The Human Being as a
Spirit and Soul Being
GA 71b
26 February 1918, Nuremberg
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Der Mensch als Geist- und Seelenwesen
6. Die Offenbarungen des Unbewussten im Seelenleben vom geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkte
6. Die Offenbarungen des Unbewussten im Seelenleben vom geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkte
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Ich habe mir gestattet, gestern darauf hinzuweisen, dass vonseiten naturwissenschaftlicher Weltanschauung, der sich die hier gemeinte geisteswissenschaftliche Weltanschauung an die Seite stellen kann und muss, gegen die Art und die ganze Forschungsmethode dieser Geisteswissenschaft Antipathien herrschen, dass gewissermaßen ein gewisses subjektives Vorurteil vorhanden ist in der Gegenwart noch, welches ein wirkliches Eingehen und ein Verständnis dieser Geisteswissenschaft gerade bei denjenigen erschwert, welche glauben, auf dem festen Boden der Naturwissenschaft zu stehen — auf dem selbstverständlich auch die Geisteswissenschaft steht —, die aber der Meinung sind, dass von diesem Boden aus eine Brücke zu einer wirklichen Geisteswissenschaft nicht zu schlagen ist.
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Ich habe mir gestattet, gestern darauf hinzuweisen, dass vonseiten naturwissenschaftlicher Weltanschauung, der sich die hier gemeinte geisteswissenschaftliche Weltanschauung an die Seite stellen kann und muss, gegen die Art und die ganze Forschungsmethode dieser Geisteswissenschaft Antipathien herrschen, dass gewissermaßen ein gewisses subjektives Vorurteil vorhanden ist in der Gegenwart noch, welches ein wirkliches Eingehen und ein Verständnis dieser Geisteswissenschaft gerade bei denjenigen erschwert, welche glauben, auf dem festen Boden der Naturwissenschaft zu stehen — auf dem selbstverständlich auch die Geisteswissenschaft steht —, die aber der Meinung sind, dass von diesem Boden aus eine Brücke zu einer wirklichen Geisteswissenschaft nicht zu schlagen ist.
[ 2 ] Dennoch ging ja wohl auch aus meinen gestrigen Auseinandersetzungen eine Tatsache im Seelenleben der gegenwärtigen Menschheit hervor. Das ist die Tatsache, dass gerade die Vertiefung in die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse vom Gesichtspunkte der Gegenwart aus auf der anderen Seite die Sehnsucht hervorrufen muss, und sie auch hervorruft, über dasjenige im Menschen wirklich Aufschluss zu erlangen, welches hinausragt über das alltägliche, gewöhnliche Seelenleben, das ja gebunden sein muss an die Beobachtung und an das Erleben der physisch-sinnlichen Welt.
[ 2 ] Dennoch ging ja wohl auch aus meinen gestrigen Auseinandersetzungen eine Tatsache im Seelenleben der gegenwärtigen Menschheit hervor. Das ist die Tatsache, dass gerade die Vertiefung in die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse vom Gesichtspunkte der Gegenwart aus auf der anderen Seite die Sehnsucht hervorrufen muss, und sie auch hervorruft, über dasjenige im Menschen wirklich Aufschluss zu erlangen, welches hinausragt über das alltägliche, gewöhnliche Seelenleben, das ja gebunden sein muss an die Beobachtung und an das Erleben der physisch-sinnlichen Welt.
[ 3 ] Nun kann man allerdings sagen: Dasjenige, was allgemeine Weltanschauung geworden ist unter dem Einflusse naturwissenschaftlicher Vorstellungen und Ideen, das erweist sich im Grunde genommen immer unvermögender, mit anderen Forschungsarten sich zu beschäftigen als mit denjenigen, welche auf äußerlich-sinnlich Vorhandenes, auf Physisches hinweisen. Und so will man denn auch von gewisser Seite her das über das gewöhnliche Bewusstsein hinaus Liegende auf dieselbe sinnengemäße Weise erforschen — wenn man es schon erforschen will, wenn man nicht darauf verzichten will —, wie man die äußeren Naturtatsachen erforscht.
[ 3 ] Nun kann man allerdings sagen: Dasjenige, was allgemeine Weltanschauung geworden ist unter dem Einflusse naturwissenschaftlicher Vorstellungen und Ideen, das erweist sich im Grunde genommen immer unvermögender, mit anderen Forschungsarten sich zu beschäftigen als mit denjenigen, welche auf äußerlich-sinnlich Vorhandenes, auf Physisches hinweisen. Und so will man denn auch von gewisser Seite her das über das gewöhnliche Bewusstsein hinaus Liegende auf dieselbe sinnengemäße Weise erforschen — wenn man es schon erforschen will, wenn man nicht darauf verzichten will —, wie man die äußeren Naturtatsachen erforscht.
[ 4 ] Aus diesem Grunde, sehr verehrte Anwesende, hat es sich denn ergeben, dass ein gewisses Grenzgebiet menschlichen Erlebens in der neueren Zeit Berücksichtigung gefunden hat derjenigen, welche auf naturwissenschaftlichem Boden stehen bleiben wollen und welche dennoch in einer gewissen Weise in die Geheimnisse des menschlichen Seelenlebens einzudringen die Sehnsucht haben, innerhalb des bewussten Gebietes, das mehr oder weniger, wie ich schon sagte, an die Sinneswelt gebunden ist. Man hat sich allmählich davon überzeugt, dass man da die Geheimnisse des Seelenlebens nicht erforschen kann, dass in das Seelenleben des Menschen mannigfaltiges hineinwogt und hineinwallt aus unbekannten Tiefen oder, man könnte auch sagen, aus unbekannten Höhen, das geeignet ist, viel mehr Aufschluss zu geben über dasjenige, was eigentlich des Menschen Wesenskern ist, als dasjenige, was innerhalb des gewöhnlichen Bewusstseins ist. Da man aber im Allgemeinen gerade die Geisteswissenschaft, die hier gemeint ist, als etwas zu wenig Greifbares, wie viele sagen, als etwas zu sehr von der äußeren Wirklichkeit Abführendes ansieht, so will man eben eine Art Grenzgebiet erforschen — erforschen, ich möchte sagen, auf naturwissenschaftlich-sinnliche Weise.
[ 4 ] Aus diesem Grunde, sehr verehrte Anwesende, hat es sich denn ergeben, dass ein gewisses Grenzgebiet menschlichen Erlebens in der neueren Zeit Berücksichtigung gefunden hat derjenigen, welche auf naturwissenschaftlichem Boden stehen bleiben wollen und welche dennoch in einer gewissen Weise in die Geheimnisse des menschlichen Seelenlebens einzudringen die Sehnsucht haben, innerhalb des bewussten Gebietes, das mehr oder weniger, wie ich schon sagte, an die Sinneswelt gebunden ist. Man hat sich allmählich davon überzeugt, dass man da die Geheimnisse des Seelenlebens nicht erforschen kann, dass in das Seelenleben des Menschen mannigfaltiges hineinwogt und hineinwallt aus unbekannten Tiefen oder, man könnte auch sagen, aus unbekannten Höhen, das geeignet ist, viel mehr Aufschluss zu geben über dasjenige, was eigentlich des Menschen Wesenskern ist, als dasjenige, was innerhalb des gewöhnlichen Bewusstseins ist. Da man aber im Allgemeinen gerade die Geisteswissenschaft, die hier gemeint ist, als etwas zu wenig Greifbares, wie viele sagen, als etwas zu sehr von der äußeren Wirklichkeit Abführendes ansieht, so will man eben eine Art Grenzgebiet erforschen — erforschen, ich möchte sagen, auf naturwissenschaftlich-sinnliche Weise.
[ 5 ] Daher hat Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, allen Grund, nun von ihrem Gesichtspunkte aus auf dieses Grenzgebiet hinzuweisen, dieses Grenzgebiet von ihrem Gesichtspunkt aus zu behandeln. Es ist dasjenige Gebiet, welches man gewöhnt worden ist in der neueren Zeit und in der Gegenwart, das Gebiet des Unbewussten zu nennen. Dieses Gebiet des Unbewussten, es wird ja immer wieder und wiederum von ihm gesprochen. Es ist auch noch aus dem Grunde für die Geisteswissenschaft, die hier vertreten wird, ganz besonders wichtig, Betrachtungen anzustellen über dieses Gebiet des Unbewussten, weil manches, was auf diesem Felde zutage tritt, so aufgefasst wird und weil andererseits die Geisteswissenschaft so aufgefasst wird, dass sie verwechselt wird mit dem, was von der einen oder anderen Seite mehr oder weniger berechtigt über dieses Grenzgebiet vorgebracht wird.
[ 5 ] Daher hat Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, allen Grund, nun von ihrem Gesichtspunkte aus auf dieses Grenzgebiet hinzuweisen, dieses Grenzgebiet von ihrem Gesichtspunkt aus zu behandeln. Es ist dasjenige Gebiet, welches man gewöhnt worden ist in der neueren Zeit und in der Gegenwart, das Gebiet des Unbewussten zu nennen. Dieses Gebiet des Unbewussten, es wird ja immer wieder und wiederum von ihm gesprochen. Es ist auch noch aus dem Grunde für die Geisteswissenschaft, die hier vertreten wird, ganz besonders wichtig, Betrachtungen anzustellen über dieses Gebiet des Unbewussten, weil manches, was auf diesem Felde zutage tritt, so aufgefasst wird und weil andererseits die Geisteswissenschaft so aufgefasst wird, dass sie verwechselt wird mit dem, was von der einen oder anderen Seite mehr oder weniger berechtigt über dieses Grenzgebiet vorgebracht wird.
[ 6 ] Unter dem Unbewussten versteht man ja im Allgemeinen dasjenige, was in das bewusste Leben aus unbekannten Gebieten hereinwogt und hereinströmt. Es würde natürlich sehr lange Zeit in Anspruch nehmen, wenn ich wollte alles dasjenige auch nur skizzierend kennzeichnen, was über dieses Gebiet des Unbewussten in der neuesten Zeit in der Wissenschaft über das ganze Erdenrund hin in reichlichem Maße vorgebracht worden ist. Innerhalb unseres mitteleuropäischen Kulturlebens ist ja der Ausdruck «das Unbewusste» seit den Sechzigerjahren schon bekannt geworden durch die mehr oder weniger populäre Philosophie Eduard von Hartmanns, der die Gründe zu alledem, was der Mensch bewusst erlebt, in einem geistig Unbewussten, sei es unterbewusst, sei es überbewusst, sucht.
[ 6 ] Unter dem Unbewussten versteht man ja im Allgemeinen dasjenige, was in das bewusste Leben aus unbekannten Gebieten hereinwogt und hereinströmt. Es würde natürlich sehr lange Zeit in Anspruch nehmen, wenn ich wollte alles dasjenige auch nur skizzierend kennzeichnen, was über dieses Gebiet des Unbewussten in der neuesten Zeit in der Wissenschaft über das ganze Erdenrund hin in reichlichem Maße vorgebracht worden ist. Innerhalb unseres mitteleuropäischen Kulturlebens ist ja der Ausdruck «das Unbewusste» seit den Sechzigerjahren schon bekannt geworden durch die mehr oder weniger populäre Philosophie Eduard von Hartmanns, der die Gründe zu alledem, was der Mensch bewusst erlebt, in einem geistig Unbewussten, sei es unterbewusst, sei es überbewusst, sucht.
[ 7 ] Wenn ich einleitungsweise, sehr verehrte Anwesende, eine persönliche Bemerkung machen darf, so ist es diese: dass gegenüber der Art, wie sich Eduard von Hartmann dem Geistesleben, das für das gewöhnliche Bewusstsein unbewusst bleiben soll, nähert — dass diese Art Eduard von Hartmanns, trotzdem sie auf Geistiges geht, trotzdem sie in der physisch-sinnlichen Welt eine Offenbarung des Unbewussten sieht, des GeistigUnbewaussten sieht —, dass diese Weltanschauung Eduard von Hartmanns auch diametral entgegengesetzt ist in einer gewissen Weise derjenigen Weltanschauung, die hier von mir vertreten wird. Und ich habe versucht, schon in den Achtzigerjahren des neunzehnten Jahrhunderts durch meine persönliche Bekanntschaft mit Eduard von Hartmann mich auch brieflich mit ihm über diese Dinge sehr eingehend auseinanderzusetzen; [ich] habe versucht, zu zeigen, welcher Unterschied besteht zwischen dieser anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft und der Weltanschauung, die auf das Unbewusste begründet ist, zum Beispiel Eduard von Hartmanns. Ich habe diesen Unterschied, ich möchte sagen, mit einer persönlichen Note im Februarheft des zweiten Jahrganges der Zeitschrift «Das Reich» kürzlich besprochen. Dasjenige, was da ausführlich erörtert ist, das möchte ich, weil das hier genügt, mit ein paar Worten andeuten. Eduard von Hartmann weist darauf hin, dass allem, was der Mensch durch sein gewöhnliches Leben zeigen kann, ein geistig Unbewusstes zugrunde liegt. Aber er ist der Anschauung, dass dieses Unbewusste nur zu erreichen ist durch die logische Urteilskraft, die schließt von dem Bewussten, dem sinnlich Wahrnehmbaren aus auf ein unbekannt Bleibendes, das nur begrifflich zu erreichen ist, in Hypothesen zu erfassen ist. Und er weist darauf hin, dass dieses Unbewusste für sich selber nicht in demselben Sinne bewusst ist, wie der Mensch zum Beispiel bewusst ist.
[ 7 ] Wenn ich einleitungsweise, sehr verehrte Anwesende, eine persönliche Bemerkung machen darf, so ist es diese: dass gegenüber der Art, wie sich Eduard von Hartmann dem Geistesleben, das für das gewöhnliche Bewusstsein unbewusst bleiben soll, nähert — dass diese Art Eduard von Hartmanns, trotzdem sie auf Geistiges geht, trotzdem sie in der physisch-sinnlichen Welt eine Offenbarung des Unbewussten sieht, des GeistigUnbewaussten sieht —, dass diese Weltanschauung Eduard von Hartmanns auch diametral entgegengesetzt ist in einer gewissen Weise derjenigen Weltanschauung, die hier von mir vertreten wird. Und ich habe versucht, schon in den Achtzigerjahren des neunzehnten Jahrhunderts durch meine persönliche Bekanntschaft mit Eduard von Hartmann mich auch brieflich mit ihm über diese Dinge sehr eingehend auseinanderzusetzen; [ich] habe versucht, zu zeigen, welcher Unterschied besteht zwischen dieser anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft und der Weltanschauung, die auf das Unbewusste begründet ist, zum Beispiel Eduard von Hartmanns. Ich habe diesen Unterschied, ich möchte sagen, mit einer persönlichen Note im Februarheft des zweiten Jahrganges der Zeitschrift «Das Reich» kürzlich besprochen. Dasjenige, was da ausführlich erörtert ist, das möchte ich, weil das hier genügt, mit ein paar Worten andeuten. Eduard von Hartmann weist darauf hin, dass allem, was der Mensch durch sein gewöhnliches Leben zeigen kann, ein geistig Unbewusstes zugrunde liegt. Aber er ist der Anschauung, dass dieses Unbewusste nur zu erreichen ist durch die logische Urteilskraft, die schließt von dem Bewussten, dem sinnlich Wahrnehmbaren aus auf ein unbekannt Bleibendes, das nur begrifflich zu erreichen ist, in Hypothesen zu erfassen ist. Und er weist darauf hin, dass dieses Unbewusste für sich selber nicht in demselben Sinne bewusst ist, wie der Mensch zum Beispiel bewusst ist.
[ 8 ] Nach diesen beiden Richtungen hin unterscheidet sich Geisteswissenschaft ganz diametral von dieser Anschauung Eduard von Hartmanns: Erstens ist diese Geisteswissenschaft begründet darauf, dass der Mensch nicht nur — ich habe gestern ausführlicher das Nähere auseinandergesetzt und auf Bücher hingewiesen, die Belege dafür liefern —, dass diese Geisteswissenschaft nicht bloß will eindringen in das geistige Gebiet durch Hypothesen und logische Schlussfolgerungen, sondern dadurch, dass gewisse in der Seele liegende, schlummernde Kräfte, welche für das gewöhnliche Bewusstsein allerdings unterbewusst bleiben, aus der Seele heraufgeholt werden; Kräfte, welche durch Erstarkung, durch Erkraftung des Seelenlebens heraufgeholt werden in das Bewusstsein; dass diese unterbewussten Seelenkräfte in das Bewusstsein des Menschen eintreten können, sodass der Mensch voll bewusst, nicht durch Hypothesen, nicht bloß durch logische Schlussfolgerungen, sondern durch geistige Beobachtung voll bewusst den Weg gehen kann von der sinnlichen in die übersinnliche Welt, sodass er diese übersinnliche Welt ebenso, wenn auch geistig, aber ebenso beobachten kann, wie die sinnliche Welt zu beobachten ist.
[ 8 ] Nach diesen beiden Richtungen hin unterscheidet sich Geisteswissenschaft ganz diametral von dieser Anschauung Eduard von Hartmanns: Erstens ist diese Geisteswissenschaft begründet darauf, dass der Mensch nicht nur — ich habe gestern ausführlicher das Nähere auseinandergesetzt und auf Bücher hingewiesen, die Belege dafür liefern —, dass diese Geisteswissenschaft nicht bloß will eindringen in das geistige Gebiet durch Hypothesen und logische Schlussfolgerungen, sondern dadurch, dass gewisse in der Seele liegende, schlummernde Kräfte, welche für das gewöhnliche Bewusstsein allerdings unterbewusst bleiben, aus der Seele heraufgeholt werden; Kräfte, welche durch Erstarkung, durch Erkraftung des Seelenlebens heraufgeholt werden in das Bewusstsein; dass diese unterbewussten Seelenkräfte in das Bewusstsein des Menschen eintreten können, sodass der Mensch voll bewusst, nicht durch Hypothesen, nicht bloß durch logische Schlussfolgerungen, sondern durch geistige Beobachtung voll bewusst den Weg gehen kann von der sinnlichen in die übersinnliche Welt, sodass er diese übersinnliche Welt ebenso, wenn auch geistig, aber ebenso beobachten kann, wie die sinnliche Welt zu beobachten ist.
[ 9 ] Geisteswissenschaft stellt also dar nicht den hypothetischen, sondern den wirklich erlebbaren Weg aus dem Sinnlichen in das Übersinnliche hinein. Und auf der anderen Seite muss Geisteswissenschaft betonen, dass ja ein unbewusstes Geistiges, in dem selber kein Bewusstsein zu finden wäre, im Grunde genommen nicht viel mehr wert ist als das große unbewusste Reich der rein materiellen Atome und ihrer Vorgänge, der rein physikalischen Grundlage des Daseins. Was wäre schließlich ein Geistiges, das dem Sinnlichen wirklich zugrunde liegen soll, wenn der Mensch als einzelnes bewusstes Wesen sich herausheben würde aus einer Welt, die in Bezug auf die Bewusstheit auch nicht höherwertig wäre als die unbewusste Welt der rein physikalischen Erscheinungen? — So weist Geisteswissenschaft nicht hin auf ein solches Unbewusstes, das an sich die Unbewusstheit trägt, sondern Geisteswissenschaft weist hin auf geistige Wesenheiten, die hinter der physischen Welt stehen, die ebenso bewusst sind wie der Mensch selbst, in vieler Beziehung sogar ein höheres Bewusstsein haben als der Mensch selbst.
[ 9 ] Geisteswissenschaft stellt also dar nicht den hypothetischen, sondern den wirklich erlebbaren Weg aus dem Sinnlichen in das Übersinnliche hinein. Und auf der anderen Seite muss Geisteswissenschaft betonen, dass ja ein unbewusstes Geistiges, in dem selber kein Bewusstsein zu finden wäre, im Grunde genommen nicht viel mehr wert ist als das große unbewusste Reich der rein materiellen Atome und ihrer Vorgänge, der rein physikalischen Grundlage des Daseins. Was wäre schließlich ein Geistiges, das dem Sinnlichen wirklich zugrunde liegen soll, wenn der Mensch als einzelnes bewusstes Wesen sich herausheben würde aus einer Welt, die in Bezug auf die Bewusstheit auch nicht höherwertig wäre als die unbewusste Welt der rein physikalischen Erscheinungen? — So weist Geisteswissenschaft nicht hin auf ein solches Unbewusstes, das an sich die Unbewusstheit trägt, sondern Geisteswissenschaft weist hin auf geistige Wesenheiten, die hinter der physischen Welt stehen, die ebenso bewusst sind wie der Mensch selbst, in vieler Beziehung sogar ein höheres Bewusstsein haben als der Mensch selbst.
[ 10 ] Das ist dasjenige, was radikal unterscheidet mit Bezug auf das Unbewusste die Auffassung der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft von einer solchen Anschauung, wie die Eduard von Hartmanns ist, die ja im Grunde genommen von vielen heute geteilt wird; die von vielen in der gleichen Weise, auch wenn sie auf naturwissenschaftlichem Standpunkte stehen bleiben wollen, doch vertreten wird. Nun werden wir gerade heute Gelegenheit haben, indem wir diejenigen unbewussten Erscheinungen im menschlichen Seelenleben ins Auge fassen, die in einer unvollkommeneren Weise in das Bewusstsein hineindringen als die Geistesforschung selbst, wir werden Gelegenheit haben, indem wir diese unbewussten Erscheinungen in ihren Offenbarungen ins Auge fassen, gerade dadurch zu zeigen, in welcher Art Geistesforschung wirklich in das Gebiet des geistigen Lebens eindringen kann.
[ 10 ] Das ist dasjenige, was radikal unterscheidet mit Bezug auf das Unbewusste die Auffassung der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft von einer solchen Anschauung, wie die Eduard von Hartmanns ist, die ja im Grunde genommen von vielen heute geteilt wird; die von vielen in der gleichen Weise, auch wenn sie auf naturwissenschaftlichem Standpunkte stehen bleiben wollen, doch vertreten wird. Nun werden wir gerade heute Gelegenheit haben, indem wir diejenigen unbewussten Erscheinungen im menschlichen Seelenleben ins Auge fassen, die in einer unvollkommeneren Weise in das Bewusstsein hineindringen als die Geistesforschung selbst, wir werden Gelegenheit haben, indem wir diese unbewussten Erscheinungen in ihren Offenbarungen ins Auge fassen, gerade dadurch zu zeigen, in welcher Art Geistesforschung wirklich in das Gebiet des geistigen Lebens eindringen kann.
