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The Human Being as a
Spirit and Soul Being
GA 71b

1 May 1918, Munich

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Der Mensch als Geist- und Seelenwesen
  1. The Human Being as a Spirit and Soul Being, tr. SOL

10. Der übersinnliche Mensch und die Fragen der Willensfreiheit und Unsterblichkeit nach Ergebnissen der Geisteswissenschaft

10. Der übersinnliche Mensch und die Fragen der Willensfreiheit und Unsterblichkeit nach Ergebnissen der Geisteswissenschaft

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Es ist nicht ein äußerer Anlass, die zwei bedeutsamsten Fragen des menschlichen Seelen- und Gemütslebens heute in dieser Betrachtung im Zusammenhang zu behandeln, die Frage der menschlichen Willensfreiheit und die Frage der Seelenunsterblichkeit, sondern es scheint mir, dass die wirkliche innere Erkenntnis von des Menschen übersinnlicher Persönlichkeit einen naturgemäßen inneren Zusammenhang zwischen diesen beiden bedeutungsvollen Menschheitsrätseln so ergibt, dass das eine Licht auf das andere werfen muss.

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Es ist nicht ein äußerer Anlass, die zwei bedeutsamsten Fragen des menschlichen Seelen- und Gemütslebens heute in dieser Betrachtung im Zusammenhang zu behandeln, die Frage der menschlichen Willensfreiheit und die Frage der Seelenunsterblichkeit, sondern es scheint mir, dass die wirkliche innere Erkenntnis von des Menschen übersinnlicher Persönlichkeit einen naturgemäßen inneren Zusammenhang zwischen diesen beiden bedeutungsvollen Menschheitsrätseln so ergibt, dass das eine Licht auf das andere werfen muss.

[ 2 ] Man braucht ja nur, sehr verehrte Anwesende, ein wenig hinzusehen auf die immer und immer wiederkehrenden philosophischen und sonstigen Bemühungen sehr scharfsinniger Geister innerhalb der Menschheitsentwicklung, um diesen beiden Menschheitsfragen näherzukommen. Und man wird sehen, dass eine — wie man sie so gewöhnlich auffasst — rein philosophische Betrachtung nicht herankommen kann an dasjenige, was eigentlich mit diesen in jedem einzelnen Menschengemüt so bedeutsam sich einwurzelnden Fragen an den Menschen herantreten will. Ich selbst, sehr verehrte Anwesende, wenn ich dieses einleitungsweise erwähnen darf, beschäftige mich mit der Frage der menschlichen Willensfreiheit seit Jahrzehnten, und ein Vierteljahrhundert ist es her, seit ich in meinem Buche «Die Philosophie der Freiheit» versuchte, dazumal in rein philosophisch-wissenschaftlicher Form auf diejenigen Punkte hinzuweisen, durch die man wenigstens dieser Frage der menschlichen Freiheit nahekommen kann. Dasjenige, was dazumal, vor einem Vierteljahrhundert, von mir, ich möchte sagen, in abstrakt-philosophischer Weise ausgeführt worden ist, das möchte ich in der Betrachtung des heutigen Abends in geisteswissenschaftlicher Art begründen, in derjenigen geisteswissenschaftlichen Art, wie sie gemeint war durch die langen Jahre hindurch, in denen ich auch hier in München über anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft jedes Jahr Vorträge halten durfte.

[ 2 ] Man braucht ja nur, sehr verehrte Anwesende, ein wenig hinzusehen auf die immer und immer wiederkehrenden philosophischen und sonstigen Bemühungen sehr scharfsinniger Geister innerhalb der Menschheitsentwicklung, um diesen beiden Menschheitsfragen näherzukommen. Und man wird sehen, dass eine — wie man sie so gewöhnlich auffasst — rein philosophische Betrachtung nicht herankommen kann an dasjenige, was eigentlich mit diesen in jedem einzelnen Menschengemüt so bedeutsam sich einwurzelnden Fragen an den Menschen herantreten will. Ich selbst, sehr verehrte Anwesende, wenn ich dieses einleitungsweise erwähnen darf, beschäftige mich mit der Frage der menschlichen Willensfreiheit seit Jahrzehnten, und ein Vierteljahrhundert ist es her, seit ich in meinem Buche «Die Philosophie der Freiheit» versuchte, dazumal in rein philosophisch-wissenschaftlicher Form auf diejenigen Punkte hinzuweisen, durch die man wenigstens dieser Frage der menschlichen Freiheit nahekommen kann. Dasjenige, was dazumal, vor einem Vierteljahrhundert, von mir, ich möchte sagen, in abstrakt-philosophischer Weise ausgeführt worden ist, das möchte ich in der Betrachtung des heutigen Abends in geisteswissenschaftlicher Art begründen, in derjenigen geisteswissenschaftlichen Art, wie sie gemeint war durch die langen Jahre hindurch, in denen ich auch hier in München über anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft jedes Jahr Vorträge halten durfte.

[ 3 ] Nun wird vielleicht gerade in unserer Gegenwart nur derjenige an die beiden angedeuteten Menschheitsrätsel in einer gut vorbereiteten Art herantreten, welcher gerungen hat mit dem, was naturwissenschaftliche Weltanschauung heute gerade zu diesen Menschheitsrätseln zu sagen hat; der so gerungen hat, dass ihm im Ringen klar geworden ist, wo eigentlich naturwissenschaftliche Betrachtungsweise versagen muss, gerade dann, wenn es sich um tiefste Menschheitsfragen wie diese handelt, von denen ja jeder von vorneherein zugeben wird, dass sie heranführen müssen an dasjenige, was man nennen kann menschliche Selbsterkenntnis.

[ 3 ] Nun wird vielleicht gerade in unserer Gegenwart nur derjenige an die beiden angedeuteten Menschheitsrätsel in einer gut vorbereiteten Art herantreten, welcher gerungen hat mit dem, was naturwissenschaftliche Weltanschauung heute gerade zu diesen Menschheitsrätseln zu sagen hat; der so gerungen hat, dass ihm im Ringen klar geworden ist, wo eigentlich naturwissenschaftliche Betrachtungsweise versagen muss, gerade dann, wenn es sich um tiefste Menschheitsfragen wie diese handelt, von denen ja jeder von vorneherein zugeben wird, dass sie heranführen müssen an dasjenige, was man nennen kann menschliche Selbsterkenntnis.

[ 4 ] Nun lassen Sie uns, sehr verehrte Anwesende, einleitungsweise bildlich, möchte ich sagen, darauf hinweisen, welche Schwierigkeiten gegenüber menschlicher Selbsterkenntnis von vorneherein eigentlich vorausgesetzt werden müssen. Bildlich gesprochen: Das Auge kann zwar die sichtbaren Dinge um sich herum wahrnehmen; gerade dadurch kann das Auge die sichtbaren Dinge um sich wahrnehmen, dass es selber sich nicht sehen kann. Wer dieses Bild ausdenkt, der wird es begreiflich finden, dass die Schwierigkeit menschlicher Selbsterkenntnis darin liegen muss, dass man zwar mit alledem, was dem Menschen an Organen für seine Erkenntnis zur Verfügung steht, anderes schauen wird können, aber dass das eigene Selbst so wenig geistig erschaut werden kann, wie das Auge sich selber sehen kann.

[ 4 ] Nun lassen Sie uns, sehr verehrte Anwesende, einleitungsweise bildlich, möchte ich sagen, darauf hinweisen, welche Schwierigkeiten gegenüber menschlicher Selbsterkenntnis von vorneherein eigentlich vorausgesetzt werden müssen. Bildlich gesprochen: Das Auge kann zwar die sichtbaren Dinge um sich herum wahrnehmen; gerade dadurch kann das Auge die sichtbaren Dinge um sich wahrnehmen, dass es selber sich nicht sehen kann. Wer dieses Bild ausdenkt, der wird es begreiflich finden, dass die Schwierigkeit menschlicher Selbsterkenntnis darin liegen muss, dass man zwar mit alledem, was dem Menschen an Organen für seine Erkenntnis zur Verfügung steht, anderes schauen wird können, aber dass das eigene Selbst so wenig geistig erschaut werden kann, wie das Auge sich selber sehen kann.

[ 5 ] Nun, dem Auge gegenüber ist allerdings möglich, dass ein anderer dieses Auge physiologisch, anatomisch oder sonst wie untersucht; allein ein flüchtiges Nachdenken zeigt ja, dass dies gegenüber dem eigentlichen Selbst des Menschen, das doch mehr oder weniger jeder in seinem Unterbewusstsein als ein Übersinnliches erfühlt, nicht der Fall sein könne. Es kann nicht ein anderer Mensch dasjenige, was unsichtbar übersinnlich in uns waltet, so betrachten, wie eine andere Persönlichkeit das menschliche Auge betrachten kann.

[ 5 ] Nun, dem Auge gegenüber ist allerdings möglich, dass ein anderer dieses Auge physiologisch, anatomisch oder sonst wie untersucht; allein ein flüchtiges Nachdenken zeigt ja, dass dies gegenüber dem eigentlichen Selbst des Menschen, das doch mehr oder weniger jeder in seinem Unterbewusstsein als ein Übersinnliches erfühlt, nicht der Fall sein könne. Es kann nicht ein anderer Mensch dasjenige, was unsichtbar übersinnlich in uns waltet, so betrachten, wie eine andere Persönlichkeit das menschliche Auge betrachten kann.

[ 6 ] Allerdings, noch ein anderes Bild lässt sich gebrauchen. Wir können unser eigenes Auge sehen, wenn wir in den Spiegel schauen. Das führt nur dazu, dass wir dann nicht sehen mit dem Auge den ganzen lebensvollen Inhalt dieses Auges, dasjenige, was eigentlich im Auge leben muss, um es zum Sehorgan und zum Vermittler der seelischen Erkenntnis der Außenwelt zu machen. Ein Bild nur vom Auge kann sich uns zeigen, wenn wir das Auge im Spiegel beschauen.

[ 6 ] Allerdings, noch ein anderes Bild lässt sich gebrauchen. Wir können unser eigenes Auge sehen, wenn wir in den Spiegel schauen. Das führt nur dazu, dass wir dann nicht sehen mit dem Auge den ganzen lebensvollen Inhalt dieses Auges, dasjenige, was eigentlich im Auge leben muss, um es zum Sehorgan und zum Vermittler der seelischen Erkenntnis der Außenwelt zu machen. Ein Bild nur vom Auge kann sich uns zeigen, wenn wir das Auge im Spiegel beschauen.

[ 7 ] Ich habe diese Bilder vorausgesetzt, um zunächst, ich möchte sagen, annäherungsweise durch einige Vorstellungen auf das hinzuführen, was der Grundnerv der heutigen Betrachtung sein soll. Es ist nichts anderes möglich, wenn überhaupt Selbsterkenntnis beim Menschen auftreten soll, als dass der Mensch selbst, nicht ein anderer, aus derjenigen Menschenwesenheit, in der er gewöhnlich darinnen ist, heraustritt und sich selber von außen beschauen lernt. Damit spricht man allerdings gleich etwas aus, was an der weitverbreiteten gegenwärtigen Weltanschauung eigentlich ein wissenschaftlicher Gräuel ist, was sich aber ganz gewiss einleben wird in das menschliche Denken so, wie sich die kopernikanische Weltanschauung eingelebt hat. Es ist nur heute noch ungewohnt, was, wie schon früher, so auch heute vor unsere Seele treten soll. Dass der Mensch heraustreten könne aus seinem Selbst, sich gewissermaßen selber real gegenübertreten könne, das erscheint heute den meisten Menschen als ein absurder Gedanke.

[ 7 ] Ich habe diese Bilder vorausgesetzt, um zunächst, ich möchte sagen, annäherungsweise durch einige Vorstellungen auf das hinzuführen, was der Grundnerv der heutigen Betrachtung sein soll. Es ist nichts anderes möglich, wenn überhaupt Selbsterkenntnis beim Menschen auftreten soll, als dass der Mensch selbst, nicht ein anderer, aus derjenigen Menschenwesenheit, in der er gewöhnlich darinnen ist, heraustritt und sich selber von außen beschauen lernt. Damit spricht man allerdings gleich etwas aus, was an der weitverbreiteten gegenwärtigen Weltanschauung eigentlich ein wissenschaftlicher Gräuel ist, was sich aber ganz gewiss einleben wird in das menschliche Denken so, wie sich die kopernikanische Weltanschauung eingelebt hat. Es ist nur heute noch ungewohnt, was, wie schon früher, so auch heute vor unsere Seele treten soll. Dass der Mensch heraustreten könne aus seinem Selbst, sich gewissermaßen selber real gegenübertreten könne, das erscheint heute den meisten Menschen als ein absurder Gedanke.

[ 8 ] Nun, der Geistesforscher ist genötigt, nicht so vorzugehen, wie man in einer anderen wissenschaftlichen Betrachtung vorgeht. In dieser wissenschaftlichen Betrachtung, wenn man sie populär anstellt, gibt man in der Regel Ergebnisse; der Geistesforscher ist nicht in der Lage, bloß solche Ergebnisse anzuführen. Er muss, insbesondere, wenn es sich besonders um eine so fundamentale Frage wie die heutige handelt, den Weg vor allen Dingen angeben, auf den er zu verweisen hat, wenn er gewisse Forschungsergebnisse sich als wichtig, wesentlich hereinstellend in jedes Menschenleben vor Augen führen will. Daher wird meine Aufgabe im ersten Teil der heutigen Betrachtung vor allen Dingen darin bestehen, zu zeigen, wie der Geistesforscher an das in Menschenwesen herantritt, an dem erkannt werden kann, um was es sich handelt bei Willensfreiheit und bei der Seelenunsterblichkeit. Betrachtungen möchte ich anstellen darüber, welchen Sinn es eigentlich hat, herauszutreten aus seinem gewöhnlichen Menschenwesen und sich von außen gewissermaßen wie im Spiegel zu betrachten, wobei man ja selbstverständlich voraussetzen kann — das will ich gleich sagen —, dass man dann von außen nicht den lebensvollen Menschen zunächst vor sich hat, sondern vielleicht nur ein Bild, wie das Auge ein Bild im Spiegel vor sich hat.

[ 8 ] Nun, der Geistesforscher ist genötigt, nicht so vorzugehen, wie man in einer anderen wissenschaftlichen Betrachtung vorgeht. In dieser wissenschaftlichen Betrachtung, wenn man sie populär anstellt, gibt man in der Regel Ergebnisse; der Geistesforscher ist nicht in der Lage, bloß solche Ergebnisse anzuführen. Er muss, insbesondere, wenn es sich besonders um eine so fundamentale Frage wie die heutige handelt, den Weg vor allen Dingen angeben, auf den er zu verweisen hat, wenn er gewisse Forschungsergebnisse sich als wichtig, wesentlich hereinstellend in jedes Menschenleben vor Augen führen will. Daher wird meine Aufgabe im ersten Teil der heutigen Betrachtung vor allen Dingen darin bestehen, zu zeigen, wie der Geistesforscher an das in Menschenwesen herantritt, an dem erkannt werden kann, um was es sich handelt bei Willensfreiheit und bei der Seelenunsterblichkeit. Betrachtungen möchte ich anstellen darüber, welchen Sinn es eigentlich hat, herauszutreten aus seinem gewöhnlichen Menschenwesen und sich von außen gewissermaßen wie im Spiegel zu betrachten, wobei man ja selbstverständlich voraussetzen kann — das will ich gleich sagen —, dass man dann von außen nicht den lebensvollen Menschen zunächst vor sich hat, sondern vielleicht nur ein Bild, wie das Auge ein Bild im Spiegel vor sich hat.

[ 9 ] Aber bevor ich diese Betrachtungen über geisteswissenschaftliche Methoden anstelle, möchte ich wenigstens ein Beispiel anführen, welches zu zeigen geeignet ist, wie die ja von der Geisteswissenschaft voll anerkannte naturwissenschaftliche Betrachtungsweise der Gegenwart sich ja immer und überall bemüht, an die Fragen der menschlichen Selbsterkenntnis heranzukommen, wie aber gerade diese naturwissenschaftliche Betrachtung, wenn sie gut ist in ihrer Methode, wenn sie für das, was naturwissenschaftlich vortrefflich ist, wie gerade sie sich ungeeignet erweist, an das wahre menschliche Selbst heranzukommen.

