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The Human Being as a
Spirit and Soul Being
GA 71b

18 February 1918, Munich

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The Human Being as a Spirit and Soul Being, tr. SOL
  1. Der Mensch als Geist- und Seelenwesen

4. Die Offenbarungen des Unbewussten im Seelenleben vom geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkt

4. The Manifestations of the Unconscious in the Life of the Soul from a Spiritual Scientific Perspective

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende, es ist in der letzten Zeit, eigentlich schon länger, üblich geworden in gewissen Kreisen, von dem Unbewussten gegenüber dem menschlichen Seelenleben zu sprechen. Dasjenige, was in dem Vortrag, den ich mir erlaubt habe, vorgestern zu halten, als Geistiges, als Übersinnliches geschildert worden ist, das wird ja erahnt, ersehnt, wie ich gezeigt habe, gegenwärtig von sehr, sehr vielen Seelen. Und da eben jene Vorurteile gegenüber der Erforschung des Übersinnlichen einmal geschehen, von denen ich gesprochen habe, da man aber doch ein unbestimmtes Gefühl hat, dass es etwas über das Sinnliche Hinausgehendes gäbe, spricht man sich in der Gegenwart mehr im negativen Sinn über dieses Hinausliegende aus und spricht gegenüber dem, was in das menschliche Seelenleben bewusst hereintritt im Alltagsleben, von dem Verborgen-Bleibenden, wohl auch Unbewussten oder dergleichen.

[ 1 ] Ladies and gentlemen, in recent times—and, in fact, for quite some time now—it has become customary in certain circles to speak of the unconscious in relation to human soul life. What I described as the spiritual, as the supersensible, in the lecture I took the liberty of giving the day before yesterday is, as I have shown, currently sensed and longed for by very, very many souls. And since the very prejudices against the exploration of the supersensible that I spoke of do indeed exist, yet people still have a vague sense that there is something that goes beyond the sensory, people today tend to speak of this “beyond” in a negative sense and refer to what consciously enters human soul life in everyday existence as that which remains hidden—perhaps even the unconscious or the like.

[ 2 ] Nun wäre, wenn auseinandergesetzt werden sollte die Geschichte der Entwicklung von Vorstellungen über das Unbewusste in den letzten Jahrzehnten, allein darüber viele Stunden zu reden möglich. Das soll aber heute nicht meine Aufgabe sein. Ich will einleitungsweise nur erwähnen, dass ja, trotzdem früher von dem Unbewussten schon viel gesprochen worden ist von einzelnen Persönlichkeiten, der Ausdruck «das Unbewusste» in einem umfänglicheren Sinn angewendet worden ist für das den Sinnen und dem unmittelbaren Seelenleben verborgen mit dem menschlichen Dasein Zusammenhängende, angewendet worden ist von Eduard von Hartmann, der ja deshalb auch sehr häufig als der Philosoph des Unbewussten geradezu bezeichnet wird. Und ich darf vielleicht einleitungsweise und nur andeutend darauf hinweisen, dass ich gerade seinerzeit, in den Achtziger- und im Beginn der Neunzigerjahre des vorigen Jahrhunderts, mich persönlich auseinanderzusetzen versuchte mit den Anschauungen Eduard von Hartmanns über das Unbewusste im menschlichen Seelenleben, über das Unbewusste in der Welt überhaupt.

[ 2 ] Now, if one were to examine the history of the development of ideas about the unconscious over the past few decades, it would be possible to spend many hours discussing this topic alone. But that is not my task today. By way of introduction, I will merely mention that, even so, the unconscious was already discussed at length in the past by individual thinkers, and the term “the unconscious” was used in a broader sense to refer to that which is connected to human existence but hidden from the senses and the immediate life of the soul; it was used by Eduard von Hartmann, who is therefore very often referred to as the philosopher of the unconscious. And perhaps I may point out, by way of introduction and only in passing, that it was precisely during that time—in the 1880s and early 1890s—that I personally attempted to grapple with Eduard von Hartmann’s views on the unconscious in human psychological life and on the unconscious in the world in general.

[ 3 ] Ich habe über jene Auseinandersetzungen, die [ich] auch in persönlicher Bekanntschaft mit Eduard von Hartmann hatte, berichtet im zweiten Buch des zweiten Jahrgangs der hier in München erscheinenden Zeitschrift «Das Reich». Ich kann vielleicht am leichtesten zunächst ausdrücken, wie die hier vertretene geisteswissenschaftliche Richtung sich zu dem Begriff des Unbewussten im Allgemeinen stellt, wenn ich gerade anknüpfe an die Vorstellungen, die sich Eduard von Hartmann über das Unbewusste im menschlichen Seelenleben, in der Natur und überhaupt im Dasein gemacht hat, denn ich muss zunächst in zweifacher Beziehung abweichen und habe immer abweichen müssen von den Anschauungen Eduard von Hartmanns in Bezug auf diesen Punkt.

[ 3 ] I have reported on those debates—which [I] also experienced firsthand in my personal acquaintance with Eduard von Hartmann—in the second book of the second volume of the journal Das Reich, published here in Munich. Perhaps the easiest way for me to begin is to explain the position of the school of thought represented here regarding the concept of the unconscious in general by referring specifically to the ideas that Eduard von Hartmann developed about the unconscious in human psychological life, in nature, and in existence in general, for I must first diverge in two respects—and have always had to diverge—from Eduard von Hartmann’s views on this point.

[ 4 ] Das eine ist, dass Eduard von Hartmann hinweist von dem Sinnlichen, von dem Seelischen auf ein Unbewusstes, auf ein Übersinnliches, Überseelisches, dass er aber die Ansicht hatte, dass dieses Unbewusste nur erreicht werden könne für das menschliche Erkennen durch logische Zergliederung dessen, was man in der Natur und im menschlichen Seelenleben wahrnimmt, dass auf keine andere Weise beizukommen sei diesem Unbewussten als in hypothetischer Weise, indem man aus dem, was man sieht und hört und verstandesmäßig erschließen kann, indem man davon schließt auf ein Unbewusstes in der Welt, das immer gegenüber dem, was der Mensch hier im physischen Leibe erkennen kann, auch ein Unbewusstes, ein bloß Hypothetisches bleiben müsse.

[ 4 ] One point is that Eduard von Hartmann points from the sensory and the psychological to an unconscious, to a supersensory and supra-psychological realm; however, he held the view that this unconscious could only be attained by human cognition through the logical analysis of what is perceived in nature and in human psychological life, that there is no other way to approach this unconscious except hypothetically—by drawing conclusions from what one sees, hears, and can deduce intellectually, thereby inferring the existence of an unconscious in the world that, in contrast to what a human being can perceive here in the physical body, must always remain unconscious and purely hypothetical.

[ 5 ] Gegenüber dieser Meinung Eduard von Hartmanns musste ich immer die geisteswissenschaftliche stellen, die darin besteht, dass eine solche hypothetische Feststellung, ein solches bloßes logisches Schließen auf ein Unbewusstes völlig wertlos ist; denn schließlich führt es doch zu nichts, als anzunehmen, dass das, was man so logisch erschließt, auch anders sein könne. Ich musste immer aus den Erlebnissen heraus, die ich mir vorgestern zu schildern hier erlaubte und auf deren Grundlage die heutige Betrachtung aufgebaut werden soll, ich musste immer aus diesen wirklich geistigen Erlebnissen der menschlichen Seele heraus daran festhalten, dass man nicht nur durch das logische Denken, durch das hypothetische Zergliedern der Welt zu dem Übersinnlichen kommen könne, sondern durch unmittelbares Erleben, indem man die in der Seele schlummernden Kräfte so lebendig überführt in Wahrnehmungsfähigkeiten, dass man nicht nur schließen kann auf das Unbewusste, sondern dass man es als solches so ergreifen kann, wie man das Sinnliche, das gewöhnliche Bewusste ergreift.

[ 5 ] In contrast to this view of Eduard von Hartmann, I have always had to take the spiritual-scientific position, which holds that such a hypothetical assertion—such a mere logical inference regarding the unconscious—is completely worthless; for, after all, it leads to nothing other than the assumption that what one deduces logically in this way could also be otherwise. I have always had to draw upon the experiences I took the liberty of describing here the day before yesterday—and upon which today’s discussion is to be based—I have always had to draw upon these truly spiritual experiences of the human soul to maintain that one cannot arrive at the supersensible merely through logical thinking or through the hypothetical dissection of the world, but rather through direct experience, by transforming the powers slumbering in the soul into perceptual abilities so vividly that one can not only infer the unconscious but can grasp it as such, just as one grasps the sensory realm and ordinary consciousness.

[ 6 ] So dringt Geisteswissenschaft von der bloßen Logik zu einem wirklichen Schauen des für das gewöhnliche Bewusstsein Unbewussten, Übersinnlichen. Die Methoden, denen sich die menschliche Seele zu unterwerfen hat, damit sie gewissermaßen aus ihren Untergründen heraus, die selber unbewusst sind, das entwickle, was man unter ... [Lücke] Veränderung der Goethe’schen Ausdrücke «Geistesaugen» und «Geistesohren» «Geistorgane» nennen könnte, diese Methoden habe ich prinzipiell vorgestern angeführt. Das ist das eine, indem Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, in ganz anderer Weise sich zum Unbewussten verhalten muss als irgendeine philosophische Richtung der Gegenwart, gerade diejenigen auch, welche sich in besonderem sogar hypothetisch auf das Unbewusste gründen.

[ 6 ] In this way, spiritual science moves beyond mere logic to a true perception of the unconscious and the supersensible, which are hidden from ordinary consciousness. The methods to which the human soul must submit in order to develop, as it were, from its depths—which are themselves unconscious—what one might call, in a modification of Goethe’s terms “spiritual eyes” and “spiritual ears,” “spiritual organs”—I outlined these methods in principle the day before yesterday. This is one aspect in which spiritual science, as understood here, must relate to the unconscious in a completely different way than any contemporary philosophical school of thought—including, in particular, those that are based specifically, even hypothetically, on the unconscious.

[ 7 ] Das Zweite, um das es sich handelt, ist, dass Eduard von Hartmann das eigentlich in Betracht kommende Geistige für ein sich selbst Unbewusstes letzten Endes hält, das heißt, dass er glaubt, dass man zwar durch gewisse logische Schlussfolgerungen und Bedingungen dahin kommen müsse, hinter dem sinnlichen Dasein ein Geistiges anzunehmen, dass man aber nicht anders könne, als von ihm auszusagen, dass es selbst nicht ein Bewusstes sei, dass es unbewusster Geist sei, dass Bewusstsein aus diesem erst entsteht, wenn dieser unbewusste Geist sich im menschlichen Leibe verkörpert und da sich das Bewusstsein schafft, das dann [das einzige] Bewusstsein wäre, welches in Betracht käme, dem gegenüber also das, was höher zum Beispiel liegt in der Wirklichkeit als dieses Bewusstsein, eben ein Unbewusstes wäre. Man würde dann dazu kommen, dasjenige, was der Mensch als sein eigentliches Wesen der Bewusstheit ansehen muss, dass das wie eine Welle aufstiege aus einem unbewussten geistigen Leben. Ich glaube, sehr verehrte Anwesende, dass es schon von vornherein, obwohl das von keinem besonderen Wert ist, recht unbefriedigend erscheinen muss, wenn man zwar den Geist annimmt, aber diesen mit der Unbewusstheit allein ausgestattet findet, und ein solcher ist im Grunde genommen doch nicht viel mehr wert als die auch unbewusste Materie. Es kommt auf dasselbe hinaus, ob man aus der unbewussten Materie den Geist aufsteigen lässt oder aus dem unbewussten Geist das bewusste Seelenleben aufsteigen lässt; man hat es immer eigentlich mit einem, ich möchte sagen, nur natürlichen Geiste zu tun, mit keinem Verankertsein des menschlichen Geistig-Seelischen in einem ihm verwandten oder übergeordneten Geistig-Seelischen zu tun.

[ 7 ] The second point at issue is that Eduard von Hartmann ultimately regards the spiritual realm that is actually under consideration as something unconscious of itself; that is to say, he believes that, although one must arrive at the conclusion through certain logical inferences and conditions, to assume a spiritual realm behind sensory existence, but that one cannot help but assert that this realm itself is not conscious—that it is an unconscious spirit—and that consciousness arises from it only when this unconscious spirit incarnates in the human body and creates consciousness there, which is then would be [the only] consciousness worth considering; consequently, that which lies higher in reality than this consciousness—for example—would be, in fact, an unconscious entity. One would then come to the conclusion that what human beings must regard as their true essence of consciousness rises like a wave from an unconscious spiritual life. I believe, distinguished audience, that from the very outset—though this is of no particular significance—it must seem quite unsatisfactory to assume the existence of the spirit only to find it endowed solely with the unconscious; and such a spirit is, after all, not worth much more than matter, which is also unconscious. It amounts to the same thing whether one allows the spirit to arise from unconscious matter or allows the conscious life of the soul to arise from the unconscious spirit; one is always, in fact, dealing with what I would call merely a natural spirit, with no anchoring of the human spiritual-soul life in a spiritual-soul life that is related to or superior to it.

[ 8 ] Nun zeigt aber gerade die Erfahrung, von der ich vorgestern hier gesprochen habe, die Erfahrung, die beruht auf dem zur geistigen Wahrnehmung umgewandelten Seelenleben, dass, wenn man eindringt, lebendig eindringt in die Welt des Geistes, man nicht kommt zu Unbewusstheit, sondern zu wirklich Wesenhaftem, das ebenso, ganz unabhängig vom menschlichen Bewusstsein, so bewusst ist wie dieses selbst, ja, dass es gerade dem Menschlichen übergeordnete Grade der Bewusstheit im Weltall gibt.

[ 8 ] But the very experience I spoke of here the day before yesterday—the experience based on soul life transformed into spiritual perception—shows that when one penetrates, truly penetrates, into the world of the spirit, one does not arrive at unconsciousness, but at something truly essential that is—quite independently of human consciousness—just as conscious as human consciousness itself; indeed, that there are levels of consciousness in the universe that are superior to the human level.

[ 9 ] Ich werde nun, sehr verehrte Anwesende, ich werde nun heute mich der Aufgabe unterziehen, vor Ihnen eine Betrachtung anzustellen über das, was im gewöhnlichen menschlichen Seelenleben grenzt an das Gebiet, das im eigentlichen Sinne die hier vertretene Geisteswissenschaft als das Geistige, als das Übersinnliche bezeichnet; denn aus einer solchen Betrachtung ergibt sich dann mancherlei, das, ich möchte sagen, wie illustrativ hineinführt auch in eine sachgemäße Beurteilung dessen, was die Geisteswissenschaft über das eigentlich Übersinnliche selbst zu sagen hat, und außerdem liegt es ja sehr nahe der Gegenwart, wo so viel über das Unbewusste gesprochen wird, wo man gerade in der Form des Unbewussten das Geistige erkennen will, dass auch diese Geisteswissenschaft über jene Gebiete spricht, die man so gern von mancher Seite her verwechseln möchte mit dem eigentlichen Gebiet der Geisteswissenschaft selbst.

[ 9 ] Ladies and gentlemen, today I shall undertake the task of presenting to you a reflection on that aspect of ordinary human soul life which borders on the realm that spiritual science, as represented here, designates in the strictest sense as the spiritual, as the supersensible; for such a reflection then yields various insights that, I would say, provides a clear introduction to a proper assessment of what spiritual science itself has to say about the truly supersensible, and, moreover, it is particularly relevant today, when so much is spoken of the unconscious—when people seek to recognize the spiritual precisely in the form of the unconscious—that this spiritual science also addresses those realms which some would so readily confuse with the actual realm of spiritual science itself.

[ 10 ] Es kommt ja immer wieder und wiederum vor, trotzdem ich seit vielen Jahren jede Gelegenheit hier ergreife, auf den Unterschied des von der Geisteswissenschaft zu betrachtenden Gebietes von diesen Grenzgebieten hervorzuheben, es kommt vor, dass man die Geisteswissenschaft mit diesen Grenzgebieten verwechselt. Daher muss sie über diese Grenzgebiete sprechen. Außerdem liegt noch etwas anderes vor. Das Gebiet des geistigen Lebens, das, so betrachtet, wie ich es vorgestern geschildert habe, das wird eben heute von sehr vielen Menschen gemieden, das wird als das Erträumte, das Phantastische angesehen und man hält sich viel lieber an das, was nicht im freien geistigen Erkennen, so wie die Geisteswissenschaft es will, als das Übersinnliche zu erreichen ist, sondern was sich mehr von selbst ankündigt. Nun strömt zwar Übersinnliches als Offenbarung in das Sinnliche herein; allein diese Offenbarungen des unbewussten Übersinnlichen im Sinnlichen können nur in der richtigen Weise beurteilt werden, wenn man sie vom Gesichtspunkt der eigentlichen Geist-Erkenntnis aus zu betrachten vermag.

[ 10 ] It happens again and again—even though for many years I have taken every opportunity here to emphasize the difference between the field studied by spiritual science and these borderline areas—that people confuse spiritual science with these borderline areas. That is why spiritual science must address these borderline areas. Furthermore, there is another factor at play. The realm of spiritual life—viewed as I described it the day before yesterday—is precisely what so many people today avoid; it is regarded as a figment of the imagination, as fantasy, and people much prefer to cling to that which is not attained through free spiritual cognition, as spiritual science requires, but rather to that which reveals itself more spontaneously. Now, the supersensible does indeed flow into the sensory realm as revelation; yet these revelations of the unconscious supersensible in the sensory realm can only be properly assessed if one is able to view them from the perspective of true spiritual knowledge.

