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Ways to a Knowledge of the
Eternal Forces of the Human Soul
GA 70b

19 February 1916, Kassel

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Ways to a Knowledge of the Eternal Forces of the Human Soul, tr. SOL
  1. Wege zur Erkenntnis der ewigen Kräfte der Menschenseele

10. Das Weltbild des Deutschen Idealismus. Eine Betrachtung im Hinblick auf unsere schicksaltragende Zeit

10. The Worldview of German Idealism: A Reflection in Light of Our Fateful Times

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Seit einer längeren Reihe von Jahren durfte ich, wie in verschiedenen Städten Deutschlands, so auch in dieser Stadt, fast in jedem Winter hier einen Vortrag halten über Gegenstände desjenigen Gebietes, das ich mir erlaube Geisteswissenschaft zu nennen. In unserer schicksaltragenden Zeit wird es aber wohl angemessen sein, den Blick hinzulenken auf diejenigen Ereignisse, deren Teilnehmer und Zeugen wir in dieser Zeit alle sind. Umso mehr scheint mir dieses angemessen, sehr verehrte Anwesende, als es meine, nicht aus einem dunklen Gefühl, sondern aus der geisteswissenschaftlichen Überzeugung selbst heraus fließende Auffassung ist, dass gerade dasjenige, was geisteswissenschaftliche Welterkenntnis ist, im innigen Zusammenhange steht mit demjenigen, was deutsches Volkstum und deutsches Wesen hervorgebracht haben als das Weltbild des Deutschen Idealismus, das insbesondere groß und gewaltig sich geoffenbart hat aus diesem deutschen Wesen heraus am Ende des achtzehnten und in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, das aber fortgewirkt hat und fortwirkt bis in unsere Tage herein.

[ 1 ] Ladies and gentlemen! For many years now, I have had the privilege of giving a lecture here almost every winter—as I have done in various cities throughout Germany—on topics within the field that I take the liberty of calling “spiritual science.” In these fateful times, however, it seems appropriate to turn our attention to the events of which we are all participants and witnesses at this moment. This seems all the more appropriate to me, distinguished guests, as it is my conviction—arising not from a vague feeling but from the very convictions of spiritual science itself—that precisely what constitutes spiritual-scientific understanding of the world is intimately connected with that which German folk culture and the German spirit have produced as the worldview of German Idealism, which revealed itself in a particularly grand and powerful way from this German essence at the end of the eighteenth and in the first half of the nineteenth century, but which has continued to exert its influence and continues to do so to this very day.

[ 2 ] Geisteswissenschaft will ja in echtem, wahrem Sinne für die Erforschung des geistigen Lebens sein eine Fortsetzung desjenigen, was für die äußere Natur, für die Sinneswelt gebracht hat das naturwissenschaftliche Weltbild. Zu reifen den Geist für eine solche Auffassung desjenigen, was geistig der Welt zugrunde liegt, scheint mir aber — wie gesagt, aus der Geisteserkenntnis selber heraus sage ich das —, scheint mir aber gerade dieses Weltbild des Deutschen Idealismus die eigentliche Wurzel und die eigentliche Quelle zu sein. Deshalb gestatten Sie, dass am heutigen Abend von mir hier angestellt wird eine Art Betrachtung über dieses Weltbild des Deutschen Idealismus und sein Hereinwirken in die Gegenwart, sein Wirken in die ganze Zeitbildung überhaupt und in die weltgeschichtliche Entwicklung der Menschheit.

[ 2 ] Spiritual science, in the true and genuine sense, aims to be, in the study of spiritual life, a continuation of what the scientific worldview has brought about for external nature and the sensory world. However, to prepare the mind for such a conception of what underlies the world spiritually—and I say this, as I mentioned, based on spiritual insight itself—it seems to me that this very worldview of German Idealism is the true root and the true source. Therefore, please allow me this evening to offer a kind of reflection on this worldview of German Idealism and its influence on the present, its impact on the entire shaping of our times in general, and on the development of humanity throughout world history.

[ 3 ] Gewiss, dieses Weltbild des Deutschen Idealismus ist herausgeboren, ganz herausgeboren, wie wir sehen werden, aus dem Wesen des deutschen Volkstums, und man könnte ihm insoferne absprechen eine gewisse umfassende Geltung nach dem Worte, das heute oftmals ausgesprochen wird, nach dem Worte: Alles Wissen, alle Wissenschaft müsse eigentlich einen internationalen Charakter annehmen und werde sich selbst untreu, wenn sie irgendwie sich schattiert erweist vonseiten eines Volkstums aus.

[ 3 ] Certainly, this worldview of German Idealism is born—entirely born, as we shall see—from the essence of German national character, and in this respect one might deny it a certain universal validity according to the phrase that is often uttered today, namely: All knowledge, all science, must in fact assume an international character and would be untrue to itself if it were in any way colored by a particular national character.

[ 4 ] So einleuchtend zunächst, möchte ich sagen, so selbstverständlich eine solche Behauptung erscheint, so muss man doch sagen, dass sie von einem tieferen Weltanschauungs-Standpunkt aus irreführend ist. Selbstverständlich erscheint sie deshalb, weil sie — ich möchte sagen — das Allergewöhnlichste ist, was man sagen kann über Wissenschaft und Eindringen in die Welterkenntnis. Man sagt, wenn man von der Internationalität des Wissens und der Erkenntnis spricht, eigentlich nicht mehr, als wenn man sagt: Die Sonne oder der Mond seien allen Menschen gemeinschaftlich Gedachtes. Das sind sie; aber die Art und Weise, wie aus den Seelen, aus den Herzen der Menschen dasjenige spricht, was die Menschen zu sagen haben über Sonne und Mond, diese Art und Weise, sie ist verschieden nach den Begabungen, nach den geistigen Richtungen und Anlagen der verschiedenen Völker. Mit wirken die verschiedensten Begabungen, um dieses Wissen nach der einen oder nach der anderen Seite hin für die menschliche geistige Kultur fruchtbar zu machen. Darauf kommt es eben an, inwiefern dasjenige, was man wissen kann, eindringen kann in die ganze menschliche geistige Entwicklung in gesunder Weise. Darin aber haben die Begabungen, die Seelenrichtungen der verschiedenen Völker ihre ganz ausgesprochene Sonderheit. Wie wäre es sonst sinnvoll zu begreifen, dass einer der deutschesten Geister, Goethe, als er seine Weltenwanderung angetreten hatte, um anzusehen nicht nur dasjenige, was sich ihm in der Kunstbetrachtung darbot, sondern auch dasjenige, was ihm die Natur bieten konnte. Wie wäre es [anders] möglich, dass er von Italien aus an seine deutschen Freunde geschrieben [hat]: Nach allem, was ich an Naturdingen öffentlich und Naturtatsachen gesehen habe, möchte ich am liebsten nunmehr eine Reise nach Indien antreten — so sagte Goethe —, nicht um dieses zu entdecken, sondern um das Entdeckte in meiner Art anzusehen.

[ 4 ] As obvious as this may seem at first, I would say, and as self-evident as such a claim appears, one must nevertheless say that it is misleading from a deeper worldview perspective. It seems self-evident precisely because it is—I would say—the most ordinary thing one can say about science and the pursuit of knowledge about the world. When one speaks of the universality of knowledge and insight, one is really saying no more than that the sun or the moon are concepts shared by all people. They are; but the way in which what people have to say about the sun and the moon speaks from the souls and hearts of human beings—that way varies according to the talents, intellectual orientations, and dispositions of different peoples. The most diverse talents come into play to make this knowledge fruitful for human spiritual culture in one direction or another. What matters, precisely, is the extent to which what can be known can penetrate the entire course of human spiritual development in a healthy way. Yet it is in this that the talents and spiritual dispositions of the various peoples have their very distinct particularity. How else could one make sense of the fact that one of the most quintessentially German minds, Goethe, set out on his journey around the world to observe not only what presented itself to him through the contemplation of art, but also what nature had to offer him? How else would it be possible that he wrote to his German friends from Italy: “After all that I have seen of natural phenomena and facts of nature, I would now most like to undertake a journey to India”—so said Goethe—“not to discover it, but to view what has already been discovered in my own way.”

[ 5 ] Auf diese Art, dasjenige, was jedem gegeben ist, anzusehen, auf die kommt es an, wenn es sich darum handelt, die eigentlichen Impulse, die Stoßkräfte für den Fortschritt der Menschheit im Ganzen zu betrachten.

[ 5 ] This way of viewing what is given to each person is what matters when it comes to considering the actual impulses, the driving forces behind the progress of humanity as a whole.

[ 6 ] Nun ist es gerade der Geisteswissenschaft möglich, in wirklich erkenntnismäßiger Art die Seelen der Völker zu betrachten. Da muss allerdings gleich der Ausgangspunkt genommen werden von einer geisteswissenschaftlichen Erkenntnis, die — wie so viele Erkenntnisse heute — von manchem als paradox, als vielleicht sogar phantastisch angesehen werden kann. Allein dasjenige, was ich zunächst über die Seelen der verschiedenen Völker vom geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkte aus werde zu sagen haben, das ist etwas, was der Gegenwart noch phantastisch und paradox erscheinen kann, was sich aber einverleiben will der menschlichen Erkenntnis, ebenso, wie sich gewisse physikalische, wie sich gewisse naturwissenschaftliche Erkenntnisse einverleibt haben.

[ 6 ] It is precisely spiritual science that makes it possible to view the souls of peoples in a truly epistemological way. However, one must immediately take as a starting point a spiritual-scientific insight that—like so many insights today—may be regarded by some as paradoxical, or perhaps even fantastical. Yet what I will initially have to say about the souls of different peoples from the perspective of spiritual science is something that may still seem fanciful and paradoxical to the present age, but which seeks to become part of human knowledge, just as certain findings in physics and the natural sciences have become part of it.

[ 7 ] Wenn man die Seele heute betrachtet in der landläufigen Schul-Seelenkunde oder Psychologie, so betrachtet man alles dasjenige, was in der Seele durcheinanderwirbelt und lebt an Willensimpulsen, an Gefühlen, an Vorstellungen und Gedanken und Ideen als eine Einheit. Gewiss, das ist es; aber damit kommt man zu keiner wirklichen Erkenntnis. Ebenso wenig kommt man zu einer wirklichen Erkenntnis für die Seele selber, wie man zu einer wirklichen Erkenntnis kommen könnte des Lichtes, wenn man nicht seine Wechselwirkung mit dem materiellen Dasein, mit den stofflichen Dingen, die ihm entgegentreten, so auffassen würde, dass man aus dem Lichte hervorkommen glauben würde die verschiedenen Schattierungen der Farben: die rot-gelbe Nuance auf der einen Seite, die grüne Nuance in der Mitte, die blau-violette Nuance auf der anderen Seite — so wie der Physiker dieses eine Licht in seiner Wechselwirkung mit dem materiellen Dasein gegliedert in diese Farbenschattierungen betrachten muss, und wie er nicht auf eine andere Art zu der Erkenntnis der — wie Goethe sagt —, der Taten des Lichtes kommen kann, so kann man nicht zur Erkenntnis desjenigen, was die Menschenseele eigentlich ist, kommen, wenn man nicht sie gliedert, möchte ich sagen, auch in drei Schattierungen ihres Wesens. Und da nennen wir die erste Schattierung des Seelenwesens — gleichsam entsprechend den rot-gelben Schattierungen des Lichtes im Regenbogen — [...] dann die menschliche Empfindungsseele. In der menschlichen Empfindungsseele ist alles dasjenige enthalten, was aus den dunklen Untergründen der Seele oftmals unbewusst und unterbewusst heraufquillt. Was im Menschen lebt, ohne dass er gleich ein Verstandesüberschauen darüber hat — seine Leidenschaften, seine Begierden und so weiter, auch dasjenige, was den Menschen mit diesem oder jenem Temperament begabt macht —, das alles quillt in der Empfindungsseele. Aber in dieser Empfindungsseele ist zugleich in einer gewissen Weise, wenn auch — man möchte sagen — auf naturhafte Art enthalten dasjenige, was man die ewigen Kräfte der Menschenseele nennen kann, was durch Geburten und Tode geht, und in immer wiederholten Erdenleben wieder erscheinen kann.

[ 7 ] When one considers the soul today in the context of conventional school psychology, one regards everything that swirls and lives within the soul—impulses of will, feelings, perceptions, thoughts, and ideas—as a single unit. Certainly, that is true; but this approach leads to no real understanding. Just as one cannot gain a real understanding of the soul itself, one cannot gain a real understanding of light unless one conceives of its interaction with material existence—with the physical objects that it encounters—in such a way that one believes the various shades of color emerge from the light: the red-yellow shade on one side, the green shade in the middle, the blue-violet shade on the other side—just as the physicist must view this single light, in its interaction with material existence, as structured into these shades of color, and just as he cannot arrive at an understanding of—as Goethe says— the deeds of light—one cannot come to an understanding of what the human soul actually is unless one divides it, I would say, into three shades of its nature as well. And so we call the first nuance of the soul’s nature—corresponding, as it were, to the red and yellow hues of light in the rainbow—[...] the human sentient soul. The human sentient soul contains everything that wells up from the dark depths of the soul, often unconsciously and subconsciously. What lives within a person without their intellect immediately comprehending it—their passions, their desires, and so on, as well as that which endows a person with this or that temperament—all of this wells up in the soul of feeling. But this feeling soul also contains, in a certain way—though, one might say, in a natural way—what can be called the eternal forces of the human soul, which endure through births and deaths and can reappear in ever-repeating earthly lives.

[ 8 ] Unterscheiden wir — gleichsam als Parallelerscheinung für die grünliche Schattierung des Lichtes —, unterscheiden wir die sogenannte Verstandes- oder Gemütsseele. Das ist derjenige Seelenteil, durch den der Mensch eine Überschau sich verschafft, eine verstandesmäßig überlegte Überschau, eine besonnene Überschau sich verschafft über dasjenige, was sonst unbestimmt und unbewusst in seiner Seele als Affekte, als innere Erschütterungen lebt.

[ 8 ] Let us distinguish—as it were, as a parallel phenomenon to the greenish hue of light—the so-called intellectual or emotional soul. This is the part of the soul through which a person gains an overview—a rationally considered, level-headed overview—of that which otherwise exists in the soul in an indeterminate and unconscious state as emotions and inner stirrings.

[ 9 ] Und als dritte Schattierung des Lebens — gewissermaßen blau-violett dem Lichte entsprechend — sprechen wir von Bewusstseinsseele. Sie ist dasjenige, durch das der Mensch von seinem seelischen Dasein aus am meisten zusammenhängt mit der umgebenden physischen Welt, in der er sich befindet; sie ist dasjenige, welches in sich schließt die zeitlichste, die vergänglichste Kraft des Menschen; sie ist auch dasjenige, wodurch der Mensch individuell auftritt als Persönlichkeit, wodurch er die Welt in seinen Nutzen stellt, wodurch er dasjenige, was er besonnen herausquillen lässt aus dem unterbewussten Seelenleben, ins praktische Leben hineinstellt.

[ 9 ] And as the third nuance of life—blue-violet, so to speak, corresponding to the light—we speak of the consciousness soul. It is that through which the human being, from his soul life, is most closely connected to the surrounding physical world in which he finds himself; it is that which encompasses within itself the most temporal, the most transitory force of the human being; it is also that through which the human being appears individually as a personality, through which he makes the world serve his purposes, through which he brings into practical life that which he thoughtfully allows to well up from the subconscious life of the soul.

[ 10 ] Und so, wie in den verschiedenen Regenbogenfarben lebt das eine Licht, das eine Sonnenlicht, so lebt in der Gesamtheit der Seelenschattierungen das eine Ich, das eine, selbstbewusste Wesen des Menschen. Und wie das Licht als die Einheit jenes Rot und Grün und Blau, als die Einheit von allem erscheint, so [erscheint] das Selbst, so die Persönlichkeit, die Individualität des Menschen, das eigentliche Ich.

[ 10 ] And just as the one light—the one sunlight—lives within the various colors of the rainbow, so does the one self—the one, self-aware essence of the human being—live within the totality of the soul’s nuances. And just as light appears as the unity of red, green, and blue—as the unity of everything—so does the self, the personality, the individuality of the human being, the true “I.”

[ 11 ] Mehr kann ich heute einleitungsweise nicht über diese, wissenschaftlich gar wohl zu begründende Tatsache, Gesetzmäßigkeit des Seelenlebens sagen, weil es mir angemessen erscheint, diese Gesetzmäßigkeit des Seelenlebens nunmehr anzuwenden auf die verschiedenen Volksseelen, insoferne sie über das europäische Geistesleben ausgebreitet sind.

[ 11 ] That is all I can say today by way of introduction about this fact—the regularity of the life of the soul, which can certainly be scientifically substantiated—because it seems appropriate to me to apply this regularity of the life of the soul to the various national souls, insofar as they are spread throughout European intellectual life.

[ 12 ] Da müssen wir sagen, dass [...] dasjenige, was man Volksseele nennen kann, für die Geisteswissenschaft durchaus ebenso eine Wirklichkeit ist, etwas in sich Lebendiges, nicht bloß ein abstrakter Begriff, der die Eigenschaften des Volkes zusammenfasst, sondern etwas in sich Lebendiges. — Auch dafür finden Sie in unserer geisteswissenschaftlichen Literatur, namentlich in meiner «Theosophie» die nötigen Anhaltspunkte.

[ 12 ] Here we must say that [...] what might be called the “national soul” is, for spiritual science, just as much a reality—something living in and of itself, not merely an abstract concept that summarizes the characteristics of a people, but something living in and of itself. — You will also find the necessary references for this in our spiritual science literature, specifically in my book *Theosophy*.

[ 13 ] Und da muss man sagen, dass die einzelnen Völker sich so unterscheiden, dass bei dem einen Volk mehr die Schattierung der Empfindungsseele, bei einem anderen Volke mehr eine andere Schattierung des Seelenlebens zum Vorschein kommt. Dadurch gliedern sich die europäischen Völker nach ihren Volksseelen — nicht die einzelnen Menschen, aber insoferne diese einzelnen Menschen dem Volksseelentum angehören —, bringen sie zur Offenbarung, zum Ausdruck dasjenige, was gerade als die Schattierung des Regenbogens in den einzelnen Volksseelen lebt.

[ 13 ] And here it must be said that the individual peoples differ in such a way that in one people the nuance of the feeling soul comes to the fore more, while in another people a different nuance of the soul life is more evident. As a result, the European peoples are structured according to their national souls—not the individual human beings, but insofar as these individual human beings belong to the national soul—and they bring to revelation and expression that which lives in the individual national souls precisely as the hues of the rainbow.

[ 14 ] Da zeigt uns gerade die — ich möchte sagen — durch die Geisteswissenschaft gerechtfertigte Betrachtungsweise, dass, wenn wir hinblicken nach dem Süden, nach dem italienischen Volke — zum Teil ist das auch noch für das spanische Volk gültig —, wenn wir hinblicken nach dem italienischen Volke, dass die Volksseele des italienischen Volkes sich auslebt in der Schattierung der Empfindungsseele; und alles desjenigen, was man in den verschiedensten Äußerungen dieser italienischen Volksseele betrachten kann, in ihren guten, in ihren schlimmen Seiten, es hängt zusammen damit, dass in der italienischen Volksseele die Schattierung der Empfindungsseele tonangebend ist, dass alles im Grunde genommen gerade herausquillt aus der Empfindungsseele.

[ 14 ] Here, the perspective—which I would say is justified by spiritual science—shows us that when we look toward the south, toward the Italian people—and to some extent this also applies to the Spanish people—when we look toward the Italian people, we see that the national soul of the Italian people finds its full expression in the nuances of the feeling soul; and everything that can be observed in the most diverse expressions of this Italian national soul—in its good and bad aspects—is connected with the fact that in the Italian national soul the nuance of the feeling soul sets the tone, that everything, fundamentally speaking, simply wells up from the feeling soul.

[ 15 ] Wir wollen heute nur — ich möchte sagen — die besten Eigenschaften des italienischen Volkes aus seiner Empfindungsseele heraus betonen; aber man wird sehen, dass dieses italienische Volk dadurch, insoferne es als Volksseele auftritt — wie gesagt, nicht die einzelne menschliche Individualität — eine gewisse Einseitigkeit haben muss, weil ihre Äußerungen, ihre Offenbarungen aus der Empfindungsseele herausquellen. Ja, wenn wir die Größten nehmen — ich will von der Kunstbildung, der eigentlichen bildenden Kunst absehen, die aber sehr leicht gerade dasjenige, was ich zu sagen habe, belegen könnte —, wenn wir die Größten nehmen — Dante, Giordano Bruno —, wir erfahren gerade, wenn wir uns recht in sie vertiefen, dass dasjenige, was sie geleistet haben in einem herrlich gestalteten Weltbilde, ganz und gar aus der Empfindungsseele heraus geschaffen ist. Man lese nur Giordanos Werk, der eben dadurch ein großer Anreger werden konnte. Wenn man sich vertieft in dasjenige, was er gebracht hat, es ist wie ein Empfindungsausdruck für das Weltenbild, das sich der Mensch machen kann aus der Fülle der Erscheinungen der Welt heraus. Empfindung, sie lebt selbst in diesem einen der größten [Geister der] Italiener, in Giordano Bruno. Allein darauf möchte ich nur hindeuten.

