The Human Being as a
Spirit and Soul Being
GA 71b
25 February 1918, Stuttgart
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The Human Being as a Spirit and Soul Being, tr. SOL
5. Der Mensch als Geist- und Seelenwesen
5. Human Beings as Beings of Spirit and Soul
Forschungen vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft
Research from the Perspective of the Humanities
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Die zwei Vorträge, welche ich zu halten mir erlauben werde, werden Zusammengehöriges zu betrachten haben, sodass der heutige und der morgige Vortrag in einer gewissen Weise einander erklären und ergänzen werden. Ich will mich aber bemühen, jeden der einzelnen Vorträge so zu gestalten, dass er für sich ein Ganzes bildet und auch für sich gehört und verstanden werden kann.
[ 1 ] Ladies and gentlemen! The two lectures I will be giving will address related topics, so that today’s and tomorrow’s lectures will, in a certain sense, explain and complement one another. However, I will endeavor to structure each individual lecture so that it forms a complete whole in itself and can be heard and understood on its own.
[ 2 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, dasjenige, was ich nun schon seit einer Reihe von Jahren auch hier in Stuttgart als Geisteswissenschaft, als anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft vorzutragen die Ehre habe, es baut sich auf, wie ich glaube, auf einer Notwendigkeit des gegenwärtigen Geisteslebens. Es fließt nicht aus irgendeiner persönlichen Willkür. Um einzusehen, dass es gerade in dieser Zeit gewissermaßen seinen Ausgangspunkt nehmen muss, ist vielleicht notwendig, in das menschliche Geistesleben so hineinzusehen, dass man bemerkt, wie gewisse geistige Impulse ihre Zeit haben, in der sie heraufkommen in der ganzen Entwicklung des menschlichen Geisteslebens. Man kann glauben, dass die hier gemeinte Geisteswissenschaft in unserer Gegenwart ebenso, in ähnlicher Weise ihre Beziehungen findet, wie vor einigen Jahrhunderten die Beziehungen gefunden hat die kopernikanische Weltanschauung. Wie diese in einer früheren Zeit nicht sich hat einverleiben können in das menschliche Geistesleben, so wird es auch mit dem sein, was hier als Geisteswissenschaft gemeint ist.
[ 2 ] Well, ladies and gentlemen, what I have had the honor of presenting here in Stuttgart for a number of years now—as spiritual science, as anthroposophically oriented spiritual science—is, I believe, rooted in a necessity of contemporary spiritual life. It does not spring from any personal whim. To understand that it must, so to speak, take its starting point precisely at this time, it may be necessary to look into human spiritual life in such a way that one notices how certain spiritual impulses have their own time in which they emerge within the entire development of human spiritual life. One might believe that the spiritual science referred to here finds its place in our present time in much the same way as the Copernican worldview found its place several centuries ago. Just as the Copernican worldview was unable to become integrated into human spiritual life in an earlier era, so too will it be with what is meant here by spiritual science.
[ 3 ] Man braucht nur ein wenig zu vergleichen, allerdings zu vergleichen aus einer wirklichen Erkenntnis heraus, die Art, wie in der Gegenwart und schon seit längerer Zeit die naturwissenschaftliche Weltanschauung zu ihren Ergebnissen kommt und wie sie sich einlebt in die breitesten Kreise der Menschheit, um da die Grundlage zu bilden auch für Seelen- und Geistesfragen. Man braucht nur diese Forschungsart und diese Verbreitungsart ins Auge zu fassen und zu vergleichen mit der naturwissenschaftlichen Anschauungsweise, wie sie vor Jahrhunderten und, man könnte sagen, durch die Jahrtausende der Menschheitsentwicklung hindurch geherrscht hat. In diesen früheren Zeiten haben die Menschen wirklich ganz anders die Natur und ihre Erscheinungen betrachtet, als das in der Gegenwart und seit zwei, drei, vier Jahrhunderten der Fall ist. In diesen früheren Zeiten haben die Menschen zu gleicher Zeit, indem sie die Naturwesen und Naturvorgänge beobachteten, mit dieser Beobachtung etwas Geistiges, etwas Seelisches in ihr Gemüt, in ihr Geistesleben hereingenommen. Man hat gar nicht so wie heute die Naturerscheinungen zu erforschen gesucht als bloße Naturerscheinungen, möglichst mit Ausschluss alles desjenigen, was irgendwie Geistig-Seelisches ist.
[ 3 ] One need only make a brief comparison—but a comparison based on genuine insight—between the way in which the scientific worldview has arrived at its conclusions in the present day and for quite some time now, and the way it has taken root in the broadest circles of humanity, thereby forming the foundation even for questions of the soul and the spirit. One need only consider this method of research and this mode of dissemination and compare them with the scientific worldview that prevailed centuries ago and, one might say, throughout the millennia of human development. In those earlier times, people truly viewed nature and its phenomena quite differently than is the case today and has been for the past two, three, or four centuries. In those earlier times, while observing natural beings and natural processes, people simultaneously took something spiritual, something soulful, into their minds and into their spiritual lives through this observation. People did not seek to investigate natural phenomena—as is done today—as mere natural phenomena, excluding as much as possible everything that is in any way spiritual or soulful.
[ 4 ] Das soll kein Tadel, keine Kritik der modernen naturwissenschaftlichen Anschauung sein, ganz im Gegenteil. Diese naturwissenschaftliche Anschauungsweise, die ihren bedeutungsvollen Sinn für die Gegenwart und für die Zukunft hat, sie verdankt ihre Erfolge, sie ist groß geworden gerade dadurch, dass sie sich bemüht hat, von der Betrachtung der Naturvorgänge alles dasjenige auszuschließen, was irgendwie geistig-seelisch ist. Sie betrachtet rein die Wesenhaftigkeit, die Vorgänge der Natur, ohne irgendetwas hineinzutragen in diese Wesenhaftigkeit, in diese Vorgänge von Geistig-Seelischem.
[ 4 ] This is not meant to be a rebuke or a criticism of the modern scientific worldview—quite the contrary. This scientific worldview, which has such significant meaning for the present and for the future, owes its successes—and has grown great—precisely because it has strived to exclude from its observation of natural processes everything that is in any way spiritual or psychological. It considers purely the essence and the processes of nature, without introducing anything of a spiritual or psychological nature into this essence or these processes.
[ 5 ] Aber auf der anderen Seite ist dadurch notwendig geworden, die unauslöschlichen Bedürfnisse der menschlichen Seele, die Bedürfnisse, heranzukommen an die großen Rätselfragen des Daseins, auf eine andere Weise wissenschaftlich zu befriedigen. Gerade weil Naturwissenschaft das Geistig-Seelische nach ihrer reinen, ernsten, gewissenhaften Methode ausschließen muss, gerade deshalb muss nach dem Muster der Naturwissenschaft, nach dem Ideal der Naturwissenschaft, neben die Naturwissenschaft sich hinstellen eine Geisteswissenschaft, welche so vorgeht wie die Naturwissenschaft, aber aus anderen Quellen heraus arbeitet.
[ 5 ] But on the other hand, this has made it necessary to satisfy, in a different scientific way, the indelible needs of the human soul—the needs to grapple with the great mysteries of existence. Precisely because the natural sciences must exclude the spiritual and psychological aspects according to their pure, serious, and conscientious method—precisely for this reason—a spiritual science must stand alongside the natural sciences, modeled on the natural sciences and guided by their ideal, one that proceeds in the same way as the natural sciences but draws from different sources.
[ 6 ] Man kann nicht sagen, dass die neuere Zeit, dass die Gegenwart schon zurechtgekommen ist mit irgendeiner Ansicht vom Verhältnis der Naturwissenschaft zu irgendeiner geisteswissenschaftlichen Bestrebung. Gerade die gewichtigsten, die ernstesten Fragen des menschlichen Seelen- und Geisteslebens, die Frage nach der Ewigkeit des Menschenwesens, die Frage nach der menschlichen Freiheit und alles, was damit zusammenhängt, sie sind ja im Grunde genommen ausgeschlossen worden und seit der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts eben vollständig verbannt worden aus allem, was naturwissenschaftliche Weltanschauung ist. Und man kann sagen, dass in einer eigentümlichen Lage gerade die hervorragenden, die großen Naturforscher der Gegenwart sind.
[ 6 ] It cannot be said that modern times, that the present, have already come to terms with any view of the relationship between the natural sciences and any endeavor in the humanities. Precisely the most weighty, the most serious questions of human soul and spiritual life—the question of the eternity of the human being, the question of human freedom, and everything connected with it—have, in essence, been excluded and, since the mid-nineteenth century, have been completely banished from any worldview based on the natural sciences. And one might say that the outstanding, great natural scientists of our time find themselves in a peculiar situation.
[ 7 ] Wir haben ja gesehen, wie in der neueren Zeit erst hervorragende Naturforscher überwunden haben die naturwissenschaftliche Romantik des Darwinismus von der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts. Wir haben gesehen, wie — nun, es könnten Hunderte von Forschern und Denkern nach dieser Richtung angeführt werden, herausgehoben soll werden zum Beispiel Oscar Hertwig —, wir haben gesehen, wie solche Forscher wie Oscar Hertwig die ausschweifende, phantastische Richtung des Naturalismus wiederum auf gediegenere Bahnen gebracht haben. Und ein Buch wie das Buch von Oscar Hertwig: «Das Werden der Organismen. Eine Darwin’sche Zufallstheorie», ein Buch von einem hervorragenden, unmittelbaren Schüler Haeckels, ein solches Buch bedeutet auf rein naturwissenschaftlichem Boden sehr viel.
[ 7 ] We have seen, after all, how in more recent times it was only outstanding natural scientists who overcame the scientific romanticism of Darwinism from the second half of the nineteenth century. We have seen how—well, hundreds of researchers and thinkers could be cited in this vein; Oscar Hertwig, for example, deserves special mention— we have seen how researchers such as Oscar Hertwig have steered the extravagant, fanciful direction of naturalism back onto a more solid course. And a book like Oscar Hertwig’s The Development of Organisms: A Darwinian Theory of Chance—a book by an outstanding, direct student of Haeckel—such a book carries great significance on purely scientific grounds.
[ 8 ] Vieles könnte nach dieser Richtung als gleich bedeutsam oder nahezu ebenso bedeutsam hinzugefügt werden. Aber gerade an solchen Leistungen, die nicht genug auf ihrem eigenen Gebiete anerkannt werden können, zeigt sich, in welcher eigentümlichen Lage die ernsten naturwissenschaftlichen Forscher gegenüber den Seelen- und Geistesfragen sind. Wer dieses tonangebende Buch von Oscar Hertwig, «Das Werden der Organismen. Eine Darwin’sche Zufallstheorie», liest, der wird daraus eine gewisse Stimmung gegenüber den Fragen des Geisteslebens entnehmen können. Er wird finden, dass ein solcher Forscher wie Oscar Hertwig geltend macht, dass er mit seinen Mitteln, mit den Mitteln seiner strengen Forschung an die Seelen- und Geistesfragen nicht herankann. Er sagt das klar und deutlich auf der einen Seite, Naturwissenschaft könne es nur mit dem Vergänglichen, dem Sinnlichen eigentlich zu tun haben; Naturwissenschaft könne nicht heran an das Ewige in der Menschennatur.
[ 8 ] Much more could be added along these lines that is equally significant or nearly as significant. But it is precisely in such achievements—which cannot be sufficiently recognized within their own fields—that the peculiar situation of serious scientific researchers with regard to questions of the soul and the spirit becomes apparent. Anyone who reads this seminal book by Oscar Hertwig, The Development of Organisms: A Darwinian Theory of Chance, will be able to discern a certain attitude toward questions of spiritual life. They will find that a researcher such as Oscar Hertwig asserts that, with the means at his disposal—the methods of his rigorous research—he cannot approach questions of the soul and the spirit. He states this clearly and unequivocally: on the one hand, natural science can, in reality, deal only with the transitory and the sensory; natural science cannot approach the eternal in human nature.
[ 9 ] Das wäre soweit ganz gut, denn dadurch würde für Geisteswissenschaft die Bahn frei gemacht werden; dadurch würde von dem Naturforscher selber darauf hingewiesen werden, dass es eine Geisteswissenschaft neben der strengen Naturwissenschaft geben müsse. Aber zu dem einen wird leider von all denen, die in einer solchen Richtung arbeiten, etwas wesentlich anderes noch hinzugefügt; etwas, was dann nicht deutlich ausgesprochen wird, was aber doch zwischen den Betrachtungsarten, zwischen den Zeilen deutlich zu lesen ist. Es wird nämlich die Meinung verbreitet — man kann sagen, unbewusst wird die Meinung verbreitet —, dass die einzige wirklich exakte wissenschaftliche Methode diejenige ist, die der Naturforscher anwendet; dass man auf wissenschaftlichem Boden nur solange steht, solange man das Äußere, Sinnlich-Wirkliche beobachtet; der Glaube wird hervorgerufen, als ob jedes Verlassen des sinnlich-physischen Bodens ins Phantastische, ins Träumerische führen müsse.
[ 9 ] That would be quite good, because it would clear the way for the humanities; it would mean that the natural scientist himself would be pointing out that there must be a humanities discipline alongside the rigorous natural sciences. But unfortunately, all those who work in this direction add something quite different to this; something that is not explicitly stated, but which can nevertheless be clearly read between the lines and in the different ways of looking at things. Namely, the opinion is spread—one might say, the opinion is spread unconsciously—that the only truly exact scientific method is the one employed by the natural scientist; that one stands on scientific ground only as long as one observes the external, sensually real; the belief is fostered that any departure from the physical-sensory realm must inevitably lead into the realm of fantasy or daydreaming.
[ 10 ] Das Gefährliche liegt gerade darin, dass diese Dinge nicht klar ausgesprochen werden, aber dass wie eine Stimmung aus solchen Leistungen hervorgeht, und dass diese Stimmung sich verbreitet in die weitesten, weitesten Menschenkreise, von denjenigen, die da glauben, viel zu verstehen von naturwissenschaftlicher Weltanschauung, und allerlei für das Geistesleben folgern wollen aus der naturwissenschaftlichen Weltanschauung, bis zu denjenigen, die sich sehr aufgeklärt vorkommen, weil sie an jedem Sonntag die Beilage zu ihrem Käsblättchen lesen, welches atmet dasjenige, was eben als eine solche Stimmung, die ich eben angedeutet habe, in weitesten Kreisen verbreitet wird.
