The Human Being as a
Spirit and Soul Being
GA 71b
25 February 1918, Stuttgart
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Der Mensch als Geist- und Seelenwesen
5. Der Mensch als Geist- und Seelenwesen
5. Der Mensch als Geist- und Seelenwesen
Forschungen vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft
Forschungen vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Die zwei Vorträge, welche ich zu halten mir erlauben werde, werden Zusammengehöriges zu betrachten haben, sodass der heutige und der morgige Vortrag in einer gewissen Weise einander erklären und ergänzen werden. Ich will mich aber bemühen, jeden der einzelnen Vorträge so zu gestalten, dass er für sich ein Ganzes bildet und auch für sich gehört und verstanden werden kann.
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Die zwei Vorträge, welche ich zu halten mir erlauben werde, werden Zusammengehöriges zu betrachten haben, sodass der heutige und der morgige Vortrag in einer gewissen Weise einander erklären und ergänzen werden. Ich will mich aber bemühen, jeden der einzelnen Vorträge so zu gestalten, dass er für sich ein Ganzes bildet und auch für sich gehört und verstanden werden kann.
[ 2 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, dasjenige, was ich nun schon seit einer Reihe von Jahren auch hier in Stuttgart als Geisteswissenschaft, als anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft vorzutragen die Ehre habe, es baut sich auf, wie ich glaube, auf einer Notwendigkeit des gegenwärtigen Geisteslebens. Es fließt nicht aus irgendeiner persönlichen Willkür. Um einzusehen, dass es gerade in dieser Zeit gewissermaßen seinen Ausgangspunkt nehmen muss, ist vielleicht notwendig, in das menschliche Geistesleben so hineinzusehen, dass man bemerkt, wie gewisse geistige Impulse ihre Zeit haben, in der sie heraufkommen in der ganzen Entwicklung des menschlichen Geisteslebens. Man kann glauben, dass die hier gemeinte Geisteswissenschaft in unserer Gegenwart ebenso, in ähnlicher Weise ihre Beziehungen findet, wie vor einigen Jahrhunderten die Beziehungen gefunden hat die kopernikanische Weltanschauung. Wie diese in einer früheren Zeit nicht sich hat einverleiben können in das menschliche Geistesleben, so wird es auch mit dem sein, was hier als Geisteswissenschaft gemeint ist.
[ 2 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, dasjenige, was ich nun schon seit einer Reihe von Jahren auch hier in Stuttgart als Geisteswissenschaft, als anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft vorzutragen die Ehre habe, es baut sich auf, wie ich glaube, auf einer Notwendigkeit des gegenwärtigen Geisteslebens. Es fließt nicht aus irgendeiner persönlichen Willkür. Um einzusehen, dass es gerade in dieser Zeit gewissermaßen seinen Ausgangspunkt nehmen muss, ist vielleicht notwendig, in das menschliche Geistesleben so hineinzusehen, dass man bemerkt, wie gewisse geistige Impulse ihre Zeit haben, in der sie heraufkommen in der ganzen Entwicklung des menschlichen Geisteslebens. Man kann glauben, dass die hier gemeinte Geisteswissenschaft in unserer Gegenwart ebenso, in ähnlicher Weise ihre Beziehungen findet, wie vor einigen Jahrhunderten die Beziehungen gefunden hat die kopernikanische Weltanschauung. Wie diese in einer früheren Zeit nicht sich hat einverleiben können in das menschliche Geistesleben, so wird es auch mit dem sein, was hier als Geisteswissenschaft gemeint ist.
[ 3 ] Man braucht nur ein wenig zu vergleichen, allerdings zu vergleichen aus einer wirklichen Erkenntnis heraus, die Art, wie in der Gegenwart und schon seit längerer Zeit die naturwissenschaftliche Weltanschauung zu ihren Ergebnissen kommt und wie sie sich einlebt in die breitesten Kreise der Menschheit, um da die Grundlage zu bilden auch für Seelen- und Geistesfragen. Man braucht nur diese Forschungsart und diese Verbreitungsart ins Auge zu fassen und zu vergleichen mit der naturwissenschaftlichen Anschauungsweise, wie sie vor Jahrhunderten und, man könnte sagen, durch die Jahrtausende der Menschheitsentwicklung hindurch geherrscht hat. In diesen früheren Zeiten haben die Menschen wirklich ganz anders die Natur und ihre Erscheinungen betrachtet, als das in der Gegenwart und seit zwei, drei, vier Jahrhunderten der Fall ist. In diesen früheren Zeiten haben die Menschen zu gleicher Zeit, indem sie die Naturwesen und Naturvorgänge beobachteten, mit dieser Beobachtung etwas Geistiges, etwas Seelisches in ihr Gemüt, in ihr Geistesleben hereingenommen. Man hat gar nicht so wie heute die Naturerscheinungen zu erforschen gesucht als bloße Naturerscheinungen, möglichst mit Ausschluss alles desjenigen, was irgendwie Geistig-Seelisches ist.
[ 3 ] Man braucht nur ein wenig zu vergleichen, allerdings zu vergleichen aus einer wirklichen Erkenntnis heraus, die Art, wie in der Gegenwart und schon seit längerer Zeit die naturwissenschaftliche Weltanschauung zu ihren Ergebnissen kommt und wie sie sich einlebt in die breitesten Kreise der Menschheit, um da die Grundlage zu bilden auch für Seelen- und Geistesfragen. Man braucht nur diese Forschungsart und diese Verbreitungsart ins Auge zu fassen und zu vergleichen mit der naturwissenschaftlichen Anschauungsweise, wie sie vor Jahrhunderten und, man könnte sagen, durch die Jahrtausende der Menschheitsentwicklung hindurch geherrscht hat. In diesen früheren Zeiten haben die Menschen wirklich ganz anders die Natur und ihre Erscheinungen betrachtet, als das in der Gegenwart und seit zwei, drei, vier Jahrhunderten der Fall ist. In diesen früheren Zeiten haben die Menschen zu gleicher Zeit, indem sie die Naturwesen und Naturvorgänge beobachteten, mit dieser Beobachtung etwas Geistiges, etwas Seelisches in ihr Gemüt, in ihr Geistesleben hereingenommen. Man hat gar nicht so wie heute die Naturerscheinungen zu erforschen gesucht als bloße Naturerscheinungen, möglichst mit Ausschluss alles desjenigen, was irgendwie Geistig-Seelisches ist.
[ 4 ] Das soll kein Tadel, keine Kritik der modernen naturwissenschaftlichen Anschauung sein, ganz im Gegenteil. Diese naturwissenschaftliche Anschauungsweise, die ihren bedeutungsvollen Sinn für die Gegenwart und für die Zukunft hat, sie verdankt ihre Erfolge, sie ist groß geworden gerade dadurch, dass sie sich bemüht hat, von der Betrachtung der Naturvorgänge alles dasjenige auszuschließen, was irgendwie geistig-seelisch ist. Sie betrachtet rein die Wesenhaftigkeit, die Vorgänge der Natur, ohne irgendetwas hineinzutragen in diese Wesenhaftigkeit, in diese Vorgänge von Geistig-Seelischem.
[ 4 ] Das soll kein Tadel, keine Kritik der modernen naturwissenschaftlichen Anschauung sein, ganz im Gegenteil. Diese naturwissenschaftliche Anschauungsweise, die ihren bedeutungsvollen Sinn für die Gegenwart und für die Zukunft hat, sie verdankt ihre Erfolge, sie ist groß geworden gerade dadurch, dass sie sich bemüht hat, von der Betrachtung der Naturvorgänge alles dasjenige auszuschließen, was irgendwie geistig-seelisch ist. Sie betrachtet rein die Wesenhaftigkeit, die Vorgänge der Natur, ohne irgendetwas hineinzutragen in diese Wesenhaftigkeit, in diese Vorgänge von Geistig-Seelischem.
[ 5 ] Aber auf der anderen Seite ist dadurch notwendig geworden, die unauslöschlichen Bedürfnisse der menschlichen Seele, die Bedürfnisse, heranzukommen an die großen Rätselfragen des Daseins, auf eine andere Weise wissenschaftlich zu befriedigen. Gerade weil Naturwissenschaft das Geistig-Seelische nach ihrer reinen, ernsten, gewissenhaften Methode ausschließen muss, gerade deshalb muss nach dem Muster der Naturwissenschaft, nach dem Ideal der Naturwissenschaft, neben die Naturwissenschaft sich hinstellen eine Geisteswissenschaft, welche so vorgeht wie die Naturwissenschaft, aber aus anderen Quellen heraus arbeitet.
[ 5 ] Aber auf der anderen Seite ist dadurch notwendig geworden, die unauslöschlichen Bedürfnisse der menschlichen Seele, die Bedürfnisse, heranzukommen an die großen Rätselfragen des Daseins, auf eine andere Weise wissenschaftlich zu befriedigen. Gerade weil Naturwissenschaft das Geistig-Seelische nach ihrer reinen, ernsten, gewissenhaften Methode ausschließen muss, gerade deshalb muss nach dem Muster der Naturwissenschaft, nach dem Ideal der Naturwissenschaft, neben die Naturwissenschaft sich hinstellen eine Geisteswissenschaft, welche so vorgeht wie die Naturwissenschaft, aber aus anderen Quellen heraus arbeitet.
[ 6 ] Man kann nicht sagen, dass die neuere Zeit, dass die Gegenwart schon zurechtgekommen ist mit irgendeiner Ansicht vom Verhältnis der Naturwissenschaft zu irgendeiner geisteswissenschaftlichen Bestrebung. Gerade die gewichtigsten, die ernstesten Fragen des menschlichen Seelen- und Geisteslebens, die Frage nach der Ewigkeit des Menschenwesens, die Frage nach der menschlichen Freiheit und alles, was damit zusammenhängt, sie sind ja im Grunde genommen ausgeschlossen worden und seit der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts eben vollständig verbannt worden aus allem, was naturwissenschaftliche Weltanschauung ist. Und man kann sagen, dass in einer eigentümlichen Lage gerade die hervorragenden, die großen Naturforscher der Gegenwart sind.
[ 6 ] Man kann nicht sagen, dass die neuere Zeit, dass die Gegenwart schon zurechtgekommen ist mit irgendeiner Ansicht vom Verhältnis der Naturwissenschaft zu irgendeiner geisteswissenschaftlichen Bestrebung. Gerade die gewichtigsten, die ernstesten Fragen des menschlichen Seelen- und Geisteslebens, die Frage nach der Ewigkeit des Menschenwesens, die Frage nach der menschlichen Freiheit und alles, was damit zusammenhängt, sie sind ja im Grunde genommen ausgeschlossen worden und seit der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts eben vollständig verbannt worden aus allem, was naturwissenschaftliche Weltanschauung ist. Und man kann sagen, dass in einer eigentümlichen Lage gerade die hervorragenden, die großen Naturforscher der Gegenwart sind.
[ 7 ] Wir haben ja gesehen, wie in der neueren Zeit erst hervorragende Naturforscher überwunden haben die naturwissenschaftliche Romantik des Darwinismus von der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts. Wir haben gesehen, wie — nun, es könnten Hunderte von Forschern und Denkern nach dieser Richtung angeführt werden, herausgehoben soll werden zum Beispiel Oscar Hertwig —, wir haben gesehen, wie solche Forscher wie Oscar Hertwig die ausschweifende, phantastische Richtung des Naturalismus wiederum auf gediegenere Bahnen gebracht haben. Und ein Buch wie das Buch von Oscar Hertwig: «Das Werden der Organismen. Eine Darwin’sche Zufallstheorie», ein Buch von einem hervorragenden, unmittelbaren Schüler Haeckels, ein solches Buch bedeutet auf rein naturwissenschaftlichem Boden sehr viel.
[ 7 ] Wir haben ja gesehen, wie in der neueren Zeit erst hervorragende Naturforscher überwunden haben die naturwissenschaftliche Romantik des Darwinismus von der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts. Wir haben gesehen, wie — nun, es könnten Hunderte von Forschern und Denkern nach dieser Richtung angeführt werden, herausgehoben soll werden zum Beispiel Oscar Hertwig —, wir haben gesehen, wie solche Forscher wie Oscar Hertwig die ausschweifende, phantastische Richtung des Naturalismus wiederum auf gediegenere Bahnen gebracht haben. Und ein Buch wie das Buch von Oscar Hertwig: «Das Werden der Organismen. Eine Darwin’sche Zufallstheorie», ein Buch von einem hervorragenden, unmittelbaren Schüler Haeckels, ein solches Buch bedeutet auf rein naturwissenschaftlichem Boden sehr viel.
[ 8 ] Vieles könnte nach dieser Richtung als gleich bedeutsam oder nahezu ebenso bedeutsam hinzugefügt werden. Aber gerade an solchen Leistungen, die nicht genug auf ihrem eigenen Gebiete anerkannt werden können, zeigt sich, in welcher eigentümlichen Lage die ernsten naturwissenschaftlichen Forscher gegenüber den Seelen- und Geistesfragen sind. Wer dieses tonangebende Buch von Oscar Hertwig, «Das Werden der Organismen. Eine Darwin’sche Zufallstheorie», liest, der wird daraus eine gewisse Stimmung gegenüber den Fragen des Geisteslebens entnehmen können. Er wird finden, dass ein solcher Forscher wie Oscar Hertwig geltend macht, dass er mit seinen Mitteln, mit den Mitteln seiner strengen Forschung an die Seelen- und Geistesfragen nicht herankann. Er sagt das klar und deutlich auf der einen Seite, Naturwissenschaft könne es nur mit dem Vergänglichen, dem Sinnlichen eigentlich zu tun haben; Naturwissenschaft könne nicht heran an das Ewige in der Menschennatur.
[ 8 ] Vieles könnte nach dieser Richtung als gleich bedeutsam oder nahezu ebenso bedeutsam hinzugefügt werden. Aber gerade an solchen Leistungen, die nicht genug auf ihrem eigenen Gebiete anerkannt werden können, zeigt sich, in welcher eigentümlichen Lage die ernsten naturwissenschaftlichen Forscher gegenüber den Seelen- und Geistesfragen sind. Wer dieses tonangebende Buch von Oscar Hertwig, «Das Werden der Organismen. Eine Darwin’sche Zufallstheorie», liest, der wird daraus eine gewisse Stimmung gegenüber den Fragen des Geisteslebens entnehmen können. Er wird finden, dass ein solcher Forscher wie Oscar Hertwig geltend macht, dass er mit seinen Mitteln, mit den Mitteln seiner strengen Forschung an die Seelen- und Geistesfragen nicht herankann. Er sagt das klar und deutlich auf der einen Seite, Naturwissenschaft könne es nur mit dem Vergänglichen, dem Sinnlichen eigentlich zu tun haben; Naturwissenschaft könne nicht heran an das Ewige in der Menschennatur.
[ 9 ] Das wäre soweit ganz gut, denn dadurch würde für Geisteswissenschaft die Bahn frei gemacht werden; dadurch würde von dem Naturforscher selber darauf hingewiesen werden, dass es eine Geisteswissenschaft neben der strengen Naturwissenschaft geben müsse. Aber zu dem einen wird leider von all denen, die in einer solchen Richtung arbeiten, etwas wesentlich anderes noch hinzugefügt; etwas, was dann nicht deutlich ausgesprochen wird, was aber doch zwischen den Betrachtungsarten, zwischen den Zeilen deutlich zu lesen ist. Es wird nämlich die Meinung verbreitet — man kann sagen, unbewusst wird die Meinung verbreitet —, dass die einzige wirklich exakte wissenschaftliche Methode diejenige ist, die der Naturforscher anwendet; dass man auf wissenschaftlichem Boden nur solange steht, solange man das Äußere, Sinnlich-Wirkliche beobachtet; der Glaube wird hervorgerufen, als ob jedes Verlassen des sinnlich-physischen Bodens ins Phantastische, ins Träumerische führen müsse.
[ 9 ] Das wäre soweit ganz gut, denn dadurch würde für Geisteswissenschaft die Bahn frei gemacht werden; dadurch würde von dem Naturforscher selber darauf hingewiesen werden, dass es eine Geisteswissenschaft neben der strengen Naturwissenschaft geben müsse. Aber zu dem einen wird leider von all denen, die in einer solchen Richtung arbeiten, etwas wesentlich anderes noch hinzugefügt; etwas, was dann nicht deutlich ausgesprochen wird, was aber doch zwischen den Betrachtungsarten, zwischen den Zeilen deutlich zu lesen ist. Es wird nämlich die Meinung verbreitet — man kann sagen, unbewusst wird die Meinung verbreitet —, dass die einzige wirklich exakte wissenschaftliche Methode diejenige ist, die der Naturforscher anwendet; dass man auf wissenschaftlichem Boden nur solange steht, solange man das Äußere, Sinnlich-Wirkliche beobachtet; der Glaube wird hervorgerufen, als ob jedes Verlassen des sinnlich-physischen Bodens ins Phantastische, ins Träumerische führen müsse.
[ 10 ] Das Gefährliche liegt gerade darin, dass diese Dinge nicht klar ausgesprochen werden, aber dass wie eine Stimmung aus solchen Leistungen hervorgeht, und dass diese Stimmung sich verbreitet in die weitesten, weitesten Menschenkreise, von denjenigen, die da glauben, viel zu verstehen von naturwissenschaftlicher Weltanschauung, und allerlei für das Geistesleben folgern wollen aus der naturwissenschaftlichen Weltanschauung, bis zu denjenigen, die sich sehr aufgeklärt vorkommen, weil sie an jedem Sonntag die Beilage zu ihrem Käsblättchen lesen, welches atmet dasjenige, was eben als eine solche Stimmung, die ich eben angedeutet habe, in weitesten Kreisen verbreitet wird.
