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Ways to a Knowledge of the
Eternal Forces of the Human Soul
GA 70b

19 March 1916, Munich

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Ways to a Knowledge of the Eternal Forces of the Human Soul, tr. SOL
  1. Wege zur Erkenntnis der ewigen Kräfte der Menschenseele

17. Gesundes Seelenleben und Geistesforschung

17. A Healthy Spiritual Life and Spiritual Research

Sehr verehrte Anwesende!

Ladies and gentlemen!

[ 1 ] Die Geistesforschung, wie sie gemeint ist in den Vorträgen, die ich nun schon seit Jahren hier halten durfte, sie hat, wie ja hinlänglich bekannt ist, im Grunde genommen nicht nur Gegner und Gegnerschaften von jenen Seiten her, von denen andere Weltanschauungsströmungen je nach ihrer Eigenschaft Gegner und Gegnerschaften haben — der Materialismus hat am Spiritualismus, der Spiritualismus am Materialismus, der Idealismus am Realismus und so weiter seine Gegner —, von Geisteswissenschaft kann man in einem gewissen Sinne heute noch sagen, sie werde bekämpft von allen möglichen Weltanschauungsrichtungen her. Und da muss denn die Frage entstehen: Woran liegt es eigentlich im Wesentlichen, dass gerade Geisteswissenschaft von der gegenwärtigen Zeitbildung im Ganzen und Großen in einer so starken Weise abgelehnt wird?

[ 1 ] Spiritual science, as understood in the lectures I have been privileged to give here for years now, has—as is well known—essentially not only opponents and opposition from those quarters from which other worldviews, depending on their nature, have opponents and opposition—materialism has spiritualism, spiritualism has its opponents in materialism, idealism in realism, and so on—but one can still say, in a certain sense, that spiritual science today is opposed by all manner of ideological currents. And this inevitably raises the question: What is the fundamental reason that spiritual science, in particular, is so strongly rejected by contemporary society as a whole?

[ 2 ] Es ist ja von mir auf dasjenige, worauf es in Bezug auf diese Frage ankommt, hier schon wiederholt aufmerksam gemacht worden. Das Eigentümliche liegt gerade bei dieser Geisteswissenschaft vor, dass die Gegnerschaften nicht entspringen dadurch, dass man diese Geisteswissenschaft genauer kennenlernt, dass man sich mit ihr befasst, um dann mit ihr nicht einverstanden sein zu können, sondern die Gegnerschaften liegen vielmehr darinnen in der Hauptsache begründet, dass wenig Neigung besteht auf dieser oder jener Seite, sich in das eigentlich Wesentliche, in das Bedeutungsvolle dieser geisteswissenschaftlichen Richtung einzulassen.

[ 2 ] I have, after all, repeatedly drawn attention here to what is truly important with regard to this question. What is peculiar about this particular spiritual science is that opposition to it does not arise from becoming more familiar with it or engaging with it, only to then disagree with it; rather, the opposition is primarily rooted in the fact that there is little inclination on either side to engage with what is truly essential and significant about this branch of spiritual science.

[ 3 ] Dafür aber erdichtet man allerlei Eigenschaften, welche diese Geisteswissenschaft haben müsse nach den Vorstellungen, die man sich ohne Kenntnis von ihr selber macht. Man denkt ungefähr so: Nach alledem, was ich weiß und nach dem, was ich so obenhin von da oder dort habe sagen hören, will diese Geisteswissenschaft das oder jenes — oder vielmehr, man denkt sogar noch anders, man denkt: muss sie ja dies oder jenes wollen. Also ist sie in diesem oder jenem Sinne selbstverständlich verwerflich.

[ 3 ] Instead, people invent all sorts of characteristics that this spiritual science must supposedly possess, based on the ideas they form about it without actually knowing anything about it. People think something like this: Based on everything I know and on what I’ve heard here and there in passing, this spiritual science wants this or that—or rather, people think even further: it must want this or that. Thus, in this or that sense, it is naturally reprehensible.

[ 4 ] Und da stellt sich denn die Eigentümlichkeit heraus — gerade die Eigentümlichkeit wird, wenn man tiefer eingeht bei der Betrachtung des Verhältnisses der Geisteswissenschaft zu anderen Weltanschauungsströmungen, beobachtet werden können —, da stellt sich dann das Eigentümliche heraus, dass viele Menschen gegen Geisteswissenschaft dies oder jenes geltend machen unter der Voraussetzung, dass es die Geisteswissenschaft treffen könne, während in Wahrheit das vorliegt, dass man in Bezug auf dasjenige, was diese Leute behaupten, als Geisteswissenschafter in dem Sinne, wie die Geisteswissenschaft hier gemeint ist, ganz einverstanden ist, dass man gar nichts dawider hat gegen das, was diese Leute sagen, dass sie nur glauben, man müsse, weil man eben gerade auf dem Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft steht, dies oder jenes gegen sie einwenden.

[ 4 ] And this is where the peculiarity becomes apparent—precisely this peculiarity can be observed when one delves deeper into the relationship between spiritual science and other worldviews—it becomes apparent that many people raise this or that objection to spiritual science on the assumption that it might apply to spiritual science, whereas in reality, as an anthroposophist—in the sense that anthroposophy is meant here—one is in complete agreement with what these people claim; one has absolutely no objection to what they say; it is only that they believe one must, precisely because one stands on the anthroposophical point of view, raise this or that objection against them.

[ 5 ] Also das Eigentümliche liegt vor, sehr verehrte Anwesende, dass Geisteswissenschaft bekämpft wird von demjenigen sehr häufig, mit denen sie eigentlich ganz einverstanden ist in allem Positiven, das sie fordern.

[ 5 ] What is peculiar, ladies and gentlemen, is that spiritual science is very often opposed by those with whom it actually agrees entirely on all the positive goals they advocate.

[ 6 ] Ein besonderes Gebiet, das gewissermaßen von dem Lichte, auf das hier eben hingewiesen worden ist, aus beleuchtet werden muss, ist dasjenige, das zum Gegenstand der heutigen Betrachtung gemacht werden soll: «Gesundes Seelenleben und Geistesforschung». Denn es wird sich immer wieder und wiederum einstellen, dass gerade die Verfahrensarten, die Methoden des geisteswissenschaftlichen Forschens, dass die Wege, die Geisteswissenschaft eingeschlagen hat, dass diese hingestellt werden namentlich von denjenigen, die sich unter dem Einfluss der heutigen Denkgewohnheiten ihre Anschauungen auf dem Boden reiner Naturwissenschaft glauben errichtet zu haben — es wird sich immer wieder herausstellen, dass diese Methoden, diese Verfahrensarten wie etwas Ungesundes, wie etwas Krankes behandelt werden oder wenigstens zusammengeworfen werden mit etwas Krankem. Und dabei kann man nicht einmal sagen, sehr verehrte Anwesende, dass die Ursache zu solchen Missverständnissen einzig und allein bei denen liegt, die von dieser Seite her missverständliche Gegnerschaft entwickeln, sondern es liegen die Ursachen noch in ganz anderen Verhältnissen, die dann im zweiten Teile der heutigen Betrachtung auch berücksichtigt werden sollen.

[ 6 ] A particular area that must, so to speak, be illuminated by the light just referred to here is the one that will be the subject of today’s discussion: “A Healthy Spiritual Life and Spiritual Science.” For it will happen time and again that precisely the procedures, the methods of spiritual scientific research—that is, the paths that spiritual science has taken—will be portrayed, particularly by those who, under the influence of today’s habits of thought, believe they have established their views on the foundation of pure natural science — it will turn out time and again that these methods, these approaches, are treated as something unhealthy, as something pathological, or at least lumped together with something pathological. And yet, ladies and gentlemen, one cannot even say that the cause of such misunderstandings lies solely with those who develop a misleading opposition from this side; rather, the causes lie in entirely different circumstances, which will also be taken into account in the second part of today’s discussion.

[ 7 ] Zunächst aber möchte ich einiges Wesentliche in Bezug auf die Verfahrensarten der Geisteswissenschaft entwickeln, um so an der wirklichen Methode der Geistesforschung zu zeigen, wie wenig Berechtigung es hat, wenn auf diese Methode als auf irgendetwas hingewiesen wird, das auch nur im Allerentferntesten mit einem irgendwie krankhaften Seelenleben zusammenhängen könnte. Ich werde dabei absehen heute von dem, was ich oftmals mir hier schon darzustellen erlaubte im Laufe der Jahre; ich werde absehen von einer genaueren Schilderung desjenigen, was die Menschenseele zu vollziehen hat, um auf den Weg der Geistesforschung zu kommen und diesen Weg zu wandeln. Das Genauere über die inneren Verfahrensarten der Seele findet man ja ausführlich beschrieben in den schon öfter hier angeführten Büchern: im zweiten Teil meiner «Geheimwissenschaft im Umriss», auch am Schlusse meiner «Theosophie» und ausführlich in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». [Aus diesen Schriften wird in Bezug auf die Verfahrensarten viel hervorgehen. Ich möchte heute aber schildern die Wirkung des geistesforscherischen Weges auf die Menschenseele, also nicht so sehr dasjenige, was der Geistesforscher zu tun hat, als vielmehr dasjenige, wie die Wirkung auf seine Seele ist von dem, was er zu wirken hat.]

[ 7 ] First, however, I would like to elaborate on some essential points regarding the types of procedures used in spiritual science, in order to demonstrate—through the actual method of spiritual research—how unfounded it is to refer to this method as something that could even remotely be connected to a pathological mental state of any kind. In doing so, I will refrain today from discussing what I have often allowed myself to present here over the years; I will refrain from a more detailed description of what the human soul must accomplish in order to embark on the path of spiritual research and to walk that path. More detailed information about the soul’s inner processes can be found described at length in the books I have often cited here: in the second part of my *Outline of Esoteric Science*, also at the end of my *Theosophy*, and in detail in the book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*. [Much will become clear from these writings regarding the methods involved. Today, however, I would like to describe the effect of the spiritual research path on the human soul—that is, not so much what the spiritual researcher must do, but rather the effect on his soul of what he must accomplish.]

[ 8 ] Ein Wesentliches von dem, was der Geistesforscher zu vollbringen hat, um sich auf dem Weg in die geistige Welt hineinzubewegen, ist ja, wie oftmals betont worden ist, eine gewisse Umformung, eine Entwicklung des Denkens, des menschlichen Denkens. Man unterscheidet ja so populär auch die drei menschlichen Seelenkräfte: Denken, Fühlen und Wollen. Alle drei Seelenkräfte erfahren unter der Einwirkung des geisteswissenschaftlichen Weges eine gewisse Veränderung, eine gewisse innere Entwicklung im Seelenleben.

[ 8 ] One of the essential tasks the spiritual researcher must accomplish in order to advance along the path into the spiritual world is, as has often been emphasized, a certain transformation, a development of thinking—of human thinking. It is also common to distinguish between the three human soul forces: thinking, feeling, and willing. Under the influence of the spiritual scientific path, all three soul forces undergo a certain transformation, a certain inner development in the life of the soul.

[ 9 ] Eine solche Entwicklungsrichtung bezieht sich nun auf das Denken. Was wird — so kann die Frage gestellt werden — mit dem, was der Mensch sein Denken nennt, eigentlich vorgenommen, wenn er geisteswissenschaftlicher Forscher werden will? In einer gewissen Weise wird dem Denken ein Anstoß gegeben — aus der Willkür der Seele heraus ein Anstoß gegeben —, sodass dieses Denken etwas anderes wird, als es im gewöhnlichen Leben ist. Im gewöhnlichen Leben entwickelt das Denken Gedanken. Diese Gedanken sind dazu da, dass sie irgendein äußeres Wirkliches abbilden. Man sagt, man habe ja dadurch einen wahren Gedanken, dass dieser wahre Gedanke sich auf ein Wirkliches bezieht, das er abbildet. Solches Ziel des Denkens ist für das alltägliche Denken und auch für das im gewöhnlichen Sinne des Wortes wissenschaftliche Denken durchaus gesund.

[ 9 ] Such a direction of development now pertains to thinking. What, one might ask, actually happens to what a person calls “thinking” when he or she wishes to become a researcher in the humanities? In a certain sense, an impulse is given to thinking—an impulse arising from the will of the soul—so that this thinking becomes something different from what it is in ordinary life. In ordinary life, thinking develops thoughts. These thoughts serve to represent some external reality. It is said that a thought is true insofar as it refers to a reality that it represents. Such a goal of thinking is entirely sound for everyday thinking and also for scientific thinking in the ordinary sense of the word.

[ 10 ] Für den Geistesforscher ist dieses Denken, das im alltäglichen Leben gerechtfertigt ist, das in der gewöhnlichen Wissenschaft unbedingt angewendet werden muss, nur der Ausgangspunkt seines Forschungsweges. Der Geistesforscher muss sich solchen inneren Verrichtungen hingeben, dass er innerhalb des Denkvorganges seine Aufmerksamkeit nicht so sehr wendet auf den Inhalt der Gedanken — das, wie gesagt, ist für anderes wichtig, nicht zunächst für den geistesforscherischen Weg —, also nicht auf den Inhalt der Gedanken wird die Aufmerksamkeit gewendet, sondern — das Denken ist ja eine bestimmte Tätigkeit, eine innere Verrichtung —, die Aufmerksamkeit wird abgelenkt — darin besteht im Wesentlichen die Kultur dieses Denkens, das hier gemeint ist —, die Aufmerksamkeit wird abgelenkt von dem Inhalte des Denkens und wird hingelenkt ganz und gar auf die innere Tätigkeit des Denkens, die verrichtet wird.

[ 10 ] For the spiritual researcher, this way of thinking—which is justified in everyday life and must be applied without exception in conventional science—is merely the starting point of his path of research. The spiritual researcher must devote himself to such inner activities that, within the thought process, he does not focus his attention so much on the content of the thoughts—which, as mentioned, is important for other purposes, but not primarily for the path of spiritual research— so attention is not directed toward the content of thoughts, but—since thinking is, after all, a specific activity, an inner process—attention is diverted; this is essentially what constitutes the cultivation of this kind of thinking referred to here; attention is diverted from the content of thought and is directed entirely toward the inner activity of thinking itself as it is carried out.

[ 11 ] Der Denkende erfasst sich in denkerischem Tun, richtet so stark die Aufmerksamkeit auf dieses denkerische Tun, auf das, was da eigentlich in ihm vorgeht, dass diese Aufmerksamkeit zugleich völlig abgelenkt wird von einem jeglichen Gedankeninhalt — ja, dass es so weit kommt, dass der Gedankeninhalt vollständig aus dem Bewusstsein ausgetrieben wird, und der Mensch zuletzt dazu gelangt, dies selber zu machen in einem inneren Tätigkeitsprozess, der Denken ist, aber der nicht erfüllt ist von bestimmten, auf irgendetwas bezüglichen Gedanken.

[ 11 ] The thinker becomes absorbed in the act of thinking, focusing his attention so intensely on this act of thinking—on what is actually taking place within him—that this attention is at the same time completely diverted from any specific content of thought—indeed, it goes so far that the content of thought is completely driven out of consciousness, and the person ultimately comes to do this themselves in an inner process of activity that is thinking, but which is not filled with specific thoughts relating to anything.

[ 12 ] Dadurch aber erlebt man das Eigentümliche in dem Denkvorgang, etwas zum Bewusstsein zu bringen, was im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft in diesem Denkvorgang nicht zum Bewusstsein kommen darf, weil sonst das Urteil über die äußeren, sinnlich wirklichen Dinge getrübt wird.

[ 12 ] In this way, however, one experiences the peculiar nature of the thought process involved in bringing something to consciousness—something that, in ordinary life and in ordinary science, must not be brought to consciousness through this thought process, because otherwise judgment regarding external, sensually real things would be clouded.

[ 13 ] Unserem Denkvorgang liegt verborgen zugrunde ein Willensprozess. Dies, was Denkwille ist, was im Denkvorgang als ein eigentlich unbewusster Willensvorgang ist, das wird abgelöst von dem, was das Denken sonst im Leben ist, und die Seele hält das Bewusstsein einzig und allein auf dieser inneren Willenswirklichkeit des Denkens. Dadurch wird von dem Denken des gewöhnlichen Lebens durch einen inneren, geistig-seelischen Vorgang, der durchaus ein wirklicher ist, etwas losgelöst in demselben Sinne, nur eben geistig-seelisch, nicht physisch, etwas losgelöst — wie in dem chemischen Prozesse, der Wasserstoff aus dem Wasser heraus loslöst, den Wasserstoff vom Sauerstoff trennt, eben der Wasserstoff vom Wasser losgebunden wird, in genau demselben Sinne — nur eben ins Seelisch-Geistige übertragen. Es wird also eine wissenschaftliche Methode, die im äußeren Leben wohl anerkannt ist, die wird einfach ins Geistig-Seelische übertragen.

