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The Human Being as a
Spirit and Soul Being
GA 71b

26 February 1918, Nuremberg

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6. Die Offenbarungen des Unbewussten im Seelenleben vom geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkte

The Psychological Expression of the Unconscious

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Ich habe mir gestattet, gestern darauf hinzuweisen, dass vonseiten naturwissenschaftlicher Weltanschauung, der sich die hier gemeinte geisteswissenschaftliche Weltanschauung an die Seite stellen kann und muss, gegen die Art und die ganze Forschungsmethode dieser Geisteswissenschaft Antipathien herrschen, dass gewissermaßen ein gewisses subjektives Vorurteil vorhanden ist in der Gegenwart noch, welches ein wirkliches Eingehen und ein Verständnis dieser Geisteswissenschaft gerade bei denjenigen erschwert, welche glauben, auf dem festen Boden der Naturwissenschaft zu stehen — auf dem selbstverständlich auch die Geisteswissenschaft steht —, die aber der Meinung sind, dass von diesem Boden aus eine Brücke zu einer wirklichen Geisteswissenschaft nicht zu schlagen ist.

[ 1 ] I took the liberty of pointing out yesterday that there is some antipathy on the part of the ordinary scientific outlook toward the nature and the entire method of the science of spirit which can and must be placed alongside ordinary science. I pointed out further that there is a certain subjective prejudice at the present time which makes it difficult for people really to go into and acquire an understanding of the science of spirit, that is, for people who think they stand on the sure foundation of science—on which, of course, the science of spirit also stands—but who are of the opinion that it is not possible to bridge the gap from this kind of foundation to a real science of spirit.

[ 2 ] Dennoch ging ja wohl auch aus meinen gestrigen Auseinandersetzungen eine Tatsache im Seelenleben der gegenwärtigen Menschheit hervor. Das ist die Tatsache, dass gerade die Vertiefung in die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse vom Gesichtspunkte der Gegenwart aus auf der anderen Seite die Sehnsucht hervorrufen muss, und sie auch hervorruft, über dasjenige im Menschen wirklich Aufschluss zu erlangen, welches hinausragt über das alltägliche, gewöhnliche Seelenleben, das ja gebunden sein muss an die Beobachtung und an das Erleben der physisch-sinnlichen Welt.

[ 2 ] However, a fact about the soul-life of present day humanity emerged from my exposition yesterday, the fact that it is joist in immersing ourselves in the scientific knowledge of the present time that we are bound to long, and indeed, do long to acquire knowledge about the human being that goes beyond the ordinary everyday life of the soul, which, of course, of necessity is tied to the observation and experience of the physical sense world.

[ 3 ] Nun kann man allerdings sagen: Dasjenige, was allgemeine Weltanschauung geworden ist unter dem Einflusse naturwissenschaftlicher Vorstellungen und Ideen, das erweist sich im Grunde genommen immer unvermögender, mit anderen Forschungsarten sich zu beschäftigen als mit denjenigen, welche auf äußerlich-sinnlich Vorhandenes, auf Physisches hinweisen. Und so will man denn auch von gewisser Seite her das über das gewöhnliche Bewusstsein hinaus Liegende auf dieselbe sinnengemäße Weise erforschen — wenn man es schon erforschen will, wenn man nicht darauf verzichten will —, wie man die äußeren Naturtatsachen erforscht.

[ 3 ] Now it is naturally possible to say that the views of the world generally held, that have arisen through the influence of scientific ideas, are proving to be increasingly incapable of dealing with methods of research other than those which are concerned with what is physically present in the world. And so now it is intended to investigate what lies beyond normal consciousness with the same kind of sense perception—providing we really do want to investigate it, and not just drop it—as science uses to investigate nature.

[ 4 ] Aus diesem Grunde, sehr verehrte Anwesende, hat es sich denn ergeben, dass ein gewisses Grenzgebiet menschlichen Erlebens in der neueren Zeit Berücksichtigung gefunden hat derjenigen, welche auf naturwissenschaftlichem Boden stehen bleiben wollen und welche dennoch in einer gewissen Weise in die Geheimnisse des menschlichen Seelenlebens einzudringen die Sehnsucht haben, innerhalb des bewussten Gebietes, das mehr oder weniger, wie ich schon sagte, an die Sinneswelt gebunden ist. Man hat sich allmählich davon überzeugt, dass man da die Geheimnisse des Seelenlebens nicht erforschen kann, dass in das Seelenleben des Menschen mannigfaltiges hineinwogt und hineinwallt aus unbekannten Tiefen oder, man könnte auch sagen, aus unbekannten Höhen, das geeignet ist, viel mehr Aufschluss zu geben über dasjenige, was eigentlich des Menschen Wesenskern ist, als dasjenige, was innerhalb des gewöhnlichen Bewusstseins ist. Da man aber im Allgemeinen gerade die Geisteswissenschaft, die hier gemeint ist, als etwas zu wenig Greifbares, wie viele sagen, als etwas zu sehr von der äußeren Wirklichkeit Abführendes ansieht, so will man eben eine Art Grenzgebiet erforschen — erforschen, ich möchte sagen, auf naturwissenschaftlich-sinnliche Weise.

[ 4 ] For this reason the existence of one border area at least in human experience has found recognition recently among people who want their work to remain on a scientific basis but who, on the other hand, desire to penetrate the mysteries of human soul life, inasmuch as this lies within the conscious sphere that is, as I have said, more or less tied to the world of the senses. People have gradually become convinced that it is not possible to investigate the mysteries of soul life, that there is much that rises up into the soul life of the human being out of unknown depths, or one could also say, out of unknown heights, that is well suited to provide information about what the core of man's being really is, rather than what is to be found within our ordinary consciousness. But because, generally speaking, the science of spirit is regarded as something not sufficiently tangible, as something that leads one away from the real world—so many would say—an attempt is made to investigate a kind of border area by ordinary scientific means.

[ 5 ] Daher hat Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, allen Grund, nun von ihrem Gesichtspunkte aus auf dieses Grenzgebiet hinzuweisen, dieses Grenzgebiet von ihrem Gesichtspunkt aus zu behandeln. Es ist dasjenige Gebiet, welches man gewöhnt worden ist in der neueren Zeit und in der Gegenwart, das Gebiet des Unbewussten zu nennen. Dieses Gebiet des Unbewussten, es wird ja immer wieder und wiederum von ihm gesprochen. Es ist auch noch aus dem Grunde für die Geisteswissenschaft, die hier vertreten wird, ganz besonders wichtig, Betrachtungen anzustellen über dieses Gebiet des Unbewussten, weil manches, was auf diesem Felde zutage tritt, so aufgefasst wird und weil andererseits die Geisteswissenschaft so aufgefasst wird, dass sie verwechselt wird mit dem, was von der einen oder anderen Seite mehr oder weniger berechtigt über dieses Grenzgebiet vorgebracht wird.

[ 5 ] The science of spirit has therefore every reason from its point of view, to refer to this border area and to deal with it. It is the region that we have more recently become accustomed to call the unconscious. There is also another reason why it is especially important for the science of spirit to offer some thoughts about this area of the unconscious, and that is because some of the things that are said in this connection are misunderstood, so that the science of spirit is confused with what is said about this border area, more or less justifiably, by those representing other approaches to the problem.

[ 6 ] Unter dem Unbewussten versteht man ja im Allgemeinen dasjenige, was in das bewusste Leben aus unbekannten Gebieten hereinwogt und hereinströmt. Es würde natürlich sehr lange Zeit in Anspruch nehmen, wenn ich wollte alles dasjenige auch nur skizzierend kennzeichnen, was über dieses Gebiet des Unbewussten in der neuesten Zeit in der Wissenschaft über das ganze Erdenrund hin in reichlichem Maße vorgebracht worden ist. Innerhalb unseres mitteleuropäischen Kulturlebens ist ja der Ausdruck «das Unbewusste» seit den Sechzigerjahren schon bekannt geworden durch die mehr oder weniger populäre Philosophie Eduard von Hartmanns, der die Gründe zu alledem, was der Mensch bewusst erlebt, in einem geistig Unbewussten, sei es unterbewusst, sei es überbewusst, sucht.

[ 6 ] By “unconscious” one usually means what rises up from unknown regions and flows into one's conscious life. It would of course take a very long time if I were even to give an outline of all that science over the whole world has had to say about this region of the unconscious. In the cultural life of Central Europe the expression “the unconscious” has of course become well known since the 1860's through the popular philosophy of Eduard von Hartmann, who sought the reasons for all that the human being experiences consciously in a spiritual unconscious, whether it be below or above the conscious.

[ 7 ] Wenn ich einleitungsweise, sehr verehrte Anwesende, eine persönliche Bemerkung machen darf, so ist es diese: dass gegenüber der Art, wie sich Eduard von Hartmann dem Geistesleben, das für das gewöhnliche Bewusstsein unbewusst bleiben soll, nähert — dass diese Art Eduard von Hartmanns, trotzdem sie auf Geistiges geht, trotzdem sie in der physisch-sinnlichen Welt eine Offenbarung des Unbewussten sieht, des GeistigUnbewaussten sieht —, dass diese Weltanschauung Eduard von Hartmanns auch diametral entgegengesetzt ist in einer gewissen Weise derjenigen Weltanschauung, die hier von mir vertreten wird. Und ich habe versucht, schon in den Achtzigerjahren des neunzehnten Jahrhunderts durch meine persönliche Bekanntschaft mit Eduard von Hartmann mich auch brieflich mit ihm über diese Dinge sehr eingehend auseinanderzusetzen; [ich] habe versucht, zu zeigen, welcher Unterschied besteht zwischen dieser anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft und der Weltanschauung, die auf das Unbewusste begründet ist, zum Beispiel Eduard von Hartmanns. Ich habe diesen Unterschied, ich möchte sagen, mit einer persönlichen Note im Februarheft des zweiten Jahrganges der Zeitschrift «Das Reich» kürzlich besprochen. Dasjenige, was da ausführlich erörtert ist, das möchte ich, weil das hier genügt, mit ein paar Worten andeuten. Eduard von Hartmann weist darauf hin, dass allem, was der Mensch durch sein gewöhnliches Leben zeigen kann, ein geistig Unbewusstes zugrunde liegt. Aber er ist der Anschauung, dass dieses Unbewusste nur zu erreichen ist durch die logische Urteilskraft, die schließt von dem Bewussten, dem sinnlich Wahrnehmbaren aus auf ein unbekannt Bleibendes, das nur begrifflich zu erreichen ist, in Hypothesen zu erfassen ist. Und er weist darauf hin, dass dieses Unbewusste für sich selber nicht in demselben Sinne bewusst ist, wie der Mensch zum Beispiel bewusst ist.

[ 7 ] If I may be allowed, by way of introduction, to make a personal remark—the way in which Eduard von Hartmann approaches spiritual life, which is supposed to remain unconscious for ordinary consciousness (although he is dealing with something spiritual and although he sees a revelation of the unconscious, of the spiritual unconscious, in the physical sense world), his approach and outlook are in a way diametrically opposed to the view which I am putting forward. And through being personally acquainted with Eduard von Hartmann I tried already in the 1880's to thrash these things out with him personally and in correspondence. I tried to show the difference between the anthroposophically orientated science of spirit and an outlook founded on the unconscious like, for instance, that of Eduard von Hartmann. I discussed this difference recently in a rather personal way in the February number of the second year of the magazine Das Reich. I shall now indicate in a few words what is discussed more fully there: Eduard von Hartmann points out that everything the human being is able to reveal in his ordinary life rests on something spiritual and unconscious. He maintains the view that this unconscious can be reached only by means of the power of logical thinking; it deduces something unknown that abides, that can be reached only conceptually and grasped in hypotheses from what is perceptible in the sense world. And he points out that this unconscious is not in itself conscious in the same way that the human being, for instance, is conscious.

[ 8 ] Nach diesen beiden Richtungen hin unterscheidet sich Geisteswissenschaft ganz diametral von dieser Anschauung Eduard von Hartmanns: Erstens ist diese Geisteswissenschaft begründet darauf, dass der Mensch nicht nur — ich habe gestern ausführlicher das Nähere auseinandergesetzt und auf Bücher hingewiesen, die Belege dafür liefern —, dass diese Geisteswissenschaft nicht bloß will eindringen in das geistige Gebiet durch Hypothesen und logische Schlussfolgerungen, sondern dadurch, dass gewisse in der Seele liegende, schlummernde Kräfte, welche für das gewöhnliche Bewusstsein allerdings unterbewusst bleiben, aus der Seele heraufgeholt werden; Kräfte, welche durch Erstarkung, durch Erkraftung des Seelenlebens heraufgeholt werden in das Bewusstsein; dass diese unterbewussten Seelenkräfte in das Bewusstsein des Menschen eintreten können, sodass der Mensch voll bewusst, nicht durch Hypothesen, nicht bloß durch logische Schlussfolgerungen, sondern durch geistige Beobachtung voll bewusst den Weg gehen kann von der sinnlichen in die übersinnliche Welt, sodass er diese übersinnliche Welt ebenso, wenn auch geistig, aber ebenso beobachten kann, wie die sinnliche Welt zu beobachten ist.

[ 8 ] In these two respects the science of spirit is radically different from this view of Eduard von Hartmann: firstly the science of spirit is founded on the fact that—I described this more fully yesterday and named the books which provide the necessary basis—it not only seeks to penetrate the spiritual spheres by means of hypotheses and logical deductions, but by bringing out of the soul certain forces that slumber in it which remain unconscious for our ordinary consciousness, forces that are raised into our consciousness by means of a strengthening and intensification of our soul life. These unconscious forces in the soul are able to enter into the consciousness of the human being, so that he can tread the path from the sense world to the super-sensible world in full consciousness by means of spiritual observation, so that he can observe this super-sensible world in a spiritual way, just as he can observe the sense world.

[ 9 ] Geisteswissenschaft stellt also dar nicht den hypothetischen, sondern den wirklich erlebbaren Weg aus dem Sinnlichen in das Übersinnliche hinein. Und auf der anderen Seite muss Geisteswissenschaft betonen, dass ja ein unbewusstes Geistiges, in dem selber kein Bewusstsein zu finden wäre, im Grunde genommen nicht viel mehr wert ist als das große unbewusste Reich der rein materiellen Atome und ihrer Vorgänge, der rein physikalischen Grundlage des Daseins. Was wäre schließlich ein Geistiges, das dem Sinnlichen wirklich zugrunde liegen soll, wenn der Mensch als einzelnes bewusstes Wesen sich herausheben würde aus einer Welt, die in Bezug auf die Bewusstheit auch nicht höherwertig wäre als die unbewusste Welt der rein physikalischen Erscheinungen? — So weist Geisteswissenschaft nicht hin auf ein solches Unbewusstes, das an sich die Unbewusstheit trägt, sondern Geisteswissenschaft weist hin auf geistige Wesenheiten, die hinter der physischen Welt stehen, die ebenso bewusst sind wie der Mensch selbst, in vieler Beziehung sogar ein höheres Bewusstsein haben als der Mensch selbst.

[ 9 ] The science of spirit, therefore, does not describe a hypothetical path from the sense world into the super-sensible, but a real path that can be experienced. And on the other hand, the science of spirit has to emphasize that something spiritual that is unconscious, in which no consciousness can be found, is really of no more value than the great unconscious sphere of purely material atoms and their processes, the purely physical foundation of existence. What would be the point of something spiritual that is supposed to underlie the sense world, if it is unconscious? For then the human being would be the only conscious being to raise himself out of a world, which, as far as consciousness is concerned, would have no more value than the unconscious world of purely material phenomena?—The science of spirit, therefore, does not deal with this unconscious, which in itself is devoid of consciousness, but is concerned with spiritual beings existing behind the physical world and which are just as conscious as human beings, and in some respects even have a higher consciousness than the latter.

[ 10 ] Das ist dasjenige, was radikal unterscheidet mit Bezug auf das Unbewusste die Auffassung der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft von einer solchen Anschauung, wie die Eduard von Hartmanns ist, die ja im Grunde genommen von vielen heute geteilt wird; die von vielen in der gleichen Weise, auch wenn sie auf naturwissenschaftlichem Standpunkte stehen bleiben wollen, doch vertreten wird. Nun werden wir gerade heute Gelegenheit haben, indem wir diejenigen unbewussten Erscheinungen im menschlichen Seelenleben ins Auge fassen, die in einer unvollkommeneren Weise in das Bewusstsein hineindringen als die Geistesforschung selbst, wir werden Gelegenheit haben, indem wir diese unbewussten Erscheinungen in ihren Offenbarungen ins Auge fassen, gerade dadurch zu zeigen, in welcher Art Geistesforschung wirklich in das Gebiet des geistigen Lebens eindringen kann.

[ 10 ] This is what differentiates the view of the anthroposophically orientated science of spirit about the unconscious from such a view as Eduard von Hartmann's, which is actually held by many people today in the same sense as he held it, even if they do not intend getting away from the scientific viewpoint. Today we shall have opportunity to show in what way the science of spirit can really penetrate into the sphere of spiritual life, and we shall do this by taking into consideration the unconscious phenomena in human soul life which enter into our consciousness in a less complete way than does the science of spirit.