[ 10 ] Das Gefährliche liegt gerade darin, dass diese Dinge nicht klar ausgesprochen werden, aber dass wie eine Stimmung aus solchen Leistungen hervorgeht, und dass diese Stimmung sich verbreitet in die weitesten, weitesten Menschenkreise, von denjenigen, die da glauben, viel zu verstehen von naturwissenschaftlicher Weltanschauung, und allerlei für das Geistesleben folgern wollen aus der naturwissenschaftlichen Weltanschauung, bis zu denjenigen, die sich sehr aufgeklärt vorkommen, weil sie an jedem Sonntag die Beilage zu ihrem Käsblättchen lesen, welches atmet dasjenige, was eben als eine solche Stimmung, die ich eben angedeutet habe, in weitesten Kreisen verbreitet wird.
[ 11 ] So kann man sagen: Während auf der einen Seite die naturwissenschaftliche Weltanschauung mit aller Kraft hinweist auf die Notwendigkeit der Entstehung einer Geisteswissenschaft, so ist auf der anderen Seite es doch so, dass sie dieser Geisteswissenschaft den Boden abgräbt. Verdichtet hat sich ja dasjenige, das ich hier meine, in der berühmten Rede, die ich hier in Stuttgart auch schon öfter erwähnt habe, in der Rede, die du BoisReymond, der große Physiologe, vor einer weithin leuchtenden Naturforscherversammlung in den Siebzigerjahren in Leipzig gehalten hat; verdichtet hat es sich zu der Rede «Über die Grenze des Naturerkennens», dass das Naturerkennen nicht könne irgendwie auch nur über die einfachsten Erscheinungen des menschlichen Seelenlebens einen Aufschluss geben; dass aber Wissenschaft da aufhöre, wo das Übersinnliche beginnt.
[ 11 ] So kann man sagen: Während auf der einen Seite die naturwissenschaftliche Weltanschauung mit aller Kraft hinweist auf die Notwendigkeit der Entstehung einer Geisteswissenschaft, so ist auf der anderen Seite es doch so, dass sie dieser Geisteswissenschaft den Boden abgräbt. Verdichtet hat sich ja dasjenige, das ich hier meine, in der berühmten Rede, die ich hier in Stuttgart auch schon öfter erwähnt habe, in der Rede, die du BoisReymond, der große Physiologe, vor einer weithin leuchtenden Naturforscherversammlung in den Siebzigerjahren in Leipzig gehalten hat; verdichtet hat es sich zu der Rede «Über die Grenze des Naturerkennens», dass das Naturerkennen nicht könne irgendwie auch nur über die einfachsten Erscheinungen des menschlichen Seelenlebens einen Aufschluss geben; dass aber Wissenschaft da aufhöre, wo das Übersinnliche beginnt.
[ 12 ] Damit, sehr verehrte Anwesende, ist auf der einen Seite zugegeben, dass Naturwissenschaft nichts zu sagen vermag über das Übersinnliche, aber es ist zu gleicher Zeit in energischer Weise der Boden entzogen aller übersinnlichen Forschung. Gegen solche Ziele, gegen solche Bestrebungen hat heute Geisteswissenschaft noch anzukämpfen. Denn sie zielt ja zuletzt darauf hin, gerade diejenigen Fragen ins Auge zu fassen und sie vom wissenschaftlichen Standpunkte aus zu behandeln, nach denen sich die tiefste Sehnsucht der menschlichen Seele richtet: Die Frage nach der Ewigkeit der menschlichen Seele, die Frage nach der Freiheit des menschlichen Handelns und die unzähligen anderen Fragen, die mit diesen zwei Hauptfragen zusammenhängen.
[ 12 ] Damit, sehr verehrte Anwesende, ist auf der einen Seite zugegeben, dass Naturwissenschaft nichts zu sagen vermag über das Übersinnliche, aber es ist zu gleicher Zeit in energischer Weise der Boden entzogen aller übersinnlichen Forschung. Gegen solche Ziele, gegen solche Bestrebungen hat heute Geisteswissenschaft noch anzukämpfen. Denn sie zielt ja zuletzt darauf hin, gerade diejenigen Fragen ins Auge zu fassen und sie vom wissenschaftlichen Standpunkte aus zu behandeln, nach denen sich die tiefste Sehnsucht der menschlichen Seele richtet: Die Frage nach der Ewigkeit der menschlichen Seele, die Frage nach der Freiheit des menschlichen Handelns und die unzähligen anderen Fragen, die mit diesen zwei Hauptfragen zusammenhängen.
[ 13 ] Nun kann man auf der einen Seite auch wiederum sagen: Wenn der Mensch, der heute Aufschluss haben will über solche Dinge, nicht sich an die Naturwissenschaft wendet, sondern wendet mehr an die philosophischen Bestrebungen, so findet er auch da sehr wenig Befriedigung. Diese philosophischen Bestrebungen, sie bieten für das allgemeine Bewusstsein in der Regel kaum etwas anderes dar als dasjenige, was man ansehen kann, wenn man wirklich nach geistiger Nahrung verlangt auf geistigen Gebieten, als eine Summe von abstrakten Begriffen, von mehr oder weniger leeren Begriffen, die einem nichts Vollgültiges geben für die starken Fragen des menschlichen Seelen- und Geisteslebens. Aber vielleicht wird man gerade auf diesem Gebiet finden können, worin der Grund liegt, warum man in unserer Gegenwart außerhalb des eigentlichen Gebietes der Geisteswissenschaft über diese Fragen nichts wirklich Inhaltsvolles finden kann. Gerade die philosophischen Bestrebungen zeigen ein sehr Eigentümliches: dasjenige, was eigentlich der Grund ist, warum ich den heutigen Vortrag gerade genannt habe «Eine Betrachtung über den Menschen als Geistwesen und Seelenwesen».
[ 13 ] Nun kann man auf der einen Seite auch wiederum sagen: Wenn der Mensch, der heute Aufschluss haben will über solche Dinge, nicht sich an die Naturwissenschaft wendet, sondern wendet mehr an die philosophischen Bestrebungen, so findet er auch da sehr wenig Befriedigung. Diese philosophischen Bestrebungen, sie bieten für das allgemeine Bewusstsein in der Regel kaum etwas anderes dar als dasjenige, was man ansehen kann, wenn man wirklich nach geistiger Nahrung verlangt auf geistigen Gebieten, als eine Summe von abstrakten Begriffen, von mehr oder weniger leeren Begriffen, die einem nichts Vollgültiges geben für die starken Fragen des menschlichen Seelen- und Geisteslebens. Aber vielleicht wird man gerade auf diesem Gebiet finden können, worin der Grund liegt, warum man in unserer Gegenwart außerhalb des eigentlichen Gebietes der Geisteswissenschaft über diese Fragen nichts wirklich Inhaltsvolles finden kann. Gerade die philosophischen Bestrebungen zeigen ein sehr Eigentümliches: dasjenige, was eigentlich der Grund ist, warum ich den heutigen Vortrag gerade genannt habe «Eine Betrachtung über den Menschen als Geistwesen und Seelenwesen».
[ 14 ] Wer heute irgendwie ein Handbuch der Seelenkunde, wer irgendetwas Philosophisches in die Hand nimmt, um sich über die hier gemeinten Fragen Aufschluss zu verschaffen, der finder überall eine Betrachtungsweise, welche sozusagen ganz eingeschnürt ist in die Vorstellung, selbst wenn man hinausgeht über das bloße materialistische Denken, in die Vorstellung: Der Mensch ist ein Leibes- und ein Seelenwesen. Die aufgeklärtesten, die eindringlichsten Philosophen beherrscht heute die Vorstellung: Der Mensch ist ein Leibes- und ein Seelenwesen. Gerade dasjenige ist nötig heute zu zeigen, dass diese Vorstellungsweise irreführt, wenn es sich darum handelt, die volle Wesenheit des Menschen zu erforschen. Es ist, wenn man von vorneherein darauf ausgeht, diese Wesenheit des Menschen dadurch zu erforschen, dass man den Menschen mit alledem, was in ihm seelisch und leiblich zutage tritt, dass man diesen Menschen gliedert in Leib und Seele, es ist dann gerade so, wie wenn ein Chemiker eine gewisse Substanz vor sich hat und von vorneherein von dem Vorurteil ausginge, diese Substanz dürfe nur aus zwei Bestandteilen bestehen; und dann macht er seine chemische Analyse, und es kommt nichts Ordentliches dabei heraus. Ein anderer findet, es kann nichts Ordentliches dabei herauskommen, weil die Substanz, die dem Chemiker vorgelegen hat, aus drei Bestandteilen besteht und der sich eingebildet hatte, es müssten nur zwei sein, er müsste nur zwei finden.
[ 14 ] Wer heute irgendwie ein Handbuch der Seelenkunde, wer irgendetwas Philosophisches in die Hand nimmt, um sich über die hier gemeinten Fragen Aufschluss zu verschaffen, der finder überall eine Betrachtungsweise, welche sozusagen ganz eingeschnürt ist in die Vorstellung, selbst wenn man hinausgeht über das bloße materialistische Denken, in die Vorstellung: Der Mensch ist ein Leibes- und ein Seelenwesen. Die aufgeklärtesten, die eindringlichsten Philosophen beherrscht heute die Vorstellung: Der Mensch ist ein Leibes- und ein Seelenwesen. Gerade dasjenige ist nötig heute zu zeigen, dass diese Vorstellungsweise irreführt, wenn es sich darum handelt, die volle Wesenheit des Menschen zu erforschen. Es ist, wenn man von vorneherein darauf ausgeht, diese Wesenheit des Menschen dadurch zu erforschen, dass man den Menschen mit alledem, was in ihm seelisch und leiblich zutage tritt, dass man diesen Menschen gliedert in Leib und Seele, es ist dann gerade so, wie wenn ein Chemiker eine gewisse Substanz vor sich hat und von vorneherein von dem Vorurteil ausginge, diese Substanz dürfe nur aus zwei Bestandteilen bestehen; und dann macht er seine chemische Analyse, und es kommt nichts Ordentliches dabei heraus. Ein anderer findet, es kann nichts Ordentliches dabei herauskommen, weil die Substanz, die dem Chemiker vorgelegen hat, aus drei Bestandteilen besteht und der sich eingebildet hatte, es müssten nur zwei sein, er müsste nur zwei finden.
[ 15 ] So geht es mit der Betrachtung des Menschenwesens bis heute. Man bildet sich ein, man müsse zwei Bestandteile finden, Leib und Seele. In Wahrheit kommt man nur zurecht, wenn man diese menschliche Wesenheit gliedert in Leib, Seele und Geist. Sonst wird man immer ein unmögliches Gemisch herausbekommen zwischen Geist und Seele, welches ebenso wenig irgendeine wirkliche Aufklärung über das Menschenwesen geben kann, wie es eine Aufklärung geben könnte, wenn man durcheinandermischt das Leibesleben und das Seelenleben, ohne sie in entsprechender Weise zu unterscheiden.
[ 15 ] So geht es mit der Betrachtung des Menschenwesens bis heute. Man bildet sich ein, man müsse zwei Bestandteile finden, Leib und Seele. In Wahrheit kommt man nur zurecht, wenn man diese menschliche Wesenheit gliedert in Leib, Seele und Geist. Sonst wird man immer ein unmögliches Gemisch herausbekommen zwischen Geist und Seele, welches ebenso wenig irgendeine wirkliche Aufklärung über das Menschenwesen geben kann, wie es eine Aufklärung geben könnte, wenn man durcheinandermischt das Leibesleben und das Seelenleben, ohne sie in entsprechender Weise zu unterscheiden.
[ 16 ] Was nun eigentlich gemeint ist, wenn nicht nur getrennt wird das Menschenwesen in ein Seelenwesen und ein Leibeswesen auf der einen Seite, sondern in ein Seelenwesen und ein Geistwesen auf der anderen Seite, das wird klar werden, wenn man einen Blick wirft auf die Art, wie aus dem bloßen menschlichen Erleben, aus dem Erleben des menschlichen Leibeslebens, die physische Wissenschaft vom Menschen, die Biologie, die Physiologie, die Anatomie und so weiter werden.
[ 16 ] Was nun eigentlich gemeint ist, wenn nicht nur getrennt wird das Menschenwesen in ein Seelenwesen und ein Leibeswesen auf der einen Seite, sondern in ein Seelenwesen und ein Geistwesen auf der anderen Seite, das wird klar werden, wenn man einen Blick wirft auf die Art, wie aus dem bloßen menschlichen Erleben, aus dem Erleben des menschlichen Leibeslebens, die physische Wissenschaft vom Menschen, die Biologie, die Physiologie, die Anatomie und so weiter werden.
[ 17 ] Nehmen wir einen bestimmten Fall, sehr verehrte Anwesende. Der Mensch erfährt im unmittelbaren Leben Hunger, Sättigung, Atmungsbedürfnis und Ähnliches. Dieses sind unmittelbar, ich möchte sagen, innere Erlebnisse. Eigentlich sind sie zunächst zwar vom Materiellen abhängig, aber es sind doch Seelenerlebnisse Hunger, Sättigung, Atmungsbedürfnisse. Der physische Forscher untersucht die leiblichen Grundlagen für Hunger, Sättigung, Atmungsbedürfnisse und dergleichen. Man kann nicht stehen bleiben dabei, dass man den Hunger in verschiedener Weise erlebt, um eine physische Wissenschaft, eine Wissenschaft vom Menschenleibe zu begründen. Derjenige, der nur wollte einen starken und einen schwachen Hunger, einen starken und einen schwachen Durst, oder verschiedenartigen Hunger oder Durst erleben, der würde keine Wissenschaft des physischen Leibes begründen können. Man muss über das bloße innere Erleben hinausgehen, man muss den Leib mit den wissenschaftlichen Methoden untersuchen. Man kommt dann darauf, dass Hunger, Durst und Atmungsbedürfnis gewisse chemische, physische Vorgänge im physischen Menschenleibe entwickeln; man kommt dadurch zur physiologischen, biologischen Wissenschaft vom Menschen. Man muss hinausgehen über das bloß innerlich Erlebte zum Leibe; man muss diesen Leib für sich den Forschungsmethoden unterwerfen.
[ 17 ] Nehmen wir einen bestimmten Fall, sehr verehrte Anwesende. Der Mensch erfährt im unmittelbaren Leben Hunger, Sättigung, Atmungsbedürfnis und Ähnliches. Dieses sind unmittelbar, ich möchte sagen, innere Erlebnisse. Eigentlich sind sie zunächst zwar vom Materiellen abhängig, aber es sind doch Seelenerlebnisse Hunger, Sättigung, Atmungsbedürfnisse. Der physische Forscher untersucht die leiblichen Grundlagen für Hunger, Sättigung, Atmungsbedürfnisse und dergleichen. Man kann nicht stehen bleiben dabei, dass man den Hunger in verschiedener Weise erlebt, um eine physische Wissenschaft, eine Wissenschaft vom Menschenleibe zu begründen. Derjenige, der nur wollte einen starken und einen schwachen Hunger, einen starken und einen schwachen Durst, oder verschiedenartigen Hunger oder Durst erleben, der würde keine Wissenschaft des physischen Leibes begründen können. Man muss über das bloße innere Erleben hinausgehen, man muss den Leib mit den wissenschaftlichen Methoden untersuchen. Man kommt dann darauf, dass Hunger, Durst und Atmungsbedürfnis gewisse chemische, physische Vorgänge im physischen Menschenleibe entwickeln; man kommt dadurch zur physiologischen, biologischen Wissenschaft vom Menschen. Man muss hinausgehen über das bloß innerlich Erlebte zum Leibe; man muss diesen Leib für sich den Forschungsmethoden unterwerfen.
[ 18 ] Genau dasselbe, sehr verehrte Anwesende, was man machen muss, um eine physische Wissenschaft nach der einen Seite zu begründen, hinausgehend von den unmittelbaren Erlebnissen, so muss man nach der anderen Seite dann hinausgehen von den seelischen Erlebnissen zu demjenigen, was diesen seelischen Erlebnissen als Geistiges zugrunde liegt, so wie das Leibliche den seelischen Erlebnissen als Leibliches eben zugrunde liegt.
[ 18 ] Genau dasselbe, sehr verehrte Anwesende, was man machen muss, um eine physische Wissenschaft nach der einen Seite zu begründen, hinausgehend von den unmittelbaren Erlebnissen, so muss man nach der anderen Seite dann hinausgehen von den seelischen Erlebnissen zu demjenigen, was diesen seelischen Erlebnissen als Geistiges zugrunde liegt, so wie das Leibliche den seelischen Erlebnissen als Leibliches eben zugrunde liegt.
[ 19 ] Wenn wir auf das Leibliche sehen, so können wir sagen: Der Physiker, der physische Forscher findet gewisse Stoffwechselvorgänge im Leiblichen, welche entsprechen den inneren Erlebnissen von Hunger, Durst, Atmungsbedürfnis. Die Frage muss entstehen: Gibt es nun auch — wenn ich den zunächst natürlich ganz paradoxen Ausdruck gebrauchen darf —, gibt es denn auch etwas, was entspricht dem seelischen Erlebnis nach der anderen Seite, sodass man es nennen könnte «Geistwechsel», im Gegensatz zu «Stoffwechsel»? Es klingt gewiss zunächst paradox, wenn man [so, wie man] auf der einen Seite von Stoffwechsel spricht, was etwas so Selbstverständliches ist, weil es einer anerkannten Wissenschaft angehört, wenn man auf der anderen Seite von Geistwechsel spricht. Dennoch werden wir gerade heute zu zeigen versuchen, dass dieser paradoxe Ausdruck durchaus einer Wirklichkeit entspricht.
