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The Human Being as a
Spirit and Soul Being
GA 71b

14 June 1918, Prague

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Der Mensch als Geist- und Seelenwesen
  1. The Human Being as a Spirit and Soul Being, tr. SOL

15. Wie kann man das übersinnliche Leben und Wesen der menschenseele Erkennen?

15. Wie kann man das übersinnliche Leben und Wesen der menschenseele Erkennen?

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Dass es sehr viele Persönlichkeiten gibt, die nach den Voraussetzungen ihrer Bildung berufen sind zum Urteile und die dasjenige, was ich mir erlauben werde, am heutigen Abend vorzubringen, nicht wissenschaftlich finden werden, ist mir gut bekannt, und auch die verschieden gearteten Gründe und Einwendungen gegen die hier gemeinte Geisteswissenschaft müssen eigentlich absolviert worden sein von demjenigen, der sie vertritt, ich möchte sagen, aus ihrem eigenen Wesen heraus. Ich kann der Kürze der Zeit wegen auf Einwendungen heute nicht eingehen, kann überhaupt, wenn ich nicht allzu ausführlich werden will — eigentlich müsste ich eine ganze Reihe, einen Zyklus von Vorträgen halten —, nicht mehr als eine kurze, flüchtige Skizze desjenigen geben, was Wesensziel der eben hier gemeinten Geisteswissenschaft ist.

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Dass es sehr viele Persönlichkeiten gibt, die nach den Voraussetzungen ihrer Bildung berufen sind zum Urteile und die dasjenige, was ich mir erlauben werde, am heutigen Abend vorzubringen, nicht wissenschaftlich finden werden, ist mir gut bekannt, und auch die verschieden gearteten Gründe und Einwendungen gegen die hier gemeinte Geisteswissenschaft müssen eigentlich absolviert worden sein von demjenigen, der sie vertritt, ich möchte sagen, aus ihrem eigenen Wesen heraus. Ich kann der Kürze der Zeit wegen auf Einwendungen heute nicht eingehen, kann überhaupt, wenn ich nicht allzu ausführlich werden will — eigentlich müsste ich eine ganze Reihe, einen Zyklus von Vorträgen halten —, nicht mehr als eine kurze, flüchtige Skizze desjenigen geben, was Wesensziel der eben hier gemeinten Geisteswissenschaft ist.

[ 2 ] Nur auf das eine möchte ich von vornherein aufmerksam machen, dass wohl das Ungewohnteste, dasjenige was am meisten Veranlassung gibt, gegen das hier Vorgebrachte Einwendungen zu machen, dieses ist, dass es sich hier nicht handelt um die Erweiterung einer irgendwie gearteten wissenschaftlichen oder sonstigen Erkenntnis nach irgendeiner Richtung hin, in der Art, wie diese Erkenntnis schon ist, sondern dass es sich darum handelt, sehr verehrte Anwesende, eine ganz anders geartete Erkenntnis anstelle beziehungsweise zur Fortsetzung derjenigen auszubilden, welche nach unserem heutigen Zeitbewusstsein den Menschen gewohnt ist. Diese Geisteswissenschaft will zeigen, dass die gewöhnliche, gewohnte Erkenntnis allerdings nicht geeignet ist, einzudringen in diejenige Wirklichkeit der Welt, in welcher wurzeln die Grund- und bedeutungsvollsten Fragen über das menschliche Wesen, die Fragen nach der menschlichen Unsterblichkeit und nach der menschlichen Freiheit.

[ 2 ] Nur auf das eine möchte ich von vornherein aufmerksam machen, dass wohl das Ungewohnteste, dasjenige was am meisten Veranlassung gibt, gegen das hier Vorgebrachte Einwendungen zu machen, dieses ist, dass es sich hier nicht handelt um die Erweiterung einer irgendwie gearteten wissenschaftlichen oder sonstigen Erkenntnis nach irgendeiner Richtung hin, in der Art, wie diese Erkenntnis schon ist, sondern dass es sich darum handelt, sehr verehrte Anwesende, eine ganz anders geartete Erkenntnis anstelle beziehungsweise zur Fortsetzung derjenigen auszubilden, welche nach unserem heutigen Zeitbewusstsein den Menschen gewohnt ist. Diese Geisteswissenschaft will zeigen, dass die gewöhnliche, gewohnte Erkenntnis allerdings nicht geeignet ist, einzudringen in diejenige Wirklichkeit der Welt, in welcher wurzeln die Grund- und bedeutungsvollsten Fragen über das menschliche Wesen, die Fragen nach der menschlichen Unsterblichkeit und nach der menschlichen Freiheit.

[ 3 ] Aber ein anderes liegt vor, das man unbedingt berücksichtigen muss, wenn man in der rechten Art hingelangen will zu dem, was man hier als Geisteswissenschaft behandelt. Es liegt dies vor, dass man, um zu einer anders gearteten Erkenntnis, die erst eindringen kann in solche Fragen wie die erwähnten, dass man, um zu dieser Erkenntnis vorzudringen, zuerst mit seiner ganzen Seele, mit seiner ganzen Erkenntnis und sonstigem menschlichem Ringen nach zwei Seiten hin Erlebnisse gehabt haben muss, nicht bloß Erlebnisse, wie man sie sonst als Erkenntniserlebnisse anerkennt, sondern die wirklich zusammenhängen mit der menschlichen Entwicklung in ihrem tiefsten, bedeutungsvollsten Sinn. Erlebnisse, die gewissermaßen den Menschen zusammenbringen mit all dem, was ihn in Erkenntniseinsamkeiten an die Grenze der Wirklichkeit führt, und so weiter, und so weiter.

[ 3 ] Aber ein anderes liegt vor, das man unbedingt berücksichtigen muss, wenn man in der rechten Art hingelangen will zu dem, was man hier als Geisteswissenschaft behandelt. Es liegt dies vor, dass man, um zu einer anders gearteten Erkenntnis, die erst eindringen kann in solche Fragen wie die erwähnten, dass man, um zu dieser Erkenntnis vorzudringen, zuerst mit seiner ganzen Seele, mit seiner ganzen Erkenntnis und sonstigem menschlichem Ringen nach zwei Seiten hin Erlebnisse gehabt haben muss, nicht bloß Erlebnisse, wie man sie sonst als Erkenntniserlebnisse anerkennt, sondern die wirklich zusammenhängen mit der menschlichen Entwicklung in ihrem tiefsten, bedeutungsvollsten Sinn. Erlebnisse, die gewissermaßen den Menschen zusammenbringen mit all dem, was ihn in Erkenntniseinsamkeiten an die Grenze der Wirklichkeit führt, und so weiter, und so weiter.

[ 4 ] Nach zwei Seiten hin also liegen diese Erlebnisse, sehr verehrte Anwesende. Derjenige, der geisteswissenschaftlich vordringen will, muss erstens erlebt haben, was in unserer Seele gegenüber der Erkenntnissehnsucht vorgehen kann, wenn sie gerade die in unserer Zeit zu so hoher Blüte, zu so ungeheurer Vollkommenheit gelangte Naturerkenntnis sich in der einen oder anderen Weise aneignet oder jedenfalls so, dass sie ein Erlebnis haben kann von dem, was Naturerkenntnis der Seele offenbart, was sie ihr gibt. Naturerkenntnis — ich kann sie ja auch nur anzeigen, charakterisieren. Ich bin nicht geneigt, Naturerkenntnis irgendwie herabzusetzen. Wer in die Geisteswissenschaft eindringt, wird sehen, dass sie namentlich in derjenigen Form, die der neuen Zeit entspricht, Naturwissenschaft anerkennt.

[ 4 ] Nach zwei Seiten hin also liegen diese Erlebnisse, sehr verehrte Anwesende. Derjenige, der geisteswissenschaftlich vordringen will, muss erstens erlebt haben, was in unserer Seele gegenüber der Erkenntnissehnsucht vorgehen kann, wenn sie gerade die in unserer Zeit zu so hoher Blüte, zu so ungeheurer Vollkommenheit gelangte Naturerkenntnis sich in der einen oder anderen Weise aneignet oder jedenfalls so, dass sie ein Erlebnis haben kann von dem, was Naturerkenntnis der Seele offenbart, was sie ihr gibt. Naturerkenntnis — ich kann sie ja auch nur anzeigen, charakterisieren. Ich bin nicht geneigt, Naturerkenntnis irgendwie herabzusetzen. Wer in die Geisteswissenschaft eindringt, wird sehen, dass sie namentlich in derjenigen Form, die der neuen Zeit entspricht, Naturwissenschaft anerkennt.

[ 5 ] Die Naturerkenntnis ist geeignet, bis zu einem gewissen Grade hin in die Wirklichkeit einzudringen. Aber diese Naturerkenntnis kommt zu gewissen Gebieten, auf denen sie Vorstellungen entwickeln muss, und gegenüber diesen Vorstellungen versagt gewöhnlich gerade dasjenige, was die Seele in ihren tiefsten Tiefen als Erkenntnisziel hat. Solche Vorstellungen sind schon die Vorstellungen des Stoffes als Träger des materiellen Daseins, wie sie uns überliefert werden durch Beobachtung der Sinne.

[ 5 ] Die Naturerkenntnis ist geeignet, bis zu einem gewissen Grade hin in die Wirklichkeit einzudringen. Aber diese Naturerkenntnis kommt zu gewissen Gebieten, auf denen sie Vorstellungen entwickeln muss, und gegenüber diesen Vorstellungen versagt gewöhnlich gerade dasjenige, was die Seele in ihren tiefsten Tiefen als Erkenntnisziel hat. Solche Vorstellungen sind schon die Vorstellungen des Stoffes als Träger des materiellen Daseins, wie sie uns überliefert werden durch Beobachtung der Sinne.

[ 6 ] Es wird Ihnen vielleicht bekannt sein, wie viele Denkarbeit, redliche, gewissenhafte, ernste Denkarbeit auf solche Vorstellungen verwendet worden ist, um auf ihren Sinn zu kommen wie die Vorstellung des Stoffes oder der Kraft und dergleichen. Allein derjenige, der nun nicht nur versucht zu spekulieren, zu philosophieren über solche Vorstellungen, sondern der mit seiner Seele verfolgt alles, was die Seele aufbringt, um aus der Erfahrung, dem Denken heraus sich solche Vorstellungen zu bilden, kommt dazu, sich zu sagen: Es liegt einmal in der Natur der Menschheitsorganisation, solche Vorstellungen zu bilden, solche Wechselvorstellungen im Wechsel der Welt zu bilden und dann stehen zu lassen, nicht weiter einzudringen, denn — wie gesagt, ich kann nur Ergebnisse anführen, das Weitere finden Sie in meinen Büchern —, denn der Mensch ist gezwungen, diese Vorstellungen deshalb hinzustellen, um gewissermaßen einen Rückhalt zu haben, das andere Leben, nämlich das Erkenntnisleben zu entwickeln.

[ 6 ] Es wird Ihnen vielleicht bekannt sein, wie viele Denkarbeit, redliche, gewissenhafte, ernste Denkarbeit auf solche Vorstellungen verwendet worden ist, um auf ihren Sinn zu kommen wie die Vorstellung des Stoffes oder der Kraft und dergleichen. Allein derjenige, der nun nicht nur versucht zu spekulieren, zu philosophieren über solche Vorstellungen, sondern der mit seiner Seele verfolgt alles, was die Seele aufbringt, um aus der Erfahrung, dem Denken heraus sich solche Vorstellungen zu bilden, kommt dazu, sich zu sagen: Es liegt einmal in der Natur der Menschheitsorganisation, solche Vorstellungen zu bilden, solche Wechselvorstellungen im Wechsel der Welt zu bilden und dann stehen zu lassen, nicht weiter einzudringen, denn — wie gesagt, ich kann nur Ergebnisse anführen, das Weitere finden Sie in meinen Büchern —, denn der Mensch ist gezwungen, diese Vorstellungen deshalb hinzustellen, um gewissermaßen einen Rückhalt zu haben, das andere Leben, nämlich das Erkenntnisleben zu entwickeln.

[ 7 ] Wie ist es mit solchen Vorstellungen eigentlich? So, wie mit einem Spiegel. Man steht vor einem Spiegel, sehr verehrte Anwesende, und sieht sich darin. Der Spiegel ist notwendig, damit man sich darinnen sieht. So sind gewisse Vorstellungen in unserer Organisation notwendig, damit wir zu anderen Vorstellungen kommen können. Sie sind wie ein seelischer Geistesspiegel da. Wollen wir in derselben Weise wie sonst in unsere äußere Wirklichkeit eindringen in diese Vorstellungen, so ist das so, wie wenn wir den Spiegel zerbrechen wollten, um zu ergründen, was wir darin sehen. So ist es eigentlich gegenüber allen Grenzvorstellungen der Naturerkenntnis.

[ 7 ] Wie ist es mit solchen Vorstellungen eigentlich? So, wie mit einem Spiegel. Man steht vor einem Spiegel, sehr verehrte Anwesende, und sieht sich darin. Der Spiegel ist notwendig, damit man sich darinnen sieht. So sind gewisse Vorstellungen in unserer Organisation notwendig, damit wir zu anderen Vorstellungen kommen können. Sie sind wie ein seelischer Geistesspiegel da. Wollen wir in derselben Weise wie sonst in unsere äußere Wirklichkeit eindringen in diese Vorstellungen, so ist das so, wie wenn wir den Spiegel zerbrechen wollten, um zu ergründen, was wir darin sehen. So ist es eigentlich gegenüber allen Grenzvorstellungen der Naturerkenntnis.

[ 8 ] Wollte man dieselbe Art fortsetzen, würde man in derselben Lage sein, wie wenn man einen Spiegel zerbrechen wollte, um dahinterzukommen, was dahinter ist und was bewirkt, dass man sich darin sieht. Dies ist auch das Erlebnis, das man zuletzt hat, wenn man darüber nachdenkt, was in der Philosophie als ganz sicher genommen wird. Wenn man hinter die Oberfläche der Dinge durch Philosophie und Spekulation vordringen will, ist es, wie wenn man einen Spiegel zerbrechen wollte, um zu entdecken, was man nicht hinter ihm finden wird.