[ 9 ] Aber bevor ich diese Betrachtungen über geisteswissenschaftliche Methoden anstelle, möchte ich wenigstens ein Beispiel anführen, welches zu zeigen geeignet ist, wie die ja von der Geisteswissenschaft voll anerkannte naturwissenschaftliche Betrachtungsweise der Gegenwart sich ja immer und überall bemüht, an die Fragen der menschlichen Selbsterkenntnis heranzukommen, wie aber gerade diese naturwissenschaftliche Betrachtung, wenn sie gut ist in ihrer Methode, wenn sie für das, was naturwissenschaftlich vortrefflich ist, wie gerade sie sich ungeeignet erweist, an das wahre menschliche Selbst heranzukommen.

[ 10 ] Dafür einleitungsweise ein Beispiel, das in einer Schrift der ja ausgezeichneten Sammlung, die in Wiesbaden erscheint, über Grenzfragen des Nerven- und Seelenlebens behandelt wird, das Ludwig Waldstein behandelt in «Das unterbewusste Ich». Das ist eine naturwissenschaftliche Schrift, durch die der Verfasser heranwill an das, was im Menschen lebt, und als Naturforscher ist es selbstverständlich, dass er heranrückt mit wirklich wissenschaftlicher Methode, wie es auch die Geisteswissenschaft macht; denn die kann sich auch nicht darauf einlassen, in mystischer Träumerei und Phantasterei sich dem Menschen selbst zu nähern. Geisteswissenschaft muss auf einen so strengen Boden sich stellen, wenn Sie auch anders vorgehen muss, als nur irgend Naturwissenschaft stehen kann und will.

[ 10 ] Dafür einleitungsweise ein Beispiel, das in einer Schrift der ja ausgezeichneten Sammlung, die in Wiesbaden erscheint, über Grenzfragen des Nerven- und Seelenlebens behandelt wird, das Ludwig Waldstein behandelt in «Das unterbewusste Ich». Das ist eine naturwissenschaftliche Schrift, durch die der Verfasser heranwill an das, was im Menschen lebt, und als Naturforscher ist es selbstverständlich, dass er heranrückt mit wirklich wissenschaftlicher Methode, wie es auch die Geisteswissenschaft macht; denn die kann sich auch nicht darauf einlassen, in mystischer Träumerei und Phantasterei sich dem Menschen selbst zu nähern. Geisteswissenschaft muss auf einen so strengen Boden sich stellen, wenn Sie auch anders vorgehen muss, als nur irgend Naturwissenschaft stehen kann und will.

[ 11 ] Nun gibt Ludwig Waldstein eine merkwürdige Selbstbeobachtung — aber dieses Beispiel könnte um Hunderte und Tausende vermehrt werden —, er sagt von sich selbst: Er stand einmal vor einem Buchladen, schaute hinein. Sein Blick fiel auf eine Schrift über Mollusken. Es lag nahe dem Naturforscher, den Blick ruhen zu lassen auf dem Titelblatt dieser Schrift. Aber während er dieses Titelblatt überschaute, musste er anfangen zu lächeln. Er kann sich nicht erklären, wie es kommt, dass er, der Naturforscher ist, dem doch gewiss dieses Buch eine ernsthafte Sache ist, dass er anfangen muss zu lachen. Er will dahinterkommen, warum ihn ein Buchtitel zum Lachen bringt. Er sucht dadurch dahinterzukommen, dass er die Augen schließt. Und siehe da, indem er sie schließt, vernimmt er ganz verglimmend in der Ferne die Melodie einer Drehorgel und die just dasselbe spielt, was ihm vorgespielt worden ist, als er vor Jahrzehnten als ganz junger Mensch seine erste Quadrille getanzt hat; als er das Molluskenbuch dem Titel nach anschaute, hatte er gar keine Idee, warum er lachen musste, denn der Ton der Orgel war ganz verglimmend. Er hätte ihn nicht wahrgenommen, wenn er nicht die Augen geschlossen hätte.

[ 11 ] Nun gibt Ludwig Waldstein eine merkwürdige Selbstbeobachtung — aber dieses Beispiel könnte um Hunderte und Tausende vermehrt werden —, er sagt von sich selbst: Er stand einmal vor einem Buchladen, schaute hinein. Sein Blick fiel auf eine Schrift über Mollusken. Es lag nahe dem Naturforscher, den Blick ruhen zu lassen auf dem Titelblatt dieser Schrift. Aber während er dieses Titelblatt überschaute, musste er anfangen zu lächeln. Er kann sich nicht erklären, wie es kommt, dass er, der Naturforscher ist, dem doch gewiss dieses Buch eine ernsthafte Sache ist, dass er anfangen muss zu lachen. Er will dahinterkommen, warum ihn ein Buchtitel zum Lachen bringt. Er sucht dadurch dahinterzukommen, dass er die Augen schließt. Und siehe da, indem er sie schließt, vernimmt er ganz verglimmend in der Ferne die Melodie einer Drehorgel und die just dasselbe spielt, was ihm vorgespielt worden ist, als er vor Jahrzehnten als ganz junger Mensch seine erste Quadrille getanzt hat; als er das Molluskenbuch dem Titel nach anschaute, hatte er gar keine Idee, warum er lachen musste, denn der Ton der Orgel war ganz verglimmend. Er hätte ihn nicht wahrgenommen, wenn er nicht die Augen geschlossen hätte.

[ 12 ] So ist er darauf gekommen, dass man erstens irgendwelche Äußerungen des eigenen Seelenlebens machen kann, ohne eigentlich, wenn man nicht besonders nachforscht, zu wissen, wie man dazu kommt, solche Offenbarungen seines Selbstes von sich zu geben wie sein Lächeln; dann zweitens ist er darauf gekommen, dass vor Jahrzehnten einmal, aber auch nur ganz leise, diese Melodie auf der Drehorgel einen Eindruck auf ihn gemacht hat, aber auch nur einen halb träumerischen; denn er wusste selbst, dass er dazumal nicht recht darauf achtgegeben hatte. Dennoch ist verbunden geblieben im unterbewussten Ich dieser damals leise verglimmend vernommene Ton der Drehorgel, und jetzt, wo er noch leiser anklingt, mischt er sich hinein ins Seelenleben als Reminiszenz und verursacht eine Offenbarung, der man erst nachforschen muss.

[ 12 ] So ist er darauf gekommen, dass man erstens irgendwelche Äußerungen des eigenen Seelenlebens machen kann, ohne eigentlich, wenn man nicht besonders nachforscht, zu wissen, wie man dazu kommt, solche Offenbarungen seines Selbstes von sich zu geben wie sein Lächeln; dann zweitens ist er darauf gekommen, dass vor Jahrzehnten einmal, aber auch nur ganz leise, diese Melodie auf der Drehorgel einen Eindruck auf ihn gemacht hat, aber auch nur einen halb träumerischen; denn er wusste selbst, dass er dazumal nicht recht darauf achtgegeben hatte. Dennoch ist verbunden geblieben im unterbewussten Ich dieser damals leise verglimmend vernommene Ton der Drehorgel, und jetzt, wo er noch leiser anklingt, mischt er sich hinein ins Seelenleben als Reminiszenz und verursacht eine Offenbarung, der man erst nachforschen muss.

[ 13 ] So ohne Weiteres mit rein naturwissenschaftlicher Methode kann man sich höchstens nähern demjenigen, was hinter einer solchen Tatsache liegt; aber an das wahre Wesen kann man doch nicht herandringen. Man wird sich sagen müssen: Was eigentlich lebt alles in diesem unterbewussten Seelenleben, was flutet da herauf in unbestimmter Weise, macht sich geltend und kann einen täuschen über das, was im Seelenleben eigentlich vorhanden ist? Und gar viele Menschen, die auf solche Dinge, wie sie jetzt angeführt worden sind, nicht achtgeben, die machen die Erfahrung, dass aus ihrem Seelenleben irgendetwas heraufkommt, das sie besonders interessiert, irgendetwas, was sie für eine besondere Erleuchtung halten. Sie fühlen sich als Träger einer großen Offenbarung, und dennoch kann diese große Offenbarung vielleicht nichts anderes sein als etwas Ähnliches wie die verglimmenden Töne der Drehorgel. Denn es hätte sich schr leicht durch irgendeine Ideenvergesellschaftung ergeben können, dass der Mann, der vor dem Molluskenbuch gestanden, als die Töne leise angeklungen haben, dass das sich verbunden hätte mit irgendetwas anderem.

[ 13 ] So ohne Weiteres mit rein naturwissenschaftlicher Methode kann man sich höchstens nähern demjenigen, was hinter einer solchen Tatsache liegt; aber an das wahre Wesen kann man doch nicht herandringen. Man wird sich sagen müssen: Was eigentlich lebt alles in diesem unterbewussten Seelenleben, was flutet da herauf in unbestimmter Weise, macht sich geltend und kann einen täuschen über das, was im Seelenleben eigentlich vorhanden ist? Und gar viele Menschen, die auf solche Dinge, wie sie jetzt angeführt worden sind, nicht achtgeben, die machen die Erfahrung, dass aus ihrem Seelenleben irgendetwas heraufkommt, das sie besonders interessiert, irgendetwas, was sie für eine besondere Erleuchtung halten. Sie fühlen sich als Träger einer großen Offenbarung, und dennoch kann diese große Offenbarung vielleicht nichts anderes sein als etwas Ähnliches wie die verglimmenden Töne der Drehorgel. Denn es hätte sich schr leicht durch irgendeine Ideenvergesellschaftung ergeben können, dass der Mann, der vor dem Molluskenbuch gestanden, als die Töne leise angeklungen haben, dass das sich verbunden hätte mit irgendetwas anderem.

[ 14 ] Und siehe da, es gibt schon Menschen der Gegenwart, die dazu geeignet sind, wenn auch nicht der Naturforscher — es hätte ein solcher Mensch dann glauben können, wenn sich vielleicht die Töne der Drehorgel verbunden hätten, nun, sagen wir, mit der Idee der Sphärenmusik, was auch hätte sein können, dass er gewürdigt worden wäre in diesem Fall, abzulenken den Blick von dem Buche zu der erhabenen Sphärenmusik. Es kann einem sehr leicht passieren, wenn man ein vorurteilsvoller Mystiker ist, dass man die Töne, die wieder anklingen von einer vor Jahrzehnten gehörten Drehorgel, mit der Sphärenmusik verwechselt oder mit anderen geistigen Offenbarungen.

[ 14 ] Und siehe da, es gibt schon Menschen der Gegenwart, die dazu geeignet sind, wenn auch nicht der Naturforscher — es hätte ein solcher Mensch dann glauben können, wenn sich vielleicht die Töne der Drehorgel verbunden hätten, nun, sagen wir, mit der Idee der Sphärenmusik, was auch hätte sein können, dass er gewürdigt worden wäre in diesem Fall, abzulenken den Blick von dem Buche zu der erhabenen Sphärenmusik. Es kann einem sehr leicht passieren, wenn man ein vorurteilsvoller Mystiker ist, dass man die Töne, die wieder anklingen von einer vor Jahrzehnten gehörten Drehorgel, mit der Sphärenmusik verwechselt oder mit anderen geistigen Offenbarungen.

[ 15 ] Daraus sieht man aber, dass es sich handeln müsse bei demjenigen, was wirkliche Geistesforschung ist, um etwas, was alle Vorsicht kennt, die notwendig ist, um auszuschließen das, was in so unbestimmter Weise durch das menschliche Seelenleben hindurchflutet und heraufkommen kann in einer unerklärlichen und zu allen möglichen Täuschungen leicht zu verleitenden Weise. Man muss sich sagen: Da flutet Verschiedenes, und wenn man das ins Auge fasst, was menschliches Gedächtnis ist, so sollten einem eigentlich bald einfallen alle einzelnen Möglichkeiten, von der gewöhnlichen trockenen, nüchternen Erinnerung an irgendetwas Bestimmtes, was man überschaut, bis zu den unbestimmten Reminiszenzen der Drehorgeltöne, hinter die man vielleicht gar nicht kommt, wenn man nicht die Augen schließt und der Sache nachgeht. Geisteswissenschaft muss sich bewusst sein, dass alles das, was also trügerisch an den Menschen herankommen kann, methodisch von ihr verarbeitet werden muss; dass ihr obliegt, gerade mit einer streng methodischen Arbeit an das menschliche Selbst heranzugehen, gerade den prinzipiellen Fragen der menschlichen Selbsterkenntnis gegenüber.

[ 15 ] Daraus sieht man aber, dass es sich handeln müsse bei demjenigen, was wirkliche Geistesforschung ist, um etwas, was alle Vorsicht kennt, die notwendig ist, um auszuschließen das, was in so unbestimmter Weise durch das menschliche Seelenleben hindurchflutet und heraufkommen kann in einer unerklärlichen und zu allen möglichen Täuschungen leicht zu verleitenden Weise. Man muss sich sagen: Da flutet Verschiedenes, und wenn man das ins Auge fasst, was menschliches Gedächtnis ist, so sollten einem eigentlich bald einfallen alle einzelnen Möglichkeiten, von der gewöhnlichen trockenen, nüchternen Erinnerung an irgendetwas Bestimmtes, was man überschaut, bis zu den unbestimmten Reminiszenzen der Drehorgeltöne, hinter die man vielleicht gar nicht kommt, wenn man nicht die Augen schließt und der Sache nachgeht. Geisteswissenschaft muss sich bewusst sein, dass alles das, was also trügerisch an den Menschen herankommen kann, methodisch von ihr verarbeitet werden muss; dass ihr obliegt, gerade mit einer streng methodischen Arbeit an das menschliche Selbst heranzugehen, gerade den prinzipiellen Fragen der menschlichen Selbsterkenntnis gegenüber.

[ 16 ] Und da darf ich darauf aufmerksam machen — ich habe schon, wie gesagt, vor einem Vierteljahrhundert die menschliche Willensfreiheit damals versucht ins Licht zu rücken — ich darf darauf aufmerksam machen, dass in das menschliche Seelenleben zwei Dinge hereinfluten, an denen man mit der Betrachtung einsetzen kann.

[ 16 ] Und da darf ich darauf aufmerksam machen — ich habe schon, wie gesagt, vor einem Vierteljahrhundert die menschliche Willensfreiheit damals versucht ins Licht zu rücken — ich darf darauf aufmerksam machen, dass in das menschliche Seelenleben zwei Dinge hereinfluten, an denen man mit der Betrachtung einsetzen kann.

[ 17 ] Gerade wenn man tief hineinkommen will in die menschliche Wesenheit, mag fluten in der unbestimmten Weise das, dem wir vielleicht gar nicht nachgehen können — ich habe auf solche Dinge sehr deutlich hingewiesen in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» —, mag sich immerhin solches Auf- und Abflutendes im menschlichen Seelenleben finden, man kommt dahinter: Dieses Auf- und Abflutende hängt zusammen mit unserer Organisation, und es bedarf wahrhaftig keiner allzu tiefgehenden Selbstbeobachtung, um sich zu sagen, in welch hohem Grade selbst von leiblichen Vorgängen und Dispositionen das abhängt, was vom Aufwachen bis zum Einschlafen die Seele durchflutet. Frei steigende Vorstellungen kommen und gehen, vergesellschaften sich mit anderen. Das macht unser Seelenleben aus.

[ 17 ] Gerade wenn man tief hineinkommen will in die menschliche Wesenheit, mag fluten in der unbestimmten Weise das, dem wir vielleicht gar nicht nachgehen können — ich habe auf solche Dinge sehr deutlich hingewiesen in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» —, mag sich immerhin solches Auf- und Abflutendes im menschlichen Seelenleben finden, man kommt dahinter: Dieses Auf- und Abflutende hängt zusammen mit unserer Organisation, und es bedarf wahrhaftig keiner allzu tiefgehenden Selbstbeobachtung, um sich zu sagen, in welch hohem Grade selbst von leiblichen Vorgängen und Dispositionen das abhängt, was vom Aufwachen bis zum Einschlafen die Seele durchflutet. Frei steigende Vorstellungen kommen und gehen, vergesellschaften sich mit anderen. Das macht unser Seelenleben aus.

