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The Task of Anthroposophy
in the Context of Science and Life
GA 77a

27 July 1921, Darmstadt

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1. Natur-Erkennen und Geist-Erkennen

1. Natur-Erkennen und Geist-Erkennen

[ 1 ] Verehrte Kommilitonen, verehrte Anwesende! Zuerst wende ich mich an die verehrten Sprecher, die mich in so freundlicher Weise begrüßen wollten. Ich nehme an, daß diese Begrüßung auch der geistigen Angelegenheit gilt, welche hier im Laufe dieser Hochschulveranstaltung vertreten werden soll.

[ 1 ] Verehrte Kommilitonen, verehrte Anwesende! Zuerst wende ich mich an die verehrten Sprecher, die mich in so freundlicher Weise begrüßen wollten. Ich nehme an, daß diese Begrüßung auch der geistigen Angelegenheit gilt, welche hier im Laufe dieser Hochschulveranstaltung vertreten werden soll.

[ 2 ] Wenn von meiner Seite — das möchte ich hier in bezug auf diese Begrüßungen ganz besonders vorbringen —, wenn von meiner Seite mit einer tiefen Befriedigung auf diese freundlichen Grüße geantwortet wird, so geschieht das aus zwei Grundüberzeugungen heraus, die mich beseelen bei aller Vertretung dessen, was ich die anthroposophische Geisteswissenschaft nenne. Gewiß, heute wird diese anthroposophische Geisteswissenschaft noch viel angegriffen, aber sie wird den Weg gehen können, den sie durch ihre innere Kraft zu gehen bestimmt ist, wenn ihr unter anderem namentlich zwei zeitgenössische Kräfte zur Seite stehen. Und gerade von diesen zwei zeitgenössischen Kräften kommt ja Ihre freundliche Begrüßung her. Sie kommt erstens von seiten derjenigen, die sich widmen wollen der Pflege wissenschaftlichen Lebens, und sie kommt von der Jugend. Nun bin ich eben tief überzeugt, daß unter den anderen manigfaltigen Bedingungen, die da sein müssen, wenn anthroposophische Geisteswissenschaft ihren Weg wird gehen sollen, zwei Dinge vor allem notwendig sein werden. Das ist, daß man einsehen lerne, daß diese Geisteswissenschaft ihrerseits aus dem strengsten wissenschaftlichen Geiste heraus arbeiten will. Und weil sie das will, ist mir diese Begrüßung ganz besonders wertvoll. Und zweitens bin ich tief davon überzeugt, daß — wie auch mancher, der im gegenwärtigen Leben steht, heute noch über diese anthroposophische Geisteswissenschaft denken mag —, daß wichtiger noch ist, wie die Jugend darüber denkt. Denn von demjenigen, was die Jugend in den nächsten Jahrzehnten wird hineintragen in die Menschheitsentwicklung, wird es ja abhängen, ob wir wieder den Weg herausfinden aus den so zahlreich vorhandenen Niedergangskräften zu den Aufgangskräften. Mitzuarbeiten gerade an diesem Ziel soll ja auch das Bestreben anthroposophischer Geisteswissenschaft sein. Ihr muß es daher eine besondere Befriedigung gewähren, wenn sie von der Jugend begrüßt wird. Und glauben Sie es mir — glauben Sie es, meine verehrten Begrüßer, und glauben Sie es alle, die Sie hier sitzen: Vor demjenigen, was berechtigte Kritik ist, was vor allen Dingen ein vollkommen kritisches Sich-Gegenüberstellen gegenüber dieser anthroposophischen Geisteswissenschaft ist, vor dem wird diese letztere niemals zurückschrecken. Im Gegenteil: Sie wird die größte Befriedigung daran haben, wenn aus einem wirklichen Erkenntnisdrange und aus dem Drange, an den Zielen der Menschheitsentwicklung praktisch mitzuarbeiten, diese Kritik kommt. Anthroposophische Geisteswissenschaft ist im Anfang ihrer Entwicklung; sie braucht wahrhafte und ehrliche Kritik. Sie braucht kein blindes Vertrauen und kann eigentlich ein blindes Vertrauen nicht brauchen. Sie braucht denkende Beurteiler. Mögen ihr diese denkenden Beurteiler gerade aus der Jugend heraus erwachsen.

[ 2 ] Wenn von meiner Seite — das möchte ich hier in bezug auf diese Begrüßungen ganz besonders vorbringen —, wenn von meiner Seite mit einer tiefen Befriedigung auf diese freundlichen Grüße geantwortet wird, so geschieht das aus zwei Grundüberzeugungen heraus, die mich beseelen bei aller Vertretung dessen, was ich die anthroposophische Geisteswissenschaft nenne. Gewiß, heute wird diese anthroposophische Geisteswissenschaft noch viel angegriffen, aber sie wird den Weg gehen können, den sie durch ihre innere Kraft zu gehen bestimmt ist, wenn ihr unter anderem namentlich zwei zeitgenössische Kräfte zur Seite stehen. Und gerade von diesen zwei zeitgenössischen Kräften kommt ja Ihre freundliche Begrüßung her. Sie kommt erstens von seiten derjenigen, die sich widmen wollen der Pflege wissenschaftlichen Lebens, und sie kommt von der Jugend. Nun bin ich eben tief überzeugt, daß unter den anderen manigfaltigen Bedingungen, die da sein müssen, wenn anthroposophische Geisteswissenschaft ihren Weg wird gehen sollen, zwei Dinge vor allem notwendig sein werden. Das ist, daß man einsehen lerne, daß diese Geisteswissenschaft ihrerseits aus dem strengsten wissenschaftlichen Geiste heraus arbeiten will. Und weil sie das will, ist mir diese Begrüßung ganz besonders wertvoll. Und zweitens bin ich tief davon überzeugt, daß — wie auch mancher, der im gegenwärtigen Leben steht, heute noch über diese anthroposophische Geisteswissenschaft denken mag —, daß wichtiger noch ist, wie die Jugend darüber denkt. Denn von demjenigen, was die Jugend in den nächsten Jahrzehnten wird hineintragen in die Menschheitsentwicklung, wird es ja abhängen, ob wir wieder den Weg herausfinden aus den so zahlreich vorhandenen Niedergangskräften zu den Aufgangskräften. Mitzuarbeiten gerade an diesem Ziel soll ja auch das Bestreben anthroposophischer Geisteswissenschaft sein. Ihr muß es daher eine besondere Befriedigung gewähren, wenn sie von der Jugend begrüßt wird. Und glauben Sie es mir — glauben Sie es, meine verehrten Begrüßer, und glauben Sie es alle, die Sie hier sitzen: Vor demjenigen, was berechtigte Kritik ist, was vor allen Dingen ein vollkommen kritisches Sich-Gegenüberstellen gegenüber dieser anthroposophischen Geisteswissenschaft ist, vor dem wird diese letztere niemals zurückschrecken. Im Gegenteil: Sie wird die größte Befriedigung daran haben, wenn aus einem wirklichen Erkenntnisdrange und aus dem Drange, an den Zielen der Menschheitsentwicklung praktisch mitzuarbeiten, diese Kritik kommt. Anthroposophische Geisteswissenschaft ist im Anfang ihrer Entwicklung; sie braucht wahrhafte und ehrliche Kritik. Sie braucht kein blindes Vertrauen und kann eigentlich ein blindes Vertrauen nicht brauchen. Sie braucht denkende Beurteiler. Mögen ihr diese denkenden Beurteiler gerade aus der Jugend heraus erwachsen.

[ 3 ] Deshalb, weil dies mein sehnlichster Wunsch ist, darf ich von ganzem Herzen für die freundlichen Worte danken, die mir als dem Vertreter dieser anthroposophischen Geisteswissenschaft hier eben gewidmet worden sind. Haben Sie herzlichen Dank dafür und lassen Sie mich den Wunsch aussprechen, daß dasjenige, was im Laufe dieser Woche, also in einer verhältnismäßig recht kurzen Zeit, hier notdürftig wird vorgebracht werden können, wenigstens einigermaßen in anregender Art Ihren Voraussetzungen entsprechen kann. Diese Voraussetzungen sind ja gewiß solche, die gerade im Sinne des eben Ausgesprochenen liegen, sonst hätte die Veranstaltung nicht stattfinden können.

[ 3 ] Deshalb, weil dies mein sehnlichster Wunsch ist, darf ich von ganzem Herzen für die freundlichen Worte danken, die mir als dem Vertreter dieser anthroposophischen Geisteswissenschaft hier eben gewidmet worden sind. Haben Sie herzlichen Dank dafür und lassen Sie mich den Wunsch aussprechen, daß dasjenige, was im Laufe dieser Woche, also in einer verhältnismäßig recht kurzen Zeit, hier notdürftig wird vorgebracht werden können, wenigstens einigermaßen in anregender Art Ihren Voraussetzungen entsprechen kann. Diese Voraussetzungen sind ja gewiß solche, die gerade im Sinne des eben Ausgesprochenen liegen, sonst hätte die Veranstaltung nicht stattfinden können.

[ 4 ] Und insbesondere muß ich herzlich danken für die freundliche Einladung, die mir von der allgemeinen Studentenschaft zugekommen ist. Ich darf diese gerade als einen Ausdruck dafür betrachten, daß immer mehr und mehr eingesehen wird, wie anthroposophische Geisteswissenschaft, wie sie von mir vertreten wird, das Gegenteil jeder sektiererischen Bestrebung ist, daß sie auch das Gegenteil alles dessen ist, was im engherzigen Sinne an irgendeinen Bekenntnisglauben oder etwas ähnliches appelliert. Daher habe ich es als ein mich tief Befriedigendes betrachtet, daß sich die allgemeine Studentenschaft hier in Darmstadt der Einladung angeschlossen hat, welche von den besonderen anthroposophischen Gruppen ausgegangen ist. Und für diese Einladung lassen Sie mich noch all denjenigen, die an ihr teilgenommen haben, den allerherzlichsten Dank sagen.

[ 4 ] Und insbesondere muß ich herzlich danken für die freundliche Einladung, die mir von der allgemeinen Studentenschaft zugekommen ist. Ich darf diese gerade als einen Ausdruck dafür betrachten, daß immer mehr und mehr eingesehen wird, wie anthroposophische Geisteswissenschaft, wie sie von mir vertreten wird, das Gegenteil jeder sektiererischen Bestrebung ist, daß sie auch das Gegenteil alles dessen ist, was im engherzigen Sinne an irgendeinen Bekenntnisglauben oder etwas ähnliches appelliert. Daher habe ich es als ein mich tief Befriedigendes betrachtet, daß sich die allgemeine Studentenschaft hier in Darmstadt der Einladung angeschlossen hat, welche von den besonderen anthroposophischen Gruppen ausgegangen ist. Und für diese Einladung lassen Sie mich noch all denjenigen, die an ihr teilgenommen haben, den allerherzlichsten Dank sagen.

[ 5 ] Nun, verehrte Kommilitonen, sehr verehrte Anwesende, das, was sich in der Gegenwart anthroposophische Geisteswissenschaft nennt, es wird in weiteren Kreisen heute oftmals von Gesichtspunkten aus beurteilt, die eigentlich schon aus der Welt geschafft werden könnten dadurch, daß man den Ausgangspunkt ins Auge faßt, von dem diese anthroposophische Geisteswissenschaft ihren Anfang genommen hat. Dieser Ausgangspunkt war ja ganz gewiß nicht ein sektiererischer, nicht ein im engeren Sinne der Zeit religiöses Bekenntnis oder dergleichen — obwohl die religiösen Bekenntnisse von ihrer Seite aus gar sehr Ursache haben werden, sich mit dieser anthroposophischen Geisteswissenschaft auseinanderzusetzen. Der Ausgangspunkt war eine Auseinandersetzung mit dem naturwissenschaftlichen Denken unserer weiteren Gegenwart, der Gegenwart, die etwa umfaßt die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts und die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts.

[ 5 ] Nun, verehrte Kommilitonen, sehr verehrte Anwesende, das, was sich in der Gegenwart anthroposophische Geisteswissenschaft nennt, es wird in weiteren Kreisen heute oftmals von Gesichtspunkten aus beurteilt, die eigentlich schon aus der Welt geschafft werden könnten dadurch, daß man den Ausgangspunkt ins Auge faßt, von dem diese anthroposophische Geisteswissenschaft ihren Anfang genommen hat. Dieser Ausgangspunkt war ja ganz gewiß nicht ein sektiererischer, nicht ein im engeren Sinne der Zeit religiöses Bekenntnis oder dergleichen — obwohl die religiösen Bekenntnisse von ihrer Seite aus gar sehr Ursache haben werden, sich mit dieser anthroposophischen Geisteswissenschaft auseinanderzusetzen. Der Ausgangspunkt war eine Auseinandersetzung mit dem naturwissenschaftlichen Denken unserer weiteren Gegenwart, der Gegenwart, die etwa umfaßt die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts und die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts.

