The Human Being as a
Spirit and Soul Being
GA 71b
16 February 1918, Munich
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Der Mensch als Geist- und Seelenwesen
3. Der Mensch als Geist- und Seelenwesen. Forschungen vom Gesichtspunkt der Geisteswissenschaft
3. Der Mensch als Geist- und Seelenwesen. Forschungen vom Gesichtspunkt der Geisteswissenschaft
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende, die beiden Vorträge, die ich mir gestatten werde, heute und am Montag zu halten, werden in einer gewissen Beziehung zusammen ein Ganzes bilden, der eine den andern erläutern; doch will ich mich bemühen, jeden der Vorträge zu einem abgeschlossenen Ganzen zu gestalten, sodass er für sich allein gehört werden kann. Die geisteswissenschaftliche Weltanschauung, welche ich nun schon seit vielen Jahren auch hier in München zur Darstellung bringen darf, sie unterliegt ja, wie es hinlänglich bekannt ist vielen, die dieser Weltanschauung nahegetreten sind, den mannigfaltigsten Missverständnissen, und dennoch, man darf sagen, dass, wenn auch nicht im Bewusstsein unserer Zeitgenossen, so doch im allgemeinen Empfindungsleben, im Gefühlsleben unserer Zeitgenossen diese Weltanschauung sich als sehr stark erhofft, möchte man sagen, erweist.
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende, die beiden Vorträge, die ich mir gestatten werde, heute und am Montag zu halten, werden in einer gewissen Beziehung zusammen ein Ganzes bilden, der eine den andern erläutern; doch will ich mich bemühen, jeden der Vorträge zu einem abgeschlossenen Ganzen zu gestalten, sodass er für sich allein gehört werden kann. Die geisteswissenschaftliche Weltanschauung, welche ich nun schon seit vielen Jahren auch hier in München zur Darstellung bringen darf, sie unterliegt ja, wie es hinlänglich bekannt ist vielen, die dieser Weltanschauung nahegetreten sind, den mannigfaltigsten Missverständnissen, und dennoch, man darf sagen, dass, wenn auch nicht im Bewusstsein unserer Zeitgenossen, so doch im allgemeinen Empfindungsleben, im Gefühlsleben unserer Zeitgenossen diese Weltanschauung sich als sehr stark erhofft, möchte man sagen, erweist.
[ 2 ] Nur verkennt man von der einen oder anderen Seite ihren Quell und auch ihren eigentlichen Charakter. Daher ist es immer wiederum notwendig, wenn von ihr gesprochen wird, wenigstens einleitungsweise mit ein paar Worten darauf hinzuweisen, wie gerade diejenige Denkweise in unserer Zeit und in der jüngsten Vergangenheit, welche in berechtigter Weise ganz besonders sich einlebt in das Bewusstsein der Zeitgenossen, wie die naturwissenschaftliche Denkweise den Quell auch der Geisteswissenschaft bildet, von welcher heute wohl ein großer Teil unserer gebildeten Zeitgenossen der berechtigten Anschauung ist, dass sie auf einem Boden gut disziplinierter wissenschaftlicher Forschung steht. Und eben deswegen, weil man von den verschieden[st]en Seiten her der hier vertretenen Geisteswissenschaft den wissenschaftlichen Charakter abspricht, muss immer wiederum betont werden, dass diese Geisteswissenschaft nicht nur in keinem Widerspruch steht — das würde nicht viel besagen — mit der naturwissenschaftlichen Denkungsart unserer Zeit, sondern dass sie in ihr ihren Quell hat, dass sie durch diese naturwissenschaftliche Denkungsart, wenn man diese Letztere im rechten Sinn versteht, in allen ihren Aufstellungen bestätigt und getragen wird.
[ 2 ] Nur verkennt man von der einen oder anderen Seite ihren Quell und auch ihren eigentlichen Charakter. Daher ist es immer wiederum notwendig, wenn von ihr gesprochen wird, wenigstens einleitungsweise mit ein paar Worten darauf hinzuweisen, wie gerade diejenige Denkweise in unserer Zeit und in der jüngsten Vergangenheit, welche in berechtigter Weise ganz besonders sich einlebt in das Bewusstsein der Zeitgenossen, wie die naturwissenschaftliche Denkweise den Quell auch der Geisteswissenschaft bildet, von welcher heute wohl ein großer Teil unserer gebildeten Zeitgenossen der berechtigten Anschauung ist, dass sie auf einem Boden gut disziplinierter wissenschaftlicher Forschung steht. Und eben deswegen, weil man von den verschieden[st]en Seiten her der hier vertretenen Geisteswissenschaft den wissenschaftlichen Charakter abspricht, muss immer wiederum betont werden, dass diese Geisteswissenschaft nicht nur in keinem Widerspruch steht — das würde nicht viel besagen — mit der naturwissenschaftlichen Denkungsart unserer Zeit, sondern dass sie in ihr ihren Quell hat, dass sie durch diese naturwissenschaftliche Denkungsart, wenn man diese Letztere im rechten Sinn versteht, in allen ihren Aufstellungen bestätigt und getragen wird.
[ 3 ] Nun allerdings liegen zu Missverständnissen die mannigfaltigsten Gründe vor, und wenn ich eine persönlich gefärbte Bemerkung voraussenden darf, so soll es die sein, dass überall da, wo es sich darum handelt, das Verhältnis festzustellen zwischen allerlei dilettantischen Vertretungen dieser oder jener geistigen Richtung und zwischen der Naturwissenschaft, ich selbst immer auf dem Boden der Naturwissenschaft stehen werde und mit der Naturwissenschaft gegen geisteswissenschaftlichen Dilettantismus stehen werde. Aber gerade die Art und Weise, wie die Naturwissenschaft in den letzten Zeiten sich ausgebildet hat, wie diese Eingang gefunden hat in die Gemüter der Zeitgenossen, das macht notwendig, mit aller Stärke gerade die Möglichkeit einer besonderen Erforschung des geistigen Lebens zu betonen.
[ 3 ] Nun allerdings liegen zu Missverständnissen die mannigfaltigsten Gründe vor, und wenn ich eine persönlich gefärbte Bemerkung voraussenden darf, so soll es die sein, dass überall da, wo es sich darum handelt, das Verhältnis festzustellen zwischen allerlei dilettantischen Vertretungen dieser oder jener geistigen Richtung und zwischen der Naturwissenschaft, ich selbst immer auf dem Boden der Naturwissenschaft stehen werde und mit der Naturwissenschaft gegen geisteswissenschaftlichen Dilettantismus stehen werde. Aber gerade die Art und Weise, wie die Naturwissenschaft in den letzten Zeiten sich ausgebildet hat, wie diese Eingang gefunden hat in die Gemüter der Zeitgenossen, das macht notwendig, mit aller Stärke gerade die Möglichkeit einer besonderen Erforschung des geistigen Lebens zu betonen.
[ 4 ] Man kann dasjenige, was Naturwissenschaft nach dieser Richtung hin ausmacht, am besten dadurch bezeichnen, dass man sagt: Wer diese naturwissenschaftliche Entwicklung der letzten Jahrhunderte und insbesondere der unmittelbaren Vergangenheit kennt, der wird nur ein Bewunderer der Naturwissenschaft sein können und ein Anerkenner der Tatsache, dass diese Naturwissenschaft die bestdisziplinierten Vorstellungen herausgebildet hat, um das weite Gebiet der Naturerscheinungen mit diesen Vorstellungen, so gut es geht, kennenzulernen und zu beherrschen. Die großen Errungenschaften der naturwissenschaftlichen Forschung und Denkungsart sollte gerade keine geisteswissenschaftliche Richtung ableugnen wollen; allein auf der anderen Seite liegt folgende bedeutungsvolle Tatsache vor, diejenige nämlich, dass, gerade wenn man sich bemüht, im rechten Sinn naturwissenschaftlich zu forschen und zu denken, wenn man ausbildet solche Vorstellungen und Begriffe und Ideen, welche besonders geeignet sind, die Natur in ihren äußeren sinnenfälligen Erscheinungen zu fassen, dann werden sich diese Begriffe und Ideen unzulänglich, ja überhaupt ungeeignet erweisen, um in das Geistgebiet einzudringen.
[ 4 ] Man kann dasjenige, was Naturwissenschaft nach dieser Richtung hin ausmacht, am besten dadurch bezeichnen, dass man sagt: Wer diese naturwissenschaftliche Entwicklung der letzten Jahrhunderte und insbesondere der unmittelbaren Vergangenheit kennt, der wird nur ein Bewunderer der Naturwissenschaft sein können und ein Anerkenner der Tatsache, dass diese Naturwissenschaft die bestdisziplinierten Vorstellungen herausgebildet hat, um das weite Gebiet der Naturerscheinungen mit diesen Vorstellungen, so gut es geht, kennenzulernen und zu beherrschen. Die großen Errungenschaften der naturwissenschaftlichen Forschung und Denkungsart sollte gerade keine geisteswissenschaftliche Richtung ableugnen wollen; allein auf der anderen Seite liegt folgende bedeutungsvolle Tatsache vor, diejenige nämlich, dass, gerade wenn man sich bemüht, im rechten Sinn naturwissenschaftlich zu forschen und zu denken, wenn man ausbildet solche Vorstellungen und Begriffe und Ideen, welche besonders geeignet sind, die Natur in ihren äußeren sinnenfälligen Erscheinungen zu fassen, dann werden sich diese Begriffe und Ideen unzulänglich, ja überhaupt ungeeignet erweisen, um in das Geistgebiet einzudringen.
[ 5 ] Wer die Entwicklung des menschlichen Geisteslebens kennt, der weiß, dass es vor Jahrhunderten anders gestanden hat in dieser Beziehung. Es ist ja einer der größten Risse im menschlichen Kulturleben eingetreten, als vor drei, vier Jahrhunderten die naturwissenschaftliche Denkweise aufgekommen ist, und nur weil man nicht kennt die Art, wie man vorher über die Natur gedacht hat, verkennt man diesen ungeheuer bedeutungsvollen Umschwung in der menschlichen Geisteskultur. Wer aber kennt, was das Denken vor mehr als drei, vier Jahrhunderten durch alle Zeiten hindurch in Bezug auf Naturbetrachtung für eine Art gehabt hat, der weiß, dass man in früheren Zeiten mit den Naturbegriffen immer auch aufgenommen hat die Vorstellung, dass in den Naturprozessen, in den Naturvorgängen Geistiges waltet; man hat zu gleicher Zeit, indem man die Naturerscheinungen beobachtet hat, mitgenommen mit der Erkenntnis dieser oder jener Naturerscheinung Vorstellungen vom Geistigen, das die Natur durchsetzt.
[ 5 ] Wer die Entwicklung des menschlichen Geisteslebens kennt, der weiß, dass es vor Jahrhunderten anders gestanden hat in dieser Beziehung. Es ist ja einer der größten Risse im menschlichen Kulturleben eingetreten, als vor drei, vier Jahrhunderten die naturwissenschaftliche Denkweise aufgekommen ist, und nur weil man nicht kennt die Art, wie man vorher über die Natur gedacht hat, verkennt man diesen ungeheuer bedeutungsvollen Umschwung in der menschlichen Geisteskultur. Wer aber kennt, was das Denken vor mehr als drei, vier Jahrhunderten durch alle Zeiten hindurch in Bezug auf Naturbetrachtung für eine Art gehabt hat, der weiß, dass man in früheren Zeiten mit den Naturbegriffen immer auch aufgenommen hat die Vorstellung, dass in den Naturprozessen, in den Naturvorgängen Geistiges waltet; man hat zu gleicher Zeit, indem man die Naturerscheinungen beobachtet hat, mitgenommen mit der Erkenntnis dieser oder jener Naturerscheinung Vorstellungen vom Geistigen, das die Natur durchsetzt.
[ 6 ] Mit Recht hat die naturwissenschaftliche Betrachtung ausgeschieden alles das, was sich irgendwie auf Geistiges bezieht, um die Natur rein zu bekommen in ihren Erkenntnissen. Und so ist es kein Wunder, dass sich im Laufe der drei, vier letzten Jahrhunderte solche Vorstellungen herausgebildet haben, die gerade geeignet sind, die Natur zu begreifen und die sich als ungeeignet erweisen, irgendwie an den Geist heranzukommen. Und in unserer Zeit, nachdem dieser Vorgang bestanden hat durch längere Zeit, sich eingelebt hat in die Gemüter, in die Seelen der Menschen, in unserer Zeit verlangt, wenn sie auch dieses Verlangen selbst noch nicht vollständig versteht, die menschliche Seele einen zwar ebenso strengen, wie es der naturwissenschaftliche Weg ist, Hingang zum geistigen Gebiet, aber einen Hingang zum geistigen Gebiet, der sich neben den Weg der naturwissenschaftlichen Weltbetrachtung stellt, da diese selbst ja keinen Zugang zum Geiste finden kann.
[ 6 ] Mit Recht hat die naturwissenschaftliche Betrachtung ausgeschieden alles das, was sich irgendwie auf Geistiges bezieht, um die Natur rein zu bekommen in ihren Erkenntnissen. Und so ist es kein Wunder, dass sich im Laufe der drei, vier letzten Jahrhunderte solche Vorstellungen herausgebildet haben, die gerade geeignet sind, die Natur zu begreifen und die sich als ungeeignet erweisen, irgendwie an den Geist heranzukommen. Und in unserer Zeit, nachdem dieser Vorgang bestanden hat durch längere Zeit, sich eingelebt hat in die Gemüter, in die Seelen der Menschen, in unserer Zeit verlangt, wenn sie auch dieses Verlangen selbst noch nicht vollständig versteht, die menschliche Seele einen zwar ebenso strengen, wie es der naturwissenschaftliche Weg ist, Hingang zum geistigen Gebiet, aber einen Hingang zum geistigen Gebiet, der sich neben den Weg der naturwissenschaftlichen Weltbetrachtung stellt, da diese selbst ja keinen Zugang zum Geiste finden kann.
[ 7 ] Man sieht das, was ich eben gesprochen habe, nicht nur, wenn man im Allgemeinen den Gang der wissenschaftlichen Entwicklung der letzten Jahrhunderte betrachtet, sondern man sieht es auch, wenn man sich einlässt auf die besondere Art der allerhervorragendsten wissenschaftlichen Forscher der Gegenwart — und ich muss betonen, dass gerade in Bezug auf die Mustergültigkeit der naturwissenschaftlichen Denkungsart hervorragender Forscher der Gegenwart, für die ich als Geisteswissenschafter voll Anerkennung bin —, so möchte ich einleitungsweise nur hervorheben, dass ja die naturwissenschaftliche Entwicklung in den letzten Jahren zu einer besonnenen, zu einer gediegenen Stellung gekommen ist zu der viel umstrittenen Frage des Darwinismus, und auf diesem Gebiete ist wirklich Bedeutungsvolles geleistet worden.
[ 7 ] Man sieht das, was ich eben gesprochen habe, nicht nur, wenn man im Allgemeinen den Gang der wissenschaftlichen Entwicklung der letzten Jahrhunderte betrachtet, sondern man sieht es auch, wenn man sich einlässt auf die besondere Art der allerhervorragendsten wissenschaftlichen Forscher der Gegenwart — und ich muss betonen, dass gerade in Bezug auf die Mustergültigkeit der naturwissenschaftlichen Denkungsart hervorragender Forscher der Gegenwart, für die ich als Geisteswissenschafter voll Anerkennung bin —, so möchte ich einleitungsweise nur hervorheben, dass ja die naturwissenschaftliche Entwicklung in den letzten Jahren zu einer besonnenen, zu einer gediegenen Stellung gekommen ist zu der viel umstrittenen Frage des Darwinismus, und auf diesem Gebiete ist wirklich Bedeutungsvolles geleistet worden.
[ 8 ] Eines unter den vielen, vielen Zeugnissen dafür ist das bedeutungsvolle Buch von Oscar Hertwig «Das Werden der Organismen», eine Widerlegung der darwinistischen Zufallstheorie. Da hat einmal ein Naturwissenschafter selbst mit all dem Handwerkszeug, das die Naturwissenschaft zur Stelle schaffen kann, gezeigt, wie einseitig das letzte Drittel des neunzehnten Jahrhunderts in Bezug auf wichtige Fragen verfahren ist. Wenn man [dann] sich einlässt [dar]auf, die Art, wie solche Persönlichkeiten gesinnt sind, zu erkennen, dann findet man das Eigentümliche, dass solche Persönlichkeiten sich einschränken auf ihrem Gebiet, mit Recht sich einschränken darauf, das äußerlich durch die Sinne Gegebene zu erforschen, und dass sie sagen — gerade bei Oscar Hertwig findet man das: Alles das, was hinausliegt über die Beobachtung und über die methodische Erkenntnis des Sinnenfälligen, das müsse, so sagt Hertwig, der Metaphysik, der Erkenntnistheorie und so weiter überlassen bleiben.
[ 8 ] Eines unter den vielen, vielen Zeugnissen dafür ist das bedeutungsvolle Buch von Oscar Hertwig «Das Werden der Organismen», eine Widerlegung der darwinistischen Zufallstheorie. Da hat einmal ein Naturwissenschafter selbst mit all dem Handwerkszeug, das die Naturwissenschaft zur Stelle schaffen kann, gezeigt, wie einseitig das letzte Drittel des neunzehnten Jahrhunderts in Bezug auf wichtige Fragen verfahren ist. Wenn man [dann] sich einlässt [dar]auf, die Art, wie solche Persönlichkeiten gesinnt sind, zu erkennen, dann findet man das Eigentümliche, dass solche Persönlichkeiten sich einschränken auf ihrem Gebiet, mit Recht sich einschränken darauf, das äußerlich durch die Sinne Gegebene zu erforschen, und dass sie sagen — gerade bei Oscar Hertwig findet man das: Alles das, was hinausliegt über die Beobachtung und über die methodische Erkenntnis des Sinnenfälligen, das müsse, so sagt Hertwig, der Metaphysik, der Erkenntnistheorie und so weiter überlassen bleiben.
[ 9 ] Das wäre alles ganz schön. Man könnte sagen: Solch ein Forscher verweist also selber auf die Geisteswissenschaft; aber so einfach liegt die Sache nicht. Überall, wo heute gerade bei den bedeutendsten Naturforschern solche Dinge auftreten, sind sie zugleich verbunden, ich möchte sagen, mit einer nicht ausgesprochenen, aber doch wirksamen Bekämpfung einer jeglichen Erforschung des Geisteslebens in unserer Zeit, indem immer wiederum darauf hingewiesen wird — wenn man auch sagt, Naturwissenschaft habe selber keinen Zugang zum Geistigen, das müsse sie einem anderen Zweig der Wissenschaft überlassen —, wenn man immer wiederum betont, wahre Wissenschaftlichkeit sei doch nur zu erreichen, wenn man bei der Sinnesbeobachtung und den Methoden stehen bleibe, welche die Sinnesbeobachtung etwas weiter ausführen. So wird zu gleicher Zeit die Notwendigkeit zwar betont einer besonderen Geisteswissenschaft, welche über die Sinneswelt hinausgeht, aber es wird, ich möchte sagen, unbewusst zu gleicher Zeit diese Geisteswissenschaft diskreditiert, indem man ihr ihre Wissenschaftlichkeit abstreiter.