[ 11 ] Ich werde nun heute über die einschlägigen Erscheinungen nur geisteswissenschaftlich sprechen, und ich hoffe, dass man verstehen werde, dass nicht in jedem einzelnen Vortrag immer alles gesagt werden kann. Ich darf ja darauf hinweisen, dass, wenn ich auch heute bloß mehr oder weniger geisteswissenschaftlich diese Erscheinungen erörtere, dass verstanden werde, was ich vorgestern hervorgehoben habe, dass das, was die Geisteswissenschaft zu erkennen versucht, nicht nur in keinem Widerspruch steht mit einem wirklich verstandenen naturwissenschaftlichen Ergebnis, sondern dass diese Erkenntnisse der Geisteswissenschaft, auch diejenigen über das unbewusste Gebiet, von wirklicher, echter naturwissenschaftlicher Erkenntnis bestätigt werden.

[ 11 ] Today I will speak about the relevant phenomena solely from a spiritual-scientific perspective, and I hope that people will understand that it is not always possible to say everything in every single lecture. I would like to point out that, even though I am discussing these phenomena today more or less from the perspective of spiritual science, it should be understood—as I emphasized the day before yesterday—that what spiritual science seeks to understand is not only in no way contradictory to a truly understood scientific finding, but that these insights of spiritual science, including those concerning the unconscious realm, are confirmed by genuine, genuine scientific knowledge.

[ 12 ] Diejenigen Gebiete, die in Betracht kommen, wenn von den Offenbarungen des Unbewussten die Rede ist, sie sind sehr weit, und ich werde nur, ich möchte sagen, ein beschränktes Gebiet heute zu betrachten in der Lage sein, das Gebiet, welches umfasst das interessante, jedem bekannte, wenn auch in seiner Eigenart eigentlich trotz vieler Bemühungen wenig richtig erforschte, unangesehene Gebiet des menschlichen Träumens, die Welt des Traumes; und ich werde zu betrachten haben das Gebiet, welches mancher für verwandt mit dem Traumgebiet hält, welches aber nicht verwandt ist mit ihm, das Gebiet, das gerade in der Gegenwart viele Menschen interessiert, die den Weg zum Geiste suchen, das Gebiet des Soemnambulismus und aller damit verwandten Erscheinungen.

[ 12 ] The areas that come into consideration when we speak of the revelations of the unconscious are very broad, and I will only, I would like to say, be able to examine a limited area today—the area that encompasses the fascinating, well-known, yet—despite many efforts—actually little-researched and neglected realm of human dreaming, the world of dreams; and I will have to examine the field that some consider related to the realm of dreams, but which is not related to it—the field that is of particular interest to many people today who are seeking the path to the spirit: the field of somnambulism and all related phenomena.

[ 13 ] Ich werde dann auf ein anderes Gebiet des Unterbewussten oder Überbewussten hinzuweisen haben, das ebenfalls hereinragt in das gewöhnliche Menschenleben: Es ist das Gebiet der Phantasieschöpfungen, der Dichtung, des künstlerischen Schaffens. Und ich werde dann hinzuweisen haben auf ein weites Gebiet, wenn dieses auch heute nur in Kürze betrachtet werden kann, auf ein weites Gebiet, das halb bewusst und halb unbewusst, aber doch nicht minder bedeutungsvoll für das menschliche Leben an den Menschen herantritt, auf das Gebiet, das wir mit dem Worte «das menschliche Schicksal» bezeichnen, in dem man vielleicht nicht einmal glaubt, dass so viel Unbewusstes darin lebt. Und ich werde dann hinzuweisen haben auf das Gebiet, das das der eigentlichen Geisteswissenschaft ist, das für das gewöhnliche Bewusstsein auch unbewusst bleibt, dessen Offenbarungen aber aufklärend sind über alle anderen Gebiete des Unbewussten; ich werde über das Gebiet des schauenden Bewusstseins zu sprechen haben, von dem ich gern vermeide — obwohl es richtig wäre, es so zu nennen —, von dem ich gern vermeide, es das Gebiet des eigentlichen wirklich entwickelten Sehertums zu nennen.

[ 13 ] I will then have to point to another realm of the subconscious or superconscious that also extends into ordinary human life: it is the realm of imaginative creations, of literature, of artistic creation. And I will then have to point to a vast realm—even if it can only be briefly considered today—a vast realm that approaches human beings as half-conscious and half-unconscious, yet no less significant for human life: the realm we call “human destiny,” in which one might not even believe that so much of the unconscious resides. And I will then have to point to the realm that is that of spiritual science proper, which remains unconscious to ordinary consciousness, but whose revelations shed light on all other realms of the unconscious; I will have to speak of the realm of intuitive consciousness, which I prefer not to call—although it would be correct to do so—the realm of truly developed clairvoyance.

[ 14 ] Ich werde zuerst versuchen, kurz zu charakterisieren, ohne auf irgendwelche Erläuterungen einzugehen, kurz zu charakterisieren, wie diese einzelnen Gebiete, aus denen sich das Unbewusste herausoffenbart, wie sie an das menschliche gewöhnliche Bewusstsein herantreten. Das weite Gebiet des interessanten Traumlebens, es darf allerdings niemand hoffen, dass Geisteswissenschaft in das Traumleben so hineinzublicken willens ist, wie das von mancher dilettantischen oder abergläubischen Seite geschieht; aber dafür sucht Geisteswissenschaft gerade in dieses Gebiet auf eine Art hineinzublicken, dass es selber erklärend und offenbarend werden kann für manche geheimnisvolle Seite des menschlichen Seelenlebens. Jeder kennt es, dieses Traumgebiet, die auf- und abwogenden Träume, an die der Mensch sich erinnert im wachen Tagesleben, von denen er eine Ahnung hat, dass sie sich aus einem Gebiet des Unbewussten offenbaren, die wie Erinnerungsbilder eintreten, sodass sie bis zu einem gewissen Grade überschaut werden können.

[ 14 ] I will first attempt to briefly characterize—without going into any explanations—how these individual realms, through which the unconscious reveals itself, approach ordinary human consciousness. The vast realm of the fascinating life of dreams—though no one should hope that spiritual science is willing to peer into the life of dreams in the same way that certain dilettantish or superstitious sources do; rather, spiritual science seeks to look into this very realm in such a way that it itself can become explanatory and revelatory of certain mysterious aspects of human soul life. Everyone is familiar with this realm of dreams—the ebbing and flowing dreams that a person recalls in waking daily life, of which they have a sense that they reveal themselves from a realm of the unconscious, and which enter the mind like images from memory, so that they can be grasped to a certain degree.

[ 15 ] Ein jeder ahnt aber auch, dass der Mensch viel mehr träumt, als das ist, an das er sich da erinnert, dass das Traumleben einen viel größeren Teil des Schlaflebens durchzieht, als geglaubt wird, deshalb, weil ein großer Teil der erlebten Träume eigentlich vergessen wird. Schon die äußere Charakteristik des Traumlebens ist außerordentlich interessant. Zunächst scheint es so, als ob die Träume auf- und abwogten ohne jede innere Gesetzmäßigkeit. Man braucht sich aber nur einige Kategorien des Traumlebens vor die Seele zu führen und man wird sehen, dass überall eine gewisse, wenn auch zunächst nur oberflächlich meistens betrachtet, dass eine gewisse Gesetzmäßigkeit in diesem Traumleben herrscht.

[ 15 ] Everyone also suspects, however, that people dream much more than they can recall, that dream life permeates a much larger portion of sleep than is generally believed—because a large portion of the dreams experienced is actually forgotten. Even the external characteristics of the dream life are extraordinarily interesting. At first glance, it seems as though dreams ebb and flow without any internal regularity. However, one need only consider a few categories of the dream life to see that a certain regularity—though at first glance it is usually viewed only superficially—prevails throughout this dream life.

[ 16 ] Da hat man zunächst dasjenige, was einzelne Philosophen genannt haben die Sinnesreiz-Träume. An ihnen wird man gewahr, dass das seelisch-geistige Leben des Menschen in einem anderen Verhältnis zur Umwelt steht als beim gewöhnlichen Bewusstsein, wenn es träumt. An ihnen wird man es gewahr, dass in einer gewissen Weise — jetzt zunächst oberflächlich gesprochen — das normale Sinnesleben ausgeschaltet ist, aber nicht jede Sprache, welche die Sinne nach innen zur Seele sprechen, damit auch wegfällt. Man braucht sich nur aus dem Gebiet der Sinnesreizträume irgendwie ein Beispiel vorzuführen, so wird man sehen, dass die Empfänglichkeit der Sinne für die äußere Welt zwar nicht aufzuhören braucht, dass aber die Art, wie der Mensch sich sonst durch seine Sinne mit der Welt verständigt, bei diesen Träumen schon nicht da ist.

[ 16 ] First, there are what some philosophers have called “sensory-stimulus dreams.” In these dreams, one becomes aware that a person’s psychological and spiritual life stands in a different relationship to the external world than it does in ordinary consciousness when one is dreaming. In them, one becomes aware that, in a certain sense—speaking superficially for now—normal sensory life is suspended, but not every form of communication through which the senses speak inwardly to the soul is thereby eliminated. One need only consider an example from the realm of sensory-stimulus dreams to see that, while the senses’ receptivity to the external world need not cease, the way in which a person normally communicates with the world through their senses is already absent in these dreams.

[ 17 ] Man hat seine Uhr neben sich liegen und man träumt, dass man hört zum Beispiel einen Reiter, der vorbeitrabt. Im wachen Zustand würde man ... [Lücke] — Indem man aufwacht, merkt man, dass es der Schlag der Uhr war, der in den Traum sich hinein symbolisiert hat. Im wachen Bewusstsein würde man in einer normalen Weise durch den Sinn des Ohres sich zur Umwelt gestellt haben; im Traum wandelt sich das, was gewöhnliche Sinneswahrnehmung ist, in einen symbolischen Vorgang um. So kann im Grunde genommen jeder Sinn wahrnehmen, eine ganz dramatische Handlung kann sich an eine Sinneswahrnehmung anknüpfen. Immer wird man aber bemerken, dass die Sinneswahrnehmung im Traum in gewisser Weise symbolisch, bildhaft umgedeutet ist. Eine gewöhnliche Sinneswahrnehmung lebt nicht in dem Traumleben.

[ 17 ] You have your watch lying next to you, and you dream that you hear, for example, a rider trotting by. While awake, you would … [gap] — As you wake up, you realize that it was the ticking of the watch that had found its way into the dream as a symbol. In waking consciousness, one would normally relate to the environment through the sense of hearing; in a dream, what is ordinary sensory perception is transformed into a symbolic process. Thus, in essence, every sense can perceive; a highly dramatic event can be linked to a sensory perception. However, one will always notice that sensory perception in dreams is, in a certain way, reinterpreted symbolically and figuratively. Ordinary sensory perception does not exist in the dream world.

[ 18 ] Ebenso können Vorgänge des Leibes sich im Traume symbolisieren. Wir träumen von einem kochenden Ofen, wachen auf und wissen, dass durch einen besonders schnellen Herzschlag dieser Traum veranlasst worden ist. Wir erleben es, dass Stimmungen der Seele, Reminiszenzen des Lebens, Dinge, die vielleicht weit zurückliegen, sich im Traume ausleben. Wir erleben wohl auch, dass wir Dinge träumen, über die wir höchst überrascht sein können. Jeder kennt ja diese verschiedenen Kategorien des Traumlebens. Eines muss, wenn man eintreten will, wie wir das später tun wollen, in eine Charakteristik des Traumlebens, dabei besonders deutlich beachtet werden: Klar ist es, dass dem Traume zwei Seiten des gewöhnlichen menschlichen Erlebens fehlen.

[ 18 ] Likewise, bodily processes can be symbolized in dreams. We dream of a burning stove, wake up, and realize that this dream was triggered by a particularly rapid heartbeat. We experience how moods of the soul, memories of life, and things that may lie far in the past play out in our dreams. We also find that we dream of things that may come as a great surprise to us. Everyone is familiar with these various categories of dream life. If one wishes to undertake a characterization of dream life—as we intend to do later—one thing must be kept particularly clearly in mind: It is evident that dreams lack two aspects of ordinary human experience.

[ 19 ] Wer das Traumleben verfolgt, wird finden, dass dem Traume fehlt dasjenige, was wir im gewöhnlichen bewussten Tagesleben den logischen Gang unserer Vorstellungen nennen. Der Traum schließt die Logik aus. Manchmal möchte man dieser Feststellung widersprechen; doch würde der Widerspruch vor einer genauen Beobachtung nicht bestehen können. Es kann ein Traum logisch verlaufen; dann aber ist der logische Verlauf nicht bewirkt durch die Anwendung der logischen Kraft in der Zeit des Träumens, sondern dann träumen wir irgendein Ereignis, welches in sich einmal von uns logisch verfolgt worden ist. Wir träumen die Logik mit, logisieren aber nicht. So entsteht der Schein, als ob man logisch träumen könne. Man kann das Logische als Reminiszenz träumen; aber man kann nicht das Logische als Kraft des Logisierens verwirklichen.

[ 19 ] Anyone who studies the life of dreams will find that dreams lack what we call, in ordinary conscious daily life, the logical flow of our thoughts. Dreams exclude logic. Sometimes one might be tempted to contradict this observation; yet such a contradiction would not hold up to close scrutiny. A dream may proceed logically; but in that case, the logical progression is not brought about by the application of logical faculty during the act of dreaming, but rather we are dreaming of some event that we once logically followed through in our waking life. We dream along with the logic, but we do not reason. This creates the illusion that one can dream logically. One can dream of the logical as a reminiscence; but one cannot actualize the logical as the power of reasoning.

[ 20 ] Das andere, das charakteristisch ist, ist, dass die moralischen Maßstäbe, die moralischen Beurteilungen in unserem Verhältnis zu den Traumbildern und auch in der Entstehung der Traumbilder fehlen. Jeder weiß, dass er im Traum Dinge tut, gegenüber denen das Gewissen schweigt, welche er verurteilen würde, nimmermehr tun würde, wenn sie wirklich geschehen würden im wachen Tagesleben. Das ist bedeutungsvoll für die Beurteilung der Welt des Traumes, dass die Logik und die moralische Wertung aus dem Traumleben eigentlich ausgeschlossen sind. Das andere, das von wirklicher Bedeutung ist, das ist, dass, während wir träumen, wir zu unserer Umwelt in demselben Verhältnis stehen, indem wir auch im traumlosen Schlaf stehen.

[ 20 ] Another characteristic feature is that moral standards and moral judgments are absent in our relationship to dream images and also in the formation of those images. Everyone knows that in dreams they do things about which their conscience remains silent—things they would condemn and would never do if they actually happened in waking life. This is significant for our understanding of the world of dreams: logic and moral judgment are, in fact, excluded from dream life. The other point of real significance is that, while we dream, our relationship to our environment is the same as it is during dreamless sleep.

[ 21 ] Das ist sehr wichtig. Wir erfahren im traumlosen Schlafe nichts von dem, was in unserer Umgebung vorgeht, durch unsere Sinne, erfahren auch nichts von demjenigen, was in unserem eigenen Leibe sich abspielt oder was sonst von diesem Leibe heraus in das Seelenleben einfließen will. Wir sind gewissermaßen zurückgezogen in das zunächst unbewusst bleibende Seelenleben im traumlosen Schlaf. Strömen ein die Traumbilder in diesen traumlosen Schlaf, so ändert sich dieses unser Verhältnis zur Umwelt nicht. Das ist wesentlich. Zwar kann man von Sinnesreiz-Träumen selber sprechen, aber das, was durch die Sinne auf uns wirkt, das wirkt nicht durch den Vorgang, der sich in den Sinnen abspielt, sondern das wirkt viel innerlicher auf das menschliche Seelenleben; es wirkt so, dass das Sinnliche schon symbolisiert, dass es schon in gewisser Weise seelisch umgestaltet ist. Wir treten nicht in der durch das verständige sinnliche Wahrnehmen kontrollierten Art durch den Traum in ein Verhältnis zu unserer Umwelt, und wir tun das auch nicht zu unserem eigenen Leib. In solcher Weise, wie wir die Zustände in unserem Leibe im Wachen erleben, so erleben wir sie nicht, wir erleben sie umgestaltet, in seelischer Formung, wir erleben sie symbolisiert oder dergleichen, und das ist das Wesentliche im Traumleben, dass es allerlei ins Bewusstsein hereinzaubert, dass aber der Mensch immer zu seiner Umwelt in ein ebenso abgeschlossenes Verhältnis kommt, trotz des Träumens, wie in dem traumlosen Schlaf.