[ 11 ] Das allerdings muss ich heute, sehr verehrte Anwesende, voraussetzen, dass durch gewisse, gestern prinzipiell geschilderte innere Seelenvorgänge — wenn man pedantisch sein will, kann man sie Übungen nennen —, dass durch solche Seelenvorgänge dasjenige, was gewöhnliches Seelenleben ist, auch dasjenige, was nur mystisches Seelenleben ist, so behandelt werden kann, dass der Mensch von diesem Seelenleben heraus zu einem Geistigen aufsteigt — wie er auf der anderen Seite durch naturwissenschaftliche Betrachtung von dem Seelischen heruntersteigt zu dem Leiblichen — hinaufsteigt zur Anschauung des Geistigen. Wenn man dann diese Anschauung des Geistigen, ich möchte sagen — um diesen Goethe’sehen Ausdruck wieder zu gebrauchen —, wenn man dann die «Geistesaugen» und «Geistesohren» heranerzogen hat im Seelenleben, dann ist man imstande, in einer ganz anderen Weise zu überschauen, von seinem also gewonnenen Gesichtspunkte aus zu überschauen dasjenige, was sonst aus unbekannten Tiefen oder auch aus unbekannten Höhen hereinspielt in das bewusste menschliche Seelenleben.

[ 11 ] But I must take certain things for granted, which were described yesterday—that by means of inner processes in the soul (if we wish to be particular, we should call them “exercises”) our ordinary soul life, even if it is only a mystical soul life, can be treated in such a way that the human being can rise from this soul life to the spiritual, just as from another aspect he can descend from soul life to the physical by means of scientific observation. Having acquired this perception of the spiritual or—to use Goethe's expression once more—the eyes of the spirit and the ears of the spirit, we are then in a position to view what normally appears in our conscious soul life from unknown depths or heights from our newly-won viewpoint in a quite different way.

[ 12 ] Nun, die Grenzgebiete, um die es sich handelt, sie sind ja ein weites Feld. Ich will heute nur einige von diesen Grenzgebieten herausheben, die aber ein gewisses Licht werfen können auf alles übrige Unbewusste im menschlichen Seelenleben und seine Offenbarungen. Ich will herausheben dasjenige, was zunächst jedem Menschen bekannt ist, gut bekannt ist, was aber sich doch rätselhaft in das menschliche Dasein hineinstellt; ich will behandeln dasjenige, was die menschliche Traumwelt darstellt. Und ich will dann weiter behandeln dasjenige Gebiet, welches in der neueren Zeit, man könnte sagen, das Schoßkind geworden ist aller derjenigen, die in die geistige, die übersinnliche Welt eindringen wollen und die sich davor scheuen, wirkliche Geisteswissenschaft zu treiben, das weite Gebiet desjenigen, was man Somnambulismus und die mit demselben verwandten Mediumschaft und dergleichen nennt. Ich will dann hinweisen auf ein anderes Gebiet, von dem ja wohl hinlänglich bekannt ist, dass es aus unbewussten Untergründen des Seelenlebens hervorsprudelt, wenn es in seiner Wahrheit auftritt; ich will mit einigen Strichen behandeln das Gebiet des künstlerischen Genießens, des künstlerischen Schaffens. Und ich möchte dann hinweisen auf ein Gebiet, das vielleicht von manchem nicht dem Unbewussten und seinen Offenbarungen zugerechnet wird, das aber — zum Mindesten für jeden, der es vernünftig betrachtet — als etwas Halbbewusstes wenigstens in das menschliche Leben hinein sich erstreckt, das Gebiet des menschlichen Schicksals, und dieses Gebiet behandeln vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft aus, vom Gesichtspunkte des wirklichen und wahren Hellsehens aus.

[ 12 ] Now of course the border areas with which we are concerned cover a wide field. Today I shall select only a few of them, but they will shed light on everything else in our unconscious soul life and its manifestations. I shall take something which is well known to everyone, but which remains an enigma in human existence: our world of dreams. I shall then deal with a subject that more recently has become the child of all those who seek to penetrate into the spiritual super-sensible world, but who shy away from practicing the real science of spirit; and that child is what is called “somnambulism” and also “medium-ship,” which is related to it. I shall then proceed to another aspect where it is certainly sufficiently well known that it arises out of the unconscious depths of soul life, and this is the whole sphere of artistic enjoyment and creation, which I shall deal with briefly. Then I shall come to a subject which perhaps many people do not consider belongs to the unconscious and its manifestation, but which at least can be seen—by those who are reasonable about it—to be something that plays into our semiconscious life, and this is the sphere of human destiny, which will be considered from the viewpoint of the science of spirit, the real and true clairvoyance.

[ 13 ] Den Ausdruck «Hellsehen» gebrauche ich ungern, weil er eben vermengt wird mit allem möglichen dilettantischem und sonstigem Zeug; aber in der Anwendung, die ich heute von ihm machen will, rechtfertigt er sich vielleicht aus der Sache selbst heraus. Ich will hinweisen auf das, was das Gebiet der Geistesforschung selbst ist, die ja gerade berufen sein will, das geistig Unbewusste hereinzuholen in das Bewusstsein. Und weil ich will, dass die anderen Erscheinungen des Unbewussten, die ich zunächst nur genannt habe und nachher deutlich charakterisieren will geisteswissenschaftlich — der Kürze der Zeit halber muss ich heute davon absehen, die Dinge auch naturwissenschaftlich zu charakterisieren —, weil diese Erscheinungen geisteswissenschaftlich charakterisiert werden können, gerade vonseiten der geisteswissenschaftlichen Methode aus selber, so möchte ich zuerst einige charakteristische Eigenschaften des wirklichen Erlebens der übersinnlichen geistigen Welt durch den Geistesforscher vorausschicken.

[ 13 ] I am not fond of the word clairvoyance because it is mixed up with all sorts of amateurish and other nonsense, but the way I use it today will perhaps be justified, and should be self- explanatory. I shall indicate what is the sphere of the science of spirit itself, for this science feels itself called upon to raise what is spiritually unconscious into consciousness. I would like first of all to describe one or two characteristic properties of the real experience the scientist of the spirit has of the super-sensible, spiritual world. This will then form the basis for what I have to say about the other phenomena of the unconscious, which I have so far only just mentioned and which I shall describe later from the viewpoint of the science of spirit. As we have not much time, I shall not be able to go into the ordinary scientific view of these things as well.

[ 14 ] Es handelt sich darum, wenn die menschliche Seele bei dem Geistesforscher wirklich sich so weit gebracht hat, einer geistigen Welt so gegenüberzustehen, wie man mit sinnlich-physischen Augen und Ohren und den anderen Sinnesorganen der sinnlich-physischen Welt gegenübersteht, dass dann der Mensch die geistige Welt wahrnimmt und ihre Beziehungen zur sinnlich-physischen Welt in einer gewissen Weise feststellen kann.

[ 14 ] When the human soul has reached the point with the scientist of spirit of being able to approach a spiritual world in the same way that we approach the physical sense world with our physical eyes and ears and the other sense organs, then the human being perceives the spiritual world and can grasp its connection with the physical sense world.

[ 15 ] Ich habe gestern darauf aufmerksam gemacht, dass es wahrhaftig recht unbegründet ist, wenn von dieser oder jener Seite der Einwand erhoben wird gegen Geisteswissenschaft, dass dasjenige, was sie vorbringt, eigentlich etwas aus der sinnlich-physischen Welt Zusammengetragenes und in die geistige Welt Hinauferträumtes sei. Und ich habe darauf aufmerksam gemacht, dass derjenige, der die geisteswissenschaftlichen Methoden gewissenhaft durch Jahre angewendet hat, weiß, wie oft und oft er in die Lage kommt, dass dasjenige, was er erlebt in der geistigen Welt, sich als ganz anders darstellt als irgendetwas, was in der physisch-sinnlichen Welt im Reiche der Vergänglichkeit erlebt werden kann. Er weiß, dass ihm das klar ist, dass mit all den Vorstellungen und Ideen, die er sich aneignen konnte in der physisch-sinnlichen Welt, er nicht[s] machen kann in der geistigen Welt. Aber schon das Erleben der geistigen Welt selbst, die ganze Seelenstimmung und Seelenverfassung ist so, dass sie sich radikal unterscheidet von dem sonstigen Seelenleben. Und ich möchte einige charakteristische Eigenschaften dieses Erlebens im Geiste heute vorausschicken.

[ 15 ] I pointed out yesterday that it is quite unjustified to object that what the science of spirit describes is really only put together out of the physical sense world and then transferred to the spiritual world. And I also pointed out that anyone who has conscientiously used the methods of the science of spirit for several years knows that he often finds himself in the position that what he experiences in the spiritual world looks quite different from anything that can be experienced in the transitory physical sense world. Even in the experience of the spiritual world, the whole mood and constitution of the soul is radically different from normal soul life. And so I would like first of all to describe one or two characteristic properties of this experience in the spirit.

[ 16 ] Man könnte natürlich immer, wenn man nur oberflächlich Kenntnis nimmt von dem, was hier als Geisteswissenschaft gemeint ist, sagen: Nun ja, der Geistesforscher lebt in einer Art von Selbsttäuschung; er kombiniert etwas, was er als Vorstellung in sich gebildet hat, und sieht darin, weil er vielleicht übersehen oder vergessen hat, wie er diese Vorstellungen aus der Sinneswelt gewonnen hat, er kombiniert etwas und sieht darin Offenbarungen einer geistigen Welt. — Ja, sehr verehrte Anwesende, wenn sich dasjenige, was der Geistesforscher erlebt als geistige Erfahrung, wenn sich das so verhielte wie aus der Sinneswelt gewonnene Vorstellungen und Ideen, dann könnten er und andere selbstverständlich misstrauisch werden gegen diese Geisteswissenschaft. Aber das ist nicht der Fall.

[ 16 ] If one has only a superficial understanding of what we mean by the science of spirit it is easy enough to say that the scientist of spirit lives in a kind of self-deception:—he puts things together in his mind and thinks that the resulting idea is the revelation of a spiritual world, having overlooked or forgotten how he really gained the idea through sense perception in the first place. Of course, it is true that if the scientist of spirit were to experience spiritual perception in the same way he gains ideas from the sense world, then he would naturally become suspicious of the science of spirit. But this is not the case.

[ 17 ] Gleich eine Grundeigenschaft desjenigen, was wir beobachten können alles in unseren Gedanken der sinnlichen Welt gegenüber, zeigt sich ganz anders gegenüber den wirklich geistigen Erlebnissen. Diejenigen Vorstellungen, die wir uns an der sinnlich-physischen Welt machen, sie prägen sich der Seele ein, und wir können uns nach einiger Zeit an diese Vorstellungen wieder erinnern, sie können aus dem Schatze unseres Gedächtnisses heraufgeholt werden. Die geistigen Erlebnisse, welche der Geistesforscher hat, die zeigen eine ganz andere Eigenschaft. Sie sind nicht als geistige Erlebnisse unmittelbar erinnerbar.

[ 17 ] One of the most fundamental characteristics of what we are able to perceive in our thoughts of the sense world appears quite different when compared with real spiritual experiences. The ideas and images we form through contact with the sense world are impressed upon the soul, and we are able to recall them after a while; they can be raised up out of the treasure of our memory. The spiritual experiences which the scientist of spirit has are different, for it is not possible to recall them in this way.

[ 18 ] Dasjenige, was nach Heranerziehung der Seele zum geistigen Schauen wirklich als geistige Erlebnisse vor die Seele hintritt, das ist nicht eine bloße Vorstellung. Denn eine bloße Vorstellung kann dem Gedächtnisse einverleibt werden, dieses geistige Erlebnis aber als solches kann nicht der Seele unmittelbar als Erinnerung einverleibt werden, sondern das geistige Erlebnis selber ist so vergangen, wie vergangen ist für uns die unmittelbare Anschauung eines Baumes, den wir eine gewisse Zeit hindurch angesehen haben, von dem wir weggegangen sind; wir müssen wieder zu ihm hingehen, um ihn selber in seiner Wirklichkeit zu sehen. Die bloße Vorstellung erhalten wir im Gedächtnis, den wirklichen Baum, zu dem müssen wir wiederum uns begeben, wenn wir ihn vor uns haben wollen. So wie wenn wir vom Baume weggegangen sind, der Baum nicht mehr vor der Seele lebt, so lebt das geistige Erlebnis nicht mehr vor der Seele, wenn wir es abgeschlossen gehabt haben. Daraus geht hervor, sehr verehrte Anwesende, dass es sich bei dem geistigen Erleben nicht um ein bloßes Kombinieren von Vorstellungen, Ideen und Gedanken handelt, denn die können erinnert werden. Nun könnte man sagen: Ja, wie ist es denn dann überhaupt, dann könnte man ja niemals von einem solchen geistigen Erlebnis berichten, wenn es vergessen werden müsste; dann könnte man ja niemals etwas darüber sagen, denn es würde eben, nachdem es erlebt worden ist, aus dem menschlichen Seelenleben verschwunden sein. — So ist die Sache aber nicht. Geradeso, wie wir uns Vorstellungen bilden können von einer sinnlichen Wirklichkeit, einer sinnlichen Wesenheit oder einem sinnlichen Vorgang und die Vorstellung dann behalten können, so kann der Geistesforscher sich Vorstellungen bilden von demjenigen, was er geistig erlebt hat; und diese Vorstellung, die ist dann erinnerbar. Und darauf kommt es an, dass in wirklich innerem Erleben der Geistesforscher seine Erlebnisse unterscheiden kann von den Vorstellungen, die er sich darüber gemacht hat, wie man im äußeren Erleben unterscheiden kann die sinnliche Wahrnehmung von der Vorstellung, die man von ihr davonträgt.

[ 18 ] What the soul experiences when it approaches spiritual perception is not just an idea. For an idea can be incorporated into the memory, but a spiritual experience of this sort cannot be directly incorporated into the soul. A spiritual experience or perception disappears, just as our view of a tree that we have looked at for a time disappears when we turn away from it. When the perception comes to an end, it can no longer be experienced by the soul—we have to approach it again in order to see it as it really is. The image or idea we keep in our memory, but to see the actual tree we have to go to where it is. Just as we no longer see the tree when we have gone away from it, so the spiritual perception is no longer experienced by the soul when the perception itself has ceased. From this it follows that with experience of a spiritual nature we are not dealing with a mere combination of ideas, thoughts and images, for they can be remembered. But then one could object that if this is in fact the case, it would never be possible to report such spiritual experience if it could not be remembered—nothing could be said about it, for it would disappear from our soul life as soon as it had been experienced.—But actually it is not like this at all. The scientist of spirit can formulate ideas about what he has experienced spiritually, just as we are able to formulate ideas about things, beings and processes in the sense world, and these ideas can be retained. It depends on the scientist of spirit being able to differentiate actual experience from the images and ideas which arise out of it, just as in ordinary life we distinguish our sense perception from the idea which arises from it.

[ 19 ] Das hierauf Bezügliche zeigt sich noch in einer anderen Art: Will man ein geistiges Erlebnis ein zweites, ein drittes Mal in derselben Weise haben, so genügt es nicht, sich daran zu erinnern, das heißt die Vorstellung davon wiederum hervorzurufen. Denn man ist sich dann klar darüber: Man hat nicht das vollinhaltliche Erlebnis, sondern nur die blasse Vorstellung davon. Will man vor dem geistigen Erlebnis wieder stehen, so muss man die verborgen schlummernden Kräfte der Seele neuerdings wachrufen, muss sich neuerdings vor dieses Erlebnis stellen. Und gewissen besonders charakteristischen Erscheinungen der geistigen Welt gegenüber ist es so, dass man sich nur erinnern kann an die Art, wie man zu dem Erlebnis gekommen ist; dann kann man diese Art wieder hervorrufen; man kann es ein zweites, ein drittes, ein viertes Mal haben, aber davon kann keine Rede sein, dass das Erlebnis denselben Gesetzen unterliegt, dem die bloße Vorstellungsart unterliegt. — Das ist das eine. Sie sehen daraus, dass der Geistesforscher kein Träumer, kein Phantast ist, dass er sich voll klar ist durch innere Selbstbeobachtung über dasjenige, was ihn zu seinen wirklichen Erkenntnissen eigentlich führt.

[ 19 ] We can look at this in another way. If we wish to have a spiritual experience in the same way a second or third time, it is not sufficient just to recall the image or idea of it. For in this case it is clear that we do not then have the full experience, but only a pale image of it. If we want to have the experience again, we have to reawaken the slumbering forces of the soul and to enter into the experience afresh. With certain characteristic phenomena of the spiritual world we can only remember the way we approached the experience—this can be recalled, and the experience attained a second, third or fourth time. But then it is certainly not a case of the experience following the same laws that underlie the normal way of imagining and thinking.—This is the one aspect. You can see from this that the scientist of spirit is no dreamer, but that his own inner self- perception enables him to be absolutely clear about what leads him to real experiences.

[ 20 ] Ein Zweites ist, dass sich ein geisteswissenschaftliches Erlebnis zu unserem Seelenleben in einer ganz anderen Weise verhält als ein anderes Erlebnis, das das gewöhnliche Bewusstsein hier in der physisch-sinnlichen Welt durchmacht. Was wäre unser ganzes physisches Leben, wenn wir uns nicht gewisse Geschicklichkeiten, gewisse Gewohnheiten aneignen könnten, wenn wir nicht in der Lage wären, nachdem wir irgendetwas getrieben haben, wenn wir es das zweite Mal treiben wollen, es besser zu können, wenn uns nichts nützen würde die Wiederholung irgendeiner Verrichtung? Die Wiederholung einer Verrichtung, sie wird als eine Gewohnheit unserem gewöhnlichen Erleben einverleibt. Geistige Erlebnisse können nicht in derselben Weise gewohnheitsgemäß dem Seelenleben einverleibt werden.