[ 13 ] Underlying our thought process, hidden from view, is a process of the will. This—which is the will to think, which in the thought process is actually an unconscious volitional process—is separated from what thinking otherwise is in life, and the soul focuses its consciousness solely on this inner volitional reality of thinking. Through this, something is detached from the thinking of ordinary life by an inner, spiritual-soul process—which is entirely real—in the very same sense, only spiritual-soul rather than physical—just as in the chemical process which separates hydrogen from water, separates hydrogen from oxygen—in which the hydrogen is literally released from the water—in exactly the same sense—only transferred to the spiritual-soul realm. Thus, a scientific method that is well-recognized in external life is simply transferred to the spiritual-soul realm.

[ 14 ] Dasjenige, wozu man da kommt, das kann nur erlebt werden, sehr verehrte Anwesende, selbstverständlich nur erlebt werden. Und was erlebt wird, das besteht darinnen, dass man nun losgelöst hat von dem Denkprozess einen Willensprozess, von dem man jetzt weiß, dass — indem man in ihm lebt — man nicht mehr im physischen Leibe lebt. Das klingt selbstverständlich zunächst phantastisch für denjenigen, der sich mit diesen Dingen nicht vertraut gemacht hat. Es klingt auch phantastisch für viele, die da glauben, mit ihren Denkgewohnheiten auf dem festen Boden der Naturwissenschaft zu stehen, und von vornherein so etwas, wie das, was eben gesagt worden ist, als phantastisch ansehen.

[ 14 ] What one arrives at there, ladies and gentlemen, can only be experienced—naturally, only experienced. And what is experienced consists in having now separated from the thought process a process of the will, of which one now knows that—by living within it—one no longer lives in the physical body. Of course, this sounds fantastical at first to those who have not familiarized themselves with these matters. It also sounds fantastical to many who believe that their habits of thought stand on the solid ground of natural science, and who from the outset regard something like what has just been said as fantastical.

[ 15 ] Dennoch, indem man immer weiter und weiter mit Ausdauer und eiserner Energie die eben beschriebene Entwicklung des Denkens treibt in seiner Seele, desto mehr wird man gewahr, wie man wirklich dadurch zuletzt in einem Element lebt, welches nur den Willen, der im Denkprozesse vorhanden ist, in der Seele erlebt; aber so erlebt, dass das Erlebnis frei vom Leibe ist.

[ 15 ] Nevertheless, the more one persistently and with unwavering energy continues to pursue the development of thought just described within one’s soul, the more one becomes aware of how, through this process, one ultimately lives in a realm in which one experiences in the soul only the will present in the thought process; but experienced in such a way that the experience is free from the body.

[ 16 ] Man erfährt das, dass es frei vom Leibe ist, dieses Erlebnis, auf zweierlei Art, durch zweierlei: Das erste ist, dass man das — und man darf wohl sagen — erschütternde Erlebnis haben kann, dass man wirklich nunmehr, wenn man so weit gekommen ist, wie es eben beschrieben worden ist, die eigene Leiblichkeit, auch die physischen Erlebnisse, die man sonst als zu sich gehörig erfährt, dass man diese so außer sich ungefähr hat, wie man sonst im physischen Wahrnehmen Berge, Tische und Stühle [— eben äußere Tatsachen —] vor sich hat. — Das Herausgetreten-Sein aus dem physischen Leibe erfährt man dadurch, dass man nun diesen physischen Leib nicht mehr innerhalb des subjektiven Erlebens hat, sondern dass man ihn als äußeren Gegenstand, als äußeres Objckt hat. — Das ist das Eine.

[ 16 ] One experiences this—that it is free from the body—in two ways, through two things: The first is that one can have the—and one may well say—shocking experience that, once one has reached the stage just described, one’s own physicality, including the physical experiences that one otherwise perceives as belonging to oneself, are now situated outside oneself, much as one would otherwise perceive mountains, tables, and chairs [— that is, external facts —] in one’s physical perception. — One experiences this stepping out of the physical body in that one no longer has this physical body within one’s subjective experience, but rather has it as an external object. — That is the first aspect.

[ 17 ] Das Zweite aber ist, dass eine ganz bestimmte Umwandlung des Denkens durch die Vorgänge sich vollzieht, die eben beschrieben worden sind. Das gewöhnliche Denken, das der Mensch im Alltag und in der gewöhnlichen Wissenschaft entwickeln muss, das hat die Eigentümlichkeit — und muss die Eigentümlichkeit haben —, dass die Gedanken, die es entwickelt, erinnert werden können. Für das gesunde Seelenleben innerhalb des physischen Leibes ist dies eine Notwendigkeit, dass die Gedanken, die entwickelt werden an den äußeren Dingen oder an den inneren Seelenvorgängen, dass diese Gedanken — wenn wir den groben Ausdruck gebrauchen dürfen —, indem sie leben, haften bleiben und später wiederum aus diesem Seelenleben heraufgeholt werden können. Diese Möglichkeit, die erlebten Gedanken zu erinnern, diese Fähigkeit zum Gedächtnisse, die muss verbunden sein mit dem gesunden Seelenleben des Alltags und der gewöhnlichen Wissenschaft.

[ 17 ] The second point, however, is that a very specific transformation of thought takes place as a result of the processes just described. Ordinary thinking—the kind a person must develop in everyday life and in conventional science—has the characteristic—and must have the characteristic—that the thoughts it produces can be remembered. For a healthy soul life within the physical body, it is essential that the thoughts formed in relation to external objects or inner soul processes—that these thoughts, if we may use a crude expression, remain imprinted as they live and can later be recalled from this soul life. This ability to recall experienced thoughts—this capacity for memory—must be connected to a healthy soul life in everyday life and in ordinary science.

[ 18 ] Ich habe ja auch hier schon öfter erwähnt, wie dieses gesunde Seelenleben gestört wäre, wenn solche Erinnerungsfähigkeit nicht vorhanden wäre zurück bis zu dem Zeitpunkt, dem wir uns überhaupt unseres Ichs in der Kindheit, in der ersten Kindheit bewusst werden können. Ein Seelenleben, das eine Unterbrechung hat in der fortlaufenden Erinnerungsfähigkeit, das nicht anerkennen könnte, dass seine Erlebnisse zu seinem Ich gehören, das wäre ein krankes Seelenleben.

[ 18 ] I have, after all, mentioned here on several occasions how this healthy inner life would be disrupted if we lacked the ability to remember back to the very moment when we first become aware of our “I” in childhood, in early childhood. A psychological life that has a break in its continuous capacity for memory—one that could not recognize that its experiences belong to its “I”—would be a pathological psychological life.

[ 19 ] Es gibt solche Erkrankungen des Seelenlebens. Es gibt Menschen, bei denen der Zustand eintritt, dass sie ganz verständig sind, intelligente Handlungen ausführen können, dass sie aber vergessen, wie sie in ihrem inneren Leben dies oder jenes haben an sich herantreten sehen oder wie dies oder jenes in ihrem inneren Leben geworden ist. Da können solche Menschen — gewissermaßen dadurch, dass ihr Ich in ihnen unterbrochen ist, dieses Ich, das mit der Erinnerungsfähigkeit so innig zusammenhängt —, trotzdem sie intelligente Handlungen ausführen, durchaus als mit einem kranken Seelenleben behaftet erscheinen in der Erinnerungsfähigkeit.

[ 19 ] Such disorders of the inner life do exist. There are people who find themselves in a state where they are fully rational and capable of intelligent actions, yet they forget how they perceive this or that approaching them in their inner life, or how this or that has come about in their inner life. Such people—in a sense because their “I” is disrupted within them, this “I” that is so intimately connected to the capacity for memory—may, even though they perform intelligent actions, appear to be afflicted with a diseased inner life as far as their capacity for memory is concerned.

[ 20 ] So ist, sehr verehrte Anwesende, die Erinnerungsfähigkeit, dasjenige, was mit dem Hegen der Gedanken [im] Denken verbunden ist.

[ 20 ] Thus, distinguished guests, memory is that which is connected with the cultivation of thoughts [in] thinking.

[ 21 ] Ganz anders ist das bei jener inneren Seelenverrichtung, zu der man kommt, wenn man das in der Seele vollzieht, was eben beschrieben worden ist. Da erlangt man die Möglichkeit, wirklich zu weben in einem zunächst unbestimmten Erleben. Man weiß ganz genau: Man ist in einer neuen Wirklichkeit darinnen; in einer Wirklichkeit, die sich wesentlich unterscheidet von der äußeren Sinneswirklichkeit und auch [von] der Wirklichkeit, die mit dem Verstande erfasst werden kann.

[ 21 ] The situation is quite different with regard to that inner spiritual process one arrives at when one carries out within the soul what has just been described. There one gains the ability to truly weave within an experience that is initially indeterminate. One knows quite precisely: one is within a new reality—a reality that differs fundamentally from external sensory reality and also [from] the reality that can be grasped by the intellect.

[ 22 ] Aber das, was man erlebt, was sich zunächst in die Willenswirklichkeit durchwebenden Bildern, sogenannten Imaginationen zeigt — Sie finden das in den genannten Büchern ausgeführt —, das zeigt sich so, dass es so, wie es unmittelbar ist, nicht in die Erinnerungsfähigkeit übergehen kann. Und das ist ein Wesentliches dieses höheren Denkens. Weil schon kein anderer Ausdruck da ist, soll es so genannt werden: Dieses höhere Denken, das aus dem Denken heraus entwickelt wird, das kann nicht so unmittelbar erinnert werden. Das gehört einer Welt an, in der man jetzt lebt und webt, die in stetigem Werden ist, einer Welt, die vorbeihuscht. Man könnte es zunächst vergleichen mit vorüberhuschenden, nicht der Erinnerung sich einprägenden Träumen, wo diese Träume eben andersartig sind als die gewöhnlichen Träume des alltäglichen Lebens.

[ 22 ] But what one experiences—what initially manifests itself in the images interwoven into the reality of the will, so-called “imaginations”—you will find this explained in the books mentioned—manifests itself in such a way that, as it is in its immediacy, it cannot pass into the capacity for memory. And this is an essential aspect of this higher thinking. Since there is no other term for it, let us call it this: this higher thinking, which is developed out of thinking itself, cannot be recalled in such an immediate way. It belongs to a world in which one now lives and weaves, a world that is in constant becoming, a world that flits by. One could initially compare it to fleeting dreams that do not imprint themselves on memory—dreams that are simply of a different nature than the ordinary dreams of everyday life.

[ 23 ] Wenn man so unmittelbar dieses seelische Erleben nimmt, das eben beschrieben worden ist, dann kann man sagen: Man erlebt einmal einen bestimmten Seeleninhalt; er prägt sich so, wie er ist, unmittelbar nicht dem Gedächtnis ein — [etwa in einer Weise, dass man später sagen könnte: Was habe ich dazumal erlebt? Und dass man dann das Erlebnis nicht wieder zu haben bräuchte, sondern sich einfach daran erinnern könnte; das ist eben nicht so!] Will man das, was man geistig so erlebte, wiederhaben, dann muss es in derselben Art auch wieder neu erlebt werden. Und daran erkennt man, dass man wirklich in der geistigen Welt drinnensteht, dass kein Erinnerungsrest von dem bleibt unmittelbar, was man in der geistigen Welt erinnert. Daran erkennt man es gerade!

[ 23 ] If one takes this inner experience—which has just been described—in such an immediate way, then one can say: One experiences a certain inner content; it does not immediately imprint itself on the memory as it is—[in such a way, for example, that one could later say: What did I experience back then? And that one wouldn’t need to have the experience again, but could simply remember it; that’s just not how it is!] If one wants to relive what one experienced spiritually in this way, then it must be experienced anew in exactly the same way. And this is how one recognizes that one is truly immersed in the spiritual world—that no immediate remnant of memory remains of what one recalls in the spiritual world. This is precisely how one recognizes it!

[ 24 ] Und daran erkennt man noch ein anderes: Daran erkennt man, dass alles dasjenige, was, wie das gewöhnliche, alltägliche Denken Erinnerungsreste lässt, dass dies angewiesen ist in seinem Verlaufe auf die Leiblichkeit des Menschen als seinem Werkzeuge. Und gerade der Geistesforscher, der hierinnen vollständig übereinstimmen kann mit gewissen Richtungen der neueren Naturwissenschaft, gerade der Geistesforscher sieht ein, dass dieses gewöhnliche Denken gar nicht ablaufen kann, ohne dass in Tätigkeit versetzt wird der Leibesorganismus, das Nervensystem und dasjenige, was mit dem Nervensystem im übrigen Leibesorganismus zusammenhängt. Und durch die — im groben Sinne wiederum gesprochen — Einprägung des Gedankenlebens in das leibliche Leben bleiben die Erinnerungsreste.

[ 24 ] And this reveals something else: It reveals that everything which, like ordinary, everyday thinking, leaves traces of memory, depends in its course on the physicality of the human being as its instrument. And it is precisely the researcher of the spirit—who can fully agree here with certain schools of modern natural science—who recognizes that this ordinary thinking cannot take place at all without activating the physical organism, the nervous system, and that which is connected to the nervous system in the rest of the physical organism. And through the—speaking in broad terms once again—imprinting of the life of thought upon physical life, the remnants of memory remain.

[ 25 ] So kann man unterscheiden lernen, was wirklich im Geistigen erlebt ist [von dem, was] nur erdacht ist und gebunden ist an die Leiblichkeit. Und gerade dadurch, dass man das geistige Erlebnis der beschriebenen Art so erkennt, dass es im Grunde genommen nur im Erlebnis selber da ist, in seinem Vorgehen selber da ist, dadurch lernt man es erkennen, [lernt man es] unterscheiden von alledem, was an die physische Leiblichkeit gebunden ist. Denn in dem Augenblicke, wo irgendein Rest zurückbleibt im physischen Menschen, ist auch das Leibesleben beteiligt.

[ 25 ] In this way, one can learn to distinguish what is truly experienced in the spiritual realm [from that which] is merely imagined and bound to the physical. And precisely by recognizing the spiritual experience of the kind described—that it essentially exists only in the experience itself, in its very unfolding—one learns to recognize it and [learns to] distinguish it from everything that is bound to physicality. For the moment any remnant remains in the physical human being, the physical life is also involved.

[ 26 ] Man muss schon, sehr verehrte Anwesende, wenn man in die Geisteswissenschaft eindringen will, genauere Unterscheidungen allerdings machen. Sie könnten jetzt nämlich die Frage aufwerfen: Ja, also gibt es für den Geistesforscher keinerlei Möglichkeit, sich an dasjenige zu erinnern, was er einmal auf dem Gebiete des Geistes in der beschriebenen Art erlebt hat?

[ 26 ] Ladies and gentlemen, if one wishes to delve into spiritual science, one must, of course, make more precise distinctions. You might now ask: “So is there really no way for the spiritual researcher to recall what he once experienced in the realm of the spirit in the manner described?”

[ 27 ] Ich habe, um richtig zu sprechen, immer ein Wort gebraucht, das ich wohl zu beachten bitte. Ich habe das Wort gebraucht: «Unmittelbar prägt sich das geistige Erlebnis nicht dem Gedächtnisse ein.» — Nicht «unmittelbar»; aber wenn es dann erlebt ist, wenn dieses geistige Erlebnis gemacht ist, dann kann man es herüberströmen lassen, in das gewöhnliche Vorstellen. Es kann umgesetzt werden in einen gewöhnlichen Gedanken, und an diesen gewöhnlichen Gedanken kann man sich dann erinnern, genau ebenso, wie man an einen äußeren Lebensvorgang sich erinnern kann. Man hat sich von ihm eine Vorstellung gebildet. Die Vorstellung behält man; aber den Lebensvorgang, den trägt man nicht mit im Leben. Will man ihn wiederhaben, dann muss man ihn neu erleben, genauso wie mit einem äußeren Lebensvorgange, der auch nicht selber im Gedächtnis fortlebt, sondern nur in der Vorstellung, die man sich von ihm gebildet hat.

[ 27 ] To be precise, I have always used a certain word, which I would ask you to take note of. I have used the phrase: “The spiritual experience does not immediately imprint itself on the memory.” — Not “immediately”; but once it has been experienced, once this spiritual experience has taken place, then one can allow it to flow over into ordinary imagination. It can be transformed into an ordinary thought, and one can then remember this ordinary thought, just as one can remember an external event in life. One has formed a mental image of it. One retains that mental image; but the actual event itself is not carried along in one’s life. If one wants to retrieve it, one must experience it anew, just as with an external event, which also does not live on in one’s memory itself, but only in the mental image one has formed of it.