[ 21 ] This is very important. During dreamless sleep, we perceive nothing of what is happening in our surroundings through our senses, nor do we perceive anything of what is taking place within our own bodies or of what might otherwise flow from the body into the life of the soul. In dreamless sleep, we are, so to speak, withdrawn into the life of the soul, which initially remains unconscious. If dream images flow into this dreamless sleep, our relationship to the external world does not change. This is essential. Although one can speak of “sensory-stimulus dreams,” what acts upon us through the senses does not do so through the process taking place in the senses themselves, but rather acts much more deeply on the human soul life; it acts in such a way that the sensory experience is already symbolized, already transformed in a certain way into a soul experience. Through dreaming, we do not enter into a relationship with our environment in the manner controlled by rational sensory perception, nor do we do so with regard to our own body. We do not experience the states in our body in the same way we do when awake; rather, we experience them transformed, in a spiritual form, symbolized, or the like—and this is the essence of dream life: that it conjures all manner of things into consciousness, yet that the human being always enters into a relationship with their environment that is just as closed off, despite dreaming, as it is in dreamless sleep.

[ 22 ] Das ist, äußerlich betrachtet, der Grund, warum wir immer imstande sind, den Traum in seinem Verlauf in das richtige Verhältnis zu setzen zu unserem wachen Tagesleben [und] durch den Traum zunächst nicht betrogen werden können, dass er irgendetwas innerhalb des wachen Tageslebens selber zu bedeuten habe, irgendein Unberechtigtes im praktischen Leben aufstelle. Das gerade ist die Charakteristik des gesunden Seelenlebens, von diesem Gesichtspunkte aus, dass wir nicht in die Lage kommen, den Traum in falschen Zusammenhang zu bringen mit dem wachen Tagesleben. Während der Traum selber nicht logisiert, nicht moralisiert, sind wir immer imstande, das logische, das moralische Verhältnis des Traumverlaufes selbst zum wachen Tagesleben voll festzustellen.

[ 22 ] From an external perspective, this is the reason why we are always able to place the dream, as it unfolds, in the proper context relative to our waking daily life [and] why we cannot, at first, be misled by the dream into thinking that it has any significance within waking daily life itself or that it establishes anything unjustified in practical life. From this perspective, the very hallmark of a healthy psychological life is that we do not find ourselves placing the dream in a false context with our waking daily life. While the dream itself does not reason or moralize, we are always able to fully ascertain the logical and moral relationship of the dream’s course to our waking daily life.

[ 23 ] Das ist das, was den Traum in Bezug auf sein Verhältnis zum wachen Tagesleben unterscheidet von allen persönlichen Erlebnissen, die man nun mit der zweiten Art des Unbewussten machen kann, mit den somnambulen Erscheinungen und all dem, was dazu gehört, die hypnotischen Erscheinungen, die Erscheinungen des Mediumismus und so weiter, und so weiter. Dieses Gebiet, das ist ein solches, das die Gegenwart ganz besonders interessiert, weil man in den abnormen Erscheinungen, die da zutage treten, glaubt, ein Tor zu finden hinaus aus dem gewöhnlichen Sinnesleben, etwas zu finden, wo ein Unbekanntes hereinschaut und sich offenbart im gewöhnlichen Seelenleben.

[ 23 ] This is what distinguishes the dream—in terms of its relationship to waking life—from all the personal experiences one can have with the second type of unconscious: somnambulistic phenomena and everything associated with them, hypnotic phenomena, mediumistic phenomena, and so on and so forth. This field is one that is of particular interest today, because people believe that in the abnormal phenomena that come to light there, they can find a gateway out of ordinary sensory life—a place where the unknown peeks in and reveals itself within ordinary spiritual life.

[ 24 ] Und so kommt es denn, dass Menschen, die selbst nicht nur ernst zu nehmen sind als naturwissenschaftliche und sonstige Forscher, glauben, dass man an das wahre Geistige herankommen könne durch eine Erforschung dieses Gebietes, oder auch, dass wahre Forscher — manchmal große Forscher auf ihrem Gebiet — weil ja die allgemeine Sehnsucht auch bei ihnen besteht, dass sie falsch beurteilen dasjenige, was in dem weiten Gebiet der somnambulen Erscheinungen sich zusammenfassen lässt, und glauben, durch das Betrachten dieser somnambulen Erscheinungen wirklich einem jenseitigen Geistesleben nahetreten zu können.

[ 24 ] And so it happens that people—who themselves should not be taken seriously as scientists or researchers in other fields—believe that one can gain access to the true spiritual realm through research in this area, or even that true researchers—sometimes great researchers in their own fields — because they, too, share the general longing—misjudge what can be summarized under the broad category of somnambulistic phenomena, and believe that by observing these somnambulistic phenomena they can truly draw near to a spiritual life beyond this world.

[ 25 ] Nun hat man zu unterscheiden auf dem Gebiet des Somnambulismus und dem Verwandten — ich erwähne alles Verwandte dabei — zu unterscheiden alles das, was in visionärer, in halluzinatorischer Weise so aufsteigt aus dem inneren Seelenleben, dass man beurteilen kann: Es steigt auf aus dem inneren Seelenleben. Selbst Eduard von Hartmann konnte nicht unterscheiden das Bild, das im Traum vor der Seele auftritt, von dem, was zum Beispiel eine Halluzination ist. Und so sagt er, dass jedes Traumbild etwas von einer Halluzination habe. — Es besteht aber gerade der durchgreifende Unterschied zwischen dem Traumbild und der Halluzination, dass der Mensch mit seinem Wachbewusstsein volle Gewalt über das Traumbild hat, dass er jederzeit in der Lage ist, das Traumbild in der richtigen Weise einzuordnen in den gewöhnlichen Gang des wachen Tageslebens, während die Halluzination entreißt die Möglichkeit, sich objektiv zu ihr zu stellen. Sie nimmt das Bewusstsein des Menschen in ihre Gewalt. Ebenso macht es die Vision. Und die Tatsache, dass sie auftreten, die bedingt zugleich, dass dem Menschen etwas genommen wird von jener Kraft, die es möglich macht, in der richtigen Weise das Aufsteigende hineinzustellen in das wache Tagesleben. ... [Lücke] Scheincharakter des Traumes.

[ 25 ] Now we must distinguish, in the realm of somnambulism and related phenomena—and I am referring to everything related to it here—we must distinguish everything that arises from the inner life of the soul in such a visionary, hallucinatory manner that one can judge: It arises from the inner life of the soul. Even Eduard von Hartmann could not distinguish the image that appears before the soul in a dream from what, for example, is a hallucination. And so he says that every dream image has something of a hallucination about it. — Yet there is precisely this fundamental difference between the dream image and the hallucination: that the person, through their waking consciousness, has complete control over the dream image, and is at all times able to correctly place the dream image within the ordinary course of waking daily life, whereas the hallucination robs one of the ability to view it objectively. It takes control of a person’s consciousness. A vision does the same. And the very fact that they occur means that a person is deprived of some of the power that makes it possible to properly integrate what arises into waking daily life. ... [gap] The illusory nature of the dream.

[ 26 ] Das aber ist das Wesentliche der Halluzination, dass die Logik so schweigt, dass der Halluzinierende mit dem wachen Tagesleben die Sache verquickt und nicht imstande ist, indem er der Halluzination unterliegt, das, was in der Halluzination auftritt, in der richtigen Weise hineinzustellen in den Gang des wachen Tageslebens. Wir sprechen dann von einer anderen Form des Somnambulismus, wenn der Mensch in die Lage kommt, nicht nur aus seinem Innern aufsteigend Halluzinationen, Visionen zu haben, sondern wenn er sein Sinnesleben in einer gewissen Weise so verändert, dass ihm durch dieses Sinnesleben nach Analogie mit diesem Sinnesleben Dinge wahrnehmbar werden, die sonst nicht wahrnehmbar sind.

[ 26 ] But this is the essence of hallucination: that logic falls silent to such an extent that the person hallucinating blends the experience with waking daily life and, while succumbing to the hallucination, is unable to properly integrate what occurs in the hallucination into the course of waking daily life. We speak of another form of somnambulism when a person finds themselves not only experiencing hallucinations and visions arising from within, but also when they alter their sensory life in such a way that, by analogy with this sensory life, things become perceptible to them that would otherwise be imperceptible.

[ 27 ] Man mag über diese Erscheinungen denken, wie man will — ich will gar nicht auf eine prinzipielle Erörterung dieser Erscheinungen eingehen, nicht darauf, dass man berechtigt ist, mehr oder weniger demjenigen, was angenommen wird auf diesem Boden in weitesten Kreisen, ob man berechtigt ist, dem wirklich einen wissenschaftlichen Charakter beizulegen. Mir kommt es darauf an, vor Ihnen auseinanderzusetzen, wie sich — gleichgültig, wie die objektive Berechtigung liegt — angesehene Forscher durch dieses Gebiet Einblick verschaffen wollen in das Übersinnliche der Welt! Man darf schon sagen: Wie man auch selbst zu diesen Dingen stehen mag, es sind durchaus ernst zu nehmende Menschen, welche sich klar darüber sind, dass bei gewissen Konstitutionen mancher Menschen die Fähigkeit eintritt, anderes in ihrer Umgebung wahrzunehmen, als bei gewöhnlicher normaler Sinnestätigkeit wahrgenommen wird, im weiten Gebiet des «Fern-Sehens», der Gedankenübertragung.

[ 27 ] One may think what one will about these phenomena—I do not wish to enter into a discussion of principle regarding these phenomena, nor of whether one is justified in more or less attributing a truly scientific character to what is widely accepted in this field. What matters to me is to explain to you how—regardless of the objective validity of the matter—respected researchers seek to gain insight into the supernatural aspects of the world through this field! It is fair to say: Whatever one’s own stance on these matters may be, there are people who must be taken seriously—people who are well aware that, in certain individuals with particular constitutions, the ability arises to perceive things in their surroundings that go beyond what is perceived through ordinary, normal sensory activity, within the broad realm of “remote viewing” and thought transmission.

[ 28 ] Das alles ist heute hinlänglich bekannt. Sie gehören hierher, und ich will zeigen an einem besonderen Beispiel, wie ein im höchsten Sinn ernst zu nehmender Forscher glaubte, gerade durch die Ausbildung von menschlichen Persönlichkeiten, ich möchte sagen, zu einer verfeinerten Sinnlichkeit, zu einer gesteigerten Sinnlichkeit, an das Jenseitige, an das Unbewusste, an das Übersinnliche heranzutreten. Es hat selten auf diesem Gebiete etwas ein so umfassendes Aufsehen gemacht als vor ganz kurzer Zeit die Tatsache, dass der ja in der ganzen Welt als allerernst zu nehmender Naturforscher Sir Oliver Lodge ein dickes Buch geschrieben hat über ein Gebiet, welches von der hier vertretenen Geisteswissenschaft durchaus zu den somnambulen Erscheinungen gezählt werden muss, welches er aber genommen hat als einen Weg, in die übersinnliche Welt hineinzukommen. Ich will auch zunächst, ohne mich schon auf eine Erklärung einzulassen, nur schildern, was da an Sir Oliver Lodge herangetreten ist.

[ 28 ] All of this is well known today. It belongs here, and I want to use a specific example to show how a researcher who must be taken seriously in the highest sense believed that it was precisely through the development of human personalities—I would say, through a refined sensibility, an heightened sensibility—that one could approach the beyond, the unconscious, and the supersensible. Rarely has anything in this field caused such a widespread sensation as the fact, quite recently, that Sir Oliver Lodge—who is, after all, regarded throughout the world as a natural scientist to be taken very seriously—wrote a thick book on a subject that, from the perspective of the spiritual science represented here, must certainly be classified among somnambulistic phenomena, yet which he regarded as a path into the supersensible world. For now, without delving into an explanation, I would simply like to describe what Sir Oliver Lodge encountered.

[ 29 ] Der Sohn des Oliver Lodge ist an der französischen Front gefallen im Verlaufe dieses Krieges. Das Merkwürdige war — und Sir Oliver Lodge schildert in seinem Buche dieses alles und alles, was damit zusammenhängt so, dass man aus jeder Seite den Eindruck hat: Hier schildert ein Mensch mit der Gewissenhaftigkeit naturwissenschaftlicher Methode. Er greift zu allem, was nur irgendwie naturwissenschaftliche Vorsicht fordert. Das Eigentümliche war, dass, noch bevor der Sohn Lodge gefallen ist, Sir Oliver Lodge von amerikanischer Seite die Mitteilung erhielt, ein Medium hätte gesagt, dass ein längst verstorbener Freund von Sir Oliver Lodge sich bei einem Ereignis, das über den Sohn des Sir Oliver Lodge hereinbrechen werde, dann seiner annehmen werde. Das ist zunächst eine sehr vage Mitteilung gewesen, denn man konnte sie natürlich in jeder Richtung deuten. Man konnte sich sagen: Der Sohn des Sir Oliver Lodge war in den Krieg gezogen. Da kann jeder fallen, und es kann irgendeine befreundete, aber abergläubische Seite nun eine möglichst vage Mitteilung herankommen lassen an Sir Oliver Lodge. Sir Oliver Lodge hätte das zunächst so deuten können, dass der Sohn in Lebensgefahr käme und dass ein verstorbener Freund aus der übersinnlichen Welt schützend seine Hand über den Sohn halten werde.

[ 29 ] Oliver Lodge’s son was killed on the French front during the course of this war. The remarkable thing was—and Sir Oliver Lodge describes all of this and everything related to it in his book in such a way that every page gives the impression: Here is a man writing with the meticulousness of the scientific method. He applies scientific caution to everything that in any way calls for it. What was peculiar was that, even before Lodge’s son was killed, Sir Oliver Lodge received a message from the American side stating that a medium had said a long-deceased friend of Sir Oliver Lodge would take care of him during an event that was about to befall Sir Oliver Lodge’s son. At first, this was a very vague message, for it could, of course, be interpreted in any number of ways. One might have thought: Sir Oliver Lodge’s son had gone off to war. Anyone could be killed there, and some well-meaning but superstitious acquaintance might have relayed this as vague a message as possible to Sir Oliver Lodge. Sir Oliver Lodge might initially have interpreted this to mean that his son’s life was in danger and that a deceased friend from the supernatural world would extend a protective hand over his son.

[ 30 ] Die Deutung hätte auch die andere sein können, dass der Sohn fallen werde und dass dann der Freund, der ihm schon vor Jahren vorangegangen ist durch den Tod, sich seiner annehmen werde in der übersinnlichen Welt. Es kommt ja nur allzu häufig vor, dass man so vorläufige Mitteilungen auf diesem Gebiete möglichst vage sein lässt. Die Menschen sind ja leichtgläubig; sie sind sehr geneigt, nicht darauf einzugehen, dass das, was so gesagt wird, passt, ob nun die Sache so oder so geschieht. Aber der Sohn ist gefallen. Die Deutung war nur möglich, dass gemeint war, dass der Sir Oliver Lodge Befreundete in der jenseitigen Welt sich des Sohnes annehmen werde.

[ 30 ] The interpretation could also have been the opposite—that the son would die and that his friend, who had preceded him in death years earlier, would take care of him in the spiritual world. It happens all too often, after all, that such preliminary messages in this realm are kept as vague as possible. People are, after all, gullible; they are very inclined not to consider whether what is said in this way is accurate, regardless of whether the event turns out one way or the other. But the son did fall. The only possible interpretation was that it meant Sir Oliver Lodge’s friend in the spirit world would take care of the son.

[ 31 ] Nun wurde herangeschleppt an Sir Oliver Lodge alles Mögliche — aber er beweist das in wirklich wissenschaftlichem Sinn —, wurde herangeschleppt alles Mögliche an sogenannten vertrauenswürdigen somnambulen Medien, und da kam mancherlei heraus, aus dem Sir Oliver Lodge trotz seines naturwissenschaftlichen Sinnes und seiner Gewissenhaftigkeit zu erkennen glaubte, dass durch die Offenbarungen der Medien sich sein verstorbener Sohn und durch ihn der ihn schützende Freund ausspreche. Ich will das, was in dem dicken Buch Sir Oliver Lodge schildert, nicht vorbringen, bis auf eines, das gewissermaßen so aufzufassen ist, wie man spricht sonst von einem Kreuzexperiment, das wirklich so herantrat an die Leute, dass ungeheures Aufsehen entstand, dass die skeptischen Menschen durch diese Dinge eigentlich, man möchte sagen, doch zu dem Glauben geführt worden sind: Da muss etwas aus dem Jenseits, aus der durch den Tod gegangenen Seele hereinklingen[d] zum Vater, zur ganzen Familie, durch die Medien sprechen wollen.

[ 31 ] Now, all sorts of things were brought before Sir Oliver Lodge—but he proves this in a truly scientific sense—all sorts of so-called trustworthy somnambulistic mediums were brought before him, and various things emerged from this, from which Sir Oliver Lodge, despite his scientific mind and his conscientiousness, believed he could discern that his deceased son—and, through him, the friend who was protecting him—were speaking through the mediums’ revelations. I do not wish to present what Sir Oliver Lodge describes in that thick book, except for one thing, which can be understood, so to speak, as what is otherwise referred to as a cross-experiment—one that truly made such an impression on people that it caused a tremendous sensation, so much so that skeptical people were, one might say, actually led by these events to believe: Something from the beyond—from a soul that has passed through death—must be trying to reach out[d] to the father, to the entire family, and speak through the mediums.