[ 10 ] The danger lies precisely in the fact that these things are not clearly stated, but that a certain mood emerges from such works, and that this mood spreads to the widest, widest circles of people—from those who believe they understand a great deal about the scientific worldview, and who wish to draw all sorts of conclusions about spiritual life from the scientific worldview, all the way to those who consider themselves very enlightened because they read the supplement to their local tabloid every Sunday—a supplement that embodies precisely the kind of mood I have just described, which is spreading in the widest circles.
[ 11 ] So kann man sagen: Während auf der einen Seite die naturwissenschaftliche Weltanschauung mit aller Kraft hinweist auf die Notwendigkeit der Entstehung einer Geisteswissenschaft, so ist auf der anderen Seite es doch so, dass sie dieser Geisteswissenschaft den Boden abgräbt. Verdichtet hat sich ja dasjenige, das ich hier meine, in der berühmten Rede, die ich hier in Stuttgart auch schon öfter erwähnt habe, in der Rede, die du BoisReymond, der große Physiologe, vor einer weithin leuchtenden Naturforscherversammlung in den Siebzigerjahren in Leipzig gehalten hat; verdichtet hat es sich zu der Rede «Über die Grenze des Naturerkennens», dass das Naturerkennen nicht könne irgendwie auch nur über die einfachsten Erscheinungen des menschlichen Seelenlebens einen Aufschluss geben; dass aber Wissenschaft da aufhöre, wo das Übersinnliche beginnt.
[ 11 ] So one might say: While, on the one hand, the scientific worldview points with all its might to the necessity of the emergence of a science of the spirit, on the other hand, it is nevertheless the case that it undermines the very foundation of this science of the spirit. What I mean here is encapsulated in the famous speech that I have mentioned here in Stuttgart on several occasions—the speech that de Bois-Reymond, the great physiologist, delivered before a distinguished assembly of natural scientists in Leipzig in the 1870s; it is encapsulated in the speech “On the Limits of Natural Knowledge,” which states that natural knowledge cannot in any way provide insight even into the simplest phenomena of human soul life; and that science ends where the supersensible begins.
[ 12 ] Damit, sehr verehrte Anwesende, ist auf der einen Seite zugegeben, dass Naturwissenschaft nichts zu sagen vermag über das Übersinnliche, aber es ist zu gleicher Zeit in energischer Weise der Boden entzogen aller übersinnlichen Forschung. Gegen solche Ziele, gegen solche Bestrebungen hat heute Geisteswissenschaft noch anzukämpfen. Denn sie zielt ja zuletzt darauf hin, gerade diejenigen Fragen ins Auge zu fassen und sie vom wissenschaftlichen Standpunkte aus zu behandeln, nach denen sich die tiefste Sehnsucht der menschlichen Seele richtet: Die Frage nach der Ewigkeit der menschlichen Seele, die Frage nach der Freiheit des menschlichen Handelns und die unzähligen anderen Fragen, die mit diesen zwei Hauptfragen zusammenhängen.
[ 12 ] Thus, ladies and gentlemen, on the one hand it is acknowledged that the natural sciences have nothing to say about the supersensible, but at the same time the very foundation for all supersensible research is vigorously undermined. Spiritual science must still struggle against such goals and such endeavors today. For its ultimate aim is precisely to address those questions—and to treat them from a scientific standpoint—that are the focus of the human soul’s deepest longings: the question of the eternity of the human soul, the question of the freedom of human action, and the countless other questions connected to these two main questions.
[ 13 ] Nun kann man auf der einen Seite auch wiederum sagen: Wenn der Mensch, der heute Aufschluss haben will über solche Dinge, nicht sich an die Naturwissenschaft wendet, sondern wendet mehr an die philosophischen Bestrebungen, so findet er auch da sehr wenig Befriedigung. Diese philosophischen Bestrebungen, sie bieten für das allgemeine Bewusstsein in der Regel kaum etwas anderes dar als dasjenige, was man ansehen kann, wenn man wirklich nach geistiger Nahrung verlangt auf geistigen Gebieten, als eine Summe von abstrakten Begriffen, von mehr oder weniger leeren Begriffen, die einem nichts Vollgültiges geben für die starken Fragen des menschlichen Seelen- und Geisteslebens. Aber vielleicht wird man gerade auf diesem Gebiet finden können, worin der Grund liegt, warum man in unserer Gegenwart außerhalb des eigentlichen Gebietes der Geisteswissenschaft über diese Fragen nichts wirklich Inhaltsvolles finden kann. Gerade die philosophischen Bestrebungen zeigen ein sehr Eigentümliches: dasjenige, was eigentlich der Grund ist, warum ich den heutigen Vortrag gerade genannt habe «Eine Betrachtung über den Menschen als Geistwesen und Seelenwesen».
[ 13 ] On the one hand, one could also say: If a person today who seeks insight into such matters turns not to the natural sciences but rather to philosophical endeavors, he will find very little satisfaction there either. These philosophical endeavors generally offer the general consciousness little more than what one sees—when one truly seeks spiritual nourishment in spiritual realms—as a collection of abstract concepts, of more or less empty concepts, which provide nothing truly substantial in response to the profound questions of human soul and spiritual life. But perhaps it is precisely in this field that one will be able to find the reason why, in our present time, nothing truly substantial can be found regarding these questions outside the actual realm of spiritual science. It is precisely these philosophical endeavors that reveal something very peculiar: the very reason why I have titled today’s lecture “A Reflection on the Human Being as a Spiritual and Soul Being.”
[ 14 ] Wer heute irgendwie ein Handbuch der Seelenkunde, wer irgendetwas Philosophisches in die Hand nimmt, um sich über die hier gemeinten Fragen Aufschluss zu verschaffen, der finder überall eine Betrachtungsweise, welche sozusagen ganz eingeschnürt ist in die Vorstellung, selbst wenn man hinausgeht über das bloße materialistische Denken, in die Vorstellung: Der Mensch ist ein Leibes- und ein Seelenwesen. Die aufgeklärtesten, die eindringlichsten Philosophen beherrscht heute die Vorstellung: Der Mensch ist ein Leibes- und ein Seelenwesen. Gerade dasjenige ist nötig heute zu zeigen, dass diese Vorstellungsweise irreführt, wenn es sich darum handelt, die volle Wesenheit des Menschen zu erforschen. Es ist, wenn man von vorneherein darauf ausgeht, diese Wesenheit des Menschen dadurch zu erforschen, dass man den Menschen mit alledem, was in ihm seelisch und leiblich zutage tritt, dass man diesen Menschen gliedert in Leib und Seele, es ist dann gerade so, wie wenn ein Chemiker eine gewisse Substanz vor sich hat und von vorneherein von dem Vorurteil ausginge, diese Substanz dürfe nur aus zwei Bestandteilen bestehen; und dann macht er seine chemische Analyse, und es kommt nichts Ordentliches dabei heraus. Ein anderer findet, es kann nichts Ordentliches dabei herauskommen, weil die Substanz, die dem Chemiker vorgelegen hat, aus drei Bestandteilen besteht und der sich eingebildet hatte, es müssten nur zwei sein, er müsste nur zwei finden.
[ 14 ] Anyone today who picks up a handbook on the study of the soul—or any philosophical work—in order to gain insight into the questions at hand will find everywhere a perspective that is, so to speak, entirely bound up in the notion—even when one goes beyond mere materialistic thinking—that: Human beings are beings of body and soul. Even the most enlightened and incisive philosophers today are dominated by the notion that human beings are beings of body and soul. What is needed today is precisely to show that this way of thinking is misleading when it comes to exploring the full essence of the human being. If one starts out from the premise that one can investigate the essence of the human being by examining the human being with all that manifests in him or her, both soulfully and physically—that is, by dividing this human being into body and soul— it is just as if a chemist were faced with a certain substance and, from the outset, were to assume that this substance could consist of only two components; and then, when he performs his chemical analysis, nothing meaningful comes of it. Another person concludes that nothing meaningful can come of it because the substance the chemist was examining consists of three components, whereas the chemist had imagined there must be only two—that he would find only two.
[ 15 ] So geht es mit der Betrachtung des Menschenwesens bis heute. Man bildet sich ein, man müsse zwei Bestandteile finden, Leib und Seele. In Wahrheit kommt man nur zurecht, wenn man diese menschliche Wesenheit gliedert in Leib, Seele und Geist. Sonst wird man immer ein unmögliches Gemisch herausbekommen zwischen Geist und Seele, welches ebenso wenig irgendeine wirkliche Aufklärung über das Menschenwesen geben kann, wie es eine Aufklärung geben könnte, wenn man durcheinandermischt das Leibesleben und das Seelenleben, ohne sie in entsprechender Weise zu unterscheiden.
[ 15 ] This is how the view of the human being has persisted to this day. People imagine that they must identify two components: body and soul. In truth, one can only make sense of it by dividing this human being into body, soul, and spirit. Otherwise, one will always end up with an impossible mixture of spirit and soul, which can provide no more real insight into the human being than mixing together bodily life and soul life without distinguishing between them appropriately could.
[ 16 ] Was nun eigentlich gemeint ist, wenn nicht nur getrennt wird das Menschenwesen in ein Seelenwesen und ein Leibeswesen auf der einen Seite, sondern in ein Seelenwesen und ein Geistwesen auf der anderen Seite, das wird klar werden, wenn man einen Blick wirft auf die Art, wie aus dem bloßen menschlichen Erleben, aus dem Erleben des menschlichen Leibeslebens, die physische Wissenschaft vom Menschen, die Biologie, die Physiologie, die Anatomie und so weiter werden.
[ 16 ] What is actually meant when the human being is divided not only into a soul-being and a physical being on the one hand, but also into a soul-being and a spiritual being on the other, will become clear when we take a look at the way in which the physical sciences of the human being—biology, physiology, anatomy, and so on—emerge from mere human experience, from the experience of human bodily life.
[ 17 ] Nehmen wir einen bestimmten Fall, sehr verehrte Anwesende. Der Mensch erfährt im unmittelbaren Leben Hunger, Sättigung, Atmungsbedürfnis und Ähnliches. Dieses sind unmittelbar, ich möchte sagen, innere Erlebnisse. Eigentlich sind sie zunächst zwar vom Materiellen abhängig, aber es sind doch Seelenerlebnisse Hunger, Sättigung, Atmungsbedürfnisse. Der physische Forscher untersucht die leiblichen Grundlagen für Hunger, Sättigung, Atmungsbedürfnisse und dergleichen. Man kann nicht stehen bleiben dabei, dass man den Hunger in verschiedener Weise erlebt, um eine physische Wissenschaft, eine Wissenschaft vom Menschenleibe zu begründen. Derjenige, der nur wollte einen starken und einen schwachen Hunger, einen starken und einen schwachen Durst, oder verschiedenartigen Hunger oder Durst erleben, der würde keine Wissenschaft des physischen Leibes begründen können. Man muss über das bloße innere Erleben hinausgehen, man muss den Leib mit den wissenschaftlichen Methoden untersuchen. Man kommt dann darauf, dass Hunger, Durst und Atmungsbedürfnis gewisse chemische, physische Vorgänge im physischen Menschenleibe entwickeln; man kommt dadurch zur physiologischen, biologischen Wissenschaft vom Menschen. Man muss hinausgehen über das bloß innerlich Erlebte zum Leibe; man muss diesen Leib für sich den Forschungsmethoden unterwerfen.
[ 17 ] Let us consider a specific case, distinguished guests. In everyday life, human beings experience hunger, satiety, the need to breathe, and similar sensations. These are immediate—I would say—inner experiences. Although they are initially dependent on the material world, hunger, satiety, and the need to breathe are, in fact, experiences of the soul. The physical researcher investigates the bodily foundations of hunger, satiety, the need to breathe, and the like. One cannot simply stop at the fact that hunger is experienced in various ways in order to establish a physical science—a science of the human body. Anyone who merely wanted to experience intense and mild hunger, intense and mild thirst, or various kinds of hunger or thirst would not be able to establish a science of the physical body. One must go beyond mere inner experience; one must investigate the body using scientific methods. One then comes to realize that hunger, thirst, and the need to breathe give rise to certain chemical and physical processes in the physical human body; through this, one arrives at the physiological and biological science of the human being. One must go beyond mere inner experience to the body itself; one must subject this body to the methods of research.
[ 18 ] Genau dasselbe, sehr verehrte Anwesende, was man machen muss, um eine physische Wissenschaft nach der einen Seite zu begründen, hinausgehend von den unmittelbaren Erlebnissen, so muss man nach der anderen Seite dann hinausgehen von den seelischen Erlebnissen zu demjenigen, was diesen seelischen Erlebnissen als Geistiges zugrunde liegt, so wie das Leibliche den seelischen Erlebnissen als Leibliches eben zugrunde liegt.
[ 18 ] Exactly the same thing, ladies and gentlemen, that one must do to establish a physical science on the one hand, starting from immediate experiences, one must, on the other hand, proceed from psychological experiences to that which underlies these psychological experiences as the spiritual, just as the physical underlies psychological experiences as the physical.
[ 19 ] Wenn wir auf das Leibliche sehen, so können wir sagen: Der Physiker, der physische Forscher findet gewisse Stoffwechselvorgänge im Leiblichen, welche entsprechen den inneren Erlebnissen von Hunger, Durst, Atmungsbedürfnis. Die Frage muss entstehen: Gibt es nun auch — wenn ich den zunächst natürlich ganz paradoxen Ausdruck gebrauchen darf —, gibt es denn auch etwas, was entspricht dem seelischen Erlebnis nach der anderen Seite, sodass man es nennen könnte «Geistwechsel», im Gegensatz zu «Stoffwechsel»? Es klingt gewiss zunächst paradox, wenn man [so, wie man] auf der einen Seite von Stoffwechsel spricht, was etwas so Selbstverständliches ist, weil es einer anerkannten Wissenschaft angehört, wenn man auf der anderen Seite von Geistwechsel spricht. Dennoch werden wir gerade heute zu zeigen versuchen, dass dieser paradoxe Ausdruck durchaus einer Wirklichkeit entspricht.
