The Human Being as a
Spirit and Soul Being
GA 71b
27 May 1918, Vienna
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Der Mensch als Geist- und Seelenwesen
13. Wie kann man Wissenschaftlich das übersinnliche Leben und Wesen der Menschenseele erkennen? Ergebnisse geistiger Wirklichkeitsforschung
13. Wie kann man Wissenschaftlich das übersinnliche Leben und Wesen der Menschenseele erkennen? Ergebnisse geistiger Wirklichkeitsforschung
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Die Dinge, über die ich Ihnen heute und übermorgen werde zu sprechen haben, sie sind Gegenstand der Erkenntnis, der Sehnsucht, welche eine jede Menschenseele erfüllt; man kann aber von ihnen auf der andern Seite sagen, dass sie zu gleicher Zeit in der Gegenwart gerade die Gegenstände einer Diskussion sind, in welcher das Für und Wider in der eindringlichsten Weise aufgebracht wird, und in welcher ebenso viele missverständliche Wissenschaftlichkeit auf der einen Seite, wie auf der andern Seite wesenloser, aber oftmals gut gemeinter Dilettantismus herrscht. Meine Aufgabe soll es gerade sein, heute Ihnen aufzuzeigen, dass in der Methode, in der Art der Forschung nach dem Geistes- oder Seelenleben des Menschen Wissenschaftlichkeit durchaus möglich ist, und auf der anderen Seite zu gleicher Zeit darauf hinzuweisen, worin Dilettantismus, Laientum und dergleichen gerade auf diesem Gebiete sich geltend machen müssen. Wir werden, meine sehr verehrten Anwesenden, sehen, dass es sich auf dem Gebiet einer wirklichen Geistesforschung, wie sie hier gemeint ist, darum handelt, eine ganz neue Erkenntnisart anzustreben, nicht nur ein anderes Gebiet der Erkenntnis, eine Erkenntnisart, von der sich ebenso wenig die gewöhnliche Wissenschaft der Gegenwart wie auch das Laientum einen richtigen Begriff machen, eine Erkenntnisart aber, die auf der andern Seite in den Instinkten, in den unbewussten Antrieben der Seelen unserer Zeit durchaus im weitesten Umfange schon vorbereitet ist und von der man ganz gewiss — wie derjenige, der von dieser so gearteten Geisteswissenschaft durchdrungen ist — in nicht allzu ferner Zukunft eine ganz andere Anschauung haben wird als in der Gegenwart.
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Die Dinge, über die ich Ihnen heute und übermorgen werde zu sprechen haben, sie sind Gegenstand der Erkenntnis, der Sehnsucht, welche eine jede Menschenseele erfüllt; man kann aber von ihnen auf der andern Seite sagen, dass sie zu gleicher Zeit in der Gegenwart gerade die Gegenstände einer Diskussion sind, in welcher das Für und Wider in der eindringlichsten Weise aufgebracht wird, und in welcher ebenso viele missverständliche Wissenschaftlichkeit auf der einen Seite, wie auf der andern Seite wesenloser, aber oftmals gut gemeinter Dilettantismus herrscht. Meine Aufgabe soll es gerade sein, heute Ihnen aufzuzeigen, dass in der Methode, in der Art der Forschung nach dem Geistes- oder Seelenleben des Menschen Wissenschaftlichkeit durchaus möglich ist, und auf der anderen Seite zu gleicher Zeit darauf hinzuweisen, worin Dilettantismus, Laientum und dergleichen gerade auf diesem Gebiete sich geltend machen müssen. Wir werden, meine sehr verehrten Anwesenden, sehen, dass es sich auf dem Gebiet einer wirklichen Geistesforschung, wie sie hier gemeint ist, darum handelt, eine ganz neue Erkenntnisart anzustreben, nicht nur ein anderes Gebiet der Erkenntnis, eine Erkenntnisart, von der sich ebenso wenig die gewöhnliche Wissenschaft der Gegenwart wie auch das Laientum einen richtigen Begriff machen, eine Erkenntnisart aber, die auf der andern Seite in den Instinkten, in den unbewussten Antrieben der Seelen unserer Zeit durchaus im weitesten Umfange schon vorbereitet ist und von der man ganz gewiss — wie derjenige, der von dieser so gearteten Geisteswissenschaft durchdrungen ist — in nicht allzu ferner Zukunft eine ganz andere Anschauung haben wird als in der Gegenwart.
[ 2 ] Der Gegenstand, über den ich heute und übermorgen sprechen werde, wird allerdings nach manchem Vorurteil als träumerisch, phantastisch oder noch schlimmer bezeichnet. Derjenige, der sich wissenschaftlich durcharbeiten will zu dieser Erkenntnisart, von der ich sprechen will, muss allerdings zwei Voraussetzungen erlebt haben, und ich rede von Erlebnissen. Man kann zu der hier gemeinten Wissenschaftlichkeit nicht so herandringen, ich möchte sagen im Sprunge, so, wie man als junger Mensch nach der gewöhnlichen Vorbereitung an irgendeine andere Wissenschaft herantreten kann. Man muss, wenn man diese Wissenschaft praktisch handhaben will, eben mit anderen Methoden nach der gesamten menschlichen Erkenntnis streben. Man muss gewisse Erfahrungen und Erlebnisse voll durchgemacht haben.
[ 2 ] Der Gegenstand, über den ich heute und übermorgen sprechen werde, wird allerdings nach manchem Vorurteil als träumerisch, phantastisch oder noch schlimmer bezeichnet. Derjenige, der sich wissenschaftlich durcharbeiten will zu dieser Erkenntnisart, von der ich sprechen will, muss allerdings zwei Voraussetzungen erlebt haben, und ich rede von Erlebnissen. Man kann zu der hier gemeinten Wissenschaftlichkeit nicht so herandringen, ich möchte sagen im Sprunge, so, wie man als junger Mensch nach der gewöhnlichen Vorbereitung an irgendeine andere Wissenschaft herantreten kann. Man muss, wenn man diese Wissenschaft praktisch handhaben will, eben mit anderen Methoden nach der gesamten menschlichen Erkenntnis streben. Man muss gewisse Erfahrungen und Erlebnisse voll durchgemacht haben.
[ 3 ] Das eine Erlebnis ist durchzumachen mit dem, was heute mit Recht in den weitesten Kreisen und von denjenigen Menschen, die von der Sache etwas verstehen, bewundert wird, weil es — insbesondere im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts und in der Gegenwart, die Menschen unendlich weit darin gebracht haben. Das ist die naturwissenschaftliche Erkenntnis; und derjenige, der zu der hier gemeinten Geisteswissenschaft durchdringen will, muss kennen dasjenige, was man erleben kann in Bezug auf das große Menschheitsrätsel gerade aus der naturwissenschaftlichen Erkenntnisart heraus. Man muss immer wieder und wieder in innerem Ringen erlebt haben, wie weit man mit dieser naturwissenschaftlichen Erkenntnisart in Bezug auf die höchsten Fragen des Geistes- und Seelenlebens kommen kann. Und man muss nicht, wie das bei vielen Menschen der Fall ist, nur theoretisch auf diesem Gebiete zu einer gewissen Grenze gelangt sein. Man muss zu dieser Grenze vielmehr durch eine innere Seelenpraxis gekommen sein. Der Mensch muss zu jener Grenze gekommen sein auf eine Art, wie sich die Naturwissenschaft in sich selbst verhält. In ihrer Art und Methode ist sie auf ihrem Gebiete, auf dem sie so Glänzendes geleistet hat, zu ihren Ergebnissen gerade dadurch gekommen, dass sie in ihrer Methode so gewissenhaft und exakt, so den Gegenständen angemessen vorgegangen ist, wie das [von] je eben der Fall ist.
[ 3 ] Das eine Erlebnis ist durchzumachen mit dem, was heute mit Recht in den weitesten Kreisen und von denjenigen Menschen, die von der Sache etwas verstehen, bewundert wird, weil es — insbesondere im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts und in der Gegenwart, die Menschen unendlich weit darin gebracht haben. Das ist die naturwissenschaftliche Erkenntnis; und derjenige, der zu der hier gemeinten Geisteswissenschaft durchdringen will, muss kennen dasjenige, was man erleben kann in Bezug auf das große Menschheitsrätsel gerade aus der naturwissenschaftlichen Erkenntnisart heraus. Man muss immer wieder und wieder in innerem Ringen erlebt haben, wie weit man mit dieser naturwissenschaftlichen Erkenntnisart in Bezug auf die höchsten Fragen des Geistes- und Seelenlebens kommen kann. Und man muss nicht, wie das bei vielen Menschen der Fall ist, nur theoretisch auf diesem Gebiete zu einer gewissen Grenze gelangt sein. Man muss zu dieser Grenze vielmehr durch eine innere Seelenpraxis gekommen sein. Der Mensch muss zu jener Grenze gekommen sein auf eine Art, wie sich die Naturwissenschaft in sich selbst verhält. In ihrer Art und Methode ist sie auf ihrem Gebiete, auf dem sie so Glänzendes geleistet hat, zu ihren Ergebnissen gerade dadurch gekommen, dass sie in ihrer Methode so gewissenhaft und exakt, so den Gegenständen angemessen vorgegangen ist, wie das [von] je eben der Fall ist.
[ 4 ] Der Mensch muss also alles das durchgemacht haben: wie man naturwissenschaftlich forscht, wie man in der Naturwissenschaft in die Weltgeheimnisse eindringen kann und wie weit man mit dieser naturwissenschaftlichen Forschung kommen kann, aber er kann nicht — wie du Bois-Reymond, der [Physiologe], der in den Siebzigerjahren berühmt war und heute leider viel zu sehr vergessen ist, mit Recht betont hat —, er kann nicht in der Seelenforschung rein theoretisch dazu kommen, denn er muss nicht nur logisch und exakt wissenschaftlich die Art des Forschens auf diesem Gebiete innerlich durchmachen, sondern er muss seelisch erleben, was hierbei in das Menschenbewusstsein hereindringt — er muss nicht nur rein wissenschaftlich sich in das Gebiet dieser Wissenschaft hineinarbeiten.
[ 4 ] Der Mensch muss also alles das durchgemacht haben: wie man naturwissenschaftlich forscht, wie man in der Naturwissenschaft in die Weltgeheimnisse eindringen kann und wie weit man mit dieser naturwissenschaftlichen Forschung kommen kann, aber er kann nicht — wie du Bois-Reymond, der [Physiologe], der in den Siebzigerjahren berühmt war und heute leider viel zu sehr vergessen ist, mit Recht betont hat —, er kann nicht in der Seelenforschung rein theoretisch dazu kommen, denn er muss nicht nur logisch und exakt wissenschaftlich die Art des Forschens auf diesem Gebiete innerlich durchmachen, sondern er muss seelisch erleben, was hierbei in das Menschenbewusstsein hereindringt — er muss nicht nur rein wissenschaftlich sich in das Gebiet dieser Wissenschaft hineinarbeiten.
[ 5 ] Und da zeigt sich — ich will die Sache heute vom Standpunkt des Erlebens schildern — dass gerade dann, wenn man recht auf dem Boden der Naturwissenschaftlichkeit bleibt, man zu gewissen Begriffen und Vorstellungen kommen muss, denen gegenüber man immer wieder und immer wieder zu dem Geständnis genötigt ist: Da kann man nicht weiter, man kann nicht durch. Da versagt der Mut der Leute, da steht man an der Grenze des Erlebens. Aber es muss nicht so sein, vielmehr zeigt es sich, dass Begriffe, mit denen man sich die Naturkräfte zum Verständnis bringt, durch die naturwissenschaftliche Erkenntnisart nicht durchdrungen werden können, sondern stehen bleiben und sich schließlich zu einer geistigen Wirklichkeit gestalten, dass diese geistige Wirklichkeit stehen bleibt, dass sie sich nicht auflöst im menschlichen Innern, dass sie als Rest zurückbleibt, mit dem man in dieses menschliche Innere nicht vordringen kann.
[ 5 ] Und da zeigt sich — ich will die Sache heute vom Standpunkt des Erlebens schildern — dass gerade dann, wenn man recht auf dem Boden der Naturwissenschaftlichkeit bleibt, man zu gewissen Begriffen und Vorstellungen kommen muss, denen gegenüber man immer wieder und immer wieder zu dem Geständnis genötigt ist: Da kann man nicht weiter, man kann nicht durch. Da versagt der Mut der Leute, da steht man an der Grenze des Erlebens. Aber es muss nicht so sein, vielmehr zeigt es sich, dass Begriffe, mit denen man sich die Naturkräfte zum Verständnis bringt, durch die naturwissenschaftliche Erkenntnisart nicht durchdrungen werden können, sondern stehen bleiben und sich schließlich zu einer geistigen Wirklichkeit gestalten, dass diese geistige Wirklichkeit stehen bleibt, dass sie sich nicht auflöst im menschlichen Innern, dass sie als Rest zurückbleibt, mit dem man in dieses menschliche Innere nicht vordringen kann.
[ 6 ] Nur andeuten will ich, dass man bei dem Ringen mit diesen Grenzvorstellungen so verfährt, als ob man, bildlich gesprochen, das, was man selbst tut und ausbildet im naturwissenschaftlichen Lernen, wie in einem Spiegel wiedersehen würde. Es ist wirklich ein solches Ringen, wenn man seine eigenen Begriffe ausbildet; aber man bildet sie an der äußeren Welt so aus, wie der Mensch, der vor dem Spiegel steht und sein eigenes Bild sich durch den Spiegel formen sieht. Und wenn man versucht, weiter zu dringen, dann ist es so — ich werde bei dem Bilde bleiben —, als ob man den Spiegel zerschlagen würde. Man sieht nichts mehr, wenn der Spiegel zerschlagen ist, und so bleibt auch nichts übrig, wenn man versucht, auf dieselbe Art diesen primären Begriffen weiter zuzusetzen.
[ 6 ] Nur andeuten will ich, dass man bei dem Ringen mit diesen Grenzvorstellungen so verfährt, als ob man, bildlich gesprochen, das, was man selbst tut und ausbildet im naturwissenschaftlichen Lernen, wie in einem Spiegel wiedersehen würde. Es ist wirklich ein solches Ringen, wenn man seine eigenen Begriffe ausbildet; aber man bildet sie an der äußeren Welt so aus, wie der Mensch, der vor dem Spiegel steht und sein eigenes Bild sich durch den Spiegel formen sieht. Und wenn man versucht, weiter zu dringen, dann ist es so — ich werde bei dem Bilde bleiben —, als ob man den Spiegel zerschlagen würde. Man sieht nichts mehr, wenn der Spiegel zerschlagen ist, und so bleibt auch nichts übrig, wenn man versucht, auf dieselbe Art diesen primären Begriffen weiter zuzusetzen.