[ 11 ] Das allerdings muss ich heute, sehr verehrte Anwesende, voraussetzen, dass durch gewisse, gestern prinzipiell geschilderte innere Seelenvorgänge — wenn man pedantisch sein will, kann man sie Übungen nennen —, dass durch solche Seelenvorgänge dasjenige, was gewöhnliches Seelenleben ist, auch dasjenige, was nur mystisches Seelenleben ist, so behandelt werden kann, dass der Mensch von diesem Seelenleben heraus zu einem Geistigen aufsteigt — wie er auf der anderen Seite durch naturwissenschaftliche Betrachtung von dem Seelischen heruntersteigt zu dem Leiblichen — hinaufsteigt zur Anschauung des Geistigen. Wenn man dann diese Anschauung des Geistigen, ich möchte sagen — um diesen Goethe’sehen Ausdruck wieder zu gebrauchen —, wenn man dann die «Geistesaugen» und «Geistesohren» heranerzogen hat im Seelenleben, dann ist man imstande, in einer ganz anderen Weise zu überschauen, von seinem also gewonnenen Gesichtspunkte aus zu überschauen dasjenige, was sonst aus unbekannten Tiefen oder auch aus unbekannten Höhen hereinspielt in das bewusste menschliche Seelenleben.
[ 11 ] Das allerdings muss ich heute, sehr verehrte Anwesende, voraussetzen, dass durch gewisse, gestern prinzipiell geschilderte innere Seelenvorgänge — wenn man pedantisch sein will, kann man sie Übungen nennen —, dass durch solche Seelenvorgänge dasjenige, was gewöhnliches Seelenleben ist, auch dasjenige, was nur mystisches Seelenleben ist, so behandelt werden kann, dass der Mensch von diesem Seelenleben heraus zu einem Geistigen aufsteigt — wie er auf der anderen Seite durch naturwissenschaftliche Betrachtung von dem Seelischen heruntersteigt zu dem Leiblichen — hinaufsteigt zur Anschauung des Geistigen. Wenn man dann diese Anschauung des Geistigen, ich möchte sagen — um diesen Goethe’sehen Ausdruck wieder zu gebrauchen —, wenn man dann die «Geistesaugen» und «Geistesohren» heranerzogen hat im Seelenleben, dann ist man imstande, in einer ganz anderen Weise zu überschauen, von seinem also gewonnenen Gesichtspunkte aus zu überschauen dasjenige, was sonst aus unbekannten Tiefen oder auch aus unbekannten Höhen hereinspielt in das bewusste menschliche Seelenleben.
[ 12 ] Nun, die Grenzgebiete, um die es sich handelt, sie sind ja ein weites Feld. Ich will heute nur einige von diesen Grenzgebieten herausheben, die aber ein gewisses Licht werfen können auf alles übrige Unbewusste im menschlichen Seelenleben und seine Offenbarungen. Ich will herausheben dasjenige, was zunächst jedem Menschen bekannt ist, gut bekannt ist, was aber sich doch rätselhaft in das menschliche Dasein hineinstellt; ich will behandeln dasjenige, was die menschliche Traumwelt darstellt. Und ich will dann weiter behandeln dasjenige Gebiet, welches in der neueren Zeit, man könnte sagen, das Schoßkind geworden ist aller derjenigen, die in die geistige, die übersinnliche Welt eindringen wollen und die sich davor scheuen, wirkliche Geisteswissenschaft zu treiben, das weite Gebiet desjenigen, was man Somnambulismus und die mit demselben verwandten Mediumschaft und dergleichen nennt. Ich will dann hinweisen auf ein anderes Gebiet, von dem ja wohl hinlänglich bekannt ist, dass es aus unbewussten Untergründen des Seelenlebens hervorsprudelt, wenn es in seiner Wahrheit auftritt; ich will mit einigen Strichen behandeln das Gebiet des künstlerischen Genießens, des künstlerischen Schaffens. Und ich möchte dann hinweisen auf ein Gebiet, das vielleicht von manchem nicht dem Unbewussten und seinen Offenbarungen zugerechnet wird, das aber — zum Mindesten für jeden, der es vernünftig betrachtet — als etwas Halbbewusstes wenigstens in das menschliche Leben hinein sich erstreckt, das Gebiet des menschlichen Schicksals, und dieses Gebiet behandeln vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft aus, vom Gesichtspunkte des wirklichen und wahren Hellsehens aus.
[ 12 ] Nun, die Grenzgebiete, um die es sich handelt, sie sind ja ein weites Feld. Ich will heute nur einige von diesen Grenzgebieten herausheben, die aber ein gewisses Licht werfen können auf alles übrige Unbewusste im menschlichen Seelenleben und seine Offenbarungen. Ich will herausheben dasjenige, was zunächst jedem Menschen bekannt ist, gut bekannt ist, was aber sich doch rätselhaft in das menschliche Dasein hineinstellt; ich will behandeln dasjenige, was die menschliche Traumwelt darstellt. Und ich will dann weiter behandeln dasjenige Gebiet, welches in der neueren Zeit, man könnte sagen, das Schoßkind geworden ist aller derjenigen, die in die geistige, die übersinnliche Welt eindringen wollen und die sich davor scheuen, wirkliche Geisteswissenschaft zu treiben, das weite Gebiet desjenigen, was man Somnambulismus und die mit demselben verwandten Mediumschaft und dergleichen nennt. Ich will dann hinweisen auf ein anderes Gebiet, von dem ja wohl hinlänglich bekannt ist, dass es aus unbewussten Untergründen des Seelenlebens hervorsprudelt, wenn es in seiner Wahrheit auftritt; ich will mit einigen Strichen behandeln das Gebiet des künstlerischen Genießens, des künstlerischen Schaffens. Und ich möchte dann hinweisen auf ein Gebiet, das vielleicht von manchem nicht dem Unbewussten und seinen Offenbarungen zugerechnet wird, das aber — zum Mindesten für jeden, der es vernünftig betrachtet — als etwas Halbbewusstes wenigstens in das menschliche Leben hinein sich erstreckt, das Gebiet des menschlichen Schicksals, und dieses Gebiet behandeln vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft aus, vom Gesichtspunkte des wirklichen und wahren Hellsehens aus.
[ 13 ] Den Ausdruck «Hellsehen» gebrauche ich ungern, weil er eben vermengt wird mit allem möglichen dilettantischem und sonstigem Zeug; aber in der Anwendung, die ich heute von ihm machen will, rechtfertigt er sich vielleicht aus der Sache selbst heraus. Ich will hinweisen auf das, was das Gebiet der Geistesforschung selbst ist, die ja gerade berufen sein will, das geistig Unbewusste hereinzuholen in das Bewusstsein. Und weil ich will, dass die anderen Erscheinungen des Unbewussten, die ich zunächst nur genannt habe und nachher deutlich charakterisieren will geisteswissenschaftlich — der Kürze der Zeit halber muss ich heute davon absehen, die Dinge auch naturwissenschaftlich zu charakterisieren —, weil diese Erscheinungen geisteswissenschaftlich charakterisiert werden können, gerade vonseiten der geisteswissenschaftlichen Methode aus selber, so möchte ich zuerst einige charakteristische Eigenschaften des wirklichen Erlebens der übersinnlichen geistigen Welt durch den Geistesforscher vorausschicken.
[ 13 ] Den Ausdruck «Hellsehen» gebrauche ich ungern, weil er eben vermengt wird mit allem möglichen dilettantischem und sonstigem Zeug; aber in der Anwendung, die ich heute von ihm machen will, rechtfertigt er sich vielleicht aus der Sache selbst heraus. Ich will hinweisen auf das, was das Gebiet der Geistesforschung selbst ist, die ja gerade berufen sein will, das geistig Unbewusste hereinzuholen in das Bewusstsein. Und weil ich will, dass die anderen Erscheinungen des Unbewussten, die ich zunächst nur genannt habe und nachher deutlich charakterisieren will geisteswissenschaftlich — der Kürze der Zeit halber muss ich heute davon absehen, die Dinge auch naturwissenschaftlich zu charakterisieren —, weil diese Erscheinungen geisteswissenschaftlich charakterisiert werden können, gerade vonseiten der geisteswissenschaftlichen Methode aus selber, so möchte ich zuerst einige charakteristische Eigenschaften des wirklichen Erlebens der übersinnlichen geistigen Welt durch den Geistesforscher vorausschicken.
[ 14 ] Es handelt sich darum, wenn die menschliche Seele bei dem Geistesforscher wirklich sich so weit gebracht hat, einer geistigen Welt so gegenüberzustehen, wie man mit sinnlich-physischen Augen und Ohren und den anderen Sinnesorganen der sinnlich-physischen Welt gegenübersteht, dass dann der Mensch die geistige Welt wahrnimmt und ihre Beziehungen zur sinnlich-physischen Welt in einer gewissen Weise feststellen kann.
[ 14 ] Es handelt sich darum, wenn die menschliche Seele bei dem Geistesforscher wirklich sich so weit gebracht hat, einer geistigen Welt so gegenüberzustehen, wie man mit sinnlich-physischen Augen und Ohren und den anderen Sinnesorganen der sinnlich-physischen Welt gegenübersteht, dass dann der Mensch die geistige Welt wahrnimmt und ihre Beziehungen zur sinnlich-physischen Welt in einer gewissen Weise feststellen kann.
[ 15 ] Ich habe gestern darauf aufmerksam gemacht, dass es wahrhaftig recht unbegründet ist, wenn von dieser oder jener Seite der Einwand erhoben wird gegen Geisteswissenschaft, dass dasjenige, was sie vorbringt, eigentlich etwas aus der sinnlich-physischen Welt Zusammengetragenes und in die geistige Welt Hinauferträumtes sei. Und ich habe darauf aufmerksam gemacht, dass derjenige, der die geisteswissenschaftlichen Methoden gewissenhaft durch Jahre angewendet hat, weiß, wie oft und oft er in die Lage kommt, dass dasjenige, was er erlebt in der geistigen Welt, sich als ganz anders darstellt als irgendetwas, was in der physisch-sinnlichen Welt im Reiche der Vergänglichkeit erlebt werden kann. Er weiß, dass ihm das klar ist, dass mit all den Vorstellungen und Ideen, die er sich aneignen konnte in der physisch-sinnlichen Welt, er nicht[s] machen kann in der geistigen Welt. Aber schon das Erleben der geistigen Welt selbst, die ganze Seelenstimmung und Seelenverfassung ist so, dass sie sich radikal unterscheidet von dem sonstigen Seelenleben. Und ich möchte einige charakteristische Eigenschaften dieses Erlebens im Geiste heute vorausschicken.
[ 15 ] Ich habe gestern darauf aufmerksam gemacht, dass es wahrhaftig recht unbegründet ist, wenn von dieser oder jener Seite der Einwand erhoben wird gegen Geisteswissenschaft, dass dasjenige, was sie vorbringt, eigentlich etwas aus der sinnlich-physischen Welt Zusammengetragenes und in die geistige Welt Hinauferträumtes sei. Und ich habe darauf aufmerksam gemacht, dass derjenige, der die geisteswissenschaftlichen Methoden gewissenhaft durch Jahre angewendet hat, weiß, wie oft und oft er in die Lage kommt, dass dasjenige, was er erlebt in der geistigen Welt, sich als ganz anders darstellt als irgendetwas, was in der physisch-sinnlichen Welt im Reiche der Vergänglichkeit erlebt werden kann. Er weiß, dass ihm das klar ist, dass mit all den Vorstellungen und Ideen, die er sich aneignen konnte in der physisch-sinnlichen Welt, er nicht[s] machen kann in der geistigen Welt. Aber schon das Erleben der geistigen Welt selbst, die ganze Seelenstimmung und Seelenverfassung ist so, dass sie sich radikal unterscheidet von dem sonstigen Seelenleben. Und ich möchte einige charakteristische Eigenschaften dieses Erlebens im Geiste heute vorausschicken.
[ 16 ] Man könnte natürlich immer, wenn man nur oberflächlich Kenntnis nimmt von dem, was hier als Geisteswissenschaft gemeint ist, sagen: Nun ja, der Geistesforscher lebt in einer Art von Selbsttäuschung; er kombiniert etwas, was er als Vorstellung in sich gebildet hat, und sieht darin, weil er vielleicht übersehen oder vergessen hat, wie er diese Vorstellungen aus der Sinneswelt gewonnen hat, er kombiniert etwas und sieht darin Offenbarungen einer geistigen Welt. — Ja, sehr verehrte Anwesende, wenn sich dasjenige, was der Geistesforscher erlebt als geistige Erfahrung, wenn sich das so verhielte wie aus der Sinneswelt gewonnene Vorstellungen und Ideen, dann könnten er und andere selbstverständlich misstrauisch werden gegen diese Geisteswissenschaft. Aber das ist nicht der Fall.
[ 16 ] Man könnte natürlich immer, wenn man nur oberflächlich Kenntnis nimmt von dem, was hier als Geisteswissenschaft gemeint ist, sagen: Nun ja, der Geistesforscher lebt in einer Art von Selbsttäuschung; er kombiniert etwas, was er als Vorstellung in sich gebildet hat, und sieht darin, weil er vielleicht übersehen oder vergessen hat, wie er diese Vorstellungen aus der Sinneswelt gewonnen hat, er kombiniert etwas und sieht darin Offenbarungen einer geistigen Welt. — Ja, sehr verehrte Anwesende, wenn sich dasjenige, was der Geistesforscher erlebt als geistige Erfahrung, wenn sich das so verhielte wie aus der Sinneswelt gewonnene Vorstellungen und Ideen, dann könnten er und andere selbstverständlich misstrauisch werden gegen diese Geisteswissenschaft. Aber das ist nicht der Fall.
[ 17 ] Gleich eine Grundeigenschaft desjenigen, was wir beobachten können alles in unseren Gedanken der sinnlichen Welt gegenüber, zeigt sich ganz anders gegenüber den wirklich geistigen Erlebnissen. Diejenigen Vorstellungen, die wir uns an der sinnlich-physischen Welt machen, sie prägen sich der Seele ein, und wir können uns nach einiger Zeit an diese Vorstellungen wieder erinnern, sie können aus dem Schatze unseres Gedächtnisses heraufgeholt werden. Die geistigen Erlebnisse, welche der Geistesforscher hat, die zeigen eine ganz andere Eigenschaft. Sie sind nicht als geistige Erlebnisse unmittelbar erinnerbar.
[ 17 ] Gleich eine Grundeigenschaft desjenigen, was wir beobachten können alles in unseren Gedanken der sinnlichen Welt gegenüber, zeigt sich ganz anders gegenüber den wirklich geistigen Erlebnissen. Diejenigen Vorstellungen, die wir uns an der sinnlich-physischen Welt machen, sie prägen sich der Seele ein, und wir können uns nach einiger Zeit an diese Vorstellungen wieder erinnern, sie können aus dem Schatze unseres Gedächtnisses heraufgeholt werden. Die geistigen Erlebnisse, welche der Geistesforscher hat, die zeigen eine ganz andere Eigenschaft. Sie sind nicht als geistige Erlebnisse unmittelbar erinnerbar.
[ 18 ] Dasjenige, was nach Heranerziehung der Seele zum geistigen Schauen wirklich als geistige Erlebnisse vor die Seele hintritt, das ist nicht eine bloße Vorstellung. Denn eine bloße Vorstellung kann dem Gedächtnisse einverleibt werden, dieses geistige Erlebnis aber als solches kann nicht der Seele unmittelbar als Erinnerung einverleibt werden, sondern das geistige Erlebnis selber ist so vergangen, wie vergangen ist für uns die unmittelbare Anschauung eines Baumes, den wir eine gewisse Zeit hindurch angesehen haben, von dem wir weggegangen sind; wir müssen wieder zu ihm hingehen, um ihn selber in seiner Wirklichkeit zu sehen. Die bloße Vorstellung erhalten wir im Gedächtnis, den wirklichen Baum, zu dem müssen wir wiederum uns begeben, wenn wir ihn vor uns haben wollen. So wie wenn wir vom Baume weggegangen sind, der Baum nicht mehr vor der Seele lebt, so lebt das geistige Erlebnis nicht mehr vor der Seele, wenn wir es abgeschlossen gehabt haben. Daraus geht hervor, sehr verehrte Anwesende, dass es sich bei dem geistigen Erleben nicht um ein bloßes Kombinieren von Vorstellungen, Ideen und Gedanken handelt, denn die können erinnert werden. Nun könnte man sagen: Ja, wie ist es denn dann überhaupt, dann könnte man ja niemals von einem solchen geistigen Erlebnis berichten, wenn es vergessen werden müsste; dann könnte man ja niemals etwas darüber sagen, denn es würde eben, nachdem es erlebt worden ist, aus dem menschlichen Seelenleben verschwunden sein. — So ist die Sache aber nicht. Geradeso, wie wir uns Vorstellungen bilden können von einer sinnlichen Wirklichkeit, einer sinnlichen Wesenheit oder einem sinnlichen Vorgang und die Vorstellung dann behalten können, so kann der Geistesforscher sich Vorstellungen bilden von demjenigen, was er geistig erlebt hat; und diese Vorstellung, die ist dann erinnerbar. Und darauf kommt es an, dass in wirklich innerem Erleben der Geistesforscher seine Erlebnisse unterscheiden kann von den Vorstellungen, die er sich darüber gemacht hat, wie man im äußeren Erleben unterscheiden kann die sinnliche Wahrnehmung von der Vorstellung, die man von ihr davonträgt.
[ 18 ] Dasjenige, was nach Heranerziehung der Seele zum geistigen Schauen wirklich als geistige Erlebnisse vor die Seele hintritt, das ist nicht eine bloße Vorstellung. Denn eine bloße Vorstellung kann dem Gedächtnisse einverleibt werden, dieses geistige Erlebnis aber als solches kann nicht der Seele unmittelbar als Erinnerung einverleibt werden, sondern das geistige Erlebnis selber ist so vergangen, wie vergangen ist für uns die unmittelbare Anschauung eines Baumes, den wir eine gewisse Zeit hindurch angesehen haben, von dem wir weggegangen sind; wir müssen wieder zu ihm hingehen, um ihn selber in seiner Wirklichkeit zu sehen. Die bloße Vorstellung erhalten wir im Gedächtnis, den wirklichen Baum, zu dem müssen wir wiederum uns begeben, wenn wir ihn vor uns haben wollen. So wie wenn wir vom Baume weggegangen sind, der Baum nicht mehr vor der Seele lebt, so lebt das geistige Erlebnis nicht mehr vor der Seele, wenn wir es abgeschlossen gehabt haben. Daraus geht hervor, sehr verehrte Anwesende, dass es sich bei dem geistigen Erleben nicht um ein bloßes Kombinieren von Vorstellungen, Ideen und Gedanken handelt, denn die können erinnert werden. Nun könnte man sagen: Ja, wie ist es denn dann überhaupt, dann könnte man ja niemals von einem solchen geistigen Erlebnis berichten, wenn es vergessen werden müsste; dann könnte man ja niemals etwas darüber sagen, denn es würde eben, nachdem es erlebt worden ist, aus dem menschlichen Seelenleben verschwunden sein. — So ist die Sache aber nicht. Geradeso, wie wir uns Vorstellungen bilden können von einer sinnlichen Wirklichkeit, einer sinnlichen Wesenheit oder einem sinnlichen Vorgang und die Vorstellung dann behalten können, so kann der Geistesforscher sich Vorstellungen bilden von demjenigen, was er geistig erlebt hat; und diese Vorstellung, die ist dann erinnerbar. Und darauf kommt es an, dass in wirklich innerem Erleben der Geistesforscher seine Erlebnisse unterscheiden kann von den Vorstellungen, die er sich darüber gemacht hat, wie man im äußeren Erleben unterscheiden kann die sinnliche Wahrnehmung von der Vorstellung, die man von ihr davonträgt.
[ 19 ] Das hierauf Bezügliche zeigt sich noch in einer anderen Art: Will man ein geistiges Erlebnis ein zweites, ein drittes Mal in derselben Weise haben, so genügt es nicht, sich daran zu erinnern, das heißt die Vorstellung davon wiederum hervorzurufen. Denn man ist sich dann klar darüber: Man hat nicht das vollinhaltliche Erlebnis, sondern nur die blasse Vorstellung davon. Will man vor dem geistigen Erlebnis wieder stehen, so muss man die verborgen schlummernden Kräfte der Seele neuerdings wachrufen, muss sich neuerdings vor dieses Erlebnis stellen. Und gewissen besonders charakteristischen Erscheinungen der geistigen Welt gegenüber ist es so, dass man sich nur erinnern kann an die Art, wie man zu dem Erlebnis gekommen ist; dann kann man diese Art wieder hervorrufen; man kann es ein zweites, ein drittes, ein viertes Mal haben, aber davon kann keine Rede sein, dass das Erlebnis denselben Gesetzen unterliegt, dem die bloße Vorstellungsart unterliegt. — Das ist das eine. Sie sehen daraus, dass der Geistesforscher kein Träumer, kein Phantast ist, dass er sich voll klar ist durch innere Selbstbeobachtung über dasjenige, was ihn zu seinen wirklichen Erkenntnissen eigentlich führt.
[ 19 ] Das hierauf Bezügliche zeigt sich noch in einer anderen Art: Will man ein geistiges Erlebnis ein zweites, ein drittes Mal in derselben Weise haben, so genügt es nicht, sich daran zu erinnern, das heißt die Vorstellung davon wiederum hervorzurufen. Denn man ist sich dann klar darüber: Man hat nicht das vollinhaltliche Erlebnis, sondern nur die blasse Vorstellung davon. Will man vor dem geistigen Erlebnis wieder stehen, so muss man die verborgen schlummernden Kräfte der Seele neuerdings wachrufen, muss sich neuerdings vor dieses Erlebnis stellen. Und gewissen besonders charakteristischen Erscheinungen der geistigen Welt gegenüber ist es so, dass man sich nur erinnern kann an die Art, wie man zu dem Erlebnis gekommen ist; dann kann man diese Art wieder hervorrufen; man kann es ein zweites, ein drittes, ein viertes Mal haben, aber davon kann keine Rede sein, dass das Erlebnis denselben Gesetzen unterliegt, dem die bloße Vorstellungsart unterliegt. — Das ist das eine. Sie sehen daraus, dass der Geistesforscher kein Träumer, kein Phantast ist, dass er sich voll klar ist durch innere Selbstbeobachtung über dasjenige, was ihn zu seinen wirklichen Erkenntnissen eigentlich führt.