[ 8 ] Wollte man dieselbe Art fortsetzen, würde man in derselben Lage sein, wie wenn man einen Spiegel zerbrechen wollte, um dahinterzukommen, was dahinter ist und was bewirkt, dass man sich darin sieht. Dies ist auch das Erlebnis, das man zuletzt hat, wenn man darüber nachdenkt, was in der Philosophie als ganz sicher genommen wird. Wenn man hinter die Oberfläche der Dinge durch Philosophie und Spekulation vordringen will, ist es, wie wenn man einen Spiegel zerbrechen wollte, um zu entdecken, was man nicht hinter ihm finden wird.

[ 9 ] Nun entsteht für den, der so etwas im unmittelbaren Seelenerleben erschaut, die bedeutungsvolle, wichtige Frage: Womit in der menschlichen Natur hängt das eigentlich zusammen, dass wir notwendig an solche Grenzen kommen müssen, dass wir in der Tat Wesenhaftes vor uns hinstellen müssen, an dem wir eine Widerlage haben, das wir nicht zerbrechen, um mich bildlich auszudrücken, sondern einfach im alltäglichen Bewusstsein stehen lassen müssen? Woher kommt das? Da gelangt man schon, wenn man diese Frage erforscht, an ein bedeutungsvolles menschliches Seelenerlebnis, Seelengeheimnis, man gelangt dazu, zu erkennen, wie etwas im menschlichen Leben, in der ganzen menschlichen Organisation mit dieser Spiegelnatur unserer Naturerkenntnis zusammenhängt. Man kann geisteswissenschaftlich erforschte Fragen des Seelenlebens bis zu einem gewissen Grade beantworten.

[ 9 ] Nun entsteht für den, der so etwas im unmittelbaren Seelenerleben erschaut, die bedeutungsvolle, wichtige Frage: Womit in der menschlichen Natur hängt das eigentlich zusammen, dass wir notwendig an solche Grenzen kommen müssen, dass wir in der Tat Wesenhaftes vor uns hinstellen müssen, an dem wir eine Widerlage haben, das wir nicht zerbrechen, um mich bildlich auszudrücken, sondern einfach im alltäglichen Bewusstsein stehen lassen müssen? Woher kommt das? Da gelangt man schon, wenn man diese Frage erforscht, an ein bedeutungsvolles menschliches Seelenerlebnis, Seelengeheimnis, man gelangt dazu, zu erkennen, wie etwas im menschlichen Leben, in der ganzen menschlichen Organisation mit dieser Spiegelnatur unserer Naturerkenntnis zusammenhängt. Man kann geisteswissenschaftlich erforschte Fragen des Seelenlebens bis zu einem gewissen Grade beantworten.

[ 10 ] Wie wäre das menschliche Seelenleben, wenn es nicht so wäre, wenn man nicht diesen Spiegel vor sich hätte? Man würde ein Element vermissen müssen in diesem menschlichen Seelenleben, das unbedingt notwendig ist für dieses menschliche Leben, für das menschliche Dasein zwischen der Geburt oder der Empfängnis und dem Tode. Wäre die menschliche Erkenntnis so geartet, dass sie untertauchen könnte in diese Grenzvorstellung, so würde die menschliche Seele der Liebe entbehren müssen, der Möglichkeit, aus dem Gefühls-, dem Affektleben heraus dasjenige in Liebe zu erfassen, was sie gerade nur im Spiegel sehen kann. Die Spiegelnatur, die verbunden ist mit unserer äußeren Sinnlichkeit, ist zugleich dasjenige, was in der Seele macht, dass wir nicht grob und unintim der äußeren Wirklichkeit gegenüberstehen, sondern so, dass unsere Gedanken versagen in dem Moment, wo sie trocken und nüchtern die Liebe ertöten. Wir müssen so organisiert sein, dass wir auf dem Wege der gewöhnlichen Sinneserkenntnis oder ihrer Zergliederung nicht weiter kommen, als wir können, damit wir der Liebesfähigkeit nicht entbehren.

[ 10 ] Wie wäre das menschliche Seelenleben, wenn es nicht so wäre, wenn man nicht diesen Spiegel vor sich hätte? Man würde ein Element vermissen müssen in diesem menschlichen Seelenleben, das unbedingt notwendig ist für dieses menschliche Leben, für das menschliche Dasein zwischen der Geburt oder der Empfängnis und dem Tode. Wäre die menschliche Erkenntnis so geartet, dass sie untertauchen könnte in diese Grenzvorstellung, so würde die menschliche Seele der Liebe entbehren müssen, der Möglichkeit, aus dem Gefühls-, dem Affektleben heraus dasjenige in Liebe zu erfassen, was sie gerade nur im Spiegel sehen kann. Die Spiegelnatur, die verbunden ist mit unserer äußeren Sinnlichkeit, ist zugleich dasjenige, was in der Seele macht, dass wir nicht grob und unintim der äußeren Wirklichkeit gegenüberstehen, sondern so, dass unsere Gedanken versagen in dem Moment, wo sie trocken und nüchtern die Liebe ertöten. Wir müssen so organisiert sein, dass wir auf dem Wege der gewöhnlichen Sinneserkenntnis oder ihrer Zergliederung nicht weiter kommen, als wir können, damit wir der Liebesfähigkeit nicht entbehren.

[ 11 ] Ich sage das ausdrücklich: Dadurch, dass wir nach diesen beiden Seiten begrenzt sind, sind wir liebefähig, und so kommt der Geistesforscher durch das unmittelbare Seelenerleben dazu, zu erkennen, dass in der Tat Naturerkenntnis nicht in die wahre Wirklichkeit hineinführen kann, weil eben das Hineintauchen in die gewöhnliche Erkenntnis, in diese wahre Wirklichkeit, im Menschen die Liebesfähigkeit vertrocknen lässt. Dies ist das erste Erlebnis, das man hat, wenn man auf dem Wege der Geisteswissenschaft ist.

[ 11 ] Ich sage das ausdrücklich: Dadurch, dass wir nach diesen beiden Seiten begrenzt sind, sind wir liebefähig, und so kommt der Geistesforscher durch das unmittelbare Seelenerleben dazu, zu erkennen, dass in der Tat Naturerkenntnis nicht in die wahre Wirklichkeit hineinführen kann, weil eben das Hineintauchen in die gewöhnliche Erkenntnis, in diese wahre Wirklichkeit, im Menschen die Liebesfähigkeit vertrocknen lässt. Dies ist das erste Erlebnis, das man hat, wenn man auf dem Wege der Geisteswissenschaft ist.

[ 12 ] Dasjenige, was ich Ihnen jetzt erzählt habe, ergibt sich ausführlicher in meinem Buche «Vom Menschenrätsel». Es ergibt sich als ein unmittelbares wirkliches Erlebnis; das ist das eine. Es gibt sehr viele Menschen, welche sich nicht ganz klar oder mehr oder weniger empfindungsgemäß zu dem Bewusstsein gebracht haben, dass man durch Naturerkenntnis nicht in die Tiefen menschlichen Seelenlebens, überhaupt nicht des Geistesdaseins gelangt. Solche Menschen haben Zweifel bekommen über die Naturerkenntnis und wenden sich dann einer anderen Erkenntnis zu. Diese andere Erkenntnisart gibt das zweite Erlebnis, von dem ich zu sprechen habe, das vorbereitend sein muss für den Geistesforscher. Das Erste ist das Versagen der Naturerkenntnis, das Zweite ist das Versagen auch einer anderen Erkenntnis, die sehr viele Menschen suchen in dem Augenblick, wo sie oft nur instinktiv an der Naturerkenntnis zweifeln. Das ist die Mystik. Unter Mystik ist nur das zu verstehen, was ich selbst charakterisieren werde.

[ 12 ] Dasjenige, was ich Ihnen jetzt erzählt habe, ergibt sich ausführlicher in meinem Buche «Vom Menschenrätsel». Es ergibt sich als ein unmittelbares wirkliches Erlebnis; das ist das eine. Es gibt sehr viele Menschen, welche sich nicht ganz klar oder mehr oder weniger empfindungsgemäß zu dem Bewusstsein gebracht haben, dass man durch Naturerkenntnis nicht in die Tiefen menschlichen Seelenlebens, überhaupt nicht des Geistesdaseins gelangt. Solche Menschen haben Zweifel bekommen über die Naturerkenntnis und wenden sich dann einer anderen Erkenntnis zu. Diese andere Erkenntnisart gibt das zweite Erlebnis, von dem ich zu sprechen habe, das vorbereitend sein muss für den Geistesforscher. Das Erste ist das Versagen der Naturerkenntnis, das Zweite ist das Versagen auch einer anderen Erkenntnis, die sehr viele Menschen suchen in dem Augenblick, wo sie oft nur instinktiv an der Naturerkenntnis zweifeln. Das ist die Mystik. Unter Mystik ist nur das zu verstehen, was ich selbst charakterisieren werde.

[ 13 ] Unter Mystik versteht man im gewöhnlichen Sinne das Sichversenken ins eigene Seelenleben mit den Mitteln, die im alltäglichen Bewusstsein vorhanden sind. Man will dabei stehen bleiben, aber man versucht, die Aufmerksamkeit abzuwenden von der sinnlichen Außenwelt, man versucht, gewissermaßen blind und taub zu werden dagegen, sich hinunterzuversenken in dasjenige, was man im eigenen Seelenleben erleben kann. Diese mystische Erkenntnis wird von vielen als sehr befriedigend bezeichnet, da der Weg des Äußeren nicht in die Geheimnisse des Daseins führt, nicht zum Kern führt. Was man Philosophie nennt, ist ein Zwitterding. Viele Glieder der philosophischen Erkenntnis neigen zu dem hin, was ich hier mystisch nenne, andere zur Naturerkenntnis. Jeder kann, wenn er den Meister Eckehart oder andere Mystiker auf sich wirken lässt, durch das Untertauchen sich eine Erkenntnis verschaffen.

[ 13 ] Unter Mystik versteht man im gewöhnlichen Sinne das Sichversenken ins eigene Seelenleben mit den Mitteln, die im alltäglichen Bewusstsein vorhanden sind. Man will dabei stehen bleiben, aber man versucht, die Aufmerksamkeit abzuwenden von der sinnlichen Außenwelt, man versucht, gewissermaßen blind und taub zu werden dagegen, sich hinunterzuversenken in dasjenige, was man im eigenen Seelenleben erleben kann. Diese mystische Erkenntnis wird von vielen als sehr befriedigend bezeichnet, da der Weg des Äußeren nicht in die Geheimnisse des Daseins führt, nicht zum Kern führt. Was man Philosophie nennt, ist ein Zwitterding. Viele Glieder der philosophischen Erkenntnis neigen zu dem hin, was ich hier mystisch nenne, andere zur Naturerkenntnis. Jeder kann, wenn er den Meister Eckehart oder andere Mystiker auf sich wirken lässt, durch das Untertauchen sich eine Erkenntnis verschaffen.

[ 14 ] Das Erlebnis erzeugt, dass man auf diesem Wege, indem man mit dem gewöhnlichen Bewusstsein, mag es nun mehr oder weniger wissenschaftlich, mystisch oder religiös gemeint sein, niedertaucht in die Tiefen des Seelenlebens, auch nicht zu befriedigenderen Resultaten kommt wie auf dem äußerlichen Wege der Naturerkenntnis. Man wird, wenn man ehrlich ist, wenn man volle Besonnenheit hat, wenn man kein Schwärmer, kein Phantast ist, man wird bei höherer Selbsterkenntnis auf dem mystischen Wege sich immer sagen können: Es mischt sich etwas herein, was man da innerlich in der Versenkung erlebt, was zusammenhängt mit dem subjektiven Erleben, was nicht hinunterdringt unter die Gründe des subjektiven menschlichen Willens, was gefärbt ist von dem, was er ausgestaltet, und sagt sich zuletzt: Auch auf diesem Wege dringt man nicht weiter als zu Bildern, zu sehr deutsamen, oft innerlich erschütternden Bildern vielleicht, die aufsteigen aus einem innigen Zusammenleben mit dem Kern der Welt, aber doch eigentlich nur zu Bildern. Man lernt erkennen den Bildcharakter als mystisches Erleben, gerade wenn man voll realer Besonnenheit mystisch vordringen will im menschlichen Erleben.

[ 14 ] Das Erlebnis erzeugt, dass man auf diesem Wege, indem man mit dem gewöhnlichen Bewusstsein, mag es nun mehr oder weniger wissenschaftlich, mystisch oder religiös gemeint sein, niedertaucht in die Tiefen des Seelenlebens, auch nicht zu befriedigenderen Resultaten kommt wie auf dem äußerlichen Wege der Naturerkenntnis. Man wird, wenn man ehrlich ist, wenn man volle Besonnenheit hat, wenn man kein Schwärmer, kein Phantast ist, man wird bei höherer Selbsterkenntnis auf dem mystischen Wege sich immer sagen können: Es mischt sich etwas herein, was man da innerlich in der Versenkung erlebt, was zusammenhängt mit dem subjektiven Erleben, was nicht hinunterdringt unter die Gründe des subjektiven menschlichen Willens, was gefärbt ist von dem, was er ausgestaltet, und sagt sich zuletzt: Auch auf diesem Wege dringt man nicht weiter als zu Bildern, zu sehr deutsamen, oft innerlich erschütternden Bildern vielleicht, die aufsteigen aus einem innigen Zusammenleben mit dem Kern der Welt, aber doch eigentlich nur zu Bildern. Man lernt erkennen den Bildcharakter als mystisches Erleben, gerade wenn man voll realer Besonnenheit mystisch vordringen will im menschlichen Erleben.