[ 20 ] The second aspect is that an experience attained through the science of spirit has a relationship to our soul life quite different from an experience that takes place in our normal consciousness in the physical sense world. What would be the use of our physical life if we were not able to acquire certain skills, certain habits, if we were not in a position of being able to try and do something better a second time, when the repetition of an action would serve no purpose? The repetition of an action is incorporated into our normal experience as a habit.

[ 21 ] Zu ihrer Überraschung machen diese Erfahrung viele, welche Anfänger sind im geistigen Erleben. Man kann verhältnismäßig leicht — ich sage verhältnismäßig leicht —, wenn man die gestern, prinzipiell in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» genauer geschilderten Seelenübungen durchmacht, man kann verhältnismäßig rasch zu gewissen anfänglichen Erlebnissen der geistigen Welt kommen; und Anfänger sind dann überglücklich, wenn sie erste Erlebnisse geistiger Art wirklich haben. Aber sie sind dann umso mehr überrascht, wenn diese geistigen Erlebnisse nicht in leichter Weise oder überhaupt nicht wiederholt werden können. Und in der Tat, man kann sich, wenn man in so leichter Weise solche geistigen Erfahrungen macht, immer wieder und wiederum anstrengen, man kann sich grämen darüber, dass man einmal das oder jenes erlebt hat, aber man kann das Erlebnis nicht ohne Weiteres wieder hervorrufen; man wird nicht dazu geschickter. In Gewohnheit lässt sich nicht umsetzen dasjenige, was man vom Geiste aus erlebt. Im Gegenteil. Es wird bei Wiederholung immer schwieriger, diese Wiederholung zu machen. Und gerade darin besteht ein Teil desjenigen, was man zu üben hat, dass, wenn man wünscht, gewisse Erlebnisse wiederholt zu machen, man ganz anders geartete Anstrengungen das zweite, dritte Mal wiederum nötig hat. Im ganz entgegengesetzten Sinne abstumpfend, die Gewohnheit austreibend, verhält sich das geistige Erleben zum physischen Erleben.

[ 21 ] But spiritual experiences cannot be incorporated into our soul life in the same way. Many—those who are beginners in spiritual experience—find this out, to their surprise. It is comparatively easy—I say comparatively easy—to achieve certain initial experiences of the spiritual world if one carries out the exercises described in my book How to Attain Knowledge of Higher Worlds, and beginners are always overjoyed when they have their first experiences of a spiritual nature. But then they are all the more surprised when these experiences cannot easily be repeated, or when they cannot be repeated at all. And one can feel very miserable because an experience which one has had cannot be recalled; one does not seem to get any better at it. It is not possible to turn what has been experienced in the spirit into a habit. On the contrary, with repetition it becomes increasingly more difficult to do the repetition. Thus, as a matter of fact, a large part of the exercises that have to be done if we wish to bring about a repetition of certain experiences, consists of doing quite different things the second or third time. Experience of a spiritual nature has therefore a quite different relationship to the physical, since it works against habit.

[ 22 ] Und ein drittes, was charakteristisch ist für das geistige Erleben, ist, dass eigentlich, so sonderbar es klingt, das wirklich geistige Erleben — das nichts zu tun hat mit irgendeiner Verrichtung, an der der Leib beteiligt ist —, dass das eigentlich blitzschnell vorüberhuscht. Ja, das ist ein Grund, warum so wenige Menschen zu geistigem Erleben heute noch kommen. Die Menschen sind aus dem äußeren Leben gewöhnt, eine gewisse Zeit zu brauchen, um irgendetwas, was in ihr Gesichtsfeld tritt, aufzufassen. Nach diesem gewöhnlichen äußeren Erleben stellt sich die Sache zumeist so dar, dass, ehe der Mensch aufmerksam wird auf das Erlebnis, ist es schon vorüber, wenn es ein geistiges Erlebnis ist.

[ 22 ] There is a third aspect of what is characteristic in spiritual experience, and that is, however odd it may sound, that real spiritual experience—which has absolutely nothing to do with anything concerned with the body—is something that is over in a split second. In fact, this is even a reason why so few people today attain spiritual experience. In ordinary life people are accustomed to take a certain time to assimilate something that appears on their horizon. If the experience is a spiritual one, it is over before the person has been able to notice it.

[ 23 ] Was daher vor allen Dingen notwendig ist, um wirklich geistige Erlebnisse zu haben, das ist das, was man nennen könnte Geistesgegenwart. Derjenige Mensch, sehr verehrte Anwesende, der geistige Erlebnisse haben will, muss sich auch schon im gewöhnlichen physischen Erleben darin üben, in gewissen Situationen des Lebens, die sich ihm aufdrängen, die das Leben mitbringt, schnell zu entscheiden, die Situation rasch zu überschauen, nicht zögernd, Zeit vertändelnd, alles Mögliche immer wiederum umzuwenden. Menschen, die nicht heranwollen zu einer solchen Selbsterziehung, gewissen Situationen gegenüber schnell zu entscheiden, schnell dasjenige zu sehen, was geschehen muss, die sind auch nicht geeignet, sich selber so seelisch in die Hand zu nehmen, dass sie geistige Erlebnisse leicht haben können. Derjenige, der schon in der äußeren physischen Welt sich in Situationen so hineinfindet, dass er nicht die Sache nach allen Seiten hin wendet und herummuddelt, sondern dass er versucht, trifft ihn die Situation, aus einer schnellen Entschlossenheit heraus zu handeln und dann auch stehen zu bleiben dabei, der bereitet sich gut vor, um geistige Erlebnisse zu haben. Denn, sehr verehrte Anwesende, geistige Erlebnisse müssen innerlich ebenso schnell gemacht werden, wie man manche Lebenssituation schnell ergreifen muss und Entschlüsse herbeiführen muss, die, wenn sie nicht schnell ergriffen werden, zum Unglück, zum Verderben vielleicht ausschlagen würden. — Ich sage nicht, dass das geistige Erlebnis zum Verderben ausschlagen kann; es wird eben einfach dann nicht gemacht. Es ist dieses Verhalten ihm gegenüber nötig.

[ 23 ] What is therefore necessary above all in order to have real spiritual experience, is what one could call presence of mind. If we want to have spiritual experience we have to get used to situations in ordinary life which demand quick decisions, where the situation must be summed up immediately, and where there is no time to delay by changing our minds. People who have no wish to make any progress in this kind of self-education, to make quick decisions in certain situations, to see quickly what has to be done, are not suited to gaining the necessary control over their own souls in order to achieve spiritual experience easily. The kind of person who can tackle a situation, not by looking at it from every possible angle and fussing about, but by making a decision immediately upon being confronted with the situation and then also sticking to it, has a good foundation for spiritual experience. For spiritual experiences within us have to be gone through just as quickly as we have to grasp some situations in life and make decisions, which if they were not made quickly would perhaps lead to misfortune and ruin.—I am not saying that spiritual experience can lead to ruin, for in this case it will not have existed. This attitude toward it is necessary.

[ 24 ] Noch eine vierte Eigenschaft vom geistigen Erleben möchte ich anführen, das ist diese: Geistige Erlebnisse, sehr verehrte Anwesende, sind immer individuell. In der äußeren physischen Welt ist der Mensch gewöhnt, alles in gewisse Klassen einzuteilen, das ganze Leben in gewisse Klassen einzuteilen. Man spricht ja von dem berühmten, man könnte auch sagen, von dem berüchtigten «Schema F». Alles muss in irgendeiner Kategorie stehen; alles muss irgendwie eingeteilt werden. Nur dadurch glaubt man ja, dass Gesetz in die Welt der Erscheinungen hineinzubringen sei, dass alles in gewisse Kategorien hineingehört. Man soll sich nur einmal vorstellen, wie man mit der Natur, die man mit Recht auf gewisse Kategorien bringt, zurechtkommen würde, wenn alles individuell wäre — nur ein Löwe, nicht eine ganze Klasse von Löwen. Und man stelle sich erst vor, wie das Menschenleben wäre, wenn in jedem einzelnen Fall der Mensch nicht zum Beispiel ein Gesetzbuch aufschlagen könnte! Wenn er nicht in eine bestimmte Kategorie den einzelnen Fall hübsch einschachteln könnte, sondern ihm gegenüberstehen müsste mit individuellem Urteil.

[ 24 ] And now there is a fourth characteristic—that spiritual experiences are always individual. In the physical world we are accustomed to dividing everything into particular classes or categories, in fact we divide the whole of life in this way. We speak of the famous—if not notorious—“Scheme F.” Everything has to belong to a certain category, to be put in its particular place. People believe that law is to be found in the world of phenomena only when everything is fitted into various categories. We should imagine for once how we should deal with nature, which we quite rightly divide into categories, if everything were individual. And we should imagine what human life would be like if it were not, for instance, possible in every single instance to turn to a book of laws, if it were not possible to fit a particular case neatly into a ready-made compartment, but if we had to face it with individual judgment.

[ 25 ] Aus der physischen Welt her ist ja der Mensch ganz gewöhnt, alles in Schemen, in Schematik zu bringen. Das muss sich derjenige gründlich abgewöhnen — nicht für die äußere physische Welt, sonst würde er dafür ungeeignet, aber für das Feld der geistigen Erfahrungen —, das muss man sich abgewöhnen, die Dinge zu kategorisieren, die Dinge in Klassen und Ordnungen und Gesetze zu bringen. Dasjenige, was in der geistigen Welt erlebt wird, das stellt sich immer als Individuelles dar.

[ 25 ] People are accustomed from experience in the physical world to making everything fit into patterns. All this putting things into categories, classes, determining a particular order with particular laws, all this has to be given up, though not in connection with the physical world, for this would make one unfit for the latter, but for the sphere of spiritual experiences. What is experienced in the spiritual world is always portrayed as something individual.

[ 26 ] Deshalb stößt man ja so sehr an mit den Ergebnissen der Geisteswissenschaft. Spricht man einmal von einem geisteswissenschaftlichen Ergebnis, zum Beispiel — ich stehe nicht an, nachdem ich hier so viele Jahre vorgetragen habe, dasjenige, was Wesen dieser Geisteswissenschaft ist, auch ins Konkrete hineinzuziehen —, sagen wir, dass ich ausführe, dass der plötzliche Tod eines Menschen so zur Wirkung kommt in der geistigen Welt, dass der Mensch in einem Augenblick, wo die plötzliche Zerstörung seines physischen Leibes eintritt, wenn ihn ein Unglück getroffen hat, geistig so viel erfährt, als er durch zwanzig, dreißig Jahre im Leben hätte erfahren können; stellt man es dar, so soll das nur auf den individuellen Fall sich beziehen. Dann kommt natürlich der andere und sagt: Plötzliche Tode rufen das und das hervor. Er möchte gern ein Gesetz daraus formen.

[ 26 ] This is why people so often take a stand against the science of spirit. If we speak about what has been discovered by the science of spirit—and having given lectures for so many years now, I do not hesitate to present concrete examples about this science of spirit—let us say, for example, that I describe how the sudden death of a person has the effect in the spiritual world of his experiencing spiritually in the single moment when his physical body is destroyed through an accident, as much as he would have been able to experience in twenty or thirty years in life. If such a thing as this is described, then it can be related only to a particular case. Of course, someone else comes along and says,—Sudden deaths have this and that effect. He would like to make a law of it.

[ 27 ] Solche Gesetze, sie sind, möchte ich sagen, der Feind des wirklich geisteswissenschaftlichen Erkennens, weil im geisteswissenschaftlichen Erleben jeder einzelne Fall ein Individuelles, ein Besonderes darstellt, weil man überrascht sein muss, weil immer Neues sich darstellen kann — und der Mensch möchte so gerne mit dem Alten durchs Leben gehen. Man kann die feinsten Erlebnisse der äußeren physischen Welt in kleine Büchelchen schreiben und kann dann diese kleinen Büchelchen in die Westentasche stecken. Unmöglich ist ein gleiches Verfahren in Bezug auf geisteswissenschaftliche Erkenntnisse. Daher auch die vielartigen Darstellungen, welche der Geisteswissenschafter geben muss. Diejenigen der verehrten Zuhörer, die öfter in den vielen Jahren, die ich hier nun schon spreche, zu den Vorträgen gekommen sind, werden öfter ähnliche Themen behandelt gehört haben von mir, niemals aber in irgendeiner gleichen Weise, sondern immer so oder so variiert, individualisiert. Ich habe zum Beispiel im vorigen Winter über dasselbe Thema in den verschiedensten deutschen Städten gesprochen, hintereinander Tag für Tag manchmal über dasselbe Thema gesprochen, jedes Mal aber über dasselbe Thema in anderer Art, dieselben Dinge in verschiedener Weise darstellend. Geisteswissenschaftliche Erkenntnisse machen Ansprüche an den Geist, die bezeichnet werden können als Beweglichkeit dieses Geistes, sodass man sagen kann: Nicht auf den Inhalt so sehr der Worte, auf den unmittelbaren Inhalt der Worte kommt es an, sondern darauf, dass dieser Inhalt der Worte aus dem Geiste heraus selber geschöpft und gesprochen ist.

[ 27 ] Such laws, if I may put it this way, are the enemy of the true way of knowledge of the science of spirit, because in spiritual experience each single case represents something individual and unique, and because one always has to be surprised how something can always appear—and in life people like so much to stick to the old. One can write down the most subtle experiences of the physical world in a notebook and can put it in one's coat pocket. Such a procedure is impossible with knowledge derived from the science of spirit. This is why there are so many different kinds of descriptions that the scientist of spirit must give. Those of you who are here now and who have often been present at the lectures which have been given here for many years, will have heard me deal with similar subjects, never in the same way, but always varied in one way or the other, individualized. Last winter, for instance, I spoke on the same theme in many German cities, sometimes for several days in succession, but each time in a different way, describing the same things differently. Knowledge derived through the science of spirit makes a claim upon the spirit which we can describe as the mobility of this spirit. We conclude therefore that the important thing is not the content, the actual content of the words, but that this content is drawn and spoken out of the spirit itself.

[ 28 ] Sie sehen daraus, sehr verehrte Anwesende, dass, wenn wir aufsteigen vom Vergänglichen in das Unvergängliche, wenn wir uns nahen demjenigen, dem auch der Mensch angehört mit seinem unvergänglichen, seinem ewigen Wesenskern, es immer nötig ist, sich eine ganz andere Art der Seelenverfassung und Seelenstimmung anzueignen. Daher ist es ganz begreiflich, selbstverständlich, dass Geisteswissenschaft nicht nur als schwer verständlich empfunden wird, sondern dass sie auch angefeindet, missverstanden wird, mit allem Möglichen verwechselt wird. Ja, wie manche sagen, erst kürzlich wiederum, wo jemand, der eben lieber dasjenige hört, was er schon immer gehört hat, sie wirke aufreizend. Natürlich wirkt sie aufreizend für denjenigen, der nur seine altgewohnten Dogmen wiederum aufgewärmt haben will. Also nicht bloß dasjenige, was Geisteswissenschaft über das Ewige, das Geistige zu sagen hat, ist anders als dasjenige, was in der sinnlich-physischen Wirklichkeit da ist, sondern die Seelenverfassung gegenüber dem Geiste selbst ist anders als die Seelenverfassung gegenüber der sinnlich-physischen Wirklichkeit. Mit einer solchen Seelen-Verfassung, wie ich sie in einzelnen charakteristischen Eigentümlichkeiten jetzt geschildert habe, kommt man heran an dasjenige, was im Menschen durch Geburten und Tode geht, was im Menschen der ewige Wesenskern ist und was als Geistiges der geistigen Welt so angehört, wie der Mensch als physisch-leibliches Geschöpf der physischen Natur mit ihren Reichen angehört.

[ 28 ] You will see from this that it is always necessary to become accustomed to a quite different kind of mood and disposition of soul when we rise from the transitory to the intransitory, when we approach the part of man that belongs to the intransitory world, the eternal core of his being. It is therefore understandable that the science of spirit is not only considered to be difficult to understand, but is attacked, misunderstood and confused with all sorts of other things. As someone said recently (someone who prefers to hear only what he has heard before)—it is irritating. Of course it is irritating to someone who only wants all his old dogmas warmed up once again. Thus it is not only that what the science of spirit has to say about the eternal, the spiritual, is different from what is to be found to be real in the physical sense world, but also that the attitude of the soul toward the spirit is different from its attitude toward the physical sense world. With the kind of attitude of soul I have just described in its characteristic properties, it is possible to approach the part of man that goes through births and deaths, the eternal core of the human being, which as a spiritual entity belongs to the spiritual world just as man as a physical, bodily creature belongs to physical nature and its kingdoms.