[ 28 ] Genauso, wie das bei dem äußeren Lebensvorgang ist, so ist es dann im geistigen Erleben. Nicht das geistige Erleben als solches geht in das Gedächtnis über, sondern nur dasjenige geht ins Gedächtnis über, was entstanden ist, wenn man das geistige Erlebnis zuerst selber wiederum durch Willkür hat hereinströmen lassen in das gewöhnliche Gedankenleben.

[ 28 ] Just as this is the case with external life processes, so it is with spiritual experience. It is not the spiritual experience as such that passes into memory, but only that which arises when one first allows the spiritual experience to flow back into one’s ordinary thought life through an act of will.

[ 29 ] So wie ich es eben beschrieben habe, vollzieht sich die eine Seite der Loslösung des geistig-seelischen Lebens von dem Leibesleben. Aber diese Seite darf nicht die einzige bleiben. Und daher sind auch alle die inneren Seelenverrichtungen, die den Weg angeben sollen, der in die geistige Welt hineinführt, in den genannten Büchern beschrieben. Sie sind so angelegt, dass dieser Entwicklung des Seelenlebens, wie sie eben charakterisiert worden ist, eine andere Entwicklung parallel geht. Und wie die eine Entwicklung das Denken in eine gewisse Richtung bringt durch einen inneren Anstoß, so bringt die andere Richtung das Willensleben des Menschen, das Wollen zu einer gewissen Entfaltung, die nun wiederum als solche nicht da ist im gewöhnlichen Leben und von der auch die gewöhnliche Wissenschaft, auch die gewöhnliche Seelenwissenschaft, nichts wissen kann.

[ 29 ] As I have just described, this is how one aspect of the separation of spiritual and soul life from physical life takes place. But this aspect must not remain the only one. And that is why all the inner soul activities intended to point the way into the spiritual world are described in the books mentioned. They are structured so that this development of soul life, as it has just been characterized, is accompanied by another parallel development. And just as one development directs thinking in a certain direction through an inner impulse, so does the other direct the human will—the act of willing—toward a certain unfolding that, in and of itself, does not exist in ordinary life and of which ordinary science, including ordinary psychology, can know nothing.

[ 30 ] Man kann — wie gesagt, heute sollen nicht die Dinge wiederholt werden, die hier oftmals besprochen worden sind, sondern die Wirkungen [sollen] beschrieben werden —, man kann den Willen des Menschen so kultivieren, dass man auf diesen Willen hinschaut, wie man sonst nur auf äußere Gegenstände hinschaut. Im gewöhnlichen Leben hat man Wille. Man hat Willensimpulse, die aus Meinungen, aus äußeren Anliegen und dergleichen stammen. Aber wenn man will, so fließt dasjenige, was Wollen ist, so eng zusammen mit dem, was sich als Handlung und dergleichen vollzieht, oder es bleibt in der Empfindung des Wunsches enthalten, dass der eigentliche Willensvorgang nicht angeschaut wird. Auch die oftmals mystisch genannte Selbstbeobachtung, die so leicht zu gewissen [Zielen], die sie sich steckt, zu kommen glaubt, auch diese Selbstbeobachtung weiß nichts von einer wirklichen Beobachtung des Willens.

[ 30 ] One can—as I said, today we are not to repeat things that have often been discussed here, but rather to describe the effects—one can cultivate the human will in such a way that one looks upon this will just as one would otherwise look upon external objects. In everyday life, one has a will. One has impulses of the will that arise from opinions, external concerns, and the like. But when one wills, what constitutes “willing” is so closely intertwined with what takes place as action and the like, or it remains contained within the feeling of desire, that the actual process of the will is not observed. Even self-observation—often referred to in mystical terms, which so easily believes it can achieve certain [goals] it sets for itself—even this self-observation knows nothing of a true observation of the will.

[ 31 ] Diese wirkliche Beobachtung des Willens muss wiederum in einer langen, energischen und ausdauernden Seelenarbeit erreicht werden. Da gelangt der Mensch dazu, dem Streben eine gewisse Gestalt zu geben: Zuschauer seines eigenen Willens zu werden. Aber da stellt sich etwas sehr Sonderbares wiederum heraus. Indem man strebt, Zuschauer seines eigenen Willens zu werden, indem man gewissermaßen danach strebt, das eigene Wollen so anzuschauen, wie man sonst äußere mineralische oder pflanzliche oder sonstige Wesenheiten anschaut, da gelangt man dazu, dass man sich nach und nach ganz wie selbstverständlich verliert, dass man aufhört, gewissermaßen Zuschauer zu sein.

[ 31 ] This genuine observation of the will, in turn, must be achieved through a long, energetic, and persistent inner process. Through this, a person comes to give a certain form to this striving: to become an observer of their own will. But then something very strange emerges once again. By striving to become an observer of one’s own will—by striving, as it were, to view one’s own volition in the same way one otherwise views external mineral, plant, or other entities—one gradually comes to lose oneself quite naturally, to the point where one ceases, as it were, to be an observer.

[ 32 ] Also das Sonderbare tritt ein, dass man dasjenige, was man gerade energisch anstreben muss — Zuschauer zu sein seines Willens —, dass das im Erarbeiten dieser Zuschauerschaft wie sich selbst auslöscht! Man löscht sich wirklich aus, indem man versucht, immer mehr und mehr auf seinen Willen hinzuschauen, man löscht sich aus!

[ 32 ] So the strange thing is that the very thing one must vigorously strive for—to be a spectator of one’s own will—is something that, in the process of developing this spectatorhood, effectively erases itself! One truly extinguishes oneself by trying to look more and more at one’s will; one extinguishes oneself!

[ 33 ] Dafür aber wird der Wille, den man anschaut, immer weniger und weniger den Charakter des Willens, den Charakter des Wollens tragen. Dasjenige, was man bisher als Wollen erlebt hat, wird einem erscheinen wie eine Oberflächengestaltung des inneren Seelendaseins. Und aus dieser Oberfläche dringt gewissermaßen aus einem Unterirdischen hervor durch diese Oberfläche, durch etwas, wovon man früher gar nichts gewusst hat, man lernt erkennen, dass unter der Oberfläche des Wollens etwas verborgen ist.

[ 33 ] In contrast, the will that one observes will bear less and less of the character of the will, the character of volition. What one has hitherto experienced as volition will appear to one as a superficial manifestation of inner soul life. And from this surface—as it were, emerging from something subterranean through this surface, through something of which one previously knew nothing—one comes to recognize that something is hidden beneath the surface of volition.

[ 34 ] Was ich jetzt erzähle, ist nicht ein Bild nur, nicht eine Metapher oder ein Scheinbild, sondern es ist eine volle Wirklichkeit, eine Wirklichkeit, die sogar viel wirklicher ist als irgendwelche äußeren, handgreiflichen Ereignisse! Das, was da herausspringt aus dem Willen, was immer im alltäglichen Leben unbewusst bleibt, das ist, ja, es ist ein Bewusstsein selber. Man erfährt, dass man in sich trägt während seines ganzen Lebens einen inneren, unsichtbaren, unbewussten Zuschauer seines ganzen Wollens.

[ 34 ] What I am about to describe is not merely an image, not a metaphor or an illusion, but it is a full reality—a reality that is even far more real than any external, tangible events! That which springs forth from the will—that which always remains unconscious in everyday life—is, indeed, consciousness itself. One comes to realize that throughout one’s entire life, one carries within oneself an inner, invisible, unconscious spectator of one’s entire will.

[ 35 ] Dieser andere Mensch im Menschen ist eben ganz wirklich. Er ist in jeder Menschenseele vorhanden, und er kann nur so angeschaut werden, dass man den Blick auf das Wollen hinrichtet. Und dadurch, dass gewissermaßen das eigene Bewusstsein ausgelöscht wird, [durch die Oberfläche des Wollens ein anderes, ein höheres Bewusstsein hervordringt], das sich an die Stelle des gewöhnlichen Bewusstseins setzt, ist es Willenswirklichkeit, die auf die vorhin angedeutete Weise durch Geistesentwicklung aus dem Denken geholt wird, holbar wird. So ist es ein anderes Bewusstsein als das alltägliche Bewusstsein, das nun entbunden wird der Willenstätigkeit.

[ 35 ] This other human being within the human being is, in fact, very real. It is present in every human soul, and it can only be perceived by directing one’s gaze toward the will. And because one’s own consciousness is, so to speak, extinguished—[as another, higher consciousness emerges through the surface of the will], taking the place of ordinary consciousness—it is the reality of the will that is brought forth from thinking through spiritual development in the manner indicated earlier, and thus becomes accessible. Thus, it is a consciousness different from everyday consciousness that is now set free for the activity of the will.

[ 36 ] Und man lernt nun, statt in dem gewöhnlichen Bewusstsein die Welt bloß anzuschauen, mit diesem Bewusstsein, das man selber aus dem Gewoge und Getriebe seines Willens geboren hat, mit diesem Bewusstsein eine [neue] Welt anzuschauen.

[ 36 ] And one now learns, instead of merely observing the world through ordinary consciousness, to observe a [new] world through this consciousness—which one has oneself brought into being from the surging and striving of one’s will.

[ 37 ] Aber dasjenige, was also aus dem Willen sich entwickelt hat, was man also als eine Willens-Seelenkraft kennenlernt, das muss sich verbinden mit dem, was sich aus dem Denken entwickelt. Dieses Bewusstsein, das aus dem Willen hervorgebrochen ist, muss sich — ich möchte sagen — geistig-chemisch verbinden mit jener Willenswirklichkeit, die aus dem Denken hervorgebrochen ist. Dann ist der innere Geistmensch vorhanden — der sich nun weiß als der Geistmensch völlig frei vom Leiblichen und zu gleicher Zeit weiß in einer geistigen Wirklichkeit drinnen, so wie der Sinnesmensch mit seinen Augen und Ohren sich in der physisch-sinnlichen Wirklichkeit drinnen weiß.

[ 37 ] But that which has thus developed out of the will—that which we come to know as a will-soul force—must unite with that which has developed out of thinking. This consciousness, which has emerged from the will, must—I would say—unite in a spiritual-chemical way with that reality of the will that has emerged from thinking. Then the inner spiritual human being is present—who now knows himself as the spiritual human being, completely free from the physical, and at the same time knows himself to be within a spiritual reality, just as the sensory human being, with his eyes and ears, knows himself to be within the physical-sensory reality.

[ 38 ] Würde man nur dasjenige entwickeln, was sich aus dem Denken herausholen lässt, so würde man in eine immer mehr und mehr bange, man könnte sogar sagen angstvolle Seelenstimmung kommen, zu einem Erfühlen einer inneren Einsamkeit. Dadurch, dass man loslöste vom Denken das, was von ihm losgelöst werden kann, findet man sich eigentlich nur selber, selber webend und wesend in geistigem Werden — in einem geistigen Werdeprozess. Das, was man da einseitig erleben würde, ließe sich vergleichen mit der Fähigkeit, seine Hände überall hin auszustrecken, überall hin Greifbewegungen zu machen, aber nirgend etwas ergreifen zu können. Seine eigene geist-seelische Wirklichkeit würde man erleben, aber nicht eine geist-seelische Wirklichkeit außerhalb [von] einem [selbst]. Diese geist-seelische Wirklichkeit außerhalb von einem erlebt man dadurch, dass aus dem Willenswesen das Bewusstsein, das angedeutet worden ist, herausgehoben wird. Und in und durch dieses Bewusstsein, in diesem und durch dieses Bewusstsein erlebt man jetzt eine geistige Außenwelt, wie man durch die Sinne eine physische Außenwelt erlebt.

[ 38 ] If one were to develop only what can be derived from thought, one would fall into an increasingly anxious—one might even say fearful—state of mind, a sense of inner loneliness. By separating from thought whatever can be separated from it, one actually finds only oneself—one’s own weaving and being within spiritual becoming—within a process of spiritual becoming. What one would experience there in a one-sided way could be compared to the ability to stretch one’s hands out in every direction, to make grasping movements in every direction, yet to be unable to grasp anything at all. One would experience one’s own spiritual-soul reality, but not a spiritual-soul reality outside [of] oneself. One experiences this spiritual-soul reality outside of oneself by raising the consciousness—which has been alluded to—out of the being of the will. And in and through this consciousness—in this and through this consciousness—one now experiences a spiritual external world, just as one experiences a physical external world through the senses.

[ 39 ] Sie sehen daraus, sehr verehrte Anwesende, dass es darauf ankommt bei allem Streben nach Geistesforschung, innerhalb der Seele etwas zu entwickeln, was vollständig diese Seele unabhängig von aller Körperlichkeit macht. Und diejenigen Vorgänge, die die Seele wirklich entwickelt, die sind einzig und allein seelisch-geistige Vorgänge. All das, was geschieht zur Fortentwicklung der Seele, all das sind intime, innere Seelenvorgänge, bei denen der Körper nichts mittun kann; denn sie bestehen gerade ihrem Wesen nach darinnen, dass das Geistig-Seelische herausgezogen wird aus dem Körperlichen. Daraus aber folgt, dass das Körperliche als solches keinen Anteil haben kann an der Entwicklung der wirklichen geistesforscherischen Methoden, weil deren Wesenheit gerade darinnen besteht, dass man sich unabhängig macht von allem Körperlichen.

[ 39 ] You can see from this, dear audience, that in all our efforts toward spiritual research, what matters is to develop something within the soul that makes that soul completely independent of all physicality. And the processes that truly develop the soul are solely and exclusively soul-spiritual processes. Everything that occurs for the further development of the soul consists of intimate, inner soul processes in which the body plays no part; for their very nature consists precisely in the spiritual-soul aspect being drawn out of the physical. It follows, however, that the physical, as such, cannot play a part in the development of genuine spiritual research methods, because their very essence consists precisely in becoming independent of all that is physical.

[ 40 ] In dem Augenblicke, wo man glaubt, dass man durch irgendwelche Vorgänge in der Körperlichkeit, die so weit abgestreift werden müssen, dass sogar unmittelbar das Gedächtnis ausgeschlossen ist — wer da glaubt, dass man durch irgendwelche körperlichen Vorgänge sich in die Geistwelt hineinleben kann, der ist eben in einem vollständigen Irrtum.

[ 40 ] At the very moment one believes that, through certain physical processes—which must be shed to such an extent that even memory itself is immediately excluded—one can enter the spiritual world through such physical processes, one is, in fact, completely mistaken.

[ 41 ] Und nun frage man sich, sehr verehrte Anwesende: Wie soll es möglich sein, dass irgendwie ein ungesundes menschliches Erleben herbeigeführt werde durch Verfahrensarten, die den Menschen dahin bringen, etwas zu erleben, was völlig frei ist von seiner Leiblichkeit? Wie soll die Leiblichkeit ruiniert werden können, beeinträchtigt werden können von irgendetwas, was gerade dadurch das ist, was es ist, dass es sich unabhängig macht von aller Leiblichkeit? Es wird allerdings noch eine Weile dauern, bis in weiteren Kreisen derjenigen Leute, die ein wissenschaftliches Urteil haben, eingesehen wird, dass wahrhaftige geisteswissenschaftliche Methoden — und es sind dies ja nur diejenigen, die wirklich in die Geisteswelt hineinführen — so den Menschen von allem Körperlichen unabhängig machen, dass es ein Unding ist, von einem kranken Seelenleben in irgendeinem Zusammenhange mit den geistesforscherischen Verfahrensarten zu sprechen! Denn gerade Geistesforschung — aus solchen Voraussetzungen heraus, wie sie jetzt mit einigen Strichen eben charakterisiert worden sind — muss damit Bezug auf alles dasjenige, was die neuere Naturwissenschaft zu sagen hat über Abhängigkeit des Seelenlebens von dem körperlichen Erleben, gerade mit wahrer Naturwissenschaft voll einverstanden sein.

[ 41 ] And now, dear audience, let us ask ourselves: How is it possible that an unhealthy human experience could be brought about by methods that lead a person to experience something that is completely free from their physicality? How can physicality be ruined or impaired by anything that is, by its very nature, independent of all physicality? It will, however, take some time before a wider circle of people with a scientific mindset comes to realize that genuine spiritual-scientific methods —and these are, after all, the only ones that truly lead into the spiritual world—render the human being so independent of all that is physical that it is absurd to speak of a diseased soul life in any connection with spiritual research methods! For spiritual research in particular—based on the premises just outlined in broad strokes—must, precisely because of its relationship to everything that modern natural science has to say about the dependence of the soul life on physical experience, be in full agreement with true natural science.