[ 32 ] Dieses Experiment bestand darin, dass durch ein Medium beschrieben wurde eine Fotografie, welche aufgenommen wurde von dem Sohne Sir Oliver Lodges, bevor er gefallen war. Er hat sich mit einer Anzahl von Kameraden fotografieren lassen. Das Medium sprach sich darüber so aus, dass durch es gesagt wurde — diese Fotografie wurde aufgenommen. Es wurde beschrieben, wie die einzelnen Kameraden in der Sitzordnung angeordnet sind, es wurde gesagt: Von dieser Gruppe wurden mehrere Aufnahmen gemacht. Es wurde weniges an der Sitzordnung verändert; aber bei einer Aufnahme wurde gesagt: Die Art, wie der Sohn die Hand auf die Schulter des Nachbarn legt, ist eine andere als die Handlage bei der anderen Aufnahme. Nun war das Eigentümliche, dass genau diese Fotografie beschrieben war durch das Medium. Das andere Eigentümliche war, dass von dieser Fotografie naturwissenschaftlich nachweislich niemand, weder das Medium noch ein Teilnehmer, irgendetwas gewusst hat; denn die Fotografie war noch nicht nach England von Frankreich geschickt, sie kam erst mindestens vierzehn Tage später in England selber an. Niemand konnte etwas wissen von ihr; dennoch, in der frappierendsten Weise stellte sich heraus, dass die Beschreibung durch das Medium absolut stimmte.

[ 32 ] This experiment involved a medium describing a photograph that had been taken of Sir Oliver Lodge’s son before he was killed in action. He had his picture taken with a number of comrades. The medium commented on it by stating—this photograph was taken. The medium described the seating arrangement of the individual comrades and stated: “Several photographs were taken of this group.” There were minor changes to the seating arrangement; however, regarding one photograph, the medium noted: “The way the son places his hand on his neighbor’s shoulder is different from the hand position in the other photograph.” The remarkable thing was that it was precisely this photograph that was described by the medium. The other remarkable thing was that, as scientifically verifiable, no one—neither the medium nor any of the participants—knew anything about this photograph; for the photograph had not yet been sent from France to England; it did not arrive in England itself until at least fourteen days later. No one could have known anything about it; nevertheless, in the most striking manner, it turned out that the medium’s description was absolutely accurate.

[ 33 ] Es ist gerade vielleicht für einen naturwissenschaftlich Denkenden so etwas außerordentlich verführerisch, und es hat das alleräußerste Aufsehen gemacht, wie erwähnt, die zweifelndsten Menschen nachdenklich gestimmt. Denn man sagte sich: Niemand konnte etwas wissen. Von Gedankenübertragung konnte nicht die Rede sein. Es konnte nur kommen von der Seele des Sohnes von Sir Oliver Lodge selber. Das war ein Erlebnis, welches nicht einem leichtgläubigen Spiritisten, sondern einem gewissenhaften Naturforscher passiert ist und welches ihn dazu geführt hat, voll zu bekennen, dass durch das Experiment der Beweis erbracht sei, dass die Seele seines Sohnes aus dem Unbewussten in das Bewusste sich geoffenbart habe. Wir werden nachher den Irrtum des Sir Oliver Lodge zu besprechen haben.

[ 33 ] Such a thing is perhaps especially alluring to someone with a scientific mindset, and—as mentioned—it caused an enormous sensation, giving even the most skeptical people pause for thought. For people told themselves: No one could have known anything. There could be no question of thought transmission. It could only have come from the soul of Sir Oliver Lodge’s own son. This was an experience that happened not to a gullible spiritualist, but to a conscientious natural scientist—and it led him to fully acknowledge that the experiment had provided proof that his son’s soul had revealed itself from the unconscious to the conscious. We will discuss Sir Oliver Lodge’s error later.

[ 34 ] Ich führe dieses Beispiel an, weil es zu jenen Erfahrungen gehört, wo in der Tat irgendetwas, was sonst aus der Umgebung der Außenwelt nicht wahrgenommen werden kann, durch eine Modifikation des Sinnenlebens wahrgenommen wird. Es gehört in dieses Gebiet alles das herein, was eben darinnen besteht, dass der Mensch dasjenige, was sonst durch die Sinne und die Verarbeitung der Sinneseindrücke nicht gewusst werden kann im Raum und in der Zeit, vom Menschen gewusst wird, es gehört dasjenige herein, das ein Schauen in solche Fernen einschließt, in die man mit gewöhnlichen Augen nicht sehen kann, was einschließt das Vorhersagen künftiger Erscheinungen und dergleichen mehr.

[ 34 ] I cite this example because it is one of those experiences in which something that cannot otherwise be perceived from the external world is in fact perceived through a modification of sensory life. This realm encompasses everything that consists precisely in the fact that human beings come to know, in space and time, that which cannot otherwise be known through the senses and the processing of sensory impressions; it includes that which involves seeing into such distances as cannot be seen with ordinary eyes, as well as the prediction of future events and the like.

[ 35 ] Als drittes Gebiet, das in Betracht kommt, wenn man von den Offenbarungen des Unbewussten spricht, kennt ja jeder das Gebiet des künstlerischen Schaffens, und jeder ist mit voller Berechtigung davon überzeugt, dass in dem Falle, wo dichterisches, wahrhaft dichterisches oder künstlerisches Schaffen überhaupt vorliegt, gewisse Impulse aus dem Unbewussten oder Unterbewussten in das Bewusste herein sich offenbaren, dass das, was der wahre Künstler zustande bringt, durchaus in seiner Ganzheit nicht zu erklären ist, wenn man nur das ins Auge fasst, was im gewöhnlichen Bewusstsein sich abspielt. Darum haben sich alle diejenigen, die darüber sich vernünftige Gedanken gemacht haben, eben zu der Überzeugung sich bekannt, dass im künstlerischen Schaffen hereinströme in die Welt der Bewusstheit eine andere Welt, die für die gewöhnliche Welt der Bewusstheit unbewusst ist. Ich brauche dieses Gebiet gerade nicht so genau zu charakterisieren, weil es weder unbekannt ist und wenig beobachtet wird, sondern weil es jedem so naheliegt und jedem so verständlich ist, dass auf diesem Gebiet Unbewusstes sich offenbart.

[ 35 ] The third area that comes to mind when speaking of the manifestations of the unconscious is, of course, the realm of artistic creation, and everyone is quite rightly convinced that, whenever genuine poetic or artistic creation takes place, certain impulses from the unconscious or subconscious reveal themselves to the conscious mind—and that what the true artist brings into being cannot be fully explained by considering only what takes place in ordinary consciousness. That is why all those who have given this matter serious thought have come to the conviction that, in artistic creation, another world—one that is unconscious to the ordinary world of consciousness—flows into the world of consciousness. I do not need to characterize this realm in great detail, not because it is unknown or rarely observed, but because it is so familiar to everyone and so easily understood that the unconscious reveals itself in this realm.

[ 36 ] Als ein besonderes Gebiet noch, wo, wie schon gesagt, man den Charakter des Unbewussten ableugnen könnte, wo Bewusstes und Unbewusstes durcheinanderspielen, kann aufgefasst werden das Gebiet des menschlichen Schicksalslebens. Wir stehen der Führung unseres Schicksals so gegenüber, dass die einzelnen Ereignisse dieses menschlichen Schicksalslebens für die meisten Menschen doch so kommen, dass sie sagen: Nun, es trifft uns eben das eine und andere. Die meisten sind überzeugt, dass das, was als Schicksal in ihrem Leben auftritt, dass das mehr oder weniger dem Zufall zu verdanken ist, dass sich Zufall an Zufall gliedert und dass irgendeine innere gesetzmäßige Folge in diesem Schicksalsverlauf nicht vorhanden wäre.

[ 36 ] The realm of human destiny can be understood as yet another special realm where, as already mentioned, one might deny the nature of the unconscious—a realm where the conscious and the unconscious intertwine. We approach the course of our destiny in such a way that, for most people, the individual events of this human life of destiny occur in such a way that they say: Well, one thing or another just happens to us. Most people are convinced that what appears as fate in their lives is more or less due to chance, that one chance event follows another, and that there is no inner, lawful sequence in the course of this fate.

[ 37 ] Dem widerspricht aber allerdings etwas anderes, das vielleicht nur dunkel und dumpf, aber doch nur allzu deutlich auch wiederum vor unser Bewusstsein hintreten kann. Bedenken wir das Verhältnis unseres Schicksals zu dem, was wir eigentlich im konkreten menschlichen Leben sind. Wenn wir irgendeinmal nur einigermaßen klar selbstbeobachtend uns suchen, dann werden wir finden, wenn wir nicht ganz in Abstraktionen stecken bleiben, sondern konkret betrachten, was wir eigentlich sind, was wir imstande sind, für Vorstellungen aufzufassen und diesen Vorstellungen für Gemütsfärbungen zu geben, an Energien des Willens aufzubringen, dass das eigentlich aus unserem Schicksal hervorgeht. Wir blicken zunächst auf den Verlauf unseres Schicksals und wir wissen bei klarer Selbstbeobachtung: Wir sind ein Ergebnis dieses Schicksals und wir müssten uns selber verleugnen, wenn wir die Identität unseres Schicksalsverlaufes mit unserem Seelenleben verleugnen wollten. Wir sind nichts anderes, als was das Schicksal aus uns gemacht hat, und wollen wir nicht anerkennen, dass wir nichts weiter sind als ein Spiel von Kräften, dann wird eine Rätselfrage die Frage des menschlichen Schicksals.

[ 37 ] However, this is contradicted by something else that may emerge into our consciousness—perhaps only dimly and vaguely, yet all too clearly. Let us consider the relationship between our fate and what we actually are in concrete human life. If we ever search within ourselves with even a modicum of clear self-observation—if we do not get completely bogged down in abstractions but instead look concretely at what we actually are, at what we are capable of conceiving as ideas and imbuing these ideas with emotional hues, and at the energies of the will we can muster—we will find that this actually arises from our destiny. We first look at the course of our destiny, and through clear self-observation we know: We are the result of this destiny, and we would have to deny ourselves if we were to deny the identity between the course of our destiny and our inner life. We are nothing other than what destiny has made of us, and if we refuse to acknowledge that we are nothing more than a play of forces, then the question of human destiny becomes an enigma.

[ 38 ] Von der Beantwortung der Frage: Ist das Schicksal wirklich nur eine Folge von Zufällen? — hängt die andere ab, wie wir uns selber hineinzustellen vermögen in den ganzen Weltzusammenhang. Daraus aber entsteht zunächst mindestens die Ahnung bei jeder einigermaßen sinnigen Seele, dass in dem, was wir bewusst erleben und [was] uns mehr oder weniger zufällig in unserem Schicksal getroffen erscheint, dass darin etwas waltet, was zwar für das gewöhnliche Erleben unbewusst bleibt, was aber hereingeholt werden kann in das Bewusstsein und sich als etwas ganz anderes erweist als das, was im gewöhnlichen Bewusstsein auftritt.

[ 38 ] The answer to the question: Is fate really just a series of coincidences? — determines how we are able to situate ourselves within the greater context of the world. From this, however, arises at least a vague sense in every reasonably perceptive soul that in what we consciously experience—and in what appears to have befallen us more or less by chance in our fate—there is something at work that, while remaining unconscious to ordinary experience, can be brought into consciousness and proves to be something entirely different from what appears in ordinary consciousness.

[ 39 ] Und endlich: Das letzte Gebiet ist das Gebiet der Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, selber, das Gebiet des eigentlichen schauenden Bewusstseins, von dem ich vorgestern sagte, dass es betrachtet werden kann so, dass sich in ihm der Mensch als Geist im Geiste fühlt, so wie er sich hier in der Sinneswelt als Leib innerhalb der sinnlichen Wesen und ihrer Erscheinungen fühlt, das Gebiet, von dem ich gesagt habe, dass es der Mensch betritt, wenn er nun wirklich durch die Entwicklung der sonst verborgenen Kräfte seiner Seele dazu kommt, dass er weiß: Ich stehe mit meinem Ich im Geiste, während ich sonst nur im Leibe stehe; ich erlebe Seelisches, indem ich mich von meinem leiblichen Leben getrennt habe und außerhalb des Leibes ein selbstbewusstes seelisches Leben entfalte.

[ 39 ] And finally: The last realm is the realm of spiritual science, as it is understood here, itself—the realm of true contemplative consciousness, of which I said the day before yesterday that it can be viewed in such a way that within it the human being feels himself as spirit within spirit, just as he feels here in the sensory world as a body within sensory beings and their phenomena—the realm of which I have said that a human being enters when, through the development of the otherwise hidden powers of his soul, he truly comes to know: I stand with my “I” in the spirit, whereas otherwise I stand only in the body; I experience the soul by separating myself from my physical life and unfolding a self-conscious soul life outside the body.

[ 40 ] Die Erscheinungen und Erlebnisse, welche vor diesem eigentlich nur berechtigt so zu nennenden Sehertum auftreten, die muss ich etwas genauer charakterisieren, und vor der Charakteristik der anderen Grenzgebiete möchte ich dieses Gebiet des wahren Sehertums zunächst etwas charakterisieren, weil dies notwendig ist zum besseren Verständnis der anderen Gebiete. Dasjenige, was der Mensch erlebt als geistige Erfahrung, ich habe schon vorgestern gesagt, es unterscheidet sich dadurch von den Erlebnissen innerhalb der Sinneswelt, dass es eigentlich in jeder Einzelheit einen überrascht. Man kann nicht durch das, was man in der Sinneswelt erfahren hat, irgendein Urteil gewinnen über das, was man seherisch erlebt. Es kommt doch immer anders, als man erwarten könnte nach dem, was aus der Sinneswelt zu beobachten man in der Lage ist.

[ 40 ] I must characterize in somewhat greater detail the phenomena and experiences that occur within this form of clairvoyance—which can truly and justifiably be called such—and before characterizing the other borderline areas, I would like to first characterize this realm of true clairvoyance to some extent, because this is necessary for a better understanding of the other areas. What a person experiences as a spiritual experience—as I already said the day before yesterday—differs from experiences within the sensory world in that it actually surprises one in every detail. One cannot form any judgment about what one experiences clairvoyantly based on what one has experienced in the sensory world. It always turns out differently than one might expect based on what one is able to observe in the sensory world.

[ 41 ] Aber schon die ganze Art und Weise, wie vor dem seherischen Wahrnehmen die geistige Welt auftritt, unterscheidet sich von dem Verhalten der Seele im gewöhnlichen Bewusstsein. Zunächst, im gewöhnlichen Bewusstsein, haben wir es ja zu tun mit unseren Vorstellungen, mit unseren Begriffen. In Begriffe, in Vorstellungen muss derjenige, der über die geistige Welt spricht, auch das kleiden, was beobachtet werden kann, und so kann es leicht kommen, dass man Vorstellungen, Begriffe, dass man diese verwechselt mit den eigentlich geistigen Erlebnissen, denen man gegenübersteht durch das seherische Bewusstsein.

[ 41 ] But even the very way in which the spiritual world presents itself to clairvoyant perception differs from the soul’s behavior in ordinary consciousness. To begin with, in ordinary consciousness, we are, after all, dealing with our ideas and concepts. Anyone who speaks about the spiritual world must also clothe what can be observed in concepts and ideas, and so it can easily happen that one confuses these ideas and concepts with the actual spiritual experiences one encounters through clairvoyant consciousness.

[ 42 ] Dennoch ist ein durchgreifender Unterschied. An die gewöhnlichen Vorstellungen, an das, was man seelisch erlebt an und mit der äußeren Sinneswelt, kann man sich erinnern im gewöhnlichen Sinn des Wortes; das aber ist gerade ein Grundkennzeichen des wahrhaftig erlebten Geistigen, dass so, wie es uns als Geistiges entgegentritt, es nicht erinnert werden kann in der gewöhnlichen Weise. Man könnte also nur dann glauben, dass man sich einer phantastischen Vorstellung hingegeben habe, dass man irgendetwas als Lebensreminiszenz erlebt habe, wenn man nicht den Unterschied wüsste zwischen erinnerbaren Vorstellungen und dem nicht erinnerbaren, geschauten, wahrhaft geistigen Ereignisse. Ein wahrhaft geistiges Ereignis ist nicht erinnerbar.

[ 42 ] Nevertheless, there is a fundamental difference. One can remember ordinary perceptions—that which one experiences psychologically in and through the external sensory world—in the ordinary sense of the word; but it is precisely a fundamental characteristic of the truly experienced spiritual that, just as it presents itself to us as spiritual, it cannot be remembered in the ordinary way. One could therefore only believe that one had succumbed to a fanciful imagination, that one had experienced something as a reminiscence of life, if one did not know the difference between ideas that can be remembered and the unrememberable, beheld, truly spiritual events. A truly spiritual event cannot be remembered.

[ 43 ] Man darf eine solche Sache nicht falsch ansehen. Selbstverständlich kann man einwenden: Dann könnte ja niemand sprechen von einem solchen Ereignisse; wenn er sich nicht daran erinnerte, so würde er ja nichts davon mitteilen können. Ja, gerade wie wir ein äußeres Sinneserlebnis umsetzen können in einen Begriff, der dann erinnerbar ist, so kann derjenige, der sich für diese Sache geübt hat, auch ein geistiges Erlebnis hereinholen in das gewöhnliche Bewusstsein und es umsetzen in einen Begriff. Der Begriff kann dann erinnert werden. Da wird aber ein Begriff erinnert. Ich will da nur zurückweisen den Einwurf, als ob das, was man an geistigen Ereignissen schildert, nur etwas Erdachtes wäre. Das ist es nicht, weil, wenn es erdacht wäre, so müsste es, ohne dass es erst umgesetzt werden müsste, als solches erinnerbar sein; aber geradeso wenig, wie die sinnliche Gegenständlichkeit selbst mit uns geht, so wenig geht das geistige Erlebnis mit uns.

