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The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

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The Human Being as a
Spirit and Soul Being
GA 71b

27 May 1918, Vienna

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The Human Being as a Spirit and Soul Being, tr. SOL
  1. Der Mensch als Geist- und Seelenwesen

13. Wie kann man Wissenschaftlich das übersinnliche Leben und Wesen der Menschenseele erkennen? Ergebnisse geistiger Wirklichkeitsforschung

13. How Can One Scientifically Understand the Supernatural Life and Nature of the Human Soul? Findings from Spiritual Reality Research

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Die Dinge, über die ich Ihnen heute und übermorgen werde zu sprechen haben, sie sind Gegenstand der Erkenntnis, der Sehnsucht, welche eine jede Menschenseele erfüllt; man kann aber von ihnen auf der andern Seite sagen, dass sie zu gleicher Zeit in der Gegenwart gerade die Gegenstände einer Diskussion sind, in welcher das Für und Wider in der eindringlichsten Weise aufgebracht wird, und in welcher ebenso viele missverständliche Wissenschaftlichkeit auf der einen Seite, wie auf der andern Seite wesenloser, aber oftmals gut gemeinter Dilettantismus herrscht. Meine Aufgabe soll es gerade sein, heute Ihnen aufzuzeigen, dass in der Methode, in der Art der Forschung nach dem Geistes- oder Seelenleben des Menschen Wissenschaftlichkeit durchaus möglich ist, und auf der anderen Seite zu gleicher Zeit darauf hinzuweisen, worin Dilettantismus, Laientum und dergleichen gerade auf diesem Gebiete sich geltend machen müssen. Wir werden, meine sehr verehrten Anwesenden, sehen, dass es sich auf dem Gebiet einer wirklichen Geistesforschung, wie sie hier gemeint ist, darum handelt, eine ganz neue Erkenntnisart anzustreben, nicht nur ein anderes Gebiet der Erkenntnis, eine Erkenntnisart, von der sich ebenso wenig die gewöhnliche Wissenschaft der Gegenwart wie auch das Laientum einen richtigen Begriff machen, eine Erkenntnisart aber, die auf der andern Seite in den Instinkten, in den unbewussten Antrieben der Seelen unserer Zeit durchaus im weitesten Umfange schon vorbereitet ist und von der man ganz gewiss — wie derjenige, der von dieser so gearteten Geisteswissenschaft durchdrungen ist — in nicht allzu ferner Zukunft eine ganz andere Anschauung haben wird als in der Gegenwart.

[ 1 ] Ladies and gentlemen! The matters I will be discussing with you today and the day after tomorrow are the subject of the knowledge and longing that fill every human soul; but on the other hand, it can be said of them that they are at the very same time the very subjects of a current debate in which the pros and cons are raised in the most forceful manner, and in which there prevails just as much misleading “scientific rigor” on one side as there is, on the other, insubstantial—though often well-intentioned—dilettantism. My task today is precisely to show you that scientific rigor is entirely possible in the method and approach to researching the spiritual or soul life of human beings, and at the same time to point out where dilettantism, layism, and the like inevitably come into play in this very field. We shall see, ladies and gentlemen, that in the field of genuine spiritual research, as understood here, the aim is to strive for an entirely new kind of knowledge—not merely a different field of knowledge, a kind of knowledge of which neither contemporary mainstream science nor laypeople have a proper conception— but a mode of knowledge that, on the other hand, is already prepared to the greatest extent in the instincts and unconscious impulses of the souls of our time, and of which one will certainly—like one who is imbued with this kind of spiritual science—have a completely different view in the not-too-distant future than one does at present.

[ 2 ] Der Gegenstand, über den ich heute und übermorgen sprechen werde, wird allerdings nach manchem Vorurteil als träumerisch, phantastisch oder noch schlimmer bezeichnet. Derjenige, der sich wissenschaftlich durcharbeiten will zu dieser Erkenntnisart, von der ich sprechen will, muss allerdings zwei Voraussetzungen erlebt haben, und ich rede von Erlebnissen. Man kann zu der hier gemeinten Wissenschaftlichkeit nicht so herandringen, ich möchte sagen im Sprunge, so, wie man als junger Mensch nach der gewöhnlichen Vorbereitung an irgendeine andere Wissenschaft herantreten kann. Man muss, wenn man diese Wissenschaft praktisch handhaben will, eben mit anderen Methoden nach der gesamten menschlichen Erkenntnis streben. Man muss gewisse Erfahrungen und Erlebnisse voll durchgemacht haben.

[ 2 ] The subject I will be discussing today and the day after tomorrow is, however, often dismissed—based on certain prejudices—as dreamy, fanciful, or even worse. Anyone who wishes to work their way scientifically toward this kind of knowledge, which I intend to discuss, must, however, have experienced two prerequisites—and I am speaking of actual experiences. One cannot approach the scientific method I am referring to here—I would say, in a single leap—in the same way that a young person, after the usual preparation, might approach any other science. If one wishes to apply this science in practice, one must strive for the entirety of human knowledge using different methods. One must have fully lived through certain experiences and events.

[ 3 ] Das eine Erlebnis ist durchzumachen mit dem, was heute mit Recht in den weitesten Kreisen und von denjenigen Menschen, die von der Sache etwas verstehen, bewundert wird, weil es — insbesondere im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts und in der Gegenwart, die Menschen unendlich weit darin gebracht haben. Das ist die naturwissenschaftliche Erkenntnis; und derjenige, der zu der hier gemeinten Geisteswissenschaft durchdringen will, muss kennen dasjenige, was man erleben kann in Bezug auf das große Menschheitsrätsel gerade aus der naturwissenschaftlichen Erkenntnisart heraus. Man muss immer wieder und wieder in innerem Ringen erlebt haben, wie weit man mit dieser naturwissenschaftlichen Erkenntnisart in Bezug auf die höchsten Fragen des Geistes- und Seelenlebens kommen kann. Und man muss nicht, wie das bei vielen Menschen der Fall ist, nur theoretisch auf diesem Gebiete zu einer gewissen Grenze gelangt sein. Man muss zu dieser Grenze vielmehr durch eine innere Seelenpraxis gekommen sein. Der Mensch muss zu jener Grenze gekommen sein auf eine Art, wie sich die Naturwissenschaft in sich selbst verhält. In ihrer Art und Methode ist sie auf ihrem Gebiete, auf dem sie so Glänzendes geleistet hat, zu ihren Ergebnissen gerade dadurch gekommen, dass sie in ihrer Methode so gewissenhaft und exakt, so den Gegenständen angemessen vorgegangen ist, wie das [von] je eben der Fall ist.

[ 3 ] One must experience what is today rightly admired in the widest circles and by those who understand the subject, because—especially in the course of the nineteenth century and in the present—people have made infinite progress in this regard. This is scientific knowledge; and anyone who wishes to penetrate to the spiritual science referred to here must be familiar with what can be experienced in relation to the great mystery of humanity precisely through the scientific method of knowledge. One must have experienced, time and again through inner struggle, just how far one can go with this scientific method of knowledge in relation to the highest questions of spiritual and soul life. And one must not, as is the case with many people, have merely reached a certain limit in this field theoretically. Rather, one must have arrived at this limit through an inner spiritual practice. One must have reached that limit in a manner consistent with the very nature of scientific inquiry. In its approach and method, science has arrived at its results in the field where it has achieved such brilliant accomplishments precisely because it has proceeded in its method with such conscientiousness and precision, and in a manner so appropriate to the objects of study, as is always the case.

[ 4 ] Der Mensch muss also alles das durchgemacht haben: wie man naturwissenschaftlich forscht, wie man in der Naturwissenschaft in die Weltgeheimnisse eindringen kann und wie weit man mit dieser naturwissenschaftlichen Forschung kommen kann, aber er kann nicht — wie du Bois-Reymond, der [Physiologe], der in den Siebzigerjahren berühmt war und heute leider viel zu sehr vergessen ist, mit Recht betont hat —, er kann nicht in der Seelenforschung rein theoretisch dazu kommen, denn er muss nicht nur logisch und exakt wissenschaftlich die Art des Forschens auf diesem Gebiete innerlich durchmachen, sondern er muss seelisch erleben, was hierbei in das Menschenbewusstsein hereindringt — er muss nicht nur rein wissenschaftlich sich in das Gebiet dieser Wissenschaft hineinarbeiten.

[ 4 ] A person must therefore have gone through all of this: how to conduct scientific research, how to penetrate the mysteries of the world through science, and how far one can go with this scientific research; but—as de Bois-Reymond, the [physiologist] who was famous in the 1870s and is unfortunately far too forgotten today, rightly emphasized— he cannot arrive at this purely theoretically in the study of the soul, for he must not only internally undergo the process of research in this field in a logical and scientifically precise manner, but he must also experience soulfully what penetrates human consciousness in this process—he must not merely work his way into the realm of this science from a purely scientific perspective.

[ 5 ] Und da zeigt sich — ich will die Sache heute vom Standpunkt des Erlebens schildern — dass gerade dann, wenn man recht auf dem Boden der Naturwissenschaftlichkeit bleibt, man zu gewissen Begriffen und Vorstellungen kommen muss, denen gegenüber man immer wieder und immer wieder zu dem Geständnis genötigt ist: Da kann man nicht weiter, man kann nicht durch. Da versagt der Mut der Leute, da steht man an der Grenze des Erlebens. Aber es muss nicht so sein, vielmehr zeigt es sich, dass Begriffe, mit denen man sich die Naturkräfte zum Verständnis bringt, durch die naturwissenschaftliche Erkenntnisart nicht durchdrungen werden können, sondern stehen bleiben und sich schließlich zu einer geistigen Wirklichkeit gestalten, dass diese geistige Wirklichkeit stehen bleibt, dass sie sich nicht auflöst im menschlichen Innern, dass sie als Rest zurückbleibt, mit dem man in dieses menschliche Innere nicht vordringen kann.

[ 5 ] And this is where it becomes clear—I want to describe the matter today from the perspective of personal experience—that precisely when one remains firmly grounded in the scientific method, one is bound to arrive at certain concepts and ideas in the face of which one is compelled, time and again, to admit: One cannot go any further; one cannot get through it. That is where people’s courage fails; that is where one stands at the limits of experience. But it need not be so; rather, it becomes apparent that the concepts through which one comes to understand the forces of nature cannot be fully penetrated by the scientific method of knowledge, but remain intact and ultimately take shape as a spiritual reality; that this spiritual reality remains, that it does not dissolve within the human inner being, that it remains as a residue with which one cannot penetrate further into this human inner being.

[ 6 ] Nur andeuten will ich, dass man bei dem Ringen mit diesen Grenzvorstellungen so verfährt, als ob man, bildlich gesprochen, das, was man selbst tut und ausbildet im naturwissenschaftlichen Lernen, wie in einem Spiegel wiedersehen würde. Es ist wirklich ein solches Ringen, wenn man seine eigenen Begriffe ausbildet; aber man bildet sie an der äußeren Welt so aus, wie der Mensch, der vor dem Spiegel steht und sein eigenes Bild sich durch den Spiegel formen sieht. Und wenn man versucht, weiter zu dringen, dann ist es so — ich werde bei dem Bilde bleiben —, als ob man den Spiegel zerschlagen würde. Man sieht nichts mehr, wenn der Spiegel zerschlagen ist, und so bleibt auch nichts übrig, wenn man versucht, auf dieselbe Art diesen primären Begriffen weiter zuzusetzen.

[ 6 ] I merely wish to suggest that, in grappling with these concepts of boundaries, one should proceed as if—figuratively speaking—one were seeing, as in a mirror, what one oneself does and develops in the study of the natural sciences. It really is such a struggle when one develops one’s own concepts; but one develops them in relation to the external world just as a person standing before a mirror sees their own image taking shape through the mirror. And when one tries to go further, it is as if—I will stick with this image—one were to shatter the mirror. You can no longer see anything once the mirror is shattered, and likewise, nothing remains when you try to build upon these primary concepts in the same way.