[ 20 ] Ein Zweites ist, dass sich ein geisteswissenschaftliches Erlebnis zu unserem Seelenleben in einer ganz anderen Weise verhält als ein anderes Erlebnis, das das gewöhnliche Bewusstsein hier in der physisch-sinnlichen Welt durchmacht. Was wäre unser ganzes physisches Leben, wenn wir uns nicht gewisse Geschicklichkeiten, gewisse Gewohnheiten aneignen könnten, wenn wir nicht in der Lage wären, nachdem wir irgendetwas getrieben haben, wenn wir es das zweite Mal treiben wollen, es besser zu können, wenn uns nichts nützen würde die Wiederholung irgendeiner Verrichtung? Die Wiederholung einer Verrichtung, sie wird als eine Gewohnheit unserem gewöhnlichen Erleben einverleibt. Geistige Erlebnisse können nicht in derselben Weise gewohnheitsgemäß dem Seelenleben einverleibt werden.
[ 20 ] Ein Zweites ist, dass sich ein geisteswissenschaftliches Erlebnis zu unserem Seelenleben in einer ganz anderen Weise verhält als ein anderes Erlebnis, das das gewöhnliche Bewusstsein hier in der physisch-sinnlichen Welt durchmacht. Was wäre unser ganzes physisches Leben, wenn wir uns nicht gewisse Geschicklichkeiten, gewisse Gewohnheiten aneignen könnten, wenn wir nicht in der Lage wären, nachdem wir irgendetwas getrieben haben, wenn wir es das zweite Mal treiben wollen, es besser zu können, wenn uns nichts nützen würde die Wiederholung irgendeiner Verrichtung? Die Wiederholung einer Verrichtung, sie wird als eine Gewohnheit unserem gewöhnlichen Erleben einverleibt. Geistige Erlebnisse können nicht in derselben Weise gewohnheitsgemäß dem Seelenleben einverleibt werden.
[ 21 ] Zu ihrer Überraschung machen diese Erfahrung viele, welche Anfänger sind im geistigen Erleben. Man kann verhältnismäßig leicht — ich sage verhältnismäßig leicht —, wenn man die gestern, prinzipiell in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» genauer geschilderten Seelenübungen durchmacht, man kann verhältnismäßig rasch zu gewissen anfänglichen Erlebnissen der geistigen Welt kommen; und Anfänger sind dann überglücklich, wenn sie erste Erlebnisse geistiger Art wirklich haben. Aber sie sind dann umso mehr überrascht, wenn diese geistigen Erlebnisse nicht in leichter Weise oder überhaupt nicht wiederholt werden können. Und in der Tat, man kann sich, wenn man in so leichter Weise solche geistigen Erfahrungen macht, immer wieder und wiederum anstrengen, man kann sich grämen darüber, dass man einmal das oder jenes erlebt hat, aber man kann das Erlebnis nicht ohne Weiteres wieder hervorrufen; man wird nicht dazu geschickter. In Gewohnheit lässt sich nicht umsetzen dasjenige, was man vom Geiste aus erlebt. Im Gegenteil. Es wird bei Wiederholung immer schwieriger, diese Wiederholung zu machen. Und gerade darin besteht ein Teil desjenigen, was man zu üben hat, dass, wenn man wünscht, gewisse Erlebnisse wiederholt zu machen, man ganz anders geartete Anstrengungen das zweite, dritte Mal wiederum nötig hat. Im ganz entgegengesetzten Sinne abstumpfend, die Gewohnheit austreibend, verhält sich das geistige Erleben zum physischen Erleben.
[ 21 ] Zu ihrer Überraschung machen diese Erfahrung viele, welche Anfänger sind im geistigen Erleben. Man kann verhältnismäßig leicht — ich sage verhältnismäßig leicht —, wenn man die gestern, prinzipiell in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» genauer geschilderten Seelenübungen durchmacht, man kann verhältnismäßig rasch zu gewissen anfänglichen Erlebnissen der geistigen Welt kommen; und Anfänger sind dann überglücklich, wenn sie erste Erlebnisse geistiger Art wirklich haben. Aber sie sind dann umso mehr überrascht, wenn diese geistigen Erlebnisse nicht in leichter Weise oder überhaupt nicht wiederholt werden können. Und in der Tat, man kann sich, wenn man in so leichter Weise solche geistigen Erfahrungen macht, immer wieder und wiederum anstrengen, man kann sich grämen darüber, dass man einmal das oder jenes erlebt hat, aber man kann das Erlebnis nicht ohne Weiteres wieder hervorrufen; man wird nicht dazu geschickter. In Gewohnheit lässt sich nicht umsetzen dasjenige, was man vom Geiste aus erlebt. Im Gegenteil. Es wird bei Wiederholung immer schwieriger, diese Wiederholung zu machen. Und gerade darin besteht ein Teil desjenigen, was man zu üben hat, dass, wenn man wünscht, gewisse Erlebnisse wiederholt zu machen, man ganz anders geartete Anstrengungen das zweite, dritte Mal wiederum nötig hat. Im ganz entgegengesetzten Sinne abstumpfend, die Gewohnheit austreibend, verhält sich das geistige Erleben zum physischen Erleben.
[ 22 ] Und ein drittes, was charakteristisch ist für das geistige Erleben, ist, dass eigentlich, so sonderbar es klingt, das wirklich geistige Erleben — das nichts zu tun hat mit irgendeiner Verrichtung, an der der Leib beteiligt ist —, dass das eigentlich blitzschnell vorüberhuscht. Ja, das ist ein Grund, warum so wenige Menschen zu geistigem Erleben heute noch kommen. Die Menschen sind aus dem äußeren Leben gewöhnt, eine gewisse Zeit zu brauchen, um irgendetwas, was in ihr Gesichtsfeld tritt, aufzufassen. Nach diesem gewöhnlichen äußeren Erleben stellt sich die Sache zumeist so dar, dass, ehe der Mensch aufmerksam wird auf das Erlebnis, ist es schon vorüber, wenn es ein geistiges Erlebnis ist.
[ 22 ] Und ein drittes, was charakteristisch ist für das geistige Erleben, ist, dass eigentlich, so sonderbar es klingt, das wirklich geistige Erleben — das nichts zu tun hat mit irgendeiner Verrichtung, an der der Leib beteiligt ist —, dass das eigentlich blitzschnell vorüberhuscht. Ja, das ist ein Grund, warum so wenige Menschen zu geistigem Erleben heute noch kommen. Die Menschen sind aus dem äußeren Leben gewöhnt, eine gewisse Zeit zu brauchen, um irgendetwas, was in ihr Gesichtsfeld tritt, aufzufassen. Nach diesem gewöhnlichen äußeren Erleben stellt sich die Sache zumeist so dar, dass, ehe der Mensch aufmerksam wird auf das Erlebnis, ist es schon vorüber, wenn es ein geistiges Erlebnis ist.
[ 23 ] Was daher vor allen Dingen notwendig ist, um wirklich geistige Erlebnisse zu haben, das ist das, was man nennen könnte Geistesgegenwart. Derjenige Mensch, sehr verehrte Anwesende, der geistige Erlebnisse haben will, muss sich auch schon im gewöhnlichen physischen Erleben darin üben, in gewissen Situationen des Lebens, die sich ihm aufdrängen, die das Leben mitbringt, schnell zu entscheiden, die Situation rasch zu überschauen, nicht zögernd, Zeit vertändelnd, alles Mögliche immer wiederum umzuwenden. Menschen, die nicht heranwollen zu einer solchen Selbsterziehung, gewissen Situationen gegenüber schnell zu entscheiden, schnell dasjenige zu sehen, was geschehen muss, die sind auch nicht geeignet, sich selber so seelisch in die Hand zu nehmen, dass sie geistige Erlebnisse leicht haben können. Derjenige, der schon in der äußeren physischen Welt sich in Situationen so hineinfindet, dass er nicht die Sache nach allen Seiten hin wendet und herummuddelt, sondern dass er versucht, trifft ihn die Situation, aus einer schnellen Entschlossenheit heraus zu handeln und dann auch stehen zu bleiben dabei, der bereitet sich gut vor, um geistige Erlebnisse zu haben. Denn, sehr verehrte Anwesende, geistige Erlebnisse müssen innerlich ebenso schnell gemacht werden, wie man manche Lebenssituation schnell ergreifen muss und Entschlüsse herbeiführen muss, die, wenn sie nicht schnell ergriffen werden, zum Unglück, zum Verderben vielleicht ausschlagen würden. — Ich sage nicht, dass das geistige Erlebnis zum Verderben ausschlagen kann; es wird eben einfach dann nicht gemacht. Es ist dieses Verhalten ihm gegenüber nötig.
[ 23 ] Was daher vor allen Dingen notwendig ist, um wirklich geistige Erlebnisse zu haben, das ist das, was man nennen könnte Geistesgegenwart. Derjenige Mensch, sehr verehrte Anwesende, der geistige Erlebnisse haben will, muss sich auch schon im gewöhnlichen physischen Erleben darin üben, in gewissen Situationen des Lebens, die sich ihm aufdrängen, die das Leben mitbringt, schnell zu entscheiden, die Situation rasch zu überschauen, nicht zögernd, Zeit vertändelnd, alles Mögliche immer wiederum umzuwenden. Menschen, die nicht heranwollen zu einer solchen Selbsterziehung, gewissen Situationen gegenüber schnell zu entscheiden, schnell dasjenige zu sehen, was geschehen muss, die sind auch nicht geeignet, sich selber so seelisch in die Hand zu nehmen, dass sie geistige Erlebnisse leicht haben können. Derjenige, der schon in der äußeren physischen Welt sich in Situationen so hineinfindet, dass er nicht die Sache nach allen Seiten hin wendet und herummuddelt, sondern dass er versucht, trifft ihn die Situation, aus einer schnellen Entschlossenheit heraus zu handeln und dann auch stehen zu bleiben dabei, der bereitet sich gut vor, um geistige Erlebnisse zu haben. Denn, sehr verehrte Anwesende, geistige Erlebnisse müssen innerlich ebenso schnell gemacht werden, wie man manche Lebenssituation schnell ergreifen muss und Entschlüsse herbeiführen muss, die, wenn sie nicht schnell ergriffen werden, zum Unglück, zum Verderben vielleicht ausschlagen würden. — Ich sage nicht, dass das geistige Erlebnis zum Verderben ausschlagen kann; es wird eben einfach dann nicht gemacht. Es ist dieses Verhalten ihm gegenüber nötig.
[ 24 ] Noch eine vierte Eigenschaft vom geistigen Erleben möchte ich anführen, das ist diese: Geistige Erlebnisse, sehr verehrte Anwesende, sind immer individuell. In der äußeren physischen Welt ist der Mensch gewöhnt, alles in gewisse Klassen einzuteilen, das ganze Leben in gewisse Klassen einzuteilen. Man spricht ja von dem berühmten, man könnte auch sagen, von dem berüchtigten «Schema F». Alles muss in irgendeiner Kategorie stehen; alles muss irgendwie eingeteilt werden. Nur dadurch glaubt man ja, dass Gesetz in die Welt der Erscheinungen hineinzubringen sei, dass alles in gewisse Kategorien hineingehört. Man soll sich nur einmal vorstellen, wie man mit der Natur, die man mit Recht auf gewisse Kategorien bringt, zurechtkommen würde, wenn alles individuell wäre — nur ein Löwe, nicht eine ganze Klasse von Löwen. Und man stelle sich erst vor, wie das Menschenleben wäre, wenn in jedem einzelnen Fall der Mensch nicht zum Beispiel ein Gesetzbuch aufschlagen könnte! Wenn er nicht in eine bestimmte Kategorie den einzelnen Fall hübsch einschachteln könnte, sondern ihm gegenüberstehen müsste mit individuellem Urteil.
[ 24 ] Noch eine vierte Eigenschaft vom geistigen Erleben möchte ich anführen, das ist diese: Geistige Erlebnisse, sehr verehrte Anwesende, sind immer individuell. In der äußeren physischen Welt ist der Mensch gewöhnt, alles in gewisse Klassen einzuteilen, das ganze Leben in gewisse Klassen einzuteilen. Man spricht ja von dem berühmten, man könnte auch sagen, von dem berüchtigten «Schema F». Alles muss in irgendeiner Kategorie stehen; alles muss irgendwie eingeteilt werden. Nur dadurch glaubt man ja, dass Gesetz in die Welt der Erscheinungen hineinzubringen sei, dass alles in gewisse Kategorien hineingehört. Man soll sich nur einmal vorstellen, wie man mit der Natur, die man mit Recht auf gewisse Kategorien bringt, zurechtkommen würde, wenn alles individuell wäre — nur ein Löwe, nicht eine ganze Klasse von Löwen. Und man stelle sich erst vor, wie das Menschenleben wäre, wenn in jedem einzelnen Fall der Mensch nicht zum Beispiel ein Gesetzbuch aufschlagen könnte! Wenn er nicht in eine bestimmte Kategorie den einzelnen Fall hübsch einschachteln könnte, sondern ihm gegenüberstehen müsste mit individuellem Urteil.
[ 25 ] Aus der physischen Welt her ist ja der Mensch ganz gewöhnt, alles in Schemen, in Schematik zu bringen. Das muss sich derjenige gründlich abgewöhnen — nicht für die äußere physische Welt, sonst würde er dafür ungeeignet, aber für das Feld der geistigen Erfahrungen —, das muss man sich abgewöhnen, die Dinge zu kategorisieren, die Dinge in Klassen und Ordnungen und Gesetze zu bringen. Dasjenige, was in der geistigen Welt erlebt wird, das stellt sich immer als Individuelles dar.
[ 25 ] Aus der physischen Welt her ist ja der Mensch ganz gewöhnt, alles in Schemen, in Schematik zu bringen. Das muss sich derjenige gründlich abgewöhnen — nicht für die äußere physische Welt, sonst würde er dafür ungeeignet, aber für das Feld der geistigen Erfahrungen —, das muss man sich abgewöhnen, die Dinge zu kategorisieren, die Dinge in Klassen und Ordnungen und Gesetze zu bringen. Dasjenige, was in der geistigen Welt erlebt wird, das stellt sich immer als Individuelles dar.
[ 26 ] Deshalb stößt man ja so sehr an mit den Ergebnissen der Geisteswissenschaft. Spricht man einmal von einem geisteswissenschaftlichen Ergebnis, zum Beispiel — ich stehe nicht an, nachdem ich hier so viele Jahre vorgetragen habe, dasjenige, was Wesen dieser Geisteswissenschaft ist, auch ins Konkrete hineinzuziehen —, sagen wir, dass ich ausführe, dass der plötzliche Tod eines Menschen so zur Wirkung kommt in der geistigen Welt, dass der Mensch in einem Augenblick, wo die plötzliche Zerstörung seines physischen Leibes eintritt, wenn ihn ein Unglück getroffen hat, geistig so viel erfährt, als er durch zwanzig, dreißig Jahre im Leben hätte erfahren können; stellt man es dar, so soll das nur auf den individuellen Fall sich beziehen. Dann kommt natürlich der andere und sagt: Plötzliche Tode rufen das und das hervor. Er möchte gern ein Gesetz daraus formen.
[ 26 ] Deshalb stößt man ja so sehr an mit den Ergebnissen der Geisteswissenschaft. Spricht man einmal von einem geisteswissenschaftlichen Ergebnis, zum Beispiel — ich stehe nicht an, nachdem ich hier so viele Jahre vorgetragen habe, dasjenige, was Wesen dieser Geisteswissenschaft ist, auch ins Konkrete hineinzuziehen —, sagen wir, dass ich ausführe, dass der plötzliche Tod eines Menschen so zur Wirkung kommt in der geistigen Welt, dass der Mensch in einem Augenblick, wo die plötzliche Zerstörung seines physischen Leibes eintritt, wenn ihn ein Unglück getroffen hat, geistig so viel erfährt, als er durch zwanzig, dreißig Jahre im Leben hätte erfahren können; stellt man es dar, so soll das nur auf den individuellen Fall sich beziehen. Dann kommt natürlich der andere und sagt: Plötzliche Tode rufen das und das hervor. Er möchte gern ein Gesetz daraus formen.
[ 27 ] Solche Gesetze, sie sind, möchte ich sagen, der Feind des wirklich geisteswissenschaftlichen Erkennens, weil im geisteswissenschaftlichen Erleben jeder einzelne Fall ein Individuelles, ein Besonderes darstellt, weil man überrascht sein muss, weil immer Neues sich darstellen kann — und der Mensch möchte so gerne mit dem Alten durchs Leben gehen. Man kann die feinsten Erlebnisse der äußeren physischen Welt in kleine Büchelchen schreiben und kann dann diese kleinen Büchelchen in die Westentasche stecken. Unmöglich ist ein gleiches Verfahren in Bezug auf geisteswissenschaftliche Erkenntnisse. Daher auch die vielartigen Darstellungen, welche der Geisteswissenschafter geben muss. Diejenigen der verehrten Zuhörer, die öfter in den vielen Jahren, die ich hier nun schon spreche, zu den Vorträgen gekommen sind, werden öfter ähnliche Themen behandelt gehört haben von mir, niemals aber in irgendeiner gleichen Weise, sondern immer so oder so variiert, individualisiert. Ich habe zum Beispiel im vorigen Winter über dasselbe Thema in den verschiedensten deutschen Städten gesprochen, hintereinander Tag für Tag manchmal über dasselbe Thema gesprochen, jedes Mal aber über dasselbe Thema in anderer Art, dieselben Dinge in verschiedener Weise darstellend. Geisteswissenschaftliche Erkenntnisse machen Ansprüche an den Geist, die bezeichnet werden können als Beweglichkeit dieses Geistes, sodass man sagen kann: Nicht auf den Inhalt so sehr der Worte, auf den unmittelbaren Inhalt der Worte kommt es an, sondern darauf, dass dieser Inhalt der Worte aus dem Geiste heraus selber geschöpft und gesprochen ist.
[ 27 ] Solche Gesetze, sie sind, möchte ich sagen, der Feind des wirklich geisteswissenschaftlichen Erkennens, weil im geisteswissenschaftlichen Erleben jeder einzelne Fall ein Individuelles, ein Besonderes darstellt, weil man überrascht sein muss, weil immer Neues sich darstellen kann — und der Mensch möchte so gerne mit dem Alten durchs Leben gehen. Man kann die feinsten Erlebnisse der äußeren physischen Welt in kleine Büchelchen schreiben und kann dann diese kleinen Büchelchen in die Westentasche stecken. Unmöglich ist ein gleiches Verfahren in Bezug auf geisteswissenschaftliche Erkenntnisse. Daher auch die vielartigen Darstellungen, welche der Geisteswissenschafter geben muss. Diejenigen der verehrten Zuhörer, die öfter in den vielen Jahren, die ich hier nun schon spreche, zu den Vorträgen gekommen sind, werden öfter ähnliche Themen behandelt gehört haben von mir, niemals aber in irgendeiner gleichen Weise, sondern immer so oder so variiert, individualisiert. Ich habe zum Beispiel im vorigen Winter über dasselbe Thema in den verschiedensten deutschen Städten gesprochen, hintereinander Tag für Tag manchmal über dasselbe Thema gesprochen, jedes Mal aber über dasselbe Thema in anderer Art, dieselben Dinge in verschiedener Weise darstellend. Geisteswissenschaftliche Erkenntnisse machen Ansprüche an den Geist, die bezeichnet werden können als Beweglichkeit dieses Geistes, sodass man sagen kann: Nicht auf den Inhalt so sehr der Worte, auf den unmittelbaren Inhalt der Worte kommt es an, sondern darauf, dass dieser Inhalt der Worte aus dem Geiste heraus selber geschöpft und gesprochen ist.
[ 28 ] Sie sehen daraus, sehr verehrte Anwesende, dass, wenn wir aufsteigen vom Vergänglichen in das Unvergängliche, wenn wir uns nahen demjenigen, dem auch der Mensch angehört mit seinem unvergänglichen, seinem ewigen Wesenskern, es immer nötig ist, sich eine ganz andere Art der Seelenverfassung und Seelenstimmung anzueignen. Daher ist es ganz begreiflich, selbstverständlich, dass Geisteswissenschaft nicht nur als schwer verständlich empfunden wird, sondern dass sie auch angefeindet, missverstanden wird, mit allem Möglichen verwechselt wird. Ja, wie manche sagen, erst kürzlich wiederum, wo jemand, der eben lieber dasjenige hört, was er schon immer gehört hat, sie wirke aufreizend. Natürlich wirkt sie aufreizend für denjenigen, der nur seine altgewohnten Dogmen wiederum aufgewärmt haben will. Also nicht bloß dasjenige, was Geisteswissenschaft über das Ewige, das Geistige zu sagen hat, ist anders als dasjenige, was in der sinnlich-physischen Wirklichkeit da ist, sondern die Seelenverfassung gegenüber dem Geiste selbst ist anders als die Seelenverfassung gegenüber der sinnlich-physischen Wirklichkeit. Mit einer solchen Seelen-Verfassung, wie ich sie in einzelnen charakteristischen Eigentümlichkeiten jetzt geschildert habe, kommt man heran an dasjenige, was im Menschen durch Geburten und Tode geht, was im Menschen der ewige Wesenskern ist und was als Geistiges der geistigen Welt so angehört, wie der Mensch als physisch-leibliches Geschöpf der physischen Natur mit ihren Reichen angehört.
[ 28 ] Sie sehen daraus, sehr verehrte Anwesende, dass, wenn wir aufsteigen vom Vergänglichen in das Unvergängliche, wenn wir uns nahen demjenigen, dem auch der Mensch angehört mit seinem unvergänglichen, seinem ewigen Wesenskern, es immer nötig ist, sich eine ganz andere Art der Seelenverfassung und Seelenstimmung anzueignen. Daher ist es ganz begreiflich, selbstverständlich, dass Geisteswissenschaft nicht nur als schwer verständlich empfunden wird, sondern dass sie auch angefeindet, missverstanden wird, mit allem Möglichen verwechselt wird. Ja, wie manche sagen, erst kürzlich wiederum, wo jemand, der eben lieber dasjenige hört, was er schon immer gehört hat, sie wirke aufreizend. Natürlich wirkt sie aufreizend für denjenigen, der nur seine altgewohnten Dogmen wiederum aufgewärmt haben will. Also nicht bloß dasjenige, was Geisteswissenschaft über das Ewige, das Geistige zu sagen hat, ist anders als dasjenige, was in der sinnlich-physischen Wirklichkeit da ist, sondern die Seelenverfassung gegenüber dem Geiste selbst ist anders als die Seelenverfassung gegenüber der sinnlich-physischen Wirklichkeit. Mit einer solchen Seelen-Verfassung, wie ich sie in einzelnen charakteristischen Eigentümlichkeiten jetzt geschildert habe, kommt man heran an dasjenige, was im Menschen durch Geburten und Tode geht, was im Menschen der ewige Wesenskern ist und was als Geistiges der geistigen Welt so angehört, wie der Mensch als physisch-leibliches Geschöpf der physischen Natur mit ihren Reichen angehört.