[ 15 ] Today we want only—I would say—to emphasize the best qualities of the Italian people as they emerge from their emotional soul; but one will see that this Italian people, insofar as it appears as a national soul—as I said, not the individual human personality—must possess a certain one-sidedness, because its expressions, its manifestations, spring from the soul of feeling. Indeed, if we take the greatest figures—I will set aside artistic education and the visual arts proper, though they could very easily illustrate precisely what I have to say—if we take the greatest figures—Dante, Giordano Bruno— we discover, precisely when we delve deeply into them, that what they have achieved in a magnificently shaped worldview is created entirely from the soul of sensation. One need only read Giordano’s work, which is precisely why he was able to become such a great source of inspiration. When one delves deeply into what he has produced, it is like an expression of feeling for the worldview that a person can form from the abundance of the world’s phenomena. Feeling—it lives on in this one of the greatest [minds of] the Italians, in Giordano Bruno. I would just like to point that out.

[ 16 ] Ganz besonders wichtig ist es, hinzublicken von dem gewonnenen Gesichtspunkte aus auf die französische Volksseele. Diese französische Volksseele, sie zeigt sich dem geisteswissenschaftlichen Blicke so, dass sie die Schartierung der Verstandesseele eigentlich ganz tonangebend hat. Alles dasjenige, was im französischen Geiste groß, aber auch einseitig erscheint, das rührt davon her, dass die Verstandesseele da zum besonderen Ausdrucke kommt. Und es sei nur dasjenige heute angeführt, was Einfluss hat auf die Entstehung eines eigentlichen Weltenbildes. Der größte Franzose auf diesem Gebiet, unter dessen Einfluss heute noch immer das französische Weltanschauungsleben steht, ist ja der am Ende des sechzehnten Jahrhunderts geborene und ins siebzehnte Jahrhundert hinein lebende Descartes oder Cartesius; gerade aber an diesem Descartes oder Cartesius, jenem Weltanschauungsmenschen, der in der Morgenröte der neueren Weltanschauungsentwicklung hervorgetreten ist — man kann sehen, wie gerade in ihm alles dasjenige lebt, was gerade aus dem Verstande heraus zu einem Weltbild führen kann. Es ist berühmt geworden sein Ausspruch «Ich denke — also bin ich.» Auf das Sein der Seele selber wird nun das Denken, das heißt, auf dasjenige, was in der Verstandesseele lebt, begründet.

[ 16 ] It is particularly important to examine the French national soul from the perspective we have gained. This French national soul reveals itself to the spiritual-scientific gaze in such a way that the stratification of the intellectual soul actually sets the tone for it. Everything in the French spirit that appears great, yet also one-sided, stems from the fact that the intellectual soul finds particular expression there. And let us mention today only that which influences the formation of a true worldview. The greatest Frenchman in this field, whose influence still shapes French philosophical thought today, is, of course, Descartes or Cartesius, who was born at the end of the sixteenth century and lived well into the seventeenth; but it is precisely in this Descartes or Cartesius—that thinker who emerged at the dawn of modern philosophical development—that one can see how everything that can lead to a worldview through reason alone is alive. His famous saying is: “I think, therefore I am.” Thinking is now grounded in the very being of the soul—that is, in that which lives within the rational soul.

[ 17 ] Der Verstand des Menschen hat noch die Eigentümlichkeit, dass er gewissermaßen die Welt wie äußerlichmechanisch aufbaut. Das ist ja das Eigenartige des Verstandes, dass er die innere Lebendigkeit der Welt nicht zu durchdringen vermag, dass er gleichsam zurückzuckt vor der inneren Lebendigkeit, und dass er alles konstruieren möchte. Das aber zeigt sich insbesondere bei Descartes, bei Cartesius. Und jetzt sei auf eine Einzelheit aufmerksam gemacht, wie diese Weltanschauung des Cartesius, des Descartes geworden ist dadurch, dass sie — ich möchte sagen — der einseitige Ausdruck des Verstandeslebens ist. Descartes betrachtet die Welt; und nachdem er sich hingegeben hat allem Zweifel — und dieser Zweifel ist auch wiederum ein Ausdruck der verstandesmäßigen Weltbetrachtung —, kommt er darauf, sich zu sagen, wie er sich ein Weltenbild machen kann, das Sinnlichkeit hat. Ja, dieses Weltenbild wird so, dass alles Mechanische nur in dieses Weltenbild hereinwill. Wie ein großer Mechanismus erscheint die Welt. Und charakteristisch ist es in diesem — ich möchte sagen — echt französischen Weltenbild, dass Cartesius ausdrücklich behauptet: Seele können wir nur wahrnehmen in uns selber, als Menschen. Die Tiere sind bewegte Maschinen. Dem Tier, und überhaupt der ganzen [außermenschlichen] Natur spricht Descartes überhaupt die Seele ab. Die Tiere sind Automaten.

[ 17 ] The human mind also has the peculiarity that, in a sense, it constructs the world as if it were an external, mechanical entity. This is indeed the peculiarity of the intellect: that it is unable to penetrate the inner vitality of the world, that it recoils, as it were, from this inner vitality, and that it seeks to construct everything. This is particularly evident in Descartes. And now let us draw attention to a detail: how this worldview of Cartesius, of Descartes, came about precisely because it is—I would say—the one-sided expression of intellectual life. Descartes contemplates the world; and after he has surrendered himself to all doubt—and this doubt, in turn, is also an expression of the intellectual view of the world—he comes to ask himself how he can form a picture of the world that possesses sensibility. Indeed, this picture of the world takes such a form that everything mechanical seems to fit into it. The world appears as one great mechanism. And it is characteristic of this—I would say—truly French worldview that Descartes explicitly asserts: we can perceive the soul only within ourselves, as human beings. Animals are moving machines. Descartes denies the existence of a soul in animals and, indeed, in all of [non-human] nature. Animals are automatons.

[ 18 ] So steht vor Descartes Geist die ganze außermenschliche Natur wie eine komplizierte Maschine, und die Tiere innerhalb dieser komplizierten Maschine. Wahrhaftig, es zeigt sich gerade das Verstandesmäßige, das zurückzuckt vor dem Auffassen des Lebendigen. Und dieses Verstandesmäßige, es ist in seiner Einseitigkeit geblieben, und es hat zuletzt dazu geführt, dass gerade von Frankreich aus und bis in unsere Zeiten hinein der Anstoß gegeben worden ist, zur Begründung des eigentlichen Materialismus der Weltanschauung, des Mechanismus, möchte man sagen, der Weltanschauung,

[ 18 ] Thus, in Descartes’ mind, the entire non-human natural world stands before him like a complex machine, with animals within this complex machine. Indeed, this reveals precisely the rationalist mindset that recoils from comprehending the living. And this rational aspect has remained one-sided, and it has ultimately led to the fact that, starting precisely in France and continuing into our own time, the impetus has been given to establish the actual materialism of the worldview—mechanism, one might say, as a worldview—

[ 19 ] Sehr verehrte Anwesende, man könnte sehr leicht demjenigen, der die Beziehungen der Volksseelen heute in dieser Weise schildert, heute vorwerfen: Ja, du schilderst eben aus den Affekten der heutigen Zeit heraus, weil uns der Krieg dasjenige gebracht hat, dass dasjenige, was wir selbst als unser Weltbild, als die Quelle unseres Volkstums ansehen, geschmäht, ja sogar verleumdet wird, von allen Seiten rings umher in Europa, und so versuchen wir jetzt — ich möchte sagen — in dieser Zeit uns selbst entweder zu rechtfertigen oder zu rächen.

[ 19 ] Ladies and gentlemen, it would be very easy today to accuse someone who describes the relationships between national souls in this way of the following: “Yes, you are describing things from the perspective of today’s emotions, because the war has brought about a situation in which what we ourselves regard as our worldview—as the source of our national identity—is being reviled, even slandered, from all sides throughout Europe; and so we are now trying—I would say—in this era to either justify ourselves or seek revenge.”

[ 20 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, hier sitzen solche Zuhörer, die da wissen, dass dasjenige, was ich über die verschiedenen Volksseelen heute in dieser schweren Zeit der europäischen Ereignisse sage, ich viele Jahre immer wieder und wiederum gesagt habe, lange vor diesem Krieg, und ausgesprochen habe nicht nur vor Deutschen, sondern auch vor Angehörigen anderer europäischer Nationen, dass ich das betrachte als ein festes Gut geisteswissenschaftlicher Erkenntnis über die europäischen Verhältnisse

[ 20 ] Well, distinguished guests, there are listeners here who know that what I am saying today about the various national souls in these difficult times of European events is something I have said time and again for many years, long before this war, and have expressed not only to Germans but also to members of other European nations; I regard this as a solid body of spiritual-scientific knowledge regarding European conditions

[ 21 ] Hereingetragen bis in die Gegenwart hat das französische Volkstum dieses Mechanistische der Weltanschauung, so, dass hervortreten konnte — sagen wir zum Beispiel zu Goethes Zeiten — dasjenige, was französisches, materialistisches oder mechanistisches Weltenbild war. Und man darf heute daran erinnern, wie Goethe schon als junger Mann sich gegenüberstellte aus seinem deutschen Bewusstsein heraus, aus dem deutschen Bewusstsein heraus, das auf die lebendige Seele, und auf die Lebendigkeit des Weltbildes gehen will, dem französischen Mechanismus, indem er sagte: Die bringen uns dieses mechanische Spielen, ein Mechanismus nur, ein Weltenbild, wie wenn die ganze Welt nur ein Spiel, ein richtiger Automat wäre! Ja, wenn dann noch wenigstens dasjenige, was man in der Welt der Erscheinungen sieht, wenn man einem wenigstens das noch erklären könnte! Das seien bewegte Atome! Aber dann, wenn er erklärt hat, wie die Atome gegeneinanderstoßen, dann zieht er sich zurück und lässt die ganze Welt unerklärt.

[ 21 ] French folklore has carried this mechanistic worldview into the present day, so that—let us say, for example, in Goethe’s time—what was a French, materialistic, or mechanistic worldview could come to the fore. And today we may recall how Goethe, even as a young man, confronted French mechanicism from his German consciousness—a German consciousness that seeks to focus on the living soul and the vitality of the worldview—by saying: “They bring us this mechanical play, nothing but a mechanism, a worldview as if the whole world were merely a game, a veritable automaton!” Yes, if only they could at least explain what one sees in the world of phenomena—if they could at least explain that much! They say these are moving atoms! But then, once they have explained how the atoms collide with one another, they withdraw and leave the entire world unexplained.

[ 22 ] Das ist dasjenige, was Goethe schon als junger Mann abstößt von einer Einseitigkeit, die hervorgegangen ist aus einer rein verstandesmäßigen Entfaltung eines Weltbildes. Und man kann im Grunde genommen bis zu dem heutigen Tage sehen, wie wirkt dieses mechanistische Weltenbild in dasjenige, was wir suchen in einer Weltanschauung, einer volkstümlichen Weltanschauung. Denn nur Einzelne haben sich herauszuarbeiten versucht, zum Beispiel der — ja, ich weiß nicht, ob man ihn heute, nach dem Kriegsbeginn, nach der Stimmung der Franzosen noch Bergson, nennen darf, den berühmten Philosophen, oder ob das Wort Bergson als sein Name in Frankreich jetzt verpönt ist, ich weiß es nicht — der berühmte Bergson, er versuchte es ja, sich in einer gewissen Weise herauszuarbeiten, aus dem Mechanismus. Es ist Bergson gerade, der, seit der Krieg ausgebrochen ist, man kann schon sagen, in der wüstesten Weise gegen deutsches Wesen, namentlich gegen deutsche Weltanschauung, Schimpfereien fortwährend seinen Franzosen vorbringt, und es zustande gebracht hat, seinen Parisern vorzuschwätzen, dass es gerade die Deutschen sind — die in einer gewissen Weise gerade zur Zeit des Deutschen Idealismus groß waren —, die aber nun so herabgekommen sind in der Gegenwart, [die Deutschen] seien ein Volk geworden, das nur noch sich mechanisch und maschinenhaft ausbildet. Die Deutschen seien ein Volk geworden, das selber nur eine Art Maschine darstelle!

[ 22 ] This is precisely what Goethe, even as a young man, rejected: a one-sidedness that arose from the purely intellectual development of a worldview. And, essentially, one can see even to this day how this mechanistic worldview influences what we seek in a worldview—a popular worldview. For only a few individuals have attempted to work their way out of it; for example, the—well, I don’t know whether, today, after the outbreak of war and given the mood of the French, one may still call him Bergson—the famous philosopher—or whether the word “Bergson” as his name is now frowned upon in France; I don’t know—the famous Bergson; he did, after all, attempt in a certain way to break free from mechanism. It is Bergson, in fact, who, ever since the war broke out, has—one might even say—constantly lashed out in the most vicious manner against the German spirit, specifically against the German worldview, and has managed to talk his fellow Parisians into believing that it is precisely the Germans—who were, in a certain sense, great during the era of German Idealism—but who have now fallen so low in the present, [the Germans] have become a people who educate themselves only mechanically and in a machine-like manner. The Germans have become a people who themselves represent nothing more than a kind of machine!

[ 23 ] Wahrscheinlich hat Bergson gemeint — Bergson, der sich diese Anschauung über das deutsche Volk bildete, weil die Deutschen den Franzosen Kanonen und Flinten entgegenstellen —, wahrscheinlich hat er diese Anschauung sich daraus gebildet, dass er geglaubt hat, die Deutschen werden die Produkte desjenigen, was er die «Größe, die große Zeit» des Deutschen nennt, den französischen Kanonen und den französischen Flinten entgegenstellen, indem sie etwa Novalis und Schiller und Goethe rezitieren werden, weil sie bloß auf das angewiesen wären, nicht wahr!

[ 23 ] Bergson probably meant—Bergson, who formed this view of the German people because the Germans oppose the French with cannons and rifles— he probably formed this view because he believed that the Germans would counter the French cannons and rifles with the products of what he calls the “greatness, the golden age” of the German people—by reciting Novalis, Schiller, and Goethe, for example—since that would be all they had to rely on, wouldn’t it!

[ 24 ] Nun, dieser Bergson, er hat sich ja in einer gewissen Weise herausgearbeitet. Ich habe aber gezeigt in meinem Buche «Die Rätsel der Philosophie» — das nicht etwa erst während des Einbruchs des Krieges entstand, sondern das gleich zu Beginne des Krieges erschienen ist und lange vorher fertig war —, dass diejenigen Gedanken Bergsons, die einigermaßen einleuchtend sind, lange vorher bei deutschen Geistern viel intensiver, in viel eingehenderer Weise gefunden werden können! Doch davon ganz abgesehen, Bergson will immer angesehen werden als derjenige, der den Franzosen ein Weltbild gebracht habe, welches weit hinausginge über dasjenige, was mechanistische, was materialistische Auffassung der Dinge sei.

[ 24 ] Well, this Bergson—he has, in a certain sense, made a name for himself. However, I have shown in my book *The Riddles of Philosophy*—which was not written during the outbreak of the war, but was published right at the beginning of the war and had been completed long before—that those of Bergson’s ideas that are somewhat plausible can be found much more intensely and in a much more thorough manner in the minds of German thinkers from long before! But quite apart from that, Bergson always wants to be regarded as the one who brought the French a worldview that went far beyond what is considered a mechanistic or materialistic conception of things.

[ 25 ] Nun, dieses Weltbild, wie hat es Bergson selber den Deutschen vorgehalten in seinen Vorträgen, diesen Deutschen, die so heruntergekommen sein sollen seit der Zeit ihrer Größe? Nur schade, dass man Bergson gerade in der letzten Zeit nachweisen konnte, dass er ganze Seiten lang — nicht nur nachgesprochen, sondern nachgeschrieben hat dem deutschen Philosophen Schelling, dem deutschen Philosophen Schopenhauer, und so weiter, und so weiter!

[ 25 ] Well, this worldview—how did Bergson himself hold it up to the Germans in his lectures, to these Germans who are said to have fallen so far since the days of their greatness? It’s just a shame that it has recently been proven that Bergson—for pages on end—did not merely paraphrase but actually copied the German philosopher Schelling, the German philosopher Schopenhauer, and so on and so forth!

[ 26 ] Was also der Franzose entgegenzusetzen vermag als ein höheres Weltenbild dem Deutschen, den er verleumdet, sehr verehrte Anwesende, das hat er selbst nachgeschrieben! Es ist schon notwendig, diese Dinge öfter sich zu Gemüte zu führen in der Gegenwart, wenn man ein Verständnis haben will für das gegenseitige Verhältnis der europäischen Völkerschaft und desjenigen, was jetzt über dieses Verhältnis von den Gegnern dieses deutschen Wesens gesprochen wird.

[ 26 ] So whatever the Frenchman can hold up as a superior worldview to that of the Germans he slanders—my esteemed audience—he has written down himself! It is indeed necessary to reflect on these matters more often in the present day if one wishes to understand the mutual relationship among the peoples of Europe and what is now being said about this relationship by the opponents of this German essence.

[ 27 ] Und, sehr verehrte Anwesende, wenn wir zur britischen Volksseele unser Auge wenden, dann finden wir, dass diese britische Volksseele ganz und gar die Schattierung trägt der Bewusstseinsseele. Und in jeder Einzelheit dieser britischen Volksseele kann man nachweisen, wie sie diese Bewusstseinsseele zum Ausdrucke bringt, wie der Brite, der Engländer namentlich dasjenige, was aus seinem Inneren quillt, die Absicht hat, in den Dienst des praktischen Lebens allein zu stellen.

[ 27 ] And, ladies and gentlemen, when we turn our attention to the British national soul, we find that this British national soul bears the imprint of the consciousness soul in its entirety. And in every detail of this British national soul, one can demonstrate how it gives expression to this soul of consciousness—how the Briton, the Englishman in particular, intends to place that which wells up from within him solely in the service of practical life.

[ 28 ] Das hat — ich will jetzt absehen von der Entwicklung des ganzen Weltbildes —, das hat das Englische an sich. Von Milton und Bacon angefangen, überall zeigt sich das, dass eigentlich ein Weltenbild gesucht worden ist, das nur in den Dienst des eigentlich unmittelbar handgreiflichen Lebens gestellt werden soll. Doch davon will ich jetzt absehen, will nur darauf hinsehen, dass in der allerletzten Zeit dieses englische Volkstum, soweit es, insofern es wirklich aus dem britischen Volkstum heraus entstanden ist, zu einer ganz eigentümlichen Richtung geführt hat: Wahrheit, das ist dasjenige, was der Mensch, der einen Sinn hat für Wahrheit, als etwas betrachtet, das innig und intim als eine Wirklichkeit mit der Seele verbunden ist. Sehr verehrte Anwesende: Die Engländer — und in diesem Falle im Einklang mit den Amerikanern — haben ein Weltenbild ausgestaltet, das sie Pragmatismus nennen. Was ist dieser Pragmatismus? Nun, dieser Pragmatismus, sehr verehrte Anwesende, der ist vor allen Dingen dadurch charakteristisch, dass er die Wahrheit, den Begriff, die Idee der Wahrheit selber, in einer höchst eigentümlichen Weise behandelt. Wahrheit als etwas, was die Seele verbindet mit einer Wirklichkeit, mit einer geistigen Wirklichkeit, das erkennt dieser Pragmatismus, dieses urenglische Produkt, überhaupt nicht an. Wahrheit empfindet der Mensch als eine Vorstellung, als eine Idee — im Sinne des Pragmatismus — rein zu dem Zwecke, um die äußere Sinnenwelt, um die äußere handgreifliche Wirklichkeit zu behandeln, um in sie einzugreifen. Wahrheit ist im Sinne dieses Pragmatismus ein Begriff, der sich nützlich erweist für das äußere praktische Leben. Wahrheit als ein Werkzeug zur Nützlichkeit im alleräußersten Sinne, könnte man sagen, auch wissenschaftliche Wahrheit, so aufgefasst. Wahrheit hat keine selbstständige Bedeutung, sondern Wahrheit [dient] nur als ein Werkzeug, um sich im äußeren Leben zurechtzufinden — das ist dasjenige, was dieser Pragmatismus heraufgebracht hat.

[ 28 ] That is—and I will now set aside the development of the entire worldview—that is what is characteristic of English culture. Beginning with Milton and Bacon, it is evident everywhere that what was actually sought was a worldview intended solely to serve the immediate, tangible realities of life. But I will set that aside for now; I wish only to point out that, in very recent times, this English cultural tradition—insofar as it has truly emerged from the British cultural tradition—has led to a quite distinctive direction: truth is that which a person with a sense for truth regards as something intimately and deeply connected to the soul as a reality. Ladies and gentlemen: The English—and in this case in harmony with the Americans—have developed a worldview they call pragmatism. What is this pragmatism? Well, this pragmatism, ladies and gentlemen, is characterized above all by the fact that it treats truth—the concept, the very idea of truth itself—in a most peculiar way. Truth as something that connects the soul to a reality—to a spiritual reality—is something that this pragmatism, this quintessentially English product, does not recognize at all. Human beings perceive truth as a concept, as an idea—in the sense of pragmatism—purely for the purpose of dealing with the external sensory world, with external, tangible reality, and of intervening in it. Truth, in the sense of this pragmatism, is a concept that proves useful for external, practical life. Truth as a tool for utility in the most extreme sense—one might say that even scientific truth is understood in this way. Truth has no independent meaning; rather, truth [serves] only as a tool for finding one’s way in external life—that is what this pragmatism has brought about.