[ 7 ] Also naturwissenschaftlich kann man, wenn man in der richtigen Art nicht vorgeht, unmöglich zu etwas anderem als zu einer Erkenntnis gelangen, bei der man stehen bleiben muss. Dies tritt also gerade dann ein, wenn man in der richtigen Art nicht vorgeht, denn dann müssen Sie den Spiegel zerbrechen, das heißt: Der Geistesforscher darf nun nicht bei dieser Erkenntnis stehen bleiben. Er muss weitergehen und sich fragen: Was ist eigentlich das innere Erleben? Was macht da, dass unsere naturwissenschaftliche Erkenntnis zerbricht, dass es so ist, als ob wir den Spiegel zerbrechen wollten, wenn wir weiter drängen? Und wenn sich dann der Geistesforscher so recht darauf einlässt, diese naturwissenschaftlichen Begriffe in Bezug auf das menschliche Seelenleben zu betrachten, wenn er sich die hypothetische Frage vorlegt: Wie wäre der Mensch, wenn er hier in naturwissenschaftlicher Erkenntnis weiterdringen würde, wenn es ihm gelingen würde, ebenso glänzende Resultate zu erreichen auf diesem Gebiete, über die er auf anderen verfügt, und wenn er auch über diese Grenze hineindringen würde? —, so muss man sagen: Die Menschen müssten anders organisiert sein, andere Arten der Erkenntnisfähigkeit haben.

[ 7 ] So, from a scientific standpoint, if one does not proceed in the correct manner, it is impossible to arrive at anything other than a conclusion at which one must come to a halt. This occurs precisely when one does not proceed in the correct manner, for then you must shatter the mirror—that is to say: the researcher of the spirit must not stop at this conclusion. He must go further and ask himself: What, in fact, is inner experience? What is it that causes our scientific understanding to shatter—that it is as if we were trying to break the mirror when we press on? And when the spiritual researcher truly engages with this, examining these scientific concepts in relation to human soul life, and asks himself the hypothetical question: What would human beings be like if they were to press further here in scientific knowledge, if they were to succeed in achieving results in this field as brilliant as those they have attained in other areas, and if they were to cross over this boundary as well? — then one must say: Human beings would have to be organized differently, possessing different kinds of cognitive faculties.

[ 8 ] Aber was würde das bedeuten? Diese letzte Frage hat auf die Wissenschaft der Gegenwart nicht Bezug. Vom Standpunkt ihrer Weltberrachtung wird nicht gefragt: Wie müssten Menschen beschaffen sein, welche in die Gebiete hineindringen würden auf naturwissenschaftliche Art, in die der Mensch hineindringen will gemäß dem, was er als ernste Bestimmung des Lebens, als Sehnsucht fühlt? Wir werden später auf diese Sache noch genau einzugehen haben, aber jetzt gebe ich [es] nur vom Erkenntnisstandpunkt an und meine ganz hypothetisch: Wären die naturwissenschaftlichen Grenzvorstellungen mit den Mitteln zu bewältigen, mit denen sie nicht bewältigt werden können, dann wären entweder die Dinge so, dass die naturwissenschaftliche Methode in sie hineindringen könnte, oder es wäre der Mensch so organisiert, dass er untertauchen könnte in diese Welt, und dann wäre der Mensch nicht fähig, eine bestimmte Kraft zu entwickeln, die mit dem Menschenleben, wie es auf Erden ist, eng zusammenhängt. Der Mensch wäre nicht fähig, wenn er so organisiert wäre, Liebe zu irgendeinem Wesen oder auch zu seinen Mitmenschen zu entwickeln. Ein Mensch, der die Welt naturwissenschaftlich durchschauen könnte, würde ein liebloses Wesen sein, in dem die Kraft der Liebe niemals Platz greifen würde. Der Mensch müsste also anders sein; die Liebe in den verschiedenen Stufen bis zur höchsten Begeisterung hinauf würde auf allen Stufen des menschlichen Daseins fehlen, wenn es nicht, naturwissenschaftlich gesprochen, diese Grenzen geben würde.

[ 8 ] But what would that mean? This final question has no bearing on contemporary science. From the standpoint of its worldview, the question is not asked: What kind of people would be needed to penetrate these realms in a scientific manner—the realms into which human beings seek to penetrate in accordance with what they feel to be life’s serious purpose, its deepest longing? We will have to address this matter in detail later, but for now I am merely stating it from the standpoint of knowledge and speaking entirely hypothetically: If the boundary concepts of the natural sciences could be overcome by means that are incapable of overcoming them, then either things would be such that the scientific method could penetrate them, or human beings would be organized in such a way that they could immerse themselves in this world, and then human beings would not be capable of developing a certain power that is closely connected to human life as it exists on Earth. If human beings were organized in this way, they would not be capable of developing love for any being, not even for their fellow human beings. A human being who could fathom the world through the scientific method would be a loveless being in whom the power of love would never take root. Human beings would therefore have to be different; love, in its various stages up to the highest enthusiasm, would be absent at every stage of human existence if, scientifically speaking, these boundaries did not exist.

[ 9 ] Das erlebt man dadurch, dass man als Geistesforscher in die Lage versetzt ist, den Menschen so genau anzusehen, dass man sagen kann, wie der Mensch wäre, wenn ihm die eine oder andere Fähigkeit fehlen würde, wenn etwas wegfallen würde von der gesamten menschlichen Organisation. Deshalb kann man sagen, dass der Mensch, der naturwissenschaftlich bis zu den höchsten Fragen vordringen könnte, ein liebloser Mensch wäre, also ein ganz anderes Wesen, als der Mensch auf Erden ist. Die Ansicht, dass es so sein muss, haben heute nicht viele Menschen, denn sie ist das Ergebnis eines langjährigen wissenschaftlichen Forschungsweges, aber den Instinkt davon haben viele Menschen. Ich möchte sagen, wenn ich einen paradoxen Ausdruck gebrauchen darf: Das unbewusste Wissen davon haben viele Menschen. Viele sagen sich heute schon: Dasjenige, was man heute Wissenschaft nennt, kann uns Befriedigung nicht bringen, die muss auf anderen Wegen gesucht werden. Und diese andern Wege bilden heute vielfach den Tummelplatz von solchen laienhaften theoretischen Bestrebungen der Menschen, die sich sagen: Die Wissenschaft kann mir das nicht geben, was ich im Ernste suche; und sie kommen dazu, auf dem Wege dessen, was man oftmals im Leben Mystik nennt, vorzudringen zur Lösung dieser höchsten menschlichen Fragen. Aber diese gewöhnliche Mystik und alles das, was sich unter verschiedenen Namen wie Okkultismus, Transzendentalismus und so weiter birgt, ist ebenso wenig geeignet, in die Tiefe des menschlichen Daseins in wahrer Wirklichkeit einzudringen.

[ 9 ] One experiences this by being enabled, as a researcher of the spirit, to observe human beings so closely that one can say what a person would be like if they lacked one ability or another, if something were missing from the entire human constitution. That is why one can say that a human being who could advance in the natural sciences to the highest questions would be a loveless human being—in other words, a completely different being than the human being on Earth. Not many people today hold the view that this must be the case, for it is the result of many years of scientific research, but many people have an instinctive sense of it. I would like to say—if I may use a paradoxical expression—that many people possess an unconscious awareness of this. Many are already saying to themselves today: What is called science today cannot bring us fulfillment; that must be sought through other paths. And these other paths today often serve as a playground for the amateurish theoretical endeavors of people who tell themselves: “Science cannot give me what I am seriously seeking”; and they come to advance toward the solution of these highest human questions along the path of what is often called mysticism in life. But this common mysticism—and everything that lies hidden under various names such as occultism, transcendentalism, and so on—is just as ill-suited to penetrating the depths of human existence in true reality.

[ 10 ] Die Geisteswissenschaft muss hinter sich haben auf der einen Seite die Erfahrungen an der Grenze der Naturwissenschaft und auf der andern Seite die Erkenntnis von der Unzulänglichkeit der gewöhnlichen Mystik. Und alle Rederei, wie: Was man nicht auf dem gewöhnlichen Wege, in wissenschaftlicher Art erreichen kann, das muss man erreichen, indem man versucht, das Geistige, das Umfassende der Welt durch innere Vertiefung und Sammlung zu erleben —, ändert nichts daran. Derjenige, der nicht mit Vorurteilen, nicht mit einem lächerlichen Laientum an diese Dinge herangeht, der wird bald im Erleben merken, dass durch dieses Immer-wieder-und-wieder-in-das-Gemüt-Eintauchen, von dem sich die Mystik so viel verspricht, ebenso wenig zur wahren Wirklichkeit beigetragen werden kann wie durch die heutige Naturerkenntnis.

[ 10 ] Spiritual science must have behind it, on the one hand, experiences at the frontier of the natural sciences and, on the other hand, the realization of the inadequacy of conventional mysticism. And all the talk—such as: “What cannot be attained by ordinary means, in a scientific manner, must be attained by attempting to experience the spiritual, the all-encompassing nature of the world through inner deepening and concentration”—does nothing to change this. Anyone who approaches these matters without prejudice or a ridiculous layman’s attitude will soon realize through experience that this constant, repeated immersion into the mind—from which mysticism derives so much hope—contributes just as little to true reality as does today’s understanding of nature.

[ 11 ] Denn der, der seinen Sinn herangebildet hat an der Naturwissenschaft, weiß sich auch durchzuleben durch das, was man mystische Versenkung nennt, und weiß es in richtigem Sinne anzuschauen. Er muss alle diese Selbstexperimente durchmachen, er kann es machen und kann auch anschauen, indem er es macht, und weiß, dass man auf diesem Wege nicht weiterkommt als bis zur Form des Bildes der Wirklichkeit. Aber in dieses mischt sich noch sehr viel vom menschlichen Wollen und so viel von dem, was man nicht ausschließen kann, was man bisher erlebt hat, und von anderen Dingen, die das Unterbewusstsein in den Tiefen der Seele birgt, dass das bloße Versenken in das Innere niemals Sicherheit der Erkenntnis geben kann, sodass man sich sagen muss: Durch Mystik kann man bis zu einem gewissen Grade in sich untertauchen, aber nicht so weit, dass man anlangen würde beim Kern des eigenen Menschenwesens, wo man das Sein und nicht mehr das bloße Bild, das man fühlt und lebt, ergreifen könnte.

[ 11 ] For the one who has trained his mind in the natural sciences also knows how to live through what is called mystical contemplation, and knows how to view it in the proper sense. He must undergo all these self-experiments; he is able to do so and can also observe the process as he does it, knowing that this path leads no further than the form of the image of reality. But so much of human will is still mixed into this, along with so much of what cannot be excluded—what one has experienced thus far—and other things that the subconscious harbors in the depths of the soul—that mere immersion into the inner self can never provide certainty of knowledge, so that one must say to oneself: Through mysticism, one can delve within oneself to a certain degree, but not so far as to reach the core of one’s own human being, where one could grasp Being itself and no longer merely the image that one feels and lives.

[ 12 ] Diese zwei Erlebnisweisen muss man hinter sich haben, man muss — in Bezug auf das Naturerleben und das gewöhnliche mystische Anschauen — an diesen zwei Grenzen gestanden haben und sich sagen können: Die äußere Wirklichkeit ergibt sich niemals vollständig, weil wir sonst den Spiegel zerschlagen würden, da fließt die Wirklichkeit nicht in uns hinein; und mit gewöhnlicher Mystik kommen wir nicht bis zur Wirklichkeit heran, wir bleiben bei dem Bild, wir bleiben bei dem, was in der Wirklichkeit auftaucht, aber wir tauchen nicht hinein, und ein Abgrund eröffnet sich zwischen dem, was die äußere Naturerkenntnis ist, und [dem], was die Mystik erkennen lässt. Es bleibt nur ein Bild, nur der Dampf einer wahren Wirklichkeit der Seele, der hervorquillt aus der Wirklichkeit im Seelenlicht, aber über den Abgrund kommen wir nicht, und wenn wir hinüberblicken auf die Wirklichkeit, so bleibt sie uns völlig fremd. Gerade auf diesem Gebiete wird im praktischen Erlebnis die naturwissenschaftliche Methode gar nie in der Lage sein, das Erkennen zu ergreifen und über diesen Abgrund hinwegzuführen.