[ 29 ] Dasjenige, was Geisteswissenschaft auf diesem Wege findet, das ist ein Unbewusstes zunächst für das gewöhnliche Bewusstsein, aber hereingeholt werden kann es in dieses gewöhnliche Bewusstsein. Das ist das Wesentliche der geisteswissenschaftlichen Methode, dass sie zur Offenbarung bringen will dasjenige, was zunächst unoffenbar als ein Unbewusstes der menschlichen Seele gegenüber im gewöhnlichen Leben da ist. Denn Geisteswissenschaft bringt nichts Neues zutage, nichts von ihr Erfundenes, sondern dasjenige, was als ewig geistiger Wesenskern im Menschen — um den gestrigen Ausdruck zu gebrauchen — ebenso einen «Geistwechsel» durchmacht, wie der physische Leib einen Stoffwechsel durchmacht; das ist in jedem Menschen. Der Geistesforscher bringt nichts anderes zutage, als was in jedem Menschen wirkt und west. Es ist seine Aufgabe, nur dasjenige, was sonst unbewusst bleibt, in das Bewusstsein hereinzuholen. Der Geistesforscher redet von nichts anderem als von dem, was die Grundlage ist für das, woraus jeder Mensch redet und denkt und handelt. Nur ist gerade das Geistesgebiet für das gewöhnliche Bewusstsein ein entweder Unterbewusstes oder Überbewusstes, kurz, ein Unbewusstes.
[ 29 ] Dasjenige, was Geisteswissenschaft auf diesem Wege findet, das ist ein Unbewusstes zunächst für das gewöhnliche Bewusstsein, aber hereingeholt werden kann es in dieses gewöhnliche Bewusstsein. Das ist das Wesentliche der geisteswissenschaftlichen Methode, dass sie zur Offenbarung bringen will dasjenige, was zunächst unoffenbar als ein Unbewusstes der menschlichen Seele gegenüber im gewöhnlichen Leben da ist. Denn Geisteswissenschaft bringt nichts Neues zutage, nichts von ihr Erfundenes, sondern dasjenige, was als ewig geistiger Wesenskern im Menschen — um den gestrigen Ausdruck zu gebrauchen — ebenso einen «Geistwechsel» durchmacht, wie der physische Leib einen Stoffwechsel durchmacht; das ist in jedem Menschen. Der Geistesforscher bringt nichts anderes zutage, als was in jedem Menschen wirkt und west. Es ist seine Aufgabe, nur dasjenige, was sonst unbewusst bleibt, in das Bewusstsein hereinzuholen. Der Geistesforscher redet von nichts anderem als von dem, was die Grundlage ist für das, woraus jeder Mensch redet und denkt und handelt. Nur ist gerade das Geistesgebiet für das gewöhnliche Bewusstsein ein entweder Unterbewusstes oder Überbewusstes, kurz, ein Unbewusstes.
[ 30 ] Nun ragt aber in das Gebiet des gewöhnlichen Seelenlebens mancherlei herein, das, wenn es beurteilt wird von diesem gewöhnlichen Seelenleben aus, etwas Schillerndes, etwas Schwankendes hat. Das, was hier gemeint ist, gehört eben jenen Grenzgebieten an, von denen ich eben gesprochen habe. Und als ein solches Grenzgebiet kennt zunächst jeder das scheinbar so alltägliche und doch so rätselvolle, merkwürdige Gebiet des Traumlebens. Dieses Traumleben, das hereinragt mit seinen Bildern in das gewöhnliche Seelenleben, es gibt dem Forscher noch ganz andere Rätsel auf als demjenigen, der es nur, ich möchte sagen, an sich vorbeihuschen lässt und es höchstens mit einigen abergläubischen Meinungen verbrämen will.
[ 30 ] Nun ragt aber in das Gebiet des gewöhnlichen Seelenlebens mancherlei herein, das, wenn es beurteilt wird von diesem gewöhnlichen Seelenleben aus, etwas Schillerndes, etwas Schwankendes hat. Das, was hier gemeint ist, gehört eben jenen Grenzgebieten an, von denen ich eben gesprochen habe. Und als ein solches Grenzgebiet kennt zunächst jeder das scheinbar so alltägliche und doch so rätselvolle, merkwürdige Gebiet des Traumlebens. Dieses Traumleben, das hereinragt mit seinen Bildern in das gewöhnliche Seelenleben, es gibt dem Forscher noch ganz andere Rätsel auf als demjenigen, der es nur, ich möchte sagen, an sich vorbeihuschen lässt und es höchstens mit einigen abergläubischen Meinungen verbrämen will.
[ 31 ] Nun könnte sehr viel schon zur äußeren Charakteristik dieses Traumlebens gesagt werden, aber ich will nur, um dieses Traumleben geisteswissenschaftlich charakterisieren zu können, einige charakteristische Eigenschaften hervorheben, diejenigen Eigenschaften, die gerade dazu dienen werden, dieses Traumleben seinem Wesen nach kennenzulernen.
[ 31 ] Nun könnte sehr viel schon zur äußeren Charakteristik dieses Traumlebens gesagt werden, aber ich will nur, um dieses Traumleben geisteswissenschaftlich charakterisieren zu können, einige charakteristische Eigenschaften hervorheben, diejenigen Eigenschaften, die gerade dazu dienen werden, dieses Traumleben seinem Wesen nach kennenzulernen.
[ 32 ] Da weiß vielleicht jeder, dass eine größere Anzahl von Träumen so auftritt, dass man sie, wie das die eine oder andere philosophische Betrachtung der Traumeswelt schon getan hat, Sinnesreizträume nennen kann. Die Traumwelt, die wir erleben, sie hat ein durchgreifend Gemeinsames mit der bewusstlosen Schlafeswelt. Der Mensch, wenn er im bewusstlosen Schlafe ist, dann ist er von seiner Umwelt sowohl durch seine Sinne wie durch seine Bewegungsglieder abgeschlossen. In dem Zimmer, in dem wir liegen schlafend, wirkt nichts, was uns auch umgeben mag, wenn wir wirklich im traumlosen Schlafe sind, auf unsere Sinne. Über nichts wird gedacht von dem, was in unserer Umgebung ist; aber in dem wirklich traumlosen Schlaf handeln wir auch nicht. Wir setzen uns in kein Verhältnis zu dem, was unsere Umgebung ist; wir sind in einem gewissen Sinne isoliert von dem, was uns umgibt.
[ 32 ] Da weiß vielleicht jeder, dass eine größere Anzahl von Träumen so auftritt, dass man sie, wie das die eine oder andere philosophische Betrachtung der Traumeswelt schon getan hat, Sinnesreizträume nennen kann. Die Traumwelt, die wir erleben, sie hat ein durchgreifend Gemeinsames mit der bewusstlosen Schlafeswelt. Der Mensch, wenn er im bewusstlosen Schlafe ist, dann ist er von seiner Umwelt sowohl durch seine Sinne wie durch seine Bewegungsglieder abgeschlossen. In dem Zimmer, in dem wir liegen schlafend, wirkt nichts, was uns auch umgeben mag, wenn wir wirklich im traumlosen Schlafe sind, auf unsere Sinne. Über nichts wird gedacht von dem, was in unserer Umgebung ist; aber in dem wirklich traumlosen Schlaf handeln wir auch nicht. Wir setzen uns in kein Verhältnis zu dem, was unsere Umgebung ist; wir sind in einem gewissen Sinne isoliert von dem, was uns umgibt.
[ 33 ] Das ist nun das Charakteristische der Traumeswelt, dass der Mensch träumend in dieser Isolierung eigentlich bleibt; selbst wenn sie bei dem Sinnesreiztraum scheinbar durchbrochen wird, so ist diese Durchbrechung eben nur scheinbar. Was sind Sinnesreizträume? Nun, jeder kennt [sie]. Er träumt, sagen wir, von vorübertrabenden Pferden; er wacht auf und kann nach dem Aufwachen genau erkennen, es ist die Taschenuhr, die er hingelegt hat, die Taschenuhr mit ihrem Ticken. Durch irgendeine besondere, in diesem Augenblick eintretende Sensitivität des Ohres hat er dieses Ticken wahrgenommen. Aber nicht so, wie im normalen Sinne in der Außenwelt die Wahrnehmung gemacht wird, sondern dramatisiert tritt das auf, was durch den Sinn wirkt. Der Mensch setzt sich also nicht durch seine Sinne in ein Verhältnis zur Umgebung; er bleibt in der Isolierung, die ihm der Schlaf gegeben hat. Das, was wirkt auf seine Sinne, das wird seelisch umgestaltet; er bleibt also in seinem inneren Seelenleben isoliert. Solche Reizträume können ja auch von innen heraus veranlasst werden. Immer zeigt sich, dass auch ein Reiz, der von der eigenen Leiblichkeit ausgeht, seelisch umgestaltet wird. Man träumt zum Beispiel von einem kochenden Ofen, man hört das Brodeln — unser Herzschlag ist stärker geworden; das symbolisiert sich uns im kochenden Ofen. Selbst unsere eigene Leiblichkeit bleibt so zu uns in einem Verhältnis wie sonst im traumlosen Schlaf; seelisch umgestaltet wird selbst das, was als Reiz von der eigenen Leiblichkeit ausgeht. So bleiben wir auch zur eigenen Leiblichkeit im Traume in demselben Verhältnis, in dem wir im traumlosen Schlafe sind; isoliert auch von der eigenen Leiblichkeit. Jeder weiß, dass er im Traume ganze Reisen, solche Reisen sogar, die er im wachen Tagesleben nicht ausführen kann, ausführt, Reisen im Fluge. Aber er weiß zugleich, dass alles das nicht führt zu einer Änderung seines Verhältnisses zur Außenwelt, wie es im wirklich wachen Handeln zutage tritt. Auch in Bezug auf dasjenige, was der Mensch erlebt als Verhältnis seines Wesens zu irgendeiner erträumten Umgebung, auch darin ändert sich nicht das Verhältnis des Menschen zur Außenwelt.
[ 33 ] Das ist nun das Charakteristische der Traumeswelt, dass der Mensch träumend in dieser Isolierung eigentlich bleibt; selbst wenn sie bei dem Sinnesreiztraum scheinbar durchbrochen wird, so ist diese Durchbrechung eben nur scheinbar. Was sind Sinnesreizträume? Nun, jeder kennt [sie]. Er träumt, sagen wir, von vorübertrabenden Pferden; er wacht auf und kann nach dem Aufwachen genau erkennen, es ist die Taschenuhr, die er hingelegt hat, die Taschenuhr mit ihrem Ticken. Durch irgendeine besondere, in diesem Augenblick eintretende Sensitivität des Ohres hat er dieses Ticken wahrgenommen. Aber nicht so, wie im normalen Sinne in der Außenwelt die Wahrnehmung gemacht wird, sondern dramatisiert tritt das auf, was durch den Sinn wirkt. Der Mensch setzt sich also nicht durch seine Sinne in ein Verhältnis zur Umgebung; er bleibt in der Isolierung, die ihm der Schlaf gegeben hat. Das, was wirkt auf seine Sinne, das wird seelisch umgestaltet; er bleibt also in seinem inneren Seelenleben isoliert. Solche Reizträume können ja auch von innen heraus veranlasst werden. Immer zeigt sich, dass auch ein Reiz, der von der eigenen Leiblichkeit ausgeht, seelisch umgestaltet wird. Man träumt zum Beispiel von einem kochenden Ofen, man hört das Brodeln — unser Herzschlag ist stärker geworden; das symbolisiert sich uns im kochenden Ofen. Selbst unsere eigene Leiblichkeit bleibt so zu uns in einem Verhältnis wie sonst im traumlosen Schlaf; seelisch umgestaltet wird selbst das, was als Reiz von der eigenen Leiblichkeit ausgeht. So bleiben wir auch zur eigenen Leiblichkeit im Traume in demselben Verhältnis, in dem wir im traumlosen Schlafe sind; isoliert auch von der eigenen Leiblichkeit. Jeder weiß, dass er im Traume ganze Reisen, solche Reisen sogar, die er im wachen Tagesleben nicht ausführen kann, ausführt, Reisen im Fluge. Aber er weiß zugleich, dass alles das nicht führt zu einer Änderung seines Verhältnisses zur Außenwelt, wie es im wirklich wachen Handeln zutage tritt. Auch in Bezug auf dasjenige, was der Mensch erlebt als Verhältnis seines Wesens zu irgendeiner erträumten Umgebung, auch darin ändert sich nicht das Verhältnis des Menschen zur Außenwelt.
[ 34 ] So können wir sagen: Das ist das Charakteristische des Traumes, dass er gerade in Bezug auf ein wichtiges Merkmal den Menschen nicht heraushebt aus der Lage, in die er mit seiner seelisch-geistig-leiblichen Konstitution durch seine Sinne und Bewegungen und den eigenen Leib zu der Umwelt und zu sich selbst im Verhältnis ist. Das aber auch hebt den Traum heraus von all den übrigen unbewussten Gebieten, die ich heute noch werde zu charakterisieren haben. Das hebt den Traum heraus von alledem, was wirklich auf irgendeiner Veränderung des Verhältnisses des Menschen zur Außenwelt basiert ist. Das bezeugt, dass der Traum also schon durch die äußerliche Betrachtungsweise — das bezeugt, dass der Traum nicht verwechselt werden darf mit irgendwelchem krankhaftem seelischen Erleben; das bezeugt, dass der Traum nicht verändert die Beziehungen des Menschen zur Außenwelt und zum eigenen Leibe, dass er also schon rein oberflächlich betrachtet als etwas Gesundes hingestellt werden muss, nicht als etwas Krankhaftes im menschlichen Seelenleben, wie er im normalen menschlichen Seelenleben auftritt.
[ 34 ] So können wir sagen: Das ist das Charakteristische des Traumes, dass er gerade in Bezug auf ein wichtiges Merkmal den Menschen nicht heraushebt aus der Lage, in die er mit seiner seelisch-geistig-leiblichen Konstitution durch seine Sinne und Bewegungen und den eigenen Leib zu der Umwelt und zu sich selbst im Verhältnis ist. Das aber auch hebt den Traum heraus von all den übrigen unbewussten Gebieten, die ich heute noch werde zu charakterisieren haben. Das hebt den Traum heraus von alledem, was wirklich auf irgendeiner Veränderung des Verhältnisses des Menschen zur Außenwelt basiert ist. Das bezeugt, dass der Traum also schon durch die äußerliche Betrachtungsweise — das bezeugt, dass der Traum nicht verwechselt werden darf mit irgendwelchem krankhaftem seelischen Erleben; das bezeugt, dass der Traum nicht verändert die Beziehungen des Menschen zur Außenwelt und zum eigenen Leibe, dass er also schon rein oberflächlich betrachtet als etwas Gesundes hingestellt werden muss, nicht als etwas Krankhaftes im menschlichen Seelenleben, wie er im normalen menschlichen Seelenleben auftritt.
[ 35 ] Ein charakteristisches Merkmal des Traumerlebens, das besonders wichtig ist für die folgenden Betrachtungen, ist dieses, dass der Traum in seinem Verlaufe zeigt, dass der Mensch aufhört, logisch die Traumerscheinungen, die hintereinander folgenden Traumvorstellungen zu gliedern. Aus der gewöhnlichen Logik kommt der Mensch heraus. Der Mensch logisiert nicht im Traume. — Dagegen gibt es einen Einwand. — Der Geistesforscher kennt immer die Einwände, die gemacht werden können. Gewiss ist mancher Traumverlauf so, dass man sagen kann: Die Bilder sind logisch aneinandergereiht. Aber damit ist es doch so: Wenn man genau beobachtet, so sieht man, dass, so oft man logisiert während des Traumes, man nichts anderes träumt als Reminiszenzen aus dem Leben; das hat sich schon vorher logisch aneinandergereiht. Was im Leben logisch aneinandergereiht war, das träumt man wieder, aber im Traume selbst logisiert man nicht. Dasjenige also, was als Logik im menschlichen Seelenleben auftritt, das ist bei der Traumeshandlung weg. Ebenso ist weg dasjenige, was man moralische Stimmungen, was man moralische Anschauungen des menschlichen Handelns nennen kann. Jeder weiß, wozu er alles fähig ist im Traume. Jeder weiß, dass er im Traume Dinge vollbringt und als Träumer sich zuschreibt, die er im wachen Tagesleben hart verurteilen würde. Im Traume hört nicht nur die Logik, es hört auch die moralische Lebensauffassung auf. — Das sind zwei wichtige Kennzeichen, welche wir festhalten müssen, wenn wir das Wesen des Traumes erforschen wollen.
[ 35 ] Ein charakteristisches Merkmal des Traumerlebens, das besonders wichtig ist für die folgenden Betrachtungen, ist dieses, dass der Traum in seinem Verlaufe zeigt, dass der Mensch aufhört, logisch die Traumerscheinungen, die hintereinander folgenden Traumvorstellungen zu gliedern. Aus der gewöhnlichen Logik kommt der Mensch heraus. Der Mensch logisiert nicht im Traume. — Dagegen gibt es einen Einwand. — Der Geistesforscher kennt immer die Einwände, die gemacht werden können. Gewiss ist mancher Traumverlauf so, dass man sagen kann: Die Bilder sind logisch aneinandergereiht. Aber damit ist es doch so: Wenn man genau beobachtet, so sieht man, dass, so oft man logisiert während des Traumes, man nichts anderes träumt als Reminiszenzen aus dem Leben; das hat sich schon vorher logisch aneinandergereiht. Was im Leben logisch aneinandergereiht war, das träumt man wieder, aber im Traume selbst logisiert man nicht. Dasjenige also, was als Logik im menschlichen Seelenleben auftritt, das ist bei der Traumeshandlung weg. Ebenso ist weg dasjenige, was man moralische Stimmungen, was man moralische Anschauungen des menschlichen Handelns nennen kann. Jeder weiß, wozu er alles fähig ist im Traume. Jeder weiß, dass er im Traume Dinge vollbringt und als Träumer sich zuschreibt, die er im wachen Tagesleben hart verurteilen würde. Im Traume hört nicht nur die Logik, es hört auch die moralische Lebensauffassung auf. — Das sind zwei wichtige Kennzeichen, welche wir festhalten müssen, wenn wir das Wesen des Traumes erforschen wollen.
[ 36 ] Nun ist gewiss: Es kann sehr vieles gesagt werden über das Traumleben vom äußeren physikalischen Standpunkte aus. Das wollen wir heute nicht berühren. Dasjenige, um was cs sich handelt, das ist, dass ja für eine bloß äußerlich naturwissenschaftliche Betrachtungsweise das Wesen des Traumes, das wirkliche Wesen des Traumes nicht eingesehen werden kann, aus dem einfachen Grunde nicht eingesehen werden kann, weil für das gewöhnliche Bewusstsein das Traumesleben sich ja mit nichts vergleichen lässt. Der Traum tritt in das übrige bewusste Erleben als eine Erscheinung hinein, die sich mit nichts vergleichen lässt. Und etwas, was man nicht vergleichen kann mit anderem, was man nicht in ein gewisses Schema bringen kann, was durch seine Eigenheit etwas Individuelles darstellt, darauf ist eine rein äußerliche naturwissenschaftliche Betrachtungsweise nicht anwendbar.
[ 36 ] Nun ist gewiss: Es kann sehr vieles gesagt werden über das Traumleben vom äußeren physikalischen Standpunkte aus. Das wollen wir heute nicht berühren. Dasjenige, um was cs sich handelt, das ist, dass ja für eine bloß äußerlich naturwissenschaftliche Betrachtungsweise das Wesen des Traumes, das wirkliche Wesen des Traumes nicht eingesehen werden kann, aus dem einfachen Grunde nicht eingesehen werden kann, weil für das gewöhnliche Bewusstsein das Traumesleben sich ja mit nichts vergleichen lässt. Der Traum tritt in das übrige bewusste Erleben als eine Erscheinung hinein, die sich mit nichts vergleichen lässt. Und etwas, was man nicht vergleichen kann mit anderem, was man nicht in ein gewisses Schema bringen kann, was durch seine Eigenheit etwas Individuelles darstellt, darauf ist eine rein äußerliche naturwissenschaftliche Betrachtungsweise nicht anwendbar.
[ 37 ] Eine Ansicht zu gewinnen über den Traum und sein Wesen ist nur möglich vom geisteswissenschaftlichen Standpunkte aus. Aus dem einfachen Grunde, weil der Geisteswissenschafter durch diejenige seelische Entwicklung, die so zu charakterisieren ist, wie ich sie heute charakterisiert habe, zu etwas kommt, zu einem bildhaften oder sonstigen geistigen Erleben, das in einer gewissen Beziehung, wenn auch radikal vom Traume verschieden, so doch der Form nach, dem Erleben nach, der Stärke des Erlebens nach wenigstens, etwas Ähnliches mit dem Traume hat. Man kann zunächst ganz dahingestellt sein lassen, wie der Traum zur Wirklichkeit sich verhält. Darauf wollen wir jetzt nicht eingehen.
[ 37 ] Eine Ansicht zu gewinnen über den Traum und sein Wesen ist nur möglich vom geisteswissenschaftlichen Standpunkte aus. Aus dem einfachen Grunde, weil der Geisteswissenschafter durch diejenige seelische Entwicklung, die so zu charakterisieren ist, wie ich sie heute charakterisiert habe, zu etwas kommt, zu einem bildhaften oder sonstigen geistigen Erleben, das in einer gewissen Beziehung, wenn auch radikal vom Traume verschieden, so doch der Form nach, dem Erleben nach, der Stärke des Erlebens nach wenigstens, etwas Ähnliches mit dem Traume hat. Man kann zunächst ganz dahingestellt sein lassen, wie der Traum zur Wirklichkeit sich verhält. Darauf wollen wir jetzt nicht eingehen.
[ 38 ] Aber der Geisteswissenschafter weiß, dass er mit seinem Erleben, das auch zunächst bildhaft ist, einer wirklich geistigen Welt gegenübersteht, dass er eine geistige Welt erlebt. Er kann also ansehen die Welt des Traumes und sie charakterisieren von der Welt aus, die er erlebt. Das ist das eine. Dadurch bekommt er eine Anschauung zunächst, die ihm durch die Beobachtung selbst sagt, was eigentlich in der menschlichen Seele das ist, was Traum ist. Vom Standpunkte des äußeren Bewusstseins aus, sehr verehrte Anwesende, kann man nämlich gar nicht wissen, was Traum ist. Der Traum steigt herauf im Seelenleben, wogt herauf wie eine unbekannte Welle aus der Tiefe, aber man weiß nicht, was eigentlich in der Seele als Träumendes tätig ist.