[ 29 ] Dasjenige, was Geisteswissenschaft auf diesem Wege findet, das ist ein Unbewusstes zunächst für das gewöhnliche Bewusstsein, aber hereingeholt werden kann es in dieses gewöhnliche Bewusstsein. Das ist das Wesentliche der geisteswissenschaftlichen Methode, dass sie zur Offenbarung bringen will dasjenige, was zunächst unoffenbar als ein Unbewusstes der menschlichen Seele gegenüber im gewöhnlichen Leben da ist. Denn Geisteswissenschaft bringt nichts Neues zutage, nichts von ihr Erfundenes, sondern dasjenige, was als ewig geistiger Wesenskern im Menschen — um den gestrigen Ausdruck zu gebrauchen — ebenso einen «Geistwechsel» durchmacht, wie der physische Leib einen Stoffwechsel durchmacht; das ist in jedem Menschen. Der Geistesforscher bringt nichts anderes zutage, als was in jedem Menschen wirkt und west. Es ist seine Aufgabe, nur dasjenige, was sonst unbewusst bleibt, in das Bewusstsein hereinzuholen. Der Geistesforscher redet von nichts anderem als von dem, was die Grundlage ist für das, woraus jeder Mensch redet und denkt und handelt. Nur ist gerade das Geistesgebiet für das gewöhnliche Bewusstsein ein entweder Unterbewusstes oder Überbewusstes, kurz, ein Unbewusstes.

[ 29 ] What the science of spirit finds in this way is at first something unconscious for our normal consciousness, but it can be drawn into our normal consciousness. This is the essential thing about the method of the science of spirit—that it sets out to reveal what in normal life is generally hidden in the unconscious of the human soul. For the science of spirit brings nothing new to light and does not invent it, but the eternal core of the human being goes through—to use yesterday's expression—a spiritual digestion, just as the physical body has a material digestion—this exists in every human being. The scientist of spirit only brings to light what functions and weaves within every human being. It is his task to bring to consciousness what otherwise remains unconscious. All he talks about is nothing other than the foundation out of which everyone speaks and thinks and acts. Only it so happens that the sphere of the spirit is either subconscious or superconscious—i.e. unconscious—for our normal consciousness.

[ 30 ] Nun ragt aber in das Gebiet des gewöhnlichen Seelenlebens mancherlei herein, das, wenn es beurteilt wird von diesem gewöhnlichen Seelenleben aus, etwas Schillerndes, etwas Schwankendes hat. Das, was hier gemeint ist, gehört eben jenen Grenzgebieten an, von denen ich eben gesprochen habe. Und als ein solches Grenzgebiet kennt zunächst jeder das scheinbar so alltägliche und doch so rätselvolle, merkwürdige Gebiet des Traumlebens. Dieses Traumleben, das hereinragt mit seinen Bildern in das gewöhnliche Seelenleben, es gibt dem Forscher noch ganz andere Rätsel auf als demjenigen, der es nur, ich möchte sagen, an sich vorbeihuschen lässt und es höchstens mit einigen abergläubischen Meinungen verbrämen will.

[ 30 ] Now, seen from the viewpoint of our normal soul life, something iridescent and vacillating enters into the sphere of this soul life. What is meant here belongs to the border areas which I have spoken about. Everyone is familiar with this border area which appears so ordinary and which yet is so mysterious: the remarkable sphere of our dream life. This dream life with its pictures that enters into our ordinary soul life, gives the investigator quite different problems from the person who just lets it pass him by, or at the most approaches it with a few superstitious ideas.

[ 31 ] Nun könnte sehr viel schon zur äußeren Charakteristik dieses Traumlebens gesagt werden, aber ich will nur, um dieses Traumleben geisteswissenschaftlich charakterisieren zu können, einige charakteristische Eigenschaften hervorheben, diejenigen Eigenschaften, die gerade dazu dienen werden, dieses Traumleben seinem Wesen nach kennenzulernen.

[ 31 ] A lot could be said just to describe some of the more outward characteristics of our dream life, but here I only want to give a sketch of this dream life as seen by the science of spirit by calling special attention to a few of its characteristic properties—those properties which will serve to enable us to come to know the nature of it.

[ 32 ] Da weiß vielleicht jeder, dass eine größere Anzahl von Träumen so auftritt, dass man sie, wie das die eine oder andere philosophische Betrachtung der Traumeswelt schon getan hat, Sinnesreizträume nennen kann. Die Traumwelt, die wir erleben, sie hat ein durchgreifend Gemeinsames mit der bewusstlosen Schlafeswelt. Der Mensch, wenn er im bewusstlosen Schlafe ist, dann ist er von seiner Umwelt sowohl durch seine Sinne wie durch seine Bewegungsglieder abgeschlossen. In dem Zimmer, in dem wir liegen schlafend, wirkt nichts, was uns auch umgeben mag, wenn wir wirklich im traumlosen Schlafe sind, auf unsere Sinne. Über nichts wird gedacht von dem, was in unserer Umgebung ist; aber in dem wirklich traumlosen Schlaf handeln wir auch nicht. Wir setzen uns in kein Verhältnis zu dem, was unsere Umgebung ist; wir sind in einem gewissen Sinne isoliert von dem, was uns umgibt.

[ 32 ] Presumably everyone knows—and many philosophical approaches to dreams have recognized this—that many of our dreams are stimulated by a sense impression. The world of dreams that we experience is very much connected with the world of our unconscious sleep. When a person is deep in unconscious sleep he is completely cut off from his environment, both by his senses and his limbs. If we are really in unconscious sleep there is nothing in the room, whatever may be there, that can affect our senses. We cannot think about anything that is around us, and in really dreamless sleep we are not able to do anything either. We can establish no relationship at all to our environment—in a sense we are isolated from what surrounds us.

[ 33 ] Das ist nun das Charakteristische der Traumeswelt, dass der Mensch träumend in dieser Isolierung eigentlich bleibt; selbst wenn sie bei dem Sinnesreiztraum scheinbar durchbrochen wird, so ist diese Durchbrechung eben nur scheinbar. Was sind Sinnesreizträume? Nun, jeder kennt [sie]. Er träumt, sagen wir, von vorübertrabenden Pferden; er wacht auf und kann nach dem Aufwachen genau erkennen, es ist die Taschenuhr, die er hingelegt hat, die Taschenuhr mit ihrem Ticken. Durch irgendeine besondere, in diesem Augenblick eintretende Sensitivität des Ohres hat er dieses Ticken wahrgenommen. Aber nicht so, wie im normalen Sinne in der Außenwelt die Wahrnehmung gemacht wird, sondern dramatisiert tritt das auf, was durch den Sinn wirkt. Der Mensch setzt sich also nicht durch seine Sinne in ein Verhältnis zur Umgebung; er bleibt in der Isolierung, die ihm der Schlaf gegeben hat. Das, was wirkt auf seine Sinne, das wird seelisch umgestaltet; er bleibt also in seinem inneren Seelenleben isoliert. Solche Reizträume können ja auch von innen heraus veranlasst werden. Immer zeigt sich, dass auch ein Reiz, der von der eigenen Leiblichkeit ausgeht, seelisch umgestaltet wird. Man träumt zum Beispiel von einem kochenden Ofen, man hört das Brodeln — unser Herzschlag ist stärker geworden; das symbolisiert sich uns im kochenden Ofen. Selbst unsere eigene Leiblichkeit bleibt so zu uns in einem Verhältnis wie sonst im traumlosen Schlaf; seelisch umgestaltet wird selbst das, was als Reiz von der eigenen Leiblichkeit ausgeht. So bleiben wir auch zur eigenen Leiblichkeit im Traume in demselben Verhältnis, in dem wir im traumlosen Schlafe sind; isoliert auch von der eigenen Leiblichkeit. Jeder weiß, dass er im Traume ganze Reisen, solche Reisen sogar, die er im wachen Tagesleben nicht ausführen kann, ausführt, Reisen im Fluge. Aber er weiß zugleich, dass alles das nicht führt zu einer Änderung seines Verhältnisses zur Außenwelt, wie es im wirklich wachen Handeln zutage tritt. Auch in Bezug auf dasjenige, was der Mensch erlebt als Verhältnis seines Wesens zu irgendeiner erträumten Umgebung, auch darin ändert sich nicht das Verhältnis des Menschen zur Außenwelt.

[ 33 ] What is characteristic of our dreams is that we really remain in a dreaming state in this isolation and even if the isolation appears to be broken by a sense impression, it is really only in appearance. What are such dreams? Everyone knows them. Someone dreams, for instance, about horses trotting by; he wakes up, and after waking knows exactly where the sound has come from—the ticking of a watch that he had put down nearby. He had heard this ticking because of a particularly sensitive functioning of his ears which must have started at that moment. But now what goes through the mind, the perception, does not work in the normal way as it would in the outer world, but in a dramatized form. Therefore we do not establish a relationship with our environment through our senses, but remain in an isolation which sleep has brought about, and what affects the senses is transformed in the soul. We dream, for example, of a red hot stove, we hear it roaring.—The beat of our heart has become stronger, and becomes the symbol in us of the roaring hot stove. We even have the same relationship to our body as we have in dreamless sleep; the soul simply transforms the impression that comes from the body. Thus we maintain the same relationship with our body when dreaming which we have in dreamless sleep—isolated even from our own body. We all know that we go on whole journeys in dreams, journeys we could never undertake in real life, journeys where we fly with wings. But at the same time we know that all this does not change our relationship to the outer world, as it would do in real life. Even regarding what we experience as a relationship of our being to an environment in our dreams, nothing changes our relationship to the outer world.

[ 34 ] So können wir sagen: Das ist das Charakteristische des Traumes, dass er gerade in Bezug auf ein wichtiges Merkmal den Menschen nicht heraushebt aus der Lage, in die er mit seiner seelisch-geistig-leiblichen Konstitution durch seine Sinne und Bewegungen und den eigenen Leib zu der Umwelt und zu sich selbst im Verhältnis ist. Das aber auch hebt den Traum heraus von all den übrigen unbewussten Gebieten, die ich heute noch werde zu charakterisieren haben. Das hebt den Traum heraus von alledem, was wirklich auf irgendeiner Veränderung des Verhältnisses des Menschen zur Außenwelt basiert ist. Das bezeugt, dass der Traum also schon durch die äußerliche Betrachtungsweise — das bezeugt, dass der Traum nicht verwechselt werden darf mit irgendwelchem krankhaftem seelischen Erleben; das bezeugt, dass der Traum nicht verändert die Beziehungen des Menschen zur Außenwelt und zum eigenen Leibe, dass er also schon rein oberflächlich betrachtet als etwas Gesundes hingestellt werden muss, nicht als etwas Krankhaftes im menschlichen Seelenleben, wie er im normalen menschlichen Seelenleben auftritt.

[ 34 ] So we can say that what is characteristic of dreams is that in an important respect they do not alter the relationship the human being has to his environment and to himself by virtue of his spirit-soul-body constitution operating through his senses, movements and his own physical body. This also distinguishes dreams from all the other unconscious regions I shall characterize today. It also distinguishes them from everything based on a change in the relationship of the human being to his environment. Even ordinary observation bears out the fact that dreams may not be confused with anything abnormal in soul experience, that they are quite normal and healthy, and are not abnormal in the way they appear in normal human soul life.

[ 35 ] Ein charakteristisches Merkmal des Traumerlebens, das besonders wichtig ist für die folgenden Betrachtungen, ist dieses, dass der Traum in seinem Verlaufe zeigt, dass der Mensch aufhört, logisch die Traumerscheinungen, die hintereinander folgenden Traumvorstellungen zu gliedern. Aus der gewöhnlichen Logik kommt der Mensch heraus. Der Mensch logisiert nicht im Traume. — Dagegen gibt es einen Einwand. — Der Geistesforscher kennt immer die Einwände, die gemacht werden können. Gewiss ist mancher Traumverlauf so, dass man sagen kann: Die Bilder sind logisch aneinandergereiht. Aber damit ist es doch so: Wenn man genau beobachtet, so sieht man, dass, so oft man logisiert während des Traumes, man nichts anderes träumt als Reminiszenzen aus dem Leben; das hat sich schon vorher logisch aneinandergereiht. Was im Leben logisch aneinandergereiht war, das träumt man wieder, aber im Traume selbst logisiert man nicht. Dasjenige also, was als Logik im menschlichen Seelenleben auftritt, das ist bei der Traumeshandlung weg. Ebenso ist weg dasjenige, was man moralische Stimmungen, was man moralische Anschauungen des menschlichen Handelns nennen kann. Jeder weiß, wozu er alles fähig ist im Traume. Jeder weiß, dass er im Traume Dinge vollbringt und als Träumer sich zuschreibt, die er im wachen Tagesleben hart verurteilen würde. Im Traume hört nicht nur die Logik, es hört auch die moralische Lebensauffassung auf. — Das sind zwei wichtige Kennzeichen, welche wir festhalten müssen, wenn wir das Wesen des Traumes erforschen wollen.

[ 35 ] A peculiarity of dream life that is particularly important for what I am going to say is that the course of our dreams shows that we cease to join the sequence of dream images in a logical way. We are no longer connected to normal logic. We cannot be logical in dreams. There is one objection to this, however.—The scientist of spirit always knows the objections that can be made. Of course, the unfold-ment of some dreams is such that we can say that the pictures are joined together in a logical sequence. But, in fact, it is different, for exact observation reveals that as long as a dream appears logical, it consists only of reminiscences of life, which had a logical sequence before. Whatever has a logical sequence in life can be dreamed again, but it does not become logical in the dream. The logic that is normally present in our soul life is therefore not present in the action of our dreams. Moral feelings and attitudes concerning human actions are also missing. We all know the many things we are capable of doing in dreams. We all know that in dreams we achieve things and ascribe them to ourselves, that we would condemn in ordinary life. Not only does logic come to an end in dreams, but our moral outlook as well.—These are two important characteristics that we must hold on to if we are to investigate the nature of dreams.

[ 36 ] Nun ist gewiss: Es kann sehr vieles gesagt werden über das Traumleben vom äußeren physikalischen Standpunkte aus. Das wollen wir heute nicht berühren. Dasjenige, um was cs sich handelt, das ist, dass ja für eine bloß äußerlich naturwissenschaftliche Betrachtungsweise das Wesen des Traumes, das wirkliche Wesen des Traumes nicht eingesehen werden kann, aus dem einfachen Grunde nicht eingesehen werden kann, weil für das gewöhnliche Bewusstsein das Traumesleben sich ja mit nichts vergleichen lässt. Der Traum tritt in das übrige bewusste Erleben als eine Erscheinung hinein, die sich mit nichts vergleichen lässt. Und etwas, was man nicht vergleichen kann mit anderem, was man nicht in ein gewisses Schema bringen kann, was durch seine Eigenheit etwas Individuelles darstellt, darauf ist eine rein äußerliche naturwissenschaftliche Betrachtungsweise nicht anwendbar.

[ 36 ] It is of course true that much can be said about dream life from the ordinary physical viewpoint, but we do not want to touch upon this today, for a merely outward scientific method of observation cannot get at the real nature of dreams—for the simple reason that there is nothing with which our normal consciousness can compare dream life. Dreams enter into our normal conscious experience as phenomena that cannot be compared with anything else. And if something cannot be compared with anything else, if it is not possible to incorporate it into a particular scheme, if it portrays something individual through its own particular nature, it cannot be studied by an external scientific method of observation.

[ 37 ] Eine Ansicht zu gewinnen über den Traum und sein Wesen ist nur möglich vom geisteswissenschaftlichen Standpunkte aus. Aus dem einfachen Grunde, weil der Geisteswissenschafter durch diejenige seelische Entwicklung, die so zu charakterisieren ist, wie ich sie heute charakterisiert habe, zu etwas kommt, zu einem bildhaften oder sonstigen geistigen Erleben, das in einer gewissen Beziehung, wenn auch radikal vom Traume verschieden, so doch der Form nach, dem Erleben nach, der Stärke des Erlebens nach wenigstens, etwas Ähnliches mit dem Traume hat. Man kann zunächst ganz dahingestellt sein lassen, wie der Traum zur Wirklichkeit sich verhält. Darauf wollen wir jetzt nicht eingehen.

[ 37 ] Only from the point of view of the science of spirit is it possible to gain a true picture of dreams and their nature, for the simple reason that by means of the development of the soul, which I have outlined today, the scientist of spirit attains a pictorial or other kind of spiritual experience which, while radically different from dreams, nevertheless in its form, experience, its intensity of experience, is somewhat similar to dreams. We can leave aside for the moment the question of how dreams are related to reality. We do not wish to go into this now.

[ 38 ] Aber der Geisteswissenschafter weiß, dass er mit seinem Erleben, das auch zunächst bildhaft ist, einer wirklich geistigen Welt gegenübersteht, dass er eine geistige Welt erlebt. Er kann also ansehen die Welt des Traumes und sie charakterisieren von der Welt aus, die er erlebt. Das ist das eine. Dadurch bekommt er eine Anschauung zunächst, die ihm durch die Beobachtung selbst sagt, was eigentlich in der menschlichen Seele das ist, was Traum ist. Vom Standpunkte des äußeren Bewusstseins aus, sehr verehrte Anwesende, kann man nämlich gar nicht wissen, was Traum ist. Der Traum steigt herauf im Seelenleben, wogt herauf wie eine unbekannte Welle aus der Tiefe, aber man weiß nicht, was eigentlich in der Seele als Träumendes tätig ist.

[ 38 ] But the scientist of spirit knows that in what he experiences, which at first is pictorial, he stands before a real spiritual world, he experiences a spiritual world. He can therefore look at the world of dreams and describe it from the world he experiences. This is the one thing. By means of this he acquires a view given to him by his actual observation of what dreams really are in the human soul. Seen from the viewpoint of ordinary consciousness, it is not possible to know what dreams are. Dreams rise up in our soul life, surge up like unknown waves out of the depths, but we do not know what it is that is active, that is dreaming in our souls.