[ 15 ] Und so sieht man sich auch da an eine bestimmte Grenze gestellt. Was ist es in der menschlichen Organisation, was notwendig macht, dass man auch mit der mystischen Erkenntnis an eine Grenze kommt? Was würde dem Menschen fehlen, wenn er nach dem Ideal gewisser Mystiker durch diese Versenkung in das Innere seiner Seele so untertauchen könnte, dass er zusammenstieße mit dem wesenhaften Kern des Daseins, wo auch der Kern unseres Seelenlebens liegt? So, wie wir früher der Liebesfähigkeit ermangeln mussten, so würde uns nun eine andere Seelenfähigkeit nicht eigen sein können, wenn wir durch mystische Versenkung zum Kern des eigenen Daseins und dem der Welt vordringen können; da würde eine bedeutungsvolle, unentbehrliche Seelenfähigkeit nicht da sein, das ist die Erinnerungsfähigkeit. Wir würden auf dem Weg, den wir mit all dem, was wir aus der Welt erfahren, wenn wir mit dem vordringen würden zum Kern des Daseins, wir würden nicht stoßen können in unserer Seele auf diejenige Kraft, die uns erinnerungsfähig macht als Menschenwesen. Wir müssen auseinandergehalten haben durch unsere Organisation unser Vorstellen, unser Wahrnehmen von unserem Gefühl und Willen, denn da ist mitten hinein die Erinnerungsfähigkeit gestellt. Indem wir uns in uns selber versenken, müssen wir uns erinnern können.

[ 15 ] Und so sieht man sich auch da an eine bestimmte Grenze gestellt. Was ist es in der menschlichen Organisation, was notwendig macht, dass man auch mit der mystischen Erkenntnis an eine Grenze kommt? Was würde dem Menschen fehlen, wenn er nach dem Ideal gewisser Mystiker durch diese Versenkung in das Innere seiner Seele so untertauchen könnte, dass er zusammenstieße mit dem wesenhaften Kern des Daseins, wo auch der Kern unseres Seelenlebens liegt? So, wie wir früher der Liebesfähigkeit ermangeln mussten, so würde uns nun eine andere Seelenfähigkeit nicht eigen sein können, wenn wir durch mystische Versenkung zum Kern des eigenen Daseins und dem der Welt vordringen können; da würde eine bedeutungsvolle, unentbehrliche Seelenfähigkeit nicht da sein, das ist die Erinnerungsfähigkeit. Wir würden auf dem Weg, den wir mit all dem, was wir aus der Welt erfahren, wenn wir mit dem vordringen würden zum Kern des Daseins, wir würden nicht stoßen können in unserer Seele auf diejenige Kraft, die uns erinnerungsfähig macht als Menschenwesen. Wir müssen auseinandergehalten haben durch unsere Organisation unser Vorstellen, unser Wahrnehmen von unserem Gefühl und Willen, denn da ist mitten hinein die Erinnerungsfähigkeit gestellt. Indem wir uns in uns selber versenken, müssen wir uns erinnern können.

[ 16 ] Wir sehen, zwei schon erschütternde Erlebnisse sind es, von denen vorbereitend der Geistesforscher ausgehen muss, und der Geistesforscher muss den Mut haben, sich nun zu sagen: Dies sind im Wesentlichen auch die zwei Wege, auf denen man mit dem gewöhnlichen Bewusstsein irgendwie vordringen kann. Er muss auch den Mut haben, dieses gewöhnliche Bewusstsein umzugestalten, ihm einen andern Charakter zu geben, gewissermaßen aus diesem gewöhnlichen Bewusstsein heraus ein anderes, höheres Bewusstsein zu erwecken, welches sich verhält zum gewöhnlichen Bewusstsein wie das gewöhnliche sich zum Schlafbewusstsein verhält. Wir wissen, wie ergreifend die Seele um die Kraft ringt, einen Unterschied zu machen zwischen dem, was in der Wirklichkeit ist, und dem, was im Traume ist. Es ist notwendig das Aufwachen aus dem gewöhnlichen Bewusstsein, das wir vom Morgen bis zum Abend für unser Wissen brauchen, zu einem höheren Bewusstsein, und nur darin lässt sich erleben dasjenige, was mit den eigentlichen Rätseln der menschlichen Seele zusammenhängt.

[ 16 ] Wir sehen, zwei schon erschütternde Erlebnisse sind es, von denen vorbereitend der Geistesforscher ausgehen muss, und der Geistesforscher muss den Mut haben, sich nun zu sagen: Dies sind im Wesentlichen auch die zwei Wege, auf denen man mit dem gewöhnlichen Bewusstsein irgendwie vordringen kann. Er muss auch den Mut haben, dieses gewöhnliche Bewusstsein umzugestalten, ihm einen andern Charakter zu geben, gewissermaßen aus diesem gewöhnlichen Bewusstsein heraus ein anderes, höheres Bewusstsein zu erwecken, welches sich verhält zum gewöhnlichen Bewusstsein wie das gewöhnliche sich zum Schlafbewusstsein verhält. Wir wissen, wie ergreifend die Seele um die Kraft ringt, einen Unterschied zu machen zwischen dem, was in der Wirklichkeit ist, und dem, was im Traume ist. Es ist notwendig das Aufwachen aus dem gewöhnlichen Bewusstsein, das wir vom Morgen bis zum Abend für unser Wissen brauchen, zu einem höheren Bewusstsein, und nur darin lässt sich erleben dasjenige, was mit den eigentlichen Rätseln der menschlichen Seele zusammenhängt.

[ 17 ] Man sehe nur auf die Unsterblichkeitsfrage hin, sehr verehrte Anwesende. Sie ist heute wirklich wiederum in die Erkenntnissehnsucht der Menschen hineingestellt, und da die Menschen heute gewöhnt geworden sind, wissenschaftliche Anforderungen an solche Fragen zu stellen, sich nicht mehr mit der traditionellen Art zufriedengeben wollen, ist es wissenschaftliche Aufgabe, solche Fragen zu erörtern wie die Unsterblichkeitsfrage. Sehr viele Menschen täuschen sich. Mancher versucht oftmals, irgendwie einen mehr oder weniger philosophisch oder mehr oder weniger dilettantisch gearteten Beweis zu führen, dass etwas in der menschlichen Wesenheit lebt, das den Tod überdauert, aber damit ist es nicht genug, sehr verehrte Anwesende.

[ 17 ] Man sehe nur auf die Unsterblichkeitsfrage hin, sehr verehrte Anwesende. Sie ist heute wirklich wiederum in die Erkenntnissehnsucht der Menschen hineingestellt, und da die Menschen heute gewöhnt geworden sind, wissenschaftliche Anforderungen an solche Fragen zu stellen, sich nicht mehr mit der traditionellen Art zufriedengeben wollen, ist es wissenschaftliche Aufgabe, solche Fragen zu erörtern wie die Unsterblichkeitsfrage. Sehr viele Menschen täuschen sich. Mancher versucht oftmals, irgendwie einen mehr oder weniger philosophisch oder mehr oder weniger dilettantisch gearteten Beweis zu führen, dass etwas in der menschlichen Wesenheit lebt, das den Tod überdauert, aber damit ist es nicht genug, sehr verehrte Anwesende.

[ 18 ] Man muss sich klarmachen: Wer nur Beweise liefern kann, dass etwas den Tod überdauert, der hat für die Unsterblichkeitsfrage eigentlich nichts Besonderes getan. Denn dasjenige, um was es zu tun ist, was in dieser Frage liegt, ist, ob, wenn der Mensch seinen physischen Leib abgelegt [hat], mit seinem Seelenwesen weiterhin, ohne dass er physisch lebt, ein hohes Bewusstsein verbunden ist. Alles Übrige sind untergeordnete Fragen. Zum Beispiel, ob irgendein ätherisches Fluid, ein Nebelwesen als Seele weiterlebt, kann den Mensch nicht interessieren, wenn er nicht vordringen kann zur Erkenntnis, dass das Weiterleben bewusst ist, dass ein Bewusstsein möglich ist ohne Organisation des Leibes; denn das ist der Geisteswissenschaft und der Naturwissenschaft klar, dass unser gewöhnliches Bewusstsein, das alltägliche, so innig verknüpft ist mit der physischen Lebensorganisation, dass man von einem Funktionieren, einem Kraften dieses gewöhnlichen Bewusstseins nur sprechen kann, wenn dieses Bewusstsein von der Leibesorganisation getragen ist.

[ 18 ] Man muss sich klarmachen: Wer nur Beweise liefern kann, dass etwas den Tod überdauert, der hat für die Unsterblichkeitsfrage eigentlich nichts Besonderes getan. Denn dasjenige, um was es zu tun ist, was in dieser Frage liegt, ist, ob, wenn der Mensch seinen physischen Leib abgelegt [hat], mit seinem Seelenwesen weiterhin, ohne dass er physisch lebt, ein hohes Bewusstsein verbunden ist. Alles Übrige sind untergeordnete Fragen. Zum Beispiel, ob irgendein ätherisches Fluid, ein Nebelwesen als Seele weiterlebt, kann den Mensch nicht interessieren, wenn er nicht vordringen kann zur Erkenntnis, dass das Weiterleben bewusst ist, dass ein Bewusstsein möglich ist ohne Organisation des Leibes; denn das ist der Geisteswissenschaft und der Naturwissenschaft klar, dass unser gewöhnliches Bewusstsein, das alltägliche, so innig verknüpft ist mit der physischen Lebensorganisation, dass man von einem Funktionieren, einem Kraften dieses gewöhnlichen Bewusstseins nur sprechen kann, wenn dieses Bewusstsein von der Leibesorganisation getragen ist.

[ 19 ] Dem Geistesforscher also obliegt es, zu zeigen, dass ein Bewusstsein ohne physisches Leben möglich ist. Nun, sehr verehrte Anwesende, ich möchte gewissermaßen zur Einschaltung Sie hinweisen auf manches, was uns unterstützen kann im Verständnis des Folgenden, das ich gerade zeige, wie die Naturerkenntnis, auch wenn sie sich redlich bemüht, auch in Bezug auf die menschliche Seele zu einem gewissen Punkt nur kommt und nicht hinauskann. Ich könnte Hundert und Hunderte von Beispielen anführen, die nach derselben Richtung laufen würden. Ich will ein Beispiel aus der Literatur anführen, damit nachgeprüft werden kann, ein Beispiel das Sie verzeichnet finden unter dem Titel «Über das unterbewusste Ich» von Waldstein, das in Wiesbaden erschien. Waldstein führt ein Erlebnis an, durch das sich ihm eine Art von Grenze naturwissenschaftlicher Beobachtung enthüllt, dem Geistesforscher aber viel mehr.

[ 19 ] Dem Geistesforscher also obliegt es, zu zeigen, dass ein Bewusstsein ohne physisches Leben möglich ist. Nun, sehr verehrte Anwesende, ich möchte gewissermaßen zur Einschaltung Sie hinweisen auf manches, was uns unterstützen kann im Verständnis des Folgenden, das ich gerade zeige, wie die Naturerkenntnis, auch wenn sie sich redlich bemüht, auch in Bezug auf die menschliche Seele zu einem gewissen Punkt nur kommt und nicht hinauskann. Ich könnte Hundert und Hunderte von Beispielen anführen, die nach derselben Richtung laufen würden. Ich will ein Beispiel aus der Literatur anführen, damit nachgeprüft werden kann, ein Beispiel das Sie verzeichnet finden unter dem Titel «Über das unterbewusste Ich» von Waldstein, das in Wiesbaden erschien. Waldstein führt ein Erlebnis an, durch das sich ihm eine Art von Grenze naturwissenschaftlicher Beobachtung enthüllt, dem Geistesforscher aber viel mehr.

[ 20 ] Er stand einmal als Naturforscher vor dem Schaufenster eines Buchhändlers. Sein Blick fiel auf ein Buch, das den Titel zeigte «Mollusken». Der Naturforscher muss, indem er das Titelblatt ansieht, lächeln, ist sich aber keines Grundes bewusst, dass er lächeln muss, indem er den Buchtitel «Mollusken» liest. Da nimmt er folgende Zuflucht, um hinter die Sache zu kommen. Er schließt die Augen und gibt recht acht auf dasjenige, was er nun hören kann, und er hört fern einen Leierkasten, der spielt gerade kaum hörbar eine Melodie, bei welcher der Beobachter, der lächeln muss, in ganz frühen Jahren tanzen gelernt hat; ist sich bewusst, dass er damals nicht auf die Melodie achtgegeben, nur auf die Schritte, die er lernen musste, und auf das, was er mit seiner Partnerin erlebte; aber nach Jahrzehnten, wo er vor dem Molluskenbuch steht, kommt ihm die Reminiszenz aus den Tiefen der Seele. Dieser Ton, der damals nicht ganz deutlich aufgenommen wurde, kommt in der Seele herauf und verursacht ein Lächeln.

[ 20 ] Er stand einmal als Naturforscher vor dem Schaufenster eines Buchhändlers. Sein Blick fiel auf ein Buch, das den Titel zeigte «Mollusken». Der Naturforscher muss, indem er das Titelblatt ansieht, lächeln, ist sich aber keines Grundes bewusst, dass er lächeln muss, indem er den Buchtitel «Mollusken» liest. Da nimmt er folgende Zuflucht, um hinter die Sache zu kommen. Er schließt die Augen und gibt recht acht auf dasjenige, was er nun hören kann, und er hört fern einen Leierkasten, der spielt gerade kaum hörbar eine Melodie, bei welcher der Beobachter, der lächeln muss, in ganz frühen Jahren tanzen gelernt hat; ist sich bewusst, dass er damals nicht auf die Melodie achtgegeben, nur auf die Schritte, die er lernen musste, und auf das, was er mit seiner Partnerin erlebte; aber nach Jahrzehnten, wo er vor dem Molluskenbuch steht, kommt ihm die Reminiszenz aus den Tiefen der Seele. Dieser Ton, der damals nicht ganz deutlich aufgenommen wurde, kommt in der Seele herauf und verursacht ein Lächeln.