[ 38 ] Aber der Geisteswissenschafter weiß, dass er mit seinem Erleben, das auch zunächst bildhaft ist, einer wirklich geistigen Welt gegenübersteht, dass er eine geistige Welt erlebt. Er kann also ansehen die Welt des Traumes und sie charakterisieren von der Welt aus, die er erlebt. Das ist das eine. Dadurch bekommt er eine Anschauung zunächst, die ihm durch die Beobachtung selbst sagt, was eigentlich in der menschlichen Seele das ist, was Traum ist. Vom Standpunkte des äußeren Bewusstseins aus, sehr verehrte Anwesende, kann man nämlich gar nicht wissen, was Traum ist. Der Traum steigt herauf im Seelenleben, wogt herauf wie eine unbekannte Welle aus der Tiefe, aber man weiß nicht, was eigentlich in der Seele als Träumendes tätig ist.
[ 39 ] Nun erlebt der Geistesforscher, indem er in seine geistesforscherische Tätigkeit hineinkommt, wie ich es gestern charakterisiert habe, ein anderes Selbst, dasselbe Selbst, aber in einer anderen Form, das wahre Ich; er erlebt das Geistig-Seelische des Menschen unabhängig von der Leiblichkeit. Ein so großer Horror es ist für viele Menschen, es muss gesagt werden: Die geistigen Erlebnisse werden außer dem Leibe gemacht. Dadurch weiß der Geistesforscher, was es heißt, außer dem Leibe stehen. Er kann das nun vergleichen mit der Traumeswelt. Indem er die Traumeswelt auf der einen Seite sieht, die geistigen Erlebnisse auf der anderen Seite kennt, weiß er, dass dasselbe in der Seele normal träumt, was in der Seele geistig erlebt bei der Geistesforschung. Es ist ein und dasselbe, was träumt und was in der Geistesforschung tätig ist, nur steht man in der Geistesforschung der geistigen Wirklichkeit gegenüber, und im Traume — ja, darum handelt es sich eben —, wem steht man denn im Traume gegenüber?
[ 39 ] Nun erlebt der Geistesforscher, indem er in seine geistesforscherische Tätigkeit hineinkommt, wie ich es gestern charakterisiert habe, ein anderes Selbst, dasselbe Selbst, aber in einer anderen Form, das wahre Ich; er erlebt das Geistig-Seelische des Menschen unabhängig von der Leiblichkeit. Ein so großer Horror es ist für viele Menschen, es muss gesagt werden: Die geistigen Erlebnisse werden außer dem Leibe gemacht. Dadurch weiß der Geistesforscher, was es heißt, außer dem Leibe stehen. Er kann das nun vergleichen mit der Traumeswelt. Indem er die Traumeswelt auf der einen Seite sieht, die geistigen Erlebnisse auf der anderen Seite kennt, weiß er, dass dasselbe in der Seele normal träumt, was in der Seele geistig erlebt bei der Geistesforschung. Es ist ein und dasselbe, was träumt und was in der Geistesforschung tätig ist, nur steht man in der Geistesforschung der geistigen Wirklichkeit gegenüber, und im Traume — ja, darum handelt es sich eben —, wem steht man denn im Traume gegenüber?
[ 40 ] Der Unterschied zwischen dem Gegenüberstehen der geistigen Wirklichkeit mit demselben Selbst in der Geistesforschung und im Traume ist der, dass der Geistesforscher sich vorher die Seele bereitet hat, um wirklich hineinzukommen in die geistige Welt, in der man nun wahrnimmt, wie man sonst mit Auge und Ohr in der physischen Welt wahrnimmt; er lernt erkennen durch Geistesforschung, dass der Mensch aus dem Leibe herausgeht im Schlafe. Weil er aber die Organe nicht hat, um dort wahrzunehmen, bleibt sein Bewusstsein vom Einschlafen bis zum Aufwachen dumpf, unbewusst, wie man sagt.
[ 40 ] Der Unterschied zwischen dem Gegenüberstehen der geistigen Wirklichkeit mit demselben Selbst in der Geistesforschung und im Traume ist der, dass der Geistesforscher sich vorher die Seele bereitet hat, um wirklich hineinzukommen in die geistige Welt, in der man nun wahrnimmt, wie man sonst mit Auge und Ohr in der physischen Welt wahrnimmt; er lernt erkennen durch Geistesforschung, dass der Mensch aus dem Leibe herausgeht im Schlafe. Weil er aber die Organe nicht hat, um dort wahrzunehmen, bleibt sein Bewusstsein vom Einschlafen bis zum Aufwachen dumpf, unbewusst, wie man sagt.
[ 41 ] Nun, wenn der Mensch eingeschlafen ist, so lebt sein Geistig-Seelisches. Der Geistesforscher kann vergleichen, was er in der geistigen Welt schaut, mit dem, was nun das unbewusste Geistig-Seelische vom Einschlafen bis zum Aufwachen erlebt. Es erlebt das Geistig-Seelische unbewausst in der geistigen Welt, bringt sich beim Aufwachen wiederum hinein in den physischen Leib und bedient sich dann des physischen Leibes, um mit der Umwelt in Beziehung zu treten. Nun ist es nicht so, dass es genügt, wenn man bloß schildert, was der Leib durchmacht vom Einschlafen bis zum Aufwachen, was da in ihm für organisch-physische Vorgänge sich abspielen. Auch mit dem Seelisch-Geistigen spielt sich Wesentliches ab vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Die Seele ist eine andere, wenn sie aufwacht und in den Leib zurückkehrt, als wenn sie den Leib verlassen hat. Und indem sie in den Leib wiederum eintritt, kann das so sein, dass nun, wie es im gewöhnlichen Leben ist, das Geistig-Seelische untertaucht einfach in den Leib und des Leibes sich bedient, indem es pfeilschnell in den Leib hineindringt und nun durch den Leib tätig ist, durch den Leib anschaut.
[ 41 ] Nun, wenn der Mensch eingeschlafen ist, so lebt sein Geistig-Seelisches. Der Geistesforscher kann vergleichen, was er in der geistigen Welt schaut, mit dem, was nun das unbewusste Geistig-Seelische vom Einschlafen bis zum Aufwachen erlebt. Es erlebt das Geistig-Seelische unbewausst in der geistigen Welt, bringt sich beim Aufwachen wiederum hinein in den physischen Leib und bedient sich dann des physischen Leibes, um mit der Umwelt in Beziehung zu treten. Nun ist es nicht so, dass es genügt, wenn man bloß schildert, was der Leib durchmacht vom Einschlafen bis zum Aufwachen, was da in ihm für organisch-physische Vorgänge sich abspielen. Auch mit dem Seelisch-Geistigen spielt sich Wesentliches ab vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Die Seele ist eine andere, wenn sie aufwacht und in den Leib zurückkehrt, als wenn sie den Leib verlassen hat. Und indem sie in den Leib wiederum eintritt, kann das so sein, dass nun, wie es im gewöhnlichen Leben ist, das Geistig-Seelische untertaucht einfach in den Leib und des Leibes sich bedient, indem es pfeilschnell in den Leib hineindringt und nun durch den Leib tätig ist, durch den Leib anschaut.
[ 42 ] Es kann aber auch der Fall eintreten, dass diejenigen Kräfte, diejenigen Inhalte, die sich das Geistig-Seelische erworben hat vom Einschlafen bis zum Aufwachen — wenn ich mich des Ausdrucks bedienen darf —, zu intensiv sind für einen Augenblick, um sogleich in den Leib unterzutauchen. Es stimmt nicht dasjenige beim Aufwachen, was die Seele sich angeeignet hat vom Einschlafen bis zum Aufwachen, mit der Konfiguration des Abbildes des Seelischen im Leibe überein, und so tritt dasjenige ein, was wie ein Zurückwerfen erscheint desjenigen, was die Seele unbewusst erlebt hat vom Einschlafen bis zum Aufwachen; was ihr wie in einem Spiegelbilde zurückgeworfen wird, indem sie aufwacht, weil sie sich nicht gleich beim Aufwachen anpassen kann an den Leib. Dadurch kleidet die Seele die ganz andersartigen Erlebnisse der geistigen Welt, die sie durchmacht vom Einschlafen bis zum Aufwachen, in dasjenige, was dem Gedächtnisschatz, was dem äußeren Leben entlehnt ist oder was umgestaltete Sinnesreize sind, umgestaltete Leibesreize sind.
[ 42 ] Es kann aber auch der Fall eintreten, dass diejenigen Kräfte, diejenigen Inhalte, die sich das Geistig-Seelische erworben hat vom Einschlafen bis zum Aufwachen — wenn ich mich des Ausdrucks bedienen darf —, zu intensiv sind für einen Augenblick, um sogleich in den Leib unterzutauchen. Es stimmt nicht dasjenige beim Aufwachen, was die Seele sich angeeignet hat vom Einschlafen bis zum Aufwachen, mit der Konfiguration des Abbildes des Seelischen im Leibe überein, und so tritt dasjenige ein, was wie ein Zurückwerfen erscheint desjenigen, was die Seele unbewusst erlebt hat vom Einschlafen bis zum Aufwachen; was ihr wie in einem Spiegelbilde zurückgeworfen wird, indem sie aufwacht, weil sie sich nicht gleich beim Aufwachen anpassen kann an den Leib. Dadurch kleidet die Seele die ganz andersartigen Erlebnisse der geistigen Welt, die sie durchmacht vom Einschlafen bis zum Aufwachen, in dasjenige, was dem Gedächtnisschatz, was dem äußeren Leben entlehnt ist oder was umgestaltete Sinnesreize sind, umgestaltete Leibesreize sind.
[ 43 ] Dasjenige, was im Menschen träumt, ist das Ewige, so wie dasjenige, was im Menschen den Geist erforscht, das Ewige ist, aber die Einkleidung ist eine solche, dass die Ereignisse des alltäglichen Lebens, die Reminiszenzen des gewöhnlichen Lebens eben nur das Kleid abgeben, sodass man sagen kann: Im Traume schaut das Ewige im Menschen das Zeitliche an. Aber es ist das Ewige, das im Menschen das Zeitliche anschaut. Und insofern ist der Traum, trotzdem das Inhaltliche seiner Bilder, die dem zeitlichen Leben entlehnt sind, nichts Besonderes ist, auch für den Geistesforscher, wenn es ein normaler Traum ist, eine wirkliche Offenbarung des im Menschen unbewusst lebenden Ewig-Geistigen, des Übersinnlichen. Der Geistesforscher ist in der Lage, dasjenige, was der Traum an Bildern darstellt, zu trennen von dem, was eigentlich dem Traume zugrunde liegt.
[ 43 ] Dasjenige, was im Menschen träumt, ist das Ewige, so wie dasjenige, was im Menschen den Geist erforscht, das Ewige ist, aber die Einkleidung ist eine solche, dass die Ereignisse des alltäglichen Lebens, die Reminiszenzen des gewöhnlichen Lebens eben nur das Kleid abgeben, sodass man sagen kann: Im Traume schaut das Ewige im Menschen das Zeitliche an. Aber es ist das Ewige, das im Menschen das Zeitliche anschaut. Und insofern ist der Traum, trotzdem das Inhaltliche seiner Bilder, die dem zeitlichen Leben entlehnt sind, nichts Besonderes ist, auch für den Geistesforscher, wenn es ein normaler Traum ist, eine wirkliche Offenbarung des im Menschen unbewusst lebenden Ewig-Geistigen, des Übersinnlichen. Der Geistesforscher ist in der Lage, dasjenige, was der Traum an Bildern darstellt, zu trennen von dem, was eigentlich dem Traume zugrunde liegt.
[ 44 ] Sehen Sie, ich habe kürzlich einmal von einem anderen Gesichtspunkte aus über die verschiedenen Erscheinungen des menschlichen Seelenlebens in einer Stadt gesprochen; in einer Stadt, in welcher besonders viel von jener sogenannten Wissenschaft getrieben wird, die man heute Psychoanalyse nennt. Diese Psychoanalyse beschäftigt sich ja unter anderem auch mit der Traumeswelt. Da waren einige Herren, die haben zugehört, was ich sagte, und sie haben, wie es mit der Geisteswissenschaft sehr häufig geht, gründlich missverstanden, was ich gesagt habe. Sie kamen sich unendlich gescheit vor gegenüber dem, was da auch über den Traum von mir gesagt worden ist. Sie sagten: Der mit seiner Geisteswissenschaft, der redet über den Traum. Wir wissen, dass der Traum nur eine symbolische Bedeutung hat, wir Psychoanalytiker. Wir wissen, der Traum ist nur als symbolische Sache zu behandeln, der aber nimmt den Traum seiner Wirklichkeit nach! Das ist eine Schiefheit.
[ 44 ] Sehen Sie, ich habe kürzlich einmal von einem anderen Gesichtspunkte aus über die verschiedenen Erscheinungen des menschlichen Seelenlebens in einer Stadt gesprochen; in einer Stadt, in welcher besonders viel von jener sogenannten Wissenschaft getrieben wird, die man heute Psychoanalyse nennt. Diese Psychoanalyse beschäftigt sich ja unter anderem auch mit der Traumeswelt. Da waren einige Herren, die haben zugehört, was ich sagte, und sie haben, wie es mit der Geisteswissenschaft sehr häufig geht, gründlich missverstanden, was ich gesagt habe. Sie kamen sich unendlich gescheit vor gegenüber dem, was da auch über den Traum von mir gesagt worden ist. Sie sagten: Der mit seiner Geisteswissenschaft, der redet über den Traum. Wir wissen, dass der Traum nur eine symbolische Bedeutung hat, wir Psychoanalytiker. Wir wissen, der Traum ist nur als symbolische Sache zu behandeln, der aber nimmt den Traum seiner Wirklichkeit nach! Das ist eine Schiefheit.
[ 45 ] Wie gesagt, sie kamen sich sehr gescheit vor. Aber dasjenige, in dem sie sich gescheit vorkamen, das war nur entnommen ihrem eigenen Nichtverstehen. Denn weder symbolisch noch sonst irgendwie nimmt der Geistesforscher den Inhalt des Traumes. Der Geistesforscher, der gewohnt ist, solche Dinge zu beobachten, der weiß Folgendes: Dasjenige, was wirklich in der Seele vorgeht zwischen Einschlafen und Aufwachen, das kann ein und dasselbe sein bei zehn Menschen; und diese zehn Menschen erzählen alle das Traumerlebnis, und bei zehn Menschen sind es dann zehn verschiedene Träume. Der Geistesforscher weiß dann, trotzdem inhaltlich die zehn Menschen zehn verschiedene Träume erzählen, dass diesen zehn verschiedenen Träumen ein und dasselbe, oder wenigstens ein sehr ähnliches geistiges, unbewusstes Erlebnis zugrunde liegt.
[ 45 ] Wie gesagt, sie kamen sich sehr gescheit vor. Aber dasjenige, in dem sie sich gescheit vorkamen, das war nur entnommen ihrem eigenen Nichtverstehen. Denn weder symbolisch noch sonst irgendwie nimmt der Geistesforscher den Inhalt des Traumes. Der Geistesforscher, der gewohnt ist, solche Dinge zu beobachten, der weiß Folgendes: Dasjenige, was wirklich in der Seele vorgeht zwischen Einschlafen und Aufwachen, das kann ein und dasselbe sein bei zehn Menschen; und diese zehn Menschen erzählen alle das Traumerlebnis, und bei zehn Menschen sind es dann zehn verschiedene Träume. Der Geistesforscher weiß dann, trotzdem inhaltlich die zehn Menschen zehn verschiedene Träume erzählen, dass diesen zehn verschiedenen Träumen ein und dasselbe, oder wenigstens ein sehr ähnliches geistiges, unbewusstes Erlebnis zugrunde liegt.
[ 46 ] Übrigens wird der Geistesforscher niemals, weder inhaltlich noch symbolisch, den Inhalt des Traumes als solchen nehmen; er weiß, dass man ein und denselben Traum auf zehn, auf hundert, auf tausend verschiedene Arten einkleiden kann, weil das Erlebnis das Zeitliche so schaut, dass es sich damit umkleidet. Daher sieht der Geistesforscher auf den Ablauf des Traumes, auf die Art und Weise, ob eine Lösung auf die Spannung folgt, ob ein Aufstieg und ein Abstieg folgt; die innere Dramatik, die Art des rhythmischen Verlaufes, ich möchte sagen, das Musikalische, das sich in der verschiedensten Weise ausdrückt durch die Traumbilder, das ist es, worauf er schaut; weder das Symbol noch der Inhalt ist maßgebend. Das Erlebnis ist die innere Dramatik. Der Traum ist das Zeugnis für ein wirklich geistiges Erlebnis, der Trauminhalt ist ein Kleid, das diesem Traumerlebnis angezogen ist. Aber durch diesen Trauminhalt sieht man, wenn man in solchen Dingen erfahren ist, hindurch auf dasjenige, was erlebt werden kann. Das ist das eine, wodurch Geisteswissenschaft auf das Wesen des Traumes hindeutet.
[ 46 ] Übrigens wird der Geistesforscher niemals, weder inhaltlich noch symbolisch, den Inhalt des Traumes als solchen nehmen; er weiß, dass man ein und denselben Traum auf zehn, auf hundert, auf tausend verschiedene Arten einkleiden kann, weil das Erlebnis das Zeitliche so schaut, dass es sich damit umkleidet. Daher sieht der Geistesforscher auf den Ablauf des Traumes, auf die Art und Weise, ob eine Lösung auf die Spannung folgt, ob ein Aufstieg und ein Abstieg folgt; die innere Dramatik, die Art des rhythmischen Verlaufes, ich möchte sagen, das Musikalische, das sich in der verschiedensten Weise ausdrückt durch die Traumbilder, das ist es, worauf er schaut; weder das Symbol noch der Inhalt ist maßgebend. Das Erlebnis ist die innere Dramatik. Der Traum ist das Zeugnis für ein wirklich geistiges Erlebnis, der Trauminhalt ist ein Kleid, das diesem Traumerlebnis angezogen ist. Aber durch diesen Trauminhalt sieht man, wenn man in solchen Dingen erfahren ist, hindurch auf dasjenige, was erlebt werden kann. Das ist das eine, wodurch Geisteswissenschaft auf das Wesen des Traumes hindeutet.
[ 47 ] Das andere ist noch das Folgende: Wenn der Geisteswissenschafter nach und nach vorrückt und zu seinen Erlebnissen in der geistigen Welt kommt, dann merkt er, dass gerade die Traumeswelt bei ihm sich umgestaltet. Ich habe unter denjenigen, die jetzt doch schon auch ganz zahlreich sich auch praktisch mit den Wegen der Geisteswissenschaft befassen, die jetzt schon öfter erfahren, wie sie ganz besonders dadurch von dieser Geisteswissenschaft einen für sie maßgebenden Begriff bekommen, wie diese Geisteswissenschaft ihnen ganz besonders wertvoll wird dadurch, dass sie sehen, wie sich das Traumleben umgestaltet, wie sie erfahren können, dass der Traum ja im gewöhnlichen Erleben etwas ist, was willkürlich Vorstellungsbild an Vorstellungsbild anreiht; wie sie dann dazu kommen, dass der Traum immer sinnvoller und sinnvoller wird; wie sie dahin kommen, dass sie den Traum in gewisser innerer Weise dirigieren können. Kurz, die Veränderung des Traumlebens, die Anähnlichung des Traumlebens an die erste Stufe des wirklichen geisteswissenschaftlichen Erkennens, das merken die verschiedensten Menschen, die nach und nach praktisch sich in die Geisteswissenschaft einleben. Sodass in der Tat durch diese Umgestaltung der Traumwelt der Geistesforscher herankommt an das Wesen des Traumes. Er hebt den Traum selber durch das, was er als Geistesforscher wird, aus seiner Zeitlichkeit heraus; der Traum hat nicht mehr die Neigung, nur Zeitliches anzunehmen als Kleid.
[ 47 ] Das andere ist noch das Folgende: Wenn der Geisteswissenschafter nach und nach vorrückt und zu seinen Erlebnissen in der geistigen Welt kommt, dann merkt er, dass gerade die Traumeswelt bei ihm sich umgestaltet. Ich habe unter denjenigen, die jetzt doch schon auch ganz zahlreich sich auch praktisch mit den Wegen der Geisteswissenschaft befassen, die jetzt schon öfter erfahren, wie sie ganz besonders dadurch von dieser Geisteswissenschaft einen für sie maßgebenden Begriff bekommen, wie diese Geisteswissenschaft ihnen ganz besonders wertvoll wird dadurch, dass sie sehen, wie sich das Traumleben umgestaltet, wie sie erfahren können, dass der Traum ja im gewöhnlichen Erleben etwas ist, was willkürlich Vorstellungsbild an Vorstellungsbild anreiht; wie sie dann dazu kommen, dass der Traum immer sinnvoller und sinnvoller wird; wie sie dahin kommen, dass sie den Traum in gewisser innerer Weise dirigieren können. Kurz, die Veränderung des Traumlebens, die Anähnlichung des Traumlebens an die erste Stufe des wirklichen geisteswissenschaftlichen Erkennens, das merken die verschiedensten Menschen, die nach und nach praktisch sich in die Geisteswissenschaft einleben. Sodass in der Tat durch diese Umgestaltung der Traumwelt der Geistesforscher herankommt an das Wesen des Traumes. Er hebt den Traum selber durch das, was er als Geistesforscher wird, aus seiner Zeitlichkeit heraus; der Traum hat nicht mehr die Neigung, nur Zeitliches anzunehmen als Kleid.
[ 48 ] Ein großer Moment, wenn der Geistesforscher so weit ist, dass er nicht nur äußerlich Bildliches, das symbolischen Wert hat, träumt, sondern dass er im Traume hineinkommt in das, in das er sonst willkürlich hineinkommt; ein großer Moment, wenn er kennenlernt, wenn ihm die geistige Welt durch den Traum zuschickt Erlebnisse, die hereindringen wie durch Gnade in das gewöhnliche Erleben, und die nicht mehr Träume sind, trotzdem sie in der einen oder anderen Richtung noch durchaus so auftreten wie ein Traum. So kann man sagen: Gerade der geisteswissenschaftliche Gesichtspunkt zeigt, dass der Traum aus dem ewigen Geistig-Seelischen herausquillt, dass aber der Mensch, der dieses ewige Geistig-Seelische sich noch nicht zum Bewusstsein gebracht hat, einkleidet die Ereignisse, die er zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen hat, in die Reminiszenzen, in die Eindrücke des alltäglichen Lebens.