[ 39 ] Nun erlebt der Geistesforscher, indem er in seine geistesforscherische Tätigkeit hineinkommt, wie ich es gestern charakterisiert habe, ein anderes Selbst, dasselbe Selbst, aber in einer anderen Form, das wahre Ich; er erlebt das Geistig-Seelische des Menschen unabhängig von der Leiblichkeit. Ein so großer Horror es ist für viele Menschen, es muss gesagt werden: Die geistigen Erlebnisse werden außer dem Leibe gemacht. Dadurch weiß der Geistesforscher, was es heißt, außer dem Leibe stehen. Er kann das nun vergleichen mit der Traumeswelt. Indem er die Traumeswelt auf der einen Seite sieht, die geistigen Erlebnisse auf der anderen Seite kennt, weiß er, dass dasselbe in der Seele normal träumt, was in der Seele geistig erlebt bei der Geistesforschung. Es ist ein und dasselbe, was träumt und was in der Geistesforschung tätig ist, nur steht man in der Geistesforschung der geistigen Wirklichkeit gegenüber, und im Traume — ja, darum handelt es sich eben —, wem steht man denn im Traume gegenüber?

[ 39 ] But now the scientist of spirit, in practicing the activity necessary for spiritual investigation (as described yesterday), experiences another self, the same self, but in another form, the true ego—he experiences the spirit-soul nature of man independently of the bodily nature. However great a horror it may be for many people, it is nevertheless true that spiritual experiences are achieved outside the body. The scientist of spirit therefore knows what it means to be outside the body, and he can now compare this with the world of dreams. In seeing the world of dreams on the one hand, and knowing spiritual experiences on the other, he knows that the same thing that normally dreams in the soul is experienced spiritually when practicing the science of spirit. It is one and the same thing: what dreams and what is active in the science of spirit, only in investigating the spirit we stand before the real region of the spirit, and in dreams—and this is what is important:—What is it that we stand before in dreams?

[ 40 ] Der Unterschied zwischen dem Gegenüberstehen der geistigen Wirklichkeit mit demselben Selbst in der Geistesforschung und im Traume ist der, dass der Geistesforscher sich vorher die Seele bereitet hat, um wirklich hineinzukommen in die geistige Welt, in der man nun wahrnimmt, wie man sonst mit Auge und Ohr in der physischen Welt wahrnimmt; er lernt erkennen durch Geistesforschung, dass der Mensch aus dem Leibe herausgeht im Schlafe. Weil er aber die Organe nicht hat, um dort wahrzunehmen, bleibt sein Bewusstsein vom Einschlafen bis zum Aufwachen dumpf, unbewusst, wie man sagt.

[ 40 ] The difference between standing before the reality of the spirit with our own self in the investigation of the spirit, and in our dreams, is that the scientist of spirit has prepared his soul beforehand to enter into the spiritual world, in which he then perceives in the same way that we normally perceive with our eyes and ears in the physical world, and through his investigation he discovers that in sleep the human being leaves the body. But because he lacks the necessary organs to perceive there, his consciousness remains dull and unconscious from the moment of going to sleep to waking up.

[ 41 ] Nun, wenn der Mensch eingeschlafen ist, so lebt sein Geistig-Seelisches. Der Geistesforscher kann vergleichen, was er in der geistigen Welt schaut, mit dem, was nun das unbewusste Geistig-Seelische vom Einschlafen bis zum Aufwachen erlebt. Es erlebt das Geistig-Seelische unbewausst in der geistigen Welt, bringt sich beim Aufwachen wiederum hinein in den physischen Leib und bedient sich dann des physischen Leibes, um mit der Umwelt in Beziehung zu treten. Nun ist es nicht so, dass es genügt, wenn man bloß schildert, was der Leib durchmacht vom Einschlafen bis zum Aufwachen, was da in ihm für organisch-physische Vorgänge sich abspielen. Auch mit dem Seelisch-Geistigen spielt sich Wesentliches ab vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Die Seele ist eine andere, wenn sie aufwacht und in den Leib zurückkehrt, als wenn sie den Leib verlassen hat. Und indem sie in den Leib wiederum eintritt, kann das so sein, dass nun, wie es im gewöhnlichen Leben ist, das Geistig-Seelische untertaucht einfach in den Leib und des Leibes sich bedient, indem es pfeilschnell in den Leib hineindringt und nun durch den Leib tätig ist, durch den Leib anschaut.

[ 41 ] Now when a human being has fallen asleep, his spirit-soul nature lives. The scientist of spirit can compare what he perceives in the spiritual world with what the unconscious spirit-soul nature experiences from the moment of going to sleep to waking. He experiences the spirit-soul nature unconsciously in the spiritual world, draws himself again into the physical body on waking, and then makes use of the physical body in order to establish a relationship to his environment. Now it is not sufficient simply to describe what happens to the body between going to sleep and waking, and what sort of organic physical processes take place in it. For significant things also happen to the spirit-soul nature at the same time. The soul is quite different when it awakens and returns to the body from when it leaves the body. And in entering the body once more it can happen—as in ordinary life—that the spirit-soul nature simply submerges into the body and makes use of the body, and having penetrated it like a fast moving arrow it becomes active and uses the body as a means of perception.

[ 42 ] Es kann aber auch der Fall eintreten, dass diejenigen Kräfte, diejenigen Inhalte, die sich das Geistig-Seelische erworben hat vom Einschlafen bis zum Aufwachen — wenn ich mich des Ausdrucks bedienen darf —, zu intensiv sind für einen Augenblick, um sogleich in den Leib unterzutauchen. Es stimmt nicht dasjenige beim Aufwachen, was die Seele sich angeeignet hat vom Einschlafen bis zum Aufwachen, mit der Konfiguration des Abbildes des Seelischen im Leibe überein, und so tritt dasjenige ein, was wie ein Zurückwerfen erscheint desjenigen, was die Seele unbewusst erlebt hat vom Einschlafen bis zum Aufwachen; was ihr wie in einem Spiegelbilde zurückgeworfen wird, indem sie aufwacht, weil sie sich nicht gleich beim Aufwachen anpassen kann an den Leib. Dadurch kleidet die Seele die ganz andersartigen Erlebnisse der geistigen Welt, die sie durchmacht vom Einschlafen bis zum Aufwachen, in dasjenige, was dem Gedächtnisschatz, was dem äußeren Leben entlehnt ist oder was umgestaltete Sinnesreize sind, umgestaltete Leibesreize sind.

[ 42 ] But it can also happen that the forces, the content that the spirit-soul nature has acquired from the moment of sleeping to awaking, are—if I may use the expression—for a moment too intense to enter into the body. What the soul upon waking has acquired since the moment of going to sleep, does not fit into the configuration of the picture that the body has of the soul, and so what then happens appears to be a reflection of what the soul has experienced unconsciously during sleep. Something like a mirror picture is reflected back upon waking, because upon waking the soul cannot at first be adapted to the body. In this way the soul clothes these quite different kinds of experiences of the spiritual world, which it has gone through during sleep, in pictures borrowed from our memory, from ordinary life, or which are transformed sense or bodily impressions. It is the eternal that dreams in the human being, just as it is the eternal in the human being that investigates the spirit, but it is clothed with the events of everyday life.

[ 43 ] Dasjenige, was im Menschen träumt, ist das Ewige, so wie dasjenige, was im Menschen den Geist erforscht, das Ewige ist, aber die Einkleidung ist eine solche, dass die Ereignisse des alltäglichen Lebens, die Reminiszenzen des gewöhnlichen Lebens eben nur das Kleid abgeben, sodass man sagen kann: Im Traume schaut das Ewige im Menschen das Zeitliche an. Aber es ist das Ewige, das im Menschen das Zeitliche anschaut. Und insofern ist der Traum, trotzdem das Inhaltliche seiner Bilder, die dem zeitlichen Leben entlehnt sind, nichts Besonderes ist, auch für den Geistesforscher, wenn es ein normaler Traum ist, eine wirkliche Offenbarung des im Menschen unbewusst lebenden Ewig-Geistigen, des Übersinnlichen. Der Geistesforscher ist in der Lage, dasjenige, was der Traum an Bildern darstellt, zu trennen von dem, was eigentlich dem Traume zugrunde liegt.

[ 43 ] Thus we can say that in dreams the eternal in man perceives the temporal. It is the eternal in man that perceives what takes place in time. And in this respect dreams, despite the fact that the content of their pictures, which is taken from temporal life, is nothing special, even for the scientist of spirit, if it is a normal dream, are a real revelation of the unconscious eternal-spirit nature living in man, of the super-sensible. The scientist of spirit is in the position to be able to distinguish between what dreams present in pictures, and what they are really based upon.

[ 44 ] Sehen Sie, ich habe kürzlich einmal von einem anderen Gesichtspunkte aus über die verschiedenen Erscheinungen des menschlichen Seelenlebens in einer Stadt gesprochen; in einer Stadt, in welcher besonders viel von jener sogenannten Wissenschaft getrieben wird, die man heute Psychoanalyse nennt. Diese Psychoanalyse beschäftigt sich ja unter anderem auch mit der Traumeswelt. Da waren einige Herren, die haben zugehört, was ich sagte, und sie haben, wie es mit der Geisteswissenschaft sehr häufig geht, gründlich missverstanden, was ich gesagt habe. Sie kamen sich unendlich gescheit vor gegenüber dem, was da auch über den Traum von mir gesagt worden ist. Sie sagten: Der mit seiner Geisteswissenschaft, der redet über den Traum. Wir wissen, dass der Traum nur eine symbolische Bedeutung hat, wir Psychoanalytiker. Wir wissen, der Traum ist nur als symbolische Sache zu behandeln, der aber nimmt den Traum seiner Wirklichkeit nach! Das ist eine Schiefheit.

[ 44 ] I have recently spoken about the various phenomena of human soul life from a different viewpoint in another city—a city where a great deal of work has been done on Psychoanalysis. Psychoanalysis deals among other things with the world of dreams. There were some gentlemen present who, as so often happens with the science of spirit, completely misunderstood what I said. In relation to what I said about dreams they thought they were very much more clever. They said: This person and his science of spirit, he speaks about dreams. We psychoanalysts know that dreams only have a symbolical meaning. We know that dreams should only be handled as a matter of symbolism, but he takes dreams to be something real! He is on quite the wrong path.

[ 45 ] Wie gesagt, sie kamen sich sehr gescheit vor. Aber dasjenige, in dem sie sich gescheit vorkamen, das war nur entnommen ihrem eigenen Nichtverstehen. Denn weder symbolisch noch sonst irgendwie nimmt der Geistesforscher den Inhalt des Traumes. Der Geistesforscher, der gewohnt ist, solche Dinge zu beobachten, der weiß Folgendes: Dasjenige, was wirklich in der Seele vorgeht zwischen Einschlafen und Aufwachen, das kann ein und dasselbe sein bei zehn Menschen; und diese zehn Menschen erzählen alle das Traumerlebnis, und bei zehn Menschen sind es dann zehn verschiedene Träume. Der Geistesforscher weiß dann, trotzdem inhaltlich die zehn Menschen zehn verschiedene Träume erzählen, dass diesen zehn verschiedenen Träumen ein und dasselbe, oder wenigstens ein sehr ähnliches geistiges, unbewusstes Erlebnis zugrunde liegt.

[ 45 ] As I said, they thought they were very clever. But the matter in which they thought themselves clever, in fact, arose only out of their own lack of understanding. For the scientist of spirit does not take the content of dreams to be symbolical or anything else. The scientist of spirit who is accustomed to observing such things knows that what really happens in the soul during sleep can be the same with ten people, but when these ten people relate their dreams, all ten are different. The scientist of spirit knows that although the ten people have dreams, all with a different content, the same or at least very similar spiritual and unconscious experience is the basis for all of them.

[ 46 ] Übrigens wird der Geistesforscher niemals, weder inhaltlich noch symbolisch, den Inhalt des Traumes als solchen nehmen; er weiß, dass man ein und denselben Traum auf zehn, auf hundert, auf tausend verschiedene Arten einkleiden kann, weil das Erlebnis das Zeitliche so schaut, dass es sich damit umkleidet. Daher sieht der Geistesforscher auf den Ablauf des Traumes, auf die Art und Weise, ob eine Lösung auf die Spannung folgt, ob ein Aufstieg und ein Abstieg folgt; die innere Dramatik, die Art des rhythmischen Verlaufes, ich möchte sagen, das Musikalische, das sich in der verschiedensten Weise ausdrückt durch die Traumbilder, das ist es, worauf er schaut; weder das Symbol noch der Inhalt ist maßgebend. Das Erlebnis ist die innere Dramatik. Der Traum ist das Zeugnis für ein wirklich geistiges Erlebnis, der Trauminhalt ist ein Kleid, das diesem Traumerlebnis angezogen ist. Aber durch diesen Trauminhalt sieht man, wenn man in solchen Dingen erfahren ist, hindurch auf dasjenige, was erlebt werden kann. Das ist das eine, wodurch Geisteswissenschaft auf das Wesen des Traumes hindeutet.

[ 46 ] Moreover, the scientist of spirit would never simply take the content of the dream by itself, whether symbolically or not symbolically, for he knows that the same dream can be clothed in ten, a hundred or a thousand different ways, because the eternal regards the temporal in such a way as to clothe itself with it. The scientist of spirit therefore studies the course of the dream, the way in which tension is released, whether a rise or a fall follows. It is the inner drama, the type of rhythmical sequence, I would even say, the musical nature, that comes to expression in the most varied ways in the pictures of a dream. That is what he studies. Dreams are the witness of real spiritual experience; their content is a garment which clothes the experience. But when one is experienced in such things it is possible to see through the content to what can be experienced. This is the one aspect of the nature of dreams that the science of spirit points to.

[ 47 ] Das andere ist noch das Folgende: Wenn der Geisteswissenschafter nach und nach vorrückt und zu seinen Erlebnissen in der geistigen Welt kommt, dann merkt er, dass gerade die Traumeswelt bei ihm sich umgestaltet. Ich habe unter denjenigen, die jetzt doch schon auch ganz zahlreich sich auch praktisch mit den Wegen der Geisteswissenschaft befassen, die jetzt schon öfter erfahren, wie sie ganz besonders dadurch von dieser Geisteswissenschaft einen für sie maßgebenden Begriff bekommen, wie diese Geisteswissenschaft ihnen ganz besonders wertvoll wird dadurch, dass sie sehen, wie sich das Traumleben umgestaltet, wie sie erfahren können, dass der Traum ja im gewöhnlichen Erleben etwas ist, was willkürlich Vorstellungsbild an Vorstellungsbild anreiht; wie sie dann dazu kommen, dass der Traum immer sinnvoller und sinnvoller wird; wie sie dahin kommen, dass sie den Traum in gewisser innerer Weise dirigieren können. Kurz, die Veränderung des Traumlebens, die Anähnlichung des Traumlebens an die erste Stufe des wirklichen geisteswissenschaftlichen Erkennens, das merken die verschiedensten Menschen, die nach und nach praktisch sich in die Geisteswissenschaft einleben. Sodass in der Tat durch diese Umgestaltung der Traumwelt der Geistesforscher herankommt an das Wesen des Traumes. Er hebt den Traum selber durch das, was er als Geistesforscher wird, aus seiner Zeitlichkeit heraus; der Traum hat nicht mehr die Neigung, nur Zeitliches anzunehmen als Kleid.

[ 47 ] The other aspect is the following. When the scientist of spirit progresses and comes to have experiences in the spiritual world, he notices that his dream life changes. Among the many who have already had practical experience with ways of the science of spirit are some who acquire a convincing idea of the science of spirit and feel that it means a lot to them by seeing how their dream life is transformed. They see that what normally happens in dreams is that there is a succession of quite arbitrary images, but then they see how it becomes increasingly full of meaning, and that finally they are able to direct the dream in certain respects. In short, the most varied people entering into the science of spirit notice that the changes which take place in dreams take dreams in the same direction as the first stages of real spiritual knowledge. In fact, it is by means of this transformation of the world of dreams that the scientist of spirit is able to get at the actual nature of dreams. He raises his dreams out of their temporality through what he has become as a scientist of spirit. Dreams then no longer have the tendency to clothe themselves with temporal things.

[ 48 ] Ein großer Moment, wenn der Geistesforscher so weit ist, dass er nicht nur äußerlich Bildliches, das symbolischen Wert hat, träumt, sondern dass er im Traume hineinkommt in das, in das er sonst willkürlich hineinkommt; ein großer Moment, wenn er kennenlernt, wenn ihm die geistige Welt durch den Traum zuschickt Erlebnisse, die hereindringen wie durch Gnade in das gewöhnliche Erleben, und die nicht mehr Träume sind, trotzdem sie in der einen oder anderen Richtung noch durchaus so auftreten wie ein Traum. So kann man sagen: Gerade der geisteswissenschaftliche Gesichtspunkt zeigt, dass der Traum aus dem ewigen Geistig-Seelischen herausquillt, dass aber der Mensch, der dieses ewige Geistig-Seelische sich noch nicht zum Bewusstsein gebracht hat, einkleidet die Ereignisse, die er zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen hat, in die Reminiszenzen, in die Eindrücke des alltäglichen Lebens.