[ 12 ] One must have gone through these two ways of experiencing; one must—with regard to the experience of nature and ordinary mystical contemplation—have stood at these two boundaries and be able to say to oneself: External reality never reveals itself completely, because otherwise we would shatter the mirror; reality does not flow into us; and with ordinary mysticism we cannot approach reality, we remain with the image, we remain with what appears in reality, but we do not plunge into it, and an abyss opens up between what is external knowledge of nature and [what] mysticism reveals. All that remains is an image, merely the vapor of a true reality of the soul that wells up from reality in the light of the soul; yet we cannot cross the abyss, and when we look across to reality, it remains completely alien to us. It is precisely in this realm that, in practical experience, the scientific method will never be able to grasp this knowledge and lead us across this abyss.

[ 13 ] Ich will an einem Beispiele, das ich aus der Literatur entnehme, die Richtigkeit meiner Behauptung beweisen. Das Beispiel zeigt, wie man sich als Naturforscher hilflos vorkommt, wenn man an das innere Leben des Menschen herantritt. Dieses Beispiel hat beschrieben in einer Sammlung, die diese zwei Grenzfragen behandelt, in der sogenannten Wiesbadener Sammlung, Waldstein, und an diesem Beispiel ist recht ersichtlich, in welch hilfloser Lage ein Naturforscher der Gegenwart ist dann, wenn er mit dieser Methode in die Tiefen der Seele eindringen will. Der Verfasser dieser Schrift über das unbewusste Ich erzählt: Er stand einmal vor einem Buchladen; er ist Naturforscher, viele Bücher sind in dem Buchladen, und sein Blick fällt auf ein Buch, das den Titel führt: «Über die Mollusken». Das kann den Naturforscher interessieren, da es in diesem Falle in sein Spezialfach einschlägt, und während er hinblickt auf den Titel des Buches «Über die Mollusken» fühlt sich Waldstein plötzlich gedrängt zu lächeln.

[ 13 ] I want to prove the validity of my claim using an example I have taken from the literature. The example shows how helpless a naturalist feels when approaching the inner life of human beings. This example is described in a collection that addresses these two borderline questions—the so-called Wiesbaden Collection, by Waldstein—and it clearly illustrates the helpless position in which a contemporary natural scientist finds himself when he attempts to penetrate the depths of the soul using this method. The author of this treatise on the unconscious self recounts: He was once standing in front of a bookstore; he is a natural scientist, and there are many books in the store, when his gaze falls on a book titled On Mollusks. This might interest the natural scientist, since in this case it falls within his field of expertise, and as he looks at the title of the book, On Mollusks, Waldstein suddenly feels compelled to smile.

[ 14 ] Nun ist er selbst darüber erstaunt, warum er lächeln muss, denn einem ernsten Naturforscher kann es doch nicht einfallen zu lächeln, und der Blick auf eine so ernste Sache wie das Buch «Über die Mollusken» ist doch kein Anlass zum Lächeln. Er will dahinterkommen, warum scheinbar dieses Molluskenbuch ihn zum Lächeln veranlasst, und er macht es auch sehr geistreich, indem er die Augen schließt und versucht, nur zu hören. Und da hört er von sehr ferne eine Drehorgel, die er nicht gehört hatte, während er seine Aufmerksamkeit auf das Buch über die Mollusken richtete. Und die Orgel spielte eine Melodie, bei welcher er vor zehn Jahren tanzen gelernt hat. Er hat damals, als er tanzen gelernt hat, auch nicht mit besonderer Aufmerksamkeit auf die Melodie gehorcht, denn er sagt, er hat damals viel mehr achtgegeben auf seine Schritte und auf seine Partnerin, nicht aber auf die Melodie; damals hat er also auf die Melodie nicht achtgegeben, jetzt war die Aufmerksamkeit ganz abgelenkt und nur leise klingt in seiner Seele das, was vor zehn Jahren auch nur leise geklungen hat, und dennoch — dieses leise dämmernde Erleben weckte in ihm den Eindruck, dass er vor dem ernsten Molluskenbuche zu lächeln beginnt.

[ 14 ] Now he himself is puzzled as to why he has to smile, for it would never occur to a serious naturalist to smile, and looking at something as serious as the book On Mollusks is certainly no reason to smile. He wants to figure out why this book on mollusks seems to be making him smile, and he goes about it very cleverly by closing his eyes and trying to listen only. And then he hears, from far away, a barrel organ that he hadn’t heard while he was focusing his attention on the book about mollusks. And the organ was playing a melody to which he had learned to dance ten years ago. Back then, when he was learning to dance, he hadn’t paid particular attention to the melody either, for he says he was much more focused on his steps and his partner at the time, but not on the melody; so back then he hadn’t paid attention to the melody; now his attention was completely distracted, and only faintly does that which sounded just as faint ten years ago resonate in his soul—and yet—this faint, lingering sensation gave him the impression that he was beginning to smile as he sat before the serious book on mollusks.

[ 15 ] Man sieht, was sich derjenige, der dieser ernsten Sache gegenübersteht, sagen muss: Was er da alles hinauf- und aus seiner Seele hervorholt, worüber man sich gar keine Aufklärung verschaffen kann. Der Naturforscher Waldstein hat nur dadurch die Sache bemerkt, dass er die Augen zugemacht und nachgeforscht hat, und man muss sagen: Der Mensch, der darüber nachdenkt, muss einsehen, dass dieses menschliche Erinnerungsvermögen etwas ganz Merkwürdiges ist. Das gewöhnliche Erinnerungsvermögen überschauen wir und wir wissen gewöhnlich auch anzugeben, worauf sich unsere Erinnerungen beziehen — denn darauf beruht unser Vorstellungsvermögen, aber wir können nie dafür garantieren, dass nicht unbewusste fremde Elemente sich hineinmischen. Aber trotzdem bildet das, was der Erinnerung anvertraut ist, mit den besten Teil unseres Seelenlebens. ... [Lücke]

[ 15 ] One can see what anyone facing this serious matter must say to himself: all that he draws up and brings forth from his soul—things about which one cannot gain any clarity at all. The naturalist Waldstein only noticed this by closing his eyes and investigating it, and one must say: Anyone who reflects on this must realize that the human capacity for memory is something quite remarkable. We have an overview of our ordinary memory, and we usually know how to specify what our memories refer to—for our power of imagination is based on this—but we can never guarantee that unconscious, foreign elements do not intrude upon it. Nevertheless, what is entrusted to memory constitutes the finest part of our inner life. ... [gap]

[ 16 ] Wenn nun dem Geistesforscher eine solche Beobachtung sich darbietet wie die Waldsteins, dann kommt er darauf, wieder in innerem Erleben nachzuschauen und sich zu fragen: Wie kommt es, dass die gewöhnliche Mystik, dieses Versenken ins eigene Gemüt, unmöglich an eine Wirklichkeit herantreten kann? Derjenige, der die wissenschaftliche Gewissenhaftigkeit kennengelernt hat in der gegenwärtigen Naturforschung, der stellt sich immer wieder in intensiver Weise solche Fragen und wird in zahlreichen Fällen in der Lage sein, anzugeben, wie die Leute, die glauben, durch mystisches Versenken in ihre Seele ein mächtiges, gewaltiges Sein heraufzuholen, nichts anderes tun, wie Töne einer einmal gehörten Drehorgel unbewusst zu hören. Man sagt, er habe sich ins göttliche Sein vertieft, das ist nicht wahr; in ihm ist aufgetaucht ein Jugendeindruck, der sich in ihm widerspiegelt.

[ 16 ] When the spiritual researcher encounters an observation such as Waldstein’s, he is led to look once more into his inner experience and ask himself: How is it that ordinary mysticism—this immersion in one’s own mind—cannot possibly approach reality? Anyone who has become acquainted with scientific rigor in contemporary natural science repeatedly asks themselves such questions in an intense way and will, in numerous cases, be able to point out how people who believe they are summoning a powerful, mighty being through mystical immersion in their soul are doing nothing more than unconsciously hearing the sounds of a barrel organ they once heard. It is said that he has immersed himself in the divine being, but that is not true; what has surfaced within him is an impression from his youth that is reflected in him.

[ 17 ] Wahre Wissenschaftlichkeit muss so kritisch als möglich sein; aber wenn man sich durchringt zur wirklichen und wahren Selbstbeobachtung, gelangt man dahin, sich sagen zu können, was der Grund ist, warum man nicht auf dem Wege der gewöhnlichen Mystik dorthin gelangen kann, wo unser Wesen wurzelt. Und man gelangt dazu, sich zu sagen: Im gewöhnlichen Menschenleben kann man nicht anstreben, dahin zu kommen, wo die menschliche Seele in die Wirklichkeit eintaucht, denn es würde einem für dieses Erdenleben dasjenige fehlen, das man haben muss, um Mensch zu sein. Wenn man mit seinem gewöhnlichen Vorstellungsleben in die Tiefe der Wirklichkeit eindringen will, tut man etwas anderes, als zu seinem eigenen Sein vorzudringen, und das ist, dass man entweder ausgestaltet die Wahrnehmung und dasjenige, was man erlebt, sei es als Selbsterfahrung oder als Schicksal — oder dass man Mystik treibt und dasjenige in der Tiefe umgestaltet, was zum Gedächtnis, zur Erinnerung wird. Wir würden kein Erinnern haben, wenn wir hinunterdringen könnten zu den Quellen unseres Seins. Und so wird die Arbeit, die wir leisten wollten auf dem Wege in unsere Seelentiefen, aufgehalten, damit dasjenige, was wir geistig erleben, später durch die Erinnerung sich wieder heraufholen lässt. Wir dürfen nicht in unser Selbst hineindringen, sonst würden wir nichts wissen, wir können nicht in das dringen, was unser Sein ist, weil wir früher stehen bleiben müssen.

[ 17 ] True scientific rigor must be as critical as possible; but when one brings oneself to engage in genuine and true self-observation, one comes to understand why one cannot reach the place where our being is rooted through the path of ordinary mysticism. And one comes to realize: In ordinary human life, one cannot strive to reach the point where the human soul immerses itself in reality, for one would lack, in this earthly life, that which is necessary to be human. If one seeks to penetrate the depths of reality with one’s ordinary life of imagination, one is doing something other than advancing toward one’s own being; namely, one either elaborates perception and what one experiences—whether as self-experience or as fate—or one engages in mysticism and transforms in the depths that which becomes memory. We would have no memory if we could penetrate down to the sources of our being. And so the work we intended to do on the path into the depths of our soul is held back, so that what we experience spiritually can later be brought back up through memory. We must not penetrate into our very selves; otherwise, we would know nothing. We cannot penetrate into what our being is, because we must stop short.

[ 18 ] Darum darf man sich nicht verwundern, dass wir geistig nicht hineintauchen, sondern aufgehalten werden durch unser Erinnern, und so kommt man darauf, dass wir vor dem Abgrund der Erkenntnis stehen aus zwei Gründen: Weil der Mensch ein ganz anderes Wesen sein müsste, wenn er in die Naturerkenntnis eindringen könnte, er wäre ein liebeleeres Wesen; und der andere Grund ist der: Wenn der Mensch bei gewöhnlichem Bewusstsein ins eigene Innere sich versenken, untertauchen würde in die eigene Wirklichkeit, dann würde er kein Erinnern und kein Gedächtnis haben, und Sie wissen, was es für das gesunde menschliche Leben bedeuten würde, wenn der Mensch kein Erinnern hätte. Denn seit Jahrtausenden besteht die Gesundheit unseres Seelenlebens darin, dass er sich erinnern kann.

[ 18 ] It is therefore no surprise that we do not immerse ourselves spiritually, but are held back by our memories; and so one comes to the conclusion that we stand before the abyss of knowledge for two reasons: Because human beings would have to be entirely different beings if they could penetrate the knowledge of nature—they would be beings devoid of love; and the other reason is this: If a human being, in a state of ordinary consciousness, were to sink into his own inner being, to submerge himself in his own reality, then he would have no recollection and no memory, and you know what it would mean for a healthy human life if a person had no recollection. For millennia, the health of our soul life has consisted in our ability to remember.