[ 48 ] Ein großer Moment, wenn der Geistesforscher so weit ist, dass er nicht nur äußerlich Bildliches, das symbolischen Wert hat, träumt, sondern dass er im Traume hineinkommt in das, in das er sonst willkürlich hineinkommt; ein großer Moment, wenn er kennenlernt, wenn ihm die geistige Welt durch den Traum zuschickt Erlebnisse, die hereindringen wie durch Gnade in das gewöhnliche Erleben, und die nicht mehr Träume sind, trotzdem sie in der einen oder anderen Richtung noch durchaus so auftreten wie ein Traum. So kann man sagen: Gerade der geisteswissenschaftliche Gesichtspunkt zeigt, dass der Traum aus dem ewigen Geistig-Seelischen herausquillt, dass aber der Mensch, der dieses ewige Geistig-Seelische sich noch nicht zum Bewusstsein gebracht hat, einkleidet die Ereignisse, die er zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen hat, in die Reminiszenzen, in die Eindrücke des alltäglichen Lebens.
[ 49 ] Ist so der Traum auf der einen Seite der unterbewussten oder unbewussten Ereignisse etwas, das durchaus, auch wenn es nun geisteswissenschaftlich durchschaut wird, als etwas Gesundes angesehen werden darf, so kann das viel weniger gesagt werden in Bezug auf die anderen Grenzgebiete. Merkwürdig ist, dass es sogar Philosophen gibt, Eduard von Hartmann gehörte sogar zu ihnen, die die Traumbilder, deren Ursprung wir jetzt etwas erkannt haben, mit Halluzinationen, mit Visionen vergleichen. Während das Traumbild aber etwas ist, was aus dem Geistig-Seelischen selber hervorgeht, was nur im Zusammenstoßen mit der Leiblichkeit entsteht, ist die Vision, die Halluzination etwas, woran allerdings die Leiblichkeit sehr, sehr stark beteiligt ist. Während der Traum in seinem Erleben aus dem Seelisch-Geistigen herausquillt und die Leiblichkeit nur die Veranlassung gibt, dass der Traum auftritt, ist die Konstitution, die Verfassung der Leiblichkeit die Veranlassung für alles dasjenige, was auf dem Felde der Halluzination, der Vision, des Somnambulismus, des Mediumismus und dergleichen in das menschliche Seelenleben abnorm hereindringt.
[ 49 ] Ist so der Traum auf der einen Seite der unterbewussten oder unbewussten Ereignisse etwas, das durchaus, auch wenn es nun geisteswissenschaftlich durchschaut wird, als etwas Gesundes angesehen werden darf, so kann das viel weniger gesagt werden in Bezug auf die anderen Grenzgebiete. Merkwürdig ist, dass es sogar Philosophen gibt, Eduard von Hartmann gehörte sogar zu ihnen, die die Traumbilder, deren Ursprung wir jetzt etwas erkannt haben, mit Halluzinationen, mit Visionen vergleichen. Während das Traumbild aber etwas ist, was aus dem Geistig-Seelischen selber hervorgeht, was nur im Zusammenstoßen mit der Leiblichkeit entsteht, ist die Vision, die Halluzination etwas, woran allerdings die Leiblichkeit sehr, sehr stark beteiligt ist. Während der Traum in seinem Erleben aus dem Seelisch-Geistigen herausquillt und die Leiblichkeit nur die Veranlassung gibt, dass der Traum auftritt, ist die Konstitution, die Verfassung der Leiblichkeit die Veranlassung für alles dasjenige, was auf dem Felde der Halluzination, der Vision, des Somnambulismus, des Mediumismus und dergleichen in das menschliche Seelenleben abnorm hereindringt.
[ 50 ] Sie können ein charakteristisches Kennzeichen sehen für das menschliche Erleben vom rein geisteswissenschaftlichen Standpunkte aus, zu dem leicht der naturwissenschaftliche hinzugefügt werden könnte, wenn Sie das auffassen, dass es darauf ankommt, dass der Mensch, der, wie ich gestern sagte, nur seinem Wesen nach zu kennzeichnen ist, wenn er nach Leib, Seele und Geist betrachtet wird, dass der Mensch ein Verhältnis des Geistes zum Leibe nur auf dem Umwege durch die Seele hat. Die Seele stellt sich in die Mitte hinein. Der Mensch selbst als Träumer lebt nicht einfach so, dass er den Geist in eine Beziehung zum Leibe bringt, sondern so, dass er den Geist auf dem Umwege des Seelischen in ein Verhältnis zum Leibe bringt. Die Seele ist das Zwischenglied für das normale Leben zwischen dem Geist und dem Leibe. Dasjenige nun, was im menschlichen Organismus eintreten kann und was gewisse abnorme Erscheinungen des geistig-seelischen Lebens hervorrufen kann, das ist das, dass im Menschen durch Krankhaftes, dauernd oder vorübergehend Krankhaftes im Organismus gewissermaßen dieser regelmäßige Zusammenhang, der sich dadurch herstellt, dass der Geist mit dem Leibe nur zusammenhängt durch die Seele, dass überall das Geistige zuerst auf die Seele wirkt und dadurch erst auf den Leib, dass dieser Zusammenhang dadurch durchbrochen wird, dass gewissermaßen durch die krankhafte Organisation das Seelische in einer gewissen Weise ausgeschaltet wird. Die Ausschaltung kommt nicht durch die äußeren Sinnesorgane, sondern durch mehr innen gelegene Organe. Wenn gewisse Organe krankhaft sind, dann kann das Geistig-Seelische nicht den ganzen Leib erfassen, indem es durch diesen Leib mit der Außenwelt in Beziehung tritt, sondern es muss sich des Leibes mit Ausschluss der krankhaften Glieder oftmals bedienen.
[ 50 ] Sie können ein charakteristisches Kennzeichen sehen für das menschliche Erleben vom rein geisteswissenschaftlichen Standpunkte aus, zu dem leicht der naturwissenschaftliche hinzugefügt werden könnte, wenn Sie das auffassen, dass es darauf ankommt, dass der Mensch, der, wie ich gestern sagte, nur seinem Wesen nach zu kennzeichnen ist, wenn er nach Leib, Seele und Geist betrachtet wird, dass der Mensch ein Verhältnis des Geistes zum Leibe nur auf dem Umwege durch die Seele hat. Die Seele stellt sich in die Mitte hinein. Der Mensch selbst als Träumer lebt nicht einfach so, dass er den Geist in eine Beziehung zum Leibe bringt, sondern so, dass er den Geist auf dem Umwege des Seelischen in ein Verhältnis zum Leibe bringt. Die Seele ist das Zwischenglied für das normale Leben zwischen dem Geist und dem Leibe. Dasjenige nun, was im menschlichen Organismus eintreten kann und was gewisse abnorme Erscheinungen des geistig-seelischen Lebens hervorrufen kann, das ist das, dass im Menschen durch Krankhaftes, dauernd oder vorübergehend Krankhaftes im Organismus gewissermaßen dieser regelmäßige Zusammenhang, der sich dadurch herstellt, dass der Geist mit dem Leibe nur zusammenhängt durch die Seele, dass überall das Geistige zuerst auf die Seele wirkt und dadurch erst auf den Leib, dass dieser Zusammenhang dadurch durchbrochen wird, dass gewissermaßen durch die krankhafte Organisation das Seelische in einer gewissen Weise ausgeschaltet wird. Die Ausschaltung kommt nicht durch die äußeren Sinnesorgane, sondern durch mehr innen gelegene Organe. Wenn gewisse Organe krankhaft sind, dann kann das Geistig-Seelische nicht den ganzen Leib erfassen, indem es durch diesen Leib mit der Außenwelt in Beziehung tritt, sondern es muss sich des Leibes mit Ausschluss der krankhaften Glieder oftmals bedienen.
[ 51 ] Dann tritt der Geist, statt auf dem Umweg des Seelischen, wegen des kranken Leibes in ein unmittelbares Verhältnis zum Leibe. Es wird das Seelische in einer gewissen Weise umgangen. Dadurch wird UnregelmäRigkeit in das Bewusstsein hineingetragen, es wird eine Durchbrechung des Bewusstseins hervorgerufen. Wird zum Beispiel ein Geistiges erlebt, ohne dass es dadurch, dass ein gewisses Organ des Gehirns oder des Nervensystems oder der Blutzirkulation gesund ist, durch die Seele vermittelt wird, wird ein gewisses Geist-Erlebnis nicht so aufgenommen, dass sich die Seele des Leibes in der richtigen Weise bedienen kann, um das Geist-Erlebnis seelisch zu verarbeiten, so tritt der Leib unmittelbar unter die Wirkung des Geistes, nicht auf dem Umwege des Seelischen. Dann wird das unmittelbare Erleben des Geistes — es ist auch ein Erleben des Geistes, aber ein solches, das die menschliche Konstitution krankhaft durchdringt —, dann wird das Erleben des Geistes zur Halluzination, zur Vision.
[ 51 ] Dann tritt der Geist, statt auf dem Umweg des Seelischen, wegen des kranken Leibes in ein unmittelbares Verhältnis zum Leibe. Es wird das Seelische in einer gewissen Weise umgangen. Dadurch wird UnregelmäRigkeit in das Bewusstsein hineingetragen, es wird eine Durchbrechung des Bewusstseins hervorgerufen. Wird zum Beispiel ein Geistiges erlebt, ohne dass es dadurch, dass ein gewisses Organ des Gehirns oder des Nervensystems oder der Blutzirkulation gesund ist, durch die Seele vermittelt wird, wird ein gewisses Geist-Erlebnis nicht so aufgenommen, dass sich die Seele des Leibes in der richtigen Weise bedienen kann, um das Geist-Erlebnis seelisch zu verarbeiten, so tritt der Leib unmittelbar unter die Wirkung des Geistes, nicht auf dem Umwege des Seelischen. Dann wird das unmittelbare Erleben des Geistes — es ist auch ein Erleben des Geistes, aber ein solches, das die menschliche Konstitution krankhaft durchdringt —, dann wird das Erleben des Geistes zur Halluzination, zur Vision.
[ 52 ] Mit diesen hat dasjenige, was geisteswissenschaftliche Forschung ist, nichts zu tun. Denn geisteswissenschaftliche Forschung sieht darauf, dass der Mensch nicht etwa das im gewöhnlichen Leben bestehende Verhältnis zwischen Leib, Seele und Geist durchbricht, sondern dass er das Seelische noch reicher macht, sodass das Verhältnis des Geistes zum Leibe durch ein reiches Seelenleben bewirkt wird. Ein verarmtes Seelenleben kann aber eintreten, wenn sich der Mensch durch eine Erkrankung in seinem Leibe nicht des ganzen Leibes bedienen kann, um sich mit der Umwelt in ein Verhältnis zu setzen. Daher ist für den Geistesforscher dasjenige, was als Vision, als Halluzination erfahren wird, was nicht so zum geistigen Leben steht wie der Traum, das ist für den Geistesforscher etwas, das er von seinem Gesichtspunkte aus ansehen muss zwar als ein geistiges Erlebnis, aber nicht als ein solches, das etwa wertvoller wäre als das gewöhnliche sinnliche Anschauen, sondern das weniger wertvoll ist als das gewöhnliche sinnliche Anschauen.
[ 52 ] Mit diesen hat dasjenige, was geisteswissenschaftliche Forschung ist, nichts zu tun. Denn geisteswissenschaftliche Forschung sieht darauf, dass der Mensch nicht etwa das im gewöhnlichen Leben bestehende Verhältnis zwischen Leib, Seele und Geist durchbricht, sondern dass er das Seelische noch reicher macht, sodass das Verhältnis des Geistes zum Leibe durch ein reiches Seelenleben bewirkt wird. Ein verarmtes Seelenleben kann aber eintreten, wenn sich der Mensch durch eine Erkrankung in seinem Leibe nicht des ganzen Leibes bedienen kann, um sich mit der Umwelt in ein Verhältnis zu setzen. Daher ist für den Geistesforscher dasjenige, was als Vision, als Halluzination erfahren wird, was nicht so zum geistigen Leben steht wie der Traum, das ist für den Geistesforscher etwas, das er von seinem Gesichtspunkte aus ansehen muss zwar als ein geistiges Erlebnis, aber nicht als ein solches, das etwa wertvoller wäre als das gewöhnliche sinnliche Anschauen, sondern das weniger wertvoll ist als das gewöhnliche sinnliche Anschauen.
[ 53 ] In einem solchen unregelmäßigen geistigen Erleben wie in der Halluzination, in der Vision, im somnambulen Reden und Handeln, im Mediumismus, der ein künstlicher Somnambulismus ist, steht der Mensch weniger im Verhältnis zur Umwelt, als er im sinnlichen Wahrnehmen steht. Das ist das Wichtige. Das ist dasjenige, was man besonders einsehen muss. Und so kann es geschehen, dass der Mensch, weil er nicht nur zum Anschauen der Umwelt, sondern auch zum vernünftigen logischen Begreifen der Umwelt nötig hat dasjenige, was man Urteil über die Umwelt nennt; zu dem hat er nötig den Gebrauch des gesamten Leibes. Ist nun der Leib abnorm gebildet, so kann er auch kein vernünftiges Urteil gewinnen über das, was sich ihm geistig darstellt. Während der Mensch auf der einen Seite dasjenige, was er im Traume erlebt, mit Vernunft im Wachzustand überschauen kann, ist er nicht imstande, das, was er in der Vision, in der Halluzination erlebt, in die Erlebnisse des gewöhnlichen Wachzustandes zu übertragen, es zu überschauen.
[ 53 ] In einem solchen unregelmäßigen geistigen Erleben wie in der Halluzination, in der Vision, im somnambulen Reden und Handeln, im Mediumismus, der ein künstlicher Somnambulismus ist, steht der Mensch weniger im Verhältnis zur Umwelt, als er im sinnlichen Wahrnehmen steht. Das ist das Wichtige. Das ist dasjenige, was man besonders einsehen muss. Und so kann es geschehen, dass der Mensch, weil er nicht nur zum Anschauen der Umwelt, sondern auch zum vernünftigen logischen Begreifen der Umwelt nötig hat dasjenige, was man Urteil über die Umwelt nennt; zu dem hat er nötig den Gebrauch des gesamten Leibes. Ist nun der Leib abnorm gebildet, so kann er auch kein vernünftiges Urteil gewinnen über das, was sich ihm geistig darstellt. Während der Mensch auf der einen Seite dasjenige, was er im Traume erlebt, mit Vernunft im Wachzustand überschauen kann, ist er nicht imstande, das, was er in der Vision, in der Halluzination erlebt, in die Erlebnisse des gewöhnlichen Wachzustandes zu übertragen, es zu überschauen.
[ 54 ] Nun ist das Bedeutungsvolle dieses, dass ja nun allerdings, wenn der Leib von außen gesehen solche Abnormitäten zeigt, es scheinbar geistige Erlebnisse sind, das gibt ja der Geistesforscher zu, nur sollen sie nicht hervorgerufen werden; wenn sie naturgemäß hervorgerufen werden, sind sie Zeugen von Krankheit, wenn sie künstlich hervorgerufen werden, bewirken sie Krankheit. Weil man diese Dinge aber äußerlich wie im Laboratorium untersuchen will — die doch Erscheinungen des Lebens selber sind —, weil man sie nach dem Schema der naturwissenschaftlichen Anschauungsweise erklären will, so kann man es denn erleben, dass selbst diejenigen, die gute, hervorragende, bedeutungsvolle Naturforscher sind, vollständig straucheln auf diesem Gebiet.
[ 54 ] Nun ist das Bedeutungsvolle dieses, dass ja nun allerdings, wenn der Leib von außen gesehen solche Abnormitäten zeigt, es scheinbar geistige Erlebnisse sind, das gibt ja der Geistesforscher zu, nur sollen sie nicht hervorgerufen werden; wenn sie naturgemäß hervorgerufen werden, sind sie Zeugen von Krankheit, wenn sie künstlich hervorgerufen werden, bewirken sie Krankheit. Weil man diese Dinge aber äußerlich wie im Laboratorium untersuchen will — die doch Erscheinungen des Lebens selber sind —, weil man sie nach dem Schema der naturwissenschaftlichen Anschauungsweise erklären will, so kann man es denn erleben, dass selbst diejenigen, die gute, hervorragende, bedeutungsvolle Naturforscher sind, vollständig straucheln auf diesem Gebiet.
[ 55 ] Ich möchte einen Fall hier anführen, den ich schon einmal angedeutet habe, anführen aus dem Grunde, weil er ein charakteristischer Fall ist, weil er zeigt, wie gerade bei Naturforschern die Sehnsucht heute besteht, in das, was sie das übersinnliche Gebiet nennen, einzudringen, wie sie aber dann nicht an die Geisteswissenschaft herankommen wollen, sondern wie sie bei den gewöhnlichen naturwissenschaftlichen Methoden stehen bleiben wollen. Diesen Fall, ich bespreche ihn nicht deshalb, weil ich selbst irgendwie zu seiner Wahrheit oder Nichtwahrheit Stellung nehmen will, sondern weil ich daran zeigen will, wie sich zum Geistig-Übersinnlichen ein naturwissenschaftlich einwandfreier, ein hervorragender Gelehrter der Gegenwart verhält.
[ 55 ] Ich möchte einen Fall hier anführen, den ich schon einmal angedeutet habe, anführen aus dem Grunde, weil er ein charakteristischer Fall ist, weil er zeigt, wie gerade bei Naturforschern die Sehnsucht heute besteht, in das, was sie das übersinnliche Gebiet nennen, einzudringen, wie sie aber dann nicht an die Geisteswissenschaft herankommen wollen, sondern wie sie bei den gewöhnlichen naturwissenschaftlichen Methoden stehen bleiben wollen. Diesen Fall, ich bespreche ihn nicht deshalb, weil ich selbst irgendwie zu seiner Wahrheit oder Nichtwahrheit Stellung nehmen will, sondern weil ich daran zeigen will, wie sich zum Geistig-Übersinnlichen ein naturwissenschaftlich einwandfreier, ein hervorragender Gelehrter der Gegenwart verhält.
[ 56 ] Es ist der Fall, den ausführlich in einem dicken Buche Sir Oliver Lodge beschreibt und der so ungeheuer viel Aufsehen gemacht hat, nur erfährt man über die Fronten hinüber weniger von solchen Dingen als sonst. Die Ereignisse sind folgende: Der Sohn des berühmten Naturforschers Oliver Lodge war an der französischen Front. Der Vater bekam von Amerika aus nach London einen Brief, worin er aufmerksam gemacht wird, dass ein Medium gesagt habe, es stehe dem Sohne Wichtiges bevor, Entscheidendes bevor, aber die Seele eines abgeschiedenen Freundes von Oliver Lodge werde in diesem entscheidenden Augenblick vom Übersinnlichen aus sich des Sohnes annehmen. Das war schon eine Mitteilung, die man auf diese und auf diese Art lesen kann selbstverständlich. Es hätte ja alles Mögliche geschehen können und die Mitteilung hätte doch, äußerlich angesehen, wahr sein können. Der Sohn hätte in Lebensgefahr kommen können und gerettet werden können, dann hätte der Schreiber gesagt: Nun ja, Myers, des Freundes Seele, ist dem Sohne beigestanden, deshalb ist er nicht gefallen. Nun ist aber der Sohn gefallen. Da wurde nun von derselben Seite her die Sache so ausgelegt, dass die Seele des Sohnes ja hinübergegangen ist und dass im Jenseits ihr geholfen wird von dem Freunde, der viele Jahre vorher im Jenseits war. Wäre ein Drittes, ein Viertes möglich, es wäre durch die Weitmaschigkeit einer solchen Voraussage zu treffen gewesen.
[ 56 ] Es ist der Fall, den ausführlich in einem dicken Buche Sir Oliver Lodge beschreibt und der so ungeheuer viel Aufsehen gemacht hat, nur erfährt man über die Fronten hinüber weniger von solchen Dingen als sonst. Die Ereignisse sind folgende: Der Sohn des berühmten Naturforschers Oliver Lodge war an der französischen Front. Der Vater bekam von Amerika aus nach London einen Brief, worin er aufmerksam gemacht wird, dass ein Medium gesagt habe, es stehe dem Sohne Wichtiges bevor, Entscheidendes bevor, aber die Seele eines abgeschiedenen Freundes von Oliver Lodge werde in diesem entscheidenden Augenblick vom Übersinnlichen aus sich des Sohnes annehmen. Das war schon eine Mitteilung, die man auf diese und auf diese Art lesen kann selbstverständlich. Es hätte ja alles Mögliche geschehen können und die Mitteilung hätte doch, äußerlich angesehen, wahr sein können. Der Sohn hätte in Lebensgefahr kommen können und gerettet werden können, dann hätte der Schreiber gesagt: Nun ja, Myers, des Freundes Seele, ist dem Sohne beigestanden, deshalb ist er nicht gefallen. Nun ist aber der Sohn gefallen. Da wurde nun von derselben Seite her die Sache so ausgelegt, dass die Seele des Sohnes ja hinübergegangen ist und dass im Jenseits ihr geholfen wird von dem Freunde, der viele Jahre vorher im Jenseits war. Wäre ein Drittes, ein Viertes möglich, es wäre durch die Weitmaschigkeit einer solchen Voraussage zu treffen gewesen.
[ 57 ] Sir Oliver Lodge ist nun ein Mann, der vom Standpunkte strenger naturwissenschaftlicher Gewissenhaftigkeit schildert, deshalb kann der Fall von jemand überschaut werden, der sich auf der einen Seite versteht auf naturwissenschaftliche Gewissenhaftigkeit und auf der anderen Seite auf dasjenige, was über so etwas gesagt werden kann; man kann sich daher Aufschluss verschaffen aus dem Buche über dasjenige, was da eigentlich vorliegt.
[ 57 ] Sir Oliver Lodge ist nun ein Mann, der vom Standpunkte strenger naturwissenschaftlicher Gewissenhaftigkeit schildert, deshalb kann der Fall von jemand überschaut werden, der sich auf der einen Seite versteht auf naturwissenschaftliche Gewissenhaftigkeit und auf der anderen Seite auf dasjenige, was über so etwas gesagt werden kann; man kann sich daher Aufschluss verschaffen aus dem Buche über dasjenige, was da eigentlich vorliegt.
