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The Human Being as a
Spirit and Soul Being
GA 71b

1 May 1918, Munich

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The Human Being as a Spirit and Soul Being, tr. SOL
  1. Der Mensch als Geist- und Seelenwesen

10. Der übersinnliche Mensch und die Fragen der Willensfreiheit und Unsterblichkeit nach Ergebnissen der Geisteswissenschaft

10. The Psychic Human Being and the Questions of Free Will and Immortality According to the Findings of Spiritual Science

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Es ist nicht ein äußerer Anlass, die zwei bedeutsamsten Fragen des menschlichen Seelen- und Gemütslebens heute in dieser Betrachtung im Zusammenhang zu behandeln, die Frage der menschlichen Willensfreiheit und die Frage der Seelenunsterblichkeit, sondern es scheint mir, dass die wirkliche innere Erkenntnis von des Menschen übersinnlicher Persönlichkeit einen naturgemäßen inneren Zusammenhang zwischen diesen beiden bedeutungsvollen Menschheitsrätseln so ergibt, dass das eine Licht auf das andere werfen muss.

[ 1 ] Ladies and gentlemen! It is not some external occasion that prompts me to address the two most significant questions of the human soul and emotional life in this reflection today— the question of human free will and the question of the immortality of the soul; rather, it seems to me that a true inner understanding of the human being’s supersensible personality reveals a natural inner connection between these two profound mysteries of humanity, such that one must shed light on the other.

[ 2 ] Man braucht ja nur, sehr verehrte Anwesende, ein wenig hinzusehen auf die immer und immer wiederkehrenden philosophischen und sonstigen Bemühungen sehr scharfsinniger Geister innerhalb der Menschheitsentwicklung, um diesen beiden Menschheitsfragen näherzukommen. Und man wird sehen, dass eine — wie man sie so gewöhnlich auffasst — rein philosophische Betrachtung nicht herankommen kann an dasjenige, was eigentlich mit diesen in jedem einzelnen Menschengemüt so bedeutsam sich einwurzelnden Fragen an den Menschen herantreten will. Ich selbst, sehr verehrte Anwesende, wenn ich dieses einleitungsweise erwähnen darf, beschäftige mich mit der Frage der menschlichen Willensfreiheit seit Jahrzehnten, und ein Vierteljahrhundert ist es her, seit ich in meinem Buche «Die Philosophie der Freiheit» versuchte, dazumal in rein philosophisch-wissenschaftlicher Form auf diejenigen Punkte hinzuweisen, durch die man wenigstens dieser Frage der menschlichen Freiheit nahekommen kann. Dasjenige, was dazumal, vor einem Vierteljahrhundert, von mir, ich möchte sagen, in abstrakt-philosophischer Weise ausgeführt worden ist, das möchte ich in der Betrachtung des heutigen Abends in geisteswissenschaftlicher Art begründen, in derjenigen geisteswissenschaftlichen Art, wie sie gemeint war durch die langen Jahre hindurch, in denen ich auch hier in München über anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft jedes Jahr Vorträge halten durfte.

[ 2 ] Ladies and gentlemen, one need only look a little more closely at the philosophical and other endeavors—recurring time and again—of highly perceptive minds throughout human history to gain a better understanding of these two fundamental questions of humanity. And one will see that a purely philosophical consideration—as it is usually understood—cannot come close to what these questions, which are so deeply rooted in every individual human soul, actually seek to convey to humanity. I myself, ladies and gentlemen—if I may mention this by way of introduction—have been engaged with the question of human free will for decades, and a quarter of a century has passed since I attempted, in my book The Philosophy of Freedom, to point out—at that time in a purely philosophical and scientific form—those aspects through which one can at least approach this question of human freedom. What was presented by me at that time, a quarter of a century ago, I would say in an abstract-philosophical manner, I would like to ground in this evening’s discussion in the spirit-scientific sense—in the very spirit-scientific sense that was intended throughout the long years during which I was also able to give lectures here in Munich each year on anthroposophically oriented spiritual science.

[ 3 ] Nun wird vielleicht gerade in unserer Gegenwart nur derjenige an die beiden angedeuteten Menschheitsrätsel in einer gut vorbereiteten Art herantreten, welcher gerungen hat mit dem, was naturwissenschaftliche Weltanschauung heute gerade zu diesen Menschheitsrätseln zu sagen hat; der so gerungen hat, dass ihm im Ringen klar geworden ist, wo eigentlich naturwissenschaftliche Betrachtungsweise versagen muss, gerade dann, wenn es sich um tiefste Menschheitsfragen wie diese handelt, von denen ja jeder von vorneherein zugeben wird, dass sie heranführen müssen an dasjenige, was man nennen kann menschliche Selbsterkenntnis.

[ 3 ] Now, perhaps especially in our own time, only those who have grappled with what the scientific worldview has to say today about these very mysteries of humanity will be able to approach the two mysteries of humanity mentioned here in a well-prepared manner; who has wrestled with these questions to such an extent that, in the process, it has become clear to them where the scientific approach must ultimately fail—precisely when it comes to the deepest questions of humanity such as these, which everyone will admit from the outset must lead to what can be called human self-knowledge.

[ 4 ] Nun lassen Sie uns, sehr verehrte Anwesende, einleitungsweise bildlich, möchte ich sagen, darauf hinweisen, welche Schwierigkeiten gegenüber menschlicher Selbsterkenntnis von vorneherein eigentlich vorausgesetzt werden müssen. Bildlich gesprochen: Das Auge kann zwar die sichtbaren Dinge um sich herum wahrnehmen; gerade dadurch kann das Auge die sichtbaren Dinge um sich wahrnehmen, dass es selber sich nicht sehen kann. Wer dieses Bild ausdenkt, der wird es begreiflich finden, dass die Schwierigkeit menschlicher Selbsterkenntnis darin liegen muss, dass man zwar mit alledem, was dem Menschen an Organen für seine Erkenntnis zur Verfügung steht, anderes schauen wird können, aber dass das eigene Selbst so wenig geistig erschaut werden kann, wie das Auge sich selber sehen kann.

[ 4 ] Now, esteemed audience, let us begin—figuratively speaking, I might say—by pointing out the difficulties that must be assumed from the outset with regard to human self-knowledge. To put it figuratively: The eye can indeed perceive the visible things around it; it is precisely because the eye cannot see itself that it is able to perceive the visible things around it. Anyone who reflects on this analogy will find it understandable that the difficulty of human self-knowledge must lie in the fact that, while one can perceive everything else with the organs of perception at one’s disposal, one’s own self can be perceived just as little mentally as the eye can see itself.

[ 5 ] Nun, dem Auge gegenüber ist allerdings möglich, dass ein anderer dieses Auge physiologisch, anatomisch oder sonst wie untersucht; allein ein flüchtiges Nachdenken zeigt ja, dass dies gegenüber dem eigentlichen Selbst des Menschen, das doch mehr oder weniger jeder in seinem Unterbewusstsein als ein Übersinnliches erfühlt, nicht der Fall sein könne. Es kann nicht ein anderer Mensch dasjenige, was unsichtbar übersinnlich in uns waltet, so betrachten, wie eine andere Persönlichkeit das menschliche Auge betrachten kann.

[ 5 ] Now, as far as the eye is concerned, it is certainly possible for another person to examine that eye physiologically, anatomically, or in any other way; yet even a fleeting reflection shows that this cannot be the case with regard to the actual self of the human being—which, after all, more or less everyone senses in their subconscious as something supernatural. Another person cannot observe that which reigns invisibly and supersensibly within us in the same way that another person can observe the human eye.

[ 6 ] Allerdings, noch ein anderes Bild lässt sich gebrauchen. Wir können unser eigenes Auge sehen, wenn wir in den Spiegel schauen. Das führt nur dazu, dass wir dann nicht sehen mit dem Auge den ganzen lebensvollen Inhalt dieses Auges, dasjenige, was eigentlich im Auge leben muss, um es zum Sehorgan und zum Vermittler der seelischen Erkenntnis der Außenwelt zu machen. Ein Bild nur vom Auge kann sich uns zeigen, wenn wir das Auge im Spiegel beschauen.

[ 6 ] However, there is another image we can use. We can see our own eye when we look in the mirror. This merely means that we do not then see, with the eye, the entire living content of that eye—that which must actually live within the eye to make it an organ of sight and a mediator of the soul’s perception of the external world. Only an image of the eye can appear to us when we look at the eye in the mirror.

[ 7 ] Ich habe diese Bilder vorausgesetzt, um zunächst, ich möchte sagen, annäherungsweise durch einige Vorstellungen auf das hinzuführen, was der Grundnerv der heutigen Betrachtung sein soll. Es ist nichts anderes möglich, wenn überhaupt Selbsterkenntnis beim Menschen auftreten soll, als dass der Mensch selbst, nicht ein anderer, aus derjenigen Menschenwesenheit, in der er gewöhnlich darinnen ist, heraustritt und sich selber von außen beschauen lernt. Damit spricht man allerdings gleich etwas aus, was an der weitverbreiteten gegenwärtigen Weltanschauung eigentlich ein wissenschaftlicher Gräuel ist, was sich aber ganz gewiss einleben wird in das menschliche Denken so, wie sich die kopernikanische Weltanschauung eingelebt hat. Es ist nur heute noch ungewohnt, was, wie schon früher, so auch heute vor unsere Seele treten soll. Dass der Mensch heraustreten könne aus seinem Selbst, sich gewissermaßen selber real gegenübertreten könne, das erscheint heute den meisten Menschen als ein absurder Gedanke.

[ 7 ] I have presented these images in order, first of all, to guide you—I would say, in a rough way—through a few ideas toward what is to be the central theme of today’s discussion. If self-knowledge is to arise in human beings at all, there is no other way than for the human being himself—and not someone else—to step out of the human existence in which he is usually immersed and learn to observe himself from the outside. This, however, immediately expresses something that is actually a scientific abomination in the widespread contemporary worldview, but which will most certainly take root in human thinking just as the Copernican worldview has taken root. It is simply still unfamiliar today what, as in the past, is meant to present itself to our soul today. That a human being could step out of his or her own self, could, so to speak, truly confront oneself—this seems to most people today to be an absurd idea.

[ 8 ] Nun, der Geistesforscher ist genötigt, nicht so vorzugehen, wie man in einer anderen wissenschaftlichen Betrachtung vorgeht. In dieser wissenschaftlichen Betrachtung, wenn man sie populär anstellt, gibt man in der Regel Ergebnisse; der Geistesforscher ist nicht in der Lage, bloß solche Ergebnisse anzuführen. Er muss, insbesondere, wenn es sich besonders um eine so fundamentale Frage wie die heutige handelt, den Weg vor allen Dingen angeben, auf den er zu verweisen hat, wenn er gewisse Forschungsergebnisse sich als wichtig, wesentlich hereinstellend in jedes Menschenleben vor Augen führen will. Daher wird meine Aufgabe im ersten Teil der heutigen Betrachtung vor allen Dingen darin bestehen, zu zeigen, wie der Geistesforscher an das in Menschenwesen herantritt, an dem erkannt werden kann, um was es sich handelt bei Willensfreiheit und bei der Seelenunsterblichkeit. Betrachtungen möchte ich anstellen darüber, welchen Sinn es eigentlich hat, herauszutreten aus seinem gewöhnlichen Menschenwesen und sich von außen gewissermaßen wie im Spiegel zu betrachten, wobei man ja selbstverständlich voraussetzen kann — das will ich gleich sagen —, dass man dann von außen nicht den lebensvollen Menschen zunächst vor sich hat, sondern vielleicht nur ein Bild, wie das Auge ein Bild im Spiegel vor sich hat.

[ 8 ] Well, the spiritual researcher is compelled not to proceed in the same way as one would in another scientific inquiry. In that kind of scientific inquiry, when presented in popular terms, one generally presents results; the spiritual researcher is not in a position to merely cite such results. He must—especially when dealing with a question as fundamental as the one we are addressing today—first and foremost indicate the path he is pointing to, if he wishes to present certain research findings as important and essential to every human life. Therefore, my task in the first part of today’s reflection will consist above all in showing how the spiritual researcher approaches that aspect of human existence through which one can recognize what freedom of will and the immortality of the soul actually entail. I would like to reflect on what it actually means to step out of one’s ordinary human existence and view oneself from the outside, as it were, as in a mirror—though one can of course assume—and I will say this right away—that from the outside one does not initially see the living human being before oneself, but perhaps only an image, just as the eye sees an image in a mirror.

[ 9 ] Aber bevor ich diese Betrachtungen über geisteswissenschaftliche Methoden anstelle, möchte ich wenigstens ein Beispiel anführen, welches zu zeigen geeignet ist, wie die ja von der Geisteswissenschaft voll anerkannte naturwissenschaftliche Betrachtungsweise der Gegenwart sich ja immer und überall bemüht, an die Fragen der menschlichen Selbsterkenntnis heranzukommen, wie aber gerade diese naturwissenschaftliche Betrachtung, wenn sie gut ist in ihrer Methode, wenn sie für das, was naturwissenschaftlich vortrefflich ist, wie gerade sie sich ungeeignet erweist, an das wahre menschliche Selbst heranzukommen.