[ 19 ] Wenn wir auf das Leibliche sehen, so können wir sagen: Der Physiker, der physische Forscher findet gewisse Stoffwechselvorgänge im Leiblichen, welche entsprechen den inneren Erlebnissen von Hunger, Durst, Atmungsbedürfnis. Die Frage muss entstehen: Gibt es nun auch — wenn ich den zunächst natürlich ganz paradoxen Ausdruck gebrauchen darf —, gibt es denn auch etwas, was entspricht dem seelischen Erlebnis nach der anderen Seite, sodass man es nennen könnte «Geistwechsel», im Gegensatz zu «Stoffwechsel»? Es klingt gewiss zunächst paradox, wenn man [so, wie man] auf der einen Seite von Stoffwechsel spricht, was etwas so Selbstverständliches ist, weil es einer anerkannten Wissenschaft angehört, wenn man auf der anderen Seite von Geistwechsel spricht. Dennoch werden wir gerade heute zu zeigen versuchen, dass dieser paradoxe Ausdruck durchaus einer Wirklichkeit entspricht.
[ 20 ] Ebenso wenig, wie man in der Lage ist, durch die bloße innerliche Beobachtung von Hunger, Durst, Atmungsbedürfnis eine physische Wissenschaft zu begründen, ebenso wenig ist man imstande, wenn man bloß innerlich das Seelische, das da auf- und abwogt im Denken, Fühlen und Wollen, wenn man bloß das untersucht, als innerliche Erlebnisse untersucht, eine Geisteswissenschaft zu bekommen. Man muss sich da klarmachen, dass für das gewöhnliche Bewusstsein, für das alltägliche Leben das Leibliche eigentlich nur so recht seine Außenseite dem Menschen zukehrt. Was weiß denn der Mensch im gewöhnlichen Leben, wenn er in die physische Wissenschaft eintritt, von all den komplizierten körperlichen Vorgängen, von den physikalisch-chemischen Vorgängen, welche die physische Wissenschaft zutage fördert als dasjenige, was leiblich Hunger, Durst, Atmungsbedürfnis und dergleichen zugrunde liegt? Vergleichen Sie nur dasjenige, was dem gewöhnlichen, alltäglichen Leben vom Leibe zugekehrt ist, etwa von seiner äußeren Gestalt, etwa von seiner Bewegungsfähigkeit, von seiner Physiognomie, vergleichen Sie dieses, was dem gewöhnlichen Leben da vorliegt, was jeder wissen kann, ohne in die physische Wissenschaft vom Menschen einzudringen, vergleichen sie das mit demjenigen, was Anatomie, Physiologie, Biologie gibt, dann werden Sie das Verhältnis des gewöhnlichen Erlebens mit Bezug auf das Leibliche zur wissenschaftlichen Forschung haben.
[ 20 ] Ebenso wenig, wie man in der Lage ist, durch die bloße innerliche Beobachtung von Hunger, Durst, Atmungsbedürfnis eine physische Wissenschaft zu begründen, ebenso wenig ist man imstande, wenn man bloß innerlich das Seelische, das da auf- und abwogt im Denken, Fühlen und Wollen, wenn man bloß das untersucht, als innerliche Erlebnisse untersucht, eine Geisteswissenschaft zu bekommen. Man muss sich da klarmachen, dass für das gewöhnliche Bewusstsein, für das alltägliche Leben das Leibliche eigentlich nur so recht seine Außenseite dem Menschen zukehrt. Was weiß denn der Mensch im gewöhnlichen Leben, wenn er in die physische Wissenschaft eintritt, von all den komplizierten körperlichen Vorgängen, von den physikalisch-chemischen Vorgängen, welche die physische Wissenschaft zutage fördert als dasjenige, was leiblich Hunger, Durst, Atmungsbedürfnis und dergleichen zugrunde liegt? Vergleichen Sie nur dasjenige, was dem gewöhnlichen, alltäglichen Leben vom Leibe zugekehrt ist, etwa von seiner äußeren Gestalt, etwa von seiner Bewegungsfähigkeit, von seiner Physiognomie, vergleichen Sie dieses, was dem gewöhnlichen Leben da vorliegt, was jeder wissen kann, ohne in die physische Wissenschaft vom Menschen einzudringen, vergleichen sie das mit demjenigen, was Anatomie, Physiologie, Biologie gibt, dann werden Sie das Verhältnis des gewöhnlichen Erlebens mit Bezug auf das Leibliche zur wissenschaftlichen Forschung haben.
[ 21 ] Nun kann man nach der anderen Seite sagen, dass vom Geiste dem Menschen ebenso wenig oder ebenso viel zugewendet ist, wie von der Leibesseite her die äußere Gestalt, und dass von dieser geistigen Seite her dem Menschen ebenso wenig oder ebenso viel verborgen ist, als dem gewöhnlichen Leben verborgen ist von den Vorgängen, die erst die physische Wissenschaft erforscht.
[ 21 ] Nun kann man nach der anderen Seite sagen, dass vom Geiste dem Menschen ebenso wenig oder ebenso viel zugewendet ist, wie von der Leibesseite her die äußere Gestalt, und dass von dieser geistigen Seite her dem Menschen ebenso wenig oder ebenso viel verborgen ist, als dem gewöhnlichen Leben verborgen ist von den Vorgängen, die erst die physische Wissenschaft erforscht.
[ 22 ] Was ist denn von dem Geiste aus dem menschlichen inneren Erleben eigentlich zugewendet? Nun, wir werden heute sehen, dass dasjenige, was dem Menschen von seinem geistigen Leben zugewendet ist, was er aber im gewöhnlichen Bewusstsein gar nicht einmal zunächst immer als solches anerkennt, nichts anderes ist als dasjenige, das er in das einfache, eindeutige, aber doch vielsagende Wort «Ich» zusammenfasst. Dieses Ich werden wir als Geistiges erkennen, aber es verhält sich zu dem gesamten Geiste, wie sich das, was als äußere Gestalt, als Physiognomie, als Bewegung der Glieder dem gewöhnlichen Leibe zugewendet ist, verhält zur Physiologie, zur Biologie, zur Wissenschaft vom Leibe. Und wie man nicht kommen kann, wenn man ein bisschen oder stark hungert, oder den Hungerzustand mit anderen vergleicht, oder sich in den Hunger versenkt, wie man niemals dadurch zur Wissenschaft des Leibes kommen kann, so kann man auch nicht kommen durch das Sich-Versenken in das zunächst erlebbare Vorstellen, Fühlen und Denken zu einer Wissenschaft des Geistes des Menschen.
[ 22 ] Was ist denn von dem Geiste aus dem menschlichen inneren Erleben eigentlich zugewendet? Nun, wir werden heute sehen, dass dasjenige, was dem Menschen von seinem geistigen Leben zugewendet ist, was er aber im gewöhnlichen Bewusstsein gar nicht einmal zunächst immer als solches anerkennt, nichts anderes ist als dasjenige, das er in das einfache, eindeutige, aber doch vielsagende Wort «Ich» zusammenfasst. Dieses Ich werden wir als Geistiges erkennen, aber es verhält sich zu dem gesamten Geiste, wie sich das, was als äußere Gestalt, als Physiognomie, als Bewegung der Glieder dem gewöhnlichen Leibe zugewendet ist, verhält zur Physiologie, zur Biologie, zur Wissenschaft vom Leibe. Und wie man nicht kommen kann, wenn man ein bisschen oder stark hungert, oder den Hungerzustand mit anderen vergleicht, oder sich in den Hunger versenkt, wie man niemals dadurch zur Wissenschaft des Leibes kommen kann, so kann man auch nicht kommen durch das Sich-Versenken in das zunächst erlebbare Vorstellen, Fühlen und Denken zu einer Wissenschaft des Geistes des Menschen.
[ 23 ] Das muss schon einmal durchschaut werden, dass die sogenannte Mystik, das sogenannte Versenken in das eigene Innere, [das] in einer etwas anderen Weise dieses Innere Erleben-Wollen, als man es im gewöhnlichen Leben durchmacht, dass diese Mystik, dieses innere Versenken ebenso wenig zu einer Wissenschaft vom Geiste führen kann, wie führen kann ein verschiedenartiges Erleben von Hunger, Durst und Atmungsbedürfnis zu einer Wissenschaft vom Leibe. Wie hinausgegangen werden muss zum Leibe von dem bloßen inneren Erleben von Hunger und Durst zu den Dingen, die die wissenschaftliche Methode liefert, so muss hinausgegangen werden auch aus dem bloßen mystischen Seelenleben zu dem, was, geistig aber jetzt eben, geistig außerhalb dieses Seelenlebens ist. Und dieses Geistige muss allerdings nun mit geistigen Methoden ebenso erforscht werden, im strengsten Sinne wissenschaftlich erforscht werden, wie das menschliche Leibesleben wirklich erforscht wird.
[ 23 ] Das muss schon einmal durchschaut werden, dass die sogenannte Mystik, das sogenannte Versenken in das eigene Innere, [das] in einer etwas anderen Weise dieses Innere Erleben-Wollen, als man es im gewöhnlichen Leben durchmacht, dass diese Mystik, dieses innere Versenken ebenso wenig zu einer Wissenschaft vom Geiste führen kann, wie führen kann ein verschiedenartiges Erleben von Hunger, Durst und Atmungsbedürfnis zu einer Wissenschaft vom Leibe. Wie hinausgegangen werden muss zum Leibe von dem bloßen inneren Erleben von Hunger und Durst zu den Dingen, die die wissenschaftliche Methode liefert, so muss hinausgegangen werden auch aus dem bloßen mystischen Seelenleben zu dem, was, geistig aber jetzt eben, geistig außerhalb dieses Seelenlebens ist. Und dieses Geistige muss allerdings nun mit geistigen Methoden ebenso erforscht werden, im strengsten Sinne wissenschaftlich erforscht werden, wie das menschliche Leibesleben wirklich erforscht wird.
[ 24 ] Nun sind allerdings die Methoden zur Erforschung des geistigen Lebens eben geistige und daher durchaus anders als diejenigen, mit denen sich die äußere Naturwissenschaft befassen kann. Und es wird nun zunächst meine Aufgabe sein, auf den Sinn und die Bedeutung der geisteswissenschaftlichen Methode hinzuzeigen. Man kann nicht glauben, sehr verehrte Anwesende, dass jemand zur Erforschung des geistigen Lebens kommen kann, wenn er nicht im gewöhnlichen alltäglichen Seelenleben auf gewisse Dinge kommt. Ohne dass man im gewöhnlichen alltäglichen Seelenleben, in dem man sein eigenes Innere verfolgt, auf gewisse Dinge kommt, wird man nicht zum Geistesforscher sich heranerziehen können. Solange man mit diesem gewöhnlichen alltäglichen Seelenleben so recht zufrieden ist, solange man mystisch sich befriedigt, wenn man die mystische Wollust sich bereitet, sich in dieses Seelenleben als solches nur so recht zu versenken, wird man auch nicht zum wirklichen Geistesforscher sich erziehen können. Dasjenige, was zunächst wirkliche Vorbedingung für die Geistesforschung ist, das ist, dass man in einer gewissen Richtung das Ungenügende des gewöhnlichen Seelenlebens aus diesem selbst empfindet. Ich habe in früheren Vorträgen darauf hingewiesen, dass insbesondere hineinführen kann in diese Stimmung, die ich eben jetzt angedeutet habe, die Beschäftigung mit den sogenannten Grenzfragen der Wissenschaft. Ich weise da immer sehr gerne auf eine wirklich recht bezeichnende Grenzfrage hin, welche beim Ringen nach einer Weltanschauung dem bedeutsamen Forscher Friedrich Theodor Vischer aufgestoßen ist. Er kam — Sie können das Betreffende nachlesen in seiner schönen Abhandlung über «Die Traumphantasie» —, er kam darauf, nachzudenken: Wie verhält sich eigentlich das Seelische zum Leiblichen? Und da kam er so recht auf eine Grenzfrage des menschlichen Erkennens. Er sagt, der sogenannte V-Vischer: Es ist gewiss, dass das Seelische nicht im Leibe sein kann; es ist aber ebenso gewiss, dass es nicht außerhalb des Leibes gesucht werden kann. — Also, er kommt auf einen vollständigen Widerspruch. Solch ein Widerspruch ergibt sich an vielen Orten, wenn man das Erkennen nicht bloß zu einer äußerlich erfassten Tatsache macht, sondern wenn man innerlich wirklich mit der Erkenntnis zu ringen hat.
[ 24 ] Nun sind allerdings die Methoden zur Erforschung des geistigen Lebens eben geistige und daher durchaus anders als diejenigen, mit denen sich die äußere Naturwissenschaft befassen kann. Und es wird nun zunächst meine Aufgabe sein, auf den Sinn und die Bedeutung der geisteswissenschaftlichen Methode hinzuzeigen. Man kann nicht glauben, sehr verehrte Anwesende, dass jemand zur Erforschung des geistigen Lebens kommen kann, wenn er nicht im gewöhnlichen alltäglichen Seelenleben auf gewisse Dinge kommt. Ohne dass man im gewöhnlichen alltäglichen Seelenleben, in dem man sein eigenes Innere verfolgt, auf gewisse Dinge kommt, wird man nicht zum Geistesforscher sich heranerziehen können. Solange man mit diesem gewöhnlichen alltäglichen Seelenleben so recht zufrieden ist, solange man mystisch sich befriedigt, wenn man die mystische Wollust sich bereitet, sich in dieses Seelenleben als solches nur so recht zu versenken, wird man auch nicht zum wirklichen Geistesforscher sich erziehen können. Dasjenige, was zunächst wirkliche Vorbedingung für die Geistesforschung ist, das ist, dass man in einer gewissen Richtung das Ungenügende des gewöhnlichen Seelenlebens aus diesem selbst empfindet. Ich habe in früheren Vorträgen darauf hingewiesen, dass insbesondere hineinführen kann in diese Stimmung, die ich eben jetzt angedeutet habe, die Beschäftigung mit den sogenannten Grenzfragen der Wissenschaft. Ich weise da immer sehr gerne auf eine wirklich recht bezeichnende Grenzfrage hin, welche beim Ringen nach einer Weltanschauung dem bedeutsamen Forscher Friedrich Theodor Vischer aufgestoßen ist. Er kam — Sie können das Betreffende nachlesen in seiner schönen Abhandlung über «Die Traumphantasie» —, er kam darauf, nachzudenken: Wie verhält sich eigentlich das Seelische zum Leiblichen? Und da kam er so recht auf eine Grenzfrage des menschlichen Erkennens. Er sagt, der sogenannte V-Vischer: Es ist gewiss, dass das Seelische nicht im Leibe sein kann; es ist aber ebenso gewiss, dass es nicht außerhalb des Leibes gesucht werden kann. — Also, er kommt auf einen vollständigen Widerspruch. Solch ein Widerspruch ergibt sich an vielen Orten, wenn man das Erkennen nicht bloß zu einer äußerlich erfassten Tatsache macht, sondern wenn man innerlich wirklich mit der Erkenntnis zu ringen hat.
[ 25 ] Gerade diejenigen, die etwas wissen von diesem Ringen nach Erkenntnis, die sprechen von Hunderten und Hunderten solcher Grenzpunkte des Erkennens. Nur oberflächliche Gemüter beruhigen sich dann bei solchen Grenzfragen, indem sie sagen: So weit reicht eben das menschliche Erkennen, darüber kann es nicht hinauskommen. Wenn man sich dabei beruhigt, indem man sich eine solche Auskunft gibt, wird man allerdings nicht in die wirkliche Geistesforschung hineinkommen können. Denn nicht darum handelt es sich, sehr verehrte Anwesende, dass man allerlei Logisches solchen Grenzfragen gegenüber entwickelt, sondern dass man sich mit seinem ganzen ringenden Seelenleben in solche Grenzfragen hineinbegibt, dass man sie durchlebt, dass man [die] Logik gewissermaßen da aufgibt, wo sie nicht mehr anwendbar ist, dass man das Lebendige des Gegensatzes, des Widerspruches eines solchen Grenzgebietes der gewöhnlichen menschlichen Erkenntnis auf seine Seele abladen kann. Wenn man solche Grenzfragen nicht nur wie Ruhekissen betrachtet, an denen man liegen bleiben will, um nicht weiterzugehen, sondern wenn man sie erlebt, so findet man gerade durch dasjenige, was da als lebendiger Widerspruch wallt und lebt, dass das innere seelische Leben sich an einem Punkte so anfacht, wie es nicht angefacht ist im gewöhnlichen Erleben: dass es gerade an diesen Grenzpunkten hinauskommen kann über das gewöhnliche Erleben.
[ 25 ] Gerade diejenigen, die etwas wissen von diesem Ringen nach Erkenntnis, die sprechen von Hunderten und Hunderten solcher Grenzpunkte des Erkennens. Nur oberflächliche Gemüter beruhigen sich dann bei solchen Grenzfragen, indem sie sagen: So weit reicht eben das menschliche Erkennen, darüber kann es nicht hinauskommen. Wenn man sich dabei beruhigt, indem man sich eine solche Auskunft gibt, wird man allerdings nicht in die wirkliche Geistesforschung hineinkommen können. Denn nicht darum handelt es sich, sehr verehrte Anwesende, dass man allerlei Logisches solchen Grenzfragen gegenüber entwickelt, sondern dass man sich mit seinem ganzen ringenden Seelenleben in solche Grenzfragen hineinbegibt, dass man sie durchlebt, dass man [die] Logik gewissermaßen da aufgibt, wo sie nicht mehr anwendbar ist, dass man das Lebendige des Gegensatzes, des Widerspruches eines solchen Grenzgebietes der gewöhnlichen menschlichen Erkenntnis auf seine Seele abladen kann. Wenn man solche Grenzfragen nicht nur wie Ruhekissen betrachtet, an denen man liegen bleiben will, um nicht weiterzugehen, sondern wenn man sie erlebt, so findet man gerade durch dasjenige, was da als lebendiger Widerspruch wallt und lebt, dass das innere seelische Leben sich an einem Punkte so anfacht, wie es nicht angefacht ist im gewöhnlichen Erleben: dass es gerade an diesen Grenzpunkten hinauskommen kann über das gewöhnliche Erleben.