[ 6 ] Die naturwissenschaftliche Denkungsweise hat ja nicht nur Platz gegriffen innerhalb der Naturwissenschaft selbst, sondern sie hat — eigentlich erst in der neusten Zeit — einen weiteren Umkreis des menschlichen Anschauens sich erobert. Mit Recht ist von einsichtiger Seite betont worden, daß die Koryphäen des modernen naturwissenschaftlichen Denkens — sagen wir Newton, Kopernikus, Galilei, selbst ein Kepler —, an dessen Ausgangspunkt durchaus noch Anhänger eines alten Offenbarungsglaubens waren, wie sie ihn angetroffen haben innerhalb ihrer eigenen Zeit. Die große Auseinandersetzung zwischen der naturwissenschaftlichen Denkungsweise und den großen Weltanschauungsfragen ist eigentlich erst eingetreten im Laufe des 19. Jahrhunderts. Und diese naturwissenschaftliche Denkungsweise hat auch das in einer gewissen Weise ergriffen, was sich zunächst — nun nicht auf dem Boden der Anthroposophie, sondern in der heutigen offiziellen Wissenschaft — «Geisteswissenschaft» nennt. Sie hat ergriffen zum Beispiel die Geschichte.

[ 6 ] Die naturwissenschaftliche Denkungsweise hat ja nicht nur Platz gegriffen innerhalb der Naturwissenschaft selbst, sondern sie hat — eigentlich erst in der neusten Zeit — einen weiteren Umkreis des menschlichen Anschauens sich erobert. Mit Recht ist von einsichtiger Seite betont worden, daß die Koryphäen des modernen naturwissenschaftlichen Denkens — sagen wir Newton, Kopernikus, Galilei, selbst ein Kepler —, an dessen Ausgangspunkt durchaus noch Anhänger eines alten Offenbarungsglaubens waren, wie sie ihn angetroffen haben innerhalb ihrer eigenen Zeit. Die große Auseinandersetzung zwischen der naturwissenschaftlichen Denkungsweise und den großen Weltanschauungsfragen ist eigentlich erst eingetreten im Laufe des 19. Jahrhunderts. Und diese naturwissenschaftliche Denkungsweise hat auch das in einer gewissen Weise ergriffen, was sich zunächst — nun nicht auf dem Boden der Anthroposophie, sondern in der heutigen offiziellen Wissenschaft — «Geisteswissenschaft» nennt. Sie hat ergriffen zum Beispiel die Geschichte.

[ 7 ] Wenn wir auf der einen Seite auf die naturwissenschaftliche Entwicklung sehen und auf der anderen Seite auf die Entwicklung der geschichtlichen Anschauungen, dann muß man sagen: Wer mit allem Ernste und aus den inneren Erlebnissen des gesamten Menschen, des Vollmenschen heraus das letzte Entwicklungsstadium unseres geistigen Lebens am Ende des 19. Jahrhunderts und am Beginn des 20. Jahrhunderts miterlebte, der begegnete gewissermaßen zwei Eckpfeilern; zwei Eckpfeilern, von denen der eine einmal großes Aufsehen gemacht hat, heute aber wiederum fast vergessen ist, das heißt vergessen ist von dem Gesichtspunkte aus, daß man sich seiner nicht mehr in vollem Bewußtsein erinnert. Aber er lebt fort in der Art und Weise, wie man heute Weltanschauungsfragen behandelt. Dieser eine Eckpfeiler ist das einstmals berühmte «Ignorabimus» — «Wir werden niemals wissen» — Du Bois-Reymonds aus den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Du Bois-Reymond, der geradezu ein repräsentativer Naturforscher seiner Zeit war, er hat die Grenzen naturwissenschaftlichen Denkens in strenger Weise zeichnen wollen, und er hat ja auch jene Auseinandersetzungen, in denen das Ignorabimus des Naturforschers enthalten ist, mit den Worten beschlossen: Naturwissenschaft werde niemals ergründen können das Wesen des Materiellen selbst, also das Wesen dessen, was zugrunde liegt der äußeren, durch unsere Sinne beobachtbaren, mit dem Verstande zu zergliedernden Welt. Gegenüber dieser Welt müsse man das Ignorabimus aussprechen — so meinte Du Bois-Reymond —, denn alles dasjenige, was über die angedeuteten Grenzen hinausgehen möchte, führe in den Supernaturalismus hinein. In eine Art übersinnlicher Forschung führe das — meint Du Bois-Reymond, indem er den Satz monumental hinstellt, daß, wo Supernaturalismus anfängt, die Wissenschaft aufhört.

[ 7 ] Wenn wir auf der einen Seite auf die naturwissenschaftliche Entwicklung sehen und auf der anderen Seite auf die Entwicklung der geschichtlichen Anschauungen, dann muß man sagen: Wer mit allem Ernste und aus den inneren Erlebnissen des gesamten Menschen, des Vollmenschen heraus das letzte Entwicklungsstadium unseres geistigen Lebens am Ende des 19. Jahrhunderts und am Beginn des 20. Jahrhunderts miterlebte, der begegnete gewissermaßen zwei Eckpfeilern; zwei Eckpfeilern, von denen der eine einmal großes Aufsehen gemacht hat, heute aber wiederum fast vergessen ist, das heißt vergessen ist von dem Gesichtspunkte aus, daß man sich seiner nicht mehr in vollem Bewußtsein erinnert. Aber er lebt fort in der Art und Weise, wie man heute Weltanschauungsfragen behandelt. Dieser eine Eckpfeiler ist das einstmals berühmte «Ignorabimus» — «Wir werden niemals wissen» — Du Bois-Reymonds aus den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Du Bois-Reymond, der geradezu ein repräsentativer Naturforscher seiner Zeit war, er hat die Grenzen naturwissenschaftlichen Denkens in strenger Weise zeichnen wollen, und er hat ja auch jene Auseinandersetzungen, in denen das Ignorabimus des Naturforschers enthalten ist, mit den Worten beschlossen: Naturwissenschaft werde niemals ergründen können das Wesen des Materiellen selbst, also das Wesen dessen, was zugrunde liegt der äußeren, durch unsere Sinne beobachtbaren, mit dem Verstande zu zergliedernden Welt. Gegenüber dieser Welt müsse man das Ignorabimus aussprechen — so meinte Du Bois-Reymond —, denn alles dasjenige, was über die angedeuteten Grenzen hinausgehen möchte, führe in den Supernaturalismus hinein. In eine Art übersinnlicher Forschung führe das — meint Du Bois-Reymond, indem er den Satz monumental hinstellt, daß, wo Supernaturalismus anfängt, die Wissenschaft aufhört.

[ 8 ] So war einstmals die große Frage, die am Ausgangspunkte anthroposophischen Denkens und anthroposophischen Beobachtens stand: Ist es wirklich mit aller Wissenschaft da aus, wo beginnen müßte übersinnliche Forschung, oder, wie Du Bois-Reymond meint, Supernaturalismus?

[ 8 ] So war einstmals die große Frage, die am Ausgangspunkte anthroposophischen Denkens und anthroposophischen Beobachtens stand: Ist es wirklich mit aller Wissenschaft da aus, wo beginnen müßte übersinnliche Forschung, oder, wie Du Bois-Reymond meint, Supernaturalismus?

[ 9 ] Aber das ist ja nur der eine Eckpfeiler. Den anderen Eckpfeiler hat nun nicht ein Naturforscher, sondern ein Historiker hingestellt, der berühmte Leopold von Ranke. Und wiederum war es ein Ignorabimus, ein «Wir können und werden nicht wissen!» — Ranke, der große Geschichtsforscher, versuchte sich mit aller Objektivität in den Werdegang der durch geschichtliche Dokumente erreichbaren menschlichen Entwicklung hineinzufinden. Und er hat es ausgesprochen, daß ja in dieses geschichtliche Werden hineingreift, was wir im Laufe der Erdentwicklung als das allereinschneidendste Ereignis sehen, das Ereignis der Begründung des Christentums, das Auftreten des Christus Jesus im Verlaufe der Menschheitsentwicklung. Daß dieses Ereignis weltumwälzend war im geschichtlichen Werden, das leugnet Ranke auch nicht; daß aber geschichtliche Betrachtungsweise haltmachen müsse vor der Entstehungsursache des Christentums, das behauptet Ranke, wie auf der anderen Seite Du Bois-Reymond behauptete, daß Wissenschaft haltmachen müsse vor dem Übersinnlichen. Dasjenige, was durch den Begründer des Christentums in die geschichtliche Entwicklung eingeflossen ist — sagt etwa Ranke —, das gehört zu den Urelementen des geschichtlichen Werdens — so drückt er sich aus —, an die die methodische Geschichtsforschung nicht heranreichen kann. Selbstverständlich könnten noch viele solche Urelemente aufgezeigt werden. Ich habe nur das für das Abendland Wichtigste im Sinne Leopold von Rankes hier hervorgehoben. — Das ist der andere Eckpfeiler. Er wurde aufgerichtet aus dem Grunde, weil ja im Verlaufe des 19. Jahrhunderts die Erziehung, welche die wissenschaftliche Menschheit erhalten hat im Laufe der letzten vier bis fünf Jahrhunderte, ihre Kräfte auch entfaltet hat in den anderen wissenschaftlichen Betrachtungen. Und wenn auch selbstverständlich Leopold von Ranke weit entfernt war davon, seine eigene historische Anschauungsart mit der Naturwissenschaft zusammenzubringen, so muß man doch sagen: Naturwissenschaftliche Erkenntnis mit ihren großen, ihren gewaltigen Triumphen, mit ihrer berechtigten Stellung in der neueren Geistesentwicklung der Menschheit, sie hat ihre Gewalt auch geltend gemacht auf den anderen Gebieten. Diese mußten, wenn ich so sagen darf, sich ihr «anähnlichen». Und so ist im Grunde genommen das Ignorabimus des Leopold von Ranke nichts anderes als die historische Antwort auf das naturwissenschaftliche Ignorabimus des Du BoisReymond.

[ 9 ] Aber das ist ja nur der eine Eckpfeiler. Den anderen Eckpfeiler hat nun nicht ein Naturforscher, sondern ein Historiker hingestellt, der berühmte Leopold von Ranke. Und wiederum war es ein Ignorabimus, ein «Wir können und werden nicht wissen!» — Ranke, der große Geschichtsforscher, versuchte sich mit aller Objektivität in den Werdegang der durch geschichtliche Dokumente erreichbaren menschlichen Entwicklung hineinzufinden. Und er hat es ausgesprochen, daß ja in dieses geschichtliche Werden hineingreift, was wir im Laufe der Erdentwicklung als das allereinschneidendste Ereignis sehen, das Ereignis der Begründung des Christentums, das Auftreten des Christus Jesus im Verlaufe der Menschheitsentwicklung. Daß dieses Ereignis weltumwälzend war im geschichtlichen Werden, das leugnet Ranke auch nicht; daß aber geschichtliche Betrachtungsweise haltmachen müsse vor der Entstehungsursache des Christentums, das behauptet Ranke, wie auf der anderen Seite Du Bois-Reymond behauptete, daß Wissenschaft haltmachen müsse vor dem Übersinnlichen. Dasjenige, was durch den Begründer des Christentums in die geschichtliche Entwicklung eingeflossen ist — sagt etwa Ranke —, das gehört zu den Urelementen des geschichtlichen Werdens — so drückt er sich aus —, an die die methodische Geschichtsforschung nicht heranreichen kann. Selbstverständlich könnten noch viele solche Urelemente aufgezeigt werden. Ich habe nur das für das Abendland Wichtigste im Sinne Leopold von Rankes hier hervorgehoben. — Das ist der andere Eckpfeiler. Er wurde aufgerichtet aus dem Grunde, weil ja im Verlaufe des 19. Jahrhunderts die Erziehung, welche die wissenschaftliche Menschheit erhalten hat im Laufe der letzten vier bis fünf Jahrhunderte, ihre Kräfte auch entfaltet hat in den anderen wissenschaftlichen Betrachtungen. Und wenn auch selbstverständlich Leopold von Ranke weit entfernt war davon, seine eigene historische Anschauungsart mit der Naturwissenschaft zusammenzubringen, so muß man doch sagen: Naturwissenschaftliche Erkenntnis mit ihren großen, ihren gewaltigen Triumphen, mit ihrer berechtigten Stellung in der neueren Geistesentwicklung der Menschheit, sie hat ihre Gewalt auch geltend gemacht auf den anderen Gebieten. Diese mußten, wenn ich so sagen darf, sich ihr «anähnlichen». Und so ist im Grunde genommen das Ignorabimus des Leopold von Ranke nichts anderes als die historische Antwort auf das naturwissenschaftliche Ignorabimus des Du BoisReymond.

[ 10 ] Eine Auseinandersetzung damit, was da lebte im modernen Geistesleben und — weil ja das Geistesleben doch zugrunde liegt aller menschlichen Kultur- und Zivilisationsentwicklung — auch mit dem ganzen modernen menschlichen Leben, eine solche Auseinandersetzung mit diesen zwei Eckpfeilern steht am Ausgangspunkte dessen, was anthroposophische Geisteswissenschaft werden wollte: eine Auseinandersetzung mit der naturwissenschaftlichen Denkungsart. Und ich sage ausdrücklich: mit der naturwissenschaftlichen Denkungsart. Denn gerade wenn von diesem Ausgangspunkte gesprochen wird, handelt es sich nicht etwa darum, auf einzelne naturwissenschaftliche Ergebnisse einzugehen — auf die ja in so dankenswerter Weise schon eingegangen worden ist in den Vorträgen, die bisher gehalten worden sind —, sondern es handelt sich darum, hinzuschauen auf die Art und Weise, wie sich gerade der naturwissenschaftliche Forscher zu der Wirklichkeit verhalten will, und hinzuschauen insbesondere darauf, was man als Mensch mit Bezug auf seine eigene menschliche Entwicklung in der Gegenwart hat im Betätigen des naturwissenschaftlichen Forschens oder auch nur im Aneignen naturwissenschaftlicher Resultate.