[ 7 ] Also naturwissenschaftlich kann man, wenn man in der richtigen Art nicht vorgeht, unmöglich zu etwas anderem als zu einer Erkenntnis gelangen, bei der man stehen bleiben muss. Dies tritt also gerade dann ein, wenn man in der richtigen Art nicht vorgeht, denn dann müssen Sie den Spiegel zerbrechen, das heißt: Der Geistesforscher darf nun nicht bei dieser Erkenntnis stehen bleiben. Er muss weitergehen und sich fragen: Was ist eigentlich das innere Erleben? Was macht da, dass unsere naturwissenschaftliche Erkenntnis zerbricht, dass es so ist, als ob wir den Spiegel zerbrechen wollten, wenn wir weiter drängen? Und wenn sich dann der Geistesforscher so recht darauf einlässt, diese naturwissenschaftlichen Begriffe in Bezug auf das menschliche Seelenleben zu betrachten, wenn er sich die hypothetische Frage vorlegt: Wie wäre der Mensch, wenn er hier in naturwissenschaftlicher Erkenntnis weiterdringen würde, wenn es ihm gelingen würde, ebenso glänzende Resultate zu erreichen auf diesem Gebiete, über die er auf anderen verfügt, und wenn er auch über diese Grenze hineindringen würde? —, so muss man sagen: Die Menschen müssten anders organisiert sein, andere Arten der Erkenntnisfähigkeit haben.
[ 7 ] Also naturwissenschaftlich kann man, wenn man in der richtigen Art nicht vorgeht, unmöglich zu etwas anderem als zu einer Erkenntnis gelangen, bei der man stehen bleiben muss. Dies tritt also gerade dann ein, wenn man in der richtigen Art nicht vorgeht, denn dann müssen Sie den Spiegel zerbrechen, das heißt: Der Geistesforscher darf nun nicht bei dieser Erkenntnis stehen bleiben. Er muss weitergehen und sich fragen: Was ist eigentlich das innere Erleben? Was macht da, dass unsere naturwissenschaftliche Erkenntnis zerbricht, dass es so ist, als ob wir den Spiegel zerbrechen wollten, wenn wir weiter drängen? Und wenn sich dann der Geistesforscher so recht darauf einlässt, diese naturwissenschaftlichen Begriffe in Bezug auf das menschliche Seelenleben zu betrachten, wenn er sich die hypothetische Frage vorlegt: Wie wäre der Mensch, wenn er hier in naturwissenschaftlicher Erkenntnis weiterdringen würde, wenn es ihm gelingen würde, ebenso glänzende Resultate zu erreichen auf diesem Gebiete, über die er auf anderen verfügt, und wenn er auch über diese Grenze hineindringen würde? —, so muss man sagen: Die Menschen müssten anders organisiert sein, andere Arten der Erkenntnisfähigkeit haben.
[ 8 ] Aber was würde das bedeuten? Diese letzte Frage hat auf die Wissenschaft der Gegenwart nicht Bezug. Vom Standpunkt ihrer Weltberrachtung wird nicht gefragt: Wie müssten Menschen beschaffen sein, welche in die Gebiete hineindringen würden auf naturwissenschaftliche Art, in die der Mensch hineindringen will gemäß dem, was er als ernste Bestimmung des Lebens, als Sehnsucht fühlt? Wir werden später auf diese Sache noch genau einzugehen haben, aber jetzt gebe ich [es] nur vom Erkenntnisstandpunkt an und meine ganz hypothetisch: Wären die naturwissenschaftlichen Grenzvorstellungen mit den Mitteln zu bewältigen, mit denen sie nicht bewältigt werden können, dann wären entweder die Dinge so, dass die naturwissenschaftliche Methode in sie hineindringen könnte, oder es wäre der Mensch so organisiert, dass er untertauchen könnte in diese Welt, und dann wäre der Mensch nicht fähig, eine bestimmte Kraft zu entwickeln, die mit dem Menschenleben, wie es auf Erden ist, eng zusammenhängt. Der Mensch wäre nicht fähig, wenn er so organisiert wäre, Liebe zu irgendeinem Wesen oder auch zu seinen Mitmenschen zu entwickeln. Ein Mensch, der die Welt naturwissenschaftlich durchschauen könnte, würde ein liebloses Wesen sein, in dem die Kraft der Liebe niemals Platz greifen würde. Der Mensch müsste also anders sein; die Liebe in den verschiedenen Stufen bis zur höchsten Begeisterung hinauf würde auf allen Stufen des menschlichen Daseins fehlen, wenn es nicht, naturwissenschaftlich gesprochen, diese Grenzen geben würde.
[ 8 ] Aber was würde das bedeuten? Diese letzte Frage hat auf die Wissenschaft der Gegenwart nicht Bezug. Vom Standpunkt ihrer Weltberrachtung wird nicht gefragt: Wie müssten Menschen beschaffen sein, welche in die Gebiete hineindringen würden auf naturwissenschaftliche Art, in die der Mensch hineindringen will gemäß dem, was er als ernste Bestimmung des Lebens, als Sehnsucht fühlt? Wir werden später auf diese Sache noch genau einzugehen haben, aber jetzt gebe ich [es] nur vom Erkenntnisstandpunkt an und meine ganz hypothetisch: Wären die naturwissenschaftlichen Grenzvorstellungen mit den Mitteln zu bewältigen, mit denen sie nicht bewältigt werden können, dann wären entweder die Dinge so, dass die naturwissenschaftliche Methode in sie hineindringen könnte, oder es wäre der Mensch so organisiert, dass er untertauchen könnte in diese Welt, und dann wäre der Mensch nicht fähig, eine bestimmte Kraft zu entwickeln, die mit dem Menschenleben, wie es auf Erden ist, eng zusammenhängt. Der Mensch wäre nicht fähig, wenn er so organisiert wäre, Liebe zu irgendeinem Wesen oder auch zu seinen Mitmenschen zu entwickeln. Ein Mensch, der die Welt naturwissenschaftlich durchschauen könnte, würde ein liebloses Wesen sein, in dem die Kraft der Liebe niemals Platz greifen würde. Der Mensch müsste also anders sein; die Liebe in den verschiedenen Stufen bis zur höchsten Begeisterung hinauf würde auf allen Stufen des menschlichen Daseins fehlen, wenn es nicht, naturwissenschaftlich gesprochen, diese Grenzen geben würde.
[ 9 ] Das erlebt man dadurch, dass man als Geistesforscher in die Lage versetzt ist, den Menschen so genau anzusehen, dass man sagen kann, wie der Mensch wäre, wenn ihm die eine oder andere Fähigkeit fehlen würde, wenn etwas wegfallen würde von der gesamten menschlichen Organisation. Deshalb kann man sagen, dass der Mensch, der naturwissenschaftlich bis zu den höchsten Fragen vordringen könnte, ein liebloser Mensch wäre, also ein ganz anderes Wesen, als der Mensch auf Erden ist. Die Ansicht, dass es so sein muss, haben heute nicht viele Menschen, denn sie ist das Ergebnis eines langjährigen wissenschaftlichen Forschungsweges, aber den Instinkt davon haben viele Menschen. Ich möchte sagen, wenn ich einen paradoxen Ausdruck gebrauchen darf: Das unbewusste Wissen davon haben viele Menschen. Viele sagen sich heute schon: Dasjenige, was man heute Wissenschaft nennt, kann uns Befriedigung nicht bringen, die muss auf anderen Wegen gesucht werden. Und diese andern Wege bilden heute vielfach den Tummelplatz von solchen laienhaften theoretischen Bestrebungen der Menschen, die sich sagen: Die Wissenschaft kann mir das nicht geben, was ich im Ernste suche; und sie kommen dazu, auf dem Wege dessen, was man oftmals im Leben Mystik nennt, vorzudringen zur Lösung dieser höchsten menschlichen Fragen. Aber diese gewöhnliche Mystik und alles das, was sich unter verschiedenen Namen wie Okkultismus, Transzendentalismus und so weiter birgt, ist ebenso wenig geeignet, in die Tiefe des menschlichen Daseins in wahrer Wirklichkeit einzudringen.
[ 9 ] Das erlebt man dadurch, dass man als Geistesforscher in die Lage versetzt ist, den Menschen so genau anzusehen, dass man sagen kann, wie der Mensch wäre, wenn ihm die eine oder andere Fähigkeit fehlen würde, wenn etwas wegfallen würde von der gesamten menschlichen Organisation. Deshalb kann man sagen, dass der Mensch, der naturwissenschaftlich bis zu den höchsten Fragen vordringen könnte, ein liebloser Mensch wäre, also ein ganz anderes Wesen, als der Mensch auf Erden ist. Die Ansicht, dass es so sein muss, haben heute nicht viele Menschen, denn sie ist das Ergebnis eines langjährigen wissenschaftlichen Forschungsweges, aber den Instinkt davon haben viele Menschen. Ich möchte sagen, wenn ich einen paradoxen Ausdruck gebrauchen darf: Das unbewusste Wissen davon haben viele Menschen. Viele sagen sich heute schon: Dasjenige, was man heute Wissenschaft nennt, kann uns Befriedigung nicht bringen, die muss auf anderen Wegen gesucht werden. Und diese andern Wege bilden heute vielfach den Tummelplatz von solchen laienhaften theoretischen Bestrebungen der Menschen, die sich sagen: Die Wissenschaft kann mir das nicht geben, was ich im Ernste suche; und sie kommen dazu, auf dem Wege dessen, was man oftmals im Leben Mystik nennt, vorzudringen zur Lösung dieser höchsten menschlichen Fragen. Aber diese gewöhnliche Mystik und alles das, was sich unter verschiedenen Namen wie Okkultismus, Transzendentalismus und so weiter birgt, ist ebenso wenig geeignet, in die Tiefe des menschlichen Daseins in wahrer Wirklichkeit einzudringen.
[ 10 ] Die Geisteswissenschaft muss hinter sich haben auf der einen Seite die Erfahrungen an der Grenze der Naturwissenschaft und auf der andern Seite die Erkenntnis von der Unzulänglichkeit der gewöhnlichen Mystik. Und alle Rederei, wie: Was man nicht auf dem gewöhnlichen Wege, in wissenschaftlicher Art erreichen kann, das muss man erreichen, indem man versucht, das Geistige, das Umfassende der Welt durch innere Vertiefung und Sammlung zu erleben —, ändert nichts daran. Derjenige, der nicht mit Vorurteilen, nicht mit einem lächerlichen Laientum an diese Dinge herangeht, der wird bald im Erleben merken, dass durch dieses Immer-wieder-und-wieder-in-das-Gemüt-Eintauchen, von dem sich die Mystik so viel verspricht, ebenso wenig zur wahren Wirklichkeit beigetragen werden kann wie durch die heutige Naturerkenntnis.
[ 10 ] Die Geisteswissenschaft muss hinter sich haben auf der einen Seite die Erfahrungen an der Grenze der Naturwissenschaft und auf der andern Seite die Erkenntnis von der Unzulänglichkeit der gewöhnlichen Mystik. Und alle Rederei, wie: Was man nicht auf dem gewöhnlichen Wege, in wissenschaftlicher Art erreichen kann, das muss man erreichen, indem man versucht, das Geistige, das Umfassende der Welt durch innere Vertiefung und Sammlung zu erleben —, ändert nichts daran. Derjenige, der nicht mit Vorurteilen, nicht mit einem lächerlichen Laientum an diese Dinge herangeht, der wird bald im Erleben merken, dass durch dieses Immer-wieder-und-wieder-in-das-Gemüt-Eintauchen, von dem sich die Mystik so viel verspricht, ebenso wenig zur wahren Wirklichkeit beigetragen werden kann wie durch die heutige Naturerkenntnis.
[ 11 ] Denn der, der seinen Sinn herangebildet hat an der Naturwissenschaft, weiß sich auch durchzuleben durch das, was man mystische Versenkung nennt, und weiß es in richtigem Sinne anzuschauen. Er muss alle diese Selbstexperimente durchmachen, er kann es machen und kann auch anschauen, indem er es macht, und weiß, dass man auf diesem Wege nicht weiterkommt als bis zur Form des Bildes der Wirklichkeit. Aber in dieses mischt sich noch sehr viel vom menschlichen Wollen und so viel von dem, was man nicht ausschließen kann, was man bisher erlebt hat, und von anderen Dingen, die das Unterbewusstsein in den Tiefen der Seele birgt, dass das bloße Versenken in das Innere niemals Sicherheit der Erkenntnis geben kann, sodass man sich sagen muss: Durch Mystik kann man bis zu einem gewissen Grade in sich untertauchen, aber nicht so weit, dass man anlangen würde beim Kern des eigenen Menschenwesens, wo man das Sein und nicht mehr das bloße Bild, das man fühlt und lebt, ergreifen könnte.
[ 11 ] Denn der, der seinen Sinn herangebildet hat an der Naturwissenschaft, weiß sich auch durchzuleben durch das, was man mystische Versenkung nennt, und weiß es in richtigem Sinne anzuschauen. Er muss alle diese Selbstexperimente durchmachen, er kann es machen und kann auch anschauen, indem er es macht, und weiß, dass man auf diesem Wege nicht weiterkommt als bis zur Form des Bildes der Wirklichkeit. Aber in dieses mischt sich noch sehr viel vom menschlichen Wollen und so viel von dem, was man nicht ausschließen kann, was man bisher erlebt hat, und von anderen Dingen, die das Unterbewusstsein in den Tiefen der Seele birgt, dass das bloße Versenken in das Innere niemals Sicherheit der Erkenntnis geben kann, sodass man sich sagen muss: Durch Mystik kann man bis zu einem gewissen Grade in sich untertauchen, aber nicht so weit, dass man anlangen würde beim Kern des eigenen Menschenwesens, wo man das Sein und nicht mehr das bloße Bild, das man fühlt und lebt, ergreifen könnte.
[ 12 ] Diese zwei Erlebnisweisen muss man hinter sich haben, man muss — in Bezug auf das Naturerleben und das gewöhnliche mystische Anschauen — an diesen zwei Grenzen gestanden haben und sich sagen können: Die äußere Wirklichkeit ergibt sich niemals vollständig, weil wir sonst den Spiegel zerschlagen würden, da fließt die Wirklichkeit nicht in uns hinein; und mit gewöhnlicher Mystik kommen wir nicht bis zur Wirklichkeit heran, wir bleiben bei dem Bild, wir bleiben bei dem, was in der Wirklichkeit auftaucht, aber wir tauchen nicht hinein, und ein Abgrund eröffnet sich zwischen dem, was die äußere Naturerkenntnis ist, und [dem], was die Mystik erkennen lässt. Es bleibt nur ein Bild, nur der Dampf einer wahren Wirklichkeit der Seele, der hervorquillt aus der Wirklichkeit im Seelenlicht, aber über den Abgrund kommen wir nicht, und wenn wir hinüberblicken auf die Wirklichkeit, so bleibt sie uns völlig fremd. Gerade auf diesem Gebiete wird im praktischen Erlebnis die naturwissenschaftliche Methode gar nie in der Lage sein, das Erkennen zu ergreifen und über diesen Abgrund hinwegzuführen.