[ 19 ] When we look at the physical body, we can say: The physicist, the researcher of the physical, finds certain metabolic processes in the body that correspond to the inner experiences of hunger, thirst, and the need to breathe. The question must arise: Is there also—if I may use this initially quite paradoxical expression—is there also something that corresponds to the psychological experience on the other side, so that one could call it “spiritual metabolism,” as opposed to “metabolism”? It certainly sounds paradoxical at first when, on the one hand, one speaks of metabolism—which is something so self-evident because it belongs to a recognized science—and, on the other hand, one speaks of “spiritual metabolism.” Nevertheless, we will attempt to show today that this paradoxical expression does indeed correspond to reality.
[ 20 ] Ebenso wenig, wie man in der Lage ist, durch die bloße innerliche Beobachtung von Hunger, Durst, Atmungsbedürfnis eine physische Wissenschaft zu begründen, ebenso wenig ist man imstande, wenn man bloß innerlich das Seelische, das da auf- und abwogt im Denken, Fühlen und Wollen, wenn man bloß das untersucht, als innerliche Erlebnisse untersucht, eine Geisteswissenschaft zu bekommen. Man muss sich da klarmachen, dass für das gewöhnliche Bewusstsein, für das alltägliche Leben das Leibliche eigentlich nur so recht seine Außenseite dem Menschen zukehrt. Was weiß denn der Mensch im gewöhnlichen Leben, wenn er in die physische Wissenschaft eintritt, von all den komplizierten körperlichen Vorgängen, von den physikalisch-chemischen Vorgängen, welche die physische Wissenschaft zutage fördert als dasjenige, was leiblich Hunger, Durst, Atmungsbedürfnis und dergleichen zugrunde liegt? Vergleichen Sie nur dasjenige, was dem gewöhnlichen, alltäglichen Leben vom Leibe zugekehrt ist, etwa von seiner äußeren Gestalt, etwa von seiner Bewegungsfähigkeit, von seiner Physiognomie, vergleichen Sie dieses, was dem gewöhnlichen Leben da vorliegt, was jeder wissen kann, ohne in die physische Wissenschaft vom Menschen einzudringen, vergleichen sie das mit demjenigen, was Anatomie, Physiologie, Biologie gibt, dann werden Sie das Verhältnis des gewöhnlichen Erlebens mit Bezug auf das Leibliche zur wissenschaftlichen Forschung haben.
[ 20 ] Just as one is unable to establish a physical science based solely on the internal observation of hunger, thirst, or the need to breathe—one is equally incapable of establishing a spiritual science merely by examining the inner workings of the soul—which ebbs and flows in thinking, feeling, and willing—and by investigating these solely as inner experiences. One must realize that, for ordinary consciousness and everyday life, the physical actually presents only its outer aspect to human beings. What does a person in ordinary life actually know, when they enter the realm of physical science, about all the complex bodily processes—the physical and chemical processes that physical science brings to light as the very foundations of physical hunger, thirst, the need to breathe, and the like? Just compare what is revealed to ordinary, everyday life regarding the body—for example, its external form, its ability to move, its physiognomy—compare this, what is present in ordinary life, what anyone can know without delving into the physical science of the human being; compare that with what anatomy, physiology, and biology—and you will understand the relationship between ordinary experience of the physical body and scientific research.
[ 21 ] Nun kann man nach der anderen Seite sagen, dass vom Geiste dem Menschen ebenso wenig oder ebenso viel zugewendet ist, wie von der Leibesseite her die äußere Gestalt, und dass von dieser geistigen Seite her dem Menschen ebenso wenig oder ebenso viel verborgen ist, als dem gewöhnlichen Leben verborgen ist von den Vorgängen, die erst die physische Wissenschaft erforscht.
[ 21 ] Now, looking at it from the other side, one could say that the spirit is just as little or just as much revealed to human beings as the outer form is from the physical side, and that just as little or just as much is hidden from human beings on this spiritual side as is hidden from ordinary life by the processes that physical science is only now beginning to investigate.
[ 22 ] Was ist denn von dem Geiste aus dem menschlichen inneren Erleben eigentlich zugewendet? Nun, wir werden heute sehen, dass dasjenige, was dem Menschen von seinem geistigen Leben zugewendet ist, was er aber im gewöhnlichen Bewusstsein gar nicht einmal zunächst immer als solches anerkennt, nichts anderes ist als dasjenige, das er in das einfache, eindeutige, aber doch vielsagende Wort «Ich» zusammenfasst. Dieses Ich werden wir als Geistiges erkennen, aber es verhält sich zu dem gesamten Geiste, wie sich das, was als äußere Gestalt, als Physiognomie, als Bewegung der Glieder dem gewöhnlichen Leibe zugewendet ist, verhält zur Physiologie, zur Biologie, zur Wissenschaft vom Leibe. Und wie man nicht kommen kann, wenn man ein bisschen oder stark hungert, oder den Hungerzustand mit anderen vergleicht, oder sich in den Hunger versenkt, wie man niemals dadurch zur Wissenschaft des Leibes kommen kann, so kann man auch nicht kommen durch das Sich-Versenken in das zunächst erlebbare Vorstellen, Fühlen und Denken zu einer Wissenschaft des Geistes des Menschen.
[ 22 ] What, then, is actually directed toward the human being from the spirit within human inner experience? Well, we shall see today that what is directed toward the human being from his spiritual life—though in ordinary consciousness he does not always recognize it as such at first—is nothing other than that which he sums up in the simple, unambiguous, yet highly significant word “I.” We will recognize this “I” as spiritual, but it relates to the totality of the spirit just as that which is directed toward the ordinary body—in the form of external appearance, physiognomy, and limb movement—relates to physiology, biology, and the science of the body. And just as one cannot arrive at the science of the body by being a little or very hungry, by comparing one’s state of hunger with others, or by immersing oneself in hunger—just as one can never arrive at the science of the body through these means—so, too, one cannot arrive at a science of the human spirit by immersing oneself in the initially perceptible processes of imagination, feeling, and thinking.
[ 23 ] Das muss schon einmal durchschaut werden, dass die sogenannte Mystik, das sogenannte Versenken in das eigene Innere, [das] in einer etwas anderen Weise dieses Innere Erleben-Wollen, als man es im gewöhnlichen Leben durchmacht, dass diese Mystik, dieses innere Versenken ebenso wenig zu einer Wissenschaft vom Geiste führen kann, wie führen kann ein verschiedenartiges Erleben von Hunger, Durst und Atmungsbedürfnis zu einer Wissenschaft vom Leibe. Wie hinausgegangen werden muss zum Leibe von dem bloßen inneren Erleben von Hunger und Durst zu den Dingen, die die wissenschaftliche Methode liefert, so muss hinausgegangen werden auch aus dem bloßen mystischen Seelenleben zu dem, was, geistig aber jetzt eben, geistig außerhalb dieses Seelenlebens ist. Und dieses Geistige muss allerdings nun mit geistigen Methoden ebenso erforscht werden, im strengsten Sinne wissenschaftlich erforscht werden, wie das menschliche Leibesleben wirklich erforscht wird.
[ 23 ] It must first be understood that so-called mysticism—this so-called immersion in one’s own inner self, [which] is a somewhat different way of seeking to experience this inner self than what one goes through in ordinary life—that this mysticism, this inner immersion, can no more lead to a science of the spirit than a different kind of experience of hunger, thirst, and the need to breathe—cannot lead to a science of the body. Just as one must move outward from the mere inner experience of hunger and thirst to the things that the scientific method provides, so too must one move outward from the mere mystical life of the soul to that which is, spiritually speaking, outside of this life of the soul. And this spiritual realm must indeed now be investigated with spiritual methods—investigated scientifically in the strictest sense—just as human physical life is truly investigated.
[ 24 ] Nun sind allerdings die Methoden zur Erforschung des geistigen Lebens eben geistige und daher durchaus anders als diejenigen, mit denen sich die äußere Naturwissenschaft befassen kann. Und es wird nun zunächst meine Aufgabe sein, auf den Sinn und die Bedeutung der geisteswissenschaftlichen Methode hinzuzeigen. Man kann nicht glauben, sehr verehrte Anwesende, dass jemand zur Erforschung des geistigen Lebens kommen kann, wenn er nicht im gewöhnlichen alltäglichen Seelenleben auf gewisse Dinge kommt. Ohne dass man im gewöhnlichen alltäglichen Seelenleben, in dem man sein eigenes Innere verfolgt, auf gewisse Dinge kommt, wird man nicht zum Geistesforscher sich heranerziehen können. Solange man mit diesem gewöhnlichen alltäglichen Seelenleben so recht zufrieden ist, solange man mystisch sich befriedigt, wenn man die mystische Wollust sich bereitet, sich in dieses Seelenleben als solches nur so recht zu versenken, wird man auch nicht zum wirklichen Geistesforscher sich erziehen können. Dasjenige, was zunächst wirkliche Vorbedingung für die Geistesforschung ist, das ist, dass man in einer gewissen Richtung das Ungenügende des gewöhnlichen Seelenlebens aus diesem selbst empfindet. Ich habe in früheren Vorträgen darauf hingewiesen, dass insbesondere hineinführen kann in diese Stimmung, die ich eben jetzt angedeutet habe, die Beschäftigung mit den sogenannten Grenzfragen der Wissenschaft. Ich weise da immer sehr gerne auf eine wirklich recht bezeichnende Grenzfrage hin, welche beim Ringen nach einer Weltanschauung dem bedeutsamen Forscher Friedrich Theodor Vischer aufgestoßen ist. Er kam — Sie können das Betreffende nachlesen in seiner schönen Abhandlung über «Die Traumphantasie» —, er kam darauf, nachzudenken: Wie verhält sich eigentlich das Seelische zum Leiblichen? Und da kam er so recht auf eine Grenzfrage des menschlichen Erkennens. Er sagt, der sogenannte V-Vischer: Es ist gewiss, dass das Seelische nicht im Leibe sein kann; es ist aber ebenso gewiss, dass es nicht außerhalb des Leibes gesucht werden kann. — Also, er kommt auf einen vollständigen Widerspruch. Solch ein Widerspruch ergibt sich an vielen Orten, wenn man das Erkennen nicht bloß zu einer äußerlich erfassten Tatsache macht, sondern wenn man innerlich wirklich mit der Erkenntnis zu ringen hat.
[ 24 ] However, the methods for researching spiritual life are, by their very nature, spiritual and therefore quite different from those used in the natural sciences. And my task now will be, first of all, to point out the meaning and significance of the spiritual scientific method. One cannot believe, ladies and gentlemen, that anyone can come to the study of spiritual life unless they encounter certain things in their ordinary, everyday inner life. Without encountering certain things in one’s ordinary, everyday inner life—in which one observes one’s own inner world—one will not be able to train oneself to become a researcher of the spiritual. As long as one is quite content with this ordinary, everyday life of the soul, as long as one finds mystical satisfaction in indulging in the mystical pleasure of simply immersing oneself in this life of the soul as it is, one will not be able to train oneself to become a true spiritual researcher. The very first prerequisite for spiritual research is that one senses, in a certain sense, the inadequacy of ordinary spiritual life from within that life itself. I have pointed out in earlier lectures that engaging with the so-called “borderline questions” of science can, in particular, lead one into the state of mind I have just described. I always take great pleasure in pointing out a truly significant frontier question that arose for the eminent researcher Friedrich Theodor Vischer in his struggle to formulate a worldview. He came—you can read about this in his fine treatise on “The Dream Fantasy”—he came to ponder: What is the actual relationship between the soul and the body? And in doing so, he truly arrived at a boundary question of human cognition. He—the so-called V. Vischer—says: It is certain that the soul cannot be within the body; but it is equally certain that it cannot be sought outside the body. — Thus, he arrives at a complete contradiction. Such a contradiction arises in many places when one does not merely treat cognition as an externally grasped fact, but when one must truly grapple with the insight from within.
[ 25 ] Gerade diejenigen, die etwas wissen von diesem Ringen nach Erkenntnis, die sprechen von Hunderten und Hunderten solcher Grenzpunkte des Erkennens. Nur oberflächliche Gemüter beruhigen sich dann bei solchen Grenzfragen, indem sie sagen: So weit reicht eben das menschliche Erkennen, darüber kann es nicht hinauskommen. Wenn man sich dabei beruhigt, indem man sich eine solche Auskunft gibt, wird man allerdings nicht in die wirkliche Geistesforschung hineinkommen können. Denn nicht darum handelt es sich, sehr verehrte Anwesende, dass man allerlei Logisches solchen Grenzfragen gegenüber entwickelt, sondern dass man sich mit seinem ganzen ringenden Seelenleben in solche Grenzfragen hineinbegibt, dass man sie durchlebt, dass man [die] Logik gewissermaßen da aufgibt, wo sie nicht mehr anwendbar ist, dass man das Lebendige des Gegensatzes, des Widerspruches eines solchen Grenzgebietes der gewöhnlichen menschlichen Erkenntnis auf seine Seele abladen kann. Wenn man solche Grenzfragen nicht nur wie Ruhekissen betrachtet, an denen man liegen bleiben will, um nicht weiterzugehen, sondern wenn man sie erlebt, so findet man gerade durch dasjenige, was da als lebendiger Widerspruch wallt und lebt, dass das innere seelische Leben sich an einem Punkte so anfacht, wie es nicht angefacht ist im gewöhnlichen Erleben: dass es gerade an diesen Grenzpunkten hinauskommen kann über das gewöhnliche Erleben.
[ 25 ] It is precisely those who know something of this struggle for knowledge who speak of hundreds and hundreds of such limits to knowledge. Only superficial minds find peace in the face of such questions of limits by saying: This is simply as far as human knowledge extends; it cannot go beyond this. If one contented oneself with such an explanation, one would, however, be unable to enter into true spiritual research. For the point, dear audience, is not to develop all sorts of logical arguments in the face of such boundary questions, but to enter into them with one’s entire struggling inner life, to live through them, to [in a sense] abandon logic where it is no longer applicable, and that one can allow the living essence of the opposition, of the contradiction in such a frontier region of ordinary human knowledge, to settle upon one’s soul. If one regards such frontier questions not merely as cushions on which to rest, on which one wishes to remain lying down so as not to go any further, but if one experiences them, then one finds, precisely through that which surges and lives there as a living contradiction, that one’s inner spiritual life is kindled at a certain point in a way it is not kindled in ordinary experience: that it is precisely at these boundary points that it can transcend ordinary experience.
