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The Rudolf Steiner Archive

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The Human Being as a
Spirit and Soul Being
GA 71b

28 March 1918, Berlin

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Der Mensch als Geist- und Seelenwesen
  1. The Human Being as a Spirit and Soul Being, tr. SOL

7. Das Leben in der Kunst und die Kunst im Leben vom geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkte

7. Das Leben in der Kunst und die Kunst im Leben vom geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkte

[ 1 ] Aus einem Bewusstsein heraus, das ebenso getragen war von reicher Erfahrung wie von tiefer Kunsterfahrung, hat Goethe das beredsame Wort geprägt:

[ 1 ] Aus einem Bewusstsein heraus, das ebenso getragen war von reicher Erfahrung wie von tiefer Kunsterfahrung, hat Goethe das beredsame Wort geprägt:

Wem die Natur ihr offenbares Geheimnis zu enthüllen anfängt, der empfindet eine unwiderstehliche Sehnsucht nach ihrer würdigsten Auslegerin, der Kunst.

Wem die Natur ihr offenbares Geheimnis zu enthüllen anfängt, der empfindet eine unwiderstehliche Sehnsucht nach ihrer würdigsten Auslegerin, der Kunst.

[ 2 ] Gerade das wirkliche Verständnis für dasjenige, was mit einem solchen Wort gesagt sein will, macht es schwer, über die Kunst reden zu wollen. Goethe hat auch gesagt, dass die Kunst die Vermittlerin der Naturgeheimnisse ist, aber dass man nicht über sie durch das Wort reden solle. Andererseits muss man darüber reden, was aus dem Künstlerischen fließen kann. Ich möchte nicht so davon reden, wie die offizielle Wissenschaft davon redet, sondern wie man über einen liebgewonnenen Freund spricht, wo man das Bedürfnis hat, das, was man zu sagen hat, aus Sympathie, aus Liebe zu sagen.

[ 2 ] Gerade das wirkliche Verständnis für dasjenige, was mit einem solchen Wort gesagt sein will, macht es schwer, über die Kunst reden zu wollen. Goethe hat auch gesagt, dass die Kunst die Vermittlerin der Naturgeheimnisse ist, aber dass man nicht über sie durch das Wort reden solle. Andererseits muss man darüber reden, was aus dem Künstlerischen fließen kann. Ich möchte nicht so davon reden, wie die offizielle Wissenschaft davon redet, sondern wie man über einen liebgewonnenen Freund spricht, wo man das Bedürfnis hat, das, was man zu sagen hat, aus Sympathie, aus Liebe zu sagen.

[ 3 ] Der Künstler hat Abneigung gegen die Kunstwissenschaft oder gar gegen die Kunstkritik. Man muss sagen, wenn man versucht einzudringen, so wird es allzu begreiflich, dass der Künstler Scheu hat, das, was er mit der Kunst erlebte, abbrennen, absengen zu lassen. Wenn man für das moralische Leben eine Erbsünde annimmt, dann muss man für die Kunst zwei Erb-Übel annehmen. Das eine ist der Geschmack, in der Kunst nur nach den Sinnen zu gestalten. Wer das tut, wird das Geistige in der Kunst ablehnen. Das andere besteht darin, dass ein ebenso wenig geläuterter Geschmack das Abstrakte, das bloß Gedachte darstellen will. Diese symbolische Kunst ist ebenso wenig vom Künstlerischen getragen wie die von den Sinnen abhängige. Die Ideen-Kunst führt zu einer strohernen, papiernen Darstellung des Ideellen. Beides sind Abwege der eigentlichen Kunst. Was zur eigentlichen Kunst führt, muss begründet sein in irgendetwas im menschlichen Wesen. Es muss auch etwas sein, was aus der menschlichen Freiheit im menschlichen Willen hervorgeht.

