The Human Being as a
Spirit and Soul Being
GA 71b
11 May 1918, Leipzig
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Der Mensch als Geist- und Seelenwesen
12. Der Übersinnliche Mensch und die Fragen der Willensfreiheit und Seelenunsterblichkeit
12. Der Übersinnliche Mensch und die Fragen der Willensfreiheit und Seelenunsterblichkeit
[ 1 ] [Sehr verehrte Anwesende!] Es ist unzweifelhaft, dass ein unmittelbares Gefühl in der menschlichen Seele zugibt, dass der Mensch sich zwei Fragen als besonders bedeutungsvoll vorlegen kann: nach der Freiheit des Willens und [nach] der Seelenunsterblichkeit.
[ 1 ] [Sehr verehrte Anwesende!] Es ist unzweifelhaft, dass ein unmittelbares Gefühl in der menschlichen Seele zugibt, dass der Mensch sich zwei Fragen als besonders bedeutungsvoll vorlegen kann: nach der Freiheit des Willens und [nach] der Seelenunsterblichkeit.
[ 2 ] Zwischen beiden Fragen besteht ein inniger Zusammenhang, es ist keine zufällige Zusammenkoppelung, wenn wir sie heute nebeneinander betrachten wollen. Gewissermaßen ebenso lange, als es ein menschliches Erkenntnisstreben gibt, solange es ein Weltanschauungsstreben gibt, ist auch eine besondere Mühe vorhanden, diesen beiden Fragen nahezukommen. Sie sind auch die Angelpunkte des philosophischen Strebens. Aber wie viel Widerspruch gibt es auf diesem Gebiete!
[ 2 ] Zwischen beiden Fragen besteht ein inniger Zusammenhang, es ist keine zufällige Zusammenkoppelung, wenn wir sie heute nebeneinander betrachten wollen. Gewissermaßen ebenso lange, als es ein menschliches Erkenntnisstreben gibt, solange es ein Weltanschauungsstreben gibt, ist auch eine besondere Mühe vorhanden, diesen beiden Fragen nahezukommen. Sie sind auch die Angelpunkte des philosophischen Strebens. Aber wie viel Widerspruch gibt es auf diesem Gebiete!
[ 3 ] Wer vom Standpunkte der Geisteswissenschaft diese beiden Fragen ins Auge fasst, wird bemerken, warum das denkerische Streben, das gewöhnliche, trotz allen aufgebotenen Scharfsinnes nicht zu einer befriedigenden Lösung kommt. In unserer naturwissenschaftlichen Zeit will man auch für diese Fragen eine Anschauung gewinnen durch das naturwissenschaftliche Erkennen. Doch trotz aller Bewunderung, die man für die Erfolge der Naturwissenschaften haben muss — diesen beiden Fragen kommen sie nicht nahe.
[ 3 ] Wer vom Standpunkte der Geisteswissenschaft diese beiden Fragen ins Auge fasst, wird bemerken, warum das denkerische Streben, das gewöhnliche, trotz allen aufgebotenen Scharfsinnes nicht zu einer befriedigenden Lösung kommt. In unserer naturwissenschaftlichen Zeit will man auch für diese Fragen eine Anschauung gewinnen durch das naturwissenschaftliche Erkennen. Doch trotz aller Bewunderung, die man für die Erfolge der Naturwissenschaften haben muss — diesen beiden Fragen kommen sie nicht nahe.
[ 4 ] Diese beiden Fragen gehen aus auf eine tiefere Selbsterkenntnis. Dabei zeigen sich alle Schwierigkeiten einer Selbsterkenntnis. Trotzdem ist das, um was es sich dabei handelt, eine Zeitfrage — und doch versagt die naturwissenschaftliche Anschauung, zum Beispiel bei der Frage: Was ist es, was im Menschen als wahres Selbst dies Leben führt?
[ 4 ] Diese beiden Fragen gehen aus auf eine tiefere Selbsterkenntnis. Dabei zeigen sich alle Schwierigkeiten einer Selbsterkenntnis. Trotzdem ist das, um was es sich dabei handelt, eine Zeitfrage — und doch versagt die naturwissenschaftliche Anschauung, zum Beispiel bei der Frage: Was ist es, was im Menschen als wahres Selbst dies Leben führt?
[ 5 ] Auf Selbsterkenntnis geht auch die Frage des naturwissenschaftlich denkenden Gelehrten, die Frage, die er sich vorlegen muss: Was geht vor im Denken, Fühlen, Vorstellen? Waldstein setzt dies in seinem Buche vom unterbewussten Ich auseinander. Er erzählt, wie er vor einem Buchladen steht und die Auslagen ansieht. Er ist selbst Naturwissenschafter. Da fällt sein Blick zufällig auf ein naturwissenschaftliches Buch «Über die Mollusken» — so hieß der Titel — und entdeckt zu seinem Erstaunen, dass er dabei lächeln muss. Er fragt sich: Warum lächle ich eigentlich? Was wogt in meinem Selbst? Er schließt die Augen und gibt acht auf alles, was sich um ihn her vollzieht. Da gewahrt er in weiter Ferne die Töne einer Drehorgel, die eine Tanzmusik spielt, die er bisher überhörte, und die ihm erst jetzt zum Bewusstsein kommt, da er die Augen schließt. Als er jene Musik zum ersten Male hörte, war er noch jung, und machte nach ihrer Melodie seine Tanzschritte. Jetzt beim Betrachten der Buchtitel mischt sich ihm unbewusst diese Melodie hinein und ihre Erinnerung in das wogende Seelengetriebe. Er war es erst gewahr geworden, als er die Augen schloss — und hatte doch unbewusst lächeln müssen!