[ 26 ] Dazu gehört allerdings, um sich an solchen Punkten gehörig zurechtzufinden, dass man innerlich geistig ins Auge fassen kann, wie der Mensch in gewissen Augenblicken seines Lebens nicht über sich hinauskommen kann und doch wiederum über sich hinausweist. Es gehört dazu, dass man eine gewisse innere Stimmung entwickelt, die das Ergebnis sein kann des Lebens an solchen Grenzpunkten der Erkenntnis. Diese Stimmung, die kann man mit den folgenden Worten kennzeichnen. Die Kennzeichnung nimmt sich recht einfach aus; das Erleben, das man durch eine solche Stimmung haben kann, ist etwas tief, tief in die Seele Einschneidendes. Erlebt man solche Grenzfragen richtig, so sagt man sich nicht: Da sind Grenzen der menschlichen Erkenntnis, sondern man sagt sich: Mit alledem, was du dir erworben hast an Denken, an Forschen über die äußere sinnlich-physische Welt, mit dem kannst du solche Grenzen nicht überschreiten. Du kannst dir eine gewisse Resignation, einen gewissen Verzicht auferlegen; du kannst lernen, an solchen Punkten nicht entscheiden zu wollen über das Übersinnliche mit dem, was du im Sinnlichen gelernt, erfahren hast.
[ 26 ] However, in order to properly navigate such points, one must be able to mentally grasp how, at certain moments in life, a person cannot transcend themselves and yet, at the same time, points beyond themselves. It involves developing a certain inner disposition that can result from living at such thresholds of knowledge. This disposition can be described with the following words. The description itself seems quite simple; yet the experience one can have through such a disposition is something that cuts deeply, deeply into the soul. If one experiences such threshold questions correctly, one does not say to oneself: “There are limits to human knowledge,” but rather: “With all that you have acquired through thinking and research into the outer, sensory-physical world, you cannot transcend such limits. You can impose a certain resignation, a certain renunciation upon yourself; you can learn not to attempt to make judgments about the supersensible at such points based on what you have learned and experienced in the sensory realm.”
[ 27 ] Sehen Sie, an diesen Punkten liegen die Haupthemmnisse für die meisten Menschen, um in die Geisteswissenschaft hineinzukommen. Sie sehen solche Grenzen der Erkenntnis, aber dann haben sie nicht den Mut zum Verzicht, den Mut zur Resignation. Sie sagen sich nicht: Mit dem, was du aus der sinnlichen Welt erlernt und erfahren hast, kannst du überhaupt gar nicht versuchen, in die geistige übersinnliche Welt hineinzukommen, sondern sie versuchen, über diese Grenzen hinaus, sei es auch nur negativ, mit ihrem an dem Sinnlichen erlernten Begriffs- und Ideenmaterial einzudringen. Der eine, indem er allerlei Hypothesen aufbaut über das, was im Übersinnlichen sein kann; der andere, indem er von dem Sinnlichen aus das Übersinnliche ganz ablehnt, sich also anmaßt, über das Übersinnliche mit den an der Sinnlichkeit gewonnenen Begriffen doch ein Urteil fällen zu können. Auch diejenigen haben nicht verstanden das Erleben an den Erkenntnisgrenzen, welche, wie etwa die Materialisten, Monisten oder dergleichen, durch diejenigen Ideen und Begriffe, welche am Sinnenleben gewonnen sind, nun anfangen zu entscheiden, dass es jenseits des Sinnlichen überhaupt nichts mehr gibt.
[ 27 ] You see, these are the main obstacles preventing most people from entering the realm of spiritual science. They perceive such limits to knowledge, but then they lack the courage to let go, the courage to accept these limitations. They do not say to themselves: “With what you have learned and experienced from the sensory world, you cannot even begin to attempt to enter the spiritual, supersensory world”; rather, they try to penetrate beyond these limits—even if only in a negative way—using the concepts and ideas they have acquired from the sensory world. One does so by constructing all manner of hypotheses about what might exist in the supersensible; the other by completely rejecting the supersensible on the basis of the sensible, thus presuming to be able to pass judgment on the supersensible using concepts derived from the sensible realm. Nor have those understood the experience at the limits of knowledge who—such as materialists, monists, or the like—begin, on the basis of the ideas and concepts derived from sensory life, to conclude that there is nothing at all beyond the sensory realm.
[ 28 ] Hier ist der Punkt, wo etwas ganz Besonderes im menschlichen Seelenleben eintreten muss, wo dasjenige, was ich eben charakterisiert habe, dass man Verzicht leistet mit den Begriffen, die an der Sinneswelt gewonnen sind, dass man damit nicht nur ein Bekenntnis, nicht nur irgendetwas Intellektuell-Logisches zum Ausdrucke bringen will, sondern dass diese Verzichtleistung eine innerlich intellektuelle Tugend wird, etwas wird, was sich — wenn ich mich des Ausdruckes bedienen darf — einfrisst in das menschliche Seelenleben, sodass man wirklich gerade ein feines Gefühl hat an bestimmten Punkten: Da darfst du nicht hinaus mit demjenigen, was du am Sinnlichen erfahren hast. Dann, wenn dieser Verzicht nicht bloß ein logisches Bekenntnis, irgendein intellektueller Schluss ist, sondern wenn es eine innerliche Tugend ist, dann strahlt, ich möchte sagen, dieser Tugendverzicht nach dem inneren Seelenleben, und dann geht dasjenige, worauf man nach außen hin verzichtet hat, in das innere Seelenleben über. Und man wird durch einen solchen Verzicht geeignet, jene beiden geistigen Verrichtungen wirklich im Laufe der Zeit zu machen, welche notwendig sind, um von der seelischen Welt des menschlichen Erlebens in die geistige Welt einzudringen.
[ 28 ] This is the point where something quite special must occur in the life of the human soul—where what I have just described—the renunciation of concepts derived from the sensory world—is not merely a commitment, not merely to express some intellectual-logical concept, but that this renunciation becomes an inner intellectual virtue, something that—if I may use the expression—takes root in the life of the human soul, so that one truly has a subtle sense at certain points: You must not go beyond what you have experienced in the sensory world. Then, when this renunciation is not merely a logical confession or some intellectual conclusion, but when it is an inner virtue, then—I would say—this virtuous renunciation radiates into the inner life of the soul, and then that which one has renounced outwardly passes into the inner life of the soul. And through such renunciation, one becomes capable, over time, of truly performing those two spiritual tasks that are necessary to penetrate from the soul world of human experience into the spiritual world.
[ 29 ] Denn dazu sind notwendig zwei innere Verrichtungen, die aber, wie Sie aus dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» ersehen können, viele, viele einzelne Verrichtungen notwendig machen, ich möchte sagen, die nur zusammengefasst werden in diese zwei Hauptziele, dazu sind notwendig zwei Hauptverrichtungen: Die eine ist, zur wirklichen Selbstbeobachtung zu kommen; die andere Verrichtung besteht darin, dass man ein seelisch-geistiges Erleben erzielt, welches nicht mehr vom Leiblichen abhängig ist, sondern welches im rein Geistigen verläuft. So paradox es für die heutige Menschheit noch klingt, so muss doch gesagt werden: Diese zweite Verrichtung besteht darin, dass der Mensch sein geistig-seelisches Leben so gestaltet, dass er mit diesem geistig-seelischen Erleben als Geistesforscher nicht mehr im Leibe ist, sondern dass er außerhalb des Leibes ist.
[ 29 ] For this requires two inner practices; however, as you can see from the book How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?, these entail many, many individual practices—I would say that they are merely summarized under these two main goals. To this end, two main practices are necessary: One is to attain true self-observation; the other consists in achieving a soul-spiritual experience that is no longer dependent on the physical, but which takes place in the purely spiritual realm. As paradoxical as it may still sound to humanity today, it must nevertheless be said: This second task consists in the human being shaping his spiritual-soul life in such a way that, as a spiritual researcher, he is no longer in the body with this spiritual-soul experience, but rather exists outside the body.
[ 30 ] Das ist gewiss etwas, was als eine vollständige Torheit erscheint denjenigen, die da glauben, fest in der naturwissenschaftlichen Weltanschauung drinnenzustehen. Aber das ist dasjenige, was durch die Geisteswissenschaft ebenso der Menschheit klar werden wird als etwas, was allerdings zu vielen Vorstellungen im entgegengesetzten Sinne des bisher Gewohnten sich verhält, wie sich einmal die kopernikanische Weltanschauung entgegengesetzt verhalten hat zu demjenigen, was man bis dahin gewohnt war über das Verhältnis der Planeten zur Sonne zu denken.
[ 30 ] This is certainly something that appears to be utter folly to those who believe they are firmly grounded in the scientific worldview. But this is precisely what spiritual science will make clear to humanity—even though it stands in contrast to many ideas in a way that is the opposite of what we have been accustomed to, just as the Copernican worldview once stood in contrast to what people had previously been accustomed to thinking about the relationship of the planets to the Sun.
[ 31 ] Sehr verehrte Anwesende, das, was man im gewöhnlichen Sinne Selbstbeobachtung nennt, dieses Hineinbrüten in die Seele, das ist nicht mit wahrer Selbstbeobachtung im geisteswissenschaftlichen Sinne gemeint. Man kann ja allerdings ausgehen, um sozusagen die Richtung nach der wahren Selbstbeobachtung zu gewinnen, von diesem Sich-selbst-Bebrüten, aber die wahre Selbstbeobachtung muss in einer viel, viel ernsteren Weise, in einer viel, viel energischeren Weise in Angriff genommen werden. Denn diese Selbstbeobachtung schließt etwas ein, was selbst von ernsten Seelenforschern für unmöglich erklärt wird. Ich habe es auch hier schon erwähnt in früheren Vorträgen, dass ernste Philosophen, wenn sie von der menschlichen Seele sprechen, als etwas Charakteristisches anführen, dass das Seelenleben in einer gewissen Weise sich nicht selbst beobachten kann. Da wird hingewiesen darauf: Wenn man ein Gedicht auswendig gelernt hat und will es hersagen, und will sich zu gleicher Zeit selber im Hersagen beobachten, so beginnt man zu stottern, man unterbricht sich. Man kann nicht zu gleicher Zeit eine solche Verrichtung pflegen und dabeistehen und sich beobachten. Das wird gerade als etwas Charakteristisches angeführt für die menschliche Seele, dass sie das nicht kann.
[ 31 ] Ladies and gentlemen, what is commonly referred to as self-observation—this brooding over one’s soul—is not what is meant by true self-observation in the spiritual-scientific sense. One can, of course, start from this kind of self-absorption, so to speak, in order to find the path toward true self-observation, but true self-observation must be undertaken in a much, much more serious way, in a much, much more energetic way. For this self-observation involves something that even serious researchers of the soul have declared impossible. I have already mentioned here in earlier lectures that serious philosophers, when speaking of the human soul, cite as a characteristic feature that the life of the soul, in a certain sense, cannot observe itself. They point out: If one has memorized a poem and wants to recite it, and at the same time wants to observe oneself while reciting, one begins to stutter; one interrupts oneself. One cannot simultaneously perform such an act, stand by, and observe oneself. This is cited precisely as a characteristic feature of the human soul—that it is incapable of doing so.
[ 32 ] Nun muss allerdings gesagt werden: Für diejenigen, die als etwas ganz Unmögliches das letztlich Charakterisierte anführen, ist die Auseinandersetzung mit der Geisteswissenschaft hoffnungslos, denn das, was als Unmöglichkeit angeführt wird, das muss gerade für den Geistesforscher erlangt werden. Diejenige Fähigkeit, deren Gang man sich im gewöhnlichen Leben zum Bewusstsein bringen kann, indem man sich als Rezitierender selbst beobachtet und sich zum Stottern bringt, diese Fähigkeit muss man sich gerade aneignen als Geistesforscher. Man muss eben dahin kommen, gewissermaßen das innere Seelenleben so sehr entzweizuschlagen, dass man dem, was man auf der einen Seite verrichtet, als wissenschaftlicher Beobachter gegenüberstehen kann. Es ist nicht so sehr wichtig, dass man das für das Aufsagen eines Gedichtes lernt, obwohl man es auch da dahin bringen kann, wenn man nur die nötige Übung darauf anwendet, und es wird eine gute Vorbereitung sein zu der eigentlichen Übung des Selbstbeobachtens, wenn man das vornimmt. Wenn man es wirklich dahin bringt, dass das Hersagen des Gedichtes, mit allen Gefühlsnuancen selbstverständlich, so, ich möchte sagen, automatisch wird, wenn ich mich des groben Ausdrucks bedienen darf, dass man nicht sich unterbricht, wenn man sich zu gleicher Zeit in diesem Hersagen beobachtet; es kann [das] eine Vorbereitung sein.
[ 32 ] It must be said, however: For those who cite the ultimate characteristic as something entirely impossible, engaging with spiritual science is a hopeless endeavor, for what is cited as an impossibility is precisely what the spiritual scientist must attain. That very ability—the process of which one can become aware in everyday life by observing oneself while reciting and deliberately causing oneself to stutter—is precisely the ability one must acquire as a researcher of the spirit. One must, in a sense, succeed in splitting one’s inner soul life so thoroughly that one can stand as a scientific observer facing what one is doing on one side. It is not so important to learn this for the purpose of reciting a poem, although one can achieve that as well if one applies the necessary practice to it; and it will serve as good preparation for the actual practice of self-observation if one undertakes it. If one truly manages to reach the point where reciting the poem—with all its emotional nuances, of course—becomes, so to speak, automatic—if I may use that crude expression—so that one does not interrupt oneself while simultaneously observing oneself in the act of reciting; this can serve as preparation.
[ 33 ] Aber das Wichtige ist nicht, die Sache auf solche Äußerlichkeiten anzuwenden, sondern das Wichtige ist, dass man auf inneres Seelenerleben selbst solches anwendet; dass man es dahin bringt, sich gewissermaßen bei dem Aufeinanderfolgen der Gedanken, bei dem Denken, bei dem Vorstellen selber zuzuschauen, sodass man diesen Gedankenprozess sich abspielen lassen kann und auf der anderen Seite diesem Abspielen mit vollem Bewusstsein zuschauen kann.