[ 58 ] Nun, Sir Oliver Lodge, nachdem er den Sohn verloren hatte, ihm wurde zugetragen — es sind immer Mittel und Wege da, wie man, namentlich wenn es sich um einen berühmten Mann handelt, den Leuten Medien, Somnambule zuschiebt —, ihm wurden zugeschoben verschiedene Medien. Sir Oliver Lodge wollte sich nur einlassen mit absoluter, gewissenhaftester Beobachtung aller Vorsicht, die nur angewendet werden kann. Nun schildert er, wie die Medien Botschaften bringen, als Sprechmedien oder sonst als Schreibmedien, Botschaften, die von dem Sohne herrühren sollten. Darin ist ja nun vieles enthalten, das ja wirklich keinen tieferen Eindruck macht auf den Leser als vieles, was sonst bei Spiritisten zu finden ist; aber eines hat auf Sir Oliver Lodge einen tiefen Eindruck gemacht. Und selbst auf die skeptischen Journalisten in weitesten Kreisen hat es einen Eindruck gemacht. Das ist das, was Sir Oliver Lodge als ein «experimentum crucis», als ein Kreuzexperiment anführt.
[ 58 ] Nun, Sir Oliver Lodge, nachdem er den Sohn verloren hatte, ihm wurde zugetragen — es sind immer Mittel und Wege da, wie man, namentlich wenn es sich um einen berühmten Mann handelt, den Leuten Medien, Somnambule zuschiebt —, ihm wurden zugeschoben verschiedene Medien. Sir Oliver Lodge wollte sich nur einlassen mit absoluter, gewissenhaftester Beobachtung aller Vorsicht, die nur angewendet werden kann. Nun schildert er, wie die Medien Botschaften bringen, als Sprechmedien oder sonst als Schreibmedien, Botschaften, die von dem Sohne herrühren sollten. Darin ist ja nun vieles enthalten, das ja wirklich keinen tieferen Eindruck macht auf den Leser als vieles, was sonst bei Spiritisten zu finden ist; aber eines hat auf Sir Oliver Lodge einen tiefen Eindruck gemacht. Und selbst auf die skeptischen Journalisten in weitesten Kreisen hat es einen Eindruck gemacht. Das ist das, was Sir Oliver Lodge als ein «experimentum crucis», als ein Kreuzexperiment anführt.
[ 59 ] Es ist das Folgende. Das Medium sagte: Ja, jetzt kommt eine Botschaft von dem verstorbenen Sohne; die Seele Myers ist auch dabei. Beide kündigen sich an. Aber der Sohn weist hin darauf, dass eine Fotografie besteht, die, kurz bevor er gefallen ist, an der französischen Front aufgenommen wurde. Er ist auf der Fotografie mit einer ganzen Reihe von Kameraden. Die Aufnahme ist mehrmals gemacht worden. Bei der einen Aufnahme hält der Sohn die Hand auf die eine Schulter eines Kameraden in der Weise, bei der nächsten Aufnahme ist die ganze Stellung des Sohnes etwas anders angeordnet, und so weiter. Schön. Die Fotografien wurden genau beschrieben. Man konnte sich eine Vorstellung davon machen, wie die Fotografien waren. Sie waren aber nicht da. Niemand wusste etwas davon; niemand konnte etwas davon wissen, weder das Medium noch die anderen. Man konnte das Ganze zunächst als einen Humbug ansehen. Aber das Wesentliche ist: Nach zwei Wochen, glaube ich, kam der Brief mit den Fotografien, die also in der Zeit, als das Medium darüber gesprochen hat, noch drüben in Frankreich waren; es kam der Brief nach zwei Wochen in London an; man konnte sich überzeugen, genau stimmte die Beschreibung mit den Bildern überein. Die Fotografien waren da — ein experimentum crucis, ein Kreuzexperiment. In der Tat etwas, was genügt hat der wissenschaftlichen Gewissenhaftigkeit des Sir Oliver Lodge, was unzählige Menschen überzeugt hat.
[ 59 ] Es ist das Folgende. Das Medium sagte: Ja, jetzt kommt eine Botschaft von dem verstorbenen Sohne; die Seele Myers ist auch dabei. Beide kündigen sich an. Aber der Sohn weist hin darauf, dass eine Fotografie besteht, die, kurz bevor er gefallen ist, an der französischen Front aufgenommen wurde. Er ist auf der Fotografie mit einer ganzen Reihe von Kameraden. Die Aufnahme ist mehrmals gemacht worden. Bei der einen Aufnahme hält der Sohn die Hand auf die eine Schulter eines Kameraden in der Weise, bei der nächsten Aufnahme ist die ganze Stellung des Sohnes etwas anders angeordnet, und so weiter. Schön. Die Fotografien wurden genau beschrieben. Man konnte sich eine Vorstellung davon machen, wie die Fotografien waren. Sie waren aber nicht da. Niemand wusste etwas davon; niemand konnte etwas davon wissen, weder das Medium noch die anderen. Man konnte das Ganze zunächst als einen Humbug ansehen. Aber das Wesentliche ist: Nach zwei Wochen, glaube ich, kam der Brief mit den Fotografien, die also in der Zeit, als das Medium darüber gesprochen hat, noch drüben in Frankreich waren; es kam der Brief nach zwei Wochen in London an; man konnte sich überzeugen, genau stimmte die Beschreibung mit den Bildern überein. Die Fotografien waren da — ein experimentum crucis, ein Kreuzexperiment. In der Tat etwas, was genügt hat der wissenschaftlichen Gewissenhaftigkeit des Sir Oliver Lodge, was unzählige Menschen überzeugt hat.
[ 60 ] Man kann es begreifen. Aber als Geistesforscher geht man an die Sache doch noch mit anderen Gesichtspunkten heran. Man kann sagen: Gerade weil Sir Oliver Lodge die Sache so genau beschrieben hat, deshalb ist es, dass man aus dieser Beschreibung unmittelbar erkennen kann, wie sich der Fall verhält. Dann wundert man sich nur, wenn man ein wenig bekannt ist in der einschlägigen Literatur, dass solch ein Mann wie Sir Oliver Lodge den Fall, wenn er auch so sonderbar liegt, dass man, wenn man nicht auf der Hand Liegendes immer abweisen will, überzeugt werden kann — man wundert sich doch, dass er nicht den Fall vergleicht mit den unzähligen Fällen, die bekannt sind bei Somnambulen als, ich möchte sagen, Ansteckung der Sinnesorgane mit Verstandesurteilen. Wer kennt nicht, wenn er bekannt ist mit der Literatur, wer kennt nicht den Fall, dass irgendjemand eine Vision hat, einen Eindruck hat: In drei Wochen werde ich, wenn ich reite, vom Pferde stürzen. Er hat ganz genau visionär das Bild vor sich. Er versucht es sogar zu verhindern, aber das führt gerade die Sache herbei. Solche Dinge sind ja vielfach zu finden in der Literatur.
[ 60 ] Man kann es begreifen. Aber als Geistesforscher geht man an die Sache doch noch mit anderen Gesichtspunkten heran. Man kann sagen: Gerade weil Sir Oliver Lodge die Sache so genau beschrieben hat, deshalb ist es, dass man aus dieser Beschreibung unmittelbar erkennen kann, wie sich der Fall verhält. Dann wundert man sich nur, wenn man ein wenig bekannt ist in der einschlägigen Literatur, dass solch ein Mann wie Sir Oliver Lodge den Fall, wenn er auch so sonderbar liegt, dass man, wenn man nicht auf der Hand Liegendes immer abweisen will, überzeugt werden kann — man wundert sich doch, dass er nicht den Fall vergleicht mit den unzähligen Fällen, die bekannt sind bei Somnambulen als, ich möchte sagen, Ansteckung der Sinnesorgane mit Verstandesurteilen. Wer kennt nicht, wenn er bekannt ist mit der Literatur, wer kennt nicht den Fall, dass irgendjemand eine Vision hat, einen Eindruck hat: In drei Wochen werde ich, wenn ich reite, vom Pferde stürzen. Er hat ganz genau visionär das Bild vor sich. Er versucht es sogar zu verhindern, aber das führt gerade die Sache herbei. Solche Dinge sind ja vielfach zu finden in der Literatur.
[ 61 ] Es gibt eine solche Heraufrufung durch krankhafte Störungen, durch nicht vollständiges Beherrschen seines Leibes gerade, ein solches Verfeinern desjenigen, was in der normalen Organisation unterbewusst bleiben muss, in das Bewusstsein hinauf, dass man namentlich solche Dinge, die der menschlichen Kultur angehören, wo man diese durch räumliches oder zeitliches Ferngesicht haben kann. — Nun ist für denjenigen, der das Buch von Sir Oliver Lodge durchnimmt, dasjenige, was das somnambule Medium gesehen hat, in der Tat nichts anderes als ein zeitliches Ferngesicht. Die Fotografien kamen an in zwei Wochen. Das Medium sah voraus — wie der andere Mensch voraussah sein Stürzen vom Pferde — die Fotografien. Mit nichts hat das zu tun, was man nennen könnte eine Offenbarung aus der übersinnlichen Welt, sondern es ist nur ein verfeinertes Wahrnehmen desjenigen, was innerhalb der sinnlichen Welt auch da ist. Gerade das muss man bei diesen Dingen ins Auge fassen, dass man genau unterscheiden muss dasjenige, wo der Geist unmittelbar in das Körperliche hineinspielt. Das ist nichts, was uns hinausführt in das Übersinnliche. Gerade weil Geisteswissenschaft den Menschen einführen will in die wahre übersinnliche Welt, muss sie Gewicht darauf legen, zu verstehen, was die abnormen Fälle sind, in denen durch ein verfeinertes Sinnenleben der Mensch irgendetwas erfährt, was ja auch nichts anderes ist als eine Kundgebung aus der gewöhnlichen physischen Welt, nur dass es auf abnorme Weise erfahren wird.
[ 61 ] Es gibt eine solche Heraufrufung durch krankhafte Störungen, durch nicht vollständiges Beherrschen seines Leibes gerade, ein solches Verfeinern desjenigen, was in der normalen Organisation unterbewusst bleiben muss, in das Bewusstsein hinauf, dass man namentlich solche Dinge, die der menschlichen Kultur angehören, wo man diese durch räumliches oder zeitliches Ferngesicht haben kann. — Nun ist für denjenigen, der das Buch von Sir Oliver Lodge durchnimmt, dasjenige, was das somnambule Medium gesehen hat, in der Tat nichts anderes als ein zeitliches Ferngesicht. Die Fotografien kamen an in zwei Wochen. Das Medium sah voraus — wie der andere Mensch voraussah sein Stürzen vom Pferde — die Fotografien. Mit nichts hat das zu tun, was man nennen könnte eine Offenbarung aus der übersinnlichen Welt, sondern es ist nur ein verfeinertes Wahrnehmen desjenigen, was innerhalb der sinnlichen Welt auch da ist. Gerade das muss man bei diesen Dingen ins Auge fassen, dass man genau unterscheiden muss dasjenige, wo der Geist unmittelbar in das Körperliche hineinspielt. Das ist nichts, was uns hinausführt in das Übersinnliche. Gerade weil Geisteswissenschaft den Menschen einführen will in die wahre übersinnliche Welt, muss sie Gewicht darauf legen, zu verstehen, was die abnormen Fälle sind, in denen durch ein verfeinertes Sinnenleben der Mensch irgendetwas erfährt, was ja auch nichts anderes ist als eine Kundgebung aus der gewöhnlichen physischen Welt, nur dass es auf abnorme Weise erfahren wird.
[ 62 ] Ich könnte noch vieles anführen über solches, was durch eine Verschärfung der Sinne, gerade dadurch, dass ein Krankhaftes im Menschen vorliegt, zutage tritt. Es ist insbesondere ein Überwiegen der animalischen Funktionen gegenüber den seelischen Funktionen, was dieses zweite Gebiet des Unbewussten charakterisiert. Es ist allerdings ein Hereinspielen des Geistigen, aber niemals wird auf diese Weise das zustande kommen, was Sir Oliver Lodge wollte: eine Einsicht in die übersinnliche Welt. Wer eine Verbindungsbrücke schlagen will zwischen dem, der hier ist, und dem, der in der übersinnlichen Welt ist als ein sogenannter Toter, der muss es durch geisteswissenschaftliche Methoden tun; der muss seine eigene Seele entwickeln, dass sie den Weg finde, nicht dadurch, dass in ein somnambules Medium hineinspricht ein Toter. Gerade diese Dinge müssen scharf ins Auge gefasst werden. Gerade weil Geisteswissenschaft streng auf dem Boden steht: Nicht nur im Allgemeinen, auch im Konkreten kann man eindringen in die geistige Welt —, deshalb muss sie zurückweisen dasjenige, was mit Ausschluss der seelischen Entwicklung, durch Halluzination, durch Vision, durch Verfeinerung des Sinneslebens, die nicht über das Sinnliche hinausführt, nichts über das Ewige aussagt, erworben wird. Obwohl das Geistige in den menschlichen Leib hineinspielt, nichts kann dadurch ausgemacht werden über das Übersinnliche, sondern allein durch das Hineinstellen des menschlichen GeistigSeelischen in die übersinnliche Welt. Für denjenigen, der auf dem Boden der Geisteswissenschaft steht, für den ist daher die visionäre Welt, die somnambule Welt, die Welt des künstlichen Somnambulismus, die Mediumwelt, sie ist eine untersinnliche Welt, nicht eine übersinnliche Welt.
[ 62 ] Ich könnte noch vieles anführen über solches, was durch eine Verschärfung der Sinne, gerade dadurch, dass ein Krankhaftes im Menschen vorliegt, zutage tritt. Es ist insbesondere ein Überwiegen der animalischen Funktionen gegenüber den seelischen Funktionen, was dieses zweite Gebiet des Unbewussten charakterisiert. Es ist allerdings ein Hereinspielen des Geistigen, aber niemals wird auf diese Weise das zustande kommen, was Sir Oliver Lodge wollte: eine Einsicht in die übersinnliche Welt. Wer eine Verbindungsbrücke schlagen will zwischen dem, der hier ist, und dem, der in der übersinnlichen Welt ist als ein sogenannter Toter, der muss es durch geisteswissenschaftliche Methoden tun; der muss seine eigene Seele entwickeln, dass sie den Weg finde, nicht dadurch, dass in ein somnambules Medium hineinspricht ein Toter. Gerade diese Dinge müssen scharf ins Auge gefasst werden. Gerade weil Geisteswissenschaft streng auf dem Boden steht: Nicht nur im Allgemeinen, auch im Konkreten kann man eindringen in die geistige Welt —, deshalb muss sie zurückweisen dasjenige, was mit Ausschluss der seelischen Entwicklung, durch Halluzination, durch Vision, durch Verfeinerung des Sinneslebens, die nicht über das Sinnliche hinausführt, nichts über das Ewige aussagt, erworben wird. Obwohl das Geistige in den menschlichen Leib hineinspielt, nichts kann dadurch ausgemacht werden über das Übersinnliche, sondern allein durch das Hineinstellen des menschlichen GeistigSeelischen in die übersinnliche Welt. Für denjenigen, der auf dem Boden der Geisteswissenschaft steht, für den ist daher die visionäre Welt, die somnambule Welt, die Welt des künstlichen Somnambulismus, die Mediumwelt, sie ist eine untersinnliche Welt, nicht eine übersinnliche Welt.
[ 63 ] Die Zeit drängt, ich kann das nicht weiter ausführen, denn ich muss nunmehr auf ein anderes Gebiet, das sich kurz besprechen lässt, übergehen, auf das Hineinragen der übersinnlichen Welt, wie sie uns auftritt im menschlichen Leben, wenn wir die wirkliche Kunst, das künstlerische Genießen betrachten. Auch da kann die Geisteswissenschaft verfolgen die Seele des wirklichen Künstlers oder auch die Seele des für wirkliche Kunst empfänglichen Menschen. Dasjenige, was die Seele durchlebt und nachher in Dichtung, in ein anderes Kunstwerk umschafft, das ist ebenso in der geistigen Welt erlebt, wie erlebt ist dasjenige, was immer unbewusst bleibt und nur höchstens durch den Traum in zeitlichen Bildern bewusst wird für das gewöhnliche Bewusstsein, was erlebt wird zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen.
[ 63 ] Die Zeit drängt, ich kann das nicht weiter ausführen, denn ich muss nunmehr auf ein anderes Gebiet, das sich kurz besprechen lässt, übergehen, auf das Hineinragen der übersinnlichen Welt, wie sie uns auftritt im menschlichen Leben, wenn wir die wirkliche Kunst, das künstlerische Genießen betrachten. Auch da kann die Geisteswissenschaft verfolgen die Seele des wirklichen Künstlers oder auch die Seele des für wirkliche Kunst empfänglichen Menschen. Dasjenige, was die Seele durchlebt und nachher in Dichtung, in ein anderes Kunstwerk umschafft, das ist ebenso in der geistigen Welt erlebt, wie erlebt ist dasjenige, was immer unbewusst bleibt und nur höchstens durch den Traum in zeitlichen Bildern bewusst wird für das gewöhnliche Bewusstsein, was erlebt wird zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen.
[ 64 ] Aber der Dichter ist imstande, dasjenige, was ihm in seiner unmittelbaren Gestalt, oder der Künstler überhaupt, was ihm nicht zum Bewusstsein kommt, während er in der geistigen Welt weilt, hineinzutragen, noch unbewusst bleibend, in die sinnlich-physische Welt, dann es einzukleiden in Bilder. Mit Recht weist man darauf hin, dass wirkliche, echte Kunst nicht ihrem Inhalte nach, aber ihrer Veranlassung nach, ihrem Ursprung nach, ihren Quellen nach wurzelt in demjenigen, was die Künstlerseele erlebt im Übersinnlichen. Sodass wahre, echte Kunst, nicht Naturalismus, von der Menschheit mit Recht zu allen Zeiten angesehen worden ist als Botschaften, die hereingetragen werden aus einer übersinnlichen Welt in die sinnliche Welt.
[ 64 ] Aber der Dichter ist imstande, dasjenige, was ihm in seiner unmittelbaren Gestalt, oder der Künstler überhaupt, was ihm nicht zum Bewusstsein kommt, während er in der geistigen Welt weilt, hineinzutragen, noch unbewusst bleibend, in die sinnlich-physische Welt, dann es einzukleiden in Bilder. Mit Recht weist man darauf hin, dass wirkliche, echte Kunst nicht ihrem Inhalte nach, aber ihrer Veranlassung nach, ihrem Ursprung nach, ihren Quellen nach wurzelt in demjenigen, was die Künstlerseele erlebt im Übersinnlichen. Sodass wahre, echte Kunst, nicht Naturalismus, von der Menschheit mit Recht zu allen Zeiten angesehen worden ist als Botschaften, die hereingetragen werden aus einer übersinnlichen Welt in die sinnliche Welt.
[ 65 ] Der Unterschied zwischen dem Dichter und dem Seher, dem, der das Übersinnliche bewusst schaut, ist nur der, dass der Seher, während er in der übersinnlichen Welt Erlebnisse hat, sein Bewusstsein hineingetragen hat in die übersinnliche Welt und selbst aus der übersinnlichen Welt heraus in voller Geistesgegenwart diese Erlebnisse umsetzt in Vorstellungen, sodass das Ganze ein bewusster Prozess ist. Bei dem Dichter, dem Künstler, bleibt der Prozess unbewusst; er lebt zwar im Übersinnlichen, weil dies ihm aber nicht zum Bewusstsein kommt, kann er es nicht vergleichen mit der geistigen Welt. Nachdem er es erlebt hat, trägt er es hinein, kleider es in die Bilder, die dann zu Botschaften des Übersinnlichen werden. Der ganze Prozess, der im Seher bewusst wird, ist zum Teil seinem Ursprung nach unbewusst im Dichter, im Künstler. Das, was da als Offenbarungen eines Unbewussten hineinspielt, ist das, was das menschliche Leben mit Schönheit überzicht; dasjenige, was man seinem wahren Werte nach erst schätzen wird, wenn man als Überzeugung aufnimmt, dass die wahre Kunst Botschaft ist aus der Welt des Ewigen, dass echtes künstlerisches Genießen den Menschen nahe bringt dieser übersinnlichen Welt, wenn auch unbewusst.
[ 65 ] Der Unterschied zwischen dem Dichter und dem Seher, dem, der das Übersinnliche bewusst schaut, ist nur der, dass der Seher, während er in der übersinnlichen Welt Erlebnisse hat, sein Bewusstsein hineingetragen hat in die übersinnliche Welt und selbst aus der übersinnlichen Welt heraus in voller Geistesgegenwart diese Erlebnisse umsetzt in Vorstellungen, sodass das Ganze ein bewusster Prozess ist. Bei dem Dichter, dem Künstler, bleibt der Prozess unbewusst; er lebt zwar im Übersinnlichen, weil dies ihm aber nicht zum Bewusstsein kommt, kann er es nicht vergleichen mit der geistigen Welt. Nachdem er es erlebt hat, trägt er es hinein, kleider es in die Bilder, die dann zu Botschaften des Übersinnlichen werden. Der ganze Prozess, der im Seher bewusst wird, ist zum Teil seinem Ursprung nach unbewusst im Dichter, im Künstler. Das, was da als Offenbarungen eines Unbewussten hineinspielt, ist das, was das menschliche Leben mit Schönheit überzicht; dasjenige, was man seinem wahren Werte nach erst schätzen wird, wenn man als Überzeugung aufnimmt, dass die wahre Kunst Botschaft ist aus der Welt des Ewigen, dass echtes künstlerisches Genießen den Menschen nahe bringt dieser übersinnlichen Welt, wenn auch unbewusst.
[ 66 ] Halb unbewusst ist dasjenige, was wir als unser Schicksal erleben. Wie fasst der Mensch im gewöhnlichen Bewusstsein dieses Schicksal auf, dieses Schicksal, das sozusagen sein Leben begleitet von der Geburt bis zum Tode? Die meisten Menschen stehen — und mit Recht für das gewöhnliche Bewusstsein — diesem Schicksal so gegenüber, dass sie seine einzelnen Fälle ansehen wie etwas, was zustößt; einer nach dem anderen stößt eben so zu. Aber das mag ganz richtig sein, ist auch richtig für die gewöhnliche Lebensauffassung. Aber es gibt eine andere Seite dieser Dinge zu betrachten.
[ 66 ] Halb unbewusst ist dasjenige, was wir als unser Schicksal erleben. Wie fasst der Mensch im gewöhnlichen Bewusstsein dieses Schicksal auf, dieses Schicksal, das sozusagen sein Leben begleitet von der Geburt bis zum Tode? Die meisten Menschen stehen — und mit Recht für das gewöhnliche Bewusstsein — diesem Schicksal so gegenüber, dass sie seine einzelnen Fälle ansehen wie etwas, was zustößt; einer nach dem anderen stößt eben so zu. Aber das mag ganz richtig sein, ist auch richtig für die gewöhnliche Lebensauffassung. Aber es gibt eine andere Seite dieser Dinge zu betrachten.