[ 5 ] Auf Selbsterkenntnis geht auch die Frage des naturwissenschaftlich denkenden Gelehrten, die Frage, die er sich vorlegen muss: Was geht vor im Denken, Fühlen, Vorstellen? Waldstein setzt dies in seinem Buche vom unterbewussten Ich auseinander. Er erzählt, wie er vor einem Buchladen steht und die Auslagen ansieht. Er ist selbst Naturwissenschafter. Da fällt sein Blick zufällig auf ein naturwissenschaftliches Buch «Über die Mollusken» — so hieß der Titel — und entdeckt zu seinem Erstaunen, dass er dabei lächeln muss. Er fragt sich: Warum lächle ich eigentlich? Was wogt in meinem Selbst? Er schließt die Augen und gibt acht auf alles, was sich um ihn her vollzieht. Da gewahrt er in weiter Ferne die Töne einer Drehorgel, die eine Tanzmusik spielt, die er bisher überhörte, und die ihm erst jetzt zum Bewusstsein kommt, da er die Augen schließt. Als er jene Musik zum ersten Male hörte, war er noch jung, und machte nach ihrer Melodie seine Tanzschritte. Jetzt beim Betrachten der Buchtitel mischt sich ihm unbewusst diese Melodie hinein und ihre Erinnerung in das wogende Seelengetriebe. Er war es erst gewahr geworden, als er die Augen schloss — und hatte doch unbewusst lächeln müssen!
[ 6 ] Daraus sieht man, dass viel, viel in den Tiefen des Seelenwesens ruht, von dem man sonst nichts zu wissen braucht. Vieles kraftet herauf, was wir Gedächtnis und so weiter nennen, was wir nicht überschauen, was zum Unterbewusstsein gehört. Wenn man das alles bedenkt, so muss man eigentlich daran verzweifeln, [das], was im menschlichen Selbst eigentlich ist, wirklich kennenzulernen. Andere Beispiele [finden sich] in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Diese Beispiele zeigen einem, wie vorsichtig man sein muss, wenn man an die Fragen der menschlichen Selbsterkenntnis herantritt. In diesem Bewusstsein arbeiten Seelenwogen, von denen man nichts ahnen kann. Wie unzulänglich ist die Naturwissenschaft zu ihrer Erforschung — sie kommt nicht weiter als zu unbestimmten Gedächtnisfaktoren, deren Tragweite wir gar nicht ermessen können.
[ 6 ] Daraus sieht man, dass viel, viel in den Tiefen des Seelenwesens ruht, von dem man sonst nichts zu wissen braucht. Vieles kraftet herauf, was wir Gedächtnis und so weiter nennen, was wir nicht überschauen, was zum Unterbewusstsein gehört. Wenn man das alles bedenkt, so muss man eigentlich daran verzweifeln, [das], was im menschlichen Selbst eigentlich ist, wirklich kennenzulernen. Andere Beispiele [finden sich] in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Diese Beispiele zeigen einem, wie vorsichtig man sein muss, wenn man an die Fragen der menschlichen Selbsterkenntnis herantritt. In diesem Bewusstsein arbeiten Seelenwogen, von denen man nichts ahnen kann. Wie unzulänglich ist die Naturwissenschaft zu ihrer Erforschung — sie kommt nicht weiter als zu unbestimmten Gedächtnisfaktoren, deren Tragweite wir gar nicht ermessen können.
[ 7 ] Ein ganz anderer Weg als die gewöhnliche Betrachtungsweise ist nötig, um diese Erkenntnis zu gewinnen. Man muss eine andere Erkenntnis suchen, die im Menschen schlummert. Das ist vorläufig noch schwer, anderen klarzumachen. Es ist sogar noch schwerer, als jene Klarheit der kopernikanischen Weltanschauung einzuführen war, die doch auch ein voll ständiges Umdenken verlangte.
[ 7 ] Ein ganz anderer Weg als die gewöhnliche Betrachtungsweise ist nötig, um diese Erkenntnis zu gewinnen. Man muss eine andere Erkenntnis suchen, die im Menschen schlummert. Das ist vorläufig noch schwer, anderen klarzumachen. Es ist sogar noch schwerer, als jene Klarheit der kopernikanischen Weltanschauung einzuführen war, die doch auch ein voll ständiges Umdenken verlangte.
[ 8 ] Das erste Erfordernis wird sein, dass in die geisteswissenschaftliche Erkenntnis etwas hineinkommt wie jene Töne der Drehorgel. Die Folge ist: das Trachten nach einer Erkenntnis, die einer solchen Täuschung nicht zugängig ist.
[ 8 ] Das erste Erfordernis wird sein, dass in die geisteswissenschaftliche Erkenntnis etwas hineinkommt wie jene Töne der Drehorgel. Die Folge ist: das Trachten nach einer Erkenntnis, die einer solchen Täuschung nicht zugängig ist.
[ 9 ] Die Geisteswissenschaft erstrebt eine Erkenntnis, die mit dem gewöhnlichen Gedächtnis nichts zu tun hat. Sie muss beim Erkennen ausschließen nicht nur die äußere Wahrnehmung vom Bewusstsein, sondern solche Erinnerungskraft selbst. Sie muss zeigen, dass man zurückgehen kann in tiefere Schichten, die noch hinter dem Gedächtnis liegen — in Untergründen der Seele schürfen, die tiefer liegen als die gewöhnliche Erinnerung. Die menschliche Seele erlangt solche Erkenntnis. — Das Erste, was angestrebt werden muss, um in die geistige Welt hineinzukommen, ist die imaginative Erkenntnis.
[ 9 ] Die Geisteswissenschaft erstrebt eine Erkenntnis, die mit dem gewöhnlichen Gedächtnis nichts zu tun hat. Sie muss beim Erkennen ausschließen nicht nur die äußere Wahrnehmung vom Bewusstsein, sondern solche Erinnerungskraft selbst. Sie muss zeigen, dass man zurückgehen kann in tiefere Schichten, die noch hinter dem Gedächtnis liegen — in Untergründen der Seele schürfen, die tiefer liegen als die gewöhnliche Erinnerung. Die menschliche Seele erlangt solche Erkenntnis. — Das Erste, was angestrebt werden muss, um in die geistige Welt hineinzukommen, ist die imaginative Erkenntnis.