[ 19 ] Dies, meine sehr verehrten Anwesenden, was ich ausgeführt habe, musste ich vorausschicken, weil diejenigen, die wirkliche Geistesforscher werden wollen, diese Erlebnisse hinter sich haben müssen. Man kann mit der Geisteswissenschaft anfangen, nicht aber mit der Geistesforschung, ohne sie aufzubauen auf die großen Enttäuschungen, auf die Lebensenttäuschungen, die darin bestehen, dass man erkennt, man könne auf naturwissenschaftlichem Wege nicht hinter das Lebensrätsel kommen und man könne die Grenze im Innern durch gewöhnliche Mystik nicht überschreiten ... [Lücke] aber auf der geistigen Seite kann sie — die Geisteswissenschaft — nur so aufbauen, wie es die Naturwissenschaft auf dem äußeren physischen Gebiete tut. Die Geisteswissenschaft muss das Bewusstsein verändern, wenn sie zu den Tiefen des menschlichen Daseins vordringen will. Gerade so, wie man das Wasser nicht belässt, wie es ist, wenn man chemische Experimente machen will, sondern es verändern, es zerlegen muss in Wasserstoff und Sauerstoff durch besondere Vorrichtungen, um darauf zu kommen, was naturwissenschaftlich erforscht werden kann, ebenso muss man in der wirklichen Geistesforschung mit dem menschlichen Innern Veränderungen vornehmen, man muss sich ein rücksichtsloses Geständnis des Lebens machen, das ernst gemeinte Geständnis, dass man mit den Erkenntnisfähigkeiten, die man im Leben hat, nicht hinter die Menschheitsrätsel kommen kann, sondern dass man sie formen und bilden muss, bis man durch sie dringen kann in die Tiefen, in die das gewöhnliche Bewusstsein nicht dringt.

[ 19 ] Ladies and gentlemen, I had to begin with what I have just explained because those who wish to become true spiritual researchers must have gone through these experiences. One can begin with spiritual science, but not with spiritual research, without building upon the great disappointments—the disappointments of life—which consist in recognizing that one cannot unravel the mystery of life through the methods of natural science, and that one cannot cross the inner boundary through ordinary mysticism... [gap] but on the spiritual side, it—spiritual science—can only be built up in the same way that natural science is built up in the outer physical realm. Spiritual science must transform consciousness if it is to penetrate to the depths of human existence. Just as one does not leave water as it is when conducting chemical experiments, but must alter it—decomposing it into hydrogen and oxygen using special apparatus—in order to uncover what can be investigated through natural science, so too must one, in genuine spiritual research, effect changes within the human inner being; one must make a ruthless confession about life—the sincere admission that one cannot penetrate the mysteries of humanity with the cognitive faculties one possesses in life, but rather that one must shape and form them until, through them, one can penetrate the depths into which ordinary consciousness does not penetrate.

[ 20 ] Und weil das so ist, weil man wirklich nicht auf der einen Seite die Naturerkenntnis, auf der anderen die mystische Erkenntnis auszubilden braucht, um durch Experimente vorzudringen zum menschlichen Rätsel, sondern weil man eine andere Erkenntnis anstreben muss, unsere Seele anders machen muss, als sie gewöhnlich ist, wird dieser Weg noch vielfach gemieden, und dasjenige, was durch diese Wissenschaft angestrebt werden soll. Es wird das ebenso gemieden, wie seinerzeit der Kopernikanismus gemieden wurde, als man damals noch andere Denkgewohnheiten hatte. Und ebenso, wie die damaligen Denkgewohnheiten im Laufe der Zeit überwunden worden sind, wie sich mit der Zeit selbst die widerstrebenden Gemeinschaften entschließen mussten, den Kopernikanismus gelten zu lassen, ebenso wird die Zeit kommen, wo alles Widerstreben dasjenige gelten lassen wird, was hier als Geistesforschung angestrebt wird, was aber erst durch die Umbildung des seelischen Lebens geschaffen werden kann.

[ 20 ] And because this is so—not because one really needs to cultivate scientific knowledge on the one hand and mystical knowledge on the other in order to penetrate the human mystery through experimentation, but because one must strive for a different kind of knowledge and transform our soul in a way that differs from its usual state—this path is still widely shunned, as is the very goal that this science seeks to achieve. It is shunned just as Copernicanism was shunned in its day, when people still had different ways of thinking. And just as the ways of thinking of that time were overcome in the course of time—just as even the resistant communities eventually had to resolve to accept Copernicanism—so too will the time come when all resistance will accept what is sought here as spiritual research, which, however, can only be achieved through the transformation of the soul’s life.

[ 21 ] Diese Umformung des menschlichen Lebens, Sie finden sie genau in meinen Büchern beschrieben, in welchen sie prinzipiell von einigen Gesichtspunkten charakterisiert werden, über welche diejenigen, die meine früheren Wiener Vorträge gehört haben, genauer unterrichtet sind. Da habe ich auch gesagt, dass es sich nicht darum handelt, das gewöhnliche Alltagsleben des Menschen irgendwie umzugestalten und ungesund zu machen, sondern darum, auf dem Gebiete der inneren Erfahrung des menschlichen Daseins weiterzukommen, und dass dadurch die Seele durch innere Übungen und Verrichtungen in ganz bestimmter Richtung zu etwas anderem werden muss, als sie im gewöhnlichen Bewusstsein sich offenbart. Dieses kann nur sein in der Zeit, in welcher man Geistesforscher sein will.

[ 21 ] This transformation of human life is described in detail in my books, in which it is characterized in principle by certain aspects—aspects with which those who have heard my earlier lectures in Vienna are more thoroughly acquainted. There I also said that it is not a matter of somehow transforming people’s ordinary everyday lives and making them unhealthy, but rather of making progress in the realm of the inner experience of human existence, and that through this, the soul—through inner exercises and activities—must, in a very specific direction, become something other than what it reveals itself to be in ordinary consciousness. This can only happen during the time one wishes to be a spiritual researcher.

[ 22 ] Es glauben viele Menschen, man könne mit dieser Methode, die da angegeben wird, den ganzen Menschen zu etwas anderem umgestalten. Man kann das aber nicht, man kann nicht vom Erwachen bis zum Einschlafen ein Geistesforscher sein, denn sonst würde man den ganzen Menschen ausfüllen mit dem, was uns gerade in das Geistgebiet des Daseins hineinführen kann. Der Mensch würde nun auf der einen Seite so gestaltet sein, dass sein Erinnerungsvermögen nicht recht funktioniert, und auf der anderen Seite so, dass sich seine Liebefähigkeit in falsche Bahnen wenden würde. Aber wenn in richtiger Weise dasjenige in der Seele geübt wird, wovon jetzt in prinzipieller Weise die Rede sein soll, dann tritt nicht das ein, was ich als Gefahr bezeichnet habe, sondern es tritt eine Erstarkung des menschlichen Wesens ein, denn immer wieder und wieder muss betont werden, dass man alles das, was die Geistesforschung geben kann, nur auf dem Wege der Geistesforschung gewinnen kann, dass man aber nicht Geistesforscher zu sein braucht, um die Fähigkeit zu haben, das Erforschte zu verstehen.

[ 22 ] Many people believe that this method, as described here, can transform the whole person into something else. But that is not possible; one cannot be a spiritual researcher from the moment one wakes up until the moment one falls asleep, for otherwise one would fill one’s entire being with whatever can lead us into the spiritual realm of existence at that moment. On the one hand, the person would be shaped in such a way that their memory would not function properly, and on the other hand, in such a way that their capacity for love would be diverted into the wrong direction. But if what is now to be discussed in principle is practiced correctly within the soul, then what I have described as a danger will not occur; rather, a strengthening of the human being will take place, for it must be emphasized again and again that everything spiritual science has to offer can be gained only through the path of spiritual science, yet one need not be a spiritual scientist to possess the ability to understand what has been discovered.

[ 23 ] So, wie nicht ein jeder Chemiker sein kann und doch chemische Erkenntnis im Leben herrscht, so braucht nicht jeder ein Geistesforscher zu sein, der durch seinen gesunden Menschenverstand einsieht, wie die Ergebnisse der Geistesforschung auf Wahrheit beruhen, weil es doch auch möglich ist, dass jeder bis zu einem gewissen Grade Geistesforscher wird und an sich selbst erproben kann, ob das alles möglich ist, was die Geistesforschung behauptet.

[ 23 ] So, just as not everyone can be a chemist, and yet chemical knowledge prevails in life, so not everyone needs to be a spiritual researcher who, through common sense, recognizes how the findings of spiritual research are based on truth—because it is also possible for everyone to become a spiritual researcher to a certain degree and to test for themselves whether everything that spiritual research claims is indeed possible.

[ 24 ] Das ist das Wesentliche, dass das Seelenleben sich umwandelt in einer Weise, dass es innere Verrichtungen vollbringt, die sonst nicht möglich wären. Wie man das macht, das steht in den Büchern, die ich angegeben habe, aber im Prinzip wollte ich es hier erörtern. Man kann die Fähigkeit erwecken, sich loszulösen von allen Eindrücken des Alltagslebens, eine Fähigkeit, die man aber ebenso lernen muss, wie man lernen muss, physikalische Experimente zu machen, und ebenso muss man sich für das Geistig-Seelische fähig machen können, auszulöschen alle Eindrücke der Außenwelt. Man muss durch innerliche Experimente eine solche Seelenverfassung herbeiführen können, die man sonst herbeiführt, wenn der Mensch traumlos schläft.

[ 24 ] The essential point is that the life of the soul is transformed in such a way that it accomplishes inner acts that would otherwise be impossible. How to do this is explained in the books I have cited, but I wanted to discuss the principle here. One can awaken the ability to detach oneself from all impressions of everyday life—an ability that must be learned just as one must learn to conduct physical experiments—and one must also be able to prepare the mind and soul to block out all impressions from the external world. Through inner experiments, one must be able to bring about a state of soul that is otherwise achieved when a person sleeps without dreaming.

[ 25 ] Aber man darf nicht, wenn wir uns in die Lage versetzen, so zu schlafen, das Bewusstsein vollständig ablegen, sondern das innere Seelenleben wird so gekräftigt, dass, wenn man wieder zurückkehrend ins gewöhnliche Leben tritt, das volle Wacherinnern des Bewusstseins wachgehalten sein kann, trotzdem man nicht darauf angewiesen ist, durch äußere Eindrücke dieses Bewusstsein zu entfachen. Es handelt sich beim übersinnlichen Bewusstsein um ein volles Bewusstsein des inneren Seelenlebens, das wir erreichen, indem wir eine innere Tätigkeit entwickeln, die nur seelisch-geistig ist und die nicht hineinspielt in das Alltagsleben. Die Verrichtungen müssen geistig-seelisch sein, und wir sehen das innere Seelenleben, das sonst verwendet wird, um äußere Eindrücke aufzunehmen, Kräfte sparen, die man sonst auf Wahrnehmungen verwendet. Dadurch werden Denken und Vorstellung lebendig, es fließt zusammen das Denken und die Vorstellung.

[ 25 ] But when we put ourselves in a position to sleep in this way, we must not completely relinquish our consciousness; rather, our inner spiritual life is strengthened to such an extent that, when we return to ordinary life, full waking awareness can be maintained, even though we are not dependent on external impressions to awaken this consciousness. Supersensible consciousness is a full awareness of inner soul life, which we attain by developing an inner activity that is purely soul-spiritual and does not interfere with everyday life. These activities must be of a spiritual and psychological nature, and we see that the inner life of the soul—which is otherwise used to take in external impressions—conserves energy that would otherwise be expended on perceptions. As a result, thinking and imagination come alive; thinking and imagination flow together.