[ 42 ] Schon das gewöhnliche Gedächtnis, das also durchaus eine Seelenkraft ist, die innerhalb des gesunden Seelenlebens steht, schon das gewöhnliche Gedächtnis weiß: Geistesforschung ist an das Werkzeug des Leibes geknüpft, weil das Denken so wirken muss, dass gleichsam das Denkgewebe hineinwellt — seine Wellen hinein fortschickt in das Leibliche und daher dem Leiblichen seinen Anteil gibt, indem es erinnerungsfähige Gedanken entwickelt.

[ 42 ] Even ordinary memory—which is, after all, a power of the soul that is part of a healthy spiritual life—even ordinary memory knows: Spiritual research is linked to the instrument of the body, because thinking must function in such a way that, as it were, the fabric of thought ripples into it—sending its waves into the physical realm and thereby giving the physical realm its share by developing thoughts capable of being remembered.

[ 43 ] Zu einer tiefen Einsicht kommt gerade die Geistesforschung mit Bezug auf den Anteil des Leibeslebens an dem Seelenleben. Und es ist nur ein Irr- und Wahnglaube, wenn von irgendeiner naturwissenschaftlichen Richtung aus gemeint wird, dass wahre Geistesforschung in Abrede stellen wolle die Abhängigkeit des gewöhnlichen Gedankens- oder auch Willenslebens von der Leiblichkeit. Gerade durch diese geistige Forschung wird es klar, dass dasjenige, was unabhängiges, seelisch-geistiges Leben sein soll, erst heraus entbunden werden muss aus dem gewöhnlichen Seelenleben.

[ 43 ] Spiritual science, in particular, arrives at a profound insight regarding the role of physical life in the life of the soul. And it is nothing but a mistaken and delusional belief when any branch of the natural sciences claims that true spiritual research seeks to deny the dependence of ordinary thought or even volitional life on the physical body. It is precisely through this spiritual research that it becomes clear that what is supposed to be an independent, soul-spiritual life must first be liberated from ordinary soul life.

[ 44 ] Das gewöhnliche Seelenleben aber ist so — und gerade vom Gesichtspunkt des frei gewordenen Seelenlebens erfährt man das —, das gewöhnliche Seelenleben ist so, dass es überall untertaucht mit seiner Verrichtung in das gewöhnliche Leibesleben und damit von diesem Leibesleben bis zu einem gewissen Grade abhängig ist.

[ 44 ] Ordinary spiritual life, however, is such—and this is experienced precisely from the perspective of spiritual life that has become free—that ordinary spiritual life is such that it is immersed everywhere, along with its activities, in ordinary physical life and is thus, to a certain degree, dependent on that physical life.

[ 45 ] Und weiter zeigt sich in dem erlebten Forschen des Geisteswissenschafters, wie andere Seelenäußerungen, andere Seelenerlebnisse, welche mit Recht unter die krankhaften Seelenerlebnisse gerechnet werden, wie die durchaus an das Leibesleben gebunden sind. Wenn der Naturforscher kommt und sagt: Wir kennen Visionen, wir kennen Halluzinationen, wir kennen Illusionen — wir müssen, wenn wir auch nicht alle Einzelheiten erforscht haben, durchaus auf dem Standpunkt stehen, dass ein illusionäres, ein halluzinatorisches Seelenleben darinnen begründet ist, dass das Werkzeug, des Leibes, das in Anspruch genommen werden muss durch das Seelenleben, nicht in der richtigen Weise funktioniert. Wenn der Naturforscher dies sagt, so wird er finden, wenn er nur will: Da ist gerade der wahre Geistesforscher mit ihm völlig einverstanden. Denn das Zusammenwerfen von Visionen, Halluzinationen, Illusionen mit demjenigen, was eben beschrieben worden ist als sich im wahren Geistesforscherischen entwickelnd, dieses Zusammenwerfen bedeutet ein Zusammenwerfen von Dingen, die so verschieden sind wie Tag und Nacht.

[ 45 ] Furthermore, the spiritual scientist’s experiential research reveals how other expressions of the soul—other soul experiences that are rightly classified as pathological—are thoroughly bound to physical life. When the natural scientist comes and says: We know of visions, we know of hallucinations, we know of illusions—even if we have not investigated every detail, we must certainly take the position that an illusory or hallucinatory soul life is rooted in the fact that the instrument—the body—which must be utilized by the soul life, is not functioning properly. If the natural scientist says this, he will find—if he is willing—that the true spiritual researcher is in complete agreement with him. For conflating visions, hallucinations, and illusions with what has just been described as developing within true spiritual research—this conflating amounts to conflating things that are as different as day and night.

[ 46 ] Die Entwicklung der Seelenkräfte, die die Geistesforschung braucht, liegt in der genau entgegengesetzten Linie von denjenigen Vorgängen in der Seele, die zu Halluzinationen, Visionen oder Illusionen führen, und derjenige, der darinnen steht in der Entwicklung der geistesforscherischen Fähigkeiten, der weiß, dass er nicht demjenigen in der Seele sich hingeben kann, was etwa zu Visionen, Illusionen oder Halluzinationen führt, sondern dass er sich gerade vielmehr denjenigen Kräften in der Seele hingebe, die allein fruchtbar für ihn sind, die allein ihn führen zu etwas, welches geeignet ist, Halluzinationen, Illusionen, Visionen zu vertreiben, zu bekämpfen, wegzuschaffen. In einer Steigerung dessen, in etwas, was gesund macht von Visionen, gesund macht von Halluzinationen oder Illusionen liegt die Entwicklung des geistesforscherischen Seelenlebens. Denn Halluzinationen, Visionen, Illusionen machen den Menschen in einem viel höheren Grade abhängig im Sinne des Geistesforscherischen von seinem Leibesleben, als ihm das gewöhnliche Seelenleben, das er im Alltag entwickelt, dieses gesunde gewöhnliche Seelenleben, vom Leibe abhängig erscheinen lässt.

[ 46 ] The development of the soul’s powers required for spiritual research lies in a direction exactly opposite to those processes in the soul that lead to hallucinations, visions, or illusions; and anyone who is engaged in the development of spiritual research abilities knows that they cannot give themselves over to those aspects of the soul that might lead to visions, illusions, or hallucinations, but rather that they must devote themselves precisely to those forces within the soul that alone are fruitful for them—the ones that alone lead them to something capable of dispelling, combating, and eliminating hallucinations, illusions, and visions. The development of the spiritual-researching life of the soul lies in an intensification of this process—in something that heals one from visions, hallucinations, and illusions. For hallucinations, visions, and illusions make a person, in the spiritual-scientific sense, far more dependent on his physical life than the ordinary life of the soul—the healthy, ordinary life of the soul that he develops in everyday life—would seem to make him dependent on the body.

[ 47 ] Da wird allerdings eine Welt berührt, indem man nun ja gerade als Geistesforscher vielleicht nicht so sehr von der Naturwissenschaft, aber von einer Weltanschauungsrichtung, die auch Geistesforschung sein will, missverstanden wird. Und da berührt man ja dasjenige Gebiet, wo manche Menschen [fordern, dass] wahre Geistesforschung — die ja schwierig ist — [nicht schwierig sein soll;] schwierig sollen diese Dinge nicht sein. Eine Uhr zu verstehen, ist schwierig; man lässt sich aber darauf ein, wenn man sie begreifen will; aber dasjenige, was die tiefen Weltgeheimnisse und die Geheimnisse der Seele sind, das soll nicht schwierig sein zu verstehen!

[ 47 ] This, however, touches upon a realm in which, precisely as a researcher of the spiritual sciences, one may be misunderstood—perhaps not so much by the natural sciences, but by a school of thought that also claims to be spiritual research. And there one touches upon the very realm where some people [insist that] true spiritual research—which is, after all, difficult—[should not be difficult;] these things should not be difficult. Understanding a clock is difficult; yet one engages with it if one wants to grasp it; but the profound mysteries of the world and the mysteries of the soul—those are not supposed to be difficult to understand!

[ 48 ] Diejenigen aber, die die Schwierigkeit der Geistesforschung scheuen, die finden einen bequemen Weg, um in die geistige Welt hineinzublicken, gerade in dem Hervortreten eines visionären, eines halluzinatorischen Lebens — wenn auch diese halluzinatorische Welt in allerlei Verbrämungen auftritt. Und das Übel ist dann, dass Geistesforschung von denjenigen, die sich auf die Unterschiede nicht gern einlassen, nur allzu leicht zusammengeworfen wird mit all dem dilettantischen Treiben, das Visionen, Halluzinationen statt wahrer geistiger Anschauung einheimsen will.

[ 48 ] But those who shy away from the difficulties of spiritual research find a convenient way to glimpse into the spiritual world precisely in the emergence of a visionary, hallucinatory life—even if this hallucinatory world appears in all sorts of disguises. And the problem is that spiritual research is all too easily lumped together by those who are reluctant to engage with the distinctions between it and all the amateurish goings-on that seek to capitalize on visions and hallucinations rather than true spiritual insight.

[ 49 ] Der Geistesforscher steht in Bezug auf diese Dinge auf dem folgenden Standpunkt, er steht auf diesem Standpunkt so, dass dasjenige, was er von ihm aus zu vertreten hat, in der Geistesforschung Praxis wird. Er steht auf diesem Standpunkt: Das gewöhnliche Geistesleben, das uns bekannt macht in gesunder Weise mit der physischen Umwelt, und mit manchem, was an der physischen Umwelt durch den Verstand begriffen werden kann, der an das Gehirn gebunden ist, dieses Geistesleben ist in seinem Denken, Fühlen und Wollen an den ganzen menschlichen Leib gebunden. Der normal organisierte ganze menschliche Leib ist das Werkzeug für dieses äußerlich gesunde Geistesleben. Wenn wahres Hellschen eintreten soll, sodass man wirklich in eine Geisteswelt hineinschaut, dann muss der Mensch sich erheben über dieses normale, an den Leib, an den gesunden Leib gebundene, gewöhnliche Anschauen der Dinge. Er muss sein Schauen umfassender machen. Und vor allen Dingen: Er muss es tauglicher, mehr dem Willen unterworfen machen. Er muss es so machen, dass — während ein großer Teil desjenigen, was im gewöhnlichen Geistesleben verfließt, eben weil der Leib als Werkzeug dient, unbewusst bleibt — im geistigen Anschauen der Mensch nicht so passiv sein kann, wie er beim gewöhnlichen Anschauen ist, sondern tätig sein muss in allem, was er sich zur Anschauung bringt; er muss Wille, innere Regsamkeit entwickeln. Kurz, der Mensch muss bei wahrem Hellsehen weiter werden in seinem Erleben, als dasjenige ist, dasjenige Erleben ist, das an den Leib gebunden ist.

[ 49 ] The spiritual researcher takes the following standpoint regarding these matters; he takes this standpoint in such a way that what he is called upon to advocate from this perspective becomes practice in spiritual research. He takes this standpoint: Ordinary mental life, which familiarizes us in a healthy way with the physical environment and with much of what can be grasped in the physical environment through the intellect—which is bound to the brain—this mental life is, in its thinking, feeling, and willing, bound to the entire human body. The normally organized entire human body is the instrument for this outwardly healthy mental life. If true clairvoyance is to occur, so that one can truly gaze into a spiritual world, then the human being must rise above this normal, ordinary perception of things—one that is bound to the body, to the healthy body. One must make one’s perception more comprehensive. And above all: one must make it more capable, more subject to the will. They must do so in such a way that—while a large part of what passes in ordinary spiritual life remains unconscious precisely because the body serves as an instrument—in spiritual perception, a person cannot be as passive as they are in ordinary perception, but must be active in everything they bring to perception; they must develop will and inner alertness. In short, in true clairvoyance, a person must go beyond the experience that is bound to the body.

[ 50 ] Dasjenige aber, was im halluzinatorischen, im visionären, im illusionären Seelenleben angeschaut wird, das ist mehr an den Leib gebunden. Weil zumeist nicht an den vollständigen Leib, sondern an einen Teil des Leibes — sodass ein anderer Teil des Leibes sogar heruntergelähmt ist —, ist das mehr an den Leib gebunden, als das gewöhnliche Geistesleben, das in dem Alltag entfaltet wird.

[ 50 ] But what is perceived in the hallucinatory, visionary, or illusory life of the soul is more closely bound to the body. Because it is usually not bound to the whole body but to a part of the body—so that another part of the body is even paralyzed—it is more closely bound to the body than the ordinary mental life that unfolds in everyday life.

[ 51 ] Sodass man auf dem Wege der Visionen, der Halluzinationen, der Illusionen nicht in eine geistige Welt hineinschaut, die einem mehr Aufschlüsse geben kann als die äußere Sinneswelt, sondern im Gegenteil: Man kommt nicht zu einem Übersinnlichen, sondern man kommt zu einem Untersinnlichen. Man bedient sich eines geringeren Teiles seines Leibes als Werkzeug als im gewöhnlichen Leben, in dem man sich seines ganzen Leibes als Werkzeug bedient.

[ 51 ] Thus, through visions, hallucinations, and illusions, one does not glimpse a spiritual world that can offer more insight than the external sensory world; on the contrary: one does not arrive at the supersensible, but rather at the subsensible. One uses a smaller part of one’s body as a tool than in ordinary life, in which one uses one’s entire body as a tool.

[ 52 ] Dadurch aber auch ist es, dass Halluzinationen, Visionen, Illusionen weniger der Willkür, weniger der Willenshandlung unterworfen sind als die Anschauungen des gewöhnlichen Lebens; während das wahre Hellsehen ein tätigeres ist, das heißt, mehr dem Willen unterworfen ist als diese Anschauung des gewöhnlichen Lebens. Und viel mehr als das gewöhnliche Gedächtnis sind die Bilder an den Leib gebunden, die in Halluzination, in Vision und Illusion auftauchen, vielmehr als die Bilder des gewöhnlichen Gedächtnisses. Und wenn der Mensch gescheit wäre, würde er das Auftreten der Bilder des gewöhnlichen Gedächtnisses höher schätzen als alle Phantasterei, die in Visionen und Halluzinationen und Illusionen lebt, insofern diese in der geschilderten Weise an den Leib gebunden sind. Er würde einsehen, der Mensch, dass es nur sein Sensationsbedürfnis ist, das dahin geht, nicht das zu schätzen, was er im Alltag sieht, sondern das mehr zu schätzen, was selten ist, was man durch irgendeinen seltenen Vorgang hervorbringt — das mehr zu schätzen für die Erforschung der Geheimnisse des Lebens als das alltägliche Anschauen. Und in dieser unseligen, psychischen Sensationslust liegt eine Unsumme von Verirrungen, die in dilettantischer geistiger Weltanschauung bestehen.

[ 52 ] But it is also for this reason that hallucinations, visions, and illusions are less subject to arbitrariness and less subject to the act of the will than the perceptions of ordinary life; whereas true clairvoyance is a more active form of perception—that is, it is more subject to the will than these perceptions of ordinary life. And far more than ordinary memory, the images that appear in hallucinations, visions, and illusions are bound to the body—much more so than the images of ordinary memory. And if a person were wise, he would value the occurrence of the images of ordinary memory more highly than all the flights of fancy that exist in visions, hallucinations, and illusions, insofar as these are bound to the body in the manner described. He would realize, this person, that it is merely his craving for sensation that leads him not to value what he sees in everyday life, but rather to value more highly what is rare, what is brought about by some rare process—to value this more highly for the exploration of life’s mysteries than everyday observation. And in this unfortunate, psychological thirst for sensation lies a vast number of aberrations that manifest themselves in an amateurish intellectual worldview.

[ 53 ] Da freut man sich, gerade darauf hinweisen zu können, man habe dieses oder jenes Medium. Der Geistesforscher, der sagt ja alles aus seinem Bewusstsein heraus; dem braucht man nicht zu glauben. Der sagt ja geradeso wie im Alltag alles aus seinem Bewusstsein heraus. Da ist man nicht sicher. Da braucht man nicht zu glauben. Aber wenn man ein Medium hat, da kann man sicher sein, denn da spielt der Wille keine Rolle, da geschieht alles in Naturvorgängen. Da ist echte, willensbefreite Wissenschaft vorhanden!