[ 18 ] Aber eines flutet herein in dieses Seelenleben, das ja jedem Philosophen klar ist, jedem Menschen klar ist, wenn er darüber nachdenkt, aber das nicht immer in der richtigen Weise zum Bewusstsein gebracht wird, eines flutet herein, das zu einem Grundrätsel werden kann, so einfach es sich auch ausnimmt, das ist: Wir lassen ja gar nicht einfach die Vorstellungen, die sich in unserer Seele vergesellschaften wollen, in beliebiger Weise auf- und abfluten. Wir könnten unser Leben in entsprechender Weise gar nicht durch die Welt tragen, wenn wir uns also dem Spiel der Vorstellungen hingeben wollten. Wir machen immer etwas ganz Bestimmtes. Wir lassen in diesem Vorstellungsleben etwas hereinfluten, was die Vorstellungen bestimmt nach richtigen und unrichtigen Vorstellungen; wir lassen das kraftvolle, von Logik beherrschte Denken in unser Vorstellungsspiel hereinfluten, und gerade, wenn man auch nichts weiter treibt als eine ganz oberflächliche Selbstbeobachtung, so wird man dahinterkommen: Es ist ein radikaler, prinzipieller Unterschied zwischen dem einfachen Sich-Überlassen des Vorstellungsspieles und dem selbsttätigen Herrschen dieses Vorstellungsspieles durch das Denken, das sich nach Richtigem oder Unrichtigem bestimmt.

[ 18 ] Aber eines flutet herein in dieses Seelenleben, das ja jedem Philosophen klar ist, jedem Menschen klar ist, wenn er darüber nachdenkt, aber das nicht immer in der richtigen Weise zum Bewusstsein gebracht wird, eines flutet herein, das zu einem Grundrätsel werden kann, so einfach es sich auch ausnimmt, das ist: Wir lassen ja gar nicht einfach die Vorstellungen, die sich in unserer Seele vergesellschaften wollen, in beliebiger Weise auf- und abfluten. Wir könnten unser Leben in entsprechender Weise gar nicht durch die Welt tragen, wenn wir uns also dem Spiel der Vorstellungen hingeben wollten. Wir machen immer etwas ganz Bestimmtes. Wir lassen in diesem Vorstellungsleben etwas hereinfluten, was die Vorstellungen bestimmt nach richtigen und unrichtigen Vorstellungen; wir lassen das kraftvolle, von Logik beherrschte Denken in unser Vorstellungsspiel hereinfluten, und gerade, wenn man auch nichts weiter treibt als eine ganz oberflächliche Selbstbeobachtung, so wird man dahinterkommen: Es ist ein radikaler, prinzipieller Unterschied zwischen dem einfachen Sich-Überlassen des Vorstellungsspieles und dem selbsttätigen Herrschen dieses Vorstellungsspieles durch das Denken, das sich nach Richtigem oder Unrichtigem bestimmt.

[ 19 ] So einfach, so primitiv das ist, es muss der Ausgangspunkt jeder gesunden Selbstbetrachtung eigentlich sein. Wir müssen uns sagen: Hinauskommen über das, in das doch alle möglichen Täuschungen hereinspielen können, hinauskommen über dieses Vorstellungsspiel können wir gedanklich doch nur, wenn wir uns bewusst werden, dass ja alle möglichen falschen, irrtümlichen Vorstellungen ebenso ablaufen, durch streng naturwissenschaftlich bestimmbare Gesetze unseres Menschenwesens und Organismus, dass aber eingreift in das, was so durch den Organismus naturwissenschaftlich notwendig bedingt ist, Richtiges, Unrichtiges des Denkens, das nicht aus demselben Spiel der Vorstellungen kommen kann, das zeigt einfach eine gesunde Selbstbeobachtung. Ich habe das genauer ausgeführt in dem angeführten Buche.

[ 19 ] So einfach, so primitiv das ist, es muss der Ausgangspunkt jeder gesunden Selbstbetrachtung eigentlich sein. Wir müssen uns sagen: Hinauskommen über das, in das doch alle möglichen Täuschungen hereinspielen können, hinauskommen über dieses Vorstellungsspiel können wir gedanklich doch nur, wenn wir uns bewusst werden, dass ja alle möglichen falschen, irrtümlichen Vorstellungen ebenso ablaufen, durch streng naturwissenschaftlich bestimmbare Gesetze unseres Menschenwesens und Organismus, dass aber eingreift in das, was so durch den Organismus naturwissenschaftlich notwendig bedingt ist, Richtiges, Unrichtiges des Denkens, das nicht aus demselben Spiel der Vorstellungen kommen kann, das zeigt einfach eine gesunde Selbstbeobachtung. Ich habe das genauer ausgeführt in dem angeführten Buche.

[ 20 ] Das ist das eine, das uns die Frage vorlegt: Was flutet denn da eigentlich in unser Seelenleben herein, wenn wir gegenüber dem beliebigen Vorstellungsspiel das logischorientierte Denken, oder vielleicht, besser gesagt, das richtige und unrichtige Denken, das wirklichkeitsgemäße Denken geltend machen? Das ist die eine Frage. Wir wollen sie zunächst einmal den heutigen Betrachtungen als Frage zugrunde legen.

[ 20 ] Das ist das eine, das uns die Frage vorlegt: Was flutet denn da eigentlich in unser Seelenleben herein, wenn wir gegenüber dem beliebigen Vorstellungsspiel das logischorientierte Denken, oder vielleicht, besser gesagt, das richtige und unrichtige Denken, das wirklichkeitsgemäße Denken geltend machen? Das ist die eine Frage. Wir wollen sie zunächst einmal den heutigen Betrachtungen als Frage zugrunde legen.

[ 21 ] Die andere Frage ist diese: In unserem Handeln, in unserem Tun, in alledem, wodurch wir unser Eigenleben in das soziale, in das moralische, in das sittliche Dasein der Menschheit hineinführen, in dem machen sich zunächst, das zeigt eine gesunde Selbstbeobachtung, unsere Triebe, unsere Begierden, die unsern Willensimpulsen zugrunde liegen, geltend. Allein derjenige, der nicht stehen bleibt bei irgendwelchen Vorurteilen, der wird gewahr, dass man sich wenigstens annähert in Bezug auf das Handeln, auf das Tun, in Bezug auf die moralische Lebensführung demjenigen, das man etwa in der folgenden Weise charakterisieren kann — und dieses ist der andere Punkt, der uns an die heute zu besprechenden Lebensrätsel heranführt: Gewiss, bei den weitaus meisten Handlungen der Menschen liegen Triebe, Begierden, liegt eine irgendwie geartete Konstitution seines Selbstes zugrunde; aber es gibt doch solche Handlungen — wenigstens nähern wir uns ihnen, die wir, weil wir unvollkommene Menschen sind, niemals vollständig ausführen können; wir betrachten sie wenigstens als ein Ideal. Wir wissen: Der Mensch ist nur menschenwürdig, wenn er sein Handeln annähert einer solchen Handlungsweise, wie ich sie jetzt charakterisieren will. Es ist denkbar, dass wir zu dem, was wir tun sollen, nicht bestimmt werden — natürlich in den seltneren Fällen —, nicht bestimmt werden durch irgendeinen Trieb, sondern durch das Anschauen dessen, was durch uns geschehen soll. Es ist dies ein besonderes Gefühl, eine besondere Empfindung, die wir entwickeln können gegenüber dem, was durch uns geschehen soll.

[ 21 ] Die andere Frage ist diese: In unserem Handeln, in unserem Tun, in alledem, wodurch wir unser Eigenleben in das soziale, in das moralische, in das sittliche Dasein der Menschheit hineinführen, in dem machen sich zunächst, das zeigt eine gesunde Selbstbeobachtung, unsere Triebe, unsere Begierden, die unsern Willensimpulsen zugrunde liegen, geltend. Allein derjenige, der nicht stehen bleibt bei irgendwelchen Vorurteilen, der wird gewahr, dass man sich wenigstens annähert in Bezug auf das Handeln, auf das Tun, in Bezug auf die moralische Lebensführung demjenigen, das man etwa in der folgenden Weise charakterisieren kann — und dieses ist der andere Punkt, der uns an die heute zu besprechenden Lebensrätsel heranführt: Gewiss, bei den weitaus meisten Handlungen der Menschen liegen Triebe, Begierden, liegt eine irgendwie geartete Konstitution seines Selbstes zugrunde; aber es gibt doch solche Handlungen — wenigstens nähern wir uns ihnen, die wir, weil wir unvollkommene Menschen sind, niemals vollständig ausführen können; wir betrachten sie wenigstens als ein Ideal. Wir wissen: Der Mensch ist nur menschenwürdig, wenn er sein Handeln annähert einer solchen Handlungsweise, wie ich sie jetzt charakterisieren will. Es ist denkbar, dass wir zu dem, was wir tun sollen, nicht bestimmt werden — natürlich in den seltneren Fällen —, nicht bestimmt werden durch irgendeinen Trieb, sondern durch das Anschauen dessen, was durch uns geschehen soll. Es ist dies ein besonderes Gefühl, eine besondere Empfindung, die wir entwickeln können gegenüber dem, was durch uns geschehen soll.

[ 22 ] Gewiss, in den seltensten Fällen werden wir diese Empfindung haben können, aber wir haben sie eben als ein Ideal in uns und nähern uns ihm fortwährend. Es kann irgendetwas in der Außenwelt einen solchen Eindruck auf uns machen, dass wir uns sagen: Da muss eine Veränderung eintreten, da muss etwas geschehen, und es gibt dann, wenn wir mit gesunder Selbstbeobachtung dahinterkommen wollen, was nun in uns vorgeht, wenn wir uns so etwas sagen, nichts anderes zum Vergleich als das Gefühl, das wir haben, wenn wir einer Persönlichkeit gegenüberstehen, die selbstständig außer uns steht und die wir selbstlos lieben.

[ 22 ] Gewiss, in den seltensten Fällen werden wir diese Empfindung haben können, aber wir haben sie eben als ein Ideal in uns und nähern uns ihm fortwährend. Es kann irgendetwas in der Außenwelt einen solchen Eindruck auf uns machen, dass wir uns sagen: Da muss eine Veränderung eintreten, da muss etwas geschehen, und es gibt dann, wenn wir mit gesunder Selbstbeobachtung dahinterkommen wollen, was nun in uns vorgeht, wenn wir uns so etwas sagen, nichts anderes zum Vergleich als das Gefühl, das wir haben, wenn wir einer Persönlichkeit gegenüberstehen, die selbstständig außer uns steht und die wir selbstlos lieben.

[ 23 ] Es schien mir vor 25 Jahren als besonders wichtig, einmal in einem philosophischen Buche zu protestieren gegen ein Vorurteil, das weit verbreitet ist. Dieses Vorurteil schließt sich zusammen in die Worte: Die Liebe macht blind. Ich habe geltend gemacht: Die Liebe macht sehend. Sie führt uns hinein in das, in das wir nicht hineinkommen, wenn wir nur egoistisch in unserem Selbst beschlossen bleiben, wenn wir imstande sind, uns so weit im eigenen Selbst aufzugeben, dass wir mit unseren Empfindungen, mit unseren Gefühlen in dem anderen leben und deshalb leben, weil wir die höchste Ehrfurcht haben vor der Selbstständigkeit des anderen Wesens, das wir nicht durch unsere Liebe anders machen wollen. Das ist nicht eine vollständige Liebe, die herumhantieren will an dem anderen Wesen, das es liebt, das andere Wesen anders haben will, als es ist, sondern das ist die rechte Liebe, dass man das Wesen liebt um dieses Wesens willen, sodass der Liebende aus sich herausgeht.

[ 23 ] Es schien mir vor 25 Jahren als besonders wichtig, einmal in einem philosophischen Buche zu protestieren gegen ein Vorurteil, das weit verbreitet ist. Dieses Vorurteil schließt sich zusammen in die Worte: Die Liebe macht blind. Ich habe geltend gemacht: Die Liebe macht sehend. Sie führt uns hinein in das, in das wir nicht hineinkommen, wenn wir nur egoistisch in unserem Selbst beschlossen bleiben, wenn wir imstande sind, uns so weit im eigenen Selbst aufzugeben, dass wir mit unseren Empfindungen, mit unseren Gefühlen in dem anderen leben und deshalb leben, weil wir die höchste Ehrfurcht haben vor der Selbstständigkeit des anderen Wesens, das wir nicht durch unsere Liebe anders machen wollen. Das ist nicht eine vollständige Liebe, die herumhantieren will an dem anderen Wesen, das es liebt, das andere Wesen anders haben will, als es ist, sondern das ist die rechte Liebe, dass man das Wesen liebt um dieses Wesens willen, sodass der Liebende aus sich herausgeht.

[ 24 ] So, wie wir das Gefühl der Liebe haben können gegenüber dem anderen Menschen, der ganz abgesondert ist von uns, den wir dann gerade recht lieben, wenn wir uns bewusst sind, dass er abgesondert ist für sich, dass wir mit nichts, was mit unserem Egoismus zusammenhängt, einen Einfluss haben wollen, dass wir ihn um seinetwillen lieben, nicht um unseretwillen, wenn wir dieses Gefühl haben, so ist es zweifellos das Ideal der Liebe, jener Liebe, von der ich glaube eben, dass sie nicht blind, sondern sehend macht. Und diese Liebe kann auch entfaltet werden gegenüber einer Handlung, gegenüber dem, was zu tun ist, wenn wir uns rein der Anschauung dieser Handlung hingeben. Unter den mannigfaltigen Handlungen, die aus unseren Trieben, Begierden herausfließen, sind auch solche, bei denen wir uns wenigstens nähern dem Impulse, der rein aus Liebe zur Handlung dasjenige vollführt, was er unternimmt.

[ 24 ] So, wie wir das Gefühl der Liebe haben können gegenüber dem anderen Menschen, der ganz abgesondert ist von uns, den wir dann gerade recht lieben, wenn wir uns bewusst sind, dass er abgesondert ist für sich, dass wir mit nichts, was mit unserem Egoismus zusammenhängt, einen Einfluss haben wollen, dass wir ihn um seinetwillen lieben, nicht um unseretwillen, wenn wir dieses Gefühl haben, so ist es zweifellos das Ideal der Liebe, jener Liebe, von der ich glaube eben, dass sie nicht blind, sondern sehend macht. Und diese Liebe kann auch entfaltet werden gegenüber einer Handlung, gegenüber dem, was zu tun ist, wenn wir uns rein der Anschauung dieser Handlung hingeben. Unter den mannigfaltigen Handlungen, die aus unseren Trieben, Begierden herausfließen, sind auch solche, bei denen wir uns wenigstens nähern dem Impulse, der rein aus Liebe zur Handlung dasjenige vollführt, was er unternimmt.

[ 25 ] Hier ist der andere Punkt, den ich dazumal in meiner «Philosophie der Freiheit» so charakterisiert habe, dass ich sagte: Derjenige, der sich nun die Idee der Freiheit vor Augen stellt, kommt bald dahinter, dass frei eine Handlung nur sein kann, die in solcher Art aus dem Impuls der Liebe zur Handlung hervorgeht. Das ist zunächst allerdings nur als eine Beobachtung hinzunehmen; aber diese liefert die Möglichkeit, sich zunächst wenigstens eine Vorstellung zu machen über das, was eine freie Handlung sein kann. Man kommt dahinter, dass man nicht befugt ist, andere Handlungen als freie zu bezeichnen. Und es entsteht nur die Frage, ob es möglich ist, dass solche Handlungen in das menschliche Leben hereintreten, ob es möglich ist, dass Handlungen aus Liebe im Menschenleben sich verwirklichen können. Dann können wir, wenn wir anerkennen können, dass Handlungen aus Liebe im Menschenleben sich verwirklichen können, den Menschen vielleicht nicht frei nennen in Bezug auf seine ganze Wesenheit; aber wir können sagen: Der Mensch ist sich nähernd der Freiheit, in dem Maße sich nähernd, als er umgestaltet immer mehr und mehr seine Handlungen so, dass sie Handlungen aus Liebe werden.