[ 10 ] Eine Auseinandersetzung damit, was da lebte im modernen Geistesleben und — weil ja das Geistesleben doch zugrunde liegt aller menschlichen Kultur- und Zivilisationsentwicklung — auch mit dem ganzen modernen menschlichen Leben, eine solche Auseinandersetzung mit diesen zwei Eckpfeilern steht am Ausgangspunkte dessen, was anthroposophische Geisteswissenschaft werden wollte: eine Auseinandersetzung mit der naturwissenschaftlichen Denkungsart. Und ich sage ausdrücklich: mit der naturwissenschaftlichen Denkungsart. Denn gerade wenn von diesem Ausgangspunkte gesprochen wird, handelt es sich nicht etwa darum, auf einzelne naturwissenschaftliche Ergebnisse einzugehen — auf die ja in so dankenswerter Weise schon eingegangen worden ist in den Vorträgen, die bisher gehalten worden sind —, sondern es handelt sich darum, hinzuschauen auf die Art und Weise, wie sich gerade der naturwissenschaftliche Forscher zu der Wirklichkeit verhalten will, und hinzuschauen insbesondere darauf, was man als Mensch mit Bezug auf seine eigene menschliche Entwicklung in der Gegenwart hat im Betätigen des naturwissenschaftlichen Forschens oder auch nur im Aneignen naturwissenschaftlicher Resultate.

[ 11 ] Sie werden es ja verstehen, wenn ich behaupte, daß die Naturwissenschaft namentlich im Laufe des 19. Jahrhunderts — vorbereitet wurde es indessen schon früher — allmählich Forschungsmethoden herausgebildet hat, an denen insbesondere derjenige, der sich selbst forschend in irgendeinem Zweige dieser Naturwissenschaft betätigt, eine innere wissenschaftliche Gewissenhaftigkeit und eine innere wissenschaftliche Disziplin sich aneignet, die man an nichts anderem als gerade in dieser naturwissenschaftlichen Forschungsarbeit sich aneignen kann. Und diese innere seelische Disziplin, diese innere seelische Gewissenhaftigkeit, die man sich auf diese Art aneignen kann, die brauchen wir im ganzen modernen Zivilisations- und Kulturleben, Es entsteht nur die Frage: Kann die Naturwissenschaft das, was da innerhalb der Menschheit anerzogen wird an Gewissenhaftigkeit und innerer Disziplin, kann die Naturwissenschaft das selbst bis zur letzten Konsequenz bringen? Mag dasjenige, zu dem sich die naturwissenschaftliche Forschung da durchgearbeitet hat, berechtigt sein oder nicht, mag es in der Zukunft modifiziert werden müssen oder nicht — die relative Unberechtigung ist ja von einzelnen Rednern dieser Veranstaltungen ins rechte Licht gesetzt worden —, dasjenige, worauf es ankommt, ist, daß auch selbst in dem radikalsten Extrem, dem sich die Naturwissenschaft mehr theoretisierend als praktisch oder experimentierend zugewendet hat, ihr noch diese Gewissenhaftigkeit und diese innere Disziplin zugrunde liegen.

[ 11 ] Sie werden es ja verstehen, wenn ich behaupte, daß die Naturwissenschaft namentlich im Laufe des 19. Jahrhunderts — vorbereitet wurde es indessen schon früher — allmählich Forschungsmethoden herausgebildet hat, an denen insbesondere derjenige, der sich selbst forschend in irgendeinem Zweige dieser Naturwissenschaft betätigt, eine innere wissenschaftliche Gewissenhaftigkeit und eine innere wissenschaftliche Disziplin sich aneignet, die man an nichts anderem als gerade in dieser naturwissenschaftlichen Forschungsarbeit sich aneignen kann. Und diese innere seelische Disziplin, diese innere seelische Gewissenhaftigkeit, die man sich auf diese Art aneignen kann, die brauchen wir im ganzen modernen Zivilisations- und Kulturleben, Es entsteht nur die Frage: Kann die Naturwissenschaft das, was da innerhalb der Menschheit anerzogen wird an Gewissenhaftigkeit und innerer Disziplin, kann die Naturwissenschaft das selbst bis zur letzten Konsequenz bringen? Mag dasjenige, zu dem sich die naturwissenschaftliche Forschung da durchgearbeitet hat, berechtigt sein oder nicht, mag es in der Zukunft modifiziert werden müssen oder nicht — die relative Unberechtigung ist ja von einzelnen Rednern dieser Veranstaltungen ins rechte Licht gesetzt worden —, dasjenige, worauf es ankommt, ist, daß auch selbst in dem radikalsten Extrem, dem sich die Naturwissenschaft mehr theoretisierend als praktisch oder experimentierend zugewendet hat, ihr noch diese Gewissenhaftigkeit und diese innere Disziplin zugrunde liegen.

[ 12 ] Wir haben gesehen, wie die naturwissenschaftliche Forschung nach und nach dazu gedrängt worden ist, sich aus dem Qualitativen herauszuarbeiten, immer mehr und mehr zum Quantitativen hin. Das ist, wie gesagt, in bezug auf die Ergebnisse anfechtbar — davon spreche ich jetzt nicht. Aber ich spreche von der Erziehung, die der Forscher hat erhalten können gerade durch das Extrem dieser Tendenz, die dahin gegangen ist, nur dasjenige gelten zu lassen auf dem Gebiete naturwissenschaftlicher Anschauung, was sich messen, zählen oder wägen läßt, was durch die Zahl, durch das Maß oder durch das Gewicht ausdrückbar ist. Man bekennt sich in gewissen Kreisen zu der Anschauung, daß man eigentlich zu einer gewissen Objektivität nur kommt, wenn man als objektiv nur dasjenige gelten läßt, was der Zahl, dem Maß und dem Gewicht unterliegt. — Wie gesagt, in bezug auf die Ergebnisse wird das sehr anfechtbar sein.

[ 12 ] Wir haben gesehen, wie die naturwissenschaftliche Forschung nach und nach dazu gedrängt worden ist, sich aus dem Qualitativen herauszuarbeiten, immer mehr und mehr zum Quantitativen hin. Das ist, wie gesagt, in bezug auf die Ergebnisse anfechtbar — davon spreche ich jetzt nicht. Aber ich spreche von der Erziehung, die der Forscher hat erhalten können gerade durch das Extrem dieser Tendenz, die dahin gegangen ist, nur dasjenige gelten zu lassen auf dem Gebiete naturwissenschaftlicher Anschauung, was sich messen, zählen oder wägen läßt, was durch die Zahl, durch das Maß oder durch das Gewicht ausdrückbar ist. Man bekennt sich in gewissen Kreisen zu der Anschauung, daß man eigentlich zu einer gewissen Objektivität nur kommt, wenn man als objektiv nur dasjenige gelten läßt, was der Zahl, dem Maß und dem Gewicht unterliegt. — Wie gesagt, in bezug auf die Ergebnisse wird das sehr anfechtbar sein.

[ 13 ] Ich möchte jetzt die andere Seite betrachten, diese Seite, die in der Frage gipfeln kann: Was hat man als Denker, als Forscher selber davon, wenn man darauf hinarbeitet, durch Gewicht, Maß und Zahl das Objektive zu erlangen? Man hat das davon, daß man immer mehr und mehr genötigt ist, alles auszuschalten aus der naturwissenschaftlichen Untersuchung, aus dem naturwissenschaftlichen Experiment oder der naturwissenschaftlichen Beobachtung, was vom Subjekt, von der menschlichen Persönlichkeit selber in die Statuierung dieser naturwissenschaftlichen Feststellungen einfließen könnte. Weg soll das alles, was aus dem menschlichen Subjekte selber kommt. Man will sich ein vollständig objektives Bild der Welt entwickeln. Fassen wir aber diese Tendenz einmal so, daß wir sie ganz konsequent nehmen, meine sehr verehrten Anwesenden, dann darf ja dasjenige, womit der Forscher gewissermaßen weggeht von seiner Forschung, von seiner Beobachtung, von seinem Experiment, womit er sich aufschwingt zur Statuierung der Naturgesetze, dann darf ja dasjenige, was er da fortträgt, was er dann in sich selber bewahrt, keinen Anteil haben, nicht den geringsten Anteil haben an dem, was er als die wahre Außenwelt, als das wirklich Objektive ansieht. Und wenn der Gedanke zu Ende gedacht wird, dann kommt man dazu, sich sagen zu müssen: Soll wirklich im Sinne strengster naturwissenschaftlicher Forderung alles Subjektive ausgeschaltet werden, dann darf auch das, was wir zuletzt im Geiste in uns tragen, was ja doch hervorgegangen ist aus Kombinationen der Naturerscheinungen, nicht in irgendeiner Weise drinnenstecken in dieser Außenwelt. Was aber darf dann in uns nur sein von dieser Außenwelt, das wir in uns tragen, indem wir forschen, wenn wir nicht mehr durch unsere Geisteskraft in lebendiger Wechselwirkung mit dieser Objektivität sind, sondern wenn wir nur zurücksehen auf das, was subjektiv in uns gearbeitet hat, während wir der Forschung hingegeben waren? Das Subjektive darf nicht drinnenstecken, das muß ganz und gar als nur im Menschen selber liegend anerkannt werden. Aber insofern der Mensch doch auch angehören muß der Objektivität, darf es auch nicht in der Objektivität des Menschen selber stecken. Wir müssen also etwas von unseren Forschungsergebnissen, insofern sie unser Seelengut sind, in uns tragen, was nichts zu tun hat — trotzdem es ein wahres Abbild der Außenwelt darzustellen bemüht ist —, was nichts zu tun haben darf mit der eigenen Objektivität. Indem wir denken über die Natur, darf also keinerlei Sein, wie wir es zuschreiben unserer eigenen Objektivität, in diesem Denken über die Natur stecken. Daher muß am Ausgangspunkte einer erkenntnistheoretischen Betrachtung der Satz stehen: «Ich denke, also bin ich nicht.» — Nur dann, wenn wir wagen, diesen Satz dem großen Cartesianischen Irrtum «Ich denke, also bin ich» entgegenzustellen, nur dann stellen wir uns wirklich auf den Boden naturwissenschaftlichen Denkens.

[ 13 ] Ich möchte jetzt die andere Seite betrachten, diese Seite, die in der Frage gipfeln kann: Was hat man als Denker, als Forscher selber davon, wenn man darauf hinarbeitet, durch Gewicht, Maß und Zahl das Objektive zu erlangen? Man hat das davon, daß man immer mehr und mehr genötigt ist, alles auszuschalten aus der naturwissenschaftlichen Untersuchung, aus dem naturwissenschaftlichen Experiment oder der naturwissenschaftlichen Beobachtung, was vom Subjekt, von der menschlichen Persönlichkeit selber in die Statuierung dieser naturwissenschaftlichen Feststellungen einfließen könnte. Weg soll das alles, was aus dem menschlichen Subjekte selber kommt. Man will sich ein vollständig objektives Bild der Welt entwickeln. Fassen wir aber diese Tendenz einmal so, daß wir sie ganz konsequent nehmen, meine sehr verehrten Anwesenden, dann darf ja dasjenige, womit der Forscher gewissermaßen weggeht von seiner Forschung, von seiner Beobachtung, von seinem Experiment, womit er sich aufschwingt zur Statuierung der Naturgesetze, dann darf ja dasjenige, was er da fortträgt, was er dann in sich selber bewahrt, keinen Anteil haben, nicht den geringsten Anteil haben an dem, was er als die wahre Außenwelt, als das wirklich Objektive ansieht. Und wenn der Gedanke zu Ende gedacht wird, dann kommt man dazu, sich sagen zu müssen: Soll wirklich im Sinne strengster naturwissenschaftlicher Forderung alles Subjektive ausgeschaltet werden, dann darf auch das, was wir zuletzt im Geiste in uns tragen, was ja doch hervorgegangen ist aus Kombinationen der Naturerscheinungen, nicht in irgendeiner Weise drinnenstecken in dieser Außenwelt. Was aber darf dann in uns nur sein von dieser Außenwelt, das wir in uns tragen, indem wir forschen, wenn wir nicht mehr durch unsere Geisteskraft in lebendiger Wechselwirkung mit dieser Objektivität sind, sondern wenn wir nur zurücksehen auf das, was subjektiv in uns gearbeitet hat, während wir der Forschung hingegeben waren? Das Subjektive darf nicht drinnenstecken, das muß ganz und gar als nur im Menschen selber liegend anerkannt werden. Aber insofern der Mensch doch auch angehören muß der Objektivität, darf es auch nicht in der Objektivität des Menschen selber stecken. Wir müssen also etwas von unseren Forschungsergebnissen, insofern sie unser Seelengut sind, in uns tragen, was nichts zu tun hat — trotzdem es ein wahres Abbild der Außenwelt darzustellen bemüht ist —, was nichts zu tun haben darf mit der eigenen Objektivität. Indem wir denken über die Natur, darf also keinerlei Sein, wie wir es zuschreiben unserer eigenen Objektivität, in diesem Denken über die Natur stecken. Daher muß am Ausgangspunkte einer erkenntnistheoretischen Betrachtung der Satz stehen: «Ich denke, also bin ich nicht.» — Nur dann, wenn wir wagen, diesen Satz dem großen Cartesianischen Irrtum «Ich denke, also bin ich» entgegenzustellen, nur dann stellen wir uns wirklich auf den Boden naturwissenschaftlichen Denkens.