[ 33 ] But the important thing is not to apply this to such external matters; rather, the important thing is to apply it to one’s own inner spiritual experience; that one brings oneself to, so to speak, observe oneself in the succession of thoughts, in thinking, and in imagining, so that one can allow this thought process to unfold and, at the same time, observe this unfolding with full consciousness.
[ 34 ] Auf welche Weise man es dahin bringt, das zu schildern, würde jetzt zu weit führen. Sie können es in meinen Büchern «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», in der «Geheimwissenschaft», auch in dem Buche «Vom Menschenrätsel» und in ähnlichen Büchern nachlesen. Das ist durchaus möglich, auf diesem Wege zur wahren Selbstbeobachtung zu kommen. Diese Selbstbeobachtung ist dann nicht ein bloßer intellektueller Vorgang oder ein mystischer Vorgang, sondern diese Selbstbeobachtung ist etwas Reales, denn es ist der erste Anfang zu dem Heraustreten des Geistigen aus dem bloß Seelischen. Das seelische Erleben wird beobachtet von dem wirklich den Austritt aus dem Seelischen versucht habenden Geiste. Aber das ist nur die eine Seite desjenigen, was zu beobachten ist.
[ 34 ] Explaining exactly how to go about describing this would take us too far afield here. You can read about it in my books How Does One Gain Insight into the Higher Worlds?, Esoteric Science, as well as in The Mystery of Man and similar works. It is entirely possible to arrive at true self-observation in this way. This self-observation is then not merely an intellectual or mystical process, but rather something real, for it is the very first step toward the emergence of the spiritual from the merely soul-based. The spiritual experience is observed by the spirit that has truly attempted to step out of the soul. But that is only one side of what is to be observed.
[ 35 ] Nun muss gesagt werden, dass dasjenige, was ich vorhin genannt habe Verzicht, Resignation auf das Hineindringen in das Übersinnliche nach den Begriffen, nach den Gesetzen, die man aus der sinnlichen Welt entlehnt hat, dass dieses, wenn es zur Tugend geworden ist, wenn es sich ausbreitet über das ganze seelische Leben, wirklich hervorruft mehr als dasjenige, was man im gewöhnlichen Leben Bescheidenheit nennt, hervorruft eine innerliche intellektuelle Bescheidenheit und Demut, die einen erst geeignet macht, solche Selbstbeobachtung zu üben, wie die ist, von der ich eben gesprochen habe. Man ist vorher, bevor man diese intellektuelle Tugend über seine Seele ausgestrahlt hat, ich möchte sagen, in seiner Seele nicht intim genug organisiert, um solche Selbstbeobachtung ausführen zu können.
[ 35 ] Now it must be said that what I referred to earlier as renunciation—the resignation from attempting to penetrate the supersensible realm using concepts and laws borrowed from the sensory world—that this, when it has become a virtue, when it extends throughout one’s entire spiritual life, truly brings about more than what is commonly called modesty in everyday life; it brings about an inner, intellectual modesty and humility that alone makes one capable of practicing the kind of self-observation I have just spoken of. Before one has radiated this intellectual virtue throughout one’s soul—I might say—one’s soul is not organized intimately enough to be able to carry out such self-observation.
[ 36 ] Auf der anderen Seite ist aber noch etwas anderes notwendig. Was wird denn erreicht, wenn man solche Selbstbeobachtung erreicht? Nun, sehr verehrte Anwesende, erreicht wird, wenn man solche Selbstbeobachtung übt, dass in einer gewissen Weise der Mensch dasjenige, was sonst fortwährend stört seine seelische Verrichtung, dass er das willkürlich in seine Hand bekommt, dass in einer gewissen Weise sein Wille gestärkt wird, erkräftigt wird, aus dem Seelischen herausgetrieben wird in das Geistige. Aber es muss noch etwas anderes angestrebt werden: Es muss der Wille, der Wille selbst eine andere Richtung bekommen, eine andere Betätigungsweise in der Seele bekommen. Das kann er nur dann bekommen, wenn der Mensch diesen Willen nicht, wie er gewohnt ist im bloß äußerlichen Leben, [ihn] auf äußere Verrichtungen anzuwenden, wenn er diesen Willen auf innere Verrichtungen anwendet. Der Mensch ist ja gewöhnt, indem er in seinen sinnlichen Wahrnehmungen und in den Vorstellungen lebt, die von diesen sinnlichen Wahrnehmungen entlehnt sind, der Mensch ist gewöhnt, sich von der Sinneswelt über die Folge, in der er seine Gedanken sich bildet, unterrichten zu lassen. Der Mensch lässt einen Gedanken auf den anderen folgen, weil er gegenübersteht erst einem Ereignisse der Sinneswelt, dann dem zweiten, und so weiter.
[ 36 ] On the other hand, however, something else is necessary. What, then, is achieved when one attains such self-observation? Well, ladies and gentlemen, when one practices such self-observation, what is achieved is that, in a certain sense, the human being gains voluntary control over that which otherwise constantly disrupts the workings of the soul; that, in a certain sense, the will is strengthened, invigorated, and driven out of the soul into the spiritual realm. But something else must also be strived for: the will—the will itself—must take on a different direction, a different mode of activity within the soul. It can achieve this only if a person does not apply this will to external activities, as is customary in mere external life, but rather applies it to inner activities. After all, human beings are accustomed—as they live within their sensory perceptions and in the ideas derived from these sensory perceptions—to allowing the sensory world to instruct them through the sequence in which they form their thoughts. People let one thought follow another because they are confronted first with one event in the sensory world, then with a second, and so on.
[ 37 ] Nach der Folge der äußeren Erlebnisse lässt der Mensch seine Gedanken folgen, und er gewöhnt sich im gewöhnlichen Leben wenig daran, den Willen hin[ein]zuleiten in dieses Gedankenleben, in die inneren Seelenvorgänge, die gerade durch die wahre Selbstbeobachtung beobachtet werden sollen. Das aber muss er, wenn er Geistesforscher wird; er muss versuchen, und zwar lange und energisch und geduldig versuchen, gewissermaßen den Willen hinzuleiten in das Denken, in das Vorstellen. Er muss immer wieder und wiederum versuchen, denjenigen Seelenprozess durchzuführen, den man in einem objektiven, echten Sinne nennen kann: Meditieren, inneres Sinnen, aber nicht ein träumerisch-mystisches Sinnen, sondern ein solches, welches einen realen Vorgang im Inneren vorstellt, sodass dadurch wirklich der Wille in das Denken hineingeführt wird. Während man sonst gewöhnt ist, Vorstellung an Vorstellung zu gliedern nach äußeren Vorstellungen, bemüht man sich in besonderen Augenblicken des Lebens, Vorstellungen zu bilden, die man nun in übersichtlicher Weise bloß durch inneren Willen aneinanderreiht; man leitet den Willen in das Vorstellungsleben hinein. Man lernt dadurch erkennen, welches Verhältnis bestehen kann zwischen dem inneren Willen des Menschen und dem Vorstellungsleben. Das lernt man im gewöhnlichen Bewusstsein gar nicht kennen.
[ 37 ] People allow their thoughts to follow the sequence of external experiences, and in everyday life they are not accustomed to directing their will into this life of thought—into the inner processes of the soul that are precisely what should be observed through true self-observation. But this is precisely what they must do if they are to become spiritual researchers; they must try—and try for a long time, energetically, and patiently—to direct their will, so to speak, into their thinking and their imagination. They must try again and again to carry out that soul process which, in an objective, genuine sense, can be called meditation or inner contemplation—not a dreamy, mystical contemplation, but one that represents a real inner process, so that through it the will is truly directed into thinking. Whereas one is otherwise accustomed to structuring one image after another according to external images, in special moments of life one strives to form images that are now arranged in a clear and orderly manner solely through inner will; one guides the will into the life of the imagination. Through this, one learns to recognize the relationship that can exist between a person’s inner will and their life of imagination. This is something one never comes to know in ordinary consciousness.
[ 38 ] Ich möchte, um mich auf diesem Punkt besonders klarzumachen, das Folgende zur Erläuterung geben: Man denke sich einmal — morgen werde ich noch genauer darüber sprechen —, man denke sich, der Mensch lebe halb schlafend in Träumen. Er weiß ganz gut, diese Träume, sie sind Bilder, welche nach gewissen Gesetzen vor seiner Seele vorüberhuschen. Diese Bilder, sie wogen auf und ab. Der Mensch kann sie nicht durch seinen Willen beherrschen, indem sie zunächst für das gewöhnliche Leben als Traumbilder auftreten. Könnte der Mensch es dahin bringen, sich im Halbschlafe so willentlich aufzuraffen, dass er die Traumbilder willkürlich aneinanderreihen könnte, dann wäre er ungefähr in jenem Zustand, den ich eigentlich jetzt meine, in dem Zustand gegenüber den selbstgemachten Vorstellungen, in denen der eigene Wille waltet.
[ 38 ] To make my point particularly clear on this matter, I would like to offer the following explanation: Just imagine—I will speak about this in even greater detail tomorrow—just imagine that a person lives half-asleep in dreams. He knows full well that these dreams are images that flit past his soul according to certain laws. These images ebb and flow. A person cannot control them through his will, since they initially appear as dream images in ordinary life. If a person could manage to rouse himself in this half-sleep to such an extent that he could string the dream images together at will, then he would be in roughly the state I am actually referring to now—the state of self-created mental images in which one’s own will reigns.
[ 39 ] Darauf kommt es nicht an. Das alles, was bis jetzt besprochen wurde, das ist nur zur Übung, das ist nur da, um vorzubereiten. Denn man kommt ja natürlich zu nichts Wirklichem, wenn man sich nur so verhält, dass man durch den inneren Willen solche Vorstellungen aneinanderreiht, von denen man weiß, sie sind nicht erinnert, sie steigen hinauf aus dem Leibe.
[ 39 ] That’s not the point. Everything that has been discussed so far is merely an exercise; it is only there to prepare us. For, of course, one achieves nothing real by merely behaving in such a way that, through inner will, one strings together such images—knowing full well that they are not memories but arise from within the body.
[ 40 ] Dadurch, dass man solche selbst gemachten überschaubaren Vorstellungen aneinanderreiht, kommt man nicht zu etwas Besonderem. Aber man kommt dazu, wenn man mit jener Stimmung, die den Verzicht zur inneren intellektuellen Tugend macht, an solche inneren Übungen herankommt. Dann merkt man nach und nach etwas ganz Besonderes im Seelenleben. Und es darf wohl hier gesagt werden: Was ich hier über Geistesforschung sage, durch die man wirklich hineindringt in geistige Gebiete, das darf sich niemand — wenn es vorgestellt werden soll als ausgebildet bis zu einem gewissen Grade, der einen ermächtigt etwas zu sagen über die geistige Welt —, das darf sich niemand so vorstellen, dass er sagt, die Naturforschung, die habe ihre strenge Methode, die man lernen müsste, das dauere jahrelang; da kommt die Geistesforschung und will von solchen inneren Vorstellungen sprechen. — Nein, so ist es nicht. Gerade derjenige, welcher sich bekannt gemacht hat mit den naturwissenschaftlichen Methoden, der Biologie, Physiologie in ihren Methoden wissenschaftlich kennengelernt hat und dann eingetreten ist in das, was man Geistesforschung nennt, der weiß: Wie schwer auch das sein mag und wie viel Geduld es erfordert durch Jahre, was naturwissenschaftliche Methode ist — ein erhebliches Resultat auf dem Gebiete der Geistesforschung erlebt man nur, wenn man noch mehr Geduld und noch mehr Arbeit, wenn diese Arbeit auch eine rein geistige ist, aufwendet.
[ 40 ] Simply stringing together such self-made, limited ideas does not lead to anything special. But one does arrive at something special when one approaches such inner exercises with the mindset that makes self-denial an inner intellectual virtue. Then, little by little, one begins to notice something quite special in the life of the soul. And it may well be said here: What I am saying here about spiritual research—through which one truly penetrates into spiritual realms—no one should imagine—if it is to be presented as having been developed to a certain degree that empowers one to speak about the spiritual world—no one should imagine it in such a way as to say that natural science has its own rigorous method that must be learned, and that this takes years; and then spiritual research comes along and wants to speak of such inner concepts. — No, that is not how it is. Precisely the person who has familiarized themselves with the methods of the natural sciences, who has scientifically studied the methods of biology and physiology, and who has then entered into what is called spiritual research, knows: No matter how difficult it may be and how much patience it requires over the years to master the scientific method—one can only achieve a significant result in the field of spiritual research by applying even more patience and even more work, even if this work is purely spiritual.
[ 41 ] Um wirklich etwas Erhebliches zu erlangen, das in die geistige Welt eindringen kann, dazu sind, auch in der Richtung, die eben charakterisiert wurde in der Einführung des Willens in die Gedankenwelt, mit denjenigen inneren Verrichtungen oder Übungen, die Sie in den erwähnten Büchern finden können, dazu sind jahrelange innere Arbeiten nötig. Man braucht das eine und andere nur zu kennen, dann wird man wissen, dass der Ernst des einen dem Ernst des anderen nicht nachsteht.
[ 41 ] To truly attain something substantial that can penetrate the spiritual world—even in the direction just described in the introduction of the will into the world of thought, through the inner practices or exercises you can find in the books mentioned—years of inner work are necessary. One need only be familiar with both to realize that the seriousness of one is in no way inferior to that of the other.
[ 42 ] Aber dasjenige, was wichtig ist, ist nicht, was man so übt, sondern dass man zu dem gelangt, wozu man eben durch die Stimmung des Verzichts gelangen kann; das ist, dass man nach und nach merkt: Nicht dein Wille allein, nicht der Wille, den du in das Denken und Vorstellen eingeführt hast, lebt jetzt in dem, was in deiner Seele vorgeht, sondern etwas anderes lebt da drinnen. So wie man vorher die Außenwelt hatte, ein Ereignis folgte dem anderen, ein Gegenstand stand dem anderen gegenüber, danach lenkten wir die Folgen unserer Vorstellungen, an dem Faden der äußeren Ereignisse lenkten wir sie. Jetzt haben wir etwas entdeckt, was als ein geistiges Inneres eine Vorstellung aus der anderen hervorgehen lässt, was eben notwendig macht, dass wir nicht eine beliebige Vorstellung an die andere reihen, ein beliebiges inneres Seelenerlebnis an das andere reihen, sondern dasjenige Seelenerlebnis an das andere reihen, und ein drittes an das zweite, was entspricht einem inneren Vorgang, einer fortdauernden Strömung, die man jetzt entdeckt hat im Seelenleben. Wie das äußere Sinnliche ein inneres Physisches ist, so ist das Geistige im Seelenleben.