[ 25 ] Hier ist der andere Punkt, den ich dazumal in meiner «Philosophie der Freiheit» so charakterisiert habe, dass ich sagte: Derjenige, der sich nun die Idee der Freiheit vor Augen stellt, kommt bald dahinter, dass frei eine Handlung nur sein kann, die in solcher Art aus dem Impuls der Liebe zur Handlung hervorgeht. Das ist zunächst allerdings nur als eine Beobachtung hinzunehmen; aber diese liefert die Möglichkeit, sich zunächst wenigstens eine Vorstellung zu machen über das, was eine freie Handlung sein kann. Man kommt dahinter, dass man nicht befugt ist, andere Handlungen als freie zu bezeichnen. Und es entsteht nur die Frage, ob es möglich ist, dass solche Handlungen in das menschliche Leben hereintreten, ob es möglich ist, dass Handlungen aus Liebe im Menschenleben sich verwirklichen können. Dann können wir, wenn wir anerkennen können, dass Handlungen aus Liebe im Menschenleben sich verwirklichen können, den Menschen vielleicht nicht frei nennen in Bezug auf seine ganze Wesenheit; aber wir können sagen: Der Mensch ist sich nähernd der Freiheit, in dem Maße sich nähernd, als er umgestaltet immer mehr und mehr seine Handlungen so, dass sie Handlungen aus Liebe werden.

[ 26 ] Nun kommt man aber, wenn man hingestellt hat diese beiden Dinge vor sich, die ich charakterisiert habe, man kommt ihnen nicht bei, wenn man eine bloß äußerliche Vorstellungs- und Begriffsbetrachtung anstellt. Man kommt ihnen erst bei mit den geisteswissenschaftlichen Methoden, die ich nun zu schildern habe.

[ 26 ] Nun kommt man aber, wenn man hingestellt hat diese beiden Dinge vor sich, die ich charakterisiert habe, man kommt ihnen nicht bei, wenn man eine bloß äußerliche Vorstellungs- und Begriffsbetrachtung anstellt. Man kommt ihnen erst bei mit den geisteswissenschaftlichen Methoden, die ich nun zu schildern habe.

[ 27 ] Ich habe die ausführliche Charakteristik dessen, was die Seele durchzumachen hat — man nenne es meinetwegen Übungen —, um wirklich hineinzuschauen in die geistige Welt, wie man mit den physischen Augen in die sinnliche Welt hineinsieht, ich habe sie charakterisiert in meinen verschiedenen Büchern; ich will aber heute auf einen Punkt aufmerksam machen, der insbesondere geeignet ist, auf die beiden charakterisierten Fragen Licht zu werfen. Ich habe darauf hingewiesen, dass die erste Stufe der geistigen Erkenntnis genannt werden kann imaginative Erkenntnis, imaginatives Anschauen der Umwelt. Dieses ist im gewöhnlichen Bewusstsein zunächst nicht vorhanden. Ich verstehe unter Imagination hier nicht etwas, was bloß der Phantasie entspringt, sondern etwas, was zwar nicht in eine physische, aber in eine geistige Wirklichkeit hineinführt. Diese imaginative Erkenntnis ist die erste Stufe, wenn der Ausdruck nicht so durch Aberglauben missbraucht wäre, könnte man sagen, die erste Stufe wahrer hellsichtiger Erkenntnis; ich will aber sagen, es ist die erste Stufe des schauenden Bewusstseins, wie ich es in meinem Buche «Vom Menschenrätsel» genannt habe.

[ 27 ] Ich habe die ausführliche Charakteristik dessen, was die Seele durchzumachen hat — man nenne es meinetwegen Übungen —, um wirklich hineinzuschauen in die geistige Welt, wie man mit den physischen Augen in die sinnliche Welt hineinsieht, ich habe sie charakterisiert in meinen verschiedenen Büchern; ich will aber heute auf einen Punkt aufmerksam machen, der insbesondere geeignet ist, auf die beiden charakterisierten Fragen Licht zu werfen. Ich habe darauf hingewiesen, dass die erste Stufe der geistigen Erkenntnis genannt werden kann imaginative Erkenntnis, imaginatives Anschauen der Umwelt. Dieses ist im gewöhnlichen Bewusstsein zunächst nicht vorhanden. Ich verstehe unter Imagination hier nicht etwas, was bloß der Phantasie entspringt, sondern etwas, was zwar nicht in eine physische, aber in eine geistige Wirklichkeit hineinführt. Diese imaginative Erkenntnis ist die erste Stufe, wenn der Ausdruck nicht so durch Aberglauben missbraucht wäre, könnte man sagen, die erste Stufe wahrer hellsichtiger Erkenntnis; ich will aber sagen, es ist die erste Stufe des schauenden Bewusstseins, wie ich es in meinem Buche «Vom Menschenrätsel» genannt habe.

[ 28 ] Ich werde zu schildern haben, wie man zu dieser ersten Stufe des Hineinschauens in die geistige Welt kommt. Da handelt es sich zunächst darum, dass man wirklich ausschließt alles das, was kommen kann, nun, sagen wir — Sie werden schon verstehen, was ich meine —, von der Drehorgel, die man vor Jahrzehnten gehört hat. Alles, was in dieser Weise durch Reminiszenzen, durch vielleicht noch so verborgene Erinnerungsreflexe in unserem Bewusstsein auftauchen kann, das muss ausgeschlossen sein, wenn man den Weg in die geistige Welt hineingehen will. Daher hat man notwendig, etwas in das Bewusstsein hineinzustellen, das nicht durch das freie Spiel der Vorstellungen kommt, sondern das so kommt in das Bewusstsein, wie es sich sonst hereinstellt in das Bewusstsein, wenn wir sagen: Irgendeine Vorstellung, die auch aus unserer Organisation fließt, ist falsch oder richtig. Wie das wirklich auf sich gestellte, nach Richtigkeit oder Unrichtigkeit gehende Denken hereinstellt in das Seelenleben seine Inhalte, so muss derjenige, der Geistesforscher werden will, sein Bewusstsein einstellen mit solchen Inhalten, die nicht trügen können, weil sie überschaubar sind.

[ 28 ] Ich werde zu schildern haben, wie man zu dieser ersten Stufe des Hineinschauens in die geistige Welt kommt. Da handelt es sich zunächst darum, dass man wirklich ausschließt alles das, was kommen kann, nun, sagen wir — Sie werden schon verstehen, was ich meine —, von der Drehorgel, die man vor Jahrzehnten gehört hat. Alles, was in dieser Weise durch Reminiszenzen, durch vielleicht noch so verborgene Erinnerungsreflexe in unserem Bewusstsein auftauchen kann, das muss ausgeschlossen sein, wenn man den Weg in die geistige Welt hineingehen will. Daher hat man notwendig, etwas in das Bewusstsein hineinzustellen, das nicht durch das freie Spiel der Vorstellungen kommt, sondern das so kommt in das Bewusstsein, wie es sich sonst hereinstellt in das Bewusstsein, wenn wir sagen: Irgendeine Vorstellung, die auch aus unserer Organisation fließt, ist falsch oder richtig. Wie das wirklich auf sich gestellte, nach Richtigkeit oder Unrichtigkeit gehende Denken hereinstellt in das Seelenleben seine Inhalte, so muss derjenige, der Geistesforscher werden will, sein Bewusstsein einstellen mit solchen Inhalten, die nicht trügen können, weil sie überschaubar sind.

[ 29 ] Was versteht man unter solchen überschaubaren Inhalten? Überschaubare Inhalte sind diejenigen, die einem entweder ein anderer oder man selbst sich so zusammengestellt hat, dass man im Moment, wo man sie hereinnimmt ins Bewusstsein, ganz klar darüber ist: diese Zusammenstellung von bildlichen Inhalten — bei reinen Gedanken geht es nicht gut, weil die immer etwas von Reminiszenzen gefärbt sein können —, von Bildern, die man selbst geformt oder die einem geformt sind von anderen in das Bewusstsein, deren Zusammenfügung man genau überschaut. Auf das kommt es an, in geduldigem, energischem, ruhigem Sich-Hingeben an solche Vorstellungen, die man in dieser Weise zusammengestellt hat. Dabei kommt es nicht bei solchen Vorstellungen darauf an, ob sie etwas Wirkliches ausdrücken — denn nicht darauf ist Wert zu legen, was diese Vorstellungen bedeuten, sondern darauf, was man für eine innere Seelentätigkeit entwickelt, indem man sich solchen Vorstellungen hingibt.

[ 29 ] Was versteht man unter solchen überschaubaren Inhalten? Überschaubare Inhalte sind diejenigen, die einem entweder ein anderer oder man selbst sich so zusammengestellt hat, dass man im Moment, wo man sie hereinnimmt ins Bewusstsein, ganz klar darüber ist: diese Zusammenstellung von bildlichen Inhalten — bei reinen Gedanken geht es nicht gut, weil die immer etwas von Reminiszenzen gefärbt sein können —, von Bildern, die man selbst geformt oder die einem geformt sind von anderen in das Bewusstsein, deren Zusammenfügung man genau überschaut. Auf das kommt es an, in geduldigem, energischem, ruhigem Sich-Hingeben an solche Vorstellungen, die man in dieser Weise zusammengestellt hat. Dabei kommt es nicht bei solchen Vorstellungen darauf an, ob sie etwas Wirkliches ausdrücken — denn nicht darauf ist Wert zu legen, was diese Vorstellungen bedeuten, sondern darauf, was man für eine innere Seelentätigkeit entwickelt, indem man sich solchen Vorstellungen hingibt.

[ 30 ] Sagen wir zum Beispiel: Jemand gibt sich der Vorstellung hin, von der man von vornherein überzeugt ist, sie ist eine bloß bildliche Vorstellung, aber solche bildliche Vorstellungen müssen vermehrt werden; er gibt sich der Vorstellung hin: «Geist des Weltalls leuchtet aus der Sonne». Ganz gewiss nichts, was man in irgendeinem Sinne zunächst «wirklich» nennen kann, aber etwas, was man überschauen kann in seiner Zusammenfügung, an dem man gewahr werden kann, wie sich die Seele betätigt an so etwas. Diejenigen die sich im Laufe der Menschheitsentwicklung — und es hat immer solche Menschen gegeben in abgeschlossenen Kreisen — damit beschäftigt haben, Menschen den Weg in die geistige Welt zu zeigen, sie haben sorgfältig ausgearbeitet solche bildliche Vorstellungen, und Sie werden sich, wenn Sie sich auf die Literatur dieses Gebietes einlassen, überzeugen können, dass gewisse Kreise, welche schulen möchten diejenigen, die sich ihnen anschließen für den Weg in die geistige Welt hinein, vielleicht über manches aus gewissen Gründen Schweigen bewahren; aber das intensivste, energischste Schweigen bewahren sie gerade über das, was sie so zusammengestellt haben an Vorstellungen, in die sich die Seele vertiefen soll, um zum imaginativen Erkennen zu kommen. Und sie betrachten in dem Augenblick, wo solche Vorstellungen verraten sind, es als notwendig, sie durch andere zu ersetzen. Warum?

[ 30 ] Sagen wir zum Beispiel: Jemand gibt sich der Vorstellung hin, von der man von vornherein überzeugt ist, sie ist eine bloß bildliche Vorstellung, aber solche bildliche Vorstellungen müssen vermehrt werden; er gibt sich der Vorstellung hin: «Geist des Weltalls leuchtet aus der Sonne». Ganz gewiss nichts, was man in irgendeinem Sinne zunächst «wirklich» nennen kann, aber etwas, was man überschauen kann in seiner Zusammenfügung, an dem man gewahr werden kann, wie sich die Seele betätigt an so etwas. Diejenigen die sich im Laufe der Menschheitsentwicklung — und es hat immer solche Menschen gegeben in abgeschlossenen Kreisen — damit beschäftigt haben, Menschen den Weg in die geistige Welt zu zeigen, sie haben sorgfältig ausgearbeitet solche bildliche Vorstellungen, und Sie werden sich, wenn Sie sich auf die Literatur dieses Gebietes einlassen, überzeugen können, dass gewisse Kreise, welche schulen möchten diejenigen, die sich ihnen anschließen für den Weg in die geistige Welt hinein, vielleicht über manches aus gewissen Gründen Schweigen bewahren; aber das intensivste, energischste Schweigen bewahren sie gerade über das, was sie so zusammengestellt haben an Vorstellungen, in die sich die Seele vertiefen soll, um zum imaginativen Erkennen zu kommen. Und sie betrachten in dem Augenblick, wo solche Vorstellungen verraten sind, es als notwendig, sie durch andere zu ersetzen. Warum?

[ 31 ] Nun, denken Sie sich, es schließt sich jemand einem Kreis an, der ihm sagt, es soll ihm der Weg in die geistige Welt hinein gezeigt werden, da werden ihm zunächst Bilder vorgelegt, Bilder, die er noch nie gedacht hat oder noch nicht haben soll wenigstens, denen er sich in vollständig neuer Seelentätigkeit hingibt. Dann dürfen sie ihm nicht bisher vorgelegen haben. Was aber einmal veröffentlicht ist, das dringt durch manche Kanäle zu den Menschen. Es soll ein erstes Mal an den Menschen herantreten. Es soll nicht möglich sein, dass irgendwelche Reminiszenzen wirken oder dergleichen. Es soll klar sein, dass die Seele unmittelbar an die Sache herantritt.

[ 31 ] Nun, denken Sie sich, es schließt sich jemand einem Kreis an, der ihm sagt, es soll ihm der Weg in die geistige Welt hinein gezeigt werden, da werden ihm zunächst Bilder vorgelegt, Bilder, die er noch nie gedacht hat oder noch nicht haben soll wenigstens, denen er sich in vollständig neuer Seelentätigkeit hingibt. Dann dürfen sie ihm nicht bisher vorgelegen haben. Was aber einmal veröffentlicht ist, das dringt durch manche Kanäle zu den Menschen. Es soll ein erstes Mal an den Menschen herantreten. Es soll nicht möglich sein, dass irgendwelche Reminiszenzen wirken oder dergleichen. Es soll klar sein, dass die Seele unmittelbar an die Sache herantritt.

[ 32 ] Wenn man in Geduld und Ausdauer solche, namentlich bildhafte Vorstellungen in sich aufnimmt und gewahr wird, wie man innerlich zu arbeiten hat, um diese Bilder immer wieder und wieder im Bewusstsein zu halten, um sich ihnen hinzugeben in einer Art, wie man es als richtige Meditation bezeichnen kann, dann wird man gewahr, dass zu einem solchen inneren Seelenbetätigen eine stärkere innere Kraft nötig ist als zum gewöhnlichen Denken, bei dem uns der Verlauf der äußeren Wahrnehmungswelt leitet, bei dem wir uns passiv hingeben können an die äußere Wahrnehmungswelt.

[ 32 ] Wenn man in Geduld und Ausdauer solche, namentlich bildhafte Vorstellungen in sich aufnimmt und gewahr wird, wie man innerlich zu arbeiten hat, um diese Bilder immer wieder und wieder im Bewusstsein zu halten, um sich ihnen hinzugeben in einer Art, wie man es als richtige Meditation bezeichnen kann, dann wird man gewahr, dass zu einem solchen inneren Seelenbetätigen eine stärkere innere Kraft nötig ist als zum gewöhnlichen Denken, bei dem uns der Verlauf der äußeren Wahrnehmungswelt leitet, bei dem wir uns passiv hingeben können an die äußere Wahrnehmungswelt.

[ 33 ] Eine größere Anstrengung ist notwendig, wenn wir auf gewissen Gebieten der imaginativen Erkenntnis uns hingeben gewissen Vorstellungen, die kein äußeres Korrelat haben; aber das muss noch weiter ausgebildet werden. Der Mensch muss in die Lage kommen, nicht hinzuschauen, durch keinen Sinn, auf irgendetwas, was er sinnlich wahrnimmt, und da allein hingegeben sein einer solchen Vorstellung, die er überschaut, wo er gewahr wird nur dasjenige, was in der unmittelbaren Gegenwart als begrenzte Seelentätigkeit in ihm ist, wo nichts hereinspielen kann von irgendwelchen Reminiszenzen.

[ 33 ] Eine größere Anstrengung ist notwendig, wenn wir auf gewissen Gebieten der imaginativen Erkenntnis uns hingeben gewissen Vorstellungen, die kein äußeres Korrelat haben; aber das muss noch weiter ausgebildet werden. Der Mensch muss in die Lage kommen, nicht hinzuschauen, durch keinen Sinn, auf irgendetwas, was er sinnlich wahrnimmt, und da allein hingegeben sein einer solchen Vorstellung, die er überschaut, wo er gewahr wird nur dasjenige, was in der unmittelbaren Gegenwart als begrenzte Seelentätigkeit in ihm ist, wo nichts hereinspielen kann von irgendwelchen Reminiszenzen.