[ 3 ] Der Künstler hat Abneigung gegen die Kunstwissenschaft oder gar gegen die Kunstkritik. Man muss sagen, wenn man versucht einzudringen, so wird es allzu begreiflich, dass der Künstler Scheu hat, das, was er mit der Kunst erlebte, abbrennen, absengen zu lassen. Wenn man für das moralische Leben eine Erbsünde annimmt, dann muss man für die Kunst zwei Erb-Übel annehmen. Das eine ist der Geschmack, in der Kunst nur nach den Sinnen zu gestalten. Wer das tut, wird das Geistige in der Kunst ablehnen. Das andere besteht darin, dass ein ebenso wenig geläuterter Geschmack das Abstrakte, das bloß Gedachte darstellen will. Diese symbolische Kunst ist ebenso wenig vom Künstlerischen getragen wie die von den Sinnen abhängige. Die Ideen-Kunst führt zu einer strohernen, papiernen Darstellung des Ideellen. Beides sind Abwege der eigentlichen Kunst. Was zur eigentlichen Kunst führt, muss begründet sein in irgendetwas im menschlichen Wesen. Es muss auch etwas sein, was aus der menschlichen Freiheit im menschlichen Willen hervorgeht.

[ 4 ] Viele sehen die Kunst nur wie einen Luxus an, nicht wie eine Bedingung des täglichen Daseins. Ich möchte daran erinnern, was ich über das Traumleben sagte vor acht Tagen, über die Verwandtschaft des Traumlebens mit der Phantasie. Im Schlaf ist die Seele abgesondert vom Leib. Durch die Geisteswissenschaft kann das sonst schlummernde Bewusstsein so erstarken, dass der Mensch die geistige Welt wahrnimmt, dass er nicht nur Dumpfes erlebt im Schlafe, sondern die mannigfaltigsten Wesenheiten und Erlebnisse durchmacht. Man kann sagen, dass das Traumleben daher rührt, dass die Seele heranschlägt an das Tagesleben, aber es nicht aufnimmt.

[ 4 ] Viele sehen die Kunst nur wie einen Luxus an, nicht wie eine Bedingung des täglichen Daseins. Ich möchte daran erinnern, was ich über das Traumleben sagte vor acht Tagen, über die Verwandtschaft des Traumlebens mit der Phantasie. Im Schlaf ist die Seele abgesondert vom Leib. Durch die Geisteswissenschaft kann das sonst schlummernde Bewusstsein so erstarken, dass der Mensch die geistige Welt wahrnimmt, dass er nicht nur Dumpfes erlebt im Schlafe, sondern die mannigfaltigsten Wesenheiten und Erlebnisse durchmacht. Man kann sagen, dass das Traumleben daher rührt, dass die Seele heranschlägt an das Tagesleben, aber es nicht aufnimmt.

[ 5 ] Der polarische Gegensatz zum Traumleben ist die Neigung der Seele zur künstlerischen Phantasie, zum künstlerischen Schaffen. Es ist unrichtig, eine unmittelbare Verwandtschaft zwischen beiden anzunehmen, aber man kann hinweisen vom einen auf das andere. Im Traum ist es die leibentrückte Seele, im künstlerischen Schaffen ist die Seele im Leib — also umgekehrt. Hier sucht die Seele Beziehung zum Geistigen, sie will anschlagen ans Geistige, an das Ewige, Unvergängliche, wie im Traum an das Leibliche, Zeitliche. Das sind zwei polarische Gegensätze. Wie die Seele sich im Traum halb zum physischen Leib erweckt, so zum Geistigen in der künstlerischen Phantasie.

[ 5 ] Der polarische Gegensatz zum Traumleben ist die Neigung der Seele zur künstlerischen Phantasie, zum künstlerischen Schaffen. Es ist unrichtig, eine unmittelbare Verwandtschaft zwischen beiden anzunehmen, aber man kann hinweisen vom einen auf das andere. Im Traum ist es die leibentrückte Seele, im künstlerischen Schaffen ist die Seele im Leib — also umgekehrt. Hier sucht die Seele Beziehung zum Geistigen, sie will anschlagen ans Geistige, an das Ewige, Unvergängliche, wie im Traum an das Leibliche, Zeitliche. Das sind zwei polarische Gegensätze. Wie die Seele sich im Traum halb zum physischen Leib erweckt, so zum Geistigen in der künstlerischen Phantasie.

[ 6 ] Wie der Schlaf da sein kann ohne Traum, so kann das Künstlerische zum gewöhnlichen Leben dazukommen aus der Freiheit, aber es kann auch wegbleiben.