[ 29 ] Sehen wir da nicht diese Bewusstseinsseele, die alles dasjenige, was seelisch der Mensch hervorbringt, nur in den Dienst des äußerlichen Lebens stellt? Sehen wir Sie da nicht am Werke in allen Einzelheiten — sehr verehrte Anwesende —, die sich bei den drei genannten Völkern finden, dass in die Sache Ordnung, inneres Verständnis hineinkommen wird, wenn man sie nach den Richtungslinien betrachtet, die hier nur kurz skizziert werden können, die aber in aller Fülle begründet werden können von den geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen aus?

[ 29 ] Do we not see here the consciousness soul, which places everything that the human being produces spiritually solely in the service of external life? Do we not see it at work here in every detail—dear friends—as found among the three peoples mentioned, so that order and inner understanding will come into the matter when viewed according to the guiding principles that can only be briefly outlined here, but which can be fully substantiated by the findings of spiritual science?

[ 30 ] Und lenken wir nun unsern Blick nach Europas Mitte, wenden wir unsern Blick zu dem deutschen Geistesleben, insofern es in seinem Volkstume wurzelt — wenden wir unsern Blick zu jenem geistigen Streben innerhalb des deutschen Volkes, das zu einem Weltenbilde führen soll, zu einem solchen Weltenbilde, das wenigstens doch dem deutschen Wesen, dem deutschen Volkstum entspricht, dann finden wir gerade in umfassendster Weise dadurch bestätigt, was Geisteswissenschaft auch sonst zeigt, dass diese deutsche Seele dadurch schattiert ist, dass sie wie das Licht farbig wirkt in den drei verschiedenen Farbennuancen: In dem Rot-Gelb, in dem Grünlichen, in dem Blau-Violetten. Dass diese deutsche Seele so wirkt, dass das Ich, das Selbstbewusstsein, durch die drei verschiedenen Seelennuancen hindurch wirkt, die Einheit des Seelisch-Lebendigen, wirkend durch alle drei Seelennuancen, das stellt sich einer wirklich lebendigen, eindringlichen Betrachtung als das Wesen des deutschen Volksgeistes, der deutschen Volksseele, heraus.

[ 30 ] And let us now turn our gaze to the heart of Europe; let us turn our gaze to German intellectual life, insofar as it is rooted in its national character — let us turn our gaze to that spiritual striving within the German people that is meant to lead to a worldview, to a worldview that at least corresponds to the German essence, to German folk character—then we find, in the most comprehensive way, confirmation of what spiritual science also shows elsewhere: that this German soul is colored by this, that it, like light, appears in three different shades: red-yellow, greenish, and blue-violet. That this German soul manifests in such a way that the “I,” the self-consciousness, works through the three different soul nuances—the unity of the soul-life, active through all three soul nuances—this emerges, upon truly lively and intense contemplation, as the essence of the German national spirit, the German national soul.

[ 31 ] Und das kann man in ganz objektivem Sinne sagen; dazu bedarf es nicht irgendeiner einseitigen Erzeugung in nationalem Sinne, wie wir das sehen hervorbrechen aus der italienischen, aus der französischen, aus der britischen Volksseele.

[ 31 ] And this can be said in a completely objective sense; it does not require any kind of one-sided creation in the national sense, such as we see emerging from the Italian, French, and British national spirit.

[ 32 ] Der Deutsche ist in der Lage, sich wirklich verlassen zu dürfen auf dasjenige, was ihm eine im Seelischen angestrebte Erkenntnis über sein Wesen gibt, und [er ist in der Lage] aus dieser Erkenntnis heraus sein Wesen begreifen zu können.

[ 32 ] The German is able to truly rely on what a spiritual pursuit of knowledge about his nature provides him, and [he is able] to comprehend his nature based on this knowledge.

[ 33 ] Und will man geschichtliche Belege dafür, dass wirklich dieses Ich, dieses Selbst, die ganze lebendige Persönlichkeit im deutschen Volkstum durch die drei Seelennuancen wirkt, dann kann man hinstellen gerade die drei großen Weltanschauungsmenschen, welche Ende des achtzehnten und zum Beginne des neunzehnten Jahrhunderts so deutlich aufgetreten sind innerhalb des deutschen Geisteslebens, und auf einer höchsten geistigen Stufe deutsches Volkstum zu offenbaren suchten. Ihnen voran ging ja Kant, der sich aus der Philosophie heraus zu bilden versuchte; allein ihn wollen wir nicht betrachten, obwohl er sozusagen die Grundlage für die anderen lieferte.

[ 33 ] And if one seeks historical evidence that this “I,” this “self”—the entire living personality—truly operates within German folklore through these three nuances of the soul, then one can point precisely to the three great thinkers who emerged so clearly within German intellectual life at the end of the eighteenth and the beginning of the nineteenth centuries, and who sought to reveal German folk culture at the highest spiritual level. Kant, of course, preceded them; he sought to develop his ideas from within philosophy. However, we will not consider him here, even though he, so to speak, laid the foundation for the others.

[ 34 ] Aber vor unsere Seele wollen wir hinstellen einen der deutschesten Männer, einen derjenigen Männer, die da wussten — auch wenn sie mit ihren Gedanken zum Höchsten, zu einem Weltbild hinaufstrebten —, dass sie innerhalb des deutschen Wesens dieses Weltbild im richtigen Sinne, im lebendigen Sinne nur gewinnen, wenn ihnen dieses Weltbild ist das Ergebnis wie eine Unterredung mit dem deutschen Volksgeiste selber. Und so wusste sich Fichte, Johann Gottlieb Fichte, der im Weltenbilde, das er schuf, deutsches Wesen am wunderbarsten offenbarte. Wie steht er gerade vor uns, wenn wir seine Persönlichkeit zunächst nur im Äußeren ins Auge fassen?

[ 34 ] But let us place before our souls one of the most quintessentially German men, one of those men who knew—even as their thoughts soared toward the highest, toward a worldview—that within the German essence they could only attain this worldview in the true sense, in the living sense, if this worldview were the result of a dialogue with the German national spirit itself. And so it was with Fichte, Johann Gottlieb Fichte, who revealed the German essence most wonderfully in the worldview he created. How does he stand before us right now, when we first consider his personality merely from the outside?

[ 35 ] Gestatten Sie, sehr verehrte Anwesende, dass ich nur einzelne, wesentliche Züge aus seinem Leben Ihnen anführe, damit wir sehen, wie dieser ganze Mensch, Fichte, versucht, aus der Einheit des menschlichen Lebens heraus, aus dem Ich selber heraus zu erhalten dasjenige, für die Erkenntnis, was die Welt gerade in ihrem tiefsten Leben beleuchtet und für den Menschen zur Erkenntnis bringen kann.

[ 35 ] Allow me, esteemed audience, to present to you only a few essential aspects of his life, so that we may see how this whole person, Fichte, sought—from the unity of human life, from the “I” itself—to gain that which illuminates the world in its deepest life and can bring this insight to humanity.

[ 36 ] Schon der Knabe Fichte, wie steht er vor uns? Zwei Züge, wunderschön wirklich in dieser sinnigen Schönheit, wir können sie kaum bei einem andern Geiste wiederfinden: Der sechsjährige Sohn eines einfachen, bäuerlichen Mannes ist zunächst ein ordentlicher Schüler; und weil er ein so guter Schüler ist, wird ihm zu Weihnachten als Belohnung — er kann schon lesen — das Buch vom «Gehörnten Siegfried» vom Vater geschenkt. Es zeigt sich in der nächsten Zeit, dass Johann Gottlieb Fichte etwas unaufmerksamer wird im Lernen; er bekommt Vorwürfe darum. Wir sehen ihn stehen eines Tages an dem Bache, der vorbeifließt an dem Hause seiner Eltern, hineinwerfend den «Gehörnten Siegfried», der ihm lieb, so lieb geworden ist, an dem er seine ganze Seele aufgerichtet hat, hineinwerfend in den Bach. Und als der Vater dazukommt, da merkt der Vater, was der Grund ist dieses sonderbaren Benehmens des Knaben: Er konnte gegenüber dem schon damals in ihm lebenden eisernen Begriff der Pflicht, die an die Wurzel der Seele ging, nicht vertragen, dass das, was ihm als Mensch, als Persönlichkeit lieb ist, bei ihm bleiben sollte, wenn er darüber seine Pflicht verletzen konnte. So fühlt sich drinnenstehend in der Welt, die für ihn — ich möchte sagen — ganz durchsetzt ist von Pflichtkräften, schon der Knabe Fichte, der sechsjährige Knabe.

[ 36 ] Even as a boy, Fichte—how does he appear to us? Two traits, truly wonderful in their poignant beauty—we can scarcely find them in any other mind: The six-year-old son of a simple farmer is, at first, a diligent student; and because he is such a good student, his father gives him the book *The Horned Siegfried* as a Christmas reward—he can already read. It soon becomes apparent that Johann Gottlieb Fichte is becoming somewhat inattentive in his studies; he is reprimanded for it. We see him standing one day by the stream that flows past his parents’ house, throwing *The Horned Siegfried*—which had become so dear to him, so very dear, and into which he had poured his whole soul—into the stream. And when his father arrives, the father realizes the reason for the boy’s strange behavior: Faced with the iron concept of duty that was already alive within him—a concept that went to the very root of his soul—he could not bear the thought that what was dear to him as a human being, as a person, should remain with him if it meant he might violate his duty. Thus, even the boy Fichte—the six-year-old boy—already feels himself standing within a world that is, I might say, entirely permeated by forces of duty.

[ 37 ] Später einmal, als Johann Gottlieb Fichte neun Jahre alt war, da besuchte das Dörfchen, in dem seine EItern wohnten, der Gutsnachbar. Er wollte eigentlich die Predigt am Sonntag hören; allein er kam zu spät. Was geschieht? Man führt ihn, weil der Pfarrer die Predigt schon gehalten hatte, man führt ihm den jungen Knaben, den neunjährigen Knaben im blauen Bauernkittel vor, der sich zunächst linkisch benimmt, der aber dann, als er sieht, was man von ihm will, lebendig wird, und der nun die ganze Predigt, die er als neunjähriger Knabe angehört hat, wörtlich vor dem Gutsnachbar vorbringt, so, dass alles, was er sagte, aus seiner Seele heraus waltet — so hatte er mit dem innersten Blick seiner Seele sich verbunden mit dem, was er eben gehört hatte, und so konnte er es wieder erfließen lassen aus dem Innersten heraus. So lebte er seelisches Leben mit im Unmittelbaren des eigenen Wesens. So war er vorbereitet, Fichte, zu finden das Weltbild des Deutschen Idealismus, dasjenige, was ihm — ich möchte sagen — allerdings von einem gewissen einseitigen Gesichtspunkte her, aber doch von einem echt deutschen Gesichtspunkte her erfließen konnte.

[ 37 ] Some time later, when Johann Gottlieb Fichte was nine years old, the neighbor from the neighboring estate visited the little village where his parents lived. He had actually intended to hear the Sunday sermon; but he arrived too late. What happened? Since the pastor had already delivered the sermon, they brought the young boy—the nine-year-old in a blue peasant smock—before him. At first, the boy behaved awkwardly, but then, when he realized what was expected of him, he came to life, and who now recites the entire sermon he had heard as a nine-year-old boy word for word in front of the neighbor—so that everything he said flowed from the depths of his soul—for he had connected, with the innermost gaze of his soul, with what he had just heard, and thus he was able to let it flow forth again from the very depths of his being. Thus he lived a spiritual life in the immediacy of his own being. Thus was Fichte prepared to discover the worldview of German Idealism—that which could flow from him, I might say, albeit from a certain one-sided perspective, but nonetheless from a genuinely German perspective.

[ 38 ] Wie er im Grunde seines Wesens sich klar war darüber, dass dasjenige, was in des Menschen Innerem lebt, was in diesem Ich drinnen ist, wie das birgt die Quellkräfte der Welt selber — dasjenige, was göttlich-geistig die Welt durchwellt und durchwirkt —, wie das gefunden werden kann, wenn der Mensch nur ganz in die Tiefen seines Inneren taucht, das tritt zutage in dem ganzen Wirken Fichtes. Er wurde ja verhältnismäßig früh zur Professur nach Jena berufen, das damals der Mittelpunkt des deutschen Geisteslebens war. Aber die Art und Weise, wie Fichte als Lehrer auf seine Zuhörer wirkte, sie ist eine wirklich ganz andere, als man sich — ich möchte sagen gewöhnlich träumen lässt.

[ 38 ] How he was, in the depths of his being, fully aware that what lives within a human being—what lies within this “I”—harbors the source forces of the world itself—that which, in a divine-spiritual way, ripples through and permeates the world— and how this can be discovered if a person only delves deeply into the depths of their inner being—this is evident throughout Fichte’s entire body of work. He was, after all, appointed to a professorship in Jena relatively early on, which at that time was the center of German intellectual life. But the way in which Fichte, as a teacher, influenced his listeners is truly quite different from what one—I might say—usually imagines.

[ 39 ] Leute, die Fichte gehört haben, sie charakterisieren ihn etwa in der folgenden Weise. Sie sagen: Wenn Fichte sprach, so war es, wie wenn seine Rede daherrollte wie Donner, die sich in Blitzesfunken entladen; und wenn er sprach, da wollte er nicht bloß gute, da wollte er große Individualitäten erziehen. Und einer derjenigen, der einigen der Nächststehenden zugehört hatte, der sagte: Dasjenige, was Fichte sprach, verriet, dass er zwar nicht praktische, aber kühne Bilder habe, energische Bilder habe, dass seine Phantasie nicht im eigentlichen Sinne anmutig, aber eindringlich und kraftvoll wirkte, und dass er im Reich der Gedanken, im Reich der Ideen spricht nicht wie einer, der bloß große Worte macht, sondern wie einer, der in dieser unsichtbaren, in dieser übersinnlichen Welt zu herrschen vermag.

[ 39 ] People who have heard Fichte describe him in roughly the following way. They say: When Fichte spoke, it was as if his words rolled forth like thunder, discharging into flashes of lightning; and when he spoke, he did not merely seek to educate good individuals—he sought to educate great ones. And one of those who had listened to some of his closest associates said: What Fichte said revealed that, while his imagery was not practical, it was bold and energetic; that his imagination, though not graceful in the strict sense, had a compelling and powerful effect; and that in the realm of thought, in the realm of ideas, he spoke not like someone who merely uses grand words, but like someone capable of reigning in this invisible, this supernatural world.

[ 40 ] Wenn Fichte zu seinen Zuhörern sprach, dann suchte er nicht bloß diesen Zuhörern den Inhalt dessen mitzuteilen, was er ihnen zu sagen hatte. Er sprach niemals, wenn er zweimal über einen Gegenstand vortrug, ein und dasselbe; er sprach niemals so — ich möchte sagen dass er nur einen gewissen Inhalt in der Seele hatte, den Inhalt an seine Zuhörer heranbringen wollte, sondern er hatte in seinem eigenen Innern ein Gesamtgefühl von dem, was er sagen wollte, eine Gesamtempfindung, und suchte vor allen Dingen ein innerliches Band herzustellen zwischen sich und jedem einzelnen Zuhörer. Er wollte, dass dasjenige, was in seiner Seele lebte als Kraft, nicht bloß als Wort wirksam, regsam werde in jedem einzelnen Zuhörer, [sondern] dass es in jedem einzelnen Zuhörer selber hervortöne. Er wollte, dass sich ein lebendiges Fluidum ausgieße über seine ganze Hörerschaft. Er wollte, dass die Zuhörer, wenn sie seine Redewendungen gehört haben, dass sie mit einem anderen inneren Leben weggehen, als sie hergekommen sind. Er wollte etwas lebendig machen in ihnen. Aber so wirkte er, lebendig das Ich ergreifend.

[ 40 ] When Fichte spoke to his audience, he did not merely seek to convey to them the content of what he had to say. He never spoke the exact same words twice when lecturing on a subject; he never spoke in such a way—I would say that he did not merely have a certain content in his soul that he wanted to convey to his listeners—but rather, he had within himself an overall sense of what he wanted to say, an overall feeling, and sought above all to establish an inner bond between himself and each individual listener. He wanted what lived in his soul as a force—not merely as words—to become active in each individual listener, [but] to resound from within each listener themselves. He wanted a living energy to flow out over his entire audience. He wanted the listeners, after hearing his words, to leave with a different inner life than the one they had arrived with. He wanted to bring something to life within them. But this is how he worked, seizing the “I” with vitality.

[ 41 ] Und so konnte Fichte, Johann Gottlieb Fichte, dazu kommen, dasjenige — ich möchte sagen — vollständig zu verneinen, was aus der verstandesmäßigen Weltanschauung des Descartes hervorgekommen ist. Das Sein im eigenen Ich und des Göttlichen im Ich anstreben, dadurch, dass man vom Denken ausgehe, und weil man denkt, zeigt man — auch das konnte Fichte nicht billigen —, so wäre eben das Ich etwas Totes gewesen. Ihm sollte das Ich etwas sein, was niemals tot werden kann, aus dem Grunde, weil es sich immerfort selber schafft. Es kann gar nicht aufhören zu sein — da es immerfort sich selber schafft. Das heißt: Er sah das Wesentliche des Ichs — Fichte — im Willen. Und dadurch, dass das Ich sich will, dadurch stellt es sich durch seine eigene Kraft in die Welt hinein.

[ 41 ] And so Fichte—Johann Gottlieb Fichte—came to completely—I would say—reject that which had emerged from Descartes’ rational worldview. To strive for being in one’s own self and for the divine in the self—by proceeding from thought, and precisely because one thinks—would mean, as Fichte could not accept, that the self would have been something dead. For him, the self was to be something that can never die, for the reason that it is constantly creating itself. It cannot cease to be at all—since it constantly creates itself. That is to say: Fichte saw the essence of the “I” in the will. And by the fact that the “I” wills itself, it places itself into the world through its own power.

[ 42 ] Dadurch aber auch musste sich für Fichte ein Weltbild ergeben, das in dem die Welt durchflutenden Wollen dasjenige sah, was das eigentlich Wirksame in der Welt ist. Und das Wunderbare tritt nun bei Fichte auf, dass er sagt: Diese äußere Sinneswelt, wie sie uns entgegentritt, sie ist nicht das Wahre, Wirkliche. Warum ist sie da? Sie ist da, damit der Mensch innerhalb dieser Sinnenwelt selber als ein sinnliches Wesen erscheinen könne; damit in diesem Menschen das die Welt durchflutende Wollen, das sich als die die Welt durchsetzende göttliche Pflicht ausdrückt, dass dieses Wollen ein Material bilde, um die Pflicht, um das Moralische zu erfüllen. So wird die ganze Welt durchzogen für Fichte von moralischer Substanz, von moralischer Wirklichkeit. Die ganze Welt ist ihm ein geistig Ganzes von Pflicht, und dasjenige, was als Einzelnes da ist, das ist, damit die Pflicht, damit der Wille, damit das Göttliche, das im Willen Lebendige sich ausleben kann.

[ 42 ] Consequently, however, this also led Fichte to a worldview in which he saw the Will permeating the world as the truly active force in the world. And what is remarkable about Fichte is that he says: This external sensory world, as it appears to us, is not the true, real world. Why is it there? It is there so that human beings, within this sensory world, may themselves appear as sensory beings; so that within these human beings, the Will that permeates the world—which expresses itself as the divine duty that pervades the world—may serve as the material for fulfilling duty, for fulfilling the moral. Thus, for Fichte, the entire world is permeated by moral substance, by moral reality. For him, the entire world is a spiritual whole of duty, and whatever exists as an individual entity exists so that duty, so that the will, so that the divine—which lives within the will—may find its full expression.

[ 43 ] Das äußere Sinnliche nennt Fichte einen Stoff, nennt Fichte das versinnlichte Material der Pflicht. Man versuche nur objektiv, dieses Hineinstellen in eine göttlichmoralische Weltordnung bei Fichte zusammenzuhalten mit dem Chemismus, der aus einer einheitlich verstandesmäßigen Weltanschauung hervorgegangen ist, wie etwa bei Descartes — Cartesius —, man versuche zu erkennen, wie in diesem Johann Gottlieb Fichte lebte — ich möchte sagen — ein gewisser innerer Zusammenhang der Seele mit dem, was als Göttliches die Welt durchflutet und durchwirkt, wie er diesen Zusammenhang dann wiederum in den einzelnen Volksgeistern zu schauen versuchte. Aber so, dass ein Volksgeist erfassen kann diesen lebendigen Zusammenhang mit dem Allgeistigen im Ich, das konnte Fichte nur dem deutschen Volksgeist zuschreiben. Und so wurde es bei Fichte ganz bewusst, dass der deutsche Volksgeist im Zusammenhang mit der Menschheitsentwicklung dazu berufen wäre, lebendiges Erkennen an die Stelle des mechanistischen, toten Erkennens zu bringen.

