auch aus der Tiefe des deutschen Strebens heraus —, zuversichtlich hinüberleben in die Zukunft dieses deutschen Volksgeistes.

[ 107 ] Und so möge es sein, weil es so sein muss!

[ 107 ] Und so möge es sein, weil es so sein muss!