[ 9 ] But before I offer these reflections on the methods of the humanities, I would like to cite at least one example that serves to show how the contemporary scientific approach—which is, after all, fully recognized by the humanities—always and everywhere strives to address the questions of human self-knowledge, yet how precisely this scientific approach—even when its methodology is sound—proves to be unsuitable for reaching the true human self, despite its excellence in the realm of natural science.

[ 10 ] Dafür einleitungsweise ein Beispiel, das in einer Schrift der ja ausgezeichneten Sammlung, die in Wiesbaden erscheint, über Grenzfragen des Nerven- und Seelenlebens behandelt wird, das Ludwig Waldstein behandelt in «Das unterbewusste Ich». Das ist eine naturwissenschaftliche Schrift, durch die der Verfasser heranwill an das, was im Menschen lebt, und als Naturforscher ist es selbstverständlich, dass er heranrückt mit wirklich wissenschaftlicher Methode, wie es auch die Geisteswissenschaft macht; denn die kann sich auch nicht darauf einlassen, in mystischer Träumerei und Phantasterei sich dem Menschen selbst zu nähern. Geisteswissenschaft muss auf einen so strengen Boden sich stellen, wenn Sie auch anders vorgehen muss, als nur irgend Naturwissenschaft stehen kann und will.

[ 10 ] To illustrate this, here is an example from a paper in the excellent series published in Wiesbaden that addresses borderline issues of nervous and mental life—a topic Ludwig Waldstein explores in Das unterbewusste Ich (The Subconscious Self). This is a scientific treatise through which the author seeks to approach what lives within the human being, and as a natural scientist, it goes without saying that he approaches the subject with a truly scientific method—just as spiritual science does; for spiritual science, too, cannot afford to approach the human being through mystical reverie and fantasy. Spiritual science must stand on such solid ground, even if it must proceed differently than any natural science can or will.

[ 11 ] Nun gibt Ludwig Waldstein eine merkwürdige Selbstbeobachtung — aber dieses Beispiel könnte um Hunderte und Tausende vermehrt werden —, er sagt von sich selbst: Er stand einmal vor einem Buchladen, schaute hinein. Sein Blick fiel auf eine Schrift über Mollusken. Es lag nahe dem Naturforscher, den Blick ruhen zu lassen auf dem Titelblatt dieser Schrift. Aber während er dieses Titelblatt überschaute, musste er anfangen zu lächeln. Er kann sich nicht erklären, wie es kommt, dass er, der Naturforscher ist, dem doch gewiss dieses Buch eine ernsthafte Sache ist, dass er anfangen muss zu lachen. Er will dahinterkommen, warum ihn ein Buchtitel zum Lachen bringt. Er sucht dadurch dahinterzukommen, dass er die Augen schließt. Und siehe da, indem er sie schließt, vernimmt er ganz verglimmend in der Ferne die Melodie einer Drehorgel und die just dasselbe spielt, was ihm vorgespielt worden ist, als er vor Jahrzehnten als ganz junger Mensch seine erste Quadrille getanzt hat; als er das Molluskenbuch dem Titel nach anschaute, hatte er gar keine Idee, warum er lachen musste, denn der Ton der Orgel war ganz verglimmend. Er hätte ihn nicht wahrgenommen, wenn er nicht die Augen geschlossen hätte.

[ 11 ] Now Ludwig Waldstein offers a curious self-observation—though this example could be multiplied by the hundreds and thousands—in which he says of himself: He was once standing in front of a bookstore, looking inside. His gaze fell on a book about mollusks. It was only natural for the naturalist to let his gaze rest on the title page of this treatise. But as he scanned the title page, he found himself smiling. He cannot explain why he—a naturalist, for whom this book is certainly a serious matter—began to laugh. He wants to figure out why a book title makes him laugh. He tries to figure it out by closing his eyes. And lo and behold, as he closes them, he hears, faintly in the distance, the melody of a barrel organ playing exactly the same tune that had been played for him decades ago, when, as a very young man, he danced his first quadrille; when he looked at the mollusk book by its title, he had no idea why he had to laugh, for the sound of the organ was very faint. He wouldn’t have noticed it if he hadn’t closed his eyes.

[ 12 ] So ist er darauf gekommen, dass man erstens irgendwelche Äußerungen des eigenen Seelenlebens machen kann, ohne eigentlich, wenn man nicht besonders nachforscht, zu wissen, wie man dazu kommt, solche Offenbarungen seines Selbstes von sich zu geben wie sein Lächeln; dann zweitens ist er darauf gekommen, dass vor Jahrzehnten einmal, aber auch nur ganz leise, diese Melodie auf der Drehorgel einen Eindruck auf ihn gemacht hat, aber auch nur einen halb träumerischen; denn er wusste selbst, dass er dazumal nicht recht darauf achtgegeben hatte. Dennoch ist verbunden geblieben im unterbewussten Ich dieser damals leise verglimmend vernommene Ton der Drehorgel, und jetzt, wo er noch leiser anklingt, mischt er sich hinein ins Seelenleben als Reminiszenz und verursacht eine Offenbarung, der man erst nachforschen muss.

[ 12 ] This is how he came to realize that, first of all, one can make certain expressions of one’s inner life without actually knowing—unless one investigates the matter closely—how one comes to reveal aspects of oneself, such as a smile; second, he realized that decades ago, though only very faintly, this melody on the barrel organ had made an impression on him—albeit only a half-dreamlike one—for he himself knew that he hadn’t really paid much attention to it at the time. Nevertheless, that sound of the barrel organ—heard back then as it faded softly into the distance—has remained lodged in his subconscious, and now, as it resounds even more softly, it mingles with his inner life as a reminiscence and brings about a revelation that one must first investigate.

[ 13 ] So ohne Weiteres mit rein naturwissenschaftlicher Methode kann man sich höchstens nähern demjenigen, was hinter einer solchen Tatsache liegt; aber an das wahre Wesen kann man doch nicht herandringen. Man wird sich sagen müssen: Was eigentlich lebt alles in diesem unterbewussten Seelenleben, was flutet da herauf in unbestimmter Weise, macht sich geltend und kann einen täuschen über das, was im Seelenleben eigentlich vorhanden ist? Und gar viele Menschen, die auf solche Dinge, wie sie jetzt angeführt worden sind, nicht achtgeben, die machen die Erfahrung, dass aus ihrem Seelenleben irgendetwas heraufkommt, das sie besonders interessiert, irgendetwas, was sie für eine besondere Erleuchtung halten. Sie fühlen sich als Träger einer großen Offenbarung, und dennoch kann diese große Offenbarung vielleicht nichts anderes sein als etwas Ähnliches wie die verglimmenden Töne der Drehorgel. Denn es hätte sich schr leicht durch irgendeine Ideenvergesellschaftung ergeben können, dass der Mann, der vor dem Molluskenbuch gestanden, als die Töne leise angeklungen haben, dass das sich verbunden hätte mit irgendetwas anderem.

[ 13 ] At best, one can only approach what lies behind such a fact using purely scientific methods; but one cannot truly penetrate to its true essence. One must ask oneself: What is actually at work in this subconscious inner life—what surges up from it in an indefinite way, asserts itself, and can deceive one about what is actually present in the inner life? And many people who pay no attention to such things as have just been mentioned experience that something rises up from their inner life that particularly interests them—something they regard as a special insight. They feel themselves to be the bearers of a great revelation, and yet this great revelation may be nothing more than something akin to the fading notes of a barrel organ. For it could easily have come about through some association of ideas that the man standing before the book on mollusks, as the sounds softly rang out, might have linked that to something else.

[ 14 ] Und siehe da, es gibt schon Menschen der Gegenwart, die dazu geeignet sind, wenn auch nicht der Naturforscher — es hätte ein solcher Mensch dann glauben können, wenn sich vielleicht die Töne der Drehorgel verbunden hätten, nun, sagen wir, mit der Idee der Sphärenmusik, was auch hätte sein können, dass er gewürdigt worden wäre in diesem Fall, abzulenken den Blick von dem Buche zu der erhabenen Sphärenmusik. Es kann einem sehr leicht passieren, wenn man ein vorurteilsvoller Mystiker ist, dass man die Töne, die wieder anklingen von einer vor Jahrzehnten gehörten Drehorgel, mit der Sphärenmusik verwechselt oder mit anderen geistigen Offenbarungen.

[ 14 ] And lo and behold, there are already people today who are suited for this, even if not the naturalist—such a person might have believed, had the sounds of the barrel organ perhaps blended with, say, the idea of celestial music (which could well have been the case), that he would have been justified in this instance in turning his gaze away from the book toward the sublime celestial music. It can very easily happen, if one is a prejudiced mystic, that one confuses the sounds, which resound once more from a barrel organ heard decades ago, with the music of the spheres or with other spiritual revelations.

[ 15 ] Daraus sieht man aber, dass es sich handeln müsse bei demjenigen, was wirkliche Geistesforschung ist, um etwas, was alle Vorsicht kennt, die notwendig ist, um auszuschließen das, was in so unbestimmter Weise durch das menschliche Seelenleben hindurchflutet und heraufkommen kann in einer unerklärlichen und zu allen möglichen Täuschungen leicht zu verleitenden Weise. Man muss sich sagen: Da flutet Verschiedenes, und wenn man das ins Auge fasst, was menschliches Gedächtnis ist, so sollten einem eigentlich bald einfallen alle einzelnen Möglichkeiten, von der gewöhnlichen trockenen, nüchternen Erinnerung an irgendetwas Bestimmtes, was man überschaut, bis zu den unbestimmten Reminiszenzen der Drehorgeltöne, hinter die man vielleicht gar nicht kommt, wenn man nicht die Augen schließt und der Sache nachgeht. Geisteswissenschaft muss sich bewusst sein, dass alles das, was also trügerisch an den Menschen herankommen kann, methodisch von ihr verarbeitet werden muss; dass ihr obliegt, gerade mit einer streng methodischen Arbeit an das menschliche Selbst heranzugehen, gerade den prinzipiellen Fragen der menschlichen Selbsterkenntnis gegenüber.

[ 15 ] From this, however, it is clear that true spiritual research must be an endeavor that exercises all the caution necessary to rule out that which flows so indeterminately through the human soul life and can surface in an inexplicable way, easily leading to all manner of delusions. One must tell oneself: Various things flood in, and when one considers what human memory is, all the individual possibilities should actually come to mind quite quickly—from the ordinary, dry, sober recollection of something specific that one can grasp, to the vague reminiscences of barrel-organ tunes, which one might not even be able to get to the bottom of unless one closes one’s eyes and investigates the matter. The humanities must be aware that everything that can thus approach human beings in a deceptive way must be methodically processed by them; that it is their responsibility to approach the human self precisely through strictly methodical work, particularly when confronting the fundamental questions of human self-knowledge.

[ 16 ] Und da darf ich darauf aufmerksam machen — ich habe schon, wie gesagt, vor einem Vierteljahrhundert die menschliche Willensfreiheit damals versucht ins Licht zu rücken — ich darf darauf aufmerksam machen, dass in das menschliche Seelenleben zwei Dinge hereinfluten, an denen man mit der Betrachtung einsetzen kann.

[ 16 ] And here I would like to point out—as I said, a quarter of a century ago I already attempted to shed light on human free will—that there are two things that flow into the life of the human soul, which serve as a starting point for reflection.

[ 17 ] Gerade wenn man tief hineinkommen will in die menschliche Wesenheit, mag fluten in der unbestimmten Weise das, dem wir vielleicht gar nicht nachgehen können — ich habe auf solche Dinge sehr deutlich hingewiesen in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» —, mag sich immerhin solches Auf- und Abflutendes im menschlichen Seelenleben finden, man kommt dahinter: Dieses Auf- und Abflutende hängt zusammen mit unserer Organisation, und es bedarf wahrhaftig keiner allzu tiefgehenden Selbstbeobachtung, um sich zu sagen, in welch hohem Grade selbst von leiblichen Vorgängen und Dispositionen das abhängt, was vom Aufwachen bis zum Einschlafen die Seele durchflutet. Frei steigende Vorstellungen kommen und gehen, vergesellschaften sich mit anderen. Das macht unser Seelenleben aus.

[ 17 ] Precisely when one wishes to delve deeply into the human being, there may be a vague surging of something we may not even be able to investigate—I have pointed this out very clearly in my book How Does One Gain Knowledge of the Higher Worlds? —and even if such ebbing and flowing is found in human soul life, one comes to realize: This ebbing and flowing is connected to our physical constitution, and it truly does not require all too deep self-observation to recognize the high degree to which what flows through the soul from waking to falling asleep depends even on physical processes and dispositions. Ideas arise freely, come and go, and intermingle with one another. This is what constitutes our inner life.