[ 34 ] Ein Merkwürdiges tritt ein. Dasjenige, was da durchzumachen ist, erfordert ja oftmals eine Arbeit von Jahren und Jahren. Man stellt sich so gewöhnlich vor, Geisteswissenschaft wäre etwas, was jeder entwickeln kann aus irgendwelchen Begriffen heraus. Nein, Geisteswissenschaft ist nicht leichter als diejenige Wissenschaft, die als Physiologie, Chemie, Biologie, Anatomie, Geschichte figuriert, sondern Geisteswissenschaft erfordert eine hingebungsvolle Arbeit, die viel schwieriger ist als jede Arbeit irgendeiner äußeren Wissenschaft, wenn Geisteswissenschaft wirklich in die geistige Welt hineinführen soll, wenn es sich nicht um ein mystisches Spiel handeln soll.

[ 34 ] Ein Merkwürdiges tritt ein. Dasjenige, was da durchzumachen ist, erfordert ja oftmals eine Arbeit von Jahren und Jahren. Man stellt sich so gewöhnlich vor, Geisteswissenschaft wäre etwas, was jeder entwickeln kann aus irgendwelchen Begriffen heraus. Nein, Geisteswissenschaft ist nicht leichter als diejenige Wissenschaft, die als Physiologie, Chemie, Biologie, Anatomie, Geschichte figuriert, sondern Geisteswissenschaft erfordert eine hingebungsvolle Arbeit, die viel schwieriger ist als jede Arbeit irgendeiner äußeren Wissenschaft, wenn Geisteswissenschaft wirklich in die geistige Welt hineinführen soll, wenn es sich nicht um ein mystisches Spiel handeln soll.

[ 35 ] Das, was da auftritt, das ist, dass man zunächst wirklich dahinterkommt, man stehe mit seinem Selbst immer mehr und mehr in einem Wesen darinnen, in dem man sonst nicht darinnen gestanden hat; man merkt zunächst immer mehr und mehr — man muss eben die Erfahrung machen —: Du wirst unabhängig von dem, was du sonst erlebst durch deinen Leib, du wirst unabhängiger in deiner Tätigkeit. Wer dieses nicht erlebt hat, der kann es eigentlich im Grunde genommen nicht kritisch irgendwie betrachten; wer es aber erlebt hat, der weiß, dass ebenso wahr, wie man durch Elektrolyse Wasser trennen kann in Wasserstoff und Sauerstoff, dass ebenso wahr getrennt werden kann das innere Erleben des Selbstes von dem, was sonst im wachenden Bewusstsein vom Aufwachen bis zum Einschlafen nur mithilfe der leiblichen Organisation eigentlich erlebt wird.

[ 35 ] Das, was da auftritt, das ist, dass man zunächst wirklich dahinterkommt, man stehe mit seinem Selbst immer mehr und mehr in einem Wesen darinnen, in dem man sonst nicht darinnen gestanden hat; man merkt zunächst immer mehr und mehr — man muss eben die Erfahrung machen —: Du wirst unabhängig von dem, was du sonst erlebst durch deinen Leib, du wirst unabhängiger in deiner Tätigkeit. Wer dieses nicht erlebt hat, der kann es eigentlich im Grunde genommen nicht kritisch irgendwie betrachten; wer es aber erlebt hat, der weiß, dass ebenso wahr, wie man durch Elektrolyse Wasser trennen kann in Wasserstoff und Sauerstoff, dass ebenso wahr getrennt werden kann das innere Erleben des Selbstes von dem, was sonst im wachenden Bewusstsein vom Aufwachen bis zum Einschlafen nur mithilfe der leiblichen Organisation eigentlich erlebt wird.

[ 36 ] Man lernt jetzt kennen, was es heißt, im Geist darin leben. Reicher wird dieses Ichgefühl, das Ichbewusstsein. Das Ichbewusstsein ist gewissermaßen sonst in einem Punkt, den wir als Ich bezeichnen, zusammengedrängt; jetzt aber wird es reicher, es wird umso reicher, je weiter wir vorwärtsdringen in diesem imaginativen Erkennen. Aber man merkt zuletzt eines: So weit man auch nur immer dieses imaginative Erkennen treibt, in eine geistige Welt hinein führt es noch nicht unmittelbar. Das ist das Wichtige. So wenig, wie, wenn man ein Auge hat, ohne dass dieses Auge die Welt anschaut, das Auge in eine Welt hineinführt, so wenig führt die bloße imaginative meditative Meditation in die geistige Welt hinein. Man gibt sich dieser imaginativen Meditation auch gar nicht aus dem Grunde hin, um irgendetwas außen zu erkennen, sondern um das Selbst zu erkraften, zu erstarken. Und das beginnt bei einem gewissen Punkt der inneren Entwicklung, dass sich dieses Selbst nicht mehr leiblich, sondern geistig fühlt, in seinem inneren Erleben geistig fühlt.

[ 36 ] Man lernt jetzt kennen, was es heißt, im Geist darin leben. Reicher wird dieses Ichgefühl, das Ichbewusstsein. Das Ichbewusstsein ist gewissermaßen sonst in einem Punkt, den wir als Ich bezeichnen, zusammengedrängt; jetzt aber wird es reicher, es wird umso reicher, je weiter wir vorwärtsdringen in diesem imaginativen Erkennen. Aber man merkt zuletzt eines: So weit man auch nur immer dieses imaginative Erkennen treibt, in eine geistige Welt hinein führt es noch nicht unmittelbar. Das ist das Wichtige. So wenig, wie, wenn man ein Auge hat, ohne dass dieses Auge die Welt anschaut, das Auge in eine Welt hineinführt, so wenig führt die bloße imaginative meditative Meditation in die geistige Welt hinein. Man gibt sich dieser imaginativen Meditation auch gar nicht aus dem Grunde hin, um irgendetwas außen zu erkennen, sondern um das Selbst zu erkraften, zu erstarken. Und das beginnt bei einem gewissen Punkt der inneren Entwicklung, dass sich dieses Selbst nicht mehr leiblich, sondern geistig fühlt, in seinem inneren Erleben geistig fühlt.

[ 37 ] Das muss erfahren werden. Notwendig ist, sehr verehrte Anwesende, damit dieses Erfahren richtig sich einstellt, dass der Mensch unterscheiden lerne dasjenige, was ich jetzt als Imagination charakterisiert habe, von der bloßen Vision auf der einen Seite und dem bloßen Phantasiebild auf der anderen Seite. Die Vision ist immer körperlich bedingt; sie bildet für die Geisteswissenschaft nichts, was irgendwie verwendet werden kann; denn sie flutet herauf aus der leiblichen Organisation, wenn auch dieses Herauffluten noch so verborgen ist in seinem Entstehen. An dem Zustandekommen der Vision ist der Mensch nicht in seinem Bewusstsein beteiligt. So etwas sucht Geisteswissenschaft nicht.

[ 37 ] Das muss erfahren werden. Notwendig ist, sehr verehrte Anwesende, damit dieses Erfahren richtig sich einstellt, dass der Mensch unterscheiden lerne dasjenige, was ich jetzt als Imagination charakterisiert habe, von der bloßen Vision auf der einen Seite und dem bloßen Phantasiebild auf der anderen Seite. Die Vision ist immer körperlich bedingt; sie bildet für die Geisteswissenschaft nichts, was irgendwie verwendet werden kann; denn sie flutet herauf aus der leiblichen Organisation, wenn auch dieses Herauffluten noch so verborgen ist in seinem Entstehen. An dem Zustandekommen der Vision ist der Mensch nicht in seinem Bewusstsein beteiligt. So etwas sucht Geisteswissenschaft nicht.

[ 38 ] Ebenso wenig sucht Geisteswissenschaft dasjenige, was bloße Phantasievorstellung ist; denn dasjenige, was er übt, wird auf die charakterisierte Weise — das bleibt nicht Phantasievorstellung, sondern das verdichtet sich —, das wird innere Wirklichkeit, und man merkt, dass man von einem bestimmten Punkte der Entwicklung ab nicht mehr kann Bild an Bild reihen, sondern dass sich von selbst Bild an Bild reiht. Man merkt, es wird mit diesem inneren Erleben in der Imagination nach und nach so, wie es außen in der Welt mit den Gegenständen ist. Sie können einen Stuhl auf einen Tisch stellen — das entspricht der äußeren Gesetzmäßigkeit, sie können aber nicht einen Stuhl in freier Luft schweben lassen. Die Außendinge in ihren gegenseitigen Verhältnissen erfordern, wenn wir mit ihnen handeln wollen, dass wir uns den äußeren Gesetzen fügen. So stößt man, indem man Imagination entwickelt, in einem bestimmten Punkte daran, dass man innerlich gar nicht mehr kann in beliebiger Weise Bild an Bild reihen, sondern dass man muss dasjenige an das andere ansetzen, was mit eben solcher Notwendigkeit angesetzt werden muss, wie der Stuhl auf den Tisch gestellt werden muss. Man erlebt innere geistige Notwendigkeit.

[ 38 ] Ebenso wenig sucht Geisteswissenschaft dasjenige, was bloße Phantasievorstellung ist; denn dasjenige, was er übt, wird auf die charakterisierte Weise — das bleibt nicht Phantasievorstellung, sondern das verdichtet sich —, das wird innere Wirklichkeit, und man merkt, dass man von einem bestimmten Punkte der Entwicklung ab nicht mehr kann Bild an Bild reihen, sondern dass sich von selbst Bild an Bild reiht. Man merkt, es wird mit diesem inneren Erleben in der Imagination nach und nach so, wie es außen in der Welt mit den Gegenständen ist. Sie können einen Stuhl auf einen Tisch stellen — das entspricht der äußeren Gesetzmäßigkeit, sie können aber nicht einen Stuhl in freier Luft schweben lassen. Die Außendinge in ihren gegenseitigen Verhältnissen erfordern, wenn wir mit ihnen handeln wollen, dass wir uns den äußeren Gesetzen fügen. So stößt man, indem man Imagination entwickelt, in einem bestimmten Punkte daran, dass man innerlich gar nicht mehr kann in beliebiger Weise Bild an Bild reihen, sondern dass man muss dasjenige an das andere ansetzen, was mit eben solcher Notwendigkeit angesetzt werden muss, wie der Stuhl auf den Tisch gestellt werden muss. Man erlebt innere geistige Notwendigkeit.

[ 39 ] Das ist ein bedeutungsvoller Punkt auf dem Wege der Geistesforschung. Dazu ist allerdings notwendig, dass man in jedem Punkte dieses inneren Vorganges des Suchens nach der Imagination auch mit seinem Bewusstsein dabei ist. Alles, was zu Hypnose, Suggestion führen könnte, muss ausgeschlossen sein. Bei der Meditation muss man Schritt für Schritt dabei sein. Unsinnig wäre es, Geisteswissenschaft zu suchen durch etwa Kristallschauerei oder Hinschauen auf glänzende Gegenstände. Das würde zum Gegenteil der Seelenstimmung führen, die gesucht werden muss, um mit vollem Bewusstsein in die geistige Welt unterzutauchen.

[ 39 ] Das ist ein bedeutungsvoller Punkt auf dem Wege der Geistesforschung. Dazu ist allerdings notwendig, dass man in jedem Punkte dieses inneren Vorganges des Suchens nach der Imagination auch mit seinem Bewusstsein dabei ist. Alles, was zu Hypnose, Suggestion führen könnte, muss ausgeschlossen sein. Bei der Meditation muss man Schritt für Schritt dabei sein. Unsinnig wäre es, Geisteswissenschaft zu suchen durch etwa Kristallschauerei oder Hinschauen auf glänzende Gegenstände. Das würde zum Gegenteil der Seelenstimmung führen, die gesucht werden muss, um mit vollem Bewusstsein in die geistige Welt unterzutauchen.

[ 40 ] Diese Seelenstimmung, von der ich eben sprach, ist heute in weitesten Kreisen noch wenig bekannt. Sie wird bekannt werden, indem die Menschheit nichts anderes wird können als das, was heute schon bei unzähligen Menschen unbewusster Drang, unbewusster Trieb ist, indem die Menschheit dazu kommen wird, zu verlangen, in einer strengen Weise in die höchsten Fragen des Seelenlebens anders noch heranzudringen, als man bisher an sie herandringen konnte. Dann aber, wenn man in bestimmter Weise, vielleicht nach langer Zeit, ganz methodisch innerlich ausgebildet hat dieses Imaginieren, dann muss man übergehen zu etwas, was ich so bezeichnen möchte, dass ich sage: Man muss die Imagination durchsichtig machen.

[ 40 ] Diese Seelenstimmung, von der ich eben sprach, ist heute in weitesten Kreisen noch wenig bekannt. Sie wird bekannt werden, indem die Menschheit nichts anderes wird können als das, was heute schon bei unzähligen Menschen unbewusster Drang, unbewusster Trieb ist, indem die Menschheit dazu kommen wird, zu verlangen, in einer strengen Weise in die höchsten Fragen des Seelenlebens anders noch heranzudringen, als man bisher an sie herandringen konnte. Dann aber, wenn man in bestimmter Weise, vielleicht nach langer Zeit, ganz methodisch innerlich ausgebildet hat dieses Imaginieren, dann muss man übergehen zu etwas, was ich so bezeichnen möchte, dass ich sage: Man muss die Imagination durchsichtig machen.

[ 41 ] Der Imagination gegenüber ist man nämlich in der folgenden Lage, in einer Lage, wie man wäre, einem Auge gegenüber wäre, das getrübt wäre; man sieht nicht durch es. Die Imaginationen hat man, um das Selbstbewusstsein geistig zu erstarken, eigentlich geistig zu erlangen. Das, was man für sich gewinnt, ist zunächst die Folge des imaginativen Lebens; aber man ist gewissermaßen blind für die geistige Umwelt. Die Imaginationen sind noch nicht durchsichtig; wie das Auge durchsichtig sein muss im Glaskörper, [so]dass die Außenwelt gesehen werden kann, so durchsichtig müssen die Imaginationen gestaltet werden. Das können wir dadurch [erreichen], dass wir immer mehr und mehr fortschreiten nicht bloß zum Bilden der Imaginationen, sondern zum inneren Erleben dieser Imaginationen.

[ 41 ] Der Imagination gegenüber ist man nämlich in der folgenden Lage, in einer Lage, wie man wäre, einem Auge gegenüber wäre, das getrübt wäre; man sieht nicht durch es. Die Imaginationen hat man, um das Selbstbewusstsein geistig zu erstarken, eigentlich geistig zu erlangen. Das, was man für sich gewinnt, ist zunächst die Folge des imaginativen Lebens; aber man ist gewissermaßen blind für die geistige Umwelt. Die Imaginationen sind noch nicht durchsichtig; wie das Auge durchsichtig sein muss im Glaskörper, [so]dass die Außenwelt gesehen werden kann, so durchsichtig müssen die Imaginationen gestaltet werden. Das können wir dadurch [erreichen], dass wir immer mehr und mehr fortschreiten nicht bloß zum Bilden der Imaginationen, sondern zum inneren Erleben dieser Imaginationen.

[ 42 ] Man gelangt dazu, in einem bestimmten Punkte seiner Entwicklung die Möglichkeit zu gewinnen, die Imaginationen nicht nur in das Bewusstsein zu rufen, sondern sie auch wieder wegzuschaffen, sie zu unterdrücken in beliebiger Weise. Dann aber sie nicht nur zu unterdrücken, sondern indem man sie unterdrückt, sind sie fort. Aber an ihre Stelle tritt etwas anderes. Die Imagination hat einen vorbereitet, hat bloß das eigene Selbst geeignet gemacht, dass etwas anderes in es hereintritt. Wenn man imstande ist, die Imaginationen durchsichtig zu machen, dann sieht man, wie man durch die Glasflüssigkeit des Auges zu dem sichtbaren Gegenstand sicht, hinein in die geistige Welt, man gelangt zu dem geistigen Schauen.

[ 42 ] Man gelangt dazu, in einem bestimmten Punkte seiner Entwicklung die Möglichkeit zu gewinnen, die Imaginationen nicht nur in das Bewusstsein zu rufen, sondern sie auch wieder wegzuschaffen, sie zu unterdrücken in beliebiger Weise. Dann aber sie nicht nur zu unterdrücken, sondern indem man sie unterdrückt, sind sie fort. Aber an ihre Stelle tritt etwas anderes. Die Imagination hat einen vorbereitet, hat bloß das eigene Selbst geeignet gemacht, dass etwas anderes in es hereintritt. Wenn man imstande ist, die Imaginationen durchsichtig zu machen, dann sieht man, wie man durch die Glasflüssigkeit des Auges zu dem sichtbaren Gegenstand sicht, hinein in die geistige Welt, man gelangt zu dem geistigen Schauen.