[ 43 ] One must not misunderstand such a thing. Of course, one might object: Then no one could speak of such an event; if they did not remember it, they would not be able to tell anyone about it. Yes, just as we can transform an external sensory experience into a concept that can then be recalled, so too can someone who has trained themselves in this matter bring a spiritual experience into ordinary consciousness and transform it into a concept. The concept can then be recalled. But what is recalled is a concept. I merely wish to refute the objection that what is described in terms of spiritual events is merely something imagined. It is not, because if it were imagined, it would have to be recallable as such without first having to be transformed; but just as the sensory objectivity itself does not remain with us, neither does the spiritual experience remain with us.

[ 44 ] Wenn ich einen Baum gesehen habe und weggehe, so kann ich die Vorstellung des Baumes wieder vergegenwärtigen, kann mich erinnern dadurch, dass ich die Vorstellung in mir erwecke, wenn ich sie schon am Baum erweckt habe. Will ich den Baum wieder erleben, so muss ich wieder hingehen zu dem Baume. So auch ist es gerade dem geistigen Erlebnis gegenüber. Dieses geht ebenso wenig mit mir, macht den Weg meines Seelenlebens nicht mit, sondern nur dasjenige, was ich mir vorgestellt habe, kann ich mir als Vorstellung erinnern. Nur dann, wenn man das kennt, kann man unterscheiden zwischen dem, was man erlebt, und [dem], was man sich bloß als Vorstellung gebildet hat.

[ 44 ] When I have seen a tree and walk away, I can bring the image of the tree back to mind; I can remember it by awakening that image within myself, provided I had already awakened it while looking at the tree. If I want to experience the tree again, I must go back to it. The same is true of spiritual experience. It does not accompany me either; it does not follow the path of my inner life. Rather, I can only recall as an image that which I have imagined. Only when one knows this can one distinguish between what one has experienced and [what] one has merely formed as an image.

[ 45 ] Ein anderer wesentlicher Unterschied des Seherlebens vom gewöhnlichen Leben ist dieses, dass man im Leben durch das, was man verrichtet, sich Gewohnheiten aneignet. Das, was wir oft getrieben haben, wird zur Gewohnheit. Wäre diese Fähigkeit dem Menschen nicht gegeben, dadurch, dass er Dinge immer wieder wiederholt, sich gewissermaßen die Verrichtungen anzueignen, geschickter zu werden, was wäre denn eigentlich dieses menschliche Leben ohne diese Fähigkeit?

[ 45 ] Another significant difference between the life of a seer and ordinary life is this: in ordinary life, we acquire habits through what we do. What we have done often becomes a habit. If humans were not endowed with this ability—to master certain tasks and become more skilled by repeating things over and over—what would human life actually be without this ability?

[ 46 ] Merkwürdig anders verhält es sich, wenn man durch die Übungen, die ich vorgestern geschildert habe, dazu kommt, geistige Erlebnisse zu haben. Da stellt es sich heraus, dass gerade, je öfter man versucht, herbeizuführen dieses geistige Erlebnis, desto weniger ist man geschickt dazu, dieses geistige Erlebnis zu haben. Ich betone, dass das wichtig ist. Der Seher kann nicht durch bloße Erinnerung das geistige Erlebnis wiederum in sich wachrufen, er kann nur die Vorstellung wachrufen. Will er dem geistigen Erlebnis gegenüberstehen ein zweites Mal, so muss er durch dieselben Übungen dieselben Bedingungen herstellen, sodass das Geistige als geistige Wahrnehmung vor ihm auftritt. Aber wenn man das immer wieder und wiederum macht, so macht man die Erfahrung, dass sie immer schwächer und schwächer wird.

[ 46 ] The situation is strangely different when, through the exercises I described the day before yesterday, one comes to have spiritual experiences. It turns out that the more often one tries to bring about this spiritual experience, the less capable one is of having it. I emphasize that this is important. The seer cannot evoke the spiritual experience within himself again merely by recalling it; he can only evoke the mental image. If he wishes to encounter the spiritual experience a second time, he must create the same conditions through the same exercises, so that the spiritual appears before him as a spiritual perception. But if one does this over and over again, one finds that the experience becomes weaker and weaker.

[ 47 ] Dass man nicht ein Gewohnheitsmäßiges sich aneignen kann, sondern dass etwas ganz anderes notwendig ist, um die Wiederholung des geistigen Ereignisses herbeizuführen, diese Erfahrung machen sehr viele, die wirklich den Weg in die geistige Welt einschlagen. Verhältnismäßig leicht lässt sich in die geistige Welt ein paar Schritte kommen, wenn man Geduld und Ausdauer hat; weitere Schritte sind allerdings so schwierig zu erreichen, wie ich das vorgestern geschildert habe. Aber die ersten Schritte sind für besonders veranlagte Menschen gar nicht schwierig zu machen, und zu ersten Erlebnissen ist zu kommen, wenn man einiges beachtet von dem, was ich beschrieben habe in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» oder in meiner «Geheimwissenschaft».

[ 47 ] Many who truly set out on the path to the spiritual world come to realize that one cannot simply acquire a habitual practice, but that something entirely different is necessary to bring about the recurrence of the spiritual experience. It is relatively easy to take a few steps into the spiritual world if one has patience and perseverance; however, taking further steps is as difficult as I described the day before yesterday. But the first steps are not at all difficult for people with a particular predisposition, and one can have initial experiences if one takes into account some of what I have described in How to Attain Knowledge of the Higher Worlds or in my Occult Science.

[ 48 ] Da aber erleben solche Menschen, die die ersten Schritte gemacht haben, dasjenige, dass sie die Erlebnisse einmal hatten, und weil sie dann nicht den viel stärkeren Willen aufwenden, so sind sie nicht mehr imstande, zu diesen geistigen Erlebnissen zu kommen, sind dann sehr unglücklich, sind enttäuscht. Das ist eine Erfahrung, die sehr viele machen. Es ist eben durchaus notwendig, dass man sich nicht nur aneignet die Fähigkeit, einmal zu solchen Erlebnissen zu kommen, sondern die modifizierte Fähigkeit, nachdem das Ereignis einmal aufgetreten ist, es immer wieder und wiederum zu erlangen. Jedes Mal hat man neue Schwierigkeiten, wenn man es erlangen will, jedes Mal muss man stärker betonte, anders geartete Vorbereitungen machen, wenn man mit derselben Lebhaftigkeit dem Geistigen gegenüberstehen will wie das erste Mal.

[ 48 ] However, once such people have taken their first steps, they realize that they once had those experiences; and because they do not then exert that much stronger will, they are no longer able to attain these spiritual experiences, and are then very unhappy and disappointed. This is an experience that many people go through. It is absolutely necessary not only to acquire the ability to have such experiences once, but also the refined ability—after the experience has occurred once—to attain it again and again. Each time one seeks to attain it, new difficulties arise; each time, one must make more intensive and different preparations if one wishes to face the spiritual with the same vitality as the first time.

[ 49 ] Ein Drittes, was man erlebt als Charakteristikum des geistigen Ereignisses, ist, dass es notwendig ist, eine Eigenschaft der Seele dem geistigen Erleben entgegenzubringen, die man zwar im gewöhnlichen Leben ausbilden kann, die aber sehr häufig Menschen nicht ausgebildet haben. Ein geistiges Erlebnis, so sonderbar das klingt, hält nicht eigentlich sehr der gewöhnlichen Zeit gegenüberstand; es huscht so schnell vorüber, dass zumeist das vorliegt, dass der Mensch, bevor er sich nur aufgerafft hat die Sache zu beobachten, sie schon vorüber ist. Das, was man aufbringen muss, um geistige Erlebnisse zu haben, ist Geistesgegenwart. Sie kann man im gewöhnlichen Leben ausbilden; aber die wenigsten Menschen bilden sie aus in jener Stärke, die notwendig ist, um Erlebnisse in der geistigen Welt zu haben. Wer gewohnt ist, im gewöhnlichen Leben herumzubrodeln, wenn er etwas tun will, wer alles Mögliche bedenkt solchen Entschließungen gegenüber, wer also gewohnt ist, nicht instinktgemäß ein Richtiges zu treffen und den Willen zu üben, nicht abzugehen von diesem, wer nicht dieses In-Geistesgegenwart-einer-Situation-gegenüber-sich-Entschließen ausbildet, der bereitet sich schlecht vor für wirkliches Erleben in der geistigen Welt.

[ 49 ] A third characteristic of the spiritual experience is that it requires the soul to bring to bear a quality that, while it can be developed in ordinary life, very often has not been developed in people. A spiritual experience, strange as it may sound, does not actually last very long in ordinary terms; it flits by so quickly that, in most cases, the experience is over before a person has even managed to bring themselves to observe it. What one must muster in order to have spiritual experiences is presence of mind. This can be cultivated in everyday life; but very few people develop it to the degree necessary to have experiences in the spiritual world. Those who are accustomed to dithering in everyday life when they want to do something, who consider every possible aspect when faced with such decisions—in other words, those who are accustomed to not instinctively making the right choice and exercising the will to stick to it, those who do not cultivate this presence of mind —the ability to make a decision in the presence of a situation—is not well prepared for genuine experiences in the spiritual world.

[ 50 ] Dagegen trägt man hinein in die geistige Welt das, was man schon in der gewöhnlichen Welt als Geistesgegenwart ausbildet. Man kann sagen: Die Ausbildung der Geistesgegenwart gegenüber sinnlichen Ereignissen bereitet einen gut vor, so schnell zu beobachten, wie es auf geistigem Felde notwendig ist, und man kann richtig sagen: Die gewöhnliche Überlegung des alltäglichen Bewusstseins nützt einem eigentlich selbst durch die Kraft, die ihr innewohnt, nicht viel für die Wahrnehmung der geistigen Welt. Diese gewöhnliche Überlegung, die sich einschiebt zwischen die Wahrnehmung und Handlung, ist eher schädlich für die Wahrnehmung des Geistigen als nützlich.

[ 50 ] In contrast, one brings into the spiritual world what one has already developed in the ordinary world as presence of mind. One could say: Developing presence of mind in the face of sensory events prepares one well to observe as quickly as is necessary in the spiritual realm, and it is correct to say: The ordinary reasoning of everyday consciousness is, in fact, of little use for perceiving the spiritual world, even through the power inherent in it. This ordinary reasoning, which interposes itself between perception and action, is more harmful than helpful to the perception of the spiritual.

[ 51 ] Es ist die Wahrnehmung des Geistigen auf geistigem Gebiet ähnlich dem, was man in der Naturwissenschaft Reflexerscheinung nennt. Wenn eine Fliege meinem Auge zufliegt, so schließe ich das Augenlid. In solcher instinktgemäßen Weise, in solcher Ausschaltung der gewöhnlichen bewussten Überlegung, solchem Zurückkehren zu Reflexhandlungen liegt viel von dem, was wir notwendig haben, um uns in der geistigen Welt in der richtigen Weise umzusehen. Damit wird selbstverständlich nicht gesagt, dass irgendwie das vernünftige Bewusstsein auszuschalten ist; aber es ist erst dann, wenn die geistige Wahrnehmung gemacht worden ist, dann ist erst hereinzuholen in das Bewusstsein dasjenige, was man erlebt hat.

[ 51 ] It is the perception of the spiritual in the spiritual realm, similar to what is called a reflex phenomenon in the natural sciences. When a fly flies toward my eye, I close my eyelid. In this instinctive manner—in this suspension of ordinary conscious thought, this return to reflex actions—lies much of what we need in order to look around the spiritual world in the right way. This does not, of course, mean that rational consciousness should be shut out in any way; but it is only after spiritual perception has taken place that what has been experienced can be brought into consciousness.

[ 52 ] Ich könnte noch viele solche Eigentümlichkeiten aufweisen, welche die Wahrnehmung der geistigen Welt hat. In solchen Wahrnehmungen, in solchen schon durch ihre Art ganz anderen Wahrnehmungen als denen des gewöhnlichen sinnlichen Bewusstseins lebt derjenige, der sich als Geist weiß innerhalb der ihn umgebenden geistigen Welt, der da weiß, dass er als Geist ein Selbstbewusstsein und dass die ihn umgebende Welt die geistige Welt ist, die er niemals innerhalb des Leibes hätte wahrnehmen können. Diese Dinge sind so.

[ 52 ] I could point out many more such peculiarities of the perception of the spiritual world. In such perceptions—perceptions that, by their very nature, are entirely different from those of ordinary sensory consciousness—lives the one who knows himself to be a spirit within the spiritual world surrounding him, who knows that, as a spirit, he possesses self-consciousness and that the world surrounding him is the spiritual world, which he could never have perceived while within the body. These things are so.

[ 53 ] Derjenige nun, der durch solch entwickeltes Sehertum die geistige Welt wirklich kennengelernt hat, der ist erst imstande, das, was er zu beobachten vermag in der geistigen Welt, zu vergleichen mit dem, was in den charakterisierten Grenzgebieten auftritt. Durch bloßes Philosophieren über den Traum, durch noch so entwickelte Urteilskraft, die sich über den Traum ergeht, kann man eigentlich niemals wissen, wie sich der Traum in das gewöhnliche, persönliche Leben hereinstellt. Man ist nicht imstande, den Traum, welcher hereindringt in das gewöhnliche Bewusstsein, mit irgendetwas anderem zu vergleichen, man kann ihn nur beschreiben, und alles das, was die Naturwissenschaft darüber zu sagen hat, ist sehr nützlich, sehr wertvoll; aber die eigentliche Bedeutung des Traumes im Leben kann nur der ermessen, welcher den Traum in der Lage ist zu vergleichen mit dem, was er im Sehertum als den Charakter der geistigen Welt kennenlernt. Und da lernt er in Bezug auf den Traum das kennen, dass der Träumer, also das eigentliche träumende Wesen im Menschen, kein anderes ist als das, in dem sich der Scher bewusst weiß, wenn er in der geistigen Welt drinnen ist.

[ 53 ] Only those who have truly come to know the spiritual world through such developed clairvoyance are able to compare what they are able to observe in the spiritual world with what occurs in the described border regions. By merely philosophizing about dreams—no matter how well-developed one’s powers of judgment may be when applied to them—one can never truly know how a dream manifests itself in ordinary, personal life. One is unable to compare the dream that intrudes into ordinary consciousness with anything else; one can only describe it, and everything that the natural sciences have to say about it is very useful, very valuable; but the true significance of the dream in life can only be grasped by those who are able to compare the dream with what they come to know in clairvoyance as the character of the spiritual world. And there, with regard to the dream, he comes to understand that the dreamer—that is, the actual dreaming being within the human being—is none other than that in which the dreamer is consciously aware of himself when he is within the spiritual world.

[ 54 ] Man kann mit dem gewöhnlichen Bewusstsein nicht beurteilen, ob es der Leib oder die Seele ist, was da eigentlich träumt. Erst wenn man weiß, wie man drinnensteht in der geistigen Welt, wenn man bewusst das Ich in Geistigkeit erfasst, erst dann kann man das, was man so beobachtet an sich selbst und in seinem Dasein in der geistigen Welt, vergleichen mit dem, was im Traum auftritt. Und dann kann man durch die unmittelbare Beobachtung, durch unmittelbare geistige Anschauung wissen: Es ist nichts anderes in uns, was träumt, als ganz dasselbe, was es auch ist, wenn man im voll bewussten Sehertum sich entwickelt hat. So also kommt man durch die unmittelbare Beobachtung auf das — wenn ich mich jetzt pedantisch ausdrücken darf — eigentliche Subjekt des Traumes.

[ 54 ] With ordinary consciousness, one cannot determine whether it is the body or the soul that is actually dreaming. Only when one knows how one stands within the spiritual world, when one consciously grasps the “I” in spirituality—only then can one compare what one observes in oneself and in one’s existence in the spiritual world with what occurs in a dream. And then, through direct observation, through direct spiritual perception, one can know: There is nothing else within us that dreams other than exactly the same thing that is present when one has developed full conscious clairvoyance. Thus, through direct observation, one arrives at—if I may now express myself pedantically—the actual subject of the dream.

[ 55 ] Man kann noch mehr erfahren. Derjenige, der nach und nach den Weg in die geistige Welt hineingeht, der gelangt dazu, dass sich sein Traumesleben allmählich verändert, dass er nicht mehr in solch hilfloser Weise die Träume über sich ergehen zu lassen braucht, sondern dass er innerhalb des Traumverlaufes mit seinem Willen in die Traumvorstellungen lenkend und leitend eingreifen kann. Es zeigt sich also wiederum durch die unmittelbare Beobachtung, dass das, was allmählich erlangt wird als geistiges Ich, dass das es selber ist, das richtend und orientierend in den Traum eingreift. Gerade durch diese Veränderung des Traumlebens, durch dieses Beobachten dessen, dass man es selber wird als Geistmensch, der in den Traum eingreift, gerade daraus kann man ersehen, wie das eigentlich Träumende nichts anderes ist als das, was man erfasst im wirklichen Darinnen-Stehen in der geistigen Welt.

