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Ways to a Knowledge of the
Eternal Forces of the Human Soul
GA 70b

21 February 1916, Kassel

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11. Zur Deutschen Gedankenentwicklung. Ein vergessenes Streben nach Geisteswissenschaft Innerhalb Derselben

11. Zur Deutschen Gedankenentwicklung. Ein vergessenes Streben nach Geisteswissenschaft Innerhalb Derselben

Sehr verehrte Anwesende!

Sehr verehrte Anwesende!

[ 1 ] Schon im vorigen Jahre erlaubte ich mir, nicht wie in früheren Jahren, in denen ich hier in dieser Stadt über Gegenstände der Geisteswissenschaft sprechen durfte, im engeren Sinne über einen solchen geisteswissenschaftlichen Gegenstand eine Betrachtung anzustellen, sondern vielmehr über etwas, das zusammenhängt mit der geistigen Entwicklung des deutschen Volkes, das ja gegenwärtig in einer seiner allerallerbedeutsamsten Ereignisse in der Weltgeschichte gestellt ist vor weltgeschichtliche Tatsachen, die in der ganzen Entwicklungsgeschichte der neueren Zeit nicht ihresgleichen haben. Und so möge denn auch die Betrachtung dieses Abends, sehr verehrte Anwesende, einem solchen Gegenstand gewidmet sein, der Betrachtung einer gewissen Strömung deutschen Geisteslebens, von der ich aber nicht aus einem dunklen Gefühl heraus, sondern aus wirklicher geisteswissenschaftlicher Überzeugung heraus mir klar zu sein glaube, dass sie als im eigentlichsten, im ureigentlichsten Sinne deutsche Geistesentfaltung enthält, die Keime zu jener Geisteswissenschaft, wie sie immer gemeint war, wenn ich in früheren Jahren hier über sie sprechen durfte.

[ 1 ] Schon im vorigen Jahre erlaubte ich mir, nicht wie in früheren Jahren, in denen ich hier in dieser Stadt über Gegenstände der Geisteswissenschaft sprechen durfte, im engeren Sinne über einen solchen geisteswissenschaftlichen Gegenstand eine Betrachtung anzustellen, sondern vielmehr über etwas, das zusammenhängt mit der geistigen Entwicklung des deutschen Volkes, das ja gegenwärtig in einer seiner allerallerbedeutsamsten Ereignisse in der Weltgeschichte gestellt ist vor weltgeschichtliche Tatsachen, die in der ganzen Entwicklungsgeschichte der neueren Zeit nicht ihresgleichen haben. Und so möge denn auch die Betrachtung dieses Abends, sehr verehrte Anwesende, einem solchen Gegenstand gewidmet sein, der Betrachtung einer gewissen Strömung deutschen Geisteslebens, von der ich aber nicht aus einem dunklen Gefühl heraus, sondern aus wirklicher geisteswissenschaftlicher Überzeugung heraus mir klar zu sein glaube, dass sie als im eigentlichsten, im ureigentlichsten Sinne deutsche Geistesentfaltung enthält, die Keime zu jener Geisteswissenschaft, wie sie immer gemeint war, wenn ich in früheren Jahren hier über sie sprechen durfte.

[ 2 ] Diese Geisteswissenschaft will ja im besten Sinne des Wortes solch eine wirkliche Wissenschaft, eine wirkliche, echte Fortsetzung der naturwissenschaftlichen Weltanschauung, wie sie seit drei bis vier Jahrhunderten in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit angebrochen ist. Sie will als Geisteswissenschaft eindringen in das geistige Gebiet der Welt, so wie die Naturwissenschaft durch äußere Sinne und durch den an die äußeren Sinne gebundenen Verstand, an die äußere Leiblichkeit des Menschen gebundenen Verstand und ihre Beobachtungen, methodisch eindringen.

[ 2 ] Diese Geisteswissenschaft will ja im besten Sinne des Wortes solch eine wirkliche Wissenschaft, eine wirkliche, echte Fortsetzung der naturwissenschaftlichen Weltanschauung, wie sie seit drei bis vier Jahrhunderten in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit angebrochen ist. Sie will als Geisteswissenschaft eindringen in das geistige Gebiet der Welt, so wie die Naturwissenschaft durch äußere Sinne und durch den an die äußeren Sinne gebundenen Verstand, an die äußere Leiblichkeit des Menschen gebundenen Verstand und ihre Beobachtungen, methodisch eindringen.

[ 3 ] Geisteswissenschaft braucht allerdings zu ihrer Forschung eine gewisse Entwicklung der menschlichen Seele. Es ist notwendig zu dieser Forschung, dass dasjenige, was zu ihr führen kann, erst aus der menschlichen Seele heraus entwickelt werde. Gewissermaßen müssen — um die oft gebrauchten Goethe’schen Worte auch heute wieder anzuwenden — die geistigen Augen, die geistigen Ohren, die im Menschen selbst schlummern, erst aus der Menschenseele heraus erweckt werden, damit sie hineinschauen, hineinhören könne in die geistige Welt.

[ 3 ] Geisteswissenschaft braucht allerdings zu ihrer Forschung eine gewisse Entwicklung der menschlichen Seele. Es ist notwendig zu dieser Forschung, dass dasjenige, was zu ihr führen kann, erst aus der menschlichen Seele heraus entwickelt werde. Gewissermaßen müssen — um die oft gebrauchten Goethe’schen Worte auch heute wieder anzuwenden — die geistigen Augen, die geistigen Ohren, die im Menschen selbst schlummern, erst aus der Menschenseele heraus erweckt werden, damit sie hineinschauen, hineinhören könne in die geistige Welt.

[ 4 ] Nun könnte es aber allerdings von vorneherein scheinen, sehr verehrte Anwesende, als ob, wenn man von Wissenschaft spricht — und das ist ja die Meinung von manchem; mancher meint, dass man gar nicht das Recht habe, von etwas anderem als einem solchen zu sprechen, das allen Völkern gemeinschaftlich angehört. Es ist in gewissen Kreisen die Anschauung, dass man schon unwissenschaftlich denke, wenn man sich der Meinung hingibt, dass auch dasjenige, was wissenschaftliche Betrachtung der Welt ist, urständet in dem Wesen des Volkstums. Allein, so — ich möchte sagen — oberflächlich selbstverständlich diese Meinung ist, so ist sie eben doch nur oberflächlich, wenn es sich um tiefere Gegenstände der geistigen Wissenschaft handelt.

[ 4 ] Nun könnte es aber allerdings von vorneherein scheinen, sehr verehrte Anwesende, als ob, wenn man von Wissenschaft spricht — und das ist ja die Meinung von manchem; mancher meint, dass man gar nicht das Recht habe, von etwas anderem als einem solchen zu sprechen, das allen Völkern gemeinschaftlich angehört. Es ist in gewissen Kreisen die Anschauung, dass man schon unwissenschaftlich denke, wenn man sich der Meinung hingibt, dass auch dasjenige, was wissenschaftliche Betrachtung der Welt ist, urständet in dem Wesen des Volkstums. Allein, so — ich möchte sagen — oberflächlich selbstverständlich diese Meinung ist, so ist sie eben doch nur oberflächlich, wenn es sich um tiefere Gegenstände der geistigen Wissenschaft handelt.

[ 5 ] Gemeinschaftlich ist allen Völkern der Erde auch der Mond, aber wie unterscheiden sich die Gedanken, die Empfindungen, welche die einzelnen Völker an die Erlebnisse des Mondes geknüpft haben. Man könnte allerdings sagen: Das mag sich auf Dichtung beziehen. Allein, wenn es darauf ankommt, in die tieferen Geheimnisse der Welt einzudringen, dann sprechen mit die verschiedenen Anlagen, die bei den einzelnen Völkern in verschiedener Weise vorhanden sind. Und nach diesen verschiedenen Anlagen dringen die Menschen mehr oder weniger tief in die Geheimnisse des Daseins ein.

[ 5 ] Gemeinschaftlich ist allen Völkern der Erde auch der Mond, aber wie unterscheiden sich die Gedanken, die Empfindungen, welche die einzelnen Völker an die Erlebnisse des Mondes geknüpft haben. Man könnte allerdings sagen: Das mag sich auf Dichtung beziehen. Allein, wenn es darauf ankommt, in die tieferen Geheimnisse der Welt einzudringen, dann sprechen mit die verschiedenen Anlagen, die bei den einzelnen Völkern in verschiedener Weise vorhanden sind. Und nach diesen verschiedenen Anlagen dringen die Menschen mehr oder weniger tief in die Geheimnisse des Daseins ein.

[ 6 ] Der Deutsche hat nicht nötig, in den Ton zu verfallen, wenn er von der Bedeutung und dem Wert des deutschen Volkswesens für die Welt- und Menschheitsentwicklung spricht, wie das die Gegner Mitteleuropas gegenwärtig tun, indem sie unsere schicksaltragende Zeit dazu verwenden, nicht nur in möglichst hasserfüllter Weise deutsches Wesen zu verunglimpfen, sondern es geradezu zu verleumden. Der Deutsche kann ganz sachgemäß in dasjenige eindringen, das sich im Verlaufe seiner Geistesentwicklung ergeben hat. Und es wird sich zeigen, dass diese sachgemäße Betrachtung gerade dazu führt, nicht durch selbstsichere Überhebung, sondern durch Sprechenlassen der Tatsachen, deutsches Wesen, deutsches Geistesleben an den richtigen Platz in der Weltentwicklung der Menschheit zu stellen.

[ 6 ] Der Deutsche hat nicht nötig, in den Ton zu verfallen, wenn er von der Bedeutung und dem Wert des deutschen Volkswesens für die Welt- und Menschheitsentwicklung spricht, wie das die Gegner Mitteleuropas gegenwärtig tun, indem sie unsere schicksaltragende Zeit dazu verwenden, nicht nur in möglichst hasserfüllter Weise deutsches Wesen zu verunglimpfen, sondern es geradezu zu verleumden. Der Deutsche kann ganz sachgemäß in dasjenige eindringen, das sich im Verlaufe seiner Geistesentwicklung ergeben hat. Und es wird sich zeigen, dass diese sachgemäße Betrachtung gerade dazu führt, nicht durch selbstsichere Überhebung, sondern durch Sprechenlassen der Tatsachen, deutsches Wesen, deutsches Geistesleben an den richtigen Platz in der Weltentwicklung der Menschheit zu stellen.

[ 7 ] Wenn man die Ereignisse, die uns alle heute tief berühren, die so viele, so viele Opfer von der Menschheit fordern, die uns mit vielen bestimmten Hoffnungen und Zuversichten erfüllen, wenn man diese Ereignisse betrachtet, dann braucht es eigentlich nur zunächst — um eine Saite anzuschlagen, die immer wieder und wiederum klingen wird in der zukünftigen Geschichte der Menschheit —, dann braucht es eigentlich nur eine einzige Zahlen-Tatsache anzuführen: Es stehen heute um Mitteleuropa herum, in einer Reihe geschlossen, 777 Millionen Menschen, feindlich, gegen 150 Millionen. Die 777 Millionen Menschen haben wahrhaft keine Veranlassung, die Größe des Bodens, auf dem die anderen 150 Millionen wohnen in Mitteleuropa, ihnen zu neiden; denn 68 Millionen Quadratkilometer bewohnen die Menschen der sogenannten Entente, und nur 6 Millionen Quadratkilometer der Erde bewohnen die Menschen Mitteleuropas!

[ 7 ] Wenn man die Ereignisse, die uns alle heute tief berühren, die so viele, so viele Opfer von der Menschheit fordern, die uns mit vielen bestimmten Hoffnungen und Zuversichten erfüllen, wenn man diese Ereignisse betrachtet, dann braucht es eigentlich nur zunächst — um eine Saite anzuschlagen, die immer wieder und wiederum klingen wird in der zukünftigen Geschichte der Menschheit —, dann braucht es eigentlich nur eine einzige Zahlen-Tatsache anzuführen: Es stehen heute um Mitteleuropa herum, in einer Reihe geschlossen, 777 Millionen Menschen, feindlich, gegen 150 Millionen. Die 777 Millionen Menschen haben wahrhaft keine Veranlassung, die Größe des Bodens, auf dem die anderen 150 Millionen wohnen in Mitteleuropa, ihnen zu neiden; denn 68 Millionen Quadratkilometer bewohnen die Menschen der sogenannten Entente, und nur 6 Millionen Quadratkilometer der Erde bewohnen die Menschen Mitteleuropas!

[ 8 ] Aber gerade tonangebende Persönlichkeiten haben es immer wieder und wiederum zuwege gebracht, aus der Mitte der 777 Millionen heraus, auch die besten, die höchsten geistigen Erzeugnis der 150 Millionen zu schmähen und zu beleidigen.

[ 8 ] Aber gerade tonangebende Persönlichkeiten haben es immer wieder und wiederum zuwege gebracht, aus der Mitte der 777 Millionen heraus, auch die besten, die höchsten geistigen Erzeugnis der 150 Millionen zu schmähen und zu beleidigen.

[ 9 ] Da ist es gerade besonders angemessen, dass sich der Deutsche auf sein Geistesleben so besinnt, dass ihm erscheinen kann wie dieses Geistesleben wurzelt in der eigentlichen Keimkraft des Volkstums.

[ 9 ] Da ist es gerade besonders angemessen, dass sich der Deutsche auf sein Geistesleben so besinnt, dass ihm erscheinen kann wie dieses Geistesleben wurzelt in der eigentlichen Keimkraft des Volkstums.

[ 10 ] Und da, sehr verehrte Anwesende, werden wir immer wieder und wiederum, obwohl dies heute nur einleitungsweise erwähnt werden soll, immer wieder und wiederum auf die drei großen Gestalten gewiesen innerhalb der deutschen Weltanschauungsentwicklung, die heute leider — man darf sagen: leider — nicht mehr in der rechten, tiefen Weise betrachtet werden, deren Wesen aber dennoch fortlebt bis zum heutigen Tage, und deren Wesen wieder aufstehen will, [deren Wesen] zu den besten Einschlagskräften der deutschen Geisteskultur in der Zukunft gehören müssen. Auf drei Gestalten wird man gewiesen: Johann Gottlieb Fichte, Schelling, Hegel, jene Persönlichkeiten der deutschen Weltanschauungsentwicklung, welche versuchten, das deutsche Volk in der Zeit auf den Schauplatz der Gedankenentwicklung, der höchsten, reinsten Ausgestaltung der Gedankenentwicklung zu heben, in der Zeit, in der aus der Tiefe dieses Volkslebens heraus Geister wie Lessing, Herder, Goethe, Schiller und die andern alle, die zu ihnen gehören, so gewirkt haben, dass dasjenige, was von ihnen gekommen ist nach der griechischen Geistesblüte der Menschheit, eine Zeit höchster geistiger Blütezeit der Menschheit für jeden Unbefangenen bedeutet.

[ 10 ] Und da, sehr verehrte Anwesende, werden wir immer wieder und wiederum, obwohl dies heute nur einleitungsweise erwähnt werden soll, immer wieder und wiederum auf die drei großen Gestalten gewiesen innerhalb der deutschen Weltanschauungsentwicklung, die heute leider — man darf sagen: leider — nicht mehr in der rechten, tiefen Weise betrachtet werden, deren Wesen aber dennoch fortlebt bis zum heutigen Tage, und deren Wesen wieder aufstehen will, [deren Wesen] zu den besten Einschlagskräften der deutschen Geisteskultur in der Zukunft gehören müssen. Auf drei Gestalten wird man gewiesen: Johann Gottlieb Fichte, Schelling, Hegel, jene Persönlichkeiten der deutschen Weltanschauungsentwicklung, welche versuchten, das deutsche Volk in der Zeit auf den Schauplatz der Gedankenentwicklung, der höchsten, reinsten Ausgestaltung der Gedankenentwicklung zu heben, in der Zeit, in der aus der Tiefe dieses Volkslebens heraus Geister wie Lessing, Herder, Goethe, Schiller und die andern alle, die zu ihnen gehören, so gewirkt haben, dass dasjenige, was von ihnen gekommen ist nach der griechischen Geistesblüte der Menschheit, eine Zeit höchster geistiger Blütezeit der Menschheit für jeden Unbefangenen bedeutet.

[ 11 ] Und wie steht zunächst vor dem Geistesauge des Menschen Johann Gottlieb Fichte? Dasjenige, was in seiner Seele lebte als Empfinden, ließ ihm, den man einen der deutschesten Männer nennen kann, ließ ihm seine Weltanschauung als etwas erscheinen, das er dadurch erlangt habe, dass er unmittelbar in einsamem Seelenleben etwas gehabt habe wie eine Art Zwiegespräch mit dem deutschen Volksgeist selber.

[ 11 ] Und wie steht zunächst vor dem Geistesauge des Menschen Johann Gottlieb Fichte? Dasjenige, was in seiner Seele lebte als Empfinden, ließ ihm, den man einen der deutschesten Männer nennen kann, ließ ihm seine Weltanschauung als etwas erscheinen, das er dadurch erlangt habe, dass er unmittelbar in einsamem Seelenleben etwas gehabt habe wie eine Art Zwiegespräch mit dem deutschen Volksgeist selber.

[ 12 ] Diese Stimmung der Seele kam ja zum Vorschein, als er seine gewaltigen «Reden an die deutsche Nation» hielt, welche alle Kraft und alle Entwicklungsmöglichkeiten des deutschen Volkstums offenbaren wollten, um einen Einschlag zu geben der weiteren Entwicklung der «Deutschheit», wie Fichte selber sich ausdrückte.

[ 12 ] Diese Stimmung der Seele kam ja zum Vorschein, als er seine gewaltigen «Reden an die deutsche Nation» hielt, welche alle Kraft und alle Entwicklungsmöglichkeiten des deutschen Volkstums offenbaren wollten, um einen Einschlag zu geben der weiteren Entwicklung der «Deutschheit», wie Fichte selber sich ausdrückte.

[ 13 ] Aber was ist das Wesen dieses Strebens Johann Gottlieb Fichtes? Man darf sagen: Alles dasjenige, was schon seit Jahrhunderten im besten Sinne aus dem Mittelpunkt der deutschen Seele erstrebt worden ist — in einer kraftvollsten Weise tritt es wiederum bei Fichte auf. So tritt es auf, dass Fichte ein durchleuchtetes Weltbild, ein energisches Verständnis der Welt dadurch gewinnen wollte. Dasjenige, was Fichte erstrebte, war, in die menschliche Seele unterzutauchen, ihre tiefsten Kräfte innerlich zu erleben, so zu erleben, dass in diesem Erleben zugleich dasjenige von der einzelnen Menschenseele miterlebt wird, was die Welt im Ganzen durchlebt und durchwirkt als geistige, weltenschöpferische Wesenheit. [Dasjenige, was Fichte erstrebte, war,] die geistige, weltenschöpferische Wesenheit in der eigenen Seele so zu erleben, dass der Mensch, indem er die eigenen Seelenkräfte entfaltet, miterlebt, was im Innersten der Welt wirkt und lebt und west. Das war es, was Fichte wollte: Den Geist der Welt, [ihn] in der eigenen Seele anwesend sein lassend, mitzuerleben.

[ 13 ] Aber was ist das Wesen dieses Strebens Johann Gottlieb Fichtes? Man darf sagen: Alles dasjenige, was schon seit Jahrhunderten im besten Sinne aus dem Mittelpunkt der deutschen Seele erstrebt worden ist — in einer kraftvollsten Weise tritt es wiederum bei Fichte auf. So tritt es auf, dass Fichte ein durchleuchtetes Weltbild, ein energisches Verständnis der Welt dadurch gewinnen wollte. Dasjenige, was Fichte erstrebte, war, in die menschliche Seele unterzutauchen, ihre tiefsten Kräfte innerlich zu erleben, so zu erleben, dass in diesem Erleben zugleich dasjenige von der einzelnen Menschenseele miterlebt wird, was die Welt im Ganzen durchlebt und durchwirkt als geistige, weltenschöpferische Wesenheit. [Dasjenige, was Fichte erstrebte, war,] die geistige, weltenschöpferische Wesenheit in der eigenen Seele so zu erleben, dass der Mensch, indem er die eigenen Seelenkräfte entfaltet, miterlebt, was im Innersten der Welt wirkt und lebt und west. Das war es, was Fichte wollte: Den Geist der Welt, [ihn] in der eigenen Seele anwesend sein lassend, mitzuerleben.

[ 14 ] Das war ihm der wahre Sinn des Wortes «Erkenntnis». Das war ihm auch der Inhalt aller für den Menschen erstrebenswerten Wahrheit — der Wahrheit, die für ihn war der unmittelbare Ausdruck der göttlichen Geistigkeit, die die Welt durchlebt, dass die Erkenntnis eben als Wahrheit durchflutet die menschliche Seele, sodass diese menschliche Seele sie ergreifen kann im innerlichen, kraftvollen Erleben. Dadurch aber fühlte Fichte so etwas, wie wenn die ganze Welt durchpulst und durchlebt und durchwebt wäre von dem Willen der Welt, von dem göttlichen Willen der Welt.

[ 14 ] Das war ihm der wahre Sinn des Wortes «Erkenntnis». Das war ihm auch der Inhalt aller für den Menschen erstrebenswerten Wahrheit — der Wahrheit, die für ihn war der unmittelbare Ausdruck der göttlichen Geistigkeit, die die Welt durchlebt, dass die Erkenntnis eben als Wahrheit durchflutet die menschliche Seele, sodass diese menschliche Seele sie ergreifen kann im innerlichen, kraftvollen Erleben. Dadurch aber fühlte Fichte so etwas, wie wenn die ganze Welt durchpulst und durchlebt und durchwebt wäre von dem Willen der Welt, von dem göttlichen Willen der Welt.

[ 15 ] Und indem der Mensch sich in seinem Innersten erfasst, indem er im eigentlichsten Sinne ein Ich-bewusstes Wesen wird, ersteht innerhalb dieses Ichs ein Abdruck, eine Offenbarung des die Welt durchpulsenden Weltenwillens, der ganz und gar durchtränkt ist von dem, was Fichte die «Pflichten» nennt; jene Pflichten, die sich niemals für einen offenbaren könnten aus einer bloß stofflichen Welt, die hereindringen aus der Welt des Geistigen in die Menschenseele, [die] den Menschheitswillen erfassen; sodass die äußere sinnliche, die stoffliche Welt für Fichte wird dasjenige, was wie das Stofflich-Physische sich ausbreitet vor uns, um den pflichtgetragenen Willen und die willensdurchtränkte Pflicht an irgendetwas ausleben zu können.

[ 15 ] Und indem der Mensch sich in seinem Innersten erfasst, indem er im eigentlichsten Sinne ein Ich-bewusstes Wesen wird, ersteht innerhalb dieses Ichs ein Abdruck, eine Offenbarung des die Welt durchpulsenden Weltenwillens, der ganz und gar durchtränkt ist von dem, was Fichte die «Pflichten» nennt; jene Pflichten, die sich niemals für einen offenbaren könnten aus einer bloß stofflichen Welt, die hereindringen aus der Welt des Geistigen in die Menschenseele, [die] den Menschheitswillen erfassen; sodass die äußere sinnliche, die stoffliche Welt für Fichte wird dasjenige, was wie das Stofflich-Physische sich ausbreitet vor uns, um den pflichtgetragenen Willen und die willensdurchtränkte Pflicht an irgendetwas ausleben zu können.

[ 16 ] Nicht dass Fichte seine Betrachtungsweise abgelenkt hätte von der äußeren Sinneswelt, nicht als ob er in eine einseitige sinnesfreie Welt hätte flüchten wollen! So ist es nicht; aber so ist es, dass alles dasjenige, was die Augen äußerlich sehen, die Hände greifen können, für Fichte wurde das Werkzeug, das Mittel des Geistes, damit der Geist sich darstellen könne, [damit] der Pflicht-durchwirkte Geist, die Pflicht, die der Mensch in der Seele erfassen kann, sich darstellen könne an einer äußeren Stofflichkeit: eine Weltanschauung, welche im ureigensten Sinne von Fichte selber als eine Weltanschauung angesehen wird.

[ 16 ] Nicht dass Fichte seine Betrachtungsweise abgelenkt hätte von der äußeren Sinneswelt, nicht als ob er in eine einseitige sinnesfreie Welt hätte flüchten wollen! So ist es nicht; aber so ist es, dass alles dasjenige, was die Augen äußerlich sehen, die Hände greifen können, für Fichte wurde das Werkzeug, das Mittel des Geistes, damit der Geist sich darstellen könne, [damit] der Pflicht-durchwirkte Geist, die Pflicht, die der Mensch in der Seele erfassen kann, sich darstellen könne an einer äußeren Stofflichkeit: eine Weltanschauung, welche im ureigensten Sinne von Fichte selber als eine Weltanschauung angesehen wird.

[ 17 ] Man darf ja sagen, sehr verehrte Anwesende, indem man dabei ganz sachlich bleibt: Nichts steht so einem andern, könnte man bemerken, gegenüber, wie dieses Fichte’sche Weltbild etwa, sagen wir, gegenübersteht dem aus französisch-romanischem Geist heraus geborenen Weltenbild, wie es etwa einer der größten französischen Philosophen, Cartesius oder Descartes, im Anfange des siebzehnten Jahrhunderts wie eine Verkörperung des französischen Geistes selbst — eine philosophische Verkörperung — hingezeichnet hat. Descartes, der Franzose, der Franzose, der so recht — wie Fichte aus deutschem so — aus französischem Volkstum herausschöpft und schafft, Descartes geht aus davon, wie der Mensch sich fremd fühlt der äußeren Welt gegenüber, wie der Mensch ausgehen müsse in seiner Seele von dem Zweifel. Zweifel in dem Sinne, wie Descartes es meint, kann es für Fichte nicht geben; denn sein Erkennen ist ein unmittelbares Miterleben desjenigen, was durch die Welt webt und west. Fichte stellt sich nicht außerhalb des Geistes der Welt, indem er erkennt, sondern innerlich sucht er sich mit dem Geist zu einen.