[ 43 ] Fichte refers to the external sensory realm as a substance; he calls it the sensually perceived material of duty. Let us try, objectively, to reconcile this placement within a divine-moral world order in Fichte with the “chemism” that emerged from a uniform, rational worldview, as in the case of Descartes—Cartesius— try to recognize how Johann Gottlieb Fichte lived—I might say—in a certain inner connection of the soul with that which, as the divine, permeates and interweaves the world, and how he in turn sought to perceive this connection in the individual national spirits. But the ability of a national spirit to grasp this living connection with the universal spiritual in the “I”—this Fichte could attribute only to the German national spirit. And so it became quite clear to Fichte that, in the context of human development, the German national spirit was called upon to replace mechanistic, lifeless cognition with living cognition.

[ 44 ] Aber wahr ist, was wie ein Ethos selber, wie ein welthistorischer Pflichtbegriff tief durchpulst die großartig wirksamen «Reden an die deutsche Nation», die Johann Gottlieb Fichte in einer der schwersten Zeiten Deutschlands gehalten hat, in Berlin, mitten unter den Feinden, die dazumal in Berlin eingedrungen waren, und während er diese «Reden an die deutsche Nation» hielt, wo er eben zeigen wollte, wie der deutsche Volksgeist dazu berufen ist, aus dem lebendigen Ich heraus den Zusammenhang des Menschen mit dem Weltengeist zu erfassen, als er diese Reden hielt, die heute noch immer in einer wunderbaren Weise anregend wirken können auf das deutsche Gemüt, da trommelten draußen die vorüberziehenden französischen Regimenter. Da konnte er jederzeit von den Feinden gefangen genommen werden. Da stand er aber auch felsenfest als der deutsche Mann, der sich bewusst war, dass er auszusprechen hat die weltgeschichtliche Sendung des deutschen Volksgeistes.

[ 44 ] But it is true that what pulses deeply through the magnificently effective “Addresses to the German Nation”—like an ethos itself, like a world-historical concept of duty—is what Johann Gottlieb Fichte delivered during one of Germany’s most difficult times, in Berlin, surrounded by the enemies who had invaded the city at that time, and while he was delivering these “Addresses to the German Nation”—in which he sought to demonstrate how the German national spirit is called upon to grasp, from the living “I,” the connection between humanity and the world spirit—as he delivered these addresses, which even today can still have a wonderfully inspiring effect on the German spirit, the passing French regiments were drumming outside. At any moment, he could have been captured by the enemies. Yet there he stood, unshakable, as the German man who was aware that he had to articulate the world-historical mission of the German national spirit.

[ 45 ] Man braucht nicht einseitig, sehr verehrte Anwesende, sich heute auf den Standpunkt zu stellen, dass man die Philosophie, die Weltanschauung ihrem Inhalte nach eines solchen Geistes etwa dogmenhaft hinnehmen solle. Darüber kann man heute hinaus sein. Man braucht nicht ganz sich zu bekennen zu dem, was Fichte da oder dort gesagt hat, und was die Anderen gesagt haben, von denen wir noch zu sprechen haben werden; man kann den Blick wenden auf die Art und Weise, wie diese Menschen streben, und wie sie gerade in diesem Streben zeigen — was bei Fichte auch voll bewusst war —, dass sie aus der Tiefe des deutschen Volksgeistes heraus schöpfen wollten.

[ 45 ] There is no need, my dear friends, to take the one-sided position today that one should accept philosophy—or a worldview—in terms of its content as if it were some kind of dogma. We can move beyond that today. There is no need to fully subscribe to what Fichte said here or there, or to what the others said—whom we will yet discuss; one can turn one’s attention to the way in which these people strive, and how, precisely in this striving, they demonstrate—as Fichte was also fully aware—that they sought to draw from the depths of the German national spirit.

[ 46 ] So steht Johann Gottlieb Fichte als einer derjenigen, die aus dem Deutschen Idealismus heraus ein Weltbild suchen, so steht er vor uns. Auf dieses Streben bei ihm wollen wir schauen, und auch bei den Anderen, nicht auf das, was sie gesagt haben. Man braucht nicht ein Anhänger von irgendjemandem zu sein, den man als Persönlichkeit groß und verehrungswürdig und bedeutend findet, sondern man kann weiter ganz unabhängig das individuelle Streben sich entzünden lassen, selbst auf demjenigen Gebiete, wo man glaubt, dass man nicht mit ihm gehen kann in Bezug auf den Inhalt einer Lehre. Aber auf die Lehre kommt es jetzt nicht an, auf die Persönlichkeit kommt es an, die, so wie sie dasteht, dienen kann, das deutsche Volk selber zu charakterisieren, weil es im Wesen des deutschen Volkes liegen muss, wenn gerade — ich möchte sagen — wie bei Fichte aus diesem deutschen Wesen auch mit Bewusstheit solches hervorgehen kann, wie es Fichte aus diesem deutschen Wesen hervorgebracht hat.

[ 46 ] Thus Johann Gottlieb Fichte stands before us as one of those who sought a worldview rooted in German Idealism. We want to focus on this quest in his work—and in that of the others as well—rather than on what they actually said. One need not be a follower of anyone whom one considers a great, venerable, and significant personality; rather, one can still allow one’s individual striving to be kindled quite independently, even in those areas where one believes one cannot agree with him regarding the content of a doctrine. But the teaching is not what matters now; what matters is the personality, which, just as it stands, can serve to characterize the German people themselves, because it must lie in the very essence of the German people if—I would say—as with Fichte, something can emerge from this German essence with such self-awareness as Fichte brought forth from it.

[ 47 ] Dann sehen wir Fichtes Nachfolge von einem Anderen, von Schelling. Auch Schelling ist eine solche Persönlichkeit. Ich bin überzeugt davon, sehr verehrte Anwesende, dass gerade diese drei Gestalten, von denen ich hier zu sprechen habe, wiederum aufgerufen werden, wenn jene Zeit, die ja ganz gewiss eine Zeit großer Hoffnungen und Tätigkeit ist, die wir durchleben, die aber auch eine schwere Prüfungszeit ist, wenn diese Zeit ihre Früchte bringen wird.

[ 47 ] Then we see Fichte’s successor in another figure, Schelling. Schelling, too, is such a figure. I am convinced, distinguished guests, that it is precisely these three figures, of whom I am speaking here, who will once again be called upon when the time—which is certainly a time of great hopes and activity that we are experiencing, but which is also a time of severe trials—when this time bears its fruit.

[ 48 ] Wir sehen die Nachfolge Fichtes [in] Schelling. Auch in diesem haben wir eine solche Persönlichkeit, die unmittelbar aus der Tiefe des Ich heraus schaffen will ein Weltbild, weil sie sich klar ist, dass in dem, was der Mensch in seinem Innersten erlebt, das Göttlich-Geistige wirkt, das durch alle Natur und alles Sein flutet und im Wirken [in] der Welt erfasst werden kann. Wenn der Mensch nur sein Ich stark genug in sich zu erleben vermag.

[ 48 ] We see Fichte’s influence [in] Schelling. Here, too, we find a figure who seeks to create a worldview directly from the depths of the “I,” because he is fully aware that within what human beings experience in their innermost being, the divine-spiritual is at work—a force that flows through all of nature and all of existence and can be grasped through its activity [in] the world. If only human beings were able to experience their “I” strongly enough within themselves.

[ 49 ] Ist für Fichte das göttliche Wesen etwas, das die Welt — ich möchte sagen — wie ein großes Moralisches webend und wirkend durchzieht, so ist für Schelling zunächst das göttliche Wesen der große Künstler, der aus dem Kunstweben seines eigenen Wesens heraus [sich] zuerst die Natur entgegenstellt, um in dem Spiegel der Natur seine eigene Wahrheit, sein eigenes Wesen und Wirken anzuschauen. Das Kunstwerk Gottes ist für Schelling die Natur. Keine Naturwissenschaft, die abstrakt verstandesmäßig wirken soll — eine Naturwissenschaft, die so wirkt, dass mit jeder Idee, die hervorgebracht wird über die Natur, die menschliche Seele sich zu gleicher Zeit fühlt verwandt mit der Natur. So fühlt aber Schelling diese Natur, dass er sagt: Jetzt trat der Mensch, jetzt traten andere beseelte Wesen in der Natur auf. Aber die ganze Natur ist dem vorangegangen gleichsam als das Unbewusste und Unterbewusste, das vorher vorhanden sein musste wie ein Knochengerüst. [Als] das ganze durchgeistigte Weltbild steht die Natur da; als das Vergangene und zugleich als der feste Boden für das gegenwärtige; als das Vergangene an Stoff, auf das sich der Geist stellen kann, der sein Dasein vorbereitet hat in dem Naturdasein. Und so wachsen Natur und Geist für Schelling zusammen, aber so zusammen, dass wirklich dasjenige, was aus Schelling heraus sich lebt als ein Weltbild des Deutschen Idealismus wiederum im Zusammenhang mit der gesamten Persönlichkeit, nicht bloß einseitig mit der Empfindungsseele, einseitig mit der Bewusstseinsseele, einseitig mit der Verstandesseele, sondern aus der ganze Fülle des seelischen Wesens heraus. Man möchte sagen: Dieser ganze Schelling war dabei.

[ 49 ] If, for Fichte, the divine essence is something that pervades the world—I might say—weaving and acting like a great moral force, then for Schelling the divine essence is, first and foremost, the great Artist who, out of the artistic weaving of his own essence, first sets nature before himself in order to behold his own truth, his own essence, and his own work in the mirror of nature. For Schelling, God’s work of art is nature. Not a natural science that is meant to operate abstractly and rationally—a natural science that operates in such a way that with every idea produced about nature, the human soul simultaneously feels a kinship with nature. But Schelling perceives nature in such a way that he says: Now man appeared; now other animated beings appeared in nature. But all of nature preceded this, as it were, as the unconscious and subconscious, which had to exist beforehand like a skeletal framework. Nature stands there as the entire worldview imbued with spirit; as the past and at the same time as the firm ground for the present; as the past in terms of matter upon which the spirit can stand, having prepared its existence within the existence of nature. And so, for Schelling, nature and spirit grow together—but in such a way that what truly emerges from Schelling as a worldview of German Idealism is once again connected to the entire personality, not merely one-sidedly with the emotional soul, one-sidedly with the conscious soul, or one-sidedly with the rational soul, but from the full richness of the spiritual being. One might say: Schelling in his entirety was present in this.

[ 50 ] Diejenigen, die ihn persönlich gekannt haben, schilderten, wie er noch im Alter mit seinen funkelnden Augen sprach, so, wie wenn er durch den leuchtenden Blick seiner Augen ergießen wollte dasjenige auf seine Zuhörer, was als durchgeistigte, durchseelte Natur in seinem Innern lebte, wodurch er die Seele des Menschen immer verwoben fühlte mit allem Naturdasein. Zu immer Höherem und Höherem, sodass er zuletzt nur noch wenig verstanden werden konnte, hat sich Schelling emporgetragen gefühlt mit dieser seiner — ich möchte sagen — aus dem deutschen Gemüt, aus der Gemütsseele — wie bei Fichte aus der Willensseele — heraus gewobenen Weltanschauung. Gott als der Künstler, die Natur als ein wunderbares Kunstprodukt, gemütsinnige Naturerkenntnis, die Schelling so verwoben glaubte mit dem menschlichen Ich, dass er sich im Weiteren hinreißen ließ zu sagen: Die Natur erkennen, heißt: die Natur schaffen.

[ 50 ] Those who knew him personally described how, even in his old age, he spoke with sparkling eyes, as if he wanted to pour out onto his listeners—through the radiant gaze of his eyes—that which lived within him as a nature imbued with spirit and soul, through which he always felt the human soul interwoven with all of nature’s existence. Schelling felt himself soaring ever higher and higher—to the point where, in the end, he could be understood only to a limited extent—with this worldview of his that was, I might say, woven from the German spirit, from the soul of the spirit—just as, in Fichte’s case, it was woven from the soul of the will. God as the Artist, nature as a marvelous work of art, an emotional understanding of nature—which Schelling believed to be so intimately interwoven with the human self that he was later led to say: “To know nature is to create nature.”

[ 51 ] Gewiss, einseitig waren diese Geister; aber sie waren so einseitig, wie alle Menschen einseitig sind, die die Fehler ihrer Tugenden haben, nicht die Fehler ihrer kleinen Eigenschaften. — Die Natur erkennen, heißt: die Natur schaffen! — Er fühlte, dass dasjenige, was als Kraft in der Natur lebt, von der Seele aus ergriffen werden kann, wenn diese Seele sich nur in ihrem Ich selber sich ergreife, dass die Natur nachgeschaffen werden kann.

[ 51 ] Certainly, these spirits were one-sided; but they were as one-sided as all people are who have the flaws of their virtues, not the flaws of their petty traits. — To recognize nature is to create nature! — He felt that what lives as a force in nature can be grasped by the soul, provided that this soul grasps itself within its own “I,” and that nature can thus be recreated.

[ 52 ] Und der Dritte, das ist der vielverkannte, der aber doch in der Gegenwart wiederum von einigen verehrte Hegel. Hat Fichte versucht, in dem Willen, der alles durchdringen kann, [hat er versucht] in dem Ich aufzuleben, hat Schelling — ich möchte sagen — in dem Weltgemüte, das im Ich auflebt und alles durchgeistigt und durchseelt, ein idealistisches Weltbild zu schaffen versucht, so versucht Hegel aus dem reinen Begriffe heraus, aus der Idee heraus ein Weltenbild zu schaffen. Und gerade bei Hegel liegt es nahe, weil er ein Weltbild in Begriffen, in Ideen fassen wollte, dieses Hegel’sche Weltenbild zu vergleichen mit dem mechanistischen, mit dem verstandesmäßigen des Cartesius, des Descartes: Dort ist alles verstandesmäßig! Was wollte aber Hegel? Hegel wollte den Begriff, die Idee nicht so haben, dass sein Weltbild gleichsam nur ein Instrument sei, um eine äußere Wirklichkeit zu erkennen. Hegel wollte diese Welt so haben, dass die Menschenseele ihrerseits die Begriffe selbst erlebt, dass sie sich hineinlebt mit ihrem Ich in die eisigen Gebiete, aber darum auch das Erlebnis bildet des reinen Begriffes. Denn Hegel hatte das innere Erlebnis — man darf es inneres Erlebnis nennen —, dass der Mensch, wenn er die Ideen der Welt in ihrer Reinheit erfasst, dass er dann teilhaben darf mit dem Innersten seines Ichwesens an dem, was als göttlicher Gedanke selber schaffend aller Welt zugrunde liegt, teilnehmen an dem Gedankenwerk der Gottheit, weil ja ein Gedanke in der Seele gewissermaßen nur eine ideelle Repräsentation desjenigen ist, was als Gottesgedanke die Welt durchflutet — das wollte Hegel.

[ 52 ] And the third is Hegel—the much-misunderstood philosopher who is, nevertheless, once again revered by some in the present day. If Fichte attempted to come alive in the will that can permeate everything—[he attempted] to come alive in the “I”—and if Schelling—I would say—attempted to create an idealistic worldview in the “world spirit” that comes alive in the “I” and imbues everything with spirit and soul, then Hegel attempts to create a worldview out of pure concepts, out of the Idea. And with Hegel in particular, it seems natural—precisely because he wanted to formulate a worldview in concepts, in ideas—to compare this Hegelian worldview with the mechanistic, rational one of Cartesius, of Descartes: there, everything is rational! But what did Hegel want? Hegel did not want the concept, the idea, to be such that his worldview would be, as it were, merely an instrument for recognizing an external reality. Hegel wanted this world to be such that the human soul, for its part, experiences the concepts itself, that it immerses itself with its “I” into the icy realms, but thereby also forms the experience of the pure concept. For Hegel had the inner experience—one may call it inner experience— that when a human being grasps the ideas of the world in their purity, he or she may then participate, with the innermost core of his or her self, in that which, as divine thought itself, creatively underlies the entire world—participate in the work of thought of the Deity—because, after all, a thought in the soul is, in a sense, merely an ideal representation of that which, as the thought of God, permeates the world—that is what Hegel wanted.

[ 53 ] Einseitig gewiss ist auch diese Weltanschauung, weil sie — ich möchte sagen — die göttlich-geistigen Wesen, die der Welt zugrunde liegen, zu bloßen Logikern macht, weil die ganze Welt zu einem bloßen Gerippe ihrer Wirklichkeit gemacht wird. Aber deshalb ist es doch bedeutsam, dass einmal — ich möchte sagen — wie eine Stufe in der Entwicklung des deutschen Wesens erschienen ist dieses innerlich lebendige Durchfühlen und Durchweben eines durch die Welt gehenden Gedankenhaften: Ich will mich vereinen mit dem in der Welt wirkenden Gedanken, und ich bin überzeugt, dass ich damit nicht nur etwas habe in meiner Seele, was die Welt äußerlich abbildet, sondern, dass, wenn die Gedanken durch meine Seele fließen, so ist es das göttliche Wirken selber, das in mir seine Gedanken in der Seele erscheinen lässt — jene Gedanken, nach denen draußen Mineral, Pflanze, Tier und Mensch erschaffen sind. Draußen schafft der Gott nach den Ideen die Gestaltung und die Tatsachen; dann lässt er diese Ideen, indem er sie des Stofflichen entkleidet hat, durch die menschliche Seele fluten, und der Mensch nimmt teil, indem er sich hingibt diesem Fluten in einer, nicht verschwommenen, in einer ganz kristallklaren, nicht Gefühls-, sondern Ideen-Mystik: Der Mensch nimmt teil an der Wirksamkeit der göttlichen Gedanken in der Welt!

[ 53 ] This worldview is certainly one-sided as well, because it—I would say—reduces the divine-spiritual beings that underlie the world to mere logicians, since the entire world is reduced to a mere skeleton of their reality. But that is precisely why it is significant that—I would say—this inwardly living sense of and interweaving with a thought-life permeating the world has appeared as a stage in the development of the German spirit: I want to unite myself with the thought at work in the world, and I am convinced that in doing so I not only have something in my soul that outwardly reflects the world, but that when these thoughts flow through my soul, it is the divine activity itself that causes its thoughts to appear within my soul—those very thoughts according to which minerals, plants, animals, and human beings are created in the external world. Out there, God creates form and reality according to the Ideas; then, having stripped these Ideas of their material aspect, He allows them to flow through the human soul, and the human being participates by surrendering to this flow in a mysticism that is not vague, but entirely crystal-clear—a mysticism of Ideas, not of emotion: Human beings participate in the activity of the divine thoughts in the world!

[ 54 ] Ja, sehr verehrte Anwesende, mit diesen drei Gestalten — die, viel mehr als man glaubt, auch in der Zeit, in der sie wenig genannt wurden, in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts und bis heute in unsere Tage fortleben in dem deutschen Wesen —, in diesen drei Gestalten tritt uns das Weltbild des Deutschen Idealismus entgegen, jenes Deutschen Idealismus, der dazu berufen war — und wir können [das] unmittelbar objektiv an diesen Geistern sehen, den Geistern dieses Deutschen Idealismus —, der dazu berufen war — ich möchte sagen — erkenntnismäßig, ich betone ausdrücklich, nicht religiös, aber erkenntnismäßig — obwohl das Erkenntnismäßige eine Stütze des Religiösen ist, so geht das Religiöse aus einem anderen Teil hervor —, auch als eine Stütze des Religiösen, die zweite große Flutwelle in Bezug auf ein menschliches Weltenbild aus den Tiefen des menschlichen Wesens hervorzuzaubern.

[ 54 ] Yes, ladies and gentlemen, in these three figures—who, far more than one might think, continue to live on in the German spirit even during the period when they were rarely mentioned, in the second half of the nineteenth century and right up to the present day—in these three figures, we encounter the worldview of German Idealism, that German Idealism which was called upon—and we can [see this] directly and objectively in these spirits, the spirits of this German Idealism—which was called upon—I would say—in terms of knowledge, I expressly emphasize, not religiously, but epistemologically—although the epistemological is a pillar of the religious, the religious arises from another part—and also as a pillar of the religious, to conjure forth from the depths of human nature the second great tidal wave with regard to a human worldview.