[ 55 ] There is more to learn. Those who gradually enter the spiritual world find that their dream life gradually changes, so that they no longer need to passively endure their dreams in such a helpless way, but can instead intervene in the course of the dream with their will, guiding and directing the dream imagery. It thus becomes evident once again through direct observation that what is gradually attained as the spiritual “I”—that very “I” itself—is what intervenes in the dream, directing and guiding it. It is precisely through this transformation of dream life—through observing that one is becoming, as a spiritual being, the one who intervenes in the dream—that one can see how the actual dreaming is nothing other than what one perceives while truly standing within the spiritual world.

[ 56 ] Und noch ein anderes tritt auf. Sie wissen ja, dass unter den vielerlei Bestrebungen, die gegenüber dem Unbewussten sich jetzt entfalten, die der geistigen Welt des Menschen nahetreten wollen, auch diejenige ist, die anaIytische Psychologie genannt wird. Diese Psychoanalyse, die durchaus eine Erforschung eines gewiss vorhandenen Seelengebietes, allerdings mit unzulänglichen Mitteln, ist, sie führt nicht zur Anschauung über den wahren Charakter der in Betracht kommenden Gebiete. Diese Psychoanalyse arbeitet auch mit den Traumvorstellungen des Menschen. Man sucht als Psychoanalytiker, die Träume und das, was sie offenbaren von irgendwelchen verborgenen Seiten des Seelenlebens, zu enträtseln.

[ 56 ] And yet another one emerges. As you know, among the many endeavors currently unfolding in relation to the unconscious—those that seek to approach the human spiritual world—there is also the one known as analytical psychology. This psychoanalysis, which is certainly an exploration of a definite realm of the soul—albeit with inadequate means—does not lead to an understanding of the true nature of the realms in question. This psychoanalysis also works with human dream imagery. As psychoanalysts, one seeks to unravel the dreams and what they reveal about certain hidden aspects of the life of the soul.

[ 57 ] Nun ist es sehr merkwürdig, dass ich, als ich kürzlich einmal die Beziehungen der Geisteswissenschaft zu dieser Weise auseinandergesetzt habe, von mehreren Psychoanalytikern den Vorwurf bekommen habe, ja, die Psychoanalyse sei wahre Wissenschaft, die nehme den Traum nur, insofern er symbolisch sei, dagegen mache ich geltend, dass man aufsteigt zu den Imaginationen und Intuitionen, und ich behandle den Traum so, dass ich ihn seiner Wirklichkeit nach fasse. Ich mache den Fehler, den "Traum ernst zu nehmen, seinem Bilderverlauf nach ernst zu nehmen, während die Psychoanalyse den symbolischen Charakter der Träume einsehe.

[ 57 ] Now, it is very strange that when I recently discussed the relationship between the humanities and this approach, I was accused by several psychoanalysts of claiming that, indeed, psychoanalysis is a true science that considers the dream only insofar as it is symbolic; I, on the other hand, maintain that one ascends to the realm of imagination and intuition, and I treat the dream in such a way that I grasp it according to its reality. I make the mistake of “taking the dream seriously, taking its sequence of images seriously,” whereas psychoanalysis recognizes the symbolic nature of dreams.

[ 58 ] Nun, man kann erstaunt sein, wie man missverstanden wird. Das, was ich als Geisteswissenschaft vertrete, haftet weder an dem wirklichen Traumverlauf noch an dem, woran die Psychoanalyse haftet, an der Symbolik. Überhaupt haftet sie nicht am Inhalt. Derjenige, der als Geistesforscher die Traumwelt untersucht, kommt auf Folgendes: Sehen Sie, es kann bei zehn Menschen das eintreten, dass sie einem irgendeinen Traumverlauf erzählen, und man kann, wenn man bekannt ist mit solchen Sachen, sich klar sein darüber, dass diese zehn inhaltlich nach dem Traumverlauf ganz Verschiedenes geträumt haben, dass aber genau dasselbe bei allen zehn als GeistigWirkliches dem Traumverlauf zugrunde liegt. Weder auf die Symbole noch auf den Wirklichkeitswert dessen, was sich im Traum abspielt, kommt es an, sondern dem Geistesforscher ist klar, dass es ankommt auf die innere Dramatik des Traumes.

[ 58 ] Well, it’s surprising how easily one can be misunderstood. What I advocate as spiritual science is not concerned with the actual course of dreams, nor with what psychoanalysis focuses on—symbolism. In fact, it is not concerned with content at all. Anyone who, as a spiritual scientist, investigates the world of dreams comes to the following conclusion: You see, it can happen that ten people each recount a certain dream sequence, and if one is familiar with such matters, one can be certain that, in terms of content, these ten have dreamed completely different things according to the course of their dreams; yet exactly the same thing—as a spiritual reality—underlies the dream sequence for all ten. It is neither the symbols nor the reality of what takes place in the dream that matters; rather, it is clear to the spiritual researcher that what matters is the inner drama of the dream.

[ 59 ] Es kann sich darum handeln, dass jemand im Geistigen ein Ereignis unbewusst erlebt hat. Es bleibt dem Traum gegenüber auch ihm unbewusst. Das Ereignis hat sich zugetragen, zugetragen in dem Verhältnis des Menschen als Geist zur geistigen Welt. Das, was aber nun als Traum auftritt, das ist ein äußeres Umgestalten, indem verwendet wird zu dem, was ganz im Unterbewussten bleibt, dasjenige, was der Mensch als Sinnesreiz und so weiter hat. Das ist das Kleid, das der Traumdramatik angezogen wird. Das ist die Bildlichkeit. Man kann etwas erleben, wodurch man eine solche Spannung erlebt, und diese sich löst dadurch, dass man einem geistigen Ereignis entgegentritt. Das kann der eine erleben, indem er auf einen Berg steigt, ein Hindernis findet, der andere dadurch, dass er an eine Türe geführt wird, in ein Labyrinth hinein, der Dritte kann dasselbe Ereignis in anderer Weise erfahren. Nicht auf das kommt es an, was die Traumbilder hintereinander sagen, sondern auf die innere Dramatik, auf das, was bildlos hinter dem Traum lebt. Das ist ein geistiges Reales, und das, was da dahinter liegt, erforscht der Geistesforscher, indem er in das wirklich Geistige hineinsieht.

[ 59 ] It may be that someone has unconsciously experienced an event in the spiritual realm. This event remains unconscious to the person as well as to the dream. The event took place within the relationship of the human being, as a spiritual being, to the spiritual world. But what now appears as a dream is an external transformation in which what remains entirely in the subconscious is clothed in what the person experiences as sensory stimuli and so on. This is the garment that is draped over the drama of the dream. This is the imagery. One can experience something that creates such a tension, and this tension is resolved by encountering a spiritual event. One person may experience this by climbing a mountain and encountering an obstacle; another by being led to a door or into a labyrinth; a third may experience the same event in a different way. What matters is not what the dream images convey one after another, but the inner drama—that which lives formlessly behind the dream. This is a spiritual reality, and the spiritual researcher explores what lies behind it by looking into the truly spiritual realm.

[ 60 ] Der Traum selbst entsteht dadurch, dass das, was der Mensch im rein Geistigen erlebt, umgesetzt wird dadurch, dass sein Ewiges, Geistiges in einer etwas unregelmäßigen Weise sich zusammenschließt mit dem Leiblichen. Da muss ich voraussetzen, dass die wirkliche Geist-Erkenntnis, das heißt die Möglichkeit, zu beobachten das menschliche Selbstbewusstsein als Geistiges, den Menschen durch unmittelbare Beobachtung zeigt, dass wir im Schlaf und traumlosen Schlaf, nicht etwa beim Einschlafen und Aufwachen, sondern dass wir da, wenn auch mit herabgedämpftem Bewusstsein, dass wir in diesem Schlaf außerhalb unseres Leibes sind, dass wir wirklich im Einschlafen aus unserem Leibe herausgehen und beim Aufwachen wieder hereinziehen und dass das, was aus- und einzieht, eine geistige Wesenhaftigkeit ist. Das Sehertum besteht in nichts anderem, als dass das, was im Schlaf sonst unbewusst bleibt, jetzt zum Bewusstsein in der geistigen Welt erhoben wird. Der Traum entsteht dadurch, dass das, was sonst voll getrennt ist im Geist, dass das in eine teilweise unregelmäßige Verbindung mit dem Leiblichen kommt dadurch, dass es in Beziehung zum Leiblichen kommt, dass es sich einsenkt in das Leibliche, aber nicht so, dass es den vollen Leib ausfüllt, dadurch, dass es sich partiell einsenkt, dass die Nötigung entsteht, dasjenige, was da zurückbleibt vom Bewusstwerden von Vorgängen in der geistigen Welt, einzukleiden in das, was einem der Zipfel der Leiblichkeit gibt, ohne dass man schon in die ganze Leiblichkeit eingezogen ist.

[ 60 ] The dream itself arises when what a person experiences in the purely spiritual realm is brought about by the somewhat irregular union of their eternal, spiritual nature with the physical. I must assume here that true spiritual insight—that is, the ability to observe human self-consciousness as a spiritual reality—shows a person through direct observation that during sleep and dreamless sleep, not merely when falling asleep or waking up, but that there—albeit with a subdued consciousness—we are outside our bodies during this sleep; that we truly step out of our bodies as we fall asleep and draw back into them as we wake; and that what steps out and draws back in is a spiritual essence. Clairvoyance consists of nothing other than the fact that what otherwise remains unconscious during sleep is now raised to consciousness in the spiritual world. A dream arises when that which is otherwise completely separate in the spirit enters into a partially irregular connection with the physical body—by coming into relation with the physical, by sinking into the physical, but not in such a way as to fill the entire body, by sinking into it only partially, a compulsion arises to clothe what remains of the awareness of processes in the spiritual world in what one of the corners of physicality provides, without having yet been drawn into the entirety of physicality.

[ 61 ] Und so ist es immer im Traum eine Art Verdunkelung des wirklichen Ewigen im Menschen, desjenigen, was durch Geburt und Tod geht, desjenigen, welches sich leibfrei vorbereitend auf das, was auf den Tod folgt, auch zwischen Geburt und Tod sich entwickelt keimhaft für das nächste Geistesleben. Es ist eine Verdunkelung dieses Seelenlebens, es ist eine durch das unvollständige Heranstoßen an den Leib bewirkte Trübung des Seelenlebens. Nur dann, wenn nicht der Mensch imstande wäre, das zu vollziehen, was er bei gesunder Entwicklung seines Wesens immer vollziehen muss, voll aufzugehen, dadurch sich anzueignen dasjenige, was durch den Leib für das gewöhnliche Sinnesleben erlangt wird, die Kontrolle über sein Drinnenstehen im Sinnesleben, nur wenn das nicht eintreten, würde, würde das Traumleben als etwas Krankhaftes in das menschliche Leben hereinragen!

[ 61 ] And so, in a dream, there is always a kind of obscuring of the truly eternal within the human being—that which passes through birth and death, that which, free from the body and preparing for what follows death, also develops between birth and death as a seed for the next spiritual life. It is an obscuring of this soul life; it is a clouding of the soul life brought about by the incomplete attachment to the body. Only if human beings were incapable of accomplishing what they must always accomplish in the healthy development of their being—namely, to fully immerse themselves and thereby appropriate what is attained through the body for ordinary sensory life, namely, control over their immersion in sensory life—only if that were not to occur would the life of dreams intrude into human life as something pathological!

[ 62 ] Nun zeigt sich noch etwas anderes, wenn man die Grenze des Traumlebens betrachtet im Verhältnis zu der Welt des Sehertums. Derjenige, der das Sehertum entwickelt, der lernt verstehen durch die Art der Erlebnisse, die er in der geistigen Welt erlebt so, dass er sie getrennt vom Leib erlebt, der lernt verstehen, [dass] dieses Leben zwischen Geburt und Tod, dieses Leben in der Sinneswelt, das Leben in dem Leibeskörper, nicht angesehen werden darf wie das Leben in einer Gefangenschaft. Eine falsche Askese ist es niemals, wozu die Geisteswissenschaft verführen kann. Er lernt erkennen, dass in der weisen Weltenlenkung das Verweilen im Sinnesleibe seine gute Bedeutung hat. Das Gesamtleben des Menschen, welches verfließt zwischen Daseinsformen im Leibe und außer dem Leibe zwischen Toden und neuen Geburten, dieses Gesamtleben des Menschen nimmt Verschiedenes auf.

[ 62 ] Now something else becomes apparent when one considers the boundary of the dream life in relation to the world of clairvoyance. The one who develops clairvoyance—who learns to understand through the nature of the experiences he has in the spiritual world, such that he experiences them separately from the body—learns to understand [that] this life between birth and death, this life in the sensory world, life in the physical body, must not be regarded as a life of captivity. It is never a form of false asceticism to which spiritual science can lead. One learns to recognize that, within the wise guidance of the world, dwelling in the physical body has its own positive significance. The totality of human life, which flows between forms of existence within and outside the body, between deaths and new births—this totality of human life takes on various aspects.

[ 63 ] Die Kraft, in sich diejenigen Impulse auszubilden, welche Logik und Moralität enthalten, diese Kraft muss der Mensch zu alle dem, was er sonst aus dem Universum empfängt, hier in seinem sinnlichen Leibe erwerben, wenn er sie überhaupt erwerben will. Dieses, logisch zu denken, das würde in der geistigen Welt nicht erworben werden können, dazu müssen wir uns verleiblichen. Dann tragen wir durch die Pforte des Todes jene Impulse, die nur auf der Erde entwickelt werden können, in das Gebiet des Übersinnlichen hinauf.

[ 63 ] The power to develop within oneself those impulses that contain logic and morality—this power, in addition to everything else a person receives from the universe, must be acquired here in the physical body if one is to acquire it at all. The ability to think logically could not be acquired in the spiritual world; for that, we must incarnate. Then, through the gate of death, we carry those impulses—which can only be developed on Earth—up into the realm of the supersensible.

[ 64 ] Weil nun der Traum darin besteht, dass man eigentlich ein Geisterlebtes hereinträgt durch das unvollständige Zusammenstoßen mit dem Leibe — ich kann mich über die Einzelheiten nicht verbreiten —, indem aber der Mensch als Persönlichkeit aus der geistigen Welt eintaucht, bringt er aus dieser geistigen Welt in die Leiblichkeit ein Logikloses und ein Moralloses mit, das einzig und allein in den Inhalt des Traumes eintreten kann. Daher zeigt sich der Traum ohne Logisierung und Moralisierung. Gerade dieses Eigentümliche des Traumes, wie er sich zu Moral und Logik stellt, kann nur der Seher vergleichen. So habe ich die Möglichkeit angegeben, das Traumleben zu vergleichen mit dem, was der Mensch kennenlernen kann als Inhalt der geistigen Welt. Dadurch enthüllt sich aber, dass der Traum ist ... Lücke); nur das Eigentümliche ist, dass der Mensch im Traume nicht dem Ewigen gegenübersteht. Sein Ewiges ist tätig, aber das, womit sich dieses Ewige füllt, ist das vom Leibe Kommende. Es ist das Ewige im Menschen auf das Zeitliche gerichtet im Traum. Dass aber in diesen Ereignissen das Ewige steckt, das zeigt uns gerade wirklich geisteswissenschaftliche Betrachtung des Traumes.

[ 64 ] Since the dream consists in the fact that one actually brings in an experience from the spiritual world through an incomplete interaction with the body—I cannot go into the details here— but as the human being as a personality emerges from the spiritual world, he brings with him from that spiritual world into physical existence something devoid of logic and morality, which can enter solely into the content of the dream. Therefore, the dream manifests itself without logic or moralization. It is precisely this peculiarity of the dream—how it relates to morality and logic—that only the seer can describe. Thus, I have indicated the possibility of comparing dream life with what a human being can come to know as the content of the spiritual world. Through this, however, it is revealed that the dream is … (gap); the peculiarity lies only in the fact that in the dream, the human being does not stand before the eternal. The Eternal within them is active, but what fills this Eternal is that which comes from the body. In dreams, the Eternal within human beings is directed toward the temporal. Yet it is precisely a truly spiritual-scientific examination of dreams that shows us that the Eternal is present in these events.

[ 65 ] Anders liegt die Sache, wenn es sich um das halluzinatorische, somnambule Leben handelt. Da haben wir es damit zu tun, dass allerdings der Mensch auch aus dem Geistigen hereintritt in sein Leibliches, dass Geistiges hereinwirkt, dass aber das Hereinwirken des Geistigen in das Leibliche entweder dadurch geschieht, dass das innere leibliche Leben in irgendeiner Weise krankhaft ist, dass also das Geistige in ein krankhaft Leibliches hereinrritt. Nun, da tritt ein, dass der Mensch sich nur ein richtiges Verhältnis ausbilden kann, wenn er in die ganz einheitlich funktionierende Leibeswelt untertaucht. Taucht er so unter, dass sich nicht beteiligen kann ein Glied seiner Leiblichkeit in voller Weise an der Entstehung der sinnlichen Anschauung, dann tritt partiell, durch die Ausschaltung eines Leiblichen, ein Geistiges auf.