[ 18 ] Aber eines flutet herein in dieses Seelenleben, das ja jedem Philosophen klar ist, jedem Menschen klar ist, wenn er darüber nachdenkt, aber das nicht immer in der richtigen Weise zum Bewusstsein gebracht wird, eines flutet herein, das zu einem Grundrätsel werden kann, so einfach es sich auch ausnimmt, das ist: Wir lassen ja gar nicht einfach die Vorstellungen, die sich in unserer Seele vergesellschaften wollen, in beliebiger Weise auf- und abfluten. Wir könnten unser Leben in entsprechender Weise gar nicht durch die Welt tragen, wenn wir uns also dem Spiel der Vorstellungen hingeben wollten. Wir machen immer etwas ganz Bestimmtes. Wir lassen in diesem Vorstellungsleben etwas hereinfluten, was die Vorstellungen bestimmt nach richtigen und unrichtigen Vorstellungen; wir lassen das kraftvolle, von Logik beherrschte Denken in unser Vorstellungsspiel hereinfluten, und gerade, wenn man auch nichts weiter treibt als eine ganz oberflächliche Selbstbeobachtung, so wird man dahinterkommen: Es ist ein radikaler, prinzipieller Unterschied zwischen dem einfachen Sich-Überlassen des Vorstellungsspieles und dem selbsttätigen Herrschen dieses Vorstellungsspieles durch das Denken, das sich nach Richtigem oder Unrichtigem bestimmt.

[ 18 ] But one thing floods into this inner life—a fact that is clear to every philosopher, clear to every human being when they reflect on it, yet one that is not always brought to consciousness in the right way—one thing floods in that can become a fundamental mystery, however simple it may seem, and that is: We do not simply allow the ideas that seek to form communities within our soul to ebb and flow in any way they please. We could not possibly navigate our lives through the world in an appropriate manner if we were to simply surrender to the play of ideas. We are always doing something very specific. In this life of imagination, we allow something to flow in that distinguishes between correct and incorrect ideas; we allow powerful, logic-driven thinking to flow into our play of imagination, and even if one engages in nothing more than a very superficial self-observation, one will come to realize: There is a radical, fundamental difference between simply surrendering to the play of imagination and the autonomous rule of this play of imagination by thinking, which determines what is true or false.

[ 19 ] So einfach, so primitiv das ist, es muss der Ausgangspunkt jeder gesunden Selbstbetrachtung eigentlich sein. Wir müssen uns sagen: Hinauskommen über das, in das doch alle möglichen Täuschungen hereinspielen können, hinauskommen über dieses Vorstellungsspiel können wir gedanklich doch nur, wenn wir uns bewusst werden, dass ja alle möglichen falschen, irrtümlichen Vorstellungen ebenso ablaufen, durch streng naturwissenschaftlich bestimmbare Gesetze unseres Menschenwesens und Organismus, dass aber eingreift in das, was so durch den Organismus naturwissenschaftlich notwendig bedingt ist, Richtiges, Unrichtiges des Denkens, das nicht aus demselben Spiel der Vorstellungen kommen kann, das zeigt einfach eine gesunde Selbstbeobachtung. Ich habe das genauer ausgeführt in dem angeführten Buche.

[ 19 ] As simple and primitive as this may be, it must actually be the starting point of any healthy self-reflection. We must tell ourselves: We can only mentally transcend this realm—into which all manner of illusions can creep—and transcend this game of imagination if we become aware that all manner of false, erroneous ideas likewise unfold through laws of our human nature and organism that are strictly determinable by natural science; yet what intervenes in what is thus scientifically necessary and conditioned by the organism the true and false aspects of thought—which cannot arise from the same interplay of ideas—is simply demonstrated by healthy self-observation. I have elaborated on this in greater detail in the cited book.

[ 20 ] Das ist das eine, das uns die Frage vorlegt: Was flutet denn da eigentlich in unser Seelenleben herein, wenn wir gegenüber dem beliebigen Vorstellungsspiel das logischorientierte Denken, oder vielleicht, besser gesagt, das richtige und unrichtige Denken, das wirklichkeitsgemäße Denken geltend machen? Das ist die eine Frage. Wir wollen sie zunächst einmal den heutigen Betrachtungen als Frage zugrunde legen.

[ 20 ] That is the first question it poses to us: What is it, actually, that floods into our inner life when we assert—in the face of arbitrary flights of imagination—logically oriented thinking, or perhaps, more accurately, correct and incorrect thinking, thinking that corresponds to reality? That is the first question. Let us first take this as the basis for today’s reflections.

[ 21 ] Die andere Frage ist diese: In unserem Handeln, in unserem Tun, in alledem, wodurch wir unser Eigenleben in das soziale, in das moralische, in das sittliche Dasein der Menschheit hineinführen, in dem machen sich zunächst, das zeigt eine gesunde Selbstbeobachtung, unsere Triebe, unsere Begierden, die unsern Willensimpulsen zugrunde liegen, geltend. Allein derjenige, der nicht stehen bleibt bei irgendwelchen Vorurteilen, der wird gewahr, dass man sich wenigstens annähert in Bezug auf das Handeln, auf das Tun, in Bezug auf die moralische Lebensführung demjenigen, das man etwa in der folgenden Weise charakterisieren kann — und dieses ist der andere Punkt, der uns an die heute zu besprechenden Lebensrätsel heranführt: Gewiss, bei den weitaus meisten Handlungen der Menschen liegen Triebe, Begierden, liegt eine irgendwie geartete Konstitution seines Selbstes zugrunde; aber es gibt doch solche Handlungen — wenigstens nähern wir uns ihnen, die wir, weil wir unvollkommene Menschen sind, niemals vollständig ausführen können; wir betrachten sie wenigstens als ein Ideal. Wir wissen: Der Mensch ist nur menschenwürdig, wenn er sein Handeln annähert einer solchen Handlungsweise, wie ich sie jetzt charakterisieren will. Es ist denkbar, dass wir zu dem, was wir tun sollen, nicht bestimmt werden — natürlich in den seltneren Fällen —, nicht bestimmt werden durch irgendeinen Trieb, sondern durch das Anschauen dessen, was durch uns geschehen soll. Es ist dies ein besonderes Gefühl, eine besondere Empfindung, die wir entwickeln können gegenüber dem, was durch uns geschehen soll.

[ 21 ] The other question is this: In our actions, in our deeds, in everything through which we bring our own lives into the social, moral, and ethical existence of humanity—it is here, as sound self-observation shows, that our instincts and desires, which underlie our impulses of will, first make themselves felt. But anyone who does not remain stuck in any preconceptions will realize that, at least in terms of action, in terms of conduct, and in terms of moral living, one approaches that which can be characterized in the following way—and this is the other point that leads us to the mysteries of life we are discussing today: Certainly, the vast majority of human actions are rooted in instincts, desires, and some sort of constitution of the self; but there are still such actions—at least we are approaching them—which, because we are imperfect human beings, we can never fully carry out; we regard them, at least, as an ideal. We know this: A person is only truly human when they bring their actions closer to the kind of conduct I am about to describe. It is conceivable that we are not driven—in the rarer cases, of course—not by any instinct, but by the vision of what is to be accomplished through us. This is a special feeling, a special sensation that we can develop toward what is to be accomplished through us.

[ 22 ] Gewiss, in den seltensten Fällen werden wir diese Empfindung haben können, aber wir haben sie eben als ein Ideal in uns und nähern uns ihm fortwährend. Es kann irgendetwas in der Außenwelt einen solchen Eindruck auf uns machen, dass wir uns sagen: Da muss eine Veränderung eintreten, da muss etwas geschehen, und es gibt dann, wenn wir mit gesunder Selbstbeobachtung dahinterkommen wollen, was nun in uns vorgeht, wenn wir uns so etwas sagen, nichts anderes zum Vergleich als das Gefühl, das wir haben, wenn wir einer Persönlichkeit gegenüberstehen, die selbstständig außer uns steht und die wir selbstlos lieben.

[ 22 ] Certainly, we will rarely be able to experience this feeling, but we do have it within us as an ideal, and we are constantly drawing closer to it. Something in the outside world can make such an impression on us that we say to ourselves: “A change must take place here; something must happen.” And if, with sound self-observation, we seek to understand what is going on within us when we say such things to ourselves, we have nothing else to compare it to but the feeling we have when we are faced with a personality who stands independently outside of us and whom we love selflessly.

[ 23 ] Es schien mir vor 25 Jahren als besonders wichtig, einmal in einem philosophischen Buche zu protestieren gegen ein Vorurteil, das weit verbreitet ist. Dieses Vorurteil schließt sich zusammen in die Worte: Die Liebe macht blind. Ich habe geltend gemacht: Die Liebe macht sehend. Sie führt uns hinein in das, in das wir nicht hineinkommen, wenn wir nur egoistisch in unserem Selbst beschlossen bleiben, wenn wir imstande sind, uns so weit im eigenen Selbst aufzugeben, dass wir mit unseren Empfindungen, mit unseren Gefühlen in dem anderen leben und deshalb leben, weil wir die höchste Ehrfurcht haben vor der Selbstständigkeit des anderen Wesens, das wir nicht durch unsere Liebe anders machen wollen. Das ist nicht eine vollständige Liebe, die herumhantieren will an dem anderen Wesen, das es liebt, das andere Wesen anders haben will, als es ist, sondern das ist die rechte Liebe, dass man das Wesen liebt um dieses Wesens willen, sodass der Liebende aus sich herausgeht.

[ 23 ] Twenty-five years ago, it seemed particularly important to me to speak out in a philosophical book against a widespread prejudice. This prejudice can be summed up in the words: “Love is blind.” I argued: “Love opens our eyes.” It leads us into that which we cannot enter if we remain selfishly closed off within ourselves; it is possible when we are able to surrender ourselves to such an extent that we live through our sensations and feelings within the other—and do so because we have the utmost reverence for the autonomy of the other being, whom we do not wish to change through our love. This is not a complete love that seeks to meddle with the other being it loves, that wants the other being to be different from what it is; rather, this is true love—loving the being for its own sake—so that the lover steps outside of themselves.

[ 24 ] So, wie wir das Gefühl der Liebe haben können gegenüber dem anderen Menschen, der ganz abgesondert ist von uns, den wir dann gerade recht lieben, wenn wir uns bewusst sind, dass er abgesondert ist für sich, dass wir mit nichts, was mit unserem Egoismus zusammenhängt, einen Einfluss haben wollen, dass wir ihn um seinetwillen lieben, nicht um unseretwillen, wenn wir dieses Gefühl haben, so ist es zweifellos das Ideal der Liebe, jener Liebe, von der ich glaube eben, dass sie nicht blind, sondern sehend macht. Und diese Liebe kann auch entfaltet werden gegenüber einer Handlung, gegenüber dem, was zu tun ist, wenn wir uns rein der Anschauung dieser Handlung hingeben. Unter den mannigfaltigen Handlungen, die aus unseren Trieben, Begierden herausfließen, sind auch solche, bei denen wir uns wenigstens nähern dem Impulse, der rein aus Liebe zur Handlung dasjenige vollführt, was er unternimmt.

[ 24 ] Just as we can feel love for another person who is completely separate from us—whom we love all the more when we are aware that they are separate in their own right, that we do not wish to exert any influence through anything connected to our own selfishness, that we love them for their own sake, not for ours—when we have this feeling, then this is undoubtedly the ideal of love—that love which I believe does not blind us but rather enables us to see. And this love can also be directed toward an action, toward what needs to be done, when we devote ourselves purely to the contemplation of that action. Among the manifold actions that flow from our instincts and desires, there are also those in which we at least come closer to the impulse that, out of pure love for the action itself, carries out whatever it undertakes.

[ 25 ] Hier ist der andere Punkt, den ich dazumal in meiner «Philosophie der Freiheit» so charakterisiert habe, dass ich sagte: Derjenige, der sich nun die Idee der Freiheit vor Augen stellt, kommt bald dahinter, dass frei eine Handlung nur sein kann, die in solcher Art aus dem Impuls der Liebe zur Handlung hervorgeht. Das ist zunächst allerdings nur als eine Beobachtung hinzunehmen; aber diese liefert die Möglichkeit, sich zunächst wenigstens eine Vorstellung zu machen über das, was eine freie Handlung sein kann. Man kommt dahinter, dass man nicht befugt ist, andere Handlungen als freie zu bezeichnen. Und es entsteht nur die Frage, ob es möglich ist, dass solche Handlungen in das menschliche Leben hereintreten, ob es möglich ist, dass Handlungen aus Liebe im Menschenleben sich verwirklichen können. Dann können wir, wenn wir anerkennen können, dass Handlungen aus Liebe im Menschenleben sich verwirklichen können, den Menschen vielleicht nicht frei nennen in Bezug auf seine ganze Wesenheit; aber wir können sagen: Der Mensch ist sich nähernd der Freiheit, in dem Maße sich nähernd, als er umgestaltet immer mehr und mehr seine Handlungen so, dass sie Handlungen aus Liebe werden.

