The Task of Anthroposophy
in the Context of Science and Life
GA 77a
28 July 1921, Darmstadt
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Die Aufgabe der Anthroposophie gegenüber Wissenschaft und Leben
2. Schlusswort nach dem Vortrag von Carl Unger über «Technik als freie Kunst»
2. Schlusswort nach dem Vortrag von Carl Unger über «Technik als freie Kunst»
[ 1 ] Liebe Kommilitonen, verehrte Anwesende! Ich möchte mich sehr gerne streng an das Thema halten, und da über Dreigliederung nachher noch gesprochen werden soll, alle Fragen, die sich auf die Dreigliederung beziehen, auf später verschieben. Aber insofern glaube ich doch, daß es berechtigt ist, ein paar Worte auch hier über die Dreigliederung zu sagen, weil ja Herr Dr. Unger selber in seinen Auseinandersetzungen von der Dreigliederungsidee als der Grundlage für seine Anschauungen über die Schöpfung der Technik als einer freien Kunst ausgegangen ist.
[ 1 ] Liebe Kommilitonen, verehrte Anwesende! Ich möchte mich sehr gerne streng an das Thema halten, und da über Dreigliederung nachher noch gesprochen werden soll, alle Fragen, die sich auf die Dreigliederung beziehen, auf später verschieben. Aber insofern glaube ich doch, daß es berechtigt ist, ein paar Worte auch hier über die Dreigliederung zu sagen, weil ja Herr Dr. Unger selber in seinen Auseinandersetzungen von der Dreigliederungsidee als der Grundlage für seine Anschauungen über die Schöpfung der Technik als einer freien Kunst ausgegangen ist.
[ 2 ] Man kann in einem gewissen Sinne nicht ganz aufrechterhalten — ich habe das in meinen «Kernpunkten der Sozialen Frage» auch zum Ausdruck gebracht, und Herr Dr. Unger hat das ja wohl auch so gemeint —, man kann nicht aufrechterhalten im strengen Sinne des Wortes, daß die Dreigliederungsidee als solche, also die Dreigliederung des sozialen Organismus als Idee, als Begriff, eine Art neue Entdeckung sei. Eher liegt vielleicht eine Art neue Entdeckung in den sozialen Gesetzmäßigkeiten, auf die ich in den Aufsätzen 1905 hingewiesen habe. Die Dreigliederungsidee ist eigentlich alt, und auch in der Form als Dreigliederungsidee ist sie öfter erwähnt worden. Das wesentliche, wie die Dreigliederungsidee hier vor Sie hintritt und wie sie in der Gegenwart auftritt, das ist nicht ihr eigentlicher Ideencharakter, sondern das ist die Stellung, die sie einnehmen will gegenüber dem ganzen sozialen Organismus. Die Idee, das Gesamtleben der Menschheit zu gliedern in einen geistigen Teil, in einen staatlich-juristischen Teil und in einen wirtschaftlichen Teil, diese Idee mußte ja immer wieder auftreten, und es können da oder dort, wenn der Anspruch erhoben würde, daß man es hier mit etwas vollständig Neuem als Idee zu tun hätte, wie ich glaube, ganz selbstverständlich Primatansprüche gemacht werden, die mir sehr gut bekannt sind. Deshalb habe ich in den «Kernpunkten» darauf hingewiesen, daß es sich, so wie die Dreigliederungsidee hier auftritt, ja um etwas ganz anderes handelt.
[ 2 ] Man kann in einem gewissen Sinne nicht ganz aufrechterhalten — ich habe das in meinen «Kernpunkten der Sozialen Frage» auch zum Ausdruck gebracht, und Herr Dr. Unger hat das ja wohl auch so gemeint —, man kann nicht aufrechterhalten im strengen Sinne des Wortes, daß die Dreigliederungsidee als solche, also die Dreigliederung des sozialen Organismus als Idee, als Begriff, eine Art neue Entdeckung sei. Eher liegt vielleicht eine Art neue Entdeckung in den sozialen Gesetzmäßigkeiten, auf die ich in den Aufsätzen 1905 hingewiesen habe. Die Dreigliederungsidee ist eigentlich alt, und auch in der Form als Dreigliederungsidee ist sie öfter erwähnt worden. Das wesentliche, wie die Dreigliederungsidee hier vor Sie hintritt und wie sie in der Gegenwart auftritt, das ist nicht ihr eigentlicher Ideencharakter, sondern das ist die Stellung, die sie einnehmen will gegenüber dem ganzen sozialen Organismus. Die Idee, das Gesamtleben der Menschheit zu gliedern in einen geistigen Teil, in einen staatlich-juristischen Teil und in einen wirtschaftlichen Teil, diese Idee mußte ja immer wieder auftreten, und es können da oder dort, wenn der Anspruch erhoben würde, daß man es hier mit etwas vollständig Neuem als Idee zu tun hätte, wie ich glaube, ganz selbstverständlich Primatansprüche gemacht werden, die mir sehr gut bekannt sind. Deshalb habe ich in den «Kernpunkten» darauf hingewiesen, daß es sich, so wie die Dreigliederungsidee hier auftritt, ja um etwas ganz anderes handelt.
