Scientific Disciplines and Anthroposophy
GA 73a
13 March 1920, Dornach
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Scientific Disciplines and Anthroposophy, tr. SOL
16. Fragenbeantwortungen nach einem Vortrag von Eugen Kolisko über «Hypothesenfreie Chemie»
16. Questions following a lecture by Eugen Kolisko on “Hypothesis-Free Chemistry”
Vorbemerkung: Der Vortrag von Eugen Kolisko wurde nicht mitgeschrieben. Kolisko hat jedoch später, und zwar während des ersten Hochschulkurses im Herbst 1920, weitere Vorträge zu dem gleichen Thema gehalten. Diese wurden in einer von ihm überarbeiteten Form gedruckt in dem Sammelband «Aenigmatisches aus Kunst und Wissenschaft», Stuttgart 1922.
Preliminary Note: Eugen Kolisko’s lecture was not transcribed. However, Kolisko later gave additional lectures on the same topic during the first university course in the fall of 1920. These were published in a revised form by him in the anthology *Aenigmatisches aus Kunst und Wissenschaft* (Enigmas from Art and Science), Stuttgart, 1922.
Erste Frage: Wie verhalten sich eigentlich die verschiedenen Qualitäten Wärme, Licht, Elektrizität und die verschiedenen Zustände zu dem periodischen System und wie kommt das periodische System zustande?
First question: How do the various properties—heat, light, and electricity—and the different states of matter relate to the periodic table, and how did the periodic table come about?
Zweite Frage: In der alchemistischen Literatur finder man eine Gliederung der chemischen Stoffe so, daß hingewiesen wird darauf, wie die einzelnen Metalle zugeordnet sind den Planeten. Wie verhält sich diese Siebengliederung der Zuordnung der Metalle zu den Planeten zu der, die im periodischen System vorhanden ist?
Second question: In alchemical literature, one finds a classification of chemical substances that indicates how the individual metals are assigned to the planets. How does this seven-part classification of the metals’ assignment to the planets relate to the one found in the periodic table?
[ 1 ] Rudolf Steiner: Nun, Herr Dr. Kolisko hat ja in wichtigen Gesichtspunkten sehr schön darüber gesprochen, wie angestrebt werden könnte, die Chemie zu befreien von denjenigen Denkgewohnheiten, die von vornherein bei dieser Chemie zur atomistischen Hypothese oder sagen wir zum Aufbau der Chemie aus der atomistischen Hypothese geführt haben. Ich möchte im Hinblick auf die Fragen, die gestellt worden sind, zunächst auf eines aufmerksam machen. Mir erscheint die Auffindung des periodischen Systems nicht gerade als etwas unbedingt Neues. Natürlich ist es nicht möglich, in einer kurzen Betrachtung einzugehen auf die große Verschiedenheit, die da vorliegt zwischen unserer chemischen Interpretation der Erscheinungen und älteren Anschauungen über die Konstitution der Materie. Interessant wird das periodische System wohl ganz besonders dadurch, daß man versucht — der Versuch ist, glaube ich, öfter gemacht worden — das periodische System so anzuordnen, daß man die sieben Elemente aufträgt auf eine Kurve, und dann die nächsten sieben Elemente aufträgt auf eine darübergehende Kurve und so weiter, so daß, wenn man Zwischenzustände schafft, man den richtigen Aufbau in einer Spirale bekommt. Wir können das zeichnen: Hier das Lithium zum Beispiel, das Natrium gewissermaßen darüber, und darüber würde das Kalium sein. Es handelt sich darum, daß man ja wirklich mit dem alten Merkurstab etwas verbinden muß wie die Vorstellung eines Universalmittels der Natur: zu schaffen, um die Tatsachen der Natur hervorzubringen. Können wir uns nun vorstellen, daß die Elemente so übereinanderliegen, daß ich sie angeordnet habe nach dem periodischen System, und ich dann diese Elemente verbinde durch solche Linien, die eine Spirale darstellen, dann würde gewissermaßen das Entstehen eines jeden Elementes nur möglich sein unter gewissen Kräftezusammenhängen, die in einem Verhältnis stehen zu einer bestimmten Bewegung dieser Zustände.