[ 53 ] People are happy to be able to point out that they possess this or that medium. The spiritual researcher, after all, speaks entirely from his own consciousness; there’s no need to believe him. He speaks just as he does in everyday life—entirely from his own consciousness. There, one cannot be certain. There, there’s no need to believe. But when one has a medium, one can be certain, because the will plays no role there; everything happens through natural processes. There, genuine, will-free science exists!

[ 54 ] Der wahre Geistesforscher weiß, dass das Gesichtsfeld in die Welt beim Medium — wenn auch nichts eingewendet werden soll gegen manche Forschungsmethoden mit Medien-Befragen, ich habe auch darüber schon hier gesprochen —, aber der wahre Geistesforscher sieht, dass das Blickfeld in die Welt hinaus beim medialen Schauen ein engeres ist, nicht ein weiteres, sondern ein engeres ist als beim gewöhnlichen Schauen im Alltag. Beim gewöhnlichen Schauen, bei der gewöhnlichen Wissenschaft, die einfach mit gesunden Sinnen und mit gesundem Verstande zustande kommen, erfährt man viel mehr von den Geheimnissen des Daseins als durch jede Art von Medialität, durch die man nur etwas Sonderbares erfahren kann — etwas Sonderbares, weil unter abnormen Verhältnissen eben ein geringeres Blickfeld überschaut wird. (Zwischenrufe: «Das ist falsch!»; «Oho!»).

[ 54 ] The true spiritual researcher knows that a medium’s field of vision into the world—even if there is nothing to be said against certain research methods involving interviews with mediums, as I have already discussed here—but the true spiritual researcher sees that the field of vision into the world during mediumistic vision is narrower, not broader, but narrower than during ordinary everyday vision. Through ordinary perception, through ordinary science—which simply arises from sound senses and sound reason—one learns far more about the mysteries of existence than through any form of mediumship, through which one can experience only something strange—something strange because, under abnormal conditions, one surveys a narrower field of vision. (Interjections: “That’s wrong!”; “Oh, really!”).

[ 55 ] Aber das ist es gerade, um was es sich handelt, dass für wahres Hellsehen dieses Blickfeld erweitert werden muss, dass dieses Blickfeld gerade dadurch erweitert werden muss, dass, was man erfährt sonst an Weltgeheimnissen im gewöhnlichen Leben, eine Hinzufügung erfährt, um dasjenige, was nun erlebt wird, völlig unabhängig von aller körperlichen Tätigkeit!

[ 55 ] But that is precisely the point: that for true clairvoyance, this field of vision must be expanded—and it must be expanded precisely by adding to what one otherwise experiences of the world’s mysteries in ordinary life that which is now experienced, completely independent of all physical activity!

[ 56 ] Davon also, sehr verehrte Anwesend, hängt alles ab, dass allmählich sich eine Anzahl Menschen finde, welche erkennen, gerade aus den echten, wahren Bedingungen der Naturwissenschaft heraus, wie sich alle Entwicklung in Hellsichtigkeit nach der Gegenseite hin entwickelt, der Gegenseite, von der, wohin sich die Menschenseele entwickelt, wenn sie durch eine Herabstimmung des gesunden Lebens in Halluzinatorisches, in Mediumistisches und dergleichen verfällt.

[ 56 ] Everything, therefore, dear friends, depends on this: that gradually a number of people will come forward who recognize, precisely from the genuine, true principles of natural science, how all development in clairvoyance proceeds toward the opposite pole—the opposite pole from which the human soul develops when, through a decline in healthy living, it falls into hallucinatory, mediumistic, and similar states.

[ 57 ] Ich deutete schon an, sehr verehrte Anwesende, es wird noch eine ganze Weile dauern, bis aus echter Wissenschaftlichkeit heraus die Anerkennung eines solchen geistigen Weges errungen werden kann. Denn die Leute, die dasjenige, was also als das Wesentliche der Geistesforschung angeführt wird, heute noch falsch nennen, diese Leute wird es noch lange geben! Diese Leute werden gehören in diejenige Kategorie, die sich zunächst aufgelehnt haben, als die kopernikanische Weltanschauung in die Menschheitsgeschichte eingeführt wurde; diese Leute gehören unter diejenigen, auf die nicht gezählt wird, wenn es sich um den Fortentwicklungsgang der Menschheit handelt, weil sie ganz selbstverständlich unterliegen dem Gesetze, dass alles dasjenige, was eben in die Weltentwicklung eintritt, zunächst vielleicht als falsch erscheint, mindestens als etwas Träumerisches, Verrücktes, Phantastisches erscheinen kann. [...]

[ 57 ] As I have already hinted, distinguished audience, it will still take quite some time before such a spiritual path can be recognized on the basis of genuine scientific rigor. For the people who still today call what is presented as the essence of spiritual research “wrong”—these people will be around for a long time to come! These people will belong to the same category as those who initially rebelled when the Copernican worldview was introduced into human history; these people belong among those who are not taken into account when it comes to the course of humanity’s further development, because they are, quite naturally, subject to the law that everything which enters into the development of the world may at first appear to be false, or at least seem like something dreamlike, crazy, or fantastical. [...]

[ 58 ] Damit aber, sehr verehrte Anwesende, ist schon hingedeutet darauf, wie im Grunde genommen — ich möchte sagen — der Ausgleich zwischen Geisteswissenschaft und Naturwissenschaft langsam kommt. Die Naturwissenschaft wird nach und nach einsehen, dass der wahre Geistesforscher ja durchaus auf ihrem Boden steht.

[ 58 ] But this, esteemed audience, already points to how—I would say—a balance between the spiritual sciences and the natural sciences is gradually emerging. The natural sciences will gradually come to realize that the true spiritual researcher is, in fact, firmly grounded in their own field.

[ 59 ] Aber heute ist noch eine Gefahr vorhanden, der man unmittelbar ins Auge sehen muss, und die von anderer Seite her kommt. Diese Gefahr ist nicht bei denen zu suchen, die vielleicht aus recht gut begründeten Denkgewohnheiten heraus, weil sie Wissenschafter sind, echte, wahre, ehrliche Wissenschafter sind, Gegner der Geisteswissenschaft sind; sondern die Gefahr liegt bei denjenigen, die oftmals glauben, recht treue Anhänger der Geisteswissenschaft zu sein; denn Geisteswissenschaft hat vieles von ihren Rockschößen — wenn ich den groben Ausdruck gebrauchen darf — abzuschütteln, was sich an sie heranmacht. Und vor allen Dingen hat sie eine genaue Scheidelinie zu ziehen zwischen den Wegen, die sie einschlägt und die charakterisiert worden sind, und denjenigen, die ins Halluzinatorische, Visionäre und so weiter, ins Mediale führen, und die das Blickfeld nicht erweitern gegenüber dem Alltag, sondern es verengen.

[ 59 ] But today there is still a danger that must be faced head-on, and one that comes from another direction. This danger is not to be found among those who, perhaps out of well-founded habits of thought—because they are scientists, genuine, true, honest scientists—are opponents of spiritual science; rather, the danger lies with those who often believe themselves to be quite faithful followers of spiritual science; for spiritual science has much to shake off from its skirts—if I may use that crude expression—that clings to it. And above all, it must draw a clear line of demarcation between the paths it takes—which have been clearly defined—and those that lead into the realm of the hallucinatory, the visionary, and so on, into mediumship, and which do not broaden one’s perspective on everyday life but rather narrow it.

[ 60 ] Derjenige, der sich eingelebt hat in irgendein naturwissenschaftliches Gebiet, sagen wir — weil dies ja uns für unser heutiges Thema ganz besonders interessieren muss —, sagen wir in die naturwissenschaftlich begründete Psychiatrie von heute, der sich in ein solches Gebiet heute eingelebt hat, der Erfahrungen hat durch treue, und treu gemeinte naturwissenschaftliche Forschung, was der Ernst der Verfahrensarten in der Naturwissenschaft bedeutet, der die Anstrengungen kennt im echten Wahrheitssinn, der gerade auf dem Gebiet der Naturwissenschaft heute da, wo sie wahr und ehrlich auftritt, herrscht, der muss in einer gewissen Weise wohl beachtet werden, wenn er heute, einfach aus seinen Denkgewohnheiten heraus noch nicht kann an die Geisteswissenschaft herantreten. Und wenn ihm das passiert, was leicht passieren kann, dass er nicht unmittelbar die Geisteswissenschaft da, wo sie durch ihre ernsten Methoden — durch Methoden, die ebenso ernst sind wie die naturwissenschaftlichen Methoden — vertreten wird, wenn er diese Geisteswissenschaft nicht in diesen Quellen kennenlernt, sondern sie kennenlernt durch allerlei Anhängerschaft und wenn er dann zusammenwirft diese Anhängerschaft mit demjenigen, was wahre Geistesforschung ist, da liegt aber eine Gefahr vor.

[ 60 ] Anyone who has become familiar with any field of the natural sciences—let’s say, since this is of particular interest to us in light of today’s topic, modern psychiatry grounded in the natural sciences—anyone who has become familiar with such a field today and who has gained experience through diligent, and sincerely intended scientific research—understands what the seriousness of scientific methods entails, who is familiar with the efforts required in the true sense of the pursuit of truth—efforts that prevail today precisely in the field of natural science where it is practiced truthfully and honestly—such a person must, in a certain sense, be given due consideration if, simply out of his or her habitual patterns of thought, he or she is not yet able to approach the spiritual sciences. And if what can easily happen occurs—that he does not immediately encounter spiritual science where it is represented by its serious methods—methods that are just as serious as those of the natural sciences—if he does not come to know this spiritual science from these sources, but rather through all sorts of followers, and if he then conflates these followers with what true spiritual research is, then a danger arises.

[ 61 ] Ich will von Äußerlichkeiten gar nicht sprechen, sehr verehrte Anwesende, will nicht davon sprechen, dass es heute noch immer Menschen gibt, die ein Wesentliches darinnen sehen, wie man sich ernährt, um auf den Weg einer gewissen Geistesforschung zu kommen! Ob man Vegetarier ist oder nicht, das ist Geschmackssache; das hängt von anderen Dingen ab. Es kann gewisse Vorteile und Vorzüge haben; aber mit demjenigen, was die intime Entwicklung des Seelenlebens ist, die die Kräfte erzeugt, von denen gesprochen worden ist, die in die geistige Welt hineinführt, hat dasjenige, was man isst oder nicht isst, unmittelbar — ich sage «unmittelbar» — nichts zu tun. Es kann das nebenher gehende Leibesleben bequemer machen; aber es hat unmittelbar nichts damit zu tun. Man kann sich in die geistige Welt nicht hinaufessen dadurch, dass man gewisse Dinge nicht isst zum Beispiel. Und derjenige, der glaubt, dass man durch solche äußeren materialistischen Vorgänge sich in die geistige Welt hinaufessen oder nicht essen — sagen wir: hungern kann, der ist ebenso auf dem Holzwege, wie derjenige, der aus seinem Materialismus heraus dasjenige annimmt, was de La Mettrie, den ich vorgestern angeführt habe als den Vater des neuzeitlichen Materialismus —, was de La Mettrie über den Einfluss der Speisen eines Mahles, der aufgenommenen Stoffe, auf das eigentliche Leben des Menschen sah. Diese Dinge sind ja einleuchtend.

[ 61 ] I do not wish to speak at all of externalities, ladies and gentlemen; I do not wish to speak of the fact that even today there are still people who see something essential in the way one eats in order to embark on the path of a certain kind of spiritual research! Whether one is a vegetarian or not is a matter of taste; it depends on other factors. It may have certain advantages and benefits; but what one eats or does not eat has nothing to do—I say “nothing to do”—with the inner development of the soul life that generates the forces we have spoken of, which lead into the spiritual world. It may make one’s physical life more comfortable; but it has nothing to do with it directly. One cannot “eat one’s way” into the spiritual world by, for example, not eating certain things. And anyone who believes that through such external, materialistic practices—whether by eating or not eating—one can “eat one’s way” into the spiritual world—let’s say: fasting—is just as far off the mark as those who, out of their materialism, accept what de La Mettrie—whom I cited the day before yesterday as the father of modern materialism—believed regarding the influence of the food in a meal, the substances ingested, on the actual life of a human being. These things are, after all, self-evident.

[ 62 ] Einleuchtend ist es zum Beispiel, viel einleuchtender selbst als alles dasjenige, was der Geistesforscher in weiterer Entwicklung vorbringen muss, viel einleuchtender ist cs, wenn de La Mettrie sagt: Welche Macht übt die Freude auf uns. Die Freude erwacht in einem traurigen Herzen; sie geht in die Seelen der Tischgenossen über und wird in jenen reizenden Gesängen ausgedrückt, in denen der Franzose sich auszeichnet. Und dann macht de La Mettrie noch darauf aufmerksam — auf die gewiss wahre Tatsache aufmerksam —, dass Erasmus von Rotterdam und Fontenelle zum Beispiel nicht die Genies geworden wären, die sie geworden sind, wenn nur ein kleines Rädchen in ihrem Gehirn anders sich entwickelt hätte, als es sich entwickelt hat.

[ 62 ] It is obvious, for example—much more obvious even than anything the researcher of the mind will have to present in future developments—that it is much more obvious when de La Mettrie says: What power joy exerts over us. Joy awakens in a sad heart; it spreads to the souls of one’s table companions and finds expression in those charming songs in which the French excel. And then de La Mettrie draws attention—to the certainly true fact—that Erasmus of Rotterdam and Fontenelle, for example, would not have become the geniuses they became if just one tiny cog in their brains had developed differently than it did.

[ 63 ] Die Wahrheiten, die von dieser Seite kommen, zeichnen sich vor allen Dingen dadurch aus, dass sie selbstverständlich sind, so selbstverständlich bis zur Trivialität sind, dass sie aber das Gebiet, um das es sich bei wahrer Geisteswissenschaft handelt, gar nicht berühren. Denn ein solcher Ausspruch — de La Mettrie macht ihn in Bezug auf Fontenelle und Erasmus —, der kann ja sogar noch gesteigert werden. Wenn man sich ihn noch gesteigert denkt, kann man sagen: Nun ja, wenn die Mutter des Erasmus vor der Geburt des Erasmus von irgendeinem Banditen ermordet worden wäre, dann wäre der ganze Erasmus nicht entstanden. Da sieht man die Abhängigkeit des geistigen Lebens von der Körperlichkeit.

[ 63 ] The truths that come from this perspective are characterized above all by the fact that they are self-evident—so self-evident as to be trivial—yet they do not even touch upon the realm that is the subject of true spiritual science. For such a statement—de La Mettrie makes it in reference to Fontenelle and Erasmus—can even be taken a step further. If one takes it a step further, one might say: Well, if Erasmus’s mother had been murdered by some bandit before Erasmus was born, then Erasmus as a whole would never have come into being. Here one sees the dependence of spiritual life on the physical.

[ 64 ] Ja, sehr verehrte Anwesende, das ist doch das Wesentliche, dass der Gegner der Geisteswissenschaft von dieser Seite her gar nicht ahnt, wie im Grunde genommen einverstanden mit seinen Trivialitäten wahre Geistesforschung ist. — Ich will auch von andern Äußerlichkeiten nicht sprechen, Äußerlichkeiten, nach denen aber leider auch oftmals eine geistesforscherische Weltanschauungsströmung beurteilt wird, von jenen Äußerlichkeiten, die sich zum Beispiel darin ausdrücken — würde es nicht besprochen, so bräuchte man auch nicht dazu irgendwie sich zu äußern —, dass gewisse, zur Geistesforschung sich rechnende Damen kurze Haare tragen — wenn es Männer sind lange Haare tragen —, dass sie gewisse Kleider tragen und so weiter. Nun, gewiss, alle solche Firlefanzereien kann man ja zusammenwerfen. Aber es gibt ein viel ernsteres Gebiet — dasjenige Gebiet, das ganz gewiss dazu geeignet ist, dass in der nächsten Zukunft, in der weiteren Zukunft die schlimmsten Angriffe und Gegnerschaften der Geisteswissenschaft erwachsen werden.

[ 64 ] Yes, distinguished guests, that is indeed the crux of the matter: opponents of spiritual science have no idea, from this perspective, how much true spiritual research is, at its core, in agreement with their trivialities. — Nor do I wish to speak of other superficialities—superficialities by which, unfortunately, a spiritual scientific worldview is often judged—those superficialities that are expressed, for example, in the fact that—if it were not discussed, then there would be no need to comment on them at all—that certain women who consider themselves part of spiritual research wear their hair short—while men wear their hair long—that they wear certain clothes, and so on. Well, certainly, all such frivolities can be dismissed as a whole. But there is a much more serious area—the very area that is quite certainly ripe for the worst attacks and opposition against spiritual science to arise in the near future, and in the more distant future.