[ 3 ] Diese Dreigliederungsidee, so wie sie zum Beispiel von mir vertreten wird, ist ganz aus einer jahrzehntelangen Beobachtung der Bedürfnisse der Gegenwartsmenschheit hervorgegangen. Man mußte ja, wenn man in der Gegenwart mit offenen Augen die Verhältnisse durchschaut, schon am Ende des 19. Jahrhunderts erkennen, daß die Dinge zu einer Katastrophe drängten. Und ich habe im Frühling des Jahres 1914 darauf hingewiesen in einem Vortragszyklus, den ich in Wien vor einem kleineren Kreise gehalten habe — ein größerer würde mich dazumal wegen meiner Ausführungen wahrscheinlich ausgelacht haben —, daß schon in der nächsten Zeit die Verhältnisse der zivilisierten Welt — ich sagte dazumal nicht etwa bloß: die europäischen Verhältnisse — zu einer entscheidenden Katastrophe drängten. Sehen Sie, das war in einer Zeit, die schon sehr nahe vor der Katastrophe stand. Trotzdem mußte man es in den nächsten Wochen erleben, daß Leute, die in ihren Stellungen für den Gang der Ereignisse verantwortlich waren, etwa in folgender Weise sprachen. Ein Staatsmann mit Verantwortung, hervorragend zu nennen — natürlich nur im Sinne desjenigen, was unsere Zeit so häufig «hervorragend» nennt —, sagte, als es sich darum handelte, die allgemeine Weltsituation in einem Parlament zu besprechen: die Verhältnisse Mitteleuropas zu Rußland ständen in der denkbar günstigsten Weise; man könne überzeugt sein davon, daß der Friede immer mehr und mehr konsolidiert werde. Das dürfe er sagen durch die freundnachbarlichen Beziehungen, die zum Beispiel herrschten zwischen Petersburg und Berlin. — So wurde im Mai 1914 von verantwortlicher Stelle aus gesprochen, nachdem man, wie es eben von mir geschah, schon vorher mit aller Energie darauf hatte hinweisen müssen, daß die Verhältnisse einer Katastrophe zudrängen mußten, und zwar einfach deshalb, weil die drei Glieder des menschlichen Zusammenlebens, das geistige, das juristisch-rechtliche und das wirtschaftliche, im gesamten sozialen Leben so ineinander gewirkt hatten, daß die Katastrophe in ihren Tiefen eigentlich nur in dem Durcheinanderwirbeln dieser drei Gebiete gesehen werden kann. Man konnte ja sehen, namentlich wenn man ein Auge dafür hatte, wie der überhandnehmende Intellektualismus der neueren Zeit auf unser gesamtes öffentliches Leben wirkte, wie die völlige Hingabe der Menschen an das intellektualistische Element, so wie es sich in der gebräuchlichen Wissenschaftsgesinnung herausgebildet hat, die ja alles andere auch durchdrungen hat —, man konnte sehen, wie diese Hingabe an das Intellektualistische alles in einem gewissen Sinne für die Katastrophe vorbereitete. Da liegen doch die tieferen Gründe, und wer sie heute noch nicht da liegen sieht, der kann auch nicht in fruchtbarer Weise an einer Diskussion über Aufbaukräfte teilnehmen.
[ 3 ] Diese Dreigliederungsidee, so wie sie zum Beispiel von mir vertreten wird, ist ganz aus einer jahrzehntelangen Beobachtung der Bedürfnisse der Gegenwartsmenschheit hervorgegangen. Man mußte ja, wenn man in der Gegenwart mit offenen Augen die Verhältnisse durchschaut, schon am Ende des 19. Jahrhunderts erkennen, daß die Dinge zu einer Katastrophe drängten. Und ich habe im Frühling des Jahres 1914 darauf hingewiesen in einem Vortragszyklus, den ich in Wien vor einem kleineren Kreise gehalten habe — ein größerer würde mich dazumal wegen meiner Ausführungen wahrscheinlich ausgelacht haben —, daß schon in der nächsten Zeit die Verhältnisse der zivilisierten Welt — ich sagte dazumal nicht etwa bloß: die europäischen Verhältnisse — zu einer entscheidenden Katastrophe drängten. Sehen Sie, das war in einer Zeit, die schon sehr nahe vor der Katastrophe stand. Trotzdem mußte man es in den nächsten Wochen erleben, daß Leute, die in ihren Stellungen für den Gang der Ereignisse verantwortlich waren, etwa in folgender Weise sprachen. Ein Staatsmann mit Verantwortung, hervorragend zu nennen — natürlich nur im Sinne desjenigen, was unsere Zeit so häufig «hervorragend» nennt —, sagte, als es sich darum handelte, die allgemeine Weltsituation in einem Parlament zu besprechen: die Verhältnisse Mitteleuropas zu Rußland ständen in der denkbar günstigsten Weise; man könne überzeugt sein davon, daß der Friede immer mehr und mehr konsolidiert werde. Das dürfe er sagen durch die freundnachbarlichen Beziehungen, die zum Beispiel herrschten zwischen Petersburg und Berlin. — So wurde im Mai 1914 von verantwortlicher Stelle aus gesprochen, nachdem man, wie es eben von mir geschah, schon vorher mit aller Energie darauf hatte hinweisen müssen, daß die Verhältnisse einer Katastrophe zudrängen mußten, und zwar einfach deshalb, weil die drei Glieder des menschlichen Zusammenlebens, das geistige, das juristisch-rechtliche und das wirtschaftliche, im gesamten sozialen Leben so ineinander gewirkt hatten, daß die Katastrophe in ihren Tiefen eigentlich nur in dem Durcheinanderwirbeln dieser drei Gebiete gesehen werden kann. Man konnte ja sehen, namentlich wenn man ein Auge dafür hatte, wie der überhandnehmende Intellektualismus der neueren Zeit auf unser gesamtes öffentliches Leben wirkte, wie die völlige Hingabe der Menschen an das intellektualistische Element, so wie es sich in der gebräuchlichen Wissenschaftsgesinnung herausgebildet hat, die ja alles andere auch durchdrungen hat —, man konnte sehen, wie diese Hingabe an das Intellektualistische alles in einem gewissen Sinne für die Katastrophe vorbereitete. Da liegen doch die tieferen Gründe, und wer sie heute noch nicht da liegen sieht, der kann auch nicht in fruchtbarer Weise an einer Diskussion über Aufbaukräfte teilnehmen.