[ 21 ] Solche Dinge muss der Geistesforscher ganz besonders berücksichtigen, denn sie zeigen, welche Vorsicht man haben muss. Mancher Mensch glaubt, Mystiker zu sein und gerade durch die Versenkung in die Seele dies oder jenes zu erleben. Was heraufkommt, ist oftmals nur der längst entschwundene Orgelton, den man nur für ein tief mystisches Erlebnis nimmt, weil sich solche Dinge auch umgestalten.

[ 21 ] Solche Dinge muss der Geistesforscher ganz besonders berücksichtigen, denn sie zeigen, welche Vorsicht man haben muss. Mancher Mensch glaubt, Mystiker zu sein und gerade durch die Versenkung in die Seele dies oder jenes zu erleben. Was heraufkommt, ist oftmals nur der längst entschwundene Orgelton, den man nur für ein tief mystisches Erlebnis nimmt, weil sich solche Dinge auch umgestalten.

[ 22 ] Viele Beispiele könnte man erzählen, wo Mystiker, die sich recht tiefsinnig finden, Ihnen allerlei erzählen von inneren Erlebnissen, die sie an die Grenze der Geister führen und nichts sind als ein alter Leierkasten. Aber gerade an solchen Erlebnissen findet man, sehr verehrte Anwesende, die ganze Bedeutung desjenigen, was menschliche Erinnerung ist. Es wird Ihnen ja vielleicht bekannt sein, dass wir unser Selbstbewusstsein nicht entfalten können ohne Erinnerung. Das Selbstbewusstsein hängt sehr stark zusammen mit der kontinuierlichen Erinnerungsfähigkeit. Aber die Erinnerungsfähigkeit ist zugleich eine solche, die sehr häufig mit den unterbewussten, mit den sogenannten unbewussten Seelenkräften unseres Seelenlebens zusammenhängt. Da ist es nun besonders wichtig, darauf zu achten, dass die Geisteswissenschaft, die in die Geisteswirklichkeit eindringen will, von vornherein sich klar ist, dass alles dasjenige, was mit der gewöhnlichen Erinnerungsfähigkeit zusammenhängt, überhaupt nicht zur Erkenntnis der geistigen Welt führt. Dass wir erkennen, dass wir an eine bestimmte Grenze geführt werden, über die wir hinausmüssen, wenn wir in die Geisteswelt wollen, ergibt ganz bestimmte Schwierigkeiten, die so liegen, dass viele Menschen sagen: Was so ein Geistesforscher sagt, ist nicht zu glauben. Das wird gesagt, weil das, was er sagt, sehr weit abliegt vom gewöhnlich eingelaufenen Denken, an das die Menschen schon einmal gewöhnt sind.

[ 22 ] Viele Beispiele könnte man erzählen, wo Mystiker, die sich recht tiefsinnig finden, Ihnen allerlei erzählen von inneren Erlebnissen, die sie an die Grenze der Geister führen und nichts sind als ein alter Leierkasten. Aber gerade an solchen Erlebnissen findet man, sehr verehrte Anwesende, die ganze Bedeutung desjenigen, was menschliche Erinnerung ist. Es wird Ihnen ja vielleicht bekannt sein, dass wir unser Selbstbewusstsein nicht entfalten können ohne Erinnerung. Das Selbstbewusstsein hängt sehr stark zusammen mit der kontinuierlichen Erinnerungsfähigkeit. Aber die Erinnerungsfähigkeit ist zugleich eine solche, die sehr häufig mit den unterbewussten, mit den sogenannten unbewussten Seelenkräften unseres Seelenlebens zusammenhängt. Da ist es nun besonders wichtig, darauf zu achten, dass die Geisteswissenschaft, die in die Geisteswirklichkeit eindringen will, von vornherein sich klar ist, dass alles dasjenige, was mit der gewöhnlichen Erinnerungsfähigkeit zusammenhängt, überhaupt nicht zur Erkenntnis der geistigen Welt führt. Dass wir erkennen, dass wir an eine bestimmte Grenze geführt werden, über die wir hinausmüssen, wenn wir in die Geisteswelt wollen, ergibt ganz bestimmte Schwierigkeiten, die so liegen, dass viele Menschen sagen: Was so ein Geistesforscher sagt, ist nicht zu glauben. Das wird gesagt, weil das, was er sagt, sehr weit abliegt vom gewöhnlich eingelaufenen Denken, an das die Menschen schon einmal gewöhnt sind.

[ 23 ] Die Menschen sind gewöhnt, so zu denken, dass in all ihr Denkleben hineinstrahlt dasjenige, was von der Erinnerung getragen ist. Ich sagte, der Geistesforscher muss den Mut haben, eine andere Erkenntnisart zu entwickeln. Auf zwei Wegen erreicht er sie. Dadurch dass der Mensch sich fähig macht, solch ein Seelendasein zu führen, das mit Anschluss der Erinnerung für eine Zeit — man kann nicht den ganzen Tag Geistesforscher sein — in seiner Seele solche Kraft entwickelt, die diese Seele bestimmt, sie in Bewegung versetzt, aber ohne dass in Anspruch genommen wird die Erinnerungsfähigkeit. Wodurch wird diese erlangt? Diese wird erlangt durch eine ganz bestimmte Art von meditativem Leben. Das ist schon eine Art von innerer Versenkung, aber unter ganz bestimmten Voraussetzungen. Im gewöhnlichen Alltagsbewusstsein wirkt die Seelenkraft, indem wir äußere Wahrnehmungen machen und indem wir unsere Vorstellungen bilden über das, was unserer Durchsicht zukommt. Im sinnlichen Wahrnehmen und Vorstellungsleben bringt sich das zur Offenbarung, was uns mit der Wirklichkeit nach einer Seite hin verbindet.

[ 23 ] Die Menschen sind gewöhnt, so zu denken, dass in all ihr Denkleben hineinstrahlt dasjenige, was von der Erinnerung getragen ist. Ich sagte, der Geistesforscher muss den Mut haben, eine andere Erkenntnisart zu entwickeln. Auf zwei Wegen erreicht er sie. Dadurch dass der Mensch sich fähig macht, solch ein Seelendasein zu führen, das mit Anschluss der Erinnerung für eine Zeit — man kann nicht den ganzen Tag Geistesforscher sein — in seiner Seele solche Kraft entwickelt, die diese Seele bestimmt, sie in Bewegung versetzt, aber ohne dass in Anspruch genommen wird die Erinnerungsfähigkeit. Wodurch wird diese erlangt? Diese wird erlangt durch eine ganz bestimmte Art von meditativem Leben. Das ist schon eine Art von innerer Versenkung, aber unter ganz bestimmten Voraussetzungen. Im gewöhnlichen Alltagsbewusstsein wirkt die Seelenkraft, indem wir äußere Wahrnehmungen machen und indem wir unsere Vorstellungen bilden über das, was unserer Durchsicht zukommt. Im sinnlichen Wahrnehmen und Vorstellungsleben bringt sich das zur Offenbarung, was uns mit der Wirklichkeit nach einer Seite hin verbindet.

[ 24 ] Derjenige, der bestimmte seelische Übungen macht, welche geeignet sind, in einem gewissen Sinne in eines zusammenzufassen, was sonst in Wahrnehmen und Vorstellen zusammengezogen ist, zu ganz anderer Art des Vorstellens, der Erkenntnisfähigkeit gelangt er. Man muss, um diese Übungen zu machen, eben versuchen, solche Vorstellungen im Bewusstsein rege zu machen, sie in das Bewusstsein hereinzubringen, welche man möglichst überschauen kann. Dazu ist notwendig, dass man ganz sicher ist, dass diese Vorstellungen nicht herausgenommen sein können aus der gewöhnlichen, auch nicht aus der unterbewussten Erinnerung. Derjenige, der Übungen machen will, tut gut, sie sich raten zu lassen oder sonst in der Literatur der Geisteswissenschaften sie aufzusuchen. Man kann es annähernd machen, und das führt zum Ziel, aber man muss darauf sehen, dass man voll überschaut, was im Bewusstsein anwesend ist. Es müssen aber auch nicht abstrakte Gedanken sein, die sinnbildlich mit der äußeren Wirklichkeit zusammenhängen; [sie] sollen nichts Äußerliches abbilden, denn was ein äußerliches Abbild ist, ist mit der Erinnerung verknüpft. Wir müssen zum Beispiel die Vorstellung vom flutenden Licht anwesend sein lassen in unserem Bewusstsein. Und wenn man auf solche Übungen immer wieder zurückkommt, wenn man es dahin bringt, dass die ganze Kraft der Seele sich konzentrieren kann meditativ auf solche Vorstellungen, die man voll überschaut, wo man sich ganz klar ist darüber: Da wirkt nur das ins Bewusstsein hinein, wo keine Erinnerung ist, was man in der Gegenwart zusammengestellt hat —, unmittelbar wird eine Art von Denken kommen, die zugleich in sich schließt, was die Seele errichten muss gegen die äußeren Wahrnehmungen. Man wird blind und taub gegen sie, aber man verrichtet dieselbe Tätigkeit, die sonst in den äußeren Wahrnehmungen verrichtet wird.

[ 24 ] Derjenige, der bestimmte seelische Übungen macht, welche geeignet sind, in einem gewissen Sinne in eines zusammenzufassen, was sonst in Wahrnehmen und Vorstellen zusammengezogen ist, zu ganz anderer Art des Vorstellens, der Erkenntnisfähigkeit gelangt er. Man muss, um diese Übungen zu machen, eben versuchen, solche Vorstellungen im Bewusstsein rege zu machen, sie in das Bewusstsein hereinzubringen, welche man möglichst überschauen kann. Dazu ist notwendig, dass man ganz sicher ist, dass diese Vorstellungen nicht herausgenommen sein können aus der gewöhnlichen, auch nicht aus der unterbewussten Erinnerung. Derjenige, der Übungen machen will, tut gut, sie sich raten zu lassen oder sonst in der Literatur der Geisteswissenschaften sie aufzusuchen. Man kann es annähernd machen, und das führt zum Ziel, aber man muss darauf sehen, dass man voll überschaut, was im Bewusstsein anwesend ist. Es müssen aber auch nicht abstrakte Gedanken sein, die sinnbildlich mit der äußeren Wirklichkeit zusammenhängen; [sie] sollen nichts Äußerliches abbilden, denn was ein äußerliches Abbild ist, ist mit der Erinnerung verknüpft. Wir müssen zum Beispiel die Vorstellung vom flutenden Licht anwesend sein lassen in unserem Bewusstsein. Und wenn man auf solche Übungen immer wieder zurückkommt, wenn man es dahin bringt, dass die ganze Kraft der Seele sich konzentrieren kann meditativ auf solche Vorstellungen, die man voll überschaut, wo man sich ganz klar ist darüber: Da wirkt nur das ins Bewusstsein hinein, wo keine Erinnerung ist, was man in der Gegenwart zusammengestellt hat —, unmittelbar wird eine Art von Denken kommen, die zugleich in sich schließt, was die Seele errichten muss gegen die äußeren Wahrnehmungen. Man wird blind und taub gegen sie, aber man verrichtet dieselbe Tätigkeit, die sonst in den äußeren Wahrnehmungen verrichtet wird.

[ 25 ] So gelangt man zu einem Vorstellen, das mit den Mitteln der Wahrnehmung arbeitet, zu einer Art Zusammenschluss von Wahrnehmungskraft und Denkkraft. Und wenn man das immer mehr herausbildet, merkt man: In der Seele steigt auf etwas, was früher nicht da war. Man lernt neue Seiten am Menschen kennen, die in den Tiefen der Seele geschlummert haben, lernt in der menschlichen Seelennatur das Hinweggehen der gewöhnlichen Gesinnung, aber die Erkenntnis, «die Zeit werde zum Raum», das Merkwürdige tritt auf, dass man auf das, was man erlebt hat, wie zurückschauen kann. Die gewöhnliche Erinnerung, die an das gewöhnliche Tagesbewusstsein gebunden ist, zeigt: Das Erlebnis ist vergangen, wir stellen das Erlebnis neu vor, indem wir es in der Erinnerung wieder haben, wir können nicht zurückschauen auf das Erlebnis.

[ 25 ] So gelangt man zu einem Vorstellen, das mit den Mitteln der Wahrnehmung arbeitet, zu einer Art Zusammenschluss von Wahrnehmungskraft und Denkkraft. Und wenn man das immer mehr herausbildet, merkt man: In der Seele steigt auf etwas, was früher nicht da war. Man lernt neue Seiten am Menschen kennen, die in den Tiefen der Seele geschlummert haben, lernt in der menschlichen Seelennatur das Hinweggehen der gewöhnlichen Gesinnung, aber die Erkenntnis, «die Zeit werde zum Raum», das Merkwürdige tritt auf, dass man auf das, was man erlebt hat, wie zurückschauen kann. Die gewöhnliche Erinnerung, die an das gewöhnliche Tagesbewusstsein gebunden ist, zeigt: Das Erlebnis ist vergangen, wir stellen das Erlebnis neu vor, indem wir es in der Erinnerung wieder haben, wir können nicht zurückschauen auf das Erlebnis.

[ 26 ] Wenn man solche Übungen getrieben hat, ist die Vergangenheit vorhanden, man schaut in die Zeit hinein, eine neue Seelenfähigkeit tritt auf, eine neue Wirklichkeit. Gelangt man dazu, das Geistige im Sinnlichen zu schauen, bevor man entdeckt, dass dasjenige, was nur in der Erinnerungsfähigkeit als vergangen erscheint, was geistig immer geschaut werden kann, da ist, dann, sehr verehrte Anwesende, kann auf diese Art vorgedrungen sein zu dieser neuen Art von Erkenntnisfähigkeit, dann gelangt man dazu, immer mehr zu fühlen, was als neues Selbstbewusstsein bezeichnet werden kann.