[ 1 ] Rudolf Steiner: Well, Dr. Kolisko has spoken very eloquently on important points regarding how we might strive to free chemistry from those habits of thought that, from the very beginning, have led chemistry to the atomistic hypothesis—or, let us say, to the structure of chemistry based on the atomistic hypothesis. With regard to the questions that have been raised, I would first like to draw attention to one thing. To me, the discovery of the periodic table does not exactly seem like something entirely new. Of course, it is not possible, in a brief discussion, to go into the great diversity that exists between our chemical interpretation of phenomena and older views on the constitution of matter. What makes the periodic table particularly interesting is the attempt—an attempt that, I believe, has been made quite often—to arrange the periodic table in such a way that one plots the first seven elements on a curve, then plots the next seven elements on a curve extending above it, and so on, so that by creating intermediate states, one obtains the correct spiral structure. We can draw this: here is lithium, for example, with sodium, so to speak, above it, and potassium would be above that. The point is that one really must associate the old caduceus with something like the idea of a universal remedy of nature: to create, in order to bring forth the facts of nature. Can we now imagine that the elements are arranged one above the other—that I have arranged them according to the periodic table—and that I then connect these elements with lines that form a spiral? Then, in a sense, the formation of each element would only be possible under certain interplay of forces that are related to a specific movement of these states.
[ 2 ] Nun hat in interessanter Weise Crookes darauf aufmerksam gemacht in einem Cambridger Vortrag der Royal Society, daß gerade, wenn man die übereinanderliegende Spirale bekommen will, man gut tun wird, sich vorzustellen, daß ein Fortschreiten des Wärmezustandes stattfindet in der Richtung der Achse der Spirale, daß also gewissermaßen die Reihe der nächsten sieben Elemente gegenüber der Reihe der vorigen sieben Elemente auf eine ähnliche Weise zustande kam wie einfach ein höherer Temperaturgrad gegenüber einem niedrigeren Temperaturgrad. Aber es ist kein Fortschreiten bloß in einer Ausdehnung, sondern in einer Genesis. Wir würden da etwas Ähnliches haben in einem komplizierten Natursystem, wie wir es elementar haben bei der einfachen Ausdehnung durch die Temperatur. Und nun ist es selbstverständlich außerordentlich naheliegend, sich überhaupt nicht eine Spirale zu denken, die eine gerade Linienachse hat, sondern sich vielleicht etwas zu denken, was nun eine Kreisachse hat, dann würden wir eine Solenoidlinie bekommen. Aber auch diese können wir uns wiederum als Spirale denken. Dann würden wir bekommen eine dreifach im Raum fortschreitende Spirale.
[ 2 ] Now, in an interesting way, Crookes pointed out in a lecture at the Royal Society in Cambridge that, precisely if one wants to obtain the superimposed spiral, one would do well to imagine that a progression of the thermal state takes place in the direction of the spiral’s axis—that is, that, in a sense, the series of the next seven elements, as opposed to the series of the previous seven elements, came about in a manner similar to how a higher temperature simply relates to a lower temperature. But this is not merely a progression in extension, but in genesis. We would have something similar here in a complex natural system, just as we have it in a basic form in the simple expansion caused by temperature. And now it is, of course, extremely obvious not to imagine a spiral with a straight-line axis at all, but perhaps to imagine something with a circular axis; then we would obtain a solenoid line. But we can also conceive of these as spirals. Then we would obtain a spiral progressing in three dimensions.
[ 3 ] Während Crookes zunächst nur eine Abnahme des Wärmezustandes als ein Analogon für das Fortschreiten hier annimmt auf dieser Achse, würden wir — durch eine Erweiterung der Anschauungsweise von Crookes-schon bekommen ein Fortschreiten in der Achse zum Licht und zu den chemischen Effekten, die ja etwas anderes sind als die chemischen Kräfte, die in den Substanzen wirken. Wir würden also gewissermaßen in Wärme, Licht und chemischen Effekten, also in dem, was zugrundeliegt den chemischen Wirksamkeiten, Entitäten bekommen, die nun nicht in den einzelnen Körpern sind, sondern die in den inneren Wirksamkeiten zum Beispiel unserer irdischen Natur oder sonst vorhanden sind.