[ 9 ] Das wäre alles ganz schön. Man könnte sagen: Solch ein Forscher verweist also selber auf die Geisteswissenschaft; aber so einfach liegt die Sache nicht. Überall, wo heute gerade bei den bedeutendsten Naturforschern solche Dinge auftreten, sind sie zugleich verbunden, ich möchte sagen, mit einer nicht ausgesprochenen, aber doch wirksamen Bekämpfung einer jeglichen Erforschung des Geisteslebens in unserer Zeit, indem immer wiederum darauf hingewiesen wird — wenn man auch sagt, Naturwissenschaft habe selber keinen Zugang zum Geistigen, das müsse sie einem anderen Zweig der Wissenschaft überlassen —, wenn man immer wiederum betont, wahre Wissenschaftlichkeit sei doch nur zu erreichen, wenn man bei der Sinnesbeobachtung und den Methoden stehen bleibe, welche die Sinnesbeobachtung etwas weiter ausführen. So wird zu gleicher Zeit die Notwendigkeit zwar betont einer besonderen Geisteswissenschaft, welche über die Sinneswelt hinausgeht, aber es wird, ich möchte sagen, unbewusst zu gleicher Zeit diese Geisteswissenschaft diskreditiert, indem man ihr ihre Wissenschaftlichkeit abstreiter.
[ 10 ] Dadurch kommt es, dass nicht nur bei denjenigen, die Wissenschafter sind in unserem heutigen Sinne, nicht nur bei denjenigen, die sich in populärer Art über die Ergebnisse der Wissenschaft unterrichten, sondern auch bei denen, die aus ihrem Zeitungsblättchen, in den Sonntagsbeilagen irgendetwas erfahren über die Erforschungsweise der Welt in der Gegenwart, dass sich da überall die Meinung festsetzt, dasjenige, was nicht nur durch die naturwissenschaftliche Denkungsweise gefunden wird, das sei eben unwissenschaftlich; man sei nur ein aufgeklärter Mensch, wenn man über den Geist überhaupt nicht mehr spreche, wenn man nicht in den veralteten Aberglauben verfalle, noch irgendwie über den Geist zu sprechen. Es ist in Fleisch und Blut unserer Zeitgenossen — wie gesagt, bis zu denen herab, die ihre Denkungsweise über die Welt aus dem Sonntagsblättchen ihrer Zeitung schöpfen —, es ist in Fleisch und Blut übergegangen, was der große Naturforscher du Bois-Reymond — heute ist es fast schon vergessen — in den Siebzigerjahren bei einer tonangebenden Naturforscher-Versammlung gesagt hat, dass Wissenschaft dann aufhöre, wenn Supernaturalismus, das heißt, wenn das Leben gegenüber dem Geiste beginnt. Dadurch hat sich dieses Vorurteil festgesetzt, dass derjenige kein Wissenschafter sein könne, der irgendwie von einer Betrachtung des geistigen Lebens spreche.
[ 10 ] Dadurch kommt es, dass nicht nur bei denjenigen, die Wissenschafter sind in unserem heutigen Sinne, nicht nur bei denjenigen, die sich in populärer Art über die Ergebnisse der Wissenschaft unterrichten, sondern auch bei denen, die aus ihrem Zeitungsblättchen, in den Sonntagsbeilagen irgendetwas erfahren über die Erforschungsweise der Welt in der Gegenwart, dass sich da überall die Meinung festsetzt, dasjenige, was nicht nur durch die naturwissenschaftliche Denkungsweise gefunden wird, das sei eben unwissenschaftlich; man sei nur ein aufgeklärter Mensch, wenn man über den Geist überhaupt nicht mehr spreche, wenn man nicht in den veralteten Aberglauben verfalle, noch irgendwie über den Geist zu sprechen. Es ist in Fleisch und Blut unserer Zeitgenossen — wie gesagt, bis zu denen herab, die ihre Denkungsweise über die Welt aus dem Sonntagsblättchen ihrer Zeitung schöpfen —, es ist in Fleisch und Blut übergegangen, was der große Naturforscher du Bois-Reymond — heute ist es fast schon vergessen — in den Siebzigerjahren bei einer tonangebenden Naturforscher-Versammlung gesagt hat, dass Wissenschaft dann aufhöre, wenn Supernaturalismus, das heißt, wenn das Leben gegenüber dem Geiste beginnt. Dadurch hat sich dieses Vorurteil festgesetzt, dass derjenige kein Wissenschafter sein könne, der irgendwie von einer Betrachtung des geistigen Lebens spreche.
[ 11 ] Weil aber die naturwissenschaftlichen Richtungen so streng sich ausgebildet haben, dass sie nur anwendbar sind auf das Sinnliche, muss neben ihnen eine ganz besonders geartete Geisteswissenschaft sich hinstellen, welche heute den Menschen zum Geiste führen kann, während er in früheren Jahrhunderten und Jahrtausenden durch die Naturbetrachtung selbst zum Geiste geführt worden ist.
[ 11 ] Weil aber die naturwissenschaftlichen Richtungen so streng sich ausgebildet haben, dass sie nur anwendbar sind auf das Sinnliche, muss neben ihnen eine ganz besonders geartete Geisteswissenschaft sich hinstellen, welche heute den Menschen zum Geiste führen kann, während er in früheren Jahrhunderten und Jahrtausenden durch die Naturbetrachtung selbst zum Geiste geführt worden ist.
[ 12 ] Nun ist in unserer Zeit noch immer ein bedeutungsvolles Vorurteil herrschend, ein Vorurteil, welches im breiten Publikum vorhanden ist, aber auch vorhanden ist auf den Kathedern der Philosophie-Professoren, insbesondere derer, die sich mit dem Geistesleben befassen, ein Vorurteil, welches verhindert, in der richtigen Art wissenschaftlich das Menschenwesen zu betrachten, ein Vorurteil, über dessen historische Entstehung man viel erzählen könnte. Dieses Vorurteil besteht darin, dass man nicht beachten will, sobald man zu reden kommt vom rein Leiblichen her zum Wesen des Menschen, [dass] man unterscheiden müsse in dem übersinnlichen Wesen des Menschen das Seelische und das Geistige.
[ 12 ] Nun ist in unserer Zeit noch immer ein bedeutungsvolles Vorurteil herrschend, ein Vorurteil, welches im breiten Publikum vorhanden ist, aber auch vorhanden ist auf den Kathedern der Philosophie-Professoren, insbesondere derer, die sich mit dem Geistesleben befassen, ein Vorurteil, welches verhindert, in der richtigen Art wissenschaftlich das Menschenwesen zu betrachten, ein Vorurteil, über dessen historische Entstehung man viel erzählen könnte. Dieses Vorurteil besteht darin, dass man nicht beachten will, sobald man zu reden kommt vom rein Leiblichen her zum Wesen des Menschen, [dass] man unterscheiden müsse in dem übersinnlichen Wesen des Menschen das Seelische und das Geistige.
[ 13 ] Jeder, der heute über dieses Verhältnis spricht — wie gesagt, innerhalb der weiten Grenzen, die ich angedeutet habe —, der redet davon, dass das Menschenwesen bestehe aus Leib und Seele. Aber wenn man so über das Menschenwesen redet, dann ist es unmöglich, zu einem Durchschauen dieses Menschenwesens auf wissenschaftlichem Wege vorzudringen; es ist, wenn ich mich eines Vergleiches bedienen darf, so, wie wenn jemand eine chemisch zusammengesetzte Substanz hat, die drei Bestandteile enthält, und er durchaus ableugnen wollte, dass ein dritter Bestandteil vorhanden sei, dass nur zwei da seien. Er richtet die ganze Untersuchung nur so ein, dass er nur zwei Bestandteile finden will; wenn er zerlegt in zwei Bestandteile, dann wird er immer und immer eine Konfusion entweder des Dritten mit dem Ersten oder des Zweiten mit dem Ersten oder des Dritten mit dem Zweiten haben. So ungefähr geht es auch der heutigen wissenschaftlichen Betrachtung mit dem Wesen des Menschen. Man wirft in dem Übersinnlichen des Menschen Geist und Seele zusammen. Daher habe ich einmal für die heutige Betrachtung das Thema wählen wollen: «Der Mensch als Geistwesen und Seelenwesen», um hinzuweisen darauf, was für ein Vorurteil hinweggeräumt werden muss unter manchem anderen, um zu einer entsprechenden wissenschaftlichen Betrachtung des Menschen zu kommen.
[ 13 ] Jeder, der heute über dieses Verhältnis spricht — wie gesagt, innerhalb der weiten Grenzen, die ich angedeutet habe —, der redet davon, dass das Menschenwesen bestehe aus Leib und Seele. Aber wenn man so über das Menschenwesen redet, dann ist es unmöglich, zu einem Durchschauen dieses Menschenwesens auf wissenschaftlichem Wege vorzudringen; es ist, wenn ich mich eines Vergleiches bedienen darf, so, wie wenn jemand eine chemisch zusammengesetzte Substanz hat, die drei Bestandteile enthält, und er durchaus ableugnen wollte, dass ein dritter Bestandteil vorhanden sei, dass nur zwei da seien. Er richtet die ganze Untersuchung nur so ein, dass er nur zwei Bestandteile finden will; wenn er zerlegt in zwei Bestandteile, dann wird er immer und immer eine Konfusion entweder des Dritten mit dem Ersten oder des Zweiten mit dem Ersten oder des Dritten mit dem Zweiten haben. So ungefähr geht es auch der heutigen wissenschaftlichen Betrachtung mit dem Wesen des Menschen. Man wirft in dem Übersinnlichen des Menschen Geist und Seele zusammen. Daher habe ich einmal für die heutige Betrachtung das Thema wählen wollen: «Der Mensch als Geistwesen und Seelenwesen», um hinzuweisen darauf, was für ein Vorurteil hinweggeräumt werden muss unter manchem anderen, um zu einer entsprechenden wissenschaftlichen Betrachtung des Menschen zu kommen.
[ 14 ] Nun, wie verhält es sich eigentlich mit diesem Abgrenzen der menschlichen übersinnlichen Wesenheit in Seelenwesen und Geistwesen? Man kann sich eine vorläufige Vorstellung darüber bilden, wenn man darauf Rücksicht nimmt, dass der Mensch so, wie er nun einmal ist, zwischen Geburt und Tod oder, sagen wir, Empfängnis, dass der Mensch seelisch auch das Leibliche erlebt. Wir müssen uns ja klar sein darüber, dass Hunger, Durst, Atmungsbedürfnis zum Beispiel im Grunde genommen seelische Erlebnisse sind. Wir erleben innerlich empfindungs-, gefühlsmäßig Hunger und Durst, wir empfinden eine gewisse Stimmung aus diesem oder jenem Atmungsbedürfnis hervorgehend.
[ 14 ] Nun, wie verhält es sich eigentlich mit diesem Abgrenzen der menschlichen übersinnlichen Wesenheit in Seelenwesen und Geistwesen? Man kann sich eine vorläufige Vorstellung darüber bilden, wenn man darauf Rücksicht nimmt, dass der Mensch so, wie er nun einmal ist, zwischen Geburt und Tod oder, sagen wir, Empfängnis, dass der Mensch seelisch auch das Leibliche erlebt. Wir müssen uns ja klar sein darüber, dass Hunger, Durst, Atmungsbedürfnis zum Beispiel im Grunde genommen seelische Erlebnisse sind. Wir erleben innerlich empfindungs-, gefühlsmäßig Hunger und Durst, wir empfinden eine gewisse Stimmung aus diesem oder jenem Atmungsbedürfnis hervorgehend.
[ 15 ] Will nun der Mensch erforschen die leibliche Grundlage von Hunger und Durst und Atmungsbedürfnissen, so darf er nicht bei der inneren Wahrnehmung stehen bleiben, so darf er sich nicht zum Beispiel Nahrung versagen, um starken Hunger zu bekommen, oder den Magen überladen, um zu sehen, wie es ist, wenn man übersättigt ist. Man würde niemals auf diesem Gebiet sich der Täuschung hingeben, dass man durch bloße Innenbeobachtung, durch Verfolgen, wie sich das ausnimmt, wenn man mehr oder weniger Hunger und Durst hat, dass man durch diese Beobachtung etwas erfährt über das, was im Leibe dem Hunger, Durst, und Atmungsbedürfnis entspricht.
[ 15 ] Will nun der Mensch erforschen die leibliche Grundlage von Hunger und Durst und Atmungsbedürfnissen, so darf er nicht bei der inneren Wahrnehmung stehen bleiben, so darf er sich nicht zum Beispiel Nahrung versagen, um starken Hunger zu bekommen, oder den Magen überladen, um zu sehen, wie es ist, wenn man übersättigt ist. Man würde niemals auf diesem Gebiet sich der Täuschung hingeben, dass man durch bloße Innenbeobachtung, durch Verfolgen, wie sich das ausnimmt, wenn man mehr oder weniger Hunger und Durst hat, dass man durch diese Beobachtung etwas erfährt über das, was im Leibe dem Hunger, Durst, und Atmungsbedürfnis entspricht.
[ 16 ] Die Wissenschaft des physischen Lebens hat ihre besonderen Methoden, ihre besonderen Forschungsarten, um zu sehen, was im Leibe vorgeht, während wir Hunger haben oder wenn das behagliche Gefühl der Sättigung eingetreten ist. Ob sie recht oder unrecht hat, das soll uns nicht interessieren; aber die physische Forschung, die geht von dem, was bloß innerlich in der Seele gefühlsmäßig erlebt wird, über zu den leiblichen Vorgängen, untersucht die chemischen Veränderungen des Blutes für den Hunger und so weiter. Die physische Forschung muss, um das zu erkennen, was leiblich zugrunde liegt dieser Art von Seelenleben, das ich eben gekennzeichnet habe, von der Seele herausgehen zu dem Leiblichen hin, und man wird zugeben, dass für den Menschen, der nur im gewöhnlichen Bewusstsein lebt, im alltäglichen Bewusstsein lebt, all diese Vorgänge, die sich chemisch-physisch abspielen im Leibe, während er so etwas wie Hunger oder die allgemeine behagliche Stimmung der Lebensverfassung erfährt, dass diese Vorgänge unbewusst bleiben.
[ 16 ] Die Wissenschaft des physischen Lebens hat ihre besonderen Methoden, ihre besonderen Forschungsarten, um zu sehen, was im Leibe vorgeht, während wir Hunger haben oder wenn das behagliche Gefühl der Sättigung eingetreten ist. Ob sie recht oder unrecht hat, das soll uns nicht interessieren; aber die physische Forschung, die geht von dem, was bloß innerlich in der Seele gefühlsmäßig erlebt wird, über zu den leiblichen Vorgängen, untersucht die chemischen Veränderungen des Blutes für den Hunger und so weiter. Die physische Forschung muss, um das zu erkennen, was leiblich zugrunde liegt dieser Art von Seelenleben, das ich eben gekennzeichnet habe, von der Seele herausgehen zu dem Leiblichen hin, und man wird zugeben, dass für den Menschen, der nur im gewöhnlichen Bewusstsein lebt, im alltäglichen Bewusstsein lebt, all diese Vorgänge, die sich chemisch-physisch abspielen im Leibe, während er so etwas wie Hunger oder die allgemeine behagliche Stimmung der Lebensverfassung erfährt, dass diese Vorgänge unbewusst bleiben.
[ 17 ] Was weiß denn der Mensch im gewöhnlichen Bewusstsein von seinem Leibe? Da gibt ihm zu dem wenigen, was er durch äußere Anschauung sich selbst mit den Sinnen beschaut, erkennt, da gibt ihm denn jene Wissenschaft, die wir die physische Wissenschaft nennen, ihren Aufschluss; aber das, was die physische Wissenschaft da gibt, das kommt nicht im gewöhnlichen Seelenleben zum Bewusstsein.
[ 17 ] Was weiß denn der Mensch im gewöhnlichen Bewusstsein von seinem Leibe? Da gibt ihm zu dem wenigen, was er durch äußere Anschauung sich selbst mit den Sinnen beschaut, erkennt, da gibt ihm denn jene Wissenschaft, die wir die physische Wissenschaft nennen, ihren Aufschluss; aber das, was die physische Wissenschaft da gibt, das kommt nicht im gewöhnlichen Seelenleben zum Bewusstsein.
[ 18 ] Geistesforschung zeigt nun ihrerseits, dass es mit dem, was der menschlichen Seele als Geist zugrunde liegt, nach der andern Seite hin sich ebenso verhält wie mit dem, was der menschlichen Seele als Leib zugrunde liegt. So wenig als man kann aus der Empfindung des Hungers, des Durstes und der Atmungsbedürfnisse ohne irgendeine wissenschaftliche Betrachtungsweise über den Leib irgendetwas ausmachen, so wenig kann man durch das bloße innere Erleben von Vorstellen, Fühlen und Wollen, wie sie sich vollziehen in dem auf- und abwogenden Seelenleben des Alltags, irgendetwas über den Geist des Menschenwesens ausmachen; denn es ist schon so, dass vom Geiste des Menschen, der von der anderen Seite her das Seelenleben bestimmt als der Leib, dass von diesem Geiste des Menschen ebenso in das alltägliche Tagesleben nur ein Stück hereinragt wie von dem Leibe.
[ 18 ] Geistesforschung zeigt nun ihrerseits, dass es mit dem, was der menschlichen Seele als Geist zugrunde liegt, nach der andern Seite hin sich ebenso verhält wie mit dem, was der menschlichen Seele als Leib zugrunde liegt. So wenig als man kann aus der Empfindung des Hungers, des Durstes und der Atmungsbedürfnisse ohne irgendeine wissenschaftliche Betrachtungsweise über den Leib irgendetwas ausmachen, so wenig kann man durch das bloße innere Erleben von Vorstellen, Fühlen und Wollen, wie sie sich vollziehen in dem auf- und abwogenden Seelenleben des Alltags, irgendetwas über den Geist des Menschenwesens ausmachen; denn es ist schon so, dass vom Geiste des Menschen, der von der anderen Seite her das Seelenleben bestimmt als der Leib, dass von diesem Geiste des Menschen ebenso in das alltägliche Tagesleben nur ein Stück hereinragt wie von dem Leibe.
[ 19 ] Wie man den Leib durch seine Augen wahrnehmen kann, so kann man nicht etwas wissen über ihn, was nur die physische Forschung sagen kann. In die Seele ragt herein von dem Geiste die Fähigkeit, vermöge welcher wir zusammenfassen unsere seelischen Verrichtungen, die wir bezeichnen, dass wir sagen: Ich denke, ich fühle, ich will. Dieses Konzentrieren des Seelenlebens auf ein Ich, das aber sonst eine unbestimmte Vorstellung bleibt, das ist das, was in das gewöhnliche Seelenleben vom Geiste hereinragt, so wie vor den Augen das liegt, was vom Leibesleben hereinragt, ohne dass man forscht.
[ 19 ] Wie man den Leib durch seine Augen wahrnehmen kann, so kann man nicht etwas wissen über ihn, was nur die physische Forschung sagen kann. In die Seele ragt herein von dem Geiste die Fähigkeit, vermöge welcher wir zusammenfassen unsere seelischen Verrichtungen, die wir bezeichnen, dass wir sagen: Ich denke, ich fühle, ich will. Dieses Konzentrieren des Seelenlebens auf ein Ich, das aber sonst eine unbestimmte Vorstellung bleibt, das ist das, was in das gewöhnliche Seelenleben vom Geiste hereinragt, so wie vor den Augen das liegt, was vom Leibesleben hereinragt, ohne dass man forscht.