[ 12 ] Diese zwei Erlebnisweisen muss man hinter sich haben, man muss — in Bezug auf das Naturerleben und das gewöhnliche mystische Anschauen — an diesen zwei Grenzen gestanden haben und sich sagen können: Die äußere Wirklichkeit ergibt sich niemals vollständig, weil wir sonst den Spiegel zerschlagen würden, da fließt die Wirklichkeit nicht in uns hinein; und mit gewöhnlicher Mystik kommen wir nicht bis zur Wirklichkeit heran, wir bleiben bei dem Bild, wir bleiben bei dem, was in der Wirklichkeit auftaucht, aber wir tauchen nicht hinein, und ein Abgrund eröffnet sich zwischen dem, was die äußere Naturerkenntnis ist, und [dem], was die Mystik erkennen lässt. Es bleibt nur ein Bild, nur der Dampf einer wahren Wirklichkeit der Seele, der hervorquillt aus der Wirklichkeit im Seelenlicht, aber über den Abgrund kommen wir nicht, und wenn wir hinüberblicken auf die Wirklichkeit, so bleibt sie uns völlig fremd. Gerade auf diesem Gebiete wird im praktischen Erlebnis die naturwissenschaftliche Methode gar nie in der Lage sein, das Erkennen zu ergreifen und über diesen Abgrund hinwegzuführen.
[ 13 ] Ich will an einem Beispiele, das ich aus der Literatur entnehme, die Richtigkeit meiner Behauptung beweisen. Das Beispiel zeigt, wie man sich als Naturforscher hilflos vorkommt, wenn man an das innere Leben des Menschen herantritt. Dieses Beispiel hat beschrieben in einer Sammlung, die diese zwei Grenzfragen behandelt, in der sogenannten Wiesbadener Sammlung, Waldstein, und an diesem Beispiel ist recht ersichtlich, in welch hilfloser Lage ein Naturforscher der Gegenwart ist dann, wenn er mit dieser Methode in die Tiefen der Seele eindringen will. Der Verfasser dieser Schrift über das unbewusste Ich erzählt: Er stand einmal vor einem Buchladen; er ist Naturforscher, viele Bücher sind in dem Buchladen, und sein Blick fällt auf ein Buch, das den Titel führt: «Über die Mollusken». Das kann den Naturforscher interessieren, da es in diesem Falle in sein Spezialfach einschlägt, und während er hinblickt auf den Titel des Buches «Über die Mollusken» fühlt sich Waldstein plötzlich gedrängt zu lächeln.
[ 13 ] Ich will an einem Beispiele, das ich aus der Literatur entnehme, die Richtigkeit meiner Behauptung beweisen. Das Beispiel zeigt, wie man sich als Naturforscher hilflos vorkommt, wenn man an das innere Leben des Menschen herantritt. Dieses Beispiel hat beschrieben in einer Sammlung, die diese zwei Grenzfragen behandelt, in der sogenannten Wiesbadener Sammlung, Waldstein, und an diesem Beispiel ist recht ersichtlich, in welch hilfloser Lage ein Naturforscher der Gegenwart ist dann, wenn er mit dieser Methode in die Tiefen der Seele eindringen will. Der Verfasser dieser Schrift über das unbewusste Ich erzählt: Er stand einmal vor einem Buchladen; er ist Naturforscher, viele Bücher sind in dem Buchladen, und sein Blick fällt auf ein Buch, das den Titel führt: «Über die Mollusken». Das kann den Naturforscher interessieren, da es in diesem Falle in sein Spezialfach einschlägt, und während er hinblickt auf den Titel des Buches «Über die Mollusken» fühlt sich Waldstein plötzlich gedrängt zu lächeln.
[ 14 ] Nun ist er selbst darüber erstaunt, warum er lächeln muss, denn einem ernsten Naturforscher kann es doch nicht einfallen zu lächeln, und der Blick auf eine so ernste Sache wie das Buch «Über die Mollusken» ist doch kein Anlass zum Lächeln. Er will dahinterkommen, warum scheinbar dieses Molluskenbuch ihn zum Lächeln veranlasst, und er macht es auch sehr geistreich, indem er die Augen schließt und versucht, nur zu hören. Und da hört er von sehr ferne eine Drehorgel, die er nicht gehört hatte, während er seine Aufmerksamkeit auf das Buch über die Mollusken richtete. Und die Orgel spielte eine Melodie, bei welcher er vor zehn Jahren tanzen gelernt hat. Er hat damals, als er tanzen gelernt hat, auch nicht mit besonderer Aufmerksamkeit auf die Melodie gehorcht, denn er sagt, er hat damals viel mehr achtgegeben auf seine Schritte und auf seine Partnerin, nicht aber auf die Melodie; damals hat er also auf die Melodie nicht achtgegeben, jetzt war die Aufmerksamkeit ganz abgelenkt und nur leise klingt in seiner Seele das, was vor zehn Jahren auch nur leise geklungen hat, und dennoch — dieses leise dämmernde Erleben weckte in ihm den Eindruck, dass er vor dem ernsten Molluskenbuche zu lächeln beginnt.
[ 14 ] Nun ist er selbst darüber erstaunt, warum er lächeln muss, denn einem ernsten Naturforscher kann es doch nicht einfallen zu lächeln, und der Blick auf eine so ernste Sache wie das Buch «Über die Mollusken» ist doch kein Anlass zum Lächeln. Er will dahinterkommen, warum scheinbar dieses Molluskenbuch ihn zum Lächeln veranlasst, und er macht es auch sehr geistreich, indem er die Augen schließt und versucht, nur zu hören. Und da hört er von sehr ferne eine Drehorgel, die er nicht gehört hatte, während er seine Aufmerksamkeit auf das Buch über die Mollusken richtete. Und die Orgel spielte eine Melodie, bei welcher er vor zehn Jahren tanzen gelernt hat. Er hat damals, als er tanzen gelernt hat, auch nicht mit besonderer Aufmerksamkeit auf die Melodie gehorcht, denn er sagt, er hat damals viel mehr achtgegeben auf seine Schritte und auf seine Partnerin, nicht aber auf die Melodie; damals hat er also auf die Melodie nicht achtgegeben, jetzt war die Aufmerksamkeit ganz abgelenkt und nur leise klingt in seiner Seele das, was vor zehn Jahren auch nur leise geklungen hat, und dennoch — dieses leise dämmernde Erleben weckte in ihm den Eindruck, dass er vor dem ernsten Molluskenbuche zu lächeln beginnt.
[ 15 ] Man sieht, was sich derjenige, der dieser ernsten Sache gegenübersteht, sagen muss: Was er da alles hinauf- und aus seiner Seele hervorholt, worüber man sich gar keine Aufklärung verschaffen kann. Der Naturforscher Waldstein hat nur dadurch die Sache bemerkt, dass er die Augen zugemacht und nachgeforscht hat, und man muss sagen: Der Mensch, der darüber nachdenkt, muss einsehen, dass dieses menschliche Erinnerungsvermögen etwas ganz Merkwürdiges ist. Das gewöhnliche Erinnerungsvermögen überschauen wir und wir wissen gewöhnlich auch anzugeben, worauf sich unsere Erinnerungen beziehen — denn darauf beruht unser Vorstellungsvermögen, aber wir können nie dafür garantieren, dass nicht unbewusste fremde Elemente sich hineinmischen. Aber trotzdem bildet das, was der Erinnerung anvertraut ist, mit den besten Teil unseres Seelenlebens. ... [Lücke]
[ 15 ] Man sieht, was sich derjenige, der dieser ernsten Sache gegenübersteht, sagen muss: Was er da alles hinauf- und aus seiner Seele hervorholt, worüber man sich gar keine Aufklärung verschaffen kann. Der Naturforscher Waldstein hat nur dadurch die Sache bemerkt, dass er die Augen zugemacht und nachgeforscht hat, und man muss sagen: Der Mensch, der darüber nachdenkt, muss einsehen, dass dieses menschliche Erinnerungsvermögen etwas ganz Merkwürdiges ist. Das gewöhnliche Erinnerungsvermögen überschauen wir und wir wissen gewöhnlich auch anzugeben, worauf sich unsere Erinnerungen beziehen — denn darauf beruht unser Vorstellungsvermögen, aber wir können nie dafür garantieren, dass nicht unbewusste fremde Elemente sich hineinmischen. Aber trotzdem bildet das, was der Erinnerung anvertraut ist, mit den besten Teil unseres Seelenlebens. ... [Lücke]
[ 16 ] Wenn nun dem Geistesforscher eine solche Beobachtung sich darbietet wie die Waldsteins, dann kommt er darauf, wieder in innerem Erleben nachzuschauen und sich zu fragen: Wie kommt es, dass die gewöhnliche Mystik, dieses Versenken ins eigene Gemüt, unmöglich an eine Wirklichkeit herantreten kann? Derjenige, der die wissenschaftliche Gewissenhaftigkeit kennengelernt hat in der gegenwärtigen Naturforschung, der stellt sich immer wieder in intensiver Weise solche Fragen und wird in zahlreichen Fällen in der Lage sein, anzugeben, wie die Leute, die glauben, durch mystisches Versenken in ihre Seele ein mächtiges, gewaltiges Sein heraufzuholen, nichts anderes tun, wie Töne einer einmal gehörten Drehorgel unbewusst zu hören. Man sagt, er habe sich ins göttliche Sein vertieft, das ist nicht wahr; in ihm ist aufgetaucht ein Jugendeindruck, der sich in ihm widerspiegelt.
[ 16 ] Wenn nun dem Geistesforscher eine solche Beobachtung sich darbietet wie die Waldsteins, dann kommt er darauf, wieder in innerem Erleben nachzuschauen und sich zu fragen: Wie kommt es, dass die gewöhnliche Mystik, dieses Versenken ins eigene Gemüt, unmöglich an eine Wirklichkeit herantreten kann? Derjenige, der die wissenschaftliche Gewissenhaftigkeit kennengelernt hat in der gegenwärtigen Naturforschung, der stellt sich immer wieder in intensiver Weise solche Fragen und wird in zahlreichen Fällen in der Lage sein, anzugeben, wie die Leute, die glauben, durch mystisches Versenken in ihre Seele ein mächtiges, gewaltiges Sein heraufzuholen, nichts anderes tun, wie Töne einer einmal gehörten Drehorgel unbewusst zu hören. Man sagt, er habe sich ins göttliche Sein vertieft, das ist nicht wahr; in ihm ist aufgetaucht ein Jugendeindruck, der sich in ihm widerspiegelt.
[ 17 ] Wahre Wissenschaftlichkeit muss so kritisch als möglich sein; aber wenn man sich durchringt zur wirklichen und wahren Selbstbeobachtung, gelangt man dahin, sich sagen zu können, was der Grund ist, warum man nicht auf dem Wege der gewöhnlichen Mystik dorthin gelangen kann, wo unser Wesen wurzelt. Und man gelangt dazu, sich zu sagen: Im gewöhnlichen Menschenleben kann man nicht anstreben, dahin zu kommen, wo die menschliche Seele in die Wirklichkeit eintaucht, denn es würde einem für dieses Erdenleben dasjenige fehlen, das man haben muss, um Mensch zu sein. Wenn man mit seinem gewöhnlichen Vorstellungsleben in die Tiefe der Wirklichkeit eindringen will, tut man etwas anderes, als zu seinem eigenen Sein vorzudringen, und das ist, dass man entweder ausgestaltet die Wahrnehmung und dasjenige, was man erlebt, sei es als Selbsterfahrung oder als Schicksal — oder dass man Mystik treibt und dasjenige in der Tiefe umgestaltet, was zum Gedächtnis, zur Erinnerung wird. Wir würden kein Erinnern haben, wenn wir hinunterdringen könnten zu den Quellen unseres Seins. Und so wird die Arbeit, die wir leisten wollten auf dem Wege in unsere Seelentiefen, aufgehalten, damit dasjenige, was wir geistig erleben, später durch die Erinnerung sich wieder heraufholen lässt. Wir dürfen nicht in unser Selbst hineindringen, sonst würden wir nichts wissen, wir können nicht in das dringen, was unser Sein ist, weil wir früher stehen bleiben müssen.
[ 17 ] Wahre Wissenschaftlichkeit muss so kritisch als möglich sein; aber wenn man sich durchringt zur wirklichen und wahren Selbstbeobachtung, gelangt man dahin, sich sagen zu können, was der Grund ist, warum man nicht auf dem Wege der gewöhnlichen Mystik dorthin gelangen kann, wo unser Wesen wurzelt. Und man gelangt dazu, sich zu sagen: Im gewöhnlichen Menschenleben kann man nicht anstreben, dahin zu kommen, wo die menschliche Seele in die Wirklichkeit eintaucht, denn es würde einem für dieses Erdenleben dasjenige fehlen, das man haben muss, um Mensch zu sein. Wenn man mit seinem gewöhnlichen Vorstellungsleben in die Tiefe der Wirklichkeit eindringen will, tut man etwas anderes, als zu seinem eigenen Sein vorzudringen, und das ist, dass man entweder ausgestaltet die Wahrnehmung und dasjenige, was man erlebt, sei es als Selbsterfahrung oder als Schicksal — oder dass man Mystik treibt und dasjenige in der Tiefe umgestaltet, was zum Gedächtnis, zur Erinnerung wird. Wir würden kein Erinnern haben, wenn wir hinunterdringen könnten zu den Quellen unseres Seins. Und so wird die Arbeit, die wir leisten wollten auf dem Wege in unsere Seelentiefen, aufgehalten, damit dasjenige, was wir geistig erleben, später durch die Erinnerung sich wieder heraufholen lässt. Wir dürfen nicht in unser Selbst hineindringen, sonst würden wir nichts wissen, wir können nicht in das dringen, was unser Sein ist, weil wir früher stehen bleiben müssen.
[ 18 ] Darum darf man sich nicht verwundern, dass wir geistig nicht hineintauchen, sondern aufgehalten werden durch unser Erinnern, und so kommt man darauf, dass wir vor dem Abgrund der Erkenntnis stehen aus zwei Gründen: Weil der Mensch ein ganz anderes Wesen sein müsste, wenn er in die Naturerkenntnis eindringen könnte, er wäre ein liebeleeres Wesen; und der andere Grund ist der: Wenn der Mensch bei gewöhnlichem Bewusstsein ins eigene Innere sich versenken, untertauchen würde in die eigene Wirklichkeit, dann würde er kein Erinnern und kein Gedächtnis haben, und Sie wissen, was es für das gesunde menschliche Leben bedeuten würde, wenn der Mensch kein Erinnern hätte. Denn seit Jahrtausenden besteht die Gesundheit unseres Seelenlebens darin, dass er sich erinnern kann.
[ 18 ] Darum darf man sich nicht verwundern, dass wir geistig nicht hineintauchen, sondern aufgehalten werden durch unser Erinnern, und so kommt man darauf, dass wir vor dem Abgrund der Erkenntnis stehen aus zwei Gründen: Weil der Mensch ein ganz anderes Wesen sein müsste, wenn er in die Naturerkenntnis eindringen könnte, er wäre ein liebeleeres Wesen; und der andere Grund ist der: Wenn der Mensch bei gewöhnlichem Bewusstsein ins eigene Innere sich versenken, untertauchen würde in die eigene Wirklichkeit, dann würde er kein Erinnern und kein Gedächtnis haben, und Sie wissen, was es für das gesunde menschliche Leben bedeuten würde, wenn der Mensch kein Erinnern hätte. Denn seit Jahrtausenden besteht die Gesundheit unseres Seelenlebens darin, dass er sich erinnern kann.