[ 3 ] While Crookes initially assumes only a decrease in the thermal state as an analogue for progression along this axis, we—by expanding on Crookes’s perspective—would already obtain a progression along the axis toward light and chemical effects, which are, after all, distinct from the chemical forces acting within substances. We would thus, in a sense, find in heat, light, and chemical effects—that is, in what underlies chemical activities—entities that are not present in individual bodies, but rather exist in the inner workings of, for example, our earthly nature or elsewhere.
[ 4 ] Nicht wahr, das, was ich hier zeichne, sind ja nur räumliche Versinnlichungen; es sind nicht Dinge im Raum, sondern die Raumbilder sind Raumversinnlichungen.
[ 4 ] Isn't it true that what I'm drawing here are merely spatial conceptualizations; they are not things in space, but rather the spatial images are conceptualizations of space.
[ 5 ] Wir würden ja in die Möglichkeit versetzt werden, uns zu denken, daß diese aufeinanderfolgenden Elemente und dann gleichsam die nächsten Potenzen derselben und Gegenpotenzen derselben zusammenhingen mit einem Durcheinanderwirken von Wärme, Licht und eben chemischen Effekten, so daß dieser dreifache schraubenförmige Aufbau der Elemente eben eigentlich nichts anderes wäre als eine gewisse Art von Zusammenwirken der verschiedenen Ätherpotenzen. Dann müßten wir aber annehmen, daß allerdings diese Ätherpotenzen radikal voneinander verschieden sind, daß nicht die eine in die andere in ihrer eigentlichen Wesenheit überführbar sind, sondern daß sie in ihrer eigenen Wesenheit aufeinander wirken und [daraus] Resultierende entstehen, nicht Umwandlungsprodukte.
[ 5 ] We would indeed be led to imagine that these successive elements—and then, as it were, their next powers and counter-powers—are connected through an interplay of heat, light, and chemical effects, so that this threefold helical structure of the elements would in fact be nothing other than a certain kind of interaction among the various etheric powers. But then we would have to assume that these etheric powers are, in fact, radically different from one another, that one cannot be transformed into the other in its true essence, but rather that they interact with one another in their own essence, giving rise to resultants, not products of transformation.
[ 6 ] Diese Andeutung nur zur Beantwortung der ersten Frage. Denn diese Frage schließt so viel ein, daß es nicht möglich ist, in kurzer Zeit die Frage ganz zu erschöpfen.
[ 6 ] This remark is intended only to answer the first question. For this question encompasses so much that it is not possible to fully address it in a short time.
[ 7 ] Nun die zweite Frage. Da müßte allerdings zurückgegangen werden auf sehr weit [zurück]liegende Prinzipien. Sehen Sie, Sie müssen sich klar sein darüber, daß dasjenige, was in irgendeinem Stoff heute wirksam ist, gestaltbildend ist, Kalium oder Natrium zum Beispiel, das muß nicht notwendigerweise auch heute im Weltall entstehen. Das kann etwas sein, welches irgendwann entstanden ist, gewirkt hat vielleicht vor sehr langer Zeit, und konserviert worden ist, so daß also die ursprünglichen Gestalten, die ursprünglichen Kristallgestalten unserer Elemente — ob es nun ausgesprochene Kristallgestalten sind oder etwas anderes — aus dem Kosmos hereingebildet worden sind in der Vorzeit, nehmen wir an während der Mondperiode, und daß in diesen Elementen die Tendenz geblieben ist, diese Gestalten zu konservieren. Wir müssen uns also klar sein: Auf der einen Seite haben wir es zu tun mit den heutigen, gleichsam in Abdruck erscheinenden Gestalten, die sich gebildet haben in einer sehr frühen Zeit der kosmischen Entwicklung, auf der anderen Seite wiederum mit den Wirkungen desjenigen, was nun aus den um die Erde herum befindlichen Faktoren geworden ist. Wir haben es also nicht etwa zu tun mit unseren Elementgestalten unmittelbar, so daß wir sagen könnten mit einer kosmischen Wirkung.