[ 4 ] Sehen Sie, damals konnte man ja so etwas erleben — ich sage das nicht aus Unbescheidenheit, sondern weil es mir doch als eigenes Erlebnis symptomatisch bedeutsam erscheint —: Ich habe im Jahre 1914, Anfang des Sommers, in Paris einen deutschen Vortrag gehalten über die Dinge, über die ich gewöhnlich spreche und zum Beispiel auch gestern gesprochen habe. Dieser Vortrag wurde nicht etwa für eine deutsche Kolonie dort gehalten, sondern er wurde Wort für Wort übersetzt, er wurde also ausdrücklich für Franzosen gehalten, nicht für deutsche Kolonisten, die in Paris lebten — die waren auch nicht drinnen. Man konnte also im Mai 1914 mit dem, was aus deutschem Geistesleben im strengsten Sinne geflossen ist — denn im Grunde ist es doch so, daß alles das, was hier als Anthroposophie geltend gemacht wird, aus deutschem Geistesleben geflossen ist —, man konnte mit dem in der ganzen Welt irgendwie einen gewissen Eindruck machen. Wir waren soweit auf geistigem Gebiete. Was aber dem entgegengearbeitet hat, war wiederum das wirtschaftliche Gebiet. Und das muß man nur einmal genau durchschauen, wie dieses Nicht-in-Harmonie-Arbeiten des geistigen Lebens mit dem wirtschaftlichen Leben — wenn ich mich des kritischen Ausdrucks bedienen darf — das Urphänomen war all der Erscheinungen, die sich vorbereiteten in den achtziger Jahren, die auf ihrem Höhepunkt angelangt waren um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Es fließen da natürlich unzählige Kräfte und Strömungen zusammen, so daß man natürlich nicht alles in ein paar Worten zusammenfassen kann.
[ 4 ] Sehen Sie, damals konnte man ja so etwas erleben — ich sage das nicht aus Unbescheidenheit, sondern weil es mir doch als eigenes Erlebnis symptomatisch bedeutsam erscheint —: Ich habe im Jahre 1914, Anfang des Sommers, in Paris einen deutschen Vortrag gehalten über die Dinge, über die ich gewöhnlich spreche und zum Beispiel auch gestern gesprochen habe. Dieser Vortrag wurde nicht etwa für eine deutsche Kolonie dort gehalten, sondern er wurde Wort für Wort übersetzt, er wurde also ausdrücklich für Franzosen gehalten, nicht für deutsche Kolonisten, die in Paris lebten — die waren auch nicht drinnen. Man konnte also im Mai 1914 mit dem, was aus deutschem Geistesleben im strengsten Sinne geflossen ist — denn im Grunde ist es doch so, daß alles das, was hier als Anthroposophie geltend gemacht wird, aus deutschem Geistesleben geflossen ist —, man konnte mit dem in der ganzen Welt irgendwie einen gewissen Eindruck machen. Wir waren soweit auf geistigem Gebiete. Was aber dem entgegengearbeitet hat, war wiederum das wirtschaftliche Gebiet. Und das muß man nur einmal genau durchschauen, wie dieses Nicht-in-Harmonie-Arbeiten des geistigen Lebens mit dem wirtschaftlichen Leben — wenn ich mich des kritischen Ausdrucks bedienen darf — das Urphänomen war all der Erscheinungen, die sich vorbereiteten in den achtziger Jahren, die auf ihrem Höhepunkt angelangt waren um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Es fließen da natürlich unzählige Kräfte und Strömungen zusammen, so daß man natürlich nicht alles in ein paar Worten zusammenfassen kann.
[ 5 ] Aber wenn man eine wichtige Erscheinung, eine grundlegende Erscheinung hervorheben will, so könnte das etwa in der Art geschehen, wie ich es 1908 einmal in einem Vortrage in Nürnberg getan habe. Ich habe damals darauf hingewiesen, wie charakteristisch es für das moderne soziale Leben ist, daß das Persönliche eigentlich immer mehr und mehr ausgeschaltet worden ist, namentlich auch in dem, was man Kapitalismus nennt, in dem Kapitalismus im allgemeinen — ohne das Kapital in der Wirtschaft verpönen zu wollen, man kann ja selbstverständlich das moderne Wirtschaftsleben nicht ohne Kapitalanlagen, also ohne Kapitalismus führen, und so zu reden, wie heute vielfach geredet wird über Kapitalismus, ist nichts anderes als purstes Laientum oder Dilettantismus. Das, um was es sich handelt, das ist, daß das kapitalistische Wesen im Grunde genommen seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts, sagen wir — vorbereitet wurde es schon früher —, immer unpersönlicher und unpersönlicher geworden ist. Ich führe da sehr gerne eine Anekdote an; Anekdoten sind ja manchmal charakteristisch für das, was sich abspielte. Als das internationale Wirtschaftsleben noch mehr von der Persönlichkeit abhängig war, kam es einmal vor, daß zu Rothschild in Paris auch der Finanzminister des Königs von Frankreich kommen mußte, weil der König sich, aus Gründen, die Sie sich leicht ausmalen können, an den Bankier wenden mußte. Er kam gerade in der Zeit, als Rothschild mit einem Lederhändler beschäftigt war. Nun führt ja der Kapitalismus zu einem gewissen instinktiven Sozialismus, das muß man sich klar machen. Rothschild, der ja sehr mächtig war und der in allem, was er kapitalistisch verwaltete, das persönliche Element drinnen geltend machte, nicht das unpersönliche Kapitalistische — Rothschild war also beschäftigt mit einem Lederhändler. Der Diener kam herein und meldete den Finanzminister des Königs. Er soll warten, bis ich fertig bin, — sagte Rothschild. Das konnte schon der Diener nicht recht begreifen und der, der draußen wartete, erst recht nicht. Er meinte, da müsse ein Mißverständnis vorliegen. Sagen Sie doch, schickte er nochmals den Diener, der Minister des Königs von Frankreich wäre da. — Rothschild ließ ihm wieder sagen, ja, er müsse halt warten. Das verstand der Minister erst recht nicht, er riß die Türe auf und war drinnen. Er sagte: Ich bin der Finanzminister des Königs von Frankreich. — Schön, sagte Rothschild, ich habe noch zu tun, bitte nehmen Sie einen Stuhl und setzen Sie sich. — Ja, aber ich bin doch der Minister des Königs von Frankreich! — Bitte nehmen Sie zwei Stühle, — sagte Rothschild.