[ 26 ] Wenn man solche Übungen getrieben hat, ist die Vergangenheit vorhanden, man schaut in die Zeit hinein, eine neue Seelenfähigkeit tritt auf, eine neue Wirklichkeit. Gelangt man dazu, das Geistige im Sinnlichen zu schauen, bevor man entdeckt, dass dasjenige, was nur in der Erinnerungsfähigkeit als vergangen erscheint, was geistig immer geschaut werden kann, da ist, dann, sehr verehrte Anwesende, kann auf diese Art vorgedrungen sein zu dieser neuen Art von Erkenntnisfähigkeit, dann gelangt man dazu, immer mehr zu fühlen, was als neues Selbstbewusstsein bezeichnet werden kann.

[ 27 ] Dieses neue Selbstbewusstsein muss man erlebt haben, wenn man einen annähernden Begriff davon haben will. Geisteswissenschaftliche Vorträge werden von manchen mit Recht schwieriger gefunden als andere, weil unsere Worte nur für das Sinnliche geprägt sind und daher unsere Worte wenig passen für das Übersinnliche. Allein der Geistesforscher ist eben gezwungen, Worte in einem anderen als dem gewöhnlichen Sinne zu gebrauchen. Er muss Worte durch Gebärden gebrauchen, muss hindeuten auf dasjenige, was in der Seele vorgeht. Worte sind seelische Gebärden. Er muss auf Empfänglichkeit rechnen jeder Menschenseele, die in dem Unbewussten ruht. Auf die Art gelangt man zu einer neuen Art von Selbstbewusstsein. Jetzt erst bekommt man eine lebensmäßige Vorstellung davon, was es heißt, sich in seinem seelischen, geistigen Leben unabhängig von der Leibesorganisation zu erleben. Wieso? Wie man den Tisch außer sich hat, so hat man in diesem Erlebnis die eigene Leibesorganisation außer sich. Man erlebt sich ganz gewiss in einem Selbstbewusstsein, das unabhängig ist von der Leibesorganisation.

[ 27 ] Dieses neue Selbstbewusstsein muss man erlebt haben, wenn man einen annähernden Begriff davon haben will. Geisteswissenschaftliche Vorträge werden von manchen mit Recht schwieriger gefunden als andere, weil unsere Worte nur für das Sinnliche geprägt sind und daher unsere Worte wenig passen für das Übersinnliche. Allein der Geistesforscher ist eben gezwungen, Worte in einem anderen als dem gewöhnlichen Sinne zu gebrauchen. Er muss Worte durch Gebärden gebrauchen, muss hindeuten auf dasjenige, was in der Seele vorgeht. Worte sind seelische Gebärden. Er muss auf Empfänglichkeit rechnen jeder Menschenseele, die in dem Unbewussten ruht. Auf die Art gelangt man zu einer neuen Art von Selbstbewusstsein. Jetzt erst bekommt man eine lebensmäßige Vorstellung davon, was es heißt, sich in seinem seelischen, geistigen Leben unabhängig von der Leibesorganisation zu erleben. Wieso? Wie man den Tisch außer sich hat, so hat man in diesem Erlebnis die eigene Leibesorganisation außer sich. Man erlebt sich ganz gewiss in einem Selbstbewusstsein, das unabhängig ist von der Leibesorganisation.

[ 28 ] Nun ist allerdings eine zweite Übung notwendig. Man erlangt zunächst, wenn man solche Übungen macht, nur dieses Selbstbewusstsein, und darin fühlt man sich beengt, eingespannt in ein seelisches Dasein. Es ist so, wie wenn man wüsste, man hat Augen, sie haben aber nicht die durchsichtige Glasflüssigkeit. Man fühlt dann die Augen in sich, aber sich durch das Auge nicht verbunden mit der objektiven Welt. So erwacht zunächst das Selbstbewusstsein; man fühlt sich aber wie in einer seelischen Trübung, aber man fühlt sich nicht verbunden mit der seelischen Außenwelt. Man steht darin, das weiß man, aber das Selbstbewusstsein muss erst durchsichtig werden. Dazu gelangt man durch weitere Übungen. Man erkennt sehr bald, wenn man solches Denken, das zugleich ein Wahrnehmen ist, entwickelt, dass man sich stürzt in eine Bilderwelt; man hat das neue Selbstbewusstsein nicht bloß wie einen Erlebnisboden, sondern lebt in einer Bilderwelt. Sie strömt einem nur so zu, man wird aber in seinem Selbstbewusstsein undurchsichtig.

[ 28 ] Nun ist allerdings eine zweite Übung notwendig. Man erlangt zunächst, wenn man solche Übungen macht, nur dieses Selbstbewusstsein, und darin fühlt man sich beengt, eingespannt in ein seelisches Dasein. Es ist so, wie wenn man wüsste, man hat Augen, sie haben aber nicht die durchsichtige Glasflüssigkeit. Man fühlt dann die Augen in sich, aber sich durch das Auge nicht verbunden mit der objektiven Welt. So erwacht zunächst das Selbstbewusstsein; man fühlt sich aber wie in einer seelischen Trübung, aber man fühlt sich nicht verbunden mit der seelischen Außenwelt. Man steht darin, das weiß man, aber das Selbstbewusstsein muss erst durchsichtig werden. Dazu gelangt man durch weitere Übungen. Man erkennt sehr bald, wenn man solches Denken, das zugleich ein Wahrnehmen ist, entwickelt, dass man sich stürzt in eine Bilderwelt; man hat das neue Selbstbewusstsein nicht bloß wie einen Erlebnisboden, sondern lebt in einer Bilderwelt. Sie strömt einem nur so zu, man wird aber in seinem Selbstbewusstsein undurchsichtig.

[ 29 ] Man muss sich jetzt durch weitere Übungen die Fähigkeit erwerben, die anstürmenden Bilder wiederum zu unterdrücken. Das erlangt man dadurch, dass man immer mehr seinen Willen stärkt. Dass man ihn so stärkt — der sonst nur auf Äußeres gerichtet ist —, dass er nun auf die eigene Entwicklung gerichtet ist, darauf gerichtet ist, zum Beispiel strenge Selbsterziehung zu üben, zu bewirken, dass man dasjenige, was man erlebt hat, klar sieht, dass man den Willen nach innen leitet, dass man Vorstellungen und auch die Bilder unterdrücken kann, dass man ihrer Herr wird im neuen Selbstbewusstsein; dadurch wird es durchsichtig und gelangt dahin, nur — allerdings gibt das nur das Erleben — die wirklich geistige Welt zu schauen, die ebenso wahr da ist vor der menschlichen Seele wie vor dem Auge die Farbenwelt, vor dem Ohre die Tonwelt, eine Welt geistiger Wesenheiten, geistiger Vorgänge, der wir mit dem seelischen Wesen so angehören, wie wir mit dem leiblichen angehören der äußerlichen, durch die Sinne wahrgenommenen Welt.

[ 29 ] Man muss sich jetzt durch weitere Übungen die Fähigkeit erwerben, die anstürmenden Bilder wiederum zu unterdrücken. Das erlangt man dadurch, dass man immer mehr seinen Willen stärkt. Dass man ihn so stärkt — der sonst nur auf Äußeres gerichtet ist —, dass er nun auf die eigene Entwicklung gerichtet ist, darauf gerichtet ist, zum Beispiel strenge Selbsterziehung zu üben, zu bewirken, dass man dasjenige, was man erlebt hat, klar sieht, dass man den Willen nach innen leitet, dass man Vorstellungen und auch die Bilder unterdrücken kann, dass man ihrer Herr wird im neuen Selbstbewusstsein; dadurch wird es durchsichtig und gelangt dahin, nur — allerdings gibt das nur das Erleben — die wirklich geistige Welt zu schauen, die ebenso wahr da ist vor der menschlichen Seele wie vor dem Auge die Farbenwelt, vor dem Ohre die Tonwelt, eine Welt geistiger Wesenheiten, geistiger Vorgänge, der wir mit dem seelischen Wesen so angehören, wie wir mit dem leiblichen angehören der äußerlichen, durch die Sinne wahrgenommenen Welt.

[ 30 ] Das ist der Weg, wie man auf der einen Seite hingelangt in die Geisteswelt. Das muss ein Erlebnis sein, das sich stützt auf die Resultatlosigkeit der bloßen Naturwissenschaft und der bloßen Mystik. Da gelangt man dahin, die Welt als reine Geistigkeit zu erfassen, dass man dann dasjenige, was ich genannt habe das Vergangene, das in der Zeit Lebende, anschaubar behält. Dass man die Anschauung erweitert, ergibt sich ganz naturgemäß, erweitert über die Grenzen der Geburt oder der Empfängnis hinaus. Wie der Mensch hinaufforscht zu seinen Ahnen, hinaufblickt, so blickt er durch seine innere Seele zur Geistesforschung, was in der Geisteswelt lebte und weste, bevor der Mensch sich der Welt bewusst wurde. Der Geistesforscher geht anders vor als der Naturforscher, der Geistesforscher muss einen Weg zeigen, nicht Resultate wie der Naturforscher.

[ 30 ] Das ist der Weg, wie man auf der einen Seite hingelangt in die Geisteswelt. Das muss ein Erlebnis sein, das sich stützt auf die Resultatlosigkeit der bloßen Naturwissenschaft und der bloßen Mystik. Da gelangt man dahin, die Welt als reine Geistigkeit zu erfassen, dass man dann dasjenige, was ich genannt habe das Vergangene, das in der Zeit Lebende, anschaubar behält. Dass man die Anschauung erweitert, ergibt sich ganz naturgemäß, erweitert über die Grenzen der Geburt oder der Empfängnis hinaus. Wie der Mensch hinaufforscht zu seinen Ahnen, hinaufblickt, so blickt er durch seine innere Seele zur Geistesforschung, was in der Geisteswelt lebte und weste, bevor der Mensch sich der Welt bewusst wurde. Der Geistesforscher geht anders vor als der Naturforscher, der Geistesforscher muss einen Weg zeigen, nicht Resultate wie der Naturforscher.

[ 31 ] Ich habe Ihnen geschildert den Weg, den die menschliche Seele nehmen muss in streng geregelter Weise, um das Vorgeburtliche, Geistige, Seelische in sich selber zu erkennen. Alle Spekulationen über die Unsterblichkeit müssen zuletzt zu unbefriedigenden Resultaten führen, wenn man das Unsterbliche als Ziel sucht, nach dem man strebt. Man kann das nicht, alle Spekulation versagt. Man findet auf dem einen Weg das vorgeburtliche Seelenwesen, das in uns lebt und wahr aus der Geisteswelt hereinkommt, wie das, was physisch in uns lebt von unseren Eltern. Dieses bedeutsame Erlebnis wird insbesondere erschütternd für die Seele, wenn diese Seele einmal dazu kommt, nun wirklich zu durchschauen, wie dieses vorgeburtliche Leben, dieses geistige, seelische Dasein zusammenhängt mit den Dingen, die wir sonst um uns herum haben im gewöhnlichen Bewusstsein.

[ 31 ] Ich habe Ihnen geschildert den Weg, den die menschliche Seele nehmen muss in streng geregelter Weise, um das Vorgeburtliche, Geistige, Seelische in sich selber zu erkennen. Alle Spekulationen über die Unsterblichkeit müssen zuletzt zu unbefriedigenden Resultaten führen, wenn man das Unsterbliche als Ziel sucht, nach dem man strebt. Man kann das nicht, alle Spekulation versagt. Man findet auf dem einen Weg das vorgeburtliche Seelenwesen, das in uns lebt und wahr aus der Geisteswelt hereinkommt, wie das, was physisch in uns lebt von unseren Eltern. Dieses bedeutsame Erlebnis wird insbesondere erschütternd für die Seele, wenn diese Seele einmal dazu kommt, nun wirklich zu durchschauen, wie dieses vorgeburtliche Leben, dieses geistige, seelische Dasein zusammenhängt mit den Dingen, die wir sonst um uns herum haben im gewöhnlichen Bewusstsein.

[ 32 ] Ich rede nicht gern, wenn ich von geistesforscherischen Dingen rede, von persönlichen Erlebnissen. Aber alle diese Dinge sind persönliche Erlebnisse, die bis zur Objektivität getrieben sind. Ich muss gestehen, dass es zu dem Allererschütterndsten meines inneren Seelenerlebens auf diesem Gebiete gehörte, als ich einmal, ich möchte sagen, als eine Offenbarung aus der Geistwelt erschaute mit dem menschlichen Denken, dem Vorstellen, als ich es so geübt hatte wie geschildert, unser vorgeburtliches, rein in der geistigen Welt zugebrachtes menschliches Seelendasein. Aus dem Erleben heraus offenbart sich das vorgeburtliche Seelenerleben. Wenn man es dahin bringt, immer mehr seine Übungen so zu gestalten, dass womöglich gar nichts von Abstraktem darin liegt, sondern ganz sich in das Bild hineinlebt, wenn man es dahin bringt, dass die Art, wie man lebt, zu solcher Lebendigkeit erwacht, wie sonst nur das Erleben der Sinneswahrnehmung ist, wenn man so lebhaft in der Seele lebt wie sonst nur in der Sinneswahrnehmung, dann kommt, so sonderbar es für das heutige Denken ist, die Anschauungserkenntnis, dann wird das vorherige Erdenleben erfahren, das vorgeburtliche, rein geistige Leben wird erfahren, das durch den letzten der Gedanken hindurchdringt, die geistige Wirklichkeit, was schon früher seine physische Wirklichkeit war. Wenn der Mensch es dazu bringt, durch die Erkraftung seines Seelenlebens so kräftig zu denken, dass sein Denken, trotzdem er nichts Äußerliches wahrnimmt, mit Lebhaftigkeit die Wahrheit des vorigen Lebens schaut, wie er sonst nur in Lebhaftigkeit hinschaut auf Blumen und Pflanzen, ihre Farbe und ihr Wachstum, das ist erschütternd.