[ 10 ] Warum ist Selbsterkenntnis nur auf diesem Wege zu erreichen? Wenn wir mit unserem Auge in die Außenwelt sehen, so sehen wir alles um uns herum. Das Auge sieht nicht sich selbst, und gerade darum hat es die Möglichkeit, das andere wahrzunehmen. Ähnlich ist es auch mit dem menschlichen Selbst. Es kann die Dinge der Umwelt sehen, aber sich selbst zunächst nicht. Ein anderer kann wohl das Auge sehen. Es gibt keine Möglichkeit, dass das menschliche Selbst durch andere untersucht wird. Das menschliche Selbst muss aus sich heraustreten, neben sich hin. Das ist notwendig zur Selbsterkenntnis. Es muss die Leiblichkeit verlassen, in der es gewöhnlich lebt. Das menschliche Auge kann sich wohl selbst sehen — im Spiegel nämlich. — Aber was ist dann?
[ 10 ] Warum ist Selbsterkenntnis nur auf diesem Wege zu erreichen? Wenn wir mit unserem Auge in die Außenwelt sehen, so sehen wir alles um uns herum. Das Auge sieht nicht sich selbst, und gerade darum hat es die Möglichkeit, das andere wahrzunehmen. Ähnlich ist es auch mit dem menschlichen Selbst. Es kann die Dinge der Umwelt sehen, aber sich selbst zunächst nicht. Ein anderer kann wohl das Auge sehen. Es gibt keine Möglichkeit, dass das menschliche Selbst durch andere untersucht wird. Das menschliche Selbst muss aus sich heraustreten, neben sich hin. Das ist notwendig zur Selbsterkenntnis. Es muss die Leiblichkeit verlassen, in der es gewöhnlich lebt. Das menschliche Auge kann sich wohl selbst sehen — im Spiegel nämlich. — Aber was ist dann?
[ 11 ] Es fehlt das, was es mit Leben durchsetzt — das Wesentliche. Es ist ein bloßes Bild vom Auge. Etwas Ähnliches erstrebt die imaginative Selbsterkenntnis. Sie fordert ein Heraustreten aus der Persönlichkeit. Was dann angeschaut wird, verhält sich zu dem lebensvollen durchgeistigten Menschen wie ein Auge im Spiegel. Darum die Bezeichnung imaginative, das heißt Bild-Erkenntnis.
[ 11 ] Es fehlt das, was es mit Leben durchsetzt — das Wesentliche. Es ist ein bloßes Bild vom Auge. Etwas Ähnliches erstrebt die imaginative Selbsterkenntnis. Sie fordert ein Heraustreten aus der Persönlichkeit. Was dann angeschaut wird, verhält sich zu dem lebensvollen durchgeistigten Menschen wie ein Auge im Spiegel. Darum die Bezeichnung imaginative, das heißt Bild-Erkenntnis.
[ 12 ] Wir können nicht plötzlich hineingehen in die geistige Welt. Ein ernstes Streben ist dazu notwendig, und über das Bild hinweg geht es erst hinein in die geistige Welt. Vorangehen müssen die üblichen Seelenverrichtungen, um erst das ganze Seelenleben zu erkraften, intensiver zu machen, als es im Alltagsleben ist.
[ 12 ] Wir können nicht plötzlich hineingehen in die geistige Welt. Ein ernstes Streben ist dazu notwendig, und über das Bild hinweg geht es erst hinein in die geistige Welt. Vorangehen müssen die üblichen Seelenverrichtungen, um erst das ganze Seelenleben zu erkraften, intensiver zu machen, als es im Alltagsleben ist.
[ 13 ] Zu den Übungen wählt man darum möglichst überschaubare Vorstellungen, und zwar möglichst solche, die keine Reminiszenzen an Gedächtnis oder Erlebtes sind. Es soll ja nicht ein «Sich-Versenken» in Erinnerungen oder dergleichen sein — kein «Antönen der Drehorgel».
[ 13 ] Zu den Übungen wählt man darum möglichst überschaubare Vorstellungen, und zwar möglichst solche, die keine Reminiszenzen an Gedächtnis oder Erlebtes sind. Es soll ja nicht ein «Sich-Versenken» in Erinnerungen oder dergleichen sein — kein «Antönen der Drehorgel».
[ 14 ] Daher ist es richtig, mit vollem Bewusstsein die Meditation zu überschauen; zu wissen, wie man die Vorstellung bildet. Weil es auf die angewandte Seelenkraft ankommt, daher ist es gut, solche Meditationen zu nehmen, die ein Sinnbild sind. Das Bewusstsein soll man dabei ruhen lassen.
[ 14 ] Daher ist es richtig, mit vollem Bewusstsein die Meditation zu überschauen; zu wissen, wie man die Vorstellung bildet. Weil es auf die angewandte Seelenkraft ankommt, daher ist es gut, solche Meditationen zu nehmen, die ein Sinnbild sind. Das Bewusstsein soll man dabei ruhen lassen.
[ 15 ] Es hat immer solche Schulen gegeben, die dergleichen Vorstellungen vermitteln. Man hat aber dieses tiefe Geheimnis bewahrt — aus dem einfachen Grunde, weil man diese Vorstellungen eben nicht überall hören und lesen sollte, sie nicht als Erinnerung in der Seele tragen durfte, sondern zum ersten Male sollte man diese Bilder eben in der Meditation vor die Seele stellen. In solchen Vorstellungen lebt die Imagination. Man muss sie jahrelang machen. — Man meint oft, die Naturwissenschaften seien schwierig, die Geisteswissenschaft dagegen leicht. So ist es aber nicht. Wer beide kennt, weiß, wie schwer die geisteswissenschaftlichen Übungen sind, besonders wenn sie zu einschneidenderen Ergebnissen führen sollten, viel schwerer und ernster als die naturwissenschaftlichen. Mit all diesen Dingen soll man sich nicht täuschen lassen.