[ 6 ] Wie der Schlaf da sein kann ohne Traum, so kann das Künstlerische zum gewöhnlichen Leben dazukommen aus der Freiheit, aber es kann auch wegbleiben.

[ 7 ] Es gibt Stimmungen im Leben. Man besucht einen Freund, wird in einem roten Zimmer empfangen, er kommt nicht gleich, man erwartet etwas; dann kommt er, erzählt allerlei banales Zeug, man ist enttäuscht, denn man hat Feierliches erwartet; so ist es im Unterbewussten. Oder in einem blauen Zimmer ist man im tiefsten Sinne des Wortes enttäuscht, weil man findet, dass er wie ein Rad redet. Man hat im Unterbewusstsein in einem blauen oder violetten Zimmer erwartet, dass er einen in Ruhe lässt. Aber er redet. Ich wähle absichtlich groteske Beispiele. Oder bei einem Gastmahl, wo das Geschirr rötliche Färbung hat, erwartet man, dass die Leute, wenn sie essen, nicht nur hungrig sind, sondern auch Feinschmecker sind. Bei blauem Geschirr erwartet man, dass sie nicht nur essen, sondern auch eine angenehme Unterhaltung führen. Oder man begegnet einer Dame auf der Straße, die einen Krauskopf hat und ist enttäuscht, wenn man findet, dass sie nicht schnippisch ist. Von einer Dame in einem angenehmen blauen Kleid erwartet man, dass sie gemessen ist; wenn sie das nicht ist, so fühlt man sich angelogen. Das sind innere geheime Stimmungen, Untertöne, die das Leben durchziehen. Es ist ein sinnlich-übersinnliches Element, was im Gefühlsleben dem Traum gleichkommt und dem Bewusstsein verborgen bleibt, wie [auch] die Vorstellung [in] dem Schlaf[enden] das Willenselement einschließt.

[ 7 ] Es gibt Stimmungen im Leben. Man besucht einen Freund, wird in einem roten Zimmer empfangen, er kommt nicht gleich, man erwartet etwas; dann kommt er, erzählt allerlei banales Zeug, man ist enttäuscht, denn man hat Feierliches erwartet; so ist es im Unterbewussten. Oder in einem blauen Zimmer ist man im tiefsten Sinne des Wortes enttäuscht, weil man findet, dass er wie ein Rad redet. Man hat im Unterbewusstsein in einem blauen oder violetten Zimmer erwartet, dass er einen in Ruhe lässt. Aber er redet. Ich wähle absichtlich groteske Beispiele. Oder bei einem Gastmahl, wo das Geschirr rötliche Färbung hat, erwartet man, dass die Leute, wenn sie essen, nicht nur hungrig sind, sondern auch Feinschmecker sind. Bei blauem Geschirr erwartet man, dass sie nicht nur essen, sondern auch eine angenehme Unterhaltung führen. Oder man begegnet einer Dame auf der Straße, die einen Krauskopf hat und ist enttäuscht, wenn man findet, dass sie nicht schnippisch ist. Von einer Dame in einem angenehmen blauen Kleid erwartet man, dass sie gemessen ist; wenn sie das nicht ist, so fühlt man sich angelogen. Das sind innere geheime Stimmungen, Untertöne, die das Leben durchziehen. Es ist ein sinnlich-übersinnliches Element, was im Gefühlsleben dem Traum gleichkommt und dem Bewusstsein verborgen bleibt, wie [auch] die Vorstellung [in] dem Schlaf[enden] das Willenselement einschließt.

[ 8 ] Ein übersinnliches Wesenhaftes ist da eingegliedert, es kommt nicht darauf an, ob es Bindeleib — Ätherleib — genannt wird.

[ 8 ] Ein übersinnliches Wesenhaftes ist da eingegliedert, es kommt nicht darauf an, ob es Bindeleib — Ätherleib — genannt wird.