[ 17 ] Man darf ja sagen, sehr verehrte Anwesende, indem man dabei ganz sachlich bleibt: Nichts steht so einem andern, könnte man bemerken, gegenüber, wie dieses Fichte’sche Weltbild etwa, sagen wir, gegenübersteht dem aus französisch-romanischem Geist heraus geborenen Weltenbild, wie es etwa einer der größten französischen Philosophen, Cartesius oder Descartes, im Anfange des siebzehnten Jahrhunderts wie eine Verkörperung des französischen Geistes selbst — eine philosophische Verkörperung — hingezeichnet hat. Descartes, der Franzose, der Franzose, der so recht — wie Fichte aus deutschem so — aus französischem Volkstum herausschöpft und schafft, Descartes geht aus davon, wie der Mensch sich fremd fühlt der äußeren Welt gegenüber, wie der Mensch ausgehen müsse in seiner Seele von dem Zweifel. Zweifel in dem Sinne, wie Descartes es meint, kann es für Fichte nicht geben; denn sein Erkennen ist ein unmittelbares Miterleben desjenigen, was durch die Welt webt und west. Fichte stellt sich nicht außerhalb des Geistes der Welt, indem er erkennt, sondern innerlich sucht er sich mit dem Geist zu einen.

[ 18 ] Als bloße Beobachtung, als äußerlich beobachtend, steht Descartes gegenüber der Welt. Was für ein Weltenbild geht daraus hervor? Man braucht nur eines zu nennen, was wie eine Folge des französischen Descartes’schen Weltenbildes dasteht. Wie gesagt, man braucht wirklich nicht nationale Einseitigkeiten zu entwickeln, sondern man kann sachlich bleiben, wenn man dies sagt. Was geht aus dem Descartes’schen Weltbild hervor als eine Folge? Nun, man braucht eben nur das eine zu nennen, dass Descartes durch sein Streben, das ausgeht auch von dem Selbstbewusstsein, aber von dem bloß verständigen, verstandesgemäßen Selbstbewusstsein, nicht von dem lebendigen Innenleben, wie Fichtes Selbstbewusstsein — dieses Descartes’sche Weltenbild stellt sich die Welt so vor wie eine große Maschine, wie einen mächtigen Mechanismus. Und die Tiere selbst sind für Descartes bewegte Maschinen, unbeseelte, bewegte Maschinen.

[ 18 ] Als bloße Beobachtung, als äußerlich beobachtend, steht Descartes gegenüber der Welt. Was für ein Weltenbild geht daraus hervor? Man braucht nur eines zu nennen, was wie eine Folge des französischen Descartes’schen Weltenbildes dasteht. Wie gesagt, man braucht wirklich nicht nationale Einseitigkeiten zu entwickeln, sondern man kann sachlich bleiben, wenn man dies sagt. Was geht aus dem Descartes’schen Weltbild hervor als eine Folge? Nun, man braucht eben nur das eine zu nennen, dass Descartes durch sein Streben, das ausgeht auch von dem Selbstbewusstsein, aber von dem bloß verständigen, verstandesgemäßen Selbstbewusstsein, nicht von dem lebendigen Innenleben, wie Fichtes Selbstbewusstsein — dieses Descartes’sche Weltenbild stellt sich die Welt so vor wie eine große Maschine, wie einen mächtigen Mechanismus. Und die Tiere selbst sind für Descartes bewegte Maschinen, unbeseelte, bewegte Maschinen.

[ 19 ] Alles dasjenige, was sich als Mechanismus in der späteren Zeit entwickelt, als mechanistisches Weltenbild, was auch andere Völker von Frankreich aus ergriffen hat, das führt im Grunde genommen auf diesen Descartes’schen Ausgangspunkt zurück.

[ 19 ] Alles dasjenige, was sich als Mechanismus in der späteren Zeit entwickelt, als mechanistisches Weltenbild, was auch andere Völker von Frankreich aus ergriffen hat, das führt im Grunde genommen auf diesen Descartes’schen Ausgangspunkt zurück.

[ 20 ] Man braucht nur den Gegensatz sich vor das geistige Auge zu halten: Dort der romanische Philosoph, der die Welt zur Maschine macht; da Johann Gottlieb Fichte, der aus dem deutschen Volkstum heraus die Seele selber ausgießen will über die ganze Welt, damit diese Seele miterleben kann alles Seelische, alles vom Willen durchpulste der Welt — und man hat etwas Wichtiges ausgedrückt über das Verhältnis des deutschen Volksgeistes zu seinem westlichen Nachbar.

[ 20 ] Man braucht nur den Gegensatz sich vor das geistige Auge zu halten: Dort der romanische Philosoph, der die Welt zur Maschine macht; da Johann Gottlieb Fichte, der aus dem deutschen Volkstum heraus die Seele selber ausgießen will über die ganze Welt, damit diese Seele miterleben kann alles Seelische, alles vom Willen durchpulste der Welt — und man hat etwas Wichtiges ausgedrückt über das Verhältnis des deutschen Volksgeistes zu seinem westlichen Nachbar.

[ 21 ] Diese Descartes’sche Weltanschauung hat ja dann — ich möchte sagen — materialistische Blüten nach materialistischen Blüten getrieben. Wir sehen, wie am Ende des achtzehnten Jahrhunderts entsteht das Weltenbild, das Goethe von Frankreich her entgegengetreten ist, und von dem Goethe aus seinem deutschen Bewusstsein heraus sagte: Ach, wie trostlos, wie öde! Da macht uns der Philosoph vor, wie sich Atome hinüberbewegen, stoßen, gegenseitig drängen — ein Mechanismus! Und das alles soll die reiche Fülle der Welt erklären, in der wir leben?

[ 21 ] Diese Descartes’sche Weltanschauung hat ja dann — ich möchte sagen — materialistische Blüten nach materialistischen Blüten getrieben. Wir sehen, wie am Ende des achtzehnten Jahrhunderts entsteht das Weltenbild, das Goethe von Frankreich her entgegengetreten ist, und von dem Goethe aus seinem deutschen Bewusstsein heraus sagte: Ach, wie trostlos, wie öde! Da macht uns der Philosoph vor, wie sich Atome hinüberbewegen, stoßen, gegenseitig drängen — ein Mechanismus! Und das alles soll die reiche Fülle der Welt erklären, in der wir leben?

[ 22 ] Man darf schon sagen — wiederum ganz sachlich: Aus der Fülle und Lebendigkeit des deutschen Geistes wendete sich Goethe von diesem bloß mechanistischen Weltbild ab, das ja dann in de La Mettries «Der Mensch eine Maschine» am Ende des achtzehnten Jahrhunderts eine Blüte getrieben hat, die geradezu das Entzücken sein kann aller derjenigen, die eine Weltanschauung sich aufbauen wollen nach oberflächlicher Nichtigkeit, nach jener Nichtigkeit, die im Grunde genommen ganz zufrieden wäre, wenn es keine menschliche Seele gäbe, sondern wenn wie ein Phonograf der menschliche mechanische Denkapparat abschnurrte dasjenige, was der Mensch über die Welt zu sagen hat. Und bis ins neunzehnte Jahrhundert herein hat sich dieses Weltenbild dann weiter entfaltet.

[ 22 ] Man darf schon sagen — wiederum ganz sachlich: Aus der Fülle und Lebendigkeit des deutschen Geistes wendete sich Goethe von diesem bloß mechanistischen Weltbild ab, das ja dann in de La Mettries «Der Mensch eine Maschine» am Ende des achtzehnten Jahrhunderts eine Blüte getrieben hat, die geradezu das Entzücken sein kann aller derjenigen, die eine Weltanschauung sich aufbauen wollen nach oberflächlicher Nichtigkeit, nach jener Nichtigkeit, die im Grunde genommen ganz zufrieden wäre, wenn es keine menschliche Seele gäbe, sondern wenn wie ein Phonograf der menschliche mechanische Denkapparat abschnurrte dasjenige, was der Mensch über die Welt zu sagen hat. Und bis ins neunzehnte Jahrhundert herein hat sich dieses Weltenbild dann weiter entfaltet.

[ 23 ] Wir sehen es in [Lücke in der Mitschrift], wir sehen es aber auch in einem solchen Geiste, wie — ja, er heißt heute noch immer nicht französisch, sondern er heißt immer noch Bergson — wie in Bergson, der das Schmählichste gefunden hat, immer wieder und wiederum dasjenige, was aus deutscher Seele quillt als ein Weltenbild, zu schmähen und zu verleumden. Man möchte sagen: Weil er nichts anderes sehen kann in einem Weltenbild, das lebendig ist, das von innerem Leben erfüllt ist, glaube er es schmähen zu dürfen, schmäht dieses deutsche Weltbild als ein solches, das zeige — so erzählt er in seinen Papieren immer wiederum — wie der Deutsche von seiner Höhe am Ende des achtzehnten und am Beginne des neunzehnten Jahrhunderts herabgestiegen und ganz und gar ausgeartet ist in ein mechanistisches Weltengetriebe.

[ 23 ] Wir sehen es in [Lücke in der Mitschrift], wir sehen es aber auch in einem solchen Geiste, wie — ja, er heißt heute noch immer nicht französisch, sondern er heißt immer noch Bergson — wie in Bergson, der das Schmählichste gefunden hat, immer wieder und wiederum dasjenige, was aus deutscher Seele quillt als ein Weltenbild, zu schmähen und zu verleumden. Man möchte sagen: Weil er nichts anderes sehen kann in einem Weltenbild, das lebendig ist, das von innerem Leben erfüllt ist, glaube er es schmähen zu dürfen, schmäht dieses deutsche Weltbild als ein solches, das zeige — so erzählt er in seinen Papieren immer wiederum — wie der Deutsche von seiner Höhe am Ende des achtzehnten und am Beginne des neunzehnten Jahrhunderts herabgestiegen und ganz und gar ausgeartet ist in ein mechanistisches Weltengetriebe.

[ 24 ] Nur schade, dass dieser in Frankreich so viel gefeierte Bergson nicht nur ein Weltenbild gezeichnet hat — ich habe es ausführlich ausgeführt nicht nur in meinem schon vor dem Kriege geschriebenen Buch «Die Rätsel der Philosophie» —, nicht nur ein Weltenbild gezeichnet hat, das viel kraftvoller, viel, eindringlicher von einem allerdings wenig genannten und wenig bekannt gewordenen deutschen Geist, Preuss, dem deutschen Denker, zum Beispiel in seinem Buche «Geist und Stoff» 1882 [dargestellt worden ist] — wovon Bergson entweder nichts weiß, was ein ebenso großer Fehler ist, oder nichts wissen will —, aber nicht nur dies, sondern es hat sich auch herausgestellt, dass ganze Seiten in den so gerühmten Schriften von Bergson einfach abgeschrieben sind von Schelling oder von Schopenhauer! — Auch eine Art, sich zum Geistesleben Mitteleuropas zu stellen!

[ 24 ] Nur schade, dass dieser in Frankreich so viel gefeierte Bergson nicht nur ein Weltenbild gezeichnet hat — ich habe es ausführlich ausgeführt nicht nur in meinem schon vor dem Kriege geschriebenen Buch «Die Rätsel der Philosophie» —, nicht nur ein Weltenbild gezeichnet hat, das viel kraftvoller, viel, eindringlicher von einem allerdings wenig genannten und wenig bekannt gewordenen deutschen Geist, Preuss, dem deutschen Denker, zum Beispiel in seinem Buche «Geist und Stoff» 1882 [dargestellt worden ist] — wovon Bergson entweder nichts weiß, was ein ebenso großer Fehler ist, oder nichts wissen will —, aber nicht nur dies, sondern es hat sich auch herausgestellt, dass ganze Seiten in den so gerühmten Schriften von Bergson einfach abgeschrieben sind von Schelling oder von Schopenhauer! — Auch eine Art, sich zum Geistesleben Mitteleuropas zu stellen!

[ 25 ] Diesem Geistesleben steht dasjenige Fichtes gegenüber, ein Geistesleben, welches nicht will die Welt als eine tote begreifen, sondern welches will die Welt begreifen als ein Geist-Lebendiges, bis in die kleinsten Teile hinein, und für welche Erkenntnis nichts anderes ist als: Erleben dieser geistigen Lebendigkeit der Weltsecle. Ebenso wie dem französischen Weltenbilde, steht Fichte mit seinem energischen Ergreifen des menschlichen Ichs, in dem er die Welt miterleben will, dem im eigentlichen Sinne englischen Weltenbild gegenüber, jenem englischen Weltenbild, das seinen Ausgangspunkt genommen hat von Baco von Verulam, und welches, man könnte sagen, seine abstoßenden Seiten, seine abstoßenden Einseitigkeiten gefunden hat gerade in dem neuesten Weltenbilde, das das englische Geistesleben hervorgebracht hat in dem sogenannten Pragmatismus — bei Baco von Verulam. Wie zum Beispiel Goethe sehr tiefsinnig bemerkt, sieht man überall, wie [Baco von Verulam] das Geistesleben eigentlich so betrachtet, dass dasjenige, was in dem menschlichen Geist sonst als Wahrheit [lebt], eigentlich nur dazu da sei, die Mannigfaltigkeit der äußeren Stoffe und Kräfte der Welt, die mit Augen gesehen, mit Händen ergriffen werden können, zusammenzufassen und zu bilden, wiederum auseinanderzulegen und dergleichen. Ein Mittel, um die äußere physische Welt zu beherrschen, ist der Philosophie, die auf Baco von Verulam begründet ist, alles im Grunde genommen, was man als Philosophie bezeichnen könnte. Und bis herauf in unsere Tage hat sich dieser Sinn erhalten.

[ 25 ] Diesem Geistesleben steht dasjenige Fichtes gegenüber, ein Geistesleben, welches nicht will die Welt als eine tote begreifen, sondern welches will die Welt begreifen als ein Geist-Lebendiges, bis in die kleinsten Teile hinein, und für welche Erkenntnis nichts anderes ist als: Erleben dieser geistigen Lebendigkeit der Weltsecle. Ebenso wie dem französischen Weltenbilde, steht Fichte mit seinem energischen Ergreifen des menschlichen Ichs, in dem er die Welt miterleben will, dem im eigentlichen Sinne englischen Weltenbild gegenüber, jenem englischen Weltenbild, das seinen Ausgangspunkt genommen hat von Baco von Verulam, und welches, man könnte sagen, seine abstoßenden Seiten, seine abstoßenden Einseitigkeiten gefunden hat gerade in dem neuesten Weltenbilde, das das englische Geistesleben hervorgebracht hat in dem sogenannten Pragmatismus — bei Baco von Verulam. Wie zum Beispiel Goethe sehr tiefsinnig bemerkt, sieht man überall, wie [Baco von Verulam] das Geistesleben eigentlich so betrachtet, dass dasjenige, was in dem menschlichen Geist sonst als Wahrheit [lebt], eigentlich nur dazu da sei, die Mannigfaltigkeit der äußeren Stoffe und Kräfte der Welt, die mit Augen gesehen, mit Händen ergriffen werden können, zusammenzufassen und zu bilden, wiederum auseinanderzulegen und dergleichen. Ein Mittel, um die äußere physische Welt zu beherrschen, ist der Philosophie, die auf Baco von Verulam begründet ist, alles im Grunde genommen, was man als Philosophie bezeichnen könnte. Und bis herauf in unsere Tage hat sich dieser Sinn erhalten.

[ 26 ] Was tritt denn eigentlich als Pragmatismus auf? Als Pragmatismus tritt innerhalb des englischen Geisteslebens etwas höchst Eigentümliches auf — Schiller, James und andere Vertreter dieses Pragmatismus — für diese Vertreter des Pragmatismus, für diese Pragmatisten ist Wahrheit nicht etwas, das der Mensch innerlich erlebt wie ein Götter- oder Geisterabbild, etwas, was — wie im Fichte’schen Sinne hereinfällt in die Menschenseele aus dem die Welt durchpulsenden, durchlebenden, durchwebenden Geist —, sondern die Wahrheit ist im Sinne dieses Pragmatismus eigentlich nur etwas, das der Mensch sich ausdenkt, um in der Mannigfaltigkeit der äußeren Erscheinungen eine Richtung zu haben.

[ 26 ] Was tritt denn eigentlich als Pragmatismus auf? Als Pragmatismus tritt innerhalb des englischen Geisteslebens etwas höchst Eigentümliches auf — Schiller, James und andere Vertreter dieses Pragmatismus — für diese Vertreter des Pragmatismus, für diese Pragmatisten ist Wahrheit nicht etwas, das der Mensch innerlich erlebt wie ein Götter- oder Geisterabbild, etwas, was — wie im Fichte’schen Sinne hereinfällt in die Menschenseele aus dem die Welt durchpulsenden, durchlebenden, durchwebenden Geist —, sondern die Wahrheit ist im Sinne dieses Pragmatismus eigentlich nur etwas, das der Mensch sich ausdenkt, um in der Mannigfaltigkeit der äußeren Erscheinungen eine Richtung zu haben.

[ 27 ] Seele zum Beispiel — dieser Begriff «Seele», dieser Einheitsbegriff Seele — man kann die Seele ja nicht sehen: Was ist er denn dem Pragmatismus eigentlich? Der Einheitsbegriff Seele, der Einheitsbegriff des Ichs, des Selbstbewusstseins — dem Pragmatismus ist er nichts anderes als ein Mittel, um die Mannigfaltigkeiten des Seelenlebens und seiner Äußerungen im Leibe zusammenzuhalten, dass sie einem in der Betrachtung nicht auseinanderfallen; damit man gleichsam Klammern und Binden hat. Für das äußere Stoffliche macht man sich Begriffe. Wie weit steht das ab von der aus der Tiefe der Seele heraus geschöpften Fichte’schen Weltanschauung, für die der Geist das allerursprünglichste der Welt und Wirklichkeit ist, der Geist, der hereinflutet in das einzelne menschliche Seelenleben. Und indem der Mensch verspürt dieses Hereinfluten, weiß er sich eins selber mit dem Geist der Welt. Und dann wird ihm das Äußere zu einem — wie Fichte sich ausgedrückt hat — Felde, damit der Geist sich auf diesem Felde entfalten kann. Genau das Entgegengesetzte!

[ 27 ] Seele zum Beispiel — dieser Begriff «Seele», dieser Einheitsbegriff Seele — man kann die Seele ja nicht sehen: Was ist er denn dem Pragmatismus eigentlich? Der Einheitsbegriff Seele, der Einheitsbegriff des Ichs, des Selbstbewusstseins — dem Pragmatismus ist er nichts anderes als ein Mittel, um die Mannigfaltigkeiten des Seelenlebens und seiner Äußerungen im Leibe zusammenzuhalten, dass sie einem in der Betrachtung nicht auseinanderfallen; damit man gleichsam Klammern und Binden hat. Für das äußere Stoffliche macht man sich Begriffe. Wie weit steht das ab von der aus der Tiefe der Seele heraus geschöpften Fichte’schen Weltanschauung, für die der Geist das allerursprünglichste der Welt und Wirklichkeit ist, der Geist, der hereinflutet in das einzelne menschliche Seelenleben. Und indem der Mensch verspürt dieses Hereinfluten, weiß er sich eins selber mit dem Geist der Welt. Und dann wird ihm das Äußere zu einem — wie Fichte sich ausgedrückt hat — Felde, damit der Geist sich auf diesem Felde entfalten kann. Genau das Entgegengesetzte!

[ 28 ] Hier bei Fichte: Der Geist das Oberste, das eigentlich Wirkliche, das höchste Lebendige, um dessentwillen die äußere Sinneswelt da ist, damit der Geist sein Ausdrucksmittel in ihr finden kann. Dort: Der Geist zu nichts anderem fähig, als Bindemittel und Klammern in seinen Begriffen und Ideen zu schaffen, damit er — was die Hauptsache ist — diese Begriffe in den Nutzen der äußerlich stofflichen Wirklichkeit stellen könne, und sich zuletzt finden könne in der äußeren stofflichen Wirklichkeit.

[ 28 ] Hier bei Fichte: Der Geist das Oberste, das eigentlich Wirkliche, das höchste Lebendige, um dessentwillen die äußere Sinneswelt da ist, damit der Geist sein Ausdrucksmittel in ihr finden kann. Dort: Der Geist zu nichts anderem fähig, als Bindemittel und Klammern in seinen Begriffen und Ideen zu schaffen, damit er — was die Hauptsache ist — diese Begriffe in den Nutzen der äußerlich stofflichen Wirklichkeit stellen könne, und sich zuletzt finden könne in der äußeren stofflichen Wirklichkeit.

[ 29 ] Es ist schon nötig, sehr verehrte Anwesende, die Zusammenhänge gerade in diesem Lichte zu betrachten. Nur dadurch kommt der Deutsche zu einer wirklichen, lichtvollen Erkenntnis desjenigen, was in der Tiefe seines Volkstums sich eigentlich abspielt.

[ 29 ] Es ist schon nötig, sehr verehrte Anwesende, die Zusammenhänge gerade in diesem Lichte zu betrachten. Nur dadurch kommt der Deutsche zu einer wirklichen, lichtvollen Erkenntnis desjenigen, was in der Tiefe seines Volkstums sich eigentlich abspielt.

[ 30 ] Dann hat Fichte in einer der schwersten Zeiten der deutschen Entwicklung versucht, dasjenige, was sich ihm als Bewusstseinskraft ergab aus dieser ihm im innerlichen Willensleben zusammenhängenden Seelenkraft, das hat er — um anzuspornen, um zu erkraften, um zu erkräftigen sein Volk — als seine «Reden an die deutsche Nation» ausgesprochen, dass der wahre Weltanschauungsmensch nicht bloß in weltfremden Betrachtungen lebt, sondern dass diese Betrachtungen unmittelbar eingreifen können in dasjenige, was die Zeit fordert und was die Menschheit — ich möchte sagen — [in der Tat] braucht, um in der Seele erkraftet und erstarkt zu werden.

[ 30 ] Dann hat Fichte in einer der schwersten Zeiten der deutschen Entwicklung versucht, dasjenige, was sich ihm als Bewusstseinskraft ergab aus dieser ihm im innerlichen Willensleben zusammenhängenden Seelenkraft, das hat er — um anzuspornen, um zu erkraften, um zu erkräftigen sein Volk — als seine «Reden an die deutsche Nation» ausgesprochen, dass der wahre Weltanschauungsmensch nicht bloß in weltfremden Betrachtungen lebt, sondern dass diese Betrachtungen unmittelbar eingreifen können in dasjenige, was die Zeit fordert und was die Menschheit — ich möchte sagen — [in der Tat] braucht, um in der Seele erkraftet und erstarkt zu werden.

[ 31 ] Und eine zweite Persönlichkeit tritt [uns] im geeigneten Augenblick neben Fichte entgegen — die zweite Persönlichkeit, welche nicht minder versuchte, das Innerste der Welt mit der eigenen Seele zu ergreifen. Mit Einsetzung ihrer ganzen Persönlichkeit suchten diese Geister dieses Ergreifen des ganzen, großen Weltengeistes mit der eigenen Seele.

[ 31 ] Und eine zweite Persönlichkeit tritt [uns] im geeigneten Augenblick neben Fichte entgegen — die zweite Persönlichkeit, welche nicht minder versuchte, das Innerste der Welt mit der eigenen Seele zu ergreifen. Mit Einsetzung ihrer ganzen Persönlichkeit suchten diese Geister dieses Ergreifen des ganzen, großen Weltengeistes mit der eigenen Seele.

[ 32 ] Bei Fichte brauchte ich Ihnen wohl nur ein paar Züge aus seinem Leben zu erzählen, damit Sie sehen können, wie wirklich dasjenige, was er erlebte — ich möchte sagen — auf den eisigen Höhen der Gedanken, die aber bei ihm von rein menschlicher Wärme durchströmt waren, wie das mit seiner Persönlichkeit, mit seinem unmittelbaren menschlichen Wesen zusammenhing. Ein Bild von dem ganz jungen Fichte: Er lernt gut, als sechs-, siebenjähriger Knabe schon unterworfen in der Schule seinen Pflichten. Der Vater belohnt den jungen Knaben dadurch, dass er ihm zu Weihnachten in seinem siebenten Jahre das Buch vom «Gehörnten Siegfried» schenkt. Fichte, der junge Fichte, der Knabe, ist ganz ergriffen von demjenigen, was sich auslebt durch die menschliche Persönlichkeit, die in einer solchen Seele steckt wie dem «Gehörnten Siegfried»! Und da stellt es sich heraus, dass er jetzt ermahnt werden muss, weil er nicht mehr so fleißig ist in der Schule wie bisher. Eines Tages sehen wir den Knaben in seinem blauen Bauernkittel; am Bache steht er, der vor seines Vaters Hause vorbeifließt: Plötzlich wirft er den «Gehörnten Siegfried», den er in seiner Hand hielt, ins Wasser hinein, und weinend steht er dabei und sieht, wie das Buch in den Wellen wegschwimmt. Der Vater kommt dazu, ist zunächst unwillig darüber, dass sein kleiner Bub das ihm geschenkte Buch ins Wasser geworfen hatte. Dann muss er erfahren, dass in diesem Falle dasjenige, was Fichte später zum eigentlichen Kernpunkte seines philosophischen Wirkens gemacht hat — den pflichtgetragenen Willen —, dass dieser pflichtgetragene Wille schon in dem Knaben Fichte so lebte, dass er es nicht ertragen konnte, durch die abgelenkte Aufmerksamkeit auf den «Gehörnten Siegfried» seine Pflicht nicht mehr als Lernender zu erfüllen! Und alles, was er erlebte, ist wohl bei dem Knaben schon [verbunden] mit dem innersten Weben und Wesen seiner Seele.