[ 55 ] Blicken wir hinüber nach Asien. Asien bewahrt ja in seinem Weltenbild, insbesondere in Indien bewahrt es noch — ich möchte sagen — ein uraltes Weltenbild, wo der Mensch versucht hat, auch zu dem zu kommen — aus dem Inneren seines Wesens zu dem zu kommen —, was als Göttlich-Geistiges die Welt durchflutet, durchwirkt und durchlebt. Aber wodurch versucht das der Asiate und der Nachzügler dieses alten Asiaten, der heutige Inder — wodurch versuchen sie das göttlich-geistige Wirken und Fluten in der Welt im eigenen Seelenwesen gegenwärtig zu machen? Dadurch, dass sie herabdämpfen, herablähmen das Seelische, herablähmen das Ich; das Ich muss ausgelöscht werden, dann kann der Mensch sich hingeben dem allgemeinen Fluten des Brahman. — Das ist das alte Streben nach dem Weltenbilde — ich möchte sagen —, das urarische Streben nach einem Weltenbilde. Charakteristisch dafür ist, dass das Ich herabgestimmt, herabgelähmt wird bis zum Auslöschen, damit dasjenige, was der Mensch in seinem Ich erlebt, sich ihm nicht in den Weg stellt, wenn er aufleben lassen will in seiner Seele dasjenige, was göttlich-geistig die Welt durchflutet und durchseelt. Sich auslöschen — damit das Göttliche in ihm wirkt, das ist das Ideal dieses panasiatischen Weltenbildes.

[ 55 ] Let’s turn our attention to Asia. Asia, after all, preserves in its worldview—and India in particular still preserves, I would say, an ancient worldview—in which human beings have sought to arrive at—to arrive at from within their very being—that which, as the divine-spiritual, permeates, interweaves with, and lives through the world. But how do Asians—and the modern-day Indians, who are the successors of those ancient Asians—attempt to make the divine-spiritual activity and flow in the world present within their own soul? By dampening and numbing the soul, by numbing the “I”; the “I” must be extinguished, so that the human being can surrender to the universal flow of Brahman. — This is the ancient striving toward a worldview—I might say—the primordial Aryan striving for a worldview. A characteristic feature of this is that the ego is subdued and numbed to the point of extinction, so that what a person experiences in their ego does not stand in their way when they wish to awaken within their soul that which, in a divine-spiritual way, floods and permeates the world. To extinguish oneself—so that the divine may work within—that is the ideal of this Pan-Asian worldview.

[ 56 ] Dieses Weltenbild war nicht mehr ein mögliches, als das größte Ereignis durch die Weltentwicklung der Menschheit gegangen ist, das es überhaupt gibt. Dieses Weltbild war nicht mehr ein mögliches, als der ChristusImpuls in die Menschheit eingezogen war. Da war von der religiösen Seite her der Menschheit eine Vertiefung gegeben, von einer Größe gegeben so, dass das Asiatische niemals mehr in seiner Stärke auftauchen darf, denn es würde niemals mehr angemessen sein können diesem Ereignis, in welchem der Christus-Impuls lebt als das höchste Ereignis. Dem Erdendasein ein Erkenntnismäßiges geschaffen zu haben, das dem Christus-Impuls angemessen ist, das stand dem deutschen Volksgeiste zu.

[ 56 ] This worldview was no longer a possibility once the greatest event in the history of human development had taken place. This worldview was no longer a possibility once the Christ impulse had entered humanity. From a religious standpoint, humanity was given a deepening of such magnitude that the Asian element may never again emerge in its former strength, for it could never again be commensurate with this event, in which the Christ Impulse lives as the supreme event. It was the destiny of the German national spirit to create for earthly existence a form of knowledge that is commensurate with the Christ impulse.

[ 57 ] Und diese drei Geister sind wie die drei Symptome, in denen hingestrebt wird nach einem solchen Weltenbilde. Wie gesagt: Wie sucht man da nach einem solchen Weltenbilde nicht mit Auslöschen des Ich! Wir haben gesehen, wie gerade diese drei Geister — Fichte, Schelling, Hegel — das Ich voll ausleben wollen, wie sie es in den Mittelpunkt der drei Seelenschattierungen stellen, nicht mit Auslöschung des Ich, sondern gerade durch volles Erleben, durch Erhöhung des Ich; wie in dieses Ich hereinflutet das Göttlich-Geistige, das ist es, was dem deutschen Volksgeiste oblag. Und das konnte er deshalb, weil er das Ich durch die drei Seelennuancen scheinen lassen konnte, wie das einheitliche Licht durch die drei Regenbogen-Nuancierungen scheint.

[ 57 ] And these three spirits are like the three symptoms through which one strives toward such a worldview. As I said: How can one seek such a worldview without extinguishing the “I”! We have seen how precisely these three thinkers—Fichte, Schelling, Hegel—seek to live out the “I” to the fullest, how they place it at the center of the three soul nuances, not by extinguishing the “I,” but precisely through its full experience, through the elevation of the “I”; how the divine-spiritual flows into this “I”—that is what fell to the German national spirit. And it was able to do so because it could let the “I” shine through the three shades of the soul, just as the unified light shines through the three shades of the rainbow.

[ 58 ] So in die neuere Weltenentwicklung sich hineinzustellen als diejenigen, die nun alles dasjenige, was man erkennt von Natur- und Seelendasein in den Dienst eines solchen idealistischen Weltenbildes stellen, das oblag gerade den größten deutschen Denkern, die sich eins wussten mit dem, was der eigentlich deutsche Volksgeist in der Fortentwicklung der Menschheit will.

[ 58 ] It was precisely the task of the greatest German thinkers—who saw themselves as one with what the truly German national spirit desires in the further development of humanity—to engage with the more recent development of the world in the same way as those who now place everything that can be recognized about the existence of nature and the soul in the service of such an idealistic worldview.

[ 59 ] Auf dieses heute hinzuweisen, sehr verehrte Anwesende, scheint mir angemessen. Dasjenige, was werden wird durch die großen äußeren Ereignisse, darüber werden die Waffen entscheiden und andere Verhältnisse. Einer solchen Betrachtung scheint es aber angemessen gerade in der Gegenwart zu sein, die Seelen zu vertiefen in dasjenige, was das Wesen des deutschen Volksgeistes selber ist, der jetzt von allen Seiten, nicht nur, möchte ich sagen, geschmäht, sondern verleumdet wird, und der gerade deshalb, weil er in der angedeuteten Weise wirken muss, so verkannt wird von denjenigen, die rings herum heute aus ihrem Hass heraus die deutsche Weltanschauung, man kann nicht sagen, bloß missverstehen, sondern missverstehen auch wollen. Aber sie können sie nicht verstehen, weil sie in einseitiger Weise wirken, in Einseitigkeit der besonderen Seelenschattierung; während der Deutsche wirklich seiner Gemäßheit nach, aus seiner Gemäßheit heraus nach einer Ganzheit wirken muss.

[ 59 ] It seems appropriate to me, distinguished guests, to point this out today. What will come to pass as a result of major external events will be decided by arms and other circumstances. However, in light of such considerations, it seems particularly fitting at this very moment to immerse our souls in the very essence of the German national spirit itself, which is now, from all sides, is not only, I might say, reviled, but also slandered—and which, precisely because it must act in the manner I have indicated, is so misunderstood by those who, driven by their hatred, not only misunderstand the German worldview—one cannot say they merely misunderstand it, but they also willfully misunderstand it. But they cannot understand it because they act in a one-sided manner, with the one-sidedness of a particular shade of the soul; whereas the German, by his very nature, must act toward wholeness, out of his moderation.

[ 60 ] Damit ist ausgegossen über dasjenige, was der deutsche Geist leisten soll in der Welt — ich möchte sagen etwas wie eine andächtige Stimmung. Besonders dazu ist diese deutsche Volksseele veranlagt, dass sie sich Wissen erwirbt durch Natur- und Seelenwesen, und dieses Wissen dann in der Seele wieder bereichert, dass dieses Wissen ist wie ein Entgegengehen der Seele dem göttlichen Wesen.

[ 60 ] This is what is poured out over what the German spirit is meant to accomplish in the world—I would say something like a devotional mood. The German national soul is particularly predisposed to acquiring knowledge through the nature and essence of the soul, and then enriching this knowledge within the soul itself, so that this knowledge is like the soul’s reaching out toward the divine essence.

[ 61 ] Sehen wir das nicht — und ich möchte Ihnen diese Worte wörtlich vorlesen —, sehen wir das nicht schön, wenn wir hinblicken auf diejenigen gerade, die sich vergegenwärtigen wollten immer aus der Tiefe des deutschen Wesens heraus, dasjenige, was der deutsche Volksgeist ist? Sehen wir nicht immer dieses Streben — was der Deutsche wissen kann, wie zu einem Seelenimpuls zu machen auch für das Göttlich-Geistige —, andächtige Stimmung auch in der Wissenschaft zu entwickeln? Wie schön, wie wunderbar ist es zum Beispiel, wenn ein Deutscher — und deshalb gerade darf er vielleicht heute erwähnt werden —, der in Österreich als einer der größten Deutsch-Österreicher erscheint, sich vertiefend in das deutsche Wesen, wenn er auch nicht vielleicht zu denjenigen Begriffen gekommen ist, die heute ausgestaltet uns vor Augen traten, so zu empfinden die volle Wiedergabe desjenigen, was heute an Ideen entwickelt worden ist hier: Ich meine Robert Hamerling, Österreichs größten deutschen Dichter der neueren Zeit, der das schöne Wort gesprochen hat, als Deutscher sich fühlend in Österreich, das schöne Wort gesprochen hat: Österreich ist mein Vaterland; doch ich fühle es: Deutschland ist mein Mutterland — so ausdrückend die Einheit, die heute so fest geschmiedet ist durch Deutschland und Österreich, durch Mitteleuropa hindurch. Diesem Robert Hamerling tritt vor die Seele diese ganze Eigentümlichkeit des deutschen Volksseelenwesens, wie ich sie heute aus dem idealistischen Weltbild der Deutschen heraus zu entwickeln versuchte — damals als sie glaubten, den Zug zurück machen zu können, wie die Deutschen herüberkommen aus Asien, mitbringend den Drang, den Allgeist zu erfassen, den sie später durch Erhöhung des Ichs, nicht durch Herabdämpfen des Ichs, in ihrer Kunst, in ihrer Bildung, in ihrer Philosophie, in allem ihrem Wesen und Wirken in der Welt zum Ausdruck bringen sollten. Und da erinnert es Robert Hamerling wie in einem schönen Dichter-Traum in seinem «Germanenzug» — cs sitzen noch drüben in Asien die alten Vorfahren der Deutschen, während nach Europa herein, nach dem Westen, diese alten Vorfahren der Deutschen ziehen —, beschreibt Robert Hamerling wunderschön, wie an der Grenze von Asien und Europa diese Germanen lagern, wie die Sonne untergeht — wunderschön beschreibt er den Mond, der aufgeht, die ganze Landschaft —, wie die Germanen hingelagert sind. Nur einer wacht: der blonde Teut, der Jüngling. Vor Teut aber stehen in wunderbaren Zeichen der Sternenschrift die künftigen Schicksale der Deutschen ausgesprochen. Und der Genius der Deutschen, der Geist des deutschen Volkes, spricht zu dem blonden Teut, zu dem Führer der Germanen nach dem deutschen Westen. Und schön sagt Hamerling:

[ 61 ] Don’t we see—and I would like to read these words to you verbatim—don’t we see the beauty in this when we look specifically at those who have always sought to bring to mind, from the depths of the German essence, that which is the German national spirit? Do we not always see this striving—which the German knows how to transform into a spiritual impulse even for the divine and spiritual—to cultivate a devout mood even in science? How beautiful, how wonderful it is, for example, when a German—and that is precisely why he may perhaps be mentioned today—who appears in Austria as one of the greatest German-Austrians, immersing himself in the German essence, even if he may not have arrived at the very concepts that have been elaborated and presented to us today, feels the full expression of what has been developed here today in terms of ideas: I am referring to Robert Hamerling, Austria’s greatest German poet of modern times, who—feeling himself to be German in Austria—spoke these beautiful words: “Austria is my fatherland; yet I feel it: Germany is my motherland”—thus expressing the unity that is so firmly forged today between Germany and Austria, throughout Central Europe. To this Robert Hamerling, the entire distinctiveness of the German national soul presents itself, as I have attempted today to develop it from the idealistic worldview of the Germans — back when they believed they could retrace the path of the Germans as they came over from Asia, bringing with them the urge to grasp the Universal Spirit, which they would later express—not by suppressing the ego but by elevating it—in their art, their education, their philosophy, and in all their being and activity in the world. And here Robert Hamerling recalls, as in a beautiful poetic dream in his “Germanenzug” — where the ancient ancestors of the Germans still sit over in Asia, while these ancient ancestors of the Germans are migrating into Europe, toward the West — Robert Hamerling beautifully describes how these Germanic tribes are encamped at the border between Asia and Europe, how the sun sets — he beautifully describes the moon rising, the entire landscape — and how the Germanic tribes are encamped there. Only one remains awake: the blond Teut, the young man. But before Teut, the future destinies of the Germans are revealed in wondrous signs of the starry script. And the Genius of the Germans, the spirit of the German people, speaks to the blond Teut, to the leader of the Germanic tribes toward the German West. And Hamerling says so beautifully:

«Wem bricht dereinst das Wort aus Seelentiefen
Wie deinem Volk, so reich, so zart, so mächtig?
Wer haucht so weihevoll in Saitenklänge
Sein Innerstes? Wem zich’n den Sinn so prächtig
Ins Himmelsblau granit'ne Hieroglyphen
Des Seelenaufschwungs aus des Lebens Enge?
Wer knüpft zuletzt die Stränge
Des forschenden Gedankens an die Sterne
So kühn und strebt und kämpft auf allen Bahnen?
Wen führt so hoch, so tief sein Drang, sein Ahnen?
Wer fasst so treu das Nahe wie das Ferne?
Wo spiegelt jede Erd- und Himmelszone
Sich wie in deinem Denken, O Teutone?»

“To whom will words one day burst forth from the depths of the soul
As they did to your people—so rich, so tender, so powerful?
Who breathes so solemnly into the sounds of the strings
His innermost being? To whom does the mind so magnificently
Carve granite hieroglyphs into the blue of the heavens
Of the soul’s ascent from life’s confines?
Who, in the end, ties the strands
Of the inquiring mind to the stars
So boldly striving and fighting on every path?
Whom does his urge, his intuition, lead so high, so deep?
Who grasps the near and the far so faithfully?
Where does every zone of earth and sky
reflect itself as in your thoughts, O Teuton?”

[ 62 ] Nicht aus solchem, sich überhebendem Bewusstsein heraus, nicht aus der nationalen Unbescheidenheit heraus, wie wir das heute vielfach bei unsern Gegnern finden, sondern aus einem andächtigen Hinblicken zu dem Sein des Deutschen, zu dem durch die Weltgeschichte waltenden, geistigen Sein.

[ 62 ] Not out of such an arrogant consciousness, not out of national hubris, as we often find among our opponents today, but out of a reverent contemplation of the essence of the German people—the spiritual essence that reigns throughout world history.

[ 63 ] Vom Pflichtgefühle spricht also der Dichter, der österreichische Dichter ganz im Einklange mit denjenigen, die eine deutsche Weltanschauung, ein ideenhaftes Weltenbild der Deutschen aus dem deutschen Weltenbilde heraus geschaffen haben.

[ 63 ] The poet—the Austrian poet—speaks of a sense of duty, in complete harmony with those who have created a German worldview, an idealized vision of the German world, based on the German worldview itself.

[ 64 ] Deshalb ist es so tief wahr, was der «Philosophus teutonicus» Jakob Böhme über alles Forschen und Sinnen über jenes Weltbild, das eine Berechtigung hat, gesprochen hat, das im Grunde genommen für das deutsche Volkswesen — so meint Jakob Böhme — das Suchen nach Wissen, nach Wissenschaft, ein Weg zu Gott sein müsse, wenn er auch der Religion nicht ins Gehege zu kommen braucht. Das spricht Jakob Böhme, damit charakterisierend den Leitgedanken für das Weltbild des Deutschen Idealismus, schön aus der Tiefe des deutschen Gemütes heraus aus. Jakob Böhme sagt:

[ 64 ] That is why what the “Philosophus teutonicus,” Jakob Böhme, said about all research and reflection on that worldview—which has its justification—is so profoundly true; for, according to Jakob Böhme, the search for knowledge and science must, in essence, be a path to God for the German people, even if it need not interfere with religion. Jakob Böhme expresses this beautifully from the depths of the German soul, thereby characterizing the guiding principle of the worldview of German Idealism. Jakob Böhme says:

«Wenn du die Tiefe»

“If You Feel the Depth”

[ 65 ] er meint die Tiefe des Himmels

[ 65 ] he refers to the depths of the heavens

«und die Sterne und die Erde ansiehest, so siehest du deinen Gott. Und in dem lebest und bist du auch. Und derselbige Gott regiert dich auch.» «Du bist aus diesem Gott geschaffen und lebest in demselben. Auch stehet alle deine Wissenschaft in diesem Gott. Und wenn du stirbest, so wirst du in diesem Gott begraben.»

“And when you look at the stars and the earth, you see your God. And in Him you live, and you are also part of Him. And that same God also rules over you.” “You were created from this God and live within Him. All your knowledge also resides in this God. And when you die, you will be buried in this God.”

[ 66 ] Das ist Vereinigung des schönsten Sinnes deutschen Volkswesens mit dem höchsten Streben nach Erkenntnis desjenigen, was göttlich-geistig die Welt durchflutet, durchwirkt und durchwebt. So sucht der Deutsche zur Erhöhung seines Ichs in das Eigenste der Dinge einzudringen, und dieses ist allerdings etwas, was wenig verstanden werden kann.

[ 66 ] This is the union of the most beautiful aspect of the German national character with the highest striving for knowledge of that which, in a divine and spiritual way, floods, permeates, and interweaves the world. Thus, in order to elevate his ego, the German seeks to penetrate to the very core of things, and this is indeed something that is difficult to understand.

[ 67 ] Man sieht es, wie wenig es verstanden werden kann! Da ist einer von denjenigen, die ganz kurz vor dem Beginn dieses Krieges früher in Deutschland als ausländische Geister herumgezogen sind, von allerlei Freundschaften gesprochen haben zu dem deutschen Wesen, von allerlei Verständnis, das sie sich angeeignet haben wollen für deutsches Wesen: das ist Emile Boutroux. Ganz kurz vor dem Krieg hat er sogar noch auf deutschen Universitäten gepredigt darüber, wie man verehren müsse die Tiefe des deutschen Geistes. Und jetzt erzählt der wohl echte Franzose [Boutroux] seinen Franzosen vor etwa — witzig will er sein natürlich, der gute [Boutroux] will witzig sein —, er erzählt, was für ein Unterschied besteht zwischen den Franzosen, den Engländern und den Deutschen; dasjenige, was wir — allerdings für die Franzosen ganz gewiss in einer scherzhaften Weise — heute aus den Tiefen des deutschen Wesens heraus gesucht haben, ja, davon schwätzte Boutroux in einer solchen Weise etwa zu seinen Franzosen noch vor ganz kurzer Zeit. Da sagte er: Ja, wenn die Franzosen einen Löwen erkennen wollen oder eine Hyäne — ganz genau bekommt man ja die Nachrichten nicht, aber so etwa sprach er — und es ist jedenfalls dem Wesen nach nicht ungenau, was ich erzähle —, wenn die Franzosen einen Löwen oder eine Hyäne beschreiben wollen, da gehen sie in die Menagerie und beobachten den Löwen oder die Hyäne; wenn die Engländer einen Löwen oder eine Hyäne erkennen wollen, dann machen sie eine Weltreise und beobachten draußen das Leben des Löwen oder der Hyäne. Wenn die Deutschen aber einen Löwen oder eine Hyäne erkennen wollen, dann gehen sie weder in eine Menagerie, noch machen sie eine Reise um die Welt, sondern sie ziehen sich zurück in ihre Studierstube und entwerfen aus ihrem Innern heraus das Bild des Löwen und der Hyäne, ohne anzuschauen das Äußere!

[ 67 ] You can see just how little it can be understood! There is one of those who, shortly before the outbreak of this war, used to roam around Germany as foreign spirits, speaking of all sorts of affinities with the German spirit, of all sorts of understanding they claimed to have acquired regarding the German spirit: that is Emile Boutroux. Just before the war, he even lectured at German universities on how one must revere the depth of the German spirit. And now this presumably genuine Frenchman [Boutroux] is telling his fellow Frenchmen—he wants to be funny, of course; good old [Boutroux] wants to be funny— he explains the difference between the French, the English, and the Germans; precisely what we—albeit, for the French, certainly in a joking manner—have today drawn from the depths of the German character—yes, Boutroux was chattering about this very thing to his fellow Frenchmen just a short while ago. He said: “Yes, when the French want to recognize a lion or a hyena—you don’t get the exact details, but that’s roughly what he said—and in any case, what I’m telling you isn’t inaccurate in essence—when the French want to describe a lion or a hyena, they go to the menagerie and observe the lion or the hyena; when the English want to recognize a lion or a hyena, they travel around the world and observe the life of the lion or the hyena out in the wild. But when the Germans want to recognize a lion or a hyena, they neither go to a menagerie nor take a trip around the world; instead, they retreat to their study and conjure up an image of the lion and the hyena from within themselves, without looking at the outside world!