[ 43 ] Durchsichtig gewordene Imaginationen! Sie lassen die Offenbarungen der geistigen Welt an die Seele herandringen, und ich nenne die Erkenntnisstufe, die da auftritt — man braucht dabei durchaus nur an das zu denken, was ich hier charakterisiere, nicht an abergläubische Vorstellungen, nicht an mit Vorurteilen belegte Vorstellungen —, ich nenne die Erkenntnisstufe, die da auftritt, nachdem man nur so viel aus der Imagination gewonnen hat, indem man auf das Seelisch-Geistige nur allein sich stützt, außerhalb des Leibes, dass man dahin gelangt ist, sich geistig aufrechtzuerhalten; wenn man die Imaginationen dann ausschließen kann, dann tritt dasjenige ein, was man nennen kann, man wird von der geistigen Welt herein inspiriert.

[ 43 ] Durchsichtig gewordene Imaginationen! Sie lassen die Offenbarungen der geistigen Welt an die Seele herandringen, und ich nenne die Erkenntnisstufe, die da auftritt — man braucht dabei durchaus nur an das zu denken, was ich hier charakterisiere, nicht an abergläubische Vorstellungen, nicht an mit Vorurteilen belegte Vorstellungen —, ich nenne die Erkenntnisstufe, die da auftritt, nachdem man nur so viel aus der Imagination gewonnen hat, indem man auf das Seelisch-Geistige nur allein sich stützt, außerhalb des Leibes, dass man dahin gelangt ist, sich geistig aufrechtzuerhalten; wenn man die Imaginationen dann ausschließen kann, dann tritt dasjenige ein, was man nennen kann, man wird von der geistigen Welt herein inspiriert.

[ 44 ] Die inspirierte Erkenntnis, das ist die zweite Stufe. Und sie tritt so ein, dass wir in die Lage kommen, zu unterdrücken das Bild, das wir selbst gemacht haben, und dass durch die Arbeit der Unterdrückung dieses Bildes auftritt die Inspiration, die geistige Offenbarung, die zu uns spricht aus dem Geiste der Welt heraus. Da ist es jetzt anders als bei jedem gewöhnlichen Gedächtnis, als bei jedem Erinnerungsvermögen. Der Mensch sieht auf einmal hinein, was sein Erinnerungsvermögen eigentlich ist, weil er es jetzt ausgeschlossen hat, weil er jetzt in einem Fall genau überschaut, wie die Ursache, das Bild, das er selbst geformt hat, zusammenhängt mit der Inspiration. Dasjenige, was sonst unterbewusst in uns waltet, wie bei der Drehorgel, das tritt jetzt in neuer Gestalt an uns heran. Wir merken in uns: Das gewöhnliche Gedächtnis ist in den Augenblicken der Geistesforschung nicht da, aber es hat sich in etwas anderes verwandelt, in die Gabe der Inspiration.

[ 44 ] Die inspirierte Erkenntnis, das ist die zweite Stufe. Und sie tritt so ein, dass wir in die Lage kommen, zu unterdrücken das Bild, das wir selbst gemacht haben, und dass durch die Arbeit der Unterdrückung dieses Bildes auftritt die Inspiration, die geistige Offenbarung, die zu uns spricht aus dem Geiste der Welt heraus. Da ist es jetzt anders als bei jedem gewöhnlichen Gedächtnis, als bei jedem Erinnerungsvermögen. Der Mensch sieht auf einmal hinein, was sein Erinnerungsvermögen eigentlich ist, weil er es jetzt ausgeschlossen hat, weil er jetzt in einem Fall genau überschaut, wie die Ursache, das Bild, das er selbst geformt hat, zusammenhängt mit der Inspiration. Dasjenige, was sonst unterbewusst in uns waltet, wie bei der Drehorgel, das tritt jetzt in neuer Gestalt an uns heran. Wir merken in uns: Das gewöhnliche Gedächtnis ist in den Augenblicken der Geistesforschung nicht da, aber es hat sich in etwas anderes verwandelt, in die Gabe der Inspiration.

[ 45 ] Ich muss bei solch einer Gelegenheit selbstverständlich bemerken, dass der Mensch nicht vom Morgen bis zum Abend Geistesforscher sein kann, dass es sich nicht darum handelt, dass ich einen perpetuierlichen Zustand, in den der Mensch kommen soll, schildere, sondern ich schildere das, durch das man forschend in die geistige Welt hineintritt. Gewiss, solche Dinge, wie ich sie hier geschildert, werden am meisten verdorben, wenn sie gesellschaftsmäßig in die Welt treten, weil innerhalb von Gesellschaften alle möglichen Irrtümer auftreten. Da werden die tollsten Vorstellungen oftmals verbreitet über dasjenige, was gemeint ist. Dasjenige, um was es sich handelt, ist, zu zeigen den Weg in die geistige Welt hinein. Und ebenso wenig, wie man den ganzen Tag vom Morgen bis zum Abend Chemiker ist, sondern nur, wenn man am Laboratoriumstisch seine Experimente macht, so ist man Geistesforscher nur, wenn man das ausführt, was ich geschildert habe, wenn man den Übergang findet von einem Bild, der Imagination, zu der Inspiration.

[ 45 ] Ich muss bei solch einer Gelegenheit selbstverständlich bemerken, dass der Mensch nicht vom Morgen bis zum Abend Geistesforscher sein kann, dass es sich nicht darum handelt, dass ich einen perpetuierlichen Zustand, in den der Mensch kommen soll, schildere, sondern ich schildere das, durch das man forschend in die geistige Welt hineintritt. Gewiss, solche Dinge, wie ich sie hier geschildert, werden am meisten verdorben, wenn sie gesellschaftsmäßig in die Welt treten, weil innerhalb von Gesellschaften alle möglichen Irrtümer auftreten. Da werden die tollsten Vorstellungen oftmals verbreitet über dasjenige, was gemeint ist. Dasjenige, um was es sich handelt, ist, zu zeigen den Weg in die geistige Welt hinein. Und ebenso wenig, wie man den ganzen Tag vom Morgen bis zum Abend Chemiker ist, sondern nur, wenn man am Laboratoriumstisch seine Experimente macht, so ist man Geistesforscher nur, wenn man das ausführt, was ich geschildert habe, wenn man den Übergang findet von einem Bild, der Imagination, zu der Inspiration.

[ 46 ] Und jetzt, wenn man sich erhoben hat zu der Möglichkeit der Inspiration, jetzt tritt einem die Welt in einem neuen Licht entgegen, jetzt sprechen nicht Sinneswahrnehmungen um uns — die haben wir ja unterdrückt —, jetzt tritt uns eine geistige Welt vor das geistige Auge, um diesen Goethe’schen Ausdruck variiert zu gebrauchen. Und jetzt kann man wiederum zurückgehen auf die Fragen, die einem im gewöhnlichen Leben rätselvoll entgegentreten. Man kann, indem man gelernt hat, was Inspiration ist, sich jetzt dem gegenüberstellen, was ich vorhin charakterisiert habe, dass richtiges oder unrichtiges Denken hereinflutet in das bloße Spiel der Vorstellungen. Untersucht man, nachdem man sich einmal zur Inspiration erhoben hat, sein Seelenleben mit derjenigen Klarheit, die jetzt möglich ist, lernt man mithilfe von Imagination und Inspiration kennen den Unterschied des gewöhnlichen Spieles der Vorstellungen und des Gedächtnisses, dessen, was ins gewöhnliche Bewusstsein hereinstrahlt unter dem Gesichtspunkte des Richtigen oder Unrichtigen, dann kommt man zu einem sehr merkwürdigen Ergebnis, dann kommt man dahin, sich zu beantworten, wie das eigentlich an den Menschen herantritt, was als logisch richtiges oder unrichtiges Denken in die Seele hineinflutet. Das zeigt sich in seiner wahren Gestalt erst vor der Inspiration.

[ 46 ] Und jetzt, wenn man sich erhoben hat zu der Möglichkeit der Inspiration, jetzt tritt einem die Welt in einem neuen Licht entgegen, jetzt sprechen nicht Sinneswahrnehmungen um uns — die haben wir ja unterdrückt —, jetzt tritt uns eine geistige Welt vor das geistige Auge, um diesen Goethe’schen Ausdruck variiert zu gebrauchen. Und jetzt kann man wiederum zurückgehen auf die Fragen, die einem im gewöhnlichen Leben rätselvoll entgegentreten. Man kann, indem man gelernt hat, was Inspiration ist, sich jetzt dem gegenüberstellen, was ich vorhin charakterisiert habe, dass richtiges oder unrichtiges Denken hereinflutet in das bloße Spiel der Vorstellungen. Untersucht man, nachdem man sich einmal zur Inspiration erhoben hat, sein Seelenleben mit derjenigen Klarheit, die jetzt möglich ist, lernt man mithilfe von Imagination und Inspiration kennen den Unterschied des gewöhnlichen Spieles der Vorstellungen und des Gedächtnisses, dessen, was ins gewöhnliche Bewusstsein hereinstrahlt unter dem Gesichtspunkte des Richtigen oder Unrichtigen, dann kommt man zu einem sehr merkwürdigen Ergebnis, dann kommt man dahin, sich zu beantworten, wie das eigentlich an den Menschen herantritt, was als logisch richtiges oder unrichtiges Denken in die Seele hineinflutet. Das zeigt sich in seiner wahren Gestalt erst vor der Inspiration.

[ 47 ] Dasjenige, was da in die Seele hereinflutet, ist schon in dem enthalten, was sich verbindet, herabkommend aus einer geistigen Welt, mit demjenigen, was wir physisch von Vater, Mutter, Großvater, Großmutter und so weiter in der physischen Vererbung an uns heranbringen. Indem wir durch die Inspiration zurückschauen in unsere seelisch-geistige Wesenheit, die wir durchlebt haben, bevor wir durch die Empfängnis oder Geburt ins physische Leben eingetreten sind, die wir durchlebt haben in einem rein geistigen Dasein, indem wir da durch die Inspiration zurückschauen, werden wir gewahr: Da drinnen liegen die Impulse, gar nicht in unserer Organisation, die wir durch die Geburt empfangen haben.

[ 47 ] Dasjenige, was da in die Seele hereinflutet, ist schon in dem enthalten, was sich verbindet, herabkommend aus einer geistigen Welt, mit demjenigen, was wir physisch von Vater, Mutter, Großvater, Großmutter und so weiter in der physischen Vererbung an uns heranbringen. Indem wir durch die Inspiration zurückschauen in unsere seelisch-geistige Wesenheit, die wir durchlebt haben, bevor wir durch die Empfängnis oder Geburt ins physische Leben eingetreten sind, die wir durchlebt haben in einem rein geistigen Dasein, indem wir da durch die Inspiration zurückschauen, werden wir gewahr: Da drinnen liegen die Impulse, gar nicht in unserer Organisation, die wir durch die Geburt empfangen haben.

[ 48 ] In unserem unsterblichen Teil, der durch die Empfängnis oder Geburt in die physische Welt heruntergeht, liegen die Impulse für richtiges oder unrichtiges Denken. Und es stellt sich heraus, dass der Mensch deshalb in dasjenige, was als Spiel der Vorstellungen von seiner Leibesorganisation abhängt, hereinbringt richtiges oder unrichtiges Denken, weil er zwar keine bewusste — bewusst wird sie erst durch die Vorgänge, die ich geschildert habe —, sondern eine unbewusste Inspiration hat. «Richtig» oder «Unrichtig» kommt aus unserem vorgeburtlichen Leben durch eine unterbewusste oder unbewusste Inspiration in unser Seelenleben herein.

[ 48 ] In unserem unsterblichen Teil, der durch die Empfängnis oder Geburt in die physische Welt heruntergeht, liegen die Impulse für richtiges oder unrichtiges Denken. Und es stellt sich heraus, dass der Mensch deshalb in dasjenige, was als Spiel der Vorstellungen von seiner Leibesorganisation abhängt, hereinbringt richtiges oder unrichtiges Denken, weil er zwar keine bewusste — bewusst wird sie erst durch die Vorgänge, die ich geschildert habe —, sondern eine unbewusste Inspiration hat. «Richtig» oder «Unrichtig» kommt aus unserem vorgeburtlichen Leben durch eine unterbewusste oder unbewusste Inspiration in unser Seelenleben herein.

[ 49 ] Wir haben auch in diesem gewöhnlichen Leben, aber nicht im gewöhnlichen Bewusstsein, Inspiration. Jedes Mal, wenn in unser Vorstellungsspiel hereinflutet dasjenige, was uns entscheiden lässt, ob ein Gedanke ein richtiges oder unrichtiges Urteil ist, sind wir gar nicht bestimmt durch unsere Vorstellungen, die an unseren Organismus gebunden sind, sondern es geht die Ursache zurück bis in unser unsterbliches Teil, das sich mit unserem Sterblichen vereinigt hat. Zu unserem richtigen Denken liegen die Ursachen vor unserer Geburt; wir sind immer inspirierte Menschen, nur im Unbewussten sind wir dieses eben.

[ 49 ] Wir haben auch in diesem gewöhnlichen Leben, aber nicht im gewöhnlichen Bewusstsein, Inspiration. Jedes Mal, wenn in unser Vorstellungsspiel hereinflutet dasjenige, was uns entscheiden lässt, ob ein Gedanke ein richtiges oder unrichtiges Urteil ist, sind wir gar nicht bestimmt durch unsere Vorstellungen, die an unseren Organismus gebunden sind, sondern es geht die Ursache zurück bis in unser unsterbliches Teil, das sich mit unserem Sterblichen vereinigt hat. Zu unserem richtigen Denken liegen die Ursachen vor unserer Geburt; wir sind immer inspirierte Menschen, nur im Unbewussten sind wir dieses eben.

[ 50 ] Dasjenige, was ich jetzt ausgeführt habe, ist zunächst geistig-seelisch betrachtet. Allein, es wird eine Zeit kommen, denn die Grundlagen sind in der Naturwissenschaft der heutigen Tage schon vorhanden — wer wirklich Physiologie, Biologie, Anatomie studiert, kommt darauf, dass, gerade wenn man die physiologischen, biologischen Tatsachen vom Menschen richtig zu überschauen vermag, dass sich dann auch aus der naturwissenschaftlichen Betrachtung heraus eine volle Bestätigung dessen findet, was ich auseinandergesetzt habe. Man muss in dieser Beziehung nur sagen: Die naturwissenschaftliche Betrachtung des neunzehnten Jahrhunderts und bis jetzt, so verdienstvoll sie ist, sie hat sich die Sachen zu einfach gemacht, sie hat sich vor allem die Entwicklung dieses Menschenwesens zu einfach gemacht. Ja, wenn man so etwas ausführt, wie ich es jetzt kurz anführen will, dann fühlt man so recht, wie Geisteswissenschaft erst dann zu ihrer vollen Geltung wird kommen können, wenn es ihr möglich sein wird, laboratoriumsmäßig, klinikmäßig, ebenso zu arbeiten, wie die gewöhnliche offizielle Wissenschaft heute arbeitet.

[ 50 ] Dasjenige, was ich jetzt ausgeführt habe, ist zunächst geistig-seelisch betrachtet. Allein, es wird eine Zeit kommen, denn die Grundlagen sind in der Naturwissenschaft der heutigen Tage schon vorhanden — wer wirklich Physiologie, Biologie, Anatomie studiert, kommt darauf, dass, gerade wenn man die physiologischen, biologischen Tatsachen vom Menschen richtig zu überschauen vermag, dass sich dann auch aus der naturwissenschaftlichen Betrachtung heraus eine volle Bestätigung dessen findet, was ich auseinandergesetzt habe. Man muss in dieser Beziehung nur sagen: Die naturwissenschaftliche Betrachtung des neunzehnten Jahrhunderts und bis jetzt, so verdienstvoll sie ist, sie hat sich die Sachen zu einfach gemacht, sie hat sich vor allem die Entwicklung dieses Menschenwesens zu einfach gemacht. Ja, wenn man so etwas ausführt, wie ich es jetzt kurz anführen will, dann fühlt man so recht, wie Geisteswissenschaft erst dann zu ihrer vollen Geltung wird kommen können, wenn es ihr möglich sein wird, laboratoriumsmäßig, klinikmäßig, ebenso zu arbeiten, wie die gewöhnliche offizielle Wissenschaft heute arbeitet.