[ 32 ] Bei Fichte brauchte ich Ihnen wohl nur ein paar Züge aus seinem Leben zu erzählen, damit Sie sehen können, wie wirklich dasjenige, was er erlebte — ich möchte sagen — auf den eisigen Höhen der Gedanken, die aber bei ihm von rein menschlicher Wärme durchströmt waren, wie das mit seiner Persönlichkeit, mit seinem unmittelbaren menschlichen Wesen zusammenhing. Ein Bild von dem ganz jungen Fichte: Er lernt gut, als sechs-, siebenjähriger Knabe schon unterworfen in der Schule seinen Pflichten. Der Vater belohnt den jungen Knaben dadurch, dass er ihm zu Weihnachten in seinem siebenten Jahre das Buch vom «Gehörnten Siegfried» schenkt. Fichte, der junge Fichte, der Knabe, ist ganz ergriffen von demjenigen, was sich auslebt durch die menschliche Persönlichkeit, die in einer solchen Seele steckt wie dem «Gehörnten Siegfried»! Und da stellt es sich heraus, dass er jetzt ermahnt werden muss, weil er nicht mehr so fleißig ist in der Schule wie bisher. Eines Tages sehen wir den Knaben in seinem blauen Bauernkittel; am Bache steht er, der vor seines Vaters Hause vorbeifließt: Plötzlich wirft er den «Gehörnten Siegfried», den er in seiner Hand hielt, ins Wasser hinein, und weinend steht er dabei und sieht, wie das Buch in den Wellen wegschwimmt. Der Vater kommt dazu, ist zunächst unwillig darüber, dass sein kleiner Bub das ihm geschenkte Buch ins Wasser geworfen hatte. Dann muss er erfahren, dass in diesem Falle dasjenige, was Fichte später zum eigentlichen Kernpunkte seines philosophischen Wirkens gemacht hat — den pflichtgetragenen Willen —, dass dieser pflichtgetragene Wille schon in dem Knaben Fichte so lebte, dass er es nicht ertragen konnte, durch die abgelenkte Aufmerksamkeit auf den «Gehörnten Siegfried» seine Pflicht nicht mehr als Lernender zu erfüllen! Und alles, was er erlebte, ist wohl bei dem Knaben schon [verbunden] mit dem innersten Weben und Wesen seiner Seele.

[ 33 ] Und einmal, als Fichte neun Jahre alt war, da kam der Gutsnachbar vom Nachbarorte herüber nach dem Wohnort Fichtes. Er wollte die Predigt hören; aber er kam zu spät. Er konnte den Pfarrer nicht mehr predigen hören; es hatte schon aus der Kirche geläutet. Da kam man darauf, dass der neunjährige Knabe es sein könnte, der den Inhalt der Predigt dem Gutsnachbarn wiedergeben könnte. Und man schickte zu ihm. Der junge Fichte kam herein in seinem blauen Bauernkittel; und nachdem er sich zuerst etwas linkisch benommen hatte, trat er vor die öffentliche Persönlichkeit hin und entwickelte die Gedanken, die er aus der Predigt aufgenommen hatte mit einer solchen Innerlichkeit, dass man sah: Er hatte nicht nur äußerlich etwas ins Gedächtnis aufgenommen, sondern mit seiner ganzen Seele hatte sich vereinigt dasjenige, was er sich angehört hatte.

[ 33 ] Und einmal, als Fichte neun Jahre alt war, da kam der Gutsnachbar vom Nachbarorte herüber nach dem Wohnort Fichtes. Er wollte die Predigt hören; aber er kam zu spät. Er konnte den Pfarrer nicht mehr predigen hören; es hatte schon aus der Kirche geläutet. Da kam man darauf, dass der neunjährige Knabe es sein könnte, der den Inhalt der Predigt dem Gutsnachbarn wiedergeben könnte. Und man schickte zu ihm. Der junge Fichte kam herein in seinem blauen Bauernkittel; und nachdem er sich zuerst etwas linkisch benommen hatte, trat er vor die öffentliche Persönlichkeit hin und entwickelte die Gedanken, die er aus der Predigt aufgenommen hatte mit einer solchen Innerlichkeit, dass man sah: Er hatte nicht nur äußerlich etwas ins Gedächtnis aufgenommen, sondern mit seiner ganzen Seele hatte sich vereinigt dasjenige, was er sich angehört hatte.

[ 34 ] So war diese Persönlichkeit — man möchte sagen —, dass — wenn ich das triviale Wort gebrauchen dürfte — sie aus einem eigenen Genius heraus alles, was auf sie wirkte, immer mit dem ganzen Menschen aufnahm, so wirkend, dass alles, was von diesem Menschen kam auf der einen Seite den tiefsten menschlichen Charakter trug, auf der anderen Seite sich erhob wiederum zu den höchsten Höhen der weltgeschichtlichen Betrachtung.

[ 34 ] So war diese Persönlichkeit — man möchte sagen —, dass — wenn ich das triviale Wort gebrauchen dürfte — sie aus einem eigenen Genius heraus alles, was auf sie wirkte, immer mit dem ganzen Menschen aufnahm, so wirkend, dass alles, was von diesem Menschen kam auf der einen Seite den tiefsten menschlichen Charakter trug, auf der anderen Seite sich erhob wiederum zu den höchsten Höhen der weltgeschichtlichen Betrachtung.

[ 35 ] Da muss immer wieder und wiederum ein schöner Zug hervorgehoben werden bei diesem einen der deutschesten der deutschen Denker, Johann Gottlieb Fichte: Wenn Fichte später als Professor zu seinen Zuhörern sprach, da wollte er nicht sprechen wie ein Anderer, der einfach den Inhalt dessen, was er sich erobert hatte, gedanklich an seine Zuhörer heranbrachte. Einer, der Fichte gut kannte, ihn oft gehört hatte, sagte von ihm, dass seine Worte wie ein Gewitter daherrauschten, das sich in einzelnen Funken entlädt; [und er sagte], dass er nicht allein gute, sondern dass er große Menschen heranziehen wollte.

[ 35 ] Da muss immer wieder und wiederum ein schöner Zug hervorgehoben werden bei diesem einen der deutschesten der deutschen Denker, Johann Gottlieb Fichte: Wenn Fichte später als Professor zu seinen Zuhörern sprach, da wollte er nicht sprechen wie ein Anderer, der einfach den Inhalt dessen, was er sich erobert hatte, gedanklich an seine Zuhörer heranbrachte. Einer, der Fichte gut kannte, ihn oft gehört hatte, sagte von ihm, dass seine Worte wie ein Gewitter daherrauschten, das sich in einzelnen Funken entlädt; [und er sagte], dass er nicht allein gute, sondern dass er große Menschen heranziehen wollte.

[ 36 ] Und in einer solchen Weise war auch die Arbeit- man kann nicht sagen — eingerichtet, die Arbeit dieses Deutschen, denn in den Gedanken dieses deutschen Denkers lebte etwas in diesem Vortrag, was viel mehr als vorgetragen war: Er wollte, indem er den Katheder bestieg, etwas hinauftragen auf diesen Katheder, was als lebendige Wesenheit von ihm in die Zuhörer hinüberfloss, sodass die Zuhörer, wenn sie aufmerksam zuhörten und den Hörsaal verließen, nicht nur einen Inhalt, nicht nur eine Lehre mitnahmen, sondern etwas mitnahmen, was in ihrer Seele mehr war als wie sie hineingebracht hatten in den Hörsaal, was ihre ganze Menschlichkeit ergriff, durchdrang, durchseelte! Und wirklich, Fichte wusste in dieses unmittelbar im Mittelpunkt der menschlichen Seele Gehende so zu wirken, so zu dringen, dass er in unmittelbarem Verkehr mit seinen Zuhörern seine Zuhörer, diese Zuhörer dahin bringen wollte, das in sich zu beleben, was sie wirklich verband — man möchte sagen —, gleich auf der Stelle verband mit dem, was die Seele erleben konnte von dem die Welt durchflutenden und durchwebenden Geistigen.

[ 36 ] Und in einer solchen Weise war auch die Arbeit- man kann nicht sagen — eingerichtet, die Arbeit dieses Deutschen, denn in den Gedanken dieses deutschen Denkers lebte etwas in diesem Vortrag, was viel mehr als vorgetragen war: Er wollte, indem er den Katheder bestieg, etwas hinauftragen auf diesen Katheder, was als lebendige Wesenheit von ihm in die Zuhörer hinüberfloss, sodass die Zuhörer, wenn sie aufmerksam zuhörten und den Hörsaal verließen, nicht nur einen Inhalt, nicht nur eine Lehre mitnahmen, sondern etwas mitnahmen, was in ihrer Seele mehr war als wie sie hineingebracht hatten in den Hörsaal, was ihre ganze Menschlichkeit ergriff, durchdrang, durchseelte! Und wirklich, Fichte wusste in dieses unmittelbar im Mittelpunkt der menschlichen Seele Gehende so zu wirken, so zu dringen, dass er in unmittelbarem Verkehr mit seinen Zuhörern seine Zuhörer, diese Zuhörer dahin bringen wollte, das in sich zu beleben, was sie wirklich verband — man möchte sagen —, gleich auf der Stelle verband mit dem, was die Seele erleben konnte von dem die Welt durchflutenden und durchwebenden Geistigen.

[ 37 ] So sagte er zum Beispiel einmal zu seinen Zuhörern: Denken Sie sich die Wand. — Da wendeten die Zuhörer die Augen zur Wand hin und dachten: Das ginge leicht. — Nachdem er sie eine Zeit lang die Wand hatte denken lassen, da sagte er: So, und jetzt denken Sie den, der die Wand gedacht hat! — Da waren sie zunächst verblüfft. Nun, aber es war ein Mittel gewonnen, Herz und Sinn der Zuhörer unmittelbar für die Erkenntnis der Weltengeheimnisse, wie sie sich in der menschlichen Seele abspielen können, zu gewinnen.

[ 37 ] So sagte er zum Beispiel einmal zu seinen Zuhörern: Denken Sie sich die Wand. — Da wendeten die Zuhörer die Augen zur Wand hin und dachten: Das ginge leicht. — Nachdem er sie eine Zeit lang die Wand hatte denken lassen, da sagte er: So, und jetzt denken Sie den, der die Wand gedacht hat! — Da waren sie zunächst verblüfft. Nun, aber es war ein Mittel gewonnen, Herz und Sinn der Zuhörer unmittelbar für die Erkenntnis der Weltengeheimnisse, wie sie sich in der menschlichen Seele abspielen können, zu gewinnen.

[ 38 ] Und so, mit seiner ganzen Persönlichkeit im Erkenntnisleben unmittelbar drinnen stehend, war auch Johann Wilhelm Schelling, von dem diejenigen, die ihn gesehen haben — und ich kannte wohl noch solche Leute! —, die ihn gesehen haben und gehört haben — nicht nur seine Bücher gelesen haben und wussten, was in seinen Büchern steht —, also die sagten, dass aus seinen funkelnden Augen etwas hervorging, was wie der Blick der Erkenntnis selber war!

[ 38 ] Und so, mit seiner ganzen Persönlichkeit im Erkenntnisleben unmittelbar drinnen stehend, war auch Johann Wilhelm Schelling, von dem diejenigen, die ihn gesehen haben — und ich kannte wohl noch solche Leute! —, die ihn gesehen haben und gehört haben — nicht nur seine Bücher gelesen haben und wussten, was in seinen Büchern steht —, also die sagten, dass aus seinen funkelnden Augen etwas hervorging, was wie der Blick der Erkenntnis selber war!

[ 39 ] Auch dieser Schelling, dasjenige, was in der Natur als Geist lebt, er wollte es unmittelbar miterleben in der eigenen Seele. Seele war für ihn überhaupt nur etwas, wie das äußere Gesicht eines die Welt durchlebenden und durchwebenden Geistes. Und indem die Menschenseele an die Natur herantritt, erkennt sie in der Natur dasjenige, was sie selbst als Geist und Seele ist.

[ 39 ] Auch dieser Schelling, dasjenige, was in der Natur als Geist lebt, er wollte es unmittelbar miterleben in der eigenen Seele. Seele war für ihn überhaupt nur etwas, wie das äußere Gesicht eines die Welt durchlebenden und durchwebenden Geistes. Und indem die Menschenseele an die Natur herantritt, erkennt sie in der Natur dasjenige, was sie selbst als Geist und Seele ist.

[ 40 ] Geist durchflutet die Welt. Er bildet sich einen äußeren Abdruck, indem er die Natur um sich herauskristallisiert. Dadurch schafft er den Boden, dass er zuletzt in der menschlichen Seele in seiner Gestalt selber auf diesem Boden erscheinen könne. Daher wuchs Naturgeist und Seelengeist für Schelling in eine Einheit zusammen. Und zu wunderbaren Möglichkeiten wusste er sich zu erheben mit einer solchen Betrachtung. Er durchdrang sie nur in scheinbar trockenen Begriffen — übrigens in Begriffen und Vorstellungen, die sich zuweilen zur ungeheuersten, wachester, intuierender Glut erhoben. Nur in scheinbar trockenen Begriffen sprach er über die Natur, und [darüber], wie [man sich] mit der Natur im Einklang, [mit] der geistigen Welt [in Einklang wissen kann], und [wie die Begriffe] aus der Natur hervorgehen und [man] sich im Erkennen im Einklang wissen kann.

[ 40 ] Geist durchflutet die Welt. Er bildet sich einen äußeren Abdruck, indem er die Natur um sich herauskristallisiert. Dadurch schafft er den Boden, dass er zuletzt in der menschlichen Seele in seiner Gestalt selber auf diesem Boden erscheinen könne. Daher wuchs Naturgeist und Seelengeist für Schelling in eine Einheit zusammen. Und zu wunderbaren Möglichkeiten wusste er sich zu erheben mit einer solchen Betrachtung. Er durchdrang sie nur in scheinbar trockenen Begriffen — übrigens in Begriffen und Vorstellungen, die sich zuweilen zur ungeheuersten, wachester, intuierender Glut erhoben. Nur in scheinbar trockenen Begriffen sprach er über die Natur, und [darüber], wie [man sich] mit der Natur im Einklang, [mit] der geistigen Welt [in Einklang wissen kann], und [wie die Begriffe] aus der Natur hervorgehen und [man] sich im Erkennen im Einklang wissen kann.

[ 41 ] Einmal sagte er das Wort, das gewiss einseitige Wort: Die Natur erkennen, heißt, die Natur schaffen. — Gewiss, ein einseitiges Wort; man kann die Natur im Erkennen nur nachschaffen. Aber so verwandt fühlte Schelling dasjenige, was sich in der Menschensecle abspielt, mit demjenigen, was in der Natur sich abspielt, dass er wie im Schaffen der Naturkraft selber zu leben vermeinen konnte, wenn er die rechten Erkenntnistriebkräfte in der Seele losgelöst glaubte. Und so erscheint Schelling die menschliche Gestalt auf der einen Seite als der höchste natürliche Ausdruck der geistseelischen Naturkräfte, und auf der andern Seite die Kunst[, die] dasjenige entgegenträgt seiner eigenen Gestalt, was der menschliche Ausdruck des Geiststrebens ist.

[ 41 ] Einmal sagte er das Wort, das gewiss einseitige Wort: Die Natur erkennen, heißt, die Natur schaffen. — Gewiss, ein einseitiges Wort; man kann die Natur im Erkennen nur nachschaffen. Aber so verwandt fühlte Schelling dasjenige, was sich in der Menschensecle abspielt, mit demjenigen, was in der Natur sich abspielt, dass er wie im Schaffen der Naturkraft selber zu leben vermeinen konnte, wenn er die rechten Erkenntnistriebkräfte in der Seele losgelöst glaubte. Und so erscheint Schelling die menschliche Gestalt auf der einen Seite als der höchste natürliche Ausdruck der geistseelischen Naturkräfte, und auf der andern Seite die Kunst[, die] dasjenige entgegenträgt seiner eigenen Gestalt, was der menschliche Ausdruck des Geiststrebens ist.

[ 42 ] Man möchte sagen: Wie zwei einander erst ergänzende Hälften, so fühlt Schelling das Höchste: Was der Künstler in der Kunst zu schaffen vermag, auf der einen Seite; die menschliche Gestalt, auf der anderen Seite als die Krone und Blüte der Natur. Und so sehen wir, wie in Schelling ein Weltbild entstand, das ganz und gar herausgeboren ist — ja, selber erscheint wie eine Wiedergeburt — aus der Wiedergeburt des menschlichen Gemütes. Das deutsche Gemüt ist selber zum Sehorgan in Schelling geworden, um in Natur und Geistesleben zu schauen dasjenige, was zum menschlichen Gemüt so spricht, wie die äußeren Sinnesdinge zu den menschlichen Augen und Ohren sprechen.

[ 42 ] Man möchte sagen: Wie zwei einander erst ergänzende Hälften, so fühlt Schelling das Höchste: Was der Künstler in der Kunst zu schaffen vermag, auf der einen Seite; die menschliche Gestalt, auf der anderen Seite als die Krone und Blüte der Natur. Und so sehen wir, wie in Schelling ein Weltbild entstand, das ganz und gar herausgeboren ist — ja, selber erscheint wie eine Wiedergeburt — aus der Wiedergeburt des menschlichen Gemütes. Das deutsche Gemüt ist selber zum Sehorgan in Schelling geworden, um in Natur und Geistesleben zu schauen dasjenige, was zum menschlichen Gemüt so spricht, wie die äußeren Sinnesdinge zu den menschlichen Augen und Ohren sprechen.

[ 43 ] Dadurch aber ist Schelling derjenige geworden für die deutsche Geistesentwicklung, der auf eine ungeheure Höhe erheben konnte dasjenige, was aus dem romanischen Weltenbild heraus als eine Geistwelt zum Beispiel Giordano Bruno zwar anregen, aber nur anregen konnte. Wie aus der [italienischen] Weltempfindung heraus leidenschaftlich geboren erscheint das Weltbild des Giordano Bruno, vergleicht man es mit dem Weltbild — mit dem ruhigen, aus dem deutschen Gemüte heraus wiedergeborenen Weltenbilde — des Schelling.

[ 43 ] Dadurch aber ist Schelling derjenige geworden für die deutsche Geistesentwicklung, der auf eine ungeheure Höhe erheben konnte dasjenige, was aus dem romanischen Weltenbild heraus als eine Geistwelt zum Beispiel Giordano Bruno zwar anregen, aber nur anregen konnte. Wie aus der [italienischen] Weltempfindung heraus leidenschaftlich geboren erscheint das Weltbild des Giordano Bruno, vergleicht man es mit dem Weltbild — mit dem ruhigen, aus dem deutschen Gemüte heraus wiedergeborenen Weltenbilde — des Schelling.

[ 44 ] Und der dritte ist Hegel. Hegel, der dritte, der — ich möchte sagen — mit der Goethe’schen Weltanschauung im innigsten Bunde lebende Philosoph der Deutschen, Hegel, der — ich möchte sagen — auf dem dritten der Wege, die möglich waren aus dem deutschen Volkstum heraus, auf dem dritten der Wege suchte die Seele hinzuführen da, wo sie unmittelbar ergreifen kann das geistige Wirken und Weben und Wesen der Welt.

[ 44 ] Und der dritte ist Hegel. Hegel, der dritte, der — ich möchte sagen — mit der Goethe’schen Weltanschauung im innigsten Bunde lebende Philosoph der Deutschen, Hegel, der — ich möchte sagen — auf dem dritten der Wege, die möglich waren aus dem deutschen Volkstum heraus, auf dem dritten der Wege suchte die Seele hinzuführen da, wo sie unmittelbar ergreifen kann das geistige Wirken und Weben und Wesen der Welt.

[ 45 ] Wirkt bei Johann Gottlieb Fichte der Wille, der die Seele durchpulst und in der Pflicht sich den Ausdruck schafft; wirkt auf Schelling das Gemüt, das Innerlichste des Seelenwesens, während [es] ein Naturwille erfasst und wiedergebiert; so wirkt bei Hegel das Gedankenleben — das Gedankenleben, das von Hegel so empfunden wird, dass, indem die Gedanken, die er durch seine Seele ziehen lässt, von dieser Seele bewegt und erlebt werden, unmittelbar erscheinen wie Gedanken des göttlich-geistigen Weltenlebens selber, das alle Räume und alle Zeiten durchsetzt. Sodass der Mensch — indem er sinnlichkeitsfrei, ohne von der Außenwelt beeinflusst zu sein, seine Gedanken in sich leben lässt — in diesem Gedankenerleben zu gleicher Zeit miterlebend hat in ihm sich auslebend und offenbarend das göttlich-geistige Denken der Welt. Allerdings ist dadurch Hegel ein Geist geworden, welcher ein Weltenbild geschaffen hat, als ob die ganze Welt nur aus Logik gebaut wäre — was eine Einseitigkeit ist. Aber er hat hinzuzufügen zu dem andern, was Fichte und Schelling geboten haben, den dritten Ton aus dem deutschen Volkstum heraus.

[ 45 ] Wirkt bei Johann Gottlieb Fichte der Wille, der die Seele durchpulst und in der Pflicht sich den Ausdruck schafft; wirkt auf Schelling das Gemüt, das Innerlichste des Seelenwesens, während [es] ein Naturwille erfasst und wiedergebiert; so wirkt bei Hegel das Gedankenleben — das Gedankenleben, das von Hegel so empfunden wird, dass, indem die Gedanken, die er durch seine Seele ziehen lässt, von dieser Seele bewegt und erlebt werden, unmittelbar erscheinen wie Gedanken des göttlich-geistigen Weltenlebens selber, das alle Räume und alle Zeiten durchsetzt. Sodass der Mensch — indem er sinnlichkeitsfrei, ohne von der Außenwelt beeinflusst zu sein, seine Gedanken in sich leben lässt — in diesem Gedankenerleben zu gleicher Zeit miterlebend hat in ihm sich auslebend und offenbarend das göttlich-geistige Denken der Welt. Allerdings ist dadurch Hegel ein Geist geworden, welcher ein Weltenbild geschaffen hat, als ob die ganze Welt nur aus Logik gebaut wäre — was eine Einseitigkeit ist. Aber er hat hinzuzufügen zu dem andern, was Fichte und Schelling geboten haben, den dritten Ton aus dem deutschen Volkstum heraus.

[ 46 ] Man kann sagen: Dasjenige, was Hegel besonders als einen deutschen Geist erscheinen lässt, das ist das, dass er nicht so wie etwa Descartes — Rosenkranz, der treue Schüler Hegels, hat das schöne Buch geschrieben: «Hegel als deutscher Nationalphilosoph» —, [dasjenige,] was Hegel als besonders deutschen Geist erscheinen lässt, das ist das, dass er nicht, wie Descartes, der auch alles auf das Denken aufbaut, der aber nur zu einem mechanistischen Weltbild kommt, dass er nicht so das Denken erlebt, als ob das Denken etwas wäre, das da in der Seele aufsteigt und dem Dasein fremd wäre, sondern: Der Geist, der Weltgeist selber denkt sich im Menschen. Der Weltengeist selber schaut sich durch das Denken im Menschen. Verwoben fühlt sich Hegel in seinem Denken mit den Gedanken des Weltengeistes.

[ 46 ] Man kann sagen: Dasjenige, was Hegel besonders als einen deutschen Geist erscheinen lässt, das ist das, dass er nicht so wie etwa Descartes — Rosenkranz, der treue Schüler Hegels, hat das schöne Buch geschrieben: «Hegel als deutscher Nationalphilosoph» —, [dasjenige,] was Hegel als besonders deutschen Geist erscheinen lässt, das ist das, dass er nicht, wie Descartes, der auch alles auf das Denken aufbaut, der aber nur zu einem mechanistischen Weltbild kommt, dass er nicht so das Denken erlebt, als ob das Denken etwas wäre, das da in der Seele aufsteigt und dem Dasein fremd wäre, sondern: Der Geist, der Weltgeist selber denkt sich im Menschen. Der Weltengeist selber schaut sich durch das Denken im Menschen. Verwoben fühlt sich Hegel in seinem Denken mit den Gedanken des Weltengeistes.

[ 47 ] Man kann wiederum sagen: Das einseitige, nackte Weltenbild des Descartes erhält Leben — wenn auch nur Gedankenleben — in Hegels Weltbild.

[ 47 ] Man kann wiederum sagen: Das einseitige, nackte Weltenbild des Descartes erhält Leben — wenn auch nur Gedankenleben — in Hegels Weltbild.