[ 5 ] Aber wenn man eine wichtige Erscheinung, eine grundlegende Erscheinung hervorheben will, so könnte das etwa in der Art geschehen, wie ich es 1908 einmal in einem Vortrage in Nürnberg getan habe. Ich habe damals darauf hingewiesen, wie charakteristisch es für das moderne soziale Leben ist, daß das Persönliche eigentlich immer mehr und mehr ausgeschaltet worden ist, namentlich auch in dem, was man Kapitalismus nennt, in dem Kapitalismus im allgemeinen — ohne das Kapital in der Wirtschaft verpönen zu wollen, man kann ja selbstverständlich das moderne Wirtschaftsleben nicht ohne Kapitalanlagen, also ohne Kapitalismus führen, und so zu reden, wie heute vielfach geredet wird über Kapitalismus, ist nichts anderes als purstes Laientum oder Dilettantismus. Das, um was es sich handelt, das ist, daß das kapitalistische Wesen im Grunde genommen seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts, sagen wir — vorbereitet wurde es schon früher —, immer unpersönlicher und unpersönlicher geworden ist. Ich führe da sehr gerne eine Anekdote an; Anekdoten sind ja manchmal charakteristisch für das, was sich abspielte. Als das internationale Wirtschaftsleben noch mehr von der Persönlichkeit abhängig war, kam es einmal vor, daß zu Rothschild in Paris auch der Finanzminister des Königs von Frankreich kommen mußte, weil der König sich, aus Gründen, die Sie sich leicht ausmalen können, an den Bankier wenden mußte. Er kam gerade in der Zeit, als Rothschild mit einem Lederhändler beschäftigt war. Nun führt ja der Kapitalismus zu einem gewissen instinktiven Sozialismus, das muß man sich klar machen. Rothschild, der ja sehr mächtig war und der in allem, was er kapitalistisch verwaltete, das persönliche Element drinnen geltend machte, nicht das unpersönliche Kapitalistische — Rothschild war also beschäftigt mit einem Lederhändler. Der Diener kam herein und meldete den Finanzminister des Königs. Er soll warten, bis ich fertig bin, — sagte Rothschild. Das konnte schon der Diener nicht recht begreifen und der, der draußen wartete, erst recht nicht. Er meinte, da müsse ein Mißverständnis vorliegen. Sagen Sie doch, schickte er nochmals den Diener, der Minister des Königs von Frankreich wäre da. — Rothschild ließ ihm wieder sagen, ja, er müsse halt warten. Das verstand der Minister erst recht nicht, er riß die Türe auf und war drinnen. Er sagte: Ich bin der Finanzminister des Königs von Frankreich. — Schön, sagte Rothschild, ich habe noch zu tun, bitte nehmen Sie einen Stuhl und setzen Sie sich. — Ja, aber ich bin doch der Minister des Königs von Frankreich! — Bitte nehmen Sie zwei Stühle, — sagte Rothschild.
[ 6 ] Ich erzähle das darum, damit Sie auch aus dieser Anekdote sehen, daß in der Tat im Kapitalismus etwas tätig war, was im persönlichen Wollen, in den persönlichen Emotionen lag. Dieses persönliche Element, das hörte auf. Was ich gesagt habe, ist selbstverständlich keine Beweisführung, nur eine Illustration. Die Beweisführung müßte in einer ganzen Reihe von Vorträgen geleistet werden. Aber eben um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert nahm dieses persönliche Element die Wendung zum rein Sachlichen. Ich möchte sagen: Es traten Kräfte ein, durch die sich die Kapitalmassen wie von selbst bewegten. Das Aktienkapital trat in den Vordergrund gegenüber dem einzelnen Kapital, die Gesellschaft an die Stelle des Einflusses der einzelnen Persönlichkeit. Damit trat ein unpersönliches Element auf, so daß der Mensch im modernen Wirtschaftsleben allmählich wie in ein unpersönliches Element eingespannt wurde. Und an die Stelle der persönlichen Initiative trat das, was man nennen kann die Routine. Es war nicht mehr möglich, im Wirtschaftsleben etwas anderes zu entfalten als Routine. Wer die Wirtschaftsgeschichte studiert, wird finden, wie diese Dinge in der Entwicklung des modernen Wirtschaftslebens begründert sind, und wie sie es sind, die zu der furchtbaren Weltkatastrophe drängten. — Die war nun da, und so konnte man gerade in dieser Zeit glauben, daß eben der rechte Zeitpunkt gekommen wäre, wo die Menschen aus der Lebenspraxis heraus begreifen könnten, daß das Zusammenwirken dieser drei Gebiete in entsprechender Weise gesucht werden müsse. Und das ist es, was das Wesentliche ist an dem, was als Dreigliederung des sozialen Organismus auftrat: nicht die Idee als solche, sondern die Art und Weise, wie in jeder Einzelheit aus der unmittelbaren Lebenspraxis heraus die Dinge aus dem Konkreten gedacht sind. Es ist etwas durch und durch Anti-Utopistisches in diesem Dreigliederungsimpuls, wie er hier auftritt, etwas, was abweist jede Art von Utopie, was nur aus dem Praktischen des Lebens heraus arbeiten will.