[ 7 ] Now, the second question. To answer that, however, we would have to go back to principles that lie very far in the past. You see, you must realize that whatever is active in a substance today—whatever gives it form, such as potassium or sodium, for example—does not necessarily have to be formed in the universe today. It may be something that came into being at some point, perhaps exerted its influence a very long time ago, and has been preserved—so that the original forms, the original crystalline forms of our elements—whether they are distinct crystalline forms or something else—were formed from the cosmos in ancient times, let’s say during the Lunar Period, and that within these elements the tendency to preserve these forms has remained. We must therefore be clear: on the one hand, we are dealing with the present-day forms—which appear, as it were, as imprints—that were formed in a very early stage of cosmic development; on the other hand, we are dealing with the effects of what has now become of the factors surrounding the Earth. We are therefore not dealing directly with our elemental forms, so that we could speak of a cosmic effect.
[ 8 ] Hier irgendwo wäre die Erde, hier die Planeten, und die Planeten bewirken etwas durch ihre Konstellation. Wenn wir hier meinetwillen Venus, Mars, Merkur haben, so wird nicht heute die Konstellation Venus, Mars, Merkur, wie sie in gegenseitigen Kräfteerscheinungen auf die Erde wirken, einen tetraedrisch gestalteten Körper unmittelbar bewirken, sondern diese Venus, Mars, Merkur werden etwa während der Mondperiode den Tetraeder gestiftet haben; und daß er heute erscheint, das ist, weil sich konserviert hat die Mondenwirkung. Während, wenn heute Merkur und so weiter wirken aus dem Kosmos, so wirken sie gewissermaßen gemäß den Gesetzen der Imponderabilien; sie wirken eigentlich den Ponderabilien entgegen. Die Gestaltung hat also schon ihren kosmischen Ursprung, aber jede Gestaltung, die auftritt auf der Erde, wird gewissermaBen entgestaltet durch dasjenige, was heute ausgeht von denselben kosmischen Planeten, die früher die Gestalten hervorgerufen haben; so daß wir also zum Beispiel eine Verflüchtigung als eine heute existierende kosmische Wirkung auffassen müssen, eine Kristallisation jedoch als eine solche, wo sich das Frühere wiederum herstellt gegen das Heutige. Da haben wir zeitliche Wirkungen, die auseinandergehen.
[ 8 ] Somewhere around here would be the Earth, here the planets, and the planets exert an influence through their constellation. If, for the sake of argument, we have Venus, Mars, and Mercury here, the constellation of Venus, Mars, and Mercury—as they interact with the Earth through their mutual forces—will not directly produce a tetrahedral body today; rather, these three planets will have given rise to the tetrahedron during the lunar period, so to speak; and the fact that it appears today is because the lunar effect has been preserved. Whereas, when Mercury and so on act from the cosmos today, they act, so to speak, in accordance with the laws of the imponderables; they actually counteract the ponderables. The form thus already has its cosmic origin, but every form that appears on Earth is, in a sense, deformed by that which emanates today from the very same cosmic planets that formerly brought the forms into being; so that we must, for example, regard volatilization as a cosmic effect existing today, but crystallization as one in which the past re-establishes itself in opposition to the present. Here we have temporal effects that diverge.
[ 9 ] Nun brauchen Sie das, was ich jetzt gewissermaßen schematisch herausgerissen dargestellt habe, nicht so zu denken natürlich, daß gewissermaßen nur ein paar Konstellationen da sind, sondern es sind sehr viele Konstellationen da. Wenn Sie sich das vorstellen, so bekommen Sie natürlich ein kompliziertes System, etwa ein kompliziertes Kurvensystem, das Sie im Kosmos und in der Erde sich vorstellen können.
[ 9 ] Now, of course, you shouldn’t think of what I’ve just presented—in a sense, as a simplified diagram—as if there were only a few constellations; rather, there are a great many constellations. If you picture this, you naturally get a complex system—a complex network of curves, for example—that you can imagine existing in the cosmos and on Earth.