[ 25 ] Here is the other point that I characterized in my Philosophy of Freedom at the time by saying: Anyone who now considers the idea of freedom will soon realize that an action can only be free if it arises in this way from the impulse of love for the action itself. At first, of course, this must be accepted merely as an observation; but it offers the possibility of at least forming an initial conception of what a free action might be. One comes to realize that one is not authorized to describe other actions as free. And the only question that arises is whether it is possible for such actions to enter human life, whether it is possible for actions born of love to be realized in human life. Then, if we can acknowledge that actions born of love can become a reality in human life, we may not be able to call a human being free in relation to his or her entire being; but we can say: The human being is approaching freedom, approaching it to the extent that he or she increasingly reshapes his or her actions so that they become actions born of love.

[ 26 ] Nun kommt man aber, wenn man hingestellt hat diese beiden Dinge vor sich, die ich charakterisiert habe, man kommt ihnen nicht bei, wenn man eine bloß äußerliche Vorstellungs- und Begriffsbetrachtung anstellt. Man kommt ihnen erst bei mit den geisteswissenschaftlichen Methoden, die ich nun zu schildern habe.

[ 26 ] However, once one has set before oneself these two things that I have characterized, one cannot grasp them by merely examining ideas and concepts from an external perspective. One can only grasp them through the methods of the spiritual sciences, which I will now describe.

[ 27 ] Ich habe die ausführliche Charakteristik dessen, was die Seele durchzumachen hat — man nenne es meinetwegen Übungen —, um wirklich hineinzuschauen in die geistige Welt, wie man mit den physischen Augen in die sinnliche Welt hineinsieht, ich habe sie charakterisiert in meinen verschiedenen Büchern; ich will aber heute auf einen Punkt aufmerksam machen, der insbesondere geeignet ist, auf die beiden charakterisierten Fragen Licht zu werfen. Ich habe darauf hingewiesen, dass die erste Stufe der geistigen Erkenntnis genannt werden kann imaginative Erkenntnis, imaginatives Anschauen der Umwelt. Dieses ist im gewöhnlichen Bewusstsein zunächst nicht vorhanden. Ich verstehe unter Imagination hier nicht etwas, was bloß der Phantasie entspringt, sondern etwas, was zwar nicht in eine physische, aber in eine geistige Wirklichkeit hineinführt. Diese imaginative Erkenntnis ist die erste Stufe, wenn der Ausdruck nicht so durch Aberglauben missbraucht wäre, könnte man sagen, die erste Stufe wahrer hellsichtiger Erkenntnis; ich will aber sagen, es ist die erste Stufe des schauenden Bewusstseins, wie ich es in meinem Buche «Vom Menschenrätsel» genannt habe.

[ 27 ] I have described in detail what the soul must go through—call it “exercises,” if you will—in order to truly look into the spiritual world, just as one looks into the sensory world with one’s physical eyes; I have described this in my various books; but today I wish to draw attention to a point that is particularly suited to shedding light on the two questions I have described. I have pointed out that the first stage of spiritual knowledge can be called imaginative knowledge—the imaginative perception of one’s surroundings. This is not initially present in ordinary consciousness. By “imagination” here, I do not mean something that arises merely from the imagination, but rather something that, while not leading into a physical reality, does lead into a spiritual reality. This imaginative cognition is the first stage—if the term were not so misused by superstition, one could say the first stage of true clairvoyant cognition; but I wish to say that it is the first stage of contemplative consciousness, as I have called it in my book The Riddle of Man.

[ 28 ] Ich werde zu schildern haben, wie man zu dieser ersten Stufe des Hineinschauens in die geistige Welt kommt. Da handelt es sich zunächst darum, dass man wirklich ausschließt alles das, was kommen kann, nun, sagen wir — Sie werden schon verstehen, was ich meine —, von der Drehorgel, die man vor Jahrzehnten gehört hat. Alles, was in dieser Weise durch Reminiszenzen, durch vielleicht noch so verborgene Erinnerungsreflexe in unserem Bewusstsein auftauchen kann, das muss ausgeschlossen sein, wenn man den Weg in die geistige Welt hineingehen will. Daher hat man notwendig, etwas in das Bewusstsein hineinzustellen, das nicht durch das freie Spiel der Vorstellungen kommt, sondern das so kommt in das Bewusstsein, wie es sich sonst hereinstellt in das Bewusstsein, wenn wir sagen: Irgendeine Vorstellung, die auch aus unserer Organisation fließt, ist falsch oder richtig. Wie das wirklich auf sich gestellte, nach Richtigkeit oder Unrichtigkeit gehende Denken hereinstellt in das Seelenleben seine Inhalte, so muss derjenige, der Geistesforscher werden will, sein Bewusstsein einstellen mit solchen Inhalten, die nicht trügen können, weil sie überschaubar sind.

[ 28 ] I will have to describe how one arrives at this first stage of looking into the spiritual world. The first step is to truly exclude everything that might come to mind—well, let’s say—you’ll understand what I mean—from the barrel organ one heard decades ago. Everything that might surface in our consciousness in this way—through reminiscences or perhaps even the most hidden memory reflexes—must be ruled out if one wishes to enter the spiritual world. Therefore, it is necessary to introduce into consciousness something that does not arise through the free play of ideas, but rather enters consciousness in the same way it otherwise arises when we say: “A certain idea, which also flows from our own constitution, is false or true.” Just as thinking—when truly directed toward truth or falsehood—introduces its contents into the life of the soul, so must the person who wishes to become a spiritual researcher attune their consciousness to contents that cannot be deceptive, because they are comprehensible.

[ 29 ] Was versteht man unter solchen überschaubaren Inhalten? Überschaubare Inhalte sind diejenigen, die einem entweder ein anderer oder man selbst sich so zusammengestellt hat, dass man im Moment, wo man sie hereinnimmt ins Bewusstsein, ganz klar darüber ist: diese Zusammenstellung von bildlichen Inhalten — bei reinen Gedanken geht es nicht gut, weil die immer etwas von Reminiszenzen gefärbt sein können —, von Bildern, die man selbst geformt oder die einem geformt sind von anderen in das Bewusstsein, deren Zusammenfügung man genau überschaut. Auf das kommt es an, in geduldigem, energischem, ruhigem Sich-Hingeben an solche Vorstellungen, die man in dieser Weise zusammengestellt hat. Dabei kommt es nicht bei solchen Vorstellungen darauf an, ob sie etwas Wirkliches ausdrücken — denn nicht darauf ist Wert zu legen, was diese Vorstellungen bedeuten, sondern darauf, was man für eine innere Seelentätigkeit entwickelt, indem man sich solchen Vorstellungen hingibt.

[ 29 ] What is meant by such “manageable” content? Manageable content is content that either someone else or you yourself have organized in such a way that, the moment you bring it into your consciousness, you are perfectly clear about: this compilation of visual content—pure thoughts do not work well here, because they can always be tinged with reminiscences—of images that you yourself have formed or that have been formed for you by others in your consciousness, the arrangement of which you can clearly grasp. That is what matters: patiently, energetically, and calmly surrendering oneself to such images that one has assembled in this way. In doing so, it does not matter whether such images express something real—for what matters is not what these images mean, but rather what kind of inner spiritual activity one develops by surrendering oneself to such images.

[ 30 ] Sagen wir zum Beispiel: Jemand gibt sich der Vorstellung hin, von der man von vornherein überzeugt ist, sie ist eine bloß bildliche Vorstellung, aber solche bildliche Vorstellungen müssen vermehrt werden; er gibt sich der Vorstellung hin: «Geist des Weltalls leuchtet aus der Sonne». Ganz gewiss nichts, was man in irgendeinem Sinne zunächst «wirklich» nennen kann, aber etwas, was man überschauen kann in seiner Zusammenfügung, an dem man gewahr werden kann, wie sich die Seele betätigt an so etwas. Diejenigen die sich im Laufe der Menschheitsentwicklung — und es hat immer solche Menschen gegeben in abgeschlossenen Kreisen — damit beschäftigt haben, Menschen den Weg in die geistige Welt zu zeigen, sie haben sorgfältig ausgearbeitet solche bildliche Vorstellungen, und Sie werden sich, wenn Sie sich auf die Literatur dieses Gebietes einlassen, überzeugen können, dass gewisse Kreise, welche schulen möchten diejenigen, die sich ihnen anschließen für den Weg in die geistige Welt hinein, vielleicht über manches aus gewissen Gründen Schweigen bewahren; aber das intensivste, energischste Schweigen bewahren sie gerade über das, was sie so zusammengestellt haben an Vorstellungen, in die sich die Seele vertiefen soll, um zum imaginativen Erkennen zu kommen. Und sie betrachten in dem Augenblick, wo solche Vorstellungen verraten sind, es als notwendig, sie durch andere zu ersetzen. Warum?

[ 30 ] Let us say, for example: Someone surrenders to an idea of which one is convinced from the outset that it is merely a figurative idea, but such figurative ideas must be multiplied; he surrenders to the idea: “The spirit of the universe shines forth from the sun.” Certainly not something that can initially be called “real” in any sense, but something whose composition one can grasp, through which one can become aware of how the soul acts upon such a thing. Those who, in the course of human development—and there have always been such people in closed circles—have devoted themselves to showing people the way into the spiritual world have carefully elaborated such pictorial conceptions; and if you engage with the literature in this field, you will be able to see for yourself that certain circles, which wish to train those who join them for the path into the spiritual world, may remain silent about some things for certain reasons; but they maintain the most intense, resolute silence precisely regarding the very images they have compiled—images into which the soul is to immerse itself in order to attain imaginative knowledge. And they consider it necessary, the moment such images are revealed, to replace them with others. Why?

[ 31 ] Nun, denken Sie sich, es schließt sich jemand einem Kreis an, der ihm sagt, es soll ihm der Weg in die geistige Welt hinein gezeigt werden, da werden ihm zunächst Bilder vorgelegt, Bilder, die er noch nie gedacht hat oder noch nicht haben soll wenigstens, denen er sich in vollständig neuer Seelentätigkeit hingibt. Dann dürfen sie ihm nicht bisher vorgelegen haben. Was aber einmal veröffentlicht ist, das dringt durch manche Kanäle zu den Menschen. Es soll ein erstes Mal an den Menschen herantreten. Es soll nicht möglich sein, dass irgendwelche Reminiszenzen wirken oder dergleichen. Es soll klar sein, dass die Seele unmittelbar an die Sache herantritt.

[ 31 ] Now, imagine this: someone joins a circle that tells him they will show him the way into the spiritual world. At first, he is presented with images—images he has never conceived of before, or at least is not yet supposed to have conceived of—to which he surrenders himself in a completely new spiritual activity. Therefore, these images must not have been presented to them before. However, once something has been published, it reaches people through various channels. It is meant to approach the person for the very first time. It must not be possible for any recollections or the like to influence the experience. It must be clear that the soul approaches the matter directly.

[ 32 ] Wenn man in Geduld und Ausdauer solche, namentlich bildhafte Vorstellungen in sich aufnimmt und gewahr wird, wie man innerlich zu arbeiten hat, um diese Bilder immer wieder und wieder im Bewusstsein zu halten, um sich ihnen hinzugeben in einer Art, wie man es als richtige Meditation bezeichnen kann, dann wird man gewahr, dass zu einem solchen inneren Seelenbetätigen eine stärkere innere Kraft nötig ist als zum gewöhnlichen Denken, bei dem uns der Verlauf der äußeren Wahrnehmungswelt leitet, bei dem wir uns passiv hingeben können an die äußere Wahrnehmungswelt.

[ 32 ] When one, with patience and perseverance, takes in such imagery—especially visual images—and becomes aware of how one must work inwardly to keep these images in consciousness again and again, to surrender to them in a way that can be described as true meditation, then one becomes aware that such inner soul activity requires a stronger inner force than ordinary thinking, in which we are guided by the course of the external world of perception and can passively surrender to it.

[ 33 ] Eine größere Anstrengung ist notwendig, wenn wir auf gewissen Gebieten der imaginativen Erkenntnis uns hingeben gewissen Vorstellungen, die kein äußeres Korrelat haben; aber das muss noch weiter ausgebildet werden. Der Mensch muss in die Lage kommen, nicht hinzuschauen, durch keinen Sinn, auf irgendetwas, was er sinnlich wahrnimmt, und da allein hingegeben sein einer solchen Vorstellung, die er überschaut, wo er gewahr wird nur dasjenige, was in der unmittelbaren Gegenwart als begrenzte Seelentätigkeit in ihm ist, wo nichts hereinspielen kann von irgendwelchen Reminiszenzen.

[ 33 ] A greater effort is required when, in certain areas of imaginative cognition, we surrender ourselves to certain ideas that have no external correlate; but this must be developed further. A person must be able to refrain from looking—through any of the senses—at anything he perceives sensually, and be wholly absorbed in a perception that he surveys, in which he becomes aware only of what is within him in the immediate present as a limited activity of the soul, where nothing from any reminiscences can intrude.