[ 26 ] Dazu gehört allerdings, um sich an solchen Punkten gehörig zurechtzufinden, dass man innerlich geistig ins Auge fassen kann, wie der Mensch in gewissen Augenblicken seines Lebens nicht über sich hinauskommen kann und doch wiederum über sich hinausweist. Es gehört dazu, dass man eine gewisse innere Stimmung entwickelt, die das Ergebnis sein kann des Lebens an solchen Grenzpunkten der Erkenntnis. Diese Stimmung, die kann man mit den folgenden Worten kennzeichnen. Die Kennzeichnung nimmt sich recht einfach aus; das Erleben, das man durch eine solche Stimmung haben kann, ist etwas tief, tief in die Seele Einschneidendes. Erlebt man solche Grenzfragen richtig, so sagt man sich nicht: Da sind Grenzen der menschlichen Erkenntnis, sondern man sagt sich: Mit alledem, was du dir erworben hast an Denken, an Forschen über die äußere sinnlich-physische Welt, mit dem kannst du solche Grenzen nicht überschreiten. Du kannst dir eine gewisse Resignation, einen gewissen Verzicht auferlegen; du kannst lernen, an solchen Punkten nicht entscheiden zu wollen über das Übersinnliche mit dem, was du im Sinnlichen gelernt, erfahren hast.
[ 26 ] Dazu gehört allerdings, um sich an solchen Punkten gehörig zurechtzufinden, dass man innerlich geistig ins Auge fassen kann, wie der Mensch in gewissen Augenblicken seines Lebens nicht über sich hinauskommen kann und doch wiederum über sich hinausweist. Es gehört dazu, dass man eine gewisse innere Stimmung entwickelt, die das Ergebnis sein kann des Lebens an solchen Grenzpunkten der Erkenntnis. Diese Stimmung, die kann man mit den folgenden Worten kennzeichnen. Die Kennzeichnung nimmt sich recht einfach aus; das Erleben, das man durch eine solche Stimmung haben kann, ist etwas tief, tief in die Seele Einschneidendes. Erlebt man solche Grenzfragen richtig, so sagt man sich nicht: Da sind Grenzen der menschlichen Erkenntnis, sondern man sagt sich: Mit alledem, was du dir erworben hast an Denken, an Forschen über die äußere sinnlich-physische Welt, mit dem kannst du solche Grenzen nicht überschreiten. Du kannst dir eine gewisse Resignation, einen gewissen Verzicht auferlegen; du kannst lernen, an solchen Punkten nicht entscheiden zu wollen über das Übersinnliche mit dem, was du im Sinnlichen gelernt, erfahren hast.
[ 27 ] Sehen Sie, an diesen Punkten liegen die Haupthemmnisse für die meisten Menschen, um in die Geisteswissenschaft hineinzukommen. Sie sehen solche Grenzen der Erkenntnis, aber dann haben sie nicht den Mut zum Verzicht, den Mut zur Resignation. Sie sagen sich nicht: Mit dem, was du aus der sinnlichen Welt erlernt und erfahren hast, kannst du überhaupt gar nicht versuchen, in die geistige übersinnliche Welt hineinzukommen, sondern sie versuchen, über diese Grenzen hinaus, sei es auch nur negativ, mit ihrem an dem Sinnlichen erlernten Begriffs- und Ideenmaterial einzudringen. Der eine, indem er allerlei Hypothesen aufbaut über das, was im Übersinnlichen sein kann; der andere, indem er von dem Sinnlichen aus das Übersinnliche ganz ablehnt, sich also anmaßt, über das Übersinnliche mit den an der Sinnlichkeit gewonnenen Begriffen doch ein Urteil fällen zu können. Auch diejenigen haben nicht verstanden das Erleben an den Erkenntnisgrenzen, welche, wie etwa die Materialisten, Monisten oder dergleichen, durch diejenigen Ideen und Begriffe, welche am Sinnenleben gewonnen sind, nun anfangen zu entscheiden, dass es jenseits des Sinnlichen überhaupt nichts mehr gibt.
[ 27 ] Sehen Sie, an diesen Punkten liegen die Haupthemmnisse für die meisten Menschen, um in die Geisteswissenschaft hineinzukommen. Sie sehen solche Grenzen der Erkenntnis, aber dann haben sie nicht den Mut zum Verzicht, den Mut zur Resignation. Sie sagen sich nicht: Mit dem, was du aus der sinnlichen Welt erlernt und erfahren hast, kannst du überhaupt gar nicht versuchen, in die geistige übersinnliche Welt hineinzukommen, sondern sie versuchen, über diese Grenzen hinaus, sei es auch nur negativ, mit ihrem an dem Sinnlichen erlernten Begriffs- und Ideenmaterial einzudringen. Der eine, indem er allerlei Hypothesen aufbaut über das, was im Übersinnlichen sein kann; der andere, indem er von dem Sinnlichen aus das Übersinnliche ganz ablehnt, sich also anmaßt, über das Übersinnliche mit den an der Sinnlichkeit gewonnenen Begriffen doch ein Urteil fällen zu können. Auch diejenigen haben nicht verstanden das Erleben an den Erkenntnisgrenzen, welche, wie etwa die Materialisten, Monisten oder dergleichen, durch diejenigen Ideen und Begriffe, welche am Sinnenleben gewonnen sind, nun anfangen zu entscheiden, dass es jenseits des Sinnlichen überhaupt nichts mehr gibt.
[ 28 ] Hier ist der Punkt, wo etwas ganz Besonderes im menschlichen Seelenleben eintreten muss, wo dasjenige, was ich eben charakterisiert habe, dass man Verzicht leistet mit den Begriffen, die an der Sinneswelt gewonnen sind, dass man damit nicht nur ein Bekenntnis, nicht nur irgendetwas Intellektuell-Logisches zum Ausdrucke bringen will, sondern dass diese Verzichtleistung eine innerlich intellektuelle Tugend wird, etwas wird, was sich — wenn ich mich des Ausdruckes bedienen darf — einfrisst in das menschliche Seelenleben, sodass man wirklich gerade ein feines Gefühl hat an bestimmten Punkten: Da darfst du nicht hinaus mit demjenigen, was du am Sinnlichen erfahren hast. Dann, wenn dieser Verzicht nicht bloß ein logisches Bekenntnis, irgendein intellektueller Schluss ist, sondern wenn es eine innerliche Tugend ist, dann strahlt, ich möchte sagen, dieser Tugendverzicht nach dem inneren Seelenleben, und dann geht dasjenige, worauf man nach außen hin verzichtet hat, in das innere Seelenleben über. Und man wird durch einen solchen Verzicht geeignet, jene beiden geistigen Verrichtungen wirklich im Laufe der Zeit zu machen, welche notwendig sind, um von der seelischen Welt des menschlichen Erlebens in die geistige Welt einzudringen.
[ 28 ] Hier ist der Punkt, wo etwas ganz Besonderes im menschlichen Seelenleben eintreten muss, wo dasjenige, was ich eben charakterisiert habe, dass man Verzicht leistet mit den Begriffen, die an der Sinneswelt gewonnen sind, dass man damit nicht nur ein Bekenntnis, nicht nur irgendetwas Intellektuell-Logisches zum Ausdrucke bringen will, sondern dass diese Verzichtleistung eine innerlich intellektuelle Tugend wird, etwas wird, was sich — wenn ich mich des Ausdruckes bedienen darf — einfrisst in das menschliche Seelenleben, sodass man wirklich gerade ein feines Gefühl hat an bestimmten Punkten: Da darfst du nicht hinaus mit demjenigen, was du am Sinnlichen erfahren hast. Dann, wenn dieser Verzicht nicht bloß ein logisches Bekenntnis, irgendein intellektueller Schluss ist, sondern wenn es eine innerliche Tugend ist, dann strahlt, ich möchte sagen, dieser Tugendverzicht nach dem inneren Seelenleben, und dann geht dasjenige, worauf man nach außen hin verzichtet hat, in das innere Seelenleben über. Und man wird durch einen solchen Verzicht geeignet, jene beiden geistigen Verrichtungen wirklich im Laufe der Zeit zu machen, welche notwendig sind, um von der seelischen Welt des menschlichen Erlebens in die geistige Welt einzudringen.
[ 29 ] Denn dazu sind notwendig zwei innere Verrichtungen, die aber, wie Sie aus dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» ersehen können, viele, viele einzelne Verrichtungen notwendig machen, ich möchte sagen, die nur zusammengefasst werden in diese zwei Hauptziele, dazu sind notwendig zwei Hauptverrichtungen: Die eine ist, zur wirklichen Selbstbeobachtung zu kommen; die andere Verrichtung besteht darin, dass man ein seelisch-geistiges Erleben erzielt, welches nicht mehr vom Leiblichen abhängig ist, sondern welches im rein Geistigen verläuft. So paradox es für die heutige Menschheit noch klingt, so muss doch gesagt werden: Diese zweite Verrichtung besteht darin, dass der Mensch sein geistig-seelisches Leben so gestaltet, dass er mit diesem geistig-seelischen Erleben als Geistesforscher nicht mehr im Leibe ist, sondern dass er außerhalb des Leibes ist.
[ 29 ] Denn dazu sind notwendig zwei innere Verrichtungen, die aber, wie Sie aus dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» ersehen können, viele, viele einzelne Verrichtungen notwendig machen, ich möchte sagen, die nur zusammengefasst werden in diese zwei Hauptziele, dazu sind notwendig zwei Hauptverrichtungen: Die eine ist, zur wirklichen Selbstbeobachtung zu kommen; die andere Verrichtung besteht darin, dass man ein seelisch-geistiges Erleben erzielt, welches nicht mehr vom Leiblichen abhängig ist, sondern welches im rein Geistigen verläuft. So paradox es für die heutige Menschheit noch klingt, so muss doch gesagt werden: Diese zweite Verrichtung besteht darin, dass der Mensch sein geistig-seelisches Leben so gestaltet, dass er mit diesem geistig-seelischen Erleben als Geistesforscher nicht mehr im Leibe ist, sondern dass er außerhalb des Leibes ist.
[ 30 ] Das ist gewiss etwas, was als eine vollständige Torheit erscheint denjenigen, die da glauben, fest in der naturwissenschaftlichen Weltanschauung drinnenzustehen. Aber das ist dasjenige, was durch die Geisteswissenschaft ebenso der Menschheit klar werden wird als etwas, was allerdings zu vielen Vorstellungen im entgegengesetzten Sinne des bisher Gewohnten sich verhält, wie sich einmal die kopernikanische Weltanschauung entgegengesetzt verhalten hat zu demjenigen, was man bis dahin gewohnt war über das Verhältnis der Planeten zur Sonne zu denken.
[ 30 ] Das ist gewiss etwas, was als eine vollständige Torheit erscheint denjenigen, die da glauben, fest in der naturwissenschaftlichen Weltanschauung drinnenzustehen. Aber das ist dasjenige, was durch die Geisteswissenschaft ebenso der Menschheit klar werden wird als etwas, was allerdings zu vielen Vorstellungen im entgegengesetzten Sinne des bisher Gewohnten sich verhält, wie sich einmal die kopernikanische Weltanschauung entgegengesetzt verhalten hat zu demjenigen, was man bis dahin gewohnt war über das Verhältnis der Planeten zur Sonne zu denken.
[ 31 ] Sehr verehrte Anwesende, das, was man im gewöhnlichen Sinne Selbstbeobachtung nennt, dieses Hineinbrüten in die Seele, das ist nicht mit wahrer Selbstbeobachtung im geisteswissenschaftlichen Sinne gemeint. Man kann ja allerdings ausgehen, um sozusagen die Richtung nach der wahren Selbstbeobachtung zu gewinnen, von diesem Sich-selbst-Bebrüten, aber die wahre Selbstbeobachtung muss in einer viel, viel ernsteren Weise, in einer viel, viel energischeren Weise in Angriff genommen werden. Denn diese Selbstbeobachtung schließt etwas ein, was selbst von ernsten Seelenforschern für unmöglich erklärt wird. Ich habe es auch hier schon erwähnt in früheren Vorträgen, dass ernste Philosophen, wenn sie von der menschlichen Seele sprechen, als etwas Charakteristisches anführen, dass das Seelenleben in einer gewissen Weise sich nicht selbst beobachten kann. Da wird hingewiesen darauf: Wenn man ein Gedicht auswendig gelernt hat und will es hersagen, und will sich zu gleicher Zeit selber im Hersagen beobachten, so beginnt man zu stottern, man unterbricht sich. Man kann nicht zu gleicher Zeit eine solche Verrichtung pflegen und dabeistehen und sich beobachten. Das wird gerade als etwas Charakteristisches angeführt für die menschliche Seele, dass sie das nicht kann.
[ 31 ] Sehr verehrte Anwesende, das, was man im gewöhnlichen Sinne Selbstbeobachtung nennt, dieses Hineinbrüten in die Seele, das ist nicht mit wahrer Selbstbeobachtung im geisteswissenschaftlichen Sinne gemeint. Man kann ja allerdings ausgehen, um sozusagen die Richtung nach der wahren Selbstbeobachtung zu gewinnen, von diesem Sich-selbst-Bebrüten, aber die wahre Selbstbeobachtung muss in einer viel, viel ernsteren Weise, in einer viel, viel energischeren Weise in Angriff genommen werden. Denn diese Selbstbeobachtung schließt etwas ein, was selbst von ernsten Seelenforschern für unmöglich erklärt wird. Ich habe es auch hier schon erwähnt in früheren Vorträgen, dass ernste Philosophen, wenn sie von der menschlichen Seele sprechen, als etwas Charakteristisches anführen, dass das Seelenleben in einer gewissen Weise sich nicht selbst beobachten kann. Da wird hingewiesen darauf: Wenn man ein Gedicht auswendig gelernt hat und will es hersagen, und will sich zu gleicher Zeit selber im Hersagen beobachten, so beginnt man zu stottern, man unterbricht sich. Man kann nicht zu gleicher Zeit eine solche Verrichtung pflegen und dabeistehen und sich beobachten. Das wird gerade als etwas Charakteristisches angeführt für die menschliche Seele, dass sie das nicht kann.
[ 32 ] Nun muss allerdings gesagt werden: Für diejenigen, die als etwas ganz Unmögliches das letztlich Charakterisierte anführen, ist die Auseinandersetzung mit der Geisteswissenschaft hoffnungslos, denn das, was als Unmöglichkeit angeführt wird, das muss gerade für den Geistesforscher erlangt werden. Diejenige Fähigkeit, deren Gang man sich im gewöhnlichen Leben zum Bewusstsein bringen kann, indem man sich als Rezitierender selbst beobachtet und sich zum Stottern bringt, diese Fähigkeit muss man sich gerade aneignen als Geistesforscher. Man muss eben dahin kommen, gewissermaßen das innere Seelenleben so sehr entzweizuschlagen, dass man dem, was man auf der einen Seite verrichtet, als wissenschaftlicher Beobachter gegenüberstehen kann. Es ist nicht so sehr wichtig, dass man das für das Aufsagen eines Gedichtes lernt, obwohl man es auch da dahin bringen kann, wenn man nur die nötige Übung darauf anwendet, und es wird eine gute Vorbereitung sein zu der eigentlichen Übung des Selbstbeobachtens, wenn man das vornimmt. Wenn man es wirklich dahin bringt, dass das Hersagen des Gedichtes, mit allen Gefühlsnuancen selbstverständlich, so, ich möchte sagen, automatisch wird, wenn ich mich des groben Ausdrucks bedienen darf, dass man nicht sich unterbricht, wenn man sich zu gleicher Zeit in diesem Hersagen beobachtet; es kann [das] eine Vorbereitung sein.
[ 32 ] Nun muss allerdings gesagt werden: Für diejenigen, die als etwas ganz Unmögliches das letztlich Charakterisierte anführen, ist die Auseinandersetzung mit der Geisteswissenschaft hoffnungslos, denn das, was als Unmöglichkeit angeführt wird, das muss gerade für den Geistesforscher erlangt werden. Diejenige Fähigkeit, deren Gang man sich im gewöhnlichen Leben zum Bewusstsein bringen kann, indem man sich als Rezitierender selbst beobachtet und sich zum Stottern bringt, diese Fähigkeit muss man sich gerade aneignen als Geistesforscher. Man muss eben dahin kommen, gewissermaßen das innere Seelenleben so sehr entzweizuschlagen, dass man dem, was man auf der einen Seite verrichtet, als wissenschaftlicher Beobachter gegenüberstehen kann. Es ist nicht so sehr wichtig, dass man das für das Aufsagen eines Gedichtes lernt, obwohl man es auch da dahin bringen kann, wenn man nur die nötige Übung darauf anwendet, und es wird eine gute Vorbereitung sein zu der eigentlichen Übung des Selbstbeobachtens, wenn man das vornimmt. Wenn man es wirklich dahin bringt, dass das Hersagen des Gedichtes, mit allen Gefühlsnuancen selbstverständlich, so, ich möchte sagen, automatisch wird, wenn ich mich des groben Ausdrucks bedienen darf, dass man nicht sich unterbricht, wenn man sich zu gleicher Zeit in diesem Hersagen beobachtet; es kann [das] eine Vorbereitung sein.
[ 33 ] Aber das Wichtige ist nicht, die Sache auf solche Äußerlichkeiten anzuwenden, sondern das Wichtige ist, dass man auf inneres Seelenerleben selbst solches anwendet; dass man es dahin bringt, sich gewissermaßen bei dem Aufeinanderfolgen der Gedanken, bei dem Denken, bei dem Vorstellen selber zuzuschauen, sodass man diesen Gedankenprozess sich abspielen lassen kann und auf der anderen Seite diesem Abspielen mit vollem Bewusstsein zuschauen kann.