[ 14 ] Es ist heute notwendig, diese Wendung zu machen, von dem allverehrten, möchte man sagen, Ausgangspunkte des neuzeitlichen Denkens, von dem «cogito, ergo sum» überzugehen zu dem «cogito, ergo non sum», «Ich denke, also bin ich nicht»! Denn erst indem wir das Nichtsein dessen einsehen, was wir gewinnen aus der Objektivität, werden wir uns bewußt, als was wir nun unser Subjektives zunächst anzusprechen haben: als Bild haben wir es anzusprechen. Wir leben, wenn wir unser Seelenwesen richtig erfassen, im Bilde. — Das ist nun in einer gewissen Weise der Eckpfeiler dessen — insofern es sich um ein Denkerisches handelt —, was am Ausgangspunkte anthroposophischer Geisteswissenschaft steht.

[ 14 ] Es ist heute notwendig, diese Wendung zu machen, von dem allverehrten, möchte man sagen, Ausgangspunkte des neuzeitlichen Denkens, von dem «cogito, ergo sum» überzugehen zu dem «cogito, ergo non sum», «Ich denke, also bin ich nicht»! Denn erst indem wir das Nichtsein dessen einsehen, was wir gewinnen aus der Objektivität, werden wir uns bewußt, als was wir nun unser Subjektives zunächst anzusprechen haben: als Bild haben wir es anzusprechen. Wir leben, wenn wir unser Seelenwesen richtig erfassen, im Bilde. — Das ist nun in einer gewissen Weise der Eckpfeiler dessen — insofern es sich um ein Denkerisches handelt —, was am Ausgangspunkte anthroposophischer Geisteswissenschaft steht.

[ 15 ] Nun aber, was hat denn die Menschheit als solche erlangt, namentlich in bezug auf — wenn ich mich des Lessingschen Ausdruckes bedienen darf — die «Erziehung dieser Menschheit» durch das naturwissenschaftliche Denken, durch die charakterisierte Methodik und innere Disziplin? Auf das möchte ich ganz besonders hindeuten, was da eigentlich im Laufe der neueren Zeit erlangt worden ist. Und wenn man das in richtiger Weise schätzen und würdigen will, dann muß man zurückschauen in ältere Zeiten der Menschheitsentwicklung, in diejenigen Zeiten, in denen es noch nicht ein naturwissenschaftliches Denken in unserem heutigen Sinne gegeben hat, in denen man gar nicht eine so strenge, begriffliche Linie gezogen hat zwischen dem, was der Mensch subjektiv zu der Außenwelt hinzugebracht hat, und dem, was nun wirklich objektiv in der Außenwelt vorhanden ist. Man braucht heute nur irgendein Literaturwerk zu nehmen, das einen wissenschaftlichen Charakter haben wollte, und das noch jener älteren Zeit angehört, die nicht den naturwissenschaftlichen Einschlag hatte, so wird man sehen, wie der Mensch da noch nicht in der Lage war, das Subjektive von dem Objektiven wirklich zu trennen; aber wie er dafür auch nicht in der Lage war, etwas zu entwickeln, was gerade zur hauptsächlichsten Entwicklungskraft der neuesten Phase geschichtlicher Menschheitsentwicklung gehört: das ist das volle Ich-Bewußtsein, die volle menschliche Besonnenheit, die sich hineinstellt in das Weltenall und sich immer mehr und mehr bewußt wird, als eine Inidividualität, als eine Persönlichkeit in diesem Weltenall drinnenzustehen. Das Wachsen des Persönlichkeitsbewußtseins, das Wachsen des Ich-Gefühls, das Wachsen der Besonnenheit, das ist dasjenige, was zunimmt in demselben Maße, in dem das moderne naturwissenschaftliche Bewußtsein heraufzieht. Der Mensch konsolidiert sich innerlich, könnte man sagen, in bezug auf alle Kräfte, mit denen er seine Persönlichkeit zusammenhält gerade unter dem Einflusse dieser Verehrung des Objektivitätsprinzips. Der Mensch wird innerlich als Persönlichkeit stärker, und seine Sehnsucht nach freier Individualität wird größer in demselben Maße, in dem sich in der neuesten Zeit das naturwissenschaftliche Bewußtsein herausentwikkelt. Schon aus dieser Betrachtung kann etwas folgen, was Sie werden erhärtet finden, wenn Sie in die ja jetzt schon etwas verbreitete Literatur unserer anthroposophischen Geisteswissenschaft eindringen. Und das, was da aus dieser Betrachtung folgen kann, ist dieses, daß der Mensch umsomehr zu einem innerlichen Ich-Bewußtsein gelangt, je mehr er sich naturwissenschaftlich ergeht in der Beobachtung der Sinneswelt und in der allmählichen Bearbeitung dieser Sinneswelt. Mit diesen zwei letzteren Elementen wächst dasjenige im Menschen, was ihn sicher hineinstellt als ein Ich in seine ganze Umwelt. Insbesondere unter Technikern sollte dies gefühlt werden, weil man da eine Empfindung entwikkeln kann, wie das menschliche innere Bewußtsein ein anderes wird dadurch, daß man hinschaut nicht nur auf das Konstatieren der Naturgesetze durch Beobachtung, durch Experimentieren, sondern auf das Hineinverweben der Naturgesetze in das, was man für die Welt an Instrumenten, an Werkzeugen, an ganzen Unternehmungen zu leisten hat. In dieser Hineinstellung der Naturgesetze in Unternehmung, in dieser Hineinstellung der Naturgesetze in die Wirklichkeit, kann man es erfühlen, wie menschliche innere Besonnenheit gerade wächst unter dem Einflusse naturwissenschaftlicher Denkungsart.

[ 15 ] Nun aber, was hat denn die Menschheit als solche erlangt, namentlich in bezug auf — wenn ich mich des Lessingschen Ausdruckes bedienen darf — die «Erziehung dieser Menschheit» durch das naturwissenschaftliche Denken, durch die charakterisierte Methodik und innere Disziplin? Auf das möchte ich ganz besonders hindeuten, was da eigentlich im Laufe der neueren Zeit erlangt worden ist. Und wenn man das in richtiger Weise schätzen und würdigen will, dann muß man zurückschauen in ältere Zeiten der Menschheitsentwicklung, in diejenigen Zeiten, in denen es noch nicht ein naturwissenschaftliches Denken in unserem heutigen Sinne gegeben hat, in denen man gar nicht eine so strenge, begriffliche Linie gezogen hat zwischen dem, was der Mensch subjektiv zu der Außenwelt hinzugebracht hat, und dem, was nun wirklich objektiv in der Außenwelt vorhanden ist. Man braucht heute nur irgendein Literaturwerk zu nehmen, das einen wissenschaftlichen Charakter haben wollte, und das noch jener älteren Zeit angehört, die nicht den naturwissenschaftlichen Einschlag hatte, so wird man sehen, wie der Mensch da noch nicht in der Lage war, das Subjektive von dem Objektiven wirklich zu trennen; aber wie er dafür auch nicht in der Lage war, etwas zu entwickeln, was gerade zur hauptsächlichsten Entwicklungskraft der neuesten Phase geschichtlicher Menschheitsentwicklung gehört: das ist das volle Ich-Bewußtsein, die volle menschliche Besonnenheit, die sich hineinstellt in das Weltenall und sich immer mehr und mehr bewußt wird, als eine Inidividualität, als eine Persönlichkeit in diesem Weltenall drinnenzustehen. Das Wachsen des Persönlichkeitsbewußtseins, das Wachsen des Ich-Gefühls, das Wachsen der Besonnenheit, das ist dasjenige, was zunimmt in demselben Maße, in dem das moderne naturwissenschaftliche Bewußtsein heraufzieht. Der Mensch konsolidiert sich innerlich, könnte man sagen, in bezug auf alle Kräfte, mit denen er seine Persönlichkeit zusammenhält gerade unter dem Einflusse dieser Verehrung des Objektivitätsprinzips. Der Mensch wird innerlich als Persönlichkeit stärker, und seine Sehnsucht nach freier Individualität wird größer in demselben Maße, in dem sich in der neuesten Zeit das naturwissenschaftliche Bewußtsein herausentwikkelt. Schon aus dieser Betrachtung kann etwas folgen, was Sie werden erhärtet finden, wenn Sie in die ja jetzt schon etwas verbreitete Literatur unserer anthroposophischen Geisteswissenschaft eindringen. Und das, was da aus dieser Betrachtung folgen kann, ist dieses, daß der Mensch umsomehr zu einem innerlichen Ich-Bewußtsein gelangt, je mehr er sich naturwissenschaftlich ergeht in der Beobachtung der Sinneswelt und in der allmählichen Bearbeitung dieser Sinneswelt. Mit diesen zwei letzteren Elementen wächst dasjenige im Menschen, was ihn sicher hineinstellt als ein Ich in seine ganze Umwelt. Insbesondere unter Technikern sollte dies gefühlt werden, weil man da eine Empfindung entwikkeln kann, wie das menschliche innere Bewußtsein ein anderes wird dadurch, daß man hinschaut nicht nur auf das Konstatieren der Naturgesetze durch Beobachtung, durch Experimentieren, sondern auf das Hineinverweben der Naturgesetze in das, was man für die Welt an Instrumenten, an Werkzeugen, an ganzen Unternehmungen zu leisten hat. In dieser Hineinstellung der Naturgesetze in Unternehmung, in dieser Hineinstellung der Naturgesetze in die Wirklichkeit, kann man es erfühlen, wie menschliche innere Besonnenheit gerade wächst unter dem Einflusse naturwissenschaftlicher Denkungsart.

[ 16 ] Wenn man dieses in der richtigen Weise einsieht, meine sehr verehrten Anwesenden, dann darf auf der anderen Seite die Frage gestellt werden: Unter welchen Umständen nimmt denn diese Besonnenheit ab? Unter welchen Umständen kommt man heraus aus diesem IchBewußtsein?

[ 16 ] Wenn man dieses in der richtigen Weise einsieht, meine sehr verehrten Anwesenden, dann darf auf der anderen Seite die Frage gestellt werden: Unter welchen Umständen nimmt denn diese Besonnenheit ab? Unter welchen Umständen kommt man heraus aus diesem IchBewußtsein?

[ 17 ] Es ist merkwürdig: mit der Erweiterung der materiellen Erkenntnisse wird das Ich-Gefühl stärker. Geht man gewissermaßen auf im materiellen Erkennen, so erreicht man zunächst das Maximum des gewöhnlichen IchGefühls. — Wann wird es schwächer? Nun, Sie brauchen sich nur an die gewöhnlichste, alltäglichste Erscheinung zu erinnern, die zeigt, wann das Ich-Gefühl schwächer wird. Ich erinnere Sie da an den Traum, das Träumen. Nicht wahr, es ist nicht nötig, daß irgendetwas eine äußere Wirklichkeitsbedeutung an sich habe, wenn man auf dieses Etwas hinsieht, um daraus gerade zu erkennen, wie man in die wahre Wirklichkeit hineinkommt. Das Träumen kann schließlich zum Gegenstand einer außerordentlich interessanten Forschung gemacht werden, und es hat ein sehr bedeutender Philosoph der neueren Zeit, Johannes Volkelt, als eine seiner ersten literarischen Publikationen sein Buch über die Traumphantasie erscheinen lassen; es ist nur schade, daß Volkelt die Wege, die er damit beschritten hat und durch die er sich einer wirklichen geisteswissenschaftlichen Erkenntnis gar sehr hätte nähern können, unter der Gewalt der neuesten Philosophie dann wiederum verlassen hat. — Wenn man das Traumleben wirklich studiert, so merkt man ja im Verlauf der Träume mancherlei, aber eines der wesentlichsten Kennzeichen gerade der interessanten Träume ist ihre Symbolik. Sagen wir zum Beispiel, wenn draußen auf der Straße irgendwie Feuerlärm ist, wir aber noch im Schlafe sind und den Feuerlärm nicht als solchen erkennen, so symbolisiert uns der Traum zuweilen irgendein Ereignis, von dem wir dann, wenn wir erwachen, erkennen, wie es eben symbolisch ist für das, was da als äußerer Feuerlärm erscheint. Dies ein Beispiel für das Symbolisieren äußerer Ereignisse. Aber so ist es auch mit inneren Zuständen. Wir träumen von einem kochenden Ofen, und erkennen, wenn wir erwachen: dieser kochende Ofen ist das Traumsymbol, das vor uns hingestellt wird für das Herzklopfen, mit dem wir aufwachen. Inneres und Äußeres symbolisiert uns der Traum in der merkwürdigsten Weise. Aber wir werden es nicht leugnen können: Das Traumgebiet stellt dasjenige dar, in dem sich unser Ich gewissermaßen wiederum verliert. Es geht ja soweit, daß wir das, was nur aus unserem eigenen Ich kommen kann, im Traume wie aus einem fremden Ich hervorgehend erleben. Der Traum löst, gewissermaßen als die chaotische Erscheinung unseres Seelenlebens, unseres zunächst mit der Außenwelt nicht in Zusammenhang stehenden Seelenlebens, unser Ich auf. Er bringt uns heraus aus derjenigen Besonnenheit, in die wir immer mehr und mehr hineinwachsen, gerade wenn wir uns dem materiellen Erkennen hingeben.