[ 19 ] Dies, meine sehr verehrten Anwesenden, was ich ausgeführt habe, musste ich vorausschicken, weil diejenigen, die wirkliche Geistesforscher werden wollen, diese Erlebnisse hinter sich haben müssen. Man kann mit der Geisteswissenschaft anfangen, nicht aber mit der Geistesforschung, ohne sie aufzubauen auf die großen Enttäuschungen, auf die Lebensenttäuschungen, die darin bestehen, dass man erkennt, man könne auf naturwissenschaftlichem Wege nicht hinter das Lebensrätsel kommen und man könne die Grenze im Innern durch gewöhnliche Mystik nicht überschreiten ... [Lücke] aber auf der geistigen Seite kann sie — die Geisteswissenschaft — nur so aufbauen, wie es die Naturwissenschaft auf dem äußeren physischen Gebiete tut. Die Geisteswissenschaft muss das Bewusstsein verändern, wenn sie zu den Tiefen des menschlichen Daseins vordringen will. Gerade so, wie man das Wasser nicht belässt, wie es ist, wenn man chemische Experimente machen will, sondern es verändern, es zerlegen muss in Wasserstoff und Sauerstoff durch besondere Vorrichtungen, um darauf zu kommen, was naturwissenschaftlich erforscht werden kann, ebenso muss man in der wirklichen Geistesforschung mit dem menschlichen Innern Veränderungen vornehmen, man muss sich ein rücksichtsloses Geständnis des Lebens machen, das ernst gemeinte Geständnis, dass man mit den Erkenntnisfähigkeiten, die man im Leben hat, nicht hinter die Menschheitsrätsel kommen kann, sondern dass man sie formen und bilden muss, bis man durch sie dringen kann in die Tiefen, in die das gewöhnliche Bewusstsein nicht dringt.
[ 19 ] Dies, meine sehr verehrten Anwesenden, was ich ausgeführt habe, musste ich vorausschicken, weil diejenigen, die wirkliche Geistesforscher werden wollen, diese Erlebnisse hinter sich haben müssen. Man kann mit der Geisteswissenschaft anfangen, nicht aber mit der Geistesforschung, ohne sie aufzubauen auf die großen Enttäuschungen, auf die Lebensenttäuschungen, die darin bestehen, dass man erkennt, man könne auf naturwissenschaftlichem Wege nicht hinter das Lebensrätsel kommen und man könne die Grenze im Innern durch gewöhnliche Mystik nicht überschreiten ... [Lücke] aber auf der geistigen Seite kann sie — die Geisteswissenschaft — nur so aufbauen, wie es die Naturwissenschaft auf dem äußeren physischen Gebiete tut. Die Geisteswissenschaft muss das Bewusstsein verändern, wenn sie zu den Tiefen des menschlichen Daseins vordringen will. Gerade so, wie man das Wasser nicht belässt, wie es ist, wenn man chemische Experimente machen will, sondern es verändern, es zerlegen muss in Wasserstoff und Sauerstoff durch besondere Vorrichtungen, um darauf zu kommen, was naturwissenschaftlich erforscht werden kann, ebenso muss man in der wirklichen Geistesforschung mit dem menschlichen Innern Veränderungen vornehmen, man muss sich ein rücksichtsloses Geständnis des Lebens machen, das ernst gemeinte Geständnis, dass man mit den Erkenntnisfähigkeiten, die man im Leben hat, nicht hinter die Menschheitsrätsel kommen kann, sondern dass man sie formen und bilden muss, bis man durch sie dringen kann in die Tiefen, in die das gewöhnliche Bewusstsein nicht dringt.
[ 20 ] Und weil das so ist, weil man wirklich nicht auf der einen Seite die Naturerkenntnis, auf der anderen die mystische Erkenntnis auszubilden braucht, um durch Experimente vorzudringen zum menschlichen Rätsel, sondern weil man eine andere Erkenntnis anstreben muss, unsere Seele anders machen muss, als sie gewöhnlich ist, wird dieser Weg noch vielfach gemieden, und dasjenige, was durch diese Wissenschaft angestrebt werden soll. Es wird das ebenso gemieden, wie seinerzeit der Kopernikanismus gemieden wurde, als man damals noch andere Denkgewohnheiten hatte. Und ebenso, wie die damaligen Denkgewohnheiten im Laufe der Zeit überwunden worden sind, wie sich mit der Zeit selbst die widerstrebenden Gemeinschaften entschließen mussten, den Kopernikanismus gelten zu lassen, ebenso wird die Zeit kommen, wo alles Widerstreben dasjenige gelten lassen wird, was hier als Geistesforschung angestrebt wird, was aber erst durch die Umbildung des seelischen Lebens geschaffen werden kann.
[ 20 ] Und weil das so ist, weil man wirklich nicht auf der einen Seite die Naturerkenntnis, auf der anderen die mystische Erkenntnis auszubilden braucht, um durch Experimente vorzudringen zum menschlichen Rätsel, sondern weil man eine andere Erkenntnis anstreben muss, unsere Seele anders machen muss, als sie gewöhnlich ist, wird dieser Weg noch vielfach gemieden, und dasjenige, was durch diese Wissenschaft angestrebt werden soll. Es wird das ebenso gemieden, wie seinerzeit der Kopernikanismus gemieden wurde, als man damals noch andere Denkgewohnheiten hatte. Und ebenso, wie die damaligen Denkgewohnheiten im Laufe der Zeit überwunden worden sind, wie sich mit der Zeit selbst die widerstrebenden Gemeinschaften entschließen mussten, den Kopernikanismus gelten zu lassen, ebenso wird die Zeit kommen, wo alles Widerstreben dasjenige gelten lassen wird, was hier als Geistesforschung angestrebt wird, was aber erst durch die Umbildung des seelischen Lebens geschaffen werden kann.
[ 21 ] Diese Umformung des menschlichen Lebens, Sie finden sie genau in meinen Büchern beschrieben, in welchen sie prinzipiell von einigen Gesichtspunkten charakterisiert werden, über welche diejenigen, die meine früheren Wiener Vorträge gehört haben, genauer unterrichtet sind. Da habe ich auch gesagt, dass es sich nicht darum handelt, das gewöhnliche Alltagsleben des Menschen irgendwie umzugestalten und ungesund zu machen, sondern darum, auf dem Gebiete der inneren Erfahrung des menschlichen Daseins weiterzukommen, und dass dadurch die Seele durch innere Übungen und Verrichtungen in ganz bestimmter Richtung zu etwas anderem werden muss, als sie im gewöhnlichen Bewusstsein sich offenbart. Dieses kann nur sein in der Zeit, in welcher man Geistesforscher sein will.
[ 21 ] Diese Umformung des menschlichen Lebens, Sie finden sie genau in meinen Büchern beschrieben, in welchen sie prinzipiell von einigen Gesichtspunkten charakterisiert werden, über welche diejenigen, die meine früheren Wiener Vorträge gehört haben, genauer unterrichtet sind. Da habe ich auch gesagt, dass es sich nicht darum handelt, das gewöhnliche Alltagsleben des Menschen irgendwie umzugestalten und ungesund zu machen, sondern darum, auf dem Gebiete der inneren Erfahrung des menschlichen Daseins weiterzukommen, und dass dadurch die Seele durch innere Übungen und Verrichtungen in ganz bestimmter Richtung zu etwas anderem werden muss, als sie im gewöhnlichen Bewusstsein sich offenbart. Dieses kann nur sein in der Zeit, in welcher man Geistesforscher sein will.
[ 22 ] Es glauben viele Menschen, man könne mit dieser Methode, die da angegeben wird, den ganzen Menschen zu etwas anderem umgestalten. Man kann das aber nicht, man kann nicht vom Erwachen bis zum Einschlafen ein Geistesforscher sein, denn sonst würde man den ganzen Menschen ausfüllen mit dem, was uns gerade in das Geistgebiet des Daseins hineinführen kann. Der Mensch würde nun auf der einen Seite so gestaltet sein, dass sein Erinnerungsvermögen nicht recht funktioniert, und auf der anderen Seite so, dass sich seine Liebefähigkeit in falsche Bahnen wenden würde. Aber wenn in richtiger Weise dasjenige in der Seele geübt wird, wovon jetzt in prinzipieller Weise die Rede sein soll, dann tritt nicht das ein, was ich als Gefahr bezeichnet habe, sondern es tritt eine Erstarkung des menschlichen Wesens ein, denn immer wieder und wieder muss betont werden, dass man alles das, was die Geistesforschung geben kann, nur auf dem Wege der Geistesforschung gewinnen kann, dass man aber nicht Geistesforscher zu sein braucht, um die Fähigkeit zu haben, das Erforschte zu verstehen.
[ 22 ] Es glauben viele Menschen, man könne mit dieser Methode, die da angegeben wird, den ganzen Menschen zu etwas anderem umgestalten. Man kann das aber nicht, man kann nicht vom Erwachen bis zum Einschlafen ein Geistesforscher sein, denn sonst würde man den ganzen Menschen ausfüllen mit dem, was uns gerade in das Geistgebiet des Daseins hineinführen kann. Der Mensch würde nun auf der einen Seite so gestaltet sein, dass sein Erinnerungsvermögen nicht recht funktioniert, und auf der anderen Seite so, dass sich seine Liebefähigkeit in falsche Bahnen wenden würde. Aber wenn in richtiger Weise dasjenige in der Seele geübt wird, wovon jetzt in prinzipieller Weise die Rede sein soll, dann tritt nicht das ein, was ich als Gefahr bezeichnet habe, sondern es tritt eine Erstarkung des menschlichen Wesens ein, denn immer wieder und wieder muss betont werden, dass man alles das, was die Geistesforschung geben kann, nur auf dem Wege der Geistesforschung gewinnen kann, dass man aber nicht Geistesforscher zu sein braucht, um die Fähigkeit zu haben, das Erforschte zu verstehen.
[ 23 ] So, wie nicht ein jeder Chemiker sein kann und doch chemische Erkenntnis im Leben herrscht, so braucht nicht jeder ein Geistesforscher zu sein, der durch seinen gesunden Menschenverstand einsieht, wie die Ergebnisse der Geistesforschung auf Wahrheit beruhen, weil es doch auch möglich ist, dass jeder bis zu einem gewissen Grade Geistesforscher wird und an sich selbst erproben kann, ob das alles möglich ist, was die Geistesforschung behauptet.
[ 23 ] So, wie nicht ein jeder Chemiker sein kann und doch chemische Erkenntnis im Leben herrscht, so braucht nicht jeder ein Geistesforscher zu sein, der durch seinen gesunden Menschenverstand einsieht, wie die Ergebnisse der Geistesforschung auf Wahrheit beruhen, weil es doch auch möglich ist, dass jeder bis zu einem gewissen Grade Geistesforscher wird und an sich selbst erproben kann, ob das alles möglich ist, was die Geistesforschung behauptet.
[ 24 ] Das ist das Wesentliche, dass das Seelenleben sich umwandelt in einer Weise, dass es innere Verrichtungen vollbringt, die sonst nicht möglich wären. Wie man das macht, das steht in den Büchern, die ich angegeben habe, aber im Prinzip wollte ich es hier erörtern. Man kann die Fähigkeit erwecken, sich loszulösen von allen Eindrücken des Alltagslebens, eine Fähigkeit, die man aber ebenso lernen muss, wie man lernen muss, physikalische Experimente zu machen, und ebenso muss man sich für das Geistig-Seelische fähig machen können, auszulöschen alle Eindrücke der Außenwelt. Man muss durch innerliche Experimente eine solche Seelenverfassung herbeiführen können, die man sonst herbeiführt, wenn der Mensch traumlos schläft.
[ 24 ] Das ist das Wesentliche, dass das Seelenleben sich umwandelt in einer Weise, dass es innere Verrichtungen vollbringt, die sonst nicht möglich wären. Wie man das macht, das steht in den Büchern, die ich angegeben habe, aber im Prinzip wollte ich es hier erörtern. Man kann die Fähigkeit erwecken, sich loszulösen von allen Eindrücken des Alltagslebens, eine Fähigkeit, die man aber ebenso lernen muss, wie man lernen muss, physikalische Experimente zu machen, und ebenso muss man sich für das Geistig-Seelische fähig machen können, auszulöschen alle Eindrücke der Außenwelt. Man muss durch innerliche Experimente eine solche Seelenverfassung herbeiführen können, die man sonst herbeiführt, wenn der Mensch traumlos schläft.
[ 25 ] Aber man darf nicht, wenn wir uns in die Lage versetzen, so zu schlafen, das Bewusstsein vollständig ablegen, sondern das innere Seelenleben wird so gekräftigt, dass, wenn man wieder zurückkehrend ins gewöhnliche Leben tritt, das volle Wacherinnern des Bewusstseins wachgehalten sein kann, trotzdem man nicht darauf angewiesen ist, durch äußere Eindrücke dieses Bewusstsein zu entfachen. Es handelt sich beim übersinnlichen Bewusstsein um ein volles Bewusstsein des inneren Seelenlebens, das wir erreichen, indem wir eine innere Tätigkeit entwickeln, die nur seelisch-geistig ist und die nicht hineinspielt in das Alltagsleben. Die Verrichtungen müssen geistig-seelisch sein, und wir sehen das innere Seelenleben, das sonst verwendet wird, um äußere Eindrücke aufzunehmen, Kräfte sparen, die man sonst auf Wahrnehmungen verwendet. Dadurch werden Denken und Vorstellung lebendig, es fließt zusammen das Denken und die Vorstellung.
[ 25 ] Aber man darf nicht, wenn wir uns in die Lage versetzen, so zu schlafen, das Bewusstsein vollständig ablegen, sondern das innere Seelenleben wird so gekräftigt, dass, wenn man wieder zurückkehrend ins gewöhnliche Leben tritt, das volle Wacherinnern des Bewusstseins wachgehalten sein kann, trotzdem man nicht darauf angewiesen ist, durch äußere Eindrücke dieses Bewusstsein zu entfachen. Es handelt sich beim übersinnlichen Bewusstsein um ein volles Bewusstsein des inneren Seelenlebens, das wir erreichen, indem wir eine innere Tätigkeit entwickeln, die nur seelisch-geistig ist und die nicht hineinspielt in das Alltagsleben. Die Verrichtungen müssen geistig-seelisch sein, und wir sehen das innere Seelenleben, das sonst verwendet wird, um äußere Eindrücke aufzunehmen, Kräfte sparen, die man sonst auf Wahrnehmungen verwendet. Dadurch werden Denken und Vorstellung lebendig, es fließt zusammen das Denken und die Vorstellung.