[ 6 ] Ich erzähle das darum, damit Sie auch aus dieser Anekdote sehen, daß in der Tat im Kapitalismus etwas tätig war, was im persönlichen Wollen, in den persönlichen Emotionen lag. Dieses persönliche Element, das hörte auf. Was ich gesagt habe, ist selbstverständlich keine Beweisführung, nur eine Illustration. Die Beweisführung müßte in einer ganzen Reihe von Vorträgen geleistet werden. Aber eben um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert nahm dieses persönliche Element die Wendung zum rein Sachlichen. Ich möchte sagen: Es traten Kräfte ein, durch die sich die Kapitalmassen wie von selbst bewegten. Das Aktienkapital trat in den Vordergrund gegenüber dem einzelnen Kapital, die Gesellschaft an die Stelle des Einflusses der einzelnen Persönlichkeit. Damit trat ein unpersönliches Element auf, so daß der Mensch im modernen Wirtschaftsleben allmählich wie in ein unpersönliches Element eingespannt wurde. Und an die Stelle der persönlichen Initiative trat das, was man nennen kann die Routine. Es war nicht mehr möglich, im Wirtschaftsleben etwas anderes zu entfalten als Routine. Wer die Wirtschaftsgeschichte studiert, wird finden, wie diese Dinge in der Entwicklung des modernen Wirtschaftslebens begründert sind, und wie sie es sind, die zu der furchtbaren Weltkatastrophe drängten. — Die war nun da, und so konnte man gerade in dieser Zeit glauben, daß eben der rechte Zeitpunkt gekommen wäre, wo die Menschen aus der Lebenspraxis heraus begreifen könnten, daß das Zusammenwirken dieser drei Gebiete in entsprechender Weise gesucht werden müsse. Und das ist es, was das Wesentliche ist an dem, was als Dreigliederung des sozialen Organismus auftrat: nicht die Idee als solche, sondern die Art und Weise, wie in jeder Einzelheit aus der unmittelbaren Lebenspraxis heraus die Dinge aus dem Konkreten gedacht sind. Es ist etwas durch und durch Anti-Utopistisches in diesem Dreigliederungsimpuls, wie er hier auftritt, etwas, was abweist jede Art von Utopie, was nur aus dem Praktischen des Lebens heraus arbeiten will.
[ 7 ] Das ist dasjenige, was so wenig gesehen wird und was — auch oftmals von Anhängern des sogenannten Dreigliederungsgedankens — nicht in gebührender Weise berücksichtigt wird. Es geschieht sehr häufig, daß über die Dreigliederung, auch sogar von Anhängern, so diskutiert wird, als wäre sie eine Utopie, als wäre sie nicht hervorgegangen aus dem, was eigentlich alle Menschen auf ihren Gebieten wollen. Man braucht eben nur die einzelnen Willen zusammenzufassen. Bewußt sind sich die Menschen meistens nicht darüber, was sie wollen, aber sie wollen es doch. Das Unterbewußte spielt eine viel größere Rolle im sozialen Leben, als man denkt. Deshalb haben mir immer wieder Leute gesagt: Ja, was da in den «Kernpunkten» steht, die ja doch dem Dreigliederungsimpuls, wie er heute auftritt, zugrunde liegen, das will diese oder jene Gesellschaft auf diesem oder jenem Gebiete auch. — Ein anderer kam mit einem andern Spezialgebiet. Das ist nichts Neues, sagten sie. — Umso besser, sagte ich. Je weniger etwas neu ist, desto besser. Je mehr es wurzelt in dem, was die Menschen schon wollen, umso besser. Es kommt eben lediglich darauf an, daß eine gewisse Verständigung unter den einzelnen Spezialgebieten eintrete. Und da glaube ich allerdings, daß der Vortrag von Herrn Dr. Unger heute insofern eine außerordentliche Wichtigkeit haben konnte, weil er ja ganz beseelt war von dem Gedanken, daß schließlich dasjenige, was der Techniker auf seinem Gebiete will, nicht gelöst werden kann als eine besondere Frage, ohne daß der Blick gewendet wird auf das gesamte soziale Leben. Es hat deshalb keine große Bedeutung, wenn man davon spricht, daß die Spezialideen schon mal geäußert worden sind oder da oder dort aufgetreten sind in Anklängen, oder wenn man sagt, daß sogar alles schon mal aufgetreten sei. Nehmen wir einmal die äußerste Hypothese an. Nehmen wir an, Herr Dr. Unger hätte gar nichts Neues gesagt, sondern seine Ideen seien seit Jahrzehnten meinetwillen von den verschiedensten technischen Zweigen und Gesellschaften ausgesprochen worden. Ich glaube aber, daß man mir in einem zustimmen muß, auch wenn diese Hypothese richtig wäre: Ausgeführt worden sind sie aber nicht, diese Ideen — das wird ja wohl niemand behaupten. Daß sie gehegt worden sind, kann mancher behaupten, daß sie ausgeführt worden sind, kann aber keiner behaupten. Sie sind heute