[ 32 ] Ich rede nicht gern, wenn ich von geistesforscherischen Dingen rede, von persönlichen Erlebnissen. Aber alle diese Dinge sind persönliche Erlebnisse, die bis zur Objektivität getrieben sind. Ich muss gestehen, dass es zu dem Allererschütterndsten meines inneren Seelenerlebens auf diesem Gebiete gehörte, als ich einmal, ich möchte sagen, als eine Offenbarung aus der Geistwelt erschaute mit dem menschlichen Denken, dem Vorstellen, als ich es so geübt hatte wie geschildert, unser vorgeburtliches, rein in der geistigen Welt zugebrachtes menschliches Seelendasein. Aus dem Erleben heraus offenbart sich das vorgeburtliche Seelenerleben. Wenn man es dahin bringt, immer mehr seine Übungen so zu gestalten, dass womöglich gar nichts von Abstraktem darin liegt, sondern ganz sich in das Bild hineinlebt, wenn man es dahin bringt, dass die Art, wie man lebt, zu solcher Lebendigkeit erwacht, wie sonst nur das Erleben der Sinneswahrnehmung ist, wenn man so lebhaft in der Seele lebt wie sonst nur in der Sinneswahrnehmung, dann kommt, so sonderbar es für das heutige Denken ist, die Anschauungserkenntnis, dann wird das vorherige Erdenleben erfahren, das vorgeburtliche, rein geistige Leben wird erfahren, das durch den letzten der Gedanken hindurchdringt, die geistige Wirklichkeit, was schon früher seine physische Wirklichkeit war. Wenn der Mensch es dazu bringt, durch die Erkraftung seines Seelenlebens so kräftig zu denken, dass sein Denken, trotzdem er nichts Äußerliches wahrnimmt, mit Lebhaftigkeit die Wahrheit des vorigen Lebens schaut, wie er sonst nur in Lebhaftigkeit hinschaut auf Blumen und Pflanzen, ihre Farbe und ihr Wachstum, das ist erschütternd.

[ 33 ] Eine Eigenschaft dieser hellseherischen Erkenntnis, dieser schauenden Erkenntnis ist eben das Folgende. Sie haben gesehen, es muss eine Erkenntnisart ausgebildet werden, welche an die Erinnerungsfähigkeit gar nicht appelliert. Wenn der Geistesforscher einmal ein solches Erlebnis hat, kann er sich nicht im gewöhnlichen Sinne erinnern. Es ist ein gegenwärtiges Erlebnis, die Erinnerung hört auf. Die Übungen führen den Geistesforscher dahin, dass schon in der Entstehung seiner Vorstellungen an die Erinnerung nicht appelliert wird; er kann sich auch nicht und nie auf die gewöhnliche Erinnerung verlassen, durch die er in die Geisteswelt hineinschaut. Wenn wir ein zweites Mal die entsprechende Anschauung in der Geisteswelt haben wollen, dürfen wir uns nicht erinnern an die Anschauung selbst, sondern an den Weg, den wir dazu gemacht haben. Das ist dasjenige, was für Anfänger furchtbar enttäuschend ist. Sie kommen durch Übungen, wie sie in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» dargelegt sind, zuerst zu geistigen Erlebnissen. Sie glauben dann, sie haben es als bleibenden Besitz, man kann sich aber nicht daran erinnern und die Wiederholung ist immer schwierig, weil man größere Anstrengungen machen muss, um die geistige Anschauung wieder zu haben.

[ 33 ] Eine Eigenschaft dieser hellseherischen Erkenntnis, dieser schauenden Erkenntnis ist eben das Folgende. Sie haben gesehen, es muss eine Erkenntnisart ausgebildet werden, welche an die Erinnerungsfähigkeit gar nicht appelliert. Wenn der Geistesforscher einmal ein solches Erlebnis hat, kann er sich nicht im gewöhnlichen Sinne erinnern. Es ist ein gegenwärtiges Erlebnis, die Erinnerung hört auf. Die Übungen führen den Geistesforscher dahin, dass schon in der Entstehung seiner Vorstellungen an die Erinnerung nicht appelliert wird; er kann sich auch nicht und nie auf die gewöhnliche Erinnerung verlassen, durch die er in die Geisteswelt hineinschaut. Wenn wir ein zweites Mal die entsprechende Anschauung in der Geisteswelt haben wollen, dürfen wir uns nicht erinnern an die Anschauung selbst, sondern an den Weg, den wir dazu gemacht haben. Das ist dasjenige, was für Anfänger furchtbar enttäuschend ist. Sie kommen durch Übungen, wie sie in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» dargelegt sind, zuerst zu geistigen Erlebnissen. Sie glauben dann, sie haben es als bleibenden Besitz, man kann sich aber nicht daran erinnern und die Wiederholung ist immer schwierig, weil man größere Anstrengungen machen muss, um die geistige Anschauung wieder zu haben.

[ 34 ] Ich habe Ihnen geschildert gewisse Übungen, durch die die Seele in eine ganz andere Verfassung kommt, durch die eine andere Art von Erkenntnis entwickelt wird, durch die man fähig wird, in das Ewige der Menschenseele hineinzuschauen. Mit diesen Übungen ist etwas anderes verknüpft. Wenn man die vorbereitenden Wege wirklich durchgemacht hat, die Eingeschränktheit der Naturerkenntnis und der Mystik erlebt hat, wenn man dies alles wirklich in seiner Seele durchlebt hat, kommt man dahin, sich allmählich zu sagen: Du musst noch immer mehr Anstrengungen machen, um zu einer ganz anderen Art von Seelenorganisation zu kommen. Man muss dann weiter fortschreiten durch weitere Ausgestaltung der Übungen zu etwas, was einem in einem gewissen Sinne Aufklärung bringt über gewisse Sachen, ein inneres Erlebnis, das verbunden ist mit anderen Erlebnissen, die man in der Naturerkenntnis und Mystik macht. Man fühlt sich getrennt von dem, was innerlich rein leiblich — in der Mystik — dem Denken, Fühlen, Wollen, Vorstellen zugrunde liegt. Das ist das Eigentümliche. Wenn man solche Übungen macht, wird man näher gerückt auch dem materiellen Leben, und durch das Durchschauen klärt sich einem das geistige Leben auf.

[ 34 ] Ich habe Ihnen geschildert gewisse Übungen, durch die die Seele in eine ganz andere Verfassung kommt, durch die eine andere Art von Erkenntnis entwickelt wird, durch die man fähig wird, in das Ewige der Menschenseele hineinzuschauen. Mit diesen Übungen ist etwas anderes verknüpft. Wenn man die vorbereitenden Wege wirklich durchgemacht hat, die Eingeschränktheit der Naturerkenntnis und der Mystik erlebt hat, wenn man dies alles wirklich in seiner Seele durchlebt hat, kommt man dahin, sich allmählich zu sagen: Du musst noch immer mehr Anstrengungen machen, um zu einer ganz anderen Art von Seelenorganisation zu kommen. Man muss dann weiter fortschreiten durch weitere Ausgestaltung der Übungen zu etwas, was einem in einem gewissen Sinne Aufklärung bringt über gewisse Sachen, ein inneres Erlebnis, das verbunden ist mit anderen Erlebnissen, die man in der Naturerkenntnis und Mystik macht. Man fühlt sich getrennt von dem, was innerlich rein leiblich — in der Mystik — dem Denken, Fühlen, Wollen, Vorstellen zugrunde liegt. Das ist das Eigentümliche. Wenn man solche Übungen macht, wird man näher gerückt auch dem materiellen Leben, und durch das Durchschauen klärt sich einem das geistige Leben auf.

[ 35 ] Man hat gewisse Begriffe von dem, was Vorstellungen, Ideen-Haben ist. Allein wie viele gewissenhafte Forschungen sind angestellt worden, um dahinterzukommen, wie dieses Denken, das Vorstellungen, Wahrnehmungen hat, zusammenhängt mit dem Leiblichen. Durch Übungen, die ich geschildert habe, kommt man dazu, gewissermaßen näher gerückt zu sein mit seinem Seelischen, Geistigen, auch dem leiblichen Körper.

[ 35 ] Man hat gewisse Begriffe von dem, was Vorstellungen, Ideen-Haben ist. Allein wie viele gewissenhafte Forschungen sind angestellt worden, um dahinterzukommen, wie dieses Denken, das Vorstellungen, Wahrnehmungen hat, zusammenhängt mit dem Leiblichen. Durch Übungen, die ich geschildert habe, kommt man dazu, gewissermaßen näher gerückt zu sein mit seinem Seelischen, Geistigen, auch dem leiblichen Körper.

[ 36 ] Das Vorstellen erlebt man in anderer Weise, sehr verehrte Anwesende. Indem man Vorstellungen, Gedanken entwickelt, hungert das Gehirn, man erlebt mit dem Gedankenhaben ein Hungerhaben des Gehirns und man erlebt dann, dass es wahrhaftig zu einfach vorgestellt war, wie der landläufige Darwinismus sich Gedanken über die menschliche Organisation macht. So ist es nicht; der Mensch ist ein kompliziertes Wesen, und es gibt gewisse Gleichgewichts- und Ungleichgewichtszustände zwischen seinen einzelnen Organisationsgliedern. Wenn sie gedankenfähig sind, wird unser Gehirn freilich in solche Verfassung kommen, dass es in rückläufiger Bewegung ist, dass es hungert, und ohne dass das Gehirn, indem der andere Leib in normaler Ernährung ist, weniger ernährt ist, in größerem Hunger ist, kann sich kein waches Gedankenleben entwickeln.

[ 36 ] Das Vorstellen erlebt man in anderer Weise, sehr verehrte Anwesende. Indem man Vorstellungen, Gedanken entwickelt, hungert das Gehirn, man erlebt mit dem Gedankenhaben ein Hungerhaben des Gehirns und man erlebt dann, dass es wahrhaftig zu einfach vorgestellt war, wie der landläufige Darwinismus sich Gedanken über die menschliche Organisation macht. So ist es nicht; der Mensch ist ein kompliziertes Wesen, und es gibt gewisse Gleichgewichts- und Ungleichgewichtszustände zwischen seinen einzelnen Organisationsgliedern. Wenn sie gedankenfähig sind, wird unser Gehirn freilich in solche Verfassung kommen, dass es in rückläufiger Bewegung ist, dass es hungert, und ohne dass das Gehirn, indem der andere Leib in normaler Ernährung ist, weniger ernährt ist, in größerem Hunger ist, kann sich kein waches Gedankenleben entwickeln.

[ 37 ] Das hängt auch mit etwas zusammen, was man immer nachprüfen kann. Gewisse Leute, welche mystische Erlebnisse auf falschem Weg suchen, fangen zu hungern an. Sie wollen den ganzen Körper aushungern und hungern auch das Gehirn aus, das schon mehr Hunger hat als die anderen Glieder. Durch rein seelische Übungen gelangt man schon zu der Erkenntnis, dass das Hungergefühl in der menschlichen Gehirnorganisation notwendig ist. Dadurch kommt man dazu, zu erkennen, dass das seelische, geistige Leben wirklich in seiner Selbstständigkeit durch unsere Gehirnnerven leben, da sein kann, denn wir entwickeln nicht das Organleben zum Denken, Vorstellen, wir stimmen es herab, unterbrechen das Organleben. Das was tierisches physisches Leben ausmacht, müssen wir herabstimmen, nicht ausgestalten, damit wir Gedanken, Vorstellungen haben. Im Nervensystem muss Platz gemacht werden für das selbstständige, geistige, seelische Leben. Auf das wird die Naturwissenschaft sehr bald kommen. Die Anfänge sind schon da, dass die physische Organisation des Menschen selbst so ist, dass man das selbstständige geistige Seelenleben zugeben muss. Das Gehirn untergräbt das sprossende, sprießende Leben, macht Platz für die Entwicklung des Geistigen.

[ 37 ] Das hängt auch mit etwas zusammen, was man immer nachprüfen kann. Gewisse Leute, welche mystische Erlebnisse auf falschem Weg suchen, fangen zu hungern an. Sie wollen den ganzen Körper aushungern und hungern auch das Gehirn aus, das schon mehr Hunger hat als die anderen Glieder. Durch rein seelische Übungen gelangt man schon zu der Erkenntnis, dass das Hungergefühl in der menschlichen Gehirnorganisation notwendig ist. Dadurch kommt man dazu, zu erkennen, dass das seelische, geistige Leben wirklich in seiner Selbstständigkeit durch unsere Gehirnnerven leben, da sein kann, denn wir entwickeln nicht das Organleben zum Denken, Vorstellen, wir stimmen es herab, unterbrechen das Organleben. Das was tierisches physisches Leben ausmacht, müssen wir herabstimmen, nicht ausgestalten, damit wir Gedanken, Vorstellungen haben. Im Nervensystem muss Platz gemacht werden für das selbstständige, geistige, seelische Leben. Auf das wird die Naturwissenschaft sehr bald kommen. Die Anfänge sind schon da, dass die physische Organisation des Menschen selbst so ist, dass man das selbstständige geistige Seelenleben zugeben muss. Das Gehirn untergräbt das sprossende, sprießende Leben, macht Platz für die Entwicklung des Geistigen.

[ 38 ] Das andere ist das Kennenlernen des anderen Poles der menschlichen Organisation. Wie das Gehirnleben der eine Pol ist — siehe im letzten Kapitel über die «Seelenrätsel» —, ist der andere Pol dasjenige Leben, das mit seiner Bewegungsfähigkeit als physisches Leben mit seinem Willen zusammenhängt. Der Mensch ist nicht so einfach organisiert, wie die gewöhnliche Naturwissenschaft glaubt. Während das Gehirn rückgebildet ist im wachen Leben, ist ein anderer Pol seiner Organisation überentwickelt. Das sprossende, sprießende Leben über die Normalgrenze hinaus ist dasjenige, was mit der Extremität der Dinge zusammenhängt, mit Arm, Hand, Fuß, Bein. Aber nicht nur mit den äußeren Füßen, Beinen, sondern auch mit der Fortsetzung nach dem Innern hinein.