[ 10 ] Wenn Sie in der Erde die ursprünglichen Stätten, wo sich die Metallgestalten bilden, zusammenfassen durch Kurven — diese Kurven müssen im Innern der Erde vorgestellt werden, weil da der Mittelpunkt ist; die Metalle kommen ja allerdings in späteren Epochen an die Oberfläche, aber es sind eigentlich im Innern der Erde die Kräfte, durch die die Konservierung stattfindet —, und draußen im Kosmos die Kräfte, die zu den Kristallgestalten führen, dann können wir diese Kräfte in der Umgebung ebenso durch Kurven fassen. Und da haben wir, wenn Sie sich dies jetzt bildhaft vorstellen, eine Kugel und sich in der verschiedensten Weise ineinander verschlingende Kugelschalen und die Resultierende, die daraus entstehen würde, wenn ich die Kräftedifferenz mir bilde zwischen dem, was da konserviert ist, und dem, was heute im Kosmos ist. Wenn ich mir nun die Differenzen der Kräfte in diesen beiden Kräftesystemen denke, bekomme ich eigentlich das, was den gegenwärtigen Zustand der kosmischen Wirkung auf der Erde vorstellt. Und in diesem drinnen muß alles das stecken, was dann im periodischen System zum Vorschein kommt. Das periodische System ist nichts anderes als ein Aufeinanderwirken eines vorirdischen Zustandes mit einem gegenwärtigen, die Erde umspielenden kosmischen Zustand. Es sind dies nur Andeutungen zur Beantwortung, aber ich glaube, man kann es verstehen.
[ 10 ] If you represent the original sites within the Earth where metallic forms are created as curves—these curves must be visualized inside the Earth, because that is where the center is; the metals do indeed rise to the surface in later epochs, but it is actually the forces within the Earth that bring about their preservation—and the forces out in the cosmos that lead to the formation of crystals—then we can also represent these forces in the surrounding environment using curves. And there, if you now picture this visually, we have a sphere and spherical shells intertwined in the most varied ways, and the resultant force that would arise from this if I were to conceive of the difference in forces between what is preserved there and what exists in the cosmos today. If I now consider the differences in forces within these two force systems, I actually arrive at what represents the present state of cosmic influence on Earth. And within this must lie everything that then manifests itself in the periodic table. The periodic table is nothing other than the interaction of a pre-Earth state with a present cosmic state surrounding the Earth. These are merely hints toward an answer, but I believe one can understand it.
Eugen Kolisko: Was wir also als Metalle zuordnen den einzelnen Planeten, das hat nichts zu tun unmittelbar mit den Stoffen, die wir im periodischen System drinnen haben?
Eugen Kolisko: So the metals we associate with the individual planets have nothing to do directly with the elements we find in the periodic table?
[ 11 ] Rudolf Steiner: Nein. Warum Eisen dem Mars zugeordnet wird, Silber dem Mond und so weiter, das sind Dinge, die heute nicht mehr von der äußeren Wissenschaft verstanden werden können, ganz unmöglich, weil diese Zuordnung auf eine ganz andere Weise gewonnen worden ist, als heute vielfach sogar von Okkultisten geglaubt wird. Der ältere Okkultismus, der noch auf atavistischem Hellsehen beruhte, wußte, daß unsere Erde selbst innerlich gestaltet ist, aber nur latent gestaltet ist, und daß wir in der Erdensphäre als Überbleibsel der vorirdisch-kosmischen Wirkung auf die Erde sieben Sphären zu unterscheiden haben, die nicht ganz regelmäßig waren, sondern verschieden. Also hier gibt es drinnen sieben Sphären, das ist der innere Kosmos der Erde, das ist das Spiegelbild des äußeren Kosmos. Und mit dieser Partie der Erde, also der Marspartie der Erde, wird das irdische Eisen in Zusammenhang gebracht, mit der Merkursphäre der Erde wird das Quecksilber in Zusammenhang gebracht und so weiter. Also diese unsere Stoffe, wie wir sie heute haben, die würden eigentlich letzten Endes nun doch wiederum zurückgeführt werden müssen auf die sieben Metalle; das würden sie schon müssen. Aber wir müssen uns vorstellen, daß alle diese Stoffe im Grunde genommen doch recht komplizierte Dinge darstellen.