[ 42 ] But what is important is not the practice itself, but rather that one arrives at what can be attained precisely through the spirit of renunciation; that is, that one gradually realizes: It is not your will alone—not the will you have introduced into your thinking and imagining—that now lives in what is taking place in your soul, but something else lives there. Just as we previously had the external world, where one event followed another and one object stood opposite another, we used to direct the consequences of our ideas along the thread of external events. Now we have discovered something that, as an inner spiritual reality, causes one idea to emerge from another—something that makes it necessary not to string together just any idea after another, or just any inner soul experience after another, but to link one soul experience to another, and a third to the second, which corresponds to an inner process, a continuous flow that has now been discovered in the life of the soul. Just as the outer sensory world is an inner physical reality, so is the spiritual in the life of the soul.
[ 43 ] Wer da glaubt, dass da noch Willkür, Vorurteil übrig bleibt, der kennt nicht diese innere Notwendigkeit, die ebenso ist wie die äußere Notwendigkeit, die ebenso eine innere Erfahrung bildet, eine geistige Erfahrung, wie die äußere Erfahrung am Faden der physischen Welt nach einer Notwendigkeit erworben ist. Derjenige, der jahrzehntelang sich mit Geistesforschung befasst hat, der darf wohl von seiner Erfahrung sprechen, darf wohl sagen: Wie diese Erfahrung selbst ist, sie zeigt schon durch ihre eigene Wesenheit, durch ihren eigenen Charakter, dass die Willkür aufhört, dass der Geist Seelenerlebnis an Seelenerlebnis reiht. Das zeigt sich dadurch, dass man erfährt, wenn man eine Voraussetzung macht, indem man in ein gewisses Gebiet des Geistigen hineindringen will, wenn man eine Voraussetzung macht nach den Vorstellungen der Sinneswelt und darnach glaubt, diese oder jene geistige Wesenheit oder geistige Vorgang müsse sich so oder so ausnehmen — in wie unzähligen Fällen zeigt sich das, was so bedeutungsvoll ist, was so tief einschneidend für den wirklichen Geistesforscher ist, es zeigt sich, dass die Dinge anders werden, als man erwartet hatte, wenn man sich nach der äußeren Sinneswelt ein Urteil bildet. Es zeigt sich, dass man auf diesem Wege, wenn man einmal ergriffen hat die innere geistige Notwendigkeit, zu Resultaten gelangt, die so sind, dass man sich über sie überhaupt keine Vorstellung nach der äußeren Sinneswelt hat machen können, weil sie der äußeren Sinneswelt durchaus widersprechend sind. Wer dieses mit der äußeren Sinneswelt Unvergleichliche erfahren hat, der weiß, was es heißt: Unsere inneren Seelenerlebnisse werden durch den Geist, der da entdeckt worden ist, ebenso aneinandergereiht wie sonst durch die physische Folge der Ereignisse die Vorstellungen, die wir uns über die äußere sinnliche Welt bilden, aneinandergereiht werden.
[ 43 ] Anyone who believes that arbitrariness or prejudice still remains there does not understand this inner necessity, which is just as real as the outer necessity—both of which constitute an inner experience, a spiritual experience, just as the outer experience is acquired through the thread of the physical world in accordance with a necessity. Anyone who has been engaged in spiritual research for decades is certainly entitled to speak from their own experience and to say: Whatever this experience itself may be, it already shows—through its very nature, through its own character—that arbitrariness ceases, that the spirit links one soul experience to another. This becomes evident when one makes an assumption—for instance, when seeking to penetrate a certain realm of the spiritual—and bases that assumption on the concepts of the sensory world, believing that this or that spiritual entity or spiritual process must manifest in a particular way — in how many countless cases does what is so significant, what is so profoundly decisive for the true spiritual researcher, become evident? It becomes evident that things turn out differently than one had expected when forming a judgment based on the external sensory world. It becomes evident that, once one has grasped the inner spiritual necessity, one arrives at results that are such that one could not have formed any conception of them at all based on the external sensory world, because they are entirely at odds with it. Anyone who has experienced this—which is incomparable to the external sensory world—knows what it means: Our inner soul experiences are strung together by the spirit that has been discovered there, just as the ideas we form about the external sensory world are otherwise strung together by the physical sequence of events.
[ 44 ] Und diese zwei Dinge, die kommen zusammen: Dasjenige, was man durch die wahre Selbstbeobachtung erlangt hat an innerer Stärke, und dasjenige, was man so erlangt hat als den objektiven Gang des Geistes, der ebenso ist wie der Gang der äußeren Sinneswelt. Das kommt zusammen, und das führt die menschliche Seele ebenso in ein Geistgebiet hinein, dem sie mit Geistorganen angehört, wie es den physischen Forscher in die Leibesorganisation hineinführt, wenn er über Hunger und so weiter zu nicht physischen Vorgängen im Leibe geht. Man kann von der Seele ausgehend das Geistige erforschen. Dann, sehr verehrte Anwesende, dann werden gewisse Erscheinungen im menschlichen Seelenleben, ich möchte sagen, zu etwas ganz Neuem.
[ 44 ] And these two things come together: the inner strength one has gained through true self-observation, and what one has thus attained as the objective course of the spirit, which is just like the course of the external sensory world. These two things come together, and this leads the human soul into a spiritual realm to which it belongs through its spiritual organs, just as it leads the physical researcher into the organization of the body when he proceeds from hunger and so on to non-physical processes within the body. One can explore the spiritual realm starting from the soul. Then, dear friends, certain phenomena in human soul life become, I would say, something entirely new.
[ 45 ] Wenn der Geistesforscher auf diese Weise von der wirklichen Gestalt, dem wirklichen Charakter des Geistes berührt worden ist, dann werden gewisse Erscheinungen des menschlichen Seelenlebens etwas ganz anderes, vor allen Dingen dann, wenn der Mensch also dahin gelangt ist, mit dem Geistigen, das er durch Selbstbeobachtung erlangt hat, das Geistige zu erkennen, das sich in das Seelenleben richtunggebend hineindrängt. Dann beginnt er erst, eine wirkliche Vorstellung, einen wirklichen Begriff sich bilden zu können von dem, was wir das Ich des Menschen nennen, das gewissermaßen nur so viel von dem Geiste der menschlichen Seele zuwendet, wie auf der anderen Seite vom Leibe durch die äußere Gestalt, die Physiognomie und so weiter dem gewöhnlichen menschlichen Bewusstsein zugewendet wird.
[ 45 ] When the spiritual researcher has been touched in this way by the true form and character of the spirit, certain phenomena of human soul life take on a completely different meaning, especially when the human being has thus reached the point where, through self-observation, he is able to recognize the spiritual aspect that exerts a guiding influence on the life of the soul. Only then does he begin to form a true conception, a true understanding of what we call the human “I,” which, in a sense, turns only as much of the spirit of the human soul toward ordinary human consciousness as, on the other hand, the body turns toward it through its external form, physiognomy, and so on.
[ 46 ] Das Ich kann man nicht erforschen, indem man darüber philosophiert, sondern nur dadurch, dass man den Willen zum Denken macht und das Denken zum Wollen bringt. Durch Selbstbeobachtung wird der Wille denkend, das Denken wollend gemacht. Das aber ist ebenso ein «Geistwechsel», wie auf dem leiblichen Gebiet ein Stoffwechsel gesucht und gefunden wird. Dann gelangt man nicht durch Philosophieren, nicht durch Spekulation, nicht durch Hypothesen an das Ich heran, sondern dazu gelangt man, erst das Ich wirklich geistig zu beobachten, und dann kann man sich eine richtige Ansicht über das Ich bilden. Diese richtige Ansicht, die bezeugt einem dann, dass es gar nicht möglich ist im gewöhnlichen Leben, im gewöhnlichen Bewusstsein, über das Ich eine richtige Ansicht haben zu können. In diesem gewöhnlichen Bewusstsein, das ja auch in der Naturwissenschaft herrschend ist, zeigt sich über das Ich, dass es nach und nach, indem der Leib sich heranentwickelt, sich auch heranentwickelt.
[ 46 ] One cannot explore the self by philosophizing about it, but only by making the will think and bringing thought to the will. Through self-observation, the will becomes thinking, and thought becomes willing. But this is just as much a “change of mind” as metabolism is sought and found in the physical realm. Then one does not approach the “I” through philosophizing, speculation, or hypotheses, but rather by first truly observing the “I” spiritually; only then can one form a correct view of the “I.” This correct view then testifies to the fact that it is not at all possible, in ordinary life and ordinary consciousness, to have a correct view of the “I.” In this ordinary consciousness—which, after all, also prevails in the natural sciences—it becomes apparent that the “I” develops gradually, in step with the development of the body.
[ 47 ] Das Kind scheint dieses Ich noch nicht zu haben. Indem der Leib sich mehr ausgestaltet, indem er immer mehr und mehr seine Konfiguration erhält, scheint sich das Ich aus dem Leibe herauszuringen. Dieses ist für das gewöhnliche Bewusstsein eine ganz selbstverständliche Ansicht. Das gewöhnliche Bewusstsein kann keine andere Ansicht haben. Und das ist es gerade, was man sich erringen muss als Geistesforscher, dass man dem gewöhnlichen Bewusstsein auf seinem Felde recht gibt, dass man nicht intolerant wird, weil man ja einsehen lernt: Für dasjenige Feld, auf dem der Materialismus sich betätigen kann, kann es keine andere Ansicht geben.
[ 47 ] The child does not yet seem to possess this “I.” As the body becomes more fully formed, as it increasingly takes on its definitive shape, the “I” seems to emerge from the body. This is a completely self-evident view for ordinary consciousness. Ordinary consciousness cannot hold any other view. And this is precisely what one must achieve as a researcher of the spirit: to acknowledge the validity of ordinary consciousness within its own realm, and not to become intolerant, because one comes to understand that, within the realm in which materialism operates, no other view is possible.
[ 48 ] Gelangt man aber zur Geistbeobachtung, und dadurch zur Beobachtung des Ich, dann merkt man, worin der Irrtum des gewöhnlichen Bewusstseins steckt. Diesen Irrtum des gewöhnlichen Bewusstseins kann man in der folgenden Weise charakterisieren: Derjenige, der da über das Verhältnis der Lunge zur Luft nachdenkt, weiß, dass Lunge und Luft zusammengehören. Aber weil hier Außenbeobachtung genügt, um das wahre Verhältnis einzusehen, wird niemand, der nur oberflächlich die Dinge kennt, zu einer anderen Ansicht kommen als dazu, dass die Luft von außen kommt, in die Lunge eindringt, und wiederum aus der Lunge herausgeatmet wird und in den äußeren Luftraum übergeht. Es kann, weil hier eben die äußere Beobachtung genügt, kein Mensch zur Ansicht kommen, dass die Lunge selber die Luft erzeugt, dass die aus der Lunge herauskommende Luft irgendwie ihren Ursprung in der Lunge selber habe, dass die Lunge Luft hervorbringe.
[ 48 ] But when one proceeds to the observation of the spirit, and thereby to the observation of the “I,” one realizes where the error of ordinary consciousness lies. This error of ordinary consciousness can be characterized as follows: The person who reflects on the relationship between the lungs and air knows that the lungs and air belong together. But because external observation is sufficient here to grasp the true relationship, no one who knows things only superficially will come to any other conclusion than that air comes from outside, enters the lungs, and is then exhaled from the lungs and passes into the external atmosphere. Since external observation is sufficient here, no one can arrive at the view that the lungs themselves produce air, that the air coming out of the lungs somehow originates within the lungs themselves, or that the lungs generate air.
[ 49 ] Dasjenige, was man für das Verhältnis von Lunge und Luft durch die gewöhnliche Sinnesbeobachtung gewinnt, das gewinnt man durch höheres geistiges Beobachten für dieses menschliche Ich. Man weiß, indem man die Beobachtung so anstellen kann, wie ich es geschildert habe, dass dieses wirkliche Ich des Menschen ebenso wenig mit der menschlichen Leiblichkeit, mit alledem, was wir von Vater und Mutter ererben, zu tun haben kann, wie die Luft, die von außen kommt, etwas zu tun hat wesenhaft mit der Lunge. Man lernt das Ich kennen in seiner wahren Wesenheit und man weiß, dass der Leib dieses Ich gewissermaßen einatmet, indem er durch die Geburt oder Empfängnis das Ererbte übernimmt, einatmet aus der geistigen Welt. So wie die Luftmenge, welche in einem bestimmten Augenblick in unserer Lunge ist, aus der äußeren Luft eingeströmt ist, so strömt aus der geistigen Welt, in der das Ich — bevor überhaupt daran gedacht werden kann, dass durch Geburt oder Empfängnis das Leibliche entsteht — war, so strömt das Ich aus dem Geistigen in diese Leiblichkeit; so wird es, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geht, wiederum ausgeströmt, wie die Luft, nachdem sie von der Lunge durch den Leib verbraucht ist, wiederum ausgeströmt wird. Man lernt erkennen die Beziehung des Ich zu einer geistigen Welt, die unabhängig ist von der menschlichen Leibeswelt, wie man durch die Physik kennenlernt die Beziehungen der Luft zu einer äußeren Luftwelt, die unabhängig ist von der menschlichen Lunge.
[ 49 ] What one gains through ordinary sensory observation regarding the relationship between the lungs and air, one gains through higher spiritual observation regarding this human “I.” By conducting the observation in the way I have described, one comes to know that this true human “I” has just as little to do with human physicality—with everything we inherit from our father and mother—as the air that comes from outside has anything to do, in its very essence, with the lungs. One comes to know the “I” in its true essence and realizes that the body, in a sense, “inhales” this “I” by taking on what is inherited through birth or conception—inhaling it from the spiritual world. Just as the volume of air that is in our lungs at a given moment has flowed in from the outside air, so too does the “I”—which existed in the spiritual world before it could even be conceived that the physical body would come into being through birth or conception—flow from the spiritual into this physicality; and when the human being passes through the gate of death, it flows out again, just as the air, after being consumed by the body from the lungs, flows out again. One learns to recognize the relationship of the “I” to a spiritual world that is independent of the human physical world, just as one learns through physics the relationships of the air to an external world of air that is independent of the human lungs.