[ 20 ] Aber wie man davon zur physischen Forschung übergehen muss, so muss man übergehen von dem, was im Vorstellen, Fühlen und Wollen in der Seele erlebt wird, und von dem, was hereinragt aus dem Geiste, indem man das Vorstellen, Fühlen und Wollen zusammenfasst in dem Ich, das gleichsam so zugeneigt ist dem Seelenleben, wie von der anderen Seite her die leibliche Gestalt dem Auge zugeneigt ist, ... [Lücke] man muss übergehen von all dem, was man so in der Seele erleben kann, zu einer Wissenschaft vom Geiste, zu dem, was vom Geiste aus dieses Vorstellen, Fühlen und Wollen ebenso bestimmt, wie Hunger und Durst die leiblichen Vorgänge, die nur durch physische Forschung gefunden werden können, bestimmen.
[ 20 ] Aber wie man davon zur physischen Forschung übergehen muss, so muss man übergehen von dem, was im Vorstellen, Fühlen und Wollen in der Seele erlebt wird, und von dem, was hereinragt aus dem Geiste, indem man das Vorstellen, Fühlen und Wollen zusammenfasst in dem Ich, das gleichsam so zugeneigt ist dem Seelenleben, wie von der anderen Seite her die leibliche Gestalt dem Auge zugeneigt ist, ... [Lücke] man muss übergehen von all dem, was man so in der Seele erleben kann, zu einer Wissenschaft vom Geiste, zu dem, was vom Geiste aus dieses Vorstellen, Fühlen und Wollen ebenso bestimmt, wie Hunger und Durst die leiblichen Vorgänge, die nur durch physische Forschung gefunden werden können, bestimmen.
[ 21 ] Allerdings sind zur Erforschung des Geistes andere Forschungsmethoden notwendig als die der physischen Wissenschaft; aber betont muss gerade mit voller Schärfe werden, dass eine noch so weitgehende Vertiefung zum Beispiel des bloßen Innenlebens niemals zu wirklicher Geisteswissenschaft führen kann. Ebenso wenig wie eine Vergrößerung des Hungers oder Durstes oder des Atmungsbedürfnisses oder der Sättigung zur gewöhnlichen Wissenschaft führen kann, dazu, dass man Anatomie und Physiologie lehrt; ebenso wenig kann bloße mystische Vertiefung — und wenn sie noch so innig ist —, bloßes Hineinleben in Vorstellungen, in Fühlungen, das kann niemals zu einer Erkenntnis des Geistig-Wirklichen führen. Dazu kann im Ernste nur führen ein wirkliches Ausdehnen des Beobachtungsfeldes von dem inneren Seelenleben aus zu dem außer uns und mit uns gerade so vorhandenen Geist wie der außer uns und mit uns vorhandenen Natur; denn diese außer und mit uns vorhandene Natur organisiert uns unseren Leib, dieser außer und mit uns vorhandene Geist organisiert uns unseren eigenen Geist. Zwischen dem Leib und dem Geist entwickelt sich dann das Seelenleben durch die Wechselbeziehungen von Geist und Leib.
[ 21 ] Allerdings sind zur Erforschung des Geistes andere Forschungsmethoden notwendig als die der physischen Wissenschaft; aber betont muss gerade mit voller Schärfe werden, dass eine noch so weitgehende Vertiefung zum Beispiel des bloßen Innenlebens niemals zu wirklicher Geisteswissenschaft führen kann. Ebenso wenig wie eine Vergrößerung des Hungers oder Durstes oder des Atmungsbedürfnisses oder der Sättigung zur gewöhnlichen Wissenschaft führen kann, dazu, dass man Anatomie und Physiologie lehrt; ebenso wenig kann bloße mystische Vertiefung — und wenn sie noch so innig ist —, bloßes Hineinleben in Vorstellungen, in Fühlungen, das kann niemals zu einer Erkenntnis des Geistig-Wirklichen führen. Dazu kann im Ernste nur führen ein wirkliches Ausdehnen des Beobachtungsfeldes von dem inneren Seelenleben aus zu dem außer uns und mit uns gerade so vorhandenen Geist wie der außer uns und mit uns vorhandenen Natur; denn diese außer und mit uns vorhandene Natur organisiert uns unseren Leib, dieser außer und mit uns vorhandene Geist organisiert uns unseren eigenen Geist. Zwischen dem Leib und dem Geist entwickelt sich dann das Seelenleben durch die Wechselbeziehungen von Geist und Leib.
[ 22 ] Dabei sind aber diejenigen Methoden, welche zur Erkenntnis des Geistes führen, eben durchaus im geistigen Sinn aufzufassen. Man kann niemals durch äußere Hantierungen, und wären sie noch so spiritueller Art, zum Geiste kommen; denn der Geist ist einmal nur im Übersinnlichen gegeben. Strebt man also auch nur an, durch äußere Hantierung über den Geist etwas zu erfahren, so zeigt man, dass man eigentlich kein Verständnis dafür hat, zum Geist überhaupt zu kommen. Dasjenige, um was es sich handelt, ist: Während man von dem Seelisch-Lebendigen, dem Hunger und Durste, übergehen muss zu dem Seelisch-Toten im Leibesleben behufs physischer Wissenschaft, Physiologie und Biologie, muss man übergehen durch eine Verstärkung des Seelenlebens, durch ein Hereinbringen ganz neuer Elemente des Seelenlebens zu einer Betrachtung des Geistes.
[ 22 ] Dabei sind aber diejenigen Methoden, welche zur Erkenntnis des Geistes führen, eben durchaus im geistigen Sinn aufzufassen. Man kann niemals durch äußere Hantierungen, und wären sie noch so spiritueller Art, zum Geiste kommen; denn der Geist ist einmal nur im Übersinnlichen gegeben. Strebt man also auch nur an, durch äußere Hantierung über den Geist etwas zu erfahren, so zeigt man, dass man eigentlich kein Verständnis dafür hat, zum Geist überhaupt zu kommen. Dasjenige, um was es sich handelt, ist: Während man von dem Seelisch-Lebendigen, dem Hunger und Durste, übergehen muss zu dem Seelisch-Toten im Leibesleben behufs physischer Wissenschaft, Physiologie und Biologie, muss man übergehen durch eine Verstärkung des Seelenlebens, durch ein Hereinbringen ganz neuer Elemente des Seelenlebens zu einer Betrachtung des Geistes.
[ 23 ] Nun muss ich durchaus betonen, dass das, was von mir schon öfter hier angegeben worden ist und auch heute wiederum angegeben wird in prinzipieller Weise als Forschungsweg in die geistige Welt hinein, nicht in dem Sinn erzählt wird, als ob damit jedem Menschen anempfohlen würde, sogleich diesen Weg in die geistige Welt hinein auch zu gehen. Und derjenige, der, um die Geisteswissenschaft zu diskreditieren, immer wiederum betont, dass eigentlich über die Geisteswissenschaft nur derjenige sprechen dürfte, der selber Erfahrungen in der geistigen Welt gemacht hat, der verwickelt sich in denselben Widerspruch, in den sich der verwickelt, der da sagt, über Chemie und Physik dürfe nur derjenige sprechen, der selber darinnen forscht.
[ 23 ] Nun muss ich durchaus betonen, dass das, was von mir schon öfter hier angegeben worden ist und auch heute wiederum angegeben wird in prinzipieller Weise als Forschungsweg in die geistige Welt hinein, nicht in dem Sinn erzählt wird, als ob damit jedem Menschen anempfohlen würde, sogleich diesen Weg in die geistige Welt hinein auch zu gehen. Und derjenige, der, um die Geisteswissenschaft zu diskreditieren, immer wiederum betont, dass eigentlich über die Geisteswissenschaft nur derjenige sprechen dürfte, der selber Erfahrungen in der geistigen Welt gemacht hat, der verwickelt sich in denselben Widerspruch, in den sich der verwickelt, der da sagt, über Chemie und Physik dürfe nur derjenige sprechen, der selber darinnen forscht.
[ 24 ] Nein, so wenig es ein unberechtigter Autoritätsglaube ist, dass man in die allgemeine Menschenbildung aufnimmt, was Chemie, Physik und so weiter erforschen, ebenso wenig ist es ein unberechtigter Autoritätsglaube, wenn man das aufnimmt in die allgemeine Menschenbildung, was Geisteswissenschaft zu erforschen in der Lage ist; aber allerdings, die geisteswissenschaftlichen Methoden müssen heute allgemein bekannt werden, und man findet über das, was ich jetzt nur prinzipiell andeuten werde, genaueren Aufschluss in allen Einzelheiten in meinen Büchern: «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», «Theosophie» und «Geheimwissenschaft», «Vom Menschenrätsel», «Von Seelenrätseln» und so weiter. Da findet man in den Einzelheiten die Dinge dargestellt, den Weg gezeichnet, der in die geistige Welt hineinführt.
[ 24 ] Nein, so wenig es ein unberechtigter Autoritätsglaube ist, dass man in die allgemeine Menschenbildung aufnimmt, was Chemie, Physik und so weiter erforschen, ebenso wenig ist es ein unberechtigter Autoritätsglaube, wenn man das aufnimmt in die allgemeine Menschenbildung, was Geisteswissenschaft zu erforschen in der Lage ist; aber allerdings, die geisteswissenschaftlichen Methoden müssen heute allgemein bekannt werden, und man findet über das, was ich jetzt nur prinzipiell andeuten werde, genaueren Aufschluss in allen Einzelheiten in meinen Büchern: «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», «Theosophie» und «Geheimwissenschaft», «Vom Menschenrätsel», «Von Seelenrätseln» und so weiter. Da findet man in den Einzelheiten die Dinge dargestellt, den Weg gezeichnet, der in die geistige Welt hineinführt.
[ 25 ] Heute ist es allerdings aus dem Grund notwendig, über diese Sache zu sprechen, weil es wünschenswert ist nach der ganzen geistigen Konstitution unserer Zeit, dass möglichst viele Menschen den Weg gehen, der wenigstens bis zu dem Punkte führt, von dem aus man Zeugnis ablegen kann dafür, dass das geistige Leben eine Wirklichkeit ist. Und zu diesem Punkte kann im Grunde genommen jeder kommen, der die Anleitungen der genannten Bücher irgendwie berücksichtigt.
[ 25 ] Heute ist es allerdings aus dem Grund notwendig, über diese Sache zu sprechen, weil es wünschenswert ist nach der ganzen geistigen Konstitution unserer Zeit, dass möglichst viele Menschen den Weg gehen, der wenigstens bis zu dem Punkte führt, von dem aus man Zeugnis ablegen kann dafür, dass das geistige Leben eine Wirklichkeit ist. Und zu diesem Punkte kann im Grunde genommen jeder kommen, der die Anleitungen der genannten Bücher irgendwie berücksichtigt.
[ 26 ] Aber selbst wenn man das nicht wollte, wenn man nicht wollte den Weg in die geistige Welt hineingehen, dann würden noch immer Erkenntnisse darüber wertvoll sein, wie derjenige, welcher als Geistesforscher sich gibt, Ergebnisse darlegt aus der geistigen Welt, wie der zu diesen Forschungsergebnissen gekommen ist; denn man muss eigentlich wissen, worauf das beruht, was der Geistesforscher zu sagen hat. Man wird sich überzeugen können, wenn man eine Methode kennenlernt, dass man schon mit dem gewöhnlichen gesunden Menschenverstand gut beurteilen kann, ob der Geistesforscher etwas Absurdes, Törichtes, Dummes, Phantastisches, Träumerisches sagt oder ob er einen Weg aufzuzeigen in der Lage ist, der auf den gesunden Menschenverstand den Eindruck macht, dass man da wirklich etwas Geistiges findet.
[ 26 ] Aber selbst wenn man das nicht wollte, wenn man nicht wollte den Weg in die geistige Welt hineingehen, dann würden noch immer Erkenntnisse darüber wertvoll sein, wie derjenige, welcher als Geistesforscher sich gibt, Ergebnisse darlegt aus der geistigen Welt, wie der zu diesen Forschungsergebnissen gekommen ist; denn man muss eigentlich wissen, worauf das beruht, was der Geistesforscher zu sagen hat. Man wird sich überzeugen können, wenn man eine Methode kennenlernt, dass man schon mit dem gewöhnlichen gesunden Menschenverstand gut beurteilen kann, ob der Geistesforscher etwas Absurdes, Törichtes, Dummes, Phantastisches, Träumerisches sagt oder ob er einen Weg aufzuzeigen in der Lage ist, der auf den gesunden Menschenverstand den Eindruck macht, dass man da wirklich etwas Geistiges findet.
[ 27 ] Nun, wenn ich prinzipiell charakterisieren soll, welchen Weg der Geistesforscher geht, so muss ich sagen: Das gewöhnliche Fühlen, das gewöhnliche Vorstellen, die gewöhnlichen Willensimpulse, er muss sie umändern, der Geistesforscher, er muss sie in anderer Art gestalten, in solcher Art, dass er wirklich hinauskommt, bewusst hinauskommt über das bloße Denken, Fühlen und Wollen, dass er kommt zu einer wirklichen Anschauung des geistigen Lebens, so wie man kommt, indem man über das Hunger- und Durstleben hinausgeht, zu einer wirklichen Anschauung des Leibeslebens.
[ 27 ] Nun, wenn ich prinzipiell charakterisieren soll, welchen Weg der Geistesforscher geht, so muss ich sagen: Das gewöhnliche Fühlen, das gewöhnliche Vorstellen, die gewöhnlichen Willensimpulse, er muss sie umändern, der Geistesforscher, er muss sie in anderer Art gestalten, in solcher Art, dass er wirklich hinauskommt, bewusst hinauskommt über das bloße Denken, Fühlen und Wollen, dass er kommt zu einer wirklichen Anschauung des geistigen Lebens, so wie man kommt, indem man über das Hunger- und Durstleben hinausgeht, zu einer wirklichen Anschauung des Leibeslebens.
[ 28 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, man hat sehr häufig die Vorstellung, die physische Wissenschaft sei schwer, und man müsse schon einige Selbstüberwindung haben, um zu den streng wissenschaftlichen Methoden der physischen Wissenschaft zu kommen. Das ist ein Grund, warum man sich zur physischen Wissenschaft bekennt, ein Grund neben dem andern, dass zwar die physische Wissenschaft offiziell anerkannt ist, dass man damit seinen Lebensweg machen kann und so weiter, aber man hat so die Vorstellung, dass die geistige Forschung etwas Leichtes sein müsse, sonst will man es lieber ganz sein lassen. Man hat die Vorstellung, dass man mit ein paar Umgestaltungen seiner gewöhnlichen Begriffe in den Geist hineinkommen könne.
[ 28 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, man hat sehr häufig die Vorstellung, die physische Wissenschaft sei schwer, und man müsse schon einige Selbstüberwindung haben, um zu den streng wissenschaftlichen Methoden der physischen Wissenschaft zu kommen. Das ist ein Grund, warum man sich zur physischen Wissenschaft bekennt, ein Grund neben dem andern, dass zwar die physische Wissenschaft offiziell anerkannt ist, dass man damit seinen Lebensweg machen kann und so weiter, aber man hat so die Vorstellung, dass die geistige Forschung etwas Leichtes sein müsse, sonst will man es lieber ganz sein lassen. Man hat die Vorstellung, dass man mit ein paar Umgestaltungen seiner gewöhnlichen Begriffe in den Geist hineinkommen könne.
[ 29 ] Nun muss betont werden, dass gegenüber dem, was in Wirklichkeit das ist, was ich jetzt beschreiben will, was in Wirklichkeit der geistesforscherische Weg ist, doch die Beschäftigung mit chemischen, physikalischen, biologischen Methoden eine Leichtigkeit ist und dass Fortschritte auf dem Wege der geistigen Forschung Geduld und Ausdauer, je nach den verschiedenen menschlichen Talenten, die dazu vorhanden sind, kürzere oder längere Zeit, aber immerhin, selbst wenn starke Begabung für das Erforschen des geistigen Lebens vorhanden ist, oftmals viele Jahre erfordern, um nur nach der einen oder anderen Richtung hin einige Fortschritte zu machen, auch wenn der Ernst des Erforschens des geistigen Lebens vorhanden ist, der durchaus notwendig ist. So nimmt sich das, was man als Beschreibung der geistesforscherischen Wege geben kann, verhältnismäßig einfach aus; es aber wirklich bis zur Anwendung zu bringen, erfordert Geduld und Ausdauer und vor allen Dingen eine innere starke Energie und einen gewissen Denkermut.
[ 29 ] Nun muss betont werden, dass gegenüber dem, was in Wirklichkeit das ist, was ich jetzt beschreiben will, was in Wirklichkeit der geistesforscherische Weg ist, doch die Beschäftigung mit chemischen, physikalischen, biologischen Methoden eine Leichtigkeit ist und dass Fortschritte auf dem Wege der geistigen Forschung Geduld und Ausdauer, je nach den verschiedenen menschlichen Talenten, die dazu vorhanden sind, kürzere oder längere Zeit, aber immerhin, selbst wenn starke Begabung für das Erforschen des geistigen Lebens vorhanden ist, oftmals viele Jahre erfordern, um nur nach der einen oder anderen Richtung hin einige Fortschritte zu machen, auch wenn der Ernst des Erforschens des geistigen Lebens vorhanden ist, der durchaus notwendig ist. So nimmt sich das, was man als Beschreibung der geistesforscherischen Wege geben kann, verhältnismäßig einfach aus; es aber wirklich bis zur Anwendung zu bringen, erfordert Geduld und Ausdauer und vor allen Dingen eine innere starke Energie und einen gewissen Denkermut.
[ 30 ] Ich möchte von einem Vergleich ausgehen, in dem ich zeigen will, worin das eine besteht, das man sich aneignen muss, wenn man von der physischen oder seelischen Welt in die geistige Welt hineinkommen will. Jeder von Ihnen weiß: Wenn man etwas auswendig gelernt hat und man es hersagt, so ist es gut, wenn man sich nicht zu gleicher Zeit beobachtet beim Hersagen. Wenn man sich selber zuhören will beim Hersagen eines memorierten Stoffes, so stottert man, man bleibt stecken, es kann sich die geistige Tätigkeit, die sich im Hersagen eines Gedichtes entfaltet, nicht voll ausleben, wenn man zu gleicher Zeit danebenstehen will wie ein Selbstbeobachter.
[ 30 ] Ich möchte von einem Vergleich ausgehen, in dem ich zeigen will, worin das eine besteht, das man sich aneignen muss, wenn man von der physischen oder seelischen Welt in die geistige Welt hineinkommen will. Jeder von Ihnen weiß: Wenn man etwas auswendig gelernt hat und man es hersagt, so ist es gut, wenn man sich nicht zu gleicher Zeit beobachtet beim Hersagen. Wenn man sich selber zuhören will beim Hersagen eines memorierten Stoffes, so stottert man, man bleibt stecken, es kann sich die geistige Tätigkeit, die sich im Hersagen eines Gedichtes entfaltet, nicht voll ausleben, wenn man zu gleicher Zeit danebenstehen will wie ein Selbstbeobachter.
[ 31 ] Man weiß also, dass Selbstbeobachtung schwierig ist. Dennoch, nicht allein das, dass man sich selbst beobachtet, wie beim Hersagen eines Gedichtes, sondern das ist zum Wege in die geistige Welt hinein notwendig, dass man sich beobachtet beim eigenen Denken, eigenen Fühlen, eigenen Wollen. Es gibt Philosophen, die schildern es geradezu als ein Kennzeichen des menschlichen Seelenlebens, dass man in dieser Weise nicht sich selbst beobachten kann. Für diese Philosophen ist natürlich der geisteswissenschaftliche Weg von vornherein ein unmöglicher, weil sie dasjenige, was man eben schon kann, als eine Eigentümlichkeit der Seele auffassen, und das, was man erst lernen muss, als Unmöglichkeit betrachten. Man muss eben, wenn man Geistesforscher werden will, lernen, nicht nur sich zu beobachten, wenn man etwa ein Gedicht hersagt, gleichsam neben sich dann stehen zu können, man muss nicht nur das erreichen durch fortdauernde Übung, sondern notwendig und unerlässlich ist es, das zu erreichen, dass man den Gedanken- und Gefühlsablauf in der Seele hervorruft und zu gleicher Zeit gewissermaßen selbst dabeisteht.