[ 26 ] Es ist das ein Zusammentreffen innerhalb eines Lebens, in dem sich das Innere bewusst wird dadurch, dass man ein Bild vor sich hat, das durch willkürliche Zusammenfügung von Formen gebildet ist, das man nun nicht in schlecht mystischem Sinne ausdeuten kann. Aber man muss sich auch klar sein, dass das innere Seelenleben auf diese Weise erstarken wird, dass es intensiver wird, dass ein anderes Selbstbewusstsein dadurch hervorgerufen wird, dass man ebenso lebendig vorstellt, wie man selbst wahrnimmt. Man erreicht es, indem man seine Seele übt, wenn man Neues vollständig überschaut, sein Bild in der Seele verarbeitet, das keinen Anspruch macht, sich selber darzustellen im energischen Denken und Seelenleben. Da spürt man zunächst nur eine innere Erstarkung des Selbstbewusstseins, es ist dies eine Seite der Empfindung, die die Menschenseele mit sich vereinigen muss. Aber man erkennt auch dasjenige, was man früher mehr oder weniger unbewusst in innerer Tiefe entfaltet hat, es führt aber nicht dazu, etwas bleibend zu machen.
[ 26 ] Es ist das ein Zusammentreffen innerhalb eines Lebens, in dem sich das Innere bewusst wird dadurch, dass man ein Bild vor sich hat, das durch willkürliche Zusammenfügung von Formen gebildet ist, das man nun nicht in schlecht mystischem Sinne ausdeuten kann. Aber man muss sich auch klar sein, dass das innere Seelenleben auf diese Weise erstarken wird, dass es intensiver wird, dass ein anderes Selbstbewusstsein dadurch hervorgerufen wird, dass man ebenso lebendig vorstellt, wie man selbst wahrnimmt. Man erreicht es, indem man seine Seele übt, wenn man Neues vollständig überschaut, sein Bild in der Seele verarbeitet, das keinen Anspruch macht, sich selber darzustellen im energischen Denken und Seelenleben. Da spürt man zunächst nur eine innere Erstarkung des Selbstbewusstseins, es ist dies eine Seite der Empfindung, die die Menschenseele mit sich vereinigen muss. Aber man erkennt auch dasjenige, was man früher mehr oder weniger unbewusst in innerer Tiefe entfaltet hat, es führt aber nicht dazu, etwas bleibend zu machen.
[ 27 ] Wenn nichts anderes dazukäme, würde ein solches inneres Seelenleben ganz vergessen werden, es wäre nur ein Erlebnis in der unmittelbaren Gegenwart, denn es haftet nicht an der Erinnerungskraft. Diejenigen, welche gegen die Methoden der wirklichen Geistesforschung und Geisteswissenschaft einwenden, auch diese könnten nur unbewusst das Erinnerungsvermögen aufrufen, sie sollten sich gestehen, dass gerade das Erinnerungsvermögen ausgeschaltet ist und nicht mittut. Alles dasjenige, was man neu erlebt und was das Bewusstsein so gekräftigt hat, es geht nicht hinunter in die Region der Erinnerungskräfte. Es ist etwas, was sich innerlich bildet, aber nicht geeignet ist, dass der Mensch es im Innern behält. Das durch die geistige Forschung Erlebte, es ist nicht geeignet zum Wacherinnern und lebt nur in jenem Innern, welches durch die entfernten Klänge der Drehorgel geweckt wird.
[ 27 ] Wenn nichts anderes dazukäme, würde ein solches inneres Seelenleben ganz vergessen werden, es wäre nur ein Erlebnis in der unmittelbaren Gegenwart, denn es haftet nicht an der Erinnerungskraft. Diejenigen, welche gegen die Methoden der wirklichen Geistesforschung und Geisteswissenschaft einwenden, auch diese könnten nur unbewusst das Erinnerungsvermögen aufrufen, sie sollten sich gestehen, dass gerade das Erinnerungsvermögen ausgeschaltet ist und nicht mittut. Alles dasjenige, was man neu erlebt und was das Bewusstsein so gekräftigt hat, es geht nicht hinunter in die Region der Erinnerungskräfte. Es ist etwas, was sich innerlich bildet, aber nicht geeignet ist, dass der Mensch es im Innern behält. Das durch die geistige Forschung Erlebte, es ist nicht geeignet zum Wacherinnern und lebt nur in jenem Innern, welches durch die entfernten Klänge der Drehorgel geweckt wird.
[ 28 ] Dasjenige, was ich ausgeführt habe, führt also zunächst zu einer Verstärkung des inneren Seelenlebens, zu einer Kräftigung des Selbstbewusstseins. Der dies übt, kommt dahin, sich zu sagen: Ich kann es auf diese Weise machen und ich weiß jetzt, woher das kommt. Ich habe das hohe Gefühl, dass ich mit meiner Seele, wenn ich sie verändert habe, die Quellen des Lebens und die physischen Unterlagen dafür erkennen kann. Ich denke, dass diejenigen recht haben, die das gewöhnliche Seelenleben an den Leib gebunden erachten; ich weiß, dass man, wenn man zu diesem Selbstbewusstsein kommen will, das sich so erkennt, sich sagen muss: Ich erkenne nicht durch meinen Leib. — Aber er muss erst das durchgemacht haben, was ich geschildert habe.
[ 28 ] Dasjenige, was ich ausgeführt habe, führt also zunächst zu einer Verstärkung des inneren Seelenlebens, zu einer Kräftigung des Selbstbewusstseins. Der dies übt, kommt dahin, sich zu sagen: Ich kann es auf diese Weise machen und ich weiß jetzt, woher das kommt. Ich habe das hohe Gefühl, dass ich mit meiner Seele, wenn ich sie verändert habe, die Quellen des Lebens und die physischen Unterlagen dafür erkennen kann. Ich denke, dass diejenigen recht haben, die das gewöhnliche Seelenleben an den Leib gebunden erachten; ich weiß, dass man, wenn man zu diesem Selbstbewusstsein kommen will, das sich so erkennt, sich sagen muss: Ich erkenne nicht durch meinen Leib. — Aber er muss erst das durchgemacht haben, was ich geschildert habe.
[ 29 ] Man muss aber noch um eine Stufe weiterdringen. Derjenige, der die Übung, von der ich gesprochen habe, durch Jahre seines Lebens übt, merkt, dass er in eine merkwürdige Art hineinkommt, an dieser Selbstverwandlung weiterzuforschen. Er kommt zu einer Art des Erlebens, in der ihn diese Bilder bis zu einem gewissen Grade überwältigen; er erlangt in seiner Seele eine gewisse Fähigkeit der bildlichen Vorstellung. Das ist die gesteigerte Phantasie, das ist gesteigertes Imaginationserleben. Man erlangt das Imaginationserleben, aber man muss die Seele noch weiter durch immer weitergehende willkürliche Selbstbildung gestalten. Durch immer höhere Kräftigung des inneren Willens muss man dazu gelangen, über die inneren Bilder Herr zu werden, wenn sie anfangen, über ihn Herr werden zu wollen. Denn sonst würde man immer nur eigene Bilder sehen. Gelingt es einem aber, ihrer Herr zu werden, so gelangt man auch dazu, diese Bilder nicht nur zu gestalten, sondern auch wegzuschaffen.
[ 29 ] Man muss aber noch um eine Stufe weiterdringen. Derjenige, der die Übung, von der ich gesprochen habe, durch Jahre seines Lebens übt, merkt, dass er in eine merkwürdige Art hineinkommt, an dieser Selbstverwandlung weiterzuforschen. Er kommt zu einer Art des Erlebens, in der ihn diese Bilder bis zu einem gewissen Grade überwältigen; er erlangt in seiner Seele eine gewisse Fähigkeit der bildlichen Vorstellung. Das ist die gesteigerte Phantasie, das ist gesteigertes Imaginationserleben. Man erlangt das Imaginationserleben, aber man muss die Seele noch weiter durch immer weitergehende willkürliche Selbstbildung gestalten. Durch immer höhere Kräftigung des inneren Willens muss man dazu gelangen, über die inneren Bilder Herr zu werden, wenn sie anfangen, über ihn Herr werden zu wollen. Denn sonst würde man immer nur eigene Bilder sehen. Gelingt es einem aber, ihrer Herr zu werden, so gelangt man auch dazu, diese Bilder nicht nur zu gestalten, sondern auch wegzuschaffen.
[ 30 ] Auch diese Kraft muss man haben, und man erlangt sie durch die Übungen, die ich geschildert habe und durch die man die Herrschaft über die innere Formtätigkeit erlangt. Aber dann fühlt sich die Seele anders, wenn man wirklich diese innern Vorgänge durchgemacht und durch das Formen der Bilder das Selbstbewusstsein erhöht hat und wenn man nun diese Bilder wieder auslöschen kann. Dann ist man — wenn man diese Bilder ausgelöscht hat — in einer Welt, die anders ist als die Welt der gewöhnlichen Wirklichkeit, jetzt ist man durch das umgeformte Seelenleben in einer Geistwirklichkeit.
[ 30 ] Auch diese Kraft muss man haben, und man erlangt sie durch die Übungen, die ich geschildert habe und durch die man die Herrschaft über die innere Formtätigkeit erlangt. Aber dann fühlt sich die Seele anders, wenn man wirklich diese innern Vorgänge durchgemacht und durch das Formen der Bilder das Selbstbewusstsein erhöht hat und wenn man nun diese Bilder wieder auslöschen kann. Dann ist man — wenn man diese Bilder ausgelöscht hat — in einer Welt, die anders ist als die Welt der gewöhnlichen Wirklichkeit, jetzt ist man durch das umgeformte Seelenleben in einer Geistwirklichkeit.
[ 31 ] Man kann das vergleichen mit der naturgemäßen Heranbildung der Sinne; man muss ansehen das, was man ausgebildet hat, wie ein inneres, geistiges Auge. Aber dieses ist zunächst so wie ein physisches Auge, dessen Hornhaut noch getrübt ist. Indem man das Bild ausgelöscht hat, muss man das Auge erst heilen, ehe es befähigt ist, das Bild zu sehen. Während man früher das Selbstbewusstsein kräftigen konnte, darf jetzt das Imaginationsvermögen hineinschauen in eine andere Welt, welche man auf keine andere Weise zur Offenbarung bringen kann als auf diese.
[ 31 ] Man kann das vergleichen mit der naturgemäßen Heranbildung der Sinne; man muss ansehen das, was man ausgebildet hat, wie ein inneres, geistiges Auge. Aber dieses ist zunächst so wie ein physisches Auge, dessen Hornhaut noch getrübt ist. Indem man das Bild ausgelöscht hat, muss man das Auge erst heilen, ehe es befähigt ist, das Bild zu sehen. Während man früher das Selbstbewusstsein kräftigen konnte, darf jetzt das Imaginationsvermögen hineinschauen in eine andere Welt, welche man auf keine andere Weise zur Offenbarung bringen kann als auf diese.
[ 32 ] Man muss aber Mut haben, ein solches Seelenerleben zu durchwandeln, wenn man dringen will in die Wirklichkeit der Geisteswelt hinein. Und dann tritt dasjenige ein: Man fühlt sich wie erwacht in einer neuen Welt. Dieses Erwachen in einer neuen Welt ist ein Erlebnis, das ist so, wie wenn man aus dem Traumleben erwacht in das gewöhnliche Leben, und man weiß nun: Im Traume hatte man keine Wirklichkeit vor sich, im Wachleben hat man aber das Geschehen der Wirklichkeit vor sich. So kann man erwachen aus der Welt der physischen Wirklichkeit in die geistige Wirklichkeit hinein.
[ 32 ] Man muss aber Mut haben, ein solches Seelenerleben zu durchwandeln, wenn man dringen will in die Wirklichkeit der Geisteswelt hinein. Und dann tritt dasjenige ein: Man fühlt sich wie erwacht in einer neuen Welt. Dieses Erwachen in einer neuen Welt ist ein Erlebnis, das ist so, wie wenn man aus dem Traumleben erwacht in das gewöhnliche Leben, und man weiß nun: Im Traume hatte man keine Wirklichkeit vor sich, im Wachleben hat man aber das Geschehen der Wirklichkeit vor sich. So kann man erwachen aus der Welt der physischen Wirklichkeit in die geistige Wirklichkeit hinein.
[ 33 ] Es muss aber von der andern Seite doch auch etwas vorhanden sein. In unserm gewöhnlichen Leben sind nicht nur vorhanden Vorstellungen und Wahrnehmungen, sondern auch fühlende Kräfte, die haben eine gewisse Richtung in einem jeden Menschen. Sie haben die Vorstellungen und Wahrnehmungen, die umgewandelt werden müssen, und es müssen auch die fühlenden Kräfte zurückgezogen werden von der äußeren Welt. Der Mensch muss in der Lage sein, durch die innere Konzentration des Lebens seine Ruhe gegenüber der Außenwelt für alle Gefühle und das wollende Leben herbeiführen zu können. Das Seelenleben darf sich nicht anregen lassen durch etwas, wodurch es von der äußeren Welt angeregt wird. Das Wollen darf auf nichts Äußeres gerichtet sein. Es darf auch durch nichts Äußeres eine Veränderung verursacht werden. Unbeteiligt muss der Geist für den Moment, wo er an die Geistesforschung herantritt, an der Außenwelt sein.
[ 33 ] Es muss aber von der andern Seite doch auch etwas vorhanden sein. In unserm gewöhnlichen Leben sind nicht nur vorhanden Vorstellungen und Wahrnehmungen, sondern auch fühlende Kräfte, die haben eine gewisse Richtung in einem jeden Menschen. Sie haben die Vorstellungen und Wahrnehmungen, die umgewandelt werden müssen, und es müssen auch die fühlenden Kräfte zurückgezogen werden von der äußeren Welt. Der Mensch muss in der Lage sein, durch die innere Konzentration des Lebens seine Ruhe gegenüber der Außenwelt für alle Gefühle und das wollende Leben herbeiführen zu können. Das Seelenleben darf sich nicht anregen lassen durch etwas, wodurch es von der äußeren Welt angeregt wird. Das Wollen darf auf nichts Äußeres gerichtet sein. Es darf auch durch nichts Äußeres eine Veränderung verursacht werden. Unbeteiligt muss der Geist für den Moment, wo er an die Geistesforschung herantritt, an der Außenwelt sein.
[ 34 ] Dann bildet sich eine merkwürdige Verwandlung in der Seele des menschlichen Wesens aus; man macht die Entdeckung, dass früher im gewöhnlichen Bewusstsein alle Wahrnehmungen und Vorstellungen durch unsere Gefühle abgegrenzt waren. Jetzt ist das Erinnern ausgeschaltet, jetzt kann, weil man äußerlich ruhig ist, das Fühlen und Wollen des Lebens in die Seele dringen, an dasjenige, was man ausgebildet hat; und indem die Seele erwacht ist, fließt in sie dasjenige, was durch die zurückgehaltenen Gefühle, die noch im Innern schlummern, in der inneren Seele sich ausbildet. Jetzt tritt eine innere Ergänzung auf von Denken, Fühlen und Wollen, die nicht mehr die gleichen sind, wie sie im gewöhnlichen Bewusstsein sind. Man ist nicht nur erwacht, denn im Erwachen des Seelenlebens lebt ebenso der äußere Geist, der sich offenbart, wie er sich offenbart durch die Sinne in der gewöhnlichen Wirklichkeit.