[ 50 ] Das ist das Aufsteigen zur wirklichen Erkenntnis des Ich. Das ist das Erste, was man erkennt sozusagen über die geistige Wesenheit des Ich; und von da ausgehend lernt man dann immer mehr und mehr, indem sich die geistige Beobachtung steigert durch die geschilderten Methoden, die Sie in den genannten Büchern finden können, indem sich die geistige Beobachtung steigert, lernt man immer mehr und mehr über dieses Ich kennen, über das von dem Leibesleben unabhängige Ich kennen, wie man kennenlernt über den Leib immer mehr und mehr, wenn man mit den physischen Methoden heruntersteigt von Hunger und Durst zu dem, was als chemisch-physische Vorgänge im Leibe sich abspielt. Nur lernt man dieses Geistige, das den ersten Anblick des Ich darstellt, so erkennen, dass man das Ich, ich möchte sagen, eingebettet findet in geistige Wesenheiten. So wie man den Leib zergliedert in einzelne Glieder, um ihn kennenzulernen in seiner leiblichen Beschaffenheit, so muss man das Ich anschließen an andere geistige Wesenheiten, die man durch geistige Beobachtung mit den Methoden, die ich charakterisiert habe, beobachten kann. Man schließt das Ich an und findet einen vollständigen Ich-Organismus, der allerdings über das einzelne Leibesleben hinausragt.
[ 50 ] This is the ascent toward true knowledge of the “I.” This is the first thing one recognizes, so to speak, about the spiritual nature of the “I”; and starting from there, one learns more and more as spiritual observation deepens through the methods described—which you can find in the books mentioned—and as spiritual observation deepens, one comes to know more and more about this “I,” about the “I” that is independent of bodily life—just as one comes to know more and more about the body when one uses physical methods to delve down from hunger and thirst to the chemical and physical processes taking place within the body. However, as one learns to perceive this spiritual aspect—which represents the first glimpse of the “I”—one comes to recognize that the “I,” so to speak, is embedded in spiritual entities. Just as one dissects the body into its individual parts in order to understand its physical nature, so must one connect the “I” to other spiritual entities that can be observed through spiritual observation using the methods I have described. One connects the “I” and finds a complete “I”-organism that, however, extends beyond the individual physical life.
[ 51 ] Man findet, indem man von dem Ich ausgeht, von der dem Seelenleben zugewendeten Seite des Ich, man findet es eingebettet in ein geistiges Leben, das vor der Geburt da ist, das nach der Pforte des Todes bleibt. Man findet in der geistigen Welt eine von der physischen Welt zunächst unabhängige geistig-seelische Welt. Das Ich gehört zu dieser geistig-seelischen Welt. Als das Erste, das man da findet, findet man geistig-seelische Wesenheiten, mit denen das Ich des Menschen in Zusammenhang steht; diejenigen geistig-seelischen Wesenheiten, die die Menschenseelen sind vor oder nach dem Tode, mit denen der Mensch selber seinen Zusammenhang hat; geistig-seelische Wesenheiten anderer Art. Man findet zunächst, so wie man hier, indem man die Sinnenwelt beobachtet, unter dem Menschen das Tierreich findet, ein seelisch-geistiges Reich, zu dem des Menschen Ich gehört, dem es organisch eingegliedert ist, in dem das Ich seinen «Geistwechsel» vollzieht; ein geistig-seelisches Reich zunächst, das rein geistig-seelisch ist.
[ 51 ] Starting from the “I”—specifically, the aspect of the “I” that is turned toward the life of the soul—one finds it embedded in a spiritual life that exists before birth and remains beyond the threshold of death. In the spiritual world, one finds a spiritual-soul world that is, at first, independent of the physical world. The “I” belongs to this spiritual-soul world. The first things one finds there are spiritual-soul beings with whom the human “I” is connected; those spiritual-soul beings that are human souls before or after death, with whom the human being himself is connected; and spiritual-soul beings of a different kind. Just as one finds the animal kingdom beneath the human realm here by observing the sensory world, one first encounters a spiritual-soul realm to which the human “I” belongs, into which it is organically integrated, and within which the “I” undergoes its “spiritual transformation”; a spiritual-soul realm that is, at first, purely spiritual-soul in nature.
[ 52 ] Dann findet man ein diesem Reiche übergeordnetes Reich, wie unter dem Tierreiche das Pflanzenreich ist; deshalb übergeordnet, weil nunmehr in diesem höheren Reiche diejenigen geistigen Wesenhaftigkeiten sind, die mit uns nicht nur geistig-seelisch zusammenhängen, nicht nur mit dem Innenleben zusammenhängen, sondern welche mächtiger sind, weil sie einen Einklang herstellen können zwischen dem Geistig-Seelischen und dem Physisch-Leiblichen. Denn unser Geistig-Seelisches muss mit dem Physisch-Leiblichen in Zusammenhang gebracht werden. Dieses Verhältnis wird von höheren geistigen Wesenheiten orientiert als diejenigen sind, an die man zunächst herantritt.
[ 52 ] Then one finds a realm that is superior to this one, just as the plant kingdom is superior to the animal kingdom; superior because this higher kingdom now contains those spiritual essences that are connected to us not only spiritually and soulfully, not only to our inner life, but which are more powerful because they can establish harmony between the spiritual-soul and the physical-bodily. For our spiritual-soul aspect must be brought into connection with the physical-bodily aspect. This relationship is guided by higher spiritual beings than those one first encounters.
[ 53 ] Man darf nicht anstehen, wenn man sich auf das Gebiet der Geistesforschung begibt, von diesen konkreten geistig-seelischen Wesenheiten zu sprechen, die wirklich entdeckt werden. Wie entdeckt werden, wenn man den Blick hinunterlenkt zu Tier, Pflanze und Mineral, die physischen Reiche, so werden die Geistreiche entdeckt, innerhalb welcher das Ich seinen Geistwechsel vollzieht. Und man entdeckt weiter, worin eigentlich das Geheimnis besteht, dass dieses Ich in den Leib einzieht, dass es den Leib wiederum verlässt. Man lernt nämlich erkennen, wie dieses Ich zum Leibe des Menschen sich verhält.
[ 53 ] When venturing into the field of spiritual research, one must not hesitate to speak of these concrete spiritual and soul entities that are actually discovered. Just as one discovers, when one turns one’s gaze downward to animals, plants, and minerals—the physical realms—so too are the spiritual realms discovered, within which the “I” undergoes its spiritual transformation. And one goes on to discover what the secret actually is: that this “I” enters the body and, in turn, leaves the body. One learns, in fact, to recognize how this “I” relates to the human body.
[ 54 ] Hier, sehr verehrte Anwesende, betritt man allerdings ein Gebiet, das der heutigen Weltanschauung noch ganz ferne steht, das sich aber auch in diese heutige Weltanschauung gegen die Zukunft immer mehr und mehr einleben wird. Wenn man das Ich so betrachtet, so wird man finden, dass dieses Ich sein Verhältnis, seine Beziehungen hat zu den geistig-seelischen Wesen der höheren geistigen Reiche, die sich auftürmen gewissermaßen über den bloßen Naturreichen; aber im Geistwechsel, dem Analogon des Stoffwechsels, macht dieses Ich einen gewissen Prozess durch. Es kann sich zunächst nur geistig-seelischen Wesenheiten eingliedern. Da ist es vor der Geburt, da ist es nach dem Tode. Da ist es, wenn es sein rein geistiges Wesen an sich als seine Organisation trägt und in die übrige Geistwelt eingegliedert ist. Indem das Ich diese Geistwelt durchschreitet, ich möchte sagen, indem es seine Entwicklung durchmacht in dieser geistigen Welt, kommt es immer mehr und mehr zur Eigenorientierung, sondert sich immer mehr und mehr heraus aus der geistigen Welt. Man kommt zu Vorstellungen durch Geistesforschung, welche das Ich darstellen so, dass es lange vor der Geburt oder nach dem Tode mit vielen, vielen Geistwesen in besonderer geistiger Beziehung steht. Dann im Fortschreiten seiner Entwicklung sondert es sich gewissermaßen heraus, wird gewissermaßen auf sich angewiesen. Indem es sich so aussondert, einschränkt, entwickelt es seine Anziehungskraft zum Leiblichen hin. Diese Anziehungskraft, die treibt es dahin, sich zu verbinden — wie die Luft sich mit der Lunge verbindet — mit dem, was durch die bloße Vererbungsströmung im Laufe der menschlichen Generation als Leibliches erscheint, in das das Ich einzieht, wenn es aus der geistigen Welt kommt.
[ 54 ] Here, distinguished guests, we are indeed entering a realm that is still quite distant from today’s worldview, but one that will increasingly become integrated into that worldview as we look toward the future. If one considers the “I” in this way, one will find that this “I” has a relationship—connections—with the spiritual-soul beings of the higher spiritual realms, which, so to speak, tower above the mere natural realms; but in the “spiritual metabolism”—the analogue of physical metabolism—this “I” undergoes a certain process. At first, it can integrate only with spiritual-soul beings. It is there before birth; it is there after death. It is there when it bears its purely spiritual essence as its own organization and is integrated into the rest of the spiritual world. As the “I” traverses this spiritual world—I would say, as it undergoes its development within this spiritual world—it increasingly finds its own orientation and increasingly separates itself from the spiritual world. Through spiritual research, we arrive at conceptions that depict the “I” as standing in a special spiritual relationship with many, many spiritual beings long before birth or after death. Then, as its development progresses, it separates itself, as it were, and becomes, so to speak, self-reliant. As it separates and limits itself in this way, it develops a force of attraction toward the physical. This force of attraction drives it to unite—just as air unites with the lungs—with what appears as the physical through the mere flow of heredity in the course of the human generation, into which the “I” enters when it comes from the spiritual world.
[ 55 ] Man gewinnt auf diese Weise eine wirkliche Anschauung über das Ewige in der menschlichen Leiblichkeit, der menschlichen Wesenheit überhaupt, nicht durch philosophische Spekulation, sondern dadurch, dass man dieses Ewige bloßlegt, dass man wirklich mit der Seele in dieses Ewige hineinkommt. Auf diese Art tritt Geistbeobachtung ein. Man muss nur vorsichtig sein, man muss sich nur klar darüber sein, dass dasjenige, was ich geschildert habe, das Streben nach Selbstbeobachtung, das Streben nach Einführung des Willens in die menschliche Vorstellungswelt, dieses Streben nach dem Geistwechsel, dass dieses alles im Grunde genommen nur Vorbereitung ist, dass man das andere alles abwarten muss. So wie man abwarten muss, was die Sinneswelt spricht, wenn sie von außen an die Seele dringt, so muss man abwarten, was die Geisteswelt spricht. Selbstbeobachtung erstreben, Einführung des Willens in die Vorstellungswelt erstreben, das muss man tun, um die Seele bereit zu machen, um den Geist zu erleben. Dann beginnt das Geistesleben. Dieses Geistesleben muss aber an das Geistig-Seelische herandringen.
[ 55 ] In this way, one gains a true insight into the eternal aspect of human physicality—of human beinghood itself—not through philosophical speculation, but by laying this eternal aspect bare, by truly entering into it with one’s soul. This is how spiritual observation begins. One must simply be cautious; one must simply be clear that what I have described—the striving for self-observation, the striving to introduce the will into the human world of imagination, this striving for a transformation of the spirit—that all of this is, in essence, merely preparation, and that one must wait for everything else to unfold. Just as one must wait to see what the sensory world communicates when it penetrates the soul from the outside, so must one wait to see what the spiritual world communicates. Striving for self-observation, striving to introduce the will into the world of imagination—this is what one must do to prepare the soul to experience the spirit. Then spiritual life begins. But this spiritual life must reach into the spiritual-soul realm.
[ 56 ] Das, sehr verehrte Anwesende, sind so mit ein paar Strichen [gezeichnet] die Wege, welche dahin führen, das wirkliche seelische Leben in Denken, Fühlen und Wollen ebenso nur für einen Ausdruck des Geistigen anzusehen, wie Hunger und Durst und Atmungsbedürfnis als ein seelischer Ausdruck angesehen werden muss des Leiblichen. Das führt dazu, wirklich das Ewig-Geistige auch von dem Seelischen zu unterscheiden.
[ 56 ] Ladies and gentlemen, these are, in a few strokes, the paths that lead to viewing true psychological life—in thinking, feeling, and willing—as merely an expression of the spiritual, just as hunger, thirst, and the need to breathe must be regarded as psychological expressions of the physical. This leads to truly distinguishing the eternal-spiritual from the psychological as well.
[ 57 ] Wir werden morgen zu schildern haben, wie schon in das gewöhnliche Bewusstsein hereinragt als Offenbarung aus dem Unbewussten dasjenige, was das Ewige des menschlichen Wesens ist. Heute wollte ich prinzipiell schildern, wie man von dem Seelischen zum Geistigen aufsteigt. Diese Schilderung, die eine Schilderung der geistesforscherischen [Erkenntnis]art ist, sie nimmt sich allerdings gegenüber dem, was heute landläufige Begriffe sind, noch recht paradox aus. Aber Sie werden vielleicht doch gesehen haben, dass es diese Geistesforschung mit ihrer Wissenschaft so ernst, so streng meint, wie es nur die Naturwissenschaft mit ihrer Forschungsart meinen kann. Und wie diese Naturwissenschaft zu dem Vergänglichen führt, zu dem Vorübergehenden, so führt diese Geistesforschung zu dem Ewigen, zu dem Unvergänglichen, aus dem gerade das Vergängliche sich erst als etwas Erklärbares darstellt.
[ 57 ] Tomorrow we will describe how that which constitutes the eternal aspect of the human being already extends into ordinary consciousness as a revelation from the unconscious. Today I wanted to describe, in principle, how one ascends from the soul to the spirit. This description, which is a description of the [method of knowledge] in spiritual research, does indeed still seem quite paradoxical in light of what are today’s common concepts. But perhaps you have come to see that spiritual science, with its scientific approach, takes its subject as seriously and rigorously as natural science can take its own method of research. And just as natural science leads to the transitory, to the fleeting, so spiritual science leads to the eternal, to the imperishable, from which the transitory itself first presents itself as something that can be explained.