[ 48 ] It is a great moment when the scientist of spirit has progressed sufficiently to dream not only the outer pictures that have symbolical value, but in his dreams to enter into the sphere which normally he would only enter arbitrarily.—It is a great moment when he learns how the spiritual world sends him experiences in his dreams that penetrate like an act of grace into his normal experience, and which really are no longer dreams, although in certain respects they may appear like dreams. Thus the science of spirit shows that dreams flow out of the eternal spirit-soul sphere, but that the human being who has not managed to be conscious of this eternal spirit-soul sphere clothes the events which happen between going to sleep and waking up with his memories, with his impressions of everyday life.

[ 49 ] Ist so der Traum auf der einen Seite der unterbewussten oder unbewussten Ereignisse etwas, das durchaus, auch wenn es nun geisteswissenschaftlich durchschaut wird, als etwas Gesundes angesehen werden darf, so kann das viel weniger gesagt werden in Bezug auf die anderen Grenzgebiete. Merkwürdig ist, dass es sogar Philosophen gibt, Eduard von Hartmann gehörte sogar zu ihnen, die die Traumbilder, deren Ursprung wir jetzt etwas erkannt haben, mit Halluzinationen, mit Visionen vergleichen. Während das Traumbild aber etwas ist, was aus dem Geistig-Seelischen selber hervorgeht, was nur im Zusammenstoßen mit der Leiblichkeit entsteht, ist die Vision, die Halluzination etwas, woran allerdings die Leiblichkeit sehr, sehr stark beteiligt ist. Während der Traum in seinem Erleben aus dem Seelisch-Geistigen herausquillt und die Leiblichkeit nur die Veranlassung gibt, dass der Traum auftritt, ist die Konstitution, die Verfassung der Leiblichkeit die Veranlassung für alles dasjenige, was auf dem Felde der Halluzination, der Vision, des Somnambulismus, des Mediumismus und dergleichen in das menschliche Seelenleben abnorm hereindringt.

[ 49 ] Whether dreams are subconscious or unconscious events, or whether they are grasped by the scientist of spirit, they can be regarded as something healthy and normal. This is more than can be said of the other border areas. It is remarkable that there are philosophers, Eduard von Hartmann among them, who compare dream pictures, the origin of which we have just recognized, with hallucinations and visions. Whereas dream pictures originate in the spirit-soul sphere, and only come into being in coming into contact with the bodily nature, visions and hallucinations are very much connected in their origin with the bodily nature. And whereas dreams in their essential experience flow out of the spirit- soul sphere and the bodily nature only provides the cause of their appearance, the bodily constitution is the cause of everything in the way of hallucinations, visions, somnambulism, mediumism and everything abnormal of this sort that enters human soul life.

[ 50 ] Sie können ein charakteristisches Kennzeichen sehen für das menschliche Erleben vom rein geisteswissenschaftlichen Standpunkte aus, zu dem leicht der naturwissenschaftliche hinzugefügt werden könnte, wenn Sie das auffassen, dass es darauf ankommt, dass der Mensch, der, wie ich gestern sagte, nur seinem Wesen nach zu kennzeichnen ist, wenn er nach Leib, Seele und Geist betrachtet wird, dass der Mensch ein Verhältnis des Geistes zum Leibe nur auf dem Umwege durch die Seele hat. Die Seele stellt sich in die Mitte hinein. Der Mensch selbst als Träumer lebt nicht einfach so, dass er den Geist in eine Beziehung zum Leibe bringt, sondern so, dass er den Geist auf dem Umwege des Seelischen in ein Verhältnis zum Leibe bringt. Die Seele ist das Zwischenglied für das normale Leben zwischen dem Geist und dem Leibe. Dasjenige nun, was im menschlichen Organismus eintreten kann und was gewisse abnorme Erscheinungen des geistig-seelischen Lebens hervorrufen kann, das ist das, dass im Menschen durch Krankhaftes, dauernd oder vorübergehend Krankhaftes im Organismus gewissermaßen dieser regelmäßige Zusammenhang, der sich dadurch herstellt, dass der Geist mit dem Leibe nur zusammenhängt durch die Seele, dass überall das Geistige zuerst auf die Seele wirkt und dadurch erst auf den Leib, dass dieser Zusammenhang dadurch durchbrochen wird, dass gewissermaßen durch die krankhafte Organisation das Seelische in einer gewissen Weise ausgeschaltet wird. Die Ausschaltung kommt nicht durch die äußeren Sinnesorgane, sondern durch mehr innen gelegene Organe. Wenn gewisse Organe krankhaft sind, dann kann das Geistig-Seelische nicht den ganzen Leib erfassen, indem es durch diesen Leib mit der Außenwelt in Beziehung tritt, sondern es muss sich des Leibes mit Ausschluss der krankhaften Glieder oftmals bedienen.

[ 50 ] You can see a characteristic of human experience purely from the viewpoint of the science of spirit, to which the scientific viewpoint can easily be added, when you understand that it all depends upon looking at man as a being with body, soul and spirit, that he has a relationship of the spirit to the body only indirectly through the soul. The soul takes its place in the center. Even when dreaming, a human being cannot simply establish a relationship of his spirit to the body, but only indirectly with the help of the soul. In normal life the soul is an intermediary between the spirit and the body. What happens in the human organism when certain abnormal phenomena in spirit-soul life are produced, is that the normal relationship of the spirit to the body through the soul, where the spirit first works upon the soul and then the soul upon the body, is broken because of temporary or permanent illnesses in the organism, which then blot out the proper functioning of the soul. This elimination is not occasioned by the outer sense organs, but rather by the inner organs. If certain organs are diseased, then the spirit-soul nature cannot get hold of the whole body by means of which it establishes a relationship to the outer world, but it often has to make use of the body without the diseased organs.

[ 51 ] Dann tritt der Geist, statt auf dem Umweg des Seelischen, wegen des kranken Leibes in ein unmittelbares Verhältnis zum Leibe. Es wird das Seelische in einer gewissen Weise umgangen. Dadurch wird UnregelmäRigkeit in das Bewusstsein hineingetragen, es wird eine Durchbrechung des Bewusstseins hervorgerufen. Wird zum Beispiel ein Geistiges erlebt, ohne dass es dadurch, dass ein gewisses Organ des Gehirns oder des Nervensystems oder der Blutzirkulation gesund ist, durch die Seele vermittelt wird, wird ein gewisses Geist-Erlebnis nicht so aufgenommen, dass sich die Seele des Leibes in der richtigen Weise bedienen kann, um das Geist-Erlebnis seelisch zu verarbeiten, so tritt der Leib unmittelbar unter die Wirkung des Geistes, nicht auf dem Umwege des Seelischen. Dann wird das unmittelbare Erleben des Geistes — es ist auch ein Erleben des Geistes, aber ein solches, das die menschliche Konstitution krankhaft durchdringt —, dann wird das Erleben des Geistes zur Halluzination, zur Vision.

[ 51 ] Then instead of using the soul, the spirit enters into a direct relationship with the body. In a sense, the soul is by-passed. This brings irregularities into the consciousness; the consciousness is broken through. If something spiritual is experienced without being mediated by the soul because a particular organ of the brain or the nervous system or the circulation is diseased, if a spiritual experience is not received so that the soul can use the body in the right way for the experience to be digested properly in the soul, then the spirit has an immediate effect upon the body, and does not work through the mediation of the soul. The immediate experience of the spirit—for it is an experience of the spirit, even if it is such that it penetrates the human constitution in an abnormal and unhealthy way—turns into hallucinations and visions. The science of spirit has nothing to do with this sort of thing.

[ 52 ] Mit diesen hat dasjenige, was geisteswissenschaftliche Forschung ist, nichts zu tun. Denn geisteswissenschaftliche Forschung sieht darauf, dass der Mensch nicht etwa das im gewöhnlichen Leben bestehende Verhältnis zwischen Leib, Seele und Geist durchbricht, sondern dass er das Seelische noch reicher macht, sodass das Verhältnis des Geistes zum Leibe durch ein reiches Seelenleben bewirkt wird. Ein verarmtes Seelenleben kann aber eintreten, wenn sich der Mensch durch eine Erkrankung in seinem Leibe nicht des ganzen Leibes bedienen kann, um sich mit der Umwelt in ein Verhältnis zu setzen. Daher ist für den Geistesforscher dasjenige, was als Vision, als Halluzination erfahren wird, was nicht so zum geistigen Leben steht wie der Traum, das ist für den Geistesforscher etwas, das er von seinem Gesichtspunkte aus ansehen muss zwar als ein geistiges Erlebnis, aber nicht als ein solches, das etwa wertvoller wäre als das gewöhnliche sinnliche Anschauen, sondern das weniger wertvoll ist als das gewöhnliche sinnliche Anschauen.

[ 52 ] The aim of the science of spirit is not to break down the relationship existing in normal life between body, soul and spirit, but to make the life of the soul richer, so that the relationship of the spirit to the body is brought about by a rich soul life. A poverty-stricken soul life can come about, however, when by illness a human being is prevented from using his whole body to establish a relationship with his environment. These kinds of experiences—visions and hallucinations—that do not have the same relationship to spiritual life that dreams have, must be regarded from the viewpoint of the science of spirit as being spiritual experiences, but not such as have more value than our ordinary sense perception; in fact, they have less value.

[ 53 ] In einem solchen unregelmäßigen geistigen Erleben wie in der Halluzination, in der Vision, im somnambulen Reden und Handeln, im Mediumismus, der ein künstlicher Somnambulismus ist, steht der Mensch weniger im Verhältnis zur Umwelt, als er im sinnlichen Wahrnehmen steht. Das ist das Wichtige. Das ist dasjenige, was man besonders einsehen muss. Und so kann es geschehen, dass der Mensch, weil er nicht nur zum Anschauen der Umwelt, sondern auch zum vernünftigen logischen Begreifen der Umwelt nötig hat dasjenige, was man Urteil über die Umwelt nennt; zu dem hat er nötig den Gebrauch des gesamten Leibes. Ist nun der Leib abnorm gebildet, so kann er auch kein vernünftiges Urteil gewinnen über das, was sich ihm geistig darstellt. Während der Mensch auf der einen Seite dasjenige, was er im Traume erlebt, mit Vernunft im Wachzustand überschauen kann, ist er nicht imstande, das, was er in der Vision, in der Halluzination erlebt, in die Erlebnisse des gewöhnlichen Wachzustandes zu übertragen, es zu überschauen.

[ 53 ] For in this kind of irregular spiritual experience like hallucinations, visions, somnambulistic speech and action, mediumism, (which is an artificial kind of somnambulism) the human being is less connected with his environment than he is in his sense perception. This is the important thing. This is what must be realized. In order not only to perceive his environment but also to arrive at a reasonable and logical understanding of it, a human being needs what one calls an ability to make judgments about the world, and for this he needs the use of the whole body. If the body is formed abnormally, he cannot form a sensible judgment about what is presented to him spiritually. Whereas the human being, when awake, can grasp with reason what he experiences in dreams, he is not in a position to transform what he experiences in hallucinations and visions into the normal experience of his waking condition, and to understand it.

[ 54 ] Nun ist das Bedeutungsvolle dieses, dass ja nun allerdings, wenn der Leib von außen gesehen solche Abnormitäten zeigt, es scheinbar geistige Erlebnisse sind, das gibt ja der Geistesforscher zu, nur sollen sie nicht hervorgerufen werden; wenn sie naturgemäß hervorgerufen werden, sind sie Zeugen von Krankheit, wenn sie künstlich hervorgerufen werden, bewirken sie Krankheit. Weil man diese Dinge aber äußerlich wie im Laboratorium untersuchen will — die doch Erscheinungen des Lebens selber sind —, weil man sie nach dem Schema der naturwissenschaftlichen Anschauungsweise erklären will, so kann man es denn erleben, dass selbst diejenigen, die gute, hervorragende, bedeutungsvolle Naturforscher sind, vollständig straucheln auf diesem Gebiet.

[ 54 ] Now the significant thing is that when the body, viewed outwardly, reveals such abnormalities, there are apparently spiritual experiences—this the scientist of spirit admits—only they should not be induced. If they appear naturally, they are the evidence of disease; if they are induced artificially, they lead to disease. Even good and important scientists go astray in these things which are, after all, phenomena of life itself, when they investigate them in an external way in the laboratory, and seek to explain them according to formulas of the scientific method.

[ 55 ] Ich möchte einen Fall hier anführen, den ich schon einmal angedeutet habe, anführen aus dem Grunde, weil er ein charakteristischer Fall ist, weil er zeigt, wie gerade bei Naturforschern die Sehnsucht heute besteht, in das, was sie das übersinnliche Gebiet nennen, einzudringen, wie sie aber dann nicht an die Geisteswissenschaft herankommen wollen, sondern wie sie bei den gewöhnlichen naturwissenschaftlichen Methoden stehen bleiben wollen. Diesen Fall, ich bespreche ihn nicht deshalb, weil ich selbst irgendwie zu seiner Wahrheit oder Nichtwahrheit Stellung nehmen will, sondern weil ich daran zeigen will, wie sich zum Geistig-Übersinnlichen ein naturwissenschaftlich einwandfreier, ein hervorragender Gelehrter der Gegenwart verhält.

[ 55 ] I would like to cite an instance, which I have mentioned before, because it is a typical example of how much scientists long to penetrate into what they call the super-sensible sphere but at the same time do not want to approach the science of spirit, preferring to stick to their own normal scientific methods. I am not discussing this case because I wish to take a stand on its truth or untruth, but only to show how an irreproachable and outstanding scientist of the present time acts in relation to the sphere of the spirit and super-sensible.

[ 56 ] Es ist der Fall, den ausführlich in einem dicken Buche Sir Oliver Lodge beschreibt und der so ungeheuer viel Aufsehen gemacht hat, nur erfährt man über die Fronten hinüber weniger von solchen Dingen als sonst. Die Ereignisse sind folgende: Der Sohn des berühmten Naturforschers Oliver Lodge war an der französischen Front. Der Vater bekam von Amerika aus nach London einen Brief, worin er aufmerksam gemacht wird, dass ein Medium gesagt habe, es stehe dem Sohne Wichtiges bevor, Entscheidendes bevor, aber die Seele eines abgeschiedenen Freundes von Oliver Lodge werde in diesem entscheidenden Augenblick vom Übersinnlichen aus sich des Sohnes annehmen. Das war schon eine Mitteilung, die man auf diese und auf diese Art lesen kann selbstverständlich. Es hätte ja alles Mögliche geschehen können und die Mitteilung hätte doch, äußerlich angesehen, wahr sein können. Der Sohn hätte in Lebensgefahr kommen können und gerettet werden können, dann hätte der Schreiber gesagt: Nun ja, Myers, des Freundes Seele, ist dem Sohne beigestanden, deshalb ist er nicht gefallen. Nun ist aber der Sohn gefallen. Da wurde nun von derselben Seite her die Sache so ausgelegt, dass die Seele des Sohnes ja hinübergegangen ist und dass im Jenseits ihr geholfen wird von dem Freunde, der viele Jahre vorher im Jenseits war. Wäre ein Drittes, ein Viertes möglich, es wäre durch die Weitmaschigkeit einer solchen Voraussage zu treffen gewesen.

[ 56 ] It is the case which Sir Oliver Lodge describes at considerable length in a long book, and which has aroused so much attention for such things do not often reach us from the front-line of battle. The events are as follows. The son of the famous scientist was at the battle-front in France. The father received a letter in London written from America, informing him that a medium has said that something important and decisive was about to happen to his son, but that the soul of a deceased friend of Oliver Lodge would take the son under his wing at this decisive moment.—Naturally this is a message that can be taken in various ways. All sorts of things could have happened and, outwardly at least, the message could have been true. The son could have been in danger of his life and have been saved and the writer could have said—Of course, Myers, the soul of the friend, stood by the son and so he was not killed. But now the son was killed. So the argument then was that the soul of the son had passed over and that his soul was helped on the other side by the friend who had already been there for many years. Whatever had happened it would have been possible to interpret it in the light of the message, because the latter was so vague.

[ 57 ] Sir Oliver Lodge ist nun ein Mann, der vom Standpunkte strenger naturwissenschaftlicher Gewissenhaftigkeit schildert, deshalb kann der Fall von jemand überschaut werden, der sich auf der einen Seite versteht auf naturwissenschaftliche Gewissenhaftigkeit und auf der anderen Seite auf dasjenige, was über so etwas gesagt werden kann; man kann sich daher Aufschluss verschaffen aus dem Buche über dasjenige, was da eigentlich vorliegt.

[ 57 ] Sir Oliver Lodge, however, is a person who describes the events from a conscientious and strictly scientific viewpoint, so that the case can be understood by anyone on the one hand working conscientiously according to scientific method, and on the other knowing what conclusions can be drawn. It is therefore quite possible to glean information from the book about what really happened.

[ 58 ] Nun, Sir Oliver Lodge, nachdem er den Sohn verloren hatte, ihm wurde zugetragen — es sind immer Mittel und Wege da, wie man, namentlich wenn es sich um einen berühmten Mann handelt, den Leuten Medien, Somnambule zuschiebt —, ihm wurden zugeschoben verschiedene Medien. Sir Oliver Lodge wollte sich nur einlassen mit absoluter, gewissenhaftester Beobachtung aller Vorsicht, die nur angewendet werden kann. Nun schildert er, wie die Medien Botschaften bringen, als Sprechmedien oder sonst als Schreibmedien, Botschaften, die von dem Sohne herrühren sollten. Darin ist ja nun vieles enthalten, das ja wirklich keinen tieferen Eindruck macht auf den Leser als vieles, was sonst bei Spiritisten zu finden ist; aber eines hat auf Sir Oliver Lodge einen tiefen Eindruck gemacht. Und selbst auf die skeptischen Journalisten in weitesten Kreisen hat es einen Eindruck gemacht. Das ist das, was Sir Oliver Lodge als ein «experimentum crucis», als ein Kreuzexperiment anführt.