[ 11 ] Rudolf Steiner: No. Why iron is associated with Mars, silver with the Moon, and so on—these are things that cannot be understood by modern science today; it is quite impossible, because this association was arrived at in a completely different way than is often believed today, even by occultists. The older occultism, which was still based on atavistic clairvoyance, knew that our Earth itself is internally structured—though only latently so—and that within the Earth’s sphere, as remnants of the pre-Earth cosmic influence on the Earth, we must distinguish seven spheres that were not entirely regular but varied. So there are seven spheres within here; this is the inner cosmos of the Earth, the mirror image of the outer cosmos. And earthly iron is associated with this part of the Earth—the Mars part—while mercury is associated with the Earth’s Mercury sphere, and so on. So these substances of ours, as we know them today, would ultimately have to be traced back to the seven metals; they certainly would. But we must imagine that all these substances are, in essence, quite complex entities.
[ 12 ] Nicht wahr, wir reden von den Atomgewichten dieser Stoffe. Aber diese Atomgewichte gibt es ja in Wirklichkeit gar nicht. Sie haben das Atomgewicht von Blei aufzufinden: 207. Das ist schon richtig, daß das Atomgewicht von Blei 207 ist, aber wenn Sie es suchen, finden Sie eigentlich nicht 207 in Wirklichkeit, sondern Sie finden eigentlich eine Zahl: 207 + x in unbestimmter Weise. Das, was man wirklich findet, das schwankt hin und her, und die Atomgewichtszahl für unsere Elemente ist eigentlich so, daß man sagen kann: Würde man den Zustand, der die Atomgewichtszahl repräsentiert, festhalten wollen, so müßte man hier eine pendelnde Bewegung, nicht einen Punkt zeigen. Und wir dürften das periodische System auch nicht so beschreiben, wie es ist, sondern in Zitterbewegungen müßten wir es haben, in innerer Zitterbewegung. Es ist so, daß wir durchaus nicht sagen können, aus dem Atomgewicht gehe hervor, daß wir es nun wirklich zu tun haben mit festen Elementen. Diese Vorstellung eines starren Atoms — denken Sie, was das bedeutet, was Herr Dr. Kolisko eben gesagt hat: Wasser ist nicht mehr Wasser bei einer bestimmten Temperaturhöhe. Der Atomist von heute ist aber genötigt, Wasserstoff und Sauerstoff, die im Wasser sind, wenn das Wasser nicht mehr da ist, unverändert vorzustellen, wenn er richtig Atome vorstellt. Also man kommt dazu, solch eine Eigenschaft der Materie als das eigentlich Maßgebende zu betrachten: diese Starrheit, die schon da, wo das Element entsteht, nicht vorhanden ist. Das Element ist noch nicht vorhanden, sondern das Element ist etwas, was einem schon aus der Hand fällt, wenn man es fassen will. Denn Atomgewichte strikte festzustellen, ist ein Unding. Es gibt kein Atomgewicht, sondern es gibt Mittelzustände, um die herum das Atomgewicht variiert, und man sage: im Mittelzustand ist das Atomgewicht so und so. Es gibt geradeso wenig Atomgewichte, wie es beim Weizenkorn eine bestimmte Größe gibt. Es gibt natürlich für das Weizenkorn eine mittlere Größe, aber die Größe schwankt hin und her. So ist es auch mit dem Atomgewicht; es ist nur ein Mittelzustand.