[ 38 ] Das andere ist das Kennenlernen des anderen Poles der menschlichen Organisation. Wie das Gehirnleben der eine Pol ist — siehe im letzten Kapitel über die «Seelenrätsel» —, ist der andere Pol dasjenige Leben, das mit seiner Bewegungsfähigkeit als physisches Leben mit seinem Willen zusammenhängt. Der Mensch ist nicht so einfach organisiert, wie die gewöhnliche Naturwissenschaft glaubt. Während das Gehirn rückgebildet ist im wachen Leben, ist ein anderer Pol seiner Organisation überentwickelt. Das sprossende, sprießende Leben über die Normalgrenze hinaus ist dasjenige, was mit der Extremität der Dinge zusammenhängt, mit Arm, Hand, Fuß, Bein. Aber nicht nur mit den äußeren Füßen, Beinen, sondern auch mit der Fortsetzung nach dem Innern hinein.

[ 39 ] Das was mit diesem andern Pol der Menschheitsorganisation zusammenhängt, ist nun nicht so, dass man es wie im Hungergefühl empfindet, sondern das empfindet man in Übersättigung, in Überleben, man empfindet es so, dass, während der Mensch in seinem Körper- und Nervenleben gewissermaßen unter die Normalorganisation seines Rumpflebens zurückgeht, [er] dadurch Wachvorstellungen hat, Wahrnehmungen macht. Die äußeren Organe sind im Überwachstum. Man braucht bloß anatomisch, physiologisch die Extremitäten zusammenhängen zu sehen mit den anderen Organen des Menschen und wird physisch den Zusammenhang mit der menschlichen Fortpflanzungsfähigkeit erkennen. Dem entspricht ein Geistig-Seelisches. Das Nervenorgan wird als normale Unterernährung erlebt.

[ 39 ] Das was mit diesem andern Pol der Menschheitsorganisation zusammenhängt, ist nun nicht so, dass man es wie im Hungergefühl empfindet, sondern das empfindet man in Übersättigung, in Überleben, man empfindet es so, dass, während der Mensch in seinem Körper- und Nervenleben gewissermaßen unter die Normalorganisation seines Rumpflebens zurückgeht, [er] dadurch Wachvorstellungen hat, Wahrnehmungen macht. Die äußeren Organe sind im Überwachstum. Man braucht bloß anatomisch, physiologisch die Extremitäten zusammenhängen zu sehen mit den anderen Organen des Menschen und wird physisch den Zusammenhang mit der menschlichen Fortpflanzungsfähigkeit erkennen. Dem entspricht ein Geistig-Seelisches. Das Nervenorgan wird als normale Unterernährung erlebt.

[ 40 ] In dem Willensorgan lebt als Geistig-Seelisches dasjenige, was nunmehr, wenn cs ausgebildet werden soll, so ausgebildet wird, dass man wieder andere Übungen macht. Sie bestehen darin, dass man gerade das Gefühlsund das Willensleben Regeln unterwirft wie vorhin bezüglich des Vorstellungs- und Wahrnehmungslebens. Wenn man auf etwas sieht, worauf im gewöhnlichen Leben nicht gesehen wird, dann wird das Ziel erreicht. Der Mensch kann sich mit voller Klarheit an das erinnern, was er erlebt hat, er schaut in der Erinnerung wahrnehmungsgemäß das, was er erlebt hat, auch andere Gedanken, die er gehabt hat; an Stimmungen, Seelenverfassungen erinnert man sich nicht so.

[ 40 ] In dem Willensorgan lebt als Geistig-Seelisches dasjenige, was nunmehr, wenn cs ausgebildet werden soll, so ausgebildet wird, dass man wieder andere Übungen macht. Sie bestehen darin, dass man gerade das Gefühlsund das Willensleben Regeln unterwirft wie vorhin bezüglich des Vorstellungs- und Wahrnehmungslebens. Wenn man auf etwas sieht, worauf im gewöhnlichen Leben nicht gesehen wird, dann wird das Ziel erreicht. Der Mensch kann sich mit voller Klarheit an das erinnern, was er erlebt hat, er schaut in der Erinnerung wahrnehmungsgemäß das, was er erlebt hat, auch andere Gedanken, die er gehabt hat; an Stimmungen, Seelenverfassungen erinnert man sich nicht so.

[ 41 ] Das muss aber ausgebildet werden. Der Mensch muss ausbilden nicht nur diejenigen Seelenfähigkeiten, die sonst zur Erinnerung führen, sondern das Überschauen solcher Dinge, wie zum Beispiel, dass man sich sagt: Ich war einmal 17 Jahre alt und muss mir gegenwärtig machen können die Seelenverfassungen, die ich damals hatte. Die Seelenstimmungen kommen wieder herauf; da findet man, wie man solche Stimmungen zwischen Geburt und Gegenwartsleben verfolgen kann, man überschaut seine Stimmungen. Da entwickelt sich etwas man kann es mit innerer Seelenmusik vergleichen. Wie in der Musik zusammentönt der vorangehende mit dem folgenden Ton, so tönen in eigentümlicher Weise frühere Seelenstimmungen in spätere hinein, auch spätere tönen in die früheren zurück. Man erkennt, wie man sich entwickelt, wie die früheren Teile des Seelenlebens später Früchte tragen. Man muss sich so anschauen in dem, worin man sich sonst nicht anschaut, was im Menschen lebt wie der Keim, der in künftigen Jahren lebt, leben wird in der diesjährigen Pflanze. Im Menschen lebt dasjenige, was über seine Individualität hinausgeht, das andere Glied der Unsterblichkeit, das über den Tod hinausgeht. Die Unsterblichkeit muss man erkennen, wie man die zweite Seite [erkennt]. So wie man die erste Seite erkennt durch Vorstellung und Wahrnehmung, so dasjenige, was man wird im nachtodlichen Leben: Das kann man nur erschauen, wenn man das Gefühls- und Willensleben ausbildet. Dadurch gelangt man zur Ausbildung anderer Willensfähigkeiten.

[ 41 ] Das muss aber ausgebildet werden. Der Mensch muss ausbilden nicht nur diejenigen Seelenfähigkeiten, die sonst zur Erinnerung führen, sondern das Überschauen solcher Dinge, wie zum Beispiel, dass man sich sagt: Ich war einmal 17 Jahre alt und muss mir gegenwärtig machen können die Seelenverfassungen, die ich damals hatte. Die Seelenstimmungen kommen wieder herauf; da findet man, wie man solche Stimmungen zwischen Geburt und Gegenwartsleben verfolgen kann, man überschaut seine Stimmungen. Da entwickelt sich etwas man kann es mit innerer Seelenmusik vergleichen. Wie in der Musik zusammentönt der vorangehende mit dem folgenden Ton, so tönen in eigentümlicher Weise frühere Seelenstimmungen in spätere hinein, auch spätere tönen in die früheren zurück. Man erkennt, wie man sich entwickelt, wie die früheren Teile des Seelenlebens später Früchte tragen. Man muss sich so anschauen in dem, worin man sich sonst nicht anschaut, was im Menschen lebt wie der Keim, der in künftigen Jahren lebt, leben wird in der diesjährigen Pflanze. Im Menschen lebt dasjenige, was über seine Individualität hinausgeht, das andere Glied der Unsterblichkeit, das über den Tod hinausgeht. Die Unsterblichkeit muss man erkennen, wie man die zweite Seite [erkennt]. So wie man die erste Seite erkennt durch Vorstellung und Wahrnehmung, so dasjenige, was man wird im nachtodlichen Leben: Das kann man nur erschauen, wenn man das Gefühls- und Willensleben ausbildet. Dadurch gelangt man zur Ausbildung anderer Willensfähigkeiten.

[ 42 ] Die Erinnerungsfähigkeit muss, während man Geistesforscher ist, unterdrückt werden. Während wir sie in der Geisteswissenschaft zurückdrängen müssen, nur in die Gegenwart schauen dürfen, die Erinnerung zurückdrängen, wird die Liebesfähigkeit, das Gefühls- und Willensleben sich nach innen schlechtweg erhöhen; in den Momenten, wo der Mensch eindringen will in die nachtodliche geistige Welt, wird auch entwickelt seine größere Liebefähigkeit, und sie muss entwickelt werden, sonst würde der Mensch als Gast in die Geisteswelt hineinblicken, und das wäre von Übel. Die Liebefähigkeit wird erhöht, die Erinnerungsfähigkeit tritt zurück.

[ 42 ] Die Erinnerungsfähigkeit muss, während man Geistesforscher ist, unterdrückt werden. Während wir sie in der Geisteswissenschaft zurückdrängen müssen, nur in die Gegenwart schauen dürfen, die Erinnerung zurückdrängen, wird die Liebesfähigkeit, das Gefühls- und Willensleben sich nach innen schlechtweg erhöhen; in den Momenten, wo der Mensch eindringen will in die nachtodliche geistige Welt, wird auch entwickelt seine größere Liebefähigkeit, und sie muss entwickelt werden, sonst würde der Mensch als Gast in die Geisteswelt hineinblicken, und das wäre von Übel. Die Liebefähigkeit wird erhöht, die Erinnerungsfähigkeit tritt zurück.

[ 43 ] Ich habe vor 25 Jahren damit begonnen, die Liebefähigkeit des Menschen im Zusammenhang philosophisch zu erforschen mit dem Problem der menschlichen Freiheit. Ich musste dazumal — [in der] «Philosophie der Freiheit» — gewissermaßen brechen mit den landläufigen Aussprüchen in Bezug auf Liebe. Immer wird gesagt: «Die Liebe macht die Menschen blind»; ich glaube, mit Recht geltend machen zu dürfen: Wahre Liebefähigkeit macht den Menschen hellsichtig, führt den Menschen gerade recht in die Tiefe des geliebten Menschen hinein. Allerdings, die gewöhnliche Liebe ist sehr häufig nur verbunden mit einem gewissen Egoismus. Wir lieben ein anderes, fremdes Wesen, aber wir möchten es doch oftmals anders haben, kritteln an ihm herum, wir möchten dasjenige, was wir sehen wollten, aus dem Wesen machen. Das ist noch nicht die Liebe, die eigentlich im höchsten Sinne dieses Namens würdig ist. Wirklich ist sie nur dann vorhanden, wenn man sich selbst vergisst.

[ 43 ] Ich habe vor 25 Jahren damit begonnen, die Liebefähigkeit des Menschen im Zusammenhang philosophisch zu erforschen mit dem Problem der menschlichen Freiheit. Ich musste dazumal — [in der] «Philosophie der Freiheit» — gewissermaßen brechen mit den landläufigen Aussprüchen in Bezug auf Liebe. Immer wird gesagt: «Die Liebe macht die Menschen blind»; ich glaube, mit Recht geltend machen zu dürfen: Wahre Liebefähigkeit macht den Menschen hellsichtig, führt den Menschen gerade recht in die Tiefe des geliebten Menschen hinein. Allerdings, die gewöhnliche Liebe ist sehr häufig nur verbunden mit einem gewissen Egoismus. Wir lieben ein anderes, fremdes Wesen, aber wir möchten es doch oftmals anders haben, kritteln an ihm herum, wir möchten dasjenige, was wir sehen wollten, aus dem Wesen machen. Das ist noch nicht die Liebe, die eigentlich im höchsten Sinne dieses Namens würdig ist. Wirklich ist sie nur dann vorhanden, wenn man sich selbst vergisst.

[ 44 ] Der Geistesforscher muss das Selbstvergessen so weit treiben, dass das Selbstbewusstsein außerhalb des Leibes entwickelt wird. Dadurch wird gerade die Liebesfähigkeit erhöht, und wir gelangen dazu, immer mehr nicht nur das fremde menschliche Wesen nun wirklich in selbstloser Liebe hellsichtig zu durchschauen, sondern auch Handlungen zu vollführen, die nicht aus unseren Trieben, Instinkten kommen, nicht aus dem, was wir wünschen, sondern wir kommen aus reiner Liebe zur Handlung, aus der einsichtigen Liebe, dass eine Handlung geschehen muss, dass wir uns beim Wollen ganz ausschließen. Wenn wir nur aus der Liebe zur Handlung handeln, dann nähern wir uns einer solchen Liebefähigkeit, die noch gesteigert werden muss übungsmäßig — [siehe meine] «Erkenntnisse höherer Welten». Man gelangt dazu, eine Seelenfähigkeit zu entwickeln, die fähig wird, wirklich zu schauen. Der Mensch hat auch geistig, seelisch etwas in sich, was auch über das Leibliche hinausgeht, dasjenige, was durch den Tod des Menschen hindurchgeht.

[ 44 ] Der Geistesforscher muss das Selbstvergessen so weit treiben, dass das Selbstbewusstsein außerhalb des Leibes entwickelt wird. Dadurch wird gerade die Liebesfähigkeit erhöht, und wir gelangen dazu, immer mehr nicht nur das fremde menschliche Wesen nun wirklich in selbstloser Liebe hellsichtig zu durchschauen, sondern auch Handlungen zu vollführen, die nicht aus unseren Trieben, Instinkten kommen, nicht aus dem, was wir wünschen, sondern wir kommen aus reiner Liebe zur Handlung, aus der einsichtigen Liebe, dass eine Handlung geschehen muss, dass wir uns beim Wollen ganz ausschließen. Wenn wir nur aus der Liebe zur Handlung handeln, dann nähern wir uns einer solchen Liebefähigkeit, die noch gesteigert werden muss übungsmäßig — [siehe meine] «Erkenntnisse höherer Welten». Man gelangt dazu, eine Seelenfähigkeit zu entwickeln, die fähig wird, wirklich zu schauen. Der Mensch hat auch geistig, seelisch etwas in sich, was auch über das Leibliche hinausgeht, dasjenige, was durch den Tod des Menschen hindurchgeht.

[ 45 ] Man kann nur dadurch die menschliche Unsterblichkeit verstehen, dass man den anderen Bewusstseinszustand wirklich versteht, dass man in gewisser Weise täglich erlebt, ableitet das Bewusstsein, das nicht angewiesen ist auf die Leibesorganisation, das unabhängig vom Leibes-Erleben wird. Es schaut auf Zustände vor der Geburt, nach dem Tode, weil es sich weiß in einem erhöhten Selbstbewusstsein außerhalb des Leibes. So wird zusammengeschaut der ewige Wesenskern des Menschen und die Einsicht in sein Vorgeburtliches und Nachtodliches.