[ 58 ] Now after Sir Oliver Lodge had lost his son, various mediums were sent to him.—In the case of a famous person there are always ways and means of sending mediums and somnambulists to him. Sir Oliver Lodge only wanted to go into this conscientiously, observing the utmost care imaginable. He then describes how the mediums bring messages, either in speech or writing, which purport to originate from the son. There is a lot in this that makes no particular impression upon the reader, as is so often the case with spiritualists, but one thing did make a deep impression on Sir Oliver Lodge. Even the skeptical journalists in the widest circles were impressed. And this is the crucial experiment that Sir Oliver Lodge carried out.

[ 59 ] Es ist das Folgende. Das Medium sagte: Ja, jetzt kommt eine Botschaft von dem verstorbenen Sohne; die Seele Myers ist auch dabei. Beide kündigen sich an. Aber der Sohn weist hin darauf, dass eine Fotografie besteht, die, kurz bevor er gefallen ist, an der französischen Front aufgenommen wurde. Er ist auf der Fotografie mit einer ganzen Reihe von Kameraden. Die Aufnahme ist mehrmals gemacht worden. Bei der einen Aufnahme hält der Sohn die Hand auf die eine Schulter eines Kameraden in der Weise, bei der nächsten Aufnahme ist die ganze Stellung des Sohnes etwas anders angeordnet, und so weiter. Schön. Die Fotografien wurden genau beschrieben. Man konnte sich eine Vorstellung davon machen, wie die Fotografien waren. Sie waren aber nicht da. Niemand wusste etwas davon; niemand konnte etwas davon wissen, weder das Medium noch die anderen. Man konnte das Ganze zunächst als einen Humbug ansehen. Aber das Wesentliche ist: Nach zwei Wochen, glaube ich, kam der Brief mit den Fotografien, die also in der Zeit, als das Medium darüber gesprochen hat, noch drüben in Frankreich waren; es kam der Brief nach zwei Wochen in London an; man konnte sich überzeugen, genau stimmte die Beschreibung mit den Bildern überein. Die Fotografien waren da — ein experimentum crucis, ein Kreuzexperiment. In der Tat etwas, was genügt hat der wissenschaftlichen Gewissenhaftigkeit des Sir Oliver Lodge, was unzählige Menschen überzeugt hat.

[ 59 ] It is the following: The medium said: A message is now coming from the deceased son; Myers soul is also present. Both make themselves known. But the son indicates that there is a photograph which was taken at the battle-front in France, shortly before he was killed. He is in the photograph with a number of his friends. The picture was taken several times. In one picture the son rests his hand upon the shoulder of a friend, in another his position is different, and so on. Good! The pictures were described exactly. But they were not there. No one knew about them, no one could know about them, neither the medium nor anyone else. It appeared at first to be nothing but a fraud. But the important thing is that after, I believe, two weeks a letter arrived with the photographs, which had still been in France when the medium had spoken. The letter arrived two weeks later in London and it was possible to convince oneself that the pictures tallied exactly with the description. The photographs were there—a crucial experiment. Of course this was sufficient to convince Sir Oliver Lodge's and many other people's scientific conscientiousness.

[ 60 ] Man kann es begreifen. Aber als Geistesforscher geht man an die Sache doch noch mit anderen Gesichtspunkten heran. Man kann sagen: Gerade weil Sir Oliver Lodge die Sache so genau beschrieben hat, deshalb ist es, dass man aus dieser Beschreibung unmittelbar erkennen kann, wie sich der Fall verhält. Dann wundert man sich nur, wenn man ein wenig bekannt ist in der einschlägigen Literatur, dass solch ein Mann wie Sir Oliver Lodge den Fall, wenn er auch so sonderbar liegt, dass man, wenn man nicht auf der Hand Liegendes immer abweisen will, überzeugt werden kann — man wundert sich doch, dass er nicht den Fall vergleicht mit den unzähligen Fällen, die bekannt sind bei Somnambulen als, ich möchte sagen, Ansteckung der Sinnesorgane mit Verstandesurteilen. Wer kennt nicht, wenn er bekannt ist mit der Literatur, wer kennt nicht den Fall, dass irgendjemand eine Vision hat, einen Eindruck hat: In drei Wochen werde ich, wenn ich reite, vom Pferde stürzen. Er hat ganz genau visionär das Bild vor sich. Er versucht es sogar zu verhindern, aber das führt gerade die Sache herbei. Solche Dinge sind ja vielfach zu finden in der Literatur.

[ 60 ] One can understand it. But as a scientist of spirit one approaches the matter from quite different viewpoints. Just because Sir Oliver Lodge has described it all so exactly, we can discover the true facts of the case. If we are only a little familiar with the relevant literature we can only be surprised that such a person as Sir Oliver Lodge does not compare such a case, which, however odd it may be, can always be convincing if obvious points are not always rejected, with the countless cases which are known with somnambulists as—if I may use the expression—an infection of the sense organs with judgments of the understanding. Who has not heard of a case, if he is familiar with literature, of someone who has a vision having the impression—in three weeks' time when I am riding I shall fall from my horse. He sees the visionary picture exactly before him. He even tries to avoid it, but this only helps it on. Such things can be found frequently in literature.

[ 61 ] Es gibt eine solche Heraufrufung durch krankhafte Störungen, durch nicht vollständiges Beherrschen seines Leibes gerade, ein solches Verfeinern desjenigen, was in der normalen Organisation unterbewusst bleiben muss, in das Bewusstsein hinauf, dass man namentlich solche Dinge, die der menschlichen Kultur angehören, wo man diese durch räumliches oder zeitliches Ferngesicht haben kann. — Nun ist für denjenigen, der das Buch von Sir Oliver Lodge durchnimmt, dasjenige, was das somnambule Medium gesehen hat, in der Tat nichts anderes als ein zeitliches Ferngesicht. Die Fotografien kamen an in zwei Wochen. Das Medium sah voraus — wie der andere Mensch voraussah sein Stürzen vom Pferde — die Fotografien. Mit nichts hat das zu tun, was man nennen könnte eine Offenbarung aus der übersinnlichen Welt, sondern es ist nur ein verfeinertes Wahrnehmen desjenigen, was innerhalb der sinnlichen Welt auch da ist. Gerade das muss man bei diesen Dingen ins Auge fassen, dass man genau unterscheiden muss dasjenige, wo der Geist unmittelbar in das Körperliche hineinspielt. Das ist nichts, was uns hinausführt in das Übersinnliche. Gerade weil Geisteswissenschaft den Menschen einführen will in die wahre übersinnliche Welt, muss sie Gewicht darauf legen, zu verstehen, was die abnormen Fälle sind, in denen durch ein verfeinertes Sinnenleben der Mensch irgendetwas erfährt, was ja auch nichts anderes ist als eine Kundgebung aus der gewöhnlichen physischen Welt, nur dass es auf abnorme Weise erfahren wird.

[ 61 ] They are called up by disturbances due to disease, when the body is not fully under control, so that what remains unconscious in a normal organism rises up in a refined form into the consciousness enabling a person to have long-distance view into space or time of things that belong to human culture. Now upon reading through Sir Oliver Lodge's book it is clear that what the somnambulistic medium saw was nothing other than such a long-distance view in time. The photographs arrived two weeks later. The medium foresaw the photographs just as the other person foresaw his falling off a horse. This has absolutely nothing to do with a revelation from the super-sensible world, but is only a refined perception of what is already present in the sense world. In such matters we must be sure of distinguishing where the spirit has an immediate effect on the body. This is not something that leads us into the super-sensible. It is just because the science of spirit sets out to lead the human being into the true super-sensible world that it has to stress the necessity of understanding the nature of abnormal cases, in which a refined life of the senses experiences something which is only a message from the ordinary physical world, only that it is experienced in an abnormal way.

[ 62 ] Ich könnte noch vieles anführen über solches, was durch eine Verschärfung der Sinne, gerade dadurch, dass ein Krankhaftes im Menschen vorliegt, zutage tritt. Es ist insbesondere ein Überwiegen der animalischen Funktionen gegenüber den seelischen Funktionen, was dieses zweite Gebiet des Unbewussten charakterisiert. Es ist allerdings ein Hereinspielen des Geistigen, aber niemals wird auf diese Weise das zustande kommen, was Sir Oliver Lodge wollte: eine Einsicht in die übersinnliche Welt. Wer eine Verbindungsbrücke schlagen will zwischen dem, der hier ist, und dem, der in der übersinnlichen Welt ist als ein sogenannter Toter, der muss es durch geisteswissenschaftliche Methoden tun; der muss seine eigene Seele entwickeln, dass sie den Weg finde, nicht dadurch, dass in ein somnambules Medium hineinspricht ein Toter. Gerade diese Dinge müssen scharf ins Auge gefasst werden. Gerade weil Geisteswissenschaft streng auf dem Boden steht: Nicht nur im Allgemeinen, auch im Konkreten kann man eindringen in die geistige Welt —, deshalb muss sie zurückweisen dasjenige, was mit Ausschluss der seelischen Entwicklung, durch Halluzination, durch Vision, durch Verfeinerung des Sinneslebens, die nicht über das Sinnliche hinausführt, nichts über das Ewige aussagt, erworben wird. Obwohl das Geistige in den menschlichen Leib hineinspielt, nichts kann dadurch ausgemacht werden über das Übersinnliche, sondern allein durch das Hineinstellen des menschlichen GeistigSeelischen in die übersinnliche Welt. Für denjenigen, der auf dem Boden der Geisteswissenschaft steht, für den ist daher die visionäre Welt, die somnambule Welt, die Welt des künstlichen Somnambulismus, die Mediumwelt, sie ist eine untersinnliche Welt, nicht eine übersinnliche Welt.

[ 62 ] I could say much about what comes to light by means of this kind of intensification of the senses, and which is based upon something diseased in the human being. What characterizes this second sphere of the unconscious is a predominance of the animal functions over the soul functions. The spiritual, it is true, is involved, but what Sir Oliver Lodge wanted,—insight into the super-sensible world,—could never come to pass in this way. If we wish to form a bridge between someone who is here and someone in the super-sensible world as a so-called dead person, we have to do it with the methods of the science of spirit. We have to develop our own souls to find the way and not do it by allowing a dead person to speak through a somnambulistic medium. It is just such things as these that must be observed. Because the science of spirit keeps its feet firmly on the ground—one can enter the spiritual world not only in a general but also in a concrete way—it has to reject everything that is gained without the development of the soul, that is gained by means of hallucinations, visions and a refined life of the senses, which does not lead beyond the sense world and which says nothing about the eternal. Although the spiritual reaches into the human body, nothing can be found out about the super-sensible except by raising the spirit-soul nature of the human being into the super-sensible world. For the science of spirit, therefore, the visionary world, the somnambulistic world, the world of artificial somnambulism, the mediumistic world is a subsensible world, not a super-sensible world.

[ 63 ] Die Zeit drängt, ich kann das nicht weiter ausführen, denn ich muss nunmehr auf ein anderes Gebiet, das sich kurz besprechen lässt, übergehen, auf das Hineinragen der übersinnlichen Welt, wie sie uns auftritt im menschlichen Leben, wenn wir die wirkliche Kunst, das künstlerische Genießen betrachten. Auch da kann die Geisteswissenschaft verfolgen die Seele des wirklichen Künstlers oder auch die Seele des für wirkliche Kunst empfänglichen Menschen. Dasjenige, was die Seele durchlebt und nachher in Dichtung, in ein anderes Kunstwerk umschafft, das ist ebenso in der geistigen Welt erlebt, wie erlebt ist dasjenige, was immer unbewusst bleibt und nur höchstens durch den Traum in zeitlichen Bildern bewusst wird für das gewöhnliche Bewusstsein, was erlebt wird zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen.

[ 63 ] The time is pressing, and I cannot go into this any further, for I must turn to another aspect which can be discussed briefly, and this is the way the super-sensible world appears in human life when we consider real art and artistic enjoyment. The science of spirit can follow the soul of the real artist or the soul of a person receptive to real art. What the soul experiences and later fashions into poetry or other kinds of art is just as much experienced in the spiritual world as what always remains unconscious in sleep or at the most becomes conscious for our ordinary consciousness in the temporal pictures of our dreams.

[ 64 ] Aber der Dichter ist imstande, dasjenige, was ihm in seiner unmittelbaren Gestalt, oder der Künstler überhaupt, was ihm nicht zum Bewusstsein kommt, während er in der geistigen Welt weilt, hineinzutragen, noch unbewusst bleibend, in die sinnlich-physische Welt, dann es einzukleiden in Bilder. Mit Recht weist man darauf hin, dass wirkliche, echte Kunst nicht ihrem Inhalte nach, aber ihrer Veranlassung nach, ihrem Ursprung nach, ihren Quellen nach wurzelt in demjenigen, was die Künstlerseele erlebt im Übersinnlichen. Sodass wahre, echte Kunst, nicht Naturalismus, von der Menschheit mit Recht zu allen Zeiten angesehen worden ist als Botschaften, die hereingetragen werden aus einer übersinnlichen Welt in die sinnliche Welt.

[ 64 ] But the poet, or artist generally, is able to bring what he experiences unconsciously in its immediate form while in the spiritual world, into the physical sense world, though still unconsciously, and to clothe it in pictures. It has been quite rightly pointed out that it is not in its content but in its cause, its origin, its source, that real and genuine art has its roots in what the artistic soul experiences in the super-sensible. Therefore true art, and not naturalism, has been rightly regarded by humanity at all times as a message brought into the sense world from a super-sensible world.

[ 65 ] Der Unterschied zwischen dem Dichter und dem Seher, dem, der das Übersinnliche bewusst schaut, ist nur der, dass der Seher, während er in der übersinnlichen Welt Erlebnisse hat, sein Bewusstsein hineingetragen hat in die übersinnliche Welt und selbst aus der übersinnlichen Welt heraus in voller Geistesgegenwart diese Erlebnisse umsetzt in Vorstellungen, sodass das Ganze ein bewusster Prozess ist. Bei dem Dichter, dem Künstler, bleibt der Prozess unbewusst; er lebt zwar im Übersinnlichen, weil dies ihm aber nicht zum Bewusstsein kommt, kann er es nicht vergleichen mit der geistigen Welt. Nachdem er es erlebt hat, trägt er es hinein, kleider es in die Bilder, die dann zu Botschaften des Übersinnlichen werden. Der ganze Prozess, der im Seher bewusst wird, ist zum Teil seinem Ursprung nach unbewusst im Dichter, im Künstler. Das, was da als Offenbarungen eines Unbewussten hineinspielt, ist das, was das menschliche Leben mit Schönheit überzicht; dasjenige, was man seinem wahren Werte nach erst schätzen wird, wenn man als Überzeugung aufnimmt, dass die wahre Kunst Botschaft ist aus der Welt des Ewigen, dass echtes künstlerisches Genießen den Menschen nahe bringt dieser übersinnlichen Welt, wenn auch unbewusst.

[ 65 ] The difference between the poet and the seer, the person who perceives the super-sensible consciously, is only that the seer raises his consciousness into the super-sensible world for the time he has experiences in the super-sensible world, and transforms with complete presence of mind what he has experienced there into images and ideas, so that the whole process is conscious. With the poet, the artist, the process remains unconscious.—He certainly lives in the super-sensible, but because it does not come into his consciousness he cannot compare it with the spiritual world. After he has experienced it, he brings it down and clothes it in pictures which then became messages of the super-sensible. The whole process which is conscious in the seer is, in its origin, partly unconscious in the poet and artist. What reaches into the world as revelation of the unconscious is what graces human life with beauty, and we shall appreciate its real value when we are convinced that true art is a messenger from the world of the eternal, that true artistic enjoyment brings the human being near to the super-sensible world, even if unconsciously.

[ 66 ] Halb unbewusst ist dasjenige, was wir als unser Schicksal erleben. Wie fasst der Mensch im gewöhnlichen Bewusstsein dieses Schicksal auf, dieses Schicksal, das sozusagen sein Leben begleitet von der Geburt bis zum Tode? Die meisten Menschen stehen — und mit Recht für das gewöhnliche Bewusstsein — diesem Schicksal so gegenüber, dass sie seine einzelnen Fälle ansehen wie etwas, was zustößt; einer nach dem anderen stößt eben so zu. Aber das mag ganz richtig sein, ist auch richtig für die gewöhnliche Lebensauffassung. Aber es gibt eine andere Seite dieser Dinge zu betrachten.

[ 66 ] We experience our destiny semi-unconsciously. How do we normally understand our destiny, which accompanies our lives from birth to death? Most people—quite rightly as far as our ordinary consciousness is concerned—regard the individual acts of destiny as something that comes to them from outside; they just come. This may be quite right and is right from the normal viewpoint. But there is another way of looking at it.