[ 26 ] Es ist das ein Zusammentreffen innerhalb eines Lebens, in dem sich das Innere bewusst wird dadurch, dass man ein Bild vor sich hat, das durch willkürliche Zusammenfügung von Formen gebildet ist, das man nun nicht in schlecht mystischem Sinne ausdeuten kann. Aber man muss sich auch klar sein, dass das innere Seelenleben auf diese Weise erstarken wird, dass es intensiver wird, dass ein anderes Selbstbewusstsein dadurch hervorgerufen wird, dass man ebenso lebendig vorstellt, wie man selbst wahrnimmt. Man erreicht es, indem man seine Seele übt, wenn man Neues vollständig überschaut, sein Bild in der Seele verarbeitet, das keinen Anspruch macht, sich selber darzustellen im energischen Denken und Seelenleben. Da spürt man zunächst nur eine innere Erstarkung des Selbstbewusstseins, es ist dies eine Seite der Empfindung, die die Menschenseele mit sich vereinigen muss. Aber man erkennt auch dasjenige, was man früher mehr oder weniger unbewusst in innerer Tiefe entfaltet hat, es führt aber nicht dazu, etwas bleibend zu machen.

[ 26 ] It is an encounter within a lifetime in which one becomes aware of one’s inner self through the presence of an image formed by the arbitrary combination of shapes—an image that cannot be interpreted in a pseudo-mystical sense. But one must also be clear that the inner life of the soul will be strengthened in this way, that it will become more intense, and that a different sense of self-awareness is brought about by imagining things just as vividly as one perceives them oneself. One achieves this by training one’s soul, by fully comprehending what is new and processing its image within the soul—an image that makes no claim to represent itself in energetic thought and the life of the soul. At first, one senses only an inner strengthening of self-awareness; this is one aspect of the feeling that the human soul must unite with itself. But one also recognizes what one previously unfolded more or less unconsciously in the depths of the soul; however, this does not lead to making anything lasting.

[ 27 ] Wenn nichts anderes dazukäme, würde ein solches inneres Seelenleben ganz vergessen werden, es wäre nur ein Erlebnis in der unmittelbaren Gegenwart, denn es haftet nicht an der Erinnerungskraft. Diejenigen, welche gegen die Methoden der wirklichen Geistesforschung und Geisteswissenschaft einwenden, auch diese könnten nur unbewusst das Erinnerungsvermögen aufrufen, sie sollten sich gestehen, dass gerade das Erinnerungsvermögen ausgeschaltet ist und nicht mittut. Alles dasjenige, was man neu erlebt und was das Bewusstsein so gekräftigt hat, es geht nicht hinunter in die Region der Erinnerungskräfte. Es ist etwas, was sich innerlich bildet, aber nicht geeignet ist, dass der Mensch es im Innern behält. Das durch die geistige Forschung Erlebte, es ist nicht geeignet zum Wacherinnern und lebt nur in jenem Innern, welches durch die entfernten Klänge der Drehorgel geweckt wird.

[ 27 ] If nothing else were to happen, such an inner spiritual life would be completely forgotten; it would be merely an experience in the immediate present, for it does not cling to the power of memory. Those who object to the methods of genuine spiritual research and spiritual science—claiming that even these can only unconsciously call upon the power of memory—should admit to themselves that it is precisely the power of memory that is shut out and does not participate. Everything that is newly experienced and that has thus strengthened consciousness does not descend into the realm of the powers of memory. It is something that forms within, but is not suited to being retained internally by the human being. What is experienced through spiritual research is not suited to waking recollection and lives only in that inner realm which is awakened by the distant sounds of the barrel organ.

[ 28 ] Dasjenige, was ich ausgeführt habe, führt also zunächst zu einer Verstärkung des inneren Seelenlebens, zu einer Kräftigung des Selbstbewusstseins. Der dies übt, kommt dahin, sich zu sagen: Ich kann es auf diese Weise machen und ich weiß jetzt, woher das kommt. Ich habe das hohe Gefühl, dass ich mit meiner Seele, wenn ich sie verändert habe, die Quellen des Lebens und die physischen Unterlagen dafür erkennen kann. Ich denke, dass diejenigen recht haben, die das gewöhnliche Seelenleben an den Leib gebunden erachten; ich weiß, dass man, wenn man zu diesem Selbstbewusstsein kommen will, das sich so erkennt, sich sagen muss: Ich erkenne nicht durch meinen Leib. — Aber er muss erst das durchgemacht haben, was ich geschildert habe.

[ 28 ] What I have described thus leads, first and foremost, to a deepening of one’s inner spiritual life and a strengthening of self-confidence. Those who practice this come to say to themselves: “I can do it this way, and I now know where that comes from.” I have the profound sense that, once I have transformed my soul, I can recognize the sources of life and the physical foundations for it. I believe that those who regard ordinary spiritual life as bound to the body are correct; I know that if one wishes to attain this self-awareness—which recognizes itself in this way—one must say to oneself: “I do not perceive through my body.” — But one must first have gone through what I have described.

[ 29 ] Man muss aber noch um eine Stufe weiterdringen. Derjenige, der die Übung, von der ich gesprochen habe, durch Jahre seines Lebens übt, merkt, dass er in eine merkwürdige Art hineinkommt, an dieser Selbstverwandlung weiterzuforschen. Er kommt zu einer Art des Erlebens, in der ihn diese Bilder bis zu einem gewissen Grade überwältigen; er erlangt in seiner Seele eine gewisse Fähigkeit der bildlichen Vorstellung. Das ist die gesteigerte Phantasie, das ist gesteigertes Imaginationserleben. Man erlangt das Imaginationserleben, aber man muss die Seele noch weiter durch immer weitergehende willkürliche Selbstbildung gestalten. Durch immer höhere Kräftigung des inneren Willens muss man dazu gelangen, über die inneren Bilder Herr zu werden, wenn sie anfangen, über ihn Herr werden zu wollen. Denn sonst würde man immer nur eigene Bilder sehen. Gelingt es einem aber, ihrer Herr zu werden, so gelangt man auch dazu, diese Bilder nicht nur zu gestalten, sondern auch wegzuschaffen.

[ 29 ] But one must go one step further. Anyone who practices the exercise I have spoken of for years of his life will notice that he enters into a peculiar way of continuing to explore this self-transformation. They arrive at a mode of experience in which these images overwhelm them to a certain degree; they acquire within their soul a certain capacity for pictorial imagination. This is heightened imagination; this is an intensified imaginative experience. One attains this imaginative experience, but one must continue to shape the soul through ever-increasing, voluntary self-education. Through the ever-increasing strengthening of the inner will, one must learn to master these inner images when they begin to seek to master one. For otherwise, one would always see only one’s own images. But if one succeeds in mastering them, one also learns not only to shape these images but also to dispel them.

[ 30 ] Auch diese Kraft muss man haben, und man erlangt sie durch die Übungen, die ich geschildert habe und durch die man die Herrschaft über die innere Formtätigkeit erlangt. Aber dann fühlt sich die Seele anders, wenn man wirklich diese innern Vorgänge durchgemacht und durch das Formen der Bilder das Selbstbewusstsein erhöht hat und wenn man nun diese Bilder wieder auslöschen kann. Dann ist man — wenn man diese Bilder ausgelöscht hat — in einer Welt, die anders ist als die Welt der gewöhnlichen Wirklichkeit, jetzt ist man durch das umgeformte Seelenleben in einer Geistwirklichkeit.

[ 30 ] One must also possess this power, and one attains it through the exercises I have described, through which one gains mastery over one’s inner creative activity. But then the soul feels differently once one has truly gone through these inner processes, heightened one’s self-awareness through the formation of images, and is now able to erase these images again. Then—once these images have been erased—one finds oneself in a world that is different from the world of ordinary reality; one is now, through the transformed life of the soul, in a spiritual reality.

[ 31 ] Man kann das vergleichen mit der naturgemäßen Heranbildung der Sinne; man muss ansehen das, was man ausgebildet hat, wie ein inneres, geistiges Auge. Aber dieses ist zunächst so wie ein physisches Auge, dessen Hornhaut noch getrübt ist. Indem man das Bild ausgelöscht hat, muss man das Auge erst heilen, ehe es befähigt ist, das Bild zu sehen. Während man früher das Selbstbewusstsein kräftigen konnte, darf jetzt das Imaginationsvermögen hineinschauen in eine andere Welt, welche man auf keine andere Weise zur Offenbarung bringen kann als auf diese.

[ 31 ] One can compare this to the natural development of the senses; one must regard what one has developed as an inner, spiritual eye. But at first, this is like a physical eye whose cornea is still clouded. Since the image has been erased, one must first heal the eye before it is able to see the image. Whereas one could previously strengthen self-awareness, the power of imagination may now look into another world that cannot be revealed in any other way than this.

[ 32 ] Man muss aber Mut haben, ein solches Seelenerleben zu durchwandeln, wenn man dringen will in die Wirklichkeit der Geisteswelt hinein. Und dann tritt dasjenige ein: Man fühlt sich wie erwacht in einer neuen Welt. Dieses Erwachen in einer neuen Welt ist ein Erlebnis, das ist so, wie wenn man aus dem Traumleben erwacht in das gewöhnliche Leben, und man weiß nun: Im Traume hatte man keine Wirklichkeit vor sich, im Wachleben hat man aber das Geschehen der Wirklichkeit vor sich. So kann man erwachen aus der Welt der physischen Wirklichkeit in die geistige Wirklichkeit hinein.

[ 32 ] But one must have the courage to pass through such a spiritual experience if one wishes to penetrate into the reality of the spiritual world. And then it happens: one feels as if one has awakened into a new world. This awakening into a new world is an experience akin to waking from a dream into ordinary life, and one now knows: In the dream, there was no reality before one’s eyes, but in waking life, the events of reality are before one’s eyes. In this way, one can awaken from the world of physical reality into spiritual reality.

[ 33 ] Es muss aber von der andern Seite doch auch etwas vorhanden sein. In unserm gewöhnlichen Leben sind nicht nur vorhanden Vorstellungen und Wahrnehmungen, sondern auch fühlende Kräfte, die haben eine gewisse Richtung in einem jeden Menschen. Sie haben die Vorstellungen und Wahrnehmungen, die umgewandelt werden müssen, und es müssen auch die fühlenden Kräfte zurückgezogen werden von der äußeren Welt. Der Mensch muss in der Lage sein, durch die innere Konzentration des Lebens seine Ruhe gegenüber der Außenwelt für alle Gefühle und das wollende Leben herbeiführen zu können. Das Seelenleben darf sich nicht anregen lassen durch etwas, wodurch es von der äußeren Welt angeregt wird. Das Wollen darf auf nichts Äußeres gerichtet sein. Es darf auch durch nichts Äußeres eine Veränderung verursacht werden. Unbeteiligt muss der Geist für den Moment, wo er an die Geistesforschung herantritt, an der Außenwelt sein.

[ 33 ] But there must also be something present on the other side. In our everyday life, there are not only ideas and perceptions, but also feeling forces, which have a certain direction in every human being. These involve the ideas and perceptions that must be transformed, and the powers of feeling must also be withdrawn from the external world. The human being must be able, through the inner concentration of life, to bring about a state of calm toward the external world for all feelings and the life of the will. The life of the soul must not be stirred by anything that stimulates it from the external world. The will must not be directed toward anything external. Nor must any change be caused by anything external. The spirit must be detached from the external world at the moment it approaches spiritual research.

[ 34 ] Dann bildet sich eine merkwürdige Verwandlung in der Seele des menschlichen Wesens aus; man macht die Entdeckung, dass früher im gewöhnlichen Bewusstsein alle Wahrnehmungen und Vorstellungen durch unsere Gefühle abgegrenzt waren. Jetzt ist das Erinnern ausgeschaltet, jetzt kann, weil man äußerlich ruhig ist, das Fühlen und Wollen des Lebens in die Seele dringen, an dasjenige, was man ausgebildet hat; und indem die Seele erwacht ist, fließt in sie dasjenige, was durch die zurückgehaltenen Gefühle, die noch im Innern schlummern, in der inneren Seele sich ausbildet. Jetzt tritt eine innere Ergänzung auf von Denken, Fühlen und Wollen, die nicht mehr die gleichen sind, wie sie im gewöhnlichen Bewusstsein sind. Man ist nicht nur erwacht, denn im Erwachen des Seelenlebens lebt ebenso der äußere Geist, der sich offenbart, wie er sich offenbart durch die Sinne in der gewöhnlichen Wirklichkeit.