[ 15 ] Es hat immer solche Schulen gegeben, die dergleichen Vorstellungen vermitteln. Man hat aber dieses tiefe Geheimnis bewahrt — aus dem einfachen Grunde, weil man diese Vorstellungen eben nicht überall hören und lesen sollte, sie nicht als Erinnerung in der Seele tragen durfte, sondern zum ersten Male sollte man diese Bilder eben in der Meditation vor die Seele stellen. In solchen Vorstellungen lebt die Imagination. Man muss sie jahrelang machen. — Man meint oft, die Naturwissenschaften seien schwierig, die Geisteswissenschaft dagegen leicht. So ist es aber nicht. Wer beide kennt, weiß, wie schwer die geisteswissenschaftlichen Übungen sind, besonders wenn sie zu einschneidenderen Ergebnissen führen sollten, viel schwerer und ernster als die naturwissenschaftlichen. Mit all diesen Dingen soll man sich nicht täuschen lassen.
[ 16 ] Schließlich erlangt man durch fortgesetzte Übungen eine wirkliche Kraft in bildlichen Vorstellungen. Die Seele lernt in einer Bildwelt leben, die ebenso intensiv ist wie die äußeren sinnlichen Eindrücke. Man muss dies aber streng unterscheiden von allem Visionären und [von] Halluzinationen, die, wenn auch geheimnisvoll, doch Ausflüsse der Leibes-Organisation sind.
[ 16 ] Schließlich erlangt man durch fortgesetzte Übungen eine wirkliche Kraft in bildlichen Vorstellungen. Die Seele lernt in einer Bildwelt leben, die ebenso intensiv ist wie die äußeren sinnlichen Eindrücke. Man muss dies aber streng unterscheiden von allem Visionären und [von] Halluzinationen, die, wenn auch geheimnisvoll, doch Ausflüsse der Leibes-Organisation sind.
[ 17 ] Die Geisteswissenschaft aber hat es zu tun mit einer inneren Tätigkeit, die unabhängig von aller Leibesorganisation ist. Man kommt immer mehr in ein Seelenleben hinein, wo der Körper nicht mitsprechen kann. In der Phantasie spielten noch Erinnerungsvorstellungen mit.
[ 17 ] Die Geisteswissenschaft aber hat es zu tun mit einer inneren Tätigkeit, die unabhängig von aller Leibesorganisation ist. Man kommt immer mehr in ein Seelenleben hinein, wo der Körper nicht mitsprechen kann. In der Phantasie spielten noch Erinnerungsvorstellungen mit.
[ 18 ] Doch dann kommt noch das Allerschwierigste! Ist man nach jahrelangen Übungen endlich zu dieser imaginativen oder Bilderkenntnis vorgedrungen, so hat man damit doch noch nichts weiter erreicht als eine gewisse Selbsterziehung. Denn diese Bilderwelt — das wäre ein ganz gewaltiger Irrtum — hat nicht das Geringste zu tun mit der objektiven geistigen Welt. Man muss wissen, dass man jetzt eben nur eine Erkraftung des menschlichen Selbst erreicht hat. Ein Seelenauge , das man sich eingegliedert hat, mit dem man aber noch nicht sehen kann! Man fühlt sich mit seinem Ich in einer Art geistigem Erleben, aber ohne die Hilfe des Leibes wie früher.
[ 18 ] Doch dann kommt noch das Allerschwierigste! Ist man nach jahrelangen Übungen endlich zu dieser imaginativen oder Bilderkenntnis vorgedrungen, so hat man damit doch noch nichts weiter erreicht als eine gewisse Selbsterziehung. Denn diese Bilderwelt — das wäre ein ganz gewaltiger Irrtum — hat nicht das Geringste zu tun mit der objektiven geistigen Welt. Man muss wissen, dass man jetzt eben nur eine Erkraftung des menschlichen Selbst erreicht hat. Ein Seelenauge , das man sich eingegliedert hat, mit dem man aber noch nicht sehen kann! Man fühlt sich mit seinem Ich in einer Art geistigem Erleben, aber ohne die Hilfe des Leibes wie früher.
[ 19 ] Die nächste Aufgabe ist nun, dass man diese Bilderwelt, die nun von selber kommt, durchsichtig macht. Die erste Aufgabe war, diese Bilderwelt zu schaffen, die zweite Aufgabe ist, sie wiederum wegzuschaffen, sie durchsichtig zu machen, sodass man nichts hat als das andere Erleben des Selbstes. Aber man trägt den Durchgang durch die imaginative Welt in sich, das dadurch Errungene. Um den Menschen herum offenbart sich nun eine neue Welt. Diese zeigt einige Eigenschaften die beweisen, dass ein besonderes Erleben sich einstellt.
[ 19 ] Die nächste Aufgabe ist nun, dass man diese Bilderwelt, die nun von selber kommt, durchsichtig macht. Die erste Aufgabe war, diese Bilderwelt zu schaffen, die zweite Aufgabe ist, sie wiederum wegzuschaffen, sie durchsichtig zu machen, sodass man nichts hat als das andere Erleben des Selbstes. Aber man trägt den Durchgang durch die imaginative Welt in sich, das dadurch Errungene. Um den Menschen herum offenbart sich nun eine neue Welt. Diese zeigt einige Eigenschaften die beweisen, dass ein besonderes Erleben sich einstellt.