[ 68 ] Gewiss, witzig gesprochen; und man ist ja gewöhnt, dass die Franzosen aus ihrer Verstandeskultur heraus witzig sprechen; nur schade, dass dieser Witz von Heinrich Heine ist, den Boutroux nachspricht, denn er stammt von Heine; und der Franzose, von dem man gewöhnt ist, dass er gute Witze macht, machte in diesem Falle einen deutschen Witz, um sich über die Engländer und Franzosen witzig zu äußern! — Auch eine Illustration dafür, wie die Gegner des Deutschtums versuchen, sich etwas Höheres zuzuschreiben, als bei dem Deutschen leben kann!

[ 68 ] Certainly, that’s a witty remark; and we’re used to the French speaking wittily, given their intellectual tradition; it’s just a pity that this joke is by Heinrich Heine, which Boutroux is repeating, since it comes from Heine; and the Frenchman, whom we’re used to hearing make good jokes, in this case told a German joke to make a witty remark about the English and the French! — This is also an illustration of how the opponents of German culture try to attribute to themselves something loftier than what can be found in the German way of life!

[ 69 ] Allerdings, dieser selbe Mann, wie hat er seinen Parisern vor Kurzem erzählt, was die Deutschen für ein urbarbarisches Volk eigentlich sind; aus dem Wort kann man das schon entnehmen. So zum Beispiel sagte er: Die Deutschen, sie haben kein Wort für Generosität; daher haben sie diese Eigenschaft auch gar nicht, das fehlt ihnen, das haben nur die Franzosen. Dagegen haben die Deutschen ein Wort, das die Franzosen nicht haben: Das ist das Wort «Schadenfreude»; also haben nur die Deutschen die Eigenschaft der Schadenfreude. Die Franzosen haben diese unedle Eigenschaft nicht. — Und Ähnliches mehr ist es, was den Geist andeutet, von dem aus man heute schmäht und herabwürdigt deutsches Wesen.

[ 69 ] However, this same man recently told his Parisian audience just what a barbaric people the Germans actually are; one can already tell that from the word itself. For example, he said: The Germans have no word for generosity; therefore, they do not possess this quality at all—it is lacking in them; only the French have it. On the other hand, the Germans have a word that the French do not have: the word “Schadenfreude”; thus, only the Germans possess the quality of Schadenfreude. The French do not possess this ignoble trait. — And it is remarks like these that reveal the spirit from which German character is reviled and disparaged today.

[ 70 ] Aber man hat nicht immer dieses deutsche Wesen so angesehen! Und es wäre gerade interessant, zu sehen, welche Geister versucht haben, sich in dieses Deutsche Wesen hineinzufinden, wie man auch gerade daran sehen kann, wie wenig Rechnung getragen wird der eigentlichen Bedeutung dieses deutschen Wesens, dieses Geistes. Sagen wir zum Beispiel, der Schreiber des «Lebens Jesu» — Ernest Renan —, er hat in einer entsprechenden Weise sogar während des Deutsch-Französischen Krieges über deutsches Wesen geschrieben an David Friedrich Strauß, der über deutsches Wesen schrieb. Merkwürdig schrieb ja der Franzose, Ernest Renan; er sagt, er sei in einem gewissen Lebensalter gewahr geworden, was eigentlich dieses deutsche Wesen bedeute. Und er macht einen interessanten Vergleich. Er sagt, dass er, nachdem er französisches Wesen in seine Bildung aufgenommen hat, an das deutsche Wesen durch Goethe, durch Herder herangetreten ist, da war es ihm, wie wenn er anstelle von lauter Begriffen Wirklichkeiten treffen würde, während er früher nur eine Menge von vergilbten Papierblumen gesehen hätte. Und dann vergleicht er die Höhe des deutschen Geisteslebens, die ihm so aufgegangen ist, die vergleicht er dadurch, dass er sagt: Alles dasjenige, was er außer diesem deutschen Wesen kennenlernte, das komme ihm vor, nun ja, wie die Elementar-Mathematik zur Differential- und Potential-Mathematik. — Wir werden gleich nachher sehen, wie ein solcher Geist selbst empfindungsmäßig verwertet dasjenige, was ihm so durch die Berührung mit dem deutschen Wesen gekommen ist.

[ 70 ] But this German essence has not always been viewed in this way! And it would be particularly interesting to see which thinkers have attempted to understand this German essence—as one can see precisely from this, just how little account is taken of the actual significance of this German essence, this spirit. Take, for example, the author of *The Life of Jesus*—Ernest Renan—who, even during the Franco-Prussian War, wrote to David Friedrich Strauss, who himself wrote about the German spirit, in a similar vein. It is curious, indeed, what the Frenchman, Ernest Renan, wrote; he says that at a certain age he came to realize what this German spirit actually meant. And he makes an interesting comparison. He says that after incorporating the French essence into his education, he approached the German essence through Goethe and Herder; it was as if, instead of mere concepts, he were encountering realities, whereas before he had seen nothing but a pile of yellowed paper flowers. And then he compares the height of German spiritual life, which had become so clear to him—he compares it by saying: Everything he had come to know apart from this German essence seemed to him, well, like elementary mathematics compared to differential and potential calculus. — We will see shortly how such a mind, on an intuitive level, assimilates what has come to him through his encounter with the German essence.

[ 71 ] Aber vorerst wollen wir noch ein wenig sehen, wie dieses mitteleuropäische, deutsche Wesen angesehen wird mehr im Osten, in jenem Osten, [unter dem] der europäische Westen, das heißt unser Westen, in der Gegenwart so sehr zu leiden hat für dasjenige, was ja sein Wirkungsfeld, sein Wirken für Freiheit und Demokratie heute nennt dieser europäische Westen. Wenn wir die russische Volksseele ins Auge fassen müssen, so müssen wir sagen: In Russlands Volksseele, da lebt heute noch nicht dasjenige — und gerade dann, wenn wir ihre größten Produktionen, die Produktionen Tolstois und Dostojewskis ins Auge fassen, so sehen wir das bewahrheitet —, da lebt noch nicht in Einheit die unmittelbare Triebkraft des Ichs, da lebt noch alles als ein Äußerliches, wie der Russe entgegennimmt seine Religion als eine fremde, die griechisch-christliche Religion, die er nicht so wiedergeboren in sich hat, wie der Deutsche aus seinem tiefsten Inneren heraus es erlebt hat, sondern das er annimmt wie etwas wie eine Wolke, die über ihm schwebt, das er von außen hat. Während der Italiener aus der Empfindungsseele, der Franzose aus der Verstandes- und Gemütsseele, der Engländer, der Brite aus der Bewusstseinsseele, der Deutsche aus dem eigentlichen Ich wirkt, wirkt derjenige, der so recht der russischen Volksseele angehört, aus dem Unterbewussten des Ichs heraus, das noch gegenüber sich hat das Ich, das das Ich noch nicht in sich aufgenommen hat, das das Ich noch in einem mystischen Dunkel sehen will. Wie die noch nicht voll zum Bewusstsein gekommene Volksseele wirkt diese russische Seele, diese östliche russische Seele.

[ 71 ] But for now, let us take a closer look at how this Central European, German essence is viewed further east—in that East, [under which] the European West, that is, our West, is currently suffering so greatly because of what this European West today calls its sphere of influence, its work for freedom and democracy. If we are to consider the Russian national soul, we must say: In the Russian national soul, that which we call the “immediate driving force of the ‘I’” does not yet live—and this is confirmed precisely when we consider its greatest works, the works of Tolstoy and Dostoevsky— the immediate driving force of the “I” does not yet live there in unity; everything still lives as something external, just as the Russian accepts his religion as a foreign one—the Greek-Christian religion—which he has not reborn within himself, as the German has experienced it from the depths of his innermost being, but which he accepts as something like a cloud hovering above him, something he has from the outside. While the Italian acts from the feeling soul, the Frenchman from the intellectual and emotional soul, and the Englishman, the Briton from the soul of consciousness, and the German from the true “I”—the one who truly belongs to the Russian national soul acts from the subconscious of the “I,” which still stands opposed to the “I,” which the “I” has not yet taken into itself, which the “I” still wishes to see in a mystical darkness. Like the national soul that has not yet fully come to consciousness, so does this Russian soul, this Eastern Russian soul, act.

[ 72 ] Und damit hängt zusammen, dass diese noch unreife Volksseele nicht nur die deutsche Volkseele, sondern die ganzen westeuropäischen Volksseelen, insbesondere im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts und bis in unsere Tage herein so verkannt hat, so unendlich verkannt hat.

[ 72 ] And this is connected to the fact that this still immature national soul has so misunderstood—so infinitely misunderstood—not only the German national soul, but the national souls of all of Western Europe, especially throughout the nineteenth century and right up to the present day.

[ 73 ] Man hat es ja gar nicht bemerkt, welches das Verhältnis des, sagen wir zum Beispiel des Wesens des deutschen Geistes zum russischen Geist ist. Man hat in selbstverständlich deutscher Selbstlosigkeit gerade die russischen Großen — Tolstoi, Dostojewski — aufgenommen. Sie sollen hier nicht herabgesetzt werden; sie können vollständig anerkannt werden; aber man muss sich gewahr werden der Kluft, die zwischen dem russischen und dem deutschen Wesen lebt, und die ja besonders im russischen Wesen in einer solchen Unreife bis in unsere Gegenwart herein zum Ausbruch, zur Offenbarung gekommen ist.

[ 73 ] People haven’t really noticed what the relationship is—let’s say, for example—between the nature of the German spirit and the Russian spirit. With what was taken for granted as German selflessness, we have embraced precisely the great Russian figures—Tolstoy, Dostoevsky. They are not to be disparaged here; they can be fully acknowledged; but one must become aware of the gulf that exists between the Russian and the German nature, a gulf that, particularly in the Russian nature, has remained so immature that it has erupted and revealed itself right up to the present day.

[ 74 ] Da begegnen uns die besten russischen Geister im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts, die — ich möchte sagen — philosophisch-künstlerisch wie in einem Weltenbilde das zum Ausdruck bringen, was in politischer Beziehung das «Testament Peters des Großen» — ob es nun gefälscht ist oder nicht, darauf kommt es jetzt nicht an — erreichen will, das ja abzielt auf die vollständige Vernichtung und auf die Ersetzung West- und Mitteleuropas, so wie es heute besteht, durch Osteuropa! [Das «Testament Peters des Großen» soll allein als zukunftsfähig gelten.] Aber alles, möchte ich sagen, auch das literarisch-philosophische, künstlerische Russische ist in dem Dienst dieses «Testament Peters des Großen». Und das tritt uns im ganzen russischen Geistesleben im neunzehnten Jahrhundert immer wieder und wieder entgegen.

[ 74 ] Here we encounter the greatest Russian minds of the nineteenth century, who—I would say—express philosophically and artistically, as in a worldview, what, in political terms, the “Testament of Peter the Great” — whether it is a forgery or not is irrelevant at this point — seeks to achieve, namely the complete annihilation of and replacement of Western and Central Europe, as they exist today, by Eastern Europe! [The “Testament of Peter the Great” is to be regarded as the sole viable vision for the future.] But everything, I would say—including Russian literature, philosophy, and art—is in the service of this “Testament of Peter the Great.” And this is something we encounter time and time again throughout Russian intellectual life in the nineteenth century.

[ 75 ] Da treten uns die besten Geister Russlands entgegen, die den Blick wenden auf dasjenige, was gerade solche Geister wie Fichte, wie Schelling, wie Hegel geleistet haben. Bei Herzen kann man das — ich möchte sagen — an einem einzelnen solchen Geist beobachten. Er sucht sich zu vertiefen in das, was die westliche Kultur gebracht hat; er findet, dass das alles alt geworden ist, greisenhaft geworden ist, dass alles verschwinden muss, dass das alles etwas Äußerliches ist, weil er nicht miterleben kann, wie innerlich durchlebt und durchwebt dieses Weltbild des Deutschen Idealismus ist; und so wird es für ihn wertlos. In seinem Buch «Vom andern Ufer» spricht Herzen es aus, wie alle diese Ideale, die in Westeuropa ausgesprossen sind, zerstört werden müssen, und wie etwas anderes an diese Stelle treten muss.

[ 75 ] Here we encounter the finest minds of Russia, who turn their gaze to what thinkers such as Fichte, Schelling, and Hegel have achieved. In the case of Herzen, one can observe this—I would say—in a single such mind. He seeks to delve into what Western culture has produced; he finds that it has all grown old, become senile, that it must all disappear, that it is all something external, because he cannot experience how deeply this worldview of German idealism is lived through and interwoven from within; and so it becomes worthless to him. In his book *From the Other Shore*, Herzen articulates how all these ideals that have sprung up in Western Europe must be destroyed, and how something else must take their place.

[ 76 ] Einer der Gegner Herzens, auch ein Russe, schrieb darauf an Herzen: So willst du also zerstören alles dasjenige, was in Westeuropa entgegengetreten ist: Größer, bedeutsamer — wie gesagt, ein Russe schrieb es selber, ein russischer Gegner Herzens, um ihm ins Gewissen zu reden — Größer als alle die Ideale Mitteleuropas gilt dir der russische Schafspelz? — so schrieb der Freund an Herzen!

[ 76 ] One of Herzen’s opponents, also a Russian, wrote to Herzen in response: So you want to destroy everything that has emerged in Western Europe: Greater, more significant—as I said, a Russian wrote this himself, a Russian opponent of Herzen, to appeal to his conscience—Greater than all the ideals of Central Europe, is the Russian sheep’s clothing more important to you?—so wrote the friend to Herzen!

[ 77 ] Was meint er mit dem «russischen Schafspelz»? Nun, Herzen sprach es eben aus: In dem, was diese europäische Kultur, dieses europäische Geistesleben aus sich heraus gebracht hat, kann nicht irgendetwas Erlösendes, irgendetwas Heilbringendes für die Menschheit liegen; sondern dasjenige, was heilbringend für die Menschheit ist, das ist der russische Bauer; das ist derjenige, der in voller Ursprünglichkeit dasjenige in sich enthält, was den ganzen europäischen Westen und Europas Mitte überfluten muss. Und das erscheint so festgepfropft in russischen Seelen, gerade in dem russischten Russen, zum Beispiel in Dostojewski, dem großen Künstler — den wir anerkennen wollen in Bezug auf sein Können —, immer mehr und mehr in seinem Werk schon zutage tritt, wenn wir es genau kennen, dass er insbesondere die deutsche Kultur als ein Greisenhaftes, Abgelebtes betrachtet, und das Russentum schon jetzt als berufen findet als Erlöser. — Im Grunde genommen ist dasjenige, was sich jetzt als Kampfwahn über Europa ergießen soll, nichts anderes als der brutale Ausdruck für diese Richtung, die sogar in großen russischen Schriftstellern zum Ausdrucke kam; allerdings, man hat ja dafür gesorgt, dass die guten Deutschen nicht gar zu stark aufmerksam wurden auf dieses, was — ich möchte sagen — immer zwischen den Zeilen des russischen Geisteslebens lebte und webte! Und so kommt es denn, dass — und diejenigen, die mich genauer kennen, wissen, wie sehr ich Tolstoi schätze — aber dasjenige, was in Tolstoi ist, besonders auch in solch älteren Werken, wie «Anna Karenina» und so weiter, das zeigt denn doch, wie er überall — Tolstoi — darauf ausgegangen ist, das deutsche Wesen so darzustellen, dass es greisenhaft, minderwertig sich zeigt.

[ 77 ] What does he mean by the “Russian sheep’s clothing”? Well, Herzen put it this way: In what this European culture, this European intellectual life, has produced of its own accord, there can be nothing redemptive, nothing salvific for humanity; rather, that which is salvific for humanity is the Russian peasant; he is the one who, in his complete originality, embodies within himself that which must flood the entire European West and the heart of Europe. And this seems so firmly rooted in Russian souls—especially in the most Russian of Russians, for example in Dostoevsky, the great artist—whose skill we wish to acknowledge— becomes increasingly evident in his work, when we examine it closely, that he regards German culture in particular as senile and obsolete, and already sees Russianness as destined to be the savior. — Essentially, what is now set to sweep across Europe as a mania for war is nothing other than the brutal expression of this tendency, which found expression even in great Russian writers; admittedly, care was taken to ensure that the good Germans did not pay too much attention to this—which, I might say, has always lived and woven its way between the lines of Russian intellectual life! And so it happens that—and those who know me well know how highly I regard Tolstoy—but what is found in Tolstoy, especially in such earlier works as *Anna Karenina* and so on, does indeed show how he—Tolstoy—consistently sought to portray the German character in such a way that it appears senile and inferior.

[ 78 ] Warum sind denn die Deutschen so wenig aufmerksam geworden auf solche Dinge? Warum werden sie denn jetzt überrascht über die Tatsache, dass ihnen Hass auf allen Linien entgegentritt, von allen Seiten? Nun, man braucht nur eine solche Tatsache zu nehmen, dass zum Beispiel die älteren Übersetzungen des Tolstoi, derjenigen Werke namentlich von Übersetzern, die die Leute noch gelesen haben, bis zu der letzten Übersetzung in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts von [Raphael Löwenfeld], die aber die Leute schon nicht mehr gelesen haben, diese Übersetzungen haben alle die Stellen, die in Betracht kommenden Stellen entweder ganz ausgelassen oder in anderer Weise übersetzt, sodass niemand eigentlich den wahren Tolstoi kennt!

[ 78 ] Why, then, have the Germans paid so little attention to such matters? Why are they now surprised by the fact that they are met with hatred on every front, from all sides? Well, one need only consider the fact that, for example, the older translations of Tolstoy, namely those works translated by translators whom people still read, right up to the last translation in the mid-nineteenth century by [Raphael Löwenfeld]—which people, however, no longer read—all of these translations have either completely omitted the relevant passages or translated them differently, so that no one actually knows the true Tolstoy!

[ 79 ] Es wird schon nötig sein, sehr verehrte Anwesende, dass man ein wenig tiefer in dasjenige, was als Schattierungen in den Äußerungen von Seelen lebt, eingeht, damit der Deutsche weiß, wie er seine Sendung in der Welt zu erfüllen hat. Und so konnte man es denn erleben, dass selbst einsichtige russische Geister, wie der große Philosoph Solowjow, dass die sich aufgelehnt haben gegen diese allgemein russische Auffassung, gegen die Auffassung derjenigen, die nach einem russischen Weltbilde gestrebt haben, dass das europäische Weltbild greisenhaft und abgelebt ist, und dass sich das Russentum stürzen solle über dieses europäische Wesen.

[ 79 ] It will certainly be necessary, esteemed audience, to delve a little deeper into the nuances that live in the expressions of souls, so that the German may know how to fulfill his mission in the world. And so we have seen that even discerning Russian minds, such as the great philosopher Soloviev, have rebelled against this generally held Russian view—the view of those who have strived for a Russian worldview—that the European worldview is senile and outdated, and that Russian culture should throw itself upon this European entity.

[ 80 ] Wenn ich einzelne Persönlichkeiten hervorhebe, so ist es deshalb, weil ich Tatsachen anführen will, und an einzelnen Charakteristiken zeigen will, wie viele sind.

[ 80 ] When I highlight individual figures, it is because I want to cite facts and use specific characteristics to illustrate how many there are.