[ 34 ] Then a remarkable transformation takes place in the soul of the human being; one discovers that, in ordinary consciousness, all perceptions and ideas were previously bounded by our feelings. Now that memory is set aside—and because one is outwardly calm—the feeling and willing of life can penetrate the soul, reaching what one has cultivated; and as the soul awakens, that which takes shape within the inner soul through the restrained feelings still slumbering within flows into it. Now an inner integration of thinking, feeling, and willing takes place, which are no longer the same as they are in ordinary consciousness. One is not merely awakened, for in the awakening of the soul life, the outer spirit also lives, revealing itself just as it reveals itself through the senses in ordinary reality.

[ 35 ] Durch die Umwandlung der inneren Seelenkräfte, durch das Fühlen und den Willen, gelangt man an die Dinge der Geisteswelt heran. Da zeigen sich neue, sonst in der Seele schlummernde Fähigkeiten. Was ich Ihnen geschildert habe, das gibt der Seele nur für die Zeit, in der sie geistig forscht, die Möglichkeit, solche Kräfte, mit denen sie in die geistige Welt eindringen kann, zu entwickeln.

[ 35 ] Through the transformation of the soul’s inner forces—through feeling and will—one gains access to the things of the spiritual world. This reveals new abilities that would otherwise lie dormant in the soul. What I have described to you gives the soul—only for the time during which it is engaged in spiritual exploration—the opportunity to develop such powers with which it can penetrate the spiritual world.

[ 36 ] Aber diese Kräfte sind anders als die Kräfte des gewöhnlichen Bewusstseins, und die Missverständnisse entstehen dadurch, dass die Menschen nicht unterscheiden zwischen der Einstellung der Seele, wenn sie geistig forscht, und dem gewöhnlichen Bewusstsein. Um die Wirklichkeiten des Geistes zu erforschen, muss die Seele das Beschriebene auf sich anwenden. Und die Menschen widerstreben dem nur, weil sie es vermeiden, sich in ernster Weise die Kräfte anzueignen, die nur eindringen können, wenn man sie in der richtigen Weise anwendet. Dann würden sie auch sehen, wie anders diese Fähigkeiten sind als diejenigen, die wir im gewöhnlichen Leben haben und welche wir zum gesunden Leben brauchen. Das, was die Seele da erlebt, erlebt sie durch diese übersinnlichen Seelenkräfte, nicht durch die gewöhnlichen, wie bei den äußeren Sinneswirkungen oder Denkvorstellungen, die nicht anders zustande kommen als wie das Erinnern. Das, was im Geiste erlebt wird, ist nicht ein bloßer Vorstellungsvorgang, nicht bloße Phantasie, und dasjenige, was der Geist so erlebt, verwandelt sich nicht in Erinnerungsvermögen. Man erinnert sich dann nicht ohne Weiteres, sondern man muss wieder an das Erlebnis herantreten, und dadurch unterscheidet sich dieser Vorgang von den Phantasievorstellungen, dadurch erkennt man ihn als den Ausdruck wirklicher Geistestätigkeit.

[ 36 ] But these powers are different from the powers of ordinary consciousness, and misunderstandings arise because people do not distinguish between the soul’s attitude when it engages in spiritual inquiry and ordinary consciousness. To explore the realities of the spirit, the soul must apply what has been described to itself. And people resist this only because they avoid seriously acquiring the powers that can only be accessed when applied in the proper way. Then they would also see how different these abilities are from those we possess in ordinary life and which we need for a healthy life. What the soul experiences there, it experiences through these supersensory soul powers, not through the ordinary ones, as is the case with external sensory impressions or mental concepts, which come about in no other way than through memory. What is experienced in the spirit is not a mere process of imagination, not mere fantasy, and what the spirit experiences in this way does not transform into memory. One does not simply recall it afterward, but must approach the experience anew; and in this way this process differs from imaginative concepts, and in this way one recognizes it as the expression of genuine spiritual activity.

[ 37 ] Sie werden gestatten, dass ich an Persönliches anknüpfe; aber auf diesem Gebiete ist vieles, das an Persönliches anknüpfen muss, denn die Geistesforschung ist an die Person gebunden. Ich will Ihnen sagen: Ich schaue zurück mit vollständiger Deutlichkeit auf denjenigen Augenblick in meinem Leben — es sind viele Jahre —, in dem ich zum ersten Mal schauen konnte die Tatsache, wie im Schauen der Wolken, des Himmels, kurz der Außenwelt Kräfte spielen, die nicht aus diesem Leben stammen oder aus dem, was wir von Vater und Mutter überkommen haben, sondern solche Kräfte, von denen man sagen kann, sie stammen aus einem Leben in einer geistigen Welt, das unserm Erdenleben vorangegangen ist, bevor wir uns mit den von Vater und Mutter erzeugten Kräften verbanden. Bei diesem Seelenleben werden Kräfte wahrgenommen, wirken im Wahrnehmen andere Kräfte, die von früheren Leben sind. Man kommt zu solch unmittelbarem Anschauen, aber das Wichtigste ist, dass man dieses Anschauen erlebt und weiß, dass die Geisteswelt mittut im gewöhnlichen Bewusstsein, im Wollen und in allen wahren Wahrnehmungen. Aber vergeblich würde man danach streben, ein solches Erlebnis später wieder in die Erinnerung, in das Wiedererleben zu bringen, wenn man nicht etwas getan hat, schnell genug, um es später wieder in die Erinnerung hereinführen zu können. Das, was man tun muss, muss bei vollständig klarem Bewusstsein geschehen, denn ein Erinnern ist ausgeschlossen. Für das seelische Geist-Erleben ist die Erinnerung ausgeschlossen, und nur an etwas anderes erinnert man sich, wenn man wieder im gewöhnlichen Seelenleben steht. Und man kann nur mit umgekehrtem Erinnerungsvermögen erschauen das Erlebnis und man kann sich sagen: Wodurch bin ich gekommen, ein solches geistiges Erlebnis zu haben, was habe ich getan, was hat die Seele vorher gedacht und gefühlt, dass es zustande kam? Wie ist es zu diesem Erlebnis gekommen? Daran kann man sich erinnern, nicht an das Erlebnis selbst, wohl aber, wie man dazu gekommen ist. Daran muss man sich erinnern, man muss zu diesem Erlebnis der Geisteswelt hingehen, indem man nicht das Erlebnis, sondern die Bedingungen des Erlebnisses wiederherstellt.

[ 37 ] Please allow me to touch on a personal note; but in this field, there is much that must be addressed on a personal level, for spiritual research is bound up with the individual. I want to tell you: I look back with complete clarity on that moment in my life—many years ago—when I was able for the first time to perceive the fact that, just as in the observation of the clouds, the sky, in short, the external world, forces are at work that do not originate from this life or from what we have inherited from our father and mother, but rather forces of which one can say, they originate from a life in a spiritual world that preceded our earthly existence, before we became connected to the forces generated by our father and mother. In this soul life, forces are perceived, and other forces—which stem from earlier lives—are at work in the act of perception. One arrives at such direct insight, but the most important thing is that one experiences this insight and knows that the spiritual world is at work in ordinary consciousness, in volition, and in all true perceptions. But it would be in vain to strive to bring such an experience back into memory—to relive it—later on, unless one has acted quickly enough to be able to bring it back into memory at a later time. What one must do must take place with completely clear consciousness, for recollection is impossible. For the soul’s spiritual experience, recollection is impossible, and one remembers only something else once one is back in ordinary soul life. And one can only perceive the experience through a reversed capacity for recollection and say to oneself: How did I come to have such a spiritual experience? What did I do? What did the soul think and feel beforehand that brought it about? How did this experience come about? One can remember that—not the experience itself, but how one came to it. One must remember this; one must approach this experience of the spiritual world by reconstructing not the experience itself, but the conditions under which it occurred.

[ 38 ] Und wenn ich über die Konzeption eines Vortrages wie der heutige, der über Geistesangelegenheiten handelt, zu Ihnen spreche, so muss ich auch sagen: Man kann es nicht so machen, wie es bei gewöhnlichen Vorträgen der Fall ist. Ich halte solche Vorträge oft, muss aber dabei sagen, es wird mir außerordentlich schwer, durch das gewöhnliche Erinnerungsvermögen einen solchen Vortrag festhalten zu können. Man kann sich dazu nur vorbereiten, indem man die Bedingungen herstellt, wie man ursprünglich dazu gekommen ist, und das ist dasjenige, was ich den Zuhörern sagen will. Man will mit der Geisteswelt sprechen und dazu muss man die Bedingungen herstellen. Indem aber dem so ist, zeigt es sich, dass man niemals darauf rechnen kann, ein geistiges Erlebnis in bloßer Erinnerung zu behalten. Man kann aber in die Geisteswelt hineinschauen und dann tritt das hervor, was man sagen muss. Wer in die Geisteswelt hineinschauen will, der muss auf die Erinnerung an die Geisteswelt verzichten.

[ 38 ] And when I speak to you about the structure of a lecture like today’s, which deals with spiritual matters, I must also say: You cannot approach it the same way you would an ordinary lecture. I often give such lectures, but I must say that I find it extraordinarily difficult to retain such a lecture through ordinary memory alone. One can only prepare for this by recreating the conditions under which one originally came to this state, and that is what I wish to convey to the audience. One wants to speak with the spiritual world, and to do so, one must create the conditions for it. But since this is the case, it becomes clear that one can never count on retaining a spiritual experience in one’s mere memory. One can, however, look into the spiritual world, and then what one must say emerges. Anyone who wants to look into the spiritual world must renounce the memory of the spiritual world.

[ 39 ] Wohl ist das für manche eine Enttäuschung. Man kann sich durch Übung der Kräfte dazu ausbilden, in die Erlebnisse und Vorgänge der Geisteswelt hineinzuschauen, aber man erinnert sich nicht daran und ist enttäuscht, weil die Geisteserlebnisse in nichts zerfließen, und das ist eben die Enttäuschung aller Anfänger. Aber indem man die Bedingungen wieder herstellt, weckt man auch die Erinnerung auf eine künstliche Weise, die nicht Phantasie ist, und das, was geistig gesehen wurde, das bleibt dann stehen, wie ein Traum in der Erinnerung stehen bleibt, und man sieht, was man im geistigen Leben gesehen hart. Es kommt zum Anschauen, man sieht, wie dasjenige, was selbst auszulöschen und zu vergehen scheint, stehen bleibt, man sieht zurück in die vergangene Zeit, aber in gewissem Sinne kann man sich daran nicht erinnern.

[ 39 ] Admittedly, this may be a disappointment for some. Through the practice of spiritual exercises, one can train oneself to gain insight into the experiences and processes of the spiritual world, but one does not remember them afterward and is disappointed because these spiritual experiences do not dissolve into nothingness—and that is precisely the disappointment faced by all beginners. But by recreating the conditions, one also awakens the memory in an artificial way that is not imagination, and what was seen spiritually then remains, just as a dream remains in memory, and one sees what one has seen in spiritual life. One comes to behold it; one sees how that which seems to be extinguishing itself and passing away remains; one looks back on the past, but in a certain sense, one cannot remember it.