[ 33 ] Aber das Wichtige ist nicht, die Sache auf solche Äußerlichkeiten anzuwenden, sondern das Wichtige ist, dass man auf inneres Seelenerleben selbst solches anwendet; dass man es dahin bringt, sich gewissermaßen bei dem Aufeinanderfolgen der Gedanken, bei dem Denken, bei dem Vorstellen selber zuzuschauen, sodass man diesen Gedankenprozess sich abspielen lassen kann und auf der anderen Seite diesem Abspielen mit vollem Bewusstsein zuschauen kann.
[ 34 ] Auf welche Weise man es dahin bringt, das zu schildern, würde jetzt zu weit führen. Sie können es in meinen Büchern «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», in der «Geheimwissenschaft», auch in dem Buche «Vom Menschenrätsel» und in ähnlichen Büchern nachlesen. Das ist durchaus möglich, auf diesem Wege zur wahren Selbstbeobachtung zu kommen. Diese Selbstbeobachtung ist dann nicht ein bloßer intellektueller Vorgang oder ein mystischer Vorgang, sondern diese Selbstbeobachtung ist etwas Reales, denn es ist der erste Anfang zu dem Heraustreten des Geistigen aus dem bloß Seelischen. Das seelische Erleben wird beobachtet von dem wirklich den Austritt aus dem Seelischen versucht habenden Geiste. Aber das ist nur die eine Seite desjenigen, was zu beobachten ist.
[ 34 ] Auf welche Weise man es dahin bringt, das zu schildern, würde jetzt zu weit führen. Sie können es in meinen Büchern «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», in der «Geheimwissenschaft», auch in dem Buche «Vom Menschenrätsel» und in ähnlichen Büchern nachlesen. Das ist durchaus möglich, auf diesem Wege zur wahren Selbstbeobachtung zu kommen. Diese Selbstbeobachtung ist dann nicht ein bloßer intellektueller Vorgang oder ein mystischer Vorgang, sondern diese Selbstbeobachtung ist etwas Reales, denn es ist der erste Anfang zu dem Heraustreten des Geistigen aus dem bloß Seelischen. Das seelische Erleben wird beobachtet von dem wirklich den Austritt aus dem Seelischen versucht habenden Geiste. Aber das ist nur die eine Seite desjenigen, was zu beobachten ist.
[ 35 ] Nun muss gesagt werden, dass dasjenige, was ich vorhin genannt habe Verzicht, Resignation auf das Hineindringen in das Übersinnliche nach den Begriffen, nach den Gesetzen, die man aus der sinnlichen Welt entlehnt hat, dass dieses, wenn es zur Tugend geworden ist, wenn es sich ausbreitet über das ganze seelische Leben, wirklich hervorruft mehr als dasjenige, was man im gewöhnlichen Leben Bescheidenheit nennt, hervorruft eine innerliche intellektuelle Bescheidenheit und Demut, die einen erst geeignet macht, solche Selbstbeobachtung zu üben, wie die ist, von der ich eben gesprochen habe. Man ist vorher, bevor man diese intellektuelle Tugend über seine Seele ausgestrahlt hat, ich möchte sagen, in seiner Seele nicht intim genug organisiert, um solche Selbstbeobachtung ausführen zu können.
[ 35 ] Nun muss gesagt werden, dass dasjenige, was ich vorhin genannt habe Verzicht, Resignation auf das Hineindringen in das Übersinnliche nach den Begriffen, nach den Gesetzen, die man aus der sinnlichen Welt entlehnt hat, dass dieses, wenn es zur Tugend geworden ist, wenn es sich ausbreitet über das ganze seelische Leben, wirklich hervorruft mehr als dasjenige, was man im gewöhnlichen Leben Bescheidenheit nennt, hervorruft eine innerliche intellektuelle Bescheidenheit und Demut, die einen erst geeignet macht, solche Selbstbeobachtung zu üben, wie die ist, von der ich eben gesprochen habe. Man ist vorher, bevor man diese intellektuelle Tugend über seine Seele ausgestrahlt hat, ich möchte sagen, in seiner Seele nicht intim genug organisiert, um solche Selbstbeobachtung ausführen zu können.
[ 36 ] Auf der anderen Seite ist aber noch etwas anderes notwendig. Was wird denn erreicht, wenn man solche Selbstbeobachtung erreicht? Nun, sehr verehrte Anwesende, erreicht wird, wenn man solche Selbstbeobachtung übt, dass in einer gewissen Weise der Mensch dasjenige, was sonst fortwährend stört seine seelische Verrichtung, dass er das willkürlich in seine Hand bekommt, dass in einer gewissen Weise sein Wille gestärkt wird, erkräftigt wird, aus dem Seelischen herausgetrieben wird in das Geistige. Aber es muss noch etwas anderes angestrebt werden: Es muss der Wille, der Wille selbst eine andere Richtung bekommen, eine andere Betätigungsweise in der Seele bekommen. Das kann er nur dann bekommen, wenn der Mensch diesen Willen nicht, wie er gewohnt ist im bloß äußerlichen Leben, [ihn] auf äußere Verrichtungen anzuwenden, wenn er diesen Willen auf innere Verrichtungen anwendet. Der Mensch ist ja gewöhnt, indem er in seinen sinnlichen Wahrnehmungen und in den Vorstellungen lebt, die von diesen sinnlichen Wahrnehmungen entlehnt sind, der Mensch ist gewöhnt, sich von der Sinneswelt über die Folge, in der er seine Gedanken sich bildet, unterrichten zu lassen. Der Mensch lässt einen Gedanken auf den anderen folgen, weil er gegenübersteht erst einem Ereignisse der Sinneswelt, dann dem zweiten, und so weiter.
[ 36 ] Auf der anderen Seite ist aber noch etwas anderes notwendig. Was wird denn erreicht, wenn man solche Selbstbeobachtung erreicht? Nun, sehr verehrte Anwesende, erreicht wird, wenn man solche Selbstbeobachtung übt, dass in einer gewissen Weise der Mensch dasjenige, was sonst fortwährend stört seine seelische Verrichtung, dass er das willkürlich in seine Hand bekommt, dass in einer gewissen Weise sein Wille gestärkt wird, erkräftigt wird, aus dem Seelischen herausgetrieben wird in das Geistige. Aber es muss noch etwas anderes angestrebt werden: Es muss der Wille, der Wille selbst eine andere Richtung bekommen, eine andere Betätigungsweise in der Seele bekommen. Das kann er nur dann bekommen, wenn der Mensch diesen Willen nicht, wie er gewohnt ist im bloß äußerlichen Leben, [ihn] auf äußere Verrichtungen anzuwenden, wenn er diesen Willen auf innere Verrichtungen anwendet. Der Mensch ist ja gewöhnt, indem er in seinen sinnlichen Wahrnehmungen und in den Vorstellungen lebt, die von diesen sinnlichen Wahrnehmungen entlehnt sind, der Mensch ist gewöhnt, sich von der Sinneswelt über die Folge, in der er seine Gedanken sich bildet, unterrichten zu lassen. Der Mensch lässt einen Gedanken auf den anderen folgen, weil er gegenübersteht erst einem Ereignisse der Sinneswelt, dann dem zweiten, und so weiter.
[ 37 ] Nach der Folge der äußeren Erlebnisse lässt der Mensch seine Gedanken folgen, und er gewöhnt sich im gewöhnlichen Leben wenig daran, den Willen hin[ein]zuleiten in dieses Gedankenleben, in die inneren Seelenvorgänge, die gerade durch die wahre Selbstbeobachtung beobachtet werden sollen. Das aber muss er, wenn er Geistesforscher wird; er muss versuchen, und zwar lange und energisch und geduldig versuchen, gewissermaßen den Willen hinzuleiten in das Denken, in das Vorstellen. Er muss immer wieder und wiederum versuchen, denjenigen Seelenprozess durchzuführen, den man in einem objektiven, echten Sinne nennen kann: Meditieren, inneres Sinnen, aber nicht ein träumerisch-mystisches Sinnen, sondern ein solches, welches einen realen Vorgang im Inneren vorstellt, sodass dadurch wirklich der Wille in das Denken hineingeführt wird. Während man sonst gewöhnt ist, Vorstellung an Vorstellung zu gliedern nach äußeren Vorstellungen, bemüht man sich in besonderen Augenblicken des Lebens, Vorstellungen zu bilden, die man nun in übersichtlicher Weise bloß durch inneren Willen aneinanderreiht; man leitet den Willen in das Vorstellungsleben hinein. Man lernt dadurch erkennen, welches Verhältnis bestehen kann zwischen dem inneren Willen des Menschen und dem Vorstellungsleben. Das lernt man im gewöhnlichen Bewusstsein gar nicht kennen.
[ 37 ] Nach der Folge der äußeren Erlebnisse lässt der Mensch seine Gedanken folgen, und er gewöhnt sich im gewöhnlichen Leben wenig daran, den Willen hin[ein]zuleiten in dieses Gedankenleben, in die inneren Seelenvorgänge, die gerade durch die wahre Selbstbeobachtung beobachtet werden sollen. Das aber muss er, wenn er Geistesforscher wird; er muss versuchen, und zwar lange und energisch und geduldig versuchen, gewissermaßen den Willen hinzuleiten in das Denken, in das Vorstellen. Er muss immer wieder und wiederum versuchen, denjenigen Seelenprozess durchzuführen, den man in einem objektiven, echten Sinne nennen kann: Meditieren, inneres Sinnen, aber nicht ein träumerisch-mystisches Sinnen, sondern ein solches, welches einen realen Vorgang im Inneren vorstellt, sodass dadurch wirklich der Wille in das Denken hineingeführt wird. Während man sonst gewöhnt ist, Vorstellung an Vorstellung zu gliedern nach äußeren Vorstellungen, bemüht man sich in besonderen Augenblicken des Lebens, Vorstellungen zu bilden, die man nun in übersichtlicher Weise bloß durch inneren Willen aneinanderreiht; man leitet den Willen in das Vorstellungsleben hinein. Man lernt dadurch erkennen, welches Verhältnis bestehen kann zwischen dem inneren Willen des Menschen und dem Vorstellungsleben. Das lernt man im gewöhnlichen Bewusstsein gar nicht kennen.
[ 38 ] Ich möchte, um mich auf diesem Punkt besonders klarzumachen, das Folgende zur Erläuterung geben: Man denke sich einmal — morgen werde ich noch genauer darüber sprechen —, man denke sich, der Mensch lebe halb schlafend in Träumen. Er weiß ganz gut, diese Träume, sie sind Bilder, welche nach gewissen Gesetzen vor seiner Seele vorüberhuschen. Diese Bilder, sie wogen auf und ab. Der Mensch kann sie nicht durch seinen Willen beherrschen, indem sie zunächst für das gewöhnliche Leben als Traumbilder auftreten. Könnte der Mensch es dahin bringen, sich im Halbschlafe so willentlich aufzuraffen, dass er die Traumbilder willkürlich aneinanderreihen könnte, dann wäre er ungefähr in jenem Zustand, den ich eigentlich jetzt meine, in dem Zustand gegenüber den selbstgemachten Vorstellungen, in denen der eigene Wille waltet.
[ 38 ] Ich möchte, um mich auf diesem Punkt besonders klarzumachen, das Folgende zur Erläuterung geben: Man denke sich einmal — morgen werde ich noch genauer darüber sprechen —, man denke sich, der Mensch lebe halb schlafend in Träumen. Er weiß ganz gut, diese Träume, sie sind Bilder, welche nach gewissen Gesetzen vor seiner Seele vorüberhuschen. Diese Bilder, sie wogen auf und ab. Der Mensch kann sie nicht durch seinen Willen beherrschen, indem sie zunächst für das gewöhnliche Leben als Traumbilder auftreten. Könnte der Mensch es dahin bringen, sich im Halbschlafe so willentlich aufzuraffen, dass er die Traumbilder willkürlich aneinanderreihen könnte, dann wäre er ungefähr in jenem Zustand, den ich eigentlich jetzt meine, in dem Zustand gegenüber den selbstgemachten Vorstellungen, in denen der eigene Wille waltet.
[ 39 ] Darauf kommt es nicht an. Das alles, was bis jetzt besprochen wurde, das ist nur zur Übung, das ist nur da, um vorzubereiten. Denn man kommt ja natürlich zu nichts Wirklichem, wenn man sich nur so verhält, dass man durch den inneren Willen solche Vorstellungen aneinanderreiht, von denen man weiß, sie sind nicht erinnert, sie steigen hinauf aus dem Leibe.
[ 39 ] Darauf kommt es nicht an. Das alles, was bis jetzt besprochen wurde, das ist nur zur Übung, das ist nur da, um vorzubereiten. Denn man kommt ja natürlich zu nichts Wirklichem, wenn man sich nur so verhält, dass man durch den inneren Willen solche Vorstellungen aneinanderreiht, von denen man weiß, sie sind nicht erinnert, sie steigen hinauf aus dem Leibe.
[ 40 ] Dadurch, dass man solche selbst gemachten überschaubaren Vorstellungen aneinanderreiht, kommt man nicht zu etwas Besonderem. Aber man kommt dazu, wenn man mit jener Stimmung, die den Verzicht zur inneren intellektuellen Tugend macht, an solche inneren Übungen herankommt. Dann merkt man nach und nach etwas ganz Besonderes im Seelenleben. Und es darf wohl hier gesagt werden: Was ich hier über Geistesforschung sage, durch die man wirklich hineindringt in geistige Gebiete, das darf sich niemand — wenn es vorgestellt werden soll als ausgebildet bis zu einem gewissen Grade, der einen ermächtigt etwas zu sagen über die geistige Welt —, das darf sich niemand so vorstellen, dass er sagt, die Naturforschung, die habe ihre strenge Methode, die man lernen müsste, das dauere jahrelang; da kommt die Geistesforschung und will von solchen inneren Vorstellungen sprechen. — Nein, so ist es nicht. Gerade derjenige, welcher sich bekannt gemacht hat mit den naturwissenschaftlichen Methoden, der Biologie, Physiologie in ihren Methoden wissenschaftlich kennengelernt hat und dann eingetreten ist in das, was man Geistesforschung nennt, der weiß: Wie schwer auch das sein mag und wie viel Geduld es erfordert durch Jahre, was naturwissenschaftliche Methode ist — ein erhebliches Resultat auf dem Gebiete der Geistesforschung erlebt man nur, wenn man noch mehr Geduld und noch mehr Arbeit, wenn diese Arbeit auch eine rein geistige ist, aufwendet.
[ 40 ] Dadurch, dass man solche selbst gemachten überschaubaren Vorstellungen aneinanderreiht, kommt man nicht zu etwas Besonderem. Aber man kommt dazu, wenn man mit jener Stimmung, die den Verzicht zur inneren intellektuellen Tugend macht, an solche inneren Übungen herankommt. Dann merkt man nach und nach etwas ganz Besonderes im Seelenleben. Und es darf wohl hier gesagt werden: Was ich hier über Geistesforschung sage, durch die man wirklich hineindringt in geistige Gebiete, das darf sich niemand — wenn es vorgestellt werden soll als ausgebildet bis zu einem gewissen Grade, der einen ermächtigt etwas zu sagen über die geistige Welt —, das darf sich niemand so vorstellen, dass er sagt, die Naturforschung, die habe ihre strenge Methode, die man lernen müsste, das dauere jahrelang; da kommt die Geistesforschung und will von solchen inneren Vorstellungen sprechen. — Nein, so ist es nicht. Gerade derjenige, welcher sich bekannt gemacht hat mit den naturwissenschaftlichen Methoden, der Biologie, Physiologie in ihren Methoden wissenschaftlich kennengelernt hat und dann eingetreten ist in das, was man Geistesforschung nennt, der weiß: Wie schwer auch das sein mag und wie viel Geduld es erfordert durch Jahre, was naturwissenschaftliche Methode ist — ein erhebliches Resultat auf dem Gebiete der Geistesforschung erlebt man nur, wenn man noch mehr Geduld und noch mehr Arbeit, wenn diese Arbeit auch eine rein geistige ist, aufwendet.
[ 41 ] Um wirklich etwas Erhebliches zu erlangen, das in die geistige Welt eindringen kann, dazu sind, auch in der Richtung, die eben charakterisiert wurde in der Einführung des Willens in die Gedankenwelt, mit denjenigen inneren Verrichtungen oder Übungen, die Sie in den erwähnten Büchern finden können, dazu sind jahrelange innere Arbeiten nötig. Man braucht das eine und andere nur zu kennen, dann wird man wissen, dass der Ernst des einen dem Ernst des anderen nicht nachsteht.
[ 41 ] Um wirklich etwas Erhebliches zu erlangen, das in die geistige Welt eindringen kann, dazu sind, auch in der Richtung, die eben charakterisiert wurde in der Einführung des Willens in die Gedankenwelt, mit denjenigen inneren Verrichtungen oder Übungen, die Sie in den erwähnten Büchern finden können, dazu sind jahrelange innere Arbeiten nötig. Man braucht das eine und andere nur zu kennen, dann wird man wissen, dass der Ernst des einen dem Ernst des anderen nicht nachsteht.
[ 42 ] Aber dasjenige, was wichtig ist, ist nicht, was man so übt, sondern dass man zu dem gelangt, wozu man eben durch die Stimmung des Verzichts gelangen kann; das ist, dass man nach und nach merkt: Nicht dein Wille allein, nicht der Wille, den du in das Denken und Vorstellen eingeführt hast, lebt jetzt in dem, was in deiner Seele vorgeht, sondern etwas anderes lebt da drinnen. So wie man vorher die Außenwelt hatte, ein Ereignis folgte dem anderen, ein Gegenstand stand dem anderen gegenüber, danach lenkten wir die Folgen unserer Vorstellungen, an dem Faden der äußeren Ereignisse lenkten wir sie. Jetzt haben wir etwas entdeckt, was als ein geistiges Inneres eine Vorstellung aus der anderen hervorgehen lässt, was eben notwendig macht, dass wir nicht eine beliebige Vorstellung an die andere reihen, ein beliebiges inneres Seelenerlebnis an das andere reihen, sondern dasjenige Seelenerlebnis an das andere reihen, und ein drittes an das zweite, was entspricht einem inneren Vorgang, einer fortdauernden Strömung, die man jetzt entdeckt hat im Seelenleben. Wie das äußere Sinnliche ein inneres Physisches ist, so ist das Geistige im Seelenleben.