Fragen, wie sie vor Jahrzehnten Fragen gewesen sind. Und das darum, weil sie spezialistisch behandelt wurden, so daß sich der Techniker auf seinen Kreis einschränkte, und von diesem Kreise aus alle speziellen Technikerfragen behandelte. So lassen sich die Dinge aber heute nicht lösen. Wir haben nicht nur eine Weltwirtschaft, wir haben auch ein Weltempfinden, etwas, was über die ganze Welt geht, und was auf wirtschaftlich-technischem Gebiete nur als Weltfrage behandelt werden kann. Die Antwort, warum die Lösung nicht gefunden werden konnte, ist die, daß der Techniker gewissermaßen alleinstand. Der Techniker mußte dieses Alleinstehen sogar schmerzlich empfinden aus dem Grunde, weil er ja, so wie er sich herausgebildet hat als moderner Techniker, das modernste an Persönlichkeit des modernen Lebens ist. Man kann von den verschiedensten anderen Ständen des modernen Lebens sagen: da und dort haben sie ihre Wurzeln. Was der moderne Techniker ist, ist er mit der modernen Technik geworden. Er stellt in der ganzen sozialen Ordnung einen Stand dar, und durch seinen besonderen Beruf ergibt sich ein sozialer Zusammenhang, der selber eine soziale Frage ist. Die kann aber nur im Zusammenhang mit dem ganzen sozialen Leben behandelt werden. Daher wird dasjenige, was Dr. Unger formuliert hat mit dem Worte «Technik als freie Kunst», solange eine Utopie bleiben, solange nicht gefunden wird der Anschluß der speziellen Technikerwünsche und Technikerideen an die universellen sozialen Ideen. Am meisten hat der Techniker nötig, sich einen universellen Blick für die sozialen Bedürfnisse anzueignen, und zwar aus dem Grunde, weil er sich als etwas Neues hineingestellt hat in das moderne Leben. Der Landwirt hat ja diesen sozialen Blick auch nötig, insofern die Landwirtschaft selber von der Technik übersponnen wird. Aber als Landwirt selbst ist er uralt. Aber an dem, was sich da als etwas ganz Neues hineingestellt hat in die moderne soziale Entwicklung, an dem muß gerade das Wesentliche der sozialen Frage am bedeutsamsten hervortreten. Und das ist das, was vielleicht besonders betont werden muß. Ich will nicht auf spezielle Dreigliederungsfragen eingehen, die sofort da sind, wenn man über spezielle Fragen der Techniker spricht. Das Wesentliche liegt darin, daß die Technikerfragen behandelt werden als ein Kapitel der allgemeinen großen sozialen Fragen. Da kommt es nicht darauf an, etwa anzunehmen, daß man von anthroposophischer Seite aus die Technikerfrage nun einfach äußerlich in die Dreigliederungsbewegung hineinziehen wolle. Die Dreigliederungsbewegung wäre ein bloßes Schlagwort, wenn man die Sache so behandeln wollte. Aber nicht um Schlagworte handelt es sich, sondern um etwas anderes. Darum handelt es sich, daß durch die Bewegung, die sich auch anders nennen könnte, die drei Glieder des sozialen Lebens in ein richtiges Verhältnis gebracht werden sollen gegenüber dem Intellektualismus, der das Bestreben hat, alles in einen Topf zusammen zu werfen, wenn er auch dann aus dem einen Topf zum Beispiel die Vierzehn Punkte herausnimmt, die, sofern es Woodrow Wilsons Vierzehn Punkte waren, in bezug auf ihren Intellektualismus wahrhaftig nichts zu wünschen übrig lassen. Die Dreigliederungsidee wurde von mir zuerst geäußert, gerade als man in einem furchtbar ernsten Moment wiederum einmal nicht aus der Lebenspraxis heraus die Lösung der Fragen suchte, sondern aus Köpfen, aus dem Intellektualismus heraus, mit den Vierzehn Punkten Wilsons. Man konnte besonders auch im Ausland sehen, wie diese Vierzehn Punkte, als sie auftraten, etwas Pathologisches in der Menschheit ansprachen, und es war im höchsten Maße zu bedauern, daß im ernstesten Augenblick der neueren deutschen Geschichtsentwicklung, im Herbste 1918, Mitteleuropa sich sogar auf diese Vierzehn Punkte einließ und nicht sehen konnte, wie wir gerade im gegenwärtigen Augenblick genötigt sind, uns ohne alle blassen Theorien unmittelbar auf die Lebenspraxis einzulassen und aus ihr heraus die Dinge zu studieren. Die Vierzehn Punkte waren eine Utopie; die weitere Entwicklung hat das gezeigt. Die Menschheit wird sich überzeugen müssen, daß mit solchen Utopien nichts zu erreichen ist, sondern daß lediglich etwas erreicht wird, wenn man wirklichkeitsgemäß sich auf das einläßt, was da ist; wenn man aus dem Daseienden heraus nicht nur logisch — das ist heute leicht —, sondern wirklichkeitsgemäß zu denken versteht.