[ 17 ] Es ist merkwürdig: mit der Erweiterung der materiellen Erkenntnisse wird das Ich-Gefühl stärker. Geht man gewissermaßen auf im materiellen Erkennen, so erreicht man zunächst das Maximum des gewöhnlichen IchGefühls. — Wann wird es schwächer? Nun, Sie brauchen sich nur an die gewöhnlichste, alltäglichste Erscheinung zu erinnern, die zeigt, wann das Ich-Gefühl schwächer wird. Ich erinnere Sie da an den Traum, das Träumen. Nicht wahr, es ist nicht nötig, daß irgendetwas eine äußere Wirklichkeitsbedeutung an sich habe, wenn man auf dieses Etwas hinsieht, um daraus gerade zu erkennen, wie man in die wahre Wirklichkeit hineinkommt. Das Träumen kann schließlich zum Gegenstand einer außerordentlich interessanten Forschung gemacht werden, und es hat ein sehr bedeutender Philosoph der neueren Zeit, Johannes Volkelt, als eine seiner ersten literarischen Publikationen sein Buch über die Traumphantasie erscheinen lassen; es ist nur schade, daß Volkelt die Wege, die er damit beschritten hat und durch die er sich einer wirklichen geisteswissenschaftlichen Erkenntnis gar sehr hätte nähern können, unter der Gewalt der neuesten Philosophie dann wiederum verlassen hat. — Wenn man das Traumleben wirklich studiert, so merkt man ja im Verlauf der Träume mancherlei, aber eines der wesentlichsten Kennzeichen gerade der interessanten Träume ist ihre Symbolik. Sagen wir zum Beispiel, wenn draußen auf der Straße irgendwie Feuerlärm ist, wir aber noch im Schlafe sind und den Feuerlärm nicht als solchen erkennen, so symbolisiert uns der Traum zuweilen irgendein Ereignis, von dem wir dann, wenn wir erwachen, erkennen, wie es eben symbolisch ist für das, was da als äußerer Feuerlärm erscheint. Dies ein Beispiel für das Symbolisieren äußerer Ereignisse. Aber so ist es auch mit inneren Zuständen. Wir träumen von einem kochenden Ofen, und erkennen, wenn wir erwachen: dieser kochende Ofen ist das Traumsymbol, das vor uns hingestellt wird für das Herzklopfen, mit dem wir aufwachen. Inneres und Äußeres symbolisiert uns der Traum in der merkwürdigsten Weise. Aber wir werden es nicht leugnen können: Das Traumgebiet stellt dasjenige dar, in dem sich unser Ich gewissermaßen wiederum verliert. Es geht ja soweit, daß wir das, was nur aus unserem eigenen Ich kommen kann, im Traume wie aus einem fremden Ich hervorgehend erleben. Der Traum löst, gewissermaßen als die chaotische Erscheinung unseres Seelenlebens, unseres zunächst mit der Außenwelt nicht in Zusammenhang stehenden Seelenlebens, unser Ich auf. Er bringt uns heraus aus derjenigen Besonnenheit, in die wir immer mehr und mehr hineinwachsen, gerade wenn wir uns dem materiellen Erkennen hingeben.

[ 18 ] Und verfolgt man, was im Traume sich zunächst noch im gesunden Zustande zeigt, verfolgt man das durch alle diese Erscheinungen, die sich anschließen an das Traumesleben, durch die ohnmachtähnlichen Zustände, durch die berüchtigten medialen Zustände, durch mancherlei, was sonst den Menschen aus dem Phantasievollen in das Phantastische und Schwärmerische führt, verfolgt man diesen ganzen Weg, wo — gewissermaßen in anderen Metamorphosen — wiederum das erscheint, was uns beim Traum dadurch so charakteristisch entgegentritt, daß der Traum nicht mehr in der Lage ist, die Wirklichkeit adäquat zu erfassen, sondern sie erfaßt in dem Symbolum, das ja eben noch strebt, die Wirklichkeit zu erfassen, aber eben sie nicht mehr erfassen kann, — sieht man auf all diese Erscheinungen hin, diese Fiebererscheinungen, auch auf alles das, was als pathologische Zustände des Seelenlebens hervortritt, so hat man den anderen Pol, den Pol, der, wenn sich das Ich nach ihm entwickelt, so auf dieses Ich wirkt, daß dieses sich auflöst, daß es aus der Besonnenheit herauskommt, daß es ins Unbewußte übergeht.

[ 18 ] Und verfolgt man, was im Traume sich zunächst noch im gesunden Zustande zeigt, verfolgt man das durch alle diese Erscheinungen, die sich anschließen an das Traumesleben, durch die ohnmachtähnlichen Zustände, durch die berüchtigten medialen Zustände, durch mancherlei, was sonst den Menschen aus dem Phantasievollen in das Phantastische und Schwärmerische führt, verfolgt man diesen ganzen Weg, wo — gewissermaßen in anderen Metamorphosen — wiederum das erscheint, was uns beim Traum dadurch so charakteristisch entgegentritt, daß der Traum nicht mehr in der Lage ist, die Wirklichkeit adäquat zu erfassen, sondern sie erfaßt in dem Symbolum, das ja eben noch strebt, die Wirklichkeit zu erfassen, aber eben sie nicht mehr erfassen kann, — sieht man auf all diese Erscheinungen hin, diese Fiebererscheinungen, auch auf alles das, was als pathologische Zustände des Seelenlebens hervortritt, so hat man den anderen Pol, den Pol, der, wenn sich das Ich nach ihm entwickelt, so auf dieses Ich wirkt, daß dieses sich auflöst, daß es aus der Besonnenheit herauskommt, daß es ins Unbewußte übergeht.

[ 19 ] Nun besteht ein merkwürdiger Zusammenhang zwischen diesen inneren Erlebnissen des Menschen, die an ihn herantreten zuerst noch gesund im Traume, dann, in den andern Fällen, die ich aufgezählt habe, sich immer mehr und mehr dem Pathologischen nähernd — es besteht ein merkwürdiger Zusammenhang dieses ganzen Erlebens, ich möchte sagen des ichlos-werdenden Menschen mit demjenigen, was wir nennen können: ein vom Leibe freies Seelenleben. Das zeigt sich ja einfach durch die gewöhnliche Beobachtung, daß das eigentliche Seelenleben freier wird vom Leibe. So haben wir also auf der einen Seite dieses vom Leibe freier werdende Seelenleben. Und wenn wir dann, wie man sagen könnte, sein naturwissenschaftliches Korrelat aufsuchen, dann kommen wir zu etwas höchst Eigentümlichem. Da liegt nun etwas vor, was ich hier erwähnen will, was gut bekannt ist in der heutigen äußeren Wissenschaft, was aber eigentlich nicht immer seinem vollen Werte nach und seiner ganzen Bedeutung nach ermessen wird.

[ 19 ] Nun besteht ein merkwürdiger Zusammenhang zwischen diesen inneren Erlebnissen des Menschen, die an ihn herantreten zuerst noch gesund im Traume, dann, in den andern Fällen, die ich aufgezählt habe, sich immer mehr und mehr dem Pathologischen nähernd — es besteht ein merkwürdiger Zusammenhang dieses ganzen Erlebens, ich möchte sagen des ichlos-werdenden Menschen mit demjenigen, was wir nennen können: ein vom Leibe freies Seelenleben. Das zeigt sich ja einfach durch die gewöhnliche Beobachtung, daß das eigentliche Seelenleben freier wird vom Leibe. So haben wir also auf der einen Seite dieses vom Leibe freier werdende Seelenleben. Und wenn wir dann, wie man sagen könnte, sein naturwissenschaftliches Korrelat aufsuchen, dann kommen wir zu etwas höchst Eigentümlichem. Da liegt nun etwas vor, was ich hier erwähnen will, was gut bekannt ist in der heutigen äußeren Wissenschaft, was aber eigentlich nicht immer seinem vollen Werte nach und seiner ganzen Bedeutung nach ermessen wird.

[ 20 ] Sie wissen ja alle, meine sehr verehrten Anwesenden, welch großen Einfluß die darwinistisch gerichtete Richtung, die darwinistische Art der modernen Entwicklungslehre auf das ganze neuere Geistes- und Kulturleben ausgeübt hat. Nun gibt es einen Punkt innerhalb der Darwinschen Entwicklungslehre, der sich in ganz seltsamer Weise berührt mit dem, was ich eben jetzt Ccharakterisiert habe als inneres Erlebnis. Das, was ich meine, ist folgendes: Der richtige Darwinist, der ja heute von wahrer Wissenschaft schon überwunden ist in gewissem Sinne, dessen Denkungsweise in den heutigen Denktendenzen aber eben auch noch drin ist, der sagt: Die verschiedenen Formen der Lebewesen haben sich aus einander entwickelt, indem kleine, ganz geringe Abänderungen, die irgend etwas, was man nur Zufall nennen kann, bewirkt hat, sich immer weiter und weiter summiert haben, so daß sich schließlich aus einem Lebewesen mit gewissen, sagen wir morphologischen Eigentümlichkeiten durch Umwandlung ein anderes Lebewesen mit ganz anderen morphologischen Eigentümlichkeiten entwickelt hat. Nehmen wir als konkretes Beispiel die Entwicklung, wie man sie sich im Darwinismus gedacht hat, daß sich aus kiemenatmenden niederen Lebewesen die lungenatmenden entwickelt hätten. Man hat angenommen, daß das Organ, das sich da allmählich in die Lunge umgewandelt hat, die Schwimmblase gewesen sei. Man nahm also an, daß die Schwimmblase durch irgendeinen Zufall zunächst eine kleine Abänderung erlitten habe, und daß dann wieder dadurch, daß sich solche Abänderungen summiert hätten, allmählich aus einem Organ mit ganz bestimmtem Dienste für die Außenwelt ein anderes Organ entstanden sei, sodaß die Kiementätigkeit allmählich habe zurücktreten können und die Lungentätigkeit durch die in die Lunge verwandelte Schwimmblase habe eintreten können.

[ 20 ] Sie wissen ja alle, meine sehr verehrten Anwesenden, welch großen Einfluß die darwinistisch gerichtete Richtung, die darwinistische Art der modernen Entwicklungslehre auf das ganze neuere Geistes- und Kulturleben ausgeübt hat. Nun gibt es einen Punkt innerhalb der Darwinschen Entwicklungslehre, der sich in ganz seltsamer Weise berührt mit dem, was ich eben jetzt Ccharakterisiert habe als inneres Erlebnis. Das, was ich meine, ist folgendes: Der richtige Darwinist, der ja heute von wahrer Wissenschaft schon überwunden ist in gewissem Sinne, dessen Denkungsweise in den heutigen Denktendenzen aber eben auch noch drin ist, der sagt: Die verschiedenen Formen der Lebewesen haben sich aus einander entwickelt, indem kleine, ganz geringe Abänderungen, die irgend etwas, was man nur Zufall nennen kann, bewirkt hat, sich immer weiter und weiter summiert haben, so daß sich schließlich aus einem Lebewesen mit gewissen, sagen wir morphologischen Eigentümlichkeiten durch Umwandlung ein anderes Lebewesen mit ganz anderen morphologischen Eigentümlichkeiten entwickelt hat. Nehmen wir als konkretes Beispiel die Entwicklung, wie man sie sich im Darwinismus gedacht hat, daß sich aus kiemenatmenden niederen Lebewesen die lungenatmenden entwickelt hätten. Man hat angenommen, daß das Organ, das sich da allmählich in die Lunge umgewandelt hat, die Schwimmblase gewesen sei. Man nahm also an, daß die Schwimmblase durch irgendeinen Zufall zunächst eine kleine Abänderung erlitten habe, und daß dann wieder dadurch, daß sich solche Abänderungen summiert hätten, allmählich aus einem Organ mit ganz bestimmtem Dienste für die Außenwelt ein anderes Organ entstanden sei, sodaß die Kiementätigkeit allmählich habe zurücktreten können und die Lungentätigkeit durch die in die Lunge verwandelte Schwimmblase habe eintreten können.

[ 21 ] Aber immer wieder und wiederum werden gewisse Einwendungen, und zwar nicht von den am wenigsten geistreichen Naturforschern, gegen dieses Prinzip der kleinen Abänderungen gemacht, indem hervorgehoben wird, daß solche Abänderungen wegen der Strengheit der Organe eines Lebewesens doch eigentlich nur pathologischer Natur seien. Wenn also eine noch so kleine Deformation der Schwimmblase eintrete, so sei das etwas Pathologisches, es könne sich nicht als zweckmäßig erweisen, es müsse wieder abgestreift werden; und es könnten gerade dadurch, daß solche kleine Deformierungen pathologisch aufzufassen seien, auf diesem Wege keine Umwandlungen der tierischen oder pflanzlichen Lebewesen zustandekommen.