[ 34 ] Ein Merkwürdiges tritt ein. Dasjenige, was da durchzumachen ist, erfordert ja oftmals eine Arbeit von Jahren und Jahren. Man stellt sich so gewöhnlich vor, Geisteswissenschaft wäre etwas, was jeder entwickeln kann aus irgendwelchen Begriffen heraus. Nein, Geisteswissenschaft ist nicht leichter als diejenige Wissenschaft, die als Physiologie, Chemie, Biologie, Anatomie, Geschichte figuriert, sondern Geisteswissenschaft erfordert eine hingebungsvolle Arbeit, die viel schwieriger ist als jede Arbeit irgendeiner äußeren Wissenschaft, wenn Geisteswissenschaft wirklich in die geistige Welt hineinführen soll, wenn es sich nicht um ein mystisches Spiel handeln soll.

[ 34 ] Something strange happens. What one has to go through there often requires years and years of work. People usually imagine that spiritual science is something anyone can develop based on any number of concepts. No, spiritual science is no easier than the sciences known as physiology, chemistry, biology, anatomy, and history; rather, spiritual science requires dedicated work that is far more difficult than any work in any external science, if spiritual science is truly to lead into the spiritual world and not merely be a mystical game.

[ 35 ] Das, was da auftritt, das ist, dass man zunächst wirklich dahinterkommt, man stehe mit seinem Selbst immer mehr und mehr in einem Wesen darinnen, in dem man sonst nicht darinnen gestanden hat; man merkt zunächst immer mehr und mehr — man muss eben die Erfahrung machen —: Du wirst unabhängig von dem, was du sonst erlebst durch deinen Leib, du wirst unabhängiger in deiner Tätigkeit. Wer dieses nicht erlebt hat, der kann es eigentlich im Grunde genommen nicht kritisch irgendwie betrachten; wer es aber erlebt hat, der weiß, dass ebenso wahr, wie man durch Elektrolyse Wasser trennen kann in Wasserstoff und Sauerstoff, dass ebenso wahr getrennt werden kann das innere Erleben des Selbstes von dem, was sonst im wachenden Bewusstsein vom Aufwachen bis zum Einschlafen nur mithilfe der leiblichen Organisation eigentlich erlebt wird.

[ 35 ] What happens here is that, at first, you truly come to realize that, with your self, you are increasingly present within a being in which you were not previously present; at first, you notice more and more—you simply have to go through the experience—that: You become independent of what you otherwise experience through your body; you become more independent in your actions. Anyone who has not experienced this cannot, in essence, view it critically in any way; but anyone who has experienced it knows that just as it is true that water can be separated into hydrogen and oxygen through electrolysis, so too is it true that the inner experience of the self can be separated from what is otherwise actually experienced in waking consciousness—from the moment of waking until falling asleep—solely through the physical organism.

[ 36 ] Man lernt jetzt kennen, was es heißt, im Geist darin leben. Reicher wird dieses Ichgefühl, das Ichbewusstsein. Das Ichbewusstsein ist gewissermaßen sonst in einem Punkt, den wir als Ich bezeichnen, zusammengedrängt; jetzt aber wird es reicher, es wird umso reicher, je weiter wir vorwärtsdringen in diesem imaginativen Erkennen. Aber man merkt zuletzt eines: So weit man auch nur immer dieses imaginative Erkennen treibt, in eine geistige Welt hinein führt es noch nicht unmittelbar. Das ist das Wichtige. So wenig, wie, wenn man ein Auge hat, ohne dass dieses Auge die Welt anschaut, das Auge in eine Welt hineinführt, so wenig führt die bloße imaginative meditative Meditation in die geistige Welt hinein. Man gibt sich dieser imaginativen Meditation auch gar nicht aus dem Grunde hin, um irgendetwas außen zu erkennen, sondern um das Selbst zu erkraften, zu erstarken. Und das beginnt bei einem gewissen Punkt der inneren Entwicklung, dass sich dieses Selbst nicht mehr leiblich, sondern geistig fühlt, in seinem inneren Erleben geistig fühlt.

[ 36 ] We are now learning what it means to live within it in spirit. This sense of self, this self-awareness, becomes richer. Self-awareness is, so to speak, usually concentrated in a single point that we call the “I”; but now it becomes richer—the further we advance in this imaginative cognition, the richer it becomes. But ultimately one realizes one thing: No matter how far one pursues this imaginative cognition, it does not yet lead directly into a spiritual world. That is the important point. Just as having an eye—without that eye looking at the world—does not lead the eye into a world, so too does mere imaginative, meditative contemplation not lead into the spiritual world. One does not engage in this imaginative meditation in the first place to perceive anything external, but rather to strengthen the Self, to grow in power. And this begins at a certain point in inner development, when the Self no longer feels physical but spiritual—feels spiritual in its inner experience.

[ 37 ] Das muss erfahren werden. Notwendig ist, sehr verehrte Anwesende, damit dieses Erfahren richtig sich einstellt, dass der Mensch unterscheiden lerne dasjenige, was ich jetzt als Imagination charakterisiert habe, von der bloßen Vision auf der einen Seite und dem bloßen Phantasiebild auf der anderen Seite. Die Vision ist immer körperlich bedingt; sie bildet für die Geisteswissenschaft nichts, was irgendwie verwendet werden kann; denn sie flutet herauf aus der leiblichen Organisation, wenn auch dieses Herauffluten noch so verborgen ist in seinem Entstehen. An dem Zustandekommen der Vision ist der Mensch nicht in seinem Bewusstsein beteiligt. So etwas sucht Geisteswissenschaft nicht.

[ 37 ] This must be experienced. It is necessary, my esteemed audience, for this experience to take place correctly, that human beings learn to distinguish what I have just characterized as “imagination” from mere vision on the one hand and mere fantasy images on the other. Vision is always physically conditioned; for spiritual science, it offers nothing that can be of any use, for it wells up from the physical organism, no matter how hidden its origin may be. The human being is not consciously involved in the process by which a vision comes about. Spiritual science does not seek such things.

[ 38 ] Ebenso wenig sucht Geisteswissenschaft dasjenige, was bloße Phantasievorstellung ist; denn dasjenige, was er übt, wird auf die charakterisierte Weise — das bleibt nicht Phantasievorstellung, sondern das verdichtet sich —, das wird innere Wirklichkeit, und man merkt, dass man von einem bestimmten Punkte der Entwicklung ab nicht mehr kann Bild an Bild reihen, sondern dass sich von selbst Bild an Bild reiht. Man merkt, es wird mit diesem inneren Erleben in der Imagination nach und nach so, wie es außen in der Welt mit den Gegenständen ist. Sie können einen Stuhl auf einen Tisch stellen — das entspricht der äußeren Gesetzmäßigkeit, sie können aber nicht einen Stuhl in freier Luft schweben lassen. Die Außendinge in ihren gegenseitigen Verhältnissen erfordern, wenn wir mit ihnen handeln wollen, dass wir uns den äußeren Gesetzen fügen. So stößt man, indem man Imagination entwickelt, in einem bestimmten Punkte daran, dass man innerlich gar nicht mehr kann in beliebiger Weise Bild an Bild reihen, sondern dass man muss dasjenige an das andere ansetzen, was mit eben solcher Notwendigkeit angesetzt werden muss, wie der Stuhl auf den Tisch gestellt werden muss. Man erlebt innere geistige Notwendigkeit.

[ 38 ] Nor does spiritual science seek what is merely a figment of the imagination; for what it practices, in the manner described—this does not remain a figment of the imagination but rather becomes condensed—becomes inner reality, and one realizes that, from a certain point in one’s development onward, one can no longer string images together one by one, but rather that the images line up of their own accord, one after another. One notices that, with this inner experience in the imagination, things gradually become the same as they are with objects in the external world. You can place a chair on a table—that corresponds to external laws—but you cannot make a chair float in mid-air. External objects, in their mutual relationships, require that we conform to external laws if we wish to act upon them. Thus, as one develops the imagination, one eventually reaches a point where one can no longer arrange images one after another in any arbitrary way internally, but must place one image next to another with the same necessity with which a chair must be placed on a table. One experiences an inner, spiritual necessity.

[ 39 ] Das ist ein bedeutungsvoller Punkt auf dem Wege der Geistesforschung. Dazu ist allerdings notwendig, dass man in jedem Punkte dieses inneren Vorganges des Suchens nach der Imagination auch mit seinem Bewusstsein dabei ist. Alles, was zu Hypnose, Suggestion führen könnte, muss ausgeschlossen sein. Bei der Meditation muss man Schritt für Schritt dabei sein. Unsinnig wäre es, Geisteswissenschaft zu suchen durch etwa Kristallschauerei oder Hinschauen auf glänzende Gegenstände. Das würde zum Gegenteil der Seelenstimmung führen, die gesucht werden muss, um mit vollem Bewusstsein in die geistige Welt unterzutauchen.

[ 39 ] This is a significant point on the path of spiritual research. However, it is necessary to remain fully conscious at every stage of this inner process of seeking through the power of imagination. Anything that could lead to hypnosis or suggestion must be ruled out. During meditation, one must be fully present at every step. It would be nonsensical to seek spiritual science through, for example, crystal gazing or staring at shiny objects. That would lead to the opposite of the state of mind required to immerse oneself in the spiritual world with full consciousness.

[ 40 ] Diese Seelenstimmung, von der ich eben sprach, ist heute in weitesten Kreisen noch wenig bekannt. Sie wird bekannt werden, indem die Menschheit nichts anderes wird können als das, was heute schon bei unzähligen Menschen unbewusster Drang, unbewusster Trieb ist, indem die Menschheit dazu kommen wird, zu verlangen, in einer strengen Weise in die höchsten Fragen des Seelenlebens anders noch heranzudringen, als man bisher an sie herandringen konnte. Dann aber, wenn man in bestimmter Weise, vielleicht nach langer Zeit, ganz methodisch innerlich ausgebildet hat dieses Imaginieren, dann muss man übergehen zu etwas, was ich so bezeichnen möchte, dass ich sage: Man muss die Imagination durchsichtig machen.

[ 40 ] This state of mind I have just spoken of is still little known in the broadest circles today. It will become known as humanity will be unable to do anything other than what is already, for countless people today, an unconscious urge, an unconscious impulse; as humanity will come to demand a rigorous new approach to the highest questions of the soul’s life, one that differs from how these questions have been approached thus far. But then, once one has—in a certain way, perhaps after a long time—methodically developed this process of imagination within oneself, one must move on to something I would like to describe as follows: One must make the imagination transparent.

[ 41 ] Der Imagination gegenüber ist man nämlich in der folgenden Lage, in einer Lage, wie man wäre, einem Auge gegenüber wäre, das getrübt wäre; man sieht nicht durch es. Die Imaginationen hat man, um das Selbstbewusstsein geistig zu erstarken, eigentlich geistig zu erlangen. Das, was man für sich gewinnt, ist zunächst die Folge des imaginativen Lebens; aber man ist gewissermaßen blind für die geistige Umwelt. Die Imaginationen sind noch nicht durchsichtig; wie das Auge durchsichtig sein muss im Glaskörper, [so]dass die Außenwelt gesehen werden kann, so durchsichtig müssen die Imaginationen gestaltet werden. Das können wir dadurch [erreichen], dass wir immer mehr und mehr fortschreiten nicht bloß zum Bilden der Imaginationen, sondern zum inneren Erleben dieser Imaginationen.

[ 41 ] When it comes to the imagination, one finds oneself in the following situation—a situation akin to facing an eye that is clouded; one cannot see through it. One actually has to attain imaginations spiritually in order to strengthen one’s self-consciousness. What one gains for oneself is, at first, the result of the imaginative life; but one is, so to speak, blind to the spiritual environment. The imaginations are not yet transparent; just as the eye must be transparent within the vitreous body so that the external world can be seen, so too must the imaginations be made transparent. We can achieve this by progressing further and further, not merely in forming the imaginations, but in the inner experience of these imaginations.

[ 42 ] Man gelangt dazu, in einem bestimmten Punkte seiner Entwicklung die Möglichkeit zu gewinnen, die Imaginationen nicht nur in das Bewusstsein zu rufen, sondern sie auch wieder wegzuschaffen, sie zu unterdrücken in beliebiger Weise. Dann aber sie nicht nur zu unterdrücken, sondern indem man sie unterdrückt, sind sie fort. Aber an ihre Stelle tritt etwas anderes. Die Imagination hat einen vorbereitet, hat bloß das eigene Selbst geeignet gemacht, dass etwas anderes in es hereintritt. Wenn man imstande ist, die Imaginationen durchsichtig zu machen, dann sieht man, wie man durch die Glasflüssigkeit des Auges zu dem sichtbaren Gegenstand sicht, hinein in die geistige Welt, man gelangt zu dem geistigen Schauen.