[ 7 ] Das ist dasjenige, was so wenig gesehen wird und was — auch oftmals von Anhängern des sogenannten Dreigliederungsgedankens — nicht in gebührender Weise berücksichtigt wird. Es geschieht sehr häufig, daß über die Dreigliederung, auch sogar von Anhängern, so diskutiert wird, als wäre sie eine Utopie, als wäre sie nicht hervorgegangen aus dem, was eigentlich alle Menschen auf ihren Gebieten wollen. Man braucht eben nur die einzelnen Willen zusammenzufassen. Bewußt sind sich die Menschen meistens nicht darüber, was sie wollen, aber sie wollen es doch. Das Unterbewußte spielt eine viel größere Rolle im sozialen Leben, als man denkt. Deshalb haben mir immer wieder Leute gesagt: Ja, was da in den «Kernpunkten» steht, die ja doch dem Dreigliederungsimpuls, wie er heute auftritt, zugrunde liegen, das will diese oder jene Gesellschaft auf diesem oder jenem Gebiete auch. — Ein anderer kam mit einem andern Spezialgebiet. Das ist nichts Neues, sagten sie. — Umso besser, sagte ich. Je weniger etwas neu ist, desto besser. Je mehr es wurzelt in dem, was die Menschen schon wollen, umso besser. Es kommt eben lediglich darauf an, daß eine gewisse Verständigung unter den einzelnen Spezialgebieten eintrete. Und da glaube ich allerdings, daß der Vortrag von Herrn Dr. Unger heute insofern eine außerordentliche Wichtigkeit haben konnte, weil er ja ganz beseelt war von dem Gedanken, daß schließlich dasjenige, was der Techniker auf seinem Gebiete will, nicht gelöst werden kann als eine besondere Frage, ohne daß der Blick gewendet wird auf das gesamte soziale Leben. Es hat deshalb keine große Bedeutung, wenn man davon spricht, daß die Spezialideen schon mal geäußert worden sind oder da oder dort aufgetreten sind in Anklängen, oder wenn man sagt, daß sogar alles schon mal aufgetreten sei. Nehmen wir einmal die äußerste Hypothese an. Nehmen wir an, Herr Dr. Unger hätte gar nichts Neues gesagt, sondern seine Ideen seien seit Jahrzehnten meinetwillen von den verschiedensten technischen Zweigen und Gesellschaften ausgesprochen worden. Ich glaube aber, daß man mir in einem zustimmen muß, auch wenn diese Hypothese richtig wäre: Ausgeführt worden sind sie aber nicht, diese Ideen — das wird ja wohl niemand behaupten. Daß sie gehegt worden sind, kann mancher behaupten, daß sie ausgeführt worden sind, kann aber keiner behaupten. Sie sind heute Fragen, wie sie vor Jahrzehnten Fragen gewesen sind. Und das darum, weil sie spezialistisch behandelt wurden, so daß sich der Techniker auf seinen Kreis einschränkte, und von diesem Kreise aus alle speziellen Technikerfragen behandelte. So lassen sich die Dinge aber heute nicht lösen. Wir haben nicht nur eine Weltwirtschaft, wir haben auch ein Weltempfinden, etwas, was über die ganze Welt geht, und was auf wirtschaftlich-technischem Gebiete nur als Weltfrage behandelt werden kann. Die Antwort, warum die Lösung nicht gefunden werden konnte, ist die, daß der Techniker gewissermaßen alleinstand. Der Techniker mußte dieses Alleinstehen sogar schmerzlich empfinden aus dem Grunde, weil er ja, so wie er sich herausgebildet hat als moderner Techniker, das modernste an Persönlichkeit des modernen Lebens ist. Man kann von den verschiedensten anderen Ständen des modernen Lebens sagen: da und dort haben sie ihre Wurzeln. Was der moderne Techniker ist, ist er mit der modernen Technik geworden. Er stellt in der ganzen sozialen Ordnung einen Stand dar, und durch seinen besonderen Beruf ergibt sich ein sozialer Zusammenhang, der selber eine soziale Frage ist. Die kann aber nur im Zusammenhang mit dem ganzen sozialen Leben behandelt werden. Daher wird dasjenige, was Dr. Unger formuliert hat mit dem Worte «Technik als freie Kunst», solange eine Utopie bleiben, solange nicht gefunden wird der Anschluß der speziellen Technikerwünsche und Technikerideen an die universellen sozialen Ideen. Am meisten hat der Techniker nötig, sich einen universellen Blick für die sozialen Bedürfnisse anzueignen, und zwar aus dem Grunde, weil er sich als etwas Neues hineingestellt hat in das moderne Leben. Der Landwirt hat ja diesen sozialen Blick auch nötig, insofern die Landwirtschaft selber von der Technik übersponnen wird. Aber als Landwirt selbst ist er uralt. Aber an dem, was sich da als etwas ganz Neues hineingestellt hat in die moderne soziale Entwicklung, an dem muß gerade das Wesentliche der sozialen Frage am bedeutsamsten hervortreten. Und das ist das, was vielleicht besonders betont werden muß. Ich will nicht auf spezielle Dreigliederungsfragen eingehen, die sofort da sind, wenn man über spezielle Fragen der Techniker spricht. Das Wesentliche liegt darin, daß die Technikerfragen behandelt werden als ein Kapitel der allgemeinen großen sozialen Fragen. Da kommt es nicht darauf an, etwa anzunehmen, daß man von anthroposophischer Seite aus die Technikerfrage nun einfach äußerlich in die Dreigliederungsbewegung hineinziehen wolle. Die Dreigliederungsbewegung wäre ein bloßes Schlagwort, wenn man die Sache so behandeln wollte. Aber nicht um Schlagworte handelt es sich, sondern um etwas anderes. Darum handelt es sich, daß durch die Bewegung, die sich auch anders nennen könnte, die drei Glieder des sozialen Lebens in ein richtiges Verhältnis gebracht werden sollen gegenüber dem Intellektualismus, der das Bestreben hat, alles in einen Topf zusammen zu werfen, wenn er auch dann aus dem einen Topf zum Beispiel die Vierzehn Punkte herausnimmt, die, sofern es Woodrow Wilsons Vierzehn Punkte waren, in bezug auf ihren Intellektualismus wahrhaftig nichts zu wünschen übrig lassen. Die Dreigliederungsidee wurde von mir zuerst geäußert, gerade als man in einem furchtbar ernsten Moment wiederum einmal nicht aus der Lebenspraxis heraus die Lösung der Fragen suchte, sondern aus Köpfen, aus dem Intellektualismus heraus, mit den Vierzehn Punkten Wilsons. Man konnte besonders auch im Ausland sehen, wie diese Vierzehn Punkte, als sie auftraten, etwas Pathologisches in der Menschheit ansprachen, und es war im höchsten Maße zu bedauern, daß im ernstesten Augenblick der neueren deutschen Geschichtsentwicklung, im Herbste 1918, Mitteleuropa sich sogar auf diese Vierzehn Punkte einließ und nicht sehen konnte, wie wir gerade im gegenwärtigen Augenblick genötigt sind, uns ohne alle blassen Theorien unmittelbar auf die Lebenspraxis einzulassen und aus ihr heraus die Dinge zu studieren. Die Vierzehn Punkte waren eine Utopie; die weitere Entwicklung hat das gezeigt. Die Menschheit wird sich überzeugen müssen, daß mit solchen Utopien nichts zu erreichen ist, sondern daß lediglich etwas erreicht wird, wenn man wirklichkeitsgemäß sich auf das einläßt, was da ist; wenn man aus dem Daseienden heraus nicht nur logisch — das ist heute leicht —, sondern wirklichkeitsgemäß zu denken versteht.