[ 81 ] Da ist zum Beispiel einer derjenigen Danilewski, der versucht, in breiten Ausführungen auf die Frage einzugehen, ganz im Sinne desjenigen russischen Wesens, das ich eben angedeutet habe, wie Russland sich ausbreiten muss, wie Europas Westen und Mitte dazu reif ist, vernichtet zu werden, weil dieser europäische Westen und auch die Mitte ihre Aufgabe erfüllt haben; und da stellt Danilewski einmal die Frage in einem Buche, das so ganz. aus dem russischen Sinne heraus gebildet ist, da stellt er einmal die Frage: Warum liebt uns Europa nicht, warum fürchtet uns Europa? — Nun sucht er aus seinem Sinn heraus zu beantworten diese Frage, und da schreibt Danilewski für seine Russen etwa hin: Europa liebt uns nicht, weil Europa instinktiv empfindet, dass wir diejenigen sind, die eigentlich allein jetzt noch daseinsberechtigt sind, und die ablösen sollen dasjenige, was im übrigen Europa lebt. Aber Solowjow nimmt diese Frage auf, und Solowjow ist einer derjenigen, der selbst aus diesem Leben heraus geschöpft hat. Und der große Philosoph Solowjow, der unbefangener aus seinem eigenen russischen Wesen heraus diese Frage aufnimmt: Warum liebt uns Deutschland nicht? — er beantwortet diese Frage nicht so wie Danilewski und wie die Geister der verschiedensten Art als Russen reden, dass Europa Russland fürchtete —, sondern er, Solowjow, sagt auf die Frage des Danilewski — Warum liebt uns Europa nicht? Warum fürchtet uns Europa?, und dessen Antwort darauf: Weil Europa instinktiv empfindet, dass die Russen diejenigen seien, die eigentlich allein jetzt noch daseinsberechtigt seien und ablösen sollen, was im übrigen Europa jetzt noch lebe —, Solowjow erwidert auf diese Worte des Danilewski:

[ 81 ] Take, for example, one of these men, Danilevsky, who attempts to address the question at length—entirely in keeping with that Russian spirit I have just alluded to—as to how Russia must expand, and how Western and Central Europe are ripe for destruction because they have fulfilled their purpose; and in a book that is so thoroughly is shaped by the Russian mindset—he asks: Why doesn’t Europe love us? Why does Europe fear us? —Now he seeks to answer this question from his own perspective, and there Danilevsky writes to his fellow Russians something to the effect of: Europe does not love us because Europe instinctively senses that we are the ones who, in fact, are the only ones still entitled to exist, and who are meant to replace that which lives in the rest of Europe. But Solovyov takes up this question, and Solovyov is one of those who has drawn inspiration from this very life himself. And the great philosopher Soloviev, who addresses this question more impartially from his own Russian essence: “Why does Germany not love us?”—he does not answer this question as Danilevsky does, nor as the most diverse kinds of Russian thinkers claim—that Europe feared Russia—but rather, Soloviev responds to Danilevsky’s question—“Why does Europe not love us?” “Why does Europe fear us?”—and to Danilevsky’s answer to that: “Because Europe instinctively senses that the Russians are the ones who, in fact, alone still have a right to exist and are destined to replace what still lives in the rest of Europe”—Soloviev responds to these words of Danilevsky:

«Und dennoch führen sowohl der Inhalt seines Buches wie auch seine späteren Zugeständnisse und diejenigen seines gleichgesinnten Freundes»

“And yet, both the content of his book and his later admissions—as well as those of his like-minded friend”—

[ 82 ] gemeint ist ein gewisser Strachow

[ 82 ] This refers to a certain Strachow

«auf eine andere Antwort: Europa blickt gegnerisch und mit Befürchtung auf uns»

“Another answer: Europe views us with hostility and fear”

[ 83 ] so schrieb der Solowjow seine Antwort, und es ist wohl notwendig, dass derjenige, der die Verhältnisse des russischen Ostens kennenlernen will, auf diese Russen hinhörte. Solowjow selber sagt:

[ 83 ] This is how Soloviev wrote his reply, and it is surely necessary for anyone who wishes to understand the conditions in the Russian East to listen to these Russians. Soloviev himself says:

«Europa blickt gegnerisch und mit Befürchtung auf uns, weil im russischen Volke dunkle und unklare elementarische Gewalten leben, weil dessen geistige und Kulturkräfte ärmlich und ungenügend sind, dafür aber seine Ansprüche offenbar und scharf bestimmt zutage treten. Gewaltig tönen nach Europa hinaus die Rufe von dem, was das russische Volk als Nation wolle, dass es die Türkei und Österreich vernichten wolle, Deutschland schlagen, Konstantinopel und wenn möglich auch Indien an sich reißen wolle.

“Europe views us with hostility and fear because dark and obscure elemental forces dwell within the Russian people, because their intellectual and cultural powers are meager and inadequate, while their claims, on the other hand, are clearly and sharply defined. The cries of what the Russian people want as a nation resound powerfully throughout Europe: that they want to destroy Turkey and Austria, defeat Germany, and seize Constantinople and, if possible, India as well.

[ 84 ] Und wenn man uns fragt, womit wir anstelle des an uns Gerissenen und Zerstörten die Menschheit beglücken wollen, welche geistige und Kulturverjüngung wir in die Weltentwicklung bringen wollen, dann müssen wir entweder schweigen oder sinnlose Phrasen schwätzen. Und wenn das bittere Geständnis Danilewskis gerecht ist, dass Russland krank zu werden beginnt, dann müssten wir uns, statt mit der Frage «Warum liebt uns Europa nicht, vielmehr mit einer anderen beschäftigen, einer uns näher liegenden und uns wichtigeren Frage: ‹Warum und weshalb sind wir krank?› Physisch ist Russland noch ziemlich stark, wie es sich in dem letzten russischen Kriege gezeigt hat; also ist unser Leiden ein sittliches. Auf uns lasten, dem Worte eines alten Schriftstellers gemäß, die im Volkscharakter verborgenen und uns nicht zum Bewusstsein kommenden Sünden — und so ist es vor allem nötig, diese in das Licht des hellen Bewusstseins heraufzubringen. Solange wir geistig gebunden und paralysiert sind, müssen uns alle unsere elementarischen Instinkte nur zum Schaden gereichen. Die wesentliche, ja die einzig wesentliche Frage des wahren Patriotismus ist nicht die Frage über die Kraft und über die Berufung, sondern über die Sünden Russlands.»

[ 84 ] And when we are asked what we intend to offer humanity to make up for what has been snatched from us and destroyed, what intellectual and cultural renewal we intend to bring to the world, then we must either remain silent or spout meaningless platitudes. And if Danilevsky’s bitter confession—that Russia is beginning to fall ill—is true, then instead of asking, “Why doesn’t Europe love us?” we should concern ourselves with another question, one closer to home and more important to us: “Why and for what reason are we ill?” Physically, Russia is still quite strong, as was demonstrated in the last Russian war; thus, our suffering is a moral one. We are burdened, in the words of an old writer, by the sins hidden in the national character and of which we are unaware—and so it is above all necessary to bring these into the light of clear consciousness. As long as we are spiritually bound and paralyzed, all our elemental instincts can only be to our detriment. The essential—indeed, the only essential—question of true patriotism is not the question of strength or calling, but of Russia’s sins.”

[ 85 ] So der Russe Solowjow, aus einer geistigen Erkenntnis über russisches Wesen, so der große Philosoph Solowjow über Russland selber. Und es ist nun interessant, das auch zum Schlusse, noch anzusehen: Wie haben andere dieses Verhältnis Russlands zu ihrem Westen, sogar zu dem weiteren Westen — mit dem sie jetzt paktieren oder der mit ihnen paktiert, man weiß nicht recht, wie man da sagen soll —, wie haben andere dieses Verhältnis zu ihrem weiteren Westen aufgefasst? O, da gibt es auch interessante Tatsachen! So zum Beispiel ist 1885 schon ein Buch erschienen von dem russischen Schriftsteller Jushakow. 1885 schreibt er ein Buch, worinnen er noch ganz anders spricht, als etwas später gesprochen wurde über die Ansichten, die er seinem russischen Volke zuschreibt. Es ist interessant, auf diese Ideen Jushakows einmal hinzublicken.

[ 85 ] So says the Russian Soloviev, based on an intellectual understanding of the Russian essence; so says the great philosopher Soloviev about Russia itself. And it is now interesting to consider this one last thing: How have others understood this relationship of Russia to its West—and even to the broader West—with which it is now making pacts, or which is making pacts with it (one isn’t quite sure how to put it)—how have others understood this relationship to their broader West? Oh, there are some interesting facts there as well! For example, a book by the Russian writer Yushakov was published as early as 1885. In 1885, he wrote a book in which he speaks quite differently from what was said somewhat later regarding the views he attributes to his Russian people. It is interesting to take a look at these ideas of Yushakov’s.

[ 86 ] Da blickt dieser Mann nach Asien hinüber, und da sagt er: Ja, da drüben in Asien, da haben wir Völkerschaften, die eine uralte Kultur aus alten Zeiten in die neuere Zeit herübergebracht haben. Diese Völkerschaften, wie sind sie von den Europäern misshandelt worden. Russland müsse den Blick hinüber richten nach Asien, und müsse dieser heiligen, ehrwürdigen, aber von den Europäern misshandelten asiatischen Kultur, dieser geistigen Kultur Asiens müsse Russland Erlösung bringen. Schöne Worte spricht Jushakow. Er sagt, Russland allein sei imstande — weil es erfassen kann das menschliche Innere noch nicht so, dass es von dem Ich erkrankt und greisenhaft gemacht worden ist wie der europäische Westen —, Russland allein kann sich verwandt fühlen mit diesem Asien, das aber jetzt darniederliegt, das seufzt unter der Vergewaltigung Europas. Und eine alte Mythe bringt Jushakow wieder in Erinnerung, indem er sagt: Da drüben in Asien, da kämpfen iranische, turanische Völker. Zu den iranischen Völkern rechnet er selbst auch die Indier, die Perser und so weiter. Und da sagt Jushakow: Diese haben für ihr Schicksal eine wunderbare, alte Mythe von Ormuzd und Ahriman gefunden. Aber wir sehen Ahriman und Ormuzd immer da drüben in Tätigkeit in Asien immerdar. Und da sagt Jushakow in seinem Buche — 1885 —, in seinen Erinnerungen weist er darauf hin, dass die Iranier den guten Ormuzd da drüben in Asien verehrten; der gute Ormuzd habe den Iraniern all dasjenige, was die Erde an Frucht und Kultur hervorbringen kann, gespendet; die haben sie sich angeeignet. Dann haben sie sich verbunden mit Ahriman. Diese Europäer haben gewirkt wie Ahriman, wie der böse Ahriman selber. Russland aber, indem es nach Asien hinüberwirkt, wird die Menschen befreien von dem bösen Ahriman. Was unter dem Segen des guten Ormuzd die Asiaten bekommen haben, das haben sich die selbstsüchtigen Europäer angeeignet. Russland wird nach Asien hinüberkommen und helfen, indem es gerade ein Bündnis begründet, ja — Jushakow sagt es, ich muss es Ihnen wiederholen — ein Bündnis, das erstrebt wird mit den größten Idealen der Welt, als das geistigste Bündnis der Welt — Jushakow sagt das alles, nicht ich sage es, ich muss es nur wiederholen —, das geschlossen wird von russischen Bauern und den Kosaken, [die hinübereilen werden nach Asien, das unter der europäischen Herrschaft seufzt, und die hinübertragen werden dasjenige, was Russland wird bringen können]. Da wird Bauern- und Kosakentum hinüberdringen nach Asien, und da wird Russland Asien von Ahriman erlösen. 1885, denken Sic, von Jushakow geschrieben. Es ist interessant, einiges von dem zu hören, was damals Jushakow sagte in dem Buche, das heißt: «Der englisch-russische Konflikt». Da steht von diesen Völkern, den Iraniern, den Turaniern —, [da steht,] dass aber die Genossen des Ahriman, des bösen Gottes — von denen Russland Asien befreien und Ordnung und Harmonie wird bringen müssen —, vorzugsweise die Engländer seien.

[ 86 ] This man looks over toward Asia and says: Yes, over there in Asia, we have peoples who have carried an ancient culture from times of old into the modern era. These peoples—how they have been mistreated by the Europeans. Russia must turn its gaze toward Asia, and must bring salvation to this sacred, venerable, yet mistreated Asian culture—this spiritual culture of Asia. Yushakov speaks beautiful words. He says that Russia alone is capable—because it can still perceive the human inner being without having been corrupted by the ego and made senile, as in Western Europe—Russia alone can feel a kinship with this Asia, which now lies prostrate, groaning under Europe’s oppression. And Yushakov recalls an ancient myth when he says: Over there in Asia, the Iranian and Turanian peoples are fighting. He himself counts the Indians, the Persians, and so on among the Iranian peoples. And Yushakov says: These peoples have found a wonderful, ancient myth about Ormuzd and Ahriman to explain their fate. But we always see Ahriman and Ormuzd at work over there in Asia, time and again. And there, in his book—published in 1885—Yushakov points out in his memoirs that the Iranians worshipped the good Ormuzd over there in Asia; the good Ormuzd had bestowed upon the Iranians all that the earth can produce in terms of fruit and culture; they appropriated it for themselves. Then they allied themselves with Ahriman. These Europeans have acted like Ahriman, like the evil Ahriman himself. Russia, however, by extending its influence into Asia, will liberate the people from the evil Ahriman. What the Asians received under the blessing of the good Ormuzd, the selfish Europeans have appropriated for themselves. Russia will come over to Asia and help by establishing—yes, Yushakov says this, and I must repeat it to you—an alliance that is pursued with the world’s greatest ideals, as the most spiritual alliance in the world — Yushakov says all this, not I; I merely have to repeat it —, which will be formed by Russian peasants and the Cossacks, [who will rush over to Asia, which is groaning under European rule, and who will carry over what Russia will be able to bring]. There, the peasantry and the Cossacks will advance into Asia, and there Russia will redeem Asia from Ahriman. 1885—consider this—written by Yushakov. It is interesting to hear some of what Yushakov said back then in the book titled *The Anglo-Russian Conflict*. It speaks of these peoples, the Iranians, the Turanians—[it states] that the companions of Ahriman, the evil god—from whom Russia will have to liberate Asia and bring order and harmony—are primarily the English.

[ 87 ] Die Engländer — sagt Jushakow — haben sich in diesem Asien so benommen, als ob sie der Ansicht wären, dass die asiatischen Völker nur dazu da wären, dass sie sich in englische Gewebe kleiden, untereinander mit englischen Waffen sich bekämpfen, mit englischem Werkzeug zu arbeiten, aus englischen Gefäßen zu essen und mit englischem Flitter zu spielen. Und dann sagt er:

[ 87 ] “The English,” says Yushakov, “have behaved in this part of Asia as if they believed that the Asian peoples existed solely to dress in English fabrics, fight one another with English weapons, work with English tools, eat from English vessels, and play with English trinkets.” And then he says:

«England beutet Millionen von Hindus aus, seine ganze Existenz aber hängt von dem Gehorsam der verschiedenen Völker ab, von denen die reiche Halbinsel bewohnt wird.»

“England exploits millions of Hindus, yet its very existence depends on the obedience of the various peoples who inhabit the rich peninsula.”

[ 88 ] Und so sagt er weiter, Jushakow:

[ 88 ] And so Yushakov continues:

«Ich wünsche meinem Vaterlande nichts Ähnliches — ich kann mich nur freuen, dass es von diesem so glänzenden wie traurigen Zustand hinlänglich weit entfernt ist.»

“I do not wish anything like this upon my homeland—I can only be glad that it is sufficiently far removed from this state, which is as brilliant as it is sad.”

[ 89 ] Offenbar weil diese Russen so ganz angestrebt haben, von diesem Engländertum so recht weit entfernt zu sein, damit sie Asien erlösen können von diesem scheußlichen England, haben sie sich bald danach mit diesem England verbündet, zum Zwecke, nicht Asien zu erlösen, aber um Europa zu vernichten.

[ 89 ] Apparently because these Russians were so determined to distance themselves from this “Englishness” in order to liberate Asia from this hideous England, they soon afterward allied themselves with England—not to liberate Asia, but to destroy Europe.

[ 90 ] Man muss schon von diesen Tiefen aus die Weltentwicklung auch von der geistigen Seite im neunzehnten Jahrhundert betrachten, und sich auf diese Weise vertiefen in dasjenige, was eigentlich deutsches Wesen ist und wie es dasteht jetzt, dieses deutsche Wesen, das sich zu verteidigen hat in einer Weise gegen den Ring, der um dasselbe gebildet ist, ja, in einer Weise, die man einfach andeuten kann, wenn man Zahlen sprechen lässt.

[ 90 ] One must indeed, from these depths, consider the development of the world—including its spiritual aspect—in the nineteenth century, and in this way delve deeply into what the German essence actually is and how it stands now—this German essence, which must defend itself against the ring that has formed around it, indeed, in a way that can simply be indicated by letting the numbers speak for themselves.

[ 91 ] Für Freiheit, für das Recht der kleinen Völker und für allerlei Zeug nach ihrer Anschauung, gehen diese Menschen — die Deutschland heute und Österreich wie in einer großen Festung eingeschlossen halten wollen —, gehen diese Menschen vor. Man braucht nur Zahlen zu sehen: 777 Millionen Menschen in der sogenannten Entente um die mitteleuropäischen Mächte herum, gegen 150 Millionen; 777 Millionen «kämpfen» — sagen wir das in Gänsefüßchen —, «kämpfen» gegen 150 Millionen, und kämpfen so, dass sie bis heute noch immer als das Wesen ihrer eigentlichen Tapferkeit mehr auch den deutschen Geist treffen wollen, den sie glauben so gut zu verstehen, dass 777 Millionen Menschen sich gegen 150 Millionen wenden, zusammentun, um sie auszuhungern, um sie mit Aushungern, dem besseren Teil der Tapferkeit, zu besiegen.

[ 91 ] In the name of freedom, the rights of small nations, and all sorts of other things according to their worldview, these people—who want to keep Germany and Austria enclosed today as if in a great fortress—are taking the lead. One need only look at the numbers: 777 million people in the so-called Entente surrounding the Central European powers, against 150 million; 777 million are “fighting”—let’s put that in quotation marks— “fight”—let’s put that in quotation marks—“against 150 million, and they fight in such a way that, to this day, the very essence of their actual bravery remains their desire to strike at the German spirit, which they believe they understand so well that 777 million people turn against 150 million, joining forces to starve them out, to defeat them through starvation—the better part of bravery.

[ 92 ] Eigentlich brauchten sie ja nicht neidisch zu sein um dasjenige, was ihnen wegnehmen diese Mitteleuropäer; denn 68 Millionen Quadratkilometer von der Erde besitzen die Entente-Mächte, gegen 6 Millionen Quadratkilometer der mitteleuropäischen Mächte. Man braucht nur diese Zahlen sprechen zu lassen. Diese Zahlen sprechen bis heute, und werden aber auch einmal in der Weltgeschichte sprechen, sehr verehrte Anwesende —, dass immerhin innerhalb dieser 150 Millionen heutiger Mitteleuropäer und auf diesen 6 Millionen Quadratkilometer Bodens Mitteleuropas diejenigen Menschen leben, die die weltgeschichtliche, geistige Sendung haben, von der wir sprechen durften, und die sie sich nicht zuschreiben aus dem — wofür wir Gott sei Dank kein deutsches Wort haben —, aus nationalen Chauvinismen, sondern aus ihren geistigen Anlagen, aus dem Geiste ihres Deutschtums, dem sie sich nicht durch ihren Egoismus verschrieben haben, sondern dem sie sich anzunähern haben, wenn sie auf dem Altar diesem ihrem Volksgeiste das Beste ihres Wesens darbringen wollten. Und fest verbunden fühlen sich diejenigen, die dieses deutsche Wesen verspüren in Mitteleuropa, gerade die Besten in Österreich und Deutschland — und ich darf darüber sprechen, da ich dreißig Jahre meines Lebens in Österreich verlebt habe: Gerade die Besten Österreichs, die mit der mitteleuropäischen Kultur verwachsen sind, wie der ausgezeichnete Philosoph Carneri, sie wissen nicht aus einem nationalen Chauvinismus heraus, sondern aus der sicheren Erkenntnis des Wesens ihres Volkes das Verhältnis dieses ihres Volkes zu dem deutschen Volksgeist und deutschen Wesen zu erleben und zu ergründen.

[ 92 ] Actually, they had no reason to be envious of what these Central European powers were taking away from them; for the Entente powers possess 68 million square kilometers of the Earth’s surface, compared to 6 million square kilometers held by the Central European powers. One need only let these figures speak for themselves. These figures speak to this day, and will one day speak in world history as well, distinguished guests—that, after all, among these 150 million Central Europeans of today and on these 6 million square kilometers of Central European soil live those people who have the world-historical, spiritual mission of which we were permitted to speak, and which they do not attribute to—for which, thank God, we have no German word—national chauvinism, but rather to their spiritual dispositions, to the spirit of their Germanness, to which they have not committed themselves out of selfishness, but to which they must draw near if they wish to offer the best of their being upon the altar of this spirit of their people. And those who sense this German essence in Central Europe feel a strong connection—precisely the best among us in Austria and Germany—and I am qualified to speak on this, having spent thirty years of my life in Austria: It is precisely the finest in Austria—those who are deeply rooted in Central European culture, such as the distinguished philosopher Carneri—who understand the relationship between their own people and the German national spirit and German essence not out of national chauvinism, but from a firm understanding of their people’s essence.

[ 93 ] Von den Engländern sagt zum Beispiel Carneri, der bedeutendste österreichische Philosoph — Carneri — ein wunderbarer Mann, der aus tiefstem Leiden heraus eine so ganz im Sinne unserer Zeit gehaltene geistige Weltanschauung begründet hat, ein begriffliches Weltbild aus Deutsch-Österreich begründet hat, Carneri spricht davon, wie die Engländer wirklich ihr Ich hin gerichtet haben auf äußere praktische Kultur und er sagt: Sie ist schon so praktisch geworden, diese Kultur, dass die Engländer die Tatsache, dass der große Dramatiker und Dichter Shakespeare unter ihnen gelebt hat, von den Deutschen erfahren mussten. — Denn das ist wahr: Erst dadurch, dass die Deutschen erst sich vertieften in Shakespeare, ist Shakespeare gerade erst erkannt worden. Und wenn man einmal schreiben müsse die Geschichte von der Größe Shakespeares, so wird man nicht ein englisches, sondern ein deutsches Kapitel von geistiger Geschichte zu schreiben haben.

[ 93 ] Speaking of the English, for example, Carneri—the most significant Austrian philosopher—Carneri, a remarkable man who, out of the depths of suffering, established a spiritual worldview so very much in keeping with our times, a conceptual worldview rooted in German-Austria—Carneri speaks of how the English have truly directed their sense of self toward external, practical culture, and he says: “This culture has become so practical that the English had to learn from the Germans the fact that the great dramatist and poet Shakespeare had lived among them.” — For it is true: it was only because the Germans delved deeply into Shakespeare that Shakespeare was truly recognized. And if one were ever to write the history of Shakespeare’s greatness, one would have to write not an English chapter but a German chapter of intellectual history.