[ 31 ] Man weiß also, dass Selbstbeobachtung schwierig ist. Dennoch, nicht allein das, dass man sich selbst beobachtet, wie beim Hersagen eines Gedichtes, sondern das ist zum Wege in die geistige Welt hinein notwendig, dass man sich beobachtet beim eigenen Denken, eigenen Fühlen, eigenen Wollen. Es gibt Philosophen, die schildern es geradezu als ein Kennzeichen des menschlichen Seelenlebens, dass man in dieser Weise nicht sich selbst beobachten kann. Für diese Philosophen ist natürlich der geisteswissenschaftliche Weg von vornherein ein unmöglicher, weil sie dasjenige, was man eben schon kann, als eine Eigentümlichkeit der Seele auffassen, und das, was man erst lernen muss, als Unmöglichkeit betrachten. Man muss eben, wenn man Geistesforscher werden will, lernen, nicht nur sich zu beobachten, wenn man etwa ein Gedicht hersagt, gleichsam neben sich dann stehen zu können, man muss nicht nur das erreichen durch fortdauernde Übung, sondern notwendig und unerlässlich ist es, das zu erreichen, dass man den Gedanken- und Gefühlsablauf in der Seele hervorruft und zu gleicher Zeit gewissermaßen selbst dabeisteht.
[ 32 ] Sehen Sie, wir haben im Abendlande nicht die Möglichkeit und sollen es auch gar nicht versuchen, in der Art wie die Geister des Morgenlandes in die geistige Welt auch eindringen zu wollen — die Methoden des Abendlandes müssen andere sein als die des Morgenlandes =; aber dennoch kann man manchmal hinhören, wenn der Morgenländer, der durch seine besondere Natur auf Selbstbeobachtung viel stärker eingestellt ist als der Abendländer, wenn der etwas sagt.
[ 32 ] Sehen Sie, wir haben im Abendlande nicht die Möglichkeit und sollen es auch gar nicht versuchen, in der Art wie die Geister des Morgenlandes in die geistige Welt auch eindringen zu wollen — die Methoden des Abendlandes müssen andere sein als die des Morgenlandes =; aber dennoch kann man manchmal hinhören, wenn der Morgenländer, der durch seine besondere Natur auf Selbstbeobachtung viel stärker eingestellt ist als der Abendländer, wenn der etwas sagt.
[ 33 ] In einem ausgezeichneten Aufsatz, der vor Kurzem erschienen ist von Rabindranath Tagore, der ja bekannt [ge]worden ist, weil er den Nobelpreis bekommen hat für seine Dichtungen, findet sich eine kurze Bemerkung über die Selbstbeobachtung, welche vielsagend ist, weil sie eben aus der Seele eines Menschen herkommt, der mehr mit Selbstbeobachtung der Seele bekannt ist, als es die meisten abendländischen Denker sind. Er verweist — Tagore — auf die Notwendigkeit der Selbstbeobachtung auch in Bezug auf die öffentliche Kultur; aber er sagt: Ich weiß, wie schwer es ist, sich selbst zu beobachten, und ich weiß, dass derjenige, der betrunken ist, hartnäckig seine Betrunkenheit ableugnet; wenn er Selbstbeobachtung hätte, würde er sie kaum ableugnen können. Das ist natürlich nicht nur für den Trunksüchtigen so, das ist für den Menschen überhaupt so, dass ihm Selbstbeobachtung, Eindringen in das, was an ihm selbst ist, ungeheure Schwierigkeiten macht. Geschehen aber muss es, wenn man wirklich zur Erkenntnis der geistigen Welt kommen will.
[ 33 ] In einem ausgezeichneten Aufsatz, der vor Kurzem erschienen ist von Rabindranath Tagore, der ja bekannt [ge]worden ist, weil er den Nobelpreis bekommen hat für seine Dichtungen, findet sich eine kurze Bemerkung über die Selbstbeobachtung, welche vielsagend ist, weil sie eben aus der Seele eines Menschen herkommt, der mehr mit Selbstbeobachtung der Seele bekannt ist, als es die meisten abendländischen Denker sind. Er verweist — Tagore — auf die Notwendigkeit der Selbstbeobachtung auch in Bezug auf die öffentliche Kultur; aber er sagt: Ich weiß, wie schwer es ist, sich selbst zu beobachten, und ich weiß, dass derjenige, der betrunken ist, hartnäckig seine Betrunkenheit ableugnet; wenn er Selbstbeobachtung hätte, würde er sie kaum ableugnen können. Das ist natürlich nicht nur für den Trunksüchtigen so, das ist für den Menschen überhaupt so, dass ihm Selbstbeobachtung, Eindringen in das, was an ihm selbst ist, ungeheure Schwierigkeiten macht. Geschehen aber muss es, wenn man wirklich zur Erkenntnis der geistigen Welt kommen will.
[ 34 ] Und so muss denn derjenige, der in die geistige Welt eindringen will, immer mehr und mehr dazu kommen, dass er gewissermaßen das, was in Vorstellungen, Gefühlen und Wollen abläuft, auch von sich absondert, in einem anderen Elemente leben lernt, indem er das, was sonst in ihm ist, hinwegstellt und beobachtet. Dadurch muss er dazu kommen, hineinzukommen aus dem gewöhnlichen Seelenleben in das Erleben des Geistigen. Man muss gleichsam ausstoßen, wie man ausstößt das Hersagen des Gedichtes, wenn man sich selbst beobachtet, man muss ausstoßen das Denken, Fühlen und Wollen, und man kommt dadurch in der Tat in die Lage — so sonderbar, so paradox das zunächst klingt —, wenn man es immer wieder und wiederum treibt mit der Energie, mit der man die chemische Methode, sonst Dinge in der äußeren Welt treibt, man kommt dazu, in vollständig gesunder Weise das zu entwickeln, was man nennen kann «Ich-Bewusstsein haben», Selbstbewusstsein haben, aber nicht in seinem Denken, Fühlen und Wollen, sondern auRerhalb desselben.
[ 34 ] Und so muss denn derjenige, der in die geistige Welt eindringen will, immer mehr und mehr dazu kommen, dass er gewissermaßen das, was in Vorstellungen, Gefühlen und Wollen abläuft, auch von sich absondert, in einem anderen Elemente leben lernt, indem er das, was sonst in ihm ist, hinwegstellt und beobachtet. Dadurch muss er dazu kommen, hineinzukommen aus dem gewöhnlichen Seelenleben in das Erleben des Geistigen. Man muss gleichsam ausstoßen, wie man ausstößt das Hersagen des Gedichtes, wenn man sich selbst beobachtet, man muss ausstoßen das Denken, Fühlen und Wollen, und man kommt dadurch in der Tat in die Lage — so sonderbar, so paradox das zunächst klingt —, wenn man es immer wieder und wiederum treibt mit der Energie, mit der man die chemische Methode, sonst Dinge in der äußeren Welt treibt, man kommt dazu, in vollständig gesunder Weise das zu entwickeln, was man nennen kann «Ich-Bewusstsein haben», Selbstbewusstsein haben, aber nicht in seinem Denken, Fühlen und Wollen, sondern auRerhalb desselben.
[ 35 ] Und ein Reales, eine Wirklichkeit wird es, wenn man solche geisteswissenschaftlichen Methoden anwendet, eine Wirklichkeit wird es, dass der Mensch zu sich sagen kann: Ich bin außerhalb meines Leibes. — Dieses Bewusstsein, das dann eine Erfahrung ist, das dann eine Anschauung ist, dieses Bewusstsein dringt ein, dass der Mensch nicht mehr mit seinem Ich sich erfühlt in seinem Denken, Fühlen und Wollen, wie sonst immer, sondern dass er außerhalb desselben steht und dass er jetzt weiß: Ich bin noch ein Wesen, auch dann, wenn ich Denken, Fühlen und Wollen, das zunächst von meinem Leibe abhängig ist, verlassen habe!
[ 35 ] Und ein Reales, eine Wirklichkeit wird es, wenn man solche geisteswissenschaftlichen Methoden anwendet, eine Wirklichkeit wird es, dass der Mensch zu sich sagen kann: Ich bin außerhalb meines Leibes. — Dieses Bewusstsein, das dann eine Erfahrung ist, das dann eine Anschauung ist, dieses Bewusstsein dringt ein, dass der Mensch nicht mehr mit seinem Ich sich erfühlt in seinem Denken, Fühlen und Wollen, wie sonst immer, sondern dass er außerhalb desselben steht und dass er jetzt weiß: Ich bin noch ein Wesen, auch dann, wenn ich Denken, Fühlen und Wollen, das zunächst von meinem Leibe abhängig ist, verlassen habe!
[ 36 ] Dasjenige, was heute noch so vielen Leuten grotesk erscheint, was sie damit bezeichnen, dass sie sich lächerlich darüber machen, dass man seinen Leib ablegen kann und sich neben denselben stellen kann, das ist eine Tatsache für den, der in entsprechender Weise geistesforscherisch vorwärtsdringt. Es ist eine Tatsache, allerdings so, dass man nicht, ich möchte sagen, in einer Verdoppelung des physischen Leibes außerhalb desselben steht, sondern geistig. Das ist zu erreichen durch ein Leben, das nur im Geiste verfließt. Wie die Hantierungen der chemischen Methoden sind im Raum, so ist das, was der Geistesforscher vornehmen muss, etwas, was im Geiste vorgeht.
[ 36 ] Dasjenige, was heute noch so vielen Leuten grotesk erscheint, was sie damit bezeichnen, dass sie sich lächerlich darüber machen, dass man seinen Leib ablegen kann und sich neben denselben stellen kann, das ist eine Tatsache für den, der in entsprechender Weise geistesforscherisch vorwärtsdringt. Es ist eine Tatsache, allerdings so, dass man nicht, ich möchte sagen, in einer Verdoppelung des physischen Leibes außerhalb desselben steht, sondern geistig. Das ist zu erreichen durch ein Leben, das nur im Geiste verfließt. Wie die Hantierungen der chemischen Methoden sind im Raum, so ist das, was der Geistesforscher vornehmen muss, etwas, was im Geiste vorgeht.
[ 37 ] Sehr verehrte Anwesende, wenn man das, was ich jetzt beschrieben habe, bis zu einer gewissen Vollkommenheit bringt, dann kommt man eigentlich erst dazu, eine gehörige Anschauung zu haben über das, was sich zusammenschließt in dem Wörtchen «Ich». Dieses Ich spricht man aus und man glaubt vielleicht sogar, dass man, indem man das Ich ausspricht, das Geistige des Menschen hat. Man hat nicht mehr von diesem Geistigen des Menschen, als man hat von den physischen, chemischen Vorgängen im Leibe, wenn man diesen Leib durch die Augen von außen anschaut. Es ist sogar merkwürdig, dass Seelenforscher, zum Beispiel der sehr hervorragende Theodor Ziehen, über das Ich sprechen.
[ 37 ] Sehr verehrte Anwesende, wenn man das, was ich jetzt beschrieben habe, bis zu einer gewissen Vollkommenheit bringt, dann kommt man eigentlich erst dazu, eine gehörige Anschauung zu haben über das, was sich zusammenschließt in dem Wörtchen «Ich». Dieses Ich spricht man aus und man glaubt vielleicht sogar, dass man, indem man das Ich ausspricht, das Geistige des Menschen hat. Man hat nicht mehr von diesem Geistigen des Menschen, als man hat von den physischen, chemischen Vorgängen im Leibe, wenn man diesen Leib durch die Augen von außen anschaut. Es ist sogar merkwürdig, dass Seelenforscher, zum Beispiel der sehr hervorragende Theodor Ziehen, über das Ich sprechen.
[ 38 ] Man sieht aus der Art, wie selbst Seelenforscher über das Ich sprechen, dass ihnen dieses Ich nur seine Außenseite zuwendet. Nachdem Ziehen sehr schöne, bedeutungsvolle, vom rein naturwissenschaftlichen Standpunkte aus gesehen bedeutungsvolle Vorlesungen gehalten hat über physiologische Psychologie, sagt er zu seinen Zuhörern: Meine Herren, das Ich ist keineswegs etwas sehr Einfaches, sondern, wenn Sie einmal nachdenken über dasjenige, was das Ich ist, was fällt Ihnen denn da alles ein? Da fällt Ihnen ein zunächst Ihr Leib, dann Ihre Beziehungen zur Außenwelt, dann Ihre Eigentums- und Besitzverhältnisse, dann vielleicht Ihre Namen und Titel — die Orden lässt er aus —, dann fallen Ihnen ein alle Erlebnisse Ihrer Vergangenheit und so weiter, kurz, Theodor Ziehen erwähnt alles das, was einem eigentlich über das Ich recht wenig Aufschluss geben kann. Dann sagt er noch: Allerdings die Metaphysiker sagen oftmals, dass das Ich noch etwas Besonderes sei außer dem, was einem da einfällt wie Namen, Titel und so weiter, aber das sei ja nur eine Fiktion. Wiederum ein solches Beispiel, wo ein Forscher, der sehr ernst zu nehmen ist — ich bin auch da voller Anerkennung und Bewunderung —, das naturwissenschaftlich Erforschbare mustergültig darlegt, aber darauf hinweist, dass man auf diesem Gebiete nicht das Geistige finden könne; dann aber auch dieses Geistige zugleich diskreditiert als eine Fiktion.
[ 38 ] Man sieht aus der Art, wie selbst Seelenforscher über das Ich sprechen, dass ihnen dieses Ich nur seine Außenseite zuwendet. Nachdem Ziehen sehr schöne, bedeutungsvolle, vom rein naturwissenschaftlichen Standpunkte aus gesehen bedeutungsvolle Vorlesungen gehalten hat über physiologische Psychologie, sagt er zu seinen Zuhörern: Meine Herren, das Ich ist keineswegs etwas sehr Einfaches, sondern, wenn Sie einmal nachdenken über dasjenige, was das Ich ist, was fällt Ihnen denn da alles ein? Da fällt Ihnen ein zunächst Ihr Leib, dann Ihre Beziehungen zur Außenwelt, dann Ihre Eigentums- und Besitzverhältnisse, dann vielleicht Ihre Namen und Titel — die Orden lässt er aus —, dann fallen Ihnen ein alle Erlebnisse Ihrer Vergangenheit und so weiter, kurz, Theodor Ziehen erwähnt alles das, was einem eigentlich über das Ich recht wenig Aufschluss geben kann. Dann sagt er noch: Allerdings die Metaphysiker sagen oftmals, dass das Ich noch etwas Besonderes sei außer dem, was einem da einfällt wie Namen, Titel und so weiter, aber das sei ja nur eine Fiktion. Wiederum ein solches Beispiel, wo ein Forscher, der sehr ernst zu nehmen ist — ich bin auch da voller Anerkennung und Bewunderung —, das naturwissenschaftlich Erforschbare mustergültig darlegt, aber darauf hinweist, dass man auf diesem Gebiete nicht das Geistige finden könne; dann aber auch dieses Geistige zugleich diskreditiert als eine Fiktion.
[ 39 ] Dieses Geistige, dieses Ich in ein Wort zusammenfassen, das beweist ja durchaus noch nicht, wenn man es kann zusammenfassen in ein Wort, dass man auch über das Wesen des Ich etwas weiß. Jeder Mensch weiß ja auch das Wort «Schlaf» auszusprechen; aber worin das Wesen der Seele besteht zwischen Einschlafen und Aufwachen, darauf ist nicht hingewiesen dadurch, dass man das Wort «Schlaf» ausspricht. Da spricht man sich nur aus über etwas, was sich als eine Lücke, was sich eigentlich als ein Unausgefülltes ins Leben hineinstellt.
[ 39 ] Dieses Geistige, dieses Ich in ein Wort zusammenfassen, das beweist ja durchaus noch nicht, wenn man es kann zusammenfassen in ein Wort, dass man auch über das Wesen des Ich etwas weiß. Jeder Mensch weiß ja auch das Wort «Schlaf» auszusprechen; aber worin das Wesen der Seele besteht zwischen Einschlafen und Aufwachen, darauf ist nicht hingewiesen dadurch, dass man das Wort «Schlaf» ausspricht. Da spricht man sich nur aus über etwas, was sich als eine Lücke, was sich eigentlich als ein Unausgefülltes ins Leben hineinstellt.
[ 40 ] So ist es auch, wenn man über das Ich spricht: Man weist auf etwas hin, worüber man keine Anschauung hat. Wenn man eine farbige Fläche sieht und inmitten der Fläche die Farbe aufhört, so sieht man einen schwarzen Punkt. Man sieht eigentlich nichts, das Nichts bezeichnet man. So hat man nicht irgendetwas im Sinn, wenn man vom gewöhnlichen Bewusstsein aus das Wörtchen «Ich» ausspricht, man hat fast ein Nichts, eigentlich nur einen geistigen Punkt. Erweitert man aber das Bewusstsein dadurch, dass man in der Weise, wie ich es angedeutet habe, sein eigener Zuschauer wird, dann lernt man über dieses Ich gerade etwas sehr Bedeutungsvolles erkennen, da lernt man erkennen, dass das, was das Wesen des Ich ist, im Grunde genommen vom gewöhnlichen Bewusstsein immer falsch gedeutet wird.
[ 40 ] So ist es auch, wenn man über das Ich spricht: Man weist auf etwas hin, worüber man keine Anschauung hat. Wenn man eine farbige Fläche sieht und inmitten der Fläche die Farbe aufhört, so sieht man einen schwarzen Punkt. Man sieht eigentlich nichts, das Nichts bezeichnet man. So hat man nicht irgendetwas im Sinn, wenn man vom gewöhnlichen Bewusstsein aus das Wörtchen «Ich» ausspricht, man hat fast ein Nichts, eigentlich nur einen geistigen Punkt. Erweitert man aber das Bewusstsein dadurch, dass man in der Weise, wie ich es angedeutet habe, sein eigener Zuschauer wird, dann lernt man über dieses Ich gerade etwas sehr Bedeutungsvolles erkennen, da lernt man erkennen, dass das, was das Wesen des Ich ist, im Grunde genommen vom gewöhnlichen Bewusstsein immer falsch gedeutet wird.
[ 41 ] Ich will mich eines Vergleiches bedienen, um anzudeuten, in welchem Sinn man dieses Ich mit all dem, was dazu gehört, im gewöhnlichen Bewusstsein falsch deutet. Denken Sie sich, jemand würde die menschliche leibliche Konstitution untersuchen und finden, dass Lunge und Luft zusammengehören, und er würde deshalb, weil in einer gewissen Weise Lunge und Luft zusammengehören, erklären, die Luft, die in der Lunge ein- und ausgeatmet wird, sei eigentlich in der Lunge zustande gekommen; die Lunge entwickle sich im Menschenleibe allmählich so, dass sie Luft erzeuge. Man kann natürlich zu diesem Irrtum nicht kommen, weil man durch physische Wissenschaft findet, dass man Luft nicht nur ausatmet, die etwa entsteht, aus der Lunge, sondern dass man sie erst einatmet, um sie ausatmen zu können. Man kann dazu nur durch Anschauung kommen.