[ 65 ] Mit wahrer Naturwissenschaft zum Beispiel, auch mit wahrer Psychiatrie wird Geisteswissenschaft voll einverstanden sein können. Ohne Weiteres wird der Geistesforscher dem Psychiater zugeben, dass es zum Beispiel eine gewisse krankhafte mystische Veranlagung gibt, und dass einfach durch irgendeine Beschaffenheit des menschlichen Leibes der Mensch einen gewissen Trieb des inneren Grübelns zeigt; dass er denn darauf kommt, in einem gewissen chaotischen inneren Gefühlsleben die Lösung großer Welträtsel finden zu wollen. Dass solche Triebe mit dem Leibesleben zusammenhängen, das wird der Psychiater heute behaupten müssen. Darinnen wird der Geistesforscher mit ihm vollständig einverstanden sein! Und er kann es ja aus dem Grunde, weil dasjenige, was er entwickeln muss als seelisch-geistiges Wesen, um in die geistige Welt einzutreten, das muss gerade unabhängig gemacht werden von dem Leiblichen, muss also auch unabhängig bleiben von einem etwa krankhaften Leiblichen.

[ 65 ] Spiritual science will be able to fully agree with true natural science, for example, as well as with true psychiatry. The spiritual scientist will readily concede to the psychiatrist that there is, for example, a certain pathological mystical disposition, and that simply due to some characteristic of the human body, a person exhibits a certain impulse toward inner brooding; that they then come to desire to find the solution to great cosmic mysteries within a certain chaotic inner emotional life. The psychiatrist today will have to assert that such impulses are connected to physical life. In this regard, the spiritual researcher will be in complete agreement with him! And he can do so precisely because what he must develop as a soul-spiritual being in order to enter the spiritual world must be made independent of the physical; it must therefore also remain independent of any potentially pathological physical condition.

[ 66 ] Derjenige, der auf dem Gesichtspunkt steht, auf den sich Geistesforschung stellen muss, der muss hinschauen gerade auf einen solchen Prozess des erkrafteten Seelenlebens, selbst bei einer krankhaften, mystischen Seelenveranlagung. Und so wird, wenn man selbst in sich tragen würde krankhafte, mystische Veranlagung, diese krankhafte mystische Veranlagung wie ein Gegenstand, wie ein Objekt von außerhalb angeschaut werden können. Und man würde gerade zu einem gesunden Urteil über seine eigene Verrichtung kommen, wenn man auf einen wahren, gesunden geisteswissenschaftlichen Standpunkt zustrebte.

[ 66 ] Anyone who adopts the perspective that spiritual research must take must look specifically at such a process of an energized soul life, even in the case of a pathological, mystical disposition of the soul. And so, even if one were to carry within oneself a pathological, mystical disposition, this pathological, mystical disposition could be viewed as an object, as something external. And one would arrive at a sound judgment regarding one’s own conduct precisely by striving toward a true, healthy spiritual-scientific standpoint.

[ 67 ] Auf Unterscheidungen wird es gerade auf diesem Gebiet ankommen. Der Geistesforscher müsste in Bezug auf gewisse geistige Erscheinungen zeigen, wie geistige Wirklichkeiten um ihn herum so erlebt werden, dass die Erlebnisse nur ausgedrückt werden können in farbigen Bildern. Sie finden solche farbigen Bilder geschildert in meiner «Theosophie», in meiner «Geheimwissenschaft im Umriss». Solche farbigen Bilder, solche aurischen Bilder, man muss, wenn sie aus wahrer Geistesforschung entsprungen sind, sich klar sein darüber, dass sie mit innerem Willen entwickelt werden für dasjenige, was real geistig erlebt wird, dass nicht in einem passiven Aufsich-Wirkenlassen irgendeines Farbeneindruckes — der aber auch eine Halluzination sein kann —, eine solche Schilderung eines geistigen Erlebnisses des Farbigen gemacht wird.

[ 67 ] Distinguishments will be particularly important in this field. With regard to certain spiritual phenomena, the spiritual researcher must demonstrate how spiritual realities around him are experienced in such a way that these experiences can only be expressed through colorful images. You will find such colorful images described in my *Theosophy* and in my *Outline of Esoteric Science*. Such colorful images, such auric images, if they have arisen from true spiritual research, one must be clear that they are developed through inner will for what is actually experienced spiritually, and that such a description of a spiritual experience of color is not made by passively allowing some color impression—which could also be a hallucination—to act upon oneself.

[ 68 ] Mit Bezug auf das Halluzinieren auf diesem Gebiet ist wiederum der Geistesforscher völlig einverstanden mit dem auf naturwissenschaftlichem Boden stehenden Psychiater. Der Geistesforscher weiß, dass selbstverständlich aus dem kranken Seelenleben heraus solche Anschauungen erwachsen können. Es gibt Menschen, bei denen entstehen einfach ganz bestimmte innere Farbenerlebnisse, wenn sie gewisse Worte lesen, wenn gewisse Buchstaben auf sie wirken; es gibt Menschen, wenn denen etwas Unangenehmes gesagt wird, so hören sie es nur auf dem linken Ohre; wenn ihnen etwas Angenehmes gesagt wird auf dem rechten Ohre, und so weiter. Diese Dinge gehören durchaus dem Gebiete an, mit dem das Leibesleben verknüpft ist — inniger verknüpft ist mit dem Seelenleben, als bei den gewöhnlichen, alltäglichen Anschauungen der Welt.

[ 68 ] When it comes to hallucinations in this area, the spiritual researcher is once again in complete agreement with the psychiatrist grounded in the natural sciences. The spiritual researcher knows that such perceptions can, of course, arise from a disturbed mental state. There are people who simply experience very specific inner color sensations when they read certain words or when certain letters have an effect on them; there are people who, when something unpleasant is said to them, hear it only in their left ear; when something pleasant is said to them, they hear it in their right ear, and so on. These phenomena certainly belong to the realm connected to physical life—a realm more intimately linked to the life of the soul than is the case with the ordinary, everyday perceptions of the world.

[ 69 ] Aber der Geistesforscher steht in Bezug auf diese Sachen völlig auf dem Boden, auf dem der Naturforscher steht. Und genauer noch als der Naturforscher kann er einsehen, wie aus der prädestinierten Hingabe des Leibes an seine eigenen Prozesse solches unwillkürlich halluzinatorische Sehen entsteht, während beim wirklichen Hellsehen in jeder Einzelheit, die man erlebt in Bezug auf die geistige Welt, freie, unabhängige, vom Leibe unabhängige Betätigung des Willens mitwirkend ist. Wenn der Mensch verfällt, sagen wir, in Wahn oder in Zwangsvorstellungen — der Geistesforscher wird vielleicht sogar noch stärker gerade mit Bezug auf diese Gebiete auf den Boden sich stellen, auf dem heute der naturwissenschaftlich gebildete Psychiater steht, und sich klar darüber sein, dass gewisse Vorstellungen, die auftreten, die auf den Menschen einen Zwang ausüben, dessen er sich nicht erwehren kann, dass die dadurch bedingt sind, dass das Leibesleben krankhaft abgeändert ist. Aber er wird gerade mit seinem vom Leibleben frei gewordenen Geistesleben noch genauer hineinschauen können auf diese Gebundenheit aller unwillkürlich, abnormen Vorstellungen an den Leib und an seine Verrichtungen als der Naturforscher selber. Wenn man nur einmal das immer tiefer einsehen würde, dass wahre Geisteswissenschaft durchaus in keiner Disharmonie zu stehen braucht mit dem, was die Naturwissenschaft als berechtigte Forderung geltend macht.

[ 69 ] But when it comes to these matters, the spiritual researcher stands firmly on the same ground as the natural scientist. And even more precisely than the natural scientist, he can see how such involuntary hallucinatory visions arise from the body’s predestined surrender to its own processes, whereas in true clairvoyance, the free, independent exercise of the will—independent of the body—is involved in every detail one experiences in relation to the spiritual world. When a person succumbs, let us say, to delusions or obsessions — the researcher of the spiritual realm may, perhaps even more so in relation to these very areas, stand on the same ground as the psychiatrist trained in the natural sciences does today, and be clearly aware that certain ideas that arise—which exert a compulsion on the person that he cannot resist—are caused by a pathological alteration in bodily life. But precisely because his spiritual life has been liberated from the physical life, he will be able to look even more closely at this connection between all involuntary, abnormal ideas and the body and its functions than the natural scientist himself. If only people would come to understand more and more deeply that true spiritual science need not be in any disharmony whatsoever with what natural science asserts as a legitimate demand.

[ 70 ] Aber, sehr verehrte Anwesende, obzwar es wahr ist, dass dasjenige, zu dem der Geistesforscher kommt, und selbst, wenn es sein eigenes Selbst ist, außer ihm steht — und im Grunde genommen außerdem ebenso wenig seinen Leib verändern kann, wenn er gar nicht an dasselbe anstößt —, obzwar dieses durchaus richtig ist, so wird dennoch es immer mehr und mehr Menschen geben, die gerade in einer gewissen, an den Leib gebundenen Entwicklung dasjenige zu erkennen glauben, was auch zu wirklichen Einsichten in eine ganz andere Welt, als die gewöhnliche ist, führt. Und bei denen wird es Verwechslungen geben; und die sind oftmals gerade diejenigen, die sich an allerlei geisteswissenschaftliche, auch wirkliche geisteswissenschaftliche Weltanschauungen anlehnen und nach denen oftmals diese geisteswissenschaftlichen Weltanschauungen beurteilt werden.

[ 70 ] But, esteemed audience, although it is true that whatever the spiritual researcher encounters—even if it is his own self— exists outside of him—and, in essence, is just as incapable of altering his body if it does not even come into contact with it—and although this is entirely correct, there will nevertheless be more and more people who believe they can recognize, precisely in a certain form of development bound to the body, that which also leads to genuine insights into a world entirely different from the ordinary one. And among them there will be misunderstandings; and these are often precisely those who draw on all manner of spiritual-scientific worldviews—including genuine spiritual-scientific ones—and by whom these spiritual-scientific worldviews are often judged.

[ 71 ] Da gibt es Menschen, sagen wir, die von vornherein mit irgendeiner Anlage nach dem abnormen Seelenleben behaftet sind. Wären sie außerhalb einer geistesswissenschaftlichen Strömung geblieben, so wären sie außerhalb derselben im Laufe einer gewissen Zeit selbstverständlich zur Verrücktheit gekommen. Nun hat es sich durch irgendwelche Verhältnisse ergeben, dass sie einer geisteswissenschaftlichen Weltanschauungsströmung nahegetreten sind. Statt dass sie nun draußen allerlei verrückten Ideen sich hingegeben hätten, ergeben sie sich dann innerhalb dieser Geisteswissenschaft ihren verrückten Ideen. Denn dann kann man, wenn man nicht unterscheidet, selbstverständlich sehr wahr sagen: Nun ja, die Geisteswissenschaft hat den Betreffenden verrückt gemacht! — Aber was sind denn schließlich solche Aussagen wert?

[ 71 ] There are people, let’s say, who are afflicted from the outset with some predisposition toward an abnormal mental life. Had they remained outside a spiritual-scientific movement, they would naturally have descended into madness over the course of time. Now, due to certain circumstances, they have drawn close to a spiritual scientific worldview. Instead of indulging in all sorts of crazy ideas on the outside, they then give themselves over to their crazy ideas within this spiritual science. For then, if one fails to distinguish, one can of course quite rightly say: Well, spiritual science has driven the person in question mad! — But what, after all, are such statements worth?

[ 72 ] Sie erinnern einen immer wieder und wiederum, sehr verehrte Anwesende, an jenes alte Weiblein, welches den großen Anatomen Hyrtl betreut hat in seinen letzten Tagen; und als er gestorben war, ging sie auf die Straße hinaus und sagte: Ja, jetzt ist der Hyrtl gestorben! So kommt es, wenn man sich so viel mit Studieren beschäftigt! Da trifft einen der Schlag! — Vierundachtzig Jahre ist der Hyrtl alt geworden!

[ 72 ] You remind us again and again, esteemed audience, of that old woman who cared for the great anatomist Hyrtl in his final days; and when he had died, she went out into the street and said: “Yes, now Hyrtl has died!” That’s what happens when you spend so much time studying! That’s when it hits you! — Hyrtl lived to be eighty-four years old!

[ 73 ] Es dürfte das doch einigermaßen ein Beweis dafür sein, dass gerade bei diesem Beispiel das Studieren weniger schädlich war, als für manchen das Wein- und Biertrinken ist, und den in viel früheren Lebensjahren der Schlag trifft.

[ 73 ] Surely this is some evidence that, in this particular case, studying was less harmful than drinking wine and beer is for some people, and that the stroke struck him at a much earlier age.

[ 74 ] Ebenso gescheit sind diejenigen Urteile, die oftmals gefällt werden, wenn irgendjemand, der nun mit irgendeiner krankhaften Geistesanlage behaftet, geisteswissenschaftliche Anschauungen hat und dort sich nach einiger Zeit verrückt zeigt — wenn da gesagt wird: Wäre der nicht zu dieser Geisteswissenschaft gekommen, so wäre er nicht verrückt geworden!

[ 74 ] Equally sound are those judgments that are often made when someone afflicted with some kind of mental disorder holds views based on spiritual science and, after some time, begins to exhibit signs of insanity—when it is said: If he hadn’t come to this spiritual science, he wouldn’t have gone mad!

[ 75 ] Die Wahrheit ist diese: Man kann selbstverständlich ebenso gut wie durch Gescheitheit, so durch Verrücktheit zur Geisteswissenschaft kommen und ebenso gut durch seine schwachen Anlagen da zur Verrücktheit kommen, oder durch irgendwelche anders gearteten abnormen Anlagen zur Verrücktheit kommen, wenn man durch dieses oder jenes unbefriedigt ist im Leben. Man geht da oder dort hin, um Befriedigung zu erlangen, glaubt dann natürlich, in dem, was zunächst schwierig erscheint, in dem man sich wohl befinden kann, indem man in fremden, unklaren Vorstellungen, die man sich klarzumachen gar kein Bestreben hat, schwelgt, man glaubt sich dadurch von irgendwelchen Lebensbedrückungen befreien zu können. Wie viel der Geistesforschung angehängt wird gerade von dieser Seite, die also charakterisiert werden muss, das ist im Grunde genommen gar nicht erschöpfend genug zu sagen!

[ 75 ] The truth is this: One can, of course, arrive at spiritual science just as easily through madness as through intelligence, and one can just as easily arrive at madness through one’s weak dispositions, or through some other kind of abnormal disposition, if one is dissatisfied with this or that aspect of life. One turns to one path or another to find satisfaction, and then naturally believes that one can find comfort in what initially seems difficult—by revelling in strange, obscure ideas that one makes no effort to clarify—believing that this will free one from whatever burdens life imposes. It is impossible to overstate just how much opposition to spiritual research comes precisely from this quarter, which must therefore be characterized!

[ 76 ] Das aber fordert auf, fordert immer mehr und mehr auf dazu, darauf hinzuweisen, dass schon ihrer Natur nach alle geistesforscherische Methode unbedingt in gar keinem Zusammenhange stehen kann mit irgendeinem krankhaften Seelenleben, weil sie ganz aufgebaut ist gerade auf dem Sich-Freimachen von alledem, was krankhaftes Seelenleben bedingen kann.

[ 76 ] This, however, compels us—and compels us more and more—to point out that, by its very nature, any method of spiritual research cannot possibly have any connection whatsoever with any pathological mental state, because it is based entirely on freeing oneself from everything that might give rise to such a pathological mental state.

[ 77 ] Aber wie ich so hinweisen konnte auf gewisse Gefahren, Gegnerschaften, die sich der Geisteswissenschaft gegenüber geltend machen, im Einzelnen, so kann man sagen: Auch mit Bezug auf ihre Vertretung im sozialen Leben, im Menschenleben überhaupt wird sie nur allzu leicht zusammengeworfen mit allen möglichen dilettantischen, ja schwindelhaften, scharlatanhaften Wegen, und weil diese Dinge, sehr verehrte Anwesende, heute nun schon einmal in mehr materialistischen Kreisen der Weltanschauung besprochen werden, hat der Geistesforscher notwendig hinzuweisen darauf, wie er eine strenge Scheidewand zieht zwischen dem, was er in ehrlichem Wahrheitsstreben eben nur als Wahrheitsziel verfolgt, und all dem Mancherlei, das sich gerade auf einem Gebiete geltend macht, wo man so leicht auf den Aberglauben, auf die Leichtgläubigkeit der Menschen bauen kann und für allerlei unreinliche Ziele angebliches Geisteswissenschaftliches oder — wie man auch sagt — Okkultes zu verbreiten sucht, damit man die Leute benebelt durch allerlei Ausstreuungen desjenigen, was okkulte Erkenntnis sein soll, und wenn man sie dann benebelt hat, eine gewisse Gewalt über sie bekommt — wenn auch in unserer heutigen Zeit immer wieder und wieder gesagt wird: Es sei die Zeit, in der man endlich losgekommen ist von dem alten Autoritätsglauben, und in der die Menschen sich zu einem «freien Urteil» bekennen.