[ 48 ] Man braucht heute nicht, sehr verehrte Anwesende, sich irgendwie dogmatisch auf den Standpunkt der genannten drei zu stellen. Darüber kann man heute hinaus sein; ein Bekenner oder ein Gegner zu sein, kann vielleicht inhaltlich alles dasjenige als einseitig betrachten, was diese Geister ausgesprochen haben. Man braucht sich nicht dogmatisch dazuzustellen; man kann sie betrachten als Ausläufer für dasjenige, was im deutschen Volkstum webt und lebt. Also etwas, was wie ein Blütenstrom deutschen Geisteslebens herausgekommen ist, was sich im Laufe der Zeiten, indem es weiter blüht und weiter fruchtet, gewiss vielfach verändern wird, was aber die tiefsten, die bedeutsamsten Anregungen demjenigen geben kann, der nach einer geistigen Welterkenntnis strebt, weil eine geistige Weltenerkenntnis aus solchem Keim innerhalb des deutschen Geisteslebens hervorgehen muss, wie sie angestrebt wurde von Fichte, Schelling, Hegel, im Grunde gerade aus Goethe’schem Geiste heraus [erwachsen] ist.

[ 48 ] Man braucht heute nicht, sehr verehrte Anwesende, sich irgendwie dogmatisch auf den Standpunkt der genannten drei zu stellen. Darüber kann man heute hinaus sein; ein Bekenner oder ein Gegner zu sein, kann vielleicht inhaltlich alles dasjenige als einseitig betrachten, was diese Geister ausgesprochen haben. Man braucht sich nicht dogmatisch dazuzustellen; man kann sie betrachten als Ausläufer für dasjenige, was im deutschen Volkstum webt und lebt. Also etwas, was wie ein Blütenstrom deutschen Geisteslebens herausgekommen ist, was sich im Laufe der Zeiten, indem es weiter blüht und weiter fruchtet, gewiss vielfach verändern wird, was aber die tiefsten, die bedeutsamsten Anregungen demjenigen geben kann, der nach einer geistigen Welterkenntnis strebt, weil eine geistige Weltenerkenntnis aus solchem Keim innerhalb des deutschen Geisteslebens hervorgehen muss, wie sie angestrebt wurde von Fichte, Schelling, Hegel, im Grunde gerade aus Goethe’schem Geiste heraus [erwachsen] ist.

[ 49 ] Das ist das Eigentümliche bei diesen drei Persönlichkeiten, dass sie im Grunde genommen drei Seiten, drei verschiedene Tönungen von etwas zum Ausdruck bringen, was, was wie ein Unsichtbares über ihnen schwebt, was der gemeinsame Ausdruck einer höchsten Gipfelentfaltung des deutschen Geisteslebens am Ende des achtzehnten und zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts war, und eben in Goethe und in anderen die großen Früchte hervortreten so, dass man immer darauf ausgeht nicht eine Welterkenntnis so zu suchen, dass man einfach den Menschen, so wie er dasteht, anwendet in seinen Kräften, sondern dass man erst die menschlichen Erkenntniskräfte, die tief im Seeleninnern schlummern, herauszuerwecken versucht, und mit dem eröffneten Geistesauge und Geistesohr — wie gesagt, das sind Goethe’sche Worte —, mit dem eröffneten Geistesauge und Geistesohr dann hinausschauen will in Welt und Leben.

[ 49 ] Das ist das Eigentümliche bei diesen drei Persönlichkeiten, dass sie im Grunde genommen drei Seiten, drei verschiedene Tönungen von etwas zum Ausdruck bringen, was, was wie ein Unsichtbares über ihnen schwebt, was der gemeinsame Ausdruck einer höchsten Gipfelentfaltung des deutschen Geisteslebens am Ende des achtzehnten und zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts war, und eben in Goethe und in anderen die großen Früchte hervortreten so, dass man immer darauf ausgeht nicht eine Welterkenntnis so zu suchen, dass man einfach den Menschen, so wie er dasteht, anwendet in seinen Kräften, sondern dass man erst die menschlichen Erkenntniskräfte, die tief im Seeleninnern schlummern, herauszuerwecken versucht, und mit dem eröffneten Geistesauge und Geistesohr — wie gesagt, das sind Goethe’sche Worte —, mit dem eröffneten Geistesauge und Geistesohr dann hinausschauen will in Welt und Leben.

[ 50 ] So hat es Goethe gemacht. Daher spricht Goethe in Anknüpfung an Kant, von einer anschauenden Urteilskraft, die er sich zuschrieb. Und wahrhaftig, aus dieser anschauenden Urteilskraft gingen die Blüten der Goethe’schen Leistungen hervor. «Anschauende Urteilskraft» — was meint Goethe? Die gewöhnliche Urteilskraft, sie lebt in den Begriffen des Menschen. Mit dieser Urteilskraft steht der Mensch den Dingen gegenüber, steht er der Natur gegenüber; das schaut er mit den Sinnen an; mit dem Verstande urteilt er über das sinnlich Angeschaute. Goethe sagt sich: Wenn man durch die Urteilskraft selber anschauen kann das Geistige, so wie die Augen das Sinnliche anschauen, dann lebt man und webt man im Geistigen. — Und so wollte Goethe Pflanze und Tier, so wollte er das Menschenleben betrachten. Und so hat er es betrachtet! Und so wollte er sich sogar auf dem Gebiet der Physik betätigen.

[ 50 ] So hat es Goethe gemacht. Daher spricht Goethe in Anknüpfung an Kant, von einer anschauenden Urteilskraft, die er sich zuschrieb. Und wahrhaftig, aus dieser anschauenden Urteilskraft gingen die Blüten der Goethe’schen Leistungen hervor. «Anschauende Urteilskraft» — was meint Goethe? Die gewöhnliche Urteilskraft, sie lebt in den Begriffen des Menschen. Mit dieser Urteilskraft steht der Mensch den Dingen gegenüber, steht er der Natur gegenüber; das schaut er mit den Sinnen an; mit dem Verstande urteilt er über das sinnlich Angeschaute. Goethe sagt sich: Wenn man durch die Urteilskraft selber anschauen kann das Geistige, so wie die Augen das Sinnliche anschauen, dann lebt man und webt man im Geistigen. — Und so wollte Goethe Pflanze und Tier, so wollte er das Menschenleben betrachten. Und so hat er es betrachtet! Und so wollte er sich sogar auf dem Gebiet der Physik betätigen.

[ 51 ] Da kommt man auf ein Kapitel, in dem sich so recht zeigt, wie deutsches Volkstum etwas anderes aus sich selber über die äußeren Tatsachen des physischen Lebens äußern muss als zum Beispiel englisches Volkswesen. Nur ist heute noch nicht die Zeit gekommen, die reif ist, um die Zusammenhänge auf diesem Gebiete zu sehen.

[ 51 ] Da kommt man auf ein Kapitel, in dem sich so recht zeigt, wie deutsches Volkstum etwas anderes aus sich selber über die äußeren Tatsachen des physischen Lebens äußern muss als zum Beispiel englisches Volkswesen. Nur ist heute noch nicht die Zeit gekommen, die reif ist, um die Zusammenhänge auf diesem Gebiete zu sehen.

[ 52 ] Seit nun mehr als dreißig Jahren bemühe ich mich selber — ich darf das ohne Unbescheidenheit sagen, weil es einfach eine Tatsache ist — zu zeigen, was Goethe eigentlich wollte, aus einer geistgemäßen Naturanschauung, aus anschauender Urteilskraft heraus, als [er seine] Farbenlehre, als er seine Farbenbetrachtung der Newton’schen Farbenbetrachtung, die auf Atomistisches und Mechanistisches gebaut ist, wie eine Lebenslehre entgegensetzte.

[ 52 ] Seit nun mehr als dreißig Jahren bemühe ich mich selber — ich darf das ohne Unbescheidenheit sagen, weil es einfach eine Tatsache ist — zu zeigen, was Goethe eigentlich wollte, aus einer geistgemäßen Naturanschauung, aus anschauender Urteilskraft heraus, als [er seine] Farbenlehre, als er seine Farbenbetrachtung der Newton’schen Farbenbetrachtung, die auf Atomistisches und Mechanistisches gebaut ist, wie eine Lebenslehre entgegensetzte.

[ 53 ] Heute kann das die Physik noch nicht verstehen. Aber wenn einmal das Deutschtum auf geistigem Gebiet sich so recht auf sich selbst besinnen wird, so wird man einsehen, wie der deutsche Geist in Goethe auch auf dem Gebiet der Farbenlehre sich auflehnen musste gegen das, was bloß mechanische naturwissenschaftliche Betrachtung in Newton war.

[ 53 ] Heute kann das die Physik noch nicht verstehen. Aber wenn einmal das Deutschtum auf geistigem Gebiet sich so recht auf sich selbst besinnen wird, so wird man einsehen, wie der deutsche Geist in Goethe auch auf dem Gebiet der Farbenlehre sich auflehnen musste gegen das, was bloß mechanische naturwissenschaftliche Betrachtung in Newton war.

[ 54 ] Und das Kapitel «Goethe im Recht gegen Newton» — damit ist deutsche Wissenschaft im Recht gegen die mechanische utilitaristische englische Wissenschaft. Dieses Kapitel wird wiederauftauchen. Und vielleicht wird sich gerade an einem solchen Kapitel zeigen, welches das Verhältnis der deutschen Seele in ihrer Tiefe und in ihrer tieferen Erkenntnisbetrachtung zu den anderen Erkenntnisstrebens-Urteilen Europas ist.

[ 54 ] Und das Kapitel «Goethe im Recht gegen Newton» — damit ist deutsche Wissenschaft im Recht gegen die mechanische utilitaristische englische Wissenschaft. Dieses Kapitel wird wiederauftauchen. Und vielleicht wird sich gerade an einem solchen Kapitel zeigen, welches das Verhältnis der deutschen Seele in ihrer Tiefe und in ihrer tieferen Erkenntnisbetrachtung zu den anderen Erkenntnisstrebens-Urteilen Europas ist.

[ 55 ] Und welcher Platz der deutschen Volksseele zukommt innerhalb der Gesamtentwicklung des deutschen Geisteslebens, das ist nur ein Einzelnes, Besonderes; aber dieses Besondere, dieses Einzelne, Besondere, ist der Ausdruck des Allgemeinen, das da lebte in der Goethe-Zeit, und das fortlebt bis in unsere Tage herein, wenn auch — ich möchte sagen — unter dem Strome des Bewusstseins, aber deutlich trotzdem in allem tieferen Erkennen des Geistigen im Deutschen lebt: zu suchen das geistige Erkenntnisorgan.

[ 55 ] Und welcher Platz der deutschen Volksseele zukommt innerhalb der Gesamtentwicklung des deutschen Geisteslebens, das ist nur ein Einzelnes, Besonderes; aber dieses Besondere, dieses Einzelne, Besondere, ist der Ausdruck des Allgemeinen, das da lebte in der Goethe-Zeit, und das fortlebt bis in unsere Tage herein, wenn auch — ich möchte sagen — unter dem Strome des Bewusstseins, aber deutlich trotzdem in allem tieferen Erkennen des Geistigen im Deutschen lebt: zu suchen das geistige Erkenntnisorgan.

[ 56 ] Fichte nannte es einen «höheren geistigen Sinn», indem er 1811 bis 1813 zu seinen Berliner Studenten damals sprach. Schelling nannte es die «[intellektuelle] Anschauung», zu einem höheren Geisterkenntnis-Organ zu kommen — was ja unbequem ist, und was eine Philosophie, die bloß auf Nützlichkeit oder Mechanismus begründet ist, wie die romanische oder britannische Philosophie, nicht erreichen kann, ein Erkenntnisorgan zu schaffen, das aus dem Geiste gebaut ist und daher in den Geist hineinschauen kann; [das] aber den Geist nicht sieht in abstrakten, in trockenen, in leeren theoretischen Begriffen, sondern ihn so voll lebendig erfasst, wie die äußeren Sinne die Sinneswelt erfassen.

[ 56 ] Fichte nannte es einen «höheren geistigen Sinn», indem er 1811 bis 1813 zu seinen Berliner Studenten damals sprach. Schelling nannte es die «[intellektuelle] Anschauung», zu einem höheren Geisterkenntnis-Organ zu kommen — was ja unbequem ist, und was eine Philosophie, die bloß auf Nützlichkeit oder Mechanismus begründet ist, wie die romanische oder britannische Philosophie, nicht erreichen kann, ein Erkenntnisorgan zu schaffen, das aus dem Geiste gebaut ist und daher in den Geist hineinschauen kann; [das] aber den Geist nicht sieht in abstrakten, in trockenen, in leeren theoretischen Begriffen, sondern ihn so voll lebendig erfasst, wie die äußeren Sinne die Sinneswelt erfassen.

[ 57 ] Und weil ein solches Streben so kraftvoll in der deutschen Geistesentwicklung lebte, so konnte es sein, dass auch geringere Geister, die auf die Goethezeit folgten, ergriffen, durchdrungen wurden von dem, was keimhaft in der eben besprochenen großen Zeit des deutschen Lebens sprießte und sprosste, und dass diese geringeren Geister sogar etwas schaffen konnten, was den Wegen, die ja eigentlich die wirklichen Wege sind, um lebendig als Menschengeist das Weltengeistige zu erfassen, um etwas zu bekommen, was diesem wirklichen Wege sogar ähnlicher ist als dasjenige, was bei Schelling, Fichte und Hegel auftrat. Weil so unendlich Fruchtbares in dieser Fichte-Schelling-Hegel’schen Weltanschauung ist, konnte es so befruchtend wirken auch auf geringere Geister, die — sagen wir — wie Fichtes Sohn, Immanuel Hermann Fichte, dazu kommen, anzuerkennen wie in dem, was äußerlich sinnlich dem Menschen als menschenähnliche Gestalt entgegentritt — auch als sinnliche Tiergestalt, aber da hat es nicht dieselbe Bedeutung —, was als sinnliche Menschengestalt dem Menschen entgegentritt, wie in dem etwas lebt, was wie in einer feineren Leibesorganisation in einer gröberen Leibesorganisation ist, wie wir in der Geisteswissenschaft sagen: ein ätherischer Leib neben dem groben physischen Leib; und wie in diesem ätherischen Leib [wirken] die großen Weltenkräfte, die den Menschen aus dem Ewigen heraus gebären, so wie ihn die physischen Kräfte physisch aus dem Physische heraus gebären. Das heißt: Hermann Immanuel Fichte sucht bereits einen Weg unmittelbar zu dem äußeren Physischen, nicht allein durch Gedanken, nicht allein durch Abstraktionen, sondern im unmittelbar höherem, geistig-sinnlichem Ergreifen ein über Geburt und Tod im Menschen hinaus Liegendes zu erkennen.

[ 57 ] Und weil ein solches Streben so kraftvoll in der deutschen Geistesentwicklung lebte, so konnte es sein, dass auch geringere Geister, die auf die Goethezeit folgten, ergriffen, durchdrungen wurden von dem, was keimhaft in der eben besprochenen großen Zeit des deutschen Lebens sprießte und sprosste, und dass diese geringeren Geister sogar etwas schaffen konnten, was den Wegen, die ja eigentlich die wirklichen Wege sind, um lebendig als Menschengeist das Weltengeistige zu erfassen, um etwas zu bekommen, was diesem wirklichen Wege sogar ähnlicher ist als dasjenige, was bei Schelling, Fichte und Hegel auftrat. Weil so unendlich Fruchtbares in dieser Fichte-Schelling-Hegel’schen Weltanschauung ist, konnte es so befruchtend wirken auch auf geringere Geister, die — sagen wir — wie Fichtes Sohn, Immanuel Hermann Fichte, dazu kommen, anzuerkennen wie in dem, was äußerlich sinnlich dem Menschen als menschenähnliche Gestalt entgegentritt — auch als sinnliche Tiergestalt, aber da hat es nicht dieselbe Bedeutung —, was als sinnliche Menschengestalt dem Menschen entgegentritt, wie in dem etwas lebt, was wie in einer feineren Leibesorganisation in einer gröberen Leibesorganisation ist, wie wir in der Geisteswissenschaft sagen: ein ätherischer Leib neben dem groben physischen Leib; und wie in diesem ätherischen Leib [wirken] die großen Weltenkräfte, die den Menschen aus dem Ewigen heraus gebären, so wie ihn die physischen Kräfte physisch aus dem Physische heraus gebären. Das heißt: Hermann Immanuel Fichte sucht bereits einen Weg unmittelbar zu dem äußeren Physischen, nicht allein durch Gedanken, nicht allein durch Abstraktionen, sondern im unmittelbar höherem, geistig-sinnlichem Ergreifen ein über Geburt und Tod im Menschen hinaus Liegendes zu erkennen.

[ 58 ] Und dann sehen wir einen merkwürdigen Geist, wenig ist er bekannt geworden, der auch auf diesem Wege wandelt, zweifellos nicht so genial und so großartig angelegt, wie etwa Schelling und Fichte, aber auf dem eigentlichen geisteswissenschaftlichen Wege weiterkommend als diese, weil er nach ihnen leben durfte. Obwohl er 1811 sein wunderbares Buch geschrieben hat: «Blicke in das Wesen des Menschen», so können wir doch sagen, dass Troxler — denn er ist gemeint — einer derjenigen ist, die so recht drinnen stehen in einem vergessenen Kapitel des deutschen Geisteslebens. So ist Troxler, weil er später gelebt hat, dazugekommen, wahre Wege schon in die geistige Welt hinein zu finden, als sogar seine größeren — größer als er —, seine größeren Vorgänger.

[ 58 ] Und dann sehen wir einen merkwürdigen Geist, wenig ist er bekannt geworden, der auch auf diesem Wege wandelt, zweifellos nicht so genial und so großartig angelegt, wie etwa Schelling und Fichte, aber auf dem eigentlichen geisteswissenschaftlichen Wege weiterkommend als diese, weil er nach ihnen leben durfte. Obwohl er 1811 sein wunderbares Buch geschrieben hat: «Blicke in das Wesen des Menschen», so können wir doch sagen, dass Troxler — denn er ist gemeint — einer derjenigen ist, die so recht drinnen stehen in einem vergessenen Kapitel des deutschen Geisteslebens. So ist Troxler, weil er später gelebt hat, dazugekommen, wahre Wege schon in die geistige Welt hinein zu finden, als sogar seine größeren — größer als er —, seine größeren Vorgänger.

[ 59 ] Merkwürdig, dieser Troxler, als er 1835 seine «[Vorlesungen] über Philosophie» vortrug, da sprach er davon, dass der Mensch in seiner Seele entwickeln könne, wenn er nur wolle, etwas, was sich verhält zu der rein verstandesmäßigen Auffassung der Welt, die in theoretischen Begriffen arbeitet, die sozusagen nur einzelne Begriffe aus dem Beobachten sammelt, wie sich in der menschlichen Seele etwas entwickeln könnte, was er nennt, Ignaz Paul Vital Troxler, einen «übergeistigen Sinn». «Übergeistiger Sinn» — das ist eine Seelenkraft, auf die Troxler verweist als [eine solche, die] erst entwickelt werden kann im Menschen, und die nicht so — ich möchte sagen — bloß begrifflich, nicht so abstrakt die Dinge auffasst wie das gewöhnliche abstrakte Erkennen, sondern die die Dinge so vollsaftig auffasst, dass sie bildhaft, wie der Geist selber, vor den Menschen hintreten; dass der Mensch eine geistige Welt dadurch erschaut, die eben nicht sich in Begriffen erschöpft, wie selbst die Hegel’schen noch, sondern die schaut die geistige Realität, wie die Sinne die sinnliche Realität schauen, sodass die Welt wirklich bereichert wird um ein neues Glied ihres Wesens, um das Geistige. Das Geistige aber [bestehend] aus konkret vollsaftigen Wesenheiten, die so nebeneinander stehen und miteinander wirken, wie die sinnlichen Wesen erfasst werden können.

[ 59 ] Merkwürdig, dieser Troxler, als er 1835 seine «[Vorlesungen] über Philosophie» vortrug, da sprach er davon, dass der Mensch in seiner Seele entwickeln könne, wenn er nur wolle, etwas, was sich verhält zu der rein verstandesmäßigen Auffassung der Welt, die in theoretischen Begriffen arbeitet, die sozusagen nur einzelne Begriffe aus dem Beobachten sammelt, wie sich in der menschlichen Seele etwas entwickeln könnte, was er nennt, Ignaz Paul Vital Troxler, einen «übergeistigen Sinn». «Übergeistiger Sinn» — das ist eine Seelenkraft, auf die Troxler verweist als [eine solche, die] erst entwickelt werden kann im Menschen, und die nicht so — ich möchte sagen — bloß begrifflich, nicht so abstrakt die Dinge auffasst wie das gewöhnliche abstrakte Erkennen, sondern die die Dinge so vollsaftig auffasst, dass sie bildhaft, wie der Geist selber, vor den Menschen hintreten; dass der Mensch eine geistige Welt dadurch erschaut, die eben nicht sich in Begriffen erschöpft, wie selbst die Hegel’schen noch, sondern die schaut die geistige Realität, wie die Sinne die sinnliche Realität schauen, sodass die Welt wirklich bereichert wird um ein neues Glied ihres Wesens, um das Geistige. Das Geistige aber [bestehend] aus konkret vollsaftigen Wesenheiten, die so nebeneinander stehen und miteinander wirken, wie die sinnlichen Wesen erfasst werden können.

[ 60 ] «Übergeistiger Sinn» ist die eine Seelenkraft. Von der anderen spricht Troxler als von dem «übersinnlichen Geist». Sodass man darinnen sehen muss dasjenige, was in der menschlichen Seele als besondere Kraft entwickelt werden kann, sodass die Seele dazu kommt, über das gewöhnlich Sinnliche hinauszukommen, und trotzdem nicht der geistigen Leerheit zu verfallen, wie zum Beispiel die mechanische Naturwissenschaft, sondern [dass man kommt zu einem] Erfülltsein vom Geiste.

[ 60 ] «Übergeistiger Sinn» ist die eine Seelenkraft. Von der anderen spricht Troxler als von dem «übersinnlichen Geist». Sodass man darinnen sehen muss dasjenige, was in der menschlichen Seele als besondere Kraft entwickelt werden kann, sodass die Seele dazu kommt, über das gewöhnlich Sinnliche hinauszukommen, und trotzdem nicht der geistigen Leerheit zu verfallen, wie zum Beispiel die mechanische Naturwissenschaft, sondern [dass man kommt zu einem] Erfülltsein vom Geiste.

[ 61 ] «Übersinnlicher Geist», «übergeistiger Sinn» — das sind zwei Anlagen in der menschlichen Seele für Troxler. Davon spricht er 1835; und eine ungeheuer bedeutsame Anregung kann man empfangen für dasjenige, was man Erkenntnis des Geistes nennen kann, aus diesen Troxler’schen Vorträgen, die bewusst aus der Tiefe des deutschen Volkstums herausgekommen sind. Denn dieses deutsche Volkstum ist es, das anregt, nicht die Welt bloß äußerlich zu betrachten, sondern wirklich immer wieder und wieder, in dem, was die Seele innerlichst erleben kann, zugleich zu erfühlen das Durchfluten des seelisch-geistigen Wesens des Menschen und der ganzen Welt selber. Dadurch ist dieses deutsche Volkstum dazu berufen, etwas auszubilden, was sonst im Laufe der Zeitenentwicklung nicht innerhalb eines Volkstums hat auftreten können.

[ 61 ] «Übersinnlicher Geist», «übergeistiger Sinn» — das sind zwei Anlagen in der menschlichen Seele für Troxler. Davon spricht er 1835; und eine ungeheuer bedeutsame Anregung kann man empfangen für dasjenige, was man Erkenntnis des Geistes nennen kann, aus diesen Troxler’schen Vorträgen, die bewusst aus der Tiefe des deutschen Volkstums herausgekommen sind. Denn dieses deutsche Volkstum ist es, das anregt, nicht die Welt bloß äußerlich zu betrachten, sondern wirklich immer wieder und wieder, in dem, was die Seele innerlichst erleben kann, zugleich zu erfühlen das Durchfluten des seelisch-geistigen Wesens des Menschen und der ganzen Welt selber. Dadurch ist dieses deutsche Volkstum dazu berufen, etwas auszubilden, was sonst im Laufe der Zeitenentwicklung nicht innerhalb eines Volkstums hat auftreten können.

[ 62 ] Sehen wir nun, wie merkwürdig — schon, wenn man ganz einseitig charakterisiert dasjenige, was so recht im Sinne dieses Volkstums [ist] — zum Ausdruck kommen kann, und was an diesen charakterisierten Geistern erwiesen werden kann, sehen wir an, was es ist. Da müssen wir sagen: Wir sehen innerhalb anderer Geistesentwicklung, innerhalb der Geistesentwicklung Frankreichs und Englands, gewiss auch Mystik; aber diese Mystik stellt sich hin neben die andere Wissenschaftlichkeit. Entweder ist sie dadurch verurteilt, neben der anderen Wissenschaftlichkeit ein sektiererisches Dasein zu führen oder sich abzuschließen als eine besondere Geistesströmung.

[ 62 ] Sehen wir nun, wie merkwürdig — schon, wenn man ganz einseitig charakterisiert dasjenige, was so recht im Sinne dieses Volkstums [ist] — zum Ausdruck kommen kann, und was an diesen charakterisierten Geistern erwiesen werden kann, sehen wir an, was es ist. Da müssen wir sagen: Wir sehen innerhalb anderer Geistesentwicklung, innerhalb der Geistesentwicklung Frankreichs und Englands, gewiss auch Mystik; aber diese Mystik stellt sich hin neben die andere Wissenschaftlichkeit. Entweder ist sie dadurch verurteilt, neben der anderen Wissenschaftlichkeit ein sektiererisches Dasein zu führen oder sich abzuschließen als eine besondere Geistesströmung.