[ 67 ] Man nehme nur einmal an, als Vierzigjähriger oder jünger, wenn man Neigung hat zum Sich-Besinnen, man denke nach über das, was man denn eigentlich in seiner Seele ist, und vergleiche das, was man ist, mit dem Schicksal. Und man frage sich dann, was man wäre, wenn man ein anderes Schicksal gehabt hätte, wenn einem anderes zugestoßen wäre. Man wird dann eine merkwürdige Entdeckung machen. Man wird die Entdeckung machen, dass man eigentlich, wenn man nicht von einem abstrakten Selbst redet, wenn man von dem redet, was man eigentlich in seinem Innern trägt und ist, dass man ja nichts anderes ist als das Ergebnis seines Schicksals. Wäre das Schicksal bloß das, was einem nacheinander zustößt, eine Summe von Zufällen, so wäre man selbst nichts anderes als eine Summe von Zufällen. Was man gelitten hat, wobei man sich gefreut hat, was einem zugetragen hat das Leben so, dass man es aufnehmen konnte, dass man es zur Lebensgeschicklichkeit, zur Lebensweisheit, zur Lebensgewohnheit machen konnte, das ist man, ist es aber aus dem Schicksal heraus; man ist dieses Schicksal selber.
[ 67 ] Man nehme nur einmal an, als Vierzigjähriger oder jünger, wenn man Neigung hat zum Sich-Besinnen, man denke nach über das, was man denn eigentlich in seiner Seele ist, und vergleiche das, was man ist, mit dem Schicksal. Und man frage sich dann, was man wäre, wenn man ein anderes Schicksal gehabt hätte, wenn einem anderes zugestoßen wäre. Man wird dann eine merkwürdige Entdeckung machen. Man wird die Entdeckung machen, dass man eigentlich, wenn man nicht von einem abstrakten Selbst redet, wenn man von dem redet, was man eigentlich in seinem Innern trägt und ist, dass man ja nichts anderes ist als das Ergebnis seines Schicksals. Wäre das Schicksal bloß das, was einem nacheinander zustößt, eine Summe von Zufällen, so wäre man selbst nichts anderes als eine Summe von Zufällen. Was man gelitten hat, wobei man sich gefreut hat, was einem zugetragen hat das Leben so, dass man es aufnehmen konnte, dass man es zur Lebensgeschicklichkeit, zur Lebensweisheit, zur Lebensgewohnheit machen konnte, das ist man, ist es aber aus dem Schicksal heraus; man ist dieses Schicksal selber.
[ 68 ] Geisteswissenschaft versucht nun auch, dieses Schicksal zu betrachten, versucht dieses Schicksal so zu betrachten, dass diese Betrachtung so verläuft, wie, ohne dass der Mensch etwas dazu tut, das gewöhnliche Vorstellungsleben verläuft. Ich sage das, um klarzumachen das Bedeutsame, das damit zum Ausdruck gebracht ist: Denken Sie sich einmal, Sie erinnern sich an ein weit zurückliegendes Erleben, das Sie mit zehn oder siebzehn Jahren gehabt haben. Die Erinnerung hat eine Eigentümlichkeit; als Sie das Erlebnis hatten, waren Sie mit dem ganzen Gemüt dabei; Sie haben nicht nur das erlebt, was Sie in die Vorstellung heraufbringen, sondern Sie waren ganz dabei. Denken Sie nur nach, wie sehr verschieden das ist, wenn man sich erinnert an einen Gemütszustand als an das, was als Vorstellung von dem Erlebnis geblieben ist.
[ 68 ] Geisteswissenschaft versucht nun auch, dieses Schicksal zu betrachten, versucht dieses Schicksal so zu betrachten, dass diese Betrachtung so verläuft, wie, ohne dass der Mensch etwas dazu tut, das gewöhnliche Vorstellungsleben verläuft. Ich sage das, um klarzumachen das Bedeutsame, das damit zum Ausdruck gebracht ist: Denken Sie sich einmal, Sie erinnern sich an ein weit zurückliegendes Erleben, das Sie mit zehn oder siebzehn Jahren gehabt haben. Die Erinnerung hat eine Eigentümlichkeit; als Sie das Erlebnis hatten, waren Sie mit dem ganzen Gemüt dabei; Sie haben nicht nur das erlebt, was Sie in die Vorstellung heraufbringen, sondern Sie waren ganz dabei. Denken Sie nur nach, wie sehr verschieden das ist, wenn man sich erinnert an einen Gemütszustand als an das, was als Vorstellung von dem Erlebnis geblieben ist.
[ 69 ] Ein Gemütszustand kann nicht wieder heraufgerufen werden. Es kann die Vorstellung wiederum eine Art Gemütszustand hervorrufen, aber einen Schmerz, den Sie erlebt haben vor zwanzig Jahren, diesen Schmerz als damals Erlebtes zurückrufen, Sie können es nicht. Die Vorstellung kann man zurückrufen, aber nicht den Gemütszustand, nicht den Schmerz. Und so ist es auch mit der Freude. In der gewöhnlichen Erinnerung des Lebens wird, indem die Erlebnisse einverleibt werden dem Gedächtnis, abgestreift der Gemütsimpuls, und es bleibt die Vorstellung als solche. Dadurch kann später wiederum erlebt werden in der Vorstellung das, was früher erlebt worden ist. Das, was so im Einzelnen im Leben der Mensch von selbst macht, indem er das Gemüthafte abstreift von dem, was dem Gedächtnisse einverleibt wird, das kann nun ganz streng gemacht werden mit dem, was Schicksalserlebnisse sind. Aber indem ich es schildere, erscheint es leicht, erscheint es, ich möchte sagen, fast alltäglich. Soll es durchgeführt werden, so gehört dazu gerade eine solche Vorbereitung der Seele, wie ich sie heute und gestern geschildert habe, soll durchgeführt werden nämlich dasjenige, was uns als Schicksalserlebnisse trifft, von allem Gemüthaften zu entkleiden.
[ 69 ] Ein Gemütszustand kann nicht wieder heraufgerufen werden. Es kann die Vorstellung wiederum eine Art Gemütszustand hervorrufen, aber einen Schmerz, den Sie erlebt haben vor zwanzig Jahren, diesen Schmerz als damals Erlebtes zurückrufen, Sie können es nicht. Die Vorstellung kann man zurückrufen, aber nicht den Gemütszustand, nicht den Schmerz. Und so ist es auch mit der Freude. In der gewöhnlichen Erinnerung des Lebens wird, indem die Erlebnisse einverleibt werden dem Gedächtnis, abgestreift der Gemütsimpuls, und es bleibt die Vorstellung als solche. Dadurch kann später wiederum erlebt werden in der Vorstellung das, was früher erlebt worden ist. Das, was so im Einzelnen im Leben der Mensch von selbst macht, indem er das Gemüthafte abstreift von dem, was dem Gedächtnisse einverleibt wird, das kann nun ganz streng gemacht werden mit dem, was Schicksalserlebnisse sind. Aber indem ich es schildere, erscheint es leicht, erscheint es, ich möchte sagen, fast alltäglich. Soll es durchgeführt werden, so gehört dazu gerade eine solche Vorbereitung der Seele, wie ich sie heute und gestern geschildert habe, soll durchgeführt werden nämlich dasjenige, was uns als Schicksalserlebnisse trifft, von allem Gemüthaften zu entkleiden.
[ 70 ] Denken Sie, es gelingt einem das. Das ist gerade das Charakteristische des gewöhnlichen Lebens, dass einem das eine sympathisch, das andere antipathisch ist am Schicksal; dass man das eine gleich herbeiziehen, das andere entfernen möchte. Das abzustreifen, sodass man dasjenige, was man im Schicksal erlebt, betrachtet so, wie wenn es einen nicht selbst getroffen hätte, wie wenn man beschreiben möchte das Schicksal eines anderen — ja, noch weniger, weil man ja mit jedem anderen Menschen mitfühlt. Weg mit alledem für die Betrachtungsweise — aber nur für diese, sonst würde man lebensuntüchtig —, weg mit allem für die Momente der Betrachtung des Schicksals! Man muss das Schicksal so betrachten, dass das Gemüthafte wegfällt, man muss es so betrachten, als wenn man außerhalb des Schicksals stände. Der Geistesforscher lernt das dadurch, dass er lernt, außerhalb seines Leibes zu stehen. Dann, wie ein Gedanke, der aufsteigt, ist ein Gedanke, der wiedergibt im individuellen, persönlichen Leben ein früheres Erlebnis, so wird das Schicksal, wenn es wirklich richtig betrachtet wird, wenn es entkleidet wird des persönlichen GemütserlebensCharakters, das Schicksal wird mit Notwendigkeit, mit Überzeugungskraft der Ausdruck früherer Erdenerlebnisse, die durchgemacht sind und die sich zu dem gesamten Leben des Menschen so zusammengliedern, dass der Mensch durchlebt wiederholte Erdenleben und dazu die Leben, die verlaufen zwischen Tod und neuer Geburt.
[ 70 ] Denken Sie, es gelingt einem das. Das ist gerade das Charakteristische des gewöhnlichen Lebens, dass einem das eine sympathisch, das andere antipathisch ist am Schicksal; dass man das eine gleich herbeiziehen, das andere entfernen möchte. Das abzustreifen, sodass man dasjenige, was man im Schicksal erlebt, betrachtet so, wie wenn es einen nicht selbst getroffen hätte, wie wenn man beschreiben möchte das Schicksal eines anderen — ja, noch weniger, weil man ja mit jedem anderen Menschen mitfühlt. Weg mit alledem für die Betrachtungsweise — aber nur für diese, sonst würde man lebensuntüchtig —, weg mit allem für die Momente der Betrachtung des Schicksals! Man muss das Schicksal so betrachten, dass das Gemüthafte wegfällt, man muss es so betrachten, als wenn man außerhalb des Schicksals stände. Der Geistesforscher lernt das dadurch, dass er lernt, außerhalb seines Leibes zu stehen. Dann, wie ein Gedanke, der aufsteigt, ist ein Gedanke, der wiedergibt im individuellen, persönlichen Leben ein früheres Erlebnis, so wird das Schicksal, wenn es wirklich richtig betrachtet wird, wenn es entkleidet wird des persönlichen GemütserlebensCharakters, das Schicksal wird mit Notwendigkeit, mit Überzeugungskraft der Ausdruck früherer Erdenerlebnisse, die durchgemacht sind und die sich zu dem gesamten Leben des Menschen so zusammengliedern, dass der Mensch durchlebt wiederholte Erdenleben und dazu die Leben, die verlaufen zwischen Tod und neuer Geburt.
[ 71 ] Durch manches andere, aber auch durch das wirkliche Betrachten des Schicksals kann man wahrnehmen, wie, gerade so, wie in das individuelle Leben dasjenige, was man im Laufe der Jahre durchgemacht hat, hineinwirkt, in unser wirkliches persönliches Schicksalserleben hineinwirkt, was herüberkraftet aus früheren Erdenleben und was wiederum hinüberkraftet in spätere Erdenleben. Nicht etwas phantastisch Ausgesonnenes ist das, was Geistesforschung darlegt über die wiederholten Erdenleben, sondern Ergebnisse gewissenhafter Betrachtung des Lebens selber, veränderte Betrachtung des Lebens selber, hinaufgehoben dasjenige, was halb unbewusst in unser Leben eingreift und sich als Schicksal offenbart. Also auch eine Offenbarung des Unbewussten; hinaufgehoben das Unbewusste in das Bewusstsein.
[ 71 ] Durch manches andere, aber auch durch das wirkliche Betrachten des Schicksals kann man wahrnehmen, wie, gerade so, wie in das individuelle Leben dasjenige, was man im Laufe der Jahre durchgemacht hat, hineinwirkt, in unser wirkliches persönliches Schicksalserleben hineinwirkt, was herüberkraftet aus früheren Erdenleben und was wiederum hinüberkraftet in spätere Erdenleben. Nicht etwas phantastisch Ausgesonnenes ist das, was Geistesforschung darlegt über die wiederholten Erdenleben, sondern Ergebnisse gewissenhafter Betrachtung des Lebens selber, veränderte Betrachtung des Lebens selber, hinaufgehoben dasjenige, was halb unbewusst in unser Leben eingreift und sich als Schicksal offenbart. Also auch eine Offenbarung des Unbewussten; hinaufgehoben das Unbewusste in das Bewusstsein.
[ 72 ] Ich konnte leider nur einige Glieder derjenigen Welt, die für das gewöhnliche Bewusstsein unbewusst bleiben, Ihnen schildern und zeigen, wie Geisteswissenschaft zu diesen Dingen sich verhält. Skizzenhaft konnte ich es nur schildern. Aber gerade diese Betrachtung der Grenzgebiete zeigt, wie Geisteswissenschaft imstande ist, auch auf das Ewige hinzuweisen, indem sie zeigen kann, wie im Traume oder sonst das Geistige sich auf normale und auf abnorme Weise im gewöhnlichen Leben offenbart, indem sie zeigt, gerade von ihrem Gesichtspunkte aus, wie das Unbewusste offenbar wird im menschlichen Erleben. Dadurch wird auch an diesen Grenzgebieten gerade für Geisteswissenschaft klar, dass der Mensch schon erreichen kann, indem er die gewöhnlichen Sinnesgrenzen überschreitet, das übersinnlich-geistige Gebiet; dass der Mensch eindringen kann aus dem Vergänglichen hinaus in das Unvergängliche, dass der Mensch sich in Zusammenhang bringen kann durch sein Geisteswesen mit der ewig-geistigen Welt, sodass sein Geistig-Seelisches, sein Geistig-Ewiges mit dem Geiste der ganzen Welt als eine Harmonie empfunden wird.
[ 72 ] Ich konnte leider nur einige Glieder derjenigen Welt, die für das gewöhnliche Bewusstsein unbewusst bleiben, Ihnen schildern und zeigen, wie Geisteswissenschaft zu diesen Dingen sich verhält. Skizzenhaft konnte ich es nur schildern. Aber gerade diese Betrachtung der Grenzgebiete zeigt, wie Geisteswissenschaft imstande ist, auch auf das Ewige hinzuweisen, indem sie zeigen kann, wie im Traume oder sonst das Geistige sich auf normale und auf abnorme Weise im gewöhnlichen Leben offenbart, indem sie zeigt, gerade von ihrem Gesichtspunkte aus, wie das Unbewusste offenbar wird im menschlichen Erleben. Dadurch wird auch an diesen Grenzgebieten gerade für Geisteswissenschaft klar, dass der Mensch schon erreichen kann, indem er die gewöhnlichen Sinnesgrenzen überschreitet, das übersinnlich-geistige Gebiet; dass der Mensch eindringen kann aus dem Vergänglichen hinaus in das Unvergängliche, dass der Mensch sich in Zusammenhang bringen kann durch sein Geisteswesen mit der ewig-geistigen Welt, sodass sein Geistig-Seelisches, sein Geistig-Ewiges mit dem Geiste der ganzen Welt als eine Harmonie empfunden wird.
[ 73 ] Gerade wenn man so etwas darstellt, dann merkt man, dass diese Geisteswissenschaft nur so anzusehen ist, wie ich gestern gesagt habe: dass diese Geisteswissenschaft zwar durch die besondere Bildung des geistigen Kulturlebens in der Gegenwart selbst auftreten kann, während ihr Inhalt wahr ist für alle Zeiten — so wie die kopernikanische Weltanschauung aus der zeitlichen Bildung in einer gewissen Epoche auftreten musste. Aber anders ist es als mit äußerer Erfahrungswissenschaft mit dem, was als Geisteswissenschaft auftritt. In klaren, festumrissenen Begriffen und Ideen tritt diese Geisteswissenschaft wohl erst in der Gegenwart so recht ins Dasein. Geahnt, ersehnt, nicht nur ersehnt in allgemeiner, sondern in bestimmter Gestalt ist sie aber worden von denjenigen, denen es wirklich zu allen Zeiten ernst war um die Erforschung der großen Lebensrätsel des Daseins.
[ 73 ] Gerade wenn man so etwas darstellt, dann merkt man, dass diese Geisteswissenschaft nur so anzusehen ist, wie ich gestern gesagt habe: dass diese Geisteswissenschaft zwar durch die besondere Bildung des geistigen Kulturlebens in der Gegenwart selbst auftreten kann, während ihr Inhalt wahr ist für alle Zeiten — so wie die kopernikanische Weltanschauung aus der zeitlichen Bildung in einer gewissen Epoche auftreten musste. Aber anders ist es als mit äußerer Erfahrungswissenschaft mit dem, was als Geisteswissenschaft auftritt. In klaren, festumrissenen Begriffen und Ideen tritt diese Geisteswissenschaft wohl erst in der Gegenwart so recht ins Dasein. Geahnt, ersehnt, nicht nur ersehnt in allgemeiner, sondern in bestimmter Gestalt ist sie aber worden von denjenigen, denen es wirklich zu allen Zeiten ernst war um die Erforschung der großen Lebensrätsel des Daseins.
[ 74 ] Daher fühlt man sich gerade als Geistesforscher im Einklang mit denen selbst, die aus der Menschheitsgeschichte der Menschheit etwas geben konnten und geben wollten. Aus der großen Summe der Persönlichkeiten, die — nicht um Bestätigungen anzuführen — hier genannt werden könnten, sei eine herausgehoben. Nicht um Bestätigung anzuführen; denn ich weiß genau, dass der Einwand richtig ist, wenn man Goethe anführt: dass man immer aus seinen Schriften auch das Entgegengesetzte anführen kann, Stellen anführen kann, wo die entgegengesetzte Ansicht bestätigt wird; darum handelt es sich nicht. Aber jemand, der wie ich, mehr als dreißig Jahre eine eingehende Betrachtung nicht nur dem Inhalt der Goethe-Anschauung widmete, sondern der ganzen Art, wie Goethe zur Welt gestanden hat, nahekommen will, der kann zuletzt dasjenige, was er sagen wollte durch eine solche Betrachtung wie die heutige, zusammenfassen mit einem Worte, das da ausdrückt ein gewisses intellektuelles Glück, wiederzufinden dasjenige, was erst gewissenhafte Forschung gibt, in der großen Ahnung eines Menschen, die ihm einmal doch vor die Seele getreten sein musste, als er die Worte aussprach:
[ 74 ] Daher fühlt man sich gerade als Geistesforscher im Einklang mit denen selbst, die aus der Menschheitsgeschichte der Menschheit etwas geben konnten und geben wollten. Aus der großen Summe der Persönlichkeiten, die — nicht um Bestätigungen anzuführen — hier genannt werden könnten, sei eine herausgehoben. Nicht um Bestätigung anzuführen; denn ich weiß genau, dass der Einwand richtig ist, wenn man Goethe anführt: dass man immer aus seinen Schriften auch das Entgegengesetzte anführen kann, Stellen anführen kann, wo die entgegengesetzte Ansicht bestätigt wird; darum handelt es sich nicht. Aber jemand, der wie ich, mehr als dreißig Jahre eine eingehende Betrachtung nicht nur dem Inhalt der Goethe-Anschauung widmete, sondern der ganzen Art, wie Goethe zur Welt gestanden hat, nahekommen will, der kann zuletzt dasjenige, was er sagen wollte durch eine solche Betrachtung wie die heutige, zusammenfassen mit einem Worte, das da ausdrückt ein gewisses intellektuelles Glück, wiederzufinden dasjenige, was erst gewissenhafte Forschung gibt, in der großen Ahnung eines Menschen, die ihm einmal doch vor die Seele getreten sein musste, als er die Worte aussprach:
[ 75 ] [Wenn die gesunde Natur des Menschen als ein Ganzes wirkt, wenn er sich in der Welt als in einem großen, schönen, würdigen und werten Ganzen fühlt, wenn das harmonische Behagen ihm ein reines, freies Entzücken gewährt: dann würde das Weltall, wenn es sich selbst empfinden könnte, als an sein Ziel gelangt aufjauchzen und den Gipfel des eigenen Werdens und Wesens bewundern.] Ich glaube, dass, als Goethe so den harmonischen Zusammenklang des menschlichen Innern mit dem Weltenall in einem schönen Satze ausgesprochen hat, er hat sagen wollen dasjenige, was Geisteswissenschaft in klare, festumrissene wissenschaftliche Formen bringen will: dass der Mensch in seinem Innern erleben kann, sei es auf diese oder auf jene Weise, wie sein Geistig-Ewiges dem Geistig-Ewigen der äußeren Welt gegenübersteht und dann die große Harmonie zwischen der menschlichen Individualität und dem Weltenall der Menschenseele selbst unmittelbar gegenwärtig ist. Denn was macht die Geisteswissenschaft zur Gewissheit? Das macht die Geisteswissenschaft zur Gewissheit, dass der Mensch sein Ewiges ergreifen kann, indem er in wahrer, wirklicher Weise gegenüberstehen kann als Geistesmensch dem Geiste der Welt, als ewiger Geist des Menschen ergreifen kann den ewigen Geist der Welt.
[ 75 ] [Wenn die gesunde Natur des Menschen als ein Ganzes wirkt, wenn er sich in der Welt als in einem großen, schönen, würdigen und werten Ganzen fühlt, wenn das harmonische Behagen ihm ein reines, freies Entzücken gewährt: dann würde das Weltall, wenn es sich selbst empfinden könnte, als an sein Ziel gelangt aufjauchzen und den Gipfel des eigenen Werdens und Wesens bewundern.] Ich glaube, dass, als Goethe so den harmonischen Zusammenklang des menschlichen Innern mit dem Weltenall in einem schönen Satze ausgesprochen hat, er hat sagen wollen dasjenige, was Geisteswissenschaft in klare, festumrissene wissenschaftliche Formen bringen will: dass der Mensch in seinem Innern erleben kann, sei es auf diese oder auf jene Weise, wie sein Geistig-Ewiges dem Geistig-Ewigen der äußeren Welt gegenübersteht und dann die große Harmonie zwischen der menschlichen Individualität und dem Weltenall der Menschenseele selbst unmittelbar gegenwärtig ist. Denn was macht die Geisteswissenschaft zur Gewissheit? Das macht die Geisteswissenschaft zur Gewissheit, dass der Mensch sein Ewiges ergreifen kann, indem er in wahrer, wirklicher Weise gegenüberstehen kann als Geistesmensch dem Geiste der Welt, als ewiger Geist des Menschen ergreifen kann den ewigen Geist der Welt.