[ 94 ] Das alles charakterisiert gerade die aus allem geistigen Inneren heraus schaffende Art des deutschen Weltbildes, gegenüber dem, was alles ringsherum ist. Und so darf man wohl glauben, dass dieses, was der Deutsche vor allen Dingen anstreben muss, Geisteswissenschaft, Erkenntnis des Geistes [ist] — so, wie es eine Erkenntnis gibt der Natur. Erkenntnis des Geistes, die sich vor allem begründen muss auf die Quellen, auf die Wurzeln, die in dem Weltbilde des Deutschen Idealismus liegen. Das ist, wie gesagt, nicht aus einem blinden nationalen Gefühl heraus geborene Überzeugung, sondern eine aus der Erkenntnis heraus geborene Überzeugung ist es, dass dasjenige, was die Menschheit in der Zukunft über den Geist wissenschaftlich ergründen soll, dass das aus dem deutschen Volkstum — und vor allen Dingen aus dem idealen Weltbild des deutschen Volkstums —, wie es heute versucht wurde zu schildern, hervorwachsen muss.

[ 94 ] All of this characterizes precisely the nature of the German worldview—which creates from the depths of the spiritual inner self—in contrast to everything that surrounds it. And so one may well believe that what the German must strive for above all else is spiritual science, knowledge of the spirit—just as there is knowledge of nature. Knowledge of the spirit, which must be grounded above all in the sources, in the roots that lie in the worldview of German idealism. As I have said, this is not a conviction born of blind national sentiment, but rather a conviction born of knowledge: that what humanity is to scientifically explore about the spirit in the future must grow out of the German national character—and above all out of the ideal worldview of the German national character—as has been attempted to be described today.

[ 95 ] Und wie wenig Verständnis von den anderen Völkern heute — lassen Sie mich das zum Schluss noch aussprechen —, dieser Krieg kann es dem Deutschen so recht zeigen, wie wenig Verständnis da ist, vonseiten der anderen Völker gegenüber dem Weltbilde des Deutschen Idealismus und des deutschen Geistes, und wie er erst dafür sorgen muss und streben muss, dass dasjenige, was er aus der Tiefe des deutschen Wesens heraus zu schaffen berufen ist, in die Weltentwicklung der Menschheit sich einleben könne. Die Franzosen, wie haben sie dieses Weltbild des Deutschen Idealismus angeschaut? Oder die Russen zum Beispiel, wie haben sie angeschaut dieses Weltbild, das der Deutsche sich gebildet hat, dieses Weltenbild? Die Russen schauen es so an, als ob es nur dazu da wäre, von ihnen zerstört zu werden, als etwas Greisenhaftes, Abgelebtes. Während wir darinnen Wurzel und Blätter sehen müssen, zu denen die Blüten und Früchte erst in der Zukunft reifen müssen! Zu dieser Anschauung wollen wir uns verpflichten! Aber die Russen brauchen einen neuen Wahn; weil das Ich noch nicht in ihrer Seele lebt, müssen sie träumen von einem neuen Wahn. Sie brauchen einen neuen Wahn.

[ 95 ] And how little understanding there is among other nations today—let me say this in closing— this war can truly show the Germans just how little understanding there is on the part of other nations toward the worldview of German idealism and the German spirit, and how the Germans must first ensure and strive to make certain that what they are called upon to create from the depths of the German essence can take root in the global development of humanity. The French—how have they viewed this worldview of German idealism? Or the Russians, for example—how have they viewed this worldview that the Germans have formed, this worldview? The Russians view it as if it were there solely to be destroyed by them, as something senile and outdated. Whereas we must see in it roots and leaves, from which the blossoms and fruits must first ripen in the future! Let us commit ourselves to this perspective! But the Russians need a new delusion; because the “I” does not yet live in their souls, they must dream of a new delusion. They need a new delusion.

[ 96 ] Was brauchen die Franzosen? Was brauchen die Franzosen heute, wenn sie charakterisieren wollen ihr Verhältnis zum deutschen Wesen? Nun, man könnte vielleicht auf einen ihrer jüngsten Dichter hinweisend etwas von ihnen selber anführen, um ihnen nicht unrecht zu tun. Was wollen die Franzosen? Sie sind ja so gewöhnt gewesen, [so] wie die Deutschen sich frei gemacht haben — wie sie gefühlt haben in sich die Kraft, die Triebkraft dessen, was zum Beispiel auch in diesem Weltenbilde des Deutschen Idealismus lebte, bis zu Lessing herauf, bis sie sich frei machen mussten, die Deutschen —, [so] sind diese Franzosen so gewöhnt gewesen, dass ihr Wesen überall in Europa lebte. Und danach glaubten sie, dass es ohne das, was sie taten und geistig hervorgebracht haben, eigentlich gar nicht gehe, dass alles von ihnen kommen müsse, dass sie zu allem die Ursache bilden müssten. Ihr eigener Dichter Rostand hat in der neueren Zeit in einem ganz. interessanten, witzigen Poem das dargestellt, wie der französische — das heißt, sein eigener — VolksCharakter damit zu vergleichen ist, dass der Hahn am Morgen kräht; und wenn der Hahn kräht, dann geht die Sonne auf. Und weil eben die Sonne aufgeht, wenn der Hahn kräht, da glaubt der Franzose, dass er mit seinem Krähen die Sonne aufgehen lasse. So sagt er sich also: Wenn ich nicht krähe, kann die Sonne nicht aufgehen!

[ 96 ] What do the French need? What do the French need today if they wish to characterize their relationship to the German spirit? Well, one might perhaps cite something from one of their most recent poets—to do them justice. What do the French want? They have, after all, been so accustomed—just as the Germans freed themselves—to feeling within themselves the strength, the driving force behind what, for example, also lived in this worldview of German idealism, all the way back to Lessing, until the Germans had to free themselves—just as the Germans freed themselves—so too have these French been so accustomed to their essence living throughout Europe. And consequently, they believed that without what they did and produced intellectually, things simply could not work; that everything had to come from them; that they had to be the cause of everything. Their own poet, Rostand, depicted in a very interesting and witty poem in more recent times how the French—that is, his own—national character can be compared to the rooster crowing in the morning; and when the rooster crows, the sun rises. And precisely because the sun rises when the rooster crows, the Frenchman believes that his crowing causes the sun to rise. So he tells himself: If I don’t crow, the sun can’t rise!

[ 97 ] Das sagt der französische Dichter Rostand selber als Charakteristik des französischen Wesens. Der Franzose denkt: Wenn er nicht kräht, kann in der Welt überhaupt nichts geschehen. Und daher ist es so unerhört, dass er nicht mehr diejenige Stellung einnimmt wie früher; denn es ist ja eigentlich so, dass gegen den Wahn des Krähens des französischen Volksgeistes so zu verteidigen ist zum Beispiel das deutsche Wesen, wie es Ranke ausgesprochen hat, als, schon 1870, die Deutschen gegen die Franzosen zichen mussten: «Wir kämpfen noch immer gegen den Ludwig XTV.!»

[ 97 ] This is what the French poet Rostand himself says as a characterization of the French spirit. The Frenchman thinks: If he doesn’t crow, absolutely nothing can happen in the world. And that is why it is so unheard of that he no longer occupies the position he once did; for the truth is that the German character, as Ranke put it, must be defended against the delusion of the crowing of the French national spirit—just as, as early as 1870, the Germans had to stand up to the French: “We are still fighting against Louis XIV!”

[ 98 ] Die Franzosen brauchen eine neue Einbildung. Die Russen brauchen eine neue Mission. Die Engländer — nun, man möchte ihnen wirklich nicht unrecht tun. Was soll man sagen, um ihnen nicht unrecht zu tun? Sie deklamieren in die Welt hinaus: Um der Verletzung der Neutralität Belgiens willen, für Recht und Demokratie müssen wir bis zur Vernichtung des deutschen Wesens diesen Krieg unternehmen; denn diese Deutschen sind schändliche Menschen. Sie predigen den Grundsatz: Macht geht vor Recht. — Man vergisst nur wahrscheinlich, wie aus einer besonders feinen Bildung heraus der englische Minister, der dies dekretiert — erst wieder jüngst —, dass der Satz «Macht geht vor Recht» von dem englischen Philosophen, englischen Utilitäts-Philosophen Thomas Hobbes stammt. Aber: «Macht geht vor Recht» — und England hat sich jahrhundertelang an diesen Satz gehalten. [Lücke in der Mitschrift] als Professor in England selber gehalten hat, wo er sagte: Freiheit und Demokratie, das ist etwas, was man nicht vereinen kann, was nach der letzten englischen Geschichte vertreten werden soll, sondern dass Großbritanniens Expansion [Lücke in der Mitschrift], spricht er aus, auch eine Wahrheit, auch eine praktische Wahrheit, wie es das englische Weltbild anstreben muss. Ja, was soll man sagen? «Macht geht vor Recht», seit Thomas Hobbes schlängelt es sich wie ein Grundsatz durch die Geschichte Englands, um zu verdecken die eigentlichen Gründe, die England hat, um in den Staub zu treten die ganze Mission des deutschen Volkes. Mit solchen Dingen — ja, man möchte ihnen ja nicht unrecht tun, aber man muss doch sagen: Die Engländer brauchen eine neue Lüge, um zu übertönen dasjenige, was nicht ausgeglichen werden kann.

[ 98 ] The French need a new cause. The Russians need a new mission. The English—well, one really wouldn’t want to do them an injustice. What can one say so as not to do them an injustice? They proclaim to the world: For the sake of Belgium’s violated neutrality, for the sake of justice and democracy, we must wage this war until the German spirit is annihilated; for these Germans are despicable people. They preach the principle: Might makes right. — One probably just forgets how, out of a particularly refined education, the English minister who decrees this—most recently, in fact—that the phrase “power takes precedence over right” originates from the English philosopher, the English utilitarian philosopher Thomas Hobbes. But: “Power takes precedence over right”—and England has adhered to this principle for centuries. [Gap in the transcript] as a professor in England himself, where he said: Freedom and democracy are things that cannot be reconciled—as recent English history demonstrates—but that Great Britain’s expansion [gap in the transcript], he asserts, is also a truth, a practical truth, to which the English worldview must aspire. Well, what can one say? “Power takes precedence over right”—ever since Thomas Hobbes, this has wound its way like a guiding principle through English history to conceal the actual reasons England has for trampling the entire mission of the German people into the dust. With such things—well, one wouldn’t want to do them an injustice, but one must say: The English need a new lie to drown out that which cannot be balanced out.

[ 99 ] Die Russen — einen neuen Wahn; die Franzosen — eine neue Einbildung; die Engländer — eine neue Lüge. Die Italiener — ja, ein ganz hervorragender Mann sagte mir schon, bevor der italienische Krieg ausgebrochen ist: «Italien braucht diesen Krieg!» Es gibt ja Menschen, die nicht so naiv sind, dass sie geglaubt haben, Italien könnte etwa nicht beitreten der Entente in diesem Kriege. Italien braucht diesen Krieg; wir müssen diesen Krieg haben; die Italiener sind träge, lahm und faul geworden; sie sind eigentlich ganz auf dem Wege nach dem Abgrund — sagte diese bedeutende politische Persönlichkeit dazumal-und müssen etwas haben, was sie wiederum aufrüttelt, was sie wiederum zum Leben erweckt, sonst werden sie ganz faul und träge! Was brauchen diese Italiener? Eine neue Sensation brauchten diese Italiener, um zugleich etwas zu haben — wie die Franzosen die Einbildung, die Engländer eine neue Lüge, die Russen einen neuen Wahn, eine neure Mission brauchten, so die Italiener einen neuen Heiligen, etwas ganz Besonderes! — Sie haben wahrlich einen Heiligen, nämlich den heiligen Egoismus — sacro egoismo —, der überall gepredigt wird und auf dessen Altar geopfert wird. Und der Apostel des Italienertums der Neuzeit, der Hierophant ist Gabriele d’Annunzio! Vielleicht wird die die Geschichte ihn einmal unter die Hanswurste des Geistes einreihen — das kann man ganz ohne nationalen Chauvinismus sagen. Aber er wird trotzdem ohne Würde als derjenige dastehen, der auch diesen neuen Egoismus, dem sacro egoismo, den Italien vertritt, dem sie sich verschrieben haben, diesem neuen Heiligen seine Opfer verrichten!

[ 99 ] The Russians—a new delusion; the French—a new delusion; the English—a new lie. The Italians—yes, a truly outstanding man told me even before the Italian war broke out: “Italy needs this war!” There are, after all, people who are not so naive as to have believed that Italy might not join the Entente in this war. Italy needs this war; we must have this war; the Italians have become sluggish, listless, and lazy; they are actually well on their way to the abyss—said this prominent political figure at the time—and they need something to shake them up again, to bring them back to life, otherwise they’ll become completely lazy and sluggish! What do these Italians need? These Italians needed a new sensation in order to have something—just as the French needed an illusion, the English a new lie, and the Russians a new delusion and a new mission, so the Italians needed a new saint, something truly special! — They truly do have a saint, namely sacred egoism—sacro egoismo—which is preached everywhere and to which sacrifices are made on its altar. And the apostle of modern Italianism, the hierophant, is Gabriele d’Annunzio! Perhaps history will one day rank him among the buffoons of the spirit—one can say this entirely without national chauvinism. But he will nonetheless be remembered, without any dignity, as the one who also offers sacrifices to this new egoism—the sacro egoismo—that Italy represents, to which they have devoted themselves, to this new saint!

[ 100 ] Wenn wir das alles um uns herum sehen, so können wir wirklich, ohne dass der Deutsche so national egoistisch zu werden braucht wie diejenigen, die ihn einringen, einschließen, einkreisen, so können wir wirklich sagen: Wir dürfen von der kommenden Geschichte aus der inneren Fruchtbarkeit und aus den Erkenntnis der Größe des deutschen Wesens selber heraus, dem wir demütig uns neigen, nicht in Überhebung uns sagen, dass wir im deutschen Wesen erleben: Es sind Keime, es sind Wurzeln, es sind Blätter — und die Blüten und die Früchte müssen sich daraus entwickeln. Und wir dürfen damit mit Zuversicht, mit Hoffnung in die Zukunft blicken!

[ 100 ] When we see all of this around us, we can truly say—without the German people needing to become as nationalistically self-centered as those who are encircling and isolating them—we can truly say: We must not, out of arrogance, look to the history yet to come—arising from the inner fertility and the recognition of the greatness of the German spirit itself, to which we humbly bow—and tell ourselves that what we experience in the German spirit are seeds, roots, and leaves—and that the blossoms and fruits must develop from them. And with this, we may look to the future with confidence and hope!

[ 101 ] Und das haben schließlich auch immer — ich möchte sagen — wie in einem einheitlichen Denken, die deutsches Wesen in Mitteleuropa zu fühlen verstanden, sie haben es immer gefühlt. Einer meiner Lehrer in Österreich hat ein schönes Wort einmal gesprochen. Ich darf es Ihnen vielleicht zum Schlusse vorlesen, ein Gedichtchen. «Österreich und Deutschland» heißt es. Heute, wo Österreich und Deutschland zusammengeschweißt sind, darf ich es vielleicht vorlesen, dieses Gedichtchen:

[ 101 ] And ultimately, those who—I would say—shared a unified way of thinking have always understood how to sense the German essence in Central Europe; they have always felt it. One of my teachers in Austria once spoke some beautiful words. Perhaps I may read them to you at the end—a little poem. It’s called “Austria and Germany.” Today, now that Austria and Germany are united, perhaps I may read this little poem aloud:

«Lasst Russland, England klüglich sich beraten,
Es auch vielleicht nicht unwillkommen finden,
Wenn wir ein wenig hier in Kampf geraten,
Wenn man uns will das gute Recht entwinden!

Ihr, deutsche Brüder, werdet hier nicht — raten,
Des Feindes Angriff wird uns nur verbinden
Und unter uns wird jeder Ehrgeiz schwinden
Vor dem: Ein Volk zu sein in Wort und Taten.

Und hat der Eine unter uns gefehlet,
War eine Zwietracht wo in deutschen Herzen,
Nur Eines ist es, was uns jetzt beseelet:
Was uns gemeinsam ist an Lust und Schmerzen!
So sei denn auch gemeinsam uns beschieden:
Ein deutscher Krieg, wenn nicht ein deutscher Frieden!»

“Let Russia and England consult wisely,
And perhaps not find it unwelcome,
If we get into a bit of a fight here,
If they seek to wrest our rightful claim from us!

You, German brothers, will not—advise here,
The enemy’s attack will only unite us
And among us, all ambition will fade
Before this: to be one people in word and deed.

And if one among us has failed,
If there was discord anywhere in German hearts,
There is but one thing that now inspires us:
What we share in joy and sorrow!
So let it also be our shared destiny:
A German war, if not a German peace!”

[ 102 ] So spricht der Deutsche Österreichs 1859. So einheitlich ist das Bewusstsein des Drinnenstehens im deutschen Volksgeiste bei denjenigen, die es erfühlen, die es ohne nationalen Chauvinismus aber so erkennen, dass Treue ersprießt aus der Seele zu diesem deutschen Wesen. Dann sagt dieser Karl Julius Schröer, der so unbekannt geblieben ist, aber deutsches Wesen in Österreich ganz. außerordentlich erfühlte, dann sagte er:

[ 102 ] Thus speaks the German of Austria in 1859. Such is the unity of consciousness among those who feel themselves to be part of the German national spirit—those who, without national chauvinism, recognize this in such a way that loyalty to this German essence springs from the soul. Then this Karl Julius Schröer, who has remained so unknown but who felt the German spirit in Austria with extraordinary intensity, said:

Ein Geist ersteht, ein Riese anzuschauen
[Der lang sich nicht in ganzer Kraft ermannt
Der deutsche Geist steht auf von Mut entbrannt
Wohin Du blickst in allen deutschen Gauen.
Man hat in manchem Meister ihn genannt,
In Kunst und Wissen, im Systeme bauen,
Ist er im Ganzen erst einmal zu schauen,
dann wird er von der Welt] erst recht erkannt.

A spirit arises, a giant to behold
[He who has long failed to muster his full strength
The German spirit rises, inflamed with courage
Wherever you look, in every German region.
It has been called a master in many ways,
in art and knowledge, in building systems,
Once it is viewed as a whole,
then it is recognized by the world] all the more.

[ 103 ] Um ihn im Ganzen zu schauen, dazu gehört auch dasjenige Symptom, das so recht zeigt, wie die unsterblichen kriegerischen Kräfte aus dem deutschen Wesen stammen. Ebenso aus der Urkraft des deutschen Wesens stammt das idealistische Weltbild des Deutschen, das seine Wurzeln und seine Blätter getragen hat, und — zu dem hinblickend — wir in Zukunft den Glauben haben dürfen: Es muss in der Zukunft, ungestört von dem Hass der Gegnerschaft, sich hindurchkämpfen zu seinen Blüten und Früchten.

[ 103 ] To view it in its entirety, this also includes the very symptom that so clearly demonstrates how the immortal warlike forces stem from the German essence. Likewise, the idealistic worldview of the German people, which has borne its roots and leaves, stems from the primal force of the German spirit—and, looking toward it, we may have faith that in the future, undisturbed by the hatred of its opponents, it must fight its way through to its blossoms and fruits.

[ 104 ] Dieses Bewusstsein quillt uns als Angehörigen der 150 Millionen gegenüber den 777 Millionen, als stehend auf den 6 Millionen Quadratkilometern gegen 68 Millionen Quadratkilometer; dies quillt uns aus der Geistes-, aus der Seelen-, aus der Herzenserkenntnis deutschen geistigen Wesens!

[ 104 ] This awareness springs from our being among the 150 million as opposed to the 777 million, from our standing on 6 million square kilometers as opposed to 68 million square kilometers; it springs from our intellectual, spiritual, and heartfelt understanding of the German spiritual essence!

[ 105 ] So lassen Sie uns aus der Erkenntnis selber und aus dem berechtigtsten Gefühl heraus das Wort aussprechen: Ja, indem wir unserer Wesenheit uns bewusst sind, dürfen wir glauben, dürfen wir hoffen, dass die Blüten und Früchte zu den Wurzeln und Blättern des deutschen Wesens sich in der Zukunft entfalten werden.

[ 105 ] So let us speak these words based on this insight itself and on the most justified of feelings: Yes, by being conscious of our very essence, we may believe, we may hope, that the blossoms and fruits will unfold in the future from the roots and leaves of the German spirit.

[ 106 ] Daher dürfen wir zuversichtlich hinüberleben — auch aus der Tiefe des deutschen Strebens heraus —, zuversichtlich hinüberleben in die Zukunft dieses deutschen Volksgeistes.

[ 106 ] Therefore, we may look forward with confidence—even from the depths of the German striving—to the future of this German national spirit.

[ 107 ] Und so möge es sein, weil es so sein muss!

[ 107 ] And so be it, because that is how it must be!