[ 77 ] But just as I was able to point out certain dangers and forms of opposition that arise against spiritual science in specific instances, so one can say: Even with regard to its representation in social life—indeed, in human life in general—it is all too easily lumped together with all manner of amateurish, even fraudulent and charlatan-like practices; and because these matters, esteemed audience, are now being discussed even in more materialistic circles of worldview, the spiritual researcher must necessarily point out how he draws a strict line of demarcation between what he pursues—in an honest quest for truth—as nothing but the goal of truth, and all the various things that are making their presence felt precisely in a field where one can so easily rely on superstition and people’s credulity, and where one seeks to spread so-called spiritual science—or, as some say, — “occultism”—in order to cloud people’s minds with all manner of distractions masquerading as occult knowledge, and once they have been clouded, to gain a certain power over them—even though in our present age it is said time and again: This is the time when we have finally broken free from the old belief in authority, and when people profess a commitment to “free judgment.”

[ 78 ] Nun, gar so weit her ist es nicht mit dem, was dieser Behauptung zugrunde liegt. Zwar renommieren die Leute sehr stark damit, dass sie sagen: In früherer Zeit, da haben die Leute an Dogmen der Kirchenväter geglaubt. Ja, für diese Leute hießen die Kirchenväter Tertullian, Gregor von Nazianz, Irenäus und so weiter; für die modernen Menschen, die nach ihrer Meinung — und dass sie die Meinung haben, ist ja vielleicht noch schädlicher, als es für die alten Leute war, dass sie es nicht hatten. Für die modernen Leute, die die Meinung haben, dass sie auf keine Autoritäten hinschauen, heißen die «Kirchenväter» heute: Helmholtz, Haeckel, Darwin, Dubois-Reymond und so weiter — es sind nur weltliche Kirchenväter. Man spricht von ihnen mehr als Prinzip; aber die Abhängigkeiten von ihnen sind durchaus dieselben. Man darf durchaus nicht glauben, dass die Leichtgläubigkeit und der Aberglaube in unserer Zeit so ganz besonders zurückgegangen seien. Sie haben nur eine andere Gestalt angenommen.

[ 78 ] Well, the basis for this claim isn’t quite what it seems. It’s true that people make a big deal out of saying: “In earlier times, people believed in the dogmas of the Church Fathers.” Yes, for these people, the Church Fathers were Tertullian, Gregory of Nazianzus, Irenaeus, and so on; for modern people, who, in their opinion—and the fact that they hold this opinion is perhaps even more harmful than it was for the people of old that they did not— For modern people who believe they do not look to any authorities, the “Church Fathers” today are: Helmholtz, Haeckel, Darwin, Dubois-Reymond, and so on—they are merely secular Church Fathers. People speak of them more as a matter of principle; but the dependencies on them are exactly the same. One must by no means believe that credulity and superstition have declined all that much in our time. They have merely taken on a different form.

[ 79 ] Und so hat der wahre Geistesforscher nötig, damit er gerade in der gegenwärtigen schicksaltragenden Zeit nicht zusammengeworfen werde mit dem, was unter dem Mantel einer angeblichen okkulten Wissenschaft allerlei unlautere Ziele, verderbliche Ziele verfolgt. Damit er nicht zusammengeworfen werden kann — denn das geschieht von Tag zu Tag immer mehr und mehr, dass man alles, was auch in das Gebiet des krassesten, törichtesten Aberglaubens gehört, zusammenwirft mit derjenigen Geisteswissenschaft, die gerade ein helleres, ein klareres, ein durchleuchteteres Denken auch hat als sogar die gewöhnliche Wissenschaft, wie hinlänglich bewiesen werden kann.

[ 79 ] And so the true researcher of the spirit must ensure—especially in these fateful times—that he is not lumped together with those who, under the guise of a so-called occult science, pursue all manner of dishonest and pernicious goals. So that he cannot be lumped together—for this is happening more and more every day, that everything belonging to the realm of the most blatant, most foolish superstition is lumped together with that spiritual science which, as can be amply demonstrated, possesses a brighter, clearer, and more penetrating way of thinking than even ordinary science does.

[ 80 ] Und da muss denn auf eine Erscheinung aufmerksam gemacht werden, weil sonst gar zu leicht Irrtümer auf diesem Gebiet entstehen könnten, wenn man nicht wissen würde, was der Geistesforscher von sich abstreifen will; es ist geradezu Pflicht, darauf aufmerksam zu machen auf gewisse Dinge, die zusammenhängen mit unseren jetzigen schwerwiegenden weltgeschichtlichen Ereignissen auch. Nur, wie gesagt, um die Geisteswissenschaft in ihrer Reinheit hinzustellen und gegen Unlauteres eine Grenze zu ziehen, sei Folgendes erwähnt. Nur einzelne Tatsachen seien herausgegriffen und auch nur aus dem Grunde, weil sie in geisteswissenschaftlich gegnerischen Blättern besprochen werden.

[ 80 ] And here it is necessary to draw attention to a certain phenomenon, because otherwise errors in this area could all too easily arise if one did not know what the spiritual researcher seeks to shed; it is indeed a duty to draw attention to certain matters that are also connected with the grave events currently unfolding in world history. However, as I said, in order to present spiritual science in its purity and to draw a line against dishonesty, the following should be mentioned. Only a few specific facts will be singled out, and only because they are being discussed in publications opposed to spiritual science.

[ 81 ] Da ließ zum Beispiel erscheinen, schon durch Jahre, eine Persönlichkeit, die im europäischen Westen, in einer Hauptstadt des europäischen Westens lebt, jedes Jahr eine Art von «Almanach», ein Jahrbuch — 1912 ist schon erschienen ein solches Jahrbuch, welches das Jahrbuch war für 1913 —, eine Art von Almanach erscheinen. In diesem Jahrbuch für 1913, das 1912 erschienen ist, standen, sehr verehrte Anwesende, die Worte mit Bezug auf die Entwicklung Österreichs — da standen die Worte: Derjenige, welcher glaubt, dass er regieren werde, wird nicht regieren; dagegen ein anderer junger Mann, von dem man glaubt, dass er jetzt noch nicht regieren werde, der wird regieren. — Und in dem Almanach, der 1913 für 1914 gedruckt worden ist, wurden diese Dinge wiederholt.

[ 81 ] For example, for many years now, a prominent figure living in Western Europe—in a capital city of Western Europe—has been publishing a kind of “almanac,” a yearbook—one such yearbook was already published in 1912, which was the yearbook for 1913—a kind of almanac. In this yearbook for 1913, which was published in 1912, there appeared, ladies and gentlemen, the following words regarding the development of Austria—the words read: “He who believes he will govern will not govern; on the other hand, another young man, whom people believe will not yet govern, will govern.” — And in the almanac printed in 1913 for the year 1914, these things were repeated.

[ 82 ] Die Leichtgläubigkeit unserer Zeit, der törichte Aberglaube, kann selbstverständlich da leicht an allerlei Prophetien glauben. Und wie viele werden geglaubt haben an Prophetie auf diesem Gebiete!

[ 82 ] The gullibility of our time, that foolish superstition, can of course easily believe in all sorts of prophecies. And how many must have believed in prophecies in this area!

[ 83 ] Vielleicht wird man aber weniger an Prophetie glauben, wenn man weiß, dass fast gleichzeitig mit dem Erscheinen dieser Stelle in dem besagten Almanach, in einem ganz gewöhnlichen Pariser Blatt — «Paris-Midi» — die Sätze standen, die ungefähr dahin gingen, dass gesagt wurde, man wünsche, dass zur rechten Zeit der Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich ermordet werde.

[ 83 ] Perhaps, however, people will be less inclined to believe in prophecy when they learn that, almost simultaneously with the appearance of this passage in the aforementioned almanac, a completely ordinary Parisian newspaper—“Paris-Midi”—published statements to the effect that it was hoped Archduke Franz Ferdinand of Austria would be assassinated at the right time.

[ 84 ] Die Persönlichkeit, die in ihrem Almanach solche Dinge geschrieben hat, steht wohl in Verbindung mit gewissen Kreisen, die durch allerlei unterirdische Kanäle dieses oder jenes Ziel verfolgen. Und gerade derjenige, der es mit Geistesforschung ehrlich meint, der muss auch zeigen, dass er auf diesem Gebiete mit ernstem, wissenschaftlichem Denken, und wenn es sich auch zunächst aus dem Kreis des Materialismus heraus geltend macht, einverstanden ist, und nicht mit dem Schwindel, der unter der Maske des Prophetismus allerlei scharlatanistische oder unlautere Ziele verfolgt. Dieselbe Persönlichkeit, die diesen Almanach hat erscheinen lassen, und da angeblich vorauszusagen wusste, was vorgehen werde wie eine Zukunftsprophetie, die fuhr gleich in den ersten Augusttagen des Jahres 1914 von Paris nach Rom, um dort gewisse Leute auch in ihrer Art zu beeinflussen zu gewissen Dingen, die dann zu der bekannten Anteilnahme an den gegenwärtigen Ereignissen wenigstens irgendetwas beigetragen hat, oder wenigstens einiges beitragen sollte.

[ 84 ] The individual who wrote such things in his almanac is likely connected to certain circles that pursue this or that goal through all sorts of clandestine channels. And it is precisely those who are sincere about spiritual research who must also demonstrate that they agree with serious, scientific thinking in this field—even if it initially asserts itself from within the realm of materialism—and not with the fraud that, under the guise of prophecy, pursues all manner of charlatanistic or dishonest goals. The very same person who published this almanac, and who supposedly knew how to predict what would happen—as if in a prophecy of the future—traveled from Paris to Rome in the very first days of August 1914 to influence certain people there, in their own way, toward certain actions that then contributed at least something to the well-known involvement in current events, or were at least intended to contribute something.

[ 85 ] Die Persönlichkeit, die in ihrem Almanach solche Dinge geschrieben hat, steht wohl in Verbindung mit gewissen Kreisen, die durch allerlei unterirdische Kanäle dieses oder jenes Ziel verfolgen. Und gerade derjenige, der es mit Geistesforschung ehrlich meint, der muss auch zeigen, dass er auf diesem Gebiete mit ernstem, wissenschaftlichem Denken, und wenn es sich auch zunächst aus dem Kreis des Materialismus heraus geltend macht, einverstanden ist, und nicht mit dem Schwindel, der unter der Maske des Prophetismus allerlei scharlatanistische oder unlautere Ziele verfolgt. Dieselbe Persönlichkeit, die diesen Almanach hat erscheinen lassen, und da angeblich vorauszusagen wusste, was vorgehen werde wie eine Zukunftsprophetie, die fuhr gleich in den ersten Augusttagen des Jahres 1914 von Paris nach Rom, um dort gewisse Leute auch in ihrer Art zu beeinflussen zu gewissen Dingen, die dann zu der bekannten Anteilnahme an den gegenwärtigen Ereignissen wenigstens irgendetwas beigetragen hat, oder wenigstens einiges beitragen sollte.

[ 85 ] The person who wrote such things in his almanac is likely connected to certain circles that pursue this or that goal through all sorts of clandestine channels. And it is precisely those who are sincere about spiritual research who must also demonstrate that they agree with serious, scientific thinking in this field—even if it initially asserts itself from within the realm of materialism—and not with the fraud that, under the guise of prophecy, pursues all manner of charlatanistic or dishonest goals. The very same person who published this almanac, and who supposedly knew how to predict what would happen—as if in a prophecy of the future—traveled from Paris to Rome in the very first days of August 1914 to influence certain people there, in their own way, toward certain actions that then contributed at least something to the well-known involvement in current events, or were at least intended to contribute something.

[ 86 ] Weil, wie gesagt, diese Dinge öffentlich besprochen werden, hat gerade der Geistesforscher notwendig, darauf hinzuweisen, dass alles ungesunde Entgegenbringen der menschlichen Seele dieser oder jener «Offenbarung», die auf solchen Untergründen beruht, gerade durch wahre Geistesforschung mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden muss! Nicht nach dem Ungesunden, gerade nach dem Gesunden wird wahre Geistesforschung hinwirken. Denn diese wahre Geistesforschung ist in der Lage, das Denken nicht zu verdunkeln, den Menschen nicht dumm zu machen gegenüber den äußeren wirklichen Vorgängen des Lebens. Alles dasjenige, was das Geistesleben herablähmt und in die Abwege führt, die geschildert worden sind, das benebelt auch das Denken; das macht auch das Denken stumpf für die nüchternen Zusammenhänge des Lebens. Alles dasjenige, was Erweiterung gibt, diese geistesforscherischen Erweiterungen des Blickekreises über das gewöhnliche Leben hinaus, das erhellt auch das gesunde Urteil für dieses gewöhnliche Leben. Das zwingt den Menschen nicht dazu, sich unter dem Einfluss des Aberglaubens beschwindeln zu lassen, sondern es führt dazu, gerade klarer und heller zu durchschauen die Verhältnisse des Lebens.

[ 86 ] Because, as I said, these matters are discussed publicly, it is precisely the spiritual researcher who must point out that any unhealthy response of the human soul to this or that “revelation”—which is based on such foundations—must be eradicated root and branch through true spiritual research! True spiritual research will not aim at what is unhealthy, but precisely at what is healthy. For this true spiritual research is capable of not clouding thought, of not making people ignorant of the external, real processes of life. Everything that numbs the spiritual life and leads it astray in the ways described also clouds thinking; it also dulls thinking to the sober realities of life. Everything that broadens one’s horizons—these spiritual-scientific expansions of one’s field of vision beyond ordinary life—also illuminates sound judgment regarding this ordinary life. This does not compel people to allow themselves to be deceived by superstition, but rather leads them to perceive the circumstances of life with even greater clarity and insight.

[ 87 ] Allerdings auf diesem Gebiete hat Geisteswissenschaft noch vieles, noch Kraftvolles zu leisten. Denn man merkt heute gar nicht, sehr verehrte Anwesende, wie — ich möchte sagen — stumpf gerade die Waffe des Denkens geworden ist, wie viel Gedankenlosigkeit stets herrscht!

[ 87 ] However, in this area, the humanities still have much to accomplish—and much of it is powerful. For today, my esteemed audience, one does not even notice how—I would say—dull the weapon of thought has become, how much thoughtlessness always prevails!

[ 88 ] Auch dafür lassen Sie mich Ihnen zum Schlusse noch ein Beispiel anführen, das Ihnen zeigen wird, wo ungesundes Denken liegt und dass dieses ungesunde Denken nicht bei der Geisteswissenschaft liegt.

[ 88 ] To conclude, let me give you one more example of this, which will show you where unhealthy thinking lies and that this unhealthy thinking does not stem from spiritual science.

[ 89 ] Ich möchte sagen: Der Zufall hat gerade an mich nahegebracht, was ich in Bezug auf das Folgende nun auszuführen habe. Ich habe vor einiger Zeit, sehr verehrte Anwesende, einen Vortrag in einer Stadt Österreichs gehalten. Da habe ich Gedanken entwickelt, die ich auch hier in München zum Teil in dem Vortrage, den ich vor Monaten hier gehalten habe, entwickelt habe, über das Weltbild das Deutschen Idealismus, zum Teil in dem Vortrage, den ich vorgestern über die einzelnen Volksseelen hier gehalten habe.

[ 89 ] I would like to say: It was by chance that I came to realize what I am about to explain regarding the following. Some time ago, ladies and gentlemen, I gave a lecture in a city in Austria. There I developed ideas—some of which I also elaborated here in Munich in the lecture I gave months ago on the worldview of German idealism, and others in the lecture I gave here the day before yesterday on the individual national souls.

[ 90 ] Ich denke jedes gesunde Denken wird in der Lage sein, mindestens das anzuerkennen — wie man sich dann auch kritisch dazu stellt — mindestens das anzuerkennen, dass bei einer wirklichen Einsicht in die Volksgeister, in die einzelnen Volksseelen sich gewisse Charakteristiken darbieten, sodass sich die einzelne Volksseele von der anderen in einer bestimmten Weise unterscheidet.