[ 42 ] Aber dasjenige, was wichtig ist, ist nicht, was man so übt, sondern dass man zu dem gelangt, wozu man eben durch die Stimmung des Verzichts gelangen kann; das ist, dass man nach und nach merkt: Nicht dein Wille allein, nicht der Wille, den du in das Denken und Vorstellen eingeführt hast, lebt jetzt in dem, was in deiner Seele vorgeht, sondern etwas anderes lebt da drinnen. So wie man vorher die Außenwelt hatte, ein Ereignis folgte dem anderen, ein Gegenstand stand dem anderen gegenüber, danach lenkten wir die Folgen unserer Vorstellungen, an dem Faden der äußeren Ereignisse lenkten wir sie. Jetzt haben wir etwas entdeckt, was als ein geistiges Inneres eine Vorstellung aus der anderen hervorgehen lässt, was eben notwendig macht, dass wir nicht eine beliebige Vorstellung an die andere reihen, ein beliebiges inneres Seelenerlebnis an das andere reihen, sondern dasjenige Seelenerlebnis an das andere reihen, und ein drittes an das zweite, was entspricht einem inneren Vorgang, einer fortdauernden Strömung, die man jetzt entdeckt hat im Seelenleben. Wie das äußere Sinnliche ein inneres Physisches ist, so ist das Geistige im Seelenleben.
[ 43 ] Wer da glaubt, dass da noch Willkür, Vorurteil übrig bleibt, der kennt nicht diese innere Notwendigkeit, die ebenso ist wie die äußere Notwendigkeit, die ebenso eine innere Erfahrung bildet, eine geistige Erfahrung, wie die äußere Erfahrung am Faden der physischen Welt nach einer Notwendigkeit erworben ist. Derjenige, der jahrzehntelang sich mit Geistesforschung befasst hat, der darf wohl von seiner Erfahrung sprechen, darf wohl sagen: Wie diese Erfahrung selbst ist, sie zeigt schon durch ihre eigene Wesenheit, durch ihren eigenen Charakter, dass die Willkür aufhört, dass der Geist Seelenerlebnis an Seelenerlebnis reiht. Das zeigt sich dadurch, dass man erfährt, wenn man eine Voraussetzung macht, indem man in ein gewisses Gebiet des Geistigen hineindringen will, wenn man eine Voraussetzung macht nach den Vorstellungen der Sinneswelt und darnach glaubt, diese oder jene geistige Wesenheit oder geistige Vorgang müsse sich so oder so ausnehmen — in wie unzähligen Fällen zeigt sich das, was so bedeutungsvoll ist, was so tief einschneidend für den wirklichen Geistesforscher ist, es zeigt sich, dass die Dinge anders werden, als man erwartet hatte, wenn man sich nach der äußeren Sinneswelt ein Urteil bildet. Es zeigt sich, dass man auf diesem Wege, wenn man einmal ergriffen hat die innere geistige Notwendigkeit, zu Resultaten gelangt, die so sind, dass man sich über sie überhaupt keine Vorstellung nach der äußeren Sinneswelt hat machen können, weil sie der äußeren Sinneswelt durchaus widersprechend sind. Wer dieses mit der äußeren Sinneswelt Unvergleichliche erfahren hat, der weiß, was es heißt: Unsere inneren Seelenerlebnisse werden durch den Geist, der da entdeckt worden ist, ebenso aneinandergereiht wie sonst durch die physische Folge der Ereignisse die Vorstellungen, die wir uns über die äußere sinnliche Welt bilden, aneinandergereiht werden.
[ 43 ] Wer da glaubt, dass da noch Willkür, Vorurteil übrig bleibt, der kennt nicht diese innere Notwendigkeit, die ebenso ist wie die äußere Notwendigkeit, die ebenso eine innere Erfahrung bildet, eine geistige Erfahrung, wie die äußere Erfahrung am Faden der physischen Welt nach einer Notwendigkeit erworben ist. Derjenige, der jahrzehntelang sich mit Geistesforschung befasst hat, der darf wohl von seiner Erfahrung sprechen, darf wohl sagen: Wie diese Erfahrung selbst ist, sie zeigt schon durch ihre eigene Wesenheit, durch ihren eigenen Charakter, dass die Willkür aufhört, dass der Geist Seelenerlebnis an Seelenerlebnis reiht. Das zeigt sich dadurch, dass man erfährt, wenn man eine Voraussetzung macht, indem man in ein gewisses Gebiet des Geistigen hineindringen will, wenn man eine Voraussetzung macht nach den Vorstellungen der Sinneswelt und darnach glaubt, diese oder jene geistige Wesenheit oder geistige Vorgang müsse sich so oder so ausnehmen — in wie unzähligen Fällen zeigt sich das, was so bedeutungsvoll ist, was so tief einschneidend für den wirklichen Geistesforscher ist, es zeigt sich, dass die Dinge anders werden, als man erwartet hatte, wenn man sich nach der äußeren Sinneswelt ein Urteil bildet. Es zeigt sich, dass man auf diesem Wege, wenn man einmal ergriffen hat die innere geistige Notwendigkeit, zu Resultaten gelangt, die so sind, dass man sich über sie überhaupt keine Vorstellung nach der äußeren Sinneswelt hat machen können, weil sie der äußeren Sinneswelt durchaus widersprechend sind. Wer dieses mit der äußeren Sinneswelt Unvergleichliche erfahren hat, der weiß, was es heißt: Unsere inneren Seelenerlebnisse werden durch den Geist, der da entdeckt worden ist, ebenso aneinandergereiht wie sonst durch die physische Folge der Ereignisse die Vorstellungen, die wir uns über die äußere sinnliche Welt bilden, aneinandergereiht werden.
[ 44 ] Und diese zwei Dinge, die kommen zusammen: Dasjenige, was man durch die wahre Selbstbeobachtung erlangt hat an innerer Stärke, und dasjenige, was man so erlangt hat als den objektiven Gang des Geistes, der ebenso ist wie der Gang der äußeren Sinneswelt. Das kommt zusammen, und das führt die menschliche Seele ebenso in ein Geistgebiet hinein, dem sie mit Geistorganen angehört, wie es den physischen Forscher in die Leibesorganisation hineinführt, wenn er über Hunger und so weiter zu nicht physischen Vorgängen im Leibe geht. Man kann von der Seele ausgehend das Geistige erforschen. Dann, sehr verehrte Anwesende, dann werden gewisse Erscheinungen im menschlichen Seelenleben, ich möchte sagen, zu etwas ganz Neuem.
[ 44 ] Und diese zwei Dinge, die kommen zusammen: Dasjenige, was man durch die wahre Selbstbeobachtung erlangt hat an innerer Stärke, und dasjenige, was man so erlangt hat als den objektiven Gang des Geistes, der ebenso ist wie der Gang der äußeren Sinneswelt. Das kommt zusammen, und das führt die menschliche Seele ebenso in ein Geistgebiet hinein, dem sie mit Geistorganen angehört, wie es den physischen Forscher in die Leibesorganisation hineinführt, wenn er über Hunger und so weiter zu nicht physischen Vorgängen im Leibe geht. Man kann von der Seele ausgehend das Geistige erforschen. Dann, sehr verehrte Anwesende, dann werden gewisse Erscheinungen im menschlichen Seelenleben, ich möchte sagen, zu etwas ganz Neuem.
[ 45 ] Wenn der Geistesforscher auf diese Weise von der wirklichen Gestalt, dem wirklichen Charakter des Geistes berührt worden ist, dann werden gewisse Erscheinungen des menschlichen Seelenlebens etwas ganz anderes, vor allen Dingen dann, wenn der Mensch also dahin gelangt ist, mit dem Geistigen, das er durch Selbstbeobachtung erlangt hat, das Geistige zu erkennen, das sich in das Seelenleben richtunggebend hineindrängt. Dann beginnt er erst, eine wirkliche Vorstellung, einen wirklichen Begriff sich bilden zu können von dem, was wir das Ich des Menschen nennen, das gewissermaßen nur so viel von dem Geiste der menschlichen Seele zuwendet, wie auf der anderen Seite vom Leibe durch die äußere Gestalt, die Physiognomie und so weiter dem gewöhnlichen menschlichen Bewusstsein zugewendet wird.
[ 45 ] Wenn der Geistesforscher auf diese Weise von der wirklichen Gestalt, dem wirklichen Charakter des Geistes berührt worden ist, dann werden gewisse Erscheinungen des menschlichen Seelenlebens etwas ganz anderes, vor allen Dingen dann, wenn der Mensch also dahin gelangt ist, mit dem Geistigen, das er durch Selbstbeobachtung erlangt hat, das Geistige zu erkennen, das sich in das Seelenleben richtunggebend hineindrängt. Dann beginnt er erst, eine wirkliche Vorstellung, einen wirklichen Begriff sich bilden zu können von dem, was wir das Ich des Menschen nennen, das gewissermaßen nur so viel von dem Geiste der menschlichen Seele zuwendet, wie auf der anderen Seite vom Leibe durch die äußere Gestalt, die Physiognomie und so weiter dem gewöhnlichen menschlichen Bewusstsein zugewendet wird.
[ 46 ] Das Ich kann man nicht erforschen, indem man darüber philosophiert, sondern nur dadurch, dass man den Willen zum Denken macht und das Denken zum Wollen bringt. Durch Selbstbeobachtung wird der Wille denkend, das Denken wollend gemacht. Das aber ist ebenso ein «Geistwechsel», wie auf dem leiblichen Gebiet ein Stoffwechsel gesucht und gefunden wird. Dann gelangt man nicht durch Philosophieren, nicht durch Spekulation, nicht durch Hypothesen an das Ich heran, sondern dazu gelangt man, erst das Ich wirklich geistig zu beobachten, und dann kann man sich eine richtige Ansicht über das Ich bilden. Diese richtige Ansicht, die bezeugt einem dann, dass es gar nicht möglich ist im gewöhnlichen Leben, im gewöhnlichen Bewusstsein, über das Ich eine richtige Ansicht haben zu können. In diesem gewöhnlichen Bewusstsein, das ja auch in der Naturwissenschaft herrschend ist, zeigt sich über das Ich, dass es nach und nach, indem der Leib sich heranentwickelt, sich auch heranentwickelt.
[ 46 ] Das Ich kann man nicht erforschen, indem man darüber philosophiert, sondern nur dadurch, dass man den Willen zum Denken macht und das Denken zum Wollen bringt. Durch Selbstbeobachtung wird der Wille denkend, das Denken wollend gemacht. Das aber ist ebenso ein «Geistwechsel», wie auf dem leiblichen Gebiet ein Stoffwechsel gesucht und gefunden wird. Dann gelangt man nicht durch Philosophieren, nicht durch Spekulation, nicht durch Hypothesen an das Ich heran, sondern dazu gelangt man, erst das Ich wirklich geistig zu beobachten, und dann kann man sich eine richtige Ansicht über das Ich bilden. Diese richtige Ansicht, die bezeugt einem dann, dass es gar nicht möglich ist im gewöhnlichen Leben, im gewöhnlichen Bewusstsein, über das Ich eine richtige Ansicht haben zu können. In diesem gewöhnlichen Bewusstsein, das ja auch in der Naturwissenschaft herrschend ist, zeigt sich über das Ich, dass es nach und nach, indem der Leib sich heranentwickelt, sich auch heranentwickelt.
[ 47 ] Das Kind scheint dieses Ich noch nicht zu haben. Indem der Leib sich mehr ausgestaltet, indem er immer mehr und mehr seine Konfiguration erhält, scheint sich das Ich aus dem Leibe herauszuringen. Dieses ist für das gewöhnliche Bewusstsein eine ganz selbstverständliche Ansicht. Das gewöhnliche Bewusstsein kann keine andere Ansicht haben. Und das ist es gerade, was man sich erringen muss als Geistesforscher, dass man dem gewöhnlichen Bewusstsein auf seinem Felde recht gibt, dass man nicht intolerant wird, weil man ja einsehen lernt: Für dasjenige Feld, auf dem der Materialismus sich betätigen kann, kann es keine andere Ansicht geben.
[ 47 ] Das Kind scheint dieses Ich noch nicht zu haben. Indem der Leib sich mehr ausgestaltet, indem er immer mehr und mehr seine Konfiguration erhält, scheint sich das Ich aus dem Leibe herauszuringen. Dieses ist für das gewöhnliche Bewusstsein eine ganz selbstverständliche Ansicht. Das gewöhnliche Bewusstsein kann keine andere Ansicht haben. Und das ist es gerade, was man sich erringen muss als Geistesforscher, dass man dem gewöhnlichen Bewusstsein auf seinem Felde recht gibt, dass man nicht intolerant wird, weil man ja einsehen lernt: Für dasjenige Feld, auf dem der Materialismus sich betätigen kann, kann es keine andere Ansicht geben.
[ 48 ] Gelangt man aber zur Geistbeobachtung, und dadurch zur Beobachtung des Ich, dann merkt man, worin der Irrtum des gewöhnlichen Bewusstseins steckt. Diesen Irrtum des gewöhnlichen Bewusstseins kann man in der folgenden Weise charakterisieren: Derjenige, der da über das Verhältnis der Lunge zur Luft nachdenkt, weiß, dass Lunge und Luft zusammengehören. Aber weil hier Außenbeobachtung genügt, um das wahre Verhältnis einzusehen, wird niemand, der nur oberflächlich die Dinge kennt, zu einer anderen Ansicht kommen als dazu, dass die Luft von außen kommt, in die Lunge eindringt, und wiederum aus der Lunge herausgeatmet wird und in den äußeren Luftraum übergeht. Es kann, weil hier eben die äußere Beobachtung genügt, kein Mensch zur Ansicht kommen, dass die Lunge selber die Luft erzeugt, dass die aus der Lunge herauskommende Luft irgendwie ihren Ursprung in der Lunge selber habe, dass die Lunge Luft hervorbringe.
[ 48 ] Gelangt man aber zur Geistbeobachtung, und dadurch zur Beobachtung des Ich, dann merkt man, worin der Irrtum des gewöhnlichen Bewusstseins steckt. Diesen Irrtum des gewöhnlichen Bewusstseins kann man in der folgenden Weise charakterisieren: Derjenige, der da über das Verhältnis der Lunge zur Luft nachdenkt, weiß, dass Lunge und Luft zusammengehören. Aber weil hier Außenbeobachtung genügt, um das wahre Verhältnis einzusehen, wird niemand, der nur oberflächlich die Dinge kennt, zu einer anderen Ansicht kommen als dazu, dass die Luft von außen kommt, in die Lunge eindringt, und wiederum aus der Lunge herausgeatmet wird und in den äußeren Luftraum übergeht. Es kann, weil hier eben die äußere Beobachtung genügt, kein Mensch zur Ansicht kommen, dass die Lunge selber die Luft erzeugt, dass die aus der Lunge herauskommende Luft irgendwie ihren Ursprung in der Lunge selber habe, dass die Lunge Luft hervorbringe.
[ 49 ] Dasjenige, was man für das Verhältnis von Lunge und Luft durch die gewöhnliche Sinnesbeobachtung gewinnt, das gewinnt man durch höheres geistiges Beobachten für dieses menschliche Ich. Man weiß, indem man die Beobachtung so anstellen kann, wie ich es geschildert habe, dass dieses wirkliche Ich des Menschen ebenso wenig mit der menschlichen Leiblichkeit, mit alledem, was wir von Vater und Mutter ererben, zu tun haben kann, wie die Luft, die von außen kommt, etwas zu tun hat wesenhaft mit der Lunge. Man lernt das Ich kennen in seiner wahren Wesenheit und man weiß, dass der Leib dieses Ich gewissermaßen einatmet, indem er durch die Geburt oder Empfängnis das Ererbte übernimmt, einatmet aus der geistigen Welt. So wie die Luftmenge, welche in einem bestimmten Augenblick in unserer Lunge ist, aus der äußeren Luft eingeströmt ist, so strömt aus der geistigen Welt, in der das Ich — bevor überhaupt daran gedacht werden kann, dass durch Geburt oder Empfängnis das Leibliche entsteht — war, so strömt das Ich aus dem Geistigen in diese Leiblichkeit; so wird es, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geht, wiederum ausgeströmt, wie die Luft, nachdem sie von der Lunge durch den Leib verbraucht ist, wiederum ausgeströmt wird. Man lernt erkennen die Beziehung des Ich zu einer geistigen Welt, die unabhängig ist von der menschlichen Leibeswelt, wie man durch die Physik kennenlernt die Beziehungen der Luft zu einer äußeren Luftwelt, die unabhängig ist von der menschlichen Lunge.
[ 49 ] Dasjenige, was man für das Verhältnis von Lunge und Luft durch die gewöhnliche Sinnesbeobachtung gewinnt, das gewinnt man durch höheres geistiges Beobachten für dieses menschliche Ich. Man weiß, indem man die Beobachtung so anstellen kann, wie ich es geschildert habe, dass dieses wirkliche Ich des Menschen ebenso wenig mit der menschlichen Leiblichkeit, mit alledem, was wir von Vater und Mutter ererben, zu tun haben kann, wie die Luft, die von außen kommt, etwas zu tun hat wesenhaft mit der Lunge. Man lernt das Ich kennen in seiner wahren Wesenheit und man weiß, dass der Leib dieses Ich gewissermaßen einatmet, indem er durch die Geburt oder Empfängnis das Ererbte übernimmt, einatmet aus der geistigen Welt. So wie die Luftmenge, welche in einem bestimmten Augenblick in unserer Lunge ist, aus der äußeren Luft eingeströmt ist, so strömt aus der geistigen Welt, in der das Ich — bevor überhaupt daran gedacht werden kann, dass durch Geburt oder Empfängnis das Leibliche entsteht — war, so strömt das Ich aus dem Geistigen in diese Leiblichkeit; so wird es, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geht, wiederum ausgeströmt, wie die Luft, nachdem sie von der Lunge durch den Leib verbraucht ist, wiederum ausgeströmt wird. Man lernt erkennen die Beziehung des Ich zu einer geistigen Welt, die unabhängig ist von der menschlichen Leibeswelt, wie man durch die Physik kennenlernt die Beziehungen der Luft zu einer äußeren Luftwelt, die unabhängig ist von der menschlichen Lunge.