[ 58 ] Man kann sagen: Wenn man auf dem Boden der Geisteswissenschaft steht, dann überschaut man auch dasjenige, was sich in der Naturforschung darstellt. Dann erkennt man erst recht den Wert der Naturforschung. Man kann sie dann beurteilen von dem Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft. Bleibt man bei der Naturforschung stehen, dann wird man zu solchem Urteil kommen, zu solchem Glauben: einzig strenge Wissenschaft sei nur auf dem Boden des Sinnlichen möglich, könne sich zum Ewigen nicht erheben. Stellt man sich auf den Boden der Geistesforschung, dann weiß man, warum der Naturforscher so etwas sagen muss, wenn er nur auf dem Boden der Naturwissenschaft stehen bleibt. Aber man erkennt durch die Ausbildung dieses gewöhnlichen Bewusstseins, durch die Bloßlegung der in der Seele schlummernden Kräfte, die geistige Kräfte sind, dass der Mensch in das Ewige seines Wesens, in sein wirklich Unsterbliches eindringen kann, denn dieses Unsterbliche kündigt sich durch sich selber an. Wie die Röte der Rose nicht erst bewiesen zu werden braucht, so erweist sich das, was als Geist auftritt, als durch Geburt und Tod gehend, wenn man es beobachten kann.
[ 58 ] One could say: If one stands on the ground of spiritual science, then one also gains an overview of what is presented in natural science. Only then does one truly recognize the value of natural science. One can then evaluate it from the perspective of spiritual science. If one remains confined to natural science, one will arrive at the judgment and belief that rigorous science is possible only on the basis of the sensory world and cannot rise to the eternal. If one stands on the foundation of spiritual science, one understands why the natural scientist must say such things when he remains confined to the realm of natural science. But through the development of this ordinary consciousness, through the unveiling of the powers slumbering in the soul—which are spiritual powers—one recognizes that human beings can penetrate into the eternal aspect of their being, into what is truly immortal within them, for this immortality reveals itself through its own nature. Just as the redness of a rose does not need to be proven, so too does that which appears as spirit prove itself to pass through birth and death when one is able to observe it.
[ 59 ] Derjenige allerdings, der auf dem Boden der Geisteswissenschaft steht, der überschaut auch das Naturwissenschaftliche; er lässt es zu seinem Recht kommen. Er macht es nicht wie die bloß naturwissenschaftlich Denkenden, die — bewusst oder unbewusst — das Geistesforscherische abbauen, ihm den Boden unter den Füßen entziehen wollen. Daher darf wohl gesagt werden: Der Geistesforscher braucht nichts zu scheuen. Er braucht nicht zu scheuen die Einwände, die von dieser oder jener Seite gemacht werden, denn er kann den Wert dieser Einwände erkennen, kann auch erkennen, warum sie gemacht werden müssen. Daher darf er sagen: Wir haben nicht nötig, etwa irgendjemanden abzuhalten von der Anerkennung der naturwissenschaftlichen Fortschritte und Methoden. Im Gegenteil. Der Geistesforscher kann sagen gerade zu denjenigen, die in diese Naturwissenschaft eindringen wollen: Geht zur Naturwissenschaft, ihr werdet, wenn ihr sie nicht bloß anschaut mit den Augen der naturwissenschaftlichen Weltanschauung, sondern anschaut mit den Augen der geisteswissenschaftlichen Forschung, nicht nur keine Widersprüche finden zwischen Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft, sondern ihr werdet überall in der Naturwissenschaft die Bestätigung finden, Offenbarungen finden für dasjenige, was auf dem Boden der Geisteswissenschaft gesagt wird.
[ 59 ] However, those who stand on the ground of spiritual science also have a broad view of the natural sciences; they allow them their due place. They do not act like those who think purely in terms of the natural sciences, who—consciously or unconsciously—seek to undermine spiritual research and pull the rug out from under it. Therefore, it can safely be said: The spiritual researcher has nothing to fear. He need not fear the objections raised from this or that quarter, for he can recognize the value of these objections and can also see why they must be raised. Therefore, he may say: We have no need to dissuade anyone from acknowledging the advances and methods of the natural sciences. On the contrary. The researcher of the spiritual sciences can say, especially to those who wish to delve into the natural sciences: Turn to the natural sciences; if you do not merely view them through the eyes of the scientific worldview, but rather through the eyes of spiritual scientific research, you will not only find no contradictions between the natural sciences and the spiritual sciences, but you will find confirmation everywhere in the natural sciences—revelations of what is stated on the basis of spiritual science.
[ 60 ] Und man soll auch nicht glauben, dass der Geistesforscher sich zu scheuen hat, diejenigen Menschen, zu denen er sprechen will, abzuhalten von irgendwelchen religiösen Bekenntnissen. Das ist das Missverständlichste, dass man aufrichten will irgendeine religiöse Kluft zwischen einem religiösen Bekenntnis und der Geistesforschung. Dr. Rittelmeyer hat in einem schönen Aufsatz in der «Christlichen Welt» klargelegt, was gerade Geistesforschung als Grundlage für das religiöse Leben in objektivem Sinne sein kann, dass diese Geisteswissenschaft nicht abbringt von dem wahrhaft religiösen Leben, sondern dass sie hinführt zum religiösen Leben. Geistesforschung hat nicht nötig, die Menschen abzuhalten vom religiösen Leben. Wie sie sagen kann: Geht zur Naturwissenschaft, um Geisteswissenschaft zu erkennen, so kann sie auch sagen: Geht zur Religion, lernt Religion kennen, lernt Religion erleben, und ihr werdet finden, dass dasjenige, was Geisteswissenschaft der Seele zu geben vermag, gerade das religiöse Leben bekräftigt und begründet. Geht in das Leben selbst, ihr werdet finden, dass die Begriffe, die in der Geisteswissenschaft gegeben sind, nicht abstumpfen für das Leben, dass sie nicht ungeeignet machen für das Leben, sondern dass sie den Geist beweglich, den Geist geschickt machen, und dadurch auch das körperliche Leben des Menschen geschickt und beweglich machen und den Menschen tatkräftig in das Dasein hineinstellen. Auch das praktische Leben wird gerade eine Bekräftigung, ein äußerer Beweis für dasjenige sein, was Geistesforschung den Menschen zu geben vermag.
[ 60 ] Nor should one believe that the spiritual researcher is afraid to dissuade those to whom he wishes to speak from holding any religious beliefs. The most misleading notion is the idea that one seeks to create some kind of religious divide between a religious belief and spiritual research. In a fine essay in Christliche Welt, Dr. Rittelmeyer has made clear how spiritual research, in particular, can serve as a foundation for religious life in an objective sense—that this spiritual science does not deter one from a truly religious life, but rather leads one toward it. Spiritual science has no need to deter people from religious life. Just as it can say, “Turn to the natural sciences to come to know spiritual science,” so too can it say, “Turn to religion, get to know religion, learn to experience religion, and you will find that what spiritual science is able to give to the soul actually strengthens and grounds religious life.” Go into life itself, and you will find that the concepts provided by spiritual science do not dull one’s sensitivity to life, that they do not render one unsuited for life, but rather that they make the spirit agile and skillful, and thereby also make a person’s physical life agile and skillful, placing them actively within existence. Practical life, too, will serve as a confirmation, an outward proof of what spiritual research is able to offer human beings.
[ 61 ] Diese Geistesforschung muss — weil Naturforschung rein bleiben muss, den Blick hingerichtet halten muss bloß auf dasjenige, was Natur ist, nicht bloß diese Natur vermischen [darf] mit irgendetwas Geistig-Seelischem —, Geistesforschung muss als ein Gleichberechtigtes sich neben die Naturforschung hinstellen. Geistesforschung muss von der Seele aus zum Geiste dringen, wie die Naturwissenschaft von der Seele aus zum äußeren Leibe dringt. Dann wird die Zeit kommen, wenn man den eigentlichen Nerv, die eigentlichen Grundbegriffe der Geisteswissenschaft wirklich einsieht, es wird die Zeit kommen, wo man auch dasjenige, was die Naturforscher tun wollen — der Geisteswissenschaft den Boden abgraben —, im rechten Lichte sehen wird. Wenn du Bois-Reymond vor vier bis fünf Jahrzehnten noch sagen konnte: «Wo das Übersinnliche beginnt, da hört die Wissenschaft auf», so wird man in der Zukunft diesem Ausspruch aus wirklich geisteswissenschaftlicher Einsicht einen anderen entgegenstellen. Man wird nämlich Folgendes erkennen: Was war denn eigentlich zugrunde liegend, als die neuere Naturwissenschaft, sich bloß auf die Natur beschränkend, ein Gedankensystem, eine Weltanschauung gewinnen wollte, die übersichtlich ist? Man sah gewissermaßen dasjenige, was im Dasein den Menschen umgibt, worin der Mensch wurzelt, man sah es aus einem gewissen Bodengrund herauskommen. Man sah es im Geiste wurzeln, aber man konnte in diesen Geist nicht hinein.
[ 61 ] This spiritual research must—because natural science must remain pure, must keep its focus solely on what is nature, and must not mix this nature with anything spiritual or psychological—stand alongside natural science as an equal. Spiritual research must penetrate from the soul to the spirit, just as natural science penetrates from the soul to the outer body. Then the time will come when people truly grasp the very essence, the fundamental concepts of spiritual science; the time will come when they will also see in the proper light what natural scientists seek to do—to undermine the foundations of spiritual science. If de Bois-Reymond could still say four or five decades ago, “Where the supersensible begins, science ends,” then in the future this statement will be countered by another, based on a genuine spiritual-scientific insight. For people will come to recognize the following: What, in fact, lay at the foundation when modern natural science, limiting itself solely to nature, sought to develop a system of thought, a worldview, that was clear and well-organized? One saw, as it were, that which surrounds human beings in existence, in which human beings are rooted; one saw it emerging from a certain fundamental ground. One saw it rooted in the spirit, but one could not enter into this spirit.
[ 62 ] Geisteswissenschaft zeigt, wie man in das geistige Leben hineinkommt. Man war mit der neueren Naturwissenschaft gewissermaßen dem Geiste gegenüber in der Lage — wenn ich den Vergleich gebrauchen will —, in der man wäre, wenn man einen Baum sähe, der im Boden mit den Wurzeln steckt. Man sieht den Baum nicht ganz, die Wurzeln gehen in den Boden hinein. Man überschaut den Baum nicht vollständig. Man gräbt nun den Baum aus, damit man ihn übersehen kann; man will nicht haben, dass sich etwas an dem Baume verbirgt. Der Baum wird verdorren, er wird nicht mehr gedeihen können. So hat man es mit der naturwissenschaftlichen Weltanschauung gemacht. Das Wesen des Menschen hat sie aus dem Grunde ausgegraben, um sich etwas Übersicht zu verschaffen. Dadurch ist die Weltanschauung so geworden wie der Baum, der aus dem Boden heraus ist. Der Baum muss verdorren, und das Leben, das aus dieser Weltanschauung herausgeht, das muss verdorren. Das wird man einsehen, dann wird man finden den Weg zur Geisteswissenschaft. Um der Übersicht willen hat man das Wesen des Menschen entwurzelt; um des Lebens willen, um des wirklichen Lebens willen wird man den Menschen wiederum einsenken in dasjenige, was man so gerne das Unbewusste nennt, was aber, wenn cs sich offenbart, auch in die Sphäre der Bewusstheit herauf, in die Sphäre der wirklichen Erkenntnis des Übersinnlichen gehoben werden kann. Dann wird die Zeit kommen, wo im menschlichen Gemüte sich festwurzeln wird die Anschauung, dass das menschliche Wesen im Geiste mit seinem ewigen Wesenskern wurzelt, dass man zum Geiste vordringen muss, um das menschliche Wesen wirklich in seiner Ganzheit erkennen zu können.
[ 62 ] Spiritual science shows how to enter into spiritual life. With modern natural science, one was, so to speak, in the same position with regard to the spirit—if I may use this comparison—as one would be if one saw a tree with its roots embedded in the ground. You cannot see the whole tree; the roots go down into the ground. You cannot take in the entire tree. So you dig up the tree so that you can see it all; you do not want anything about the tree to remain hidden. The tree will wither; it will no longer be able to thrive. This is what has been done with the scientific worldview. It has essentially uprooted the human being in order to gain a clearer overview. As a result, this worldview has become like the tree that has been torn from the ground. The tree must wither, and the life that springs from this worldview must also wither. Once one recognizes this, one will find the path to spiritual science. For the sake of clarity, the essence of the human being has been uprooted; for the sake of life, for the sake of true life, the human being must once again be immersed in that which is so readily called the unconscious—but which, when it reveals itself, can also be raised into the sphere of consciousness, into the sphere of true knowledge of the supersensible. Then the time will come when the insight will take firm root in the human mind that the human being is rooted in the spirit with its eternal core, and that one must penetrate to the spirit in order to truly recognize the human being in its entirety.
[ 63 ] Dann wird man nicht mehr sagen, wie du Bois-Reymond, dass zwar die Wissenschaft das Übersinnliche nicht finden kann, nicht einmal in einfacher Erscheinungsform, dass aber da die Wissenschaft aufhöre, sondern man wird sagen, die Wissenschaft der Zukunft wird sagen: Alle Wissenschaft, welche nicht im Übersinnlichen wurzelt, kann das Dasein nicht erklären, kann nicht in das Leben des Daseins hineinführen, sondern dieses Dasein nur ertöten. Man wird nicht sagen: Wo Supernaturalismus, das Übersinnliche anfängt, hört die Wissenschaft auf, sondern man wird sagen: Wo das Stehen des Menschen im Übersinnlichen aufhört, da hört das Leben der Wissenschaft auf; da tritt mit dem Verlassen des Übersinnlichen der Tod der Wissenschaft ein.
[ 63 ] Then people will no longer say, as you, de Bois-Reymond, do, that while science cannot discover the supernatural—not even in its simplest form—that is where science ends; rather, they will say—and the science of the future will say: Any science that is not rooted in the supernatural cannot explain existence, cannot lead into the life of existence, but can only destroy that existence. People will not say: “Where supernaturalism, the supernatural, begins, science ends,” but rather they will say: “Where humanity’s standing in the supernatural ends, there the life of science ends; there, with the abandonment of the supernatural, the death of science sets in.”