[ 63 ] Das deutsche Geistesleben, es zeigt, indem es sich erhob zu so etwas, wie es Schelling, wie es Hegel, wie es Fichte, wie es Troxler, wie es Immanuel Hermann Fichte geleistet haben, dieses deutsche Geistesleben zeigt, dass man in vollstem Sinne des Wortes bei wissenschaftlicher Gesinnung bleiben kann und gerade aus wissenschaftlicher Gesinnung heraus arbeiten kann, und sich dasjenige, was etwa durch eine Mystik erreicht werden soll, nicht neben diese wissenschaftliche Strömung hinstellt, sondern unmittelbar, organisch mit ihr verbunden sein und aus ihr herausgehen kann.

[ 63 ] Das deutsche Geistesleben, es zeigt, indem es sich erhob zu so etwas, wie es Schelling, wie es Hegel, wie es Fichte, wie es Troxler, wie es Immanuel Hermann Fichte geleistet haben, dieses deutsche Geistesleben zeigt, dass man in vollstem Sinne des Wortes bei wissenschaftlicher Gesinnung bleiben kann und gerade aus wissenschaftlicher Gesinnung heraus arbeiten kann, und sich dasjenige, was etwa durch eine Mystik erreicht werden soll, nicht neben diese wissenschaftliche Strömung hinstellt, sondern unmittelbar, organisch mit ihr verbunden sein und aus ihr herausgehen kann.

[ 64 ] Daher sehen wir, wie zum Beispiel entsteht bei Hegel etwas, was in der reinsten Klarheit der Gedanken lebt — wenn das auch viele bestreiten, es ist doch so —, in der reinsten Klarheit der Gedanken lebt aber nichts, was etwa nur eine nebulöse Gefühlsmystik wäre oder was gar ein in Mystik schwelgendes Schwatzen über allerlei Dinge wäre, sondern welches bei kristallklaren Gedanken zu gleicher Zeit im eigenen Denken das Weltendenken mystisch erfassen will: gedankenhafte Mystik — wenn das Wort gebraucht werden darf — finden wir bei Hegel. Und vergeistigt finden wir dann diese gedankenhafte Mystik — weil das Gedankenleben durch den übersinnlichen Geist, durch den übergeistigen Sinn innerlich beleuchtet [wird] — bei solchen Persönlichkeiten wie zum Beispiel bei Ignaz Paul Vital Troxler.

[ 64 ] Daher sehen wir, wie zum Beispiel entsteht bei Hegel etwas, was in der reinsten Klarheit der Gedanken lebt — wenn das auch viele bestreiten, es ist doch so —, in der reinsten Klarheit der Gedanken lebt aber nichts, was etwa nur eine nebulöse Gefühlsmystik wäre oder was gar ein in Mystik schwelgendes Schwatzen über allerlei Dinge wäre, sondern welches bei kristallklaren Gedanken zu gleicher Zeit im eigenen Denken das Weltendenken mystisch erfassen will: gedankenhafte Mystik — wenn das Wort gebraucht werden darf — finden wir bei Hegel. Und vergeistigt finden wir dann diese gedankenhafte Mystik — weil das Gedankenleben durch den übersinnlichen Geist, durch den übergeistigen Sinn innerlich beleuchtet [wird] — bei solchen Persönlichkeiten wie zum Beispiel bei Ignaz Paul Vital Troxler.

[ 65 ] Interessant ist es zu sehen, wie Troxler bestrebt ist, dasjenige, was zu einem Weltenbilde aus den Seelenkräften heraufführen soll, wie das aus dem, was der Mensch kennt, sich offenbart, wie es aber hinter dem eigentlich steht, was der Mensch im gewöhnlichen Alltagsleben zur Aufrechterhaltung, zur Orientierung seines Lebens hat. Da hat der Mensch nach der Anschauung Troxlers den Glauben — den Glauben, der auf dem Gebiet der religiösen Anschauung die höchsten Geistesstützen der Menschheit trägt, der aber auch im übrigen Menschenleben eine große Rolle spielt: den Glauben. Diesen Glauben hat der Mensch — ich spreche jetzt nicht bloß Worte Troxlers nach, sondern ich spreche so, wie man etwa denken muss, wenn man das, was Troxler gesprochen hat, in sich aufnimmt, es ein wenig weiterwebt —, diesen Glauben hat der Mensch in seinem Seelenleben. Diese Glaubenskraft ist etwas, was das äußere Leibliche haben muss, etwas, was so, wie es unmittelbar in der Seele auftritt, von der Seele erfasst werden kann, auch ohne dass höhere Erkenntniskräfte entwickelt werden. Aber hinter diesem Glauben lebt, verborgen in der Seele, [ein höheres Erkenntnisorgan, sodass der Glaube gleichsam für das gewöhnliche Tagesleben ist das Ausleben dieses höheren Erkenntnisorgans. Was hinter dem Glauben lebt, nennt Troxler]: das seelische Hören, das übersinnliche, das seelische Hören. Sodass man sich in Troxlers Sinn den Glauben gleichsam vorzustellen hat als das Schöne, das hereinflutet aus einem unbewusst oder unterbewusst Geistigen der Seele, das den Glauben an die Oberfläche treibe. Wenn es aber selber entwickelt wird, so wird es zu einem Geistesohr, das in der geistigen Welt zum Hören würde. Geistig Hören heißt, so wahrnehmen, wie das sinnliche Ohr die äußeren, in der Luft lebenden Töne wahrnimmt.

[ 65 ] Interessant ist es zu sehen, wie Troxler bestrebt ist, dasjenige, was zu einem Weltenbilde aus den Seelenkräften heraufführen soll, wie das aus dem, was der Mensch kennt, sich offenbart, wie es aber hinter dem eigentlich steht, was der Mensch im gewöhnlichen Alltagsleben zur Aufrechterhaltung, zur Orientierung seines Lebens hat. Da hat der Mensch nach der Anschauung Troxlers den Glauben — den Glauben, der auf dem Gebiet der religiösen Anschauung die höchsten Geistesstützen der Menschheit trägt, der aber auch im übrigen Menschenleben eine große Rolle spielt: den Glauben. Diesen Glauben hat der Mensch — ich spreche jetzt nicht bloß Worte Troxlers nach, sondern ich spreche so, wie man etwa denken muss, wenn man das, was Troxler gesprochen hat, in sich aufnimmt, es ein wenig weiterwebt —, diesen Glauben hat der Mensch in seinem Seelenleben. Diese Glaubenskraft ist etwas, was das äußere Leibliche haben muss, etwas, was so, wie es unmittelbar in der Seele auftritt, von der Seele erfasst werden kann, auch ohne dass höhere Erkenntniskräfte entwickelt werden. Aber hinter diesem Glauben lebt, verborgen in der Seele, [ein höheres Erkenntnisorgan, sodass der Glaube gleichsam für das gewöhnliche Tagesleben ist das Ausleben dieses höheren Erkenntnisorgans. Was hinter dem Glauben lebt, nennt Troxler]: das seelische Hören, das übersinnliche, das seelische Hören. Sodass man sich in Troxlers Sinn den Glauben gleichsam vorzustellen hat als das Schöne, das hereinflutet aus einem unbewusst oder unterbewusst Geistigen der Seele, das den Glauben an die Oberfläche treibe. Wenn es aber selber entwickelt wird, so wird es zu einem Geistesohr, das in der geistigen Welt zum Hören würde. Geistig Hören heißt, so wahrnehmen, wie das sinnliche Ohr die äußeren, in der Luft lebenden Töne wahrnimmt.

[ 66 ] Die Liebe, eine Seelenkraft, die wir wiederum wie herausgeboren finden aus dem Seelisch-Geistigen, die schönste Kraft des äußeren Menschenlebens, die Liebe — hinter ihr steht für Troxler — ich möchte sagen: für Troxlers frommen Sinn — eine geistige, eine seelische Erkenntniskraft. Er nennt sie das «seelische Tasten», das «seelische Fühlen».

[ 66 ] Die Liebe, eine Seelenkraft, die wir wiederum wie herausgeboren finden aus dem Seelisch-Geistigen, die schönste Kraft des äußeren Menschenlebens, die Liebe — hinter ihr steht für Troxler — ich möchte sagen: für Troxlers frommen Sinn — eine geistige, eine seelische Erkenntniskraft. Er nennt sie das «seelische Tasten», das «seelische Fühlen».

[ 67 ] So ist der Glaube gleichsam der äußere Ausdruck, das äußere Bild dessen, was in der vollen Seele lebt als Hören. So ist die Liebe die äußere Frucht desjenigen, was im Innern der Seele als geistiges Tasten, als geistige Fühlen lebt.

[ 67 ] So ist der Glaube gleichsam der äußere Ausdruck, das äußere Bild dessen, was in der vollen Seele lebt als Hören. So ist die Liebe die äußere Frucht desjenigen, was im Innern der Seele als geistiges Tasten, als geistige Fühlen lebt.

[ 68 ] Die Hoffnung, sie ist für Troxler der äußere Ausdruck desjenigen, was als eine höhere Seelenkraft, als ein höherer Seelensinn, ein übergeistiger Sinn in der Seele lebt als inneres geistiges Auge.

[ 68 ] Die Hoffnung, sie ist für Troxler der äußere Ausdruck desjenigen, was als eine höhere Seelenkraft, als ein höherer Seelensinn, ein übergeistiger Sinn in der Seele lebt als inneres geistiges Auge.

[ 69 ] Es ist ein wunderbares Bild, aber ein Bild, das nicht allein aus der Phantasie heraus geboren ist, sondern das auf wirklichen Tatsachen des Seelenlebens, die jeder in sich entwickeln kann, beruht. Ein wunderbares Bild. Da steht der Mensch innerhalb der physischen und der geistigen Welt. Da entwickelt er gegenüber dem, was als Göttlich-Geistiges die Welt durchflutet, und gegenüber dem, was aus Menschen und anderen Wesen ihm entgegenflutet: Glaube, Hoffnung, Liebe. Er entwickelt sie, weil er, wenn er dasjenige, was leibfrei der Geisteswelt sich gegenüberstellen kann, weil er das in sich trägt, was geistig hört und geistig fühlt und geistig sehen kann. Und weil der Mensch, dasjenige, was er seelisch ist, umhüllt hat für die Zeit zwischen dem Tod — oder sagen wir bis zu der Geburt mit der leiblichen Hülle —, so drückt sich aus dasjenige, was ihn verbindet durch das Geistgehör mit der Weltenton-Harmonie, mit der geistigen Tonharmonie der Welt, was ihn verbindet mit der Welt, die durch Gnade sich zu ihm aus dem Geistigen neigt, durch das geistig Tasten, was sich verbindet mit ihm durch das geistige Schauen, das sich hüllt für ihn in Glaube, Liebe Hoffnung. [Und so sind die Seelenkräfte, die im alltäglichen Leben und in der gewöhnlichen Seelenerziehung uns entgegentreten, für Troxler Ausdruck eines seelisch-geistigen Lebens,] das da unten in der Seele schlummert, das webt und west, und das, wenn es entwickelt wird, eine unmittelbare Verbindung eingehen kann mit dem uns umflutenden Geistig-Seelischen der ganzen Welt. Da fühlt sich dieser Troxler so darinnen in diesem, man kann sagen, vorläufig vergessenen Glied der deutschen Gedanken- und Geistesentwicklung.

[ 69 ] Es ist ein wunderbares Bild, aber ein Bild, das nicht allein aus der Phantasie heraus geboren ist, sondern das auf wirklichen Tatsachen des Seelenlebens, die jeder in sich entwickeln kann, beruht. Ein wunderbares Bild. Da steht der Mensch innerhalb der physischen und der geistigen Welt. Da entwickelt er gegenüber dem, was als Göttlich-Geistiges die Welt durchflutet, und gegenüber dem, was aus Menschen und anderen Wesen ihm entgegenflutet: Glaube, Hoffnung, Liebe. Er entwickelt sie, weil er, wenn er dasjenige, was leibfrei der Geisteswelt sich gegenüberstellen kann, weil er das in sich trägt, was geistig hört und geistig fühlt und geistig sehen kann. Und weil der Mensch, dasjenige, was er seelisch ist, umhüllt hat für die Zeit zwischen dem Tod — oder sagen wir bis zu der Geburt mit der leiblichen Hülle —, so drückt sich aus dasjenige, was ihn verbindet durch das Geistgehör mit der Weltenton-Harmonie, mit der geistigen Tonharmonie der Welt, was ihn verbindet mit der Welt, die durch Gnade sich zu ihm aus dem Geistigen neigt, durch das geistig Tasten, was sich verbindet mit ihm durch das geistige Schauen, das sich hüllt für ihn in Glaube, Liebe Hoffnung. [Und so sind die Seelenkräfte, die im alltäglichen Leben und in der gewöhnlichen Seelenerziehung uns entgegentreten, für Troxler Ausdruck eines seelisch-geistigen Lebens,] das da unten in der Seele schlummert, das webt und west, und das, wenn es entwickelt wird, eine unmittelbare Verbindung eingehen kann mit dem uns umflutenden Geistig-Seelischen der ganzen Welt. Da fühlt sich dieser Troxler so darinnen in diesem, man kann sagen, vorläufig vergessenen Glied der deutschen Gedanken- und Geistesentwicklung.

[ 70 ] Schön, wunderbar schön spricht er dieses sein Sich-drinnen-Fühlen aus, indem er sich ausdrückt über diesen Zusammenhang mit anderen Geistern, die ein Ähnliches erstrebt haben. Da sagt er:

[ 70 ] Schön, wunderbar schön spricht er dieses sein Sich-drinnen-Fühlen aus, indem er sich ausdrückt über diesen Zusammenhang mit anderen Geistern, die ein Ähnliches erstrebt haben. Da sagt er:

«Schon früher haben die Philosophen einen feinen, hehren Seelleib unterschieden von dem gröberen Körper [oder in diesem eine Art von Hülle des Geistes angenommen), eine Seele, die ein Bild des Leibes an sich habe, das sie Schema nannten, und das ihnen der innere, höhere Mensch war. [Dieser Ansicht, mag sie auch nur eine Erklärung sein, huldigten auch die meisten der ersten großen Kirchenväter, wie Origines, Irenäus, Lactantius, Tertullian, Augustinus.] In der neuesten Zeit selbst Kant in den Träumen eines Geistersehers träumt ernsthaft im Scherze einen ganzen, inwendigen, seelischen Menschen, der alle Gliedmaßen des auswendigen an seinem Geistesleib trage. Lavater dichtet und denkt ebenso; und selbst, wenn Jean Paul humoristisch über das Bonner’'sche Unterziehröckchen und das Platner’sche Seelenschnürleibchen scherzt, die im gröberen Körperüberrock und Marterkittel stecken sollen, so hören wir ihn doch auch wieder fragen «wozu und woher wurden diese außerordentlichen Anlagen und Wünsche in uns gelegt, die bloß wie verschluckte Diamanten unsere erdige Hülle langsam verschneiden? [Warum wurde ich auf dem schmutzigen Erdenkloß ein Geschöpf mit unnützen Lichtflügeln geklebt, wenn es in die Geburtsscholle zurückfaulen sollte, ohne sich je mit ätherischen Flügeln loszuwinden.» «Der innere Mensch», sagt er sogar an einem andern Orte, dieser «verhüllte Gott in der Natur, ist nicht selber von Stein, wie diese.] In den steinernen Gliedern»

«Schon früher haben die Philosophen einen feinen, hehren Seelleib unterschieden von dem gröberen Körper [oder in diesem eine Art von Hülle des Geistes angenommen), eine Seele, die ein Bild des Leibes an sich habe, das sie Schema nannten, und das ihnen der innere, höhere Mensch war. [Dieser Ansicht, mag sie auch nur eine Erklärung sein, huldigten auch die meisten der ersten großen Kirchenväter, wie Origines, Irenäus, Lactantius, Tertullian, Augustinus.] In der neuesten Zeit selbst Kant in den Träumen eines Geistersehers träumt ernsthaft im Scherze einen ganzen, inwendigen, seelischen Menschen, der alle Gliedmaßen des auswendigen an seinem Geistesleib trage. Lavater dichtet und denkt ebenso; und selbst, wenn Jean Paul humoristisch über das Bonner’'sche Unterziehröckchen und das Platner’sche Seelenschnürleibchen scherzt, die im gröberen Körperüberrock und Marterkittel stecken sollen, so hören wir ihn doch auch wieder fragen «wozu und woher wurden diese außerordentlichen Anlagen und Wünsche in uns gelegt, die bloß wie verschluckte Diamanten unsere erdige Hülle langsam verschneiden? [Warum wurde ich auf dem schmutzigen Erdenkloß ein Geschöpf mit unnützen Lichtflügeln geklebt, wenn es in die Geburtsscholle zurückfaulen sollte, ohne sich je mit ätherischen Flügeln loszuwinden.» «Der innere Mensch», sagt er sogar an einem andern Orte, dieser «verhüllte Gott in der Natur, ist nicht selber von Stein, wie diese.] In den steinernen Gliedern»

[ 71 ] des Menschen

[ 71 ] des Menschen

«wachsen und reifen seine lebendigen nach einer uns unbekannten Lebensweise. Wir könnten»

«wachsen und reifen seine lebendigen nach einer uns unbekannten Lebensweise. Wir könnten»

[ 72 ] sagt Troxler weiter

[ 72 ] sagt Troxler weiter

«noch eine Unzahl ähnlicher Denk- und Dichtweisen anführen, welche am Ende nur verschiedene Anschauungen und Vorstellungen sind, in welchen [sich die eine evangelisch-apostolische Idee offenbart, die Paulus an die Korinther aussprach, indem er sagte: «Ein Leib, den die Seele belebte, wird hingesenket, und ein Leib, den der Geist belebt, stehet auf, denn es gibt einen beseelten Leib, so gibt es auch einen vergeistigten Leib.» Und darin ist] die wahre, einzige Lehre von der Individualität und Unsterblichkeit des Menschen enthalten.»

«noch eine Unzahl ähnlicher Denk- und Dichtweisen anführen, welche am Ende nur verschiedene Anschauungen und Vorstellungen sind, in welchen [sich die eine evangelisch-apostolische Idee offenbart, die Paulus an die Korinther aussprach, indem er sagte: «Ein Leib, den die Seele belebte, wird hingesenket, und ein Leib, den der Geist belebt, stehet auf, denn es gibt einen beseelten Leib, so gibt es auch einen vergeistigten Leib.» Und darin ist] die wahre, einzige Lehre von der Individualität und Unsterblichkeit des Menschen enthalten.»

[ 73 ] Eine Wissenschaft wollte Troxler, die aus allen Kräften der menschlichen Natur, nicht bloß aus dem Verstand und den gewöhnlichen, sogenannten Erkenntniskräften heraus sich der Welt nähert, sondern —, sondern eine Wissenschaft, eine Erkenntnis, die die ganze Persönlichkeit entgegenträgt dem Weltendasein, damit auch wiederum die ganze menschliche Persönlichkeit, der ganze Mensch die Welt in sich nachschaffen oder nacherleben könne. Nicht nur in der Poesie, meint Troxler, ist das so, sondern auch in der wirklichen Erkenntnis muss das so werden. Deshalb sagt Troxler 1835 die schönen Worte:

[ 73 ] Eine Wissenschaft wollte Troxler, die aus allen Kräften der menschlichen Natur, nicht bloß aus dem Verstand und den gewöhnlichen, sogenannten Erkenntniskräften heraus sich der Welt nähert, sondern —, sondern eine Wissenschaft, eine Erkenntnis, die die ganze Persönlichkeit entgegenträgt dem Weltendasein, damit auch wiederum die ganze menschliche Persönlichkeit, der ganze Mensch die Welt in sich nachschaffen oder nacherleben könne. Nicht nur in der Poesie, meint Troxler, ist das so, sondern auch in der wirklichen Erkenntnis muss das so werden. Deshalb sagt Troxler 1835 die schönen Worte:

«Wenn es nun höchst erfreulich ist, dass die neueste Philosophie, welche [wir längst als diejenige anerkannt haben, die alle lebendige Religion begründet und] in jeder Anthroposophief, also in Poesie, wie in Historie] sich offenbaren muss, emporwindet, so ist doch nicht zu übersehen, dass diese Idee nicht eine Frucht der Spekulation sein kann, und die wahrhafte Persönlichkeit oder Individualität des Menschen weder mit dem, was sie als subjektiven Geist oder endliches Ich aufstellt, noch mit dem, was sie als absoluten Geist oder absolute Persönlichkeit diesem gegenüberstellt, verwechselt werden darf.»

«Wenn es nun höchst erfreulich ist, dass die neueste Philosophie, welche [wir längst als diejenige anerkannt haben, die alle lebendige Religion begründet und] in jeder Anthroposophief, also in Poesie, wie in Historie] sich offenbaren muss, emporwindet, so ist doch nicht zu übersehen, dass diese Idee nicht eine Frucht der Spekulation sein kann, und die wahrhafte Persönlichkeit oder Individualität des Menschen weder mit dem, was sie als subjektiven Geist oder endliches Ich aufstellt, noch mit dem, was sie als absoluten Geist oder absolute Persönlichkeit diesem gegenüberstellt, verwechselt werden darf.»

[ 74 ] So steht vor Troxler der Gedanke einer Anthroposophie, wie er es nennt, einer Anthroposophie, welche nicht wie die Anthropologie dasjenige, was am Menschen äußerlich mit den Sinnen betrachtet werden kann, und mit dem Verstand, aus dem diese Sinne wie herausgeschöpft werden, sondern eine höhere Art der Anthropologie steht vor Troxlers Augen, vor Troxlers geistigem Auge, die da will im Menschen ein Organ entwickeln, das im Grunde nur der höhere Mensch im Menschen ist, der dann dasjenige, was auch höher ist als alle Natur — um diesen Goethe’schen Ausdruck zu gebrauchen: die höhere Natur in der Natur unmittelbar erkennend mitzuerleben.

[ 74 ] So steht vor Troxler der Gedanke einer Anthroposophie, wie er es nennt, einer Anthroposophie, welche nicht wie die Anthropologie dasjenige, was am Menschen äußerlich mit den Sinnen betrachtet werden kann, und mit dem Verstand, aus dem diese Sinne wie herausgeschöpft werden, sondern eine höhere Art der Anthropologie steht vor Troxlers Augen, vor Troxlers geistigem Auge, die da will im Menschen ein Organ entwickeln, das im Grunde nur der höhere Mensch im Menschen ist, der dann dasjenige, was auch höher ist als alle Natur — um diesen Goethe’schen Ausdruck zu gebrauchen: die höhere Natur in der Natur unmittelbar erkennend mitzuerleben.

[ 75 ] Dann, wenn sich die ganze Persönlichkeit selber wie ein Erkenntnisorgan, wie ein übergeistiges Sinnesorgan, wie ein übersinnliches Geistesorgan — wie ein «übergeistiger Sinn, wie ein «übersinnlicher Geist», [wie ein] Geistesorgan sich der Welt darbietet, sodass die Welt in der ganzen Persönlichkeit auflebt, dann wird nach Troxlers Ansicht «Anthroposophie»!

[ 75 ] Dann, wenn sich die ganze Persönlichkeit selber wie ein Erkenntnisorgan, wie ein übergeistiges Sinnesorgan, wie ein übersinnliches Geistesorgan — wie ein «übergeistiger Sinn, wie ein «übersinnlicher Geist», [wie ein] Geistesorgan sich der Welt darbietet, sodass die Welt in der ganzen Persönlichkeit auflebt, dann wird nach Troxlers Ansicht «Anthroposophie»!

[ 76 ] So lebt wie in einem vergessenen Streben der deutschen Geistesentwicklung Anthroposophie im Keime. Ihre Blüten und Früchte werden, wenn man das deutsche Geistesleben richtig auffasst, aus diesem deutschen Geistesleben hervorsprießen. Und dass sie innig verbunden sind mit diesem deutschen Geistesleben — ich möcht sagen: jedes Seiende, jeder Zug dieses deutschen Geisteslebens zeigt es uns. Es ist schon einmal so in der Welt, sehr verehrte Anwesende, dass Einzelnes, das aufblüht in der Entwicklung der Menschheit, eine Zeit lang — ich möchte sagen — wie unter dem Strom fortleben muss; der übrige Strom zeigt etwas anderes, etwas Oberflächliches; unter dem Strom lebt aber fort das Tiefere. Und so ist es mit dem, was jetzt als ein verklungener Ton aus dem deutschen Geistesleben herauf uns klingen kann.

[ 76 ] So lebt wie in einem vergessenen Streben der deutschen Geistesentwicklung Anthroposophie im Keime. Ihre Blüten und Früchte werden, wenn man das deutsche Geistesleben richtig auffasst, aus diesem deutschen Geistesleben hervorsprießen. Und dass sie innig verbunden sind mit diesem deutschen Geistesleben — ich möcht sagen: jedes Seiende, jeder Zug dieses deutschen Geisteslebens zeigt es uns. Es ist schon einmal so in der Welt, sehr verehrte Anwesende, dass Einzelnes, das aufblüht in der Entwicklung der Menschheit, eine Zeit lang — ich möchte sagen — wie unter dem Strom fortleben muss; der übrige Strom zeigt etwas anderes, etwas Oberflächliches; unter dem Strom lebt aber fort das Tiefere. Und so ist es mit dem, was jetzt als ein verklungener Ton aus dem deutschen Geistesleben herauf uns klingen kann.