[ 21 ] Aber immer wieder und wiederum werden gewisse Einwendungen, und zwar nicht von den am wenigsten geistreichen Naturforschern, gegen dieses Prinzip der kleinen Abänderungen gemacht, indem hervorgehoben wird, daß solche Abänderungen wegen der Strengheit der Organe eines Lebewesens doch eigentlich nur pathologischer Natur seien. Wenn also eine noch so kleine Deformation der Schwimmblase eintrete, so sei das etwas Pathologisches, es könne sich nicht als zweckmäßig erweisen, es müsse wieder abgestreift werden; und es könnten gerade dadurch, daß solche kleine Deformierungen pathologisch aufzufassen seien, auf diesem Wege keine Umwandlungen der tierischen oder pflanzlichen Lebewesen zustandekommen.

[ 22 ] Das wesentliche für diese Betrachtung ist das, daß man also, um Fortschritt zu erklären, in der äußeren Naturforschung genötigt war, auf das Pathologische hinzuschauen, auf dasjenige, was abweicht von dem streng Organisierten, dem streng in der Objektivität durch Gesetze Angeordneten.

[ 22 ] Das wesentliche für diese Betrachtung ist das, daß man also, um Fortschritt zu erklären, in der äußeren Naturforschung genötigt war, auf das Pathologische hinzuschauen, auf dasjenige, was abweicht von dem streng Organisierten, dem streng in der Objektivität durch Gesetze Angeordneten.

[ 23 ] Man kann sagen — und gerade wenn man technisch denkt, wird man dafür ein Gefühl entwickeln können: Dasjenige, was man technisch zustandebringt, damit man sich in bezug auf seine Nützlichkeit auf es verlassen kann, das muß durch die ganze Anordnung des Mechanischen so durchorganisiert sein, daß es nirgends von demjenigen abweicht, was man gesetzmäßig angeordnet hat — eben damit man sich darauf verlassen kann. Der Darwinismus baut eigentlich sein Fortschrittsprinzip ganz auf solche Abweichungen von dem in der Natur selbst streng Organisierten auf, auf Abweichungen von dem, was man — zum Beispiel in der Morphologie — als ebenso streng organisiert oder mechanisiert ansehen möchte wie den Mechanismus einer Maschine. Er war also genötigt, den Fortschritt in der Entwicklung der Lebewesen auf Abweichungen zu gründen, auf dasjenige, was von vielen mit Recht als pathologisch angesehen wird. Ist es da ein Wunder, daß unser Ich — das zum besonnenen Wesen sich heranzieht gerade an dem, was in der Außenwelt im höchsten Maße gesetzmäßig geordnet ist: an den äußeren Erscheinungen —, daß unser Ich, wenn diese äußeren Erscheinungen auch nur eine Spur ins Pathologische hineinkommen, als seelischen Gegensatz das Erlebnis des Herabschwindens des Bewußtseins hat, das Sich-Verlieren des Bewußtseins? Man kann also geradezu einen merkwürdigen Parallelismus, einen Zusammenhang sehen zwischen dem, was hinaus will aus der Gesetzmäßigkeit, was überwinden will das, was wir in der äußeren Natur oder in der Technik anerkennen müssen, und demjenigen, was das Ich herausreißt aus der Besonnenheit, die es sich erringt gerade durch die materielle Betrachtung des Weltenalls.

[ 23 ] Man kann sagen — und gerade wenn man technisch denkt, wird man dafür ein Gefühl entwickeln können: Dasjenige, was man technisch zustandebringt, damit man sich in bezug auf seine Nützlichkeit auf es verlassen kann, das muß durch die ganze Anordnung des Mechanischen so durchorganisiert sein, daß es nirgends von demjenigen abweicht, was man gesetzmäßig angeordnet hat — eben damit man sich darauf verlassen kann. Der Darwinismus baut eigentlich sein Fortschrittsprinzip ganz auf solche Abweichungen von dem in der Natur selbst streng Organisierten auf, auf Abweichungen von dem, was man — zum Beispiel in der Morphologie — als ebenso streng organisiert oder mechanisiert ansehen möchte wie den Mechanismus einer Maschine. Er war also genötigt, den Fortschritt in der Entwicklung der Lebewesen auf Abweichungen zu gründen, auf dasjenige, was von vielen mit Recht als pathologisch angesehen wird. Ist es da ein Wunder, daß unser Ich — das zum besonnenen Wesen sich heranzieht gerade an dem, was in der Außenwelt im höchsten Maße gesetzmäßig geordnet ist: an den äußeren Erscheinungen —, daß unser Ich, wenn diese äußeren Erscheinungen auch nur eine Spur ins Pathologische hineinkommen, als seelischen Gegensatz das Erlebnis des Herabschwindens des Bewußtseins hat, das Sich-Verlieren des Bewußtseins? Man kann also geradezu einen merkwürdigen Parallelismus, einen Zusammenhang sehen zwischen dem, was hinaus will aus der Gesetzmäßigkeit, was überwinden will das, was wir in der äußeren Natur oder in der Technik anerkennen müssen, und demjenigen, was das Ich herausreißt aus der Besonnenheit, die es sich erringt gerade durch die materielle Betrachtung des Weltenalls.

[ 24 ] Wir sehen hier hingewiesen auf den anderen Pol. Und auf diesen anderen Pol weist nun Geisteswissenschaft mit aller Energie hin. Denn durch Geisteswissenschaft eröffnen sich Methoden, die es zuwege bringen, daß eben verhindert werde die Bewußtlosigkeit des Ich, wenn dieses Ich sich herausreißt aus der gewöhnlichen Organisation, die ihm durch den Leib vorgeschrieben ist. Alle Methoden geisteswissenschaftlicher Forschung arbeiten darauf hin, das Ich herauszureißen aus der Tätigkeit des Leibes, und es dennoch nicht hineinsegeln zu lassen in das Unbewußte, sondern es bewußt hineinzuleiten in eine Welt, in die es bewußtlos und krankhaft hineingerät, wenn die Organisation ohne sein Zutun abweicht von dem, was man als ihre Gesetzmäßigkeit anerkennen muß.

[ 24 ] Wir sehen hier hingewiesen auf den anderen Pol. Und auf diesen anderen Pol weist nun Geisteswissenschaft mit aller Energie hin. Denn durch Geisteswissenschaft eröffnen sich Methoden, die es zuwege bringen, daß eben verhindert werde die Bewußtlosigkeit des Ich, wenn dieses Ich sich herausreißt aus der gewöhnlichen Organisation, die ihm durch den Leib vorgeschrieben ist. Alle Methoden geisteswissenschaftlicher Forschung arbeiten darauf hin, das Ich herauszureißen aus der Tätigkeit des Leibes, und es dennoch nicht hineinsegeln zu lassen in das Unbewußte, sondern es bewußt hineinzuleiten in eine Welt, in die es bewußtlos und krankhaft hineingerät, wenn die Organisation ohne sein Zutun abweicht von dem, was man als ihre Gesetzmäßigkeit anerkennen muß.

[ 25 ] Es ist tief bedeutsam, was da im modernen Menschheitsbewußtsein heraufgekommen ist: dieses Sich-Halten an das Pathologische als Fortschrittsprinzip der Entwicklung, und dann das Hinschauen auf dasjenige, was im Abweichen von der festen Organisation eintritt, auf das Verflattern des Ich. Daß das Ich nicht verflattere, daß man also in gesunder und nicht in kranker Weise eine seelisch-geistige Tätigkeit entwickeln könne, das ist das Bestreben der geisteswissenschaftlichen Methode. Und diese geisteswissenschaftliche Methode, sie wird nun in derselben Weise streng ausgestaltet, wie die äußere naturwissenschaftliche Methode ausgestaltet wird. Nur ist es im höchsten Grade wünschenswert, daß die, die maßgeblich irgend etwas erforschen wollen in der geistigen Welt, dasjenige genossen haben, was ich im Eingang meiner Auseinandersetzung charakterisiert habe als die durch das naturwissenschaftliche Forschen angeeignete innere Disziplin und Gewissenhaftigkeit. Wer nicht die Schulung durchgemacht hat durch die moderne Naturwissenschaft, der kann im Grunde genommen nur Nebuloses auf dem Gebiete der Geisteswissenschaft hervorbringen. Es sollte das, was die hier gemeinte anthroposophische Geisteswissenschaft will, nicht verwechselt werden mit dem, was die im Nebulosen verschwimmenden Mystiker oder dergleichen hervorbringen, die ohne diese innere Disziplin, manchmal geradezu mit Disziplinlosigkeit, ohne diese innere Gewissenhaftigkeit, ja mit Gewissenlosigkeit vorgehen, wenn sie der Welt ihre sogenannten geistigen Erlebnisse vormachen, die leider nur allzu leicht dann von Urteilslosen geglaubt werden. Wahrhafte geisteswissenschaftliche Methodik muß in demselben strengen Sinne errungen werden und auf der Voraussetzung dessen, was man als naturwissenschaft licher Forscher ausbildet, wie eben die naturwissenschaftliche Methode selbst.

[ 25 ] Es ist tief bedeutsam, was da im modernen Menschheitsbewußtsein heraufgekommen ist: dieses Sich-Halten an das Pathologische als Fortschrittsprinzip der Entwicklung, und dann das Hinschauen auf dasjenige, was im Abweichen von der festen Organisation eintritt, auf das Verflattern des Ich. Daß das Ich nicht verflattere, daß man also in gesunder und nicht in kranker Weise eine seelisch-geistige Tätigkeit entwickeln könne, das ist das Bestreben der geisteswissenschaftlichen Methode. Und diese geisteswissenschaftliche Methode, sie wird nun in derselben Weise streng ausgestaltet, wie die äußere naturwissenschaftliche Methode ausgestaltet wird. Nur ist es im höchsten Grade wünschenswert, daß die, die maßgeblich irgend etwas erforschen wollen in der geistigen Welt, dasjenige genossen haben, was ich im Eingang meiner Auseinandersetzung charakterisiert habe als die durch das naturwissenschaftliche Forschen angeeignete innere Disziplin und Gewissenhaftigkeit. Wer nicht die Schulung durchgemacht hat durch die moderne Naturwissenschaft, der kann im Grunde genommen nur Nebuloses auf dem Gebiete der Geisteswissenschaft hervorbringen. Es sollte das, was die hier gemeinte anthroposophische Geisteswissenschaft will, nicht verwechselt werden mit dem, was die im Nebulosen verschwimmenden Mystiker oder dergleichen hervorbringen, die ohne diese innere Disziplin, manchmal geradezu mit Disziplinlosigkeit, ohne diese innere Gewissenhaftigkeit, ja mit Gewissenlosigkeit vorgehen, wenn sie der Welt ihre sogenannten geistigen Erlebnisse vormachen, die leider nur allzu leicht dann von Urteilslosen geglaubt werden. Wahrhafte geisteswissenschaftliche Methodik muß in demselben strengen Sinne errungen werden und auf der Voraussetzung dessen, was man als naturwissenschaft licher Forscher ausbildet, wie eben die naturwissenschaftliche Methode selbst.