[ 9 ] Die einzelnen Organe differenzieren den Menschen so, dass das übersinnliche Bindeelement nicht mehr so einheitlich mitschwingt. Der Mensch erlebt da als ganzer Mensch mit, was durch das Auge nur gesehen wird. Das kommt im gewöhnlichen Bewusstsein nicht zutage. Wir können dem Nahrung geben, was es befriedigt, wie die Sinne. Besonders anschaulich ist das im Musikalischen.

[ 9 ] Die einzelnen Organe differenzieren den Menschen so, dass das übersinnliche Bindeelement nicht mehr so einheitlich mitschwingt. Der Mensch erlebt da als ganzer Mensch mit, was durch das Auge nur gesehen wird. Das kommt im gewöhnlichen Bewusstsein nicht zutage. Wir können dem Nahrung geben, was es befriedigt, wie die Sinne. Besonders anschaulich ist das im Musikalischen.

[ 10 ] Ich habe gezeigt, dass das Vorstellungsleben an das Nervensystem gebunden ist, aber das Gefühlsleben ist an das ganze rhythmische Erleben gebunden. Das ist näher dem Sinn des Ohres verwandt als den anderen Sinnen, als dem Gefühlssinn, selbst als dem Vorstellen, dem Denken. Es ist eine Neigung im Menschen, sich immer wieder zu konzentrieren auf den Sinn des Ohres.

[ 10 ] Ich habe gezeigt, dass das Vorstellungsleben an das Nervensystem gebunden ist, aber das Gefühlsleben ist an das ganze rhythmische Erleben gebunden. Das ist näher dem Sinn des Ohres verwandt als den anderen Sinnen, als dem Gefühlssinn, selbst als dem Vorstellen, dem Denken. Es ist eine Neigung im Menschen, sich immer wieder zu konzentrieren auf den Sinn des Ohres.

[ 11 ] In jeder gesunden, vollständigen Menschennatur ist ein fortwährender Drang, in gesunder Weise heraufzuführen, was zur Vision führt, nicht zur leiblichen Vision. Die Vision will herauf, sie appelliert an den freien Willen, sie übt keinen Zwang aus, aber sie ist da. Der Künstler hat eine fortwährende Neigung zum Visionären, die befriedigt sein will. Aber sie bleibt latent. Was kann sie befriedigen? Sie ist immer vorhanden, auch wenn der Mensch nur sinnliche Anschauungen hat. Aber damit kann sie nicht befriedigt werden. Wenn das Musikalische an das Ohr schlägt, nimmt es der ganze übersinnliche Mensch auf, dadurch kommt der visionäre Drang zur Befriedigung.

[ 11 ] In jeder gesunden, vollständigen Menschennatur ist ein fortwährender Drang, in gesunder Weise heraufzuführen, was zur Vision führt, nicht zur leiblichen Vision. Die Vision will herauf, sie appelliert an den freien Willen, sie übt keinen Zwang aus, aber sie ist da. Der Künstler hat eine fortwährende Neigung zum Visionären, die befriedigt sein will. Aber sie bleibt latent. Was kann sie befriedigen? Sie ist immer vorhanden, auch wenn der Mensch nur sinnliche Anschauungen hat. Aber damit kann sie nicht befriedigt werden. Wenn das Musikalische an das Ohr schlägt, nimmt es der ganze übersinnliche Mensch auf, dadurch kommt der visionäre Drang zur Befriedigung.

[ 12 ] So ist es auch mit Goethes Metamorphosenlehre, sie kann einen in tiefe, natürliche Geheimnisse führen: das grüne Laubblatt, das sich in die Blumenblätter und so weiter verwandelt.

[ 12 ] So ist es auch mit Goethes Metamorphosenlehre, sie kann einen in tiefe, natürliche Geheimnisse führen: das grüne Laubblatt, das sich in die Blumenblätter und so weiter verwandelt.

[ 13 ] Wenn man den Menschen betrachtet, so kann er in verschiedener Weise zerfallen, zum Beispiel in das Haupt und den übrigen Organismus. Dieser kann Haupt werden. So, wie Goethe im Blatt das Ganze sieht, so kann man in jedem Glied des Menschen das Ganze sehen; aus jedem Glied kann das Ganze hervorgehen.