[ 41 ] Ich will mich eines Vergleiches bedienen, um anzudeuten, in welchem Sinn man dieses Ich mit all dem, was dazu gehört, im gewöhnlichen Bewusstsein falsch deutet. Denken Sie sich, jemand würde die menschliche leibliche Konstitution untersuchen und finden, dass Lunge und Luft zusammengehören, und er würde deshalb, weil in einer gewissen Weise Lunge und Luft zusammengehören, erklären, die Luft, die in der Lunge ein- und ausgeatmet wird, sei eigentlich in der Lunge zustande gekommen; die Lunge entwickle sich im Menschenleibe allmählich so, dass sie Luft erzeuge. Man kann natürlich zu diesem Irrtum nicht kommen, weil man durch physische Wissenschaft findet, dass man Luft nicht nur ausatmet, die etwa entsteht, aus der Lunge, sondern dass man sie erst einatmet, um sie ausatmen zu können. Man kann dazu nur durch Anschauung kommen.
[ 42 ] So erobert man sich eine Anschauung darüber, wie man zu seinem Ich sich zu verhalten hat. Ebenso wenig — das ergibt sich als unmittelbare Anschauung, wenn man zu dem kommt, was ich geschildert habe —, ebenso wenig, wie die Luft sich in der Lunge entwickelt, ebenso wenig kann sich das Ich aus dem menschlichen Leib herausentwickeln. Wie man die Luft in die Lunge einzieht und wiederum entlässt, so ist das Ich im objektiven geistigen Leben vorhanden. So wenig die Lunge Luftquell ist, so wenig ist der Leib Ichquell. Das Ich wird aufgenommen in den Leib und gewissermaßen ausgeatmet aus dem Leib, indem der Mensch durch die Pforte des Todes geht. Aber man muss, um dieses zu erkennen, erst eine wirkliche Anschauung von dem Ich bekommen.
[ 42 ] So erobert man sich eine Anschauung darüber, wie man zu seinem Ich sich zu verhalten hat. Ebenso wenig — das ergibt sich als unmittelbare Anschauung, wenn man zu dem kommt, was ich geschildert habe —, ebenso wenig, wie die Luft sich in der Lunge entwickelt, ebenso wenig kann sich das Ich aus dem menschlichen Leib herausentwickeln. Wie man die Luft in die Lunge einzieht und wiederum entlässt, so ist das Ich im objektiven geistigen Leben vorhanden. So wenig die Lunge Luftquell ist, so wenig ist der Leib Ichquell. Das Ich wird aufgenommen in den Leib und gewissermaßen ausgeatmet aus dem Leib, indem der Mensch durch die Pforte des Todes geht. Aber man muss, um dieses zu erkennen, erst eine wirkliche Anschauung von dem Ich bekommen.
[ 43 ] Durch die geschilderte wahre Selbstbeobachtung, nicht durch die Selbstbeobachtung, von der die Mystiker sprechen, muss man dazu kommen, das Ichbewusstsein im Geistigen außerhalb des Leiblichen zu entwickeln, dann weiß man, dass man das erfasst hat, was vom Leib zwar aufgenommen wird, was aber nicht vom Leib erzeugt wird. Hat man dieses erfasst, dann erst hat man eine Vorstellung darüber, was eigentlich der Mensch mit seinem Leib empfängt, dann erst kommt man auch zu gültigen Vorstellungen über das, was man mit dem Worte Vererbung und so weiter zusammenfassen kann, dann kann man biologisch sprechen, indem man weiß: Das, was man ererbt von seinen Vorfahren, entwickelt kein Ich, das entwickelt im Laufe des Lebens kein Ich, sondern das ist da, um ein Ich aufzunehmen, das aus der geistigen Welt heruntersteigen muss.
[ 43 ] Durch die geschilderte wahre Selbstbeobachtung, nicht durch die Selbstbeobachtung, von der die Mystiker sprechen, muss man dazu kommen, das Ichbewusstsein im Geistigen außerhalb des Leiblichen zu entwickeln, dann weiß man, dass man das erfasst hat, was vom Leib zwar aufgenommen wird, was aber nicht vom Leib erzeugt wird. Hat man dieses erfasst, dann erst hat man eine Vorstellung darüber, was eigentlich der Mensch mit seinem Leib empfängt, dann erst kommt man auch zu gültigen Vorstellungen über das, was man mit dem Worte Vererbung und so weiter zusammenfassen kann, dann kann man biologisch sprechen, indem man weiß: Das, was man ererbt von seinen Vorfahren, entwickelt kein Ich, das entwickelt im Laufe des Lebens kein Ich, sondern das ist da, um ein Ich aufzunehmen, das aus der geistigen Welt heruntersteigen muss.
[ 44 ] Das Ich muss aufgenommen werden von dem Leiblichen; wie aus dem äußeren Raume die Luft in die Lunge kommt, so kommt das Ich aus dem Geiste. Niemals kann das Ich und das, was durch das Ich vollzogen wird, irgendwie vererbt werden, wenn es auch eingesenkt und dadurch abhängig wird von dem Leiblichen. Die Luft wird ja auch in die Lunge eingesenkt und abhängig von der Verrichtung der Lunge, von der Konstitution der Lunge, durchlebt die Lunge so, wie die Lunge durchlebt sein kann. Ebenso durchlebt sich das, was wir als Gestaltungskräfte von den Eltern ererbt haben, von dem Ich; dadurch lebt sich das Ich so dar, dass es sich kleidet in seinen Verrichtungen in das, was wir von den Voreltern ererbt haben; aber zu einer Vorstellung über das, was wahres Verhältnis des Leiblichen zu dem geistigen Ich ist, kommt man nur, wenn man sich die entsprechende unmittelbare Anschauung erwirbt.
[ 44 ] Das Ich muss aufgenommen werden von dem Leiblichen; wie aus dem äußeren Raume die Luft in die Lunge kommt, so kommt das Ich aus dem Geiste. Niemals kann das Ich und das, was durch das Ich vollzogen wird, irgendwie vererbt werden, wenn es auch eingesenkt und dadurch abhängig wird von dem Leiblichen. Die Luft wird ja auch in die Lunge eingesenkt und abhängig von der Verrichtung der Lunge, von der Konstitution der Lunge, durchlebt die Lunge so, wie die Lunge durchlebt sein kann. Ebenso durchlebt sich das, was wir als Gestaltungskräfte von den Eltern ererbt haben, von dem Ich; dadurch lebt sich das Ich so dar, dass es sich kleidet in seinen Verrichtungen in das, was wir von den Voreltern ererbt haben; aber zu einer Vorstellung über das, was wahres Verhältnis des Leiblichen zu dem geistigen Ich ist, kommt man nur, wenn man sich die entsprechende unmittelbare Anschauung erwirbt.
[ 45 ] Geistesforschung ist ein Fortschreiten von dem gewöhnlichen Urteil zu einem solchen Urteil, das erworben wird, durch schauendes Bewusstsein erworben wird, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf, obwohl er vielfach verkannt wird, Geistesforschung kann nur erreicht werden dadurch, dass man fortschreitet von dem gewöhnlichen Urteil zu dem seherischen Urteil, vor dem ausgebreitet ist in einer geistigen Außenwelt das Geistige so, wie das Physische ausgebreitet ist vor den physischen Sinnen des Menschen. Wenn man das anwendet, was ich beschrieben habe, die Selbstbeobachtung, so kommt man schon so weit, dass man durch unmittelbare Erkenntnis weiß: Dasjenige, was im Menschen lebt, kommt aus einer geistigen Welt in sein Leibliches hinein und geht durch den Tod wieder heraus. Man kommt zur Erkenntnis dessen, was im Leibe nicht Leib, sondern Geist ist, was im Zusammenhang mit dem Leiblichen das MenschlichSeelische, das Fühlen und Wollen bewirkt.
[ 45 ] Geistesforschung ist ein Fortschreiten von dem gewöhnlichen Urteil zu einem solchen Urteil, das erworben wird, durch schauendes Bewusstsein erworben wird, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf, obwohl er vielfach verkannt wird, Geistesforschung kann nur erreicht werden dadurch, dass man fortschreitet von dem gewöhnlichen Urteil zu dem seherischen Urteil, vor dem ausgebreitet ist in einer geistigen Außenwelt das Geistige so, wie das Physische ausgebreitet ist vor den physischen Sinnen des Menschen. Wenn man das anwendet, was ich beschrieben habe, die Selbstbeobachtung, so kommt man schon so weit, dass man durch unmittelbare Erkenntnis weiß: Dasjenige, was im Menschen lebt, kommt aus einer geistigen Welt in sein Leibliches hinein und geht durch den Tod wieder heraus. Man kommt zur Erkenntnis dessen, was im Leibe nicht Leib, sondern Geist ist, was im Zusammenhang mit dem Leiblichen das MenschlichSeelische, das Fühlen und Wollen bewirkt.
[ 46 ] Aber man muss weitergehen, wenn man zu einer wirklichen Erkenntnis des geistigen Lebens kommen will. Man kommt sozusagen zu einer reinlichen Sonderung zwischen dem Leiblich-Seelischen und dem Geistigen, aber man kommt nicht zu einer konkreten Anschauung des Geistigen; zum Selbstbewusstsein kommt man, zu dem, was geistiges Ich ist, aber man kommt nicht zu einer Anschauung der Welt, in der dieses geistige Ich lebt, so wie der leibliche Mensch in der physischen Umgebung lebt. Dazu muss noch eintreten das, dass nicht nur Selbstbeobachtung da ist, sondern dass auch das ganze Vorstellungsleben des Menschen nach einer anderen Richtung hin noch umgeändert wird.
[ 46 ] Aber man muss weitergehen, wenn man zu einer wirklichen Erkenntnis des geistigen Lebens kommen will. Man kommt sozusagen zu einer reinlichen Sonderung zwischen dem Leiblich-Seelischen und dem Geistigen, aber man kommt nicht zu einer konkreten Anschauung des Geistigen; zum Selbstbewusstsein kommt man, zu dem, was geistiges Ich ist, aber man kommt nicht zu einer Anschauung der Welt, in der dieses geistige Ich lebt, so wie der leibliche Mensch in der physischen Umgebung lebt. Dazu muss noch eintreten das, dass nicht nur Selbstbeobachtung da ist, sondern dass auch das ganze Vorstellungsleben des Menschen nach einer anderen Richtung hin noch umgeändert wird.
[ 47 ] Im gewöhnlichen Leben verläuft ja unser Vorstellungsleben so, dass wir uns richten nach den Vorgängen, die draußen im Raume und in der Zeit vor sich gehen. Wir richten unsere Vorstellungen so ein, mit Recht, dass sie folgen dem räumlichen und zeitlichen Verlauf der Wesen und Vorgänge. Von diesem Geleitetsein durch äußere räumliche und zeitliche Vorgänge muss vor allen Dingen loskommen derjenige, der das Geistige beobachten will. Und er kann loskommen dadurch, dass er den Willen in immer stärkerem Maße einführt in das menschliche Vorstellungsleben. Man erreicht das dadurch, dass man sich losreißt von dem selbstverständlichen Vorstellungsleben des Alltags. Auch zu dem sind wiederum oft jahrelang in Geduld und Ausdauer zugebrachte Übungen der Seele notwendig, dass man sich losreißt vom gewöhnlichen Vorstellungsverlauf. Man erreicht das dadurch, dass man sich systematisch solche Vorstellungen in der Seele macht, die nur durch den eigenen Willen in die Seele hereinkommen.
[ 47 ] Im gewöhnlichen Leben verläuft ja unser Vorstellungsleben so, dass wir uns richten nach den Vorgängen, die draußen im Raume und in der Zeit vor sich gehen. Wir richten unsere Vorstellungen so ein, mit Recht, dass sie folgen dem räumlichen und zeitlichen Verlauf der Wesen und Vorgänge. Von diesem Geleitetsein durch äußere räumliche und zeitliche Vorgänge muss vor allen Dingen loskommen derjenige, der das Geistige beobachten will. Und er kann loskommen dadurch, dass er den Willen in immer stärkerem Maße einführt in das menschliche Vorstellungsleben. Man erreicht das dadurch, dass man sich losreißt von dem selbstverständlichen Vorstellungsleben des Alltags. Auch zu dem sind wiederum oft jahrelang in Geduld und Ausdauer zugebrachte Übungen der Seele notwendig, dass man sich losreißt vom gewöhnlichen Vorstellungsverlauf. Man erreicht das dadurch, dass man sich systematisch solche Vorstellungen in der Seele macht, die nur durch den eigenen Willen in die Seele hereinkommen.
[ 48 ] Lassen Sie uns einen extremen Fall angeben für dieses: Im gewöhnlichen Leben sind wir gewohnt, zuerst das Frühere vorzustellen, dann das Spätere. Wenn man sich nur einmal angewöhnt, jeden Tag wenigstens eine oder zwei Minuten dazu zu verwenden, um umgekehrt vorzustellen ein Ereignis, sodass man das Ende und dann das Vorhergehende und so weiter rückwärts sich vorstellt, eine Melodie, ein Drama, und so weiter, dann muss man eine ganz andere Willensenergie aufwenden als diejenige, die man gewöhnt ist, nach Anleitung der physischen Welt anzuwenden. Kurz, man muss den energischen Willen einführen in die Vorstellungswelt. Wie man das im Einzelnen macht, ich habe es beschrieben in den vorgenannten Büchern. Man muss das ausüben, was man in wirklichem echtem Sinn meditatives Leben nennen kann, solches Vorstellungsleben, das ganz und gar durchzogen ist vom Willen, das nicht unter der Tyrannis der Außenwelt ist.
[ 48 ] Lassen Sie uns einen extremen Fall angeben für dieses: Im gewöhnlichen Leben sind wir gewohnt, zuerst das Frühere vorzustellen, dann das Spätere. Wenn man sich nur einmal angewöhnt, jeden Tag wenigstens eine oder zwei Minuten dazu zu verwenden, um umgekehrt vorzustellen ein Ereignis, sodass man das Ende und dann das Vorhergehende und so weiter rückwärts sich vorstellt, eine Melodie, ein Drama, und so weiter, dann muss man eine ganz andere Willensenergie aufwenden als diejenige, die man gewöhnt ist, nach Anleitung der physischen Welt anzuwenden. Kurz, man muss den energischen Willen einführen in die Vorstellungswelt. Wie man das im Einzelnen macht, ich habe es beschrieben in den vorgenannten Büchern. Man muss das ausüben, was man in wirklichem echtem Sinn meditatives Leben nennen kann, solches Vorstellungsleben, das ganz und gar durchzogen ist vom Willen, das nicht unter der Tyrannis der Außenwelt ist.
[ 49 ] Nehmen Sie wiederum jenen Theodor Zichen, so sagt er: Das Seelenleben verläuft so, dass es eigentlich ganz beherrscht wird von den Vorstellungsassoziationen, von dem, was der Mensch entweder aus inneren Zusammenhängen der Vorstellungen zusammenfügt, oder dem, was er im Raume nebeneinander oder in der Zeit nacheinander in der Erinnerung zusammenstellt, und so weiter. — Dadurch beschreibt Ziehen genau das, was in der Seele nicht geistig ist. Alles, was so der Assoziation unterliegt, ist das Ungeistige. Immer dann, wenn man diese Assoziation überwindet, wenn man nicht so verfährt, dass sich die Vorstellungen von selbst vergesellschaften, wenn man dagegen anstürmt, gegen das, was sich von selbst vollzieht, dann überlässt man sich dem Geiste, dann führt man den Willen in das Vorstellungsleben ein, und dann merkt man, dass man allmählich abkommt von demjenigen, was nur in dem Vorstellungsleben mit dem Leiblichen zusammenhängt, dann merkt man, dass man abkommt davon, aber auch, dass allmählich etwas ganz Neues einzieht in das Vorstellungsleben.
[ 49 ] Nehmen Sie wiederum jenen Theodor Zichen, so sagt er: Das Seelenleben verläuft so, dass es eigentlich ganz beherrscht wird von den Vorstellungsassoziationen, von dem, was der Mensch entweder aus inneren Zusammenhängen der Vorstellungen zusammenfügt, oder dem, was er im Raume nebeneinander oder in der Zeit nacheinander in der Erinnerung zusammenstellt, und so weiter. — Dadurch beschreibt Ziehen genau das, was in der Seele nicht geistig ist. Alles, was so der Assoziation unterliegt, ist das Ungeistige. Immer dann, wenn man diese Assoziation überwindet, wenn man nicht so verfährt, dass sich die Vorstellungen von selbst vergesellschaften, wenn man dagegen anstürmt, gegen das, was sich von selbst vollzieht, dann überlässt man sich dem Geiste, dann führt man den Willen in das Vorstellungsleben ein, und dann merkt man, dass man allmählich abkommt von demjenigen, was nur in dem Vorstellungsleben mit dem Leiblichen zusammenhängt, dann merkt man, dass man abkommt davon, aber auch, dass allmählich etwas ganz Neues einzieht in das Vorstellungsleben.
[ 50 ] Man merkt, dass man dazu kommt, nicht in eine phantastische Welt unterzutauchen, in eine Welt, die, weil sie sich von der Außenwelt losgemacht hat, Vorstellung an Vorstellung knüpft in der Willkür, sondern dazu, wirklich zu erleben, dass man durch etwas, was sich von einer ganz anderen Seite her, eben von der geistigen Seite her ergibt, ebenso mit Notwendigkeit eine Vorstellung an die andere anknüpft — nicht indem man sich einen Tisch vorstellt, wenn der Stuhl nicht dabei ist, wie man in der Sinneswelt mit Notwendigkeit verfährt unter dem Eindruck der äußeren Sinneswelt —, so wird man gewahr nach und nach, wenn man das Vorstellen durch die Einführung des Willens erst dazu gebracht har, sich frei zu machen vom leiblichen Zwang, dann wird man gewahr, dass in das Innere des Vorstellungslebens sich etwas einlebt, was als nur geistiger Impuls einen hinaushebt über die Willkür. Die Willkür ist nur der Weg. Man löst sich los, indem man den Willen in die Vorstellungswelt einführt.
[ 50 ] Man merkt, dass man dazu kommt, nicht in eine phantastische Welt unterzutauchen, in eine Welt, die, weil sie sich von der Außenwelt losgemacht hat, Vorstellung an Vorstellung knüpft in der Willkür, sondern dazu, wirklich zu erleben, dass man durch etwas, was sich von einer ganz anderen Seite her, eben von der geistigen Seite her ergibt, ebenso mit Notwendigkeit eine Vorstellung an die andere anknüpft — nicht indem man sich einen Tisch vorstellt, wenn der Stuhl nicht dabei ist, wie man in der Sinneswelt mit Notwendigkeit verfährt unter dem Eindruck der äußeren Sinneswelt —, so wird man gewahr nach und nach, wenn man das Vorstellen durch die Einführung des Willens erst dazu gebracht har, sich frei zu machen vom leiblichen Zwang, dann wird man gewahr, dass in das Innere des Vorstellungslebens sich etwas einlebt, was als nur geistiger Impuls einen hinaushebt über die Willkür. Die Willkür ist nur der Weg. Man löst sich los, indem man den Willen in die Vorstellungswelt einführt.