[ 40 ] Ein anderes kommt noch dazu, das ebenso für den Anfänger zu gewissen Enttäuschungen führt. Es ist das der Gegensatz zum gewöhnlichen gesunden Erdenleben, wo man Kräfte entwickeln kann, die wie zum Beispiel Geschicklichkeit und Gewohnheit durch gewisse Verrichtungen, die immer wiederkehren, gesteigert werden, und man kann im gewöhnlichen Sinnesleben diese Kräfte durch Wiederholung stärken. Im gewöhnlichen Sinnesleben ist es so, im Erleben des Geistes ist es aber entgegengesetzt. So paradox und widersinnig das klingen mag, so ist es doch so, dass, je öfter man ein Geisteserlebnis hat, desto schwieriger ist es, dieses Geisteserlebnis wieder herbeizuführen. Und wer immer wieder das Geisteserlebnis haben will, muss immer größere Anstrengungen machen, um es wieder zu haben. Sie erleben da also in entgegengesetzter Art zum Sinneserleben und kommen darauf, dass Sie, um schließlich zu erleben, möglichst rasch solche Erlebnisse anschauen müssen. Denn die Seelenerlebnisse haben die Eigentümlichkeit, so rasch als möglich vorüberzugehen, sodass für denjenigen, der nur einige Übungen gemacht hat und der nicht die nötige Geistesgegenwart hat, solche Erlebnisse wirklich zu halten, sie unbemerkt vorübergehen.

[ 40 ] There is another factor that also leads to certain disappointments for the beginner. It is the contrast to ordinary, healthy earthly life, where one can develop abilities—such as dexterity and habit—that are enhanced through certain recurring activities, and where, in ordinary sensory life, one can strengthen these abilities through repetition. This is how it is in ordinary sensory life, but in spiritual experience it is the opposite. As paradoxical and counterintuitive as it may sound, the fact remains that the more often one has a spiritual experience, the more difficult it is to bring that experience about again. And whoever wishes to have the spiritual experience again and again must make ever greater efforts to have it once more. You thus experience it in a manner opposite to sensory experience and come to realize that, in order to ultimately experience it, you must observe such experiences as quickly as possible. For spiritual experiences have the peculiarity of passing as quickly as possible, so that for those who have done only a few exercises and who lack the necessary presence of mind to hold onto such experiences, they pass unnoticed.

[ 41 ] Es würden viel mehr Menschen Geisteserlebnisse haben, wenn sie die nötige Geistesgegenwart hätten. Denn wir stehen mitten im geistigen Leben. Aber die Menschen haben nicht die Geistesgegenwart, um sie wirklich zu erfassen; und wenn sie sich entschließen, ihnen ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden, so ist das Erlebnis vorbei. Daher ist dazu eine gründliche Übung notwendig, und im meinen Büchern werden Sie finden, wie man sich für diese Geistesgegenwart vorzubereiten hat, damit man in der Lage ist, in gewöhnlichen Lebenssituationen sich rasch zu entschließen, diese Entschlüsse rasch zu fassen. Man muss sich angewöhnen, den ersten Entschluss endgültig zu fassen, und diejenigen Menschen, die jedes Ding unnötigerweise nach allen Seiten wenden und sich immer wieder anders entschließen, diese Eigenbrötler des Lebens, die herummurksen, auch im gewöhnlichen Leben, die können niemals so rasche Entschlüsse fassen und Geisteserlebnisse beobachten. Die verzichten darauf, die gemeinten Übungen anzuwenden auf solche Erlebnisse. Die müssen aber dabei sein, denn dann erst kommen in der Seele die Fähigkeiten hervor, die die Seele geeignet machen, solche Vorgänge zu beobachten. Und dann wird sie imstande sein, sich die Antwort darauf zu geben, warum man auf dem Wege der Naturerkenntnis und der gewöhnlichen Mystik an dieses Rätsel nicht herandringen kann, weil dieses Seelenleben zwischen Geburt und Tod gebunden ist an den lebenden Körper, und man muss auf anderes schauen, was nicht an das gewöhnliche Leben gebunden ist.

[ 41 ] Many more people would have spiritual experiences if they had the necessary presence of mind. For we are in the midst of spiritual life. But people lack the presence of mind to truly grasp it; and by the time they decide to turn their attention to it, the experience is already over. Therefore, thorough practice is necessary, and in my books you will find how to prepare yourself for this mental alertness, so that you are able to make quick decisions in ordinary situations of life—to make these decisions swiftly. One must get into the habit of making the first decision final, and those people who unnecessarily turn every matter in every direction and keep changing their minds—these loners of life who dither, even in everyday life—can never make such swift decisions or observe spiritual experiences. They refrain from applying the intended exercises to such experiences. Yet these exercises must be part of the process, for only then do the faculties emerge in the soul that make it capable of observing such processes. And then it will be able to provide itself with the answer as to why one cannot approach this mystery through the path of natural science or ordinary mysticism—because this inner life of the soul, between birth and death, is bound to the living body, and one must look to something else that is not bound to ordinary life.

[ 42 ] In dem Augenblick, in dem man sich die Fähigkeit angeeignet hat, hinzuschauen auf die geistigen Ereignisse, die nicht im Gedächtnis erhalten bleiben — denn dieses ist gebunden an den Leib — beantwortet sich auch die Streitfrage, die hineinragt in das menschliche Leben und das Menschenrätsel bildet. Die erste Frage ist eine philosophische Streitfrage, aber man kommt nicht dahinter, weil man sie nur als gewöhnliches Erlebnis hat; ja— wenn auch noch plötzlich Drehorgeltöne hereinspielen in unser gewöhnliches Seelenleben und wir in diesem Auf- und Abwogen nie sicher sein können, was sie hinauftreibt —, eines ist es, was im gewöhnlichen Seelenleben sich einstellt und zu dem wir uns anders stellen müssen als zu allem andern, was an Vorstellungen und Denken in diesem Seelenleben vorhanden ist. Es ist das ... [Lücke] logische und sozusagen reine Denken, abgesehen von solchen Eindrücken der Drehorgeltöne; wir können uns sagen, was richtig und was unrichtig ist. Die Logik ist vielfach nur für die Schulen geschrieben worden. Diese Fragen sind aber nicht mit dieser Schul-Logik zu beantworten. Wenn wir aber in diese Dinge mit wirklicher Logik eingreifen, dann werden wir uns auch in gewissem Sinne sagen können, was richtig und was unrichtig ist, ganz abgesehen davon, was bewusst und was unbewusst, was sympathisch und was antipathisch ist.

[ 42 ] The moment one has acquired the ability to observe the mental events that are not retained in memory—for memory is bound to the body—the controversial question that permeates human life and constitutes the mystery of humanity is also answered. The first question is a philosophical conundrum, but one cannot get to the bottom of it because one experiences it only as an ordinary phenomenon; yes—even when the sounds of a barrel organ suddenly intrude into our ordinary inner life and, in this ebb and flow, we can never be certain what drives them upward—there is one thing that arises in ordinary inner life, and toward which we must adopt a different attitude than toward everything else that exists in this inner life in terms of perceptions and thought. It is the … [gap] logical and, so to speak, pure thinking, apart from such impressions as the sounds of the barrel organ; we can tell ourselves what is right and what is wrong. Logic has often been written solely for schools. But these questions cannot be answered with this “school logic.” If, however, we approach these matters with true logic, then we will also be able, in a certain sense, to tell what is right and what is wrong, quite apart from what is conscious and what is unconscious, what is sympathetic and what is antipathetic.

[ 43 ] Wenn man also so in das Seelenleben hineingreift und sich fragt, warum das so ist, dann erfährt man erst die Antwort, wenn man mit dem geschilderten umgewandelten Seelenleben beobachtet, und dann erst kommt man darauf, dass in unserer Seele Kräfte spielen, die uns zu diesen Betrachtungen treiben, Kräfte, die in unser Leben hineinragen aus dem Leben, das wir früher geführt haben, bevor noch die Stoffe von Vater und Mutter uns erzeugt haben, Kräfte, die wir erworben haben aus dem Geistleben vor der Geburt oder vor der Empfängnis. Derjenige aber, der nicht hineinschauen kann in die Denktätigkeit, der kann auch nicht richtig denken über den ewigen Geist, der sich in ihm darstellt. Daher kann man auch sagen, was mancher schon gesagt hat: Die Umwandlung des Seelenlebens geschieht so, dass gewissermaßen das ganze Seelenleben wie mystisch umgewandelt wird, dies aber in einem höheren Sinn. Denn was wäre eine musikalische Melodie, wenn in den gehörten Ton nicht wirksam hineinspielen würde die Erinnerung?

[ 43 ] So when one delves into the life of the soul in this way and asks why this is so, one only finds the answer by observing with the transformed soul life described above; and only then does one realize that forces are at work in our soul that drive us to these reflections, forces that reach into our lives from the life we led before, even before the physical bodies of our father and mother had formed us—forces we acquired from the spiritual life before birth or before conception. But those who cannot look into the activity of thought cannot think correctly about the eternal Spirit that manifests itself within them. Hence one can also say, as some have already said: The transformation of the soul’s life occurs in such a way that, in a sense, the entire soul’s life is mystically transformed—but in a higher sense. For what would a musical melody be if memory did not actively interplay with the sound we hear?

[ 44 ] In dieses Seelenleben spielt aber nicht die Erinnerung hinein, wohl aber die vergangene Wirklichkeit selbst, und das, was schon vergangen ist, lebt wieder in der Gegenwart unseres Seelenlebens; und so lebt in uns in unserem reinen Denken vermischt mit dem gewöhnlichen Seelenleben das Geistig-Seelische, das schon da war, bevor wir uns mit dem Stoff verbunden haben. Und wenn wir dann diese Wahrnehmungen ins Auge fassen und durchsichtig machen können und durch die Seelenkräfte auf den Geist schauen, dann finden wir rückblickend das frühere Erdenleben, das wahrgenommen und erlebt werden kann. Wir denken Menschenerlebnisse, die bis dahin in sich selbst begrenzt waren; wir sehen, dass wir zu den ewigen Geistern zurückblicken können durch die Geistesforschung.

[ 44 ] However, memory does not play a role in this soul life; rather, it is past reality itself that does, and what has already passed lives again in the present of our soul life; and so, within us, in our pure thinking—mingled with ordinary soul life—lives the spiritual-soul aspect that was already there before we became connected to the physical world. And when we are then able to take these perceptions in and make them transparent, and look toward the Spirit through the powers of the soul, we find, looking back, the earlier earthly life that can be perceived and experienced. We reflect on human experiences that were previously limited to themselves; we see that we can look back to the eternal Spirits through spiritual research.

[ 45 ] Das sind prinzipielle, das sind die Quellpunkte der menschlichen Erkenntnis, welche diese Erkenntnisart aufmacht demjenigen, der nach ihr forscht, und darin liegt die Freiheit der menschlichen Seele. Der Geistesforscher, der über die Freiheit sprechen will, der hat seit Jahrzehnten die Frage der Menschenfreiheit zu seinem Hauptthema gemacht. Vor Jahrzehnten habe ich ein Buch geschrieben über die Menschenfreiheit; ich habe in diesem Buche gezeigt, dass man aufzusteigen hat von der physischen Kraft zur reinen Geisteskraft. Das ist die zweite Frage, die sich wie die erste an das Denken knüpft, die Frage der Freiheit, die für jeden ein Erlebnis ist, aber naturwissenschaftlich nicht erforscht werden kann. Was naturwissenschaftlich gebunden ist, wird niemals in Freiheit auftreten können.

[ 45 ] These are fundamental principles; these are the sources of human knowledge, which open up this kind of knowledge to those who seek it, and therein lies the freedom of the human soul. The spiritual researcher who wishes to speak about freedom has made the question of human freedom his central theme for decades. Decades ago, I wrote a book about human freedom; in that book, I showed that one must ascend from physical power to pure spiritual power. This is the second question, which, like the first, is linked to thinking—the question of freedom, which is an experience for everyone but cannot be investigated through the natural sciences. What is bound by the natural sciences will never be able to manifest itself in freedom.

[ 46 ] Dennoch weiß jeder, was die Handlungen sind, die frei sind. Ich habe schon gesagt, welche Handlungen im menschlichen Leben freie genannt werden können. Nur gewisse Gattungen von Taten sind es: so, wenn wir ein Wesen neben uns haben, das wir lieben, denn was ist die Liebe in wahrer Seelenwirklichkeit? Die Liebe hat verschiedene Gattungen; sie kann egoistisch, ein Egoismus sein, weil es angenehm ist, dasjenige zu lieben, was zu lieben angenehm ist; aber auch diese Liebe kann anders werden, sie kann sich vergeistigen, sie kann hinschauen auf andere Wesen, und es schließt sich die Selbstsucht gegenüber dem geliebten Wesen vollständig aus.