[ 90 ] I think any sound way of thinking will be able to acknowledge at least this—even if one takes a critical stance toward it—at least to acknowledge that, when one truly understands the national spirits, the individual national souls, certain characteristics become apparent, so that one national soul differs from another in a specific way.

[ 91 ] Dies trug ich auch in jener Stadt Österreichs vor. Nicht nur, dass ein konfuser Kopf in einem «Tageblatt» dazumal sich ergangen hat über diese Wahrheit, die er gar nicht verstanden hat; denn er sagte: Ich hätte Gelegenheit genommen, weil zufällig die kriegerischen Machtverhältnisse im Osten und Westen und Mitteleuropa in Gegnerschaft sich gebracht hätten, nun auch noch einen geistigen Gegensatz zu konstruieren. — Nun, das war eine Konfusion, wie man sie einem «Tageblatt» durchaus konzipieren, erlauben kann. Aber damit war es nicht genug; sondern in einer deutschen Zeitschrift erschien ein Wiederabdruck desjenigen, was dazumal in jenem «Tageblatt» gestanden hat. Und in einer deutschen Zeitschrift schreibt — nach seiner Angabe ist es ein österreichischer Deutscher —, schreibt ein Mann die folgenden Worte, wirklich die folgenden Worte:

[ 91 ] I also presented this in that city in Austria. Not only did a muddled mind in a “daily newspaper” at the time go on and on about this truth, which he did not understand at all; for he said: I had seized the opportunity—since, by chance, the military balance of power in the East, West, and Central Europe had brought them into opposition—to now construct an intellectual opposition as well. — Well, that was a confusion of the sort one can certainly conceive of and tolerate in a “daily newspaper.” But that was not enough; rather, a German magazine published a reprint of what had appeared in that “daily newspaper” at the time. And in a German magazine—according to his own statement, he is an Austrian German—a man writes the following words, truly the following words:

«Der Vorwurf des Referenten, aus der gegenwärtigen Mächte-Konstellation gegensätzliche Kulturen konstruiert zu haben, trifft Steiner mit Recht. Es ist mir beim besten Willen nicht möglich, wie Steiner eine Wesensverschiedenheit zwischen mitteleuropäischer und west- und osteuropäischer Kultur wahrzunehmen. Meines Erachtens ist die europäische Kultur ihrem Wesen nach vollkommen gleich.»

“The speaker’s accusation that Steiner has constructed opposing cultures out of the current constellation of powers is rightly directed at him. With the best will in the world, I am unable, like Steiner, to perceive any fundamental difference between Central European culture and Western and Eastern European culture. In my opinion, European culture is, in its essence, completely uniform.”

[ 92 ] Prüfen Sie das Licht des Denkens, das durch eine solche Behauptung weht! Prüfen Sie das, sehr verehrte Anwesende! Derselbe Mann findet allerdings sogar die Möglichkeit, zu sagen:

[ 92 ] Consider the light of thought that shines through such a statement! Consider this, esteemed audience! The same man, however, even finds a way to say:

«Auch das intellektuelle Leben hat sich in dieser Richtung entwickelt und geht in diesem Streben auf. Die wilde Gier des europäischen Kulturmenschen nach dem Besitze irdischer Güter würde in einen raubtierartigen Kampf aller gegen alle ausarten, wären die Individuen nicht in eisernen Staatsformen gezwängt.»

“Intellectual life, too, has developed in this direction and is absorbed in this pursuit. The wild greed of the cultured European for the possession of earthly goods would degenerate into a predatory struggle of all against all, were it not for the fact that individuals are constrained by ironclad forms of government.”

[ 93 ] Nun frage ich Sie: Haben die «menschlichen Individuen» heute die Kriege erklärt oder diejenigen, die an den Spitzen der Staaten sind?

[ 93 ] Now I ask you: Have “human individuals” declared war today, or have those at the helm of their nations?

[ 94 ] Also mit einem vollständigen Ins-Gesicht-Schlagen dessen, was dem einfachsten Gedanken zugänglich ist, betört man die Leute! Solche Dinge, die bestehen in der Welt desjenigen Denkens, dem man heute das Ungesunde nicht anmerken will, weil man sich zu sehr dagegen verstumpft hat. Dafür findet man, je weniger man es kennt namentlich, in dem, was in der wahren Geisteswissenschaft enthalten ist, dasjenige, was die Menschen irreführen soll, was in den Menschen verworrene Vorstellungen erzeugen soll.

[ 94 ] So, by throwing right in people’s faces what is accessible even to the simplest thought, one beguiles them! Such things exist in the world of that kind of thinking which people today refuse to acknowledge as unhealthy, because they have become too desensitized to it. On the other hand, the less one knows about it by name—specifically, in what is contained in true spiritual science—the more one finds there that which is intended to mislead people, that which is intended to create confused ideas in them.

[ 95 ] Wahrhaftig, der Geistesforscher könnte, wenn er das mit seiner sonstigen Charakteranlage irgendwie nur vereinbar fände, er könnte in eine gewisse Zufriedenheit mit sich verfallen, wenn er sieht, welche Verworrenheit der Vorstellungen heute durch ein sehr gangbares Denken — das aber in Wahrheit sich als recht ungesund herausstellt gegenüber dem auch gesunden Denkleben der Geistesforschung — sich geltend macht.

[ 95 ] Truly, the spiritual researcher—if he could somehow find this compatible with his general disposition—might fall into a certain self-satisfaction upon seeing the confusion of ideas that prevails today due to a very common way of thinking—which, in truth, turns out to be quite unhealthy compared to the healthy intellectual life of spiritual research.

[ 96 ] Möglich ist es — man muss das schon, ich möchte sagen, als mit Hamlets Worten sagen: «Schreibtafel her!», damit man es aufschreiben kann —, möglich ist es, dass ein Mensch existiert, der so etwas der Menschheit aufzubinden vermag! Und möglich ist es, dass eine Zeitschrift existiert, die so etwas druckt! Der Mensch, der die Zeitschrift herausgibt, heißt: Doktor Friedrich Maier und lebt in Tübingen. Und es muss schon auf solche Dinge aufmerksam gemacht werden, damit man einsieht, wo ungesundes Denken und geistiges Leben existieren.

[ 96 ] It is possible—one really has to, I would say, in Hamlet’s words: “Give me a writing tablet!” so that one can write it down—it is possible that a person exists who is capable of pulling something like this off on humanity! And it is possible that a magazine exists that prints such a thing! The man who publishes the magazine is Dr. Friedrich Maier, and he lives in Tübingen. And attention must be drawn to such things so that one can see where unhealthy thinking and intellectual life exist.

[ 97 ] Ich kann in diesem Falle, sehr verehrte Anwesende, wenn sich der eine oder andere verwundern könnte, dass ich mit scheinbarer Ereiferung solche Dinge sage vielleicht — wie man immer in einem solchen Falle glauben kann —, vielleicht aus gekränkter, persönlicher Eitelkeit heraus, ich kann in diesem Falle den Gegenbeweis führen, aus der Zeitschrift selber den Gegenbeweis führen — obwohl derjenige, der mich kennt und weiß, wie ich Geisteswissenschaft vertrete, mir zutrauen wird, wenn ich sage, ob dasjenige, was ich tu und sage, einer lobt oder tadelt, persönlich ist mir das so gleichgültig als möglich! Wirklich, ob einer das, was ich tu und sage, lobt oder tadelt, persönlich ist mir das gleichgültig. Aber wenn es sich darum handelt, aufzuweisen, wo krankes oder gesundes öffentliches Geistesleben ist, da fühle ich mich aufgefordert, gerade vom Gesichtspunkt reiner Geisteswissenschaft mitzusprechen.

[ 97 ] In this case, ladies and gentlemen, if some of you might be surprised that I am saying such things with apparent fervor—as one might always suspect in such a situation—perhaps out of wounded personal vanity, I can, in this case, provide the counterevidence—drawing it directly from the journal itself—although anyone who knows me and understands how I approach spiritual science will trust me when I say that, whether what I do and say is praised or criticized, it is as indifferent to me personally as possible! Truly, whether someone praises or criticizes what I do and say, it is of no personal concern to me. But when it comes to pointing out where public spiritual life is unhealthy or healthy, I feel compelled to speak out, precisely from the standpoint of pure spiritual science.

[ 98 ] Dass ich es hier nicht mit Eitelkeit zu tun habe, davon kann ich, wie gesagt, den Beweis führen; denn, ich habe eine Broschüre erscheinen lassen — «Gedanken während der Zeit des Krieges. Für Deutsche und diejenigen, die nicht glauben, sie hassen zu müssen — Berlin 1915». Darinnen stehen — allerdings in etwas anderen Beispielen, aber im Wesentlichen — genau dieselben Gedanken, die ich dazumal in Linz an der Donau und in anderen Vorträgen, die ich — wie ich hier ausgeführt habe —, über die Verschiedenheit der europäischen Volksseelen. Jene Gedanken stehen drinnen, von denen die betreffende Zeitschrift, von der ich jetzt gerade geredet habe, in einer solchen Weise, wie es angedeutet worden ist, gesprochen hat, in einer wirklich so unsinnigen Weise gesprochen hat. — Das nächste Heft dieser Zeitschrift enthält die Fortsetzung des Artikels. Jedenfalls geht es so noch weiter in demselben Tone. Und da findet sich dann zum Schluss in derselben Nummer ein Abschnitt, worin die Broschüre «Gedanken während der Zeit des Krieges» besprochen wird. Und da wird dieses Buch ganz besonders gelobt. — Der eine Teil des Artikels ist im August 1915 geschrieben, der Schluss im [Oktober] 1915. Und in diesem [...] Artikel wird also neben dem Artikel, in dem die betreffende Torheit steht, die ich angeführt habe, zugleich eine lobende Rezension über das Buch gegeben, das genau dasselbe sagt! Da haben wir es zu tun, sehr verehrte Anwesende — ich wollte nur ein Beispiel herausheben —, mit einem Fall, der wirklich gesehen werden sollte, und an dem gesehen werden sollte, wie wahre Geisteswissenschaft hineingestellt ist in das geistige Gesamtleben der Menschheit oftmals. Ich habe oftmals darauf aufmerksam gemacht, wie ja gerade die geistigen und Kulturgrundbedingungen der Gegenwart es erfordern, dass von jetzt ab und in die Zukunft hinein der geisteswissenschaftliche Einschlag in die Entwicklung der Menschheit hineinkommen müsse.

[ 98 ] As I have already said, I can prove that I am not dealing with vanity here; for I have published a pamphlet—“Thoughts During the War. For Germans and Those Who Do Not Believe They Must Hate—Berlin 1915.” It contains—albeit with somewhat different examples, but essentially—exactly the same thoughts that I expressed at that time in Linz on the Danube and in other lectures that I gave—as I have explained here—on the diversity of the European national souls. Those very thoughts are contained therein—the same ones about which the magazine in question, which I have just been discussing, spoke in the manner that has been indicated, in a truly absurd manner. — The next issue of this magazine contains the continuation of the article. In any case, it continues in the same vein. And at the end of that same issue, there is a section in which the pamphlet *Thoughts During the Time of War* is reviewed. And there, this book is praised very highly. — One part of the article was written in August 1915, and the conclusion in [October] 1915. And in this [...] article, alongside the passage containing the very folly I have cited, there is also a laudatory review of the book that says exactly the same thing! Here, dear attendees—I wanted to highlight just one example—we are dealing with a case that really ought to be examined, and through which one can see how true spiritual science is often embedded in the overall spiritual life of humanity. I have often pointed out how the very spiritual and cultural conditions of the present demand that, from now on and into the future, the spiritual-scientific impulse must become part of the development of humanity.

[ 99 ] Gewiss, es wird noch lange Menschen geben, die die Geisteswissenschaft anklagen, verleumden, bekämpfen: Aber Geisteswissenschaft, feststehend auf dem Boden, den sie sich durch die heute und auch sonst gekennzeichneten Grundlagen zu schaffen vermag, sie wird immer und immer das Bewusstsein haben müssen, dass die Wahrheit, wenn sie die Wahrheit ist — und wenn sie die Wahrheit ist, wird sie schon der Menschheit nicht schaden, sondern sie wird von selber verschwinden —, dass die Wahrheit, wenn sie die Wahrheit ist, sich durch die dünnsten Spalten hindurchwindet, wenn noch so große Felsenmassen von Vorurteilen und von Verleumdungen und Gegnerschaften sich erheben, die eben nur die kleinen Spalten für das Durchlassen der Wahrheit lassen.

[ 99 ] Certainly, there will still be people for a long time to come who accuse, slander, and oppose spiritual science: But spiritual science, firmly grounded on the foundation it has been able to establish through the principles outlined today and elsewhere, will always have to be aware that the truth, if it is the truth — and if it is the truth, it will not harm humanity but will disappear of its own accord — that the truth, if it is the truth, winds its way through the narrowest cracks, no matter how massive the rock formations of prejudice, slander, and opposition may be, for they leave only small cracks through which the truth can pass.

[ 100 ] Deshalb lassen Sie mich, sehr verehrte Anwesende, diese heutigen Betrachtungen, die auf wahrhaft gesundes Seelenleben im Zusammenhange mit der Geistesforschung nur mit einigen Strichen hindeuten wollten, beschließen durch dasjenige, was im Geistesforscher, der den Grundnerv seiner Wissenschaft in sich trägt, lebt als der Quell, der ihm überzeugende Kraft und Sicherheit des Wirkens und des Wollens gibt.

[ 100 ] Therefore, esteemed audience, let me conclude today’s reflections—which were intended only to briefly touch upon a truly healthy spiritual life in connection with spiritual science—with that which lives within the spiritual scientist, who carries the very essence of his science within himself, as the source that gives him the persuasive power and certainty of action and will.

[ 101 ] Diesem Geistesforscher erscheint — im Bilde sei das ausgesprochen — die Menschenseele wie eine Schwester der Wahrheit. Und indem er diesen Gedanken hegt, sagt er sich: Man kann die Wahrheit bekämpfen, sie wird durch die in ihr liegende Wahrheitskraft sich immer und immer wiederum geltend machen, wenn auch der Kampf ihr das Dasein in einer gewissen Zeit schwierig machen sollte. Man kann mit Macht sogar die Wahrheit bedrücken, unterdrücken für eine gewisse Zeit; nicht unterdrücken für die gesamte Entwicklungsgeschichte der Menschheit.

[ 101 ] To this researcher of the spirit—to put it figuratively—the human soul appears as a sister of truth. And as he cherishes this thought, he says to himself: One can fight against the truth, but it will assert itself again and again through the power of truth inherent in it, even if the struggle should make its existence difficult for a certain time. One can even use force to oppress the truth, to suppress it for a certain time; but one cannot suppress it for the entire course of human development.

[ 102 ] Die bedrückte Wahrheit wird immer wieder und wiederum auftauchen, denn die Menschenseele und die Wahrheit sind Geschwister. Und wenn sie auch in gewissen Zeitepochen, wie sonst das auch bei Geschwistern vorkommen mag, in einer Art von Disharmonie und Fremdheit leben: Es werden immer wieder und wiederum die Zeitabschnitte kommen, in denen sich die Wahrheit und die Menschenseele in ihrem geschwisterlichen Verhältnis zusammenfinden und sich gemeinschaftlich erinnern ihres Ursprungs, ihres gemeinsamen Ursprunges ihres väterlichen Quells in der Welt. Und dieser gemeinsame väterliche Quell in der Welt für Wahrheit und Menschenseele, der zugleich der Quell für alle wahre Seelenforschung ist, das ist dasjenige, was in ehrlichem Streben Geisteswissenschaft in gesunder Weise suchen will. Das ist der die Welt durchwebende und von Ewigkeit zu Ewigkeit durchwellende Weltengeist selber, in den von dem Ausgangspunkte der Materie aus einzudringen, die Aufgabe und das Ziel aller wahren und gesunden Geistesforschung ist.

[ 102 ] The suppressed truth will emerge again and again, for the human soul and the truth are siblings. And even if, in certain epochs—as is often the case with siblings—they live in a kind of disharmony and estrangement, there will always be periods in which truth and the human soul come together in their sibling relationship and jointly remember their origin—their common origin, their paternal source in the world. And this common, fatherly source in the world for truth and the human soul—which is at the same time the source for all true spiritual research—is precisely what spiritual science, in its sincere striving, seeks in a wholesome way. This is the World Spirit itself, which interweaves the world and ripples through it from eternity to eternity; to penetrate into it from the starting point of matter is the task and goal of all true and sound spiritual research.