[ 51 ] Aber indem man diese Übung durchmacht, gelangt man von dem bloßen Ausgestalten von meditativen Vorstellungskomplexen dazu, dass sich hineinschleicht eine geistige Notwendigkeit, die ebenso eine Vorstellung an die andere gliedert, wie sonst nur die äußere räumliche Folge eine Vorstellung an die andere gliedert in der Sinneswelt. Sehr verehrte Anwesende, dann ist man daran — ich darf den Ausdruck gebrauchen, trotzdem er sehr leicht missverstanden werden kann, aber es ist nur das gemeint, was ich auseinandergesetzt habe —, nicht nur durch äußere sinnliche Wahrnehmung etwas in seine Vorstellungen hereinzubekommen, sondern durch Inspiration Geistiges in seine Vorstellungen einfließend zu erleben. Man muss diesen Ausdruck nicht abergläubisch nehmen, sondern im Sinne der inneren, geistigen Erfahrung. Dann erst steht man in der konkreten geistigen Welt darinnen; während man vorher nur Imaginationen hat, nur das, was von dem eigenen Wollen abhängen kann, fließt jetzt in das Seelenleben herein, indem das Vorstellungsleben etwas ganz anderes geworden ist, indem man von dem bloß seelischen Erleben freigekommen ist, fließt jetzt das geistige Erleben herein.
[ 51 ] Aber indem man diese Übung durchmacht, gelangt man von dem bloßen Ausgestalten von meditativen Vorstellungskomplexen dazu, dass sich hineinschleicht eine geistige Notwendigkeit, die ebenso eine Vorstellung an die andere gliedert, wie sonst nur die äußere räumliche Folge eine Vorstellung an die andere gliedert in der Sinneswelt. Sehr verehrte Anwesende, dann ist man daran — ich darf den Ausdruck gebrauchen, trotzdem er sehr leicht missverstanden werden kann, aber es ist nur das gemeint, was ich auseinandergesetzt habe —, nicht nur durch äußere sinnliche Wahrnehmung etwas in seine Vorstellungen hereinzubekommen, sondern durch Inspiration Geistiges in seine Vorstellungen einfließend zu erleben. Man muss diesen Ausdruck nicht abergläubisch nehmen, sondern im Sinne der inneren, geistigen Erfahrung. Dann erst steht man in der konkreten geistigen Welt darinnen; während man vorher nur Imaginationen hat, nur das, was von dem eigenen Wollen abhängen kann, fließt jetzt in das Seelenleben herein, indem das Vorstellungsleben etwas ganz anderes geworden ist, indem man von dem bloß seelischen Erleben freigekommen ist, fließt jetzt das geistige Erleben herein.
[ 52 ] Ich weiß sehr gut, dass die Einwände gegen solch eine Sache nur auf der flachen Hand daliegen. Ich weiß sehr gut, was man alles dagegen einwenden kann; wer aber durch Jahrzehnte hindurch kennengelernt hat dieses Ausfließen der geistigen Welt in die Vorstellungswelt, der weiß auch einen realen Begriff mit dem Wort Inspiration zu verbinden, der weiß, dass das, was hier als Inspiration bezeichnet wird, sich im wahren Sinn des Wortes von der Geist-Seite her neben die äußere Wahrnehmung hinstellen darf. Vor allen Dingen kennt er eines: Man kann kommen und ihm sagen: Wenn du glaubst, dass sich in deine Vorstellungen etwas hineininspiriert, dann gibst du dich der Täuschung hin, doch nur deine bekannten Vorstellungen, die du da und dort aufgenommen hast, die kommen dir als Reminiszenz zurück, und weil du nicht weißt, wie diese Dinge in dein Vorstellungsleben eingeflossen sind, glaubst du, sie kommen dir von einer geistigen Welt her.
[ 52 ] Ich weiß sehr gut, dass die Einwände gegen solch eine Sache nur auf der flachen Hand daliegen. Ich weiß sehr gut, was man alles dagegen einwenden kann; wer aber durch Jahrzehnte hindurch kennengelernt hat dieses Ausfließen der geistigen Welt in die Vorstellungswelt, der weiß auch einen realen Begriff mit dem Wort Inspiration zu verbinden, der weiß, dass das, was hier als Inspiration bezeichnet wird, sich im wahren Sinn des Wortes von der Geist-Seite her neben die äußere Wahrnehmung hinstellen darf. Vor allen Dingen kennt er eines: Man kann kommen und ihm sagen: Wenn du glaubst, dass sich in deine Vorstellungen etwas hineininspiriert, dann gibst du dich der Täuschung hin, doch nur deine bekannten Vorstellungen, die du da und dort aufgenommen hast, die kommen dir als Reminiszenz zurück, und weil du nicht weißt, wie diese Dinge in dein Vorstellungsleben eingeflossen sind, glaubst du, sie kommen dir von einer geistigen Welt her.
[ 53 ] Ich weiß, wie viel Gewicht ein solcher Einwand hat; aber derjenige, der kennt, was zugrunde liegt, und es durch jahrelange Erfahrung kennt, der weiß vor allen Dingen eins, der weiß, dass kein Vorurteil, keine Voreingenommenheit ihn auf diesem Gebiet mehr beschleichen kann, aus dem einfachen Grunde, weil er es zu oft erfahren hat, wenn er wirklich der Inspiration hingegeben ist, dass die Dinge, die man auf dem geistigen Gebiet kennenlernt, immer anders kommen, als das Vorurteil sie voraussetzt.
[ 53 ] Ich weiß, wie viel Gewicht ein solcher Einwand hat; aber derjenige, der kennt, was zugrunde liegt, und es durch jahrelange Erfahrung kennt, der weiß vor allen Dingen eins, der weiß, dass kein Vorurteil, keine Voreingenommenheit ihn auf diesem Gebiet mehr beschleichen kann, aus dem einfachen Grunde, weil er es zu oft erfahren hat, wenn er wirklich der Inspiration hingegeben ist, dass die Dinge, die man auf dem geistigen Gebiet kennenlernt, immer anders kommen, als das Vorurteil sie voraussetzt.
[ 54 ] Gerade das sind die bedeutungsvollsten Erfahrungen und die wichtigsten geistigen Erfahrungen: Man nimmt seinen geistigen Weg zu irgendeiner geistigen Wesenheit oder Erscheinung hin, und siehe da, man hat sich vielleicht nach der gewöhnlichen Sinneswelt, nach dem, was man äußerlich durch die Sinne wahrnehmen kann, durch den gewöhnlichen Verstand begreifen kann, gewisse Vorstellungen gebildet, wie es aussehen sollte in der geistigen Welt; es wird immer anders kommen, es wird jedes Vorurteil zuschanden gemacht.
[ 54 ] Gerade das sind die bedeutungsvollsten Erfahrungen und die wichtigsten geistigen Erfahrungen: Man nimmt seinen geistigen Weg zu irgendeiner geistigen Wesenheit oder Erscheinung hin, und siehe da, man hat sich vielleicht nach der gewöhnlichen Sinneswelt, nach dem, was man äußerlich durch die Sinne wahrnehmen kann, durch den gewöhnlichen Verstand begreifen kann, gewisse Vorstellungen gebildet, wie es aussehen sollte in der geistigen Welt; es wird immer anders kommen, es wird jedes Vorurteil zuschanden gemacht.
[ 55 ] Und wenn man das wirklich erfährt, was in die Welt der Vorstellungen vonseiten des Geistigen einfließt, dann weiß man gerade nach der Beobachtung der eklatantesten Fälle, dass man das von der Sinnesseite her gar nicht hereinbekommen kann, was man ganz unerwarteterweise von der geistigen Seite in das Vorstellungswesen hereinbekommt, dann weiß man, dass man wirklich gegenüber all dem, was man nicht nur erfahren hat, sondern was möglich war zu erfahren, dass man gegenüber dem ebenso überrascht ist, wenn man in die geistige Welt eintritt, wie man in der Sinneswelt selbst überrascht ist, wenn man ein neues Erlebnis hat, das man noch nicht erfahren hat.
[ 55 ] Und wenn man das wirklich erfährt, was in die Welt der Vorstellungen vonseiten des Geistigen einfließt, dann weiß man gerade nach der Beobachtung der eklatantesten Fälle, dass man das von der Sinnesseite her gar nicht hereinbekommen kann, was man ganz unerwarteterweise von der geistigen Seite in das Vorstellungswesen hereinbekommt, dann weiß man, dass man wirklich gegenüber all dem, was man nicht nur erfahren hat, sondern was möglich war zu erfahren, dass man gegenüber dem ebenso überrascht ist, wenn man in die geistige Welt eintritt, wie man in der Sinneswelt selbst überrascht ist, wenn man ein neues Erlebnis hat, das man noch nicht erfahren hat.
[ 56 ] So kann man, indem man geistig erfährt, diese geistigen Erfahrungen sehr wohl von allem, was zu erfahren möglich ist in der Sinneswelt, unterscheiden. Darauf kommt es an, richtig zu verstehen das, was ich meine mit dem Worte, das jeder Geistesforscher genügend kennt: Es kommt immer anders, als man es erwartet, und es kommt in unzähligen Fällen anders. So kann in die geistige Welt eingetreten werden, wenn von dieser Seite aus zu dem, was ich als Selbstbeobachtung beschrieben habe, in die geistige Welt eingetreten wird. Dann tritt man in eine konkrete Welt ein, da spricht man nicht nur von einer geistigen Welt im Allgemeinen, man weiß dann, dass das pantheistische Geistbetrachten nicht mehr wert ist, als wenn jemand es verschmähen würde, einzelne Pflanzen, Tiere und Mineralien zu betrachten und immer nur sagen würde: Natur, Natur, Natur, statt sie im Einzelnen zu studieren. Da würde man sich nicht aufgeklärt vorkommen, sondern einfach dem Betreffenden sagen: Du weißt eben nichts von einzelnen Pflanzen und Wesenheiten der verschiedenen Naturreiche. — Aber den hält man für besonders geistig vorgerückt, der nicht einzelne Geister und geistige Vorgänge unterscheidet, sondern im Allgemeinen pantheistisch von Geist und Geist und Geist redet.
[ 56 ] So kann man, indem man geistig erfährt, diese geistigen Erfahrungen sehr wohl von allem, was zu erfahren möglich ist in der Sinneswelt, unterscheiden. Darauf kommt es an, richtig zu verstehen das, was ich meine mit dem Worte, das jeder Geistesforscher genügend kennt: Es kommt immer anders, als man es erwartet, und es kommt in unzähligen Fällen anders. So kann in die geistige Welt eingetreten werden, wenn von dieser Seite aus zu dem, was ich als Selbstbeobachtung beschrieben habe, in die geistige Welt eingetreten wird. Dann tritt man in eine konkrete Welt ein, da spricht man nicht nur von einer geistigen Welt im Allgemeinen, man weiß dann, dass das pantheistische Geistbetrachten nicht mehr wert ist, als wenn jemand es verschmähen würde, einzelne Pflanzen, Tiere und Mineralien zu betrachten und immer nur sagen würde: Natur, Natur, Natur, statt sie im Einzelnen zu studieren. Da würde man sich nicht aufgeklärt vorkommen, sondern einfach dem Betreffenden sagen: Du weißt eben nichts von einzelnen Pflanzen und Wesenheiten der verschiedenen Naturreiche. — Aber den hält man für besonders geistig vorgerückt, der nicht einzelne Geister und geistige Vorgänge unterscheidet, sondern im Allgemeinen pantheistisch von Geist und Geist und Geist redet.
[ 57 ] Nun trifft aber zu dem, was errungen wird durch dieses Zweite, das ich prinzipiell charakterisiert habe, nun tritt noch ein anderes zu der Errungenschaft hinzu mit Bezug auf das Ich. Durch wahre Selbstbeobachtung gelangt man dazu, das Ich als geistiges Wesen, das unterschieden ist von den leiblichen Wesen, zu erkennen. Jetzt lernt man erkennen, indem man zu der Selbstbeobachtung die wirkliche Geistesschau hinzufügt, lernt man erkennen, dass alles das, was im Ich erlebt, durch das Ich erlebt wird zwischen Geburt oder, sagen wir, Empfängnis und Tod, dass dies nicht nur beherrscht wird von solchen Kräften und Impulsen, welche innerhalb des Lebens zwischen Geburt und Tod liegen; durch Anschauung kommt man dazu, hinauszuschauen jenseits von Geburt und Tod. Man weiß jetzt, dass ebenso, wie, wenn ein Wasser in Wellenschlag kommt, der Wind von außen darauf geschlagen hat, man weiß, dass das, was im menschlichen Gefühls- und Vorstellungsleben zwischen Geburt und Tod verläuft, dass da hereinspielen die Kräfte, mit denen die Seele verbunden war in der Zeit, bevor sie sich mit dem physischen Leibe vereinigt hat.
[ 57 ] Nun trifft aber zu dem, was errungen wird durch dieses Zweite, das ich prinzipiell charakterisiert habe, nun tritt noch ein anderes zu der Errungenschaft hinzu mit Bezug auf das Ich. Durch wahre Selbstbeobachtung gelangt man dazu, das Ich als geistiges Wesen, das unterschieden ist von den leiblichen Wesen, zu erkennen. Jetzt lernt man erkennen, indem man zu der Selbstbeobachtung die wirkliche Geistesschau hinzufügt, lernt man erkennen, dass alles das, was im Ich erlebt, durch das Ich erlebt wird zwischen Geburt oder, sagen wir, Empfängnis und Tod, dass dies nicht nur beherrscht wird von solchen Kräften und Impulsen, welche innerhalb des Lebens zwischen Geburt und Tod liegen; durch Anschauung kommt man dazu, hinauszuschauen jenseits von Geburt und Tod. Man weiß jetzt, dass ebenso, wie, wenn ein Wasser in Wellenschlag kommt, der Wind von außen darauf geschlagen hat, man weiß, dass das, was im menschlichen Gefühls- und Vorstellungsleben zwischen Geburt und Tod verläuft, dass da hereinspielen die Kräfte, mit denen die Seele verbunden war in der Zeit, bevor sie sich mit dem physischen Leibe vereinigt hat.
[ 58 ] Man lernt das vorgeburtliche Leben durch unmittelbare Anschauung kennen, man lernt das Leben, das auf den Tod folgt, durch Anschauung kennen, man lernt erkennen, dass dieses Ich im Leibe zwar für die äußere Sinneswelt in den bekannten Seelenerscheinungen sich äußert, dass aber im Unterbewussten sich das weiter ausgestaltet, welches das Ewige in der Menschennatur ist, dass diese Impulse für das Ewige im physischen Leibe schon vorhanden sind, aber durch den physischen Leib zugedeckt sind, dass durch den Tod, bereichert durch die Erfahrung des physischen Erlebens, die Seele durch die Pforte des Todes hinauszieht. Denn man lernt nicht nur spekulieren über das Ewige in der Menschennatur auf diesem Wege, sondern man lernt, indem man frei wird, das erkennen, was durch Geburten und Tode tritt.
[ 58 ] Man lernt das vorgeburtliche Leben durch unmittelbare Anschauung kennen, man lernt das Leben, das auf den Tod folgt, durch Anschauung kennen, man lernt erkennen, dass dieses Ich im Leibe zwar für die äußere Sinneswelt in den bekannten Seelenerscheinungen sich äußert, dass aber im Unterbewussten sich das weiter ausgestaltet, welches das Ewige in der Menschennatur ist, dass diese Impulse für das Ewige im physischen Leibe schon vorhanden sind, aber durch den physischen Leib zugedeckt sind, dass durch den Tod, bereichert durch die Erfahrung des physischen Erlebens, die Seele durch die Pforte des Todes hinauszieht. Denn man lernt nicht nur spekulieren über das Ewige in der Menschennatur auf diesem Wege, sondern man lernt, indem man frei wird, das erkennen, was durch Geburten und Tode tritt.
[ 59 ] So ist die Geisteswissenschaft diejenige Erforschung, welche ausbildet nicht eine Spekulation über das geistige Leben, nicht eine bloße Philosophie über das geistige Leben, sondern welche ausbildet die Geistesschau. Derjenige, der diese Geistesschau hat und dadurch Geistesforscher geworden ist, der weiß über jene geistige Welt ebenso zu sprechen — die geistige Welt, in welcher die Seele zwischen dem Tod und einer neuen Geburt ist —, wie man durch das physische Bewusstsein zu sprechen vermag über die Sinneswelt, in der der Mensch ist zwischen Geburt und Tod.
[ 59 ] So ist die Geisteswissenschaft diejenige Erforschung, welche ausbildet nicht eine Spekulation über das geistige Leben, nicht eine bloße Philosophie über das geistige Leben, sondern welche ausbildet die Geistesschau. Derjenige, der diese Geistesschau hat und dadurch Geistesforscher geworden ist, der weiß über jene geistige Welt ebenso zu sprechen — die geistige Welt, in welcher die Seele zwischen dem Tod und einer neuen Geburt ist —, wie man durch das physische Bewusstsein zu sprechen vermag über die Sinneswelt, in der der Mensch ist zwischen Geburt und Tod.
[ 60 ] Und diese Geistesschau, wenn sie sich auch der einzelne Mensch zunächst nicht erwirbt, sie führt aber dazu, dass der Geistesforscher die Erscheinungen des menschlichen Seelenlebens so zu beschreiben vermag, dass sie verständlich werden. Und man kann gerade anknüpfend an dieses sagen, dass man nicht bloß ein Geistesforscher, ein Seher zu sein braucht, um das Ergebnis der Geistesforschung plausibel zu finden — derjenige, der eine Uhr in die Hand nimmt, wenn ihm erzählt worden ist, wie ein Uhrmacher die Uhr gemacht hat, wird in der Uhr auch das Produkt menschlicher Intelligenz, menschlicher Fähigkeit finden, auch wenn er nicht selbst im Uhrmacherladen die Zeit zugebracht hat und zugesehen hat, wie der Uhrmacher sie zustande gebracht hat —, es braucht nicht jeder Seher zu sein, um aus seinem ehrlichen Wahrheitssinn heraus die Ergebnisse des Sehertums anzuerkennen; aber man muss seherisches Bewusstsein entwickeln. So, wie man die Geschicklichkeit, eine Uhr zu machen, entwickeln muss, damit eine Uhr zustande kommt, [so] muss man die seherischen Fähigkeiten entwickeln, um über die geistige Welt das sagen zu können, was der andere dann beurteilen kann durch gesunden Menschenverstand, wenn der Seher es sagt.
[ 60 ] Und diese Geistesschau, wenn sie sich auch der einzelne Mensch zunächst nicht erwirbt, sie führt aber dazu, dass der Geistesforscher die Erscheinungen des menschlichen Seelenlebens so zu beschreiben vermag, dass sie verständlich werden. Und man kann gerade anknüpfend an dieses sagen, dass man nicht bloß ein Geistesforscher, ein Seher zu sein braucht, um das Ergebnis der Geistesforschung plausibel zu finden — derjenige, der eine Uhr in die Hand nimmt, wenn ihm erzählt worden ist, wie ein Uhrmacher die Uhr gemacht hat, wird in der Uhr auch das Produkt menschlicher Intelligenz, menschlicher Fähigkeit finden, auch wenn er nicht selbst im Uhrmacherladen die Zeit zugebracht hat und zugesehen hat, wie der Uhrmacher sie zustande gebracht hat —, es braucht nicht jeder Seher zu sein, um aus seinem ehrlichen Wahrheitssinn heraus die Ergebnisse des Sehertums anzuerkennen; aber man muss seherisches Bewusstsein entwickeln. So, wie man die Geschicklichkeit, eine Uhr zu machen, entwickeln muss, damit eine Uhr zustande kommt, [so] muss man die seherischen Fähigkeiten entwickeln, um über die geistige Welt das sagen zu können, was der andere dann beurteilen kann durch gesunden Menschenverstand, wenn der Seher es sagt.