[ 50 ] Das ist das Aufsteigen zur wirklichen Erkenntnis des Ich. Das ist das Erste, was man erkennt sozusagen über die geistige Wesenheit des Ich; und von da ausgehend lernt man dann immer mehr und mehr, indem sich die geistige Beobachtung steigert durch die geschilderten Methoden, die Sie in den genannten Büchern finden können, indem sich die geistige Beobachtung steigert, lernt man immer mehr und mehr über dieses Ich kennen, über das von dem Leibesleben unabhängige Ich kennen, wie man kennenlernt über den Leib immer mehr und mehr, wenn man mit den physischen Methoden heruntersteigt von Hunger und Durst zu dem, was als chemisch-physische Vorgänge im Leibe sich abspielt. Nur lernt man dieses Geistige, das den ersten Anblick des Ich darstellt, so erkennen, dass man das Ich, ich möchte sagen, eingebettet findet in geistige Wesenheiten. So wie man den Leib zergliedert in einzelne Glieder, um ihn kennenzulernen in seiner leiblichen Beschaffenheit, so muss man das Ich anschließen an andere geistige Wesenheiten, die man durch geistige Beobachtung mit den Methoden, die ich charakterisiert habe, beobachten kann. Man schließt das Ich an und findet einen vollständigen Ich-Organismus, der allerdings über das einzelne Leibesleben hinausragt.
[ 50 ] Das ist das Aufsteigen zur wirklichen Erkenntnis des Ich. Das ist das Erste, was man erkennt sozusagen über die geistige Wesenheit des Ich; und von da ausgehend lernt man dann immer mehr und mehr, indem sich die geistige Beobachtung steigert durch die geschilderten Methoden, die Sie in den genannten Büchern finden können, indem sich die geistige Beobachtung steigert, lernt man immer mehr und mehr über dieses Ich kennen, über das von dem Leibesleben unabhängige Ich kennen, wie man kennenlernt über den Leib immer mehr und mehr, wenn man mit den physischen Methoden heruntersteigt von Hunger und Durst zu dem, was als chemisch-physische Vorgänge im Leibe sich abspielt. Nur lernt man dieses Geistige, das den ersten Anblick des Ich darstellt, so erkennen, dass man das Ich, ich möchte sagen, eingebettet findet in geistige Wesenheiten. So wie man den Leib zergliedert in einzelne Glieder, um ihn kennenzulernen in seiner leiblichen Beschaffenheit, so muss man das Ich anschließen an andere geistige Wesenheiten, die man durch geistige Beobachtung mit den Methoden, die ich charakterisiert habe, beobachten kann. Man schließt das Ich an und findet einen vollständigen Ich-Organismus, der allerdings über das einzelne Leibesleben hinausragt.
[ 51 ] Man findet, indem man von dem Ich ausgeht, von der dem Seelenleben zugewendeten Seite des Ich, man findet es eingebettet in ein geistiges Leben, das vor der Geburt da ist, das nach der Pforte des Todes bleibt. Man findet in der geistigen Welt eine von der physischen Welt zunächst unabhängige geistig-seelische Welt. Das Ich gehört zu dieser geistig-seelischen Welt. Als das Erste, das man da findet, findet man geistig-seelische Wesenheiten, mit denen das Ich des Menschen in Zusammenhang steht; diejenigen geistig-seelischen Wesenheiten, die die Menschenseelen sind vor oder nach dem Tode, mit denen der Mensch selber seinen Zusammenhang hat; geistig-seelische Wesenheiten anderer Art. Man findet zunächst, so wie man hier, indem man die Sinnenwelt beobachtet, unter dem Menschen das Tierreich findet, ein seelisch-geistiges Reich, zu dem des Menschen Ich gehört, dem es organisch eingegliedert ist, in dem das Ich seinen «Geistwechsel» vollzieht; ein geistig-seelisches Reich zunächst, das rein geistig-seelisch ist.
[ 51 ] Man findet, indem man von dem Ich ausgeht, von der dem Seelenleben zugewendeten Seite des Ich, man findet es eingebettet in ein geistiges Leben, das vor der Geburt da ist, das nach der Pforte des Todes bleibt. Man findet in der geistigen Welt eine von der physischen Welt zunächst unabhängige geistig-seelische Welt. Das Ich gehört zu dieser geistig-seelischen Welt. Als das Erste, das man da findet, findet man geistig-seelische Wesenheiten, mit denen das Ich des Menschen in Zusammenhang steht; diejenigen geistig-seelischen Wesenheiten, die die Menschenseelen sind vor oder nach dem Tode, mit denen der Mensch selber seinen Zusammenhang hat; geistig-seelische Wesenheiten anderer Art. Man findet zunächst, so wie man hier, indem man die Sinnenwelt beobachtet, unter dem Menschen das Tierreich findet, ein seelisch-geistiges Reich, zu dem des Menschen Ich gehört, dem es organisch eingegliedert ist, in dem das Ich seinen «Geistwechsel» vollzieht; ein geistig-seelisches Reich zunächst, das rein geistig-seelisch ist.
[ 52 ] Dann findet man ein diesem Reiche übergeordnetes Reich, wie unter dem Tierreiche das Pflanzenreich ist; deshalb übergeordnet, weil nunmehr in diesem höheren Reiche diejenigen geistigen Wesenhaftigkeiten sind, die mit uns nicht nur geistig-seelisch zusammenhängen, nicht nur mit dem Innenleben zusammenhängen, sondern welche mächtiger sind, weil sie einen Einklang herstellen können zwischen dem Geistig-Seelischen und dem Physisch-Leiblichen. Denn unser Geistig-Seelisches muss mit dem Physisch-Leiblichen in Zusammenhang gebracht werden. Dieses Verhältnis wird von höheren geistigen Wesenheiten orientiert als diejenigen sind, an die man zunächst herantritt.
[ 52 ] Dann findet man ein diesem Reiche übergeordnetes Reich, wie unter dem Tierreiche das Pflanzenreich ist; deshalb übergeordnet, weil nunmehr in diesem höheren Reiche diejenigen geistigen Wesenhaftigkeiten sind, die mit uns nicht nur geistig-seelisch zusammenhängen, nicht nur mit dem Innenleben zusammenhängen, sondern welche mächtiger sind, weil sie einen Einklang herstellen können zwischen dem Geistig-Seelischen und dem Physisch-Leiblichen. Denn unser Geistig-Seelisches muss mit dem Physisch-Leiblichen in Zusammenhang gebracht werden. Dieses Verhältnis wird von höheren geistigen Wesenheiten orientiert als diejenigen sind, an die man zunächst herantritt.
[ 53 ] Man darf nicht anstehen, wenn man sich auf das Gebiet der Geistesforschung begibt, von diesen konkreten geistig-seelischen Wesenheiten zu sprechen, die wirklich entdeckt werden. Wie entdeckt werden, wenn man den Blick hinunterlenkt zu Tier, Pflanze und Mineral, die physischen Reiche, so werden die Geistreiche entdeckt, innerhalb welcher das Ich seinen Geistwechsel vollzieht. Und man entdeckt weiter, worin eigentlich das Geheimnis besteht, dass dieses Ich in den Leib einzieht, dass es den Leib wiederum verlässt. Man lernt nämlich erkennen, wie dieses Ich zum Leibe des Menschen sich verhält.
[ 53 ] Man darf nicht anstehen, wenn man sich auf das Gebiet der Geistesforschung begibt, von diesen konkreten geistig-seelischen Wesenheiten zu sprechen, die wirklich entdeckt werden. Wie entdeckt werden, wenn man den Blick hinunterlenkt zu Tier, Pflanze und Mineral, die physischen Reiche, so werden die Geistreiche entdeckt, innerhalb welcher das Ich seinen Geistwechsel vollzieht. Und man entdeckt weiter, worin eigentlich das Geheimnis besteht, dass dieses Ich in den Leib einzieht, dass es den Leib wiederum verlässt. Man lernt nämlich erkennen, wie dieses Ich zum Leibe des Menschen sich verhält.
[ 54 ] Hier, sehr verehrte Anwesende, betritt man allerdings ein Gebiet, das der heutigen Weltanschauung noch ganz ferne steht, das sich aber auch in diese heutige Weltanschauung gegen die Zukunft immer mehr und mehr einleben wird. Wenn man das Ich so betrachtet, so wird man finden, dass dieses Ich sein Verhältnis, seine Beziehungen hat zu den geistig-seelischen Wesen der höheren geistigen Reiche, die sich auftürmen gewissermaßen über den bloßen Naturreichen; aber im Geistwechsel, dem Analogon des Stoffwechsels, macht dieses Ich einen gewissen Prozess durch. Es kann sich zunächst nur geistig-seelischen Wesenheiten eingliedern. Da ist es vor der Geburt, da ist es nach dem Tode. Da ist es, wenn es sein rein geistiges Wesen an sich als seine Organisation trägt und in die übrige Geistwelt eingegliedert ist. Indem das Ich diese Geistwelt durchschreitet, ich möchte sagen, indem es seine Entwicklung durchmacht in dieser geistigen Welt, kommt es immer mehr und mehr zur Eigenorientierung, sondert sich immer mehr und mehr heraus aus der geistigen Welt. Man kommt zu Vorstellungen durch Geistesforschung, welche das Ich darstellen so, dass es lange vor der Geburt oder nach dem Tode mit vielen, vielen Geistwesen in besonderer geistiger Beziehung steht. Dann im Fortschreiten seiner Entwicklung sondert es sich gewissermaßen heraus, wird gewissermaßen auf sich angewiesen. Indem es sich so aussondert, einschränkt, entwickelt es seine Anziehungskraft zum Leiblichen hin. Diese Anziehungskraft, die treibt es dahin, sich zu verbinden — wie die Luft sich mit der Lunge verbindet — mit dem, was durch die bloße Vererbungsströmung im Laufe der menschlichen Generation als Leibliches erscheint, in das das Ich einzieht, wenn es aus der geistigen Welt kommt.
[ 54 ] Hier, sehr verehrte Anwesende, betritt man allerdings ein Gebiet, das der heutigen Weltanschauung noch ganz ferne steht, das sich aber auch in diese heutige Weltanschauung gegen die Zukunft immer mehr und mehr einleben wird. Wenn man das Ich so betrachtet, so wird man finden, dass dieses Ich sein Verhältnis, seine Beziehungen hat zu den geistig-seelischen Wesen der höheren geistigen Reiche, die sich auftürmen gewissermaßen über den bloßen Naturreichen; aber im Geistwechsel, dem Analogon des Stoffwechsels, macht dieses Ich einen gewissen Prozess durch. Es kann sich zunächst nur geistig-seelischen Wesenheiten eingliedern. Da ist es vor der Geburt, da ist es nach dem Tode. Da ist es, wenn es sein rein geistiges Wesen an sich als seine Organisation trägt und in die übrige Geistwelt eingegliedert ist. Indem das Ich diese Geistwelt durchschreitet, ich möchte sagen, indem es seine Entwicklung durchmacht in dieser geistigen Welt, kommt es immer mehr und mehr zur Eigenorientierung, sondert sich immer mehr und mehr heraus aus der geistigen Welt. Man kommt zu Vorstellungen durch Geistesforschung, welche das Ich darstellen so, dass es lange vor der Geburt oder nach dem Tode mit vielen, vielen Geistwesen in besonderer geistiger Beziehung steht. Dann im Fortschreiten seiner Entwicklung sondert es sich gewissermaßen heraus, wird gewissermaßen auf sich angewiesen. Indem es sich so aussondert, einschränkt, entwickelt es seine Anziehungskraft zum Leiblichen hin. Diese Anziehungskraft, die treibt es dahin, sich zu verbinden — wie die Luft sich mit der Lunge verbindet — mit dem, was durch die bloße Vererbungsströmung im Laufe der menschlichen Generation als Leibliches erscheint, in das das Ich einzieht, wenn es aus der geistigen Welt kommt.
[ 55 ] Man gewinnt auf diese Weise eine wirkliche Anschauung über das Ewige in der menschlichen Leiblichkeit, der menschlichen Wesenheit überhaupt, nicht durch philosophische Spekulation, sondern dadurch, dass man dieses Ewige bloßlegt, dass man wirklich mit der Seele in dieses Ewige hineinkommt. Auf diese Art tritt Geistbeobachtung ein. Man muss nur vorsichtig sein, man muss sich nur klar darüber sein, dass dasjenige, was ich geschildert habe, das Streben nach Selbstbeobachtung, das Streben nach Einführung des Willens in die menschliche Vorstellungswelt, dieses Streben nach dem Geistwechsel, dass dieses alles im Grunde genommen nur Vorbereitung ist, dass man das andere alles abwarten muss. So wie man abwarten muss, was die Sinneswelt spricht, wenn sie von außen an die Seele dringt, so muss man abwarten, was die Geisteswelt spricht. Selbstbeobachtung erstreben, Einführung des Willens in die Vorstellungswelt erstreben, das muss man tun, um die Seele bereit zu machen, um den Geist zu erleben. Dann beginnt das Geistesleben. Dieses Geistesleben muss aber an das Geistig-Seelische herandringen.
[ 55 ] Man gewinnt auf diese Weise eine wirkliche Anschauung über das Ewige in der menschlichen Leiblichkeit, der menschlichen Wesenheit überhaupt, nicht durch philosophische Spekulation, sondern dadurch, dass man dieses Ewige bloßlegt, dass man wirklich mit der Seele in dieses Ewige hineinkommt. Auf diese Art tritt Geistbeobachtung ein. Man muss nur vorsichtig sein, man muss sich nur klar darüber sein, dass dasjenige, was ich geschildert habe, das Streben nach Selbstbeobachtung, das Streben nach Einführung des Willens in die menschliche Vorstellungswelt, dieses Streben nach dem Geistwechsel, dass dieses alles im Grunde genommen nur Vorbereitung ist, dass man das andere alles abwarten muss. So wie man abwarten muss, was die Sinneswelt spricht, wenn sie von außen an die Seele dringt, so muss man abwarten, was die Geisteswelt spricht. Selbstbeobachtung erstreben, Einführung des Willens in die Vorstellungswelt erstreben, das muss man tun, um die Seele bereit zu machen, um den Geist zu erleben. Dann beginnt das Geistesleben. Dieses Geistesleben muss aber an das Geistig-Seelische herandringen.
[ 56 ] Das, sehr verehrte Anwesende, sind so mit ein paar Strichen [gezeichnet] die Wege, welche dahin führen, das wirkliche seelische Leben in Denken, Fühlen und Wollen ebenso nur für einen Ausdruck des Geistigen anzusehen, wie Hunger und Durst und Atmungsbedürfnis als ein seelischer Ausdruck angesehen werden muss des Leiblichen. Das führt dazu, wirklich das Ewig-Geistige auch von dem Seelischen zu unterscheiden.
[ 56 ] Das, sehr verehrte Anwesende, sind so mit ein paar Strichen [gezeichnet] die Wege, welche dahin führen, das wirkliche seelische Leben in Denken, Fühlen und Wollen ebenso nur für einen Ausdruck des Geistigen anzusehen, wie Hunger und Durst und Atmungsbedürfnis als ein seelischer Ausdruck angesehen werden muss des Leiblichen. Das führt dazu, wirklich das Ewig-Geistige auch von dem Seelischen zu unterscheiden.
[ 57 ] Wir werden morgen zu schildern haben, wie schon in das gewöhnliche Bewusstsein hereinragt als Offenbarung aus dem Unbewussten dasjenige, was das Ewige des menschlichen Wesens ist. Heute wollte ich prinzipiell schildern, wie man von dem Seelischen zum Geistigen aufsteigt. Diese Schilderung, die eine Schilderung der geistesforscherischen [Erkenntnis]art ist, sie nimmt sich allerdings gegenüber dem, was heute landläufige Begriffe sind, noch recht paradox aus. Aber Sie werden vielleicht doch gesehen haben, dass es diese Geistesforschung mit ihrer Wissenschaft so ernst, so streng meint, wie es nur die Naturwissenschaft mit ihrer Forschungsart meinen kann. Und wie diese Naturwissenschaft zu dem Vergänglichen führt, zu dem Vorübergehenden, so führt diese Geistesforschung zu dem Ewigen, zu dem Unvergänglichen, aus dem gerade das Vergängliche sich erst als etwas Erklärbares darstellt.
[ 57 ] Wir werden morgen zu schildern haben, wie schon in das gewöhnliche Bewusstsein hereinragt als Offenbarung aus dem Unbewussten dasjenige, was das Ewige des menschlichen Wesens ist. Heute wollte ich prinzipiell schildern, wie man von dem Seelischen zum Geistigen aufsteigt. Diese Schilderung, die eine Schilderung der geistesforscherischen [Erkenntnis]art ist, sie nimmt sich allerdings gegenüber dem, was heute landläufige Begriffe sind, noch recht paradox aus. Aber Sie werden vielleicht doch gesehen haben, dass es diese Geistesforschung mit ihrer Wissenschaft so ernst, so streng meint, wie es nur die Naturwissenschaft mit ihrer Forschungsart meinen kann. Und wie diese Naturwissenschaft zu dem Vergänglichen führt, zu dem Vorübergehenden, so führt diese Geistesforschung zu dem Ewigen, zu dem Unvergänglichen, aus dem gerade das Vergängliche sich erst als etwas Erklärbares darstellt.