[ 42 ] At a certain point in one’s development, one comes to possess the ability not only to bring imaginations into consciousness, but also to remove them again, to suppress them in any way one chooses. But then, it is not merely a matter of suppressing them; rather, by suppressing them, they are gone. Yet something else takes their place. Imagination has prepared one; it has merely made one’s own self receptive so that something else may enter it. When one is able to make the imaginations transparent, one sees how, through the watery humor of the eye, one looks toward the visible object and into the spiritual world; one attains spiritual vision.

[ 43 ] Durchsichtig gewordene Imaginationen! Sie lassen die Offenbarungen der geistigen Welt an die Seele herandringen, und ich nenne die Erkenntnisstufe, die da auftritt — man braucht dabei durchaus nur an das zu denken, was ich hier charakterisiere, nicht an abergläubische Vorstellungen, nicht an mit Vorurteilen belegte Vorstellungen —, ich nenne die Erkenntnisstufe, die da auftritt, nachdem man nur so viel aus der Imagination gewonnen hat, indem man auf das Seelisch-Geistige nur allein sich stützt, außerhalb des Leibes, dass man dahin gelangt ist, sich geistig aufrechtzuerhalten; wenn man die Imaginationen dann ausschließen kann, dann tritt dasjenige ein, was man nennen kann, man wird von der geistigen Welt herein inspiriert.

[ 43 ] Imaginations that have become transparent! They allow the revelations of the spiritual world to reach the soul, and I call the level of insight that arises here—one need only think of what I am describing here, not of superstitious notions, not of notions laden with prejudice— I call the level of knowledge that arises—after one has gained just enough from imagination by relying solely on the soul-spiritual, outside the body, to the point of being able to sustain oneself spiritually; when one can then set aside the imaginations, what one might call “inspiration from the spiritual world” begins to take hold.

[ 44 ] Die inspirierte Erkenntnis, das ist die zweite Stufe. Und sie tritt so ein, dass wir in die Lage kommen, zu unterdrücken das Bild, das wir selbst gemacht haben, und dass durch die Arbeit der Unterdrückung dieses Bildes auftritt die Inspiration, die geistige Offenbarung, die zu uns spricht aus dem Geiste der Welt heraus. Da ist es jetzt anders als bei jedem gewöhnlichen Gedächtnis, als bei jedem Erinnerungsvermögen. Der Mensch sieht auf einmal hinein, was sein Erinnerungsvermögen eigentlich ist, weil er es jetzt ausgeschlossen hat, weil er jetzt in einem Fall genau überschaut, wie die Ursache, das Bild, das er selbst geformt hat, zusammenhängt mit der Inspiration. Dasjenige, was sonst unterbewusst in uns waltet, wie bei der Drehorgel, das tritt jetzt in neuer Gestalt an uns heran. Wir merken in uns: Das gewöhnliche Gedächtnis ist in den Augenblicken der Geistesforschung nicht da, aber es hat sich in etwas anderes verwandelt, in die Gabe der Inspiration.

[ 44 ] Inspired insight—that is the second stage. And it occurs in such a way that we become able to suppress the image we have created ourselves, and that through the act of suppressing this image, inspiration arises—the spiritual revelation that speaks to us from the spirit of the world. Here it is different from any ordinary memory, from any capacity for recollection. The person suddenly sees into the very nature of their memory, because they have now set it aside; because they now clearly perceive, in a specific instance, how the cause—the image they themselves have formed—is connected to inspiration. That which otherwise reigns subconsciously within us, as with the barrel organ, now approaches us in a new form. We realize within ourselves: Ordinary memory is not present during moments of spiritual research, but it has transformed into something else—into the gift of inspiration.

[ 45 ] Ich muss bei solch einer Gelegenheit selbstverständlich bemerken, dass der Mensch nicht vom Morgen bis zum Abend Geistesforscher sein kann, dass es sich nicht darum handelt, dass ich einen perpetuierlichen Zustand, in den der Mensch kommen soll, schildere, sondern ich schildere das, durch das man forschend in die geistige Welt hineintritt. Gewiss, solche Dinge, wie ich sie hier geschildert, werden am meisten verdorben, wenn sie gesellschaftsmäßig in die Welt treten, weil innerhalb von Gesellschaften alle möglichen Irrtümer auftreten. Da werden die tollsten Vorstellungen oftmals verbreitet über dasjenige, was gemeint ist. Dasjenige, um was es sich handelt, ist, zu zeigen den Weg in die geistige Welt hinein. Und ebenso wenig, wie man den ganzen Tag vom Morgen bis zum Abend Chemiker ist, sondern nur, wenn man am Laboratoriumstisch seine Experimente macht, so ist man Geistesforscher nur, wenn man das ausführt, was ich geschildert habe, wenn man den Übergang findet von einem Bild, der Imagination, zu der Inspiration.

[ 45 ] On such an occasion, I must of course point out that a person cannot be a spiritual researcher from morning to night; it is not a matter of my describing a perpetual state into which a person is supposed to enter, but rather I am describing the process through which one enters the spiritual world in a spirit of inquiry. Certainly, such things as I have described here are most often distorted when they enter the world through social channels, because all manner of errors arise within societies. There, the wildest ideas are often spread about what is actually meant. What is at stake here is showing the path into the spiritual world. And just as one is not a chemist all day long from morning to evening—but only when conducting experiments at the laboratory bench—so too is one a spiritual researcher only when one carries out what I have described, when one finds the transition from an image, from imagination, to inspiration.

[ 46 ] Und jetzt, wenn man sich erhoben hat zu der Möglichkeit der Inspiration, jetzt tritt einem die Welt in einem neuen Licht entgegen, jetzt sprechen nicht Sinneswahrnehmungen um uns — die haben wir ja unterdrückt —, jetzt tritt uns eine geistige Welt vor das geistige Auge, um diesen Goethe’schen Ausdruck variiert zu gebrauchen. Und jetzt kann man wiederum zurückgehen auf die Fragen, die einem im gewöhnlichen Leben rätselvoll entgegentreten. Man kann, indem man gelernt hat, was Inspiration ist, sich jetzt dem gegenüberstellen, was ich vorhin charakterisiert habe, dass richtiges oder unrichtiges Denken hereinflutet in das bloße Spiel der Vorstellungen. Untersucht man, nachdem man sich einmal zur Inspiration erhoben hat, sein Seelenleben mit derjenigen Klarheit, die jetzt möglich ist, lernt man mithilfe von Imagination und Inspiration kennen den Unterschied des gewöhnlichen Spieles der Vorstellungen und des Gedächtnisses, dessen, was ins gewöhnliche Bewusstsein hereinstrahlt unter dem Gesichtspunkte des Richtigen oder Unrichtigen, dann kommt man zu einem sehr merkwürdigen Ergebnis, dann kommt man dahin, sich zu beantworten, wie das eigentlich an den Menschen herantritt, was als logisch richtiges oder unrichtiges Denken in die Seele hineinflutet. Das zeigt sich in seiner wahren Gestalt erst vor der Inspiration.

[ 46 ] And now, once one has risen to the possibility of inspiration, the world now appears in a new light; it is no longer sensory perceptions that speak to us—for we have suppressed those—but rather a spiritual world now presents itself to the mind’s eye, to use this Goethean expression in a modified sense. And now one can return to the questions that present themselves as enigmas in ordinary life. Having learned what inspiration is, one can now confront what I characterized earlier: the way in which correct or incorrect thinking floods into the mere play of ideas. If, after having once risen to the level of inspiration, one examines one’s inner life with the clarity that is now possible, and comes to recognize—with the aid of imagination and inspiration—the difference between the ordinary play of ideas and memory and that which shines into ordinary consciousness from the perspective of what is right or wrong, one arrives at a very remarkable conclusion: one comes to answer the question of how that which flows into the soul as logically correct or incorrect thinking actually approaches the human being. This reveals itself in its true form only in the presence of inspiration.

[ 47 ] Dasjenige, was da in die Seele hereinflutet, ist schon in dem enthalten, was sich verbindet, herabkommend aus einer geistigen Welt, mit demjenigen, was wir physisch von Vater, Mutter, Großvater, Großmutter und so weiter in der physischen Vererbung an uns heranbringen. Indem wir durch die Inspiration zurückschauen in unsere seelisch-geistige Wesenheit, die wir durchlebt haben, bevor wir durch die Empfängnis oder Geburt ins physische Leben eingetreten sind, die wir durchlebt haben in einem rein geistigen Dasein, indem wir da durch die Inspiration zurückschauen, werden wir gewahr: Da drinnen liegen die Impulse, gar nicht in unserer Organisation, die wir durch die Geburt empfangen haben.

[ 47 ] What flows into the soul is already contained in that which, descending from a spiritual world, unites with what we physically inherit from our father, mother, grandfather, grandmother, and so on. As we look back through inspiration into our soul-spiritual being—which we lived through before entering physical life through conception or birth, which we lived through in a purely spiritual existence—as we look back there through inspiration, we become aware: The impulses lie there within, not at all in the physical constitution we received at birth.

[ 48 ] In unserem unsterblichen Teil, der durch die Empfängnis oder Geburt in die physische Welt heruntergeht, liegen die Impulse für richtiges oder unrichtiges Denken. Und es stellt sich heraus, dass der Mensch deshalb in dasjenige, was als Spiel der Vorstellungen von seiner Leibesorganisation abhängt, hereinbringt richtiges oder unrichtiges Denken, weil er zwar keine bewusste — bewusst wird sie erst durch die Vorgänge, die ich geschildert habe —, sondern eine unbewusste Inspiration hat. «Richtig» oder «Unrichtig» kommt aus unserem vorgeburtlichen Leben durch eine unterbewusste oder unbewusste Inspiration in unser Seelenleben herein.

[ 48 ] In our immortal part, which descends into the physical world through conception or birth, lie the impulses for right or wrong thinking. And it turns out that the human being introduces right or wrong thinking into what depends on the interplay of ideas concerning his physical constitution because he has not a conscious—it only becomes conscious through the processes I have described—but an unconscious inspiration. “Right” or “wrong” enters our soul life from our prenatal existence through a subconscious or unconscious inspiration.

[ 49 ] Wir haben auch in diesem gewöhnlichen Leben, aber nicht im gewöhnlichen Bewusstsein, Inspiration. Jedes Mal, wenn in unser Vorstellungsspiel hereinflutet dasjenige, was uns entscheiden lässt, ob ein Gedanke ein richtiges oder unrichtiges Urteil ist, sind wir gar nicht bestimmt durch unsere Vorstellungen, die an unseren Organismus gebunden sind, sondern es geht die Ursache zurück bis in unser unsterbliches Teil, das sich mit unserem Sterblichen vereinigt hat. Zu unserem richtigen Denken liegen die Ursachen vor unserer Geburt; wir sind immer inspirierte Menschen, nur im Unbewussten sind wir dieses eben.

[ 49 ] We also have inspiration in this ordinary life, though not in our ordinary consciousness. Every time that which enables us to determine whether a thought is a correct or incorrect judgment floods into our imaginative play, we are not at all determined by our ideas, which are bound to our organism; rather, the cause goes back to our immortal part, which has united with our mortal part. The causes of our correct thinking lie before our birth; we are always inspired beings—it is just that this is true in the unconscious.

[ 50 ] Dasjenige, was ich jetzt ausgeführt habe, ist zunächst geistig-seelisch betrachtet. Allein, es wird eine Zeit kommen, denn die Grundlagen sind in der Naturwissenschaft der heutigen Tage schon vorhanden — wer wirklich Physiologie, Biologie, Anatomie studiert, kommt darauf, dass, gerade wenn man die physiologischen, biologischen Tatsachen vom Menschen richtig zu überschauen vermag, dass sich dann auch aus der naturwissenschaftlichen Betrachtung heraus eine volle Bestätigung dessen findet, was ich auseinandergesetzt habe. Man muss in dieser Beziehung nur sagen: Die naturwissenschaftliche Betrachtung des neunzehnten Jahrhunderts und bis jetzt, so verdienstvoll sie ist, sie hat sich die Sachen zu einfach gemacht, sie hat sich vor allem die Entwicklung dieses Menschenwesens zu einfach gemacht. Ja, wenn man so etwas ausführt, wie ich es jetzt kurz anführen will, dann fühlt man so recht, wie Geisteswissenschaft erst dann zu ihrer vollen Geltung wird kommen können, wenn es ihr möglich sein wird, laboratoriumsmäßig, klinikmäßig, ebenso zu arbeiten, wie die gewöhnliche offizielle Wissenschaft heute arbeitet.

[ 50 ] What I have just explained is, first and foremost, viewed from a spiritual-psychological perspective. However, a time will come—for the foundations already exist in modern natural science—when anyone who truly studies physiology, biology, and anatomy will come to realize that, precisely when one is able to properly grasp the physiological and biological facts concerning human beings, a full confirmation of what I have expounded can also be found from a natural-scientific perspective. In this regard, one need only say: The scientific perspective of the nineteenth century and up to the present, however commendable it may be, has oversimplified matters; above all, it has oversimplified the development of the human being. Indeed, when one elaborates on something as I am about to briefly outline, one truly senses how spiritual science will only be able to come into its own when it becomes possible for it to work in laboratories and clinics in the same way that conventional, official science operates today.