[ 61 ] Nur muss dieser gesunde Menschenverstand nicht beeinträchtigt sein durch allerlei Vorurteile, welche da glauben, auf dem festen Boden der Naturwissenschaft zu stehen, aber dadurch nichts anderes gewonnen haben als das, was zu gewinnen ist dadurch, dass die Naturforschung auf ein übersinnliches Gebiet hinweist, aber dieses Gebiet auch wiederum diskreditiert, indem sie sagt: Die wahre Wissenschaft besteht in der Erforschung der physischen Welt.
[ 61 ] Nur muss dieser gesunde Menschenverstand nicht beeinträchtigt sein durch allerlei Vorurteile, welche da glauben, auf dem festen Boden der Naturwissenschaft zu stehen, aber dadurch nichts anderes gewonnen haben als das, was zu gewinnen ist dadurch, dass die Naturforschung auf ein übersinnliches Gebiet hinweist, aber dieses Gebiet auch wiederum diskreditiert, indem sie sagt: Die wahre Wissenschaft besteht in der Erforschung der physischen Welt.
[ 62 ] Das, was wichtig ist zu betonen, ist das, dass Geistesforschung hineinführt in eine wirkliche Welt, die uns ebenso umgibt, wie die physische Welt uns umgibt. Vor der Geisteswissenschaft geht eine Welt so auf, wie vor dem physischen Menschenleib aufgeht, wenn er bisher blind war und er operiert wird, die physische Welt des Auges; so geht auf die geistige Welt dem geistigen Menschen. Der Mensch lernt erkennen, was sein Ewiges ist, durch Selbstbeobachtung. Er lernt erkennen durch Geistesschau, die das zweite Prinzipielle ist, wie dieses Ewige dem Ewigen in der Außenwelt gegenübersteht. Das Ewige lernt das Ewige erkennen. Dadurch zeigt sich uns, dass wir hinzufügen müssen aus der Geisteswissenschaft heraus zu dem, was der Mensch als das bloße Seelische erlebt, das Geistige, wie wir durch die physiologische Wissenschaft das Leibliche hinzufügen müssen zu dem, was der Mensch auch wiederum von der Leibesseite her seelisch erlebt. Das Seelische steht gewissermaßen zwischen dem Geistigen und Physischen, sodass es das Vergängliche, Zeitliche durchlebt nach der einen Seite, dass es das Ewige durchlebt von der andern Seite.
[ 62 ] Das, was wichtig ist zu betonen, ist das, dass Geistesforschung hineinführt in eine wirkliche Welt, die uns ebenso umgibt, wie die physische Welt uns umgibt. Vor der Geisteswissenschaft geht eine Welt so auf, wie vor dem physischen Menschenleib aufgeht, wenn er bisher blind war und er operiert wird, die physische Welt des Auges; so geht auf die geistige Welt dem geistigen Menschen. Der Mensch lernt erkennen, was sein Ewiges ist, durch Selbstbeobachtung. Er lernt erkennen durch Geistesschau, die das zweite Prinzipielle ist, wie dieses Ewige dem Ewigen in der Außenwelt gegenübersteht. Das Ewige lernt das Ewige erkennen. Dadurch zeigt sich uns, dass wir hinzufügen müssen aus der Geisteswissenschaft heraus zu dem, was der Mensch als das bloße Seelische erlebt, das Geistige, wie wir durch die physiologische Wissenschaft das Leibliche hinzufügen müssen zu dem, was der Mensch auch wiederum von der Leibesseite her seelisch erlebt. Das Seelische steht gewissermaßen zwischen dem Geistigen und Physischen, sodass es das Vergängliche, Zeitliche durchlebt nach der einen Seite, dass es das Ewige durchlebt von der andern Seite.
[ 63 ] Allerdings, meine sehr verehrten Anwesenden, dadurch tritt das, was man das Unsterblichkeitsrätsel nennen kann, wirklich durch die Geisteswissenschaft auf ein Gebiet, das ein streng wissenschaftliches ist. Heute wird das noch von vielen Menschen als etwas Unmögliches betrachtet; allein gerade so, wie es eine Zeit gegeben hat, in der man sich geweigert hat, von der Seele aus zum Leibe, zu einem wirklichen Treiben der Anatomie vorzudringen, so weigert man sich heute noch, von der Seele aus zum Geiste vorwärtszudringen. Dasjenige, was Galilei und andere vollbracht haben, von der Seele aus zum Leibe vorzudringen, das hat die Geisteswissenschaft nach der andern Seite zu vollbringen, von der Seele aus zum Geiste vorzudringen, nicht nur in abstrakter Weise, sondern so, dass man wirklich auch erkennt, dass der Mensch, sobald er sich in seinem Vorstellen frei macht vom Leiblichen — durch Sehertum oder dadurch, dass er frei wird, indem er durch die Todespforte tritt, er in eine wirkliche Geisteswelt eintritt —, dass er dann unter konkreten Geistwesen ist und geistigen Vorgängen wie hier unter konkreten Sinneswesen und sinnlichen Vorgängen.
[ 63 ] Allerdings, meine sehr verehrten Anwesenden, dadurch tritt das, was man das Unsterblichkeitsrätsel nennen kann, wirklich durch die Geisteswissenschaft auf ein Gebiet, das ein streng wissenschaftliches ist. Heute wird das noch von vielen Menschen als etwas Unmögliches betrachtet; allein gerade so, wie es eine Zeit gegeben hat, in der man sich geweigert hat, von der Seele aus zum Leibe, zu einem wirklichen Treiben der Anatomie vorzudringen, so weigert man sich heute noch, von der Seele aus zum Geiste vorwärtszudringen. Dasjenige, was Galilei und andere vollbracht haben, von der Seele aus zum Leibe vorzudringen, das hat die Geisteswissenschaft nach der andern Seite zu vollbringen, von der Seele aus zum Geiste vorzudringen, nicht nur in abstrakter Weise, sondern so, dass man wirklich auch erkennt, dass der Mensch, sobald er sich in seinem Vorstellen frei macht vom Leiblichen — durch Sehertum oder dadurch, dass er frei wird, indem er durch die Todespforte tritt, er in eine wirkliche Geisteswelt eintritt —, dass er dann unter konkreten Geistwesen ist und geistigen Vorgängen wie hier unter konkreten Sinneswesen und sinnlichen Vorgängen.
[ 64 ] Über Einzelheiten wird der nächste Vortrag zu handeln haben, jetzt obliegt es mir nur noch, zu sagen, dass dasjenige, was auf diesem Wege der Geistesschau erschlossen wird, sich wirklich unbehindert durch irgendwelche Ängstlichkeit neben den gewöhnlichen naturwissenschaftlichen Weg, den man heute geht für die Erkenntnis der äußeren Natur, hinstellen kann. Gerade wenn man Naturwissenschaft wirklich erkennen lernt, dann findet man, dass Stück für Stück dasjenige, was die Geistesschau bietet, durch die Naturwissenschaft bestätigt wird, und man lernt erkennen die Tatsache, die so bedeutungsvoll für die Seele werden kann. Wenn man nur auf dem Boden der Naturwissenschaft steht und berückt ist von den erfolgreichen Methoden der Naturwissenschaft, dann kann man begreiflicherweise zu dem Vorurteil kommen, dass, weil ja diese Methoden so sicher geworden sind, so sicher in die Natur hineinführen, die Erforschung des Geistes unmöglich ist. Lernt man aber die Geisteswissenschaft in ihren Einzelheiten kennen und bleibt man nicht mit Scheuledern beschlagen, dann lernt man als Geistesforscher auch die Naturwissenschaft erkennen, dann lernt man etwas ganz anderes, als der Naturforscher kennenlernen kann gegenüber dem Geistesforscher.
[ 64 ] Über Einzelheiten wird der nächste Vortrag zu handeln haben, jetzt obliegt es mir nur noch, zu sagen, dass dasjenige, was auf diesem Wege der Geistesschau erschlossen wird, sich wirklich unbehindert durch irgendwelche Ängstlichkeit neben den gewöhnlichen naturwissenschaftlichen Weg, den man heute geht für die Erkenntnis der äußeren Natur, hinstellen kann. Gerade wenn man Naturwissenschaft wirklich erkennen lernt, dann findet man, dass Stück für Stück dasjenige, was die Geistesschau bietet, durch die Naturwissenschaft bestätigt wird, und man lernt erkennen die Tatsache, die so bedeutungsvoll für die Seele werden kann. Wenn man nur auf dem Boden der Naturwissenschaft steht und berückt ist von den erfolgreichen Methoden der Naturwissenschaft, dann kann man begreiflicherweise zu dem Vorurteil kommen, dass, weil ja diese Methoden so sicher geworden sind, so sicher in die Natur hineinführen, die Erforschung des Geistes unmöglich ist. Lernt man aber die Geisteswissenschaft in ihren Einzelheiten kennen und bleibt man nicht mit Scheuledern beschlagen, dann lernt man als Geistesforscher auch die Naturwissenschaft erkennen, dann lernt man etwas ganz anderes, als der Naturforscher kennenlernen kann gegenüber dem Geistesforscher.
[ 65 ] Der Naturforscher kommt sehr leicht zur Ablehnung der Geistesforschung, aber der Geistesforscher kommt nie zur Ablehnung der Naturforschung; er wird gerade dann die naturwissenschaftlichen Tatsachen im rechten Lichte sehen und ihnen ihre Bedeutung zuerkennen können, wenn er weiß, dass die naturwissenschaftlichen Tatsachen richtig aufgefasst sind, nur dass sie von höheren Gesichtspunkten aus als Ausflüsse des geistigen Lebens erscheinen. Wer in dieser Weise in die Geistesforschung eindringt, der wird auch frei werden von dem Vorurteil, als ob die Geistesforschung irgendeinem religiösen Bekenntnis Eintrag tun könnte.
[ 65 ] Der Naturforscher kommt sehr leicht zur Ablehnung der Geistesforschung, aber der Geistesforscher kommt nie zur Ablehnung der Naturforschung; er wird gerade dann die naturwissenschaftlichen Tatsachen im rechten Lichte sehen und ihnen ihre Bedeutung zuerkennen können, wenn er weiß, dass die naturwissenschaftlichen Tatsachen richtig aufgefasst sind, nur dass sie von höheren Gesichtspunkten aus als Ausflüsse des geistigen Lebens erscheinen. Wer in dieser Weise in die Geistesforschung eindringt, der wird auch frei werden von dem Vorurteil, als ob die Geistesforschung irgendeinem religiösen Bekenntnis Eintrag tun könnte.
[ 66 ] Insbesondere von religiöser Seite wird ja sehr leicht gegen das, was als ein neues geisteswissenschaftliches Element in unser Kulturleben sich einleben will, Front gemacht. Würde man die Notwendigkeit erkennen, wie die Geisteswissenschaft sich neben Naturwissenschaft hinstellen muss, so würde man den Grundcharakter der Geistesforschung erkennen, würde man erkennen, dass der Mensch als Geistwesen angestrebt wird so, wie von der Biologie, der Physiologie die Erkenntnis des Menschen als Leibeswesen, über das bloß Seelische hinausgehend, angestrebt wird, so würde man nicht glauben, dass diese Geisteswissenschaft einem religiösen Bekenntnis Eintrag tun könnte. Man würde gerade finden, dass zwar das materialistische Glaubensbekenntnis, das in der neueren Zeit vielfach eingerissen ist, ein Ergebnis der äußeren naturwissenschaftlichen Betrachtungsweise sehr leicht werden kann, wenn auch nicht muss, dass aber Geisteswissenschaft den Menschen wiederum zurückführt zum Geiste [und er] dadurch — weil er nun auch ein Wissen vom Geiste erringen kann —, dem religiösen Leben sich wiederum zuwenden wird, zu dem ja die Sehnsucht von viel mehr Menschen in der Gegenwart geht, als Menschen sich eigentlich dessen bewusst sind.
[ 66 ] Insbesondere von religiöser Seite wird ja sehr leicht gegen das, was als ein neues geisteswissenschaftliches Element in unser Kulturleben sich einleben will, Front gemacht. Würde man die Notwendigkeit erkennen, wie die Geisteswissenschaft sich neben Naturwissenschaft hinstellen muss, so würde man den Grundcharakter der Geistesforschung erkennen, würde man erkennen, dass der Mensch als Geistwesen angestrebt wird so, wie von der Biologie, der Physiologie die Erkenntnis des Menschen als Leibeswesen, über das bloß Seelische hinausgehend, angestrebt wird, so würde man nicht glauben, dass diese Geisteswissenschaft einem religiösen Bekenntnis Eintrag tun könnte. Man würde gerade finden, dass zwar das materialistische Glaubensbekenntnis, das in der neueren Zeit vielfach eingerissen ist, ein Ergebnis der äußeren naturwissenschaftlichen Betrachtungsweise sehr leicht werden kann, wenn auch nicht muss, dass aber Geisteswissenschaft den Menschen wiederum zurückführt zum Geiste [und er] dadurch — weil er nun auch ein Wissen vom Geiste erringen kann —, dem religiösen Leben sich wiederum zuwenden wird, zu dem ja die Sehnsucht von viel mehr Menschen in der Gegenwart geht, als Menschen sich eigentlich dessen bewusst sind.
[ 67 ] Allerdings heute erlebt man noch manches Missverständnis auf diesem Gebiet, und als Dr. Rittelmeyer neulich in der «Christlichen Welt» in einem ausgezeichneten Aufsatz darauf hingewiesen hat, auf das, was von mir als Geisteswissenschaft aufgefasst wird, wie das dem religiösen Bekenntnis gründliche Unterlagen schaffen kann, wie es einen Weg eröffnen kann selbst für diejenigen, die durch missverständliche Naturforschung abgeführt werden von dem religiösen Bekenntnis, zu demselben [zurück], da wurde allerlei eingewendet von einer Seite, die auch viel Ansehen genießt, da wurde eingewendet — ich will gar nicht erwähnen, was alles eingewendet wurde. Vor allen Dingen aber, weil das heute wichtig ist, einen Punkt möchte ich ganz kurz erwähnen; da wurde eingewendet: Ja, diese Geistesforschung verlangt, dass der Mensch willkürliche Seelenübungen mache, um durch willkürliche Entwicklung seine Seele den Weg in die geistige Welt hineinzufinden. Das sei ein falscher — das wurde sogar bemerklich gemacht —, sei ein gefährlicher, ein versucherischer Weg; denn man käme eigentlich in das geistige Leben nur hinein, unwillkürlich, wenn es sich von selbst darbiete. Ja, das wurde erwähnt, dass die Anlage, in den Geist hineinzukommen, eine so spezifische Anlage sei wie die musikalische oder mathematische Anlage.
[ 67 ] Allerdings heute erlebt man noch manches Missverständnis auf diesem Gebiet, und als Dr. Rittelmeyer neulich in der «Christlichen Welt» in einem ausgezeichneten Aufsatz darauf hingewiesen hat, auf das, was von mir als Geisteswissenschaft aufgefasst wird, wie das dem religiösen Bekenntnis gründliche Unterlagen schaffen kann, wie es einen Weg eröffnen kann selbst für diejenigen, die durch missverständliche Naturforschung abgeführt werden von dem religiösen Bekenntnis, zu demselben [zurück], da wurde allerlei eingewendet von einer Seite, die auch viel Ansehen genießt, da wurde eingewendet — ich will gar nicht erwähnen, was alles eingewendet wurde. Vor allen Dingen aber, weil das heute wichtig ist, einen Punkt möchte ich ganz kurz erwähnen; da wurde eingewendet: Ja, diese Geistesforschung verlangt, dass der Mensch willkürliche Seelenübungen mache, um durch willkürliche Entwicklung seine Seele den Weg in die geistige Welt hineinzufinden. Das sei ein falscher — das wurde sogar bemerklich gemacht —, sei ein gefährlicher, ein versucherischer Weg; denn man käme eigentlich in das geistige Leben nur hinein, unwillkürlich, wenn es sich von selbst darbiete. Ja, das wurde erwähnt, dass die Anlage, in den Geist hineinzukommen, eine so spezifische Anlage sei wie die musikalische oder mathematische Anlage.
[ 68 ] Man sollte doch begreifen, dass der Mensch selber als Geistesforscher sich finden kann, dass es nicht ein besonderes Talent sein kann, zum Geiste zu kommen, sondern eine allgemein-menschliche Veranlagung sein muss. Wenn aber dann eingewendet wird, dass wie eine Gnade auch die Geistesforschung kommen muss, wer das sagt, der versteht gerade das Wesentliche des Geistigen nicht. Die heutigen Seelenforscher schildern, weil sie den Geist in der Seele nicht finden, das Seelenleben so, als ob sich die Vorstellungen von selbst vergesellschaften, weil der Leib uns zu dieser Vergesellschaftung zwingt. Das tun sie auch, weil man vom Leiblichen abhängig ist. Zum Geiste gelangt man, wenn man sich unabhängig macht von dem, was der Leib vollbringt. Zum Geiste gelangt man dadurch, dass man sich in Freiheit losmacht vom bloß leiblichen Leben. Wie viel man auch Mystik aufbringen kann, Redereien über das Seelische aufbringen kann: Wenn es nicht dadurch gewonnen ist, dass es durch freie Seelenübungen, durch aktives Leben der Seele erworben ist, so ist es doch nur auf leibliche oder niedrig seelische Art erfahren oder erworben.
[ 68 ] Man sollte doch begreifen, dass der Mensch selber als Geistesforscher sich finden kann, dass es nicht ein besonderes Talent sein kann, zum Geiste zu kommen, sondern eine allgemein-menschliche Veranlagung sein muss. Wenn aber dann eingewendet wird, dass wie eine Gnade auch die Geistesforschung kommen muss, wer das sagt, der versteht gerade das Wesentliche des Geistigen nicht. Die heutigen Seelenforscher schildern, weil sie den Geist in der Seele nicht finden, das Seelenleben so, als ob sich die Vorstellungen von selbst vergesellschaften, weil der Leib uns zu dieser Vergesellschaftung zwingt. Das tun sie auch, weil man vom Leiblichen abhängig ist. Zum Geiste gelangt man, wenn man sich unabhängig macht von dem, was der Leib vollbringt. Zum Geiste gelangt man dadurch, dass man sich in Freiheit losmacht vom bloß leiblichen Leben. Wie viel man auch Mystik aufbringen kann, Redereien über das Seelische aufbringen kann: Wenn es nicht dadurch gewonnen ist, dass es durch freie Seelenübungen, durch aktives Leben der Seele erworben ist, so ist es doch nur auf leibliche oder niedrig seelische Art erfahren oder erworben.
[ 69 ] Das wirklich Geistige beginnt da, wo man sich vom Leibe frei macht, kann auch nur erforscht werden dadurch, dass die Methode in Freiheit, in Betätigung des Willens, in derjenigen Betätigung, die aus der Freiheit entspringt, gewonnen wird. Nur dadurch, dass man vom Leibe frei wird, gelangt man zu dem Bewusstsein, das sonst beim Menschen in den Tiefen des Seelenlebens bleibt.
[ 69 ] Das wirklich Geistige beginnt da, wo man sich vom Leibe frei macht, kann auch nur erforscht werden dadurch, dass die Methode in Freiheit, in Betätigung des Willens, in derjenigen Betätigung, die aus der Freiheit entspringt, gewonnen wird. Nur dadurch, dass man vom Leibe frei wird, gelangt man zu dem Bewusstsein, das sonst beim Menschen in den Tiefen des Seelenlebens bleibt.