[ 65 ] The situation is different when it comes to the hallucinatory, somnambulistic life. Here we are dealing with the fact that, although the human being does indeed enter into their physical body from the spiritual realm—and the spiritual does indeed influence the physical—this influence of the spiritual upon the physical occurs either because the inner physical life is pathological in some way, meaning that the spiritual enters into a pathological physical body. Now, what happens is that a person can develop a proper relationship only by immersing themselves in the physical world as it functions in a completely unified manner. If they immerse themselves in such a way that a part of their physical being cannot fully participate in the formation of sensory perception, then a spiritual element emerges partially, through the exclusion of a physical component.

[ 66 ] Dieses Geistige würden wir nicht sehen, würden wir nicht schauen, wenn unser Leib nicht irgendwie krankhaft wäre. Dadurch, dass er es ist, dadurch macht sich das Geistige geltend. Der Geistesforscher sieht das Geistige, indem er im Geistigen darinsteht; der Halluzinierende sieht ein Geistiges in einer krankhaften, unmöglichen Weise, eigentlich, indem er sein normal Leibliches für die sinnesmäßige Anschauung partiell ausgeschaltet hat. Dadurch aber auch ist das Auftreten einer geistigen Anschauung, die wir nicht in unserer Gewalt haben, immer ein Kennzeichen für irgendeine kranke Leiblichkeit. Man kann sagen: Es ist begreiflich, dass die Menschen glauben, dass selbst Forscher glauben, dass uns ein wirkliches Geistiges entgegentritt bei solcher krankhaften Leiblichkeit; aber es ist zu verwerfen, irgendetwas zu tun, welches herbeiführt die Erkrankung des Leiblichen zur geistigen Anschauung. Der Weg, der zu der zwangsmäßigen Vision führt, ist vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus zu verwerfen, weil er ein Förderer wäre für das Krankwerden des menschlichen Organismus. Und derjenige, welcher die geisteswissenschaftlichen Methoden, wie sie in meinem Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» beschrieben werden, so verkennt, als ob diese Methoden irgendwie dazu verführen könnten, das zu kultivieren, was sie gerade verpönen, der verleumdet diese geisteswissenschaftlichen Methoden. Sie werden im umfassenden Sinn allerdings verleumdet.

[ 66 ] We would not see this spiritual reality, nor would we perceive it, if our body were not in some way diseased. It is precisely because it is diseased that the spiritual makes itself known. The spiritual researcher perceives the spiritual by standing within it; the person experiencing hallucinations perceives the spiritual in a pathological, impossible way—in effect, by having partially shut down their normal physical faculties for sensory perception. Consequently, the occurrence of a spiritual perception over which we have no control is always a sign of some form of physical illness. One might say: It is understandable that people believe—and that even researchers believe—that a truly spiritual reality confronts us in the presence of such pathological physical conditions; but we must reject any action that induces physical illness as a means to achieve spiritual perception. The path that leads to involuntary visions must be rejected from the standpoint of spiritual science, because it would contribute to the deterioration of the human organism. And anyone who misinterprets the spiritual scientific methods—as described in my book How to Attain Knowledge of the Higher Worlds—as if these methods could somehow lead one to cultivate precisely what they condemn, is slandering these spiritual scientific methods. They are, in fact, being slandered in the broadest sense.

[ 67 ] Es kann aber auch das eintreten, dass gewissermaßen die kranke Leiblichkeit die Sinne ansteckt, dass dadurch die Sinne in ein anderes Verhältnis kommen — ich kann das nur im Allgemeinen erwähnen —, dass die Sinne in ein anderes Verhältnis zur gewöhnlichen Umgebung kommen. Im gewöhnlichen Leben nimmt man so die Umgebung wahr, wie Sie sie kennen. Es kann eintreten, dass durch Veränderung des Sinneslebens das in der Umgebung wahrgenommen wird, was sich sonst den Sinnen entzieht. Es wird das sein, was nicht durch das höhere geistige Leben dem Menschen zugänglich ist. Ich will aber gleich an dem Beispiel von vorhin, vielleicht besser als durch allgemeines Aussprechen, das erläutern, was ich meine als somnambules Leben, als verfeinertes Sinnesleben. Was sonst als zweites Gesicht aufgefasst wird, fällt unter diese Kategorie; ich muss sagen: Es ist doch erstaunlich, obwohl das Buch von Sir Oliver Lodge einen durchaus wissenschaftlichen Charakter trägt, dass ein gewisser verborgener Dilettantismus im Allgemeinen gerade in diesem Buche zu finden ist. Die Erscheinung, die wie ein Kreuzexperiment angeführt ist, ist nämlich doch nichts anderes als das, was der, der bekannt ist mit diesem Gebiet, kennt als eine Verfeinerung des Sinneslebens, sodass dieses Sinnesleben eben anderes wahrzunehmen vermag, als sonst mit ihm verknüpft ist. Wenn irgendjemand, dessen Sinnesleben und das von dem Verstandesleben durchzogene Sinnesleben dann so verläuft, dass der Verstandesapparat bis in die Sinne hinunterreicht, wer solch ein Sinnesleben ausgebildet hat, bei dem kann es vorkommen, dass er heute die Vorstellung hat: Ich werde in vierzehn Tagen reiten und ein Unglück haben. Das kann eintreten. Diese Dinge sind bekannt.

[ 67 ] But it can also happen that, in a sense, the diseased physicality infects the senses, causing the senses to enter into a different relationship—I can only mention this in general terms—causing the senses to enter into a different relationship with the ordinary surroundings. In ordinary life, one perceives one’s surroundings as you know them. It can happen that, through a change in sensory life, one perceives in one’s surroundings what would otherwise elude the senses. This will be that which is not accessible to human beings through higher spiritual life. But I would like to use the example from earlier—perhaps more effectively than through a general explanation—to illustrate what I mean by a somnambulistic life, by a refined sensory life. What is otherwise understood as “second sight” falls into this category; I must say: It is indeed astonishing that, although Sir Oliver Lodge’s book has a thoroughly scientific character, a certain hidden dilettantism is generally to be found precisely in this book. The phenomenon cited as a control experiment is, in fact, nothing other than what those familiar with this field recognize as a refinement of sensory life, such that this sensory life is capable of perceiving things other than those normally associated with it. If anyone’s sensory life—and the sensory life permeated by intellectual activity—proceeds in such a way that the intellectual apparatus extends all the way down into the senses, and if someone has developed such a sensory life, it may happen that today they have the thought: “In fourteen days, I will go riding and have an accident.” This can happen. These things are well known.

[ 68 ] Etwas, was durch die gewöhnliche zeitliche Verknüpfung nicht wahrzunehmen ist, ist einfach durch ein besonders abnormes, von innen heraus angestecktes Sinnesleben für den Menschen wahrnehmbar. Es kommen Fälle vor, in denen das Geschaute, das Geahnte mit so unweigerlicher Notwendigkeit eintritt, dass man Vorsorge trifft und dass es trotzdem passiert. Nun liegt für den, der solche Dinge kennt, auch bei Somnambulem und Ähnlichem nichts anderes vor als ein solches Ferngesicht. Was hat eigentlich das Medium mitgeteilt in dem Falle von Sir Oliver Lodge? Nun, in vierzehn Tagen etwa nach der Sitzung kam in demselben Zimmer die Fotografie an. Vierzehn Tage hinterher konnte man mit dem normalen Bewusstsein diese Fotografie beschreiben. Durch ein Ferngesicht hat das Medium das beschrieben, was später angekommen ist. Nichts hat das somnambule Medium aus dem Jenseits wahrgenommen, nichts gesehen als das, was erst späteres Ereignis geworden ist, und das ganze Kreuzexperiment ist objektiv, in den Tatsachen, richtig; die Erklärung ist vollständig unrichtig.

[ 68 ] Something that cannot be perceived through ordinary temporal connections is perceptible to human beings simply through a particularly abnormal sensory life that originates from within. There are cases in which what is seen or sensed occurs with such inevitable necessity that one takes precautions, and yet it happens anyway. Now, for those familiar with such things, even in cases of somnambulism and the like, there is nothing more at work than such a remote vision. What, in fact, did the medium communicate in the case of Sir Oliver Lodge? Well, about fourteen days after the séance, the photograph arrived in the same room. Fourteen days later, one could describe this photograph with normal consciousness. Through a remote vision, the medium described what arrived later. The somnambulist medium perceived nothing from the beyond, saw nothing other than what later became an event, and the entire cross-experiment is objectively, in terms of the facts, correct; the explanation is completely incorrect.

[ 69 ] Das, um was es sich handelt, ist, dass man einsieht, dass durch ein somnambules menschliches Leben zwar über das, was sonst sich ereignet, anders gesehen werden kann als bei normalem Sinnes- und Denkleben, dass aber auf diesem Wege der Mensch gewissermaßen mit der Außenwelt inniger zusammengeschlossen wird, dass aber ein wirkliches Hineinschauen in die übersinnliche Welt, die der Mensch betritt nach dem Tode, in der der Mensch immer mit dem Ewigen darinnen steht, nicht möglich ist durch solche abnorme Bewusstseinsfälle, sondern nur, wenn der Mensch sich wirklich in diese geistige Welt mit vollem Bewusstsein hineinbegibt, sodass er als Geist in der geistigen Welt steht und sich unterscheiden kann von all dem, was er durch seine Leiblichkeit wahrnehmen kann. Überall da findet nicht ein wirkliches Hineinschauen statt, wo sich das Geistige mit dem Leiblichen selbst vermischt.

[ 69 ] The point at issue is this: while it is true that a somnambulistic human life allows one to view events differently than in normal sensory and intellectual life, it is also true that, in this way, a person becomes, so to speak, more intimately united with the external world; yet a true insight into the supersensible world, which a person enters after death and in which they always stand in union with the eternal, is not possible through such abnormal states of consciousness, but only when a person truly enters this spiritual world with full consciousness, so that they stand as a spirit within the spiritual world and can distinguish themselves from everything they can perceive through their physical body. Nowhere does a true insight occur where the spiritual is mingled with the physical.

[ 70 ] Auch das somnambule Leben hat seine Gefahren, schon weil mit Ausschaltung des Seelischen — denn dadurch ist das Seelische eingeschaltet und bleibt beim Traum eingeschaltet —, dadurch, dass der Mensch mit dem Geistig-Seelischen ganz in den Leib untertaucht, wird ein Teil ausgeschaltet, dann wird der Mensch zum Automaten. Das kann interessant sein, darf aber nicht kultiviert werden, weil der Mensch nur dadurch, dass er in der regelmäßigen Weise richtige Verbindungen herstellt des Geistigen mit dem Leiblichen, sich in richtiger Weise zur logischen und moralischen Welt stellt, weil, wenn in einer abnormen Weise die geistige Welt hereinwirkt, dieses Hereinwirken, in dem immer ein Teil des Leibes ausgeschaltet wird, dazu führen kann, dass sich ein unrichtiges Verhältnis zwischen der Persönlichkeit des Mediums und dem Moralischen und Logischen herausstellt, dass es moralisch verkommt, dass es auch in erkenntnismäßiger Weise von allerlei Lügengeweben durchzogen ist, und so weiter, und so weiter. Wir können daraus, dass der Mensch sich eigentlich zum Automaten im künstlich herbeigeführten somnambulen Leben macht, schließen, dass es künstlich nicht herbeigeführt werden darf.

[ 70 ] Even the somnambulistic life has its dangers, if only because, by shutting out the soul—for in this way the soul is activated and remains activated during the dream—and by the fact that the human being immerses his or her spiritual-soul aspect entirely into the body, a part is shut out, and the human being then becomes an automaton. This can be interesting, but it must not be cultivated, because only by regularly establishing the proper connections between the spiritual and the physical can a person relate correctly to the logical and moral world; for when the spiritual world influences a person in an abnormal way—an influence in which a part of the body is always shut off— can lead to an improper relationship developing between the medium’s personality and the moral and logical realms, causing them to degenerate morally and become permeated by all manner of web of lies in their cognitive life, and so on and so forth. From the fact that a person essentially turns themselves into an automaton in an artificially induced somnambulistic state, we can conclude that it must not be artificially induced.

[ 71 ] So zeigt gerade für dieses Gebiet die Geisteswissenschaft, wie sehr der Mensch darauf zu achten hat, dass diese Grenzgebiete zwar von der Geisteswissenschaft her beleuchtet werden können, dass sie aber umgekehrt nicht zur Aufklärung über das Geistesleben benützt werden können. Dann zeigt die Geisteswissenschaft weiter, dass das, was aus dem Unbewussten oder Unterbewussten heraus in das menschliche Phantasieleben einfließt, dass das tatsächlich wiederum zum eigentlichen Subjekt das Ewige in der Menschennatur hat; nur ist sowohl im Traumesleben wie im Somnambulen das Geistige dem Leiblichen zugeneigt.

[ 71 ] In this particular area, spiritual science shows just how important it is for human beings to recognize that, while these borderline areas can indeed be illuminated by spiritual science, they cannot, conversely, be used to shed light on spiritual life. Spiritual science further shows that what flows from the unconscious or subconscious into the human life of the imagination actually has, in turn, the eternal in human nature as its true subject; it is just that, in both the life of dreams and in somnambulism, the spiritual is inclined toward the physical.

[ 72 ] Bei dem Künstler ist das Geistig-Seelische dem Geistigen zugeneigt. Während es ihm zugeneigt ist, bleibt es im Unbewussten. Dann tritt es in regelrechter Weise herein, sodass das ganze Leibliche in Anspruch genommen wird. Während im nüchternen Bewusstsein solche Dinge vom Geistigen vergessen werden, wird beim Künstler hereingetragen das Geistige, aber so, dass es nicht wie im Somnambulismus von einem Teil des Leiblichen absorbiert wird und daher abgeschwächt wird, sondern in das rechte Verhältnis gebracht wird zum gewöhnlichen Lebensverlauf. So ist das Ewige beim künstlerischen Schaffen zunächst unbewusst dem Geistigen zugeneigt, das Ewige dem Ewigen; aber weil der Mensch sich nicht selber bewusst wird, was er im Ewigen erlebt, trägt er es herein in das gewöhnliche Bewusstsein und kleidet es um, und daher wird es einen individuellen Charakter annehmen.

[ 72 ] In the artist, the spiritual-soul aspect is inclined toward the spiritual. As long as it is inclined toward the spiritual, it remains in the unconscious. Then it enters in a proper manner, so that the entire physical being is engaged. While in sober consciousness such things are forgotten by the spiritual, the spiritual is brought into the artist’s consciousness—but not in such a way that it is absorbed by a part of the physical being, as in somnambulism, and thereby weakened, but rather brought into the right relationship with the ordinary course of life. Thus, in artistic creation, the eternal is initially unconsciously drawn toward the spiritual—the eternal toward the eternal; but because the human being is not consciously aware of what he experiences in the eternal, he brings it into ordinary consciousness and reinterprets it, and thus it takes on an individual character.

[ 73 ] Das ist das Eigenrümliche im Unterschied desjenigen, was künstlerisch geschaffen wird, von dem, was der in der geistigen Welt darinstehende Seher selber vor sich hat. Der Scher hat das Unpersönliche vor sich; er hat etwas um sich herum, welches ebenso wenig mit seiner Individualität und ebenso viel mit ihr zu tun hat, nämlich das Sehen von einem Standpunkt aus wie die äußere Sinneswelt. Derjenige, der das, was der Seher mit unmittelbarem Bewusstseinsanteil in der geistigen Welt sieht, der das noch unbewusst wahrnimmt und hereinträgt in die gewöhnliche Welt, wird zum Künstler, zum Dichter. Daher haben die Menschen die wohl begründete Meinung, dass ihnen die wahren Künstler Botschaften des Ewigen in die sinnliche Welt hereinbringen, dass das Übersinnliche sich offenbart aus dem Unbewussten heraus durch die wahre Kunst in das Sinnliche, in das Leben des gewöhnlichen Bewusstseins.

[ 73 ] This is what is peculiar about the distinction between what is created artistically and what the seer, standing within the spiritual world, actually sees before him. The seer has the impersonal before him; he has something around him that has just as little to do with his individuality as it does with it—namely, seeing from a standpoint similar to that of the external sensory world. The one who takes what the seer sees in the spiritual world with a direct element of consciousness—which the seer still perceives unconsciously and brings into the ordinary world—becomes an artist, a poet. Hence, people have the well-founded opinion that true artists bring messages of the eternal into the sensory world, that the supersensible reveals itself from the unconscious through true art into the sensory realm, into the life of ordinary consciousness.