[ 45 ] Man kann nur dadurch die menschliche Unsterblichkeit verstehen, dass man den anderen Bewusstseinszustand wirklich versteht, dass man in gewisser Weise täglich erlebt, ableitet das Bewusstsein, das nicht angewiesen ist auf die Leibesorganisation, das unabhängig vom Leibes-Erleben wird. Es schaut auf Zustände vor der Geburt, nach dem Tode, weil es sich weiß in einem erhöhten Selbstbewusstsein außerhalb des Leibes. So wird zusammengeschaut der ewige Wesenskern des Menschen und die Einsicht in sein Vorgeburtliches und Nachtodliches.

[ 46 ] In zwei Richtungen muss die Seele erforscht werden, wenn der Mensch die Unsterblichkeit schauen will. Die Unsterblichkeit ist wissenschaftlich nicht durch Erweiterung, Verbreiterung der Erkenntnis zu schauen, sondern durch Aneignung einer neuen Erkenntnisart. Dabei ist aufmerksam zu machen, dass das nur gilt für diejenigen Zeiten, in denen der Mensch geistesforscherisch tätig sein will. Nicht vom Erwachen bis zum Einschlafen kann man Geistesforscher sein, man gibt sich dem zeitweise hin, für Augenblicke, die man in vollem Bewusstsein herstellt. Dann findet man diejenigen Zeiten, in denen man in der Geisteswelt so im Gegensatz zum gewöhnlichen Bewusstsein steht, wie man das Tagesbewusstsein im Gegensatz findet zum Schlafbewusstsein.

[ 46 ] In zwei Richtungen muss die Seele erforscht werden, wenn der Mensch die Unsterblichkeit schauen will. Die Unsterblichkeit ist wissenschaftlich nicht durch Erweiterung, Verbreiterung der Erkenntnis zu schauen, sondern durch Aneignung einer neuen Erkenntnisart. Dabei ist aufmerksam zu machen, dass das nur gilt für diejenigen Zeiten, in denen der Mensch geistesforscherisch tätig sein will. Nicht vom Erwachen bis zum Einschlafen kann man Geistesforscher sein, man gibt sich dem zeitweise hin, für Augenblicke, die man in vollem Bewusstsein herstellt. Dann findet man diejenigen Zeiten, in denen man in der Geisteswelt so im Gegensatz zum gewöhnlichen Bewusstsein steht, wie man das Tagesbewusstsein im Gegensatz findet zum Schlafbewusstsein.

[ 47 ] Betont werden muss, dass niemals das der richtige Weg in die Geistesforschung ist, wenn der Mensch in selbstgefälliger, egoistischer Art versucht, in sein gewöhnliches Leben, in das Leben seiner Pflichten, des gesunden Denkens und gesunden Zusammenlebens mit Menschen hereinzutragen, was nur gelten soll in Momenten, wo der Mensch sich der Geistesforschung hingibt. Wie wir gesund schlafen müssen, damit wir am Tag leben, ein gesundes, bewusstes Leben entwickeln können, so müssen wir verantwortungsvoll, voll bewusst, eingedenk unserer Verpflichtungen, die uns im gewöhnlichen Leben auferlegt sind, gesund leben, nicht in falscher Abgekehrtheit vom Leben, nicht in Phantastereien, in Firlefanz, mit denen man sich vielleicht drapiert. Ein gesundes Leben in der Sinnenwelt ist ebenso notwendig zu einem gesunden Anschauen der geistigen Welt, wie der gesunde Schlaf notwendig ist für ein gesundes Tagleben.

[ 47 ] Betont werden muss, dass niemals das der richtige Weg in die Geistesforschung ist, wenn der Mensch in selbstgefälliger, egoistischer Art versucht, in sein gewöhnliches Leben, in das Leben seiner Pflichten, des gesunden Denkens und gesunden Zusammenlebens mit Menschen hereinzutragen, was nur gelten soll in Momenten, wo der Mensch sich der Geistesforschung hingibt. Wie wir gesund schlafen müssen, damit wir am Tag leben, ein gesundes, bewusstes Leben entwickeln können, so müssen wir verantwortungsvoll, voll bewusst, eingedenk unserer Verpflichtungen, die uns im gewöhnlichen Leben auferlegt sind, gesund leben, nicht in falscher Abgekehrtheit vom Leben, nicht in Phantastereien, in Firlefanz, mit denen man sich vielleicht drapiert. Ein gesundes Leben in der Sinnenwelt ist ebenso notwendig zu einem gesunden Anschauen der geistigen Welt, wie der gesunde Schlaf notwendig ist für ein gesundes Tagleben.

[ 48 ] Nicht notwendig ist es, dass jeder ein Geistesforscher wird, obwohl man in den genannten Büchern sieht, dass jeder sich von der Wahrheit dessen überzeugen kann, was ich heute ausgeführt habe, jeder sich heute schnell Geistesforscherfähigkeiten aneignen kann. Man kann, aber muss nicht. Wenn man sich alle Vorurteile aus dem Wege räumt, für diese Sache das vollziehen will, was die Menschheit vollziehen musste, um den Kopernikanismus aufzunehmen, wird man auch Denkgewohnheiten entwickeln, die den Menschen ganz natürlich sind und durch die der gesunde Menschenverstand begreiflich findet, was der Geistesforscher zu sagen hat, obwohl man beim Astronomen ja auch nicht nachweisen kann, ob er recht hat. Das kann man hier auch nicht.

[ 48 ] Nicht notwendig ist es, dass jeder ein Geistesforscher wird, obwohl man in den genannten Büchern sieht, dass jeder sich von der Wahrheit dessen überzeugen kann, was ich heute ausgeführt habe, jeder sich heute schnell Geistesforscherfähigkeiten aneignen kann. Man kann, aber muss nicht. Wenn man sich alle Vorurteile aus dem Wege räumt, für diese Sache das vollziehen will, was die Menschheit vollziehen musste, um den Kopernikanismus aufzunehmen, wird man auch Denkgewohnheiten entwickeln, die den Menschen ganz natürlich sind und durch die der gesunde Menschenverstand begreiflich findet, was der Geistesforscher zu sagen hat, obwohl man beim Astronomen ja auch nicht nachweisen kann, ob er recht hat. Das kann man hier auch nicht.

[ 49 ] Diese Geistesforschung, wie sie hier geschildert worden ist, ist etwas, was sich von der Gegenwart in die nächste Zukunft hinein wirklich einverleiben muss. Diese Geistesentwicklung könnte aus den unsäglich herben Erlebnissen der letzten drei, vier Jahre lernen, wohin mit altgewohnten Vorstellungen zu kommen ist. Heute sind noch viel zu viel Leute zu bequem, sich zu sagen, wie viel Anteil haben in unserer katastrophalen Zeit die Vorstellungen, die nicht mehr gewachsen sind dem gegenwärtigen Leben. In der Naturerkenntnis hat der Mensch solche Vorstellungen, geistige, ethische, soziale, politische Vorstellungen. Wollten wir auch in den letzten Jahrhunderten und Jahrzehnten nach dem Muster der Naturerkenntnis in das soziale, ethische, politische Leben greifen, will es der Mensch meistern, so kann er es nur, wenn er sich in seinem Geist zur Auffassung der in der Geisteswelt waltenden Gesetze erhebt. Für die wichtigsten Lebensfragen, für dasjenige, was die herbsten, die tief eingreifendsten Ereignisse fordern, sind Gedanken notwendig, die in die Wirklichkeit untertauchen, aber nicht nur in die sinnliche Wirklichkeit, das ist eine solche, die vom Geist überall durchtränkt ist. Derjenige, der leugnet, dass innerhalb unserer Welt, wie man sie anschaut, noch eine andere geistige Welt lebt, begeht denselben Fehler wie derjenige, der sagt, dass ein Hufeisen ein Hufeisen ist, und es ist in Wirklichkeit ein Magnet.

[ 49 ] Diese Geistesforschung, wie sie hier geschildert worden ist, ist etwas, was sich von der Gegenwart in die nächste Zukunft hinein wirklich einverleiben muss. Diese Geistesentwicklung könnte aus den unsäglich herben Erlebnissen der letzten drei, vier Jahre lernen, wohin mit altgewohnten Vorstellungen zu kommen ist. Heute sind noch viel zu viel Leute zu bequem, sich zu sagen, wie viel Anteil haben in unserer katastrophalen Zeit die Vorstellungen, die nicht mehr gewachsen sind dem gegenwärtigen Leben. In der Naturerkenntnis hat der Mensch solche Vorstellungen, geistige, ethische, soziale, politische Vorstellungen. Wollten wir auch in den letzten Jahrhunderten und Jahrzehnten nach dem Muster der Naturerkenntnis in das soziale, ethische, politische Leben greifen, will es der Mensch meistern, so kann er es nur, wenn er sich in seinem Geist zur Auffassung der in der Geisteswelt waltenden Gesetze erhebt. Für die wichtigsten Lebensfragen, für dasjenige, was die herbsten, die tief eingreifendsten Ereignisse fordern, sind Gedanken notwendig, die in die Wirklichkeit untertauchen, aber nicht nur in die sinnliche Wirklichkeit, das ist eine solche, die vom Geist überall durchtränkt ist. Derjenige, der leugnet, dass innerhalb unserer Welt, wie man sie anschaut, noch eine andere geistige Welt lebt, begeht denselben Fehler wie derjenige, der sagt, dass ein Hufeisen ein Hufeisen ist, und es ist in Wirklichkeit ein Magnet.

[ 50 ] So entdeckt die Geistesforschung in der Welt, die uns vorliegt, die geistige Wirklichkeit, und wir lernen dadurch eingreifen in die volle Wirklichkeit. Das ist aber in unserer Zeit am notwendigsten geworden. Man muss bewusst erleben, erleben lassen im Menschen, dass auch Impulse unserer ethisch-sozialen Geschichte eingreifende Handlungen sind. Daher darf die Geistesforschung betonen, die Menschheit habe sich heraufgerungen zu dem, was sie logisches Denken nennt. Logisch denken können heute sehr viele. Aber wirklichkeitsgemäß denken, das ist dasjenige, das so eingreifen wird in die menschliche Geistesentwicklung wie einmal der Kopernikanismus. Wenn auch dasjenige, was die Geisteswissenschaften zu sagen haben, in gewissem Sinne dauernde Bedeutung hat, darf der Geistesforscher doch auch besonders in der heutigen Zeit auch dasjenige, was er aus der tieferen Wirklichkeit hervorzuholen hat, sagen als Zeitergebnis, das dauernd lag schon zwischen den Zeilen. Man blicke hin auf die Vergangenheit, insbesondere auf die jüngste Vergangenheit. Sie steht fragend vor uns, sie sagt uns Vorstellungen, Gedanken, Ideen, Willensimpulse; sie zeigt durch Ereignisse: Sie hat sich überlebt. In die Zukunft müssen wir blicken, die wir nur meistern auf dem Platze, wo wir durch das Schicksal stehen, in anderer Weise als bis jetzt. In die Zukunft müssen wir schauen, indem wir die volle Wirklichkeit schauen, damit wir durch ihre Ergreifung das historische, ethische Leben der Menschheit so zu durchdringen suchen können, wie es durchdrungen werden muss, wie der Mensch eingreifen muss. Der Geistesforscher darf sagen, er will dienen der menschlichen Erkenntnis, dem menschlichen Leben in der Zeit, wo so Schweres erlebt wird wie jetzt, und noch die Hoffnung fügt er hinzu, er glaube gerade unserer schweren Zeit und der auch schweren Zukunft der Menschheit etwas dienen zu können.

[ 50 ] So entdeckt die Geistesforschung in der Welt, die uns vorliegt, die geistige Wirklichkeit, und wir lernen dadurch eingreifen in die volle Wirklichkeit. Das ist aber in unserer Zeit am notwendigsten geworden. Man muss bewusst erleben, erleben lassen im Menschen, dass auch Impulse unserer ethisch-sozialen Geschichte eingreifende Handlungen sind. Daher darf die Geistesforschung betonen, die Menschheit habe sich heraufgerungen zu dem, was sie logisches Denken nennt. Logisch denken können heute sehr viele. Aber wirklichkeitsgemäß denken, das ist dasjenige, das so eingreifen wird in die menschliche Geistesentwicklung wie einmal der Kopernikanismus. Wenn auch dasjenige, was die Geisteswissenschaften zu sagen haben, in gewissem Sinne dauernde Bedeutung hat, darf der Geistesforscher doch auch besonders in der heutigen Zeit auch dasjenige, was er aus der tieferen Wirklichkeit hervorzuholen hat, sagen als Zeitergebnis, das dauernd lag schon zwischen den Zeilen. Man blicke hin auf die Vergangenheit, insbesondere auf die jüngste Vergangenheit. Sie steht fragend vor uns, sie sagt uns Vorstellungen, Gedanken, Ideen, Willensimpulse; sie zeigt durch Ereignisse: Sie hat sich überlebt. In die Zukunft müssen wir blicken, die wir nur meistern auf dem Platze, wo wir durch das Schicksal stehen, in anderer Weise als bis jetzt. In die Zukunft müssen wir schauen, indem wir die volle Wirklichkeit schauen, damit wir durch ihre Ergreifung das historische, ethische Leben der Menschheit so zu durchdringen suchen können, wie es durchdrungen werden muss, wie der Mensch eingreifen muss. Der Geistesforscher darf sagen, er will dienen der menschlichen Erkenntnis, dem menschlichen Leben in der Zeit, wo so Schweres erlebt wird wie jetzt, und noch die Hoffnung fügt er hinzu, er glaube gerade unserer schweren Zeit und der auch schweren Zukunft der Menschheit etwas dienen zu können.