[ 70 ] Dasjenige Bewusstsein kann aber erforscht werden, das in den Tiefen des Seelenlebens im gewöhnlichen Erleben bleibt und was frei gemacht wird, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt, was sonst zugedeckt ist durch die vom Leibe beherrschten Seelenerlebnisse. So kann man sagen, dass so ein Einwand gerade den Beweis liefert, wie auch eine Seite, die vielfach Anerkennung findet, gar keinen Begriff, gar keine Vorstellung hat von dem wirklich Geistigen, wie man das vom Leibe beherrschte Seelische bezeichnet als das Geistige.
[ 70 ] Dasjenige Bewusstsein kann aber erforscht werden, das in den Tiefen des Seelenlebens im gewöhnlichen Erleben bleibt und was frei gemacht wird, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt, was sonst zugedeckt ist durch die vom Leibe beherrschten Seelenerlebnisse. So kann man sagen, dass so ein Einwand gerade den Beweis liefert, wie auch eine Seite, die vielfach Anerkennung findet, gar keinen Begriff, gar keine Vorstellung hat von dem wirklich Geistigen, wie man das vom Leibe beherrschte Seelische bezeichnet als das Geistige.
[ 71 ] Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, solche Seiten sind es auch oftmals, solche Strömungen sind es oftmals, welche in vollständig missverständlicher Art Front machen gegen die Geisteswissenschaft, wie ich sie wiederum versuchte, von den verschiedensten Gesichtspunkten aus zu charakterisieren. Diese Geisteswissenschaft selber kann sich nicht so zu anderen Richtungen verhalten; sie weiß, dass sie nicht anderes auszuschließen braucht, dass sie nicht gegen andere Front zu machen braucht, um sich selbst zu halten. Diese Geisteswissenschaft, welche in der Seele in der angedeuteten Weise den Geist aufsucht durch echte Wissenschaft, wie die Leibeswissenschaft die Vorgänge des Leibes zu dem seelischen Erleben hinzu erforscht, diese Geisteswissenschaft kann sagen: Lasst euch nicht beirren, geht in die Naturwissenschaft hinein, erkennt alles das, was der Naturwissenschafter zu sagen hat! Ihr werdet es nicht schlechter verstehen als er. Ihr werdet besser verstehen als er, ihr werdet ihm nun völlig gerecht werden, wenn ihr euch auf das einlasst, was er sagt.
[ 71 ] Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, solche Seiten sind es auch oftmals, solche Strömungen sind es oftmals, welche in vollständig missverständlicher Art Front machen gegen die Geisteswissenschaft, wie ich sie wiederum versuchte, von den verschiedensten Gesichtspunkten aus zu charakterisieren. Diese Geisteswissenschaft selber kann sich nicht so zu anderen Richtungen verhalten; sie weiß, dass sie nicht anderes auszuschließen braucht, dass sie nicht gegen andere Front zu machen braucht, um sich selbst zu halten. Diese Geisteswissenschaft, welche in der Seele in der angedeuteten Weise den Geist aufsucht durch echte Wissenschaft, wie die Leibeswissenschaft die Vorgänge des Leibes zu dem seelischen Erleben hinzu erforscht, diese Geisteswissenschaft kann sagen: Lasst euch nicht beirren, geht in die Naturwissenschaft hinein, erkennt alles das, was der Naturwissenschafter zu sagen hat! Ihr werdet es nicht schlechter verstehen als er. Ihr werdet besser verstehen als er, ihr werdet ihm nun völlig gerecht werden, wenn ihr euch auf das einlasst, was er sagt.
[ 72 ] Nicht teilt die Geisteswissenschaft jene Aburteilung, die man bei den sogenannten Monisten oder sonst immer wieder finder, die sich immer stellen wollen, trotzdem ihre Stellung eine sehr wacklige ist, auf den festen Boden der Naturwissenschaft und die meiden das Geistige aus dem Grunde, weil sie des Glaubens sind, dass man sich in die Geisteswissenschaft nicht einlassen könne, weil dafür keine gültigen Begriffe vorhanden sind, oder dergleichen. Nein, naturwissenschaftliche Denkweise, die zu gleicher Zeit Weltanschauung sein will, liefert eingeengte Begriffe, welche nicht hineinführen in den Geist; Geisteswissenschaft liefert Begriffe, die nicht nur in den Geist einführen, sondern auch sogar in die Naturwissenschaft. Daher sagt sie, so viel Naturwissenschaft als möglich eigne der Mensch sich an. Geisteswissenschaft hat durch sie nichts zu fürchten, im Gegenteil, ebenso wenig wird diese Geisteswissenschaft jemandem schildern einen religiösen Weg als irgendetwas, das er vermeiden sollte.
[ 72 ] Nicht teilt die Geisteswissenschaft jene Aburteilung, die man bei den sogenannten Monisten oder sonst immer wieder finder, die sich immer stellen wollen, trotzdem ihre Stellung eine sehr wacklige ist, auf den festen Boden der Naturwissenschaft und die meiden das Geistige aus dem Grunde, weil sie des Glaubens sind, dass man sich in die Geisteswissenschaft nicht einlassen könne, weil dafür keine gültigen Begriffe vorhanden sind, oder dergleichen. Nein, naturwissenschaftliche Denkweise, die zu gleicher Zeit Weltanschauung sein will, liefert eingeengte Begriffe, welche nicht hineinführen in den Geist; Geisteswissenschaft liefert Begriffe, die nicht nur in den Geist einführen, sondern auch sogar in die Naturwissenschaft. Daher sagt sie, so viel Naturwissenschaft als möglich eigne der Mensch sich an. Geisteswissenschaft hat durch sie nichts zu fürchten, im Gegenteil, ebenso wenig wird diese Geisteswissenschaft jemandem schildern einen religiösen Weg als irgendetwas, das er vermeiden sollte.
[ 73 ] Die Geisteswissenschaft wird einem jeden sagen: Bist du ausgerüstet mit den Vorstellungen über den Geist, die dir die wahre Geisteswissenschaft geben kann, dann ist deine Seele durch die Stärke, die Kraft dieser Vorstellungen auch geeignet, gerade in aller Intensität den religiösen Weg zu gehen, das, was deine Religion dir geben will, in ihren Öffenbarungen, in echtem, wahrem Sinne des Wortes aufzunehmen. Nicht das religiöse Vorurteil, das ja nicht in Wahrheit ein religiöses, sondern ein Vorurteil der Vertreter des Religiösen ist, braucht die Geisteswissenschaft anzunehmen, das abhält davon, sich mit etwas anderem zu beschäftigen, das sogar den anderen Weg als versucherisch findet, sondern sagt: Geht in Kirche und Religion, sie werden euch kraft eurer Geisteswissenschaft geben können, was sie euch sonst nicht zu geben vermögen, wenn ihr Geisteswissenschaft in Wahrheit versteht. Geht ins Leben hinein. — Das, was man sich durch die Geisteswissenschaft aneignet, gibt solche Vorstellungen und Begriffe, welche auch die Vorstellungen des praktischen Lebens nicht zu solchen machen, wie sie heute vielfach vorhanden sind, wo sich die Leute für praktisch halten, während sie reine Phantasten sind.
[ 73 ] Die Geisteswissenschaft wird einem jeden sagen: Bist du ausgerüstet mit den Vorstellungen über den Geist, die dir die wahre Geisteswissenschaft geben kann, dann ist deine Seele durch die Stärke, die Kraft dieser Vorstellungen auch geeignet, gerade in aller Intensität den religiösen Weg zu gehen, das, was deine Religion dir geben will, in ihren Öffenbarungen, in echtem, wahrem Sinne des Wortes aufzunehmen. Nicht das religiöse Vorurteil, das ja nicht in Wahrheit ein religiöses, sondern ein Vorurteil der Vertreter des Religiösen ist, braucht die Geisteswissenschaft anzunehmen, das abhält davon, sich mit etwas anderem zu beschäftigen, das sogar den anderen Weg als versucherisch findet, sondern sagt: Geht in Kirche und Religion, sie werden euch kraft eurer Geisteswissenschaft geben können, was sie euch sonst nicht zu geben vermögen, wenn ihr Geisteswissenschaft in Wahrheit versteht. Geht ins Leben hinein. — Das, was man sich durch die Geisteswissenschaft aneignet, gibt solche Vorstellungen und Begriffe, welche auch die Vorstellungen des praktischen Lebens nicht zu solchen machen, wie sie heute vielfach vorhanden sind, wo sich die Leute für praktisch halten, während sie reine Phantasten sind.
[ 74 ] Die Geisteswissenschaft wird, selbst wenn man nicht Seher ist, den Vorstellungen des praktischen Lebens Beweglichkeit, Richtung, Energie geben, sodass man praktischer wird für das gewöhnliche äußere Leben. Sie bringt einen nicht von dem äußeren Leben ab. Sie gibt einem moralische Richtung und Halt, sie gibt sogar Geschicklichkeiten für äußere Techniken. Gehet ins Leben, nicht in die Askesc! Das Leben wird die Geisteswissenschaft nicht vernichten, sondern im Gegenteil, dieses Leben wird die Geisteswissenschaft überall bestätigen, und ich könnte noch hinzufügen: Gehet meinetwegen selbst zu Johannes Müller. Ich werde nicht in die Gefahr kommen zu sagen: Der Weg des Johannes Müller ist ein gefährlicher, ein versucherischer, wie Johannes Müller neulich geschrieben hat, man solle den geisteswissenschaftlichen Weg meiden, weil er eine Versuchung darstelle. Ich werde niemandem sagen: Meidet den Weg des Johannes Müller! — Gehet zu ihm! Ihr werdet den richtigen Standpunkt gerade dann finden, wenn ihr mit der Geisteswissenschaft hingeht. Niemand wird von etwas abgehalten, der sich mit wirklichem Verständnis in die Geisteswissenschaft hineinstellt; denn Geisteswissenschaft soll so in das geistige Leben hineinführen, dass das übrige Leben, das schließlich nichts anderes ist als die Offenbarung des Geistigen, gerade dadurch stärker begriffen werden kann, einsichtsvoller durchlebt werden kann, energischer gefühlt und empfunden werden kann.
[ 74 ] Die Geisteswissenschaft wird, selbst wenn man nicht Seher ist, den Vorstellungen des praktischen Lebens Beweglichkeit, Richtung, Energie geben, sodass man praktischer wird für das gewöhnliche äußere Leben. Sie bringt einen nicht von dem äußeren Leben ab. Sie gibt einem moralische Richtung und Halt, sie gibt sogar Geschicklichkeiten für äußere Techniken. Gehet ins Leben, nicht in die Askesc! Das Leben wird die Geisteswissenschaft nicht vernichten, sondern im Gegenteil, dieses Leben wird die Geisteswissenschaft überall bestätigen, und ich könnte noch hinzufügen: Gehet meinetwegen selbst zu Johannes Müller. Ich werde nicht in die Gefahr kommen zu sagen: Der Weg des Johannes Müller ist ein gefährlicher, ein versucherischer, wie Johannes Müller neulich geschrieben hat, man solle den geisteswissenschaftlichen Weg meiden, weil er eine Versuchung darstelle. Ich werde niemandem sagen: Meidet den Weg des Johannes Müller! — Gehet zu ihm! Ihr werdet den richtigen Standpunkt gerade dann finden, wenn ihr mit der Geisteswissenschaft hingeht. Niemand wird von etwas abgehalten, der sich mit wirklichem Verständnis in die Geisteswissenschaft hineinstellt; denn Geisteswissenschaft soll so in das geistige Leben hineinführen, dass das übrige Leben, das schließlich nichts anderes ist als die Offenbarung des Geistigen, gerade dadurch stärker begriffen werden kann, einsichtsvoller durchlebt werden kann, energischer gefühlt und empfunden werden kann.
[ 75 ] Dasjenige, was die Geisteswissenschaft in die menschliche Gesinnung hineingießen kann und was nützlich werden muss für die Sehnsuchten der Menschheit, die man heute als die bedeutsamsten Sehnsuchten, die aber erst vielfach im Unterbewussten sind, wahrnehmen kann, wenn man wahre Menschenbeobachtung hat, diese Gesinnung, die zur Befriedigung dieser Sehnsuchten in das menschliche Herz gelegt werden kann, diese Gesinnung möchte ich noch durch das Folgende umschreiben: Ich habe gesagt: In weitesten Kreisen ist man beherrscht von dem Vorurteil, das einmal du Bois-Reymond in den Siebzigerjahren ausgesprochen hat, das aber heute noch in den Seelen spukt; dass Wissenschaft sich nur auf das Sinnliche erstrecken kann, dass sie zwar nicht das Übersinnliche erforschen kann, dass aber Wissenschaft aufhört, wo das übersinnliche Leben, das geistige Leben, das Ewige eigentlich anfängt, Geisteswissenschaft soll zeigen der Menschheit, dass die entgegengesetzte Gesinnung der wahren Einsicht in die Weltverhältnisse entspricht, dass man vielmehr sagen muss: Auch die Naturwissenschaft dringt nicht in das wahre tiefere Leben der Natur ein, wenn diese Naturwissenschaft nicht geistdurchdrungen ist.
[ 75 ] Dasjenige, was die Geisteswissenschaft in die menschliche Gesinnung hineingießen kann und was nützlich werden muss für die Sehnsuchten der Menschheit, die man heute als die bedeutsamsten Sehnsuchten, die aber erst vielfach im Unterbewussten sind, wahrnehmen kann, wenn man wahre Menschenbeobachtung hat, diese Gesinnung, die zur Befriedigung dieser Sehnsuchten in das menschliche Herz gelegt werden kann, diese Gesinnung möchte ich noch durch das Folgende umschreiben: Ich habe gesagt: In weitesten Kreisen ist man beherrscht von dem Vorurteil, das einmal du Bois-Reymond in den Siebzigerjahren ausgesprochen hat, das aber heute noch in den Seelen spukt; dass Wissenschaft sich nur auf das Sinnliche erstrecken kann, dass sie zwar nicht das Übersinnliche erforschen kann, dass aber Wissenschaft aufhört, wo das übersinnliche Leben, das geistige Leben, das Ewige eigentlich anfängt, Geisteswissenschaft soll zeigen der Menschheit, dass die entgegengesetzte Gesinnung der wahren Einsicht in die Weltverhältnisse entspricht, dass man vielmehr sagen muss: Auch die Naturwissenschaft dringt nicht in das wahre tiefere Leben der Natur ein, wenn diese Naturwissenschaft nicht geistdurchdrungen ist.
[ 76 ] Erkennt man aber an der Naturwissenschaft selber die Notwendigkeit, sich vom Geiste zu durchdringen, dann wird man nicht mehr sagen, dass Wissenschaft da aufhört, wo das Übersinnliche, wo der Geist beginnt, sondern umgekehrt: Auch die Wissenschaft der Natur erstirbt, hört auf, wenn man mit seinen Begriffen aus dem Geiste herauskommt. Auch in der Naturwissenschaft selber braucht man zum wirklichen Verstehen den Geist. Man hat nur leider um der erkenntnisgemäßen Bequemlichkeit willen einen eigentümlichen Prozess in den letzten Jahrzehnten durchgemacht, man hat sich gesagt etwas, was ich vergleichen könnte damit, wenn jemand sagte: Da habe ich einen Baum vor mir, er wächst und gedeiht. Er zieht gewisse Kräfte aus der Erde heraus; aber die Kräfte, die er herauszieht, die sind mir zugedeckt von der Erde. Ich werde den Baum aus der Erde herausziehen, dass ich ihn ganz vor mir habe, dann überschaue ich ihn ganz.
[ 76 ] Erkennt man aber an der Naturwissenschaft selber die Notwendigkeit, sich vom Geiste zu durchdringen, dann wird man nicht mehr sagen, dass Wissenschaft da aufhört, wo das Übersinnliche, wo der Geist beginnt, sondern umgekehrt: Auch die Wissenschaft der Natur erstirbt, hört auf, wenn man mit seinen Begriffen aus dem Geiste herauskommt. Auch in der Naturwissenschaft selber braucht man zum wirklichen Verstehen den Geist. Man hat nur leider um der erkenntnisgemäßen Bequemlichkeit willen einen eigentümlichen Prozess in den letzten Jahrzehnten durchgemacht, man hat sich gesagt etwas, was ich vergleichen könnte damit, wenn jemand sagte: Da habe ich einen Baum vor mir, er wächst und gedeiht. Er zieht gewisse Kräfte aus der Erde heraus; aber die Kräfte, die er herauszieht, die sind mir zugedeckt von der Erde. Ich werde den Baum aus der Erde herausziehen, dass ich ihn ganz vor mir habe, dann überschaue ich ihn ganz.
[ 77 ] So haben es die naturforscherisch denkenden Menschen gemacht. Sie haben gesagt: Wenn wir die Natur überschauen, so kommen wir nicht dazu; so wurzelt sie in etwas. Wir entwurzeln sie, wir ziehen sie aus ihrem Boden, dann überschauen wir sie. — Aber jene Naturwissenschaft, die sich so entwurzelt, die ist wie ein Baum, der mit der Wurzel aus dem Boden herausgerissen ist, er wird ertötet, er erstirbt. Und ein Wissen, welches der Geist-Erkenntnis entwurzelt wird, das erstirbt. Man wird, wenn vergangen sein wird das Vorurteil, das sich anknüpft an einen solchen Ausspruch wie den des du Bois-Reymond: Wo das Übersinnliche beginnt, hört die Wissenschaft auf, man wird zu der Erkenntnis und der wahren Gesinnung gegenüber dem Geist und seinem Verhältnis zum Menschen kommen, wenn man statt des du Bois-Reymond’schen Ausspruches dann den andern setzen wird: Da, wo das Wissen den Geist verleugnen will, wo das Wissen aus dem Übersinnlichen heraustreten will und entwurzelt die Natur begreifen will, da erstirbt das Wissen. Nicht dass Wissenschaft dort aufhört, wo das Übersinnliche beginnt, sondern wo das Übersinnliche aufhört und noch ein Wissen gesucht wird, da wird dieses Wissen selbst ertötet, da erstirbt jedes Bestreben nach Wissenschaft.
[ 77 ] So haben es die naturforscherisch denkenden Menschen gemacht. Sie haben gesagt: Wenn wir die Natur überschauen, so kommen wir nicht dazu; so wurzelt sie in etwas. Wir entwurzeln sie, wir ziehen sie aus ihrem Boden, dann überschauen wir sie. — Aber jene Naturwissenschaft, die sich so entwurzelt, die ist wie ein Baum, der mit der Wurzel aus dem Boden herausgerissen ist, er wird ertötet, er erstirbt. Und ein Wissen, welches der Geist-Erkenntnis entwurzelt wird, das erstirbt. Man wird, wenn vergangen sein wird das Vorurteil, das sich anknüpft an einen solchen Ausspruch wie den des du Bois-Reymond: Wo das Übersinnliche beginnt, hört die Wissenschaft auf, man wird zu der Erkenntnis und der wahren Gesinnung gegenüber dem Geist und seinem Verhältnis zum Menschen kommen, wenn man statt des du Bois-Reymond’schen Ausspruches dann den andern setzen wird: Da, wo das Wissen den Geist verleugnen will, wo das Wissen aus dem Übersinnlichen heraustreten will und entwurzelt die Natur begreifen will, da erstirbt das Wissen. Nicht dass Wissenschaft dort aufhört, wo das Übersinnliche beginnt, sondern wo das Übersinnliche aufhört und noch ein Wissen gesucht wird, da wird dieses Wissen selbst ertötet, da erstirbt jedes Bestreben nach Wissenschaft.