[ 20 ] Das alltägliche Bewusstsein führt zu Erinnerungen. Was man in der geistigen Welt lernt, muss man erst umsetzen in die gewöhnlichen Vorstellungen, wenn man es mitteilen oder sich daran erinnern will. [An] das Geschehene selbst kann man sich nicht erinnern. Will man dasselbe in der geistigen Welt noch einmal erleben, so muss man dieselben geistigen Anstrengungen machen, genau denselben Weg gehen wie das erste Mal, um dasselbe neuerdings wahrzunehmen. Das enttäuscht manchen Anfänger. Er hat wohl bald übersinnliche Erfahrungen. Aber sie werden ihm nicht so bald auch zu einem Lebensquell, weil sie so leicht vergessen werden und neue Anstrengungen nötig sind, um dasselbe zu erleben.
[ 20 ] Das alltägliche Bewusstsein führt zu Erinnerungen. Was man in der geistigen Welt lernt, muss man erst umsetzen in die gewöhnlichen Vorstellungen, wenn man es mitteilen oder sich daran erinnern will. [An] das Geschehene selbst kann man sich nicht erinnern. Will man dasselbe in der geistigen Welt noch einmal erleben, so muss man dieselben geistigen Anstrengungen machen, genau denselben Weg gehen wie das erste Mal, um dasselbe neuerdings wahrzunehmen. Das enttäuscht manchen Anfänger. Er hat wohl bald übersinnliche Erfahrungen. Aber sie werden ihm nicht so bald auch zu einem Lebensquell, weil sie so leicht vergessen werden und neue Anstrengungen nötig sind, um dasselbe zu erleben.
[ 21 ] Wenn ich dazu wieder ein persönliches Beispiel anführen darf: Die meisten Menschen glauben immer, wenn ich einen Vortrag öfter gehalten habe, so müsste er mir mit der Zeit immer leichter werden, weil er sich meinem Gedächtnis fast wörtlich eingeprägt hätte. Das ist aber durchaus nicht der Fall. Im Gegenteil. Immer von Neuem muss der Inhalt aus den geistigen Gebieten herausgeholt werden.
[ 21 ] Wenn ich dazu wieder ein persönliches Beispiel anführen darf: Die meisten Menschen glauben immer, wenn ich einen Vortrag öfter gehalten habe, so müsste er mir mit der Zeit immer leichter werden, weil er sich meinem Gedächtnis fast wörtlich eingeprägt hätte. Das ist aber durchaus nicht der Fall. Im Gegenteil. Immer von Neuem muss der Inhalt aus den geistigen Gebieten herausgeholt werden.
[ 22 ] Dabei ist noch etwas anderes, was hier in Betracht kommt: Wenn wir uns in die gewöhnliche Welt einleben, so üben wir manches durch Wiederholen, und dadurch wird es uns mit der Zeit immer leichter. In der geistigen Welt ist das gerade umgekehrt. Hat man ein Wesen, eine Tatsache gesehen, so ist es die nächsten Male schwerer, dasselbe zu sehen. Das Wesen, die Tatsache flieht einen, weil man es schon einmal sah und erlebt hat. Man muss das nächste Mal schon stärkere Anstrengungen machen, um es wieder zu erleben. Und drittens ist die Geistesgegenwart dazu nötig: Will man die Erfahrungen, die man in der geistigen Welt macht, festhalten, so braucht man Geistesgegenwart — denn sie treten auf und sind sofort wieder verschwunden. Wer vor jeder Entschließung alles unentschieden nach allen Seiten kehrt, bereitet sich schlecht vor. Rasch muss man eine Situation überschauen und rasch danach handeln. Und wenn man einmal gehandelt hat, ohne Reue darauf zurückblicken, auch wenn die Sache mal nicht gelungen ist. Dieser Zustand führt zur Geistesgegenwart, und den haben die nötig, die in die geistige Welt hineinwollen. Dann tritt sie einem entgegen als Inspiration — und erst mit der Inspiration steht man der geistigen Welt gegenüber.
[ 22 ] Dabei ist noch etwas anderes, was hier in Betracht kommt: Wenn wir uns in die gewöhnliche Welt einleben, so üben wir manches durch Wiederholen, und dadurch wird es uns mit der Zeit immer leichter. In der geistigen Welt ist das gerade umgekehrt. Hat man ein Wesen, eine Tatsache gesehen, so ist es die nächsten Male schwerer, dasselbe zu sehen. Das Wesen, die Tatsache flieht einen, weil man es schon einmal sah und erlebt hat. Man muss das nächste Mal schon stärkere Anstrengungen machen, um es wieder zu erleben. Und drittens ist die Geistesgegenwart dazu nötig: Will man die Erfahrungen, die man in der geistigen Welt macht, festhalten, so braucht man Geistesgegenwart — denn sie treten auf und sind sofort wieder verschwunden. Wer vor jeder Entschließung alles unentschieden nach allen Seiten kehrt, bereitet sich schlecht vor. Rasch muss man eine Situation überschauen und rasch danach handeln. Und wenn man einmal gehandelt hat, ohne Reue darauf zurückblicken, auch wenn die Sache mal nicht gelungen ist. Dieser Zustand führt zur Geistesgegenwart, und den haben die nötig, die in die geistige Welt hineinwollen. Dann tritt sie einem entgegen als Inspiration — und erst mit der Inspiration steht man der geistigen Welt gegenüber.
[ 23 ] Die dritte Stufe ist die Intuition. Da kommt der Mensch nicht nur zur Offenbarung der geistigen Welt, sondern wie man im physischen Leib lebt, so ist man, wenn man jene erste und zweite Stufe überschritten hat, auf der dritten Stufe vereint mit dem Geistigen. Man muss ganz darin untertauchen, sich selbst ganz vergessen. Nämlich das alltägliche Bewusstsein muss man vergessen — und davor eben haben ja die meisten Menschen eine so heillose, unbewusste Angst. Erst wenn man aus der Intuition auftaucht, dann hat man auch im gewöhnlichen Leben ein volles Bewusstsein von dem Erlebten. Man muss mit Mut durch diese Selbstvergessenheit hindurch-, durch das Absterben hindurchgehen. Erst wenn man auf solche Weise in die geistige Welt eingeht, kann man an solche Fragen herantreten, wie wir sie heute behandeln wollen, denn das sind Fragen des übersinnlichen Menschenwesens.