[ 51 ] Geisteswissenschaft kommt in keinen Gegensatz zur Naturwissenschaft, nur zur Auslegung, die die Naturforscher ihren eigenen Tatsachen geben. Nur anführen kann ich bestimmte Ergebnisse. Sie sind bei mir die Ergebnisse, die sich mir seit 30 bis 35 Jahren in der Betrachtung der Biologie, Physiologie, Anatomie der Gegenwart gezeigt haben. Da kommt man, wenn man sorgfältiger zu Werke geht als die Darwinisten, als die Evolutionisten des neunzehnten Jahrhunderts zu Werke gegangen sind, man kommt dazu, sich zu sagen: Beim Menschen — wir sehen von den Tieren ab, dazu haben wir heute keine Zeit —, es zeigt sich, dass beim Menschen diese Entwicklung, die die Naturwissenschaft eigentlich in ihre Begriffe aufgenommen hat, nur für einen Teil der Menschennatur vorhanden ist — nur für einen Teil, das ist das Merkwürdige —, nur gewissermaßen für die Rumpforganisation, nicht für die Kopforganisation und nicht für die Extremitätenorganisation.

[ 51 ] The humanities are not in conflict with the natural sciences, but only with the interpretations that natural scientists give to their own facts. I can only cite certain findings. For me, these are the findings that have become apparent to me over the past 30 to 35 years in my study of contemporary biology, physiology, and anatomy. If one proceeds more carefully than the Darwinists—than the evolutionists of the nineteenth century did—one comes to say to oneself: In humans—we will set aside the animals for now, as we have no time for that today—it becomes apparent that this development, which natural science has actually incorporated into its concepts, is present in human nature only in part—only in part, which is the curious thing—only, so to speak, in the trunk organization, not in the head organization and not in the organization of the extremities.

[ 52 ] Wer die Entwicklung des Menschen wirklich verstehen will, muss den Menschen dreigliedern, er muss ihn gliedern in einen Kopfmenschen, einen Rumpfmenschen und einen Extremitätenmenschen. Die Tatsachen sind alle dazu da, Prinzipien sind nur in der Geisteswissenschaft vorhanden, um diese Tatsachen wirklichkeitsgemäß, sachgemäß zu betrachten. Da stellt sich dann das Merkwürdige heraus, wenn man die fortschreitende Entwicklung beobachtet, wenn man die Entwicklung sieht, die Entwicklung als Fortschreiten von unvollkommenen Gebilden zu vollkommenen, dann ist die Entwicklung beim Menschen nur in Bezug auf den Rumpfmenschen vorhanden. Der Kopfmensch, die Hauptesorganisation, die Gehirnorganisation, ist nicht nur in fortschreitender, sie ist so, wie sich der Mensch darlebt im gewöhnlichen Leben, in einer rückschreitenden Entwicklung vorhanden. In Bezug auf sein Haupt ist der Mensch zugleich rückwärts sich entwickelnd. Ich könnte stundenlang reden, dann würde sich herausstellen, dass das heute sich streng wissenschaftlich belegen lässt. Man studiere die naturwissenschaftlichen Tatsachen auf diesem Gebiete, aber man studiere sie nicht wie heute, sondern wirklich genau. Man bleibe nicht ein wissenschaftlicher Dilettant, wie es viele Forscher sind, sondern werde in strengstem Sinne ein wirklicher Fachmann, indem man eingeht auf dasjenige, was da ist.

[ 52 ] Anyone who truly wants to understand human development must divide the human being into three parts: the head, the torso, and the limbs. The facts are all there; principles exist in spiritual science only to view these facts realistically and objectively. Then something curious becomes apparent when one observes progressive development—when one sees development as a progression from imperfect to perfect forms—namely, that in the case of human beings, development exists only in relation to the torso-human. The “head human”—the head organization, the brain organization—is not only in a state of progressive development; it is, as the human being lives it out in ordinary life, in a state of regressive development. With regard to the head, the human being is simultaneously developing in a backward direction. I could speak for hours, and it would become clear that this can be strictly scientifically substantiated today. One should study the scientific facts in this field, but not as they are studied today—rather, with true precision. One should not remain a scientific dilettante, as many researchers are, but become a true expert in the strictest sense by delving into what actually exists.

[ 53 ] Dann stellt sich heraus — zum Beispiel betrachtet man das menschliche Auge, es darf nicht so vorgestellt werden gegenüber den Tatsachen, als ob zum Beispiel das tierische Auge im menschlichen Auge nur vollkommener wäre, nein, bei gewissen Tieren finden Sie im Inneren des Auges gewisse Organe wie den Schwertfortsatz, welche in innigerem Zusammenhang mit dem Blutmuskelsystem stehen als beim Menschen. Beim Menschen ist das Auge gegenüber dem Auge verschiedener Tiere vereinfacht. Es ist in Rückentwicklung, nicht bloß in fortschreitender Entwicklung. Und so könnte man, gerade wenn man genau vorgeht, jetzt zeigen, dass die menschliche Hauptesorganisation und alles dasjenige, was damit zusammenhängt, in rückschreitender Entwicklung ist, dass zurückgenommen wird etwas, was mit dem sprossenden, wachsenden, gedeihenden Leben zusammenhängt. Es fällt die Entwicklung in sich selbst zusammen.

[ 53 ] Then it turns out—for example, when considering the human eye—that it should not be viewed in light of the facts as if, for instance, the animal eye were simply a more perfect version of the human eye. No, in certain animals you will find certain organs inside the eye, such as the scleral process, which are more intimately connected to the blood-muscle system than in humans. In humans, the eye is simplified compared to the eyes of various animals. It is undergoing regression, not merely progressive development. And so, precisely by proceeding with precision, one could now demonstrate that the human head organization and everything connected with it is in a state of regressive development—that something associated with sprouting, growing, and flourishing life is being retracted. Development is collapsing in on itself.

[ 54 ] Das ist eine sehr interessante Tatsache, die die Brücke schlagen wird zwischen Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft. Denn was hat denn dieses Zusammenfallen der Entwicklung für einen Sinn? Nun, würde sich die Entwicklung im Haupte ebenso bilden wie im Rumpforganismus, geradlinig, würde sie nicht in sich selbst zusammenfallen, gewissermaßen, dann könnte das Vorstellungsleben des Menschen gar nicht auftreten, dann könnte der Mensch sein geistig-seelisches Leben nicht entfalten. Die Entwicklung schiebt sich zurück, sie macht Platz. Gerade eine richtige naturwissenschaftliche Betrachtung zeigt es: Die Entwicklung macht Platz. Da, wo das Leibliche, das Physische sich zurückstaut, da tritt das Geistige auf.

[ 54 ] This is a very interesting fact that will bridge the gap between the natural sciences and the humanities. For what is the meaning of this convergence of development? Well, if development were to proceed in the same way as in the rudimentary organism—in a linear fashion—if it did not, so to speak, collapse in on itself, then human imagination could not arise at all; then human beings could not unfold their spiritual and psychological life. Development recedes; it makes room. A truly scientific perspective reveals precisely this: development makes room. Where the bodily, the physical recedes, there the spiritual emerges.

[ 55 ] Oberflächliche naturwissenschaftliche Betrachtung führt zum Materialismus. Tiefere naturwissenschaftliche Betrachtung führt dazu, zu erkennen, dass sich zurückstaut gerade im Hauptesorganismus die Entwicklung, dass sie Platz macht und dass da, wohin nicht mehr reicht, weil zurückgestaut, die physische Entwicklung, das Geistig-Seelische tritt. Aus dem übrigen Organismus flutet das herauf, was das beliebige Spiel der Vorstellungen bestimmt. In die Hauptesorganisation kann sich hineinschleichen dasjenige, was vor der Geburt durch unbewusste Inspiration regelnd eingreift in dieses Leben. Die unbewusste Inspiration ist vorhanden. Der Ausblick auf das Unsterbliche, auf dasjenige, was mit dem Sterblichen nur verbunden ist, das bietet sich uns dar, wenn wir mit geisteswissenschaftlicher Forschung eindringen in etwas, was bei den Menschen vorhanden ist, was die Philosophie betrachtet seit Jahrzehnten, aber nicht dahinterkommen kann, weil sie zurückschreckt vor dem Eintreten in die wirkliche geistige Welt. Enthüllt sich einem dasjenige, was richtiges oder unrichtiges Denken ist, in der Inspiration, dann kommt man in das Gebiet hinein, wo einem das menschliche Seelenwesen als das Unsterbliche entgegentritt als dasjenige, was sich mit dem Sterblichen verbindet.

[ 55 ] A superficial scientific examination leads to materialism. A deeper scientific examination leads to the realization that development is held back precisely within the main organism, that it makes room, and that where physical development can no longer reach—because it is held back—the spiritual-psychic takes its place. From the rest of the organism, that which determines the arbitrary play of ideas surges upward. Into the head organism can creep that which, before birth, intervenes in this life through unconscious inspiration in a regulating manner. Unconscious inspiration is present. The prospect of the immortal—of that which is merely connected to the mortal—presents itself to us when, through spiritual scientific research, we penetrate into something that exists within human beings, something that philosophy has been contemplating for decades but cannot fathom, because it shrinks back from entering the true spiritual world. When what constitutes right or wrong thinking is revealed to us through inspiration, we enter the realm where the human soul being confronts us as the immortal—as that which is connected to the mortal.

[ 56 ] Der andere Punkt, sehr verehrte Anwesende, führt, ich möchte sagen, zu dem Entgegengesetzten. Ein anderes Merkwürdiges liegt vor, eine unbewusste Inspiration, sagte ich, auf der einen Seite, die sich hereinbringt in die menschliche Organisation dadurch, dass diese Organisation in Bezug auf das menschliche Haupt in Rückentwicklung begriffen ist. Umgekehrt ist es mit der menschlichen Organisation in Bezug auf den menschlichen Extremitätenbau. Wiederum würde eine ganz innerliche Verfolgung der rein naturwissenschaftlichen Tatsachen das erhärten, was ich jetzt zu sagen habe. So, wie das Haupt in Rückbildung begriffen ist, so ist die Extremitätenorganisation beim Menschen in Überentwicklung begriffen, geht weiter als die normale Entwicklung ist, überschreitet den Punkt der normalen Entwicklung, geht darüber hinaus. Derjenige, der nur anatomisch-plastisch Arme, Hände, Beine, Füße mit ihren Fortsätzen nach dem Innern des Organismus richtig physiologisch zu betrachten vermag, der weiß, dass die menschliche Organisation über sich hinausschreitet, dass da das Organische nicht rückgebildet, nicht einmal nur normal ist, sondern den Punkt des Normalen überspringt, sodass mehr in dieser Entwicklung zutage tritt als dasjenige, was in der Rumpforganisation in den Grenzen der normalen Entwicklung eingeschlossen ist. Das stellt sich dar, geistig betrachtet, so, dass für diese Betrachtung, die ich eben charakterisiert habe, dasjenige, was mit der Extremitätenorganisation verknüpft ist, sich zeigt als nur dem imaginativen Leben erkennbar, erreichbar. Imaginatives Leben, imaginatives Erkennen bekommt etwas vor die Seele — indem hineingeschaut wird sinnig in schauendem, in wirklich hellsichtigem Bewusstsein auf dasjenige, was die menschliche Organisation in den Extremitäten darbietet —, bekommt etwas, was der Mensch mehr in sich hat, als was zwischen Geburt und Tod hineinfallen kann. Mehr kann er in sich haben, weil seine Extremitäten in gewisser Weise überorganisiert sind.

[ 56 ] The other point, ladies and gentlemen, leads, I would say, to the opposite. There is another curious phenomenon at work here: an unconscious inspiration, as I said, on the one hand, which enters into the human organism because this organism is undergoing regression with respect to the human head. The opposite is true of the human organism with respect to the structure of the human extremities. Again, a thorough examination of purely scientific facts would corroborate what I am about to say. Just as the head is undergoing regression, so too is the structure of the human extremities undergoing overdevelopment; it goes beyond normal development, surpasses the point of normal development, and extends beyond it. Anyone who is able to view arms, hands, legs, feet, and their appendages from a purely physiological perspective—toward the interior of the organism—knows that the human organism transcends itself; that here the organic is not in a state of regression, nor is it merely normal, but rather leaps beyond the point of normality, so that more comes to light in this development than what is contained within the trunk organization within the limits of normal development. Viewed spiritually, this presents itself in such a way that, for the kind of observation I have just described, that which is connected with the organization of the extremities reveals itself as recognizable and accessible only through the imaginative life. Imaginative life, imaginative cognition, perceives something before the soul—by looking meaningfully, with a truly clairvoyant consciousness, into what the human organization presents in the extremities—and perceives something that a human being possesses within themselves beyond what can be acquired between birth and death. They can possess more within themselves because their extremities are, in a certain sense, over-organized.