[ 12 ] Isn’t that right? We’re talking about the atomic weights of these elements. But these atomic weights don’t actually exist. You need to find the atomic weight of lead: 207. It’s true that the atomic weight of lead is 207, but if you look for it, you don’t actually find 207; instead, you find a number: 207 + x in an indeterminate way. What you actually find fluctuates back and forth, and the atomic weight of our elements is such that one can say: If one were to attempt to fix the state represented by the atomic weight, one would have to depict an oscillating motion here, not a point. And we should not describe the periodic table as it is, but rather as a series of tremors—internal tremors. The fact is that we cannot at all say that the atomic weight indicates that we are actually dealing with fixed elements. This notion of a rigid atom—think about what that means, what Dr. Kolisko just said: water is no longer water at a certain temperature. Today’s atomist, however, is compelled to conceive of hydrogen and oxygen—which are present in water—as remaining unchanged when the water is no longer there, if he is to correctly conceive of atoms. So one comes to regard such a property of matter as the truly decisive factor: this rigidity, which is already absent at the very moment the element comes into being. The element does not yet exist; rather, the element is something that slips right out of one’s hand the moment one tries to grasp it. For it is absurd to attempt to determine atomic weights with absolute precision. There is no such thing as an atomic weight; rather, there are average states around which the atomic weight varies, and one might say: in the average state, the atomic weight is such-and-such. There are just as few atomic weights as there is a specific size for a grain of wheat. Of course, there is an average size for a grain of wheat, but the size fluctuates back and forth. The same is true of atomic weight; it is merely an average state.
[ 13 ] Diese Betrachtungen, die heute Herr Dr. Kolisko angestellt hat, sind außerordentlich fruchtbar und sollten gerade für die Chemie weiter ausgebildet werden. Dann würde man allerdings sehen, daß der Gang der Entwicklung so ist, daß man in alchemistischen Vorstellungen, auch in dem Merkurstab, den man da besonders pflegte, gewisse, den Wirklichkeiten doch angemessene Begriffe erzeugte, daß dann die Zeit kam der atomistisch-mechanistischen Denkweise, die alles mit einer Schicht von Unverständlichkeit bedeckt hat. Wir müssen uns wiederum durcharbeiten zu einer Betrachtung, die eine der Wirklichkeit angemessene ist. Dazu ist aber notwendig — das ist dasjenige, was ich an den Vortrag von Herrn Dr. Kolisko noch anknüpfen möchte, namentlich, um auch diese beiden Fragen ganz exakt zu beantworten —, dazu ist notwendig, daß wir dahin kommen, auch Herrn Blümel möchte ich das sagen, daß wir dazu kommen, das Intensive ins Auge zu fassen, und die Extension, das Extensive auffassen zu lernen als eine Funktion des Intensiven, und umgekehrt, das Intensive als eine Funktion des Extensiven, so daß man also wirklich diese beiden Dinge, die so nebeneinander stehen, auseinander ableiten kann. Wenn es möglich sein wird, Intensives und Extensives in einen Funktionszusammenhang zu bringen, wird es auch möglich sein, diese Symbolik, die man braucht, um dieses periodische System ganz zu durchschauen, zu entwickeln, sonst bleibt immer ein unverstandener Rest.
[ 13 ] These observations made today by Dr. Kolisko are extraordinarily fruitful and should be further developed, particularly for the field of chemistry. Then, however, one would see that the course of development is such that certain concepts—which are, after all, appropriate to reality—were generated within alchemical ideas, including the “mercury rod,” which was particularly emphasized there; and that then came the era of atomistic-mechanistic thinking, which has covered everything with a veil of incomprehensibility. We must once again work our way toward a perspective that is appropriate to reality. For this, however, it is necessary—and this is what I would like to add to Dr. Kolisko’s lecture, specifically in order to answer these two questions with complete precision— it is necessary—and I would like to say this to Mr. Blümel as well—that we come to focus on the intensive and learn to understand extension, the extensive, as a function of the intensive, and conversely, the intensive as a function of the extensive, so that one can truly distinguish between these two things that stand side by side. If it becomes possible to establish a functional relationship between the intensive and the extensive, it will also be possible to develop the symbolic system needed to fully understand this periodic table; otherwise, there will always remain a residue that is not understood.
[ 14 ] Verzeihen Sie, aber diese Dinge sind so undeutlich, weil sie ein so großes Gebiet umfassen, daß man nichts anders sagen kann, als mit den Begriffen nur so hinzuhusehen. Da können sich auch die Begriffe nicht so scharf konturieren.
[ 14 ] Please forgive me, but these matters are so vague because they cover such a broad area that one can do nothing but examine them through the lens of these concepts. Even the concepts themselves cannot be defined with such sharp clarity.