[ 23 ] Die dritte Stufe ist die Intuition. Da kommt der Mensch nicht nur zur Offenbarung der geistigen Welt, sondern wie man im physischen Leib lebt, so ist man, wenn man jene erste und zweite Stufe überschritten hat, auf der dritten Stufe vereint mit dem Geistigen. Man muss ganz darin untertauchen, sich selbst ganz vergessen. Nämlich das alltägliche Bewusstsein muss man vergessen — und davor eben haben ja die meisten Menschen eine so heillose, unbewusste Angst. Erst wenn man aus der Intuition auftaucht, dann hat man auch im gewöhnlichen Leben ein volles Bewusstsein von dem Erlebten. Man muss mit Mut durch diese Selbstvergessenheit hindurch-, durch das Absterben hindurchgehen. Erst wenn man auf solche Weise in die geistige Welt eingeht, kann man an solche Fragen herantreten, wie wir sie heute behandeln wollen, denn das sind Fragen des übersinnlichen Menschenwesens.
[ 24 ] Vor einem Vierteljahrhundert habe ich in ungewohnter Weise — [in der] «Philosophie der Freiheit» — diese beiden Fragen philosophisch angefasst. Ich versuchte, sie auch solchen annehmbar zu machen, die von der Theosophie nichts wissen wollen.
[ 24 ] Vor einem Vierteljahrhundert habe ich in ungewohnter Weise — [in der] «Philosophie der Freiheit» — diese beiden Fragen philosophisch angefasst. Ich versuchte, sie auch solchen annehmbar zu machen, die von der Theosophie nichts wissen wollen.
[ 25 ] Der erste Angelpunkt, der anknüpft an die Natur, ist das menschliche Denken, das ein wunderbares Rätsel ist. Sie merken nicht viel davon, sonst wären Sie schon auf dem Wege zum Übersinnlichen.
[ 25 ] Der erste Angelpunkt, der anknüpft an die Natur, ist das menschliche Denken, das ein wunderbares Rätsel ist. Sie merken nicht viel davon, sonst wären Sie schon auf dem Wege zum Übersinnlichen.
[ 26 ] Im freien Spiel der Vorstellungen lebt immer — was beachtet werden muss — der eine Angelpunkt des menschlichen Seelenlebens: Wir müssen uns sagen, aus unserer Organisation heraus verstehen wir das Spiel der Vorstellungen, Assoziationen und so weiter, aber wir können nicht das Hereinspielen mit naturwissenschaftlichen Vorstellungen begreifen, das Denken, das logische Unterscheiden von «richtig» und «falsch» des Denkens. Freie Handlungen können nur solche sein, die mit wahr oder unwahr herantreten, die nicht aus dem menschlichen Denken hervorgehen — intuitiv moralische Intuitionen, die an das Denken herantreten, wie der Impuls, ob der Gedanke falsch oder wahr ist.
[ 26 ] Im freien Spiel der Vorstellungen lebt immer — was beachtet werden muss — der eine Angelpunkt des menschlichen Seelenlebens: Wir müssen uns sagen, aus unserer Organisation heraus verstehen wir das Spiel der Vorstellungen, Assoziationen und so weiter, aber wir können nicht das Hereinspielen mit naturwissenschaftlichen Vorstellungen begreifen, das Denken, das logische Unterscheiden von «richtig» und «falsch» des Denkens. Freie Handlungen können nur solche sein, die mit wahr oder unwahr herantreten, die nicht aus dem menschlichen Denken hervorgehen — intuitiv moralische Intuitionen, die an das Denken herantreten, wie der Impuls, ob der Gedanke falsch oder wahr ist.
[ 27 ] Der zweite Angelpunkt: Handlungen aus Trieben sind nicht frei. Die verborgenen Gründe dazu liegen in der menschlichen Organisation. Es gliedern sich aus manchen Handlungen noch andere Gründe heraus. Diese Handlungsform muss man begreifen. Was geht vor, wenn wir einen Menschen lieben? Gewöhnlich sagt man: Liebe macht blind. Nein — ich sage: Liebe macht sehend. Sie entdeckt tiefer liegende Eigenschaften, die den anderen Menschen entgehen, wenn sie sich selbstvergessen und ohne Egoismus in den andern versenkt. Mit dieser Liebe ist verbunden, dass man gar nicht dazu kommen kann, wozu die egoistische Liebe so leicht kommt: dass man den geliebten Menschen reformieren will, dass man ihn kritisiert, ihn ummodeln möchte. Die wirkliche Liebe erfasst das Geliebte intuitiv, sie will es gar nicht ändern, sondern es lassen, wie es ist. Sie will nur selbst sich hinüberleben in das andere Wesen — sie will es nicht umformen nach ihrem eigenen Wesen.
[ 27 ] Der zweite Angelpunkt: Handlungen aus Trieben sind nicht frei. Die verborgenen Gründe dazu liegen in der menschlichen Organisation. Es gliedern sich aus manchen Handlungen noch andere Gründe heraus. Diese Handlungsform muss man begreifen. Was geht vor, wenn wir einen Menschen lieben? Gewöhnlich sagt man: Liebe macht blind. Nein — ich sage: Liebe macht sehend. Sie entdeckt tiefer liegende Eigenschaften, die den anderen Menschen entgehen, wenn sie sich selbstvergessen und ohne Egoismus in den andern versenkt. Mit dieser Liebe ist verbunden, dass man gar nicht dazu kommen kann, wozu die egoistische Liebe so leicht kommt: dass man den geliebten Menschen reformieren will, dass man ihn kritisiert, ihn ummodeln möchte. Die wirkliche Liebe erfasst das Geliebte intuitiv, sie will es gar nicht ändern, sondern es lassen, wie es ist. Sie will nur selbst sich hinüberleben in das andere Wesen — sie will es nicht umformen nach ihrem eigenen Wesen.