[ 26 ] Zweierlei ist es, auf das man zunächst hinsehen muß, wenn man die geisteswissenschaftliche Methode ausbilden will. Das erste ist, was sich nach innen zu ergibt als eine notwendige Kraft unseres alltäglichen Seelenlebens und auch unseres gewöhnlichen naturwissenschaftlichen Forschens, nämlich die Erinnerungsfähigkeit oder das Gedächtnis. Dem, der die pathologischen Zustände studiert hat, die den Menschen überkommen, wenn sein Gedächtnis nicht intakt ist, wenn, sagen wir, aus seiner Erinnerung gewisse Zeiträume seit seiner Geburt ausgelöscht sind — Sie können ja darüber hinreichende Studien in der psychiatrischen Literatur machen —, wer studiert hat, was der Mensch da erlebt durch die Diskontinuität seines Erinnerungsvermögens, dem zeigt sich, wie für das gewöhnliche, gesunde Leben dieses Erinnerungsvermögen eine Grundlage bildet. Aber was bedeutet dieses Erinnerungsvermögen? Gerade die geisteswissenschaftliche Forschung zeigt dieses. Wir müssen im gewöhnlichen menschlichen Leben und auch in der gewöhnlichen Wissenschaft dieses Erinnerungsvermögen haben. Forscht man aber psychologisch, jetzt mit unbefangener Psychologie, nach dem, was in diesem Erinnerungsvermögen eigentlich enthalten ist, forscht man namentlich nach der Entwicklung dieses Erinnerungsvermögens von den ersten Kinderjahren an, dann findet man, daß ‘die Vorstellungen, die da als Erinnerungen aus den Untergründen unserer Seele herauftauchen, dasjenige sind, was wir uns durch die Erfahrungen aus der Außenwelt angeeignet haben, wenn es auch vielfach metamorphosiert auftritt, manchmal auch durch berechtigte oder unberechtigte Phantasie umgestaltet. Aber studiert man die ganze menschliche Entwicklung, so kommt man dazu, in dieser Erinnerung etwas zu sehen wie eine Spiegelung unseres Erfahrungslebens an unserem eigenen Organismus. Wie wir im Spiegel dasjenige sehen, was vor dem Spiegel ist — ich gebrauche jetzt einen Vergleich für dasjenige, was Sie ausführlich begründet in der anthroposophischen Literatur dargestellt finden —, wie man in einem Spiegel dasjenige sicht, was vor dem Spiegel ist, und man nicht hinter den Spiegel sieht, so sieht man mit dem gewöhnlichen Bewußtsein gewissermaßen bis zu einer Spiegelfläche, einer seelischen Spiegelfläche, die zurückspiegelt die Erinnerungsvorstellungen. Wie der Wille da hineinspielt, das kann heute nicht berührt werden; vielleicht in einem der nächsten Vorträge. Es ist unser eigener Organismus, der da widerspiegelt dasjenige, was wir erleben. Und ebensowenig, wie wir hinter den Spiegel schauen können, wenn wir vor ihm stehen, ebensowenig können wir in unseren eigenen Organismus hineinschauen und ihn kennenlernen als lebendigen Organismus. Wir müssen ihn kennenlernen aus dem Leichnam oder aus demjenigen, was er uns in pathologischen und sonstigen Abweichungen zeigt. Wir lernen ihn von außen kennen. Wir lernen vergleichsweise diesen Organismus aus demselben Grunde nicht von innen kennen, wie wir nicht hinter den Spiegel sehen können. Es ist aber möglich, wenn man zunächst durch die besondere Methode der Meditation, wie sie beschrieben wird in meinen Büchern «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und im zweiten Teil der «Geheimwissenschaft», dieses Erinnerungsvermögen so ausgebildet hat, daß man sich auf es verlassen kann, mit anderen Worten, wenn man nicht ein nebuloser Mystiker, sondern ein vernünftiger Mensch ist, der jedem Grade innerer Forschung gewachsen ist, sodaß er nicht «verdreht» werden kann, wenn er weiter geht, — es ist möglich, auch durch Meditation das Gedächtnis zu «unterbrechen», so wie man den Spiegel zerbrechen und dann auch das schauen kann, was dahinter ist. Wenn das durch volle Willenskultur in Besonnenheit und mit Aufrechterhaltung des Ich-Bewußtseins geschieht, dann führt das den Menschen dazu, hinter das Gedächtnis zu schauen. Nicht zu pathologischen Zuständen führt es. Wenn der Mensch durch geisteswissenschaftliche Methodik, wie ich es hier nur im Prinzip kurz schildern kann, Vorstellungen, die nicht Reminiszenzen sein dürfen, zu Dauervorstellungen macht, wenn er sich meditativ leicht überschaubaren Vorstellungen hingibt, wenn er seine Seele darauf ruhen läßt, darauf konzentriert, aber so, daß alles ausgeschlossen ist, was nicht aus der menschlichen Willensanwendung erfolgt, und wenn er alle nebulose Mystik ausschließt, dann gelangt der Mensch in der Tat dazu, hinter das Gedächtnis zu schauen; er gelangt dazu, zur wirklichen Selbsterkenntnis zu kommen. Diese Selbsterkenntnis, wie sie die anthroposophische Geisteswissenschaft anstreben muß mit ihren empirischen Methoden, sie unterscheidet sich selbst gar sehr von einer solchen poetischen, in einem gewissen Sinne bewunderungswürdigen Mystik eines Johannes vom Kreuz oder der heiligen Therese. Wer sich den Schriften dieser Geister hingibt, empfindet das Hochpoetische, empfindet, was in diesen wunderbaren Bildern waltet. Wer im anthroposophischen Sinne ein Geistesforscher geworden ist, der weiß ein anderes, der weiß, daß gerade bei solchen Geistern aus den Untergründen der menschlichen Natur, in die das gewöhnliche Bewußtsein nicht hinunterschaut, besondere Tatsachen in das Bewußtsein heraufflammen, könnte man sagen. Bei einer heiligen Therese oder bei Johannes vom Kreuz geschehen in den menschlichen Organen, gerade in den sogenannten physischen menschlichen Organen, in Leber, Lunge und in den Verdauungswerkzeugen — man möge das als noch so prosaisch oder profan ansehen, es ist das nicht profan für den, der die Sache durchschaut —, in diesen physischen Organen geschehen abnorme Dinge, die «dampfen herauf» in das Bewußtsein und werden da zu solchen Bildern, wie sie sich dann ausleben in solchen Persönlichkeiten, die dazu geeignet sind. Der wirkliche Geistesforscher aber durchbricht den Gedächtnisspiegel. Er gelangt nicht zu solch nebuloser Selbsterkenntnis, die man Mystik nennt und anhimmelt, sondern er gelangt zu konkreter Selbsterkenntnis. Er gelangt zur lebendigen Anschauung dessen, was die menschlichen Organe sind. Da eröffnet sich der Weg zu einer wirklichen Erkenntnis der menschlichen Organisation, der Weg, auf dem die Geisteswissenschaft auch in das medizinische Gebiet hinüberführt. Aber das ist nur der Anfang. Denn sieht man auf diese Weise durch geistig-übersinnliche Kräfte in das eigentlich Materielle der menschlichen Organisation hinein, dann überwindet man auch das bloße materielle Anschauen dieser menschlichen Organisation. Denn zuletzt sieht man, wie das, was sich einem da als Materielles im Menschen darstellt, nicht bloß aus der Vererbungsströmung herausgeboren ist, mit der es sich nur verbunden hat, sondern wie es herausgeboren ist aus einer Welt, die der Mensch durchlebt hat vor seiner Geburt oder Empfängnis. Man schaut auf dem Umweg durch materielle Innenerkenntnis in das präexistente Menschenleben hinein. Eine Realität vor der übersinnlichen Erkenntnis wird das präexistente Leben. Die gewöhnliche Mystik, wie sie von kritiklosen Geistern angehimmelt wird, ist eher ein Hindernis für wirkliche Geist-Erkenntnis. — Das nach der einen Seite.

[ 26 ] Zweierlei ist es, auf das man zunächst hinsehen muß, wenn man die geisteswissenschaftliche Methode ausbilden will. Das erste ist, was sich nach innen zu ergibt als eine notwendige Kraft unseres alltäglichen Seelenlebens und auch unseres gewöhnlichen naturwissenschaftlichen Forschens, nämlich die Erinnerungsfähigkeit oder das Gedächtnis. Dem, der die pathologischen Zustände studiert hat, die den Menschen überkommen, wenn sein Gedächtnis nicht intakt ist, wenn, sagen wir, aus seiner Erinnerung gewisse Zeiträume seit seiner Geburt ausgelöscht sind — Sie können ja darüber hinreichende Studien in der psychiatrischen Literatur machen —, wer studiert hat, was der Mensch da erlebt durch die Diskontinuität seines Erinnerungsvermögens, dem zeigt sich, wie für das gewöhnliche, gesunde Leben dieses Erinnerungsvermögen eine Grundlage bildet. Aber was bedeutet dieses Erinnerungsvermögen? Gerade die geisteswissenschaftliche Forschung zeigt dieses. Wir müssen im gewöhnlichen menschlichen Leben und auch in der gewöhnlichen Wissenschaft dieses Erinnerungsvermögen haben. Forscht man aber psychologisch, jetzt mit unbefangener Psychologie, nach dem, was in diesem Erinnerungsvermögen eigentlich enthalten ist, forscht man namentlich nach der Entwicklung dieses Erinnerungsvermögens von den ersten Kinderjahren an, dann findet man, daß ‘die Vorstellungen, die da als Erinnerungen aus den Untergründen unserer Seele herauftauchen, dasjenige sind, was wir uns durch die Erfahrungen aus der Außenwelt angeeignet haben, wenn es auch vielfach metamorphosiert auftritt, manchmal auch durch berechtigte oder unberechtigte Phantasie umgestaltet. Aber studiert man die ganze menschliche Entwicklung, so kommt man dazu, in dieser Erinnerung etwas zu sehen wie eine Spiegelung unseres Erfahrungslebens an unserem eigenen Organismus. Wie wir im Spiegel dasjenige sehen, was vor dem Spiegel ist — ich gebrauche jetzt einen Vergleich für dasjenige, was Sie ausführlich begründet in der anthroposophischen Literatur dargestellt finden —, wie man in einem Spiegel dasjenige sicht, was vor dem Spiegel ist, und man nicht hinter den Spiegel sieht, so sieht man mit dem gewöhnlichen Bewußtsein gewissermaßen bis zu einer Spiegelfläche, einer seelischen Spiegelfläche, die zurückspiegelt die Erinnerungsvorstellungen. Wie der Wille da hineinspielt, das kann heute nicht berührt werden; vielleicht in einem der nächsten Vorträge. Es ist unser eigener Organismus, der da widerspiegelt dasjenige, was wir erleben. Und ebensowenig, wie wir hinter den Spiegel schauen können, wenn wir vor ihm stehen, ebensowenig können wir in unseren eigenen Organismus hineinschauen und ihn kennenlernen als lebendigen Organismus. Wir müssen ihn kennenlernen aus dem Leichnam oder aus demjenigen, was er uns in pathologischen und sonstigen Abweichungen zeigt. Wir lernen ihn von außen kennen. Wir lernen vergleichsweise diesen Organismus aus demselben Grunde nicht von innen kennen, wie wir nicht hinter den Spiegel sehen können. Es ist aber möglich, wenn man zunächst durch die besondere Methode der Meditation, wie sie beschrieben wird in meinen Büchern «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und im zweiten Teil der «Geheimwissenschaft», dieses Erinnerungsvermögen so ausgebildet hat, daß man sich auf es verlassen kann, mit anderen Worten, wenn man nicht ein nebuloser Mystiker, sondern ein vernünftiger Mensch ist, der jedem Grade innerer Forschung gewachsen ist, sodaß er nicht «verdreht» werden kann, wenn er weiter geht, — es ist möglich, auch durch Meditation das Gedächtnis zu «unterbrechen», so wie man den Spiegel zerbrechen und dann auch das schauen kann, was dahinter ist. Wenn das durch volle Willenskultur in Besonnenheit und mit Aufrechterhaltung des Ich-Bewußtseins geschieht, dann führt das den Menschen dazu, hinter das Gedächtnis zu schauen. Nicht zu pathologischen Zuständen führt es. Wenn der Mensch durch geisteswissenschaftliche Methodik, wie ich es hier nur im Prinzip kurz schildern kann, Vorstellungen, die nicht Reminiszenzen sein dürfen, zu Dauervorstellungen macht, wenn er sich meditativ leicht überschaubaren Vorstellungen hingibt, wenn er seine Seele darauf ruhen läßt, darauf konzentriert, aber so, daß alles ausgeschlossen ist, was nicht aus der menschlichen Willensanwendung erfolgt, und wenn er alle nebulose Mystik ausschließt, dann gelangt der Mensch in der Tat dazu, hinter das Gedächtnis zu schauen; er gelangt dazu, zur wirklichen Selbsterkenntnis zu kommen. Diese Selbsterkenntnis, wie sie die anthroposophische Geisteswissenschaft anstreben muß mit ihren empirischen Methoden, sie unterscheidet sich selbst gar sehr von einer solchen poetischen, in einem gewissen Sinne bewunderungswürdigen Mystik eines Johannes vom Kreuz oder der heiligen Therese. Wer sich den Schriften dieser Geister hingibt, empfindet das Hochpoetische, empfindet, was in diesen wunderbaren Bildern waltet. Wer im anthroposophischen Sinne ein Geistesforscher geworden ist, der weiß ein anderes, der weiß, daß gerade bei solchen Geistern aus den Untergründen der menschlichen Natur, in die das gewöhnliche Bewußtsein nicht hinunterschaut, besondere Tatsachen in das Bewußtsein heraufflammen, könnte man sagen. Bei einer heiligen Therese oder bei Johannes vom Kreuz geschehen in den menschlichen Organen, gerade in den sogenannten physischen menschlichen Organen, in Leber, Lunge und in den Verdauungswerkzeugen — man möge das als noch so prosaisch oder profan ansehen, es ist das nicht profan für den, der die Sache durchschaut —, in diesen physischen Organen geschehen abnorme Dinge, die «dampfen herauf» in das Bewußtsein und werden da zu solchen Bildern, wie sie sich dann ausleben in solchen Persönlichkeiten, die dazu geeignet sind. Der wirkliche Geistesforscher aber durchbricht den Gedächtnisspiegel. Er gelangt nicht zu solch nebuloser Selbsterkenntnis, die man Mystik nennt und anhimmelt, sondern er gelangt zu konkreter Selbsterkenntnis. Er gelangt zur lebendigen Anschauung dessen, was die menschlichen Organe sind. Da eröffnet sich der Weg zu einer wirklichen Erkenntnis der menschlichen Organisation, der Weg, auf dem die Geisteswissenschaft auch in das medizinische Gebiet hinüberführt. Aber das ist nur der Anfang. Denn sieht man auf diese Weise durch geistig-übersinnliche Kräfte in das eigentlich Materielle der menschlichen Organisation hinein, dann überwindet man auch das bloße materielle Anschauen dieser menschlichen Organisation. Denn zuletzt sieht man, wie das, was sich einem da als Materielles im Menschen darstellt, nicht bloß aus der Vererbungsströmung herausgeboren ist, mit der es sich nur verbunden hat, sondern wie es herausgeboren ist aus einer Welt, die der Mensch durchlebt hat vor seiner Geburt oder Empfängnis. Man schaut auf dem Umweg durch materielle Innenerkenntnis in das präexistente Menschenleben hinein. Eine Realität vor der übersinnlichen Erkenntnis wird das präexistente Leben. Die gewöhnliche Mystik, wie sie von kritiklosen Geistern angehimmelt wird, ist eher ein Hindernis für wirkliche Geist-Erkenntnis. — Das nach der einen Seite.