[ 13 ] Wenn man den Menschen betrachtet, so kann er in verschiedener Weise zerfallen, zum Beispiel in das Haupt und den übrigen Organismus. Dieser kann Haupt werden. So, wie Goethe im Blatt das Ganze sieht, so kann man in jedem Glied des Menschen das Ganze sehen; aus jedem Glied kann das Ganze hervorgehen.

[ 14 ] Das bewegliche Leben in der Natur will von der visionären Kraft erfasst werden.

[ 14 ] Das bewegliche Leben in der Natur will von der visionären Kraft erfasst werden.

[ 15 ] Die Musik kann an nichts erinnern, was im äußeren Leben ist, da muss alles entzaubert werden durch die Musik. Bei den übrigen Künsten muss alles abgerechnet werden, was zu den Sinnen gehört, aber die Musik braucht das nicht.

[ 15 ] Die Musik kann an nichts erinnern, was im äußeren Leben ist, da muss alles entzaubert werden durch die Musik. Bei den übrigen Künsten muss alles abgerechnet werden, was zu den Sinnen gehört, aber die Musik braucht das nicht.

[ 16 ] Der ganze Mensch muss erst entzaubert werden. Alles künstlerische Schaffen ist wie eine Entzauberung. Man muss [im Plastischen] das Leben aus der Fläche herausholen, muss einmal, zweimal biegen, was sonst in der Fläche erstorben ist, wenn, wie sich im Leben nur abgrenzt, [im Malerischen die Farbe], zum Beispiel das Rotgelb. Ein Barbar sagt: Wie erinnert das an das, was ist, wenn das Blauviolette in die Linie übergeht? — Aber dadurch kommt man in die Form hinein, durch das Rotgelbe in die Bewegung, auch in die Bewegung in den Gliedern. Rot und Blau sind nicht nur Farben, sie wünschen etwas. Aller barbarische Geschmack sagt: Was stellt das vor? — Aber der Künstler offenbart nur etwas, was in der Seele war. Alles Künstlerische hat ein expressionistisches Element in sich.

[ 16 ] Der ganze Mensch muss erst entzaubert werden. Alles künstlerische Schaffen ist wie eine Entzauberung. Man muss [im Plastischen] das Leben aus der Fläche herausholen, muss einmal, zweimal biegen, was sonst in der Fläche erstorben ist, wenn, wie sich im Leben nur abgrenzt, [im Malerischen die Farbe], zum Beispiel das Rotgelb. Ein Barbar sagt: Wie erinnert das an das, was ist, wenn das Blauviolette in die Linie übergeht? — Aber dadurch kommt man in die Form hinein, durch das Rotgelbe in die Bewegung, auch in die Bewegung in den Gliedern. Rot und Blau sind nicht nur Farben, sie wünschen etwas. Aller barbarische Geschmack sagt: Was stellt das vor? — Aber der Künstler offenbart nur etwas, was in der Seele war. Alles Künstlerische hat ein expressionistisches Element in sich.

[ 17 ] Was als Natur vor uns steht, können wir nicht im Nachahmen erreichen, es steht vor uns nur als Larve. Die Kritiker sind ja überall so wie jemand, der hinter uns steht, wenn wir essen, und sagt, wie die Speisen schmecken.

[ 17 ] Was als Natur vor uns steht, können wir nicht im Nachahmen erreichen, es steht vor uns nur als Larve. Die Kritiker sind ja überall so wie jemand, der hinter uns steht, wenn wir essen, und sagt, wie die Speisen schmecken.

[ 18 ] Die «Gruppe» in Dornach ist der künstlerische Ausdruck der Metamorphosenlehre. Es ist da gewagt worden, den Menschheitsrepräsentanten asymmetrisch darzustellen, daneben das darzustellen, wie der übrige Organismus ganz Kopf werden will. Man kann das nicht erreichen, indem man ein Haupt nur karikiert, sondern von innen heraus.

[ 18 ] Die «Gruppe» in Dornach ist der künstlerische Ausdruck der Metamorphosenlehre. Es ist da gewagt worden, den Menschheitsrepräsentanten asymmetrisch darzustellen, daneben das darzustellen, wie der übrige Organismus ganz Kopf werden will. Man kann das nicht erreichen, indem man ein Haupt nur karikiert, sondern von innen heraus.