[ 51 ] Geisteswissenschaft kommt in keinen Gegensatz zur Naturwissenschaft, nur zur Auslegung, die die Naturforscher ihren eigenen Tatsachen geben. Nur anführen kann ich bestimmte Ergebnisse. Sie sind bei mir die Ergebnisse, die sich mir seit 30 bis 35 Jahren in der Betrachtung der Biologie, Physiologie, Anatomie der Gegenwart gezeigt haben. Da kommt man, wenn man sorgfältiger zu Werke geht als die Darwinisten, als die Evolutionisten des neunzehnten Jahrhunderts zu Werke gegangen sind, man kommt dazu, sich zu sagen: Beim Menschen — wir sehen von den Tieren ab, dazu haben wir heute keine Zeit —, es zeigt sich, dass beim Menschen diese Entwicklung, die die Naturwissenschaft eigentlich in ihre Begriffe aufgenommen hat, nur für einen Teil der Menschennatur vorhanden ist — nur für einen Teil, das ist das Merkwürdige —, nur gewissermaßen für die Rumpforganisation, nicht für die Kopforganisation und nicht für die Extremitätenorganisation.

[ 51 ] Geisteswissenschaft kommt in keinen Gegensatz zur Naturwissenschaft, nur zur Auslegung, die die Naturforscher ihren eigenen Tatsachen geben. Nur anführen kann ich bestimmte Ergebnisse. Sie sind bei mir die Ergebnisse, die sich mir seit 30 bis 35 Jahren in der Betrachtung der Biologie, Physiologie, Anatomie der Gegenwart gezeigt haben. Da kommt man, wenn man sorgfältiger zu Werke geht als die Darwinisten, als die Evolutionisten des neunzehnten Jahrhunderts zu Werke gegangen sind, man kommt dazu, sich zu sagen: Beim Menschen — wir sehen von den Tieren ab, dazu haben wir heute keine Zeit —, es zeigt sich, dass beim Menschen diese Entwicklung, die die Naturwissenschaft eigentlich in ihre Begriffe aufgenommen hat, nur für einen Teil der Menschennatur vorhanden ist — nur für einen Teil, das ist das Merkwürdige —, nur gewissermaßen für die Rumpforganisation, nicht für die Kopforganisation und nicht für die Extremitätenorganisation.

[ 52 ] Wer die Entwicklung des Menschen wirklich verstehen will, muss den Menschen dreigliedern, er muss ihn gliedern in einen Kopfmenschen, einen Rumpfmenschen und einen Extremitätenmenschen. Die Tatsachen sind alle dazu da, Prinzipien sind nur in der Geisteswissenschaft vorhanden, um diese Tatsachen wirklichkeitsgemäß, sachgemäß zu betrachten. Da stellt sich dann das Merkwürdige heraus, wenn man die fortschreitende Entwicklung beobachtet, wenn man die Entwicklung sieht, die Entwicklung als Fortschreiten von unvollkommenen Gebilden zu vollkommenen, dann ist die Entwicklung beim Menschen nur in Bezug auf den Rumpfmenschen vorhanden. Der Kopfmensch, die Hauptesorganisation, die Gehirnorganisation, ist nicht nur in fortschreitender, sie ist so, wie sich der Mensch darlebt im gewöhnlichen Leben, in einer rückschreitenden Entwicklung vorhanden. In Bezug auf sein Haupt ist der Mensch zugleich rückwärts sich entwickelnd. Ich könnte stundenlang reden, dann würde sich herausstellen, dass das heute sich streng wissenschaftlich belegen lässt. Man studiere die naturwissenschaftlichen Tatsachen auf diesem Gebiete, aber man studiere sie nicht wie heute, sondern wirklich genau. Man bleibe nicht ein wissenschaftlicher Dilettant, wie es viele Forscher sind, sondern werde in strengstem Sinne ein wirklicher Fachmann, indem man eingeht auf dasjenige, was da ist.

[ 52 ] Wer die Entwicklung des Menschen wirklich verstehen will, muss den Menschen dreigliedern, er muss ihn gliedern in einen Kopfmenschen, einen Rumpfmenschen und einen Extremitätenmenschen. Die Tatsachen sind alle dazu da, Prinzipien sind nur in der Geisteswissenschaft vorhanden, um diese Tatsachen wirklichkeitsgemäß, sachgemäß zu betrachten. Da stellt sich dann das Merkwürdige heraus, wenn man die fortschreitende Entwicklung beobachtet, wenn man die Entwicklung sieht, die Entwicklung als Fortschreiten von unvollkommenen Gebilden zu vollkommenen, dann ist die Entwicklung beim Menschen nur in Bezug auf den Rumpfmenschen vorhanden. Der Kopfmensch, die Hauptesorganisation, die Gehirnorganisation, ist nicht nur in fortschreitender, sie ist so, wie sich der Mensch darlebt im gewöhnlichen Leben, in einer rückschreitenden Entwicklung vorhanden. In Bezug auf sein Haupt ist der Mensch zugleich rückwärts sich entwickelnd. Ich könnte stundenlang reden, dann würde sich herausstellen, dass das heute sich streng wissenschaftlich belegen lässt. Man studiere die naturwissenschaftlichen Tatsachen auf diesem Gebiete, aber man studiere sie nicht wie heute, sondern wirklich genau. Man bleibe nicht ein wissenschaftlicher Dilettant, wie es viele Forscher sind, sondern werde in strengstem Sinne ein wirklicher Fachmann, indem man eingeht auf dasjenige, was da ist.

[ 53 ] Dann stellt sich heraus — zum Beispiel betrachtet man das menschliche Auge, es darf nicht so vorgestellt werden gegenüber den Tatsachen, als ob zum Beispiel das tierische Auge im menschlichen Auge nur vollkommener wäre, nein, bei gewissen Tieren finden Sie im Inneren des Auges gewisse Organe wie den Schwertfortsatz, welche in innigerem Zusammenhang mit dem Blutmuskelsystem stehen als beim Menschen. Beim Menschen ist das Auge gegenüber dem Auge verschiedener Tiere vereinfacht. Es ist in Rückentwicklung, nicht bloß in fortschreitender Entwicklung. Und so könnte man, gerade wenn man genau vorgeht, jetzt zeigen, dass die menschliche Hauptesorganisation und alles dasjenige, was damit zusammenhängt, in rückschreitender Entwicklung ist, dass zurückgenommen wird etwas, was mit dem sprossenden, wachsenden, gedeihenden Leben zusammenhängt. Es fällt die Entwicklung in sich selbst zusammen.

[ 53 ] Dann stellt sich heraus — zum Beispiel betrachtet man das menschliche Auge, es darf nicht so vorgestellt werden gegenüber den Tatsachen, als ob zum Beispiel das tierische Auge im menschlichen Auge nur vollkommener wäre, nein, bei gewissen Tieren finden Sie im Inneren des Auges gewisse Organe wie den Schwertfortsatz, welche in innigerem Zusammenhang mit dem Blutmuskelsystem stehen als beim Menschen. Beim Menschen ist das Auge gegenüber dem Auge verschiedener Tiere vereinfacht. Es ist in Rückentwicklung, nicht bloß in fortschreitender Entwicklung. Und so könnte man, gerade wenn man genau vorgeht, jetzt zeigen, dass die menschliche Hauptesorganisation und alles dasjenige, was damit zusammenhängt, in rückschreitender Entwicklung ist, dass zurückgenommen wird etwas, was mit dem sprossenden, wachsenden, gedeihenden Leben zusammenhängt. Es fällt die Entwicklung in sich selbst zusammen.

[ 54 ] Das ist eine sehr interessante Tatsache, die die Brücke schlagen wird zwischen Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft. Denn was hat denn dieses Zusammenfallen der Entwicklung für einen Sinn? Nun, würde sich die Entwicklung im Haupte ebenso bilden wie im Rumpforganismus, geradlinig, würde sie nicht in sich selbst zusammenfallen, gewissermaßen, dann könnte das Vorstellungsleben des Menschen gar nicht auftreten, dann könnte der Mensch sein geistig-seelisches Leben nicht entfalten. Die Entwicklung schiebt sich zurück, sie macht Platz. Gerade eine richtige naturwissenschaftliche Betrachtung zeigt es: Die Entwicklung macht Platz. Da, wo das Leibliche, das Physische sich zurückstaut, da tritt das Geistige auf.

[ 54 ] Das ist eine sehr interessante Tatsache, die die Brücke schlagen wird zwischen Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft. Denn was hat denn dieses Zusammenfallen der Entwicklung für einen Sinn? Nun, würde sich die Entwicklung im Haupte ebenso bilden wie im Rumpforganismus, geradlinig, würde sie nicht in sich selbst zusammenfallen, gewissermaßen, dann könnte das Vorstellungsleben des Menschen gar nicht auftreten, dann könnte der Mensch sein geistig-seelisches Leben nicht entfalten. Die Entwicklung schiebt sich zurück, sie macht Platz. Gerade eine richtige naturwissenschaftliche Betrachtung zeigt es: Die Entwicklung macht Platz. Da, wo das Leibliche, das Physische sich zurückstaut, da tritt das Geistige auf.

[ 55 ] Oberflächliche naturwissenschaftliche Betrachtung führt zum Materialismus. Tiefere naturwissenschaftliche Betrachtung führt dazu, zu erkennen, dass sich zurückstaut gerade im Hauptesorganismus die Entwicklung, dass sie Platz macht und dass da, wohin nicht mehr reicht, weil zurückgestaut, die physische Entwicklung, das Geistig-Seelische tritt. Aus dem übrigen Organismus flutet das herauf, was das beliebige Spiel der Vorstellungen bestimmt. In die Hauptesorganisation kann sich hineinschleichen dasjenige, was vor der Geburt durch unbewusste Inspiration regelnd eingreift in dieses Leben. Die unbewusste Inspiration ist vorhanden. Der Ausblick auf das Unsterbliche, auf dasjenige, was mit dem Sterblichen nur verbunden ist, das bietet sich uns dar, wenn wir mit geisteswissenschaftlicher Forschung eindringen in etwas, was bei den Menschen vorhanden ist, was die Philosophie betrachtet seit Jahrzehnten, aber nicht dahinterkommen kann, weil sie zurückschreckt vor dem Eintreten in die wirkliche geistige Welt. Enthüllt sich einem dasjenige, was richtiges oder unrichtiges Denken ist, in der Inspiration, dann kommt man in das Gebiet hinein, wo einem das menschliche Seelenwesen als das Unsterbliche entgegentritt als dasjenige, was sich mit dem Sterblichen verbindet.

[ 55 ] Oberflächliche naturwissenschaftliche Betrachtung führt zum Materialismus. Tiefere naturwissenschaftliche Betrachtung führt dazu, zu erkennen, dass sich zurückstaut gerade im Hauptesorganismus die Entwicklung, dass sie Platz macht und dass da, wohin nicht mehr reicht, weil zurückgestaut, die physische Entwicklung, das Geistig-Seelische tritt. Aus dem übrigen Organismus flutet das herauf, was das beliebige Spiel der Vorstellungen bestimmt. In die Hauptesorganisation kann sich hineinschleichen dasjenige, was vor der Geburt durch unbewusste Inspiration regelnd eingreift in dieses Leben. Die unbewusste Inspiration ist vorhanden. Der Ausblick auf das Unsterbliche, auf dasjenige, was mit dem Sterblichen nur verbunden ist, das bietet sich uns dar, wenn wir mit geisteswissenschaftlicher Forschung eindringen in etwas, was bei den Menschen vorhanden ist, was die Philosophie betrachtet seit Jahrzehnten, aber nicht dahinterkommen kann, weil sie zurückschreckt vor dem Eintreten in die wirkliche geistige Welt. Enthüllt sich einem dasjenige, was richtiges oder unrichtiges Denken ist, in der Inspiration, dann kommt man in das Gebiet hinein, wo einem das menschliche Seelenwesen als das Unsterbliche entgegentritt als dasjenige, was sich mit dem Sterblichen verbindet.

[ 56 ] Der andere Punkt, sehr verehrte Anwesende, führt, ich möchte sagen, zu dem Entgegengesetzten. Ein anderes Merkwürdiges liegt vor, eine unbewusste Inspiration, sagte ich, auf der einen Seite, die sich hereinbringt in die menschliche Organisation dadurch, dass diese Organisation in Bezug auf das menschliche Haupt in Rückentwicklung begriffen ist. Umgekehrt ist es mit der menschlichen Organisation in Bezug auf den menschlichen Extremitätenbau. Wiederum würde eine ganz innerliche Verfolgung der rein naturwissenschaftlichen Tatsachen das erhärten, was ich jetzt zu sagen habe. So, wie das Haupt in Rückbildung begriffen ist, so ist die Extremitätenorganisation beim Menschen in Überentwicklung begriffen, geht weiter als die normale Entwicklung ist, überschreitet den Punkt der normalen Entwicklung, geht darüber hinaus. Derjenige, der nur anatomisch-plastisch Arme, Hände, Beine, Füße mit ihren Fortsätzen nach dem Innern des Organismus richtig physiologisch zu betrachten vermag, der weiß, dass die menschliche Organisation über sich hinausschreitet, dass da das Organische nicht rückgebildet, nicht einmal nur normal ist, sondern den Punkt des Normalen überspringt, sodass mehr in dieser Entwicklung zutage tritt als dasjenige, was in der Rumpforganisation in den Grenzen der normalen Entwicklung eingeschlossen ist. Das stellt sich dar, geistig betrachtet, so, dass für diese Betrachtung, die ich eben charakterisiert habe, dasjenige, was mit der Extremitätenorganisation verknüpft ist, sich zeigt als nur dem imaginativen Leben erkennbar, erreichbar. Imaginatives Leben, imaginatives Erkennen bekommt etwas vor die Seele — indem hineingeschaut wird sinnig in schauendem, in wirklich hellsichtigem Bewusstsein auf dasjenige, was die menschliche Organisation in den Extremitäten darbietet —, bekommt etwas, was der Mensch mehr in sich hat, als was zwischen Geburt und Tod hineinfallen kann. Mehr kann er in sich haben, weil seine Extremitäten in gewisser Weise überorganisiert sind.

[ 56 ] Der andere Punkt, sehr verehrte Anwesende, führt, ich möchte sagen, zu dem Entgegengesetzten. Ein anderes Merkwürdiges liegt vor, eine unbewusste Inspiration, sagte ich, auf der einen Seite, die sich hereinbringt in die menschliche Organisation dadurch, dass diese Organisation in Bezug auf das menschliche Haupt in Rückentwicklung begriffen ist. Umgekehrt ist es mit der menschlichen Organisation in Bezug auf den menschlichen Extremitätenbau. Wiederum würde eine ganz innerliche Verfolgung der rein naturwissenschaftlichen Tatsachen das erhärten, was ich jetzt zu sagen habe. So, wie das Haupt in Rückbildung begriffen ist, so ist die Extremitätenorganisation beim Menschen in Überentwicklung begriffen, geht weiter als die normale Entwicklung ist, überschreitet den Punkt der normalen Entwicklung, geht darüber hinaus. Derjenige, der nur anatomisch-plastisch Arme, Hände, Beine, Füße mit ihren Fortsätzen nach dem Innern des Organismus richtig physiologisch zu betrachten vermag, der weiß, dass die menschliche Organisation über sich hinausschreitet, dass da das Organische nicht rückgebildet, nicht einmal nur normal ist, sondern den Punkt des Normalen überspringt, sodass mehr in dieser Entwicklung zutage tritt als dasjenige, was in der Rumpforganisation in den Grenzen der normalen Entwicklung eingeschlossen ist. Das stellt sich dar, geistig betrachtet, so, dass für diese Betrachtung, die ich eben charakterisiert habe, dasjenige, was mit der Extremitätenorganisation verknüpft ist, sich zeigt als nur dem imaginativen Leben erkennbar, erreichbar. Imaginatives Leben, imaginatives Erkennen bekommt etwas vor die Seele — indem hineingeschaut wird sinnig in schauendem, in wirklich hellsichtigem Bewusstsein auf dasjenige, was die menschliche Organisation in den Extremitäten darbietet —, bekommt etwas, was der Mensch mehr in sich hat, als was zwischen Geburt und Tod hineinfallen kann. Mehr kann er in sich haben, weil seine Extremitäten in gewisser Weise überorganisiert sind.