[ 28 ] Dasselbe kann auch eintreten einer Handlung gegenüber. Wenn in mir die reinste Liebe zu einer Handlung ist, ohne Egoismus, dann tue ich diese Handlung aus dem Impuls der Liebe heraus — das ist eine freie Handlung. Wer auf diesem Wege geht, die Handlungen um ihrer selbst willen zu tun, der ist auf dem Wege zur Freiheit.
[ 28 ] Dasselbe kann auch eintreten einer Handlung gegenüber. Wenn in mir die reinste Liebe zu einer Handlung ist, ohne Egoismus, dann tue ich diese Handlung aus dem Impuls der Liebe heraus — das ist eine freie Handlung. Wer auf diesem Wege geht, die Handlungen um ihrer selbst willen zu tun, der ist auf dem Wege zur Freiheit.
[ 29 ] Man kann an diese zwei Angelpunkte des menschlichen Lebens mit der Geist-Erkenntnis herantreten. Was ragt da in die Seele hinein? — Erlangt man die Möglichkeit, sich mit der Intuition diesem Denken gegenüberzustellen, so macht man die [erschütternde] Entdeckung: Was uns da anregt, als «wahr» angenommen oder abgestoßen wird, [kommt] nicht aus unserem Leibe, sondern [ist] in unbewusster Inspiration einimpulsiert. Es ist unbewusste Inspiration, die in ihn hereinspielt. Was ist das? Was inspiriert sich da in uns? Was sich da in uns inspiriert, das ist, was die Seele erlebt hat vor der Geburt, vor der Empfängnis durch die Eltern, das liefert Kräfte, die eine unbewusste inspiratorische Richtkraft werden.
[ 29 ] Man kann an diese zwei Angelpunkte des menschlichen Lebens mit der Geist-Erkenntnis herantreten. Was ragt da in die Seele hinein? — Erlangt man die Möglichkeit, sich mit der Intuition diesem Denken gegenüberzustellen, so macht man die [erschütternde] Entdeckung: Was uns da anregt, als «wahr» angenommen oder abgestoßen wird, [kommt] nicht aus unserem Leibe, sondern [ist] in unbewusster Inspiration einimpulsiert. Es ist unbewusste Inspiration, die in ihn hereinspielt. Was ist das? Was inspiriert sich da in uns? Was sich da in uns inspiriert, das ist, was die Seele erlebt hat vor der Geburt, vor der Empfängnis durch die Eltern, das liefert Kräfte, die eine unbewusste inspiratorische Richtkraft werden.
[ 30 ] Die Geisteswissenschaft muss manche Vorstellung vertiefen und erkraften. Die bisherige Unsterblichkeitsforschung setzt einfach das diesseitige Leben fort. Die Geistesforschung fragt anders: Ist das diesseitige Leben nicht die Fortsetzung eines geistigen Lebens vorher? Alles Seelische kommt aus einer geistigen Welt. Unter der Schwelle des Bewusstseins liegt die Quelle geistiger Richtkraft. Dies Leben macht notwendig den Unsterblichkeitsgedanken — es muss die Fortsetzung sein eines früheren geistigen Lebens. Unsterbliche Kräfte verbergen sich hinter den geistigen Kräften. Darum soll und braucht man nicht gegen die naturwissenschaftlichen Tatsachen zu Feld zu ziehen. Man sollte nur tiefer eindringen. Der Naturforscher forscht in materiellen Vorgängen. Die Geisteswissenschaft will die Brücke schlagen von diesen zu den dahinter stehenden geistigen Tatsachen. Biologisch fragt man sich: Was geht im Gehirn vor, während wir seelische Vorstellungen haben? Mit Geisteswissenschaft kann man dieser Frage beikommen. Man entdeckt, was an Geistigem auch in den Sinnesapparaten zugrunde liegt. Während wir vorstellen, geht im Gehirn vor — partiell im Gehirn und in dem Nervensystem — ein Prozess des Hungerns. Wenn der Hauptorganismus partiell hungert, erleben wir seelisch eine unbewusste Inspiration.
[ 30 ] Die Geisteswissenschaft muss manche Vorstellung vertiefen und erkraften. Die bisherige Unsterblichkeitsforschung setzt einfach das diesseitige Leben fort. Die Geistesforschung fragt anders: Ist das diesseitige Leben nicht die Fortsetzung eines geistigen Lebens vorher? Alles Seelische kommt aus einer geistigen Welt. Unter der Schwelle des Bewusstseins liegt die Quelle geistiger Richtkraft. Dies Leben macht notwendig den Unsterblichkeitsgedanken — es muss die Fortsetzung sein eines früheren geistigen Lebens. Unsterbliche Kräfte verbergen sich hinter den geistigen Kräften. Darum soll und braucht man nicht gegen die naturwissenschaftlichen Tatsachen zu Feld zu ziehen. Man sollte nur tiefer eindringen. Der Naturforscher forscht in materiellen Vorgängen. Die Geisteswissenschaft will die Brücke schlagen von diesen zu den dahinter stehenden geistigen Tatsachen. Biologisch fragt man sich: Was geht im Gehirn vor, während wir seelische Vorstellungen haben? Mit Geisteswissenschaft kann man dieser Frage beikommen. Man entdeckt, was an Geistigem auch in den Sinnesapparaten zugrunde liegt. Während wir vorstellen, geht im Gehirn vor — partiell im Gehirn und in dem Nervensystem — ein Prozess des Hungerns. Wenn der Hauptorganismus partiell hungert, erleben wir seelisch eine unbewusste Inspiration.