[ 19 ] Das andere ist auch versucht worden, wie das Haupt der übrige Organismus werden will, wie das Haupt sich ausgießt über den ganzen Organismus, eine Auflösung, eine Harmonisierung. Solche Dinge erwecken ein leises Grauen heute, wie es die kopernikanische Weltanschauung bis 1827 bei einer einflussreichen Behörde tat. Aber das kann den Gang der Entwicklung nicht aufhalten.

[ 19 ] Das andere ist auch versucht worden, wie das Haupt der übrige Organismus werden will, wie das Haupt sich ausgießt über den ganzen Organismus, eine Auflösung, eine Harmonisierung. Solche Dinge erwecken ein leises Grauen heute, wie es die kopernikanische Weltanschauung bis 1827 bei einer einflussreichen Behörde tat. Aber das kann den Gang der Entwicklung nicht aufhalten.

[ 20 ] Es ist ein Umschwung eingetreten in Bezug auf die Kunst, zum Beispiel in Bezug auf die Stellung zu den Kunstwerken Raffaels und Michelangelos. Man versucht nicht mehr, innen mitzuschwingen, man hat eine Art Bewusstsein, diese müssten mit einer längst vergangenen Zeit und einem anderen Bewusstsein zusammenhängen. Es ist mehr heraufgezogen in den Seelen, was man gegenüber den heutigen Künstlern tut. Raffael, Michelangelo möchte man zurückbegleiten in andere Zeiten, wo sie anders waren als Künstler; den heutigen Künstler möchte man unmittelbar begleiten. Solche Künstler haben ein Gefühl, wie Goethe es hatte, wenn man eine Wahrheit suche, so müsse man sie in der Kunst suchen. Wenn man heute eine Dame malen will, wie sie ist, so wird sie ausschauen wie eine Dame im Starrkrampf, wie jede Fotografie ausschaut. Man muss ertöten und wieder erschaffen mit dem, was man Humor nennen kann, eine innere Dramatik; eine hübsche Frau muss man nicht nur töten, sondern sogar misshandeln. Es liegt vielleicht etwas im künstlerischen Wesen, wozu gehört, dass der Pedant entsetzt ist, dass der Philister es als unnötig verurteilt. Es klingt schon so furchtbar, wie wenn es in einem Beamtenbüro gesagt wäre, wenn man sagt, dass die Kunst in den Dienst des Lebens zu stellen sei.

[ 20 ] Es ist ein Umschwung eingetreten in Bezug auf die Kunst, zum Beispiel in Bezug auf die Stellung zu den Kunstwerken Raffaels und Michelangelos. Man versucht nicht mehr, innen mitzuschwingen, man hat eine Art Bewusstsein, diese müssten mit einer längst vergangenen Zeit und einem anderen Bewusstsein zusammenhängen. Es ist mehr heraufgezogen in den Seelen, was man gegenüber den heutigen Künstlern tut. Raffael, Michelangelo möchte man zurückbegleiten in andere Zeiten, wo sie anders waren als Künstler; den heutigen Künstler möchte man unmittelbar begleiten. Solche Künstler haben ein Gefühl, wie Goethe es hatte, wenn man eine Wahrheit suche, so müsse man sie in der Kunst suchen. Wenn man heute eine Dame malen will, wie sie ist, so wird sie ausschauen wie eine Dame im Starrkrampf, wie jede Fotografie ausschaut. Man muss ertöten und wieder erschaffen mit dem, was man Humor nennen kann, eine innere Dramatik; eine hübsche Frau muss man nicht nur töten, sondern sogar misshandeln. Es liegt vielleicht etwas im künstlerischen Wesen, wozu gehört, dass der Pedant entsetzt ist, dass der Philister es als unnötig verurteilt. Es klingt schon so furchtbar, wie wenn es in einem Beamtenbüro gesagt wäre, wenn man sagt, dass die Kunst in den Dienst des Lebens zu stellen sei.

[ 21 ] Das Künstlerische steht aber so in der Erziehung des Lebens, dass die Kunst nicht Dienerin des Lebens ist, sondern es verschönern soll, und da sie der Weg zum Geistigen ist, so ist sie auch ein Durchdringen des Lebens mit Wirklichkeit.