[ 34 ] Dann bildet sich eine merkwürdige Verwandlung in der Seele des menschlichen Wesens aus; man macht die Entdeckung, dass früher im gewöhnlichen Bewusstsein alle Wahrnehmungen und Vorstellungen durch unsere Gefühle abgegrenzt waren. Jetzt ist das Erinnern ausgeschaltet, jetzt kann, weil man äußerlich ruhig ist, das Fühlen und Wollen des Lebens in die Seele dringen, an dasjenige, was man ausgebildet hat; und indem die Seele erwacht ist, fließt in sie dasjenige, was durch die zurückgehaltenen Gefühle, die noch im Innern schlummern, in der inneren Seele sich ausbildet. Jetzt tritt eine innere Ergänzung auf von Denken, Fühlen und Wollen, die nicht mehr die gleichen sind, wie sie im gewöhnlichen Bewusstsein sind. Man ist nicht nur erwacht, denn im Erwachen des Seelenlebens lebt ebenso der äußere Geist, der sich offenbart, wie er sich offenbart durch die Sinne in der gewöhnlichen Wirklichkeit.
[ 35 ] Durch die Umwandlung der inneren Seelenkräfte, durch das Fühlen und den Willen, gelangt man an die Dinge der Geisteswelt heran. Da zeigen sich neue, sonst in der Seele schlummernde Fähigkeiten. Was ich Ihnen geschildert habe, das gibt der Seele nur für die Zeit, in der sie geistig forscht, die Möglichkeit, solche Kräfte, mit denen sie in die geistige Welt eindringen kann, zu entwickeln.
[ 35 ] Durch die Umwandlung der inneren Seelenkräfte, durch das Fühlen und den Willen, gelangt man an die Dinge der Geisteswelt heran. Da zeigen sich neue, sonst in der Seele schlummernde Fähigkeiten. Was ich Ihnen geschildert habe, das gibt der Seele nur für die Zeit, in der sie geistig forscht, die Möglichkeit, solche Kräfte, mit denen sie in die geistige Welt eindringen kann, zu entwickeln.
[ 36 ] Aber diese Kräfte sind anders als die Kräfte des gewöhnlichen Bewusstseins, und die Missverständnisse entstehen dadurch, dass die Menschen nicht unterscheiden zwischen der Einstellung der Seele, wenn sie geistig forscht, und dem gewöhnlichen Bewusstsein. Um die Wirklichkeiten des Geistes zu erforschen, muss die Seele das Beschriebene auf sich anwenden. Und die Menschen widerstreben dem nur, weil sie es vermeiden, sich in ernster Weise die Kräfte anzueignen, die nur eindringen können, wenn man sie in der richtigen Weise anwendet. Dann würden sie auch sehen, wie anders diese Fähigkeiten sind als diejenigen, die wir im gewöhnlichen Leben haben und welche wir zum gesunden Leben brauchen. Das, was die Seele da erlebt, erlebt sie durch diese übersinnlichen Seelenkräfte, nicht durch die gewöhnlichen, wie bei den äußeren Sinneswirkungen oder Denkvorstellungen, die nicht anders zustande kommen als wie das Erinnern. Das, was im Geiste erlebt wird, ist nicht ein bloßer Vorstellungsvorgang, nicht bloße Phantasie, und dasjenige, was der Geist so erlebt, verwandelt sich nicht in Erinnerungsvermögen. Man erinnert sich dann nicht ohne Weiteres, sondern man muss wieder an das Erlebnis herantreten, und dadurch unterscheidet sich dieser Vorgang von den Phantasievorstellungen, dadurch erkennt man ihn als den Ausdruck wirklicher Geistestätigkeit.
[ 36 ] Aber diese Kräfte sind anders als die Kräfte des gewöhnlichen Bewusstseins, und die Missverständnisse entstehen dadurch, dass die Menschen nicht unterscheiden zwischen der Einstellung der Seele, wenn sie geistig forscht, und dem gewöhnlichen Bewusstsein. Um die Wirklichkeiten des Geistes zu erforschen, muss die Seele das Beschriebene auf sich anwenden. Und die Menschen widerstreben dem nur, weil sie es vermeiden, sich in ernster Weise die Kräfte anzueignen, die nur eindringen können, wenn man sie in der richtigen Weise anwendet. Dann würden sie auch sehen, wie anders diese Fähigkeiten sind als diejenigen, die wir im gewöhnlichen Leben haben und welche wir zum gesunden Leben brauchen. Das, was die Seele da erlebt, erlebt sie durch diese übersinnlichen Seelenkräfte, nicht durch die gewöhnlichen, wie bei den äußeren Sinneswirkungen oder Denkvorstellungen, die nicht anders zustande kommen als wie das Erinnern. Das, was im Geiste erlebt wird, ist nicht ein bloßer Vorstellungsvorgang, nicht bloße Phantasie, und dasjenige, was der Geist so erlebt, verwandelt sich nicht in Erinnerungsvermögen. Man erinnert sich dann nicht ohne Weiteres, sondern man muss wieder an das Erlebnis herantreten, und dadurch unterscheidet sich dieser Vorgang von den Phantasievorstellungen, dadurch erkennt man ihn als den Ausdruck wirklicher Geistestätigkeit.
[ 37 ] Sie werden gestatten, dass ich an Persönliches anknüpfe; aber auf diesem Gebiete ist vieles, das an Persönliches anknüpfen muss, denn die Geistesforschung ist an die Person gebunden. Ich will Ihnen sagen: Ich schaue zurück mit vollständiger Deutlichkeit auf denjenigen Augenblick in meinem Leben — es sind viele Jahre —, in dem ich zum ersten Mal schauen konnte die Tatsache, wie im Schauen der Wolken, des Himmels, kurz der Außenwelt Kräfte spielen, die nicht aus diesem Leben stammen oder aus dem, was wir von Vater und Mutter überkommen haben, sondern solche Kräfte, von denen man sagen kann, sie stammen aus einem Leben in einer geistigen Welt, das unserm Erdenleben vorangegangen ist, bevor wir uns mit den von Vater und Mutter erzeugten Kräften verbanden. Bei diesem Seelenleben werden Kräfte wahrgenommen, wirken im Wahrnehmen andere Kräfte, die von früheren Leben sind. Man kommt zu solch unmittelbarem Anschauen, aber das Wichtigste ist, dass man dieses Anschauen erlebt und weiß, dass die Geisteswelt mittut im gewöhnlichen Bewusstsein, im Wollen und in allen wahren Wahrnehmungen. Aber vergeblich würde man danach streben, ein solches Erlebnis später wieder in die Erinnerung, in das Wiedererleben zu bringen, wenn man nicht etwas getan hat, schnell genug, um es später wieder in die Erinnerung hereinführen zu können. Das, was man tun muss, muss bei vollständig klarem Bewusstsein geschehen, denn ein Erinnern ist ausgeschlossen. Für das seelische Geist-Erleben ist die Erinnerung ausgeschlossen, und nur an etwas anderes erinnert man sich, wenn man wieder im gewöhnlichen Seelenleben steht. Und man kann nur mit umgekehrtem Erinnerungsvermögen erschauen das Erlebnis und man kann sich sagen: Wodurch bin ich gekommen, ein solches geistiges Erlebnis zu haben, was habe ich getan, was hat die Seele vorher gedacht und gefühlt, dass es zustande kam? Wie ist es zu diesem Erlebnis gekommen? Daran kann man sich erinnern, nicht an das Erlebnis selbst, wohl aber, wie man dazu gekommen ist. Daran muss man sich erinnern, man muss zu diesem Erlebnis der Geisteswelt hingehen, indem man nicht das Erlebnis, sondern die Bedingungen des Erlebnisses wiederherstellt.
[ 37 ] Sie werden gestatten, dass ich an Persönliches anknüpfe; aber auf diesem Gebiete ist vieles, das an Persönliches anknüpfen muss, denn die Geistesforschung ist an die Person gebunden. Ich will Ihnen sagen: Ich schaue zurück mit vollständiger Deutlichkeit auf denjenigen Augenblick in meinem Leben — es sind viele Jahre —, in dem ich zum ersten Mal schauen konnte die Tatsache, wie im Schauen der Wolken, des Himmels, kurz der Außenwelt Kräfte spielen, die nicht aus diesem Leben stammen oder aus dem, was wir von Vater und Mutter überkommen haben, sondern solche Kräfte, von denen man sagen kann, sie stammen aus einem Leben in einer geistigen Welt, das unserm Erdenleben vorangegangen ist, bevor wir uns mit den von Vater und Mutter erzeugten Kräften verbanden. Bei diesem Seelenleben werden Kräfte wahrgenommen, wirken im Wahrnehmen andere Kräfte, die von früheren Leben sind. Man kommt zu solch unmittelbarem Anschauen, aber das Wichtigste ist, dass man dieses Anschauen erlebt und weiß, dass die Geisteswelt mittut im gewöhnlichen Bewusstsein, im Wollen und in allen wahren Wahrnehmungen. Aber vergeblich würde man danach streben, ein solches Erlebnis später wieder in die Erinnerung, in das Wiedererleben zu bringen, wenn man nicht etwas getan hat, schnell genug, um es später wieder in die Erinnerung hereinführen zu können. Das, was man tun muss, muss bei vollständig klarem Bewusstsein geschehen, denn ein Erinnern ist ausgeschlossen. Für das seelische Geist-Erleben ist die Erinnerung ausgeschlossen, und nur an etwas anderes erinnert man sich, wenn man wieder im gewöhnlichen Seelenleben steht. Und man kann nur mit umgekehrtem Erinnerungsvermögen erschauen das Erlebnis und man kann sich sagen: Wodurch bin ich gekommen, ein solches geistiges Erlebnis zu haben, was habe ich getan, was hat die Seele vorher gedacht und gefühlt, dass es zustande kam? Wie ist es zu diesem Erlebnis gekommen? Daran kann man sich erinnern, nicht an das Erlebnis selbst, wohl aber, wie man dazu gekommen ist. Daran muss man sich erinnern, man muss zu diesem Erlebnis der Geisteswelt hingehen, indem man nicht das Erlebnis, sondern die Bedingungen des Erlebnisses wiederherstellt.
[ 38 ] Und wenn ich über die Konzeption eines Vortrages wie der heutige, der über Geistesangelegenheiten handelt, zu Ihnen spreche, so muss ich auch sagen: Man kann es nicht so machen, wie es bei gewöhnlichen Vorträgen der Fall ist. Ich halte solche Vorträge oft, muss aber dabei sagen, es wird mir außerordentlich schwer, durch das gewöhnliche Erinnerungsvermögen einen solchen Vortrag festhalten zu können. Man kann sich dazu nur vorbereiten, indem man die Bedingungen herstellt, wie man ursprünglich dazu gekommen ist, und das ist dasjenige, was ich den Zuhörern sagen will. Man will mit der Geisteswelt sprechen und dazu muss man die Bedingungen herstellen. Indem aber dem so ist, zeigt es sich, dass man niemals darauf rechnen kann, ein geistiges Erlebnis in bloßer Erinnerung zu behalten. Man kann aber in die Geisteswelt hineinschauen und dann tritt das hervor, was man sagen muss. Wer in die Geisteswelt hineinschauen will, der muss auf die Erinnerung an die Geisteswelt verzichten.
[ 38 ] Und wenn ich über die Konzeption eines Vortrages wie der heutige, der über Geistesangelegenheiten handelt, zu Ihnen spreche, so muss ich auch sagen: Man kann es nicht so machen, wie es bei gewöhnlichen Vorträgen der Fall ist. Ich halte solche Vorträge oft, muss aber dabei sagen, es wird mir außerordentlich schwer, durch das gewöhnliche Erinnerungsvermögen einen solchen Vortrag festhalten zu können. Man kann sich dazu nur vorbereiten, indem man die Bedingungen herstellt, wie man ursprünglich dazu gekommen ist, und das ist dasjenige, was ich den Zuhörern sagen will. Man will mit der Geisteswelt sprechen und dazu muss man die Bedingungen herstellen. Indem aber dem so ist, zeigt es sich, dass man niemals darauf rechnen kann, ein geistiges Erlebnis in bloßer Erinnerung zu behalten. Man kann aber in die Geisteswelt hineinschauen und dann tritt das hervor, was man sagen muss. Wer in die Geisteswelt hineinschauen will, der muss auf die Erinnerung an die Geisteswelt verzichten.
[ 39 ] Wohl ist das für manche eine Enttäuschung. Man kann sich durch Übung der Kräfte dazu ausbilden, in die Erlebnisse und Vorgänge der Geisteswelt hineinzuschauen, aber man erinnert sich nicht daran und ist enttäuscht, weil die Geisteserlebnisse in nichts zerfließen, und das ist eben die Enttäuschung aller Anfänger. Aber indem man die Bedingungen wieder herstellt, weckt man auch die Erinnerung auf eine künstliche Weise, die nicht Phantasie ist, und das, was geistig gesehen wurde, das bleibt dann stehen, wie ein Traum in der Erinnerung stehen bleibt, und man sieht, was man im geistigen Leben gesehen hart. Es kommt zum Anschauen, man sieht, wie dasjenige, was selbst auszulöschen und zu vergehen scheint, stehen bleibt, man sieht zurück in die vergangene Zeit, aber in gewissem Sinne kann man sich daran nicht erinnern.
[ 39 ] Wohl ist das für manche eine Enttäuschung. Man kann sich durch Übung der Kräfte dazu ausbilden, in die Erlebnisse und Vorgänge der Geisteswelt hineinzuschauen, aber man erinnert sich nicht daran und ist enttäuscht, weil die Geisteserlebnisse in nichts zerfließen, und das ist eben die Enttäuschung aller Anfänger. Aber indem man die Bedingungen wieder herstellt, weckt man auch die Erinnerung auf eine künstliche Weise, die nicht Phantasie ist, und das, was geistig gesehen wurde, das bleibt dann stehen, wie ein Traum in der Erinnerung stehen bleibt, und man sieht, was man im geistigen Leben gesehen hart. Es kommt zum Anschauen, man sieht, wie dasjenige, was selbst auszulöschen und zu vergehen scheint, stehen bleibt, man sieht zurück in die vergangene Zeit, aber in gewissem Sinne kann man sich daran nicht erinnern.
[ 40 ] Ein anderes kommt noch dazu, das ebenso für den Anfänger zu gewissen Enttäuschungen führt. Es ist das der Gegensatz zum gewöhnlichen gesunden Erdenleben, wo man Kräfte entwickeln kann, die wie zum Beispiel Geschicklichkeit und Gewohnheit durch gewisse Verrichtungen, die immer wiederkehren, gesteigert werden, und man kann im gewöhnlichen Sinnesleben diese Kräfte durch Wiederholung stärken. Im gewöhnlichen Sinnesleben ist es so, im Erleben des Geistes ist es aber entgegengesetzt. So paradox und widersinnig das klingen mag, so ist es doch so, dass, je öfter man ein Geisteserlebnis hat, desto schwieriger ist es, dieses Geisteserlebnis wieder herbeizuführen. Und wer immer wieder das Geisteserlebnis haben will, muss immer größere Anstrengungen machen, um es wieder zu haben. Sie erleben da also in entgegengesetzter Art zum Sinneserleben und kommen darauf, dass Sie, um schließlich zu erleben, möglichst rasch solche Erlebnisse anschauen müssen. Denn die Seelenerlebnisse haben die Eigentümlichkeit, so rasch als möglich vorüberzugehen, sodass für denjenigen, der nur einige Übungen gemacht hat und der nicht die nötige Geistesgegenwart hat, solche Erlebnisse wirklich zu halten, sie unbemerkt vorübergehen.