[ 77 ] Oder ist es nicht wunderbar, geradezu wunderbar, wenn wir sehen, wie aus diesem Geisteleben heraus — 1858 war es, als ein Pfarrer, ein einfacher Pfarrer in Sachsenberg im Fürstentum Waldeck war es — Pfarrer Rocholl, ein Büchelchen erscheinen lässt — ja, ein geradezu wunderbares Büchlein —, ein Büchelchen erscheinen lässt, worin er darlegen will, wie der Menschengeist sich in sich selber erhöhen, erkraften müsse, um sich angliedern zu können an dasjenige, was als Weltengeist die Welt durchflutet und durchzieht. Dieses wunderbare, auch vergessene Büchelchen, das im eminentesten Sinne — ich möchte sagen — ein Dokument für den eben genannten verklungenen Ton des deutschen Geisteslebens ist, es nennt sich: «Beiträge zur deutschen Theosophie». 1856 erschienen von einem einfachen Pfarrer, bei dem seine theosophischen Betrachtungen aus seiner Frömmigkeit sprießen. Aber es ist ein Büchelchen, von dem man sagen muss, dass es zu einer wirklich wunderbaren Höhe geistiger Erkenntnis und geistigen Erfühlens der Welt sich erhebt, wenn es auch mit Bezug auf dasjenige, was heute Geisteswissenschaft zu sagen hat, vielfach phantastisch erscheinen mag.

[ 77 ] Oder ist es nicht wunderbar, geradezu wunderbar, wenn wir sehen, wie aus diesem Geisteleben heraus — 1858 war es, als ein Pfarrer, ein einfacher Pfarrer in Sachsenberg im Fürstentum Waldeck war es — Pfarrer Rocholl, ein Büchelchen erscheinen lässt — ja, ein geradezu wunderbares Büchlein —, ein Büchelchen erscheinen lässt, worin er darlegen will, wie der Menschengeist sich in sich selber erhöhen, erkraften müsse, um sich angliedern zu können an dasjenige, was als Weltengeist die Welt durchflutet und durchzieht. Dieses wunderbare, auch vergessene Büchelchen, das im eminentesten Sinne — ich möchte sagen — ein Dokument für den eben genannten verklungenen Ton des deutschen Geisteslebens ist, es nennt sich: «Beiträge zur deutschen Theosophie». 1856 erschienen von einem einfachen Pfarrer, bei dem seine theosophischen Betrachtungen aus seiner Frömmigkeit sprießen. Aber es ist ein Büchelchen, von dem man sagen muss, dass es zu einer wirklich wunderbaren Höhe geistiger Erkenntnis und geistigen Erfühlens der Welt sich erhebt, wenn es auch mit Bezug auf dasjenige, was heute Geisteswissenschaft zu sagen hat, vielfach phantastisch erscheinen mag.

[ 78 ] Man braucht von diesen Dingen weder Anhänger noch Gegner zu sein, sondern man kann diesen Dingen einfach so gegenüberstehen, dass man sich sagt: Sie sind ein Ausdruck für dasjenige, was im deutschen Volkstum lebt. Und so könnte ich vieles, vieles anführen, gerade Einzelnstes aus dem deutschen Geistesleben — überall würde man bestätigt finden, dass dieses Streben nach Geisteswissenschaft vorhanden ist im deutschen Geistesleben, das sich wie ein halb Vergessenes heute hinstellen muss — vergessen! Und vergessen so, dass es eben erkannt werden muss im Laufe der Zeit. Es schadet ja nichts, dass so etwas vergessen wird. Warum schadet es nichts?

[ 78 ] Man braucht von diesen Dingen weder Anhänger noch Gegner zu sein, sondern man kann diesen Dingen einfach so gegenüberstehen, dass man sich sagt: Sie sind ein Ausdruck für dasjenige, was im deutschen Volkstum lebt. Und so könnte ich vieles, vieles anführen, gerade Einzelnstes aus dem deutschen Geistesleben — überall würde man bestätigt finden, dass dieses Streben nach Geisteswissenschaft vorhanden ist im deutschen Geistesleben, das sich wie ein halb Vergessenes heute hinstellen muss — vergessen! Und vergessen so, dass es eben erkannt werden muss im Laufe der Zeit. Es schadet ja nichts, dass so etwas vergessen wird. Warum schadet es nichts?

[ 79 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, die Weltengeheimnisse, die in der Natur sind, sie drängen sich ja auch nicht so auf, dass sie nicht erst erforscht werden müssten! Warum sollten wir denn glauben, dass in der Geistesgeschichte der Menschheit nicht auch solche Geheimnisse drinnen leben, die erst erforscht werden müssen? Warum sollten wir glauben, dass nur dasjenige, was — ich will sagen durch die Gunst des Schicksals der Zeit zum Vorschein gekommen ist, dass nur das das Wesentliche zum Fortschritt der Menschheit ist? In den Untergründen der Menschheitsentwicklung lebt dasjenige, was nur durch die, die hinterherkommen, gefunden werden kann; aber so ist es in der Geistesgeschichte; so ist es auch in der Geschichte der Natur.

[ 79 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, die Weltengeheimnisse, die in der Natur sind, sie drängen sich ja auch nicht so auf, dass sie nicht erst erforscht werden müssten! Warum sollten wir denn glauben, dass in der Geistesgeschichte der Menschheit nicht auch solche Geheimnisse drinnen leben, die erst erforscht werden müssen? Warum sollten wir glauben, dass nur dasjenige, was — ich will sagen durch die Gunst des Schicksals der Zeit zum Vorschein gekommen ist, dass nur das das Wesentliche zum Fortschritt der Menschheit ist? In den Untergründen der Menschheitsentwicklung lebt dasjenige, was nur durch die, die hinterherkommen, gefunden werden kann; aber so ist es in der Geistesgeschichte; so ist es auch in der Geschichte der Natur.

[ 80 ] Aber im Grunde genommen haben alle diese Geister mehr oder weniger ein Bewusstsein davon gehabt, dass — ich habe das Bild schon in Bezug auf Fichte gebraucht —, dass dasjenige, was da in ihnen lebte, und was sie führen sollte in ihren Seelen zu den Geistgeheimnissen der Welt, dass das sozusagen wie eine Zwiesprache mit dem deutschen Volksgeiste selber sei.

[ 80 ] Aber im Grunde genommen haben alle diese Geister mehr oder weniger ein Bewusstsein davon gehabt, dass — ich habe das Bild schon in Bezug auf Fichte gebraucht —, dass dasjenige, was da in ihnen lebte, und was sie führen sollte in ihren Seelen zu den Geistgeheimnissen der Welt, dass das sozusagen wie eine Zwiesprache mit dem deutschen Volksgeiste selber sei.

[ 81 ] Und nun lassen Sie mich noch eines der Beispiele anführen. Der merkwürdige Karl Christian Planck sei noch erwähnt, aus dessen nachgelassenen Schriften das «Testament eines Deutschen» sogar vor nicht allzu langer Zeit erschienen ist. Karl Christian Planck, der aus einer wahrhaft geistgemäßen Anschauung den Menschen hineinzustellen versuchte in das ganze Weltendasein. Es wird einmal die Zeit kommen, wo solche Geister werden anerkannt werden, die aus der Tiefe der deutschen Anschauung heraus geschöpft haben, wenn man sich voll bewusst dessen sein wird, dass ausgemerzt wird werden müssen — damit das Deutsche sich voll entwickeln kann — auch auf dem Gebiete der Erkenntnis alles Fremdländische, das zuweilen — wie die Newton’sche Farbenlehre — der oberflächlichen menschlichen Seele leichter einleuchtet als das Deutsche, zu dessen Verständnis man sich erst vorbereiten muss.

[ 81 ] Und nun lassen Sie mich noch eines der Beispiele anführen. Der merkwürdige Karl Christian Planck sei noch erwähnt, aus dessen nachgelassenen Schriften das «Testament eines Deutschen» sogar vor nicht allzu langer Zeit erschienen ist. Karl Christian Planck, der aus einer wahrhaft geistgemäßen Anschauung den Menschen hineinzustellen versuchte in das ganze Weltendasein. Es wird einmal die Zeit kommen, wo solche Geister werden anerkannt werden, die aus der Tiefe der deutschen Anschauung heraus geschöpft haben, wenn man sich voll bewusst dessen sein wird, dass ausgemerzt wird werden müssen — damit das Deutsche sich voll entwickeln kann — auch auf dem Gebiete der Erkenntnis alles Fremdländische, das zuweilen — wie die Newton’sche Farbenlehre — der oberflächlichen menschlichen Seele leichter einleuchtet als das Deutsche, zu dessen Verständnis man sich erst vorbereiten muss.

[ 82 ] Wie steht vor einem heutigen Geiste, der ganz vom Romanisch-Britannisch-Mechanistischen in der wissenschaftlichen Auffassung angekränkelt ist, von jener Weltanschauung, die ganz von dem Verstand geboren ist, die Schelling 1803 eine Geisteskraft sogar genannt hat, wie steht vor einer solchen Anschauung die Erde zum Beispiel? Nun die Erde steht so da, wie sie die äußere mechanische Geologie gibt: mineralisch-mechanisch.

[ 82 ] Wie steht vor einem heutigen Geiste, der ganz vom Romanisch-Britannisch-Mechanistischen in der wissenschaftlichen Auffassung angekränkelt ist, von jener Weltanschauung, die ganz von dem Verstand geboren ist, die Schelling 1803 eine Geisteskraft sogar genannt hat, wie steht vor einer solchen Anschauung die Erde zum Beispiel? Nun die Erde steht so da, wie sie die äußere mechanische Geologie gibt: mineralisch-mechanisch.

[ 83 ] Vor Plancks Seele, dieses einsamen Denkers in Deutschland, der seine ersten Bücher in den Sechzigerjahren in Ulm hat erscheinen lassen, aus echtestem deutschem Wesen heraus sprechend, Geistiges heraus sprechend, aber eben nur bei den besseren Geistern zur Anerkennung kommend, wie steht vor seinem Geiste, vor diesem bewusst deutschen Geiste die Erde da? Wie ein gewaltiger Organismus! Ja, nicht bloß wie ein Organismus, wie ein beseelter, wie ein durchgeistigter Organismus, der aus seinem eigenen Geistig-Seelischen herausgestaltet seine Blüte: den Menschen selber! Für Planck gehört der Mensch mit allem, was in ihm lebt und webt, zur Erde dazu. Die Erde betrachtet man nicht vollständig, wenn man nicht den Menschen als die Blüte der Erde betrachtet. Für Planck wäre das — wenn man die Erde so betrachtet wie der bloße Geologe —, ebenso, wie wenn man die Pflanze nur gelten lassen wollte in ihrer Wurzel und nicht zu ihrer Blüte gehen wollte. Die Erde muss so betrachtet werden, dass in der Erde selber die Entwicklungsmöglichkeit des Menschen lebt; dass die Erde etwas in sich trägt, was aus ihren Kräften, aus ihrem Sein heraus den Menschen fordert als ihre Blüte!

[ 83 ] Vor Plancks Seele, dieses einsamen Denkers in Deutschland, der seine ersten Bücher in den Sechzigerjahren in Ulm hat erscheinen lassen, aus echtestem deutschem Wesen heraus sprechend, Geistiges heraus sprechend, aber eben nur bei den besseren Geistern zur Anerkennung kommend, wie steht vor seinem Geiste, vor diesem bewusst deutschen Geiste die Erde da? Wie ein gewaltiger Organismus! Ja, nicht bloß wie ein Organismus, wie ein beseelter, wie ein durchgeistigter Organismus, der aus seinem eigenen Geistig-Seelischen herausgestaltet seine Blüte: den Menschen selber! Für Planck gehört der Mensch mit allem, was in ihm lebt und webt, zur Erde dazu. Die Erde betrachtet man nicht vollständig, wenn man nicht den Menschen als die Blüte der Erde betrachtet. Für Planck wäre das — wenn man die Erde so betrachtet wie der bloße Geologe —, ebenso, wie wenn man die Pflanze nur gelten lassen wollte in ihrer Wurzel und nicht zu ihrer Blüte gehen wollte. Die Erde muss so betrachtet werden, dass in der Erde selber die Entwicklungsmöglichkeit des Menschen lebt; dass die Erde etwas in sich trägt, was aus ihren Kräften, aus ihrem Sein heraus den Menschen fordert als ihre Blüte!

[ 84 ] So geht Plancks Weltanschauung aus ihrem Geiste heraus ins Große. Und wie spricht er selber? 1864, in seinen «Grundlinien zu einer Wissenschaft der Natur» schreibt er über die Erde wunderbare Worte nieder:

[ 84 ] So geht Plancks Weltanschauung aus ihrem Geiste heraus ins Große. Und wie spricht er selber? 1864, in seinen «Grundlinien zu einer Wissenschaft der Natur» schreibt er über die Erde wunderbare Worte nieder:

«Welche Macht tiefgewurzelter Vorurteile von der bisherigen Anschauung aus seiner»

«Welche Macht tiefgewurzelter Vorurteile von der bisherigen Anschauung aus seiner»

[ 85 ] des Verfassers

[ 85 ] des Verfassers

«Schrift entgegensteht, dessen ist er sich vollkommen bewusst; allein wie schon die Arbeit selbst, trotz aller Ungunst der Umstände, die zufolge der ganzen Lage und Berufsstellung des Verfassers einem Werke dieser Art sich entgegenstellte, doch ihre Durchführung und ihren Weg in die Öffentlichkeit sich erkämpft hat, so ist er auch gewiss, dass das, was sich jetzt erst seine Anerkennung erkämpfen muss, einst als die einfachste und selbstverständlichste Wahrheit erscheinen wird, und dass darin nicht bloß seine Sache, sondern die wahrhaft deutsche Anschauung der Dinge über alle noch unwürdig äußerliche und undeutsche Auffassung der Natur und des Geistes siegen wird.

Was in unbewusster tiefsinniger Ahnung schon unsere mittelalterliche Dichtung vorgebildet hat, das wird endlich in der Reife der Zeiten an unserer Nation sich erfüllen. Die unpraktische, mit Schaden und Spott heimgesuchte Innerlichkeit deutschen Geistes (wie Wolfram sie in seinem Parsifal schildert)»

«Schrift entgegensteht, dessen ist er sich vollkommen bewusst; allein wie schon die Arbeit selbst, trotz aller Ungunst der Umstände, die zufolge der ganzen Lage und Berufsstellung des Verfassers einem Werke dieser Art sich entgegenstellte, doch ihre Durchführung und ihren Weg in die Öffentlichkeit sich erkämpft hat, so ist er auch gewiss, dass das, was sich jetzt erst seine Anerkennung erkämpfen muss, einst als die einfachste und selbstverständlichste Wahrheit erscheinen wird, und dass darin nicht bloß seine Sache, sondern die wahrhaft deutsche Anschauung der Dinge über alle noch unwürdig äußerliche und undeutsche Auffassung der Natur und des Geistes siegen wird.

Was in unbewusster tiefsinniger Ahnung schon unsere mittelalterliche Dichtung vorgebildet hat, das wird endlich in der Reife der Zeiten an unserer Nation sich erfüllen. Die unpraktische, mit Schaden und Spott heimgesuchte Innerlichkeit deutschen Geistes (wie Wolfram sie in seinem Parsifal schildert)»

[ 86 ] schon 1864, vor Wagners Parsifal geschrieben!

[ 86 ] schon 1864, vor Wagners Parsifal geschrieben!

«erringt endlich in der Kraft ihres unablässigen Strebens das Höchste; sie schaut den letzten einfachen Gesetzen der Dinge und des menschlichen Daseins selbst auf den Grund; und was die Dichtung phantastisch mittelalterlich in den Wundern des Grals versinnbildlicht hat, dessen Herrschaft ihr Held erringt, das erhält umgekehrt seine rein natürliche Erfüllung und Wirklichkeit in der bleibenden Erkenntnis der Natur und des Geistes selbst.»

«erringt endlich in der Kraft ihres unablässigen Strebens das Höchste; sie schaut den letzten einfachen Gesetzen der Dinge und des menschlichen Daseins selbst auf den Grund; und was die Dichtung phantastisch mittelalterlich in den Wundern des Grals versinnbildlicht hat, dessen Herrschaft ihr Held erringt, das erhält umgekehrt seine rein natürliche Erfüllung und Wirklichkeit in der bleibenden Erkenntnis der Natur und des Geistes selbst.»

[ 87 ] Man muss schon wissen, dass innerhalb des deutschen Geisteslebens solche Geister wurzeln. Man erlangt ja nicht viel, wenn man auch immer wieder und wiederum auf sie hinweist; aber unbewusst leben sie in den besten Köpfen des deutschen Geisteslebens.

[ 87 ] Man muss schon wissen, dass innerhalb des deutschen Geisteslebens solche Geister wurzeln. Man erlangt ja nicht viel, wenn man auch immer wieder und wiederum auf sie hinweist; aber unbewusst leben sie in den besten Köpfen des deutschen Geisteslebens.

[ 88 ] Karl Christian Planck — ich habe schon 1900 in der ersten Ausgabe meiner «Rätsel der Philosophie», die damals hieß: «Über Welt- und Lebensanschauungen» — auf diesen Planck hingewiesen; jetzt wiederum in der Neuauflage der «Rätsel der Philosophie», um zu zeigen, was er innerhalb der ganzen Entwicklung des deutschen Geisteslebens bedeutet. Man kann sagen, sehr verehrte Anwesende, in solchen Geistern kann man erfassen, wie der deutsche Geist gerade diese besondere Erkenntnisanlage hat, in sich das Seelisch-Geistige erleben, hereinfluten zu lassen dasjenige, was in den Weltengeheimnissen — ich möchte sagen — im Innersten der Natur und des Geistes webt und lebt.

[ 88 ] Karl Christian Planck — ich habe schon 1900 in der ersten Ausgabe meiner «Rätsel der Philosophie», die damals hieß: «Über Welt- und Lebensanschauungen» — auf diesen Planck hingewiesen; jetzt wiederum in der Neuauflage der «Rätsel der Philosophie», um zu zeigen, was er innerhalb der ganzen Entwicklung des deutschen Geisteslebens bedeutet. Man kann sagen, sehr verehrte Anwesende, in solchen Geistern kann man erfassen, wie der deutsche Geist gerade diese besondere Erkenntnisanlage hat, in sich das Seelisch-Geistige erleben, hereinfluten zu lassen dasjenige, was in den Weltengeheimnissen — ich möchte sagen — im Innersten der Natur und des Geistes webt und lebt.

[ 89 ] Dies anzuerkennen, ist ja jahrelang selbst — ich möchte sagen — in äußerlichen Umrissen denjenigen nicht gegeben, die jetzt wie in einem feindlichen Ring diejenigen umgeben, [die jetzt] auf 6 Millionen Quadratkilometern gegen 68 Millionen Quadratkilometer [leben], innerhalb derer sich das entwickelt, was eigentlich deutsches, deutsches Volkstum ist. Wie billig sind oftmals die Scherze, die hassgetränkt und wirklich verleumderisch von überallher gehört werden können, gegenüber dem deutschen Geistesleben, das gehasst und verleumdet wird, dem gegenüber man sich nicht bewusst ist, welche Stellung es in der Welt einnehmen muss vermöge seiner ureigenen Kraft. Man braucht nur an solche zu erinnern, wie Emile Boutroux nicht lange vor dem Krieg noch in Deutschland herumzog und Vorträge hielt über die Schönheit des deutschen Geisteslebens, über die Verbrüderung des deutschen mit dem lateinischen Geistesleben — und jetzt bringt er immer wieder und wiederum seinen Franzosen vor, sodass sie immer wieder und wieder hören können, dass dieser deutsche Geist abgeneigt wäre, auf die Dinge der Welt hinzuschauen; dieser deutsche Geist bildet sich ein, alles in seinem eigenen Inneren zu tragen, und die ganze Welt aus seinem eigenen Innern heraus gebären zu können.

[ 89 ] Dies anzuerkennen, ist ja jahrelang selbst — ich möchte sagen — in äußerlichen Umrissen denjenigen nicht gegeben, die jetzt wie in einem feindlichen Ring diejenigen umgeben, [die jetzt] auf 6 Millionen Quadratkilometern gegen 68 Millionen Quadratkilometer [leben], innerhalb derer sich das entwickelt, was eigentlich deutsches, deutsches Volkstum ist. Wie billig sind oftmals die Scherze, die hassgetränkt und wirklich verleumderisch von überallher gehört werden können, gegenüber dem deutschen Geistesleben, das gehasst und verleumdet wird, dem gegenüber man sich nicht bewusst ist, welche Stellung es in der Welt einnehmen muss vermöge seiner ureigenen Kraft. Man braucht nur an solche zu erinnern, wie Emile Boutroux nicht lange vor dem Krieg noch in Deutschland herumzog und Vorträge hielt über die Schönheit des deutschen Geisteslebens, über die Verbrüderung des deutschen mit dem lateinischen Geistesleben — und jetzt bringt er immer wieder und wiederum seinen Franzosen vor, sodass sie immer wieder und wieder hören können, dass dieser deutsche Geist abgeneigt wäre, auf die Dinge der Welt hinzuschauen; dieser deutsche Geist bildet sich ein, alles in seinem eigenen Inneren zu tragen, und die ganze Welt aus seinem eigenen Innern heraus gebären zu können.

[ 90 ] Und bei einer seiner jüngsten Reden hat Emile Boutroux es nicht verschmäht, folgenden hasserfüllten Scherz in seinen Mund zu nehmen — und er hat auch offenbar Zuhörer gefunden —, über das deutsche Geistesleben und seine Wesensart folgenden Scherz zu machen. Er hat gesagt: Der Franzose, wenn er Tiere schildern will, geht er in eine Menagerie, um sich die Tiere anzuschauen und die dann zu beschreiben; der Engländer, wenn er Tiere schildern will, macht eine Reise um die Welt, und schildert dasjenige, was er da beobachten kann; der Deutsche setzt sich in sein Studierzimmer — weder durchreist er die Welt wie der Engländer, noch geht er in die Menagerie wie der Franzose —, sondern er sitzt in seinem Studierzimmer und schöpft aus seinem eigenen Inneren heraus, aus dem, was er in sich erleben kann, das Bild des Löwen und des Elefanten und so weiter.

[ 90 ] Und bei einer seiner jüngsten Reden hat Emile Boutroux es nicht verschmäht, folgenden hasserfüllten Scherz in seinen Mund zu nehmen — und er hat auch offenbar Zuhörer gefunden —, über das deutsche Geistesleben und seine Wesensart folgenden Scherz zu machen. Er hat gesagt: Der Franzose, wenn er Tiere schildern will, geht er in eine Menagerie, um sich die Tiere anzuschauen und die dann zu beschreiben; der Engländer, wenn er Tiere schildern will, macht eine Reise um die Welt, und schildert dasjenige, was er da beobachten kann; der Deutsche setzt sich in sein Studierzimmer — weder durchreist er die Welt wie der Engländer, noch geht er in die Menagerie wie der Franzose —, sondern er sitzt in seinem Studierzimmer und schöpft aus seinem eigenen Inneren heraus, aus dem, was er in sich erleben kann, das Bild des Löwen und des Elefanten und so weiter.

[ 91 ] Nur schade — man ist ja gewöhnt, nicht wahr, dass das französische Volk ein witziges Volk ist —, es ist aber nur schade, dass dieser Witz — für denjenigen, der ein wenig die Geistesgeschichte kennt, ist das ja bekannt —, dass dieser Witz zuerst von Heinrich Heine gemacht worden ist, dass selbst dieser Witz, mit dem der Franzose das deutsche Geistesleben treffen will, auf deutschem Boden gewachsen ist!

[ 91 ] Nur schade — man ist ja gewöhnt, nicht wahr, dass das französische Volk ein witziges Volk ist —, es ist aber nur schade, dass dieser Witz — für denjenigen, der ein wenig die Geistesgeschichte kennt, ist das ja bekannt —, dass dieser Witz zuerst von Heinrich Heine gemacht worden ist, dass selbst dieser Witz, mit dem der Franzose das deutsche Geistesleben treffen will, auf deutschem Boden gewachsen ist!

[ 92 ] Und wollte man auf den Witz eingehen: Der Deutsche ginge nicht in die Menagerie oder nicht in die Wüste, beobachte nicht die Tiere draußen, sondern schaffe sie aus seinem eigenen Inneren heraus. Brehm, man halte das Buch von Brehm mit seinen Affenbeobachtungen einmal einem solchen Nichtswisser, einem solchen frivolen Spötter entgegen, der verleumdet das deutsche Volk, dass es nicht durch die Weltreise, sondern aus seinem Inneren heraus schaffe. [Dem halte man entgegen, dass das größte Weltreisewerk — was von jedem Unbefangenen anerkannt werden muss als dasjenige, durch das Amerika wissenschaftlich erst entdeckt worden ist —, dass das von Humboldt herrührt]: dem deutschen Alexander Freiherr von Humboldt!

[ 92 ] Und wollte man auf den Witz eingehen: Der Deutsche ginge nicht in die Menagerie oder nicht in die Wüste, beobachte nicht die Tiere draußen, sondern schaffe sie aus seinem eigenen Inneren heraus. Brehm, man halte das Buch von Brehm mit seinen Affenbeobachtungen einmal einem solchen Nichtswisser, einem solchen frivolen Spötter entgegen, der verleumdet das deutsche Volk, dass es nicht durch die Weltreise, sondern aus seinem Inneren heraus schaffe. [Dem halte man entgegen, dass das größte Weltreisewerk — was von jedem Unbefangenen anerkannt werden muss als dasjenige, durch das Amerika wissenschaftlich erst entdeckt worden ist —, dass das von Humboldt herrührt]: dem deutschen Alexander Freiherr von Humboldt!