[ 21 ] Das Künstlerische steht aber so in der Erziehung des Lebens, dass die Kunst nicht Dienerin des Lebens ist, sondern es verschönern soll, und da sie der Weg zum Geistigen ist, so ist sie auch ein Durchdringen des Lebens mit Wirklichkeit.

[ 22 ] Man ist nur dann imstande, im sozialen Leben richtig einzugreifen, wenn man es so anfasst, wie der Künstler sein Material anfasst. Neue Kräfte wollen sich fortwährend in das Leben einfügen, ein künstlerisches Element sollte in allem leben. Wenn irgendwo Mängel auftreten, so hängt das damit zusammen, dass dem Menschen das Künstlerische verloren gegangen ist. Die Menschen glauben, Programmpunkte gefunden zu haben, und halten sie für die göttlichsten Ideale. Aber alles soziale Gerede nützt nichts, hat keinen Untergrund, kann nicht befruchten. Heute gründet man einen Verein, gibt ihm Statuten, nimmt ausgezeichnete Programmpunkte auf, man glaubt, das Leben damit zu meistern. Aber das ist alles abstrakt. Es ist viel wichtiger, den rechten Menschen an die rechte Stelle zu setzen, nur darf man dann nicht immer meinen, dass der Neffe der rechte Mensch sei.

[ 22 ] Man ist nur dann imstande, im sozialen Leben richtig einzugreifen, wenn man es so anfasst, wie der Künstler sein Material anfasst. Neue Kräfte wollen sich fortwährend in das Leben einfügen, ein künstlerisches Element sollte in allem leben. Wenn irgendwo Mängel auftreten, so hängt das damit zusammen, dass dem Menschen das Künstlerische verloren gegangen ist. Die Menschen glauben, Programmpunkte gefunden zu haben, und halten sie für die göttlichsten Ideale. Aber alles soziale Gerede nützt nichts, hat keinen Untergrund, kann nicht befruchten. Heute gründet man einen Verein, gibt ihm Statuten, nimmt ausgezeichnete Programmpunkte auf, man glaubt, das Leben damit zu meistern. Aber das ist alles abstrakt. Es ist viel wichtiger, den rechten Menschen an die rechte Stelle zu setzen, nur darf man dann nicht immer meinen, dass der Neffe der rechte Mensch sei.

[ 23 ] Was im Leben erstarken will, ist das, was in den Untergründen ist, das will entzaubert werden. Das kann man nicht abstrakt machen. Die Kunst kann das Leben nur befruchten, wenn man sich bestrebt, in der Kunst das Leben zu finden.

[ 23 ] Was im Leben erstarken will, ist das, was in den Untergründen ist, das will entzaubert werden. Das kann man nicht abstrakt machen. Die Kunst kann das Leben nur befruchten, wenn man sich bestrebt, in der Kunst das Leben zu finden.

[ 24 ] Ein Sinnlich-Übersinnliches liegt in der Kunst. — Ein Mensch, der nicht träumt, weiß nicht von der Verbindung. So gleicht ein kunstloses Leben der Pedanterie, der Philiströsität. Die Kunst darf nicht der Notwendigkeit entsprechen, sondern der menschlichen Freiheit. Man beachtet nicht, dass der Mensch mitzureden hat, dass eine Freiheit da ist. Der Mensch muss sagen: Nichts Äußeres kann mich zur Kunst hindrängen, sondern ich selber erkläre, dass sie notwendig ist.

[ 24 ] Ein Sinnlich-Übersinnliches liegt in der Kunst. — Ein Mensch, der nicht träumt, weiß nicht von der Verbindung. So gleicht ein kunstloses Leben der Pedanterie, der Philiströsität. Die Kunst darf nicht der Notwendigkeit entsprechen, sondern der menschlichen Freiheit. Man beachtet nicht, dass der Mensch mitzureden hat, dass eine Freiheit da ist. Der Mensch muss sagen: Nichts Äußeres kann mich zur Kunst hindrängen, sondern ich selber erkläre, dass sie notwendig ist.