[ 57 ] Gestatten Sie — wir sind ja keine Kinder —, dass ich mich durch einen Vergleich dieser Vorstellung, die etwas schwierig ist, annähere. Man darf dabei die Extremitäten nicht nur so betrachten, dass man sie demnach betrachtet, was ganz äußerlich ist, sondern man muss sie nach ihren Fortsetzungen nach dem Innern betrachten. In Bezug auf das rein Physische, was stellt sich denn da dar? Es stellt sich dar, dass die Extremitätenorganisation innig verwandt ist schon physisch — aber das Physische kommt für uns ja nur vergleichsweise in Betracht — mit demjenigen, wodurch der Mensch auch physisch über sich hinausgeht. Betrachten Sie bei der Frau den Zusammenhang zwischen der Armorganisation und der Brustorganisation. Betrachten Sie den Zusammenhang mit der übrigen Extremitätenorganisation, mit der Sexualität, und Sie werden erkennen, dass in Bezug auf die physische Konstitution arbeitet die Konstitution in Überentwicklung durch dasjenige, was mit der Extremitätenorganisation zusammenhängt. Der Mensch entwickelt da physisch etwas zunächst, was sich nicht einschließt in sein individuelles Leben, was darüber hinausgeht. Ebenso ist es seelisch-geistig.

[ 57 ] Gestatten Sie — wir sind ja keine Kinder —, dass ich mich durch einen Vergleich dieser Vorstellung, die etwas schwierig ist, annähere. Man darf dabei die Extremitäten nicht nur so betrachten, dass man sie demnach betrachtet, was ganz äußerlich ist, sondern man muss sie nach ihren Fortsetzungen nach dem Innern betrachten. In Bezug auf das rein Physische, was stellt sich denn da dar? Es stellt sich dar, dass die Extremitätenorganisation innig verwandt ist schon physisch — aber das Physische kommt für uns ja nur vergleichsweise in Betracht — mit demjenigen, wodurch der Mensch auch physisch über sich hinausgeht. Betrachten Sie bei der Frau den Zusammenhang zwischen der Armorganisation und der Brustorganisation. Betrachten Sie den Zusammenhang mit der übrigen Extremitätenorganisation, mit der Sexualität, und Sie werden erkennen, dass in Bezug auf die physische Konstitution arbeitet die Konstitution in Überentwicklung durch dasjenige, was mit der Extremitätenorganisation zusammenhängt. Der Mensch entwickelt da physisch etwas zunächst, was sich nicht einschließt in sein individuelles Leben, was darüber hinausgeht. Ebenso ist es seelisch-geistig.

[ 58 ] Dasjenige, was verknüpft ist mit dem rein Physischen der Extremitätenorganisation, die überentwickelt ist, das ist nur in Imagination zu erreichen. Und dieses, was da in Imagination zu erreichen ist, das gehört ebenso wenig der menschlichen, zwischen Geburt und Tod eingeschlossenen Persönlichkeit an, wie im Physischen das Kind angehört dem Menschen als einer Individualität bloß. Dasjenige, was da als Imagination auftritt, gehört an dem Menschenwesen, wenn es getreten ist durch die Pforte des Todes. Durch die Pforte des Todes hinein wird getragen dasjenige, was sich ankündigt, indem man eingeht auf dasjenige, was in Überentwicklung der Extremitätenorganisation geistig-seelisch zutage tritt. Das aber, sehr verehrte Anwesende, ist nicht nur in physischer Beziehung mit der Liebe verbunden, das ist in geistig-seelischer Beziehung überhaupt mit der Liebe verbunden, deshalb verbunden, weil der Mensch über sich hinausgeht.

[ 58 ] Dasjenige, was verknüpft ist mit dem rein Physischen der Extremitätenorganisation, die überentwickelt ist, das ist nur in Imagination zu erreichen. Und dieses, was da in Imagination zu erreichen ist, das gehört ebenso wenig der menschlichen, zwischen Geburt und Tod eingeschlossenen Persönlichkeit an, wie im Physischen das Kind angehört dem Menschen als einer Individualität bloß. Dasjenige, was da als Imagination auftritt, gehört an dem Menschenwesen, wenn es getreten ist durch die Pforte des Todes. Durch die Pforte des Todes hinein wird getragen dasjenige, was sich ankündigt, indem man eingeht auf dasjenige, was in Überentwicklung der Extremitätenorganisation geistig-seelisch zutage tritt. Das aber, sehr verehrte Anwesende, ist nicht nur in physischer Beziehung mit der Liebe verbunden, das ist in geistig-seelischer Beziehung überhaupt mit der Liebe verbunden, deshalb verbunden, weil der Mensch über sich hinausgeht.

[ 59 ] Hier tritt der zweite Punkt ein. Indem der Mensch, wie schon angedeutet ist, mit bei seiner Organisation innerhalb seiner individuellen Persönlichkeit etwas entwickelt, was durch die Pforte des Todes durchtretend erst dann seine Bedeutung erhält; indem der Mensch etwas entwickelt, was sein vergängliches Wesen durch die Pforte des Todes hindurchführt in das Gebiet, wo sein Unvergängliches sich weiterentwickelt, ist der Mensch in etwas lebend, was mit seiner Egoität, mit seiner unmittelbaren Ichheit nicht zusammenhängt, sondern darüber hinausgeht.

[ 59 ] Hier tritt der zweite Punkt ein. Indem der Mensch, wie schon angedeutet ist, mit bei seiner Organisation innerhalb seiner individuellen Persönlichkeit etwas entwickelt, was durch die Pforte des Todes durchtretend erst dann seine Bedeutung erhält; indem der Mensch etwas entwickelt, was sein vergängliches Wesen durch die Pforte des Todes hindurchführt in das Gebiet, wo sein Unvergängliches sich weiterentwickelt, ist der Mensch in etwas lebend, was mit seiner Egoität, mit seiner unmittelbaren Ichheit nicht zusammenhängt, sondern darüber hinausgeht.

[ 60 ] Dieses kann er in einer besonderen Weise geltend machen. Ich habe vor 25 Jahren dasjenige, was ich heute andeute als hervorgehend aus der Inspiration, im reinen Denken, wenn es nicht bloß in logischen, sondern in moralischen Ideen auftritt, wenn der Mensch aus moralischen Ideen handelt, ich habe es intuitives Denken genannt. Und dasjenige, was jetzt auftritt, indem der Mensch gewahr wird, dass etwas imaginativ in ihm lebt, das habe ich moralische Phantasie genannt. Indem der Mensch gewahr wird, wie gewissermaßen an seinem einen Ende eine unbewusste Inspiration, an dem anderen Ende eine unbewusste Imagination vorhanden ist, wird er sich seines Unsterblichen bewusst. Aber das ist im gewöhnlichen Leben nur unbewusst oder unterbewusst vorhanden; aber es ist vorhanden. Und es ist vorhanden in der unbewussten Inspiration durch das Richtige oder Unrichtige, auch in den moralischen Ideen, die vor unser seelisches Auge treten, es ist vorhanden, wenn wir über uns hinausgehend in der Liebe, wie ich es geschildert habe, zu einer Handlung die Kraft, die über unsere Egoität hinausgeht, entwickeln.

[ 60 ] Dieses kann er in einer besonderen Weise geltend machen. Ich habe vor 25 Jahren dasjenige, was ich heute andeute als hervorgehend aus der Inspiration, im reinen Denken, wenn es nicht bloß in logischen, sondern in moralischen Ideen auftritt, wenn der Mensch aus moralischen Ideen handelt, ich habe es intuitives Denken genannt. Und dasjenige, was jetzt auftritt, indem der Mensch gewahr wird, dass etwas imaginativ in ihm lebt, das habe ich moralische Phantasie genannt. Indem der Mensch gewahr wird, wie gewissermaßen an seinem einen Ende eine unbewusste Inspiration, an dem anderen Ende eine unbewusste Imagination vorhanden ist, wird er sich seines Unsterblichen bewusst. Aber das ist im gewöhnlichen Leben nur unbewusst oder unterbewusst vorhanden; aber es ist vorhanden. Und es ist vorhanden in der unbewussten Inspiration durch das Richtige oder Unrichtige, auch in den moralischen Ideen, die vor unser seelisches Auge treten, es ist vorhanden, wenn wir über uns hinausgehend in der Liebe, wie ich es geschildert habe, zu einer Handlung die Kraft, die über unsere Egoität hinausgeht, entwickeln.

[ 61 ] Hier schließt sich auf etwas sehr Merkwürdiges am Menschen. Wenn zusammenwirkt dasjenige, was sonst nur unbewusst oder unterbewusst vorhanden ist, die unbewusste Imagination, die so an ihn geknüpft ist und nur in Liebe wirken kann, wie ich es geschildert habe, und das intuitive oder inspirierte Denken, das hereinleuchtet von der einen Seite als die Vorstellung durchhellend; wenn zusammenwirken dieses Denken, das geholt ist nicht aus dem sterblichen Menschen, sondern aus dem unsterblichen Menschen, und die Imagination, die unbewusst bleibt im gewöhnlichen Leben, die aber dadurch, dass wir Handlungen lieben, instinktiv an den Menschen herantritt; wenn diese instinktive Liebe, die der instinktive Ausdruck der geschilderten Imagination ist, den Menschen ergreift, und so ergreift, dass er das geltend macht, was durch Inspiration von vor seiner Geburt in ihn hereinleuchtet, dann wirkt Unsterbliches auf Unsterbliches im Menschen, dann wirkt die Idee aus dem Unsterblichen, wie es sich erlebt vor der Geburt, zusammen mit dem Unsterblichen, wie es unbewusst in der Imagination auftritt und wie es durch die Pforte des Todes in die geistige Welt hineintritt.

[ 61 ] Hier schließt sich auf etwas sehr Merkwürdiges am Menschen. Wenn zusammenwirkt dasjenige, was sonst nur unbewusst oder unterbewusst vorhanden ist, die unbewusste Imagination, die so an ihn geknüpft ist und nur in Liebe wirken kann, wie ich es geschildert habe, und das intuitive oder inspirierte Denken, das hereinleuchtet von der einen Seite als die Vorstellung durchhellend; wenn zusammenwirken dieses Denken, das geholt ist nicht aus dem sterblichen Menschen, sondern aus dem unsterblichen Menschen, und die Imagination, die unbewusst bleibt im gewöhnlichen Leben, die aber dadurch, dass wir Handlungen lieben, instinktiv an den Menschen herantritt; wenn diese instinktive Liebe, die der instinktive Ausdruck der geschilderten Imagination ist, den Menschen ergreift, und so ergreift, dass er das geltend macht, was durch Inspiration von vor seiner Geburt in ihn hereinleuchtet, dann wirkt Unsterbliches auf Unsterbliches im Menschen, dann wirkt die Idee aus dem Unsterblichen, wie es sich erlebt vor der Geburt, zusammen mit dem Unsterblichen, wie es unbewusst in der Imagination auftritt und wie es durch die Pforte des Todes in die geistige Welt hineintritt.

[ 62 ] So sind Handlungen des Menschen möglich, in denen das Unsterbliche, das erst sich offenbart nach dem Tode, schon als Kraft hier im Leben zusammenwirkt mit der freien Idee, die durch Inspiration aus dem Unsterblichen vor der Geburt als Impuls in unsere menschliche Persönlichkeit hereintritt. Das ist dann freies Handeln. Dieses freie Handeln ist im Menschen vorhanden, dessen ist sich der Mensch bewusst. Man lernt die Freiheit nur erkennen, wenn man weiß, dass die unbewusste Imagination, die vorbereitet unser Leben nach dem Tode, zusammenwirkt mit der unbewussten Inspiration, die aus dem Leben von vor der Geburt als eine Kraft in unsere Seele hereintönt. Indem der Mensch instinktiv solche Handlungen ausführt, die sein unsterblicher Mensch vollzieht, führt er freie Handlungen aus. Und dass sich der Mensch freier Handlungen bewusst ist, das ist der Abglanz, die Fata Morgana desjenigen, was in der übersinnlichen Persönlichkeit tief unten im Menschenwesen ruht als ein Unsterbliches. Der Mensch — so führte ich aus vor 25 Jahren — ist nicht so in der Freiheit, dass man sagen kann: Er ist entweder frei oder unfrei, sondern er ist sowohl frei als unfrei in seinen gewöhnlichen Handlungen. Er ist auf dem Wege zur Freiheit. Aber man wird sich nicht bewusst der Freiheit, wenn man sich nicht der unsterblichen Wesenheit des Menschen bewusst wird.

[ 62 ] So sind Handlungen des Menschen möglich, in denen das Unsterbliche, das erst sich offenbart nach dem Tode, schon als Kraft hier im Leben zusammenwirkt mit der freien Idee, die durch Inspiration aus dem Unsterblichen vor der Geburt als Impuls in unsere menschliche Persönlichkeit hereintritt. Das ist dann freies Handeln. Dieses freie Handeln ist im Menschen vorhanden, dessen ist sich der Mensch bewusst. Man lernt die Freiheit nur erkennen, wenn man weiß, dass die unbewusste Imagination, die vorbereitet unser Leben nach dem Tode, zusammenwirkt mit der unbewussten Inspiration, die aus dem Leben von vor der Geburt als eine Kraft in unsere Seele hereintönt. Indem der Mensch instinktiv solche Handlungen ausführt, die sein unsterblicher Mensch vollzieht, führt er freie Handlungen aus. Und dass sich der Mensch freier Handlungen bewusst ist, das ist der Abglanz, die Fata Morgana desjenigen, was in der übersinnlichen Persönlichkeit tief unten im Menschenwesen ruht als ein Unsterbliches. Der Mensch — so führte ich aus vor 25 Jahren — ist nicht so in der Freiheit, dass man sagen kann: Er ist entweder frei oder unfrei, sondern er ist sowohl frei als unfrei in seinen gewöhnlichen Handlungen. Er ist auf dem Wege zur Freiheit. Aber man wird sich nicht bewusst der Freiheit, wenn man sich nicht der unsterblichen Wesenheit des Menschen bewusst wird.

[ 63 ] Heute möchte ich, die Betrachtung beschließend, zusammenfassen in zwei Sätzen dasjenige, was ich aus der geisteswissenschaftlichen Betrachtung des freien Handelns und der Seelenunsterblichkeit vor Ihnen herausgeholt habe, was ich versucht habe zu zeigen: dass man nicht die Freiheit verstehen kann, ohne die Unsterblichkeit zu erkennen, und die Unsterblichkeit nicht, ohne die Konsequenz der wirklichen Unsterblichkeit, die Freiheit, anzuschauen. Der unsterbliche Mensch ist ein freier Mensch, das aus der Unsterblichkeit stammende Wollen ist ein freies. Der Mensch nähert sich mit seinen gewöhnlichen Handlungen diesen freien Handlungen. Der sterbliche Mensch ist auf dem Wege zur Freiheit. Indem der sterbliche Mensch den unsterblichen immer mehr und mehr in sich zu einem bewussten Wesen erhebt, wird er sich seiner Freiheit bewusst. Der Mensch ist zur Freiheit geboren, aber er muss sich zur Verwirklichung der Freiheit selbst erziehen.

[ 63 ] Heute möchte ich, die Betrachtung beschließend, zusammenfassen in zwei Sätzen dasjenige, was ich aus der geisteswissenschaftlichen Betrachtung des freien Handelns und der Seelenunsterblichkeit vor Ihnen herausgeholt habe, was ich versucht habe zu zeigen: dass man nicht die Freiheit verstehen kann, ohne die Unsterblichkeit zu erkennen, und die Unsterblichkeit nicht, ohne die Konsequenz der wirklichen Unsterblichkeit, die Freiheit, anzuschauen. Der unsterbliche Mensch ist ein freier Mensch, das aus der Unsterblichkeit stammende Wollen ist ein freies. Der Mensch nähert sich mit seinen gewöhnlichen Handlungen diesen freien Handlungen. Der sterbliche Mensch ist auf dem Wege zur Freiheit. Indem der sterbliche Mensch den unsterblichen immer mehr und mehr in sich zu einem bewussten Wesen erhebt, wird er sich seiner Freiheit bewusst. Der Mensch ist zur Freiheit geboren, aber er muss sich zur Verwirklichung der Freiheit selbst erziehen.