[ 40 ] Ein anderes kommt noch dazu, das ebenso für den Anfänger zu gewissen Enttäuschungen führt. Es ist das der Gegensatz zum gewöhnlichen gesunden Erdenleben, wo man Kräfte entwickeln kann, die wie zum Beispiel Geschicklichkeit und Gewohnheit durch gewisse Verrichtungen, die immer wiederkehren, gesteigert werden, und man kann im gewöhnlichen Sinnesleben diese Kräfte durch Wiederholung stärken. Im gewöhnlichen Sinnesleben ist es so, im Erleben des Geistes ist es aber entgegengesetzt. So paradox und widersinnig das klingen mag, so ist es doch so, dass, je öfter man ein Geisteserlebnis hat, desto schwieriger ist es, dieses Geisteserlebnis wieder herbeizuführen. Und wer immer wieder das Geisteserlebnis haben will, muss immer größere Anstrengungen machen, um es wieder zu haben. Sie erleben da also in entgegengesetzter Art zum Sinneserleben und kommen darauf, dass Sie, um schließlich zu erleben, möglichst rasch solche Erlebnisse anschauen müssen. Denn die Seelenerlebnisse haben die Eigentümlichkeit, so rasch als möglich vorüberzugehen, sodass für denjenigen, der nur einige Übungen gemacht hat und der nicht die nötige Geistesgegenwart hat, solche Erlebnisse wirklich zu halten, sie unbemerkt vorübergehen.
[ 41 ] Es würden viel mehr Menschen Geisteserlebnisse haben, wenn sie die nötige Geistesgegenwart hätten. Denn wir stehen mitten im geistigen Leben. Aber die Menschen haben nicht die Geistesgegenwart, um sie wirklich zu erfassen; und wenn sie sich entschließen, ihnen ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden, so ist das Erlebnis vorbei. Daher ist dazu eine gründliche Übung notwendig, und im meinen Büchern werden Sie finden, wie man sich für diese Geistesgegenwart vorzubereiten hat, damit man in der Lage ist, in gewöhnlichen Lebenssituationen sich rasch zu entschließen, diese Entschlüsse rasch zu fassen. Man muss sich angewöhnen, den ersten Entschluss endgültig zu fassen, und diejenigen Menschen, die jedes Ding unnötigerweise nach allen Seiten wenden und sich immer wieder anders entschließen, diese Eigenbrötler des Lebens, die herummurksen, auch im gewöhnlichen Leben, die können niemals so rasche Entschlüsse fassen und Geisteserlebnisse beobachten. Die verzichten darauf, die gemeinten Übungen anzuwenden auf solche Erlebnisse. Die müssen aber dabei sein, denn dann erst kommen in der Seele die Fähigkeiten hervor, die die Seele geeignet machen, solche Vorgänge zu beobachten. Und dann wird sie imstande sein, sich die Antwort darauf zu geben, warum man auf dem Wege der Naturerkenntnis und der gewöhnlichen Mystik an dieses Rätsel nicht herandringen kann, weil dieses Seelenleben zwischen Geburt und Tod gebunden ist an den lebenden Körper, und man muss auf anderes schauen, was nicht an das gewöhnliche Leben gebunden ist.
[ 41 ] Es würden viel mehr Menschen Geisteserlebnisse haben, wenn sie die nötige Geistesgegenwart hätten. Denn wir stehen mitten im geistigen Leben. Aber die Menschen haben nicht die Geistesgegenwart, um sie wirklich zu erfassen; und wenn sie sich entschließen, ihnen ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden, so ist das Erlebnis vorbei. Daher ist dazu eine gründliche Übung notwendig, und im meinen Büchern werden Sie finden, wie man sich für diese Geistesgegenwart vorzubereiten hat, damit man in der Lage ist, in gewöhnlichen Lebenssituationen sich rasch zu entschließen, diese Entschlüsse rasch zu fassen. Man muss sich angewöhnen, den ersten Entschluss endgültig zu fassen, und diejenigen Menschen, die jedes Ding unnötigerweise nach allen Seiten wenden und sich immer wieder anders entschließen, diese Eigenbrötler des Lebens, die herummurksen, auch im gewöhnlichen Leben, die können niemals so rasche Entschlüsse fassen und Geisteserlebnisse beobachten. Die verzichten darauf, die gemeinten Übungen anzuwenden auf solche Erlebnisse. Die müssen aber dabei sein, denn dann erst kommen in der Seele die Fähigkeiten hervor, die die Seele geeignet machen, solche Vorgänge zu beobachten. Und dann wird sie imstande sein, sich die Antwort darauf zu geben, warum man auf dem Wege der Naturerkenntnis und der gewöhnlichen Mystik an dieses Rätsel nicht herandringen kann, weil dieses Seelenleben zwischen Geburt und Tod gebunden ist an den lebenden Körper, und man muss auf anderes schauen, was nicht an das gewöhnliche Leben gebunden ist.
[ 42 ] In dem Augenblick, in dem man sich die Fähigkeit angeeignet hat, hinzuschauen auf die geistigen Ereignisse, die nicht im Gedächtnis erhalten bleiben — denn dieses ist gebunden an den Leib — beantwortet sich auch die Streitfrage, die hineinragt in das menschliche Leben und das Menschenrätsel bildet. Die erste Frage ist eine philosophische Streitfrage, aber man kommt nicht dahinter, weil man sie nur als gewöhnliches Erlebnis hat; ja— wenn auch noch plötzlich Drehorgeltöne hereinspielen in unser gewöhnliches Seelenleben und wir in diesem Auf- und Abwogen nie sicher sein können, was sie hinauftreibt —, eines ist es, was im gewöhnlichen Seelenleben sich einstellt und zu dem wir uns anders stellen müssen als zu allem andern, was an Vorstellungen und Denken in diesem Seelenleben vorhanden ist. Es ist das ... [Lücke] logische und sozusagen reine Denken, abgesehen von solchen Eindrücken der Drehorgeltöne; wir können uns sagen, was richtig und was unrichtig ist. Die Logik ist vielfach nur für die Schulen geschrieben worden. Diese Fragen sind aber nicht mit dieser Schul-Logik zu beantworten. Wenn wir aber in diese Dinge mit wirklicher Logik eingreifen, dann werden wir uns auch in gewissem Sinne sagen können, was richtig und was unrichtig ist, ganz abgesehen davon, was bewusst und was unbewusst, was sympathisch und was antipathisch ist.
[ 42 ] In dem Augenblick, in dem man sich die Fähigkeit angeeignet hat, hinzuschauen auf die geistigen Ereignisse, die nicht im Gedächtnis erhalten bleiben — denn dieses ist gebunden an den Leib — beantwortet sich auch die Streitfrage, die hineinragt in das menschliche Leben und das Menschenrätsel bildet. Die erste Frage ist eine philosophische Streitfrage, aber man kommt nicht dahinter, weil man sie nur als gewöhnliches Erlebnis hat; ja— wenn auch noch plötzlich Drehorgeltöne hereinspielen in unser gewöhnliches Seelenleben und wir in diesem Auf- und Abwogen nie sicher sein können, was sie hinauftreibt —, eines ist es, was im gewöhnlichen Seelenleben sich einstellt und zu dem wir uns anders stellen müssen als zu allem andern, was an Vorstellungen und Denken in diesem Seelenleben vorhanden ist. Es ist das ... [Lücke] logische und sozusagen reine Denken, abgesehen von solchen Eindrücken der Drehorgeltöne; wir können uns sagen, was richtig und was unrichtig ist. Die Logik ist vielfach nur für die Schulen geschrieben worden. Diese Fragen sind aber nicht mit dieser Schul-Logik zu beantworten. Wenn wir aber in diese Dinge mit wirklicher Logik eingreifen, dann werden wir uns auch in gewissem Sinne sagen können, was richtig und was unrichtig ist, ganz abgesehen davon, was bewusst und was unbewusst, was sympathisch und was antipathisch ist.
[ 43 ] Wenn man also so in das Seelenleben hineingreift und sich fragt, warum das so ist, dann erfährt man erst die Antwort, wenn man mit dem geschilderten umgewandelten Seelenleben beobachtet, und dann erst kommt man darauf, dass in unserer Seele Kräfte spielen, die uns zu diesen Betrachtungen treiben, Kräfte, die in unser Leben hineinragen aus dem Leben, das wir früher geführt haben, bevor noch die Stoffe von Vater und Mutter uns erzeugt haben, Kräfte, die wir erworben haben aus dem Geistleben vor der Geburt oder vor der Empfängnis. Derjenige aber, der nicht hineinschauen kann in die Denktätigkeit, der kann auch nicht richtig denken über den ewigen Geist, der sich in ihm darstellt. Daher kann man auch sagen, was mancher schon gesagt hat: Die Umwandlung des Seelenlebens geschieht so, dass gewissermaßen das ganze Seelenleben wie mystisch umgewandelt wird, dies aber in einem höheren Sinn. Denn was wäre eine musikalische Melodie, wenn in den gehörten Ton nicht wirksam hineinspielen würde die Erinnerung?
[ 43 ] Wenn man also so in das Seelenleben hineingreift und sich fragt, warum das so ist, dann erfährt man erst die Antwort, wenn man mit dem geschilderten umgewandelten Seelenleben beobachtet, und dann erst kommt man darauf, dass in unserer Seele Kräfte spielen, die uns zu diesen Betrachtungen treiben, Kräfte, die in unser Leben hineinragen aus dem Leben, das wir früher geführt haben, bevor noch die Stoffe von Vater und Mutter uns erzeugt haben, Kräfte, die wir erworben haben aus dem Geistleben vor der Geburt oder vor der Empfängnis. Derjenige aber, der nicht hineinschauen kann in die Denktätigkeit, der kann auch nicht richtig denken über den ewigen Geist, der sich in ihm darstellt. Daher kann man auch sagen, was mancher schon gesagt hat: Die Umwandlung des Seelenlebens geschieht so, dass gewissermaßen das ganze Seelenleben wie mystisch umgewandelt wird, dies aber in einem höheren Sinn. Denn was wäre eine musikalische Melodie, wenn in den gehörten Ton nicht wirksam hineinspielen würde die Erinnerung?
[ 44 ] In dieses Seelenleben spielt aber nicht die Erinnerung hinein, wohl aber die vergangene Wirklichkeit selbst, und das, was schon vergangen ist, lebt wieder in der Gegenwart unseres Seelenlebens; und so lebt in uns in unserem reinen Denken vermischt mit dem gewöhnlichen Seelenleben das Geistig-Seelische, das schon da war, bevor wir uns mit dem Stoff verbunden haben. Und wenn wir dann diese Wahrnehmungen ins Auge fassen und durchsichtig machen können und durch die Seelenkräfte auf den Geist schauen, dann finden wir rückblickend das frühere Erdenleben, das wahrgenommen und erlebt werden kann. Wir denken Menschenerlebnisse, die bis dahin in sich selbst begrenzt waren; wir sehen, dass wir zu den ewigen Geistern zurückblicken können durch die Geistesforschung.
[ 44 ] In dieses Seelenleben spielt aber nicht die Erinnerung hinein, wohl aber die vergangene Wirklichkeit selbst, und das, was schon vergangen ist, lebt wieder in der Gegenwart unseres Seelenlebens; und so lebt in uns in unserem reinen Denken vermischt mit dem gewöhnlichen Seelenleben das Geistig-Seelische, das schon da war, bevor wir uns mit dem Stoff verbunden haben. Und wenn wir dann diese Wahrnehmungen ins Auge fassen und durchsichtig machen können und durch die Seelenkräfte auf den Geist schauen, dann finden wir rückblickend das frühere Erdenleben, das wahrgenommen und erlebt werden kann. Wir denken Menschenerlebnisse, die bis dahin in sich selbst begrenzt waren; wir sehen, dass wir zu den ewigen Geistern zurückblicken können durch die Geistesforschung.
[ 45 ] Das sind prinzipielle, das sind die Quellpunkte der menschlichen Erkenntnis, welche diese Erkenntnisart aufmacht demjenigen, der nach ihr forscht, und darin liegt die Freiheit der menschlichen Seele. Der Geistesforscher, der über die Freiheit sprechen will, der hat seit Jahrzehnten die Frage der Menschenfreiheit zu seinem Hauptthema gemacht. Vor Jahrzehnten habe ich ein Buch geschrieben über die Menschenfreiheit; ich habe in diesem Buche gezeigt, dass man aufzusteigen hat von der physischen Kraft zur reinen Geisteskraft. Das ist die zweite Frage, die sich wie die erste an das Denken knüpft, die Frage der Freiheit, die für jeden ein Erlebnis ist, aber naturwissenschaftlich nicht erforscht werden kann. Was naturwissenschaftlich gebunden ist, wird niemals in Freiheit auftreten können.
[ 45 ] Das sind prinzipielle, das sind die Quellpunkte der menschlichen Erkenntnis, welche diese Erkenntnisart aufmacht demjenigen, der nach ihr forscht, und darin liegt die Freiheit der menschlichen Seele. Der Geistesforscher, der über die Freiheit sprechen will, der hat seit Jahrzehnten die Frage der Menschenfreiheit zu seinem Hauptthema gemacht. Vor Jahrzehnten habe ich ein Buch geschrieben über die Menschenfreiheit; ich habe in diesem Buche gezeigt, dass man aufzusteigen hat von der physischen Kraft zur reinen Geisteskraft. Das ist die zweite Frage, die sich wie die erste an das Denken knüpft, die Frage der Freiheit, die für jeden ein Erlebnis ist, aber naturwissenschaftlich nicht erforscht werden kann. Was naturwissenschaftlich gebunden ist, wird niemals in Freiheit auftreten können.
[ 46 ] Dennoch weiß jeder, was die Handlungen sind, die frei sind. Ich habe schon gesagt, welche Handlungen im menschlichen Leben freie genannt werden können. Nur gewisse Gattungen von Taten sind es: so, wenn wir ein Wesen neben uns haben, das wir lieben, denn was ist die Liebe in wahrer Seelenwirklichkeit? Die Liebe hat verschiedene Gattungen; sie kann egoistisch, ein Egoismus sein, weil es angenehm ist, dasjenige zu lieben, was zu lieben angenehm ist; aber auch diese Liebe kann anders werden, sie kann sich vergeistigen, sie kann hinschauen auf andere Wesen, und es schließt sich die Selbstsucht gegenüber dem geliebten Wesen vollständig aus.