[ 93 ] Da, wo es darauf ankommt, mit der Natur zu leben und Natur zu beobachten, da braucht der Deutsche wahrhaftig nicht erst den romanischen Hinweis. Und dasjenige, was dieser merkwürdige Franzose Boutroux, der durch einige gelungene Sätze ein berühmter Mann in Frankreich geworden ist, was der zu sagen hat über deutsche Innerlichkeit, das ist nun wahrhaftig recht weit entfernt von dem, was sich als diese deutsche Innerlichkeit herausstellt, wenn man sie in einigen ihrem Kern betrachtet, wie wir das heute mit einigen Worten zu tun versuchten.

[ 93 ] Da, wo es darauf ankommt, mit der Natur zu leben und Natur zu beobachten, da braucht der Deutsche wahrhaftig nicht erst den romanischen Hinweis. Und dasjenige, was dieser merkwürdige Franzose Boutroux, der durch einige gelungene Sätze ein berühmter Mann in Frankreich geworden ist, was der zu sagen hat über deutsche Innerlichkeit, das ist nun wahrhaftig recht weit entfernt von dem, was sich als diese deutsche Innerlichkeit herausstellt, wenn man sie in einigen ihrem Kern betrachtet, wie wir das heute mit einigen Worten zu tun versuchten.

[ 94 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, wenn man nun versucht, andere Stimmen zu hören, zum Beispiel östliche Stimmen, da wird die Sache erst recht deutlich. Da muss man sagen: Im Osten Europas, auf russischem Boden — nicht nur trotz des großen Philosophen Solowjow, sondern gerade wegen der eigentümlichen Art des großen Philosophen Solowjow kann man das sagen —, im Osten Europas kann heute noch gar nicht ein Verständnis sein für dieses eigentümliche Verhältnis der Menschenseele zu dem die Welt durchdringenden Geistigen und wesenhaften Lebendigen; sondern da drüben ist alles so, dass kein Verständnis noch vorhanden ist für das Erleben des die Welt durchpulsenden und durchwebenden Geistes im eigenen inneren Seelenwesen, dass man alles entgegengetragen haben will, dass alles entgegenkommen soll, dass alles nur eine Offenbarung, allerdings eine Geistoffenbarung von außen sein soll. So stellten sich selbst die größten russischen Philosophen des neunzehnten und des Beginnes des zwanzigsten Jahrhunderts ganz ablchnend gegenüber dem eigentlichen Wesen Mitteleuropas, übrigens auch sogar Westeuropas.

[ 94 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, wenn man nun versucht, andere Stimmen zu hören, zum Beispiel östliche Stimmen, da wird die Sache erst recht deutlich. Da muss man sagen: Im Osten Europas, auf russischem Boden — nicht nur trotz des großen Philosophen Solowjow, sondern gerade wegen der eigentümlichen Art des großen Philosophen Solowjow kann man das sagen —, im Osten Europas kann heute noch gar nicht ein Verständnis sein für dieses eigentümliche Verhältnis der Menschenseele zu dem die Welt durchdringenden Geistigen und wesenhaften Lebendigen; sondern da drüben ist alles so, dass kein Verständnis noch vorhanden ist für das Erleben des die Welt durchpulsenden und durchwebenden Geistes im eigenen inneren Seelenwesen, dass man alles entgegengetragen haben will, dass alles entgegenkommen soll, dass alles nur eine Offenbarung, allerdings eine Geistoffenbarung von außen sein soll. So stellten sich selbst die größten russischen Philosophen des neunzehnten und des Beginnes des zwanzigsten Jahrhunderts ganz ablchnend gegenüber dem eigentlichen Wesen Mitteleuropas, übrigens auch sogar Westeuropas.

[ 95 ] Das, was sie immer wieder zu sagen haben, bedeutende Geister der russischen Geisteskultur — der Deutsche merkte das nur nicht, weil er einfach nahm — ich möchte sagen — die außerordentlich lebendige Schilderung eines Tolstoi, eines Dostojewski — der Deutsche merkte das gar nicht! Innerhalb des russischen Geisteslebens ist im Grunde genommen nur die Anschauung vorhanden, dieses ganze Leben, wie es sich in Fichte, Schelling, Hegel, in den anderen westeuropäischen Geistern zum Ausdruck gebracht habe, ist grauenhaft, ist abstoßend im Grunde genommen, ist ein abstraktes Gedankenleben, etwas, was nicht herandringe an Herz und Sinn des wirklichen Menschen. Das müsse alles ersetzt werden durch dasjenige, was im russischen Menschen lebt. Dasjenige, was man im Politischen ordnet, ob Fähigkeit oder nicht Fähigkeit, darauf komme es nicht an. Das «Testament Peters des Großen» enthält die ganze geistige Philosophie Russlands; im neunzehnten Jahrhundert zeigen die Philosophen denselben Grundton, den Grundton, der darauf hinausläuft, West- und Mitteleuropa nur als etwas Grauenhaftes und Abgelebtes zu betrachten.

[ 95 ] Das, was sie immer wieder zu sagen haben, bedeutende Geister der russischen Geisteskultur — der Deutsche merkte das nur nicht, weil er einfach nahm — ich möchte sagen — die außerordentlich lebendige Schilderung eines Tolstoi, eines Dostojewski — der Deutsche merkte das gar nicht! Innerhalb des russischen Geisteslebens ist im Grunde genommen nur die Anschauung vorhanden, dieses ganze Leben, wie es sich in Fichte, Schelling, Hegel, in den anderen westeuropäischen Geistern zum Ausdruck gebracht habe, ist grauenhaft, ist abstoßend im Grunde genommen, ist ein abstraktes Gedankenleben, etwas, was nicht herandringe an Herz und Sinn des wirklichen Menschen. Das müsse alles ersetzt werden durch dasjenige, was im russischen Menschen lebt. Dasjenige, was man im Politischen ordnet, ob Fähigkeit oder nicht Fähigkeit, darauf komme es nicht an. Das «Testament Peters des Großen» enthält die ganze geistige Philosophie Russlands; im neunzehnten Jahrhundert zeigen die Philosophen denselben Grundton, den Grundton, der darauf hinausläuft, West- und Mitteleuropa nur als etwas Grauenhaftes und Abgelebtes zu betrachten.

[ 96 ] Großmannssucht ist dann die unmittelbare Folge einer solch sich reif dünkenden, aber nur aus der Unreife heraus reif dünkenden Weltanschauung. Und so kann man dann zum Beispiel allerdings Folgendes erleben. Zunächst wendet — lassen Sie mich das zum Schlusse noch ausführen — ein hervorragender russischer Geist des neunzehnten Jahrhunderts, Jushakow, 1885 seinen Blick nach Asien hinüber, denn das sei unmittelbar bevorstehend, dass im Osten aus demselben Volkstum etwas herauswachsen müsse unmittelbar wie eine große, welthistorische Sendung. Nimmermehr könne das aber aus dem west- oder mitteleuropäischen Volkstum herauswachsen, heraus erfolgen. Und so schreibt Jushakow 1885 ein merkwürdiges Buch, dessen Blick allerdings zunächst nach Asien hinübergerichtet ist — ein merkwürdiges Buch!

[ 96 ] Großmannssucht ist dann die unmittelbare Folge einer solch sich reif dünkenden, aber nur aus der Unreife heraus reif dünkenden Weltanschauung. Und so kann man dann zum Beispiel allerdings Folgendes erleben. Zunächst wendet — lassen Sie mich das zum Schlusse noch ausführen — ein hervorragender russischer Geist des neunzehnten Jahrhunderts, Jushakow, 1885 seinen Blick nach Asien hinüber, denn das sei unmittelbar bevorstehend, dass im Osten aus demselben Volkstum etwas herauswachsen müsse unmittelbar wie eine große, welthistorische Sendung. Nimmermehr könne das aber aus dem west- oder mitteleuropäischen Volkstum herauswachsen, heraus erfolgen. Und so schreibt Jushakow 1885 ein merkwürdiges Buch, dessen Blick allerdings zunächst nach Asien hinübergerichtet ist — ein merkwürdiges Buch!

[ 97 ] In diesem Buche wird etwa das Folgende ausgedrückt: Wenn wir da hinüberschauen nach Asien, so finden wir in Asien eine alte, wunderbare Weltenkultur vorhanden, sich ausbreiten, die nur eben alt geworden ist. Diese Weltenkultur, sie hat sich selber verstehen wollen dadurch, dass sie einander gegenübergestellt hat zwei geistige Wesenheiten: Ahriman und Ormuzd. Ormuzd wird von diesen Asiaten, namentlich von den iranischen Asiaten, zu denen zum Beispiel auch die Inder, die Perser gehören, Ormuzd wird als derjenige Geist verehrt, welcher der Erde die Früchte abgewinnt; welcher aber auch in die Menschenseele hinein das geistige Streben bringt, der sie erhebt, der sie erleben lässt das Geistige.

[ 97 ] In diesem Buche wird etwa das Folgende ausgedrückt: Wenn wir da hinüberschauen nach Asien, so finden wir in Asien eine alte, wunderbare Weltenkultur vorhanden, sich ausbreiten, die nur eben alt geworden ist. Diese Weltenkultur, sie hat sich selber verstehen wollen dadurch, dass sie einander gegenübergestellt hat zwei geistige Wesenheiten: Ahriman und Ormuzd. Ormuzd wird von diesen Asiaten, namentlich von den iranischen Asiaten, zu denen zum Beispiel auch die Inder, die Perser gehören, Ormuzd wird als derjenige Geist verehrt, welcher der Erde die Früchte abgewinnt; welcher aber auch in die Menschenseele hinein das geistige Streben bringt, der sie erhebt, der sie erleben lässt das Geistige.

[ 98 ] Dem gegenüber steht Ahriman, der verbunden ist mit dem Geist der Iranier, der Turanier, der die Asiaten so durch das Böse führte, dass die gesegneten Verhältnisse des Ormuzd von ihm durchkreuzt wurden. Und da sehen wir denn wirklich — meint Jushakow — in Asien drüben Ormuzd und Ahriman ihren Kampf ausfechten und den Menschen hineingestellt in diesen Kampf.

[ 98 ] Dem gegenüber steht Ahriman, der verbunden ist mit dem Geist der Iranier, der Turanier, der die Asiaten so durch das Böse führte, dass die gesegneten Verhältnisse des Ormuzd von ihm durchkreuzt wurden. Und da sehen wir denn wirklich — meint Jushakow — in Asien drüben Ormuzd und Ahriman ihren Kampf ausfechten und den Menschen hineingestellt in diesen Kampf.

[ 99 ] 1885, meine sehr verehrten Anwesenden, merken Sie wohl, schreibt dies Jushakow! Und er sagt: O, diese armen Asiaten! Was haben die egoistischen, die greisenhaften Europäer aus ihnen gemacht? Was haben sie aus ihnen werden lassen!

[ 99 ] 1885, meine sehr verehrten Anwesenden, merken Sie wohl, schreibt dies Jushakow! Und er sagt: O, diese armen Asiaten! Was haben die egoistischen, die greisenhaften Europäer aus ihnen gemacht? Was haben sie aus ihnen werden lassen!

[ 100 ] So stellt Jushakow die Sache dar, als ob die Europäer aus ihrer Selbstsucht heraus, aus ihrer Greisenhaftigkeit, dasjenige, was Ormuzd den Asiaten als Segen gebracht hat, ihnen genommen hätten. Die Russen aber müssen aus ihrer Weltanschauung heraus — die in alle Greisenhaftigkeit wiederum hineintragen muss die Belebung, ein belebendes Element —, die Russen müssen kommen und den Asiaten helfen, [die Russen] müssen den Asiaten sich verbinden. So sagt Jushakow. — Wie gesagt, nach Asien hinüber ist der Blick gerichtet.

[ 100 ] So stellt Jushakow die Sache dar, als ob die Europäer aus ihrer Selbstsucht heraus, aus ihrer Greisenhaftigkeit, dasjenige, was Ormuzd den Asiaten als Segen gebracht hat, ihnen genommen hätten. Die Russen aber müssen aus ihrer Weltanschauung heraus — die in alle Greisenhaftigkeit wiederum hineintragen muss die Belebung, ein belebendes Element —, die Russen müssen kommen und den Asiaten helfen, [die Russen] müssen den Asiaten sich verbinden. So sagt Jushakow. — Wie gesagt, nach Asien hinüber ist der Blick gerichtet.

[ 101 ] Nicht ich sage das, Jushakow sagt das 1885. Und Jushakow sagt das Merkwürdige: Hinüberdringen wird nach Asien der wunderbare, gesegnete Bund der Bauern — der russischen Bauern — und der Kosaken und werde sich mit den armen Asiaten verbinden gegen Ahriman, um die Segnungen des Ormuzd aufrechterhalten zu können.

[ 101 ] Nicht ich sage das, Jushakow sagt das 1885. Und Jushakow sagt das Merkwürdige: Hinüberdringen wird nach Asien der wunderbare, gesegnete Bund der Bauern — der russischen Bauern — und der Kosaken und werde sich mit den armen Asiaten verbinden gegen Ahriman, um die Segnungen des Ormuzd aufrechterhalten zu können.

[ 102 ] Und gegen wen hauptsächlich wendet sich Jushakow? 1885 — ich muss das immer wieder betonen —, da sagt er: O, diese Asiaten, sie haben furchtbar gelitten durch das grauenhafte Europäertum, das sich nur in furchtbarstem Egoismus aneignen wollte dasjenige, was das Asiatentum unter Ormuzds Frucht- und Segen-Bringendem für die Menschheit geschaffen hat. Wie haben die Europäer die Asiaten betrachtet? Und welche Europäer hat Jushakow im Sinn? Jushakow, er hat, 1885, die Engländer im Sinn; merkwürdigerweise. Hören wir, was er sagt: Diese asiatischen Völker, sie werden von den Engländern betrachtet nur so, als ob sie dazu da wären, um sich in englische Gewänder zu kleiden, in englische Gewebe zu kleiden, mit englischen Waffen untereinander zu kämpfen, mit englischem Werkzeug zu arbeiten, aus englischen Gefäßen zu essen und mit englischem Flitter zu spielen. Dann sagt er weiter — 1885:

[ 102 ] Und gegen wen hauptsächlich wendet sich Jushakow? 1885 — ich muss das immer wieder betonen —, da sagt er: O, diese Asiaten, sie haben furchtbar gelitten durch das grauenhafte Europäertum, das sich nur in furchtbarstem Egoismus aneignen wollte dasjenige, was das Asiatentum unter Ormuzds Frucht- und Segen-Bringendem für die Menschheit geschaffen hat. Wie haben die Europäer die Asiaten betrachtet? Und welche Europäer hat Jushakow im Sinn? Jushakow, er hat, 1885, die Engländer im Sinn; merkwürdigerweise. Hören wir, was er sagt: Diese asiatischen Völker, sie werden von den Engländern betrachtet nur so, als ob sie dazu da wären, um sich in englische Gewänder zu kleiden, in englische Gewebe zu kleiden, mit englischen Waffen untereinander zu kämpfen, mit englischem Werkzeug zu arbeiten, aus englischen Gefäßen zu essen und mit englischem Flitter zu spielen. Dann sagt er weiter — 1885:

«England beutet Millionen von Hindus aus, seine ganze Existenz aber hängt von dem Gehorsam der verschiedenen Völker ab, welche die reiche Halbinsel bewohnen. Ich wünsche»

«England beutet Millionen von Hindus aus, seine ganze Existenz aber hängt von dem Gehorsam der verschiedenen Völker ab, welche die reiche Halbinsel bewohnen. Ich wünsche»

[ 103 ] sagt Jushakow — meinem russischen

[ 103 ] sagt Jushakow — meinem russischen

«Vaterland nichts Ähnliches — ich kann mich nur freuen, dass es von diesem so glänzenden wie traurigen Zustand»,

«Vaterland nichts Ähnliches — ich kann mich nur freuen, dass es von diesem so glänzenden wie traurigen Zustand»,

[ 104 ] den England geschaffen hat,

[ 104 ] den England geschaffen hat,

«hinlänglich weit entfernt ist»

«hinlänglich weit entfernt ist»

[ 105 ] und nichts mit diesem schrecklichen England zu tun hat. So Jushakow 1885; so blickt ein Russe 1885 nach Asien hinüber.

[ 105 ] und nichts mit diesem schrecklichen England zu tun hat. So Jushakow 1885; so blickt ein Russe 1885 nach Asien hinüber.

[ 106 ] Es wird wohl darinnen wahrscheinlich der Grund liegen, dass dann der Russe sich verbündet hat kurz darauf mit England, um zunächst allerdings nicht den Asiaten gegen Ahriman zu helfen, sondern um dasjenige zu zerstören, was aus so tiefen Wurzeln heraus ein solches Geistesleben auch — neben allen anderen deutschen Eigenschaften — darstellen kann, wie es geschildert werden durfte.

[ 106 ] Es wird wohl darinnen wahrscheinlich der Grund liegen, dass dann der Russe sich verbündet hat kurz darauf mit England, um zunächst allerdings nicht den Asiaten gegen Ahriman zu helfen, sondern um dasjenige zu zerstören, was aus so tiefen Wurzeln heraus ein solches Geistesleben auch — neben allen anderen deutschen Eigenschaften — darstellen kann, wie es geschildert werden durfte.

[ 107 ] Und so muss noch von dem Orte aus, auf dem 150 Millionen Menschen gegen 777 Millionen Menschen sich halten müssen, das Bewusstsein kraftvoll erwachen, was deutsches Wesen im Entwicklungsgang der Menschheit im Grunde zu bedeuten hat.

[ 107 ] Und so muss noch von dem Orte aus, auf dem 150 Millionen Menschen gegen 777 Millionen Menschen sich halten müssen, das Bewusstsein kraftvoll erwachen, was deutsches Wesen im Entwicklungsgang der Menschheit im Grunde zu bedeuten hat.

[ 108 ] Bei denjenigen Deutschen, deren Blick gewendet war auf deutsches Wesen, war immer ein Bewusstsein davon vorhanden — ein Bewusstsein diesseits und jenseits der Erzberge, in der Steiermark ebenso wie am Rhein und im äußersten Osten Deutschlands. Und wie dasjenige, was heute durch die großen Ereignisse zusammengeschmiedet [wird] in Mitteleuropa — im Grunde genommen bei denjenigen, die etwas davon verstanden, sich immer zusammenschmieden wollte —, das mag uns ein schönes Wort eines österreichischen Deutschen zeigen, ein Wort, das 1862 noch geschrieben ist, des Österreich-Deutschen Robert Hamerling.

[ 108 ] Bei denjenigen Deutschen, deren Blick gewendet war auf deutsches Wesen, war immer ein Bewusstsein davon vorhanden — ein Bewusstsein diesseits und jenseits der Erzberge, in der Steiermark ebenso wie am Rhein und im äußersten Osten Deutschlands. Und wie dasjenige, was heute durch die großen Ereignisse zusammengeschmiedet [wird] in Mitteleuropa — im Grunde genommen bei denjenigen, die etwas davon verstanden, sich immer zusammenschmieden wollte —, das mag uns ein schönes Wort eines österreichischen Deutschen zeigen, ein Wort, das 1862 noch geschrieben ist, des Österreich-Deutschen Robert Hamerling.

[ 109 ] Ich darf wohl gerade auf diese Verhältnisse jenseits der Erzberge hinweisen, aus dem Grunde, weil ich ja selbst nahezu dreißig Jahre meines Lebens unter dem deutschen Österreich als selber ein deutscher Österreicher verlebt habe, teilgenommen habe an denjenigen Berätigungen und auch Kämpfen, welche die Deutschen innerhalb Österreichs zu führen haben.

[ 109 ] Ich darf wohl gerade auf diese Verhältnisse jenseits der Erzberge hinweisen, aus dem Grunde, weil ich ja selbst nahezu dreißig Jahre meines Lebens unter dem deutschen Österreich als selber ein deutscher Österreicher verlebt habe, teilgenommen habe an denjenigen Berätigungen und auch Kämpfen, welche die Deutschen innerhalb Österreichs zu führen haben.

[ 110 ] Es ist derselbe Hamerling, der seine Gesinnung gegenüber Österreich und Deutschland in dem schönen Wort aussprach: Österreich ist mein Vaterland, Deutschland aber ist mein Mutterland — ein Wort, das jedem Österreichisch-Deutschen, der über die äußeren Verhältnisse hinausblicken kann, im Unbestimmbaren lebt. Ich brauche nichts zu sagen über die anderen geistigen Leistungen Robert Hamerlings, möchte nur aufmerksam machen, dass 1884 Robert Hamerling es war, der von Graz aus herzhafte Worte nach Deutschland herüberrief, wie man erfuhr, dass in Paris aufgestellt wurde eine Statue der Göttin Straßburg, und dass die deutsche Fahne verbrannt wurde bei einem Feste, das der Göttin Straßburg gefeiert wurde. Damals war es Robert Hamerling, der die Worte von Graz herübertönen ließ nach Deutschland:

[ 110 ] Es ist derselbe Hamerling, der seine Gesinnung gegenüber Österreich und Deutschland in dem schönen Wort aussprach: Österreich ist mein Vaterland, Deutschland aber ist mein Mutterland — ein Wort, das jedem Österreichisch-Deutschen, der über die äußeren Verhältnisse hinausblicken kann, im Unbestimmbaren lebt. Ich brauche nichts zu sagen über die anderen geistigen Leistungen Robert Hamerlings, möchte nur aufmerksam machen, dass 1884 Robert Hamerling es war, der von Graz aus herzhafte Worte nach Deutschland herüberrief, wie man erfuhr, dass in Paris aufgestellt wurde eine Statue der Göttin Straßburg, und dass die deutsche Fahne verbrannt wurde bei einem Feste, das der Göttin Straßburg gefeiert wurde. Damals war es Robert Hamerling, der die Worte von Graz herübertönen ließ nach Deutschland:

Mögt ihr an die Rache glauben,
Und an künft’ger Sieger Kranz:
Hoffet nicht, zurückzurauben
Eine Scholle deutschen Lands!
Mögt ihr schwärmen auch wie Raben
Um ein Elsass-Standbild her,
Straßburg werdet ihr nicht haben,
Straßburg nimmermehr.

Mögt ihr an die Rache glauben,
Und an künft’ger Sieger Kranz:
Hoffet nicht, zurückzurauben
Eine Scholle deutschen Lands!
Mögt ihr schwärmen auch wie Raben
Um ein Elsass-Standbild her,
Straßburg werdet ihr nicht haben,
Straßburg nimmermehr.

[ 111 ] Dieser selbe Robert Hamerling hat 1862 in einer seiner früheren Dichtungen, im «Germanenzug», vor seinem geistigen Blicke vorbeizichen lassen die alten Germanen, die Vorfahren der Deutschen, wie sie von Asien herüberziehen. Er lässt sie noch in Asien drüben, an der Grenze von Europa, lagern. Wunderschön schildert er das Bild des Abends, das Abendbild, wie die untergehende Sonne über ihnen ist, wie der Mond heraufkommt; dann schildert er, wie alles in Schlaf verfällt von den wandernden Germanen, wie nur einer wacht, mit blonden Locken, mit strahlenden Augen, von der Begeisterung des Wesens seines Volkes: Teut. Der Genius spricht zu Teut, der von der künftigen Wesenheit der Deutschheit sprechen will. Da spricht er zum Beispiel, der Genius des deutschen Volkes, zu Teut die Worte zu dem blonden, repräsentativen Jüngling der Germanen:

[ 111 ] Dieser selbe Robert Hamerling hat 1862 in einer seiner früheren Dichtungen, im «Germanenzug», vor seinem geistigen Blicke vorbeizichen lassen die alten Germanen, die Vorfahren der Deutschen, wie sie von Asien herüberziehen. Er lässt sie noch in Asien drüben, an der Grenze von Europa, lagern. Wunderschön schildert er das Bild des Abends, das Abendbild, wie die untergehende Sonne über ihnen ist, wie der Mond heraufkommt; dann schildert er, wie alles in Schlaf verfällt von den wandernden Germanen, wie nur einer wacht, mit blonden Locken, mit strahlenden Augen, von der Begeisterung des Wesens seines Volkes: Teut. Der Genius spricht zu Teut, der von der künftigen Wesenheit der Deutschheit sprechen will. Da spricht er zum Beispiel, der Genius des deutschen Volkes, zu Teut die Worte zu dem blonden, repräsentativen Jüngling der Germanen:

«Wem bricht dereinst das Wort aus Seelentiefen
Wie deinem Volk, so reich, so zart, so mächtig?
Wer haucht so weihevoll in Saitenklänge
Sein Innerstes? Wem zich’n den Sinn so prächtig
Ins Himmelsblau granit'ne Hieroglyphen
Des Seelenaufschwungs aus des Lebens Enge?
Wer knüpft zuletzt die Stränge
Des forschenden Gedankens an die Sterne
So kühn und strebt und kämpft auf allen Bahnen?
Wen führt so hoch, so tief sein Drang, sein Ahnen?
Wer fasst so treu das Nahe wie das Ferne?
Wo spiegelt jede Erd- und Himmelszone
Sich wie in deinem Denken, O Teutone?»