[ 57 ] Gestatten Sie — wir sind ja keine Kinder —, dass ich mich durch einen Vergleich dieser Vorstellung, die etwas schwierig ist, annähere. Man darf dabei die Extremitäten nicht nur so betrachten, dass man sie demnach betrachtet, was ganz äußerlich ist, sondern man muss sie nach ihren Fortsetzungen nach dem Innern betrachten. In Bezug auf das rein Physische, was stellt sich denn da dar? Es stellt sich dar, dass die Extremitätenorganisation innig verwandt ist schon physisch — aber das Physische kommt für uns ja nur vergleichsweise in Betracht — mit demjenigen, wodurch der Mensch auch physisch über sich hinausgeht. Betrachten Sie bei der Frau den Zusammenhang zwischen der Armorganisation und der Brustorganisation. Betrachten Sie den Zusammenhang mit der übrigen Extremitätenorganisation, mit der Sexualität, und Sie werden erkennen, dass in Bezug auf die physische Konstitution arbeitet die Konstitution in Überentwicklung durch dasjenige, was mit der Extremitätenorganisation zusammenhängt. Der Mensch entwickelt da physisch etwas zunächst, was sich nicht einschließt in sein individuelles Leben, was darüber hinausgeht. Ebenso ist es seelisch-geistig.

[ 57 ] Allow me—since we are not children, after all—to approach this concept, which is somewhat difficult, by drawing a comparison. In doing so, one must not view the extremities merely in terms of their outward appearance, but must consider them in terms of their extensions inward. In terms of the purely physical, what do we see here? We see that the organization of the extremities is intimately related—already on a physical level, though the physical is, of course, only of secondary importance to us—to that which enables the human being to transcend themselves even physically. Consider, in the case of women, the connection between the organization of the arms and that of the breasts. Consider the connection with the rest of the structure of the extremities, with sexuality, and you will recognize that, with regard to the physical constitution, the constitution operates in a state of overdevelopment through that which is connected with the structure of the extremities. Here, the human being initially develops something physically that is not confined to his or her individual life, something that goes beyond it. The same is true on the soul-spiritual level.

[ 58 ] Dasjenige, was verknüpft ist mit dem rein Physischen der Extremitätenorganisation, die überentwickelt ist, das ist nur in Imagination zu erreichen. Und dieses, was da in Imagination zu erreichen ist, das gehört ebenso wenig der menschlichen, zwischen Geburt und Tod eingeschlossenen Persönlichkeit an, wie im Physischen das Kind angehört dem Menschen als einer Individualität bloß. Dasjenige, was da als Imagination auftritt, gehört an dem Menschenwesen, wenn es getreten ist durch die Pforte des Todes. Durch die Pforte des Todes hinein wird getragen dasjenige, was sich ankündigt, indem man eingeht auf dasjenige, was in Überentwicklung der Extremitätenorganisation geistig-seelisch zutage tritt. Das aber, sehr verehrte Anwesende, ist nicht nur in physischer Beziehung mit der Liebe verbunden, das ist in geistig-seelischer Beziehung überhaupt mit der Liebe verbunden, deshalb verbunden, weil der Mensch über sich hinausgeht.

[ 58 ] That which is connected to the purely physical aspect of the overdeveloped organization of the extremities can be attained only through imagination. And what can be attained there in the realm of imagination belongs no more to the human personality—confined between birth and death—than the child belongs to the human being as an individuality in the physical realm. That which appears there as imagination belongs to the human being once it has passed through the gate of death. What is carried through the gate of death is that which announces itself when one responds to what emerges spiritually and psychologically in the overdevelopment of the limb system. But this, dear attendees, is connected to love not only in a physical sense; it is connected to love in a spiritual and psychological sense as well—connected because the human being transcends themselves.

[ 59 ] Hier tritt der zweite Punkt ein. Indem der Mensch, wie schon angedeutet ist, mit bei seiner Organisation innerhalb seiner individuellen Persönlichkeit etwas entwickelt, was durch die Pforte des Todes durchtretend erst dann seine Bedeutung erhält; indem der Mensch etwas entwickelt, was sein vergängliches Wesen durch die Pforte des Todes hindurchführt in das Gebiet, wo sein Unvergängliches sich weiterentwickelt, ist der Mensch in etwas lebend, was mit seiner Egoität, mit seiner unmittelbaren Ichheit nicht zusammenhängt, sondern darüber hinausgeht.

[ 59 ] This is where the second point comes into play. As has already been indicated, when a human being, in the course of his or her development within the individual personality, cultivates something that only then acquires its significance upon passing through the gateway of death; as the human being develops something that leads his transitory being through the gate of death into the realm where his immortal being continues to develop, the human being lives in something that is not connected to his ego, to his immediate “I,” but transcends it.

[ 60 ] Dieses kann er in einer besonderen Weise geltend machen. Ich habe vor 25 Jahren dasjenige, was ich heute andeute als hervorgehend aus der Inspiration, im reinen Denken, wenn es nicht bloß in logischen, sondern in moralischen Ideen auftritt, wenn der Mensch aus moralischen Ideen handelt, ich habe es intuitives Denken genannt. Und dasjenige, was jetzt auftritt, indem der Mensch gewahr wird, dass etwas imaginativ in ihm lebt, das habe ich moralische Phantasie genannt. Indem der Mensch gewahr wird, wie gewissermaßen an seinem einen Ende eine unbewusste Inspiration, an dem anderen Ende eine unbewusste Imagination vorhanden ist, wird er sich seines Unsterblichen bewusst. Aber das ist im gewöhnlichen Leben nur unbewusst oder unterbewusst vorhanden; aber es ist vorhanden. Und es ist vorhanden in der unbewussten Inspiration durch das Richtige oder Unrichtige, auch in den moralischen Ideen, die vor unser seelisches Auge treten, es ist vorhanden, wenn wir über uns hinausgehend in der Liebe, wie ich es geschildert habe, zu einer Handlung die Kraft, die über unsere Egoität hinausgeht, entwickeln.

[ 60 ] He can assert this in a special way. Twenty-five years ago, I called what I am now describing as arising from inspiration—in pure thinking, when it manifests not merely in logical but in moral ideas, and when a person acts on the basis of moral ideas—intuitive thinking. And what now arises when a person becomes aware that something imaginative lives within them—that is what I have called moral imagination. As a person becomes aware that, as it were, at one end there is an unconscious inspiration and at the other end an unconscious imagination, they become conscious of their immortality. But in ordinary life, this is present only unconsciously or subconsciously; but it is present. And it is present in the unconscious inspiration arising from what is right or wrong, as well as in the moral ideas that appear before our inner eye; it is present when, transcending ourselves in love—as I have described—we develop the power to act that goes beyond our ego.

[ 61 ] Hier schließt sich auf etwas sehr Merkwürdiges am Menschen. Wenn zusammenwirkt dasjenige, was sonst nur unbewusst oder unterbewusst vorhanden ist, die unbewusste Imagination, die so an ihn geknüpft ist und nur in Liebe wirken kann, wie ich es geschildert habe, und das intuitive oder inspirierte Denken, das hereinleuchtet von der einen Seite als die Vorstellung durchhellend; wenn zusammenwirken dieses Denken, das geholt ist nicht aus dem sterblichen Menschen, sondern aus dem unsterblichen Menschen, und die Imagination, die unbewusst bleibt im gewöhnlichen Leben, die aber dadurch, dass wir Handlungen lieben, instinktiv an den Menschen herantritt; wenn diese instinktive Liebe, die der instinktive Ausdruck der geschilderten Imagination ist, den Menschen ergreift, und so ergreift, dass er das geltend macht, was durch Inspiration von vor seiner Geburt in ihn hereinleuchtet, dann wirkt Unsterbliches auf Unsterbliches im Menschen, dann wirkt die Idee aus dem Unsterblichen, wie es sich erlebt vor der Geburt, zusammen mit dem Unsterblichen, wie es unbewusst in der Imagination auftritt und wie es durch die Pforte des Todes in die geistige Welt hineintritt.

[ 61 ] This leads to something very remarkable about human beings. When that which is otherwise present only unconsciously or subconsciously—the unconscious imagination, which is so closely bound to the human being and can act only through love, as I have described—interacts with intuitive or inspired thinking, which shines in from one side, illuminating the concept; when this thinking—which is drawn not from the mortal human being but from the immortal human being—interacts with the imagination, which remains unconscious in ordinary life but which, through our love of actions, instinctively approaches the human being; when this instinctive love—which is the instinctive expression of the imagination described—seizes the human being, and seizes him to such an extent that he asserts what shines into him through inspiration from before his birth, then the immortal acts upon the immortal within the human being; then the idea from the immortal—as it is experienced before birth—works together with the immortal as it appears unconsciously in the imagination and as it enters the spiritual world through the gate of death.

[ 62 ] So sind Handlungen des Menschen möglich, in denen das Unsterbliche, das erst sich offenbart nach dem Tode, schon als Kraft hier im Leben zusammenwirkt mit der freien Idee, die durch Inspiration aus dem Unsterblichen vor der Geburt als Impuls in unsere menschliche Persönlichkeit hereintritt. Das ist dann freies Handeln. Dieses freie Handeln ist im Menschen vorhanden, dessen ist sich der Mensch bewusst. Man lernt die Freiheit nur erkennen, wenn man weiß, dass die unbewusste Imagination, die vorbereitet unser Leben nach dem Tode, zusammenwirkt mit der unbewussten Inspiration, die aus dem Leben von vor der Geburt als eine Kraft in unsere Seele hereintönt. Indem der Mensch instinktiv solche Handlungen ausführt, die sein unsterblicher Mensch vollzieht, führt er freie Handlungen aus. Und dass sich der Mensch freier Handlungen bewusst ist, das ist der Abglanz, die Fata Morgana desjenigen, was in der übersinnlichen Persönlichkeit tief unten im Menschenwesen ruht als ein Unsterbliches. Der Mensch — so führte ich aus vor 25 Jahren — ist nicht so in der Freiheit, dass man sagen kann: Er ist entweder frei oder unfrei, sondern er ist sowohl frei als unfrei in seinen gewöhnlichen Handlungen. Er ist auf dem Wege zur Freiheit. Aber man wird sich nicht bewusst der Freiheit, wenn man sich nicht der unsterblichen Wesenheit des Menschen bewusst wird.

[ 62 ] Thus, human actions are possible in which the immortal—which reveals itself only after death—already works together here in life as a force with the free idea that enters our human personality as an impulse through inspiration from the immortal before birth. This is what constitutes free action. This free action is present in human beings, and they are conscious of it. One learns to recognize freedom only when one knows that the unconscious imagination, which prepares our life after death, works together with the unconscious inspiration that resounds into our soul as a force from our life before birth. By instinctively carrying out the actions that their immortal self performs, human beings carry out free actions. And the fact that human beings are aware of these free actions is the reflection, the mirage, of that which rests deep within the human being in the supersensible personality as an immortal entity. Human beings—as I explained 25 years ago—are not free in the sense that one can say: They are either free or not free; rather, they are both free and not free in their ordinary actions. They are on the path to freedom. But one does not become aware of freedom unless one becomes aware of the immortal essence of the human being.

[ 63 ] Heute möchte ich, die Betrachtung beschließend, zusammenfassen in zwei Sätzen dasjenige, was ich aus der geisteswissenschaftlichen Betrachtung des freien Handelns und der Seelenunsterblichkeit vor Ihnen herausgeholt habe, was ich versucht habe zu zeigen: dass man nicht die Freiheit verstehen kann, ohne die Unsterblichkeit zu erkennen, und die Unsterblichkeit nicht, ohne die Konsequenz der wirklichen Unsterblichkeit, die Freiheit, anzuschauen. Der unsterbliche Mensch ist ein freier Mensch, das aus der Unsterblichkeit stammende Wollen ist ein freies. Der Mensch nähert sich mit seinen gewöhnlichen Handlungen diesen freien Handlungen. Der sterbliche Mensch ist auf dem Wege zur Freiheit. Indem der sterbliche Mensch den unsterblichen immer mehr und mehr in sich zu einem bewussten Wesen erhebt, wird er sich seiner Freiheit bewusst. Der Mensch ist zur Freiheit geboren, aber er muss sich zur Verwirklichung der Freiheit selbst erziehen.

[ 63 ] Today, as I conclude this discussion, I would like to summarize in two sentences what I have drawn from the spiritual-scientific examination of free action and the immortality of the soul, and what I have attempted to demonstrate: that one cannot understand freedom without recognizing immortality, and one cannot understand immortality without contemplating the consequence of true immortality—namely, freedom. The immortal human being is a free human being; the will that springs from immortality is a free one. Through their ordinary actions, human beings draw closer to these free actions. The mortal human being is on the path to freedom. As the mortal human being increasingly elevates the immortal within himself to a conscious being, he becomes aware of his freedom. Human beings are born to freedom, but they must educate themselves to realize that freedom.