[ 67 ] Man nehme nur einmal an, als Vierzigjähriger oder jünger, wenn man Neigung hat zum Sich-Besinnen, man denke nach über das, was man denn eigentlich in seiner Seele ist, und vergleiche das, was man ist, mit dem Schicksal. Und man frage sich dann, was man wäre, wenn man ein anderes Schicksal gehabt hätte, wenn einem anderes zugestoßen wäre. Man wird dann eine merkwürdige Entdeckung machen. Man wird die Entdeckung machen, dass man eigentlich, wenn man nicht von einem abstrakten Selbst redet, wenn man von dem redet, was man eigentlich in seinem Innern trägt und ist, dass man ja nichts anderes ist als das Ergebnis seines Schicksals. Wäre das Schicksal bloß das, was einem nacheinander zustößt, eine Summe von Zufällen, so wäre man selbst nichts anderes als eine Summe von Zufällen. Was man gelitten hat, wobei man sich gefreut hat, was einem zugetragen hat das Leben so, dass man es aufnehmen konnte, dass man es zur Lebensgeschicklichkeit, zur Lebensweisheit, zur Lebensgewohnheit machen konnte, das ist man, ist es aber aus dem Schicksal heraus; man ist dieses Schicksal selber.

[ 67 ] Let us assume that as a forty year old person or younger, as one who has a tendency to reflect, we consider what we really are in our souls and compare this with our destiny. And then we ask what we would have been if we had had a different destiny, if different things had happened to us. We would then make a remarkable discovery. We would discover that if we speak of what we really bear in our inner nature, of what we really are, and not about an abstract self, that we are nothing more than the result of our destiny.—If destiny were only a series of things that happen to us, a series of chances or coincidences we should only be the sum total of these chances. What we have suffered, the things that have given us joy, what has come to us in life that we have assimilated and has become part of our ability, wisdom and habits in life, this is what we are—but it arises out of our destiny; we are this destiny ourselves.

[ 68 ] Geisteswissenschaft versucht nun auch, dieses Schicksal zu betrachten, versucht dieses Schicksal so zu betrachten, dass diese Betrachtung so verläuft, wie, ohne dass der Mensch etwas dazu tut, das gewöhnliche Vorstellungsleben verläuft. Ich sage das, um klarzumachen das Bedeutsame, das damit zum Ausdruck gebracht ist: Denken Sie sich einmal, Sie erinnern sich an ein weit zurückliegendes Erleben, das Sie mit zehn oder siebzehn Jahren gehabt haben. Die Erinnerung hat eine Eigentümlichkeit; als Sie das Erlebnis hatten, waren Sie mit dem ganzen Gemüt dabei; Sie haben nicht nur das erlebt, was Sie in die Vorstellung heraufbringen, sondern Sie waren ganz dabei. Denken Sie nur nach, wie sehr verschieden das ist, wenn man sich erinnert an einen Gemütszustand als an das, was als Vorstellung von dem Erlebnis geblieben ist.

[ 68 ] The science of spirit also tries to study destiny, and tries to do it in such a way that its observation of it follows the same course as our normal conceptual life, without the human being doing anything about it. I say this to make clear the significant factor I wish to express. Imagine that you remember something that happened a long time ago, that you experienced when you were ten or seventeen. The memory has a particular characteristic. When the experience took place you were present with your whole mind, you did not only experience what you recall as an image, but you were wholly present.

[ 69 ] Ein Gemütszustand kann nicht wieder heraufgerufen werden. Es kann die Vorstellung wiederum eine Art Gemütszustand hervorrufen, aber einen Schmerz, den Sie erlebt haben vor zwanzig Jahren, diesen Schmerz als damals Erlebtes zurückrufen, Sie können es nicht. Die Vorstellung kann man zurückrufen, aber nicht den Gemütszustand, nicht den Schmerz. Und so ist es auch mit der Freude. In der gewöhnlichen Erinnerung des Lebens wird, indem die Erlebnisse einverleibt werden dem Gedächtnis, abgestreift der Gemütsimpuls, und es bleibt die Vorstellung als solche. Dadurch kann später wiederum erlebt werden in der Vorstellung das, was früher erlebt worden ist. Das, was so im Einzelnen im Leben der Mensch von selbst macht, indem er das Gemüthafte abstreift von dem, was dem Gedächtnisse einverleibt wird, das kann nun ganz streng gemacht werden mit dem, was Schicksalserlebnisse sind. Aber indem ich es schildere, erscheint es leicht, erscheint es, ich möchte sagen, fast alltäglich. Soll es durchgeführt werden, so gehört dazu gerade eine solche Vorbereitung der Seele, wie ich sie heute und gestern geschildert habe, soll durchgeführt werden nämlich dasjenige, was uns als Schicksalserlebnisse trifft, von allem Gemüthaften zu entkleiden.

[ 69 ] Consider how very different it is to remember how you felt and to remember the image of the experience. The feeling, the condition of soul, cannot be brought back. The memory-image can recall a kind of feeling, but pain that you experienced twenty years ago cannot be recalled. The image or idea can be recalled, but not the condition of soul, the pain. And it is just the same with joy. In our normal memory of life our experiences are incorporated into the memory, but the feelings are not taken in and the image alone remains. We can therefore experience again later in images what we have experienced earlier. But now, what the human being does of his own volition in life in separating the feelings off from what is incorporated into the memory, can also be carried out in relation to the experiences of our destiny. In describing it, it appears easy, almost trivial. Should it be undertaken, then it belongs to the kind of preparation of the soul that I have been describing yesterday and today, and it consists in stripping of feelings all the things that come to us as acts of destiny.

[ 70 ] Denken Sie, es gelingt einem das. Das ist gerade das Charakteristische des gewöhnlichen Lebens, dass einem das eine sympathisch, das andere antipathisch ist am Schicksal; dass man das eine gleich herbeiziehen, das andere entfernen möchte. Das abzustreifen, sodass man dasjenige, was man im Schicksal erlebt, betrachtet so, wie wenn es einen nicht selbst getroffen hätte, wie wenn man beschreiben möchte das Schicksal eines anderen — ja, noch weniger, weil man ja mit jedem anderen Menschen mitfühlt. Weg mit alledem für die Betrachtungsweise — aber nur für diese, sonst würde man lebensuntüchtig —, weg mit allem für die Momente der Betrachtung des Schicksals! Man muss das Schicksal so betrachten, dass das Gemüthafte wegfällt, man muss es so betrachten, als wenn man außerhalb des Schicksals stände. Der Geistesforscher lernt das dadurch, dass er lernt, außerhalb seines Leibes zu stehen. Dann, wie ein Gedanke, der aufsteigt, ist ein Gedanke, der wiedergibt im individuellen, persönlichen Leben ein früheres Erlebnis, so wird das Schicksal, wenn es wirklich richtig betrachtet wird, wenn es entkleidet wird des persönlichen GemütserlebensCharakters, das Schicksal wird mit Notwendigkeit, mit Überzeugungskraft der Ausdruck früherer Erdenerlebnisse, die durchgemacht sind und die sich zu dem gesamten Leben des Menschen so zusammengliedern, dass der Mensch durchlebt wiederholte Erdenleben und dazu die Leben, die verlaufen zwischen Tod und neuer Geburt.

[ 70 ] What is so characteristic of ordinary life is that we find some things in our destiny sympathetic, others not; that we willingly take to some things, but wish to reject others. Imagine that we would succeed in getting rid of this so that we could look at our own destinies as if they had not affected us, as if we were describing the destiny of someone else, or as if we could feel someone else's destiny as our own. Let us get rid of it all for the moment—and only for this one moment, or we would become unfit to live properly—and consider our destiny! We have to look at destiny in such a way that everything connected with the feelings plays no part, as if we stood outside our destiny. Then, like a thought rising up, giving back to us in our individual personal lives an experience out of the past, our destiny, when looked at in the right way, stripped of its personal, subjective character, will of necessity and with the utmost conviction be seen as the expression of earlier experiences in life, which we have gone through and which are connected with the whole life of the human being and are the expression of the fact that we live through repeated lives on earth and lives which are spent between death and a new birth.

[ 71 ] Durch manches andere, aber auch durch das wirkliche Betrachten des Schicksals kann man wahrnehmen, wie, gerade so, wie in das individuelle Leben dasjenige, was man im Laufe der Jahre durchgemacht hat, hineinwirkt, in unser wirkliches persönliches Schicksalserleben hineinwirkt, was herüberkraftet aus früheren Erdenleben und was wiederum hinüberkraftet in spätere Erdenleben. Nicht etwas phantastisch Ausgesonnenes ist das, was Geistesforschung darlegt über die wiederholten Erdenleben, sondern Ergebnisse gewissenhafter Betrachtung des Lebens selber, veränderte Betrachtung des Lebens selber, hinaufgehoben dasjenige, was halb unbewusst in unser Leben eingreift und sich als Schicksal offenbart. Also auch eine Offenbarung des Unbewussten; hinaufgehoben das Unbewusste in das Bewusstsein.

[ 71 ] By means of this true view of destiny and of several other things, we can perceive how what we experience over the years as entering into our real and personal experience of our destiny, what is derived as a germinal force from earlier lives on earth and becomes a seed for future lives,—how all this has an effect upon our lives. What the science of spirit has to say about repeated lives on earth is not something made up by a fanatical mind, but is a result of conscientious observation of life itself, a different observation of life from what is usual, because it raises what enters semi- unconsciously into our lives and is revealed as our destiny—thus also a revelation of the unconscious, the unconscious raised into the consciousness.

[ 72 ] Ich konnte leider nur einige Glieder derjenigen Welt, die für das gewöhnliche Bewusstsein unbewusst bleiben, Ihnen schildern und zeigen, wie Geisteswissenschaft zu diesen Dingen sich verhält. Skizzenhaft konnte ich es nur schildern. Aber gerade diese Betrachtung der Grenzgebiete zeigt, wie Geisteswissenschaft imstande ist, auch auf das Ewige hinzuweisen, indem sie zeigen kann, wie im Traume oder sonst das Geistige sich auf normale und auf abnorme Weise im gewöhnlichen Leben offenbart, indem sie zeigt, gerade von ihrem Gesichtspunkte aus, wie das Unbewusste offenbar wird im menschlichen Erleben. Dadurch wird auch an diesen Grenzgebieten gerade für Geisteswissenschaft klar, dass der Mensch schon erreichen kann, indem er die gewöhnlichen Sinnesgrenzen überschreitet, das übersinnlich-geistige Gebiet; dass der Mensch eindringen kann aus dem Vergänglichen hinaus in das Unvergängliche, dass der Mensch sich in Zusammenhang bringen kann durch sein Geisteswesen mit der ewig-geistigen Welt, sodass sein Geistig-Seelisches, sein Geistig-Ewiges mit dem Geiste der ganzen Welt als eine Harmonie empfunden wird.

[ 72 ] Unfortunately I have only been able to describe to you a few aspects of the world which remains unconscious to our normal consciousness, and to show how the science of spirit approaches such things. I have only been able to give an outline. But it is just a consideration of the border areas that shows how the science of spirit is in a position to point out the region of the eternal, in showing how the spiritual is revealed in ordinary life in dreams in both a normal and abnormal way, and in showing just from its particular viewpoint how the unconscious is revealed in human experience. In studying the border areas in this way it becomes clear for the science of spirit that the human being is certainly able to reach into the sphere of the super-sensible when he goes beyond the normal limits of his senses, that he can penetrate from the transitory to the intransitory, that he can establish a relationship to the eternal spiritual world through his own spiritual nature so that his spirit-soul nature, his eternal nature, can feel in harmony with the spirit of the whole world.

[ 73 ] Gerade wenn man so etwas darstellt, dann merkt man, dass diese Geisteswissenschaft nur so anzusehen ist, wie ich gestern gesagt habe: dass diese Geisteswissenschaft zwar durch die besondere Bildung des geistigen Kulturlebens in der Gegenwart selbst auftreten kann, während ihr Inhalt wahr ist für alle Zeiten — so wie die kopernikanische Weltanschauung aus der zeitlichen Bildung in einer gewissen Epoche auftreten musste. Aber anders ist es als mit äußerer Erfahrungswissenschaft mit dem, was als Geisteswissenschaft auftritt. In klaren, festumrissenen Begriffen und Ideen tritt diese Geisteswissenschaft wohl erst in der Gegenwart so recht ins Dasein. Geahnt, ersehnt, nicht nur ersehnt in allgemeiner, sondern in bestimmter Gestalt ist sie aber worden von denjenigen, denen es wirklich zu allen Zeiten ernst war um die Erforschung der großen Lebensrätsel des Daseins.

[ 73 ] In describing such things as these one notices that the science of spirit can only be taken in the way I mentioned yesterday—that whereas it can appear in the world today because of the particular configuration of present day spiritual and cultural life, its content is true for all times—just as the Copernican outlook had to appear out of a particular configuration at a certain time. But there is, nevertheless, a difference between the nature of what appears in ordinary science and what appears in the science of spirit. Today for the first time the science of spirit is expressed in clear and well-defined concepts and ideas. But it has always been divined and desired in both universal and quite definite forms by those who have undertaken a serious study of the great mysteries of existence.

[ 74 ] Daher fühlt man sich gerade als Geistesforscher im Einklang mit denen selbst, die aus der Menschheitsgeschichte der Menschheit etwas geben konnten und geben wollten. Aus der großen Summe der Persönlichkeiten, die — nicht um Bestätigungen anzuführen — hier genannt werden könnten, sei eine herausgehoben. Nicht um Bestätigung anzuführen; denn ich weiß genau, dass der Einwand richtig ist, wenn man Goethe anführt: dass man immer aus seinen Schriften auch das Entgegengesetzte anführen kann, Stellen anführen kann, wo die entgegengesetzte Ansicht bestätigt wird; darum handelt es sich nicht. Aber jemand, der wie ich, mehr als dreißig Jahre eine eingehende Betrachtung nicht nur dem Inhalt der Goethe-Anschauung widmete, sondern der ganzen Art, wie Goethe zur Welt gestanden hat, nahekommen will, der kann zuletzt dasjenige, was er sagen wollte durch eine solche Betrachtung wie die heutige, zusammenfassen mit einem Worte, das da ausdrückt ein gewisses intellektuelles Glück, wiederzufinden dasjenige, was erst gewissenhafte Forschung gibt, in der großen Ahnung eines Menschen, die ihm einmal doch vor die Seele getreten sein musste, als er die Worte aussprach:

[ 74 ] One feels as a scientist of spirit, therefore, at one with those who throughout the history of humanity have been able and have wanted to give something to humanity. Of all the great number of personalities who could be mentioned here, I will choose only one. I do not do this to prove what I have said, for I know quite well that in citing Goethe the objection can be rightly made that it is always possible to quote the opposite from his writings, to cite passages where the opposite view is proved. But this is not the point. A person like myself who has devoted more than thirty years not only to the content of Goethe's outlook, but also to the way in which Goethe approached the world, can only sum up what he wanted to say in such a discourse as today's in a few words which express a kind of intellectual joy in finding again what has only now been revealed by conscientious investigation in a tremendous presentiment of a human being, a presentiment which must have appeared before him when he wrote:

[ 75 ] [Wenn die gesunde Natur des Menschen als ein Ganzes wirkt, wenn er sich in der Welt als in einem großen, schönen, würdigen und werten Ganzen fühlt, wenn das harmonische Behagen ihm ein reines, freies Entzücken gewährt: dann würde das Weltall, wenn es sich selbst empfinden könnte, als an sein Ziel gelangt aufjauchzen und den Gipfel des eigenen Werdens und Wesens bewundern.] Ich glaube, dass, als Goethe so den harmonischen Zusammenklang des menschlichen Innern mit dem Weltenall in einem schönen Satze ausgesprochen hat, er hat sagen wollen dasjenige, was Geisteswissenschaft in klare, festumrissene wissenschaftliche Formen bringen will: dass der Mensch in seinem Innern erleben kann, sei es auf diese oder auf jene Weise, wie sein Geistig-Ewiges dem Geistig-Ewigen der äußeren Welt gegenübersteht und dann die große Harmonie zwischen der menschlichen Individualität und dem Weltenall der Menschenseele selbst unmittelbar gegenwärtig ist. Denn was macht die Geisteswissenschaft zur Gewissheit? Das macht die Geisteswissenschaft zur Gewissheit, dass der Mensch sein Ewiges ergreifen kann, indem er in wahrer, wirklicher Weise gegenüberstehen kann als Geistesmensch dem Geiste der Welt, als ewiger Geist des Menschen ergreifen kann den ewigen Geist der Welt.

[ 75 ] “If the healthy nature of the human being functions as a complete whole, if he feels his existence in the world as belonging to a great, beautiful, worthy and valuable whole, if this feeling of harmony gives him a pure and true joy, then the universe, if it could feel itself, would shout for joy because it would feel it had reached its goal, and it would be amazed at the culmination of its own evolution and being.” I believe that in expressing the harmonious accord between the inner being of man and the universe, Goethe wanted to say what the science of spirit sets out to formulate in clear, well-defined scientific terms—that man can experience in his inner being in various ways how his spirit-eternal nature exists in relation to the spirit-eternal nature of the outer world, and that the great harmony between the human individuality and the universe is actually present in the human soul.—For what makes the science of spirit into an absolute certainty? It is that the human being can take hold of his eternal nature by approaching the spirit of the world in all sincerity and truth as a spiritual being, the eternal spirit of the human being can take hold of the eternal spirit of the world.