«Wem bricht dereinst das Wort aus Seelentiefen
Wie deinem Volk, so reich, so zart, so mächtig?
Wer haucht so weihevoll in Saitenklänge
Sein Innerstes? Wem zich’n den Sinn so prächtig
Ins Himmelsblau granit'ne Hieroglyphen
Des Seelenaufschwungs aus des Lebens Enge?
Wer knüpft zuletzt die Stränge
Des forschenden Gedankens an die Sterne
So kühn und strebt und kämpft auf allen Bahnen?
Wen führt so hoch, so tief sein Drang, sein Ahnen?
Wer fasst so treu das Nahe wie das Ferne?
Wo spiegelt jede Erd- und Himmelszone
Sich wie in deinem Denken, O Teutone?»

[ 112 ] Dann fährt Hamerling fort, indem er darauf hinweist, wie in einer späteren Gestalt wiederum auftreten muss dasjenige, was der Asiate suchte, was auch die Vorfahren der Germanen drüben in Asien suchten, als sie auslöschten die menschliche Wesenheit, das Ich abdämpften, um sich zum Geist der Welt zu erheben. Diese asiatische Art, auch wie sie heute im Indertum auftritt, sie kann nicht mehr der heutige gegenwärtige Weg sein. Dadurch, dass der Christusimpuls in die Welt hereingedrungen ist, muss in einer anderen Weise die Angliederung des menschlichen Ich an die Weltengeistigkeit gesucht werden. Das Ich muss erhöht, erkraftet werden, wie wir das sehen bei den drei — Fichte, Hegel, Schelling — und anderen; das Ich muss erkraftet werden; aber so, wie es sein muss, nachdem der größte Impuls in die Menschheitsentwicklung hereingetreten ist, wie die Erde geschaut hat den Christus-Impuls, wie es sein muss, wie auf einer höheren Stufe das asiatische Streben erscheinen muss, so erschien es aus der tiefsten Wurzel des Volkswesens heraus. Und das will Robert Hamerling ausdrücken, indem er auch den Genius sprechen lässt zu dem blonden Teut, zu dem blonden Repräsentanten des Deutschtums.

[ 112 ] Dann fährt Hamerling fort, indem er darauf hinweist, wie in einer späteren Gestalt wiederum auftreten muss dasjenige, was der Asiate suchte, was auch die Vorfahren der Germanen drüben in Asien suchten, als sie auslöschten die menschliche Wesenheit, das Ich abdämpften, um sich zum Geist der Welt zu erheben. Diese asiatische Art, auch wie sie heute im Indertum auftritt, sie kann nicht mehr der heutige gegenwärtige Weg sein. Dadurch, dass der Christusimpuls in die Welt hereingedrungen ist, muss in einer anderen Weise die Angliederung des menschlichen Ich an die Weltengeistigkeit gesucht werden. Das Ich muss erhöht, erkraftet werden, wie wir das sehen bei den drei — Fichte, Hegel, Schelling — und anderen; das Ich muss erkraftet werden; aber so, wie es sein muss, nachdem der größte Impuls in die Menschheitsentwicklung hereingetreten ist, wie die Erde geschaut hat den Christus-Impuls, wie es sein muss, wie auf einer höheren Stufe das asiatische Streben erscheinen muss, so erschien es aus der tiefsten Wurzel des Volkswesens heraus. Und das will Robert Hamerling ausdrücken, indem er auch den Genius sprechen lässt zu dem blonden Teut, zu dem blonden Repräsentanten des Deutschtums.

«Doch wie auch stolz du aufstrebst, and’re Schwärme
Hoch überschwebend, stets noch eine Lohe
Wirst du bewahren, uralt heil’gen Brandes:
Fortleben wird in dir die traumesfrohe
Gotttrunkenheit, die seel’ge Herzenswärme
Des alten asiat’schen Heimatlandes. Geruhigen Bestandes
Wird dieser heil’ge Strahl, ein Tempelfeuer
Der Menschheit, frei von Rauch, mit reiner Flamme
Fortglüh’n in deiner Brust und Seelenamme
Dir bleiben und Pilote deinem Steuer!
Du strebst nur, weil du liebst: dein kühnstes Denken
Wird Andacht sein, die sich in Gott will senken.»

«Doch wie auch stolz du aufstrebst, and’re Schwärme
Hoch überschwebend, stets noch eine Lohe
Wirst du bewahren, uralt heil’gen Brandes:
Fortleben wird in dir die traumesfrohe
Gotttrunkenheit, die seel’ge Herzenswärme
Des alten asiat’schen Heimatlandes. Geruhigen Bestandes
Wird dieser heil’ge Strahl, ein Tempelfeuer
Der Menschheit, frei von Rauch, mit reiner Flamme
Fortglüh’n in deiner Brust und Seelenamme
Dir bleiben und Pilote deinem Steuer!
Du strebst nur, weil du liebst: dein kühnstes Denken
Wird Andacht sein, die sich in Gott will senken.»

[ 113 ] Und das ist ja gerade dasjenige, was aus aller Wissenschaft, aus allem Erkennen, das der Deutsche anstrebt, sich erhebt: dieses Hintragen auch desjenigen, was man wissen kann, wie zum Altar einer vergöttlichten Weltanschauung selber. Nicht Religion will Geisteswissenschaft sein, nicht ersetzen will sie diese; sie will sich als wahre Wissenschaft neben Religion hinstellen — sie will die Religion nicht im Mindesten beeinträchtigen, will sie gelten lassen —, wie eine Strömung, die sich hinstellt als wahre Wissenschaft, die auch die Religion nur stützen, nicht irgendwie ersetzen will. Aber dasjenige, was Geisteswissenschaft leisten kann, es wird zu gleicher Zeit dargebracht — um den Böhme’schen Ausdruck zu gebrauchen —, um Gotttrunkenheit, das heißt: das Erleben des Geistigen der Welt im eigenen Seelensein, zu erfahren.

[ 113 ] Und das ist ja gerade dasjenige, was aus aller Wissenschaft, aus allem Erkennen, das der Deutsche anstrebt, sich erhebt: dieses Hintragen auch desjenigen, was man wissen kann, wie zum Altar einer vergöttlichten Weltanschauung selber. Nicht Religion will Geisteswissenschaft sein, nicht ersetzen will sie diese; sie will sich als wahre Wissenschaft neben Religion hinstellen — sie will die Religion nicht im Mindesten beeinträchtigen, will sie gelten lassen —, wie eine Strömung, die sich hinstellt als wahre Wissenschaft, die auch die Religion nur stützen, nicht irgendwie ersetzen will. Aber dasjenige, was Geisteswissenschaft leisten kann, es wird zu gleicher Zeit dargebracht — um den Böhme’schen Ausdruck zu gebrauchen —, um Gotttrunkenheit, das heißt: das Erleben des Geistigen der Welt im eigenen Seelensein, zu erfahren.

[ 114 ] Das ist es, was von dem deutschen Philosophen, dem deutschen Mystiker Jakob Böhme so empfunden wurde, und was erscheinen kann wie ein Motto, ein Leitwort des deutschen Wesens selber, wenn Jakob Böhme sagt: Wenn du zu den tiefen Erscheinungen der Welt dich hinwendest, und die Sterne und die Erde anschaust, so siehest du deinen Gott, und in demselben lebst und strebst und wandelst du, und wirst in diesem Gott begraben.

[ 114 ] Das ist es, was von dem deutschen Philosophen, dem deutschen Mystiker Jakob Böhme so empfunden wurde, und was erscheinen kann wie ein Motto, ein Leitwort des deutschen Wesens selber, wenn Jakob Böhme sagt: Wenn du zu den tiefen Erscheinungen der Welt dich hinwendest, und die Sterne und die Erde anschaust, so siehest du deinen Gott, und in demselben lebst und strebst und wandelst du, und wirst in diesem Gott begraben.

[ 115 ] Das ist aus deutscher Erkenntnis heraus beschlossene Weltanschauung, geistige Weltanschauung.

[ 115 ] Das ist aus deutscher Erkenntnis heraus beschlossene Weltanschauung, geistige Weltanschauung.

[ 116 ] Und wie begegnet man ihr? Lassen Sie uns gerade noch einen ganz kurzen Blick zum Schlusse werfen, sagen wir, auf Russland. Russland — es braucht heute einen neuen Wahn: den Wahn von der «Greisenhaftigkeit» Europas. Es braucht diesen neuen Wahn von der Greisenhaftigkeit Europas, um zu beweisen, dass dies europäische Geistesleben, und namentlich das mitteleuropäische Geistesleben veraltet ist; einen neuen Wahn, wie Russland immer einen Wahn brauchte.

[ 116 ] Und wie begegnet man ihr? Lassen Sie uns gerade noch einen ganz kurzen Blick zum Schlusse werfen, sagen wir, auf Russland. Russland — es braucht heute einen neuen Wahn: den Wahn von der «Greisenhaftigkeit» Europas. Es braucht diesen neuen Wahn von der Greisenhaftigkeit Europas, um zu beweisen, dass dies europäische Geistesleben, und namentlich das mitteleuropäische Geistesleben veraltet ist; einen neuen Wahn, wie Russland immer einen Wahn brauchte.

[ 117 ] Frankreich — ja, man möchte ganz objektiv bleiben, nicht unrecht tun irgendjemandem. Der Deutsche hat nicht nötig, in jene Töne einzustimmen, in denen sich heute seine Feinde ergehen. So darf man vielleicht auf einen französischen Dichter selber hinhören, der ja gar nicht lange vor dem Kriege ein Bild seines Volkes geschaffen hat in einer dramatischen Darstellung, die recht interessant ist: Die Franzosen haben sich gewöhnt durch Jahrhunderte hindurch, dass alles auf sie hört. Sie haben sich angewöhnt zuletzt, sich als diejenigen zu betrachten, die in aller äußeren Kultur tonangebend sind. Und daher meint Rostand selber, der Franzose meint es selber in dieser seiner dichterischen Darstellung. Der Franzose sei wie ein Hahn, wenn er am Morgen krähe, da gehe die Sonne auf. Und so komme er allmählich zu der Meinung: Weil ich krähe, geht die Sonne auf. Und er könne sich nicht vorstellen, dass die Sonne auch aufgehe, wenn er nicht krähe.

[ 117 ] Frankreich — ja, man möchte ganz objektiv bleiben, nicht unrecht tun irgendjemandem. Der Deutsche hat nicht nötig, in jene Töne einzustimmen, in denen sich heute seine Feinde ergehen. So darf man vielleicht auf einen französischen Dichter selber hinhören, der ja gar nicht lange vor dem Kriege ein Bild seines Volkes geschaffen hat in einer dramatischen Darstellung, die recht interessant ist: Die Franzosen haben sich gewöhnt durch Jahrhunderte hindurch, dass alles auf sie hört. Sie haben sich angewöhnt zuletzt, sich als diejenigen zu betrachten, die in aller äußeren Kultur tonangebend sind. Und daher meint Rostand selber, der Franzose meint es selber in dieser seiner dichterischen Darstellung. Der Franzose sei wie ein Hahn, wenn er am Morgen krähe, da gehe die Sonne auf. Und so komme er allmählich zu der Meinung: Weil ich krähe, geht die Sonne auf. Und er könne sich nicht vorstellen, dass die Sonne auch aufgehe, wenn er nicht krähe.

[ 118 ] Der Franzose braucht eine neue Einbildung; er muss glauben können, dass nichts geschehen kann in der Welt, wenn er nicht kräht. Er braucht eine neue Einbildung über sein eigenes Wesen. Und im Grunde genommen — man braucht nur die geschichtlichen Vorgänge wirklich auf seine Seele wirken zu lassen seit dem Jahre 1870, und man wird sehen, wie sich diese neue Einbildung allmählich herausgestaltet hat, und wie sie nicht verlassen hat den französischen Volksgeist. — Sie können es auch nachlesen, was darüber gesagt worden ist in meinem Büchelchen: «Gedanken während der Zeit des Krieges. Für Deutsche und diejenigen, die nicht glauben sie hassen zu müssen».

[ 118 ] Der Franzose braucht eine neue Einbildung; er muss glauben können, dass nichts geschehen kann in der Welt, wenn er nicht kräht. Er braucht eine neue Einbildung über sein eigenes Wesen. Und im Grunde genommen — man braucht nur die geschichtlichen Vorgänge wirklich auf seine Seele wirken zu lassen seit dem Jahre 1870, und man wird sehen, wie sich diese neue Einbildung allmählich herausgestaltet hat, und wie sie nicht verlassen hat den französischen Volksgeist. — Sie können es auch nachlesen, was darüber gesagt worden ist in meinem Büchelchen: «Gedanken während der Zeit des Krieges. Für Deutsche und diejenigen, die nicht glauben sie hassen zu müssen».

[ 119 ] Der Engländer, man möchte den Engländern wirklich auch nicht unrecht tun. Aber wenn man so hört, wie einer der tonangebenden gegenwärtigen englischen Politiker zu den Deutschen es hinübertönen lässt, herüber über den Kanal, dass bei ihnen «Macht vor Recht» gehe, und dass das ein deutscher Grundsatz wäre — dann muss man denn doch betonen: Der Grundsatz «Macht geht vor Recht» als ein wirklich berechtigter findet [sich] bei dem englischen Schriftsteller Thomas Hobbes, [dort] wird das zuerst angeführt. Es ist ein spezifisch englisches Produkt, der Satz «Macht geht vor Recht», und alles Recht wurzelt in der Macht. Und so könnte man viele Sachen finden; man möchte, wie gesagt, nicht unrecht tun, aber ich muss den Satz aussprechen: All diese Völker, sie brauchen etwas, um sich selber zu betäuben darüber, was sie eigentlich vor der Weltgeschichte tun, um das zu betäuben, wie sie handeln, sie brauchen etwas wie einen Nebel, der sich darüber hüllt über die Wahrheit. England braucht eine neue Lüge — das kann, ohne irgendwie unsachlich zu werden, aus den Tatsachen selber heraus gesagt werden. Und Italien? Ja, ein nicht unbedeutender Politiker Italiens hat mich vor dem Kriege — denn es gab Gemüter, die nicht so naiv waren, dass sie vor dem Krieg geglaubt hätten, dass sich Italien jemals für die mitteleuropäischen Mächte einsetzen werde, und so fiel es mir nicht besonders auf —, als ein nicht unbedeutender italienischer Politiker mir sagte: Wir müssen in Italien einen Krieg haben, denn unser Volk ist impotent und faul und lässig geworden; da kann höchstens wiederum Kraft hineinkommen, wenn es Krieg führen kann. Wir brauchen den Krieg also eine neue Sensation, ein neues Leidenschaftserzittern der Volksseele, daher wird Europa beunruhigt.

[ 119 ] Der Engländer, man möchte den Engländern wirklich auch nicht unrecht tun. Aber wenn man so hört, wie einer der tonangebenden gegenwärtigen englischen Politiker zu den Deutschen es hinübertönen lässt, herüber über den Kanal, dass bei ihnen «Macht vor Recht» gehe, und dass das ein deutscher Grundsatz wäre — dann muss man denn doch betonen: Der Grundsatz «Macht geht vor Recht» als ein wirklich berechtigter findet [sich] bei dem englischen Schriftsteller Thomas Hobbes, [dort] wird das zuerst angeführt. Es ist ein spezifisch englisches Produkt, der Satz «Macht geht vor Recht», und alles Recht wurzelt in der Macht. Und so könnte man viele Sachen finden; man möchte, wie gesagt, nicht unrecht tun, aber ich muss den Satz aussprechen: All diese Völker, sie brauchen etwas, um sich selber zu betäuben darüber, was sie eigentlich vor der Weltgeschichte tun, um das zu betäuben, wie sie handeln, sie brauchen etwas wie einen Nebel, der sich darüber hüllt über die Wahrheit. England braucht eine neue Lüge — das kann, ohne irgendwie unsachlich zu werden, aus den Tatsachen selber heraus gesagt werden. Und Italien? Ja, ein nicht unbedeutender Politiker Italiens hat mich vor dem Kriege — denn es gab Gemüter, die nicht so naiv waren, dass sie vor dem Krieg geglaubt hätten, dass sich Italien jemals für die mitteleuropäischen Mächte einsetzen werde, und so fiel es mir nicht besonders auf —, als ein nicht unbedeutender italienischer Politiker mir sagte: Wir müssen in Italien einen Krieg haben, denn unser Volk ist impotent und faul und lässig geworden; da kann höchstens wiederum Kraft hineinkommen, wenn es Krieg führen kann. Wir brauchen den Krieg also eine neue Sensation, ein neues Leidenschaftserzittern der Volksseele, daher wird Europa beunruhigt.

[ 120 ] Wie gesagt, es ist das der Ausspruch eines italienischen Politikers. Daher kann man sagen: Es wird begreiflich erscheinen, dass Italien, um seinerseits sich zu betäuben über die eigentliche Wahrheit der Verhältnisse, dass Italien ernennen müsste einen neuen Heiligen: den sacro egoismo, den heiligen Egoismus — ein neuer Heiliger, ein sonderbarer Heiliger allerdings. Und noch sonderbarer ist sein Hierophant, der Hohepriester Gabriel d’Annunzio.

[ 120 ] Wie gesagt, es ist das der Ausspruch eines italienischen Politikers. Daher kann man sagen: Es wird begreiflich erscheinen, dass Italien, um seinerseits sich zu betäuben über die eigentliche Wahrheit der Verhältnisse, dass Italien ernennen müsste einen neuen Heiligen: den sacro egoismo, den heiligen Egoismus — ein neuer Heiliger, ein sonderbarer Heiliger allerdings. Und noch sonderbarer ist sein Hierophant, der Hohepriester Gabriel d’Annunzio.

[ 121 ] Wie auch vergessen wird das Bild, das von diesen Verhältnissen in der Weltgeschichte der Menschheit fortleben wird, der Deutsche kann auch auf diese Dinge mit ruhiger Zuversicht blicken, wie es — noch einmal sei es gesagt — diesseits und jenseits des Erzgebirges immer getan hat mein lieber Lehrer und Freund Karl Julius Schröer hat 1859 in Österreich folgende Worte gesprochen:

[ 121 ] Wie auch vergessen wird das Bild, das von diesen Verhältnissen in der Weltgeschichte der Menschheit fortleben wird, der Deutsche kann auch auf diese Dinge mit ruhiger Zuversicht blicken, wie es — noch einmal sei es gesagt — diesseits und jenseits des Erzgebirges immer getan hat mein lieber Lehrer und Freund Karl Julius Schröer hat 1859 in Österreich folgende Worte gesprochen:

Lasst Russland, England, klüglich sich beraten,
Es auch vielleicht nicht unwillkommen finden,
Wenn wir ein wenig hier in Kampf geraten,
Wenn man uns will das gute Recht entwinden
[Ihr, deutsche Brüder, werdet hier nicht — raten,
Des Feindes Angriff wird uns nur verbinden
Und unter uns wird jeder Ehrgeiz schwinden
Vor dem: Ein Volk zu sein in Wort und Taten.

Und hat der Eine unter uns gefehler,
War eine Zwietracht wo in deutschen Herzen,
Nur Eines ist es, was uns jetzt beseelet:
Was uns gemeinsam ist an Lust und Schmerzen!
So sei denn auch gemeinsam uns beschieden:]
Ein deutscher Krieg, wenn nicht ein deutscher Frieden.

Lasst Russland, England, klüglich sich beraten,
Es auch vielleicht nicht unwillkommen finden,
Wenn wir ein wenig hier in Kampf geraten,
Wenn man uns will das gute Recht entwinden
[Ihr, deutsche Brüder, werdet hier nicht — raten,
Des Feindes Angriff wird uns nur verbinden
Und unter uns wird jeder Ehrgeiz schwinden
Vor dem: Ein Volk zu sein in Wort und Taten.

Und hat der Eine unter uns gefehler,
War eine Zwietracht wo in deutschen Herzen,
Nur Eines ist es, was uns jetzt beseelet:
Was uns gemeinsam ist an Lust und Schmerzen!
So sei denn auch gemeinsam uns beschieden:]
Ein deutscher Krieg, wenn nicht ein deutscher Frieden.

[ 122 ] 1859 — in Österreich gesprochen von einem, der sich eins wusste in seiner Seele mit dem, was im deutschen Volkstum lebt und webt. Und dann hat er noch gesagt, derselbe, dass

[ 122 ] 1859 — in Österreich gesprochen von einem, der sich eins wusste in seiner Seele mit dem, was im deutschen Volkstum lebt und webt. Und dann hat er noch gesagt, derselbe, dass

Ein Geist ersteht, ein Riese anzuschauen
[Der lang sich nicht in ganzer Kraft ermannt
Der deutsche Geist steht auf von Mut entbrannt
Wohin Du blickst in allen deutschen Gauen.

Man hat in manchem Meister ihn genannt,
In Kunst und Wissen, im Systeme bauen,
Ist er im Ganzen erst einmal zu schauen,
dann wird er von der Welt] erst recht erkannt.

Ein Geist ersteht, ein Riese anzuschauen
[Der lang sich nicht in ganzer Kraft ermannt
Der deutsche Geist steht auf von Mut entbrannt
Wohin Du blickst in allen deutschen Gauen.

Man hat in manchem Meister ihn genannt,
In Kunst und Wissen, im Systeme bauen,
Ist er im Ganzen erst einmal zu schauen,
dann wird er von der Welt] erst recht erkannt.

[ 123 ] Ich lese diese Sätze nur vor, damit man sieht, wie nicht bloß heute entstanden dasjenige, was eben der Deutsche fühlen kann über die Quelle und Wurzel des deutschen Volkslebens wie ja auch hinlänglich genug unter den verehrten Zuhörern hier sitzen, die wissen, dass so über das deutsche Wesen gesprochen wurde von mir Jahre und Jahre vor dem Kriege, und auch über das Verhältnis zu anderen Völkern. Nicht braucht der Deutsche zu verfallen in den Ton, den er jetzt hören kann von denjenigen, die ihn wie in einem Ring eingeschlossen halten, wie in einer großen Festung. Er darf ruhig hinschauen auf dasjenige, was er aus einer sachlichen Betrachtung heraus über das Wesen seines Volkstums gewinnen kann. Denn dasjenige, was er so gewinnt, das erweist sich ihm selbst da, wo es sich [schon] ausnimmt wie ein reiner Ton in der Fortentwicklung des deutschen Geisteslebens, [so, dass es] erst sich einmal als Keim, als Wurzel darstellt [und noch] Blüten und Früchte tragen wird. Und so wird das Beste, was im deutschen Geistesleben, was, wie wir gesehen haben, noch nicht Blüte und Frucht, sondern erst Wurzel und Keim ist, in der Zukunft Blüten und Früchte tragen.

[ 123 ] Ich lese diese Sätze nur vor, damit man sieht, wie nicht bloß heute entstanden dasjenige, was eben der Deutsche fühlen kann über die Quelle und Wurzel des deutschen Volkslebens wie ja auch hinlänglich genug unter den verehrten Zuhörern hier sitzen, die wissen, dass so über das deutsche Wesen gesprochen wurde von mir Jahre und Jahre vor dem Kriege, und auch über das Verhältnis zu anderen Völkern. Nicht braucht der Deutsche zu verfallen in den Ton, den er jetzt hören kann von denjenigen, die ihn wie in einem Ring eingeschlossen halten, wie in einer großen Festung. Er darf ruhig hinschauen auf dasjenige, was er aus einer sachlichen Betrachtung heraus über das Wesen seines Volkstums gewinnen kann. Denn dasjenige, was er so gewinnt, das erweist sich ihm selbst da, wo es sich [schon] ausnimmt wie ein reiner Ton in der Fortentwicklung des deutschen Geisteslebens, [so, dass es] erst sich einmal als Keim, als Wurzel darstellt [und noch] Blüten und Früchte tragen wird. Und so wird das Beste, was im deutschen Geistesleben, was, wie wir gesehen haben, noch nicht Blüte und Frucht, sondern erst Wurzel und Keim ist, in der Zukunft Blüten und Früchte tragen.

[ 124 ] Und mit der Seele wendet sich der Deutsche hin in der heutigen schweren Prüfungszeit, die uns alle mit sicheren Hoffnungen und Zuversichten erfüllt, er wendet sich mit diesen sicheren Hoffnungen und Zuversichten, die ihn erfüllen, in die Zukunft hin, in seinem ganzen Herzen vereint mit dem Blicke in diese Zukunft, nach dem, was sich entwickeln wird als Blüte und als Früchte des deutschen Volkswesens, des deutschen Lebens und der deutschen Kraft überhaupt, trotz allem, was heute gegen dieses deutsche Wesen hasserfüllt und verleumderisch gesagt wird — was sich entwickeln wird, was die Erkenntnis ansprechen darf als dasjenige, was sich entwickeln wird, weil es sich entwickeln muss!

[ 124 ] Und mit der Seele wendet sich der Deutsche hin in der heutigen schweren Prüfungszeit, die uns alle mit sicheren Hoffnungen und Zuversichten erfüllt, er wendet sich mit diesen sicheren Hoffnungen und Zuversichten, die ihn erfüllen, in die Zukunft hin, in seinem ganzen Herzen vereint mit dem Blicke in diese Zukunft, nach dem, was sich entwickeln wird als Blüte und als Früchte des deutschen Volkswesens, des deutschen Lebens und der deutschen Kraft überhaupt, trotz allem, was heute gegen dieses deutsche Wesen hasserfüllt und verleumderisch gesagt wird — was sich entwickeln wird, was die Erkenntnis ansprechen darf als dasjenige, was sich entwickeln wird, weil es sich entwickeln muss!