[ 8 ] Nach einem solchen Denken strebt Anthroposophie, die nur eingesehen werden kann, wenn man es, wenn vom Geiste die Rede ist, nicht macht wie jener Bauer, dem ein Magnet gezeigt wurde, und der sagte: Ach, Unsinn, das ist doch ein Hufeisen, damit will ich mein Pferd beschlagen. — So ungefähr verhält sich derjenige zur Wirklichkeit, der dieser Wirklichkeit den Geist ableugnet. Und das ist nicht zu umgehen, daß, wenn jemand wirklichkeitsgemäß denken will, er auch auf das Geistige zu sprechen kommen muß. Daher ist Anthroposophie eine Geisteswissenschaft. Und das, was sie mit den tiefsten, bedeutsamsten Zeitforderungen gemein hat, das ist, daß sie wirklichkeitsgemäß, daß sie praktisch sein will, da, wo es sich um das Praktische, namentlich das wirtschaftlich-technische Leben handelt. Und jeder, wenn er auch diese oder jene sonst abweichende Ansicht hat oder zu haben glaubt — daß zum Beispiel die Anthroposophie sich zu wenig mit Gott beschäftigte, was eine ganz unbegründete Meinung ist, oder daß für manche Leute sie sich wieder viel zu viel mit Gott beschäftige, die von dieser Seite her Gegner sind, und ebenso sind die anderen Dinge, die hier erwähnt wurden, sie sind wieder von anderen Gesichtspunkten aus gesagt —, aber jeder, wenn er auch irgendwelche andere Ansichten über das eine oder das andere hat, wenn er es ernst meint mit einem wirklichkeitsgemäßen Gestalten unserer sozialen Verhältnisse auf irgendeinem Spezialgebiet aus dem universalen Denken des Ganzen heraus, wird dann auch Anknüpfungspunkte finden zu dem, was als anthroposophische Bewegung sich geltend macht. Denn sie will nicht phantastisch sein, sondern sie will menschlich sein. Und mit dem, der das Menschliche versteht, wird sie sich gerne zusammenfinden.
[ 8 ] Nach einem solchen Denken strebt Anthroposophie, die nur eingesehen werden kann, wenn man es, wenn vom Geiste die Rede ist, nicht macht wie jener Bauer, dem ein Magnet gezeigt wurde, und der sagte: Ach, Unsinn, das ist doch ein Hufeisen, damit will ich mein Pferd beschlagen. — So ungefähr verhält sich derjenige zur Wirklichkeit, der dieser Wirklichkeit den Geist ableugnet. Und das ist nicht zu umgehen, daß, wenn jemand wirklichkeitsgemäß denken will, er auch auf das Geistige zu sprechen kommen muß. Daher ist Anthroposophie eine Geisteswissenschaft. Und das, was sie mit den tiefsten, bedeutsamsten Zeitforderungen gemein hat, das ist, daß sie wirklichkeitsgemäß, daß sie praktisch sein will, da, wo es sich um das Praktische, namentlich das wirtschaftlich-technische Leben handelt. Und jeder, wenn er auch diese oder jene sonst abweichende Ansicht hat oder zu haben glaubt — daß zum Beispiel die Anthroposophie sich zu wenig mit Gott beschäftigte, was eine ganz unbegründete Meinung ist, oder daß für manche Leute sie sich wieder viel zu viel mit Gott beschäftige, die von dieser Seite her Gegner sind, und ebenso sind die anderen Dinge, die hier erwähnt wurden, sie sind wieder von anderen Gesichtspunkten aus gesagt —, aber jeder, wenn er auch irgendwelche andere Ansichten über das eine oder das andere hat, wenn er es ernst meint mit einem wirklichkeitsgemäßen Gestalten unserer sozialen Verhältnisse auf irgendeinem Spezialgebiet aus dem universalen Denken des Ganzen heraus, wird dann auch Anknüpfungspunkte finden zu dem, was als anthroposophische Bewegung sich geltend macht. Denn sie will nicht phantastisch sein, sondern sie will menschlich sein. Und mit dem, der das Menschliche versteht, wird sie sich gerne zusammenfinden.