[ 58 ] Man kann sagen: Wenn man auf dem Boden der Geisteswissenschaft steht, dann überschaut man auch dasjenige, was sich in der Naturforschung darstellt. Dann erkennt man erst recht den Wert der Naturforschung. Man kann sie dann beurteilen von dem Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft. Bleibt man bei der Naturforschung stehen, dann wird man zu solchem Urteil kommen, zu solchem Glauben: einzig strenge Wissenschaft sei nur auf dem Boden des Sinnlichen möglich, könne sich zum Ewigen nicht erheben. Stellt man sich auf den Boden der Geistesforschung, dann weiß man, warum der Naturforscher so etwas sagen muss, wenn er nur auf dem Boden der Naturwissenschaft stehen bleibt. Aber man erkennt durch die Ausbildung dieses gewöhnlichen Bewusstseins, durch die Bloßlegung der in der Seele schlummernden Kräfte, die geistige Kräfte sind, dass der Mensch in das Ewige seines Wesens, in sein wirklich Unsterbliches eindringen kann, denn dieses Unsterbliche kündigt sich durch sich selber an. Wie die Röte der Rose nicht erst bewiesen zu werden braucht, so erweist sich das, was als Geist auftritt, als durch Geburt und Tod gehend, wenn man es beobachten kann.
[ 58 ] Man kann sagen: Wenn man auf dem Boden der Geisteswissenschaft steht, dann überschaut man auch dasjenige, was sich in der Naturforschung darstellt. Dann erkennt man erst recht den Wert der Naturforschung. Man kann sie dann beurteilen von dem Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft. Bleibt man bei der Naturforschung stehen, dann wird man zu solchem Urteil kommen, zu solchem Glauben: einzig strenge Wissenschaft sei nur auf dem Boden des Sinnlichen möglich, könne sich zum Ewigen nicht erheben. Stellt man sich auf den Boden der Geistesforschung, dann weiß man, warum der Naturforscher so etwas sagen muss, wenn er nur auf dem Boden der Naturwissenschaft stehen bleibt. Aber man erkennt durch die Ausbildung dieses gewöhnlichen Bewusstseins, durch die Bloßlegung der in der Seele schlummernden Kräfte, die geistige Kräfte sind, dass der Mensch in das Ewige seines Wesens, in sein wirklich Unsterbliches eindringen kann, denn dieses Unsterbliche kündigt sich durch sich selber an. Wie die Röte der Rose nicht erst bewiesen zu werden braucht, so erweist sich das, was als Geist auftritt, als durch Geburt und Tod gehend, wenn man es beobachten kann.
[ 59 ] Derjenige allerdings, der auf dem Boden der Geisteswissenschaft steht, der überschaut auch das Naturwissenschaftliche; er lässt es zu seinem Recht kommen. Er macht es nicht wie die bloß naturwissenschaftlich Denkenden, die — bewusst oder unbewusst — das Geistesforscherische abbauen, ihm den Boden unter den Füßen entziehen wollen. Daher darf wohl gesagt werden: Der Geistesforscher braucht nichts zu scheuen. Er braucht nicht zu scheuen die Einwände, die von dieser oder jener Seite gemacht werden, denn er kann den Wert dieser Einwände erkennen, kann auch erkennen, warum sie gemacht werden müssen. Daher darf er sagen: Wir haben nicht nötig, etwa irgendjemanden abzuhalten von der Anerkennung der naturwissenschaftlichen Fortschritte und Methoden. Im Gegenteil. Der Geistesforscher kann sagen gerade zu denjenigen, die in diese Naturwissenschaft eindringen wollen: Geht zur Naturwissenschaft, ihr werdet, wenn ihr sie nicht bloß anschaut mit den Augen der naturwissenschaftlichen Weltanschauung, sondern anschaut mit den Augen der geisteswissenschaftlichen Forschung, nicht nur keine Widersprüche finden zwischen Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft, sondern ihr werdet überall in der Naturwissenschaft die Bestätigung finden, Offenbarungen finden für dasjenige, was auf dem Boden der Geisteswissenschaft gesagt wird.
[ 59 ] Derjenige allerdings, der auf dem Boden der Geisteswissenschaft steht, der überschaut auch das Naturwissenschaftliche; er lässt es zu seinem Recht kommen. Er macht es nicht wie die bloß naturwissenschaftlich Denkenden, die — bewusst oder unbewusst — das Geistesforscherische abbauen, ihm den Boden unter den Füßen entziehen wollen. Daher darf wohl gesagt werden: Der Geistesforscher braucht nichts zu scheuen. Er braucht nicht zu scheuen die Einwände, die von dieser oder jener Seite gemacht werden, denn er kann den Wert dieser Einwände erkennen, kann auch erkennen, warum sie gemacht werden müssen. Daher darf er sagen: Wir haben nicht nötig, etwa irgendjemanden abzuhalten von der Anerkennung der naturwissenschaftlichen Fortschritte und Methoden. Im Gegenteil. Der Geistesforscher kann sagen gerade zu denjenigen, die in diese Naturwissenschaft eindringen wollen: Geht zur Naturwissenschaft, ihr werdet, wenn ihr sie nicht bloß anschaut mit den Augen der naturwissenschaftlichen Weltanschauung, sondern anschaut mit den Augen der geisteswissenschaftlichen Forschung, nicht nur keine Widersprüche finden zwischen Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft, sondern ihr werdet überall in der Naturwissenschaft die Bestätigung finden, Offenbarungen finden für dasjenige, was auf dem Boden der Geisteswissenschaft gesagt wird.
[ 60 ] Und man soll auch nicht glauben, dass der Geistesforscher sich zu scheuen hat, diejenigen Menschen, zu denen er sprechen will, abzuhalten von irgendwelchen religiösen Bekenntnissen. Das ist das Missverständlichste, dass man aufrichten will irgendeine religiöse Kluft zwischen einem religiösen Bekenntnis und der Geistesforschung. Dr. Rittelmeyer hat in einem schönen Aufsatz in der «Christlichen Welt» klargelegt, was gerade Geistesforschung als Grundlage für das religiöse Leben in objektivem Sinne sein kann, dass diese Geisteswissenschaft nicht abbringt von dem wahrhaft religiösen Leben, sondern dass sie hinführt zum religiösen Leben. Geistesforschung hat nicht nötig, die Menschen abzuhalten vom religiösen Leben. Wie sie sagen kann: Geht zur Naturwissenschaft, um Geisteswissenschaft zu erkennen, so kann sie auch sagen: Geht zur Religion, lernt Religion kennen, lernt Religion erleben, und ihr werdet finden, dass dasjenige, was Geisteswissenschaft der Seele zu geben vermag, gerade das religiöse Leben bekräftigt und begründet. Geht in das Leben selbst, ihr werdet finden, dass die Begriffe, die in der Geisteswissenschaft gegeben sind, nicht abstumpfen für das Leben, dass sie nicht ungeeignet machen für das Leben, sondern dass sie den Geist beweglich, den Geist geschickt machen, und dadurch auch das körperliche Leben des Menschen geschickt und beweglich machen und den Menschen tatkräftig in das Dasein hineinstellen. Auch das praktische Leben wird gerade eine Bekräftigung, ein äußerer Beweis für dasjenige sein, was Geistesforschung den Menschen zu geben vermag.
[ 60 ] Und man soll auch nicht glauben, dass der Geistesforscher sich zu scheuen hat, diejenigen Menschen, zu denen er sprechen will, abzuhalten von irgendwelchen religiösen Bekenntnissen. Das ist das Missverständlichste, dass man aufrichten will irgendeine religiöse Kluft zwischen einem religiösen Bekenntnis und der Geistesforschung. Dr. Rittelmeyer hat in einem schönen Aufsatz in der «Christlichen Welt» klargelegt, was gerade Geistesforschung als Grundlage für das religiöse Leben in objektivem Sinne sein kann, dass diese Geisteswissenschaft nicht abbringt von dem wahrhaft religiösen Leben, sondern dass sie hinführt zum religiösen Leben. Geistesforschung hat nicht nötig, die Menschen abzuhalten vom religiösen Leben. Wie sie sagen kann: Geht zur Naturwissenschaft, um Geisteswissenschaft zu erkennen, so kann sie auch sagen: Geht zur Religion, lernt Religion kennen, lernt Religion erleben, und ihr werdet finden, dass dasjenige, was Geisteswissenschaft der Seele zu geben vermag, gerade das religiöse Leben bekräftigt und begründet. Geht in das Leben selbst, ihr werdet finden, dass die Begriffe, die in der Geisteswissenschaft gegeben sind, nicht abstumpfen für das Leben, dass sie nicht ungeeignet machen für das Leben, sondern dass sie den Geist beweglich, den Geist geschickt machen, und dadurch auch das körperliche Leben des Menschen geschickt und beweglich machen und den Menschen tatkräftig in das Dasein hineinstellen. Auch das praktische Leben wird gerade eine Bekräftigung, ein äußerer Beweis für dasjenige sein, was Geistesforschung den Menschen zu geben vermag.
[ 61 ] Diese Geistesforschung muss — weil Naturforschung rein bleiben muss, den Blick hingerichtet halten muss bloß auf dasjenige, was Natur ist, nicht bloß diese Natur vermischen [darf] mit irgendetwas Geistig-Seelischem —, Geistesforschung muss als ein Gleichberechtigtes sich neben die Naturforschung hinstellen. Geistesforschung muss von der Seele aus zum Geiste dringen, wie die Naturwissenschaft von der Seele aus zum äußeren Leibe dringt. Dann wird die Zeit kommen, wenn man den eigentlichen Nerv, die eigentlichen Grundbegriffe der Geisteswissenschaft wirklich einsieht, es wird die Zeit kommen, wo man auch dasjenige, was die Naturforscher tun wollen — der Geisteswissenschaft den Boden abgraben —, im rechten Lichte sehen wird. Wenn du Bois-Reymond vor vier bis fünf Jahrzehnten noch sagen konnte: «Wo das Übersinnliche beginnt, da hört die Wissenschaft auf», so wird man in der Zukunft diesem Ausspruch aus wirklich geisteswissenschaftlicher Einsicht einen anderen entgegenstellen. Man wird nämlich Folgendes erkennen: Was war denn eigentlich zugrunde liegend, als die neuere Naturwissenschaft, sich bloß auf die Natur beschränkend, ein Gedankensystem, eine Weltanschauung gewinnen wollte, die übersichtlich ist? Man sah gewissermaßen dasjenige, was im Dasein den Menschen umgibt, worin der Mensch wurzelt, man sah es aus einem gewissen Bodengrund herauskommen. Man sah es im Geiste wurzeln, aber man konnte in diesen Geist nicht hinein.
[ 61 ] Diese Geistesforschung muss — weil Naturforschung rein bleiben muss, den Blick hingerichtet halten muss bloß auf dasjenige, was Natur ist, nicht bloß diese Natur vermischen [darf] mit irgendetwas Geistig-Seelischem —, Geistesforschung muss als ein Gleichberechtigtes sich neben die Naturforschung hinstellen. Geistesforschung muss von der Seele aus zum Geiste dringen, wie die Naturwissenschaft von der Seele aus zum äußeren Leibe dringt. Dann wird die Zeit kommen, wenn man den eigentlichen Nerv, die eigentlichen Grundbegriffe der Geisteswissenschaft wirklich einsieht, es wird die Zeit kommen, wo man auch dasjenige, was die Naturforscher tun wollen — der Geisteswissenschaft den Boden abgraben —, im rechten Lichte sehen wird. Wenn du Bois-Reymond vor vier bis fünf Jahrzehnten noch sagen konnte: «Wo das Übersinnliche beginnt, da hört die Wissenschaft auf», so wird man in der Zukunft diesem Ausspruch aus wirklich geisteswissenschaftlicher Einsicht einen anderen entgegenstellen. Man wird nämlich Folgendes erkennen: Was war denn eigentlich zugrunde liegend, als die neuere Naturwissenschaft, sich bloß auf die Natur beschränkend, ein Gedankensystem, eine Weltanschauung gewinnen wollte, die übersichtlich ist? Man sah gewissermaßen dasjenige, was im Dasein den Menschen umgibt, worin der Mensch wurzelt, man sah es aus einem gewissen Bodengrund herauskommen. Man sah es im Geiste wurzeln, aber man konnte in diesen Geist nicht hinein.
[ 62 ] Geisteswissenschaft zeigt, wie man in das geistige Leben hineinkommt. Man war mit der neueren Naturwissenschaft gewissermaßen dem Geiste gegenüber in der Lage — wenn ich den Vergleich gebrauchen will —, in der man wäre, wenn man einen Baum sähe, der im Boden mit den Wurzeln steckt. Man sieht den Baum nicht ganz, die Wurzeln gehen in den Boden hinein. Man überschaut den Baum nicht vollständig. Man gräbt nun den Baum aus, damit man ihn übersehen kann; man will nicht haben, dass sich etwas an dem Baume verbirgt. Der Baum wird verdorren, er wird nicht mehr gedeihen können. So hat man es mit der naturwissenschaftlichen Weltanschauung gemacht. Das Wesen des Menschen hat sie aus dem Grunde ausgegraben, um sich etwas Übersicht zu verschaffen. Dadurch ist die Weltanschauung so geworden wie der Baum, der aus dem Boden heraus ist. Der Baum muss verdorren, und das Leben, das aus dieser Weltanschauung herausgeht, das muss verdorren. Das wird man einsehen, dann wird man finden den Weg zur Geisteswissenschaft. Um der Übersicht willen hat man das Wesen des Menschen entwurzelt; um des Lebens willen, um des wirklichen Lebens willen wird man den Menschen wiederum einsenken in dasjenige, was man so gerne das Unbewusste nennt, was aber, wenn cs sich offenbart, auch in die Sphäre der Bewusstheit herauf, in die Sphäre der wirklichen Erkenntnis des Übersinnlichen gehoben werden kann. Dann wird die Zeit kommen, wo im menschlichen Gemüte sich festwurzeln wird die Anschauung, dass das menschliche Wesen im Geiste mit seinem ewigen Wesenskern wurzelt, dass man zum Geiste vordringen muss, um das menschliche Wesen wirklich in seiner Ganzheit erkennen zu können.
[ 62 ] Geisteswissenschaft zeigt, wie man in das geistige Leben hineinkommt. Man war mit der neueren Naturwissenschaft gewissermaßen dem Geiste gegenüber in der Lage — wenn ich den Vergleich gebrauchen will —, in der man wäre, wenn man einen Baum sähe, der im Boden mit den Wurzeln steckt. Man sieht den Baum nicht ganz, die Wurzeln gehen in den Boden hinein. Man überschaut den Baum nicht vollständig. Man gräbt nun den Baum aus, damit man ihn übersehen kann; man will nicht haben, dass sich etwas an dem Baume verbirgt. Der Baum wird verdorren, er wird nicht mehr gedeihen können. So hat man es mit der naturwissenschaftlichen Weltanschauung gemacht. Das Wesen des Menschen hat sie aus dem Grunde ausgegraben, um sich etwas Übersicht zu verschaffen. Dadurch ist die Weltanschauung so geworden wie der Baum, der aus dem Boden heraus ist. Der Baum muss verdorren, und das Leben, das aus dieser Weltanschauung herausgeht, das muss verdorren. Das wird man einsehen, dann wird man finden den Weg zur Geisteswissenschaft. Um der Übersicht willen hat man das Wesen des Menschen entwurzelt; um des Lebens willen, um des wirklichen Lebens willen wird man den Menschen wiederum einsenken in dasjenige, was man so gerne das Unbewusste nennt, was aber, wenn cs sich offenbart, auch in die Sphäre der Bewusstheit herauf, in die Sphäre der wirklichen Erkenntnis des Übersinnlichen gehoben werden kann. Dann wird die Zeit kommen, wo im menschlichen Gemüte sich festwurzeln wird die Anschauung, dass das menschliche Wesen im Geiste mit seinem ewigen Wesenskern wurzelt, dass man zum Geiste vordringen muss, um das menschliche Wesen wirklich in seiner Ganzheit erkennen zu können.
[ 63 ] Dann wird man nicht mehr sagen, wie du Bois-Reymond, dass zwar die Wissenschaft das Übersinnliche nicht finden kann, nicht einmal in einfacher Erscheinungsform, dass aber da die Wissenschaft aufhöre, sondern man wird sagen, die Wissenschaft der Zukunft wird sagen: Alle Wissenschaft, welche nicht im Übersinnlichen wurzelt, kann das Dasein nicht erklären, kann nicht in das Leben des Daseins hineinführen, sondern dieses Dasein nur ertöten. Man wird nicht sagen: Wo Supernaturalismus, das Übersinnliche anfängt, hört die Wissenschaft auf, sondern man wird sagen: Wo das Stehen des Menschen im Übersinnlichen aufhört, da hört das Leben der Wissenschaft auf; da tritt mit dem Verlassen des Übersinnlichen der Tod der Wissenschaft ein.
[ 63 ] Dann wird man nicht mehr sagen, wie du Bois-Reymond, dass zwar die Wissenschaft das Übersinnliche nicht finden kann, nicht einmal in einfacher Erscheinungsform, dass aber da die Wissenschaft aufhöre, sondern man wird sagen, die Wissenschaft der Zukunft wird sagen: Alle Wissenschaft, welche nicht im Übersinnlichen wurzelt, kann das Dasein nicht erklären, kann nicht in das Leben des Daseins hineinführen, sondern dieses Dasein nur ertöten. Man wird nicht sagen: Wo Supernaturalismus, das Übersinnliche anfängt, hört die Wissenschaft auf, sondern man wird sagen: Wo das Stehen des Menschen im Übersinnlichen aufhört, da hört das Leben der Wissenschaft auf; da tritt mit dem Verlassen des Übersinnlichen der Tod der Wissenschaft ein.