[ 31 ] Die Augen mancher Tiere zeigen einen Schwertfortsatz. Darauf beruht ein anderes Bewusstsein. Beim Menschen ist dies zurückgebildet, ist dies viel einfacher; so manches erstirbt, wenn die Entwicklung fortschreitet, manches wird zurückgebilder.
[ 31 ] Die Augen mancher Tiere zeigen einen Schwertfortsatz. Darauf beruht ein anderes Bewusstsein. Beim Menschen ist dies zurückgebildet, ist dies viel einfacher; so manches erstirbt, wenn die Entwicklung fortschreitet, manches wird zurückgebilder.
[ 32 ] Sobald das Haupt in sein Höchstes — das Denken hineinkommt, muss das Sprossende weichen, muss dem Seelischen Platz machen. Auf seiner höchsten Stufe baut es ab, fällt ab, muss dem Geistig-Seelischen Platz machen. Das Haupt ist in Rückentwicklung begriffen, daher das Einwirken des Vorgeburtlichen — im fünfzigsten Jahr wirkt dies hinein.
[ 32 ] Sobald das Haupt in sein Höchstes — das Denken hineinkommt, muss das Sprossende weichen, muss dem Seelischen Platz machen. Auf seiner höchsten Stufe baut es ab, fällt ab, muss dem Geistig-Seelischen Platz machen. Das Haupt ist in Rückentwicklung begriffen, daher das Einwirken des Vorgeburtlichen — im fünfzigsten Jahr wirkt dies hinein.
[ 33 ] Bei einem anderen Glied unseres Körpers ist dies umgekehrt: bei den Extremitäten. Während das Haupt in Rückbildung begriffen ist, sind die Extremitäten ein Organismus, der in seiner Entwicklung über sich hinausgeht. Seine Fortsetzung findet er nach innen, auch hierher erstreckt sich die Überbildung. Dass Extremitäten und die Sexualorgane zusammengehören, zeigt sich bei der Frau an der Überentwicklung der Arme, den Beinen, der Brust; in diesen liegt etwas Schöpferisches, leiblich über sich Hinausgehendes.
[ 33 ] Bei einem anderen Glied unseres Körpers ist dies umgekehrt: bei den Extremitäten. Während das Haupt in Rückbildung begriffen ist, sind die Extremitäten ein Organismus, der in seiner Entwicklung über sich hinausgeht. Seine Fortsetzung findet er nach innen, auch hierher erstreckt sich die Überbildung. Dass Extremitäten und die Sexualorgane zusammengehören, zeigt sich bei der Frau an der Überentwicklung der Arme, den Beinen, der Brust; in diesen liegt etwas Schöpferisches, leiblich über sich Hinausgehendes.
[ 34 ] Nach den Inspirationen stellen sich neue Imaginationen ein. Die äußeren Extremitäten sind ein Symbolum für das Eintreten des Menschen in die äußere Welt durch seine moralischen oder unmoralischen Einwirkungen. Diese wirken im Menschen schon vor dem Tode unbewusst; sie treten in einem Falle auf, wenn der Mensch so handelt, dass seine Taten intuitive moralische Handlungen sind, und wenn andererseits die unbewussten intuitiven Intuitionen ... [des vorgeburtlichen Lebens und die Imagination des nachtodlichen Lebens zusammenkommen], so setzt sich der Mensch handelnd in Beziehung zur äußeren Welt.
[ 34 ] Nach den Inspirationen stellen sich neue Imaginationen ein. Die äußeren Extremitäten sind ein Symbolum für das Eintreten des Menschen in die äußere Welt durch seine moralischen oder unmoralischen Einwirkungen. Diese wirken im Menschen schon vor dem Tode unbewusst; sie treten in einem Falle auf, wenn der Mensch so handelt, dass seine Taten intuitive moralische Handlungen sind, und wenn andererseits die unbewussten intuitiven Intuitionen ... [des vorgeburtlichen Lebens und die Imagination des nachtodlichen Lebens zusammenkommen], so setzt sich der Mensch handelnd in Beziehung zur äußeren Welt.
[ 35 ] Das inspirative vorgeburtliche Leben und das intuitive nachgeburtliche Leben zusammen ergibt die «moralische Phantasie» oder die freie Handlung des Menschen. Sie besteht aus Intuition und Liebe.
[ 35 ] Das inspirative vorgeburtliche Leben und das intuitive nachgeburtliche Leben zusammen ergibt die «moralische Phantasie» oder die freie Handlung des Menschen. Sie besteht aus Intuition und Liebe.
[ 36 ] Was kann im Menschen frei werden? Die übersinnliche Persönlichkeit. Die unsterbliche Seele ist dasselbe herbeiführend in der echten Liebe die freie Tat. Was ist im Menschen frei? Die unsterbliche Seele. Was gibt das Wissen von der Seelen-Unsterblichkeit dem Leben mit? Freiheit.
[ 36 ] Was kann im Menschen frei werden? Die übersinnliche Persönlichkeit. Die unsterbliche Seele ist dasselbe herbeiführend in der echten Liebe die freie Tat. Was ist im Menschen frei? Die unsterbliche Seele. Was gibt das Wissen von der Seelen-Unsterblichkeit dem Leben mit? Freiheit.
[ 37 ] So sind Seelenunsterblichkeit und Freiheit eine Notwendigkeit, sie sind nicht ein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch. Die Erwerbung der Freiheit aber muss die freie Tat des Menschen sein!
[ 37 ] So sind Seelenunsterblichkeit und Freiheit eine Notwendigkeit, sie sind nicht ein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch. Die Erwerbung der Freiheit aber muss die freie Tat des Menschen sein!