[ 46 ] Nevertheless, everyone knows what actions are free. I have already said which actions in human life can be called free. Only certain kinds of actions are free: for example, when we have a being beside us whom we love, for what is love in the true reality of the soul? Love has various forms; it can be selfish—a form of egoism—because it is pleasant to love that which is pleasant to love; but even this love can change; it can become spiritualized; it can turn its attention to other beings, and this completely excludes selfishness toward the beloved.

[ 47 ] Ja, ich habe recht gehabt vor einem Vierteljahrhundert, als ich widersprochen habe dem allgemein geltenden Sprichwort «Liebe macht blind». Das ist vollkommen falsch, denn in Wirklichkeit sollte es heißen: «Liebe macht sehend.» Freilich, nur derjenige, der sich selbst auszuschließen vermag, der aufgeht in dem Wesen, das er liebt, der imstande ist, die verschiedenen Phasen der Liebe bis zur höchsten Steigerung zu verfolgen, nur der kann erfassen, was freie Handlungen sind. Wir tun im Leben vieles aus Egoismus, aber es kommt vor, dass sich auch hier Handlungen einstellen, zu denen wir ebenso stehen, wie wir dem geliebten Wesen gegenüberstehen, das uns sympathisch ist. Wir werden nicht Handlungen verrichten wollen, welche wir vor dem reinen Denken und der Hingebung als unrichtig ansehen, es müssen diese Handlungen geschehen aus Liebe. Wir werden selbst nur richtig handeln, wenn wir den Geist lieben.

[ 47 ] Yes, I was right a quarter of a century ago when I disagreed with the commonly accepted saying, “Love is blind.” That is completely wrong, because in reality it should be: “Love gives sight.” Of course, only the one who is able to set himself aside, who merges with the being he loves, who is capable of following the various phases of love up to their highest intensity—only he can grasp what free actions are. We do many things in life out of selfishness, but it happens that even here actions arise that we stand by just as we stand by the beloved being who is dear to us. We will not want to perform actions that we regard as wrong in the light of pure thought and devotion; these actions must be done out of love. We ourselves will act rightly only when we love the Spirit.

[ 48 ] Freiheit und Liebe zur Handlung sind Vorstellungen, die sich nicht voneinander trennen lassen, und man kann nicht fragen: Ist der Mensch frei oder unfrei? Nein, denn der Mensch ist unfrei in seinem Willen für Handlungen aus Not, aus Trieben, aus Unterbewusstsein des Seelenlebens, aber frei wird er, indem er hassen und lieben kann dasjenige, was er zu tun für notwendig hält für sich und die Welt. Wenn man durch die umgewandelten Seelenkräfte richtig aufdeckt, was in Liebe und wirklicher Freiheit von den Menschen als Motiv für seinen Willen gebraucht wird, dann kann man hineindringen nicht durch die Mystik, sondern durch diese Umwandlung der Seelenkräfte in die geistige Wirklichkeit, und man entdeckt, dass im Menschen eine geheimnisvolle Kraft wohnt, wie der Keim in der Pflanze für die nächste Pflanze.

[ 48 ] Freedom and the love of action are concepts that cannot be separated from one another, and one cannot ask: Is man free or unfree? No, for human beings are unfree in their will when acting out of necessity, out of instincts, or out of the subconscious aspects of their inner life; but they become free by being able to hate and love that which they deem necessary to do for themselves and for the world. If, through the transformed powers of the soul, one correctly uncovers what is required of human beings—in love and true freedom—as the motive for their will, then one can penetrate this reality not through mysticism, but through this transformation of the soul’s powers into spiritual reality, and one discovers that a mysterious power dwells within the human being, like the seed in the plant that gives rise to the next plant.

[ 49 ] Dieser Keim lebt auch in der menschlichen Seele; er wird aber verdeckt, und der Mensch hat nicht die Möglichkeit, ihn zu sehen; er hat sich aber die Fähigkeit angeeignet, auf sein Wollen und Sollen zurückzuschauen. Dann sieht man auch, was im Menschen vorgeht, indem er aus Liebe Handlungen vollzieht. Da wirken im Seelenleben geistig-seelisch bedingte freie Handlungen. Wie der Mensch im gegenwärtigen Leben in sich wurzelt und wahrnehmen kann, was er richtig und unrichtig denkt, so sieht man in der Zukunft das Erdenleben etwas werden, wie es die Vergangenheit war, indem wir durch die Pforte des Todes gehen und der für die Zukunft gepflanzte Keim in uns zurückbleibt, der durch das Leben im Fühlen und Wollen verdeckt war. Wir sehen ... [Lücke], wie aufleben muss der Keim, den wir in vergangenen Erdenleben gepflanzt haben, wenn wir unser Leben ablegen; und wir werden auch das Leben vor der Geburt erblicken. Wir nehmen wahr das Leben im Geiste vor der Geburt und nach dem Tode, indem wir durch Fühlen und Wollen hindurch den Blick auf dasjenige richten, was nicht an den Organismus gebunden ist. Wir sehen auch, dass die Geistesforschung nicht etwas Mystisches ist, nicht etwas, was auf bequeme Weise hereingebracht werden kann, sondern sie strebt auf denjenigen Gebieten, die die Sehnsuchtsgebiete aller Menschen sind, die zum Leben aufwachen wollen.

[ 49 ] This seed also lives in the human soul; however, it is concealed, and human beings are unable to see it; yet they have acquired the ability to look back on their will and their duties. Then one also sees what is going on within a person as they perform actions out of love. In the life of the soul, free actions conditioned by spiritual and soul forces are at work. Just as a person is rooted within themselves in this present life and can perceive what they think correctly and incorrectly, so too will we see in the future that earthly life becomes something like what it was in the past, as we pass through the gate of death and the seed planted for the future remains within us—a seed that was concealed by our life of feeling and willing. We see … [gap], how the seed we planted in past earthly lives must come to life when we lay down our lives; and we will also glimpse life before birth. We perceive life in the spirit before birth and after death by directing our gaze, through feeling and willing, toward that which is not bound to the physical organism. We also see that spiritual research is not something mystical, not something that can be conveniently introduced, but rather it strives in those realms that are the realms of longing for all people who wish to awaken to life.

[ 50 ] Ein unüberbrückbarer Abgrund besteht zwischen dem, was wir das Erinnerungsleben nennen, und dem, was die Naturerscheinungen das erste Mal vor uns aufgebaut haben. Indem wir solche Kräfte hervorrufen, um die Vorstellung zu vernichten und die Erinnerungskräfte zu behalten, tauchen wir unter in das, in das nicht untergetaucht werden darf im gewöhnlichen Leben; aber dadurch erlangen wir die Möglichkeit, unterzutauchen in diejenige Welt, welche nicht für das gewöhnliche Leben bestimmt ist. Das führt uns zur wirklichen Geistesforschung; sie wird einmal eine Wissenschaft sein, wie der Kopernikanismus eine Wissenschaft geworden ist, als er mit dem alten Seelenleben gebrochen hatte.

[ 50 ] There is an unbridgeable chasm between what we call the life of memory and what natural phenomena first presented to us. By summoning such forces to destroy the imagination and preserve the powers of memory, we plunge into that which must not be entered in ordinary life; but through this we gain the ability to plunge into that world which is not intended for ordinary life. This leads us to true spiritual research; it will one day be a science, just as Copernicanism became a science when it broke with the old conception of the soul.

[ 51 ] Es ist ja begreiflich, dass von verschiedenen Seiten diese Forschung missverstanden wird und dass ihr Gegnerschaften erwachsen. Dem Mystiker erscheint sie nicht geeignet, weil ihr die Geistesforschung nicht mystisch genug tut; und andere glauben, sich an die Naturwissenschaft allein halten zu müssen. Sie wird aber einmal kommen, und sie werden schen, dass die Geistesforschung eine reine Wissenschaft ist. Man fürchtet auch, dass der Aberglaube wieder aufleben und dass der Dilettantismus in der ernsten Forschung auftreten wird. Aber auch das ist nicht der Fall.

[ 51 ] It is, of course, understandable that this research is misunderstood by various parties and that opposition to it arises. To the mystic, it does not seem suitable because spiritual research is not mystical enough; and others believe they must adhere solely to the natural sciences. But the time will come when they will see that spiritual research is a pure science. There is also a fear that superstition will resurface and that dilettantism will creep into serious research. But that, too, is not the case.

[ 52 ] Ich konnte nur die Prinzipien feststellen, nur den Anfang dieser Dinge bezeichnen. Jeder hat aber die Gelegenheit, die Gebiete, die im praktischen Leben wichtig sind, und gewisse Erlebnisse der Menschen besonders mit Bezug auf die aktuelle Gegenwart zu entdecken, die meine Ausführungen bestätigen. Ich wollte nur sagen, was die Geistesforschung zu tun hat, um solche Gebiete aufzuschließen. Man wird sie missverstehen von links und von rechts, denn für diese geistige Forschung ist es nicht notwendig, dass man in neue Gebiete eindringe, sondern dass man in diese Gebiete auf eine neue Art eindringt, dass man für die neue Wirklichkeit neue Begriffe entwickelt, die heute den meisten Menschen ungewohnt sind. Sie sind ihnen aber nicht ganz fremd, weil in dieser Geistesforschung Kräfte sind, die heute in der Menschenseele schlummern, die heute im wirklichen Menschenleben in dieser schweren Zeit aufwachen. Wenn sie mit manchem in Verbindung gebracht werden, was von alten Zeiten zu stammen scheint, wenn heute von Zeit zu Zeit in uns alte Erlebnisse geweckt werden, dann wissen die Betreffenden, dass sie sich nach anderem sehnen müssen, als was die Menschen bisher vorgebracht haben.

[ 52 ] I was only able to identify the principles, to point out the beginning of these things. However, everyone has the opportunity to discover the areas that are important in practical life, as well as certain human experiences—especially as they relate to the present—that confirm my remarks. I simply wanted to explain what spiritual research must do to open up such areas. It will be misunderstood by both the left and the right, for this spiritual research does not require venturing into new areas, but rather approaching these areas in a new way—developing new concepts for the new reality that are unfamiliar to most people today. Yet they are not entirely foreign to them, because this spiritual research draws upon forces that lie dormant in the human soul today—forces that are now awakening in real human life during these difficult times. When these forces are associated with certain things that seem to stem from ancient times, when old experiences are stirred within us from time to time today, then those concerned know that they must yearn for something other than what people have put forward so far.

[ 53 ] Die Entwicklung der Menschheit muss fortschreiten. Die Bedürfnisse dazu sind vorhanden, wir sind zu einer neuen Wissenschaft vorgedrungen, aber die Menschen wissen noch nicht davon. Vorhanden aber sind sie, und auch die weiteren Umkreise, die heute sie noch leugnen, die träumen davon und streben in steter Sehnsucht nach dieser Geisteswissenschaft, die kein Programm und keine Willkür ist, denn die Geisteswissenschaft ist nur das, was die Menschen eigentlich wollen, wonach sie sich sehnen, was tief im Unterbewusstsein schlummert, und ich bin überzeugt, dass dasjenige, was die Geisteswissenschaft bieten will, nichts anderes ist als die Befriedigung desjenigen, wonach die Menschen verlangen. Und das können nicht die Menschen der Gegenwart und nicht die Menschen der Zukunft vermissen.

[ 53 ] Humanity’s development must continue. The need for it exists; we have made progress toward a new science, but people are not yet aware of it. Yet they do exist, and even those broader circles that still deny them today dream of them and strive with constant longing for this spiritual science, which is neither a program nor an arbitrary construct, for spiritual science is nothing other than what people actually want, what they long for, what lies dormant deep in the subconscious, and I am convinced that what spiritual science seeks to offer is nothing other than the fulfillment of what people truly desire. And neither the people of the present nor the people of the future can do without this.