[ 27 ] Eine andere menschliche Kraft, die für das Leben im eminentesten Sinne notwendig ist, die wiederum ebensowenig durchbrochen werden darf für dieses gewöhnliche Leben, wie die Gedächtnis- oder Erinnerungskraft, ist die Kraft der Liebe. Nun, Sie wissen alle, wie im gewöhnlichen Leben diese Kraft der Liebe gebunden ist an den menschlichen Organismus. Sie wird ja in der Art, wie sie für das soziale Leben ihre besondere Bedeutung hat, in einem besonderen Lebensalter erst geboren, nämlich wenn der Mensch geschlechtsreif wird, vorher ist sie nur eine Art Vorbereitung — aber diese Liebe ist nur ein Spezialfall dessen, was wir «Liebe» im Allgemeinen nennen. So wie die Geschlechtsliebe gebunden ist an den menschlichen Organismus, so ist zunächst auch die Liebe im gewöhnlichen Sinne gebunden an den Organismus. So wie aber losgerissen werden kann die Erkenntnis im Zerbrechen des Gedächtnisses, so kann die Liebe freigemacht werden von dem menschlichen Organismus, wenn sie durch besondere Methodik geistig-seelisch ausgebildet wird. Man muß dann nur nicht alles mögliche im trivialen Sinne «platonische Liebe» nennen, was auch nichts anderes ist als irgendein Dampf aus dem Organismus heraus — sondern es muß diese Liebe im höheren Sinne ausgebildet werden durch menschliche Selbstzucht, wiederum durch Übungen, wie sie angegeben werden in den genannten Schriften. Es kann diese Liebe, die im gewöhnlichen Leben keine Erkenntniskraft ist, ausgebildet werden, so daß sie sich umgestaltet zu der Erkenntniskraft wahrer Intuition. Wenn wir dasjenige, dem wir uns sonst nur hingeben im Leben, was uns eigentlich im Leben erzieht, in Selbstzucht in die Hand nehmen, wenn wir gewissermaßen immer mehr und mehr der eigene Begleiter unserer Selbsterziehung in streng methodischer Weise werden, dann gelangen wir dazu, die Liebe zu einer freien Kraft im menschlichen Wesen, in der menschlichen Organisation zu machen, und dann wird sie eine Erkenntniskraft. Und wie wir zur Selbsterkenntnis gelangen dadurch, daß wir das Gedächtnis überwinden, so gelangen wir zu einer übersinnlichen Erkenntnis, indem wir die Liebe zu einer Erkenntnis machen in bezug auf die Außenwelt. Erkenntnisgrenzen in bezug auf die Außenwelt müssen da sein, sonst würden wir die Liebe in uns nicht entwickeln können. Wären wir nicht getrennt von der äußeren Welt, so könnten wir auch nicht so getrennt sein von Mensch zu Mensch, daß wir die Liebe im sozialen Leben entwickeln könnten. Wenn wir aber wiederum diese Liebe zur höheren Erkenntnis entwickelt haben, sie also in ausreichend gesundem Maße haben, und sie dann zur Erkenntniskraft ausgestalten, dann erlangen wir ebenso Welterkenntnis, wie wir auf dem anderen Wege Selbsterkenntnis erlangen. Und diese Welterkenntnis führt uns zur Erkenntnis derjenigen Welt, in der wir nur leben zwischen Einschlafen und Aufwachen, wenn wir kein Bewußtsein haben, wenn das Bewußtsein wiederum hinschwindet. Wir erleben einen Zustand, der in einer gewissen Weise ähnlich ist dem zwischen Einschlafen und Aufwachen, wir erleben aber diesen Zustand in vollem Bewußtsein. Da erleben wir eine neue Außenwelt. Da erleben wir keine atomistische Welt, die der äußeren Sinneswelt zugrunde liegt, sondern da erleben wir eine geistige Welt. In der Liebe sich selbst zu erziehen bedeutet, den Schritt zu machen in die wahre Wirklichkeit der Außenwelt, in geistige Wirklichkeit hinein; in diejenige Wirklichkeit, die unsere Seele allabendlich aufnimmt, wenn wir einschlafen, wenn unser gewöhnliches Bewußtsein, das da noch an den Leib gebunden ist, unbewußt wird, weil die Rücksehnsucht vorhanden ist nach dem Leibe, der im Bette liegt. Wenn wir zu einem höheren Bewußtsein aufsteigen, dann lernen wir diejenige Welt kennen, die uns dann bewußt aufnimmt, wenn wir durch des Todes Pforte gehen. So treten uns die beiden Enden unseres Menschenlebens zunächst wissenschaftlich entgegen. Vieles andere soll dann in einem nächsten Vortrage weiter charakterisiert werden. Heute wählte ich mir nur zur Aufgabe, zu zeigen, wie gerade erweitert werden muß dasjenige, was in der Naturwissenschaft innerlich seelisch anerzogen werden kann, wenn durch wahre Geisteswissenschaft wahres Geist-Erkennen erreicht werden soll. Deshalb, weil nicht in irgendeiner laienhaften, dilettantischen Art, sondern in strenger Methodik die Seele sich fortbilden will, wenn sie vom Natur-Erkennen zum Geist-Erkennen aufsteigen will, deshalb darf man auch glauben: Wer nun aus dem vollen Menschentum heraus zu beurteilen vermag, was uns die materielle Natur-Erkenntnis gibt, und wer da anzuerkennen vermag, daß wir unser Ich erstarken durch materielle Erkenntnis, der wird sich auch hineinfinden können in die Anschauung, die diese Erstarkung des Ich nach der anderen, der geistigen Seite sucht, in die wir hineinschlafen, hineinträumen, oder die wir in pathologischen Zuständen antreffen, die wir aber in vollständig gesunder Weise ausbilden können, um dann aufzurücken zu einer geistigen Welterkenntnis. Deshalb glaube ich: Wer erfüllen kann das Natur-Erkennen in richtiger Weise, der wird auch aufsteigen in ein Geist-Erkennen, das jedem Menschen, besonders aber dem an der Naturwissenschaft Erzogenen, zugänglich ist. Deshalb glaube ich, daß die Anerkennung der Geisteswissenschaft gerade durch das Erstarken des wissenschaftlichen Geistes und des Natur-Erkennens kommen werde.

[ 27 ] Eine andere menschliche Kraft, die für das Leben im eminentesten Sinne notwendig ist, die wiederum ebensowenig durchbrochen werden darf für dieses gewöhnliche Leben, wie die Gedächtnis- oder Erinnerungskraft, ist die Kraft der Liebe. Nun, Sie wissen alle, wie im gewöhnlichen Leben diese Kraft der Liebe gebunden ist an den menschlichen Organismus. Sie wird ja in der Art, wie sie für das soziale Leben ihre besondere Bedeutung hat, in einem besonderen Lebensalter erst geboren, nämlich wenn der Mensch geschlechtsreif wird, vorher ist sie nur eine Art Vorbereitung — aber diese Liebe ist nur ein Spezialfall dessen, was wir «Liebe» im Allgemeinen nennen. So wie die Geschlechtsliebe gebunden ist an den menschlichen Organismus, so ist zunächst auch die Liebe im gewöhnlichen Sinne gebunden an den Organismus. So wie aber losgerissen werden kann die Erkenntnis im Zerbrechen des Gedächtnisses, so kann die Liebe freigemacht werden von dem menschlichen Organismus, wenn sie durch besondere Methodik geistig-seelisch ausgebildet wird. Man muß dann nur nicht alles mögliche im trivialen Sinne «platonische Liebe» nennen, was auch nichts anderes ist als irgendein Dampf aus dem Organismus heraus — sondern es muß diese Liebe im höheren Sinne ausgebildet werden durch menschliche Selbstzucht, wiederum durch Übungen, wie sie angegeben werden in den genannten Schriften. Es kann diese Liebe, die im gewöhnlichen Leben keine Erkenntniskraft ist, ausgebildet werden, so daß sie sich umgestaltet zu der Erkenntniskraft wahrer Intuition. Wenn wir dasjenige, dem wir uns sonst nur hingeben im Leben, was uns eigentlich im Leben erzieht, in Selbstzucht in die Hand nehmen, wenn wir gewissermaßen immer mehr und mehr der eigene Begleiter unserer Selbsterziehung in streng methodischer Weise werden, dann gelangen wir dazu, die Liebe zu einer freien Kraft im menschlichen Wesen, in der menschlichen Organisation zu machen, und dann wird sie eine Erkenntniskraft. Und wie wir zur Selbsterkenntnis gelangen dadurch, daß wir das Gedächtnis überwinden, so gelangen wir zu einer übersinnlichen Erkenntnis, indem wir die Liebe zu einer Erkenntnis machen in bezug auf die Außenwelt. Erkenntnisgrenzen in bezug auf die Außenwelt müssen da sein, sonst würden wir die Liebe in uns nicht entwickeln können. Wären wir nicht getrennt von der äußeren Welt, so könnten wir auch nicht so getrennt sein von Mensch zu Mensch, daß wir die Liebe im sozialen Leben entwickeln könnten. Wenn wir aber wiederum diese Liebe zur höheren Erkenntnis entwickelt haben, sie also in ausreichend gesundem Maße haben, und sie dann zur Erkenntniskraft ausgestalten, dann erlangen wir ebenso Welterkenntnis, wie wir auf dem anderen Wege Selbsterkenntnis erlangen. Und diese Welterkenntnis führt uns zur Erkenntnis derjenigen Welt, in der wir nur leben zwischen Einschlafen und Aufwachen, wenn wir kein Bewußtsein haben, wenn das Bewußtsein wiederum hinschwindet. Wir erleben einen Zustand, der in einer gewissen Weise ähnlich ist dem zwischen Einschlafen und Aufwachen, wir erleben aber diesen Zustand in vollem Bewußtsein. Da erleben wir eine neue Außenwelt. Da erleben wir keine atomistische Welt, die der äußeren Sinneswelt zugrunde liegt, sondern da erleben wir eine geistige Welt. In der Liebe sich selbst zu erziehen bedeutet, den Schritt zu machen in die wahre Wirklichkeit der Außenwelt, in geistige Wirklichkeit hinein; in diejenige Wirklichkeit, die unsere Seele allabendlich aufnimmt, wenn wir einschlafen, wenn unser gewöhnliches Bewußtsein, das da noch an den Leib gebunden ist, unbewußt wird, weil die Rücksehnsucht vorhanden ist nach dem Leibe, der im Bette liegt. Wenn wir zu einem höheren Bewußtsein aufsteigen, dann lernen wir diejenige Welt kennen, die uns dann bewußt aufnimmt, wenn wir durch des Todes Pforte gehen. So treten uns die beiden Enden unseres Menschenlebens zunächst wissenschaftlich entgegen. Vieles andere soll dann in einem nächsten Vortrage weiter charakterisiert werden. Heute wählte ich mir nur zur Aufgabe, zu zeigen, wie gerade erweitert werden muß dasjenige, was in der Naturwissenschaft innerlich seelisch anerzogen werden kann, wenn durch wahre Geisteswissenschaft wahres Geist-Erkennen erreicht werden soll. Deshalb, weil nicht in irgendeiner laienhaften, dilettantischen Art, sondern in strenger Methodik die Seele sich fortbilden will, wenn sie vom Natur-Erkennen zum Geist-Erkennen aufsteigen will, deshalb darf man auch glauben: Wer nun aus dem vollen Menschentum heraus zu beurteilen vermag, was uns die materielle Natur-Erkenntnis gibt, und wer da anzuerkennen vermag, daß wir unser Ich erstarken durch materielle Erkenntnis, der wird sich auch hineinfinden können in die Anschauung, die diese Erstarkung des Ich nach der anderen, der geistigen Seite sucht, in die wir hineinschlafen, hineinträumen, oder die wir in pathologischen Zuständen antreffen, die wir aber in vollständig gesunder Weise ausbilden können, um dann aufzurücken zu einer geistigen Welterkenntnis. Deshalb glaube ich: Wer erfüllen kann das Natur-Erkennen in richtiger Weise, der wird auch aufsteigen in ein Geist-Erkennen, das jedem Menschen, besonders aber dem an der Naturwissenschaft Erzogenen, zugänglich ist. Deshalb glaube ich, daß die Anerkennung der Geisteswissenschaft gerade durch das Erstarken des wissenschaftlichen Geistes und des Natur-Erkennens kommen werde.