[ 74 ] Dann erlebt der Mensch, wie ich angedeutet habe, in einer eigentümlichen Weise bewusst-unbewusst sein Schicksal. Durch das, was der Scher erlebt, wird nun etwas heraufgehoben aus dem Unbewussten in das Bewusste, das sonst immer unbewusst bleibt. Wir sind im gewöhnlichen Leben eigentlich nur eines Teiles unseres Wesens vollständig bewusst, nämlich unserer Wahrnehmungen und Vorstellungen. Das können Sie selbst ersehen aus einer naturwissenschaftlichen Darstellung wie der des Theodor Ziehen. Dagegen bleibt unten im halb oder ganz Unbewussten das, was das Gefühls- und Willensleben genannt wird. Was weiß der Mensch in seinem gewöhnlichen Bewusstsein, was sich nur vollzieht, wenn er seine Hand bewegt! Theodor Zichen charakterisiert richtig, wenn er sagt: Nur die Vorstellungen dessen, was sich vollzieht, haben wir. Das, was geheimnisvoll in die Hand hinein vibriert, indem wir sie heben, ist uns so unbewusst wie die Ereignisse im Schlafen im gewöhnlichen wachen Tagesleben. — Das ganze wirkliche Wesen des Willenslebens, das zwar in uns waltet, das unser Ewiges durchzieht, das bleibt doch unbewusst, wird nur durch die Vorstellungen des herauftretenden gewöhnlichen Bewusstseins bewusst, so wie bewusst wird der Traum aus dem Schlafe heraus im gewöhnlichen Bewusstsein; aber das, was wir vom Willen wissen, ist nicht das, was im Willen selber vorgeht. Was wir wissen, ist so viel, als wir vom Traum wissen, wenn wir wachen.

[ 74 ] Then, as I have suggested, a person experiences his or her destiny in a peculiar way—both consciously and unconsciously. Through what the joker experiences, something is now brought up from the unconscious into the conscious—something that would otherwise always remain unconscious. In ordinary life, we are actually fully conscious of only one part of our being—namely, our perceptions and ideas. You can see this for yourself in a scientific account such as that of Theodor Zichen. In contrast, what is called the life of feeling and will remains down in the semi-unconscious or fully unconscious. What does a person know in their ordinary consciousness about what is taking place merely when they move their hand? Theodor Ziehen characterizes this correctly when he says: We have only the ideas of what is taking place. That which mysteriously vibrates into the hand as we raise it is as unconscious to us as the events of sleep are in ordinary waking daily life. — The entire true nature of the life of the will—which, though it reigns within us and permeates our eternal being—remains unconscious; it becomes conscious only through the perceptions of ordinary consciousness as it emerges, just as a dream becomes conscious upon waking; but what we know about the will is not what actually takes place within the will itself. What we know is no more than what we know about a dream when we are awake.

[ 75 ] Das Gefühlsleben, in dem wir ebenso darinstehen, ist nicht so unbewusst wie der Traum. Es ist zum Teil bewusst, zum Teil unbewusst. Schon der große Ästhetiker Vischer ahnte etwas davon, dass das Gefühlsleben in derselben Art zur Seele steht wie das Traumleben. Während das Traumleben in Bildern abläuft, läuft das Gefühlsleben in den Gefühlen ab, aber die dringen aus dem Unterbewussten herauf. Wir machen uns über sie unsere Vorstellungen, gelangen aber nicht zur Realität dieser Gefühle mehr als im Traum zur Realität des Traumes, der im Ewigen des menschlichen Ichs seinen subjektiven Ursprung hat.

[ 75 ] The emotional life, in which we are equally immersed, is not as unconscious as the dream. It is partly conscious, partly unconscious. Even the great aesthetician Vischer had a hunch that the emotional life relates to the soul in the same way as the dream life. While the life of dreams unfolds in images, the emotional life unfolds in feelings, but these well up from the subconscious. We form our own ideas about them, but we cannot grasp the reality of these feelings any more than we can grasp the reality of a dream, which has its subjective origin in the eternal nature of the human self.

[ 76 ] So steht der Mensch nur der Hälfte des wachen Taglebens wirklich wach gegenüber; die andere Hälfte bleibt unterbewusst. Der Seher holt es herauf. Er nimmt nicht nur durch die gewöhnlichen Vorstellungen das, was wesenhaft in Gefühl und Willen lebt, wahr, sondern gestaltet um sinnlich, was er darinnen sieht. Dann aber ist dieses Erleben ein ganz Eigentümliches, ein solches, das nicht aufsteigt wie etwa beim Traum oder der Rückerinnerung an das gewöhnliche Leben, wenn der Scher seine Gefühle verfolgt — ein Menschenleben oder mehrere Menschenleben sind es, die da vor seiner Seele aufstehen; aber es ist nicht das Leben, das er verfolgen kann, wenn er rückschauend bis zur Geburt blickt; es wird ihm deutlich, dass verflossene Erdenleben in dieses Erdenleben hereinspielen.

[ 76 ] Thus, a person is truly awake to only half of their waking daily life; the other half remains in the subconscious. The seer brings it to the surface. He not only perceives, through ordinary images, what lives essentially in feeling and will, but also gives sensory form to what he sees within them. But this experience is a very peculiar one—one that does not arise as it does, for example, in a dream or in the recollection of ordinary life when the seer traces his feelings—it is a human life or several human lives that arise before his soul; yet it is not the life he can trace when he looks back to his birth; it becomes clear to him that past earthly lives are influencing this earthly life.

[ 77 ] In dem Augenblick, wo Erkenntnislicht Wille und Gefühl durchzuckt, wirken Gefühls- und Willensimpulse aus früheren Erdenleben herein, und es zuckt wiederum auf in unserem Willensleben dasjenige, was sich für folgende Erdenleben keimhaft in uns ausbildet. So paradox das klingt, wahr ist es, dass, wenn man nicht bloß wie Schopenhauer hypothetisch über den Willen spricht, sondern sich zur Intuition der Wesenhaftigkeit des Willens und Fühlens erhebt, dann werden die wiederholten Erdenleben eine Tatsache innerhalb des menschlichen Bewusstseins; dann aber lernen wir erkennen, wie wir durch frühere Erdenleben das, was uns von außen zustößt, gewissermaßen selber herbeiführen. Das, was wir früher erlebt haben, das bildet in uns die Wege aus, die uns zu unserem Schicksal hinführen. Die einzelnen Erdenleben durchleuchten einander. Das, was wir als Schicksal halb träumen, deshalb halb bewusst erleben wie einen Traum, wie das, was uns als Zufall zustößt, das durchleuchtet sich uns, wenn sich uns das offenbart, was unbewusst ist.

[ 77 ] At the very moment when the light of insight flashes through the will and feeling, impulses of feeling and will from earlier earthly lives come into play, and that which is developing within us as a seed for future earthly lives flashes up once more in our life of the will. As paradoxical as it sounds, it is true that if one does not merely speak hypothetically about the will, as Schopenhauer does, but rises to an intuition of the essential nature of the will and feeling, then repeated earthly lives become a fact within human consciousness; but then we learn to recognize how, through past earthly lives, we ourselves, in a sense, bring about what befalls us from without. What we have experienced in the past shapes within us the paths that lead us to our destiny. The individual earthly lives shed light on one another. What we half-dream of as destiny—and therefore experience half-consciously as a dream, like something that happens to us by chance—is revealed to us when what is unconscious is brought to light.

[ 78 ] Das Hereinspielen früherer Erdenleben und der Leben, die wir in der geistigen Welt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt durchleben — über diese Dinge zu sprechen ist etwas, was heute den Menschen noch so paradox erscheint, wie erschienen ist in der Zeit, wo die Menschen geglaubt haben, dass die Erde stillsteht und die Sonne und die Planeten sich um sie drehen, die Umkehrung dieser ganzen Weltanschauung. Man hat lange nicht an das glauben wollen. Jahrhunderte hat es Menschen gegeben, die das als Unmöglichkeit angesehen haben; es wird selbstverständlich auch heute Menschen geben, die solche Dinge, welche in solcher Weise auftreten, mit Hohn empfangen.

[ 78 ] Speaking about the re-enactment of past earthly lives and the lives we experience in the spiritual world between death and a new birth—talking about these things still seems as paradoxical to people today as it did in the days when people believed that the Earth stood still and the Sun and the planets revolved around it—a complete reversal of that entire worldview. For a long time, people refused to believe it. For centuries, there were people who regarded it as impossible; naturally, there will also be people today who meet such things, when they arise in this way, with derision.

[ 79 ] Das mag sein. Das ist so selbstverständlich wie nur irgend möglich; aber diese Dinge stehen sozusagen vor den Toren unserer Kulturentwicklung. Sie sind das, was das so gesuchte Gebiet der Offenbarungen des Unbewussten wirklich beleuchten kann. Das Unbewusste ist ein weites Gebiet. Auch innerhalb der Sinneswelt selber ruht es. Indem man glaubt, dass es nicht sei innerhalb dieser Sinneswelt, verfällt man auf allerlei Methoden, diese Sinneswelt aus anderem zu erklären als aus dem Geistigen.

[ 79 ] That may be so. It is as self-evident as can be; but these things lie, so to speak, at the very gates of our cultural development. They are what can truly shed light on the much-sought-after realm of the revelations of the unconscious. The unconscious is a vast realm. It also resides within the sensory world itself. By believing that it does not exist within this sensory world, one falls into all sorts of methods of explaining this sensory world in terms of something other than the spiritual.

[ 80 ] Da sehen wir, wie so etwas sich geltend macht wie die Kant-Laplace’sche Theorie. Ich habe das schon oft erwähnt und will sie heute nur anführen, weil sie in unser heutiges Gebiet hineinleuchtet. Der Mensch versucht, sei er Astronom oder Geologe, aus dem, was sich vor den Sinnen abspielt gegenwärtig, zu erraten aus einer Rechnung, was sich vor Jahrmillionen abgespielt hat. Man kann das, ohne einen geringsten Fehler zu machen gegen irgendwelche wissenschaftlichen Gesetze, man kann über einen Zustand der Erde rechnen, der nach Jahrmillionen eintritt. Man ist nur leider in dem folgenden Fall. Man rechne sich zum Beispiel aus aus der Vererbung, was der Magen des Menschen im Verlaufe von ein, zwei, sieben Jahren durchmacht, welche Veränderungen er in dreiBig Jahren durchmacht, man verfahre gerade so wie der Geologe oder Astronom, gerade so wie der Aufsteller der Kant-Laplace’schen Hypothese verfährt. Man kann rechnen nach derselben Methode wie nach den kleinen Veränderungen, die sich vollziehen in der Konstitution des Magens, wie der Magen gewesen sein muss vor 300 Jahren; nur hat er dazumal noch nicht gelebt. Ebenso kann man berechnen, wie dieser Magen sein wird nach 300 Jahren. Die Rechnung kann richtig sein, was herauskommt, ist ein Unhaltbares. Die Rechnung nach den Gesteinsveränderungen kann richtig sein und wissenschaftlich genau kann festgestellt sein, dass die Erde vor Jahrmillionen diesen oder jenen Zustand gehabt hat; nur hat zu jener Zeit die Erde noch nicht bestanden und wird in den Jahrmillionen, die man nach derselben Methode ausrechnen kann, nicht mehr bestehen, weil sie innere Lebensgesetze hat, durch die sie sich aus dem Geistigen heraus entwickelt hat und wiederum hineinentwickeln wird wie der Mensch.

[ 80 ] Here we see how something like the Kant-Laplace theory comes into play. I have mentioned this many times before and wish to cite it today simply because it sheds light on the subject we are discussing. Whether an astronomer or a geologist, humans attempt to deduce—based on what is currently unfolding before their senses—what took place millions of years ago through calculation. One can do this without the slightest violation of any scientific laws; one can calculate the state of the Earth that will exist millions of years from now. Unfortunately, however, we find ourselves in the following situation. For example, one might calculate—based on heredity—what the human stomach undergoes over the course of one, two, or seven years, and what changes it undergoes over three hundred years; one proceeds exactly as the geologist or astronomer does, just as the proponent of the Kant-Laplace hypothesis proceeds. One can calculate using the same method as one does for the small changes that take place in the constitution of the stomach—how the stomach must have been 300 years ago; only, at that time, the person had not yet been born. Similarly, one can calculate what this stomach will be like in 300 years. The calculation may be correct, but the result is untenable. The calculation based on changes in rock formations may be correct, and it can be scientifically established that the Earth was in this or that state millions of years ago; yet at that time the Earth did not yet exist, and it will no longer exist in the millions of years that can be calculated using the same method, because it has inner laws of life through which it has developed out of the spiritual realm and will develop back into it again, just as human beings do.

[ 81 ] Wir stehen heute schon durchaus vor dem Ahnen derjenigen Geister, die gesund sind, vor dem Ahnen einer Wissenschaft, welche eben die Geisteswissenschaft sein soll. Während daher diejenigen, die nachlaufen dem landläufigen Urteilen auf diesem Gebiete, weit entfernt sind von einer gesunden Anschauung dieser Dinge, welche gesunde Anschauung selbstverständlich zur Geisteswissenschaft hinführen würde, finden wir auch andere. Ein Beispiel sei angeführt. Der durchaus gesunde Eckermann schrieb, der aus Goethe’scher Anschauung hervorgegangen ist, der sprach, indem er auf Goethe hinwies, die folgenden Worte: ... [Lücke]

[ 81 ] We are already today on the very threshold of an inkling of those spirits that are sound, on the threshold of an inkling of a science that is precisely meant to be spiritual science. While, therefore, those who follow conventional opinions in this field are far removed from a sound view of these matters—a view that would naturally lead to spiritual science—we also find others. Let me give an example. The thoroughly sound-minded Eckermann, who emerged from Goethe’s perspective and who, referring to Goethe, spoke the following words: ... [gap]

[ 82 ] So denkt ein gesunder Mensch, so denkt derjenige, der nicht völlig betäubt ist von demjenigen, was nun einmal offiziell anerkannt ist. Der aber, der genötigt ist, durch das, was ihm sein unbefangener Wahrheitssinn eingibt, in dieser unserer Zeit auf die Geisteswissenschaft hinzuweisen, der weiß auch, in welcher Art er sich mit seinen Anschauungen eingliedert in das, was schließlich auch, als es noch keine Wissenschaft gegeben hat, die besten Geister der Menschheit entwickelt, geahnt, gedacht haben. Wir können in unserer Zeit immer wieder und wiederum — und der Geisteswissenschafter wird sich das nicht nehmen lassen — hinweisen auf die prophetische Art, wie Goethe die Geisteswissenschaft vorausgeahnt hat. Indem auseinandergesetzt wird, wie durch die Entwicklung der Menschenseele der Mensch dazu gelangt, das geistige Ich eben als Geist dem Geistigen gegenüberzustellen, dadurch, dass Geistiges im Weltall ist, mit einer Brücke mit dem zu verknüpfen, was im Menschen geistig ist, dadurch wird man erinnert an das, was aus tiefer Erkenntnis Goethe in seinem Buch über Winckelmann geschrieben hat:

[ 82 ] This is how a healthy person thinks; this is how someone thinks who is not completely numbed by what is officially recognized. But the person who, compelled by what his unbiased sense of truth dictates, points to spiritual science in our time—he also knows in what way his views align with what the finest minds of humanity developed, intuited, and conceived even before science existed. In our time, we can point out again and again—and the spiritual scientist will not let this opportunity pass—the prophetic way in which Goethe foresaw spiritual science. By explaining how, through the development of the human soul, a person comes to contrast the spiritual “I” as spirit with the spiritual realm—by linking what is spiritual in the universe, through a bridge, with what is spiritual within the human being—we are reminded of what Goethe wrote from deep insight in his book on Winckelmann:

[ 83 ] Wer die gesunde Natur des Menschen als ein Ganzes fühlt, wer sich in seiner Umgebung als in einem großen, werten und würdigen Ganzen vernimmt, dem gegenüber würde das Weltall, wenn es sich selbst empfinden könnte, als an sein Ziel angelangt, aufjauchzen und den Gipfel des eigenen Werdens und Wesens bewundern.

[ 83 ] To those who perceive the healthy nature of humankind as a whole, who perceive their surroundings as a great, valuable, and dignified whole—to such people, if the universe could perceive itself, it would rejoice at having reached its goal and admire the pinnacle of its own becoming and being.

[ 84 ] Goethe also sah hin auf irgendetwas, was sich im Menschengemüt abspielen kann, wo der Geist des Weltalls unmittelbar anschaut den Geist des Weltalls, wo Geist dem Geist gegenübersteht.

[ 84 ] Goethe, then, was looking at something that can take place within the human soul—where the spirit of the universe gazes directly upon the spirit of the universe, where spirit faces spirit.

[ 85 ] Nun, ich kann auch das, was ich in allerdings skizzenhafter Weise gesagt habe über die Grenzgebiete, zusammenfassen dadurch, dass ich sage, dass Geisteswissenschaft in wirklich streng methodischer Art zeigen will, dass im Menschen auch dann, wenn dieser Mensch nur unbewusst lebt, das real vorhanden ist, das durch die geistige Forschung nur ins Bewusstsein heraufgehoben wird, dass sich bewusst nur das offenbart, was als größtes Geheimnis in den Tiefen des Menschen immer vorliegt und vorgeht, dass das Geistige dem Geistigen gegenübersteht, dass das Geistige mit dem Geistigen arbeitet, Geistiges das Geistige erkennt, Geist den Geist schafft und wahrnimmt.

[ 85 ] Well, I can also summarize what I said—albeit in a rather sketchy way—about the border regions by stating that spiritual science seeks, in a truly rigorous and methodical manner, to show that even when a person lives solely in the unconscious, there is something that actually exists, which is only brought up into consciousness through spiritual research; that only what is always present and taking place as the greatest mystery in the depths of the human being is revealed consciously; that the spiritual stands opposite the spiritual, that the spiritual works with the spiritual, that the spiritual recognizes the spiritual, and that spirit creates and perceives spirit.