[ 46 ] Dennoch weiß jeder, was die Handlungen sind, die frei sind. Ich habe schon gesagt, welche Handlungen im menschlichen Leben freie genannt werden können. Nur gewisse Gattungen von Taten sind es: so, wenn wir ein Wesen neben uns haben, das wir lieben, denn was ist die Liebe in wahrer Seelenwirklichkeit? Die Liebe hat verschiedene Gattungen; sie kann egoistisch, ein Egoismus sein, weil es angenehm ist, dasjenige zu lieben, was zu lieben angenehm ist; aber auch diese Liebe kann anders werden, sie kann sich vergeistigen, sie kann hinschauen auf andere Wesen, und es schließt sich die Selbstsucht gegenüber dem geliebten Wesen vollständig aus.
[ 47 ] Ja, ich habe recht gehabt vor einem Vierteljahrhundert, als ich widersprochen habe dem allgemein geltenden Sprichwort «Liebe macht blind». Das ist vollkommen falsch, denn in Wirklichkeit sollte es heißen: «Liebe macht sehend.» Freilich, nur derjenige, der sich selbst auszuschließen vermag, der aufgeht in dem Wesen, das er liebt, der imstande ist, die verschiedenen Phasen der Liebe bis zur höchsten Steigerung zu verfolgen, nur der kann erfassen, was freie Handlungen sind. Wir tun im Leben vieles aus Egoismus, aber es kommt vor, dass sich auch hier Handlungen einstellen, zu denen wir ebenso stehen, wie wir dem geliebten Wesen gegenüberstehen, das uns sympathisch ist. Wir werden nicht Handlungen verrichten wollen, welche wir vor dem reinen Denken und der Hingebung als unrichtig ansehen, es müssen diese Handlungen geschehen aus Liebe. Wir werden selbst nur richtig handeln, wenn wir den Geist lieben.
[ 47 ] Ja, ich habe recht gehabt vor einem Vierteljahrhundert, als ich widersprochen habe dem allgemein geltenden Sprichwort «Liebe macht blind». Das ist vollkommen falsch, denn in Wirklichkeit sollte es heißen: «Liebe macht sehend.» Freilich, nur derjenige, der sich selbst auszuschließen vermag, der aufgeht in dem Wesen, das er liebt, der imstande ist, die verschiedenen Phasen der Liebe bis zur höchsten Steigerung zu verfolgen, nur der kann erfassen, was freie Handlungen sind. Wir tun im Leben vieles aus Egoismus, aber es kommt vor, dass sich auch hier Handlungen einstellen, zu denen wir ebenso stehen, wie wir dem geliebten Wesen gegenüberstehen, das uns sympathisch ist. Wir werden nicht Handlungen verrichten wollen, welche wir vor dem reinen Denken und der Hingebung als unrichtig ansehen, es müssen diese Handlungen geschehen aus Liebe. Wir werden selbst nur richtig handeln, wenn wir den Geist lieben.
[ 48 ] Freiheit und Liebe zur Handlung sind Vorstellungen, die sich nicht voneinander trennen lassen, und man kann nicht fragen: Ist der Mensch frei oder unfrei? Nein, denn der Mensch ist unfrei in seinem Willen für Handlungen aus Not, aus Trieben, aus Unterbewusstsein des Seelenlebens, aber frei wird er, indem er hassen und lieben kann dasjenige, was er zu tun für notwendig hält für sich und die Welt. Wenn man durch die umgewandelten Seelenkräfte richtig aufdeckt, was in Liebe und wirklicher Freiheit von den Menschen als Motiv für seinen Willen gebraucht wird, dann kann man hineindringen nicht durch die Mystik, sondern durch diese Umwandlung der Seelenkräfte in die geistige Wirklichkeit, und man entdeckt, dass im Menschen eine geheimnisvolle Kraft wohnt, wie der Keim in der Pflanze für die nächste Pflanze.
[ 48 ] Freiheit und Liebe zur Handlung sind Vorstellungen, die sich nicht voneinander trennen lassen, und man kann nicht fragen: Ist der Mensch frei oder unfrei? Nein, denn der Mensch ist unfrei in seinem Willen für Handlungen aus Not, aus Trieben, aus Unterbewusstsein des Seelenlebens, aber frei wird er, indem er hassen und lieben kann dasjenige, was er zu tun für notwendig hält für sich und die Welt. Wenn man durch die umgewandelten Seelenkräfte richtig aufdeckt, was in Liebe und wirklicher Freiheit von den Menschen als Motiv für seinen Willen gebraucht wird, dann kann man hineindringen nicht durch die Mystik, sondern durch diese Umwandlung der Seelenkräfte in die geistige Wirklichkeit, und man entdeckt, dass im Menschen eine geheimnisvolle Kraft wohnt, wie der Keim in der Pflanze für die nächste Pflanze.
[ 49 ] Dieser Keim lebt auch in der menschlichen Seele; er wird aber verdeckt, und der Mensch hat nicht die Möglichkeit, ihn zu sehen; er hat sich aber die Fähigkeit angeeignet, auf sein Wollen und Sollen zurückzuschauen. Dann sieht man auch, was im Menschen vorgeht, indem er aus Liebe Handlungen vollzieht. Da wirken im Seelenleben geistig-seelisch bedingte freie Handlungen. Wie der Mensch im gegenwärtigen Leben in sich wurzelt und wahrnehmen kann, was er richtig und unrichtig denkt, so sieht man in der Zukunft das Erdenleben etwas werden, wie es die Vergangenheit war, indem wir durch die Pforte des Todes gehen und der für die Zukunft gepflanzte Keim in uns zurückbleibt, der durch das Leben im Fühlen und Wollen verdeckt war. Wir sehen ... [Lücke], wie aufleben muss der Keim, den wir in vergangenen Erdenleben gepflanzt haben, wenn wir unser Leben ablegen; und wir werden auch das Leben vor der Geburt erblicken. Wir nehmen wahr das Leben im Geiste vor der Geburt und nach dem Tode, indem wir durch Fühlen und Wollen hindurch den Blick auf dasjenige richten, was nicht an den Organismus gebunden ist. Wir sehen auch, dass die Geistesforschung nicht etwas Mystisches ist, nicht etwas, was auf bequeme Weise hereingebracht werden kann, sondern sie strebt auf denjenigen Gebieten, die die Sehnsuchtsgebiete aller Menschen sind, die zum Leben aufwachen wollen.
[ 49 ] Dieser Keim lebt auch in der menschlichen Seele; er wird aber verdeckt, und der Mensch hat nicht die Möglichkeit, ihn zu sehen; er hat sich aber die Fähigkeit angeeignet, auf sein Wollen und Sollen zurückzuschauen. Dann sieht man auch, was im Menschen vorgeht, indem er aus Liebe Handlungen vollzieht. Da wirken im Seelenleben geistig-seelisch bedingte freie Handlungen. Wie der Mensch im gegenwärtigen Leben in sich wurzelt und wahrnehmen kann, was er richtig und unrichtig denkt, so sieht man in der Zukunft das Erdenleben etwas werden, wie es die Vergangenheit war, indem wir durch die Pforte des Todes gehen und der für die Zukunft gepflanzte Keim in uns zurückbleibt, der durch das Leben im Fühlen und Wollen verdeckt war. Wir sehen ... [Lücke], wie aufleben muss der Keim, den wir in vergangenen Erdenleben gepflanzt haben, wenn wir unser Leben ablegen; und wir werden auch das Leben vor der Geburt erblicken. Wir nehmen wahr das Leben im Geiste vor der Geburt und nach dem Tode, indem wir durch Fühlen und Wollen hindurch den Blick auf dasjenige richten, was nicht an den Organismus gebunden ist. Wir sehen auch, dass die Geistesforschung nicht etwas Mystisches ist, nicht etwas, was auf bequeme Weise hereingebracht werden kann, sondern sie strebt auf denjenigen Gebieten, die die Sehnsuchtsgebiete aller Menschen sind, die zum Leben aufwachen wollen.
[ 50 ] Ein unüberbrückbarer Abgrund besteht zwischen dem, was wir das Erinnerungsleben nennen, und dem, was die Naturerscheinungen das erste Mal vor uns aufgebaut haben. Indem wir solche Kräfte hervorrufen, um die Vorstellung zu vernichten und die Erinnerungskräfte zu behalten, tauchen wir unter in das, in das nicht untergetaucht werden darf im gewöhnlichen Leben; aber dadurch erlangen wir die Möglichkeit, unterzutauchen in diejenige Welt, welche nicht für das gewöhnliche Leben bestimmt ist. Das führt uns zur wirklichen Geistesforschung; sie wird einmal eine Wissenschaft sein, wie der Kopernikanismus eine Wissenschaft geworden ist, als er mit dem alten Seelenleben gebrochen hatte.
[ 50 ] Ein unüberbrückbarer Abgrund besteht zwischen dem, was wir das Erinnerungsleben nennen, und dem, was die Naturerscheinungen das erste Mal vor uns aufgebaut haben. Indem wir solche Kräfte hervorrufen, um die Vorstellung zu vernichten und die Erinnerungskräfte zu behalten, tauchen wir unter in das, in das nicht untergetaucht werden darf im gewöhnlichen Leben; aber dadurch erlangen wir die Möglichkeit, unterzutauchen in diejenige Welt, welche nicht für das gewöhnliche Leben bestimmt ist. Das führt uns zur wirklichen Geistesforschung; sie wird einmal eine Wissenschaft sein, wie der Kopernikanismus eine Wissenschaft geworden ist, als er mit dem alten Seelenleben gebrochen hatte.
[ 51 ] Es ist ja begreiflich, dass von verschiedenen Seiten diese Forschung missverstanden wird und dass ihr Gegnerschaften erwachsen. Dem Mystiker erscheint sie nicht geeignet, weil ihr die Geistesforschung nicht mystisch genug tut; und andere glauben, sich an die Naturwissenschaft allein halten zu müssen. Sie wird aber einmal kommen, und sie werden schen, dass die Geistesforschung eine reine Wissenschaft ist. Man fürchtet auch, dass der Aberglaube wieder aufleben und dass der Dilettantismus in der ernsten Forschung auftreten wird. Aber auch das ist nicht der Fall.
[ 51 ] Es ist ja begreiflich, dass von verschiedenen Seiten diese Forschung missverstanden wird und dass ihr Gegnerschaften erwachsen. Dem Mystiker erscheint sie nicht geeignet, weil ihr die Geistesforschung nicht mystisch genug tut; und andere glauben, sich an die Naturwissenschaft allein halten zu müssen. Sie wird aber einmal kommen, und sie werden schen, dass die Geistesforschung eine reine Wissenschaft ist. Man fürchtet auch, dass der Aberglaube wieder aufleben und dass der Dilettantismus in der ernsten Forschung auftreten wird. Aber auch das ist nicht der Fall.
[ 52 ] Ich konnte nur die Prinzipien feststellen, nur den Anfang dieser Dinge bezeichnen. Jeder hat aber die Gelegenheit, die Gebiete, die im praktischen Leben wichtig sind, und gewisse Erlebnisse der Menschen besonders mit Bezug auf die aktuelle Gegenwart zu entdecken, die meine Ausführungen bestätigen. Ich wollte nur sagen, was die Geistesforschung zu tun hat, um solche Gebiete aufzuschließen. Man wird sie missverstehen von links und von rechts, denn für diese geistige Forschung ist es nicht notwendig, dass man in neue Gebiete eindringe, sondern dass man in diese Gebiete auf eine neue Art eindringt, dass man für die neue Wirklichkeit neue Begriffe entwickelt, die heute den meisten Menschen ungewohnt sind. Sie sind ihnen aber nicht ganz fremd, weil in dieser Geistesforschung Kräfte sind, die heute in der Menschenseele schlummern, die heute im wirklichen Menschenleben in dieser schweren Zeit aufwachen. Wenn sie mit manchem in Verbindung gebracht werden, was von alten Zeiten zu stammen scheint, wenn heute von Zeit zu Zeit in uns alte Erlebnisse geweckt werden, dann wissen die Betreffenden, dass sie sich nach anderem sehnen müssen, als was die Menschen bisher vorgebracht haben.
[ 52 ] Ich konnte nur die Prinzipien feststellen, nur den Anfang dieser Dinge bezeichnen. Jeder hat aber die Gelegenheit, die Gebiete, die im praktischen Leben wichtig sind, und gewisse Erlebnisse der Menschen besonders mit Bezug auf die aktuelle Gegenwart zu entdecken, die meine Ausführungen bestätigen. Ich wollte nur sagen, was die Geistesforschung zu tun hat, um solche Gebiete aufzuschließen. Man wird sie missverstehen von links und von rechts, denn für diese geistige Forschung ist es nicht notwendig, dass man in neue Gebiete eindringe, sondern dass man in diese Gebiete auf eine neue Art eindringt, dass man für die neue Wirklichkeit neue Begriffe entwickelt, die heute den meisten Menschen ungewohnt sind. Sie sind ihnen aber nicht ganz fremd, weil in dieser Geistesforschung Kräfte sind, die heute in der Menschenseele schlummern, die heute im wirklichen Menschenleben in dieser schweren Zeit aufwachen. Wenn sie mit manchem in Verbindung gebracht werden, was von alten Zeiten zu stammen scheint, wenn heute von Zeit zu Zeit in uns alte Erlebnisse geweckt werden, dann wissen die Betreffenden, dass sie sich nach anderem sehnen müssen, als was die Menschen bisher vorgebracht haben.
[ 53 ] Die Entwicklung der Menschheit muss fortschreiten. Die Bedürfnisse dazu sind vorhanden, wir sind zu einer neuen Wissenschaft vorgedrungen, aber die Menschen wissen noch nicht davon. Vorhanden aber sind sie, und auch die weiteren Umkreise, die heute sie noch leugnen, die träumen davon und streben in steter Sehnsucht nach dieser Geisteswissenschaft, die kein Programm und keine Willkür ist, denn die Geisteswissenschaft ist nur das, was die Menschen eigentlich wollen, wonach sie sich sehnen, was tief im Unterbewusstsein schlummert, und ich bin überzeugt, dass dasjenige, was die Geisteswissenschaft bieten will, nichts anderes ist als die Befriedigung desjenigen, wonach die Menschen verlangen. Und das können nicht die Menschen der Gegenwart und nicht die Menschen der Zukunft vermissen.
[ 53 ] Die Entwicklung der Menschheit muss fortschreiten. Die Bedürfnisse dazu sind vorhanden, wir sind zu einer neuen Wissenschaft vorgedrungen, aber die Menschen wissen noch nicht davon. Vorhanden aber sind sie, und auch die weiteren Umkreise, die heute sie noch leugnen, die träumen davon und streben in steter Sehnsucht nach dieser Geisteswissenschaft, die kein Programm und keine Willkür ist, denn die Geisteswissenschaft ist nur das, was die Menschen eigentlich wollen, wonach sie sich sehnen, was tief im Unterbewusstsein schlummert, und ich bin überzeugt, dass dasjenige, was die Geisteswissenschaft bieten will, nichts anderes ist als die Befriedigung desjenigen, wonach die Menschen verlangen. Und das können nicht die Menschen der Gegenwart und nicht die Menschen der Zukunft vermissen.
